02. Lenzing 256
Expedition in die verfluchte Stadt II (Feldzug I gegen Varuna)
Nach der kurzen Einstimmung auf das Bevorstehende folgte das innige Gebet zur Herrin.
Temora steh uns bei, führe unseren Geist und stärke unsern Arm auf dass dein Wille herabfährt auf jenen Ort. Dass er von der Spitze des Schwertes bis zum andern Ende der Stadt reicht. Auf dass die Hoffnung gestärkt und getragen wird.
Ein kurzer Moment der Besinnung. Aufrüsten. Ein letztes freies Durchatmen. Der Blick zum Tor. Der Vorstoß begann.
Saldorianer Angriff!
Der Schwertarm wurde gehoben. Die Spitze der Klinge deutete auf das Tor. Arm und Schwert senkten sich. Schritt um Schritt folgte. Es begann.
Der Feldzug I im Namen der Hoffnung gegen die Schrecken Verunas hatte begonnen.
Klirren von sich begegnenden Klingen. Das Ende von Hieben auf der Paradeseite des Schildes. Bersten von Knochen. Niederfallende bereits Tote. Feuer, das sich seinen Weg sucht. Ein Brustkorb der unter stumpfer Gewalt nachgibt. Ein Schädel zerspringt. Fliegende Knochensplitter. Ein Streich, der einen Leib teilt.
Der Himmel über der alten Stadt zeigt das unheilvolle Kreisen toter Fledermäuse.
Wiedergänger von nichts als Verbänden auf den Beinen gehalten. Feuer verschlingt ihre Leiber aus modrigen Leinen. Sie schreien nicht.
Knochen in Roben gehüllt. Welche die Kräfte des unheiligen Ortes nutzen. Silber bringt sie zur Strecke. Sie zeigen nicht dass sie Schmerz spüren.
Geschöpfe ohne richtige Körper. Mit dämonischen Fratzen. Zerfallen, verlieren ihre nicht vorhandene leibliche Gestalt.
Am Boden liegende Knochen formieren sich. Sie blicken uns aus hohlen Schädeln an. Sie sammeln sich und setzten sich in Bewegung. Sie marschieren in geschlossenen Reihen. Sie werden zerborsten. Sie kennen keine Furcht. Du kannst sie nicht beeindrucken. Nicht ihren Kampfeswillen brechen. Sie zur Vorsicht und zu Fehlern führen. Sie sind nicht zu beeinflussen.
Einige tragen einheitliche Gewänder. Die letzten Tapferen, die die Stadt hielten. Sie geben unter Waffen nach. Sie gehen hernieder. Das Herz schmerzt bei dem Gedanken, dass sie keine angemessene Beisetzung erfahren. Die Hiebe fallen schwer bei den Eindrücken.
Wir haben das Tor und den Vorhof hinter uns gelassen. Die Zahl der Feinde ist bar jedweder Schätzung. Zuviel um die Unterlegenheit zu berechnen. Nachschub scheint unerschöpflich. Mut, Blut und Wille halten uns aufrecht. Brüderlichkeit gibt Stärke. Vertrauen schafft die Gewissheit. Kindlicher Wille gibt kraft für den Widerstand. Das Ziel, lenkt in der Finsternis. Rücken an Rücken. Schulter an Schulter.
Saldorianer Marsch!
Teil des Ganzen zu sein hält die Kräfte am Leben.
Wir erreichten die Anwesen im südwestlichen Teil der Stadt. Verfall und Lebensunfreundlichkeit sind die Zeichen des Viertels. Untote an jeder Ecke. Teile verrotteter Palisaden. Sie lassen einem das Grausamste vermuten. Sie sind verkommen. Habseligkeiten wurden zurückgelassen. Der Zerfall ist überall sichtlich und spürbar. Enorm sind die Kräfte der Vernichtung.
Kein Sachverhallt lässt sich erschießen. Eine Nachschau, oberflächlich und kurz. Ohne die Not wende Gewissenhaftigkeit, führte zu keinem Hinweis. Es konnte der Gewissenhaftigkeit nicht genügt werden. Andauernde Gefechte forderten mehr die Aufmerksamkeit. Spuren der ehemaligen Bewohner sind keine zu sehen. Der Schluss liegt nahe dass sie ihre Häuser gegen die Eindringlinge verteidigen.
Fallen die Knochen zu Boden erheben sie sich erneut. Sie müssen zertrümmert werden. Gelegentlich mehrfach. Die Angriffe erfolgen aus den Schatten heraus. Die Untoten haben den Vorteil des ersten Hiebes. Man kann ihr nahen nicht sehen. Das Gespür ist machtlos. Die Gefahr ist allgegenwärtig. Das Warnen der Haut, dass Gefahr droht, lässt nie nach.
Der Angriff wurde zu den Seiten geführt und sollte im Zentrum enden. Der Plan konnte nicht zu Ende geführt werden.
Bestien aus Knochen schoben sich, aus den schier überall verteilt liegenden Knochen zusammen. Ihre Gestallten waren vielzählig.
Beim nächsten Angriff werden wir die Knochen der Überwunden sammeln, aus der Stadt bringen und den reinigenden Flammen übergeben. Vielleicht ist es so möglich Stück für Stück die Stadt auszutrocknen. Wenn dem Feuer die Quelle entzogen wird brennt es nicht mehr. Ohne Knochen kein Zusammenrotten und Erheben.
In die verrotteten Überreste, der Gebeine fährt plötzlich Leben. Überraschung und neues Einstellen gar bei jedem Schritt. Sehr zermürbend und kräftezehrend.
Der nordöstliche Teil der Stadt. Ein verlassener Ort. Dieses Viertel ist verlassen. Was früher dort war ist der meiner Erinnerung fremd geworden. Es ist in Vergessenheit geraten. Schade. Wie es den Anschein hat, hat nicht einmal das wiedernatürliche Leben, etwas für jenen Ort über. Wohl ein guter Ort um irgendwann mit der Reinigung zu beginnen. Vielleicht ideal für einen Vorposten. Mit Hilfe von Silber, Feuer und Einfallsreichtum mit Kriegskunst gepaart.
Die Wahl der Gegner war ausschließlich Untoter Art. Ein riesiger Frosch bildete die Ausnahme. Die Frage stellt sich weshalb sie jenen erduldeten. In Folge seines Angriffes wurde sein Leben beendet. Seine Reste wurden entzündet.
Die Ablenkungen des Geistes sind vielfältig. Der Boden scheint sich der Angreifer der Stadt zu erwehren. Es scheint als sei er auf dem Wege überzulaufen. Äste unter den Füßen zerbrechen. Eine Art Warnung für die Besetzer. Kurz darauf folgt ein Angriff meist unerwartet aus den Schatten.
Es scheint, das wiedernatürliche Leben, verteidigt sich und sein Reich unter Hinzuziehung von Botschaften und Mitteilungen. Ungewöhnlich für diese Kreaturen. Kriegskunst zur Verteidigung zu nutzen. Es kann Zufall sein. Die Wesen am Himmel scheinen die am Boden zu warnen. Kreischen ist aus dem Himmel zu vernehmen. Wohl das Warnsignal vergleichbar einem Horn oder der Trommel.
Der Vorstoß wurde unterbrochen. Diesmal brachte nackte Erschöpfung uns zum Rückzug. Er wurde eingeleitet. Wir beendeten den Feldzug mit einem Marsch um die Mauern, etwas weiter abseits. Jedoch scheint der Feind bei uns gewesen zu sein. Gelegentlich war Heulen, Winzeln und Seufzen unser unheiliger Begleiter. Der wem auch immer unsern Standort mitteilte.
Geschlossen
