"Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen."
Zitat: Heinrich Heine
Es war ein milder Frühjahrsabend, an dem die Sonne gerade noch ein gutes Stück über den Wipfeln ferner Bäume am Horizont stand. Sanft wurden diese von dem lebhaften Wind hin und her gewogen und ein kaum mehr hörbares Rauschen dieser wurde an den jungen berobten Mann heran getragen, welcher sich vor dem Tor Adorans eingefunden hat. Prüfend liess Jener seinen Blick der Strasse entlang schweifen, das hier jedoch unvergleichbar träge Geschehen beobachtend, welchem selbst ein karges Stück Wüste auf Menek’ur arge Konkurrenz hätte bieten können. Entsprechend driftete er in seine Gedankenwelt ab und wurde selbst Teil dieses müssigen Schauspiels.
Eine ganze Weile später erst, als die Sonne sich bereits dem Waldesrand näherte, die Wipfel jener noch immer im Wind tanzenden Baumkronen zu entflammen drohte und den Abendhimmel feuerrot tränkte, schreckte er wieder aus seinen Gedanken auf. Eine junge Frau hat sich derweil an seiner Seite eingefunden, die ihm zwar bekannt, in demselben Moment aber auch gleichermassen seltsam Fremd erschien. Nur wenige Worte fielen, ehe sich die beiden Personen dem Waldesrand näherten und das eben noch ferne rauschen der Blätter näher an sie heran drang. Wie ein stiller, zurückhaltender Sturm, sangen sie ihr Lied und fügten sich Ihresgleichen.
Als sich die beiden auf einer kleinen Waldlichtung wieder fanden, deren weicher Boden ihnen eine Sitzmöglichkeit bot, hielten sie inne und schweigen einen Moment. Das Alltägliche aber war jenem eigenartig idyllischen Ort seltsam fremd und fern und so bot er ihnen die nötige Ruhe und Geborgenheit sich ungestört zu unterhalten. Der Teufel aber lag im Detail und die Gefahr jenes Ortes wurde verkannt, denn die Worte, welche über die Lippen der jungen Frau kamen, erschreckten ihn und liessen ihn erschauern. Es schien nun fast als ergriff das rege Treiben im Winde tanzender Blätter rasch Besitz von ihm, welchem er noch beherrschend zu Trotzen versuchte. Weitere Worte fielen über ihn her,… Entschuldigungen,… Versöhnungsworte,… Ausreden?, welche die schwache Glut, welche nun endgültig vom Abendrot auf ihn übersprang, ansteckte. Zwar focht er weiter dagegen an, doch selbst der heftiger Niederschlag, der das Ende seines Trotzes ankündigte, vermochte nicht mehr die Feuerbrunst zu erlöschen, die ihn verzehrte und ihn taumeln liess. Sie drohte die Kontrolle zu übernehmen, sodass er sich in Erinnerungen früherer Tage rettete und in eine Traumwelt entschwand, die ihm wie ein rettendes kühles Meer erschien. Tief tauchte er ihn jene Gewässer ein und er konnte fühlen wie seine Erinnerungen schwanden. Es fühlte sich an als würde er eine unwirklich gewordene Welt hinter sich zurück lassen und sich auf einen Pfad ohne Rückweg begeben. Gerade aber als er sich in diesen Gedanken und Erinnerungen richtig wohl zu finden schien und der Schmerz abzuklingen begann, der seinen ganzen Körper durchdrang, wurde er wieder ruckartig und gewaltvoll jener Welt entrissen.
Augenblicklich öffnete er die Augen und sah sich um, doch obgleich sich an der Situation wenig geändert hat und er noch immer auf eben jener Lichtung sass, fand er sich in einer neuen Welt, die ihm wohlig angenehm erschien. Es mochte fast so wirken, als hätte er die Fetzen seines Traums und seiner Vergangenheit, diese scheinbar so intakte Welt, so sehr in seinen Geist geschlossen, dass diese nun zu seiner neuen Realität wurden. Auch sein Gegenüber war ihm angenehm bekannt und sein Unterbewusstes wollte und konnte sich womöglich nicht einmal mehr an die jüngste Vergangenheit erinnern. Das folgende Gespräch verlief jedoch ungemein eigenartig und gewisse Zweifel keimten in ihn ihm auf, als er sie verabschiedete und er sich schliesslich auf den Weg nach Hause begab. Noch vermochten sie zwar nicht die erstickten Erinnerungen hervorzurufen und so verwarf er sie schnell wieder, als er allerdings vor einer zerfallen Ruine zu stehen kam, die er einst sein Heim nennen konnte, loderten die Flammen abermals auf und einmal mehr zerfiel diese Welt um ihn herum, an die er sich gerade erst gewöhnen konnte. Die Realität holte ihn ein, und mit ihr der Schmerz. Ein gequälter Schrei folgte, welcher die inzwischen dunkle Nacht durchdrang, und ein ebensolcher im Liedgefüge der Eluive, welcher so manch gewissenhaften Kundigen zum Schauern hätte bringen können. Ihm folgte ein heftiger Feuersturm, der die Nacht erhellte, und den Magier in Flammen hüllte. Zorn verstärkte die Flammenbrut und er konnte einer schlimmeren Katastrophe nur entgehen, weil er sich seinen grössten Fehler der Vergangenheit vor Augen rief und sich erstmals deren bisher fast unbedachten Konsequenzen stellte. Gepeinigt und gnadenlos an diesen Fehler früher Tage erinnert, schwor er sich alles zu unternehmen um diese unbändige Wut unter Kontrolle zu bekommen. Da der Schmerz aber zunehmend drohte die Oberhand zu übernehmen, stimmte er sich übereifrig auf das Liedgefüge ein um seinen Geist zu täuschen und ihm eine heile Welt vorzugaukeln. Dabei verschwamm das Geschehen um ihn herum und…
...
Abermals schlug er die Augen auf. Er stand wieder vor Adoran und liess seinen Blick der Strasse entlang schweifen. Die feuerrote Abendsonne stand in weiter Ferne, knapp über dem Horizont, und drohte wieder die Wipfel ferner Bäume in Flammen aufgehen zu lassen. Hatte er geträumt? Was wohl geschehen sein mag? Er tauchte in seine Gedankenwelt ab und versuchte eine Antwort zu finden, doch alles was er fand war ein wahlloses Durcheinander, welchem er einfach nicht mehr Herr werden konnte. Als er kurz darauf erneut er die Augen öffnete, musste er wegen des grellen Lichts blinzeln und als sich seine Augen endlich langsam an das Licht gewöhnten, fand er sich in einem Meer aus Sand, welches sich zu allen Seiten hin bis zum Horizont ausstreckte, wieder.
Brennende Bücher
-
Kaylem Valerian
Brennende Bücher
Zuletzt geändert von Kaylem Valerian am Freitag 22. Februar 2013, 13:52, insgesamt 2-mal geändert.
-
Gast
[...]Und das Wissen antwortete: 'Weil nur die Zeit versteht, wie wichtig die Liebe
im Leben ist.'[...]
Trotz des lauen Frühjahrabends, hätte sie wohl nichts länger an diesem ruhigen Ort gehalten.
Weder das leise Rascheln der Blätter im Wind, noch das recht nahe Wasser schenkten ihr in diesem Augenblick Ruhe.
Schon eine geraume Weile schrie alles in ihr danach, sich umzuwenden und einfach davon zu laufen.
Allerdings gab es wohl Dinge, bei denen einen die Füße noch soweit tragen konnten, sie würden einen dennoch verfolgen und so blieb sie, bis es nichts mehr gab, was noch zu sagen wäre.
Auch wenn es nun keine unausgesprochenen Geheimnisse mehr gab, wollte sich die Erleichterung nicht einstellen. Weder auf dem Weg der Flucht zurück in die Stadt, noch beim Erreichen des kleinen Hauses und der wenigen Bücher, die diesem inne wohnten.
Viel mehr war es eine tiefe Unruhe, die sie erfüllte.
Kaum war die Nacht hereingebrochen, wurde die Unruhe von einem tiefen Schmerz des Verlustes abgelöst.
Noch im Schutze der Dunkelheit verließ eine junge Frau, die es sehr eilig zu haben schien, die ruhige und schlummernde Stadt Adoran, um dann sehr viel später in der selben Nacht auch Gerimor hinter sich zu lassen.
Die schlimmsten Fehler werden gemacht in der Absicht,
einen begangenen Fehler wieder gut zu machen.
~ Jean Paul
im Leben ist.'[...]
Trotz des lauen Frühjahrabends, hätte sie wohl nichts länger an diesem ruhigen Ort gehalten.
Weder das leise Rascheln der Blätter im Wind, noch das recht nahe Wasser schenkten ihr in diesem Augenblick Ruhe.
Schon eine geraume Weile schrie alles in ihr danach, sich umzuwenden und einfach davon zu laufen.
Allerdings gab es wohl Dinge, bei denen einen die Füße noch soweit tragen konnten, sie würden einen dennoch verfolgen und so blieb sie, bis es nichts mehr gab, was noch zu sagen wäre.
Auch wenn es nun keine unausgesprochenen Geheimnisse mehr gab, wollte sich die Erleichterung nicht einstellen. Weder auf dem Weg der Flucht zurück in die Stadt, noch beim Erreichen des kleinen Hauses und der wenigen Bücher, die diesem inne wohnten.
Viel mehr war es eine tiefe Unruhe, die sie erfüllte.
Kaum war die Nacht hereingebrochen, wurde die Unruhe von einem tiefen Schmerz des Verlustes abgelöst.
Noch im Schutze der Dunkelheit verließ eine junge Frau, die es sehr eilig zu haben schien, die ruhige und schlummernde Stadt Adoran, um dann sehr viel später in der selben Nacht auch Gerimor hinter sich zu lassen.
Die schlimmsten Fehler werden gemacht in der Absicht,
einen begangenen Fehler wieder gut zu machen.
~ Jean Paul
Zuletzt geändert von Gast am Freitag 22. Februar 2013, 16:14, insgesamt 1-mal geändert.