Diese Frau hatte Isen in Gegenwart anderer als ein ein Ding bezeichnet, das zu haben sich nicht lohnen würde. Nicht, dass sie zur Disposition stehen würde, aber dass sie in der Öffentlichkeit einer solchen Kränkung ausgesetzt war, konnte sie nur mit ungeheurer Überwindung hinnehmen. Sie schwieg. Für sie war es undenkbar, jemanden auf diese Weise anzureden und dass Brennan, an den die Stellungnahme gerichtet war, keine Anstalten machte sie zu korrigieren, bestärkte sie in ihrer Absicht das Gesagte unkommentiert zu lassen. Dass sie sich später noch bedankt hatte, als man ihr anbot der Gruppe in die Taverne zu folgen, wäre allerdings nicht mehr unbedingt notwendig gewesen.
Unbedingt notwendig wäre auch nicht gewesen, dass sie im Rahmen der Auslagerung bestimmter Schuldigkeiten ausgerechnet den Mann in die Pflicht rief, von dem sie ein bisschen mehr erwartet hatte und nun, da sie wusste, dass auf ihn kein Verlass war, wurde auch klar, dass sie von vornherein keinen Anlass gehabt hatte ihm zu vertrauen. Sie traute den Menschen deren Unzuverlässigkeit nur in dem Ausmaß zu, zu dem sie selbst fähig war und sie war schlicht unfähig jemanden böswillig zu hintergehen.
Dass sie dann doch die Beherrschung verloren hatte bereute sie tags darauf zutiefst, und nicht nur wegen den anschaulich gewordenen Konsequenzen, denn wenn es etwas gab, das geschäftliche Arrangements unmöglich machte, dann waren es Gefühle. Haltung konnte man immer bewahren und diese Einsicht war umso notwendiger als dass sie ihr Gold hart an der Grenze sittlicher Normen verdiente.
Sie war eine Bewohnerin dreier Welten: In einer war sie allein und in einem Ausmaß in sich gekehrt, das sie bei physischen Reaktionen implodieren lassen würde. In einer anderen war sie Geschäftspartner und als solcher weitgehend kooperativ und in einer dritten - der bevorzugtesten und gleichzeitigt vernachlässigsten Welt - war sie lesend der Retter unverheirateter Frauen in hohen Türmen, warf sich vor fahrende Pferdekutschen, befuhr die Meere und kämpfte an der Seite von Rittern gegen Ungeheuer.
Als sie am Tag nach dem unglücklichen Zusammentreffen mit Brennan aufwachte, spürte sie, dass wieder Blut aus der Wunde auf ihrem Rücken zu sickern begonnen hatte. Ein sicheres Zeichen für bevorstehendes Unheil.
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Halber Mensch
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Isen Rauhnacht
Dass ihr der Schlag den Schädel nicht vom Kopf gerissen hatte, war nur dem Umstand geschuldet, dass sie den Raum bereits kopflos betreten hatte. Die Idee, Naniel zu folgen, war ihr gleich dumm vorgekommen, aber das Ausmaß ihrer Dummheit wurde erst im Laufe ihres Beisammenseins ausdrücklich.
Als sie das Zimmer wieder verlassen hatte, war diese Dummheit in ihrem Gesicht anschaulich geworden und sie spürte, wie das Blut langsam in den Stoff der Kleidung sickerte. Sie war nicht ernsthaft verletzt, aber ihr Stolz war tief gekränkt. Sie glaubte sich als das unschuldige Opfer von Vorgängen, auf die sie keinen Einfluss hatte und die jetzt über ihr hereinbrachen. Ein Spielball in einem Spiel, dessen Regeln sie nicht kannte und in dem sie als willenlose Figur zum ausführenden Arm von Absichten wurde, die im Grunde nichts mit ihr zu tun hatten. Wenn sie die Rede vom Bauernopfer gekannt hätte, dann wäre sie ihr wohl in den Sinn gekommen als sie die Kleidung, in die sie Naniel gezwungen hatte, ins Wasser des Hafenbeckens warf. Für sie blieben die Gründe über die Boshaftigkeiten, die sich die beiden auszurichten hatten völlig im Dunklen und sie beschloss, dass das so bleiben musste.
Ihre existentialistische Ader hatte rechtzeitig zu pulsieren begonnen und ihr die Gleichgültigkeit über das Geschehene in den überspannten Kreislauf gepumt. Ohne darüber nachzudenken wusste sie, dass sie niemals ein Wort darüber verlieren würde. Wenn sie nichts sagte, dann würde er annehmen ihr blaues Auge war dem unglücklichen Ausgang bezahlter Gefälligkeiten zu verdanken und so war es dann auch.
Als sie das Zimmer wieder verlassen hatte, war diese Dummheit in ihrem Gesicht anschaulich geworden und sie spürte, wie das Blut langsam in den Stoff der Kleidung sickerte. Sie war nicht ernsthaft verletzt, aber ihr Stolz war tief gekränkt. Sie glaubte sich als das unschuldige Opfer von Vorgängen, auf die sie keinen Einfluss hatte und die jetzt über ihr hereinbrachen. Ein Spielball in einem Spiel, dessen Regeln sie nicht kannte und in dem sie als willenlose Figur zum ausführenden Arm von Absichten wurde, die im Grunde nichts mit ihr zu tun hatten. Wenn sie die Rede vom Bauernopfer gekannt hätte, dann wäre sie ihr wohl in den Sinn gekommen als sie die Kleidung, in die sie Naniel gezwungen hatte, ins Wasser des Hafenbeckens warf. Für sie blieben die Gründe über die Boshaftigkeiten, die sich die beiden auszurichten hatten völlig im Dunklen und sie beschloss, dass das so bleiben musste.
Ihre existentialistische Ader hatte rechtzeitig zu pulsieren begonnen und ihr die Gleichgültigkeit über das Geschehene in den überspannten Kreislauf gepumt. Ohne darüber nachzudenken wusste sie, dass sie niemals ein Wort darüber verlieren würde. Wenn sie nichts sagte, dann würde er annehmen ihr blaues Auge war dem unglücklichen Ausgang bezahlter Gefälligkeiten zu verdanken und so war es dann auch.
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Isen Rauhnacht
Sie war allein geblieben und zwar nicht im metaphysischen Sinn, sondern bezogen auf den Umstand, dass niemand außer ihr im Raum war. Sie kniete am Beckenrand und beobachtete wie sich Rinnsale zu Tropfen sammelten und von ihrem nassen Haar ins Wasser perlten. Das Geräusch trat aus der bleiernen Stille klar hervor und dann kippte sie den letzten Eimer mit frischem Wasser in das Becken. Bevor sich die Wasseroberfläche wieder beruhigt hatte, brach das beharrliche Husten, das mittlerweile unerträglich in ihren Lungen brannte, die nächtliche Ruhe und sie spürte, dass das einsetzende Fieber ihre Wahrnehmung wieder in Welten abtrifften ließ, deren Eindrücke nur bedingt auf Zustimmung stoßen würden.
Der Mond hatte seinen Zenit längst überschritten. Sie hatte im Verlauf der ungezählten Male, die sie den Weg zum Hafenbecken gegangen war, seine Wanderung am Firmament beobachtet und festgestellt, dass sie immer langsamer wurde, während die Dämmerung den Morgen bereits ankündigte. Eimer um Eimer dreckigen Wassers hatte sie ins Meer gekippt und war dann zum Brunnen gegangen um frisches zu holen und jetzt, da die Arbeit getan und das Wasser im Becken ausgewechselt war, blickte sie auf sich und den Boden und sauber war beides nicht. Sie kniete auf dem steinernen Untergrund. Kälte und Müdigkeiten hatten ihre Glieder klamm und steif gemacht und jede Bewegung dauerte so unendlich lange, dass sie mit dem Griff zu Lappen und dem Anblick des Bodens vergaß, was sie eigentlich tun wollte.
Bis der Boden in seinen Zustand vor dem zwergischen Besuch versetzt war hatte der Tag die Dämmerung bereits abgelöst. Sie hängte die Fetzen zum Trocknen in den Garten und als sie dann in ihr Zimmer zurückkehrte und sie das Skelett sah, das in der Ecke saß und das Armgelenk anhob als wäre es an einem unsichtbaren Faden befestigt, kämpfte sie einen Moment gegen die Ohnmacht. Was auch immer man über die unheimlichen Gäste, die sie bisweilen auf- beziehungsweise heimsuchten sagen konnte, unfreundlich waren sie nicht und auch dieser hier war versöhnlich gestimmt. Er wiederholte in einer Beharrlichkeit, die selbst für Tote bemerkenswert war, die immer gleichen Silben. „Es tut mir leid“
Der Mond hatte seinen Zenit längst überschritten. Sie hatte im Verlauf der ungezählten Male, die sie den Weg zum Hafenbecken gegangen war, seine Wanderung am Firmament beobachtet und festgestellt, dass sie immer langsamer wurde, während die Dämmerung den Morgen bereits ankündigte. Eimer um Eimer dreckigen Wassers hatte sie ins Meer gekippt und war dann zum Brunnen gegangen um frisches zu holen und jetzt, da die Arbeit getan und das Wasser im Becken ausgewechselt war, blickte sie auf sich und den Boden und sauber war beides nicht. Sie kniete auf dem steinernen Untergrund. Kälte und Müdigkeiten hatten ihre Glieder klamm und steif gemacht und jede Bewegung dauerte so unendlich lange, dass sie mit dem Griff zu Lappen und dem Anblick des Bodens vergaß, was sie eigentlich tun wollte.
Bis der Boden in seinen Zustand vor dem zwergischen Besuch versetzt war hatte der Tag die Dämmerung bereits abgelöst. Sie hängte die Fetzen zum Trocknen in den Garten und als sie dann in ihr Zimmer zurückkehrte und sie das Skelett sah, das in der Ecke saß und das Armgelenk anhob als wäre es an einem unsichtbaren Faden befestigt, kämpfte sie einen Moment gegen die Ohnmacht. Was auch immer man über die unheimlichen Gäste, die sie bisweilen auf- beziehungsweise heimsuchten sagen konnte, unfreundlich waren sie nicht und auch dieser hier war versöhnlich gestimmt. Er wiederholte in einer Beharrlichkeit, die selbst für Tote bemerkenswert war, die immer gleichen Silben. „Es tut mir leid“