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Ein warmer Ton pulsiert im Lied Eluvies. In vielen Farben fließt er seinen Weg in der harmonischen Symphonie der Muttergöttin entlang. Funkelndes, schillerndes Blau. Orange. Rot. Lila. Grün. Gemeinsam mit den Tönen, die ihm auf dem Weg, den die Mutter ihm besang, begegneten, ergab er die schönsten Klänge, wie sie im Lied Eluvies keine Besonderheit waren. Innerhalb seiner Linien jener Melodie begegnete er einem bestimmten Ton. Dieser Ton klang beinahe wie er selbst, ein wenig gezerrt eventuell, ein wenig bestimmter eventuell. Angezogen von jener Ähnlichkeit umspielten sich die beiden Töne mit Leidenschaft und Hingabe, jeder der Beiden auf seine Art und Weise, denn sie waren sich offensichtlich nicht so ähnlich, wie die dadurch aufgekommene Anziehung es vermuten ließ. Fernab der Linien seiner Melodie im Lied Eluvies fand sich der warme Ton tief in der Disharmonie wieder. Auch in dieser Tonabfolge gab es Plätze für diesen Ton, doch dort verlor er schnell seine einst so warmen Farben und die einzige, die ihm blieb war ein tiefes Kobaltblau. Von hier gezerrt, von dort gerissen verlor der Ton seine Ausdrucksstärke und waberte schließlich nur noch durch das Gebilde Alatars. Am Fuße jenes Gebildes traf er auf einen schillernden in dunklem Rot getauchten Ton. Er bot ihm Zuflucht und sie banden sich aneinander. Gemeinsam fielen sie aus der Disharmonie Alatars in die Leere jenseits der Melodien.
Mit der dort zwischen den beiden entstandenen Melodie kehrten sie zurück in das Gebilde Alatars. Es war eine wuchtige, kämpferische, ja gar kriegerische Melodie mit der sie durch jenes Gebilde fegten und in einem lauten Finale hindurch zurück in das Lied der Eluvie brachen. Nur langsam nahmen die Wogen dieser Verwirbelung ab, traf sie doch, gezeichnet und beeinflusst durch die Zeit in dem Gebilde Alatars, zu einem unerwartetem Zeitpunkt ein und andere Töne der Symphonie erhielten in ihrer Nähe einen anderen Klang, der von einer eigenen Disharmonie nicht weit entfernt war. Und wo war die ursprüngliche Linie des nun so anders klingenden Tons in der Symphonie der Eluvie?
Noch ehe die Verwirbelung endete gesellte sich ein anderer in goldenen und grünen Farben leuchtender Ton an die Seite des dunklen, blauroten Tons. In ihrem gemeinsamen Klingen entstand zwischen ihnen eine kleine Welle in der ihre gemeinsamen Melodien flossen und so entstand in der Verwirbelung neue Harmonie.
Doch selbst wenn die beiden Töne sich nicht bewegt hätten, das Auge des Sturms wäre nicht stehengeblieben und so dauerte es nicht lange bis die Ausläufer der Verwirbelung des Bruches die Töne in extreme Bewegungen brachte.
Ihre Welle,
die floh
und sang ihre Melodien anderswo.
Erkaltet blieben die beiden Töne zurück und nachdem der Ursprungsort der Welle letztendlich wieder derart sanft war, dass ihre zarte Melodie dort nicht zerissen werden würde, konnte sie die beiden Töne, die ihr ihre Melodie, ihr „sein“, gaben, nicht finden. Sie erkannte sie nicht, waren sie doch kalt und klanglos geworden.
Und so kehrte sie – ungewiss, was sie denn nun als nächstes tun solle – zunächst an ihren Ursprungsort zurück und trug somit sich selbst, ihre Melodie, zurück an jenen Ort.
Sich selbst in der Melodie wiederfindend begannen die beiden Töne erneut zu schwingen.
Sich ihres Ursprungs nun wieder gewiss verließ die kleine Welle jenen Ort um mit der Melodie der beiden Töne nun frei in einer natürlichen Harmonie mit und im Lied Eluvies zu schwingen. Auch der dunkle blaurote Ton bewegte sich möglichst ruhig und wohlklingend durch die letzten Gischten der Verwirbelung, um dann für und mit sich selbst frei im Lied der Eluvie klingen zu können. Auf die ihm bestimmte ursprüngliche Linie in der Symphonie Eluvies würde er nicht zurückkehren, War diese doch schon längst verronnen und hatte er in der Leere jenseits der Melodien den letzten Akkord jener Symphonie doch bereits gesehen.
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- I Das Wesen der Calanithel vi'du
II Auf dem Weg der freien Harmonie
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I
Von all dem weiß Calanithel vi'dû nichts. Lediglich die Klänge des blauroten Tons hat sie beim Anbeginn ihres Seins gehört. Sie empfand sie seit jeher in ihrer Gesamtheit als schön und vollkommen und spürte daher nie das Verlangen ihnen zu folgen. Ohnehin scheint Calanithels Geist – wenn ein Mensch sich denn tatsächlich erlauben mag einen Maßstab an den Geist der Elfen anzusetzen – relativ einfach gestrickt. Vom Standpunkt eines Menschen erscheint sie wahrscheinlich noch immer blitzgescheit... in Relation zu manch einem anderen Elfen jedoch... naja... ihr wisst wahrscheinlich, was ich damit sagen mag. Jedoch wohnt Calanithel ein außerordentliches Gefühl für sich, ihren Körper und ihre Umgebung inne. Selbst für eine Elfe. Das damit einhergehende intuitive Verständnis befähigt sie oftmals dazu in schwierigen verwirrenden Situationen diese einfach aufzulösen indem sie agiert wie sie agieren mag. Das geschieht meistens lange bevor ihr -wie bereits erwähnt - für einen Elfen eventuell relativ träger Intellekt sich die Mühe gemacht hat zu rekonstruieren, was sie da eigentlich getan hat. Dennoch bereitet es ihr auch manchmal Freude das, was in der Idee schon längst da war auch in Worte zu fassen. Manchmal dauert das eine ganze Weile, aber manchmal währt dann eben jene Freude auch eine ganze Weile.
In den frühen Jahren ihres Seines in der manifestierten Schöpfung der Eluvie war das menschliche Kind in ihrem Seelenlied sehr deutlich spürbar. Ihr Seelenlied kann sehr impulsiv klingen, auch wenn sie in sich selbst in der Ruhe ist. Mit den voranschreitenden Jahren bemerkte Calanithel vi'dû wie wirksam diese Impulsivität sein kann, wenn sie gepaart mit ehrlicher Ruhe als ein aufrichtiges Stopsignal genutzt wird. Da das Seelenlied der Calanithel vi'dû bereits in Berührung mit der Disharmonie kam, fühlte Calanithel vi'dû seit jeher eine starke Sympathie mit den frei in der Natur lebenden Wölfen und ihren im Rudel und außerhalb des Rudels kurzen und klaren Stopsignalen. Gemeinsam mit dem Menschenkind in seinem Seelenlied ist der Wolf Calanithel vi'dûs immer friedfertig und niemals agressiv, selbst wenn sie wie alle Hochelfen, die in ihrem Seelenlied die Disharmonie durchschritten haben, in der Lage ist die Disharmonien zu spiegeln und dabei bei einem Menschen den Anschein erwecken könnte, dass sich dieser Hochelf agressiv verhielte. Im Bewusstsein dessen und dem Bewusstsein des unangenehmen Gefühls, das damit einhergeht, agiert Calanithel vi'dû so nur als letzte Instanz mit einem Einfluss der Disharmonie. Die Schwelle in dieser Art und Weise in Anwesenheit von Wesen warmen Herzens so zu agieren ist bei der Calanithel vi'dû ein wenig höher, als wenn sie nur von Marionetten des Gebildes Alatars umgeben ist . Dieses Zögern kann sich kurzfristig als eine Schwäche darstellen im langen Atem allerdings nur eine Stärke sein.
Mit dem ausgeprägten Gefühl für ihren eigenen Körper hatte Calanithel vi'dû schon immer das Gefühl, dass sie eine gute Klingentänzerin sein könnte, wenn sie es sein müsste, aber da sie dieses Gefühl bereits hatte, war ihre Motivation sich weiter mit dem Kampf zu beschäftigen nicht sonderlich groß. Dieses Körpergefühl in Tänzen zu vom ihr als schön und angenehm empfundenen Klängen auszuleben bereitet ihr aber immer wieder große Freude. Die künstlerische Natur des menschlichen Kindes in ihrem Seelenlied ließ ihre Interessen des „Malens“ in alle möglichen Richtungen gehen, da sie kein Interesse daran hatte Perfektion in einer einzelnen Disziplin zu erreichen. Dies befähigte sie dazu in einigen Disziplinen sehr gut zu werden, da sie Erfahrungen anderer Disziplinen mit denen sie sich eventuell nur hin und wieder beschäftigte in jene integrieren konnte und so für sich persönliche und gänzlich neue Ansätze fand an ein bestimmtes Thema heranzugehen. Sie mag das Malen mit Musikinsturmenten, das Malen mit ihrem Körper und das Malen in der Küche sehr gerne.
In der Anfangszeit ihres Seins auf Alathair hat Calanithel vi'dû sich eventuell ein wenig zu offen für äußere Einflüsse gehalten, aber das zu beurteilen wage ich nicht. Wer dazu eine Meinung haben mag, kann, wenn sie diese Frage denn gestellt haben mag, Temora fragen, ob sie eine Meinung dazu hat und wenn ja, ob sie diese äußern mag. Angesichts dessen, dass in Calanithel vi'dû die Fähigkeit eines Nestors liegt war jene Offenheit eventuell sinnvoll und eventuell unnötig.
Ansonsten kann Calanithel vi'dû einige Situationen nicht mit einer derartigen Leichtigkeit und Geschwingkeit durchgehen wir manch eine andere und manch eine andere würde eventuell wagen dies als Schwäche zu bezeichnen. Ich sehe das ein wenig anders. Sie mag die ein oder andere Disziplin nicht so schnell wie manch eine andere bewältigen können, dafür hat Calanithel vi'dû KEINE Schwächen, denn die Schwäche wohnt ihr bereits inne und in ihr ist ihre größte Stärke gebündelt.
Ob nun die heilende Wirkung des Waldes ihre Affinität zu der Kräuterheilkunde oder die Kräuterheilkunde ihre Affinität zum Wald der weisen Melodien geweckt hat, vermag ich nicht zu sagen.
II
Lange Zeiten befasste sie sich nur mit jenen Wellen, die der Sternenvater élaran laimului in die Schöpfung der ambarnaneth auf Bitten der amariel gebracht hatte. Vor allem jenen, die mit dem Wirken seines Sohnes Tinuchíl ihren Anfang genommen hatten. Als Nestor der Eledhrim war dies ihr Weg. Ein guter Ansatz. Doch die Schöpfung der ambarnaneth hatte nicht die Kinder tinuchíls und auch nicht die Kinder des Bergwächters gondirith in ihrem Sein. Wenn das Ziel des Seins der Eledhrim in der Schöpfung der ambarnaneth das Wiederfinden Alathairs sei, dann müssten die Edain Alathair finden. Jeder einzelne für sich, jede einzelne mit sich und alle gemeinsam.
Die Gestirne Sprachen von neuen Wegen, die Calanithel vi'du beschreiten würde. Viele Wege waren es. Unterschiedliche Wege. Wege, die sie, gleichwohl sie mit der endlosen Lebensspanne einer der Eledhrim gesegnet war, nicht alle und viele davon nicht allein würde gehen können.
Viele sprachen von den Edain. Manche sprachen von den Kindern des Bergwächters. Ausnahmslos alle hatten im Hintergrund ein leises Wispern Varunas, das alles und auch nichts bedeuten könnte.
In ihrem Körpergefühl ging sie Wege, die ihr die Sterne verrieten und Wege, die ihr ihr Körper in seinem Sein im Lied der ambarnaneth gehen ließ.
Sie bemerkte wie unterschiedlich die Edain sein konnten. Selbst innerhalb einer Gemeinschaft. Sie waren alle anders. Nicht nur so anders wie jedes Wesen der Eledhrim anders ist als ein ein anderes Wesen der Eledhrim, sondern tatsächlich grundverschieden.
Manche begegneten dem, was ihnen begegnete offen und aufmerksam. Manche verschlossen sich dem was sie haben mochten mit ihren Begierden, die sich in einer aus Calanithel vi'dus Sicht auf eine sehr irritierende Art und Weise immer in sich selbst zu widersprechen schienen.
Viele machten Unterschiede wo keine waren. Viele machten keine Unterschiede, wo welche waren.
Das im Angesicht dessen, dass die Schöpfung der ambarnaneth offensichtlich nicht mehr Alathair war, könnte tatsächlich davon gesprochen werden, dass es eine Hilfe war, dass sie selbst in Gemeinschaften der Edain, die sie als angenehm empfand, Edain antraf, deren Verhalten ihr alles andere als angenehme Impressionen bescherte. Im Hinblick auf das Wiederfinden Alathairs wäre hier die Bezeichnung der Hilfe zwar ein fataler Fehler, allerdings verhinderten solche Impressionen, dass sich der Eindruck, dass sich die Gesellschaft mit Edain zwangsläufig immer angenehmer gestallte je weiter die Edain von einem direkten Bezug zu Andoran oder Rahal entfernt seien, zu einer festen Regelung in ihrem Geist setzte.
Dass sich die logisch gegebene Möglichkeit bestätigte, dass selbst in Andoran Menschen anzutreffen seien, in deren Anwesenheit ein erträgliches Maß der Selbstbewahrung möglich wäre, half dabei, dass sich die sich bei ihr anbahnende Verfestigung einer starren Regel in ihrem Geist aufgebrochen wurde.
Ja... auch in Andoran gab es erträgliche Edain...
In der Kommunikation mit, aus ihrer Sicht, von Dissonanzen überschwemmten Edain kam es tatsächlich zu Situationen in denen sie nur drei Optionen sah:
-Sich von der Situation abwenden.
-Die Dissonanz mit dem Wolf ihres Seelenliedes spiegeln.
-Den Edain aus der Existenz entfernen.
Erstere wählte sie, wenn das ohne das Gefährden der Hilfe beim Wiederfinden Alathairs durch die Edain möglich war.
Letztere erschient dem Wolf in ihr zwar manchmal sinnvoller als mit ihrem eigenen Körper Zeichen der Dissonanz zu zeigen, jedoch wäre das Abtrennen des Kopfes einer_s Adan, die_er möglicherweise tatsächlich nur aufgrund der ihr_m überschwemmenden Dissonanzen eben jene Dissonanzen weiter trägt, nicht das Mittel der Wahl Calanithel vi'dus, wenn die Möglichkeit besteht, dass auch in jener_m Adan Alathair noch inne wohnt.
So kam es dazu, dass Calanithel vi'du in ihrem Gebaren kurze, präzise Zeichen der Dissonanz zeigte. Mit der Stärke und Effektivität eines Wolfes.
Ihre Begegnung mit den Bergwächtern des Bruders des Tinuchíls verlief ganz anders. Trotz ihrer stämmigen Gebaren und eventuell aufgrund ihrer Stämmigkeit zeigten diese doch so anders erscheinenden Brüder im Geiste, eine tiefe Weisheit. Pragmatisch und klar, ohne dabei die Tiefe zu vergessen.
In jenen Höhlen des Götterbergs, obgleich sie tief unter der Oberfläche lagen. fühlte sich Calanithel vi'du tatsächlich wohl. Eventuell lag das an den kunstfertigen Händen der Kaluren, die ihre Höhlen, wenn auch kantiger, beinahe im Glanze der Gestirne erstrahlen ließen. Eventuell lag das daran, dass jener Ort tief mit dem Lied verbunden ist, aus dem sie in die geschaffene Welt der ambarnaneth gebracht wurde. Eventuell kann sie jenen Ort aufgrund der Tiefe ihres Seelenliedes leicht als angenehm empfinden. Eventuell trugen auch all diese Faktoren dazu bei, dass sie die Möglichkeit hatte sich in jenen Höhlen wohl zu fühlen.
Aber ein ehrlicher Betrachter, der in der Lage ist ihr Seelenlied zu hören, wird ganz klar sagen:
„Das menschliche Kind in dem Seelenlied der Calanithel vi'du, hatte einfach einen riesigen Spaß bei diesen lustigen, kurzen und breiten Wesen des Götterberges und das hat sie gefühlt.“
Die Fähigkeit eines Nestors der Eledhrim in sich zu tragen kann also auch seine angenehmen Seiten haben.