" Viva la Vita! Viva la Cabeza"

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Bartolome La Cabra
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" Viva la Vita! Viva la Cabeza"

Beitrag von Bartolome La Cabra »

 Wie alles begann



…Er war es leid…
Dieses Leben als Sohn eines reichen Händlers langweilte ihn. Er war es leid immer den braven Sohn zu spielen… sein Wahres „Ich“ zu unterdrücken und gute Manieren an den Tag zu legen. Was ihm allerdings gefiel, waren die reichen Frauen auf Tanzabenden oder anderen Feierlichkeiten. Nicht wegen ihrer Rundungen oder ihres Gesichtes, denn so etwas konnte er langsam nicht mehr sehen – nein. Es war eher der Schmuck den diese Frauen trugen. Diamantene Halsbänder, große Edelsteine an den Fingern.. ja.. dafür hatte er Augen. Augen, denen nicht das kleinste Detail entgehen würde. Doch konnte er auch so etwas kaufen wenn er wollte, doch gerade das wollte er nicht. Genau deswegen verlor jenes glitzernde und glänzende Schmuckstück um den Hals einer solchen Frau wieder seinen Reiz, eben weil er es haben konnte. „Lieber stehlen… Unrechtes tun und dann Teuer verkaufen..“ dachte er. Er wollte frei sein, tun und machen was er wollte und nicht das, was andere von Ihm erwarteten, aber das Ganze stellte sich am Hofe seiner Eltern nicht als sonderlich einfach heraus.

Es war einer der Tage, an dem sein Vater wieder auf Handelsreisen zog und nur die Bediensteten zuhause am Hof ihren Arbeiten nachgingen. Da er Sohn des Hausherren war konnte er auch ein und ausgehen, wie er wollte. Es war schon recht spät als er das Haus verließ. Die Magd fragte ihn wohin er um solch späte Stunde noch wolle und er sagte, er hätte noch etwas für den Dorfrichter. Es war nichts ungewöhnliches, dass er hier und da etwas zum Dorfrichter trug. Schließlich wollte er langsam in die Fußstapfen seines Herrn Vaters treten, zumindest behauptete er das vehement vor der Magd, die um seine Füße schlich. Nerviges Volk, wie sehr er diesen goldenen Käfig verabscheute. Aber dies waren nicht einmal annähernd die Worte der Wahrheit. Es war ihm so was von egal, was aus seinem Elternhaus wurde. Als er weit genug von dem Anwesen seines Vater weg war zog er die wohlhabende Kleidung aus und warf sie achtlos weg. Einzig allein die eine Lederhose, welche er vor einigen Tagen heimlich kaufte, und ein weites
Hemd ließ er an und stapfte schließlich barfuss in das herunter gekommene Viertel der Stadt. Sein Vater hatte ihn immer gewarnt, dieses Viertel allein zu betreten. Zu viele Hehler, Diebe und Attentäter, die für Gold alles taten, trieben sich dort herum. Das Händlerviertel. Dort stieg das zwielichtige Geschäftsleben: illegale Waffengeschäfte, Glücksspiele und Prostitution waren an der Tagesordnung. Diebesgilden, die im Großteil des Landes bekannt waren, hatten dort Ihren Sitz und niemand konnte etwas dagegen tun… Nicht einmal der Landgraf selbst traute es sich, seine Füße dorthin zu bewegen, geschweige denn seine Rekruten. Die „Geset-zeslosen“ hatten also freies Spiel und waren ungestört, was man in jenem verruchten Teil des Städtchens auch deutlich bemerkte. Dirnen, die am Straßenrand standen, man erkannte sie erst nach einer Weile oder man musste ein Gespür dafür haben. Ein „Meisterdieb“, dessen Gesicht bisher niemand gesehen hatte, da er jenes unter einer Maske versteckte und sich selbst nur „der Marder“ nannte, hatte dort etwas zu sagen. Über ihn liefen alle Geschäfte ab und doch wusste keiner seinen richtigen Namen. Nicht einmal seine engsten Vertrauten. Er hatte schließlich viele Gefolgsleute und doch kannte ihn niemand, aber auch gar niemand, wirklich. Alle Obdachlosen bekamen von ihm regelmäßig Geld aus seinen Beutezügen und er bekam alles mit. Er hatte seine Augen und Ohren überall, sei es durch seine Vertrauten oder in Form der Obdachlosen. So mancher der vorhatte den „Marder“ ausfindig zu machen und umzubringen starb eines „Unfalls“, der meist durch Ertrinken oder durch einen Sturz von den Klippen geschildert wurde. Die Hauptsache war doch, dass man den leblosen Körper fand. Und das doch jeder wusste: der Marder oder seine „Untertanen“ hatten ihre Finger im Spiel.

Bartolome oder auch „Carlos Los Vigos“ - wie er sich nun nannte, denn niemand sollte wissen wer er wirklich war, da man ihn sonst gegen Lösegeld nach Hause schicken könnte und er wollte wirklich nie wieder zurück, was sollte er auch bei reichen, plumpen Idioten, die sich für alles zu Schade waren? Vor vielen Zeiten hatte er an Bord der „dunkelblauen Dorothea“ angeheuert. Noch heute erinnerte sich Bartolome an diese Zeit. Damals ging er in eine Schä-bige Taverne, welche zugleich auch ein Bordell war. „Bordello de Luz“ wie es sich nannte, überall hörte man davon und doch war es so versteckt, dass man es nur fand, wenn man sich wirklich auskannte. Da war es gut, dass er sich früher so oft von zuhause weggeschlichen hat-te. Mit dunkler Robe, damit ihn auch niemand erkannte. Er setzte sich an einen Tisch in einer dunklen Ecke und sah sich in dem Inneren des Gebäudes um. Er sah billige „Mädchen“ - so nannte man die Frauen dort - in hautengen Kleidern, welche sich an die Seefahrer und das andere „Pack“ ranmachten um an ihre Goldstücke zu gelangen. Billige Mädchen, die nichts anderes im Sinn hatten als den geilen Böcken das Gold aus den Taschen zu ziehen. So etwas Verabscheuungswürdiges und Ekel erregendes hatte der Jüngling lange Zeit nicht mehr gesehen. Sie biederten sich den alten Männern an, die von den langen Seefahrten nach Hause zurückkamen.
Fünf Leute Prügelten sich, weil Einer den Anderen nur ansah. Es spritze sogar Blut. Andere lachten das arme Schwein aus, welches im Endeffekt bewusstlos am Boden landete und von niemandem mehr beachtet wurde.

Plötzlich wurde die Tür aufgestoßen. Ein großer Mann kam herein. Lange schwarze Haare hatte er mit einem langen schwarzen Bart, ein schwarzer Mantel umhüllte seinen Körper. Er hatte ein Holzbein und unter seinen mächtigen Augenbrauen befand sich eine schwarze Augenklappe. Unter dem Mantel trug er einen ebenso schwarzen Stahl und in seinem Gürtel steckte eine Steinschlosspistole. Er stellte sich als Kapitän Schwarzklinge, Skipper der „dunkelblauen Dorothea“ vor. Es war ungewöhnlich, dass ein Pirat in eine Taverne trat und eine Crew suchte, die anheuern sollte. Aber das war Bartolomes einzige Möglichkeit. Er suchte neue Matrosen die mit ihm das Piratenleben teilen wollten. Neun starke Kerle an der Zahl, die er mit auf sein Schiff nehmen wollte. Man musste zugeben, die „dunkelblaue Dorothea“ war nicht das, was man ein riesiges Schiff nennen konnte, aber es war groß genug um weitaus mehr als neun Crewmitglieder mitzunehmen. Große Reichtümer wurden versprochen und ein Leben ohne Gesetze. Die einzigen Gesetze, die es gab waren die der Piraterie - der Ehrenkodex der Piraten. Seine alte Mannschaft sei durch die Pest dahingerafft worden und jeder, der gewillt war das Leben eines Gesetzeslosen und Geächteten zu leben, solle sich bis zum Morgengrauen auf seinem Schiff melden, auf der „dunkelblauen Dorothea !“

Diese Gelegenheit musste „Carlos“ am Schopf packen. Aber er wusste, er würde niemals an Bord gehen können, wenn er nicht einen Säbel mit sich trug und der Sohn eines Piraten war. Er musste sich schnell etwas einfallen lassen. „Das ist die Gelegenheit und diese darf ich mir einfach nicht entgehen lassen!“ dachte sich „Carlos“, doch er brauchte dringend einen Säbel. Nur von was? Seine Goldmünzen ließ er zuhause und jeder hütete seinen Säbel wie sein eigenes Leben. Außer… genau.. das war es! Er befand sich schließlich nicht nur in einer Taverne, sondern auch in einem Bordell und er musste nicht lange warten, da wurde ein Seemann von einem der billigen „Mädchen“ in ein Hinterzimmer gelockt. Er wartete einen Augenblick und schlich ihnen nach. Es war bekannt, dass die Männer ihre Waffen vor der Türe ablegen muss-ten um sicher zu gehen, dass den Mädchen auch nichts passieren würde. Er wartete einen Au-genblick, die Gänge wurden von der dicken Berta bewacht, soviel hatte er früher schon herausbekommen und erst, wenn sie wirklich wieder eingeschlafen war, konnte er sich an ihr vorbei schleichen und sich einen Säbel holen. Er wartete auf das laute Schnarchen, dann erst schlich er sich Leise heran und nahm ihn sich. Noch bevor der Seemann merken konnte was passiert war, war „Carlos“ schon längst auf dem Weg zur „dunkelblauen Dorothea“ und heuerte an. Er erzählte dem Kapitän seine Geschichte, sein Vater, ein Pirat, gehängt vom Richter des Landes und er als einziger Sohn und Schwerenöter, der keinen anderen Wunsch hatte, als auf Deck der „dunkelblauen Dorothea“ anzuheuern. Mit dem Säbel in der Hand, den zerrissenen Klamotten und dem charmanten Lächeln stand er auf Deck, als das Schiff aus dem Hafen ablegte und sich auf eine weite Reise machte.

Zweieinhalb Jahre segelte er unter der Flagge des Kapitäns Schwarzklinge. Viele Handels-schiffe wurden geentert, mehrere Häfen gebrandschatzt und rund ein halbes Dutzend Schiffe der Königlichen Marine versenkt.
Carlos war inzwischen erster Maat der „dunkelblauen Dorothea“, die Männer respektierten ihn und niemand wagte es mehr eine Meuterei anzuzetteln, da er jeden Versuch zuvor aufdecken konnte und der Meuterer und alle die dem Kapitän nicht mehr treu waren über die Planke geschickt wurden.
Eines Tages, als das Schiff wieder in einem Hafen vor Anker lag um Vorräte aufzustocken, ging er in eine schäbige Taverne und bestellte sogleich einen Schnaps bei dem Wirten, ehe er sich dieser blonden Schönheit zuwandte, welche er bereits bei dem Betreten der Taverne be-merkte. „Olá Seniorita!“ damit sprach er sie an und ging mit breitem Grinsen auf sie zu. Sie plauderten ein wenig und tranken Schnaps. Eine kleine, verwöhnte Tochter eines Richters. Dabei musste er an seine Vergangenheit denken, zu ähnlich waren sich die beiden, was ihm anfangs ein wenig Angst machte. Nach einiger Zeit stellte er sich ihr dennoch vor, irgendwie hatte er Vertrauen zu ihr gefasst… und stand dann auf um wieder an Bord gehen zu können. Er machte in einer solchen Taverne nicht unbedingt einen Hehl daraus, ein Pirat zu sein. Schließlich wusste er, er wurde so oder so schon gesucht, aber unter den Seinen und denen, die es werden wollten, war er am sichersten. Gerade wollte er die Taverne verlassen, als sie seinen Namen rief.
Das sanfte und doch deutlich forsch ausgesprochene „Carlos“ zitterte in seinen Knien. „Ai?“ antwortete er knapp, nachdem er sich umgedreht hatte, aber dennoch blieb er freundlich ob-wohl sie ihm kostbare Zeit raubte.
„Nimm mich mit“ sagte sie. Er runzelte kurz die Stirn und musterte sie. Sollte er sie wirklich mitnehmen? Eine Landsfrau? Es war eher selten dass Frauen als Piraten auf dem Schiff dienten, aber ihr flehender Blick und ihr weiblicher und wohlgeformter Körper verdrehten ihm den Kopf. War er nicht selbst auch schon in der gleichen Lage gewesen, auch wenn jenes niemand wusste? Er hatte sich ein Leben aus Lügen und List aufgebaut und jenes Leben lebte er nun. Er war Bartolome „Carlos Los Vigos“ La Cabra, erster Maat der „Dunkelblauen Doretha“ und er kannte diesen Blick. Diesen sehnsuchtsvollen Blick nach der offenen See, nach dem Geruch von Fisch, Schweiß, Rum und Schwefel. Und ja, sie war anders als die Frauen, die er von früher kannte und auch anders als die billigen „Mädchen“. Sie war perfekt. Sie war gut gebaut, sie sah verführerisch aus. Nur ein paar Feinheiten musste noch vollzogen werden. Die blonden Haare würde sie ablegen müssen, sie würden zu schwarzen Locken werden. Er konnte gar nicht anders, er musste sie mit sich mitnehmen. Eine solche Frau wird er wohl nie wieder finden. Sie war perfekt, nein, so konnte man es nicht sagen. Sie war das, was er für mehr als nur perfekt hielt. Er überlegte noch kurz und zog dann seinen Dolch, mit welchem er die Ärmel ihres langen Kleides abtrennte und ihren Rock schnitt er in Fetzen, ihren Ausschnitt weitete er etwas. „Ai.. fast perfekt“ sagte er als er sie noch einmal musterte. Er nahm ihr das Haarband ab, wobei ihre langen blond gelockten Haare über ihre Schulter bis zur Hüfte hinab fielen. Er zog sie mit in die hinterste Ecke der Taverne und drückte sie mit dem Kopf über ein Waschbecken. Dann goss er ein Gemisch aus Schwefel, Kohle und weiß der Geier, was da noch alles drin war über den Kopf. In Windeseile wurden ihre Haare schwarz eingefärbt. Schwärzer als die Nacht es war. Dann nahm er eines seiner Tücher, die um seine Hüften gewickelt waren und band es ihr um den Kopf. Nun war sie es würdig eine Piratenbraut zu werden.
Er fragte sie nach ihrem Namen. „Beatrix!“ Er hob die Hand und stoppte sie bevor sie ihren Nachnamen aussprechen konnte. Er sagte lediglich „Nein… Beatriz… Beatriz La Canjaro… merk dir das, aii?“. Sie antwortete mit einem knappen „Ai“ und sie gingen zum Schiff. Auch aus ihrer Vergangenheit, von der er wohl wusste, machte er ein Geheimnis. Er erklärte ihr, dass es nicht gern gesehen war, eine Landsfrau auf dem Schiff mitzunehmen. Also war ihr Vater ein Schuft gewesen, ein Schwerenöter, ein Pirat, der jedem Bürger das Leben schwer machte und sein Ende an einem Galgen fand. Beatrix, oder eher Beatriz, wie sie sich nun nannte, zögerte keine Minute. Es war komisch, er erkannte sich so sehr in ihr wieder.

Ihr schien das Leben auf dem Schiff zu gefallen und mit der Zeit setzte sie sich als einzige Frau in der Mannschaft durch. Längst bewies sie das Gegenteil von dem Aberglauben „Frauen an Bord bringen Unglück“. Ihre Sprache passte sich dem rauen Leben auf der See an und sie lernte sich zu verteidigen, zu kämpfen und zu schreien, vor allem lernte sie aber auch, ihren Willen mit allen Mitteln durchzusetzen. Sie war eine wahre Piratenbraut geworden auf die man Stolz sein konnte. Und ja, egal, was sie auch tat, egal, wie sie sich bewegte, egal, was sie anhatte, er liebte diese Frau. Die erste Frau, die sein Interesse wirklich geweckt hatte. Sie war… ja sie war perfekt, auch wenn er es sich anfangs nicht eingestehen wollte. Aber sie hatte das Gewisse etwas... nein. Sie WAR das Gewisse etwas, das Etwas, was ein Mann brauchte, um sich die kühnsten Träume zu verwirklichen. Die Frau, von dem jeder auch noch so harte Seemann und auch Pirat träumte. Und er musste sich eine solche unergründliche und undurchschaubare schwarze Perle sichern. Er hatte ihr schon dieses wunderschöne Amulett geschenkt, welches sie seit diesem Tag immer bei sich trug. Eine Kette, so unbedeutend und doch voller Bedeutung für ihn und wohl neuerdings auch für sie. Ob sie sich gefreut hatte, konnte er nicht sagen. Vermutlich aber schon, da sie jene Kette noch immer bei sich trug. Und dann kam dieser eine Tag, an dem er sich Beatriz sichern wollte.

An dem Tag wollte er es genau wissen. Er spürte, dass auch in ihr etwas vorging. Er wusste, sie war biestig, sie war ein Miststück, sie nahm sich, was sie wollte. Sie war keine Dirne, kein billiges Mädchen, wie man sie aus den Bordellen kannte. Sie war einzigartig auf ihre Art und Weise. Und sie kannten sich längst viel zu gut, als das er nicht bemerkt hätte, dass es ihr nicht unbedingt anders ging. Da stand sie vor ihm, an der Reling, so schön und verrucht wie sie nun mal war. Die schwarzen Haare peitschten im Wind heftiger als die gespannten Segel. Sein Blick wurde weich und doch zog er sie mit den Blicken förmlich aus. Was hatte dieses Mädchen nur, was andere Weiber nicht hatten? Und da, sie sah wieder einmal zur Seite und ihre Blicke trafen sich. „Jetzt oder nie“ dachte er sich.
Lange schon hatte er an diesen Moment gedacht. Und umso länger hatte er auch Angst vor diesem Moment, obwohl er sonst nie vor etwas Angst hatte. Er sah oft zu, wie Beatriz die anderen Piraten an Bord „zurechtwiess“ als diese versuchten ihr die Kleider vom Leib zu reißen oder sie auf ihren Schoß zu ziehen. Er sah zu, wie Pirat für Pirat von der Chica eine aufs Maul bekam. Aber dieses Mal musste er seine Angst bezwingen. Mit einem Lächeln ging er auf sie zu und sah sie an. So wunderschön war sie und umso näher er kam, umso schöner wurde sie. Kurz vor ihr kam er zum Stehen, aber es führte nicht zu einem solchen Gespräch, wie er wollte. Sie war launisch, vermutlich hatte sie ihre Tage, so wie sie sich aufführte. Herrisch und zickig fuhr sie ihm gleich über den Mund. Aber er ließ sich davon nicht beeindrucken, letztendlich versuchte er sich ihr zu nähern, um sie zu küssen. Doch soweit sollte es nicht kommen. Trixi musste wohl überrascht gewesen sein. Hatte sie sich so sehr gefreut oder fand sie es einfach nur abstoßend? Er konnte es nie erfahren, denn als er sich ihr mit dem Kussmund näherte wich sie etwas zurück, wobei sie über ein, man musste doch zugeben, etwas ungeschickt platziertes Tau, gestolpert war und über Bord ging. Er wollte sie im letzten Moment noch festhalten, doch es war zu spät. Er sah, wie sie fiel und fiel und fiel und im kalten Wasser aufprallte. Prustend sah er sie noch auftauchen, scheinbar schien sie außer sich vor Wut. Er konnte es in seinen Ohren schon klingeln hören, so sehr schien sie über ihn zu fluchen. Er Rief ihr nach, doch sie musste es wohl überhört haben. Zu Laut war die Gischt und für ein Beiboot war das Schiff zu schnell gewesen. Allein den Kurs zu ändern hätte zu lange gedauert. Zudem wäre es Kapitän Schwarzklinge egal gewesen, schließlich war es nur eine Frau. Er hatte zu große Pläne und für ihn ging es eh niemals schnell genug um diese endlich verwirklichen zu können. Er sah ihr nach, wie sie da in den Wellen trieb, wütend wedelte sie mit ihren Armen, er konnte sie noch immer hören, wie sie brüllte. Und dann trieb das Schiff immer weiter ab.

Einige Tage schiffte er noch mit der Crew weiter an Bord der „dunkelblauen Dorothea“. Aber immer wieder gingen seine Gedanken zu Trixi. Er hatte versucht sie zu vergessen, aber immer und immer wieder drängelte sie sich in seine Gedanken. Ob Beatriz noch lebt? Ob er sie jemals wieder sehen würde? Er wusste es nicht, aber er hoffte es. Sie hatten ihren Rückweg angetreten und fuhren dieselbe Linie zurück, über die sie auch hin gefahren waren. Von weitem sah er eine Insel. La Cabeza, wie er später erfuhr und er Musste dorthin in der Hoffnung, dass sie dort strandete. Hier war weit und breit nichts, es gab also nur zwei Möglichkeiten. Entweder war sie dort und hatte sich ein Leben dort aufgebaut oder sie war mit einem weiteren Schiff weiter gezogen. Er musste es rausfinden, er wollte sie einfach wieder sehen, zu sehr waren sie aneinander gewohnt, zu viel hatten sie durchgemacht und viel zu viel verband sie miteinander, wovon Trixi selbst nicht einmal die leiseste Ahnung hatte. Aber konnte er seine Crew einfach so für ein Weibsbild im Stich lassen? Nein! Er hatte einen Eid abgelegt.. und so legte das Schiff am Morgengrauen nach einer langen Nacht in der Hafentaverne ab mit ungewissem Ziel.
3 Jahre sind vergangen seit er Beatriz verloren hatte aber er dachte schon gar nicht mehr an sie, denn es gab weitaus wichtigeres. Das Piraterie leben lief immer schlechter, Käpt´n Schwarzklinge folgte immer mehr Angeblichen Schätzen von welchen in heruntergekommenen Spelunken getratscht wurde, von Alten versoffenen Tattergreisen welche sich zwar für große Piraten hielten, jedoch aber nie auf einem Schiff waren geschweige denn in einer Piratencrew. Aber der Käpt´n, welcher seine Sinne mit billigem Rum vernebelt hat folgte diesen Geschichten ohne sich von Bartolome seinem 1. Offizier etwas sagen zu lassen, blind getrieben von der ewigen Gier nach Reichtum. Lange schon legte das Schiff nichtmehr ein einem Hafen an, das Wasser war abgestanden und unbekömmlich, in dem Speck wanden sich die Maden, nur der Zwieback war das genießbarste was sie noch Hatten. Viele der Matrosen starben unterwegs an Pest und Cholera, andere wurden von wilden Tieren gerissen, als sie wiedermal einen Angeblichen Schatz auf einer unbekannten Insel bergen sollten. Gerade mal 6 Crewmitglieder waren noch geblieben und mit ihnen plante Kapitän Schwarzklinge das Aussichtsloseste und vorhaben was man sich Vorstellen konnte.. einen Angriff auf das Königliche Handelsschiff der „gleitenden Feder“. Eine Handelsgalione mit 50Mann Besatzung und zusätzlich 30 Soldaten der Königlichen Garde und 24 Kanonen.. es War unmöglich diesen Angriff zu gewinnen aber der Kapitän lies sich nicht abbringen..
Plötzlich war es auch soweit.. am Horizont war die „gleitende Feder“ zu sehen und der Steuermann ging auf Abfangkurs. Der Kampf war schon vorbei bevor er begonnen hatte, 2 gezielter Schuss und die „dunkelblaue Dorothea“ war manövrierunfähig und die Besatzung wurde verhaften.. Alle wusste was ihnen Bevorsteht.. der Tot durch den Galgen.

Im nächsten Hafen angekommen wurde Bartolome und die 5 anderen Crewmitglieder in einen Kerker geworfen welcher allerdings am Abend unbewacht war, da sich alle auf dem Marktplatz versammelten um der Hinrichtung von Kapitän Schwarzklinge beizuwohnen.. ein guter Zeitpunkt denn auch die Galione mit welcher sie hergebracht wurden war kaum bewacht. Doch was Bartolome nicht bemerkte, war dass der Hafen in welchem sie sich befanden jener war, in welchem er Früher anheuerte und noch immer war er unter der Herrschaft des „Marders“ und jener war nicht gerade beeindruckt über die Hinrichtung.. An jenem Abend schickte der Marder seinen Schatten los um die restliche Crew zu befreien. Der Schatten besorgte sich Blitzpulver und meuchelte einen betrunkenen Wachmann -welcher durch eine dunkle Gasse stolperte-, nahm dessen Kleidung und Schlich sich in den Kerker. Er platzierte das Schwarzpulver fass an einer bereits Vermoderten stelle der Kerkermauer und wartet nur auf eine passende Gelegenheit damit der Krach welchen die Explosion verursachen würde unbemerkt blieb und was wäre da besser als die Salutschüsse der Schiffskanonen zu Ehren des Grafen? Fast zur gleichen Zeit explodierte das Pulverfass und die 6 Köpfige Mannschaft konnte fliehen und die Waffenkammer der Kerkerwache Plündern um dann die „gleitende Feder“ zu Kapern auf welcher nur überraschte junge Matrosen waren welche sich ergaben. Als man bemerkte was geschehen ist, hatte das Schiff schon die Segel gehisst und den Hafen verlassen. Nun war Bartolome oder bessergesagt Kapitän Carlos der neue Käpt´n und schnell wurden neue Piraten angeheuert. Und mit diesem Schiff, welches schneller und besser bewaffnet war als die „dunkelblaue Dorothea“ war es ein Leichtes die unterlegenen Handelsschiffe der Marine zu überfallen und auszurauben. 9 Monate sorgten Carlos und seine Crew für Angst und Schrecken auf den Meeren bis sie in einen Heftigen Sturm gerieten. Der Sturm hatte die Mannschaft komplett überrascht nachdem jene im Bauch des Schiffes ihren letzten Sieg begossen haben und dadurch weit vom eigentlichen Kurs abgekommen sind.
Haushohe Wellen peitschten gegen das Schiff, der Sturm zerriss die nicht eingeholten Segel als wären sie aus dünnem Pergament. Allesamt versuchten das Schiff wieder unter Kontrolle zu bringen, doch merkte keiner dass sich eine Riesige Welle dem Schiff näherte und jenes zum Kentern brachte.

Als Carlos zu sich kam, lag er durchnässt mit zerrissenen Kleidern an einem Strand. Er wusste nicht wo er war oder wo seine Crew steckte. Er sah sich um doch nichts.. keine Trümmer, keine Leichen und auch am Horizont war nichts als die Weite See. Erschöpft stand Carlos auf und machte sich auf Erkundungstour auf der Insel, der Insel La Cabeza.
Zuletzt geändert von Bartolome La Cabra am Donnerstag 7. März 2013, 14:34, insgesamt 1-mal geändert.
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