Die spiegelnde Wasseroberfläche kräuselte sich und verzerrte das so fremde Bild das sich ihm darin zeigte. In einer flüssigen Bewegung wand der junge Mann sich von der gefrorenen Pfütze ab.
Die angenehme Wärme des Raums schlug ihm entgegen als er die Hafenschenke betrat und die dunklen Augen einen Augenblick lang über die leeren Tische schweifen ließ.
Es war erstaunlich wie oft die verschlungenen Pfade der Schicksaals ihn nun schon hier her geführt hatten. Auch dieser Gedanke wurde mit einem flüchtigen Blinzeln vertrieben denn sie war bereits da.
Die blauhaarige Frau wirkte ungewohnt paranoid, und das Verhandlungsgespräch verlief nach allgemeinen Maßstäben denkbar schlecht. Misstrauisch hinterfragte sie jedes dargelegte Angebot suchte Stolperfallen oder versteckten Verrat es war eine Tortur. Dabei war das was seinen Lippen entsprang der Wahrheit gar nicht so fremd.
Einer seiner Brüder brauchte etwas und zu seinem erstaunen sollte sich diese Kleinigkeit unter dem Haus dieser blauhaarigen Frau befinden. Knochen, doch nicht die Knochen eines einfachen Mannes nein es waren die verschütteten Gebeine eines alten, hohen Bruders, Varoth.
Er hatte bereits Tage damit verbracht die Grundrisse abzugleichen und sich ältere Baupläne aus der Stadtbibliothek anzusehen es waren von ihrem Keller aus nur wenige Meter bis in den verschütteten Bereich in dem sie ihren Bruder vermuteten eine Arbeit von vielleicht einem halben Tag. Doch eine offizielle Grabungserlaubnis bei der Stadt einzuholen würde den Rahmen der verfügbaren Zeit deutlich sprengen, der Gedanke wurde ebenso rasch verworfen wie er aufgekommen war.
Was blieb war ein unkonventioneller Durchbruch von Keller zu Keller, die Besitzerin würde ihren Preis haben den haben sie immer hin alle… oder nicht?
Oder nicht…, schnitt es ihm durch den Geist als die Worte seiner Gegenüber ihn aus den Gedanken rissen.
„Ich werde keinen Trupp fremder Leute in mein Haus lassen ich weis ja nicht mal wer die sind nachher will mich einer davon umbringen!“
Gold schien sie nicht zu interessieren, sie ging über jedes Angebot kommentarlos hinweg. Mit einem tiefen Atemzug richtete er sich schließlich auf und rollte die aufgefalteten Pläne wieder zusammen. Seine Geduld war am Ende und ein grelles licht begleitet von einem statischen Knistern beendete auch die Verhandlungen.
Die Arbeiten waren bereits im vollen Gange als sich der zierliche Körper der nun, an das Gatter ihres eigenen Kerkers gefesselten, blauhaarigen Frau wieder regte. Fünf Männer arbeiteten bereits daran das Gemäuer abzutragen und einen kleinen Tunnel zu graben. Das wohl Auffallenste an ihnen war die Tatsache, dass die gesamten Körper von Kopf bis Fuß in schwarzes Leinen gehüllt waren. Selbst ihre Gesichter wurden von einem schweren schwarzen Tuch verhüllt. Sie arbeiteten mit einem schier unermüdlichen Eifer Hieb um hieb gruben sie den kleinen Tunnel voran hinein in das verschüttete Stück Gemäuer in welchem sich die gesuchten Knochen verbargen. Natürlich war dort noch dieser schwache bittersüße Geruch der an ihnen haftet.
Sie war recht still, ungewöhnlich still sogar die wenigen Worte die Gewechselt wurden waren inhaltlose Floskeln, man musste die Zeit totschlagen und ihm selbst sollte es recht sein. Seine Arbeiter voranzutreiben kostete ihn mehr als genug Kraft und so musste er sich nicht noch mit ihr befassen.
Die Arbeiten verliefen gut die stetigen Schläge gegen das Gestein hallte in dem kleinen Keller wieder, beinahe schon penetrant dröhnten die Schläge nach ohne je an Kraft oder Intensität zu verlieren. Die gesuchten Gebeine wurden unter den verschütteten Resten eines vergessenen Kellers gefunden und geborgen und, obwohl es eigentlich unnötig war wurde das Loch wieder aufgeschüttet Stein um Stein wurde die wand wieder hergestellt. Eine ganze Weile suchte er nach einem Grund, vielleicht seine Art zu zeigen, dass dies nichts mit ihr zu tun hatte.
Sie war lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort.
Sie war ein ganz eigener Schlag von Mensch er konnte es in ihren Augen sehen, in ihren Worten hören das Leben nahm ihr mehr als das es ihr gab und doch, er konnte es so klar sehen dieser Wille zu leben, der Wille allen Widrigkeiten zum trotz das eigene Leben nicht sinnlos zu vergeuden. So eine Mauer konnte ein Geheimnis für eine sehr lange zeit hinter sich begraben, ebenso wie einen Menschen. Sie verstand dies, sie verstand überraschend viel.
Als er hatte weshalb er hier war, verließ er sie Die Arbeiter stiegen die Stufen aus dem Keller empor verloren sich in den weiten Schatten des sterbenden Tages, alles was von ihnen blieb war Stille und eine frisch gemörtelte Wand, gleich einer Mahnung an die junge Frau.
Der Junge Mann ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen den blick in den sich verdunkelnden Himmel gerichtet verblasste seine gestalt zwischen den Häusern des Hafenviertels.
Knochenarbeit...
- Drakhon Sokarth
- Beiträge: 612
- Registriert: Donnerstag 13. März 2008, 03:43
-
Fiora Talaen
Aus der Dunkelheit griff eine gräuliche, knochige Hand nach ihr und umgriff ihren Hals. Er drückte nicht zu, er hielt sie nur fest - ließ ihr Platz zum atmen, aber fliehen konnte sie nicht. Das Gefühl der Enge umschlung ihre Brust und raubte ihr fast das Bewusstsein, langsam stieg dabei die Angst in ihr empor und trieb sie in den Wahnsinn. Sie begann wild um sich zu schlagen und versuchte sich panisch von der Hand zu befreien, doch gelingen konnte es ihr nicht. Je mehr sie sich wehrte, desto enger zogen sich die dünnen, langgliedrigen Finger um ihren Hals, schnürrten ihr die Luftzufuhr ab, dennoch konnte sie noch atmen. Ihre Augen huschten unsicher an der Hand weiter entlang, doch dort stand niemand.. nur eine führerlose Hand, die sie festhielt... Halt... mit einem Mal wurde sie ruhig und ihr Blick verweilte auf gleicher Ebene... als plötzlich raubtierähnliche, gelbe Augen gegenüber aufleuchteten und auf sie zukamen, sie spürte einen Windzug und wie ein Flüstern drangen Worte an ihr Ohr, die ihren Geist vergifteten...
<<Sagt mir... quält euch die Stille, die nach euren Gebeten folgt...?>>
Dann löste sich die Hand von ihrem Hals und er verschwand in der
Finsternis.. wie er es immer tat. Erneut umgab sie nun die Dunkelheit und sie fühlte sich alleine, einsam... verloren.. sie spürte jeden einzelnen Muskel, der von seinem Angriff schmerzte... aber was viel schlimmer war... war der Riss, der sich langsam durch ihre Fassade zog... und zögerlich begann es zu bröckeln.. seine Worte fraßen sich wie Gift durch ihr Bollwerk und drangen zu ihr vor... es fühltt sich an, als würde sie erneut spüren, wie sich seine eiskalten Hände um sie legten und ihr Herz nun zu halten versuchte. Der Schmerz durchdrang ihren Geist... schrecklicher, als jede Tortour, die ihr Körper je empfinden musste... und dann verlor sie den Halt... und fiel... nichts fing sie auf.. nichts hielt sie auf... sie flog herab... in einen endlosen Tunnel..
Erschrocken und schweißgebadet erwachte sie... Am liebsten würde sie gar nicht mehr schlafen, doch ab und an trieben die Müdigkeit und der geschundene Körper sie doch in einen leichten, meist qualvollen Schlaf. Sie war es zwar gewohnt von Alpträumen heimgesucht zu werden - aber meist nur aus vergangenen Tagen.. von einem schweren Verlust... von schrecklichen Erinnerungen, die sie sich selbst noch nicht verziehen hatte. Dinge, die sie nicht verarbeitet hatte.. und auch niemals verarbeiten konnte... die sie tagsüber verdrängte und die sie dann nachts immer wieder heimsuchten und quälten. Es war ein Teil von ihr.. und sie hatte es akzeptiert. Sie hatte viel verloren... und noch weniger bekommen.. doch... dass war Teil ihres Lebens.. eine Prüfung...? Wozu..? Er hatte zu Recht diese Fragen gestellt... Warum sollte man sie auf diese Weise prüfen..? So viel Leid.. so viel Verlust.. so viel Verrat... all der Schmerz schien sie heute wieder gefunden zu haben... die Zweifel öffneten ihm die Schleussen zu ihr selbst... und arbeiteten sich in ihr voran... und begannen sie zu brechen...
Sicher... sie hatte Menschen... gefunden.. die sich als Freunde erwiesen. Doch.. dennoch konnte sie nicht einmal diesen Menschen trauen.. zu tief saß der Schmerz.. von all den Lügen.. und den Abschieden, die sie schon vollführen musste. Bevor sie hier her kam, war ihre Art damit umzugehen... lediglich selbstschadend. Sie trank Tag ein und Tag aus.. bis der Glaube.. ihr Selbstbild wieder etwas aufpolierte. Sie bekam einen Spiegel vorgehalten und was sie sah, war ein schreckliches Bildnis ihrer Selbst... ein gescheitertes Leben.. eine Person, die nicht mehr vorankam..
Auch.. wenn diese Art... eigentlich überhaupt nicht zu ihr passte, begann sie sich damit anzufreunden.. gewisse Vorsätze... passten.. und durch ihre Verinnerlichung, konnte sie wieder aufstehen. Sie lernte wieder laufen.. die Füße unter ihr begannen wieder voranzutreiben. Eine neue Aufgabe ergab sich und sie hatte eine Beschäftigung.. eine Erfüllung. Sie lebte sich ein.. und sie fühlte sich teilweise sogar geschätzt. Sie begann sich wohl zu fühlen in dem, was sie tat...
... und dennoch.. warum war sie hier..? Der Unterschied war deutlich... und dennoch schien es ihr egal. Sie verstanden nicht.. aber machte dies diejenigen zu etwas besseren? Sie waren blind.. und dennoch meinten sie zu sehen.. Vielleicht war sie nicht verkehrt, sondern die Anderen..? Sie sprachen - doch ihre Worte prallten an ihr ab... und hüllten sich in ein Fragezeichen. Nur leerer Rauch kam... kein Inhalt.. keine Tiefgründigkeit.. Nichts. Tiefer sehen konnten sie nicht, den Zweck hinter der Sache erkennen.. schwerlich bis unmöglich. Sie verstanden nicht.. und daher tratt sie zurück. Sie halfen nicht, also half sie sich selbst.. auf ihre Weise. Wer sie brauchte, würde sie finden.. für alle anderen, würde sie Nebel sein.. sie diente, wie sie es am besten konnte.. für sich.
... und plötzlich traf sie auf Boden. Die Füße standen fest... und zwei Hände hielten sie fest. Die Angst verschwand... denn alles, was sie bisher erlebte... hatte sie überlebt... und das würde sie wieder tun.. wer einst Feind war, wurde Freund... und Freunde verließen die Stellung und gingen ihre eigenen Wege... ihre Augen huschten über die Schulter, um zu sehen.. und sie erkannte..
<<Sagt mir... quält euch die Stille, die nach euren Gebeten folgt...?>>
Dann löste sich die Hand von ihrem Hals und er verschwand in der
Finsternis.. wie er es immer tat. Erneut umgab sie nun die Dunkelheit und sie fühlte sich alleine, einsam... verloren.. sie spürte jeden einzelnen Muskel, der von seinem Angriff schmerzte... aber was viel schlimmer war... war der Riss, der sich langsam durch ihre Fassade zog... und zögerlich begann es zu bröckeln.. seine Worte fraßen sich wie Gift durch ihr Bollwerk und drangen zu ihr vor... es fühltt sich an, als würde sie erneut spüren, wie sich seine eiskalten Hände um sie legten und ihr Herz nun zu halten versuchte. Der Schmerz durchdrang ihren Geist... schrecklicher, als jede Tortour, die ihr Körper je empfinden musste... und dann verlor sie den Halt... und fiel... nichts fing sie auf.. nichts hielt sie auf... sie flog herab... in einen endlosen Tunnel..
Erschrocken und schweißgebadet erwachte sie... Am liebsten würde sie gar nicht mehr schlafen, doch ab und an trieben die Müdigkeit und der geschundene Körper sie doch in einen leichten, meist qualvollen Schlaf. Sie war es zwar gewohnt von Alpträumen heimgesucht zu werden - aber meist nur aus vergangenen Tagen.. von einem schweren Verlust... von schrecklichen Erinnerungen, die sie sich selbst noch nicht verziehen hatte. Dinge, die sie nicht verarbeitet hatte.. und auch niemals verarbeiten konnte... die sie tagsüber verdrängte und die sie dann nachts immer wieder heimsuchten und quälten. Es war ein Teil von ihr.. und sie hatte es akzeptiert. Sie hatte viel verloren... und noch weniger bekommen.. doch... dass war Teil ihres Lebens.. eine Prüfung...? Wozu..? Er hatte zu Recht diese Fragen gestellt... Warum sollte man sie auf diese Weise prüfen..? So viel Leid.. so viel Verlust.. so viel Verrat... all der Schmerz schien sie heute wieder gefunden zu haben... die Zweifel öffneten ihm die Schleussen zu ihr selbst... und arbeiteten sich in ihr voran... und begannen sie zu brechen...
Sicher... sie hatte Menschen... gefunden.. die sich als Freunde erwiesen. Doch.. dennoch konnte sie nicht einmal diesen Menschen trauen.. zu tief saß der Schmerz.. von all den Lügen.. und den Abschieden, die sie schon vollführen musste. Bevor sie hier her kam, war ihre Art damit umzugehen... lediglich selbstschadend. Sie trank Tag ein und Tag aus.. bis der Glaube.. ihr Selbstbild wieder etwas aufpolierte. Sie bekam einen Spiegel vorgehalten und was sie sah, war ein schreckliches Bildnis ihrer Selbst... ein gescheitertes Leben.. eine Person, die nicht mehr vorankam..
Auch.. wenn diese Art... eigentlich überhaupt nicht zu ihr passte, begann sie sich damit anzufreunden.. gewisse Vorsätze... passten.. und durch ihre Verinnerlichung, konnte sie wieder aufstehen. Sie lernte wieder laufen.. die Füße unter ihr begannen wieder voranzutreiben. Eine neue Aufgabe ergab sich und sie hatte eine Beschäftigung.. eine Erfüllung. Sie lebte sich ein.. und sie fühlte sich teilweise sogar geschätzt. Sie begann sich wohl zu fühlen in dem, was sie tat...
... und dennoch.. warum war sie hier..? Der Unterschied war deutlich... und dennoch schien es ihr egal. Sie verstanden nicht.. aber machte dies diejenigen zu etwas besseren? Sie waren blind.. und dennoch meinten sie zu sehen.. Vielleicht war sie nicht verkehrt, sondern die Anderen..? Sie sprachen - doch ihre Worte prallten an ihr ab... und hüllten sich in ein Fragezeichen. Nur leerer Rauch kam... kein Inhalt.. keine Tiefgründigkeit.. Nichts. Tiefer sehen konnten sie nicht, den Zweck hinter der Sache erkennen.. schwerlich bis unmöglich. Sie verstanden nicht.. und daher tratt sie zurück. Sie halfen nicht, also half sie sich selbst.. auf ihre Weise. Wer sie brauchte, würde sie finden.. für alle anderen, würde sie Nebel sein.. sie diente, wie sie es am besten konnte.. für sich.
... und plötzlich traf sie auf Boden. Die Füße standen fest... und zwei Hände hielten sie fest. Die Angst verschwand... denn alles, was sie bisher erlebte... hatte sie überlebt... und das würde sie wieder tun.. wer einst Feind war, wurde Freund... und Freunde verließen die Stellung und gingen ihre eigenen Wege... ihre Augen huschten über die Schulter, um zu sehen.. und sie erkannte..