Ankunft

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Elian Swynedd
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Ankunft

Beitrag von Elian Swynedd »

Die Gestalt stand vor den Toren Rahals. Filziges, langes Haar, mehr gelblich-braun als das ursprüngliche, reine Weiß, umwehte das hart dreinblickende Gesicht des Mannes, welcher mit einem kaum merklichen Lächeln auf den Lippen, sein hellblaues Auge auf das Tor gerichtet hatte. Ein ungepflegter Bart, welcher lange nicht mehr die scharfe Klinge eines Barbiers zu spüren bekam, bedeckt den Großteil des Antlitzes. Auch jener schien einmal weiß wie Schnee zu sein, nun jedoch glich seine Farbe denen der Haare. Die einfache Kleidung war voller Dreck, an einigen Stellen ausgeblichen, an anderen aufgerissen. Über seiner Schulter trug er einen ebenso ausgeblichenen alten Sack, in welchem sich Bruchstücke der Vergangenheit befanden, Erinnerungen an eine bessere Zeit.

Das Blut spritzte ihm entgegen, wieder und wieder. Der junge Mann, welcher vor ihm auf dem Boden lag und vor wenigen Momenten noch so leichtsinnig mit seinen Worten umging, bereute seinen Fehltritt, ersticktes Gurgeln erklang aus seiner mit Blut gefüllten Kehle. Die hellblauen Augen des Mannes mit dem weißen Haar strahlten einen fürchterlichen Zorn aus, selbst als das Opfer reglos vor ihm auf dem Boden lag, fuhr das Schwert noch einige Male in den toten Körper hinein.

Die schmutzige Hand fährt langsam mit dem Zeigefinger über die Narbe auf der linken Gesichtshälfte, welche sich von der Stirn bis hinunter zur Wange zieht. Ausdruckslos starrt das blinde Auge darin in die Leere, der Gesichtsausdruck des Mannes verhärtet sich. Er war in den Jahren der ihm auferzwungenen Schande nicht untätig gewesen. Sein Körper war gestählt, auch vermochte er es immer noch, seine Waffe zu führen. Auch zerbrach er nicht am Exil, sein Kopf war stets auf die arrogante und stolze Art und Weise erhoben, wie sie typisch für ihn war. Aber seinen Hass konnte er nie in die Bahnen bringen, welche sein Vater für ihn vorgesehen hatte.

Vor dieser Zeit waren sie unzertrennlich. Bruder und Schwester. Ein inniger Bund gemeinsamen Respektes und Treue, doch der Vater hatte sie ihm genommen. Elian dachte täglich an seine Schwester, wie es ihr ergeht und ob sie weiterhin ihre Stärke und Wildheit besaß. Als er eines Tages die Worte "Ahad" vernahm, wusste er, dass bald die Zeit gekommen ist, zurückzukehren. Zurück unter die Menschen, zurück ins Leben. Er musste mit ihr sprechen, musste sehen, wie Alatar sie auserwählt hat. Langsamen, aber bestimmten Schrittes, setzte er sich in Bewegung Richtung Rahals.. Irgendwo dort war sie nun. Ob sie sich an ihn erinnern würde? Wüsste sie, dass er noch lebt?

"Dort musst du irgendwo sein... Anastasia Swynedd!"
Zuletzt geändert von Elian Swynedd am Sonntag 9. Dezember 2012, 21:31, insgesamt 3-mal geändert.
Elian Swynedd
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Beitrag von Elian Swynedd »

Die flackernde Flamme der halb niedergebrannten Kerze erleuchtete nur einen Bruchteil des Raumes. Der helle Lichtschein reflektierte in den Augen des Mannes, welcher vor dem Tisch saß, auf welchem jene Kerze stand, vor ihm ein Brief und ein beinahe leeres Tintenglas. Das weiße, lange Haar hing ihm offen ins Gesicht, wortlos blickte er auf das leere Pergament vor ihm. Noch vor einigen Tagen hätte man ihn nicht wiedererkannt, er glich einem Bettler, verwahrlost, ungewaschen, wild. Das änderte sich, als er seine Schwester wieder traf. Seit gut einer Woche lebte er nun in Rahal, seit dem heutigen Tag war er letztendlich auch ein Bürger der Stadt. Einfach war es nicht, sicher wieder an das Leben mit Menschen zu gewöhnen, aber einfach war es nie. Es kümmerte ihn nicht weiter, schließlich blickte er den Prüfungen des Allmächtigen voller Stolz entgegen, immer bereit, dessen Macht zu stärken. Es tat ihm gut, Anastasia nach so langer Zeit wieder zu sehen. In ihrer Gegenwart fühlte er sich nicht so unbeherrscht wie so häufig. Er dachte an die Situation in der Taverne zurück. Dieser Kerl, der sein vorlautes Mundwerk nicht halten konnte. Ihn immer wieder unterbrach und unnötige Kommentare in den Raum warf. Oh, wie gerne hätte Elian ihn zum schweigen gebracht, aber er musste sich zügeln. Sich auf das eigentliche Ziel konzentrieren. Den neuen Anfang ausbauen, einen Brief an den Adjutanten der Wache verfassen, um so dem rahalischen Reich dienen zu können.

Die Übungsschwerter schlugen klirrend gegeneinander, durch die Wucht der Schläge wurden beide etwas zurückgedrängt. Anastasia fing sich schnell wieder, doch Elian verlor das Gleichgewicht und fiel keuchend in das Gras. Nachdem er sich wieder gefangen hatte, blickte er zu seiner Schwester hoch.

"Du... hast damit gerechnet, Schwester! Du wusstest... wie hart der Schlag kommen würde!"

Mit einem Lächeln deutet die Spitze ihres Schwertes auf Elian und machte eine Geste, welche ihm zu verstehen gab, dass er sich wieder aufrappeln sollte.

"Elian, du musst dich mehr konzentrieren. Du bist zu wild."

Mit zusammengepressten Zähnen wischte er sich die Haare aus dem Gesicht und sprang auf. Der Griff um sein Schwert festigte sich und voller Entschlossenheit blickte er seine Schwester an, welche nur darauf wartete, dass er wieder angreifen würde.

"Nun komm!"

Er dachte an die alte Zeit zurück und seine Augen schlossen sich für einen Augenblick. Alles war ganz klar vor seinem inneren Auge zu sehen und er wusste, dass es Zeit war. Kratzend begann die Feder, das erste Worte auf dem Pergament zu schreiben.
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