Es war schon spät als er seine kleine Zuflucht erreichte- sein Ruhepol, sein Kraftspender und seine lichtschenkende Laterne für dunkle Tage:
Die Kirche Temoras in Varuna, deren Kerzen auch jetzt zu später stunde noch etwas Wärme und Geborgenheit vermittelten.
Er wusste, dass die junge Templerin und ihre kleine Tochter wohl beide auf einer Art Dachboden im Kirchenschiffe lebten und so wollte er keine der beiden Frauen um den verdienten Schlaf bringen, indem er mit seinen dreck- und lehmbespritzten Stiefeln über die Steinfliesen polterte.
Schweigend und längst in sich gekehrt, ruckelte er die blanken Füße frei und setzte die bleichen, wohlgeformten Zehen auf den kalten Boden.
Die schneidende Kälte und die rauhe Oberfläche jedoch spürte er in diesem Moment nicht, er war gekommen um zu bitten, zu beten und seine Ehrbietung dem Manne entgegenzubringen, welcher vor fünfzehn Jahren in jener Nacht den Tod fand.
Er ließ Frau und Kind zurück, doch hatte er für eine Sache gekämpft, die wohl mehreren Unschuldigen in diesem schrecklichen Kriege doch das Leben gerettet hatte... sein Vater Lachlainn Conneal, späterer Llastobhar, wurde zwar als Held des Schlachtfeldes gepriesen, doch wussten er und seine Mutter, dass es die Nacht- und Nebelaktion, in welcher er als Bote diente und einen Brief mit einem Friedensgesuch überbringen sollte, sein eigentliches Ende bedeutete.
Der Brief fand den Weg in die richtigen Hände und Lachlainn erlag einer Pfeilwunde, doch mit dem guten Gewissen das Richtige getan zu haben... andere konnten aufgrund des Opfers leben.
Das leise Patschen der Fußsohlen auf dem Stein brach aprubt ab, als er nun nahe der Front sich tief verneigte und dann auf die Knie sank. Sein schneeweiße Haar fiel ihm über die Schultern und umrahmte das junge, vielleicht etwas sehr zart-sinnliche Antlitz, welches man eher einem geckenhaften Höfling oder Barden, doch keinem Krieger zurechnete.
Es war ihm gleich.
Wenn er auch Äußerlich deutlich der Familie seiner Mutter nachkam, so war es das nach Gerechtigkeit strebende Blut seines Vaters, welches in den Adern pulsierte.
Wieder hatte er sich heute nicht um Hof und Adel gekümmert, hatte keinem Ritter seine Aufwartung gemacht oder sich um die Gunst der hohen Damen beworben. Er diente im Moment den Kleinsten der Kleinen und somit den Ärmsten der Armen. Das heute verdiente Gold galt ein weiteres Mal dem Waisenhaus und diesmal würde er den jungen Elias ernsthaft bitten seinen Namen nicht an die große Glocke zu hängen, jetzt wo er ihn im Laufe der letzten Wochen herausgefunden hatte. Wichtig war, dass etwas getan wurde, nicht wer da was nun direkt machen wollte.
Viele hatten seiner Base Shanna, dem Burschen Elias und allen voran den kleinen Bewohnern des Waisenhauses viel versprochen, soviel hatte er erfahren, viele Leute mit prächtigen Namen... und von vielen hatte man nach dieser Ankündigung nicht mehr viel Beistand erlebt, wenn man den Erzählungen des Jungen Glauben schenken konnte.
Aber neues Licht gab es immer am Horizont und zumindest Cathal war sich sicher, dass er nicht der einzige war, der in irgendeiner Weise als Aussenstehender Unterstützung anbot... vielleicht brauchten sie ihn bald nicht mehr, denn dann wären die schlimmsten Hürden überwunden.
Mit einem Lächeln auf den Lippen hob er den Blick an und seine Gedanken schweiften wieder zu seinem Vater, der wohl etwas Ähnliches getan hätte, als er leise flüsternd zu Beten ansetzte.
Herrin,
Lichtbringerin,
Schwerführerin und Friedensbringerin zugleich,
du weisst ich bin ein einfacher Mann, du ahnst meine Sorgen, meine Ängste und leitest mich dennoch stets zurück auf die rechten Pfade.
Im Moment beginne ich wohl wieder ab und an, anhand der Schatten um mich herum, einen Blick auf das Dunkel zu erhaschen und auch wenn es mein Herz nicht mit Ängstlichkeit verwirrt, so verliere ich dennoch ab und an mein Ziel aus den Augen.
Verzeih mir, wenn ich nun wieder meinen Wunsch zurückstelle und den anderer verfolge, verzeih mir, wenn ich vielleicht ab und an an meiner eigenen Hoffnung zweifle, wenn ich mitansehe, dass es selten die Reichen und Hohen sind, die geben, sondern die einfachen Mannen, die selber kaum etwas haben.
Aber vermutlich liegt darin schon alles begründet, nicht?
In deinen Augen sind wir alle einfache Mannen, die dennoch die Möglichkeit haben sich von dir auf den rechten Pfad lenken zu lassen.
Ich danke Dir, Herrin...
Die stillen Worte, die er danach noch zu seinem verstorbenen Vater richtete, sprach er nur in vertrauten Gedanken- und doch verließ der junge Mann die Kathedrale erst, als einige Andachtskerzen erloschen waren und der Morgen dämmerte.
Cathal- Wanderer auf Lebenspfaden
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Cathal Llastobhar
Eigentlich war er unglaublich müde und fühlte sich, als hätte man ihn unter die Räder eins Fuhrwerks gespannt. Blaue Flecken wurden von ebenso blassblauem Linnen verdeckt, lange Striemen und Schnittwunden nur mäßig eingebunden tummelten sich unter der Weste und dem grobgewebten Hosenstoff. Das Beste nach der Arbeit eines Tages und einer Nacht, wäre nun ein seliger Schlummer in seinem weichen Bette im Gasthaus zu Bajard, allerdings nagte allein bei dem Gedanken irgendetwas an seinem Herzen, bohrte und stichelte.
Er hatte etwas bei all dem Ansinnen nach gerechter Ruhe vergessen...
Tief in Gedanken und wilder Grübelei über diese vermeidliche Vergesslichkeit war er schließlich etwas abseits des Hafens am Strand angekommen. Seufzend scharrte er mit der Spitze seiner etwas klobigen, schweren Stiefel im Kieselsand und lauschte den Wellen, die ihm zuzuflüstern schienen.
Was willst du eigentlich, Cathal Llastobhar? Sei doch froh, dass sich nun das Ende der Woche als allgemein günstig erwiesen hat! Du hast deinen Teil für die Kinder getan, andere setzen dieses Werk fort. DAS wolltest du so!
Sicher, das stimmte schon... nochmals aufstöhnend griff er nach einem der Steine, spürte das vertraute Gewicht des flachen Kiesels in der Hand und holte seitlich aus um ihn mit Schwung auf die am Rande noch ruhige Oberfläche zu werfen. Dann zählte er die Hopser.
Eins...
Zwei... Drei... Vier... Fünf...
und musste nun anerkennen, dass der Gedanke vielleicht ein Helfer des Waisenhauses auf Dauer zu werden ihm schon angenehm geworden war. Die wellen brüllten auf.
Narr! Dafür hast du aber nicht dein Heim hinter dir gelassen um dann im Nachhinein zu jammern, dass es scheinbar doch einige der Hohen gibt, die mehr als nur ihren eigenen Ruhm und die eigenen Kreise kennen. Du trauerst, weil nun die Zeit in Bajard um ist, weil du nun in den brennenden Herd musst, dich weiter erkunden solltest, weiter beobachten und endlich reden...
Ein weiterer Stein flog und hüpfte tänzelnd übers Wasser.
Ja auch hier musste er zugeben, dass er wieder beinahe den bequemen Pfad, statt dem eigenen genommen hätte. Die Gerichtsverhandlung am Tage davor und der leise Gedanke "Wollen doch mal sehen, ob er sein Wort dem Grafen um dem Rat gegenüber hält... diese Beteuerungen kamen etwas zu schnell!" verbunden mit dem Wissen, dass er nur beobachten konnte, wenn er selber ein Teil der lauten Stadt wurde, hatte ihn ernüchtert. Zuflucht hatte er kurz danach nochmals beim Waisenhaus gefunden und gesehen, welch grandiose Arbeit die jungen Knappen, Ritter und Helfer direkt oder indirekt vollbracht hatten. Neckend brachten die Wellen in Kombination mit dem eigenen Gewissen alles auf den Punkt.
Da warst du doch glücklich und hast verstanden, dass es sie, die Hohen und ritterlichen, ihre Augen nicht verschlossen hatten, wie du es zuvor annahmst. Du hast doch auch mit einem der ihren geredet... das war ein Anfang. Niemand verlangt von dir mit Honig um dich zu schmieren, niemand drängt dich. Du hast Zeit, doch nutze sie- rede, lerne und entscheide dann. TU ETWAS!
Der letzte Kiesel machte Cathals Entschluss alle Ehre und traf siebenmal auf, ehe er versank.
"He du, zeig mir ma wie du dassn so machst!"
Ein Kind, ein kleiner schmuddeliger Junge um diese Zeit noch am Hafen... und der Argwohn auf dessen sommersprossiger Miene zeigte ihm, dass er wusste was Cathal dachte.
"Fuchs heiss ich, ich wohn' hier nich, meine Ma schläft im Holzbett, denn der gings lang nich gut. Fuchs, jawoll und ich mag sehn wie das geht!"
Er nahm einen Stein und blickte dann abwartend zum weisshaarigen Manne auf. Lächelnd tat Cathal es ihm gleich und entschied, die letzte Nacht in Bajard noch kürzer werden zu lassen.
"So, ich bin Cathal, werter Herr Fuchs und wohne hier auch nicht... nicht mehr..."
Dann drehte er den Arm zur Seite und warf den Stein.
Er hatte etwas bei all dem Ansinnen nach gerechter Ruhe vergessen...
Tief in Gedanken und wilder Grübelei über diese vermeidliche Vergesslichkeit war er schließlich etwas abseits des Hafens am Strand angekommen. Seufzend scharrte er mit der Spitze seiner etwas klobigen, schweren Stiefel im Kieselsand und lauschte den Wellen, die ihm zuzuflüstern schienen.
Was willst du eigentlich, Cathal Llastobhar? Sei doch froh, dass sich nun das Ende der Woche als allgemein günstig erwiesen hat! Du hast deinen Teil für die Kinder getan, andere setzen dieses Werk fort. DAS wolltest du so!
Sicher, das stimmte schon... nochmals aufstöhnend griff er nach einem der Steine, spürte das vertraute Gewicht des flachen Kiesels in der Hand und holte seitlich aus um ihn mit Schwung auf die am Rande noch ruhige Oberfläche zu werfen. Dann zählte er die Hopser.
Eins...
Zwei... Drei... Vier... Fünf...
und musste nun anerkennen, dass der Gedanke vielleicht ein Helfer des Waisenhauses auf Dauer zu werden ihm schon angenehm geworden war. Die wellen brüllten auf.
Narr! Dafür hast du aber nicht dein Heim hinter dir gelassen um dann im Nachhinein zu jammern, dass es scheinbar doch einige der Hohen gibt, die mehr als nur ihren eigenen Ruhm und die eigenen Kreise kennen. Du trauerst, weil nun die Zeit in Bajard um ist, weil du nun in den brennenden Herd musst, dich weiter erkunden solltest, weiter beobachten und endlich reden...
Ein weiterer Stein flog und hüpfte tänzelnd übers Wasser.
Ja auch hier musste er zugeben, dass er wieder beinahe den bequemen Pfad, statt dem eigenen genommen hätte. Die Gerichtsverhandlung am Tage davor und der leise Gedanke "Wollen doch mal sehen, ob er sein Wort dem Grafen um dem Rat gegenüber hält... diese Beteuerungen kamen etwas zu schnell!" verbunden mit dem Wissen, dass er nur beobachten konnte, wenn er selber ein Teil der lauten Stadt wurde, hatte ihn ernüchtert. Zuflucht hatte er kurz danach nochmals beim Waisenhaus gefunden und gesehen, welch grandiose Arbeit die jungen Knappen, Ritter und Helfer direkt oder indirekt vollbracht hatten. Neckend brachten die Wellen in Kombination mit dem eigenen Gewissen alles auf den Punkt.
Da warst du doch glücklich und hast verstanden, dass es sie, die Hohen und ritterlichen, ihre Augen nicht verschlossen hatten, wie du es zuvor annahmst. Du hast doch auch mit einem der ihren geredet... das war ein Anfang. Niemand verlangt von dir mit Honig um dich zu schmieren, niemand drängt dich. Du hast Zeit, doch nutze sie- rede, lerne und entscheide dann. TU ETWAS!
Der letzte Kiesel machte Cathals Entschluss alle Ehre und traf siebenmal auf, ehe er versank.
"He du, zeig mir ma wie du dassn so machst!"
Ein Kind, ein kleiner schmuddeliger Junge um diese Zeit noch am Hafen... und der Argwohn auf dessen sommersprossiger Miene zeigte ihm, dass er wusste was Cathal dachte.
"Fuchs heiss ich, ich wohn' hier nich, meine Ma schläft im Holzbett, denn der gings lang nich gut. Fuchs, jawoll und ich mag sehn wie das geht!"
Er nahm einen Stein und blickte dann abwartend zum weisshaarigen Manne auf. Lächelnd tat Cathal es ihm gleich und entschied, die letzte Nacht in Bajard noch kürzer werden zu lassen.
"So, ich bin Cathal, werter Herr Fuchs und wohne hier auch nicht... nicht mehr..."
Dann drehte er den Arm zur Seite und warf den Stein.
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Cathal Llastobhar
Er hatte sich gelohnt, er hatte den Rat seines Herzens befolgt und genoss nun die Entscheidung in vollen Zügen. Warmes Licht strahlte durch die hohen Fenster und einladend weich wie edel wirkte das große, mit rotbraunem Samt bestückte Bett, so dass ihm nur übrig blieb ein glückliches Lächeln seinem neuen Heim entgegenzuwerfen.
Eigentlich war es simpel gewesen.
Er hatte den inneren Schweinehund aufgegeben und sich der guten Gastwirtin in Bajard gestellt, hatte ihr die Münzen für die letzten Tage in die Hand gedrückt und sich dann mitsamt des spärlichen Gepäcks verabschiedet. Zwar jammerte sie kurz aufgesetzt, doch wusste er, dass sie gerade in dieser von Schiffen stark bereisten Stadt nichts verlieren würde, sondern in Bälde einen neuen Kunden im Zimmer begrüssen würde, der ebenso gutes Gold einzahlen konnte.
Sein zweiter Schritt zurück auf den rechten Pfad führte ihn nach Varuna, wo er schnell feststellen musste, dass die Gasthäuser nicht nur überbelegt, sondern ebenso sündhaft teuer waren- hier im Zentrum des allgemeinen Chaos', in der Stadt die schwindelerrregende Höhen und abgrundartige Tiefen beschrieb wie keine andere sonst.
Der Tag auf Varunas Pflaster war lang, staubig und konnte einen schwachen Geist schnell zum aufgeben bewegen, doch der junge Mann hatte beschlossen die Ruhe selbst zu mimen und so gelang ihm mit dem einsetzen des Sonnenunterganges ein kleines Wunder, als ein freundlicher Herbergsvater zwar eine gute Summe Münzen verlangte, doch ein stattliches und zudem stadtmittiges Zimmer vermittelte.
Sein neues Heim beflügelte ihn nun, obwohl er noch nicht einmal die Sachen verstaut hatte, so spürte er den munteren Tatendrang und ließ sich einen Badezuber zubereiten um den Staub wegzuspülen. Heute würde er nochmals versuchen mit dem hohen Manne, dem er immer mehr Hochachtung entgegenbrachte, zu reden. Ritter Rafael de Arganta würde wissen an wen er sich wenden musste, wenn er weiterhin das ergeizige Ziel verfolgte selbst ein Licht für andere zu werden...
... und dieses Ziel war ihm nun so deutlich, wie nie zuvor!
Eigentlich war es simpel gewesen.
Er hatte den inneren Schweinehund aufgegeben und sich der guten Gastwirtin in Bajard gestellt, hatte ihr die Münzen für die letzten Tage in die Hand gedrückt und sich dann mitsamt des spärlichen Gepäcks verabschiedet. Zwar jammerte sie kurz aufgesetzt, doch wusste er, dass sie gerade in dieser von Schiffen stark bereisten Stadt nichts verlieren würde, sondern in Bälde einen neuen Kunden im Zimmer begrüssen würde, der ebenso gutes Gold einzahlen konnte.
Sein zweiter Schritt zurück auf den rechten Pfad führte ihn nach Varuna, wo er schnell feststellen musste, dass die Gasthäuser nicht nur überbelegt, sondern ebenso sündhaft teuer waren- hier im Zentrum des allgemeinen Chaos', in der Stadt die schwindelerrregende Höhen und abgrundartige Tiefen beschrieb wie keine andere sonst.
Der Tag auf Varunas Pflaster war lang, staubig und konnte einen schwachen Geist schnell zum aufgeben bewegen, doch der junge Mann hatte beschlossen die Ruhe selbst zu mimen und so gelang ihm mit dem einsetzen des Sonnenunterganges ein kleines Wunder, als ein freundlicher Herbergsvater zwar eine gute Summe Münzen verlangte, doch ein stattliches und zudem stadtmittiges Zimmer vermittelte.
Sein neues Heim beflügelte ihn nun, obwohl er noch nicht einmal die Sachen verstaut hatte, so spürte er den munteren Tatendrang und ließ sich einen Badezuber zubereiten um den Staub wegzuspülen. Heute würde er nochmals versuchen mit dem hohen Manne, dem er immer mehr Hochachtung entgegenbrachte, zu reden. Ritter Rafael de Arganta würde wissen an wen er sich wenden musste, wenn er weiterhin das ergeizige Ziel verfolgte selbst ein Licht für andere zu werden...
... und dieses Ziel war ihm nun so deutlich, wie nie zuvor!
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Cathal Llastobhar
Er hatte den Ritter dann zufällig gefunden... nahe der Schlucht des Unheilsberges, welche zu den Zweiköpfen führte. Ja, da hatte er ihn dann plötzlich gesichtet- unter dem Fuße eines anderen Mannes, welcher gerade ein blitzendes Schwert hoch über den Kopf riss und es auf Rafael de Arganta herabstoßen wollte.
Sicher war es unbedacht, planlos- aber gab es Zeit für Pläne?
Er warf sich dem etwas größeren und deutlich breiter gebautem Manne entgegen und als dieser herumfuhr, von Cathals Knie in den Rücken getroffen und die Schwertklinge an Rafael vorbei zu Boden segelte, hatte er zumindest Zeit gewonnen.
Triumph spürte er keinen, denn schon brüllte der Angreifer auf und stürzte mit wüsten Verwünschungen in seine Richtung. Er sprach davon sie beide zu ermorden- für Alatar- und ein kurzer Blick, der ihm auf Rafael dadurch gewährt wurde, entfachte plötzlich Panik in seinem Herzen. Zwei Bolzen ragten fedrig aus der Seite des Ritters und es brauchte nicht lange, bis er begriff, dass die Spitzen präpariert waren. Der Ritter sackte mehr und mehr zusammen, ehe plötzlich ein rebellischer "Temoraaaaa"- Ruf von ihm kam, welcher zusammen mit irgendetwas anderem Cathal neuen Mut gab.
Diesen Mut brauchte er nun umso deutlicher, denn die Hände des Mannes, mit welcher er wild rangelte, hatten seine Kehle gefunden und drückten langsam zu. Sein eigenes Messer war ihm in Kampfe abhanden gekommen, dafür brachte kurzerhand der Gegner einen Dolch ins Spiel.
Verzweifelt versuchte Cathal diesen über sich zu hebeln und auf wunderbare Weise schien seine Kraft plötzlich genug- es lag vermutlich an den matten Gebeten, welche Rafael mit letzter Kraft von sich gab.
Danach ging es wieder so schnell. Sie standen sich gegenüber, die Waffe hatte der andere. Verzweifelt machte Cathal den Fehler und blickte zu Boden um sein Messer zu orten. Den folgenden Angriff konnte er nicht abwehren, er konnte sie nur zur Seite drehen, damit der Dolch nicht die Kehle erwischte. Tief schnitt das Messer über die rechte Schulter und Brustbein herab.
Der Schmerz machte ihn benommen und sein Gegner höhnte, doch Cathal hielt nun seinerseits den Dolch fest. Der Angreifer zog und zerrte wie ein Wilder und plötzlich verließ Cathal die Kraft- er musste den Dolch freigeben und bekam zunächst nicht mit, wie der Schwung und die eingesetzte Kraft den Dolch zurückschnellen ließen und sich der Unbekannte diesen somit beinahe selbst in die Brust rammte.
Das war es... so der Gedanke des jungen Mannes und er bekam halb am Boden etwas zu fassen - sein Messer.
Keinen Moment zu früh, denn mit einem letzten Schwur Rafael mit sich zu nehmen, zog der sterbende Wahnsinnige den Dolch aus seiner Brust und ließ sich gen Rafael fallen. Wie Cathals Messer rechtzeitig in dessen Nacken kam, wusste er später nicht mehr.
Plötzlich stand eine junge Frau, fast noch Mädchen, vor ihm... in Kleidung der Clansleute. Sie wollte ihn dazu bringen Hilfe in Varuna zu holen, doch abgesehen davon, dass er sie nicht kannte und Rafael in dem Zustand nicht mit irgendwem lassen konnte oder wollte, war der eigene Blutverlust zu hoch um zu rennen.
Ab und an umfing ihn Schwärze... da waren Leute, der Clan Hinrah...
... sie waren beim Heiler und die Clansdamen kümmerten sich emsig um ihn... wo war Rafael? Una? War das Una? Wie ging es ihr nun? Viljo.. Una... ah Shannas Gesicht? Oder nur ein Traum?
Temora, Temora... wenn sie überlebten, so war es Temora zu verdanken... Temora
Und er sank in einen traumlosen, bleiernen, etwas sehr tiefen Schlaf.
Sicher war es unbedacht, planlos- aber gab es Zeit für Pläne?
Er warf sich dem etwas größeren und deutlich breiter gebautem Manne entgegen und als dieser herumfuhr, von Cathals Knie in den Rücken getroffen und die Schwertklinge an Rafael vorbei zu Boden segelte, hatte er zumindest Zeit gewonnen.
Triumph spürte er keinen, denn schon brüllte der Angreifer auf und stürzte mit wüsten Verwünschungen in seine Richtung. Er sprach davon sie beide zu ermorden- für Alatar- und ein kurzer Blick, der ihm auf Rafael dadurch gewährt wurde, entfachte plötzlich Panik in seinem Herzen. Zwei Bolzen ragten fedrig aus der Seite des Ritters und es brauchte nicht lange, bis er begriff, dass die Spitzen präpariert waren. Der Ritter sackte mehr und mehr zusammen, ehe plötzlich ein rebellischer "Temoraaaaa"- Ruf von ihm kam, welcher zusammen mit irgendetwas anderem Cathal neuen Mut gab.
Diesen Mut brauchte er nun umso deutlicher, denn die Hände des Mannes, mit welcher er wild rangelte, hatten seine Kehle gefunden und drückten langsam zu. Sein eigenes Messer war ihm in Kampfe abhanden gekommen, dafür brachte kurzerhand der Gegner einen Dolch ins Spiel.
Verzweifelt versuchte Cathal diesen über sich zu hebeln und auf wunderbare Weise schien seine Kraft plötzlich genug- es lag vermutlich an den matten Gebeten, welche Rafael mit letzter Kraft von sich gab.
Danach ging es wieder so schnell. Sie standen sich gegenüber, die Waffe hatte der andere. Verzweifelt machte Cathal den Fehler und blickte zu Boden um sein Messer zu orten. Den folgenden Angriff konnte er nicht abwehren, er konnte sie nur zur Seite drehen, damit der Dolch nicht die Kehle erwischte. Tief schnitt das Messer über die rechte Schulter und Brustbein herab.
Der Schmerz machte ihn benommen und sein Gegner höhnte, doch Cathal hielt nun seinerseits den Dolch fest. Der Angreifer zog und zerrte wie ein Wilder und plötzlich verließ Cathal die Kraft- er musste den Dolch freigeben und bekam zunächst nicht mit, wie der Schwung und die eingesetzte Kraft den Dolch zurückschnellen ließen und sich der Unbekannte diesen somit beinahe selbst in die Brust rammte.
Das war es... so der Gedanke des jungen Mannes und er bekam halb am Boden etwas zu fassen - sein Messer.
Keinen Moment zu früh, denn mit einem letzten Schwur Rafael mit sich zu nehmen, zog der sterbende Wahnsinnige den Dolch aus seiner Brust und ließ sich gen Rafael fallen. Wie Cathals Messer rechtzeitig in dessen Nacken kam, wusste er später nicht mehr.
Plötzlich stand eine junge Frau, fast noch Mädchen, vor ihm... in Kleidung der Clansleute. Sie wollte ihn dazu bringen Hilfe in Varuna zu holen, doch abgesehen davon, dass er sie nicht kannte und Rafael in dem Zustand nicht mit irgendwem lassen konnte oder wollte, war der eigene Blutverlust zu hoch um zu rennen.
Ab und an umfing ihn Schwärze... da waren Leute, der Clan Hinrah...
... sie waren beim Heiler und die Clansdamen kümmerten sich emsig um ihn... wo war Rafael? Una? War das Una? Wie ging es ihr nun? Viljo.. Una... ah Shannas Gesicht? Oder nur ein Traum?
Temora, Temora... wenn sie überlebten, so war es Temora zu verdanken... Temora
Und er sank in einen traumlosen, bleiernen, etwas sehr tiefen Schlaf.
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Cathal Llastobhar
Blinzelnd erkannte er die Heilerin, als diese angenehme Kälte- vermutlich ein feuchtes Tuch- seine Schulter kühlte und er sich urplötzlich bewusst wurde, dass er gerade eben noch im Halbschlafe irgendetwas gerufen habe.
Kurz drehte er den Kopf zur Seite und wollte aufspringen, als das Bett neben dem seinen leer wahr, bis es ihm wieder einfiel. Man hatte Rafael weggebracht um ihm noch mehr Heilkunst und Hilfe zukommen zu lassen, denn das Gift, welches die Adern des Ritters noch durchströmte, überstieg die Kenntnisse der ansässigen Heilerin.
Er hatte so unendliches Glück, dass dieser Dolch, welcher ihn aufgeschnitten hatte, nicht ebenso mit Gift durchtränkt war. Auch wenn er im Moment das Gefühl hatte ein ausgewachsener Drache würde weiterhin mit unermüdlicher Ruhe an seiner rechten Schulter kauen, so würde er doch genesen.
Shanna hatte eine üble Infektion verhindert und die Clansdamen hatten die Blutung soweit gestillt, dass er nicht schon vor zwei Abenden verblutet war.
Still starrte er nun in die untergehende Sonne, welche aus dem kleinen Fenster neben seinem Bette fast unmittelbar auf sein Gesicht fiel, schloß die Augen und atmete tief durch. Er hatte ihnen nicht danken können, doch er würde es... und er würde es nie vergessen. Wie sie ihn alle gerettet hatte.
Die Hinrahs, Shanna, die gute Heilerin und nicht zuletzt Rafael... mit den innigen Worten an Temora, welche der Ritter mit seinem letzten Atem sprach, hatte er die lichte Herrin gebeten ihm, Cathal, beizustehen.
Seitdem verbrachte er, seit seines klaren Erwachens, viele Stunden mit ruhigen Gebeten und bat jene, welche seinen Weg beschrieb und ihm ein leitendes Licht war, Antworten auf einige Fragen zu geben.
Wer war der Mann? Warum gab er sein Leben mit aller Kraft auf um Rafael voller Hass hinabzureissen in den Tod? Hatte er ihn gekannt? Verzehrte der Hass diesen Unbekannten so sehr, dass er sie beide ohne mit der Wimper zu zucken massakriert hätte- oder war es purer Fanatismus? Was es der dunkle Bruder- zerstörte er Herz, Verstand und riss alles in den Wahn?
Ermüdet blinzelt Cathal ein weiteres Mal und rieb sich mit der linken Hand die schmerzende Stirn. Entschuldigend bat er die lichte Herrin ihm wohl vorerst noch etwas Schlaf zu genehmigen, denn in seinen Träumen fand der junge Mann in letzter Zeit beschwingende Erleichterung und eine ungewohnte Süße. Lächelnd erinnerte er sich an den wirren Traume, in welchem ihm war, als hätten zarte Lippen kurz die seinen gestriffen...
Kurz drehte er den Kopf zur Seite und wollte aufspringen, als das Bett neben dem seinen leer wahr, bis es ihm wieder einfiel. Man hatte Rafael weggebracht um ihm noch mehr Heilkunst und Hilfe zukommen zu lassen, denn das Gift, welches die Adern des Ritters noch durchströmte, überstieg die Kenntnisse der ansässigen Heilerin.
Er hatte so unendliches Glück, dass dieser Dolch, welcher ihn aufgeschnitten hatte, nicht ebenso mit Gift durchtränkt war. Auch wenn er im Moment das Gefühl hatte ein ausgewachsener Drache würde weiterhin mit unermüdlicher Ruhe an seiner rechten Schulter kauen, so würde er doch genesen.
Shanna hatte eine üble Infektion verhindert und die Clansdamen hatten die Blutung soweit gestillt, dass er nicht schon vor zwei Abenden verblutet war.
Still starrte er nun in die untergehende Sonne, welche aus dem kleinen Fenster neben seinem Bette fast unmittelbar auf sein Gesicht fiel, schloß die Augen und atmete tief durch. Er hatte ihnen nicht danken können, doch er würde es... und er würde es nie vergessen. Wie sie ihn alle gerettet hatte.
Die Hinrahs, Shanna, die gute Heilerin und nicht zuletzt Rafael... mit den innigen Worten an Temora, welche der Ritter mit seinem letzten Atem sprach, hatte er die lichte Herrin gebeten ihm, Cathal, beizustehen.
Seitdem verbrachte er, seit seines klaren Erwachens, viele Stunden mit ruhigen Gebeten und bat jene, welche seinen Weg beschrieb und ihm ein leitendes Licht war, Antworten auf einige Fragen zu geben.
Wer war der Mann? Warum gab er sein Leben mit aller Kraft auf um Rafael voller Hass hinabzureissen in den Tod? Hatte er ihn gekannt? Verzehrte der Hass diesen Unbekannten so sehr, dass er sie beide ohne mit der Wimper zu zucken massakriert hätte- oder war es purer Fanatismus? Was es der dunkle Bruder- zerstörte er Herz, Verstand und riss alles in den Wahn?
Ermüdet blinzelt Cathal ein weiteres Mal und rieb sich mit der linken Hand die schmerzende Stirn. Entschuldigend bat er die lichte Herrin ihm wohl vorerst noch etwas Schlaf zu genehmigen, denn in seinen Träumen fand der junge Mann in letzter Zeit beschwingende Erleichterung und eine ungewohnte Süße. Lächelnd erinnerte er sich an den wirren Traume, in welchem ihm war, als hätten zarte Lippen kurz die seinen gestriffen...
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Cathal Llastobhar
Schritte auf gewähltem Boden- beginnende Knappenzeit
Seine Gedanken wollten nicht stetig bei der Sache bleiben. Zu groß die Aufregung, die Anspannung und das nun heftig klopfende Herz. Er hatte die rechten Schritte getan, der Pfad glänzte und führte ihn zu seinem Ziel. Nicht nur die Worte des jungen Ritters, welcher nun vollends sein Herr, Tutor und Leiter des Pfades war, hatten ihn darin bestätigt.
Nein, auch die Vision, welche ihm die Konfrontation mit dem Baume eingebracht hat, die sanften Worte der weisen Erztemplerin und auch die heftige Reaktion seiner kleinen Base hatten ihm die Augen noch weiter geöffnet. Nun sah er- sah, dass er für sie schon allein deshalb da sein musste, auf dem Festlande richtig war.
Stumm dankte er mit einem etwas gerührtem Lächeln auf den Lippen all diesen Menschen, die ihm nun ein wegweisendes Licht in den letzten Tagen waren.
Die Erztemplerin Alyssa Arnis, welche ihm nicht nur freundlich den Zutritt zum atemraubenden Baum des Lichtes gewährte, sondern auch dort mit ihrer Anwesenheit still stützte und zuguterletzt ihm aufhalf, als er erschlagen von der verwirrenden und beängstigenden Vision strauchelte und zu Boden sackte. Erquickendes Wasser, kühle Hände und eine beruhigende Stimme hatten ihn danach gefestigt und trotz der allzu menschlichen Unsicherheit und noch immer piesackenden Angst fühlte er sich gestärkt und bereit.
Dann war da natürlich seine Familie. Shanna, Una, Viljo- die drei glaubten an ihn und er war sich sicher, dass der kleine Niall mitfieberte und auch Leiths Gleichmut größtenteils nur ein Teil der aufgesetzten Maskerade war, zu welcher diesen das Leben unter dem Dache des strengen Vaters Tuirean gezwungen hatte.
Nicht zuletzt dankte er Rafael, welcher ihn mit ruhigen, nachdenklichen Worten stets bestärkt hatte und nun auch eine Aufgabe auf den Weg mitgegeben hatte. Die erste seiner Aufgaben, als Knappe des jungen Ritters. Allein bei dem Gedanken an diesen Erfolg machte das Herz des jungen Mannes ein kindischen Sprung der Begeisterung. Für wenige Augenblicke fühlte er sich wieder wie ein kleiner Junge, dem man einen überaus großen Herzenswunsch endlich gewährte...
Dann ermahnte ihn eine innere Stimme ruhig daran zu denken, dass dies alles andere als ein Spaziergang werden würde. Pflichten und Erwartungsbereiche mussten abgedeckt werden, denn es handelte sich hier keineswegs um ein kindisch idealisiertes Heldenleben voller Pracht, Prunk und Glorie. Aber er hatte es nicht anders gewollt und konnte.. nein wollte nun nicht mäkeln.
Neue Kraft stärkte ihn und beinahe trotzig hob er den Blick von der verzierten Steinbodenplatte, bei welcher er kniete, wieder nach vorne und mit nicht allzu lauter, doch überzeugter Stimme wie gefalteten Händen begann er leise gen Altar zu sprechen um ein siebtes Mal an diesem nun sehr späten Abend ehrlich gesprochene Worte an die Lichtbringerin zu senden...
Herrin, Licht in der Dunkelheit meiner Pfade und Trägerin meiner Hoffnungen,
erneut richte ich laut meine Worte an dich und bitte dich dennoch gleich jetzt inständig um Verzeihung, wenn meine Gedanken trotz deines besinnlichen Lichts zu wandern beginnen.
Ich bin nur eine kleine Flamme, die aus aller Kraft zum Feuer werden möchte um Kälte, Dunkelheit und pechschwarze Nacht aus den Herzen zu vertreiben. Dennoch habe ich gelernt, dass ich dies nicht alleine vollbringen kann, denn auch ein Feuer muss genährt werden, sonst erstickt die Kerzenflamme schon im Keim. Auch bin ich mir meiner Schwächen und Fehlbarkeit bewusst, welche ich nicht leugnen kann sondern daran arbeiten werde.
Demut ist die Tugend, welche dieser Schrein weise symbolisiert und nun hatte ich in den letzten Stunden des Tages Zeit über diesen Bereich nachzudenken. Sicher habe ich auch danach nicht damit abgeschlossen. Die Gedanken, das Grübeln und Handeln wird mich auf dem weiteren Wege begleiten, dennoch denke ich ein wenig verstanden zu haben.
Die Demut lehrt mich genau das, was ich dir gerade anvertraute.
Ich bin fehlbar, ich bin ein kleines Licht. Deshalb lange nicht zwandsweise minderwertig oder schlecht, doch weiss ich, dass ich stetig an mir arbeiten kann und das die Demut somit auch Nachsicht gegenüber anderer bringt, welche ebenso Fehler begehen können.
Ich muss mich stets daran erinnern wer und was ich bin.
Hiermit gelobe ich dir gegenüber, meine Herrin, dass ich diese Lektion nie vergessen werde. Ich danke dir, dass du mir ein weiteres Mal zugehört hast.
Danke, Herrin, Lichtbringerin und Träger aller Hoffnungen!
Temora...
Dennoch verharrte der junge Mann stumm eine geraume Zeit, den Blick senkend in Achtung und Besinnung um wohl noch stille, unausgesprochene Worte gedanklich nachzusenden.
Als Cathal sich erhob tauchte die untergehende Frühjahrssonne die Welt um ihn herum in rotorangene Farben und ein Lächeln belebte seine feinen Züge. Das Feuer, es brannte für ihn... jetzt schon.
Mit einem Kohlegriffel markierte er etwas auf einem Pergament und führte es dann gerollt nahe ans Herz. Diese Standpunkte der Schreine, welche ihm so viele Denkanstösse brachten würde er eh nie vergessen.
Die Karte würde also an Rafael gehen...
[img]http://mitglied.lycos.de/sherahadh/Schreine%20auf%20Gerimor.JPG[/img]
Seine Gedanken wollten nicht stetig bei der Sache bleiben. Zu groß die Aufregung, die Anspannung und das nun heftig klopfende Herz. Er hatte die rechten Schritte getan, der Pfad glänzte und führte ihn zu seinem Ziel. Nicht nur die Worte des jungen Ritters, welcher nun vollends sein Herr, Tutor und Leiter des Pfades war, hatten ihn darin bestätigt.
Nein, auch die Vision, welche ihm die Konfrontation mit dem Baume eingebracht hat, die sanften Worte der weisen Erztemplerin und auch die heftige Reaktion seiner kleinen Base hatten ihm die Augen noch weiter geöffnet. Nun sah er- sah, dass er für sie schon allein deshalb da sein musste, auf dem Festlande richtig war.
Stumm dankte er mit einem etwas gerührtem Lächeln auf den Lippen all diesen Menschen, die ihm nun ein wegweisendes Licht in den letzten Tagen waren.
Die Erztemplerin Alyssa Arnis, welche ihm nicht nur freundlich den Zutritt zum atemraubenden Baum des Lichtes gewährte, sondern auch dort mit ihrer Anwesenheit still stützte und zuguterletzt ihm aufhalf, als er erschlagen von der verwirrenden und beängstigenden Vision strauchelte und zu Boden sackte. Erquickendes Wasser, kühle Hände und eine beruhigende Stimme hatten ihn danach gefestigt und trotz der allzu menschlichen Unsicherheit und noch immer piesackenden Angst fühlte er sich gestärkt und bereit.
Dann war da natürlich seine Familie. Shanna, Una, Viljo- die drei glaubten an ihn und er war sich sicher, dass der kleine Niall mitfieberte und auch Leiths Gleichmut größtenteils nur ein Teil der aufgesetzten Maskerade war, zu welcher diesen das Leben unter dem Dache des strengen Vaters Tuirean gezwungen hatte.
Nicht zuletzt dankte er Rafael, welcher ihn mit ruhigen, nachdenklichen Worten stets bestärkt hatte und nun auch eine Aufgabe auf den Weg mitgegeben hatte. Die erste seiner Aufgaben, als Knappe des jungen Ritters. Allein bei dem Gedanken an diesen Erfolg machte das Herz des jungen Mannes ein kindischen Sprung der Begeisterung. Für wenige Augenblicke fühlte er sich wieder wie ein kleiner Junge, dem man einen überaus großen Herzenswunsch endlich gewährte...
Dann ermahnte ihn eine innere Stimme ruhig daran zu denken, dass dies alles andere als ein Spaziergang werden würde. Pflichten und Erwartungsbereiche mussten abgedeckt werden, denn es handelte sich hier keineswegs um ein kindisch idealisiertes Heldenleben voller Pracht, Prunk und Glorie. Aber er hatte es nicht anders gewollt und konnte.. nein wollte nun nicht mäkeln.
Neue Kraft stärkte ihn und beinahe trotzig hob er den Blick von der verzierten Steinbodenplatte, bei welcher er kniete, wieder nach vorne und mit nicht allzu lauter, doch überzeugter Stimme wie gefalteten Händen begann er leise gen Altar zu sprechen um ein siebtes Mal an diesem nun sehr späten Abend ehrlich gesprochene Worte an die Lichtbringerin zu senden...
Herrin, Licht in der Dunkelheit meiner Pfade und Trägerin meiner Hoffnungen,
erneut richte ich laut meine Worte an dich und bitte dich dennoch gleich jetzt inständig um Verzeihung, wenn meine Gedanken trotz deines besinnlichen Lichts zu wandern beginnen.
Ich bin nur eine kleine Flamme, die aus aller Kraft zum Feuer werden möchte um Kälte, Dunkelheit und pechschwarze Nacht aus den Herzen zu vertreiben. Dennoch habe ich gelernt, dass ich dies nicht alleine vollbringen kann, denn auch ein Feuer muss genährt werden, sonst erstickt die Kerzenflamme schon im Keim. Auch bin ich mir meiner Schwächen und Fehlbarkeit bewusst, welche ich nicht leugnen kann sondern daran arbeiten werde.
Demut ist die Tugend, welche dieser Schrein weise symbolisiert und nun hatte ich in den letzten Stunden des Tages Zeit über diesen Bereich nachzudenken. Sicher habe ich auch danach nicht damit abgeschlossen. Die Gedanken, das Grübeln und Handeln wird mich auf dem weiteren Wege begleiten, dennoch denke ich ein wenig verstanden zu haben.
Die Demut lehrt mich genau das, was ich dir gerade anvertraute.
Ich bin fehlbar, ich bin ein kleines Licht. Deshalb lange nicht zwandsweise minderwertig oder schlecht, doch weiss ich, dass ich stetig an mir arbeiten kann und das die Demut somit auch Nachsicht gegenüber anderer bringt, welche ebenso Fehler begehen können.
Ich muss mich stets daran erinnern wer und was ich bin.
Hiermit gelobe ich dir gegenüber, meine Herrin, dass ich diese Lektion nie vergessen werde. Ich danke dir, dass du mir ein weiteres Mal zugehört hast.
Danke, Herrin, Lichtbringerin und Träger aller Hoffnungen!
Temora...
Dennoch verharrte der junge Mann stumm eine geraume Zeit, den Blick senkend in Achtung und Besinnung um wohl noch stille, unausgesprochene Worte gedanklich nachzusenden.
Als Cathal sich erhob tauchte die untergehende Frühjahrssonne die Welt um ihn herum in rotorangene Farben und ein Lächeln belebte seine feinen Züge. Das Feuer, es brannte für ihn... jetzt schon.
Mit einem Kohlegriffel markierte er etwas auf einem Pergament und führte es dann gerollt nahe ans Herz. Diese Standpunkte der Schreine, welche ihm so viele Denkanstösse brachten würde er eh nie vergessen.
Die Karte würde also an Rafael gehen...
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