Bo ~ Eine Geschichte von Anfang an

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Miranda Yldin

Bo ~ Eine Geschichte von Anfang an

Beitrag von Miranda Yldin »

Nun ist er da, und zappelt und quengelt und lacht und pennt. Mein Sohn. Mein Bo. Unser Bo, irgendwie.

Bospa ist der reinste Fels in der Brandung, der beste Mann, den ich mir vorstellen kann... als hätte er nie etwas anderes getan, als große Wellen abprallen zu lassen.

Irgendwie wünschte ich trotzdem, Rogan würde einmal wieder vorbei kommen. Ich hab schon fast gedacht, es interessiert ihn. Gesehen hat ihn seit Wochen keiner und dabei sieht doch mittlerweile Bo glatt aus wie… ach, was bringt’s. Ohne das, bin ich so ganz und gar glücklich, wie man nur sein kann.

Doch sorgenfrei… ganz sorgenfrei, das wäre doch zu schön.

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Wäre da bloß nicht dieser schwarze Vogel, der über den Zaun geflattert kommt, als ich gerade die Tiere versorge. Könnte es nicht eine Schwarzdrossel… eine Dohle… eine Krähe … oder einfach ein ganz gewöhnlicher Rabe sein?
Aber stinknormal ist es jetzt wohl bei mir zu lange gewesen.

Wer hätte es gedacht: Der neugierige Vogel entpuppt sich als nebulöse, dunkle Gestalt. Ein Rabendiener...
Nie zuvor bin ich einem begegnet und mir gefriert fast das Blut in den Adern – er scheint es auf Bo abgesehen zu haben… !

Ausgerechnet da kehrt Bospa heim und schiebt sich dazwischen, und ich glaub, nie zuvor bin ich so glücklich und zugleich so unglücklich gewesen, ihn zu sehen. Direkt vor mir… direkt vor dem Diener des Seelensammlers auf der anderen Seite! So leicht hätte der ihm wehtun können.

„Wie alt ist der Junge?“, fragt der Dunkle. Mit jedem seiner Sätze scheint er sich ein weiteres der geschliffenen Knochenstückchen von der Robe zu pflücken wie eine Traube von der Rebe, und wirft es ins Gras.
Ein halbes Jahr… sechs Monde… das wäre eine wichtige Zahl, wie die hingeworfenen Satzfetzen des ungebetenen Gastes vermuten lassen.

Geistesgegenwärtig dann Bospas Antwort: „Fünf Monde… doch was geht’s euch an?“ Nun…so ganz stimmt das nicht… doch jede Antwort soll mir recht sein, die den Rabendiener wieder abziehen lässt. „Also habt ihr noch einen Monat, bis ich wiederkehre. Es ist unerlässlich…“, murmelt er noch, ehe er so unerwartet plötzlich wie er aufgetaucht ist, wieder verschwindet.

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Mir läuft es bei der Erinnerung noch immer eiskalt den Rücken herunter, und ich sehe mich vor, dass ich Bo nun immer gut verstecke. Noch ist er klein genug, um in einem geräumigen Korb als – zugegeben etwas groß geratener und manchmal strampelnder – Brotlaib getarnt zu werden.

Endlich heute, am nächsten Morgen, nach einem vergewissernden Blick, der nirgends einen schwarzen Vogel erspähen kann, sammele ich mit dicken Lederhandschuhen die Knochenecken aus dem Gras. Kurz frage ich mich, wohin damit, ehe ich sie in einen Lederbeutel fülle, den ich später beim Berchgarder Totengräber vorbeibringen kann …

Kleine, dörrbraune Flecken zwischen den Halmen sind alles, was zurückbleibt. Dunkle Punkte auf grünem Gras. Flecken auf einer ansonsten so weißen Weste. Sorgen in einem sonst so ruhigen und glücklichen Haus.
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Magnus Siluvaine
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Beitrag von Magnus Siluvaine »

[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://img4.fotos-hochladen.net/uploads/rabebjzqvon4ef.jpg[/img][/url]

Ruckartig bewegte sich der kleine, schwarze Kopf des Raben hin und her. Die kleinen Knopfaugen sondierten aufmerksam das Bild vor sich. Das Bauerngehöft war für die Dimensionen des Vogels gerdazu riesig. Doch ebenso riesig war seine Geduld.

Der Tagesablauf dieser Frau schien stets der selbe zu sein, und so konnte es nun nicht mehr lange dauern bis sie, den Balg auf dem Arm tragend, aus dem Haus schritt. In unregelmäßgigen Abständen kehrte er seit jenem Abend immer wieder hierher zurück. Die Vorbereitungen raubten stets die meiste Zeit, doch waren sie auch das Fundament für das Gelingen des ursprünglichen Plans.

Da kam sie auch schon mit einem Blick, als wollte sie vor Glückseligkeit die Welt umarmen, die Stufe hinab. Das kleine Bündel auf ihrem Arm schwieg noch ... noch ... Er hasste dieses Geschrei, und in der Rabengestalt war der Klang des Brüllens noch um ein vielfaches unerträglicher. Wie würde dieses kleine, zerbrechliche Wesen erst Schreien, wenn er ihm den Parasiten einpflanzte ... oh, dies würde ein Geschrei werden, welches ihn für all das hier entschädige würde. Und allein der Gedanke an diesen Moment löste in ihm ein inneres Entzücken aus. Nur noch einen Mondlauf würde es dauern ...

Sie hatten scheinbar nicht die geringste Ahnung, was er wirklich vor hatte. Hätten sie diese, hätten sie längst ein paar Dinge gepackt, den Balg unter den Arm geklemmt und wären davon gerannt.

Ein Mondlauf also noch. Ein Mondlauf in welchem er beobachten würde, ein Mondlauf in welchem er... Angst säen würde ... Angst schärfte die Sinne der Menschen ... doch machte sie es auch Paranoid, sie verursachte Unbehagen und, in letzter Konsequenz, brachte sie Menschen dazu, Fehler zu machen.

Die kleinen, schwarzen Knopfaugen fixierten nun direkt die Bäuerin. Sie ging zum Futtertrog, dort einen Eimer, welchen sie wohl am Abend zuvor schon gerichtet hatte, in die Hand nehmend. Ihre nächsten Schritte brachten sie zum Gehege. Er konnte es kaum erwarten ....

Mit dem Bündel auf dem Arm und dem Eimer in der Hand, musste sie sich drehen und das Gatter mit einem Stups ihres Hinterteiles öffnen. Eine weitere, sachte Drehung später, stand sie auch schon vor ihren Tieren ... Lange würde es nicht mehr Dauern, und sie würde seinen kleinen Gruß an sie entdecken....



[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://www.fotos-hochladen.net/uploads/kuhnp5wr9z0lh.jpg[/img][/url]


Ein schriller Schrei verließ die Kehle der Bäuerin, den Eimer lies sie fallen, der Inhalt, verteilte sich auf dem Boden. Nur einen Augenblick später begann nun auch der Säugling in ihrem Arm zu schreien, von der Reaktion der Mutter aus dem Schlaf gerissen.

Ein lautes Krächzen verlies die Kehle des Raben. Er breitete die Flügel aus und mit ein paar geübten Flügelschlägen erhob er sich in den Himmel. Er würde wiederkehren, heute noch, er musste nur noch eine Kleinigkeit besorgen .....
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Bospa Yldin
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Beitrag von Bospa Yldin »

Ein paar Tagen nach der seltsamen Begegnung mit der Rabengetalt betrat Bospa eines Abend den Hof. Er blickte sich im Garten um und sah Miranda versteinert blickert auf etwas schauen. Bospa trat nähr und mustert auf das sie blickte genauer. Bospa blickte im ersten Moment entsetzt drein. Vor seinen Augen stand ein Grabstein mitten im Garten, der folgende derb gehackt wirkende Inschrift trug:

"Bo Yldin, er durfte nur 6 Monate leben"


[img]http://img842.imageshack.us/img842/9279/bograbsteinimgartenscre.png[/img]

Bospa wandte sich um und nahm seine Frau fest in die Arme. Einen Moment verweilten sie so. Bospa blickte sorgsam zum Haus hinauf. Miranda flüsterte daraufhin zu ihm: "Bo schläft drinnen". Ein kurze Erleichertung erfasste ihn innerlich. Kurzer Hand sah Bospa sich um und griff zu der Holzfälleraxt die am Haus lehnte und rahmt sie mit aller Wucht, als würde er eine dicke Eiche fällen wollen, auf den Stein. Der Stein kippte um und einige Gesteinsbrocken flogen davon. Mit ein paar weiteren schlägen zerteilte er den Grabstein in handliche Stücke. Als er auf den Steinhaufen blickte atmete er tief durch und ließ die Axt sinken. Anschließend lud der die Brocken auf ein Pferd und begab sich in den nahe gelegenden Hafen von Berchgrad. Am Rand des Hafenbeckens versenkte er die Steinbrocken des Grabstein einzeln im Wasser. Er verweilte kurz einen Moment als er den letzten Stein versenkt hatte und dachte nach.
Zuletzt geändert von Bospa Yldin am Dienstag 26. Juli 2011, 22:38, insgesamt 4-mal geändert.
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Magnus Siluvaine
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Beitrag von Magnus Siluvaine »

Das gegebene Versprechen:





Die Zeit war gekommen. Nein .... eigentlich war sie sogar um Längen überschritten. Innerlich rangen in ihm die Freude darüber sie endlich erneut aufgespürt zu haben, mit dem Zorn und der Verachtung, dass sie es vermochte sich so lange vor ihm zu verstecken. Sie war geflohen, hatte ihren Hof aufgegeben und versucht ein neues Leben zu beginnen, an einem anderen Ort.


Ob sie noch an ihn dachte ... ? Ob sie sich noch der Schrecken erinnern konnte, welche an ihren Nerven so sehr zerrten, dass die ewig andauernde Angst anfing an ihrem Körper zu nagen ? Zumindest körperlich schien sie sich erholt zu haben, immer noch schmal aber nicht mehr ausgemergelt war sie, die Haut hatte wieder ihre für sie typische, rosige Farbe angenommen. Doch hatte sich eines eklatant geändert: Sie trug eben jenes Bündel nicht mehr mit sich herum. Vielmehr bewegte es sich inzwischen selbst, halb krabbelnd und halb laufend, fort und brabbelte sinnloses Zeug vor sich hin, welches ab und an mit einem durchaus verständlichen Wort vermischt wurde.


Ein gutes Jahr alt war der Balg inzwischen, und die Zeit war überreif. Würde er noch lange warten wäre es zu spät. Doch hatte er beschlossen sich zumindest die Zeit zu nehmen, sie an den Punkt des Schreckens zurück zu führen. Tag für Tag würde er ihre Erinnerungen an die vergangenen Ereignisse mehr auferleben lassen und sie mit neuen Erlebnissen vermischen. DAS war es, was ihm stets Freude an seiner Arbeit bescherte: In der gleichen Art und Weise wie sein Meister sich an Seelen labte, nährte er selbst sich an der Angst und Verzweiflung seiner Opfer, konnte jene ihn in einen förmlich extatischen Rausch versetzen. Und so war es auch dieses Mal, hier und jetzt, als er dort in der gerade erst aufkeimenden Morgendämmerung stand, unweit des Fensters ihres Schlafgemaches.


Das Objekt seines Begehrens war noch immer das Kind, doch da er dieses von seiner Position aus nicht sehen konnte, legte sich der Blick der, halb von der Kapuze verdeckten, Knochenmaske auf die Bäuerin, die dort friedlich zusammengekauert in ihrem Bett schlief. Auch ihren Mann konnte er nicht ausmachen, doch war dies ohnehin nicht von belang. Die von seinem Helm verhüllten Augen stierten färmlich auf die Bäuerin, und während seine Lppen beinahe tonlos begannen eines der uralten und unheiligen Gebete zu rezitieren, spannte sich seine gesamte Körperhaltung an. Immer und wieder wiederholte er das Gebet, während sich auf seiner Stirn langsam dicke Schweissperlen bildeten. Wenn man wüßte dass er hier draussen stand und wie sehr ihn all dies anstrengte, an seinen Kräften zehrte, hätte selbst eine 15jährige Magd ihn problems überwältigen können. All dies nur um Miranda in ihrem Traum ein Bild zu schicken: Für lediglich wenige Sekunden würde sie aus ihrem eigenen Traum gerissen werden....und stattdessen würde sich ein ganz bestimmtes Bild in ihre Erinnerung brennen....



[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://img4.fotos-hochladen.net/uploads/b073be7652644dazpcnhekw3t.jpg[/img][/url]



Es war der laute, grelle Schrei des Entsetzens, welcher ihn sein Gebet aprupt beenden ließ. Er blinzelte eine der unzähligen Schweissperlen weg, die sich ihre Bahn über sein Augenlid zog und blickte dann wieder in Richtung des Fensters:


Dort saß sie, aufrecht in ihrem Bett, den Blick an irgendeine Stelle in dem Raum gerichtet, wohl die Stelle, an welcher das Bett des Balges stand, welcher nun, aufgeschreckt durch seine Mutter, selbst begann voller inbrunst zu brüllen. Der Atem der Bäuerin ging schnell, und mit der Rechten wichte sie sich selbst den kalten Schweiss von der Stirn, welcher sich aufgrund des Traumes dort gebildet hatte. Langsam, und immer noch ein wenig vom Schlaf benommen, schwang sie die Beine aus dem Bett, und noch während sie aufstand, traf ihr Blick auf etwas, was dort draussen nicht hätte sein sollen ....



[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://img4.fotos-hochladen.net/uploads/deathbymrtwi6bxy3k9or0.jpg[/img][/url]



Er hatte ganz bewußt diesen einen Moment abgewartet, in welchem ihr Blick auf ihn traf....Sein Ziel für den heutigen Abend hatte er erreicht, und so wandt er sich um und begab sich mit langsamen Schritten in den gerade aufsteigenden Morgennebel.....
"Theoretisch möglich !"
Miranda Yldin

Beitrag von Miranda Yldin »

Ein Klappern. Ein Zischen. Geräusche aus der Richtung des Fensters.
Ich atme ruckartig ein – unter heftigem Herzklopfen richte mich auf. Das Nachthemd klebt an mir wie die dünne Haut, die unter der Eierschale sitzt, an einem gekochten Ei. Kochend heiß muss mir auch gewesen sein: Ich bin völlig nassgeschwitzt ... und nun fröstele ich.

Mein Blick wandert hektisch durch den Raum: Nein, er ist in Sicherheit. Sein Kinderbett mit Bospas Tierschnitzereien ist leer und frisch gemacht. Nur die Fensterläden sind aufgeweht und schlagen unter böigen Windstößen gegen die Hausmauer. Es pfeift um den Giebel wie immer, wenn der Herbst naht. Aber ich frage mich… was hat es zu bedeuten? Ist er... nein! Bitte nicht. Unsinn!

Wie auch könnte es mein erster Sohn gewesen sein? Bo ist mittlerweile bald vier Jahre alt und tobt sich hoffentlich bei seinem Onkel auf dem fernen Hof richtig gut aus. Dort kann er von seinem Großvater lesen und schreiben lernen und ein eigenes Pony haben... na gut, ich brauche es mir gar nicht weiter schönreden: Ich vermisse ihn ganz schrecklich. Aber er ist in Sicherheit. Mein zweites Kind... das ist auch unmöglich.
Die Bedrohung ist schon so lange her und weitgehend in den Schatten des ruhigen Alltags gerückt, dass ich gehofft hatte, Bo beim nächsten Besuch wieder nach Hause nehmen zu können.

Sollte er nun doch... nein! Er hat doch keine Ahnung, wo wir hingezogen sind. Es kann nicht sein! Gerade habe ich angefangen, mich in den Räumen der Weißen Hand zuhause zu fühlen. Nein!

Ich lege eine Hand auf meinen Bauch und fühle die Rundung unter den Fingern.

„Pssscht! Nur ein Traum... alles in Ordnung...“, murmele ich vor mich hin und frage mich im Stillen, ob ich wirklich gerade mit meinem ungeborenen Kind spreche... ob es mich hören kann?
Oder will ich vielmehr mich selbst beruhigen?

Bospas und mein Kind. Wir haben so lange darauf gewartet...
Bald müsste es so weit sein. Macht mir das so zu schaffen? Die Nervosität vor der Geburt?
Ich bin nun, gegen Ende der Schwangerschaft, so dick, dass ich meiner Meinung nach jeden Tag platzen müsste – aber das kenne ich ja schon.
Samantha hat mir in der Handwerkszunft schon vor Monaten Kleidung geschneidert, die ich nur noch überwerfen muss wie ein Zelt... dieses Mal bin ich immerhin gut vorbereitet.

Nur darauf, darauf nicht.
Soll es etwa wieder beginnen?
Einiges war unlogisch an dem Traum – ich habe sogar im Traum geträumt und die Zeiten stimmten vorne und hinten nicht – aber es hat sich so wirklich angefühlt!
Nein, Bo ist doch schon vier... und mein zweites... unmöglich. Ich gehe es in Gedanken nochmals durch und schüttele den Kopf. Und doch...
Die Panik sitzt mir eisig im Nacken. Ich sollte aufstehen und die Fensterläden schließen, aber ich kann mich noch nicht bewegen.

Es fühlte sich fast an, als würden der Dunkle... und ich... den Traum zusammen träumen. Nein!!!

Ein Schauer läuft mir über den Rücken … und der Bann ist gebrochen.
Schwerfällig pelle ich mich aus dem Bett und gehe zum Fenster, ziehe die Läden zu. Der frische Wind riecht nach Regen und nassem Laub. Wie es sich gehört.

„Spinn nicht herum, Miranda,“ sage ich absichtlich laut und streng, bevor ich mich wieder unter die Decke verkrieche und sie eng um mich ziehe. Unmöglich ist es, da bin ich … beinahe ganz sicher.
Trotzdem dauert es lange, bis mir die Augen wieder zufallen.
Miranda Yldin

Beitrag von Miranda Yldin »

Ich bin wieder ein wenig beruhigt. Habe mich an Bospas starken Arm gehakt und mit ihm Spaziergänge durch die Umgebung gemacht, bis nach Berchgard. Ganz schön lange keinen Raben mehr gesehen... scheint ihnen jetzt im Herbst zu ungemütlich so werden so weit draußen, auf dem Land. Die Äcker sind auch nicht mehr so gut zum Fangen von Mäusen und Klauen von Vogeleiern... vieles ist schon geerntet.
In Berchgard flattert ab und zu einer herum – aber: Nur ein gewöhnlicher, ganz bestimmt. So einer, wie Bo sie mit der Zwille abgeschossen hat, als er noch hier war.

Jetzt habe ich einen Brief von ihm bekommen. Mein kluger Junge lernt Schreiben! Man konnte es schon erahnen, wenn auch nicht alles lesen.

MMA PAPA
GÜSE FM ONGL FLORIN
BS BALT
BO

Hin und wieder geh ich auch allein los, wobei mir mein geschätzter Gatte dafür wohl gern den Hintern versohlen würde, wenn er davon wüsste. Ich hab gehört, der alte Strohhut sei wieder im Fischerdorf gesehen worden. Ich also hin.
Einen Rucksack gepackt mit ein paar Flaschen Bier, dazu Gebäck und ein Schüsselchen frischen Erdbeerquarks mit Nuss-Splittern.

Wann immer ich mich davon schleichen kann, probiere ich es erneut. Aber ich konnte meinen alten Freund bisher nicht aufspüren. Stattdessen habe ich sehr interessante Leute getroffen, mit ihnen geplaudert und so immer wieder im Laufe des Abends das vorbereitete Saremus-Picknick an neue Bekanntschaften verfüttert. Des einen Leid sei des anderen Freud', sagt man ja.

Was Gutes zu essen könnte der Kerl mit dem Strohhut ganz gewiss brauchen, meinte zuletzt ein Botenjunge aus Bajard, der zufällig beim Handwerkshaus vorbeikam, als ich dort Bospa besuchte. Blass habe er ausgesehen – naja, tut er das nicht immer, unter dem Dreck? Jedenfalls wollte ich ihm nur zu gern nochmal was Süßes vorbeibringen, bevor das Kind geboren wird und ich vielleicht wochenlang nicht aus dem Haus komm. Ein wenig Zeit bleibt mir vielleicht noch, bis es so weit ist. Allerdings sehe ich so langsam schwarz ... heute, was nehm ich da?
Blaubeermilch... und Honigtörtchen.
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Magnus Siluvaine
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Registriert: Samstag 19. Februar 2011, 04:43

Beitrag von Magnus Siluvaine »

Nenn keinen Menschen glücklich, bis sein Leben zu Ende ist
­~~~ Aus "Der Weg zur Stimme des Todes" Band I, von Magnus Siluvaine ~~~





Die Zeit war gekommen, jedes weitere Abwarten würde seine künftigen Pläne nur unnötig verzögern, vielleicht sogar undurchführbar machen. Er nahm seine sorgfältig gefaltete Robe von dem Krathor geweihten Altar und schlüpfte schwerfällig in den grauen Stoff. Die kleinen Knochenfragmente, welche er an den Abend zuvor verbraucht hatte, wurden wieder aufgefüllt und ebenso sorgsam an die Robe genäht, wie die noch verbliebenen. Wer konnte schon vorher sagen was ihn alles erwartete, bis er die Bäuerin endlich hier in seinem Verlies hatte....


Sie zu finden, egal wo sich sich aufhielt oder versteckte, war inzwischen keine wirkliche Herausforderung mehr für ihn: seitdem er über ihre Träume Kontakt zu ihrem Geist aufgenommen hatte bestand eine Art "Band" zwischen ihnen. Er würde sie überall aufspüren können. Ein wahrlich nützlicher Vorteil, doch das Ritual, welches dafür nötig war, war anstrengend und kräftezehrend. Beinahe eine Woche hatte er gebraucht um sich körperlich und geistig wieder vollständig zu erholen, und jedes Mal, wenn er nun erneut Kontakt zu ihrem Geist aufnahm um sie so aufzuspüren, musste er die Abstände vergößern um nicht selbst dem Wahnsinn zu verfallen und die stechenden Schmerzen in seinem Kopf auf ein einigermaßen erträgliches Maß zu reduzieren.


Er hatte die Gestalt eines Raben angenommen. Lautlos und aufgrund der Dunkelheit nahezu unbeobachtet konnte er sich so durch die Nacht bewegen, und es dauerte nicht einmal lange bis er sie aufgespürt hatte. Arglos plauderte sie mit einem fahrenden Händler in der Nähe der Kreuzung vor Bajard, in der Hand einen prall gefüllten und einem Stofftuch bedeckten Weidekorb tragend. Zeit spielte an diesem Abend keine Rolle, und so begnügte er sich vorerst mit der Rolle des stummen Beobachters. Er hatte versucht es zu begreifen, doch auch schon bald wieder aufgegeben: Sie war gerade einmal Mitte 20, nicht sonderlich hübsch, aber auch nicht hässlich. Aber ihr runder, gewölbter Bauch widerte ihn genauso an, wie er nach dem, was in ihm heran wuchs, gierte. Aber anscheinend war das nunmal das Los einer Bäuerin: Tagsüber die harte Arbeit auf dem Feld und der Weide, und die wenigen Stunden, welche man dann in der Nacht an Ruhe hatte, wurden eben genutzt um ein Kind nach dem anderen zu zeugen, schließlich musste das Feld auch noch in den nächsten 40 Jahren bestellt werden...


Als sie sich schließlich von dem Händler abwandt, war seine Zeit gekommen: Er würde sein Ziel heute erreichen, das stand ausser Frage, aber zuvor wollte er sich noch ein wenig vergnügen, sich an ihrer Angst und ihrer Furcht laben. Er verabscheute körperliche Gewalt, wandt sie stets nur an wenn es unvermeidlich war. Sie war stupide, sie war machte oftmals mehr kaputt als sie erreichte und sie .... erzeugte in ihm nicht diese innere Befriedigung, schaffte es nicht seine Sucht zu befriedigen. Anders sah es aus wenn er den Geist und die Psysche seiner Opfer peinigte. Der seelische Schmerz hinterlies keinerlei sichtbaren Spuren, war meist effektiver und das Spiel zwischen Entsetzen und der zwiespaltigen Hoffnung vielleicht doch verschont zu bleiben, lies die Menschen Dinge freiwillig tun zu welchen man sie mit körperlicher Gewalt niemals zwingen könnte.


Die kleinen Knopfaugen des Raben fixierten nun ihre Augen, suchten ihren Blick, als sie sich zu dem Baum unwandt, in dessen Krone er sich niedergelassen hatte und die Bäuerin zuckte zusammen, als er sie für die Dauer eines Herzschlages ein verzerrtes Bild aus ihrem damaligen Traum sehen ließ. Ungläubigkeit, gepaart mit aufkeimender Angst, umspielte ihre Gesichtszüge.



"Es ist soweit ...."


Erklangen nun dumpf die Worte in ihrem Kopf, und beinahe hätte sie den Weidenkorb fallen gelassen. Jetzt wurde auch ihr klar, dass das gerade wirklich passierte, dass er wirklich hier war, in ihrer Nähe. Unentschlossen stand sie da, und erst nachdem der Rabe nun den Schnabel öffnete um ein lautes Krächzen hervor zu bringen, versuchte sie das, was stets alle an diesem Punkt versuchten: Sie wollte fliehen. Und das Bild was sie dabei abgab war beinahe schon lächerlich. So schnell wie es eben mit dem gewölbten Bauch möglich war watschelte sie in Richtung der Kutsche. Er selbst verharrte noch einige Momente an Ort und Stelle, und ehe sie ganz aus seinem Sichtfeld verschwand, ließ er erneut die dumpfe Stimme in ihrem Kopf ertönen.


"Wenn du nun fliehst, wird dein ungeborenes Kind sterben ..."


Und während sie nun wie vom Blitz getroffen plötzlich stehen blieb, erhob er sich wieder in die Lüfte und ließ sich dann direkt vor ihr auf den Boden gleiten. Seine Drohung hätte wohl jede liebende Mutter zum stillstand gebracht, und für einen winzig kleinen Augenblick schoss ihm der Gedanke durch den Kopf wie sehr er doch solche Menschen verabscheute ...


Selbst als sich die grauen Nebelschleier sich um seine Gestalt schlossen und er erneut mit einem Gebet Krathor um seine Macht und seinen Beistand bat um dann wieder in seiner menschlichen Gestalt vor ihr zu stehen, bewegte sie sich keinen Zoll. Deutlich stieg die Panik in ihren Augen an, paarte sich mit Verzweiflung in ihrem Blick, aber noch wurde die wichtigste Grenze nicht überschritten: Noch versuchte sie nicht vor ihm zu fliehen. Doch er wusste genau dass er eben dies in ihr auslösen musste: Er musste sie dazu bringen aufzuhören zu denken. Er musste sie dazu bringen dass der nackte Trieb zum Überleben sie übermannte und sie den hoffnungslosen Versuch zur Flucht unternahm. Erst dann, wenn er sie schließlich wieder einholte und ihr selbst bewußt wurde, dass es keine Hoffnung mehr gibt, konnte er ihren Willen vollends brechen, konnte er ihr erneut die Hoffnung vorheucheln dass er ihr Kind verschonen würde, und sie würde von diesem Zeitpunkt an alles tun, was auch immer er von ihr verlangte.


In aller seelenruhe zwirbelte er eines der Knochenfragmente aus seiner Robe und ließ es in einer beiläufigen Bewegung auf den Boden fallen. Und als er sie dann vor ihrem inneren Augen ein weiteres, schrecklicheres Bild sehen ließ als noch zuvor, war es soweit: Sie wandt sich um und versuchte den gegenüber gelegenen Wald zu erreichen. Er selbst machte keinerlei Anstalten ihr zu folgen, sondern hob seine Sense an und das Knochenfragment auf dem Boden barst in einem leisen Knacken, als das untere Ende der Sense auf seine Oberfläche hinab sauste. Gerade hatte die Bäuerin die Straße vollends überquert, als er den Blick senkte, die Augen unter der Dämonenknochenfratze schloss, und leise ein weiteres, uraltes Gebet rezitierte. Sie erreichte die Wiese, nur noch wenige Schritte trennten sie von dem Waldrand, von der trügerischen Sicherheit. Hätte sie einen Blick über die Schulter geworfen, hätte sie sehen können wie sich nun neben dem Diener ein untotes Tier aus der Erde erhob. Der Leib war zerfressen von Zerfall und Verwesung und erst bei einem zweiten Blick hätte ein Beobachter wohl bemerkt, dass dieses Tier wohl einst ein stolzer Löwe war. Auf den stummen Befehl seines Meister hin, machte sich der untote Löwe direkt an die Verfolgung. Und gerade als die Bäuerin endlich den ersten Baum passierte, brüllte das Tier ihr laut seine Verachtung entgegen. Dass sie nun den Kopf in dessen Richtung drehte wurde ihr Verhängnis, denn sie stolperte und stürzte zu Boden. Nur einen Augenblick später war das Tier schon neben ihr, fletschte die fauligen Zähne, während ihm Eiter und Speichel aus dem von Verwesung durchlöcherten Lippen tropfte. Nun bewegte auch der Diener sich, schritt in aller Seelenruhe in ihre Richtung.


Ein Faustschlag mit der gepanzerten Rechten mitten in ihr Gesicht später, gepaart mit dem neuerlichen Bekunden er würde das Kind verschonen, war sie endgültig gebrochen: Sie wusste es würde keine Flucht geben, sie wusste sie hatte ihr Leben verwirkt und so gab sie sich ihrem Schicksal hin, klammerte sich an den Köder, den er ihr hinwarf: Das Versprechen das Kind zu verschonen... Schwerfällig rappelte sie sich auf, während der Diener sich schon umwandt und daran machte, den Weg zum Verlies anzutreten. Er blickte sich nicht einmal um, denn er wusste sie würde ihm folgen, und sollte sie ihr Tempo verringern, würde der untote Löwe der ihr auf den Schritt folgte, sie daran erinnern dass es kein entrinnen gab.


Mehr als die Hälfte des Weges hatten sie schon hinter sich gebracht, als ihnen plötzlich eine Menschenschar folgte...Mehr noch, sie riefen ihm entgegen er solle anhalten. Schwerfällig wandt er sich um. Konnte es wirklich sein dass ihn nun noch jemand aufhalten würde ... ? So kurz vor seinem Ziel ... ? Immer weiter schien sich die Schar zu vergrößern, und als die ersten der Anwesenden ihre Waffen zogen, drohte ihm die Situation zu entgleisen, und er fürchtete die Kontrolle vollends zu verlieren. Je mehr sich ihre Zahl vergrößerte, umso entschlossener schienen sie zu werden, und er wusste, dass es für ihn nur einen Weg gab der Situation zu entkommen, denn einen Kampf konnte er, selbst mit Krathors Beistand, nicht gewinnen.


Erst als die Bäuerin auf dem Boden lag, der untote Löwe sein riesiges Maul öffnete und drohte ihr damit die Kehle zu zerfetzen...Erst als sie selbst die Anwesenden anflehte zurückzutreten und sie ziehen zu lassen, entspannte sich die Situation ein wenig. Und als sie dann letztlich wirklich den Ort des Geschehens verließen, und er sich sicher war dass ihnen niemand folgte, atmete er einmal tief unter dem Helm durch, während noch immer dicke Schweissperlen über seine Gesichtszüge rannen. Das war knapper als er es sich gewünscht hätte....


Endlich waren sie in dem Verlies. An den Wänden tanzten im matten Licht der einzigen beiden Kerzen ihre Schatten. Auch dieser Moment wurde genauestens von ihm geplant und penibel genau vorbereitet: Natürlich sollte das knappe Licht dafür sorgen dass sie die Konturen des Käfigs erkennen konnte, dass sie erahnen konnte, wo sie ihre letzten Atemzüge tätigen würde. Doch den Steintisch mit den Instrumenten in der anderen Ecke des Gewölbes würde sie nicht zur Kenntnis nehmen: Sie würde sich allein auf den Käfig fixieren. Als sie schließlich auf dem feuchten Boden in der Mitte des Käfigs saß und sich verzweifelt zusammen kauerte, erblickte er etwas an ihrer rechten Hand......




[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/victimbyominofkaen86972.jpg[/img][/url]



Wieso war er nicht schon vorher darauf gekommen ... ? Wäre das nicht die ideale Gelegenheit seine "Tätigkeit" in Berchgard erneut aufzunehmen .... Dass er sie vollends gebrochen hatte, wurde ihm bewiesen als sie, ohne wirklich zu protestieren, auf seine Worte hin den Ehering von ihrem Finger streifen wollte. Doch waren ihre Finger, wie ihr ganzer, restlicher Leib, von der Schwangerschaft viel zu aufgedunsen. Sie schrie noch nicht einmal wirklich als er ihren Ring, mitsamt dem Finger von ihrer Hand schnitt...

Doch immer und immer wieder wiederholte sie ihre Bitte... Immer und immer wieder wollte sie hören dass er ihr Kind verschonen würde, auch in dem Moment, als er ihre Hände an den Käfig fesselte und das Blut aus ihrer Wunde an der Hand sich nun seinen Weg an ihrem Leib herab bahnte und sich in die letzten Reste des Stoffs, der ihren Körper noch verhüllte, saugte. Für einige lange Minuten trat er nun aus der Zelle, und als er zurückkehrte, breite er auf dem kleinen Holztisch vorsichtig ein Leinentuch aus. Das Geräusch von Metall, welches über Metall gleitet, verriet ihr schon WAS sich im inneren befand, bevor sie es sehen konnte. Mit der Rechten griff er nun nach dem scharfen Skalpell und trat wieder zu ihr, ging vor ihr in die Hocke. Während das kalte Metall die nackte Haut auf ihrem gewölbten Bauch berührte hauchte er leise in ihre Richtung:



"Sei unbesorgt ... dein Kind wird leben ... zumindest wird es so aussehen ...."


Und während die Spitze nun leicht in die Haut eindrang, und ein einzelner, dünner Blutfaden an ihre herab rann, fügte er noch an:


"Ich bin sicher die Templer in Düstersee werden das, was sie dort finden werden, gut behandeln....."


[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/healingtoolsbte10q8wj6n.jpg[/img][/url]
Zuletzt geändert von Magnus Siluvaine am Samstag 10. November 2012, 14:08, insgesamt 1-mal geändert.
"Theoretisch möglich !"
Miranda Yldin

Beitrag von Miranda Yldin »

Ich bin so dumm, so dumm!

Zuversichtlich war ich, dass der Dunkle sich nur ... einen Spaß erlaubte. Dass er sich irgendwann dabei langweilen würde, mich zu erschrecken. Immerhin bin ich kein Gegner, der irgendwie Ruhm verspricht.
Und auch von wegen Seele... ich stell mir vor, meine Seele ist wie eine Kartoffel: Klein, verbuddelt in mir drin, wie in Erde... etwas knubbelig bestimmt auch.
Was soll er damit schon wollen?

Als ich dann dieses Bild sehe, seine Stimme in meinem Kopf höre, bin ich fest überzeugt, mein Herz müsste stehen bleiben.

Ich bin hin und her gerissen:
Sollte ich versuchen, abzuhauen... laut um Hilfe rufen, würde er mir und meinem Ungeborenen wohl versuchen, etwas anzutun.
Wenn ich es lasse... nun, dann dürfte er mir wohl auch nicht gerade Blumen schenken und mit mir welche von den Kuchenringen aus meinem Korb essen.

Ich rufe um Hilfe, sobald ich jemanden in Hörweite glaube, doch ohne Erfolg. Die Leute müssen sich selbst zu sehr fürchten, um sich dem schwarz Berobten mit seiner Sense entgegenzustellen und scheinen eiligst das Weite zu suchen.

Ohne, dass ich eine andere Wahl sehe, renne ich also einfach los, stolpere... und ernte einen Schlag auf die Wange, der mir die Welt vor den Augen verschwimmen lässt. Da war... eine Raubkatze? Etwas Großes.
Ich fühle etwas, etwas Hartes.... ein Zahn, den ich ausspucke. Ein metallischer Geschmack nach Blut breitet sich in meinem Mund aus... und warm rinnt es meinen Hals hinab.
Da ist das Geschöpf über mir, es verströmt einen solchen Gestank nach Verwesung, dass ich kaum Einatmen kann. Ein Löwe war es einmal, erkenne ich aus der Nähe. Sein Geifer träufelt auf mein Gesicht, auf meine Wunden, und brennt auf der Haut.
"Tu, was ich sage, und ich werde dein Kind retten", flüstert es leise.
Als ob es wüsste, wie sehr ich an es denke, tritt das Kind in meinem Bauch mit den Füßen - ich spüre es unter den Fingern, klammere mich daran fest.

Der Kutscher scheint sich heraus zu halten, zeigt keine Reaktion, als der Dunkle mich fortzuführen beginnt. Bestimmt würde ich das genauso machen, an seiner Stelle. Immerhin muss er auch die Leute nach Rahal fahren, und so. Ich nehme es ihm nicht übel.


Ich bin verloren.

Aber ein paar Leute davor werden auf mich aufmerksam. Ich verlangsame meine Schritte - nicht so ein Kunststück, da mir alles wehtut und die Schwangerschaft mich ohnehin schwerfällig und kurzatmig gemacht hat. Ich kann die Leute nicht richtig erkennen... es zieht schmerzhaft hinter meinen Augen und ab und zu will sich die ganze Welt vor ihnen drehen. Ich taumele, gehe ein paar Schritte. Versuche fieberhaft zu entschließen, ob ich nochmals nach Hilfe rufen sollte...

Dann, wieder seine Stimme in meinem Kopf: "Denk nicht einmal daran, oder um dein Kind ist es geschehen." Ich schaudere und folge, widerstrebend ... doch in diesem Moment möchte mein Herz zerspringen, ich spüre Tränen in den Augen und senke schnell den Blick.

Vor dem Kloster kommen wir zum Halten, erst verstehe ich nicht, warum. Doch: Schritte, Stimmen! Sie sind uns gefolgt, sie wollen ihn aufhalten!
Ich blicke über die Schulter wie durch einen Nebel. Sollte ich ihre Gesichter kennen?
Ich habe keine Zeit, lange darüber nachzudenken. Er will, dass sie gehen... und ich muss es ihnen sagen.
Als sie nicht folgen, geschieht es: Der furchterregende Löwe schlägt seine Pranken gegen meine Schultern, presst mich mit seinem Gewicht zu Boden.

Rufe hallen umher, doch ich kann ihnen nicht zuhören, verstehe nur Wortfetzen... Atme, Miranda! Doch meine Lungen sträuben sich: Das Gewicht des untoten Löwen auf meiner Brust, der Pestatem, der mir heiß an der Kehle brennt. Irgendjemand bedroht ihn - ich weiß es, ohne aufzublicken, versuche zu atmen und wage es nicht, während spitze Zähne sich auf meine Haut drücken - Es ist vorbei, in diesem Moment sollte es das sein.

Doch es verändert sich etwas... im Licht. Jemand ist zurückgewichen, der untote Löwe zieht sich auch zurück. Ich ringe nach Luft, verschlucke mich an Blut und Spucke in meinem Mund.
Jemand... etwas... hebt mich hoch. Knochige, harte Arme. Ich huste und hänge im unbarmherzigen Griff.
Die Worte der fremden Stimmen werden leiser, die Landschaft zieht an mir vorbei. Auf einmal klappert Holz und ich lande in einer Art Schuppen.
Er geht voran... ein seltsamer Anblick, es sieht aus wie ein Pferdestall. Dann in einer Tür vor mir, steht er: Die lange schwarze Robe mit Knochenstückchen behangen, eine Sense zeichnet sich gegen den Lichtschein ab, der aus der Tür dringt.
Ein Haus.
Ein Wohnzimmer.
Es würde wohl sogar gemütlich aussehen. Aber: Nein.

"Folge mir", zischt es durch meine Gedanken. Ich werde voran geschubst.
Es geht durch zwei Räume, es ist warm... doch jetzt zittere ich.
Dann führt er eine Treppe hinab, es wird dunkel und ich senke die Lider: Was hier geschieht, kann ich nicht mehr sehen. Will ich nicht sehen.


Natürlich hat er gelogen.
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Eenja Siluvaine
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Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Eenja Siluvaine »

"Kalt...."

Sie biss die Zähne fest zusammen, das klappernde Geräusch machte sie beinahe wahnsinnig. Zitternd kniete sie am Beckenrand, die Arme fest um die Schultern geschlungen, während ihr die Haare am Gesicht herabstrichen.

Eiskalt... keine unnötige Energie verschwenden.... wer hat diesen verdammten Winter erfunden....

Stetig ätzte die Substanz die Farbe aus den Haaren und brannte ihr in den zusammen gekniffenen Augen, sodass kleine Tränen über die langen Wimpern perlten und gelegentlich in das Wasserbecken herabtropften. Sie hatte keine Ahnung in wie weit die Aufhellung schon fortgeschritten war, jedoch überzog sie die angeratene Zeit um ein vielfaches... sicher war sicher.... wo hatte sie eigentlich die Schere zuletzt liegen lassen...

Lass ihn das blos nicht sehen...


Auf dem Weg nach unten zitterte sie immer noch, als wäre ihr die Kälte einfach unter die Haut gekrochen um sich dort festzukrallen. Immer wieder strubbelte sie durch die kurzen blonden Haare, die ihr mittlerweile völlig wirr um den Kopf standen. Es war nur zu hoffen, dass die Veränderung ausreichen würde, doch bevor sie sich um die Perfektion kümmern würde, gab es noch etwas zu erledigen, das wichtiger war... und auch durchaus unangenehmer.
Das leise Quängeln wehte ihr bereits auf den Stufen in das untere Gewölbe entgegen, die linke Hand schob sich instinktiv in die Gürteltasche und umfasste das glatte Glasgebilde in dem sich ein gut gehütetes Geheimnis umherwand und sich immer wieder an der glatten Oberfläche nach oben zu schieben versuchte.

Als sie gedankenverloren, mitten im Schritt mit der Hüfte gegen den Steintisch stieß, legte sich mit einem Ruck ihre gesamte Aufmerksamkeit auf das kleine Mündel, wie es dort, in dicke Leinentücher gewickelt, zu strampeln versuchte. Dann zog sie das Glas aus der Tasche und stellte jenes mit einem leisen Klicken auf der kalten Steinplatte ab.

"Tut mir leid kleines Ding..." kam es kaum für sie selbst verständlich über ihre Lippen geflüstert.




____________________________________



Ihr Atem stieg in kleinen Wölkchen in die Luft und die vorherrschende Kälte zauberte eine leichte Rötung auf die blassen Wangen. Jeder Schritt erforderte Konzentration, der kleine knorrige Stab in ihrer Hand war so fürchtlich ungewohnt.

Nicht stolpern.... nur nicht stolpern....

Sie bemerkte bereits die ersten Anzeichen für aufkeimende Kopfschmerzen, die die beiden, stetig aufrecht erhaltenen, Applikationen verursachten um den Säugling ruhig zu halten, gepaart mit der erzwungenen Einsicht in das sekundäre Gefüge um bösen und vor allem lebendigen Überraschungen zu entgehen. Ausser Sichtweite der Tore hielt sie noch einmal inne, das Blumenkörbchen wurde noch einmal ordentlich in die Armbeuge eingehängt und eine Flut aus Blumenköpfen wand sich über ihren Ärmel. Nur knapp darunter pulsierte das kleine Leben, langsam und kräftig... schlafend.... bedeckt von einem Blumenmeer... fang jetzt blos nicht an zu summen....
Mit einem kurzen Kopfschütteln brachte sie sich wieder in die Realität zurück und kurze helle Haarsträhnen glitten ihr ins Gesicht, verdeckten die Augen zusätzlich, während sie den Blick wieder schüchtern wirkend nach unten senkte.
Es ging wieder vorwärts, noch langsamer als zuvor, den knorrigen Stock mehr als Stütze nutzend, als dass sie mit ihm den Weg abtastete und der Wache am Tor sprang nichts weiteres ins Auge als ein ärmlich gekleidetes, leicht humpelndes Blumenmädchen, das ihm ein Lächeln schenkte, während sie vorbei zog. Die Straßen waren für solch abendliche Stunde ungewohnt leer, nur hier und da regte sich kleines Getier am Wegesrand und raschelte in den hohen Gräsern, leises Bellen aus einem der Gärtchen wehte ihr entgegen, dann zogen die schweren Schritte einer Patroullie durch eine der unzähligen Nebenstraßen. Beinahe hätte sie diesen kleinen ruhigen Spaziergang genossen, wenn er nur einer gewesen wäre.

20 Schritte noch...

Ihre Augen begannen bereits wieder zu tränen, als die stechenden Kopfschmerzen an ihrer Konzentration zu zerren begannen und eine unangenehme Taubheit kroch ihr in den linken Arm an dem ihr das Gewicht des Korbes das Blut beinahe abschnürte. Das erleichterte Seufzen musste sie regelrecht herunter schlucken, als der Stab endlich gegen die erste Stufe schlug und obwohl es nicht mehr als ein leises Klicken war zerriss es für sie die Stille förmlich in kleine Fetzen.
Noch immer war ihr keine Seele auf ihrem Weg begegnet und auch der Tempel selbst war nur ein verlassener, stiller Ort, der langsam in den, von der Dämmerung verzerrten, Schatten versank. Jeder Schritt durch das gewaltige Gebäude dröhnte ihr unendlich Laut in den Ohren, vermischte sich mit dem zunehmenden Stechen in ihrem Kopf und lies sie blinzeln. Sie musste das kleine Ding endlich los werden... die Stufen zum Altar stolperte sie etwas wackelig nach oben... so schnell wie möglich.... der Stab prallte gegen den Altar... endlich....
Kaum hatte der Korb die glatte kalte Steinplatte berührt, zerfaserten die geistigen Bänder, die sie um das Kind gelegt hatte und rißen für einen kurzen Moment jegliche Konzentration mit sich. Ein dünnes Pfeifen schoß ihr in die Ohren, die Suppe aus schillernden Energien wich wieder der gewohnten Dunkelheit und sie genoss den Moment, der wieder gewonnenen Leichtigkeit. Erleichtert atmete sie tief durch, lies die Fingerspitzen über die großen Blüten streichen, als sie den Arm unter dem Henkel wieder herauszog und wendete sich zum gehen, um das wieder einsetzende Gequängel einfach hinter sich zu lassen.
Gast

Beitrag von Gast »

Sie hatte den Kutscher für die Fahrt von Rahal nach Düstersee ordentlich entlohnt, damit er entgegen der üblichen Dringlichkeiten die Strecke so langsam und vorsichtig wie möglich bestritt. Die Beine ausgestreckt, der Kopf gegen die Wagenwand gelehnt, die Augen geschlossen, genoss sie die ruhige Reise, die sie das beständige Dröhnen in ihrem Kopf schon fast vergessen ließ.

In der Siedlung angekommen führten sie ihre Schritte in den Tempel. Und noch ehe sie im Begriff war sich hinzuknien drang leises Gequengel an ihr Ohr. Mitten in der Bewegung erstarrte sie und lenkte den Blick mit Entsetzen zum Korb auf dem Altar, der sich als Ursprung der Störgeräusche entpuppte. Sie wich zurück, ohne die Augen davon zu lösen. Dann ein prüfender Blick durch den Tempel. Das Geräusch war noch immer da, keine Einbildung.
  • Komm' lass uns nachsehen, Flo.
    Verschwindest Du dann?
    Bestimmt.
Nur zögernd setzte sie wieder einen Fuß voraus, beugte sich über den Korb und betrachtete das Innere so vorsichtig, als könnte der Inhalt ansteckend sein. Ein kleines schreiendes Mündel auf einem Kissen gebettet, etwas zu klein geraten vielleicht, umhüllt von einem Blumenmeer. Fassungslos betrachtete sie das … Ding und zu dem leisen Quengeln des Babys, gesellte sich nun auch wieder ein stetes leichtes Pochen in ihrem Kopf. Ein kurzer Anflug von Übelkeit, als sie mit spitzen Finger die Nachricht herausfischte, die zwischen den Blütenblättern zu entdecken war. Mit zusammengekniffenen Augen versuchte sie die fast unleserliche Nachricht zu entziffern. Als die Worte endlich Sinn ergaben fing sie leise an zu fluchen.
  • Was steht denn da?
    Du wolltest doch gehen?
    Aber...
    Lass mich in Ruhe.
Zwei Runden durch den Tempel, immer wieder der Blick zum Altar und auf den Zettel. Sie rieb sich die Schläfen, versuchte das sich zurückmeldende Dröhnen loszuwerden. Ohne Erfolg. Es half nichts. Sie musste raus hier. Flucht nach draußen.
Mit dem Rücken an die Tempeltür gelehnt, die Augen geschlossen, sog sie mehrmals die Nachtluft tief ein und entließ sie in einem leisen Seufzen wieder.

  • Hey, Flo...?
    Verschwinde endlich.
Ein letztes Durchatmen, bevor sie sich umdrehte, die Hände an die Griffe der Tür legte und die Stirn gegen das kühle Metall gepresst versuchte das Hämmern in ihrem Kopf zu vertreiben oder wenigstens zu ignorieren.
Der Blick hob sich, die Schultern wurden gestrafft, dann zog sie die Türen auf und ging entschlossen auf den Altar zu. Mit knirschenden Zähnen sah sie auf den Korb, angelte ihn und hielt ihn weit von sich gestreckt, als sie den Tempel mit dem Baby wieder verließ.

---

Nach einer schlaflosen Nacht und einem furchtbaren Tag war sie das jammernde Bündel endlich losgeworden. Es war untersucht worden, gefüttert worden, und vor allem ertragen worden, bevor sie es der Tetrarchin präsentiert hatte. Die schien mit Babys genauso viel anfangen zu können wie sie selbst. Schnell war die Entscheidung getroffen das kleine Mädchen dem Fräulein Simaion zur Betreuung zu geben, immerhin hatte sie als Bäuerin und besonders Pferdezüchterin die besten Möglichkeiten ein Neugeborenes zu versorgen. Stutenmilch war schon immer eine gute Alternative zur fehlende Amme gewesen. Und nachdem das Baby in andere zeitweilig zwangsverpflichtete betreuende Hände gegeben war und am Abend dann schließlich in die Obhut der Bäuerin überging, die sich mit Freuden darum kümmern wollte, war endlich, abgesehen von dem steten Dröhnen in ihrem Kopf, Ruhe eingekehrt.

  • Endlich Ruhe.
    Du, Flo ..?
    Nein.
Zuletzt geändert von Gast am Freitag 23. November 2012, 01:52, insgesamt 1-mal geändert.
Serafina Waldesruh

Beitrag von Serafina Waldesruh »

Im ersten Moment erfasste mich Panik jenseits jeden Ausdrucks, ein Baby! Und noch ehe ich darüber nachgedacht hatte, baumelte der Korb an meinem Arm und lag das Kind in meinen Armen. Wie lange war es her? Bei Stella hatte ich mich bislang erfolgreich drücken können. Zu schnell brach einem die Liebe zu einem Kind das Herz.
Doch jetzt hatte ich die Verantwortung für dieses kleine stinkende Bündel Mensch, von dem keiner wusste woher es kam und zu wem es gehörte. Verantwortung für etwas, für ein Menschlein, das jeder irgendwie nur los haben wollte, was konnte der Knirps denn dafür?
Bei mir und Arsen würde es schon die Geborgenheit finden die so ein Würmchen brauchte, zumindest ein Nest aus dem sie nicht einfach wieder gestoßen würde.
Bei Alatar, war das Dingelchen dreckig als es mir in die Arme gelegt wurde, Florentine war doch Heilerin, meine Güte! Sie sollte doch wohl wissen wie man ein Neugeborenes sauber hält! Egal, alles egal, jetzt war die Kleine bei mir.

Nach einem Bad, legte ich ihr eine, aus einem Leinentuch gerissene, Windel an und lies sie die, leicht angewärmte, Milch aus dem Stoffstreifen nuckeln und als der Säugling so in meinen Armen lag versuchte ich mein Herz zu verschließen.
Fünf mal war ich selbst guter Hoffnung gewesen, zwei mal hatte ich die Frucht verloren noch ehe der dritte Mond um war, zwei mal brachte ich den Tot zur Welt und einmal nahmen mir die Priester Temoras meinen Sohn und jetzt hatte ich wieder ein Kind im Arm, nicht meines, aber würde ich es wohl schaffen wenigstens auf dieses acht zu geben?

Zwölf Tage, Tage in denen ich das Würmchen stets bei sich trug, selbst während der Arbeit, sie war noch so klein, auch wenn ihr die Pflege sichtlich gut tat und sie wuchs. So hatte ich mich bislang dagegen verwehrt ihr einen Namen zu geben. Ich redete mir ein ich hätte kein Recht dazu, schließlich war sie nicht mein Kind, aber jemand anderen kümmerte es scheints auch nicht, dass sie noch immer bei uns war. Viele Namen waren in diesen Zwölf Tagen schon durch meinen Kopf gewandert nur einer kehrte immer wieder und so fragte ich eines Nachmittags Arsen, was er davon hielte dem Mädchen endlich einen Namen zu geben und er lächelte auf. Arsen wusste ganz genau was es für mich bedeutete dem Kind einen Namen zu geben, es bedeutete, es anzunehmen, ein versprechen geliebt zu werden, der Hoffnung Raum zu schaffen, sie zuzulassen, das Kind behalten und groß ziehen zu können, nicht mehr hergeben zu müssen und gleichzeitig mit der Angst zu leben, dass genau dies nicht der Fall sein würde.
„Nameria?“, die blauen Babyaugen richteten sich nach meiner Stimme und als ich den Namen noch ein paar mal sagte ruhte der Blick des Säuglings auf meinem Gesicht, und es schien fast, als würde die Kleine genau wissen wer gemeint war.
„Wir geben dich nicht mehr her!“, Arsens Hand lag dabei um meine Schulter. Er mochte das Würmchen auch.

Eine Frage allerdings blieb offen: Wer konnte nur so herzlos gewesen sein das Mädchen einfach auszusetzen?
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Magnus Siluvaine
Beiträge: 396
Registriert: Samstag 19. Februar 2011, 04:43

Beitrag von Magnus Siluvaine »

Zweifel sind ein offenes Tor durch das die schlimmsten aller Feinde eindringen.
~~~ Aus "Der Weg zur Stimme des Todes" Band I, von Magnus Siluvaine ~~~



Eine Bäuerin ! Welch wunderbare Ironie lag der Sache zu Grunde dass das kleine Balg, herausgeschnitten aus dem Leib einer Bäuerin, nun wieder den Weg in die Arme einer weiteren Bäuerin fand.

Mehrere Wochen waren vergangen nachdem das Kind erfolgreich und unbemerkt im Tempel abgelegt worden war. Mehr als genug Zeit hatte er dem Pöbel in Düstersee gelassen um sich mehr oder weniger an die Tatsache zu gewöhnen, dass es von nun an einen neuen Mitbewohner in ihren Reihen gab.

Das Baby aufzufinden war geradezu lachhaft einfach, das nächtliche Brüllen drang klarer durch die sonst so stille Nacht als es der Lockruf einer Sirene jemals vermocht hätte. Bisher hatte er nur ein einziges Mal den Hof aufgesucht: In der Gestalt des Raben und geschützt durch den pechschwarzen Schleier der Nacht. Es ging ihm lediglich darum herauszufinden, WO sich das quengelnde Bündel derzeit aufhielt.

Doch langsam wurde es Zeit für den nächsten Schritt…

Der Parasit würde noch ein wenig Zeit benötigen um sich ausreichend an dem winzigen Hirn zu laben, und diese Zeit musste er nutzen, denn sobald er zur vollen Pracht empor gewachsen sein, und das begann, was so penibel genau vorbereitet wurde, würden sich die Ereignisse überschlagen.

„Eine Bäuerin also …“

Leise murmelte er die Worte zu sich selbst während er sich in dem schweren Steinthron zurück lehnte und den Blick auf das alte, dicke Ritualbuch senkte. Die aus Menschenhaut gegerbten und mit Blut beschrifteten Seiten wiesen in unregelmäßigen Abständen kleine Risse auf, welche offenkundig dem Alter dieses Wälzers geschuldet waren.

Langsam, beinahe schon zärtlich und liebkosend streiften nun die Fingerkuppen seiner rechten Hand über die Seiten und er atmete einmal tief durch. Dieses Buch …. dieser Wälzer … stellte seinen größten Schatz dar, begründete seit dem ersten Tag seines Lebens als Diener Krathors den Fundus seines Wissens.

Behutsam klappte er das Buch nun zu und schwerfällig erhob er sich aus seinem Steinthron. Es wurde Zeit mehr über diese Bäuerin zu erfahren… Es wurde Zeit zu Beobachtend Informationen zu sammeln. Er hasste diese Dinge, sie wahren ihm zuwider, aber nur so konnte er sicher stellen dass später nichts anders kam, als er es plante. Und jeder noch so kleine Abweichung von seinem Vorhaben könnte verheerende und unkalkulierbare Folgen haben.

Und wer weiß ….

Vielleicht konnte er auch ein wenig mit dieser kleinen Bäuerin spielen ….

Am Treppenaufgang angekommen zog er die Kapuze über den Kopf und griff mit der Rechten nach seiner Sense….
"Theoretisch möglich !"
Gast

Beitrag von Gast »

Der Winter nahte... man konnte ihn schmecken in der eisigen Luft die ihm in die Lungen schnitt, er hasste den Winter. Dazu verdammt auszuharren und darauf zu warten, dass der Schnee die Pfade wieder freigab, jeder Weg zweimal bedacht ehe man ihn ging und so verblieb Althan meist in Düstersee, ein- vielleicht auch zweimal die Woche brach er zu Pferde auf gen Norden wachsam darauf achtend, dass ihm keiner folgte.
Vieles ging in in dieser Zeit der erzwungenen Untätigkeit durch den Kopf, während er die beschlagnahmten Schriften aus der freien Bibliothek für den Ahad anfertigte, Geschehnisse innerhalb des Reiches, Taten der Bürger und unerwartete Ereignisse.

Wie das mit dem Ketzerbalg... ein harter Zug umspielte seinen Mund bei dem Gedanken und er unterbrach das Niederschreiben der Worte. Ein Balg war vor vielen Wochen im Tempel abgelegt worden, schwach, hilflos und von einem Ketzer wie es den Anschein hatte gezeugt... und sowas legte man in den Tempel des Alleinen? Mitleid und Gnade wie in den verfluchten Hallen der Ketzer im Osten? Zorn loderte hell in ihm hoch, allein der Gedanke reichte aus. Eine Gelegenheit die Saat eines Ketzers für Sein Ziel einzusetzen, welch ein riskantes Unterfangen.
In einen Tempel des Heiligen Reichen, wo Seine Diener Ihm dienten? Was nicht stark ist wird ausgemerzt und hat das Recht auf Leben verwirkt, seine erste Regung war gewesen das Ketzerbalg zu ertränken, doch es wurde ihm von der Tetrarchin Aliyahna verwehrt.
Ein Kind sei keine Gefahr, doch es könnte zu einer werden trotz mühsamer kommender Ausbildung war diese Frucht verdorben und trug den Samen der Ketzer in sich mochten es andere anders sehen, er gewiss nicht.

So besuchte er Serafina, um sich das Balg anzusehen. Es lächelte meist, schrie oder stank wie Kinder es eben tun, ein Mädchen... etwas was nach seinem Verständnis eine weitere Abwertung war, als habe man nicht genug Röcke hier herumlaufen. Gedanken mit denen er hier sich zurückhielt, war es doch etwas anders damit als in seiner Heimat. Dennoch vertraute er Serafina, sie war nicht nur gläubig sondern gefestigt im Glauben, stets ihre Waren und Güter für das Reich und den Tempel einzusetzen und so Sein Ziel voranzubringen in dieser Welt, dass sie ihr Möglichstes tat dieses Kind im wahren Glauben zu erziehen. Dabei würde der Tempel und er ihr zur Seite stehen.

Er lauschte interessiert Serafinas Worten während er sie besuchte und dabei schenkte er ihr mehr Aufmerksamkeit als dem Kind an sich. Sie mochte dieses Kind, liebte es und würde es auch als das Ihre annehmen, wenn der Tempel dies wünsche. Nun darüber würde er die Erhabene noch unterrichten müssen, ebenso unterrichtete er Serafina davon, dass der Tempel eine Taufe plante, um es von den anhaftenden Sünden rein zu waschen. Doch der Zeitpunkt sei noch nicht festgelegt worden, da Anderes im Fokus der Aufmerksamkeit stand.

Das Kind war ihm am liebsten wenn es nicht schrie, ja einmal hatte es ihn sogar angelächelt, was ihn nicht davon abhalten würde zu tun was getan musste, würde es gefordert werden.
Sein Herz konnte dieses Lächeln nicht erreichen, denn in seinen Augen blieb es was es war... ein Ketzerbalg. Nun es würden wohl noch einige Jahre ins Land gehen, doch vergessen woher es kam würde er nicht.

Der Alleine prüft seine Gläubigen und Althan vertraute darauf, dass Er seine Aufmerksamkeit ebenso auf die ketzerische Saat und ihre Entwicklung richten würde. Wenn sie zu schwach wäre würde sie ausgemerzt werden, aber vielleicht sorgte schon der kommende Winter dafür. Manche Kinder überlebten die strengen Winter nicht. Mit einem kühlen Lächeln, dass seine Gedanken unterstrich setzte er seine Tun fort und leise kratzte die Feder über das Pergament...
Zuletzt geändert von Gast am Freitag 28. Dezember 2012, 10:19, insgesamt 5-mal geändert.
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