Der letzte Klang

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Vaeria Avenir

Der letzte Klang

Beitrag von Vaeria Avenir »

Der feuchte Stein hinterließ einen modrigen Geruch an ihren Fingerspitzen, die sie über die Wand gleiten lies, als sie von der Grabkammer die Stufen nach oben stieg. Den Geruch von Tod und Verwesung in der Kammer, hatte sie inzwischen fast lieb gewonnen, so dass dieser sie nicht mehr störte. Oben angekommen verrieb sie nachdenklich die Feuchtigkeit des Gemäuers in ihrer Hand. Gedanken schwirrten durch ihren Kopf, ungeordnet und wirr, nur einer schien klar und deutlich hervor zu stechen: Es wurde Zeit ihrem Herren eine Seele darzubringen, um in seiner Gunst zu bleiben, schließlich wollte sie eine gute Dienerin sein.

Am Ausgang der Kammer angekommen, empfing sie schon die Abenddämmerung, langsam erklomm sie die letzten Stufen, ehe sie ihr modriges Zuhause verließ. Etwas in ihr sagte ihr, dass es heute Abend soweit sein wird und sie eine Seele für ihren Herren finden würde. Erst am Mittag stand sie vor Bajard und war auf der Suche nach einem Opfer, doch plötzlich kamen zu viele Schaulustige vorbei und sie sah sich gezwungen den Ort zu verlassen. So machte sie sich auch jetzt wieder auf den Weg nach Bajard, dort waren sicher nicht die besten Seelen zu finden die man bekommen kann, aber für den Anfang würde ihr Herr sich sicher auch mit einer solchen Seele zufrieden geben.

Auf Höhe der Kutschenstation Bajards angekommen, vernahm sie plötzlich eine liebliche Melodie, sofort hielt sie inne und ihr Körper drehte sich in die Richtung aus der sie die Melodie vernahm. Dort am Lagerfeuer saß eine Gestalt mit einer Harfe in der Hand, neugierig wie sie war, trat Vaeria näher um sich ein Bild von der Gestalt zu machen. Schon bald konnte sie den auffällig karminroten Haarschopf der Person sehen und ein Lächeln zierte ihre Lippen. Noch kurz lauschte sie dem Spiel der Harfe als sie auch schon das Gemotze und Gemeckere der zierlichen Frau auf der Bank zu hören bekam. Vaeria machte ihr Komplimente für ihr schönes Harfenspiel, doch auch das interessierte die Frau nicht sehr. Als Vearia sie fragte ob sie auch eine schöne Stimme habe bekam sie nur als patzige Antwort, dass ihr Gesang nicht umsonst sei. Einen kurzen Augenblick schien Vaeria zu überlegen, das war ihre Chance. Sie musste die Frau dazu bekommen ihr zu folgen. Nach kurzem Überlegen schlug sie der Bardin vor, sie für diesen Abend zu bezahlen. Ein bisschen Unterhaltung könne ja nie Schaden. Schnell waren sie sich einig und die Frau stellte sich ihr unter dem Namen Arkady Feebach vor. Vaeria schlug vor, zu sich nach Hause zu gehen denn hier vor Bajard war kein schöner Ort für einen gemütlichen Abend mit Musik. Arkady willigte unter der Bedingung ein, das sie etwas gutes zu trinken haben wolle, dafür würde Vaeria natürlich sorgen versicherte sie ihr mit einem Lächeln auf den Lippen.

Nach einem beschwerlichen Marsch durch den Wald kamen sie endlich an Valerias gewünschtem Ziel an. Sie lies Arkady den Vortritt durch die schweren Metalltüren. So langsam machte sich Anspannung und Nervosität in Vaeria breit. Mit zitternder Hand fuhr sie in eine Tasche ihres Mantels, um dort angespannt nach etwas zu suchen. Nach kurzer Zeit des kramen's wurde sie auch schon fündig und umschloss fest den Griff des Dolches. Arkady war gerade dabei ihren Unmut über das gewählte Zuhause Vaerias zu bekunden als auch diese durch die Tür trat und Arkady anstarrte.

In ihrem Kopf sausten erneut die Gedanken umher der lauteste von inhen rief immer wieder: „Du hast sie schon so weit, Vaeria du kannst jetzt nicht zurück, mache deinen Herren glücklich, so dass er dich verschont. Kra'thor wartet sehnsüchtig auf neue Seelen und du kannst ihm jetzt eine darbringen. Mach es! Jetzt gleich!“

Sogleich trat sie leise hinter Arkady, doch zögerte sie noch immer einfach zuzustechen, erst als Arkady sich plötzlich umdrehte fuhr der Schreck durch Vaeria und wie aus Reflex rammte sie ihr den spitzen Dolch in den Bauch. Arkady sah ungläubig zu ihr, die Hände auf die Wunde gepresst, während der kostbare rote Lebenssaft langsam durch ihre Finger sickerte. Just in diesem Moment stieß sie Vaeria aus dem Weg und wollte zur Tür um zu fliehen. Vaeria schien kurze Zeit wie gelähmt, eine Mischung aus kaltem Schauer und Glücksgefühlen durchströmte ihren Körper beim Anblick ihres Werkes. Gerade wollte sie Arkady aufhalten als diese vor der Tür zusammenbrach, Vaeria packte sie an den Beinen und zog sie mit aller Kraft in Richtung der Kellertreppen. Dabei zog Arkady eine Spur aus Blut hinter sich her, immer wieder drang das Jammern an Vaerias Ohren doch zeigte sie kein Mitleid. Sie hatte nur einen Gedanken: ihr Herr wird es ihr sicher vergüten.

Im Keller angekommen begrüßte die beiden der bekannte Duft von schimmligen und vermodertem Holz. Sie legte die geschwächte und immer noch jammernde Frau in der Mitte des Raumes ab und entnahm von einer Wand einer der größeren Knochenspeere. Danach legte sie ihren Mantel ab und schlüpfte in ihre graue Robe. Der Speer wurde fest umschlungen und die Nervosität hatte sich mittlerweile verzogen. Vaeria blickte auf die weinende und flehende Arkady herunter. Diese versuchte alles um doch noch zu entkommen. Jämmerlich, dachte sich Vaeria und setze die Spitze des Knochenspeeres an den Hals der jungen Frau. „Ruhe jetzt!“ Fuhr sie die Rothaarige an, ihre Stimme klang durchdringend und bestimmend ganz anders als sonst. Die Speerspitze bohre sich fast zeitgleich mit ihren Worten einige Millimeter tief in Arkadys Hals, plötzlich fiel ihr die Kette auf die um den Hals lag und der Speer wandere ein wenig nach unten, auf die Kette tippend. Neugierig fragte Vaeria wo sie die Kette her habe und sofort bot Arkady ihr diese an, in der Hoffnung dafür frei zu kommen. Vaeria riss die Kette von ihrem Hals und öffnete das hübsche Medaillon, darin waren einige Worte graviert: „In Liebe, Roberto“ Roberto also dachte sich Vaeria und fragte Arkady nach diesem aus, mit letzter Kraft begann sie nun zu drohen das dieser Roberto stärker wäre und Vaeria finden und töten würde wenn sie sie umbringt. Daraufhin lachte Vaeria nur und freute sich schon über die Begegnung, könnte sie dann doch noch eine Seele für ihren Herren sammeln. Wieder schien ein Funke Hoffnung in Arkadys Blick zu liegen, Hoffnung das sie nun davon kommen würde, doch Vaeria hatte gefallen daran gefunden die Hoffnung zunichte zu machen und sich an ihren Qualen zu laben. So drückte sie ihr den Speer auf das Brustbein ehe er angehoben wurde. Leise murmelte sie einige Worte um Kra'thor auf sich aufmerksam zu machen, schwarze Schatten krochen an den Wänden hinab und hüllten die Beiden in einen dunklen Schleier, dann schlug sie den Speer mit Kraft durch ihren Brustkorb tief ins Herz. Dabei kniff sie jedoch fest die Augen zusammen, und lauschte den Qualen die Arkady in diesem Moment durchlitt. Ein metallisch süßlicher Geruch stieg Vaeria in die Nase, als das frische Blut aus dem leblosen Körper strömte und eine Lache auf dem Boden bildete. Noch einmal wurde der Speer im Leib gedreht, ein tiefer Atemzug, den Geruch des Blutes in sich aufnehmend ehe sie den Speer wieder aus dem Leichnam zog. Der unheimliche dunkle Schleier lichtete sich wieder als die Seele den Körper verließ und sich in Kra'thors Schwingen gesellte. Es fühlte sich gut an, dieses Gefühl für ihren Herren eine Seele geopfert zu haben hoffentlich würde ihm gefallen was er sah. Den Leichnam schleifte sie in die Grabkammer, jedoch nicht ohne vorher eine Strähne des betörenden roten Haares abzuschneiden, sicher hatte sie bald noch Verwendung dafür, das Medaillon wanderte in ihre Tasche und sie machte sich wieder auf den Weg nach draußen, auf der Suche nach der nächsten Seele oder vielleicht gar dieser Roberto?

Der Weg führte sie erneut nach Bajard oder besser gesagt: wollte sie dahin, doch wurde sie von einem Mann mit einem merkwürdigen Akzent aufgehalten, dieser wollte doch wirklich Gold von ihr erbeuten ehe sie in dieses Dorf gehen durfte. Nach dem Akzent zu urteilen konnte dieser Kerl nur von der Insel stammen von der auch dieser Roberto kam. So fragte sie ihn ob er besagten Roberto kennen würde. Der Mann sagte es wäre sein bester Freund und unter der Knochenmaske die sie sich noch in der Grabkammer aufgesetzt hatte, zeigte sich ein kleines Lächeln. So zog sie das Medaillon aus der Tasche und hielt es ihm hin, dabei sagte sie ihm er solle Roberto sagen, das Arkady sich nun an einem besseren Ort befand. Anders als erhofft wurde der Mann nicht traurig oder gar böse, nein er schien sich zu freuen das Arkady tot war und die Freude stieg von Minute zu Minute. Er meinte Arkady hätte Roberto nur weich gemacht und wollte Vaeria sogar küssen. Das wurde ihr allerdings zu viel und sie drückte ihm das Medaillon mit den Worten „Ihr solltet nun gehen, ihr habt einen Auftrag.“ in die Hand. So ging der Mann und sie war sich sicher dass das Medaillon seinen Weg zu Roberto finden würde. Auf das er und auch alle anderen davon erfahren würden, dass der letzte Klang der jungen Bardin nun verstummt war.
Arkady Feebach

Beitrag von Arkady Feebach »

Der letzte Klang hebt sich empor, schwebt durch die Lüfte, Waldes Flor,
ein stiller Laut, an kein Ohr er dringt, ein süsses Lied, dass niemand singt.

Laufe Mädchen, setz schnell den Schritt, von dort aus gibt es kein zurück.
Doch hilft kein jammern und kein flehn, der Speer gesetzt, ein letztes drehn.

Leichenblass, so weiss wie Schnee, die Augen einst wie grüner Klee,
So Rot das Haar, so rot das Blut, doch trägt es in sich keine Glut.

Ein dunkler Diener der sie fand, ein dunkler Schatten der sie band,
In Krathors Reich, die Seel gefangen, aus und vorbei, dahingegangen.

Der letzte Klang hebt sich empor, schwebt durch die Lüfte, Waldes Flor,
ein stiller Laut, an kein Ohr er dringt, ein süsses Lied, dass niemand singt.
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