Leith Llastobhar - Kapitel Eins-Drei

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Leith Llastobhar

Leith Llastobhar - Kapitel Eins-Drei

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Zweiauge Llastobhar


„Leith ! Komm her du Trottel…“ „Ich bin kein Trottel Tarleed“
„Der Verstand wird immer vom Ältesten bis hin zum Jüngsten aufgeteilt, das weißt du doch“ „Ach, halt einfach die Klappe Tarleed“
Ein leises, fast unhörbares *plitsch* eines Wassertropfens zeugte davon, dass es draußen regnete und der Boden schon durchweicht war. Das fließende Element bahnte sich bereits seinen Weg durch das Höhlendach des Stollens, welcher nun rutschig und matschig vor Tarleed, Owyn und Leith seinen einzigen gähnenden Strang in die Tiefe bereitete. Ohne weiter darauf zu achten, mit welchen Schwierigkeiten seine zwei kleineren Brüder zu kämpfen hatten, machte sich Tarleed Llastobhar mit behänden Griffen an den Abstieg in die schwarze Öffnung die beinahe gefährlich steil vor ihm lag. Obwohl Tarleed kräftig gebaut war und seine Gesichtszüge vermuten ließen, dass ihm nichts zu schwierig war, musste er sich heimlich eingestehen, dass die Idee in den Stollen zu gehen um das Medaillon seines Vaters zu begutachten nicht gerade die Beste gewesen war, wenn man seine anderen Beschäftigungsmöglichkeiten für diesen Abend durchgegangen wäre. Er hätte die Bedienstete ein wenig herumscheuchen können, oder ein paar seiner Mitschüler erniedrigen… ja, das wäre sicher besser gewesen, aber nein… Leith musste ja unbedingt vorschlagen hierhin zu gehen um sich so etwas Langweiliges wie ein Medaillon anzusehen.

„Guck mal da vorn!“ „Wo ?“ „Na da!“ Owyn deutete mit seiner feingliedrigen Hand auf einen Lichtpunkt, der sich am Ende des langen Ganges auftat und auf das hinwies, was sie bereits seit einer guten Stunde suchen mussten. Tarleed schritt fest entschlossen in Richtung des grünlichen Glimmens und war überzeugt davon, dass die Entdeckung so langweilig und die Zeit ausreichend genug sei um früh genug wieder zu Hause zu sein um seiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen, dem Kampf mit verbundenen Fäusten gegen einen seiner Mitschüler. Er übte dies schon seit ein paar Jahren und war so begeistert, dass er beinahe jede freie Minute in der Kampfeshalle seines Vaters verbrachte, welche extra für ihn eingerichtet worden war, damit sein Tutor ihn dort im unbewaffneten Kampf unterrichten konnte.

Leith rutschte auf dem schlammigen Boden aus und konnte sich gerade noch an einem Stein in der Wand festhalten, um nicht völlig im Matsch zu landen. Als er seinen Brüdern folgte, öffnete sich der Gang zu einer kleinen kreisrunden Aushöhlung in der tiefen Erde, während das grünliche Glimmen stärker wurde. Owyn betrachtete eine Art Lehmstatuette in der Mitte des Raumes, die einen Teller auf dem hässlichen von Wurzeln durchwucherten Kopf trug. Die Quelle des grünlichen Scheins ging vom Inhalt des Tellers aus und wirkte beinahe hypnotisch auf die Drei.

„Was ist das für ein Ding?“ fragte Owyn. „Na das Medaillon von Vater. Wozu liest du eigentlich so viele Bücher wenn du nicht einmal das erkennst, was wir seit Stunden suchen?“ antwortete Tarleed barsch. Der grüne Glanz, der von dem rundlich geformten Medaillon und der daran hängenden zierlich gegliederten Halskette ausging, spiegelte sich in den ohnehin schon opalfarbenen Augen von Leith. <<Nimm es… und bring es mir>>

„Ich wette du traust dich nicht das Ding anzufassen Leith“ feixte Tarleed. „Ich weiß nicht…“ sagte Leith steif. „Los, komm schon… du bist doch kein Feigling wie Madders oder?“
Damit war Garn Madders gemeint, der wohl größte Feigling, den man je gesehen hatte. Er ergriff selbst dann die Flucht, wenn ihm eine Raupe über sein Schulbuch krabbelte, oder wenn man direkt vor ihm stand und einfach nur ‚Buh’ sagte. „Fass du es doch an, wenn du selbst kein solcher Feigling bist!“ entgegnete Leith. „Lasst uns gehen, ich traue dem ganzen nicht“ meinte Owyn. „Nein, wir gehen nicht. Der kleine Trottel hat mich herausgefordert und soll mal versuchen mir das nachzumachen! Wenn ich es anfasse musst du es auch tun Leith!“
Das lies sich Leith nicht zweimal sagen. „Na gut, wenn du es machst, dann mache ich es auch!“

Niemand hätte gedacht, dass solch hübsche, vermutlich wohlhabende und junge Burschen bei einem Wetter wie an diesem Tage über den Hof, hinaus aufs Feld und bis zur Fahrtenfurcht (so nannte man einen Engpass der Handelsstraße, der an dieser Stelle von hohen Steinen gesäumt war und wo angeblich „Wurzelgnome“ oder andere gemeingefährliche Wesen jeden Vorbeifahrenden piesakten) laufen würden um dort in einer abgelegenen Höhle etwas zu suchen, was ihnen ihr Vater doch nur kurz zuvor noch ausdrücklich verboten hatte. Oder war es gerade dieses Verbot, welches es für die Drei immer wieder so spannend machte die Regeln zu brechen? Die Gugeln der Mäntel tief ins Gesicht gezogen hatten sie sich aufgemacht auf der Suche nach einem der berühmt berüchtigten Abenteuer der drei Llastobhar-Kinder. Jeder der Drei hatte weißes, glanzvolles Haar, dessen Pracht bei Owyn am besten zu bewundern war, da er es sehr pflegte und lang wachsen lies. Leith bevorzugte es, seine Haare auf etwa Schulterhöhe zu kürzen, da er dies für energischer und erhabener hielt. Tarleed hingegen hielt nicht viel von der in der Stadt hoch bewunderten Haaresfülle und schnitt es bei sich jedes Mal kurz und fransig, so dass es nach oben abstand, was ihm wohl das überlegenste Aussehen der Drei bescherte. In ihren jüngeren Jahren führte Tarleed’s Eigensinnigkeit oft zu Streitigkeiten mit ihrer strengen Mutter Ginessa, welche es absolut nicht sehen konnte, wie schlimm doch ihr eigener Sohn aussah, wenn er sich die Haare abschnitt.

<<…dann machst du es auch… guter Junge>>

Tarleed streckte die rechte Hand in Richtung des Tellers, der in dem grünen Glimmen zu schwimmen schien. Fast hätte man glauben können, dass das Leuchten stärker wurde, kurz bevor Tarleed es mit dem Mittel- und Zeigefinger berührte. „Hmm… das ist ganz kalt.“ murmelte er in sich hinein. Dann schloss er das Medallion vollständig in seine Hand und hob es aus dem Teller. Urplötzlich stieg ein unerträglicher Schmerz in seinem Körper auf, der scheinbar aus dem Nichts kam. Ein lauter Schrei, er fiel zu Boden und hielt sich die Hände vor das Gesicht. Auf Knien nach Atem ringend saß er da, atmete schnell, beinahe keuchend und spürte, wie Blut an seiner Handfläche hinunter lief.

„Tarleed!“ rief Leith aufgeschreckt „…was ist mit dir?“
Unwillkürlich näherte er sich seinem Bruder und stolperte dabei fast über das Medaillon, welches Tarleed gerade aus der Hand hatte fallen lassen.

„Berühr es nicht!“ warf Owyn hastig ein um Leith abzuhalten, der sich gerade bücken wollte um es aufzuheben. „Lasst uns hier schnell verschwinden, los doch!“ rief er die beiden an. Tarleed, der immer noch auf dem Boden lag und sich vor Schmerzen krümmte, konnte nichts mehr sehen und tastete sich auf dem Boden vorwärts, während im das Blut am Kinn hinunter troff. „Tarleed! Hier, nimm meine Hand, wir verschwinden von hier!“ bat ihn Owyn. Leith stand wie angewurzelt da, betrachtete mit aufgerissenem Mund was sich vor ihm abspielte und musste sich eingestehen seinen starken Bruder noch nie so hilflos gesehen zu haben. Owyn packte Tarleed unter den Armen und begann damit ihn aus dem runden Raum herauszuziehen in Richtung Stollenausgang. „Leith… komm schon, pack mit an!“
Leith drehte sich zu den beiden um, mit einer Hand in der Tasche seines Mantels. Als sich Leith’s und Owyn’s Augen trafen, zog er die Hand schnell zurück, welche nun halb unter dem mit Schlamm bedeckten Ärmel verschwand. Hätte Owyn nicht seine volle Konzentration auf seinen älteren Bruder gelegt, so hätte er vermutlich etwas bemerkt. Die zwei jüngeren Llastobhar Geschwister machten sich daran, ihren halb betäubten und blutenden Bruder aus dem Stollen zu schaffen und hatten daran eine harte Arbeit unter Aufbietung all ihrer Kräfte. Als sie schließlich noch den Weg bis zum Haus ihrer Eltern schafften, waren sie so entkräftet, dass es ihnen vollkommen entging darauf zu achten, kein Aufsehen zu erregen. So schlugen sie den großen massiven Drudenfuß gegen die verzierte Eisenplatte an der schweren Eingangstür. Es musste schon kurz vor Mitternacht gewesen sein und der Regen peitschte wie zuvor die nun grauen Weiden und gespenstisch raschelnden Bäume. Eine schmalgesichtige, blasse Frau mit hohen Wangen, langem wallenden Haar und einer mehr als bewundernswerten Figur öffnete die Tür. Ihre eisig blauen Augen, die Owyn und Tarleed geerbt hatten, verengten sich zu Zornfunkelnden Schlitzen. „Was habt ihr so spät dort draußen zu suchen?“ schrie sie die Drei an. „Tarleed ist verletzt!“ konnte Owyn gerade noch herausbringen, schon darauf gefasst gleich eine saftige Ohrfeige einzustecken. „… er ist von einem Baum heruntergefallen.“

Bei diesem Satz wurde die Frau, Ginessa Llastobhar, Tuirean Llastobhar’s Frau und somit Mutter der Drei, noch bleicher als sie ohnehin schon war. „Tarleed mein Junge, was hast du dir getan?“ dabei wirkte sie plötzlich schwer besorgt. Tarleed war immer ihr Lieblingssohn gewesen, denn er war schließlich der Erstgeborene und der stärkste unter seinen Geschwistern, aber vielleicht lag es auch daran, dass er sich so oft dem Willen seiner Mutter widersetzte, dass sie sich immer zu sehr um ihn kümmerte. Weitaus weniger Beachtenswert waren nach ihrem Ermessen Owyn oder Leith, da beide mit keiner Eigenschaft gesegnet waren, die sie Bemerkenswert machten. Keara hingegen, ihrer kleinen Tochter, schenkte sie ungeteilte Aufmerksamkeit, da Sie der einzige weibliche Abkomme der Familie war, welcher das reine Blut fortführen sollte. Ihre Schwägerin, Arienh, die einen bildhübschen und klugen, jedoch einfachen Jägersmann geheiratet hatte und mit ihm seine Kinder in diese Welt gesetzt hatte war ihr ausgesprochen zuwider. Wie konnte sie es nur wagen das teure Erbe ihrer Familie mit dem Nicht-magischen Blut zu besudeln, welches ihr Mann und damit auch ihre Kinder in sich trugen? Keara zeigte zwar noch keine Anzeichen für ihre rein-magische Abstammung, aber dennoch setzte Ginessa vollstes Vertrauen in die Sache. Obwohl es schon seit Jahren bewiesen war, dass magisch begabte Eltern nicht immer magisch begabte Kinder zeugten, so waren Tuirean und Ginessa trotz dieser Tatsache davon überzeugt, die Tradition der Familie fortzusetzen.

Als sie schließlich Tarleed von der Bediensteten verarzten ließen, welche eine Ausbildung als Feldscherin durchlaufen hatte, bevor sie in den Dienst des Hauses Llastobhar trat, wurde klar, dass er sich an seinem rechten Auge verletzt hatte. Das Medaillon hatte wohl auf irgendeine unerklärliche Weise dazu geführt, dass die Adern seines Auges platzten, was zu der Blutung geführt hatte. Dass dies der Grund für die Verletzung war, brachte jedoch niemand der Brüder jemals wieder hervor, da Tarleed’s rechtes Auge auch in den folgenden Monaten und Jahren rot blieb. Es war kein blutfarbenes oder entzündetes rot, vielmehr wirkte es, als ob dahinter etwas entbrannt war. Von diesem Tag an wurde Tarleed auch häufig als „Zweiauge Llastobhar“ bezeichnet, da er nun ein eisig kühles und blaues Auge auf der linken und ein feurig rotes Auge auf der rechten Seite trug.
Zuletzt geändert von Leith Llastobhar am Montag 27. März 2006, 21:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Kapitel 2

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Die blaue Rose

Leith erwachte eines Morgens aus einem unsanften Traum. Wurzelgnome hatten ihn an sein Bett gefesselt und traktierten ihn mit langen Schilffarnen, die vorn spitz zugeschnitten waren. <<Was für ein seltsamer Traum>> dachte er sich, während er die dicke Wolldecke von seinem bloßen Körper hob um schnell in seine gefütterten Schafswollschuhe zu schlüpfen.

Er rieb sich die verschlafenen Augen und ging hinüber zu seiner Waschschale. Seit das neue Baby in der Familie war, schenkte man ihm nicht mehr so viel Aufmerksamkeit wie früher. Wenn man überhaupt von den Llastobhar Eltern Aufmerksamkeit bekam, so musste man um sie buhlen und manchmal schien selbst das nicht gegen die Strebsamkeit von Ginessa und Tuirean, was ihr Ansehen nach Außen hin betraf, zu helfen. Keara war nun gerade mal im Alter von 5 Jahren, beschäftigte aber die Bedienstete voll und ganz. So kam es, dass diese teilweise ihre anderen Arbeiten vernachlässigte wie zum Beispiel die Betten zu machen oder abzuwaschen. Es ging sogar so weit, dass Tuirean schon überlegte ob er nicht noch eine weitere Zofe einstellen sollte.

Der Kopf der Familie Llastobhar war sehr wohlhabend, aber dennoch ein strenger und hochmütiger Vater für seine Kinder. Wenn sie nicht taten wie ihnen geheißen war, so folgten Bestrafungen und nicht allzu selten auch Schläge. Er tat ihnen zwar kein allzu großes Leid, aber an einem Tag, diesem Tag, sollte er ein Exempel statuieren.

Leith trocknete sein gewaschenes Gesicht an dem Tuch, welches neben der Waschschüssel auf dem Nachttisch lag und warf sich einen Hausmantel über. Er schnürte ihn um seine Hüfte und öffnete die Tür nach Außen auf den Gang. Langsam schlurfte er über die Holzdielen des oberen Stockwerkes wo sich seines und die Zimmer der anderen Kinder befanden. Kurz bevor er die große eibenhölzerne Treppe ins Erdgeschoss erreichte, hörte er von unten ein aufgespieltes Lachen. Es war die Stimme seiner Mutter Ginessa, die gerade ihren verschwägerten Vetter an der Tür empfing. Er kam für einen Tag zu Besuch nach Lauren'dil, einer kleinen Inselgruppe im Nordwestmeer von Gerimor.

Die Llastobhars aus der Tuirean-Familie wohnten auf einer Insel, die Khimane genannt wurde, in einem Dorf namens Morovan. Leicht nördlich von Morovan fand sich die Stadt Tayy.

„Oh wie ich mich freue dich zu sehen Kailen“ sagte sie mit leicht sarkastischem Unterton. „Es ist mir eine Ehre hier sein zu dürfen“ antwortete Kailen mit seiner dunklen Stimme, die nicht allzu selten höhnend und ironisch klang. Kailen war sehr athletisch und mit seinem markanten, fein geschnittenen Gesicht und seinem schneeweißen Haar machte er einen gespenstischen Eindruck. Sein Blick war genauso eisig kühl wie der seines Vetters Tuirean und seine Augen leuchteten in einem eisigen Blau wie die Ginessas. Obwohl er ein furchteinflößendes Auftreten hatte, war er dennoch äußerst attraktiv. Das beunruhigende an Kailen war für die Familie Tuireans, dass niemand von ihnen wusste ob Kailen die Gabe besaß oder nicht. Keiner der Llastobhars, außer vielleicht Eion und Ione, konnte ihn jemals richtig Leiden und dennoch wollten sie ihn niemals verärgern, da eine zu große Gefahr von ihm hätte ausgehen können. Tuirean und Ginessa vermuteten insgeheim, dass Kailen die ganze Macht seines Großvaters geerbt hatte, und so empfingen sie ihn bei jedem seiner Besuche mit gespielter Begeisterung, wobei sie wenn er nicht da war nur schlecht über ihn redeten.

Leith verschwand im Waschzimmer und fragte sich, wie sein Onkel zweiten Grades wohl sein würde, wenn er die Möglichkeit hätte das erste Mal mit ihm sprechen, denn er hatte ihn bisher noch nie getroffen. Die Eltern des Hauses Llastobhar waren sehr bedacht darauf gewesen, dass ihre Kinder so wenig wie möglich mit Kailen in Berührung kamen, denn sie waren sich sicher, dass er die Kinder verderben würde. Dass es tatsächlich dazu kam, dass die Kinder ihren Onkel sehen sollten war vielmehr ein Versehen als ein gewollter Vorfall. So kam es auch, dass die Bedienstete dazu beauftragt wurde, die Kinder nur zum gemeinsamen Essen ins Erdgeschoss zu führen. Niemand verlor ein Wort zu Kailen, der es schon beinahe als Selbstverständlichkeit erachten sollte, dass die Kinder nicht zu Hause waren, wenn er zu Besuch war. Zuerst war es durchaus erfreulich für die Brüder und Keara von ihren Eltern befreit im ersten Stockwerk des Anwesens herumzutollen, doch schon bald war es für die Jungen alles andere als spannend denn mehr langweilig, da es im ersten Stock so gut wie nichts besonderes gab außer den Waschräumen, ihren Zimmern und den Zimmern der Eltern.

Im Erdgeschoss wäre es weitaus spannender gewesen mit der Kampfeshalle, dem Essenssaal oder dem Jagdzimmer. Im Keller befanden sich die Studienräume Tuireans, auf dem Obergeschoss war eine Bibliothek angelegt und ein Zimmer, welches ausschließlich mit magischen Gerätschaften und Spielereien Tuireans gefüllt war. Er war Ratsmitglied des juristischen Rates zu Tayy und obwohl er dort sehr viel Geld verdiente, gab es für ihn doch keine Möglichkeit das Können, welches er aus seinem Studium gewonnen hatte, unter Beweis zu stellen. Deswegen widmete er sich oft irgendwelchen Büchern oder magischen Experimenten. Das obere Geschoss des Anwesens war für die Kinder verboten, da sie dort oben sonst zu viel kaputt machen könnten. Und obwohl dies natürlich schon seit Jahren tief im Gedächtnis der drei Brüder festsaß waren sie doch das ein oder andere Mal dort oben gewesen und hatten mit den magischen Gerätschaften gespielt oder sich einen Spaß daraus gemacht die Bücher umzusortieren.

Da ihr Vater durchaus vergaß welches Buch an welchem Platz stand, war es sehr amüsant für die Drei mit anzusehen wie er sich leise murmelnd am Esstisch darüber ärgerte, dass er das Buch, welches er doch am Vorabend noch gelesen hatte jetzt schon nicht mehr fand. Ginessa und er waren aber jetzt damit beschäftigt Kailen so ungastfreundlich wie möglich zu behandeln und ihn vom ersten Stockwerk abzuhalten, so dass eigentlich nichts dagegen stand ins Obergeschoss zu gehen und dort seinen Spaß zu haben.

Normalerweise war es Tarleed, der die anderen beiden dazu antrieb ihre Streiche zu treiben oder Dummheiten zu begehen, aber da Keara den morgen über schlief und somit die Bedienstete relativ wenig zu tun hatte, dauerte es nicht lange bis er sie unflätig von hinten packte und sie sich leise kichernd mit ihm in seinem Zimmer verzog. Da Leith schon einige Nächte zuvor wegen der lustvollen Ausrufe der Kammerzofe nicht schlafen konnte wusste er genau, was dort vor sich ging. Er musste sich heimlich zugestehen seinen Bruder manchmal zu beneiden, doch diesmal, vielleicht auch auf Grund der wiederholten lustvollen Geräusche aus dem Zimmer seines Bruders, schlug er sich diesen Gedanken aus dem Kopf. Owyn war unterdessen in einem Buch vertieft („lange Ohren, große Kiefer und volle Bärte“) und hatte somit keine Lust seinen kleineren Bruder zu begleiten. Leith, der durch die Abwesenheit seiner Eltern und das gleichzeitige Verschwinden der Zofe völlig unbeobachtet war, machte sich daran die Treppe ins Obergeschoss emporzusteigen.

Die Regale voll von Büchern waren wie immer von der Sonne, die durch das westliche Dachfenster fiel, hell erleuchtet. Selbst in der Nacht schien der Mond stark genug um den Büchern einen gespenstischen Glanz zu verleihen. Natürlich war Leith öfter in der Nacht hier gewesen als am Tag, da in dieser Zeit weniger Gefahr bestand von seinem Vater entdeckt zu werden. Im Gegensatz zu sonst war Leith diesmal aber allein zwischen den ganzen Büchern und nicht von seinen Brüdern begleitet. Irgendwie fühlte er sich nicht danach, Streiche zu treiben und beschloss deswegen sich ein Buch herauszugreifen und zu lesen, da diese Bücher meist Interessanteres als seine Schulbücher boten, wie Formeln für alchemistische Tränke oder Erzählungen von fremden Orten, die Leith noch nie gesehen hatte. Diesmal suchte er sich ein Buch heraus, welches er noch nie zuvor gesehen hatte. Es hatte einen dunklen, lederbraunen Buchrücken.

Leith zog es hervor, setzte sich auf den etwas verstaubten Boden und legte es in seinen Schoß. Der Einband fühlte sich sehr weich an und auf der Vorderseite des Buches war ein Wappen eingelassen worden. Es hatte die Form einer Rose umschlossen von zwei ovalen Kreisen, die an den vier Himmelsrichtungen jeweils drei Blätter nach Außen aufzeigten. Die Blüte der Rose war blau bemalt worden und die Blätter schimmerten in silbriger Farbe obwohl diese schon abzublättern schien. Behutsam öffnete er das Buch und besah sich die erste Seite.

Die sieben Artefakte der Nacht

darunter eine Unterschrift in geschwungenen Buchstaben:

„Caradawc Llastobhar“

Er blätterte die Seite um und begann zu lesen.
Während Leith die Symbole und Schriftzüge mit Erläuterungen über deren Bedeutung las, schien alles um ihn herum unwichtig zu werden. Er vergaß die Zeit, die Geräusche um sich herum und selbst, dass er im Obergeschoss in der Bibliothek saß. Bald stieg in ihm eine leichte Kälte auf, die ihm Unbehagen bereitete. Dennoch war er nicht im Stande das Buch wegzulegen oder zu schließen. Er las weiter und weiter.

Es mussten schon Stunden vergangen sein, bevor er das erste Mal von den teils mit geschwungenen Lettern und teils mit verzierten Buchstaben geschmückten Seiten aufblickte. Der Staub wirbelte im hellen Sonnenlicht zwischen den Bücherreihen hin und her. Er starrte lange einem Staubkorn hinterher, bis er plötzlich etwas erschreckendes bemerkte. Ein kleiner fast unmerkbarer, heller Faden zog sich von diesem Staubkorn in seine Richtung. Es war als könnte er das Staubkorn spüren, doch es war klar und eindeutig weit von ihm entfernt. Was war das? Wie konnte Leith etwas spüren, was nicht in seiner Reichweite war? Ein weiteres Staubkorn kam neben das erste, fügte sich quasi zu ihm und beide verweilten still in der Luft. Es dauerte eine kleine Weile, bis Leith noch weitere Fäden bemerkte, die so gut wie nicht zu sehen waren. Immer mehr der Staubkörner bündelten sich zusammen, blieben in der Luft stehen und Leith sah sich schon fast selbst dabei zu, wie er seine Hände bewegte.

Die Staubkörner folgten seinen Fingern, sie umwirbelten sie langsam in ihren hypnotischen Bewegungen. Leith konnte jedes einzelne von ihnen spüren, es fühlen, drehte sich selbst in Gedanken mit ihnen in der Luft, bis urplötzlich hinter ihm eine dunkle, sarkastische Stimme erklang, die leise „Ah… ich sehe… ganz der Vater… ganz der Vater“ sagte. Geschwind drehte er sich nach dem Ursprung der Stimme um und sah seinen Onkel Kailen vor sich stehen, der vornüber gebeugt auf das Buch auf Leiths’ Schoß sah. „Solltest du nicht bei deinen Brüdern sein?“ höhnte er mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen. „Dieses Buch hier“ er deutete auf das Buch und Leith bemerkte einen runden, rubinfarbenen Ring an Kailen’s Finger, der unter dem Ärmel seines langen Mantels hervorkam, als er seinen Arm nach unten streckte. Irgendwo hatte er diesen Ring schon einmal gesehen, doch er wusste nicht wo.

„Dieses Buch hier ist wirklich interessant, findest du nicht auch Leith?“ fuhr Kailen fort. Leith konnte nicht anders als zustimmend zu nicken. Er war so überwältigt von dem plötzlichen Auftreten seines Onkels, dass er die Staubkörner vollkommen vergessen hatte und auch vergaß, dass das aufgeschlagene Buch immer noch auf seinem Schoß lag. „Siehst du das da?“ fragte Kailen und ging in die Knie, um auf eine Stelle in dem Buch zu zeigen. „J…Ja“ entgegnete Leith unsicher was als nächstes kam. „Wusstest du, dass dein Vater dieses Medaillon besitzt? Es ist schön nichtwahr?“ sagte er diesmal mit ruhiger und besänftigender Stimme. „Ja, es ist schön“ fügte er hinzu ohne auf eine Antwort zu warten. Leith blickte zu ihm auf und sah, dass seine Augen funkelten und er seine Zähne unter den Lippen zeigte. „Leith mein Junge…“ er legte eine Hand auf Leith’s Schulter „Du kannst mir doch bestimmt bei etwas helfen oder? Du bist bestimmt stark genug dafür richtig?“ sagte Kailen.

Leith brachte nur ein leises „Ich glaube schon.“ hervor, bevor er wieder völlig stumm in die eisig blauen Augen seines Onkels sah. „Dieses Medaillon gehörte einmal mir Leith, verstehst du? Dein Vater hat vergessen wo er es hingelegt hat, doch vor kurzem habe ich herausgefunden wo es ist.“ Erklärte Kailen. Leith nickte nur mit halboffenem Mund. „Es liegt in einer Höhle bei der Fahrtenfurcht, nicht weit von hier“ fuhr Kailen fort „Ich hätte es gerne wieder um deinen Vater damit zu überraschen, er würde sich bestimmt daran erfreuen, es war nämlich lange im Besitz unserer Familie und stammt von deinem Urgroßvater Caradawc, dessen Buch du in eben diesem Moment in Händen hältst. Ich würde ja selbst gehen, aber der Abstieg in der Höhle ist viel zu steil für mich. Mein rechtes Bein will mir nicht mehr so recht dienen, seit mich einmal ein Hund angefallen hat. Du kannst es doch bestimmt für mich holen Leith, das kannst du doch, oder?“ Jeder hätte gewusst, dass dies eine Lüge war, außer Leith vielleicht, der seinen Onkel in diesem Moment zum ersten Mal sah und mit ihm sprach. Hätte er doch nur länger Zeit gehabt mit ihm zu reden oder ihn weitere Dinge über das Buch zu fragen. Aber es musste bald schon dem Nachmittag zugehen und jeden Moment konnte es Zeit für das Familienessen sein. So willigte Leith noch schnell in das Angebot seines Onkels ein, versprach das Medaillon zu holen um seinem Vater eine Freude zu bereiten und stand langsam auf.


„Was zum..? Kailen?! Leith?! Leith!“ ertönte eine gereizte Stimme aus Richtung der Treppe. Es war Tuirean, der, obwohl er wie alle aus der Familie Llastobhar eine blasse Hautfarbe hatte, eine mehr als gesunde Röte aufwies und sich zu seiner ganzen Größe aufgerichtet hatte. Ruhig, aber dennoch mit entsprechender Härte sagte er: „Kailen, geh nach unten… bitte“ wobei es beim letzten Wort den Anschein hatte, dass er daran beinahe ersticken könne. „Ich möchte kurz allein mit Leith reden.“
„In Ordnung Vetter“ ertönte die höhnische Stimme Kailens, der besonders das Wort Vetter außerordentlich betonte. Als Kailen die Treppe hinunter stieg und dabei einen recht vergnüglichen Eindruck machte, nahm Tuirean Leith mit einem eisernen Griff beim Arm und fuhr ihn mit erboster Stimme an: „Was habe ich dir gesagt was du hier oben zu suchen hast? Rein gar nichts! Was wolltest du mit dem Buch hier? Na?“
Bevor Leith auch nur irgendetwas erwidern konnte, fuhr sein Vater fort: „Für dich findet das Familienessen nicht statt, du kannst auf deinem Zimmer bleiben und nachdenken was du gemacht hast! Und wenn ich auch nur das leiseste Geräusch aus deinem Zimmer höre, dann sperr ich dich gleich in den Keller!“ Tuirean führte Leith fest am Arm gepackt in sein Zimmer, legte ihn über sein Knie und schlug ihn, bis ihm der Arm schmerzte und der Junge nicht mehr richtig sitzen konnte.
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Kapitel 3

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Madders und die Klippe

Vor wenigen Monden nur hatte Leith Llastobhar aus dem Hause Tuireans seine Volljährigkeit erreicht. Immer noch strahlte er über die Geschenke, die ihm teils von seinen Eltern und teils von seinen Geschwistern gegeben wurden. Tuirean schenkte seinem Sohn nur Geld, von dem er ohnehin schon genug hatte, wohingegen Ginessa ihrem Jüngsten feine Klamotten für etwaige Festivitäten schenkte.

Von Tarleed bekam er einen verzierten Dolch, von Owyn ein Buch über „Gestalten des Tages und der Nacht“ und von seiner jüngeren Schwester Keara eine selbst gestrickte Mütze. Selbst von seinem Onkel bekam er etwas. Einen leicht vergilbten Brief, aus dem einiger Dreck heraus fiel als er ihn öffnete, darunter auch ein Zettel:

„Sollten wir uns noch einmal wieder treffen, wäre es mir eine Freude, dir mein Geschenk zu überreichen für das was du für mich getan hast und natürlich für diesen, deinen wichtigsten Geburtstag.

Kailen“

Das war das einzige was auf dem Pergament stand und als Leith es gelesen hatte, ging er hinaus aufs leere Feld und steckte den Brief mit einer Lampe in Brand. Als er sich das kleine Feuer so besah, dachte er daran, dass sein Vater und seine Mutter es nicht gern gesehen hätten, wenn er sich noch einmal mit der Person unterhalten würde, die ihn doch vor 6 Jahren so verdorben hatte. Leith hatte ihm das Medaillon gegeben, aber niemals ein Wort darüber verloren. Tuirean und Ginessa hatten Kailen wegen dem Zwischenfall mit dem Buch von Caradawc nicht mehr in die Nähe von Leith gelassen, da dies bei weitem schon ein ausreichender Grund war, ihn von den Kindern fern zu halten. So dachten sie zumindest.

Owyn und Tarleed hatten bereits die Insel verlassen und sich an der Magierakademie zu Tirell angemeldet, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Leith hatte in der Zwischenzeit immer weniger Aufmerksamkeit bekommen, da sich die Gabe bei ihm nur ungewollt und zu schwach zeigte. So zog es zum Beispiel beim Abendessen Tuirean im Nacken oder manchmal tropften einzelne Wassertropfen von Leiths Zimmerdecke. Dass er die Gabe besaß war für seine Eltern ersichtlich, aber die Ausprägung selbiger war äußerst unspektakulär. Keara hingegen zeigte bisher noch kein einziges Anzeichen für irgendeine Neigung zur Magie und erntete somit größere Abneigung von Ginessa und Tuirean, bis schließlich nur noch die Zofe sich um das arme Mädchen kümmerte.

Tarleed und Owyn hatten größeres Geschick und waren daher der Stolz von Tuirean, wobei Owyn immer weiter nach Wissen und dem Ansehen seines Vaters strebte und Tarleed seiner Gleichgültigkeit neue Tore öffnete. Er musste wohl mehrere junge Damen auf einmal um sich haben und war sehr beliebt. Dennoch würdigte er dieser Tatsache eher ein leises Grummeln als einen Freudenschrei. Leith ging weiter auf die örtliche Schule, die in einer Woche zu ihrem Abschluss kommen sollte. Da der frühere Tutor, welcher Leith unterrichtet hatte, gestorben war und kein geeigneter Nachfolger zur Verfügung stand, entschied sich Tuirean dafür Leith auf eine Schule zu schicken, auf die auch andere Jungen und Mädchen in Leiths Alter gingen, als dieser gerade 14 war.

Der Herbsttanz zum Abschluss des letzten Schuljahres vor dem Beginn des weiteren Lebensweges war bald gekommen, obwohl sich Leith heimlich danach sehnte, dass das Schuljahr länger dauern würde. Die Schule war nicht gerade arm und dementsprechend hatte sie auch einen Abschlusstanz im Gegensatz zu den Schulen der anderen Inseln im Umkreis. Manche Eltern konnten sich gar keine Schule leisten und so waren auch an der Yulen-Schule mehr Sprösse aus wohlhabenderem Hause.

Beinahe jeder hatte schon eine Begleitung. „Nur ich wieder nicht“ dachte Leith im stillen Nachsinnen, während er in seinem Zimmer auf dem Bett lag und an die Decke starrte. Ein kleiner Wassertropfen fiel ihm aufs Gesicht. „Verdammte Magie“ schoss es ihm durch den Kopf. „Meine Decke lässt den Regen besser durch als vorher und manchmal kann ich machen, dass es jemandem im Nacken zieht… na toll“

Wen hätte er fragen können? Er, der jüngste der drei Llastobhar-Brüder und wohl auch der unspektakulärste hatte sich nun an einer der schwierigsten Aufgaben seines bisherigen Lebens zu messen. Theria, Manele, Sajona - und all die Mädchen die noch auf seine Schule gingen - dabei musste es doch eine geben, die mit ihm dorthin gehen würde. Selbst der ansonsten bemitleidenswerte Garn Madders hatte eine Begleiterin für den Abend in einer Woche gefunden. Doch Moment, hatte Madders nicht noch eine Schwester? Ja sicherlich hatte er diese.

Ihr Name war Malon und sie hatte goldbraunes Haar und ein relativ ungepflegtes Auftreten. Es wäre sicherlich nicht jedermanns Wahl gewesen, aber vermutlich Leiths letzte Möglichkeit eine weibliche Begleitung für den Herbsttanz zu bekommen. Als er sie letztendlich doch fragte ob sie mit ihm zum Tanz gehen würde, war es ein Gefühlsgemisch aus Verlegenheit und der Not in der er sich ohne Zweifel befand. Tarleed hätte ihn wohl ausgelacht, wenn er gesehen hätte, dass er Malon gefragt hatte. Doch zum Glück war in diesem Moment niemand da um ihn deswegen zu ärgern. Und nach einem kurzen Zögern, vielleicht auch nur um der Spannung mehr Bedeutung zu verleihen willigte Malon ein.
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Leith hatte früher viel Zeit damit verbracht das Tanzen zu lernen, da es seiner Mutter Wunsch war wenigstens einen Sohn zu haben, der es fertig brachte sich zu Musik zu bewegen. Owyn war der Ansicht, dass dies eher Zeitverschwendung als Nutzen mit sich brachte und Tarleed zeigte wie immer seine Gleichgültigkeit damit, dass er die Bitten seiner Mutter einfach ignorierte. So hatte Leith keine andere Wahl.

Am Abend des Tanzes, es wurde schon dunkel über dem Grund der Schule, wollte Leith gerade die Tür hinter sich schließen, als er einen grellen Jauchzer vernahm, welcher unleugbar von Ginessa stammen musste. Sie reichte ihm ein kleines Päckchen, das mit einem Band aus Seidenstoff umwickelt war und sagte schroff: „Das gibst du deiner Begleiterin, verstanden Bursche?“ worauf sie zuckersüß umschmeichelnd hinzufügte: „Du bist ja so ein hübscher Junge mein Sohn!“ und Leith konnte einen Seufzer nicht verbergen.

Er ging schnellen Schrittes in Richtung des Hofes von Mirvio Madders, einem reichen Grundherren, der wohl den ängstlichsten Sohn in ganz Lauren’dil hatte. Garn war überhaupt oft das Ziel von spontanen Raufereien, in die er ganz unerwartet stolperte. Vielleicht hätte man ihn auch als großen Pechvogel bezeichnen können, wenn er nicht eines der schönsten Mädchen der ganzen Schule zum Tanze führen durfte. Während Leith im Vorbeigehen Lilia und Garn betrachtete, war ihm der beschämte Ausdruck nicht auch so ein Glück zu haben ins Gesicht geschrieben. Er kratzte unsanft an seinem Gewand, welches er von seiner Mutter geschenkt bekommen hatte und holte vorsichtig das kleine Päckchen hervor, während er an der Tür zum Hause Madders klopfte.

Als eine in die Jahre gekommen Frau mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen öffnete, wurde es Leith nicht leichter ums Herz, obwohl der Anblick der Hausherrin Madders etwas von Grund auf Beruhigendes an sich hatte.

Im Inneren des Hauses war es sehr gemütlich eingerichtet, mit einem prasselnden Feuer im Kamin und einem erfreulichen Duft von Rosenblüten in der Luft.

Leith setzte sich auf Geheiß der gutherzigen Frau auf einen gepolsterten Stuhl und wartete auf das was kommen mochte. In diesem Moment wäre er auf alles gefasst gewesen, nur nicht auf das was sich in ein paar Augenblicken vor ihm abspielen sollte. Er saß mitten im beleuchteten Hauptflur des Hauses und starrte gleichsinnig auf ein Bild, welches einen Bauern bei der Arbeit zeigte, als plötzlich ein Kichern von oberhalb des Treppenansatzes ertönte. Es war ein sehr kindisches Kichern und Leith wusste, dass es noch mehr Kinder neben Garn und Malon in diesem Haus geben musste. „Halt doch bitte deinen Mund Firiell!“ antwortete eine melodiöse aber zugleich tragisch seufzende Stimme auf das Kichern. Bevor Leith es sich versah, machte sich die Herrin des Hauses, Ferun Madders die Treppe hinauf, mit einer für sie untypisch gewichtigen Miene. Kurz darauf war eine quiekende Mädchenstimme zu vernehmen, die energisch sagte: „Ach Mama, lass mir doch meinen Spaß! Guck doch mal wie albern das aussieht!“

Leith saß regungslos da und lauschte dem Theaterspiel im oberen Stockwerk, von dem jetzt ein lautes Krachen einer zugeschlagenen Tür zu hören war und die empörte Stimme Feruns, die scheinbar versuchte Ordnung in die Streitereien zu bringen, welche dort oben vermutlich vor sich gingen. Durch eine Tür zu Leiths Linken trat ein kleiner leicht untersetzter Mann mit Halbglatze. Er trug einen roten, mit goldenen Borten verzierten Morgenrock und Pantoffeln aus Leder. „Was ist denn hier wieder los?“ fragte er mit verschlafener Stimme. „Manche von uns würden sich gerne auch mal ausruhen, wenn sie hart gearbeitet haben!“ Dann wurde er auf Leith aufmerksam und stupste ihn kumpelhaft mit dem Ellbogen an. „Ahh… Junge. Ich seh’ schon, du bist hier um mit Malon zum Tanz zu gehen richtig? Hab schon viel von dir gehört, immer am plappern die jungen Dinger nicht? Aber ich schätze damit kennst du dich blendend aus.“

Der etwas erschrockene und verblüffte Ausdruck auf Leiths Gesicht war nicht zu verbergen, doch als er merkte, dass ihm der Mund offen stand und er bereits vom Stuhl aufgestanden war, klappte er ersteren wieder zu und setzte schnell wieder auf letzterem Platz. Doch Mirvio Madders sagte zu ihm in einem so väterlichen Ton, wie Leith es selbst nie von Tuirean erfahren hatte: „Geh mal lieber nach oben und sieh nach was dort los ist, bevor Ihr noch zu spät kommt.“ Und mit diesen Worten machte er sich zurück durch die Tür aus der er doch gerade erst erschienen war. Bestärkt von den netten Worten des inzwischen ergrauten Mirvio fasste Leith den Mut, der nötig gewesen war um sich die Treppe nach oben zu wagen.
Es stellte sich heraus, dass Malon schrecklich verunstaltet war. Zumindest nach der Ansicht ihrer kleinen Schwester Firiell, welche lautstark in ihrem Zimmer herumstolzierte und die freudige Nachricht predigte, bis ihr die Mutter einen Klaps auf den Hintern versetzte und sie zum Schweigen anhielt.

Leith sah, dass das, was so gekracht hatte Malons Tür war und sie sich in ihrem Zimmer eingeschlossen hatte, anscheinend um nicht gesehen zu werden. Immer noch unter dem Einfluss des ermutigenden Gesprächs mit Mirvio klopfte Leith an der Tür zu Malons Zimmer, obwohl er sich im selben Moment fragte was er eigentlich tat. „Geh allein zum Tanz“ sagte die leicht bedrückte aber immer noch melodiöse Stimme von innen. „Aber was soll ich denn dort ohne Dich?“ fragte Leith zurück, der sich der Zweideutigkeit in diesem Satz minder bewusst war als der Tatsache, dass es der Wahrheit entsprach, da Leith ohne Begleitung wohl wirklich nichts auf dem Tanz verloren hatte. „Ohne mich?“ drang die schniefende Stimme zurück. „Das ist ja nett von dir, aber ich sehe wirklich schrecklich aus!“

Leith war sich nicht sicher was ihn in diesem Moment antrieb, die Angst vor der Blamage vor all seinen Mitschülern wenn er sich ohne weibliche Begleitung beim Tanz zeigen musste oder das Mitleid, welches er plötzlich empfand ohne erklären zu können warum. „Komm doch einfach raus, ich werde auch bestimmt nicht lachen“ sagte er in einem so freundlichen und aufrichtigen Tonfall, dass es ihn selbst wohl mehr als Malon verwunderte.

Als schließlich die Tür auf ging und sie zögerlich und schüchtern hinaustrat, sah Leith ihre schulterlangen, goldbraunen Haare, die mit einer Schleife aus samtenem Grün geziert war, und ihre leuchtend blauen Augen, die die Farbe des Meeres an einem sonnendurchfluteten Tag hatten. Sie trug ein knöchellanges, grünes Kleid, welches fein ihre Gestalt umschmiegte. Ihre Gesichtszüge waren fein und ihre Lippen ließen noch ein leichtes, beinahe unmerkliches Zittern vernehmen. Leith musste sich eingestehen, dass ihm in diesem Moment alles andere als zum lachen zumute war. Er hatte noch nie ein so schönes Mädchen gesehen.
Wahrscheinlich war es die Tatsache, dass sie völlig verändert im Gegensatz zu vorher war, weshalb ihre kleine Schwester so reagiert hatte. Niemand hätte leugnen können, dass sie selbst schöner als Lilia war.

Leith war von diesem Zeitpunkt an den ganzen Abend über so glücklich wie er es noch nie gewesen war und verhielt sich so höflich und zuvorkommend wie er nur konnte. Als sie schließlich nach einigen Stunden ihren fünften Tanz (ein Menuett) beendeten, lachten sie gemeinsam und hatten schwer daran ihren Atem zu finden, als sich plötzlich jemand aus der Menge der Tanzenden löste und auf Garn und Lilia zuschritt. Der muskulöse und grimmig dreinblickende Junge hieß Vorig Coveniel und brach wohl alle bisher bestehenden Rekorde in Gemeinheiten, die jemals auf der Yulen-Schule verübt worden waren. Viele Schüler sagten er könne genauso wenn nicht noch stärker als Tarleed zuschlagen, was ihm zu einem ehrfürchtigen Ruhm verhalf. Er hatte einige Freunde, die sich um ihn scharten wie die Käfer um einen Misthaufen. Sie bestärkten ihn, lachten mit ihm über andere und verprügelten gemeinsam mit ihm die Schwächeren.

„Heda Madders du elendige Made, Lilia ist mein Mädchen, verstanden?“ rief er Garn empört an, welcher nur ein „A…Aber sie ist mit mir…“ hervor brachte. Lilia, die sehr schmächtig gebaut war, war sicherlich empört über das Verhalten ihres wohl genauso hohen wie breiten ehemaligen Freundes. „In einem Viertel einer Stunde beim alten Holzloch, verstanden Madders? Dann zahl ich es dir heim, dass du es gewagt hast Lilia anzufassen!“
Leith Llastobhar

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Garn wurde bleich. Er würde ihn bis zur Ohnmacht verprügeln und ihn vermutlich neben der Schule, an der alten Eiche, als Abschreckung für andere Feiglinge festbinden. Doch es geschah etwas Unvorhersehbares. Lilia konnte Garn nicht aufhalten, da dieser sehr erzürnt über die Beleidigungen war, welche Vorig seiner Drohung hinterher warf. Er hatte Lilia schmähend beleidigt und das wollte Garn nicht hinnehmen. Zum vermutlich ersten Mal in seinem Leben war Garn mutig, doch man hätte ihn als dumm bezeichnen können, da dies der absolut schlechteste Zeitpunkt und die schlechteste Gelegenheit war, um Mut zu zeigen. Kurz nachdem Garn sich auf den Weg zum alten Holzloch machte, einem großen hohlen Baumstamm mitten im Wald weit südlich der Schule, etwa auf dem halben Weg zur Küste, lief Lilia zu Malon, da sie gut mit ihr befreundet war und fragte sie, was sie tun sollte, um das bevorstehende Unglück doch noch abzuwenden.

Der Schock, dass ihr Bruder sich allein gegen Vorig und seine Bande stellte saß Malon tief in der Kehle und da ihr beinahe Tränen ins Gesicht liefen, vergaßen alle, wie mutig Garn in diesem Moment war. Leith war sofort bereit alles zu tun um Malon wieder fröhlich zu stimmen und so beschlossen sie zu dritt Garn zu folgen...

„Komm schon! Wehr dich du Wurm!“ schrieen sie ihm zu. Blut schoss ihm in die Nase und er musste vor Anstrengung husten. „Ich werde dich zerquetschen Madders!“
Ihn packte die Angst, wie auch schon so oft zuvor und er nahm die Beine in die Hand und tat das, was er wohl am besten konnte, was er so oft getan hatte. Er lief davon.

Leith und die beiden Mädchen kamen gerade rechtzeitig um Garn, gefolgt von Vorig, im dichten Wald verschwinden zu sehen. Drei der treuesten Speichellecker Vorigs waren sofort zur Stelle und folgten ihrem Anführer. Obwohl Garn sehr schnell war, war Vorig schneller. Er rang ihn zu Boden, boxte ihm in den Bauch und verdrehte ihm den Arm, so dass er gezwungenermaßen auf dem Rücken lag. Doch kurz bevor er noch ein fünftes Mal in den nun schon bewusstlosen Garn treten wollte, kreischte Malon: „Lass sofort meinen Bruder in Ruhe du elender Mistkerl!“ und Tränen liefen ihr über die Wangen und fingen sich in ihrem bildhübschen Kleid. Lilia stürmte los und wollte sich gerade zu Garn herablassen, als einer der Schläger Vorigs hervor trat und sie mit dem Handrücken im Gesicht traf. Sie stürzte zu Boden und schluchzte. Ein nächster stürmte auf Malon zu und packte sie fest am Arm.

Das war zu viel für Leith. Während Vorig damit beschäftigt war Lilia’s Peiniger dafür zu bestrafen, dass er sie geschlagen hatte, wählte Leith einen Ausweg, der ihm einige Probleme bereiten sollte. Er stieß dem Dritten der Anhänger Vorigs mit dem Knie in den Bauch und fokussierte dann den Zweiten, welcher Malon noch im Griff hatte. Er tauchte unter der ankommenden linken Faust des breitschultrigen Schlägers ab und landete einen saftigen Schlag gegen sein Kinn. Dank der vielen Sticheleien und Auseinandersetzungen mit seinen Brüdern und dem gelegentlichen Übungskampfe mit Tarleed wusste Leith genau wie er sich verteidigen konnte. Doch der Dritte hatte sich erstaunlich schnell von dem Bauchschlag erholt und kam von hinten auf Leith zugestürmt. Vorig hatte Lilia’s Angreifer niedergerungen und so hart geschlagen, dass dieser winselnd das Weite suchte.

Bevor er ihr jedoch aufhelfen konnte, fing er sich eine Ohrfeige ein, die sich gewaschen hatte. Brüllend und erzürnt hob er die Hand und tat es seinem Vorgänger gleich. <<Du schlägst also auch Mädchen… Wirst sehen was du davon hast>> schoss es durch Leiths Kopf, während er um Atem rang, da ihn der Dritte im Schwitzkasten hatte. „Deiner süßen kleinen Schwester werd ich jetzt mal zeigen wie nett ich sein kann Madders!“ sagte Vorig zu dem am Boden liegenden und ohnmächtigen Garn, nachdem er Lilia keine Beachtung mehr schenkte, welche auf den Schlag von Vorig hart gegen einen Ast gestürzt war und ebenfalls das Bewusstsein verloren hatte. Langsam schritt er auf Malon und Leith zu, wobei sie starr vor Angst war und er sich dem harten Griff des übrig gebliebenen Schlägers nicht erwehren konnte. Scheinbar war er vollkommen durchgedreht. Er packte Malon und schleifte sie hinter sich her, während er seinem Gefolgsmann befahl, Leith mitzunehmen. Sie gingen einige Minuten… nur begleitet von dem Wimmern und Schluchzen von Malon und dem, was Leith noch herausbrachte. „Lass sie in Frieden oder du kannst was erleben Vorig! Ich nehm dich auseinander! Du feiges Schwein!“
Leith Llastobhar

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Doch Vorig sagte nichts und sein Schläger lachte über den zappelnden Fisch unter seinem Arm. Erst als der Wald etwas lichter wurde und ein leises Rauschen zu hören war, machten sie langsam Halt. Die Bäume liefen zu beiden Seiten auseinander und gaben den Blick auf saftiges grünes Gras frei, welches im Mondlicht harmonisch glitzerte. „Wir gehen dorthin!“ befahl Vorig und zeigte mit der linken Hand auf eine Erhöhung zwischen den kleinen Grashügeln, während er mit der rechten Hand immer noch Malon fest im Griff hatte, obwohl diese ihm schon den Arm von oben bis unten aufgekratzt hatte. Sie liefen die Erhöhung nach oben und Leith bemerkte, dass dieser eine Hügel der einzige größere in der Nahen Umgebung war. Fast wie eine Klippe ragte er zwischen dem Gras hervor und bildete zusammen mit einigen kleineren Felsbrocken die Verbindung zum Strand. Nach wenigen Schritten nur waren sie auf dem höchsten Punkt der Klippe angekommen. Leith befand sich immer noch unter dem festen Griff des Schlägers aus Vorigs Bande, obwohl er es durchaus mit voller Kraft versuchte sich daraus zu entwinden.

„So, kleiner Llastobhar, du wirst jetzt dabei zusehen wie ich ein bisschen Spaß mit deinem Mädchen habe, weil du dich eingemischt hast. Dich geht das Ganze hier gar nichts an kapiert? Das ist nur eine Sache zwischen mir, Madders… und Schätzchen Malon hier,“ bellte Vorig. Danach würde er ihn sicherlich die Klippe hinunterstürzen, da war sich Leith sicher. Was sollte er tun? Wie konnte er das Unvermeidbare abwenden?
Vorig zerrte an der vor Entsetzen starren Malon und packte sie an der Schulter. Sie wimmerte leise, als er ihr mit hassvollem Gesicht entgegengrinste.

Dann riss er ihr das Kleid an der Schulter auf und packte sie mit beiden Armen. „Sieh nur zu, dann lernst du vielleicht noch was du Wurm! Mal sehen was ich mit den anderen mache… erst den Feigling, jetzt die Hure und später den Rest der Maddersbrut.“
Dies war zu viel. Zu viel für Leith. Die Wut, durchsetzt mit der Angst um Malon und der eigenen Verzweiflung packte ihn und riss ihn in einen Strudel, der nur noch die tiefsten Instinkte bar zurückließ. Etwas in seinem Kopf verschmolz mit der Wirklichkeit und Leith agierte ohne lange einen Plan zu schmieden. Er tat das, was schon länger in ihm schlummerte und nun endgültig erwachen wollte...

Bevor er merkte was wirklich vor ihm passierte, oder vielmehr mit ihm, war er herumgewirbelt und presste seine Hand gegen den Hals des Schlägers, welcher ihn nur einen Lidschlag später ruckartig freiließ und den Weg rückwärts hinunterstolperte. Er spürte es. Um sich herum war alles zu einer greifbaren, fühlbaren, hörbaren Masse geworden. Er konnte es riechen, es schmecken, wurde eins mit dem was ihn umgab und sog es in sich auf. Leith atmete so tief ein, dass er dachte seine Lunge würde platzen. Doch es war nicht der richtige Zeitpunkt um lange zu grübeln. Er war völlig frei in seinen Gedanken, flog dahin über den Himmel und spürte die Kraft in seinem Herzen und seinem Hals.

Unwillkürlich richtete er seine Hände mit ausgestreckten Fingerspitzen gen Vorig, ohne dass dieser auch nur einen Bruchteil einer Sekunde Zeit hatte um zu reagieren. Es passierte alles wie von selbst. Die Luft aus seinen Lungen verschwand und löste sich aus seinen Fingern, bündelte sich in einem harten Stoß, der Vorig geradewegs über den Rand der Klippe stolpern lies. Malon konnte sich gerade noch an Leiths Arm festklammern und nach einigen Momenten der absoluten Stille, nur unterbrochen durch Leiths schweren Atem, traten sie an den Rand und sahen nach unten.

Vorig war nur kurz gestürzt, mit seinem Mantel hing er an einer kleineren Felsspitze und schien bewusstlos zu sein. So wie es aussah, hatte er sich ein paar Knochen bei dem Sturz gebrochen, aber Leith war sich sicher, dass es diesem Mistkerl recht geschehen war.
Die Nachricht, dass Leith die Gabe besaß sprach sich recht schnell herum und es erfreute Tuirean und Ginessa, dass ihr Jüngster nun endlich in der Lage war seine Kräfte richtig einzusetzen. Dennoch gab es vieles, was Leith schwer auf sein Gemüt schlug.

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund dachten die Madders, dass Leith, gegenüber seinen, Garns und Malons eigenen Erklärungsversuchen, Malons Kleid so schrecklich zugerichtet hatte und befahlen ihm daher, auch entgegen Malons Flehen, dass Leith sich von dem Hause Madders fernzuhalten habe. Vorig hatte sich nur den linken Arm gebrochen, wurde aber im örtlichen Lazarett wieder gesund gepflegt. Man sah ihn seit seiner Entlassung nie wieder in der Nähe der Schule oder der Madders, geschweige denn in der Nähe von Leith.

Dies alles lag vielleicht auch daran, dass Tuirean, um die ganze Geschichte geheim zu halten, der Schule damit drohte, seine „großzügigen Münzenspendungen“ zurückzuhalten, falls jemand das, was wirklich passiert war, auch nur mit einem Wort erwähnen sollte.

Nach einigen Wochen der Vorbereitung beschloss Leith so wie seine Brüder, natürlich auch auf das Bitten seiner Eltern, die Magierakademie zu Tirell aufzusuchen, um sich dort in der Benutzung seiner Gabe unterrichten zu lassen. Jetzt, da ihn nichts mehr auf dieser Insel hielt, setzte er, mit einem letzten Abschiedsgruß für eine lange Zeit, seinen Fuß an Bord des Schiffes, welches ihn in den Hafen von Bajard tragen sollte.
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