Von der Dunkelheit befreien

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Eliana Dyrion

Von der Dunkelheit befreien

Beitrag von Eliana Dyrion »

Das Dröhnen auf den Ohren wurde immer lauter, je tiefer sie in die Gefilde kamen. In der Ferne hörte man das Rufen der finsteren Wesen. Das Licht des Paters strahlte auf die Gewölbe nieder und erweckte Wärme und Zuversicht. "Wir werden diesen Ort von der Dunkelheit befreien.", sprach Farion mit gewichtiger Stimme und schritt voran. Ritter Louisan wich keinen Schritt von seiner Seite, seine Ritterrüstung spiegelte das Licht Farions wieder und hüllte somit auch ihn in eine lichte Hülle. Ihr Platz als Schützin war ein Stück weiter hinten, direkt hinter ihr verschluckte die Dunkelheit wieder die Gänge. Ihr erstes Gespräch mit dem Ordensbruder Louisan lehrte sie, statt Angst oder Furcht, Respekt zu empfinden. Die Angst lässt uns erstarren und die Furcht lässt uns fliehen. Doch der Respekt schult unser wachsames Auge und verhindert gleichermaßen das wir töricht werden. Avezia, eine Bäuerin und angehende Schützin, lief neben ihr und legte zeitgleich einen Pfeil in ihren Bogen als ein Zweikopf aus einem abzweigenden Gang stapfte und auf die Gruppe zu ging. Ritter Louisan hob sein Schwert und preschte voran. Der Pater schenkte ihnen den Segen und das Licht Temoras. Ihre Augen blinzelten etwas ob der neuen Helligkeit, ihre Augen gewöhnten sich schnell daran. Doch ehe sie einen neuen Pfeil in den Bogen spannen konnte, sank der Zweikopf in sich zusammen durch einen gekonnten Schwerthieb des Ritters. Dieser wich zurück als der riesige Arm des Zweikopfs drohte ihn zu erwischen, und so krachte er kurz vor ihm auf den Boden. In den Gängen war es nun seltsam ruhig geworden. Wo sich normalerweise Höhlenkatzen und anderes Getier herum trieb lagen ihre Leichen noch frisch auf dem Boden. Diesen Weg beschritten sie nun, wachsam wie eh und je, vielleicht war ein weiterer Streiter des Lichts anwesend und wollte sich ihrer kleinen Gruppe anschließen? An dem schwarzen Tor machten sie halt. Der Pater erklärte Avezia zurück zu bleiben und bei einem zweimaligen Klopfen an der Tür, den Hebel zu betätigen. Danach beschritten sie den engen Gang, ein beklemmendes Gefühl breitete sich plötzlich in ihrer Brust aus. Auch hier lagen nur die Leichen der Wesen auf dem Boden. Vorsichtig stieg sie über den Flügel einer schwarzen Harpyie hinweg, ehe sie wieder ein schwarzes Tor erreichten. Als sie durch die offene Tür schritten erkannten sie weiter vorne eine schwarz gerüstete Frau. Die Wortwahl der Rahalerin war wenig freundlich, doch machte sie deutlich, dass sie wegen dem Dunklen Fürsten da waren. Daraufhin runzelte sie die Stirn. Sie dachte immer die Rahaler seien ihre Feinde und ächzten nach dem Vertreiben des Lichts? Der Pater gab ihnen diese Wahl nun, voran zur Flucht in die Arme des Dunklen Fürsten oder sie versuchten an Ihnen vorbei zu kommen. Damit war deutlich, dass sie kein Interesse an dem Fürsten am Ende des Ganges hatten. Kurzerhand gingen die beiden Frauen, von welchen sie nur eine in den dunklen Gängen ausmachen konnte, sie wurde von ihrer Begleitung Alexa genannt, zu ihrem ersehnten Kampf gegen den Fürsten. Als die Frauen aus dem Blickfeld der Dreien verschwanden, wandten sie sich wieder herum. Nach dem zweimaligen Klopfen, öffnete sich das Tor und Avezia stieß wieder zu ihnen.
Nun beschritten sie einen anderen Weg des unterirdischen Gewölbes. Doch auch hier lag schon ein Zweikopf auf den Boden. Der Pater wurde plötzlich etwas langsamer in seinen Bewegungen, ehe er ganz verweilte und dann erkannte auch sie das Wesen, welches mit dem nächsten Zweikopf kämpfte: Einen Letharen.
Sie sah schon lange keines der Kinder Alatars mehr, seine Bewegungen waren geschmeidig als der Zweikopf fiel. Ihn umgab etwas seltsames und es schien als ließ er sich nicht hetzen durch die Präsenz der Vier. Es jagte sein Schwert, eher schwerfällig in den Zweikopf um dann auf ihn hinauf zu steigen. Dort stand er und sah zu ihnen hinüber. Ihr Blick fixierte ihn, ließ ihn nicht aus den Augen. Keine Angst, Respekt. Die Schwerfälligkeit des Letharen war seltsam. Wollte er sie täuschen? Mit einer Hand griff sie in ihren Köcher. Um gleich vorbereitet zu sein, legte sie einen Pfeil in den ungespannten Boden. Der Pater erhob das Wort und sprach mit dem Wesen, welches noch immer auf dem Zweikopf stand. Etwas schienen sie ähnlich zu haben. Sie selbst vermutete ihre Präsenz. Wo den Letharen eine Dunkelheit umgab, seine Bewegung einem ständig kontrollierten Muster zu folgen schienen welches ihn davon abhielt wie ein Tier anzugreifen - War der Pater vom gleißenden Licht umgehen, seine aufrechte Haltung und seine ruhigen Worte erhoben ihn über jeglichen Hass und Wut hinweg. Sie wechselten ein paar Worte, der Lethar suchte wohl nach Herausforderungen, doch er wusste auch wann eine Herausforderung zu viel war. Daraufhin ließ der Pater ihm die Wahl offen voran oder durch sie hindurch zurück zu gehen. Diese Entscheidung verwunderte sie leicht. Wollte er Avezia und sie schützen? Oder war es der Respekt vor seiner Präsenz und um ein Zeichen gegen die Saat Paias zu setzen, welche in vielen Herzen der Menschen immer mehr aufzukeimen schien? Im Orden würde sie ihn fragen, mit Sicherheit wäre dieses Thema ein weiterer wichtiger Schritt in ihrer Lehre. Der Lethar zog seine pantherhafte Maske vom Gesicht und .. lächelte. Es glich jedoch keinem offenen herzhaften Lächeln, mehr wie wenn man jemanden ein Lächeln aufmalte oder ihn dazu zwang. Sein Körper spannte sich an, sein Schwert wurde nur träge hinter ihm her gezogen. Respekt. Respekt. Redete sie sich ein, als er näher an sie heran kam. Für sie glich es einem Akt am Abgrund. Er könnte immer noch angreifen und sich von dem auferlegten Käfig befreien. Und da bröckelte seine Maske leicht, sein Lächeln erstarb für einen Moment. Er bewegte sich wie eine Raubkatze, die geistig den Feind zerfetzten will doch physisch dazu gezwungen wurde zu gehen. Seine Waffe zog er lieblos hinter sich her. Seine bröckelnde Maskerade blieb nur bei dem verschwinden des Lächelns. Sonst blieb er ruhig.. bis ihn die Schatten des Gewölbes verschluckten. Sie konnte sich ein befreiendes ausatmen nicht verkneifen. Erst jetzt spürte sie wie krampfhaft sie ihren Bogen festhielt, ihre Muskeln waren verspannt und die Reinigung des Gangs war ab sofort von einem Durchatmen durch den Schmerz geprägt. Als sie das Gewölbe verließen und im Orden ankamen. Schälte sie sich als erstes aus der Rüstung, hüllte sich in ein feines Kleid, welches Ordensschwester Alexa ihr schenkte und machte sich auf den Weg ins Hospitz. Eine Salbe und Schlaf wäre nun das richtige um diese Begegnung erst einmal zu verarbeiten.
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Mandred Louisan
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Beitrag von Mandred Louisan »

Das Dunkel im Dunkeln

Die Dunkelheit war so undurchdringlich wie gewohnt. Temoras Licht, durch den Adlerritter im Gebet erfleht, ermöglichte es ihm die Finsternis zu durchdringen. Er wusste, dass seine Augen in diesem Moment einen seltsamen Eindruck machen mussten, wie der weiße Schimmer aus reinem Licht auf ihnen lag.

Doch auch diesmal verhalfen sie ihm dazu, zu erkennen, was sich weiter vorne vor der kleinen Truppe aus Ordensstreitern verbarg. Zwei kämpfende Diener Alatars, die nahe dran waren sich dem sogenannten „Fürsten der Dunkelheit“ zu widmen. Für die Streiter des Lichtes gab es nur zwei Optionen: Entweder sie stellten die beiden Frauen aus Rahal und anschließend den Fürsten, oder sie überließen sie ihrem Schicksal. Sie entschieden sich für den Gang zurück, um weiter südlich in den Gefilden des Tunnels das Licht Temoras zu verbreiten.

Doch auch dieser Teil war bereits gefüllt mit Bosheit, Dunkelheit und der Anwesenheit des Panthergottes. Der Paladin, sowie der Ritter selbst hatten oft genug diese Spannung wahrgenommen um zu wissen, was sich abermals vor ihnen befand und gerade mit kaum erfassbarer Schnelligkeit einen Zweikopf niederstreckte. Geballter Hass, Ausgeprägter Zorn, innigste Mordlust: ein Lethar, ein Kind Alatars.

Jener schien mehr Interesse an ihrer Gruppe zu haben, denn er wand sich ihnen zu, doch seine Haltung zeigte vorerst keinerlei Aggressivität, ebenso wenig seine wohl gewählten Worte, die dennoch so zweischneidig waren, wie das schimmernde Schwert des Adlerritters. Gleichzeitig jedoch verfestigte auch Mandred seinen Griff um sein Schwert, sodass das Metall seiner Handschuhe leise knirschte. Er wusste um die Gewandtheit und Hinterlist der Letharen, ebenso wie sein ehemaliger Mentor, nur dass jener wie stets ruhig blieb und ebenfalls keinerlei Aggression ihm anzumerken war. Es folgte ein Wortwechsel zwischen diesen doch so ungleichen Lebewesen. Der Eine erfüllt von einer undurchdringlichen Finsternis, wie sie diesen Gewölben mehr als alle Ehre gemacht hätte, der Andere erfüllt von der Kraft und Stärke des Lichtes Temoras.
Und ob dieses argen Kontrastes, schienen sich beide doch soweit zu verständigen, dass es an dem Letharen war sich einen neuen Weg zu suchen, sodass die Gruppe alsbald allein war. Das tiefe Ausatmen des Adlerritters war Erleichterung und dennoch anfallende Anspannung zugleich. Er konnte nicht umhin zuzugeben, dass er diese Kreatur für ihr Wesen verachtete.

Solches offenbarte er auch im Verlauf des Abends seiner Ordensschwester Eliana.

„Mein Sinn nach Gerechtigkeit mag mir so manches Mal den Verstand vernebeln und mich Rache empfinden lassen, wo ich keine in mir haben sollte. Das Vorgehen des Paters war eben jenes, wie es nur Wenige können. Aus der Ruhe folgt für einen Diener Temoras die Stärke, sich dem Bösen entgegenzustellen und nicht etwa es durch Rache und Hassgefühle in sich erst aufzunehmen.“

Er war nicht überrascht, dass es die noch am Anfang ihrer Lehre stehende Ordensschwester schwer verstand, dass der Paladin solchermaßen reagierte. Für den Ritter war es nur ein Vorbild. Ein Mahnmal, dass er sich selbst vor Augen halten wollte. Sollte. Musste!

Denn eines ist gewiss:

„Der Vollkommenheit des Glaubens können wir uns nur annähern, sie aber nie erreichen. Wir lernen nie aus, ein jeder von uns lernt, bis er von dieser Welt geht.“
Eliana Dyrion

Beitrag von Eliana Dyrion »

Stimmengewirr ertönte um sie wie ein aufgewühlter Wespenschwarm. Man hörte darunter die Wellen an den Hafen schlagen. Ab und an durchbrach eine lautere Stimme die Menschenmenge. Unruhig umfasste sie den Bogen, die Situation innerhalb Bajards war mehr als angespannt. Keine Furcht, keine Angst – Respekt. Kam ihr die Worte Mandreds abermals in den Sinn und sie spürte immer mehr, je häufiger sie in gefährliche Situationen kam, wie sie aus diesen Worten Kraft schöpfte. Dann erhob der Pater seine Stimme und es wurde leiser auf dem Marktplatz: „Nun.. an diesen Abend.. wird sich das Licht erneut erheben..“ Die Diener Alatars und Rahals waren vor die Tore gezogen um den Kampf dort auszufechten. „man wird ein Zeichen setzen..das Opfer.. der Weg ist..welchen wir bereit sind zu gehen..“ Sie spürte die Nähe ihrer Ordensgeschwister um sich, die alle den Worten lauschten. Die Gruppe wurde kurz unterbrochen als der Priester Alatars zurück kam und sie zur Eile für den Kampf anspornte. Als er fort war, sprach Farion die Worte zum Aufbruch: „Wir ziehen - Wir das Licht der Herrin...“

Und so zogen sie durch das Dorf, immer mehr schlossen sich ihren Rücken an, dort ein Heiler, hier ein Elf, ein Bogenschütze der auf dem Markt einkaufen war. Es war ein Gefühl des Zusammenhalts, das sie so noch niemals zuvor erlebt hatte. Sie waren alle Streiter des Lichts. Vor den Toren begann der Kampf recht rasch, welchen sie für sich entschieden. Nur der Pater sank, unter den Schlägen der Krieger, den ihn umzingelten, und Schützen in sich zusammen. Als der Letzte in den Reihen der Pantheranhänger zu Boden sank, sammelten sie sich. Eliana rutschte von ihrem Pferd und verschaffte sich mit rasendem Atem einen Überblick über das Schlachtfeld. Da erspähte sie den Pater und ging auf ihn zu, gerade als sie ihn den Helm vom Kopf ziehen wollte, damit er besser atmen konnte. Hörte und sah sie, wie er sich wieder aufrichtete. Sonst war ihre Gruppe, ihre Mitrstreiter, vollständig und keiner schwer verletzt worden. Innerlich atmete sie auf. Im Hintergrund hörte sie Schwester Tarnya rufen: „Niemand fasst den Alatarpriester an!“ Ehe auch schon Farions Stimme erklang: „Versorgt jene bis sie selbst ihren Weg finden werden.“ Sie versuchte erst einer Frau in schwarzer Rüstung aufzuhelfen, doch diese knurrte und wollte sich selbst hochziehen. So ließ sie jene in Ruhe und kümmerte sich um eine Schützin, diese griff nach ihrer Hand und so half sie ihr auf die Beine. Die Pantheranhänger verließen anschließend recht rasch das Schlachtfeld.

Der Orden bedankte sich noch bei ihren Mitstreitern für ihre Hilfe und dann zogen sie, nach einem Gespräch mit einem Bogenschützen des Regiments, zum Orden zurück. Sie verweilten andächtig an der Statue in der Mitte des Innenhofes und ließen die Stille über sich kommen. Eliana ging ihren Gedanken nach, sie war nicht zufrieden mit ihrer Leistung gewesen. Ihre Hände zitterten bei den ersten beiden Schüssen. Ihr Pferd scherte aus und sie hielt es nur unter größter Anstrengung davon ab weg zu galoppieren. Derweil ging auch ein Schwerthieb nur knapp an ihr vorbei. Noch fiele Übungen standen vor ihr, das war sie sich gewiss. Sie atmete tief durch, ihr Herz beruhigte sich langsam wieder. Nun spürte sie einen leichten Schmerz an ihren Oberschenkel und zog sich am Abend, als die Nachtruhe langsam den Orden bedeckte wie ein Nebel das Land, in die Heilerstube zurück. Als sie ihre Rüstung auszog wurde ihr gewahr: Der Schwerthieb der Frau in der dunklen Rüstung ging nicht gänzlich an ihr vorbei. Die Rüstung hielt den Schwertstreich wohl ab, denn nur ein dünner Streifen, groß genug um genäht – klein genug um keine Narbe zu hinterlassen, hinterließ er in ihrem Oberschenkel. Nachdem die Wunde versorgt war, ging sie wie jeden Abend in die Kirche des Ordens. Hier sank sie auf die Knie und begann mit ihrem Gebet an die Lichtgötter. Sie dachte an die Schützin aus Rahal, welche fast ohne Rüstung auf dem Schlachtfeld stand und dessen Hand sie ergriff um sie auf die Beine zu ziehen. Leise beendete sie ihr Gebet: „Und schütze jene Menschen, in welchen dein Licht ist, nur durch den Schatten umhüllt. Um sie einst wieder zum richtgen Weg zu führen. Denn im Licht wurden sie geboren – unter dem Willen der Mutter und in den Armen der Unschuld des Kindes.
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Mandred Louisan
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Mandred Louisan »

"An diesem Abend wird sich das Licht erheben!"

Im Grunde war es ein Routinegang. Ein Wachritt, wie sie es schon oft getan hatten und wo es zumeist bei kurzen Beobachtungen und ereignislosen Begegnungen blieb. Gerade Mandred wusste aber, dass man nie von reiner Routine ausgehen sollte, sondern immer mit allem rechnen.

Also auch damit, dass man an einem Markttag in Bajard einer nicht unerheblich großen und gefährlichen Macht des Bösen begegnen konnte. Der Paladin Lefar an der Spitze, gefolgt von Schwester Silberwind, Schwester Dyrion und schlussendlich dem Ritter selbst. Es war mitten zwischen den Ständen des Marktes. Die DIener Alatars standen um den Stand eines Hochelfen herum, welcher seine Ware anbot. Wie es eh und je war in der Anwesenheit des Paters, verhielten sich die Ordensgeschwister ruhig und beobachteten die Lage.

"Beobachtung - Abschätzung - Entscheidung" Dies waren die wichtigen Schritte, die man in der Aufklärung einer SItuation befolgen musste, wenn man vermeiden wollte unliebsame Überraschungen zu erleben. Folglich beäugte auch der Ritter die noch ihnen zugewandten Rücken der dunkel-gewandeten Gestalten. Doch es sollte nicht lange dauern, bis sie bemerkt wurden.

Die aufkeimende Spannung zwischen diesen zwei Gruppen, die sich aus ihrer Überzeugung im Glauben so voneinander unterschieden, dass sie als gebrandmarkte Feinde zueinander gelten, war mehr als spürbar. Die Aura, die die Letharen und der Templer Alatars verbreiteten, legte sich auf das Gemüt des Ritters, doch er spürte gleichsam seinen eigenen Widerstand wider die Hoffnungslosigkeit und die dazu versprühende Hoffnung und Zuversicht und auch Kraft des Paladins, seines alten Mentors. Diese KRaft durchströmte ihn und er schloss einen Moment die Augen und bat die Rittergöttin um ihren Beistand und ihre göttliche Kraft und schon spürte er das vertraute Gewicht des schimmernden Schildes in seiner Linken und des ebenso schimmernden Schwertes in seiner Rechten. Er wurde eines mit diesen von der Lichtgöttin ihm anvertrauten Waffen, er verspürte die Verantwortung, die sie stets mit sich trugen und die Zuversicht, dass sie ihm gute Dienste leisten würden, sollten diese in Anspruch genommen werden müssen.

Es war deutlich zu erkennen, dass es hierbei um keinen vorzeitig entschiedenen Kampf gingen würde. Die hetzerischen Worte des Templers wurden immer direkter, offensiver, und da war das ebenfalls so oft gesehen und deutlich zu verstehende Nicken des Paters zu dem Ritter und der Schwester Silberwind gewesen. Mandred wusste, dieses Nicken, war der Beginn und er schloss den Griff seienr Rechten so fest um den Schwertgriff, dass das Metall seiner gepanzerten Handschuhe leise knirschte. In fast schon für die Anspannung der Situation unüblicher Langsamkeit hobh er das Schild vor den Brustkorb, den Schwertarm auf Schulterhöhe, sodass der erste Schlag sogleich kraftvoll, wie auch schnell folgen konnte. Dann wartete er...wartete...sah die erhobene Hand des Paladins und wartete nur auf das Zeichen, dass ihn das machen lassen würde, was ihn sämtliche Konzentration und Kontrolle über sich selbst und seine Emotionen kosten würde.

Die Kontrolle der eigenen Gefühle, wie Hass, Zorn und Wut seien aus dem Kampfe verbannt und anstelle derselben treten Konzentration, Beharrlichkeit, Ruhe, Kontrolle.

Das Wichtigste im Kampf ist die Beherrschung dieser Eigenschaften über den ganzen zeitraum, bis die Gefahr gebannt ist und selbst dann gilt es einen Restbestandteil aufrecht zu erhalten.

Der Kampf verzögerte sich....bis vor den Eingang des Fischerdorfes, wo die Spannung zu groß war, um noch lange aufrecht erhalten zu werden, somit entlud sie sich in allem Eifer und in jedem Schlag eines jeden Recken, der dort focht, wie ein Gewitter. Es war hart und unerbittlich, ein kampf wie er nur zwischen Gewalten, die sich in allen Dingen widersprachen ausbrechen konnte.
Das Streitross des Ritters schien sich dessen ebenfalls bewusst, es schien seinen Bewegungen strikt zu folgen, wissend, dass ein Zögern scheinbar verheerende Auswirkungen haben könnte. Somit gelang es dem Ritter den Kampf weitestgehend unbeschadet zu überstehen, lediglich die Prellungen, die er aber aufgrund der völligen Konzentration im Kampf erst am Abend wahrnahm, zeugten davon, dass er Teil eines epischen Kampfes war, wie er seit langem nicht mehr stattfand.
Der Kampf verebbte...die Stille kehrte ein...er verspürte das aufkeimende Gefühl einfach alles fallen zu lassen, unterdrückte jedoch diesen Drang, denn er wusste, es konnte immer noch nicht vorbei sein. Doch um seiner Anspannung und seiner Konzentration etwas Pause zu verleihen, stieg er langsam aus dem Sattel, und spähte erneut über das Schlachtfeld. Es war vorbei.

Er atmete tief ein und rammte sein Schwert in den weichen Boden unter seinen Füßen, sank auf seine Kniee, lehnte das Schild an das Schwert an und legte die Hände auf den adlerförmigen Schwertknauf und ließ aus seinem Geist die Worte des Dankes an Temora leise, aber deutlich sprechend über seine Lippen kommen.

Auch er vernahm die Aufforderung des Paladins den Gefallenen zu helfen, wenngleich sich die meisten selbst halfen und sie geschlossen mit dem unerbittlichen Versprechen der Vergeltung in den Augen davonzogen.

An diesem Abend war dem Ritter nur eines wichtig...der Dank im Gebet in der Kapelle des Ordens.

"Führe mich weiter, sodass ich nie müde werde. Leite mich, dass ich stets den Gefahren des Kampfes entgehe. Weise mich, dass ich im Kampfe nie hoffnungslos sein möge. Stärke mich, dass ich meine Kraft nach deinem Willen ausrichte und meine Waffen und mein Geist treu dem ergeben sind, was du mich lehrst!"
Eliana Dyrion

Beitrag von Eliana Dyrion »

Die Nacht war schon längst wie ein müder Schleier über den Orden hinab gesunken. Das Kaminfeuer knisterte und verströmte ein Gefühl der Ruhe in das kleine Turmzimmer. An dem kleinen Schreibtisch, welcher mit Büchern und Schriftrollen übersät war, lag ihr Kopf auf einer Schriftrolle. Die Feder noch halb in der Hand haltend, zeichnete das gerade geschriebene einen unverkennbaren Abdruck auf ihre Wange. Sie war eingeschlafen. Seit Tagen war sie dabei für ihren ersten Unterricht, der mehr referierend wirken sollte, den Inhalt zu vervielfachen. Vier Rollen hatte sie schon fertig geschrieben. Tagelang verbrachte sie ihre Zeit in der Bibliothek des Ordens und wälzte die Bücher der Überlieferung, sie wollte ihrer Theorie einen stichhaltigen Hintergrund verleihen. Nun rächte sich ihr Fleiß und die Müdigkeit suchte sie heim.

"Sie nahm etwas Erde und etwas Melodie, formte ein Wesen daraus und nannte ihn Mensch.", 1. Überlieferung

Als die Morgendämmerung einbrach erwachte sie mit einem starren Nacken und mit Tintenflecken übersäten Gesicht. Verschlafen rieb sie sich die Augen und bemerkte erst nach ein paar Augenblicken das sie ihren letzten Abschrieb völlig verschmierte. Sie müsse vom Neuen anfangen. Langsam erhob sie sich von ihrem Stuhl, erst langsam kehrte die Kraft wieder in ihre Glieder zurück. Sie ging ihren bekannten morgendlichen Weg.. die Ordensmauer entlang bis zum Hospiz. Wie jeden Morgen grüßte sie die beiden Wachen auf dem Tor, die ihr diesen Morgen jedoch ein breites Grinsen zuwarfen. Erst im Hospiz bemerkte sie, weshalb sie soamüsiert waren. Ihre komplette Wange war verschmiert gewesen. Nach dem frisch machen, ging sie hinüber in das Kirchenschiff des Ordens. Hier sank sie auf die Knie und verweilte ruhig bei ihrem Morgengebet. Erst nach dem Gebet, nahm sie ein bescheidenes Frühstück zu sich und ging zurück in ihre Stube.
"Das Licht liegt in jedem Menschen, von Geburt an. Jene, die in der Umwelt des Brudermörders geboren wurden, lernen von Klein auf seine Lehren. Doch auch sie sind Menschen - Geschöpfe Eluives. Eluive bekämpfte ihren Sohn, weinte um die Menschen bei Paias Saat.."
Sie schrieb die Worte mittlerweile schon routiniert auf die Schriftrolle. Mit ihrer Theorie würde sie vielleicht eine rege Diskussion hervorrufen, denn sie war der Ansicht..

"Das Licht im Menschen erlöscht nicht. Es wird umhüllt von einem dunklen Schleier. Die Macht des Wortes, kann diese irregeführten Menschen zurück zu ihrem rechten Weg führen. Auf den Weg der Mutter und der Hoffnungsträgerin." Und damit sprach sie auch die Priester des Brudermörders an. Genau hier erwartete sie bei dem Gespräch den Diskussionspunkt. Doch sie freute sich auf den Abend, erhoffte sich ein schönes und lehrreiches Gespräch mit ihren Ordensgeschwistern. Vielleicht könnte sie nach einer weiteren Ausarbeitung auch das Kloster besuchen und ihre Theorie auch ihnen vorstellen. Doch das würde sich erst nach dem Gespräch innerhalb des Ordens zeigen.

Nachdem sie die Abschrift beendete. Schälte sie sich langsam in ihre neue Rüstung und zog sich den weißen Wappenrock des Ordens über. Bruder Mandred berichtete ihr von dem Besuch der Priesterschaft und das sie Schwester Tarnya erzählten, dass wohl die Tore Varunas nicht mehr sicher waren. Dies galt es nachzuprüfen, denn wenn diese Armee an Untoten aus Varuna strömten - waren die Menschen in Berchgard nicht mehr sicher. Sie zurrte ihre Ersatzköcher und ihr Schild auf ihrem Pferd fest und ritt alleine aus dem Orden hinaus. Es war ein kurzer Ritt, schon bei den verlassenen Höfen kamen ihr Zombies entgegen. Sie schloss ihre Augen, während das Tier unruhig schnaubte und auf der Stelle lief, kam sie einen Augenblick zur Ruhe und wisperte: "Ich werde diesen Ort von der Dunkelheit befreien." , surrend zog sie ihren Rapier aus der Scheide und preschte mit dem Pferd voran. Als das heruntergekommene Gehöft frei war, ritt sie zum Osttor Varunas. Die Lichter, die Barriere der Priester, funkelten immer noch. Den Rapier verstauend, nahm sie den Reiterbogen zur Hand und schoss über die Lichter hinweg auf die Brücke. Ihr Plan funktionierte, das Geräusch des aufprallenden Pfeils lockte die Wesen an.. zwei Ghule schlürften über die verkommene Brücke hinweg. Sie kamen immer näher auf das Licht zu.. und durchschritten es an einer Stelle wo die Lichter blasser waren. Es war also wahr.. sie zog sich etwas zurück und ließ die Beiden den Weg hinauf schlürfen. Die Untoten können durch die Barriere. Mit den Bogen erledigte sie die beiden Ghule und richtete ihren Blick wieder auf die Brücke. Nicht auszumalen, welche Armee dahinter wartete. Es musste etwas passieren, bald.
Zuletzt geändert von Eliana Dyrion am Mittwoch 28. November 2012, 15:24, insgesamt 1-mal geändert.
Eliana Dyrion

Beitrag von Eliana Dyrion »

Als sie durch die Pforten des Ordens ritt, war die Nacht längst eingebrochen. Sie eskortierte Ordensritter Mandred nicht mit Bruder Leon zurück, sondern verschwand schon früher von dem einberufenen Treffen von Diakon Ardan und besah sich noch einmal die Tore Varunas. Mit Leon warteten sie außerhalb des Glaubenshauses. Das Gespräch mit Leon ließ sie, während ihren gesamten Ritts nicht in Ruhe. Sie schwang sich aus dem Sattel und schnallte ihre Ersatzköcher vom Tier. Der junge Ordensbruder kam auf ihre Vergangenheit zu sprechen und sie übersah nicht, dass ihn die Neugierde ins Gesicht geschrieben war. Ihre Vergangenheit. Keiner ihrer Vertrauten wusste davon – und sie fragten auch nicht nach. Dieser Umstand war ihr mehr als Recht. Doch dieser junge Bruder - der häufiger eine rote als eine normale Gesichtsfarbe hatte – brachte sie zum nachdenken. Vielleicht wurde es Zeit darüber zu sprechen, immerhin suchten sie die Träume noch immer regelmäßig heim.

In ihrer Stube entledigte sie sich ihrer Kettenrüstung und atmete erleichtert aus, sie war dieses Gewicht noch immer nicht gewöhnt. Doch sie ehrte das Geschenk des Paters und trug sie mit stolz. Leon, vielleicht sollte sie ihren nächsten Unterricht doch nicht über Etikette, sondern über Angst halten. Schier bei jedem Moment, in welchen man zu seinen Worten stehen oder sie revidieren muss, verfällt er in eine Tomatenrote Gesichtsfarbe und senkt den Blick. Sie kann sich noch gut an die Worte des Paters erinnern als sie zum Wächter des Lichts aufstieg: „Der Himmel senkt seinen Blick niemals ab.“ Seither, hatte sie ihre hellblauen Augen nicht mehr aus Scham gesenkt. Nur noch die Demut und der Respekt hielt sie dazu an. Diese Worte wollte sie auch Leon mit auf den Weg geben. Gut kann sie sich an diesen Tag erinnern, im Innenhof des Ordens..

[Ein paar Wochen vorher]
Es war nach dem ersten Unterricht den Leon mit angehört hatte. Kersti .- die damals nach seinen Wunden sah -, Bruder Mandred, Leon und sie, fanden sich nochmals im Innenhof zusammen. Die Sonne war gerade am Untergehen und fiel mit ihren letzten Sonnenstrahlen in den kleinen Bach, der wie immer sorglos vor sich hin plätscherte. Damals wurde Leon wieder schamesrot als er sich für die Einladung bedankte. Sie trat voran, ergriff seine Wangen mit ihren Händen und blickte ihn direkt an. Dies ließ noch mehr die Röte in sein Gesicht steigen. Scham ist eine Art der Angst. Angst ist eine Gabe Alatars. Wir fühlen keine Angst, nur Respekt, Aufrichtigkeit und Demut.“


Doch Leon nahm sich diese Worte bisher wohl nicht wirklich zu Herzen. Weshalb sie heute auf die Angst zurück kamen. Sie sprach davon, dass es auch andere Wege gab zu lernen. Lernen, dass die Angst uns Handlungsunfähig macht. Und als sie ihn dies erzählte, war ihr bewusst dass sie Zugab – genau diesen Weg gegangen zu sein.
Ja Schamrot war eine Art der Angst, zu seinen Gefühlen und Gedanken zu stehen. Doch erstarrt zu sein vor ihr, unaufhörlich zu zittern und dann in eine Trance zu verfallen – ist eine andere Art. Doch eine gute Sache hatte diese Art des Lernens, sie lehrt uns Angst nie wieder zu spüren.

Die Schreie ließen sie aus dem Dickicht rennen. Steine, Äste.. sie fiel zu Boden, doch spürte sie den Schmerz nicht. Auf die Beine – hoch! Das tiefe Gröhlen, so tief wie es nur das tödlichste Tier von sich geben konnte, lag ihr im Nacken. Wieder fiel sie – verdammt! Sie rannte. Doch der Weg nahm ein Ende. Ihre Beine stoppten, die Klippe kam näher, das Tier im Rücken noch näher.. da fiel sie. Ihre Hände krallten sich in die Felswand, irgendwo musste doch.. nein kein halt. Ehe sie aufschlug. Ein Felsvorsprung. Der enttäuschte Ruf des Raubtieres auf der Klippe war deutlich zu hören – sie war gerettet.. oder auch nicht?


Als sie in ihrer Stube erwachte, dauerte es einen Augenblick lang, als sie sich ihrer Umgebung gewahr wurde. Sie war vor dem Kamin eingeschlafen. Ihre langen Locken wurden träge zurück gefahren. Ihr Blick richtete sich auf das Fenster. Es war noch Nacht. Diese Nacht, konnte sie gewiss nicht noch einmal einschlafen. So verließ sie ihre Stube um in der Bibliothek die Nacht zu verbringen. Immerhin hatte sie noch einen Unterricht vorzubereiten.
Zuletzt geändert von Eliana Dyrion am Mittwoch 19. Dezember 2012, 19:45, insgesamt 4-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Der Krieg im Spätherbst 258

Schwester.“ Eine Hand an ihrer Schulter ließ sie schließlich hoch fahren. „Verzeih' mir, aber Edelfrau von Belfa war hier, Alaric ist zurück gekehrt und es wird nach einem Signalfeuer verlangt.“ Sie strich sich die dünne Decke weg und schwang sich auf die Kante des Bettes. Das schwarze Leder knirschte dabei auf und verriet wie lang sie schon in ihrer Rüstung steckte. Die himmelblauen Augen schlugen dankbar nieder als der Ordensbruder ihr ein Wasserglas reichte. Versuchend die Kopfschmerzen weg zu massieren, strich ihre Rechte über ihre Schläfe. „Wie lange habe ich geschlafen?“ - „Die gesamte Nacht.“ Sie seufzte schwermütig aus. Das Glas wurde in einem Zuge geleert, dass frisch gebackene Brot nahm sie mit sich auf den Weg hinaus.

Der Wind war schon eisig geworden. Doch das trieb die Feinde im Westen nicht dazu ihr Lager abzubrechen. Oh wie sie sich wünschte, dass der erste Schnee fiel und der Boden gefror. Aber mehr als zur Allmutter beten konnte sie nicht. Auf den Weg die Wehrmauer entlang hielt sie zwei Brüder auf: „Wir benötigen Holz aus dem Lager. Geht keines schlagen, die Wälder sind zu gefährlich. Bringt es zur Übungshalle.“ Sie biss vom Brot ab und ging weiter. An der Übungshalle überblickte sie den kleinen Platz und sah über ihre Schulter zurück gen Kloster. Ja, das würde genügen. Mehr Platz hatten sie nicht auf der Wehrmauer. Die Wege mussten frei bleiben. Die Ordensbrüder schleppten die ersten Stämme hinauf und legten sie vor sich ab. „Edelfrau von Belfa wollte heute Abend mit euch oder dem Pater reden.“ - „Gut. Ich werde zum Kloster reiten, sobald das Signalfeuer errichtet ist. Aber ihr müsstet für mich zuvor einen Boten finden..

In ihrem Schreibzimmer angekommen wurde das erste Pergament geschnappt. Sie klemmte die Brotkante zwischen ihre Zähne und begann kratzend zu schreiben. Nachdem der letzte Satz das Pergament beschrieb, biss sie vom Brot noch einmal ab und kaute flink während sie das Siegelwachs vorbereitete. „Für Alaric Donnerfaust. Er ist entweder im Kloster oder in Nilzadan. Sollte er nicht gefunden werden, gebt es seiner Sippe. “ Mit den Worten drückte sie das Ordenssiegel auf den Schrieb um ihn zu versiegeln und reichte den Brief zu ihm hinauf. Ein stummes Nicken folgte vom Boten und er machte sich [url=http://forum.alathair.de/viewtopic.php?p=620295]auf seinen Weg[/url]. In der jetzigen Situation konnte der Orden keinen Bruder oder Schwester für Botengänge entbehren. Sie musste dem Boten wohl einfach vertrauen.

Bei all der Vorbereitung durfte sie eine Sache jedoch nicht vergessen. Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und überschlug die in Leder gehüllten Beine. Wenn Alexa unter Qualen vielleicht doch etwas verriet? Auch wenn sie es für unwahrscheinlich hielt, die Schwester würde – wie alle die den Orden so lange als ihr zu Hause ansahen – eher sterben bevor sie den Orden und deren Mitglieder in Gefahr brachte. Aber wenn... - Sie hob die Hand und strich sich nachdenklich über das Kinn. In den Überlegungen zogen sich die Brauen zusammen. Es mussten alle Möglichkeiten im Kopf durchgegangen werden: Und da fiel es ihr ein. Rasch richtete sie sich im Stuhl auf und steuerte energisch gen Tür, die nur noch lose zusammen gehaltenen Haare wirbelten im Zopf mit als sie über die Wehrmauer steuerte um ihren Plan zu überprüfen.

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Sie öffnete die Augen und richtete den hellblauen Blick in das Kirchenschiff empor. Sie realisierte erst im zweiten Moment, wo genau sie war. Langsam nur nahm sie die Umgebung um sich als diese wahr, was sie war: Das Kloster, die Kirche. Keine samtrosa flatternden Vorhänge. Nicht die Geräusche von Oswald und Hans, die schon längst die Kühe gemolken hatten. Nicht die Schritte von Jelus und Ferus die den Wehrgang entlang schritten. Viel mehr war da.. Gemurmel, Gebete, Andere die aufwachten. Am gestrigen Abend sagte man ihr.. sie sei nicht Heimatlos. Doch was genau war Heimat? Für sie war es keine Stadt im Fernen... keine Grenzen die sie überschritt. Für sie war es der Orden. Die Liebe der Menschen dort. Das ruhige Leben dort. Sie hatten alles was sie benötigten, pflanzen eigenes Obst und Gemüse an. Hatten den Ordensquell. Kein Weg in eine Stadt war nötig um zu handeln, zu überleben. Es war ihr zu Hause. Es war ihr ruhiges Inneres. Es war ihre Heimat.

Als sie die Sturmleitern des Feindes erblickte, war ihr sofort klar, dass sie geschlagen waren. Immerhin hatten sie alle zuvor auf offenen Feld mit Adoran gegen den Feind gekämpft. Somit konnte Niemand aus dem Orden sich gegen diese Feinde stellen. So nahm sie die Geschwister, die sie noch erwischen konnte, und zog los. Auf den Weg zum Kloster hielt sie nur der Gedanke des Feindes im Nacken aufrecht. Jeder Schritt brannte in ihrem Herzen.

Dann ... als die Palisaden des Klosters für Schutz standen, brach sie zusammen. Ihre Beine gaben nach und sie ließ den Tränen ihren Lauf. Kein Gedanke an ein Gesichtsverlust, an Schwäche, war in ihr. Es war das Leid, der Schmerz, der aus ihr heraus brach wie ein ungebändigter Fluss.

Keiner konnte wirklich verstehen was der Orden für seine Mitglieder bedeutete. Niemand sah wirklich was er war. Viele hatten sie nur als grobe Erinnerung im Sinn, die Zeiten Varunas waren immerhin auch schon lange vorüber und so waren wie alle vielleicht selbst Reliquen geworden? Doch sie verlangten, sie müssten sich mehr zeigen - mehr Adoran zuwenden - mehr ein und aus laufen in ihren Straßen. Würde das etwas ändern? Immerhin war der Orden in Adoran vertreten. Doch wie häufig sah der Orden Adoraner in Markweih? Wieso waren sie immer in einer Bringschuld gewesen? Oft genug hörte sie abfälliges, gerade aus den Reihen Derjenigen die ebenso für das Licht standen, doch Eliana dachte stets daran - dass sie gewiss nichts böses wollten. Sie wussten es vielleicht nicht anders. All das war nie etwas was ihr Herz verschloss. Alle waren Geschöpfe Eluives. Gerade das lichte Reich war stets ihr Verbündeter gewesen, über alle Verträge hinweg und so.. zeigte sie ihren Schmerz und weinte.. weinte um ihre Heimat um ihre Geschwister die auf der Wehr starben.

Hände hoben sie hoch, in den Armen des Bruders gebettet wurde sie in das Kloster getragen. Die Gedanken schwirrten nur um ihre Heimat. Der Schmerz war so tief.. durchstieß jegliches Handeln.. jede Hoffnung.

Und doch.. saß sie an dem Tisch in der Taverne. Auch wenn man sie dorthin 'befahl', fand sie sich ein. Sie offenbarte die Schwachstellen des Ordens, der Gedanke daran, dass der Raum durch Magie wohl vor neugierigen Ohren geschützt war, lockerte ihre Zunge beim zweiten Anlauf sehr. Wie wichtig den Parteien am Tisch die Reliquen und die Gebeine de ersten Eminenzen der Kirche Temoras waren, wusste sie nicht. Sie konnte es nicht abschätzen und doch blieben sie nicht unerwähnt, als die Fragen sich danach richteten - wie wichtig das Gebäude sei. Als wäre es nur Stein. Verstanden sie nicht das Gedankentum dahinter? Ein Gebäude das über all die Jahre bestand hielt, ein Mahnmal für den Westen - ein Ort der Sicherheit für alle die dem lichten Pantheon zugewandt waren.

Sie erhob sich und richtete ihre Rüstung zurecht. Es gab vieles was sie zu tun hatte. Allen voran stand da ein Vertrag der ihr auf einer großen Tafel zugeschickt wurde. Auch wenn nicht alle die Bedeutung des heiligen Ordens der Temora verstanden, gab es genug die es verstanden. Und wegen diesen, wegen dem Erhalt der ersten Bastion zwischen West und Ost, dem ersten Licht und den Rückhalt der lebenden Toten war es wert zu kämpfen. Kämpfen für ihre Heimat. Kämpfen für Temora. Kämpfen für all jene die mehr als nur Stein sahen!

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Sie ging gerade in die Hocke als die Druckwelle die kleine Gestalt, mit den gesamten Streiter neben ihr, erfasste und durch die Luft weit zurück schleuderte. Den Schmerz in ihren Rücken als sie aufschlug spürte sie nicht, die Geräusche um sie herum waren wie aus einer fernen Welt - dumpf und hallend sogleich in ihrem Kopf. "Der Himmel senkt seinen Blick niemals ab.", hörte sie den Pater sagen als ihre hellblauen Augen direkt in das Himmelszelt sahen. Einzelne Steinbrocken flogen über sie hinweg, Staub rieselte auf sie nieder. "NEIN!", ertönte ein Schrei - näher als Andere - war sie das? Ohne das sie sich aufrichtete, ohne das sie ihren Blick voran richtete, wusste sie es. "Neiiin!", hallte ihr Schrei erneut durch die Ebene. Und dann kamen die Tränen, heiß bahnten sie sich ihren Weg über die kalten von Ruß bedeckten Wangen. Worte sprachen auf sie ein.. sanfte Arme zogen sie hoch. Den Geruch und die Stimme kannte sie: Analope. Jene die ihr eine Freundin wurde, die sich selbst vor den Orden stellte als sie hinaus getrieben wurden und keinen Schritt weichen wollte.

Geäst breitete sich über den Beiden aus. Ein Baum? Sie musste schon in einer ganz anderen Welt sein. Eine Welt ohne die Ordensburg, eine Welt die sie nicht mehr brauchte.. Sogar ein Thyre stellte sich zu ihr, so viel sahen ihre von Tränen benebelten Augen noch: Sah sie so elend aus? Und dann bahnte sich Quarius in seiner weißen Rüstung den Weg zwischen die sich Sorgenden. Starke Arme griffen nach der kleinen Gestalt und hoben sie empor. Schritt für Schritt, trug er sie fort. Weg von diesem Ort, der ihr Herz in tausend Scherben zerbersten ließ. Die langen Locken wippten mit jedem seiner Schritte über seine gerüstete Schulter, stumm rannen die Tränen über die Wange hinweg und sie empfand: Nichts. Nur Leere war dort wo einst ihr Licht strahlte. Welchen Sinn gab es noch? Wo war Sie? Wo war ihre Mutter? Die heilige Stätte, seit Jahren auf sie geweiht.. Tag für Tag sahen sie zu wie sie entweiht wurde wie sie - nein, daran konnte sie nicht denken. Quarius beschritt das Kirchenschiff und legte sie auf eine der Pritschen nieder.

Analope kam und brachte ihr eine alte Ordensrobe, Earon sprach warme Zuversicht, ein Gardist des Regiments meldete ein Überbleibsel: Ein Banner, Nyome versuchte Mut zu säen und zeigte Mitgefühl. Als sie erneut zweifelte an dem Sinn, an Ihr. Legte Quarius seine warme Hand auf ihr Haupt nieder. Diese Geste genügte und sie schloss die Augen erneut. Die Wärme, die Zuversicht. Hatte Nyome wirklich Recht? War sie in all den Menschen, die nun da waren und hinter dem Orden standen? Vereinte sie diese dunkle Stunde nun gänzlich? Quarius schlief an ihrer Stätte ein und da vernahm sie die Stimme Xaviers. "Unsere Gemeinschaft muss bestehen... Verspricht du mir das?" Sie schloss ihre Augen und schob ihren Kopf etwas zur Seite um zu dem Ordensschüler zu sehen. Welch ein Vorbild war sie? Sie lag hier, in Mitleid und Schmerz zerflossen und Xavier hatte das alles gesehen. "Der Himmel senkt seinen Blick niemals ab." Und da füllte sie ihre Lungen mit Luft und antwortete:
"Sie können Stein zerstören. Sie können Banner brennen lassen. Aber sie können uns niemals entzweien. Denn wir sind Bruder und Schwester. Geeint im Glauben. Geeint im Willen das Licht zu verbreiten. Nur unser Tod vermag uns zu trennen. Ob wir in einem Haus, einem Außenposten, einer Burg oder einer Festung verweilen - Sie haben uns nicht gebrochen. Sie haben uns geweckt! Und sie werden nicht wissen was sie getan haben, bis das Licht sie schon umringt." Sie sah seine Tränen und bettete den Kopf zurück in das Bett. "Du hast vollkommen recht, Schwester. Wir werden es gemeinsam schaffen. Ich bin stolz an deiner Seite zu stehen." Er wischte sich mit seiner Hand durchs Gesicht. "Und ich bin stolz an deiner Schulter zu stehen. Reih in Reih, gegen die Dunkelheit. Und nun finde deinen Schlaf, Bruder: Morgen.. wird die Sonne den Schnee erleuchten lassen und wir sehen uns an, wie sehr die Grundmauern beschädigt sind."
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Sie ritt mit dem Pferd durch das zerstörte Tor. Vereinzelt fielen noch kleinere Steine hinab und mahnten sie, nicht zu viel zu wagen. Unter dem Klimpern des Geschirrs, stieg sie von ihrem Sattel hinab und beschritt den Hof. Alles war von Ruß bedeckt. Fast überall fehlten die ersten Stockwerke. Nur wie ein Fähnchen im Wind ragten vereinzelt höhere Mauern hinauf. Knirschend, über Ruß, Steinchen, Holz, bahnte sie sich langsam ihren Weg gen Rittersaal. Die Tafel wurde von der Küche darüber fast vollständig verdeckt. Sie fuhr mit den schwarzen Handschuh über eine Ecke des Tisches und unter dem Ruß, erkannte sie den hellen Tisch. Der Blick glitt über die Zerstörung als sie zur Kapelle ging. Ein Holzbrett des ersten Stockes fiel neben ihr nieder. Die morgendliche Sonne schien ihr auf den Kopf, obwohl sie in der Kapelle stand. Auch wenn kaum etwas übrig blieb, sank sie auf ihre Knie hinab. Erst ihr Rechtes.. dann das Linke. Der Kopf senkte sich in Demut ab und unter dem Licht der Sonne - wurde das erste Gebet in der alten Stätte gesprochen.

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Sie schrubbte ihre Hände bis die Haut rot wurde. Wieder trocknete sie ihre Hände ab. Danach betrachtete sie diese – und begann sie erneut mit der Bürste und Seife zu behandeln. Mit diesen Händen berührte sie die Asche von Oswald.. berührte sie Oswalds Überreste und füllte sie in die Urne...

Die Beerdigung war sehr emotional gewesen. Der Anblick des Regiments, noch bevor sie an den Scheiterhaufen waren, ließ sie schon ein paar Tränen vergießen. Es waren so viele.. ob aus Pflichtgefühl, Mitgefühl oder Respekt: Sie waren alle gekommen um den drei Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Dieser Rückhalt ging Eliana ungeahnt nahe. Sie kämpften zwar schon im Krieg Schulter an Schulter, doch sie zeigten mit ihren auftreten, dass sie auch nach dem Krieg noch neben ihnen standen. Als sie über Oswald sprach, vor Allen die gekommen waren, ging ihr Blick einmal über die Gesichter des Regiments – Einer fehlte. Diese Züge hätte sie sofort unter den Uniformen erkannt. Sie schluckte und sprach dann doch zögernd über Oswald. Über sein gutes Herz, über seine Wärme. Doch sie hatte schnell das Gefühl, dass nichts was sie sagen könnte nur an nährend beschreiben könnte welch eine Lücke die drei Ordensmitglieder hinterlassen würden. Und so beendete sie ihre Worte doch schneller als sie gedacht hatte.

Als Antorius in seiner Predigt von Gerechtigkeit sprach, Gerechtigkeit für den Tod der Drei. Spürte Eliana.. Mitgefühl. Sie hegte keine Wut oder Hass gegen jene die ihre Brüder, Freunde und Kameraden töteten. Diese armen Seelen kannte nichts anderes in ihrem Leben als Wut, Hass, Neid und Angst. Dort wo sie, fast zwanghaft, nach Rache suchte fand sie.. nichts. Sie hatten im Mantel ihres Glaubens drei Leben ausgelöscht. Sie hatten gewählt und sie würde nicht zögern ihr Leben zu beenden wenn es sein musste. Doch bis dahin, hatte sie keine Rachegedanken. Das Wort war noch immer die stärkste Waffe die sie besaßen und wenn man einen Menschen, in Licht geboren durch die Schöpfung Eluives, wieder zum rechten Weg zurück führen konnte: War das Wort und Mitgefühl der richtige Weg.

Nachdem sie ihre Hände fertig geschrubbt hatte, waren sie ganz rot geworden. Das musste genügen. Nachdenklich griff sie nach einem Glas und einer Flasche Rum. Das Glas füllte sich bis zur Hälfte und sie lehnte sich im Stuhl vor dem Kamin zurück. Langsam schwenkte sie das Glas in ihrer Hand und trank schließlich einen Schluck. Die feinen Züge verzogen sich bei dem beißenden ersten Schluck, während ihre hellen Augen die Flammen betrachteten. Heute Nacht würde sie kaum Schlaf finden. Sie fühlte noch immer die Asche Oswalds unter ihren Fingern – noch ein Schluck wurde getrunken und dieser war schon leichter als der Erste. Schwer seufzte sie aus und schloss ihre Augen um ihre Gedanken zu jenen zu lenken die ihr momentan so viel bedeuteten.. das nächste große Thema. Seufzend schlug sie die Augen wieder auf und nippte erneut an dem Rum.
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