Lan'zyla - Treue und Hass

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Lan´zyla

Lan'zyla - Treue und Hass

Beitrag von Lan´zyla »

Klein und niedlich.

Die Worte kamen immer wieder in ihr hoch. Die Axt traf den Baum und schlug ein gewaltiges Loch in Rinde und Stamm. Immer wieder waren sie in ihr hoch gekommen. Jedes mal begleitet von einer Welle des Zorns.

Klein und niedlich.

Seinen Kopf sah sie plötzlich im Stamm und die Axt raste wieder dem Stamm entgegen und traf ihn, dort, wo sie eben noch sein Gesicht gesehen hatte. Nach all der Arbeit und den Mühen, die sie aufgenommen hatte. War das alles, was die anderen in ihr sahen? Eine kleine, niedliche Lethra, die mit Holzklötzchen spielte? Höhlentierchen, so hatte er sie auch genannt. Ein Wutschrei kam über ihre Lippen.

Klein und niedlich.

Respektierst du mich denn überhaupt nicht? Bin ich wirklich nicht mehr, als der Dreck unter deinen Stiefeln?
Bohrende Zweifel hatte er geweckt in ihrem Herz und daraus war ein Hass erwachsen, der ihr neue Kraft gab, sie vor ran trieb. Vater würde stolz auf sie sein, dass war es was zählte und nicht die Meinung von irgend einem Lethrixor, der nicht mal in der Lage war die schwere Armbrust, die sie extra für ihn gemacht hatte zu führen. Ein wütendes Lächeln umspielte ihre Lippen. Was war das nur, dass er in ihr weckte? Zorn, Hass und Zweifel, aber auch dieses andere Gefühl, dass ihr so unbekannt und fremd war. Eine merkwürdiges Gefühl, dass sie in seiner Gegenwart hatte. Hin und hergerissen dazwischen ihn anzufallen und mit bloßen Händen und Zähnen tot zu beißen, ihn zu zerfetzen und diesem anderen Wunsch, dass er sich neben sie legen mögen würde und im Arm zu halten. Schwäche, das war es, was er in ihr suchte, nur um den Finger in ihre Wunden zu legen und sich an ihren Schmerzen zu erfreuen. Oder war er es am Ende, der ihr ihre Würde wieder geben konnte?
Mit Hass dachte sie an ihren Vater. Für ihn war sie nichts als ein nützlicher Gegenstand gewesen. Um einen seiner Kampfgefährten für eine siegreiche Schlacht zu ehren hatte er sie diesem für sie so unbekannten Letharf, als Geschenk gegeben. Der hatte sie benutzt, gefoltert und gequält und sie dann einfach liegen gelassen, mit seinem Sohn in ihrem Bauch. Zwei Jahre lang hatte sie sein Kind in sich getragen und ihn nicht wieder gesehen. Zu erst war sie nur wütend und traurig gewesen, doch mit der Zeit hatten sich ihre Gefühle geändert. Das Wesen, was in ihr heranwuchs wurde ein Teil von ihr, sie stellte sich vor, was aus ihm werden würde. Ein starker Lethrixor? Ein Lethyr? Die Sehnsucht nach dem Vater war in dieser Zeit immer größer geworden, doch er kam nicht. Erst als das Kind seinen Weg aus ihrem Leib fand, unter Qualen und Schmerzen, da war er wieder da. Doch nicht um sie zu sich zu nehmen und seine Rune in ihr Gesicht zu brennen, nein, er nahm ihr ihren Sohn weg, ohne auch nur einen Blick auf sie zu werfen. Danach hatte ihr Vater sie aus seiner Höhle geworfen, kaum laufen hatte sie können, so stark waren noch die Schmerzen von der Geburt gewesen. Ein Beil und ein Messer hatte er ihr gegeben, sonst nichts.
Vorbei, alles vorbei. Sie musste den Hass und die Demütigung nutzen um daraus Stärke zu gewinnen. Dies war ihr gelungen. Sie war gereift und hatte gelernt, so vieles gelernt.
Was würde nur aus ihr werden, was hatte er mit ihr vor? Musste sie sich von ihm fern halten, oder seine Nähe suchen?
Nach ihrer letzten Begegnung war sie erst einmal aus seiner Höhle geflohen. Die Nächte hatte sie oben im Garten verbracht. Dieser Ort gefiel ihr, war sie doch dort oben die Herrin und die Tiersklaven und Bäume ihre Diener, die gehorchen mussten.
Bestimmt war er wütend und zornig auf sie, dass sie weggelaufen war. Aber warum? Weil er sie vermisste oder weil sie nun sein Besitz war?
Bis zur Erschöpfung drosch sie auf die Bäume ein, lies all den Hass und die Wut aus sich heraus. Bis sie nicht mehr konnte und zusammen brach. Eine Schneise der Verwüstung hatte sie durch den Wald geschlagen, brauchbares Holz, hatte sie dabei nicht gesammelt. Doch das war auch egal, es hatte ihr ein Stück wieder Kontrolle über sich und ihren Körper gegeben. Sie war etwas besonderes, sie war etwas wert und wenn er sie wollte, dann sollte er kommen und sie sich verdienen. Kampflos würde sie sich ihm nicht ergeben. Sie sah auf ihre Hände übersät voller Blasen und Blessuren von ihrem Gewaltakt.

Klein und niedlich... Ich reiß dir die Eingeweide raus und mach mir eine kleine niedliche Halskette daraus....
Lan´zyla

Beitrag von Lan´zyla »

Sie war alleine in der dunklen Zelle die ihre Wohnstatt nun war. Man sperrte sie dort hinein, in vollkommener Dunkelheit und Stille, wann immer man sie nicht benötigte. Es sollte wohl ihre Sinne schärfen und weiterhin ihren Willen brechen.

Die Stille bereitete ihr Schmerzen, genau wie die Kälte. Sie hatte keine Decke oder etwas, das man als Bett bezeichnen konnte. In der ersten Zeit hatte sie manchmal geschriehen und getobt, niemand hatte davon Notiz genommen und sie hatte auch bald gemerkt, dass sie keine Kraft darauf verschwenden durfte. Es brachte sowieso nichts.

Ihre Gedanken kreisten schnell und wirr in diesen Stunden, Schlaf fand sie nur selten. Sie vermisste die warmen Felle in Tyr'riaxans Höhle. Lange war es her, seit sie dort geschlafen hatte. Dort hatte sie stets Ruhe und Erholung gefunden. Ob sie ihn vermisste? Sehr sogar. Doch das war ihr Geheimnis und niemandem durfte sie es verraten. Konnte sie es wagen ihm selbst zu sagen? Vielleicht.

Mit einem bitteren Lächeln dachte sie an ihre letzte Begegnung. Er hatte sie, als er nicht mehr weiter wusste geschlagen. Die körperlichen Schmerzen hatte sie ertragen, doch sie wusste, auch ihm hatte es weh getan, wie immer, wenn er sie schlug. Aber so war er eben. Wenn ihm nichts mehr einfiel blieb nur noch Gewalt. Das hatte man ihm anerzogen und so war ihr Volk. Oder etwa nicht?

Vater. Ihre Gedanken kreisten oft um ihn. Sie war eine seiner Töchter, das stand außer Frage, doch eine rebellische, ungehorsame. Das hatte ihr Tyr'riaxan gesagt und sie dafür geschlagen. Das waren die obersten Gebote im Glauben an Vater, sowohl bei den Menschen auch als bei den Letharen. Bedingungsloser Gehorsam. Aber war Vater nicht die Gott gewordene Verkörperung des Ungehorsams? Seine Mutter hatte ihm einen Platz zugewiesen und wäre er gehorsam gewesen, wäre er damit zufrieden geworden. Doch er wollte mehr. Auch er hatte rebelliert und jetzt gab es Letharen und Menschen die ihm folgten.

Die Menschen hatten Vater einen interessanten Namen gegeben. Alatar nannten sie ihn, was nichts anderes bedeutete als "freier Gedanke" und doch wollten sie in seinem Namen ihre Gedanken aufgeben und bedingungslos folgen.

Wieso sprach er nicht mit ihr? Nie hatte sie seine Stimme vernommen, weder im Wachen noch im Schlafen. Wo war er?
Wo war Vater gewesen an diesen Abenden in Düstersee. Diener Temoras waren gekommen und wollten am Glaubensunterricht teilnehmen. Doch man suchte nur nach einer Ausrede um sie möglichst schnell wieder loszuwerden. Wegen Missachtung des Rüstrechts war ihnen der Zugang zu Düstersee und zur Messe veboten worden. Wussten die Menschen denn nicht, dass es darum ging den Glauben der Feinde zu erschüttern? Und dagegen half keine Rüstung, egal aus welchem Metall. Oder hätte man sie nicht wenigstens vernichten sollen?

Dann der Abend an dem Düstersee angegriffen worden war. Lan'zyla lachte in die Dunkelheit hinein. Nein, niemand hatte Düstersee angegriffen. Der Angriff hatte den Belagerungswaffen in der Feste gegolten und diese waren vernichtet worden. Sie wusste nicht für welchen Zweck diese Waffen gebaut worden waren, doch sie erfüllten den Zweck dicke Mauern einzureißen und zu vernichten. Statt dessen würden die Streiter der dunklen Armee nun wohl mit Händen, Schwertern und Blitzen auf diese Mauern einhauen müssen. Wieder ein Lachen in die Dunkelheit. Stein war geduldsam.

Die Menschen hatten ihren Sieg gegen den kleinen Haufen wie im Rausch gefeiert. Kaum einer hatte sich darum geschert, dass in der selben Zeit da etwas brannte. Mit Füßen hatten die Ahad Schnee angehäuft und damit die Flammen gelöscht. Kaum einer war ihr gefolgt auch Lan'zyla selbst tat sich schwer. Wie im Schock stand sie vor den Flammen und sah eine lange Zeit einfach nur zu. Selbst die Schwester L'ysstzzr hatte lieber einer Ritterin des Feindes Runen in die Haut gemalt als sich um die dringenden Fragen zu kümmern.

Von den Menschen hatte sie nicht mehr erwartet. Sie waren nur auf Vergnügen aus und wollten Spaß haben und sie hatten scheinbar großen Spaß an solchen Schlachten. Wenn sie das als Anreiz und Motivation brauchten, nun gut, dann sollte es eben so sein. Aber in Lan'zyla war kein Platz für solche unwichtigen Gefühle. Wenn der Feind am Boden ist, töte ihn, aber spiel nicht mit ihm. Ein Panther muss nicht mit seiner Beute spielen, dies kann er mit seinesgleichen.

Vater! Wo bist du? Hörst du mich? Sprich mit mir. Ich bin verzweifelt. All das woran ich glaube, all das wovon ich überzeugt bin wird mir genommen. Bist du nichts weiter als Zerstörung und Chaos? Wieso hast du dann uns geschaffen? Ein Volk, dass nur Hass und Zorn kennt, außer wenn es um dich geht. Dich lieben und verehren wir, dir wollen wir nahe sein. Liebst auch du uns? Hast du uns geschaffen um dich zu lieben?


Was muss es für ein Gefühl gewesen sein, den eigenen Bruder zu morden. Die Mutter sterben zu sehen und im ewigen Kampf gegen die Schwester gefangen zu sein. Hast du sie geliebt Vater? Mit der selben Liebe, die wir für dich fühlen?

Immer schneller kreisten ihre Gedanken und immer wieder sah sie Tyr'riaxans zerstörtes Gesicht vor ihren Augen. War es ein Akt der Rebellion, was sie fühlte? Was sie dachte?

Hoffentlich würde sie Cha'xyrol bald wieder treffen. Er hatte ihr vieles erklärt und ihren Glauben gestärkt und ihr Kraft gegeben. Genau wie die Erhabene.

Licht. Jemand kam um sie zu holen. Stundenlang musste sie üben auch unter größter Belastung mit ruhiger Hand ihre Arbei zu erledigen. Sie wusste nicht wozu die Maschinen, die sie da bauen musste, bestimmt waren. Man teilte ihr solche Details nicht mit, sie hatte zu dienen und zu gehorchen.

Doch damit war es vorbei. Vater hatte sie so geschaffen wie sie war. Er hatte ihr Ungehorsam, Hass und Zorn in die Wiege gelegt, aber auch Liebe. Sie war eben seine Tochter, jedenfalls glaubte sie daran.
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