Vergangenheit, Gegenwart - Zukunft.

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Natisha Levana Yazir

Vergangenheit, Gegenwart - Zukunft.

Beitrag von Natisha Levana Yazir »

Geschmeidig glitt die kleine Wüstenjägerin über die Sanddüne. Flach mit Bauch gegen den Sand gepresst verursachte sie kaum ein Geräusch. Wachsam hatten die honigbraunen Augen einen verschwommenen Punkt mitten in der Wüste fixiert. Nur ein erfahrener Jäger würde auf diese Entfernung hin überhaupt etwas erkennen. So verharrte sie einige Momente, schirmte die Augen mit der Hand zusätzlich ab und stierte angestrengt in die Ferne. Fast war sie sich sicher, doch fast allein reichte ihr nicht. Lautlos glitt sie weiter, ohne sich zu erheben, die sandfarbene Kleidung verbarg sie überaus wirkungsvoll.


Saajib, mein Herz, mein Sonne. Wie sehr ich wünschte du wärest hier. Oh Eluive! Diese Prüfung ist zu hart!



Schmerzlich zog sich ihr Herz zusammen und die Vergangenheit holte sie ein. Bilder schnellten wie Peitschenhiebe durch ihre Gedanken, sein Lachen, sein Blick, sein lebloser Körper vor der klagenden Mutter. Durchatmend drehte sie sich auf den Rücken, schob die Waffen seitlich und richtete den Blick gen Himmel. Bewusst atmete sie einige Male ein und wieder aus, verhielt sich ansonsten vollkommen still. Ein naher Beobachter hätte die Tränen erkennen können jene über ihre Wangen perlten und in der Wüstenhitze erstarben. Manchmal war es nicht einfach, manchmal vermisste sie ihn so schmerzlich das all die Jahre die sie einander hatten nur gering wogen.


Faarjad hatte verhindert das sie der Tradition folgte und Saajib auf seinem Weg zu Eluive begleitete. Tage hatte er sie eingesperrt als wäre sie noch immer ein kleines, ungezogenes Mädchen. Alle Flüche, Verwünschungen und jeder Anruf um Mitleid hatte ihn nicht bewegt. Neda, vielmehr hatte er darauf bestanden das sie dem Wunsch des Familienzweiges ihres Mannes nachkam und schleunigst Menek'ur aufsuchte. Nachdem sie ihr Gesicht wieder wahren konnte wurde sie dann auch umgehend, auf direktem Wege dorthin geschickt.
Es war freundlich dort, geschäftig, voller Lebendigkeit. Das Haus ein gemütlicher, sicherer Ort und sie fühlte sich nach wenigen Tagen schon wohl. Dennoch fehlte er ihr, sie war es nicht mehr gewohnt unter so vielen Frauen zu leben. Oft zog es sie hinaus, hinaus in die Sande unter Eluive's glühendes Auge. Hier war es als fühle sie ihn in jedem Windhauch, als sei er noch hier an ihrer Seite. So oft hatte sie ihn begleitet, so vieles erlebt und ohne ihn war sie irgendwie nicht vollständig. Fast als würde ein wichtiger Teil ihrer selbst fehlen.


... und du wirst immer in meinem Herzen sein, jeder Schlag ein Echo deines Namens


So lange langen die Worte zurück und kurz durchzuckte sie die Erinnerung, als sei es erst der gestrige Abend gewesen. Ein Lächeln verzauberte ihr Züge, brachte die ganze Schönheit der Jägerin zur Geltung und nach einem weiteren, tiefem Atemzug drehte sie sich um. Suchend glitten die dunklen Augen in die Ferne und beobachteten lauernd den kleinen, unscheinbaren Punkt. Ohne hinzusehen griff sie ihren Säbel und schob sich über die Düne hinweg um sich im Schutz der nächsten Düne näher heran zu schleichen. Zwei, höchstens vier Tage und sie wäre sicher.
Zuletzt geändert von Natisha Levana Yazir am Freitag 12. Oktober 2012, 02:40, insgesamt 1-mal geändert.
Natisha Levana Yazir

Beitrag von Natisha Levana Yazir »

Wenn der Tag vergeht und Eluives strahlendes Auge zur Ruhe findet, dann mein Herz bin ich bei dir. Erinnere mich wie es war in deinem Blick zu leben. Wo wir waren, was wir wollten und wie wir uns in Eluives Garten erneut begegnen werden.


Mit diesen Gedanken fasste sie die flackernden, roten Punkte ins Auge die sich für ihren Geschmack noch immer viel zu weit entfernt befanden. Fest ballte sich die linke Hand zur Faust, für sie würde es auch in dieser Nacht kein Feuer geben, keine Gesellschaft. Wieder hatte sie Fahima alleine zurückgelassen, sie wusste die kleine Blüte bei Ailyn, Khalida und Rija in Sicherheit. Ihre 'Ausflüge' waren länger und länger geworden und nun, konnte sie nicht zurück. So dicht war sie ihnen noch nie gewesen. Faarjad hatte es zu verhindern gewusst. Shaliaa Shirin und Shadiyah Najwa hatten ihr vier Tage in den Ohren gelegen und doch war sie taub für ihre Worte. Auch einer der Gründe warum Faarjad sie nach Menek'ur gesandt hatte. Sicherlich wollte er sie weit fort von 'ihnen' haben, weit fort von der Versuchung zu vergelten was geschehen war.



Ihre Erinnerungen schweiften zurück.

Faarjads dunkle, tiefe Brummstimme war zornig gewesen als er nach Hause kam. Nur ein Blick in die goldbraunen Augen ihres Vaters und sie wusste das die Vergeltung ausgeblieben war. Sein rabenschwarzes Haar war ordentlich zusammen genommen, zu seiner rechten stand Shaliaa zu seiner linken Seite Shadiya. Beide natürlich einen Schritt hinter ihm, doch keineswegs zu ignorieren.

>>Du bist wahrlich gesegnet Vater, immer sind deine Frauen hinter dir, selbst so es eine deiner Töchter ist die sich dir gegenüber befindet.<<

Kurz hatten ihn die Worte Lächeln lassen, doch verstand er ihr Anliegen durchaus und schickte die Beiden fort. Ihre Mutter bedachte sie mit einem langen Blick der irgendetwas in ihr anrührte. Ganz deuten konnte sie es nicht und so hob sie stolz das Kinn an und begegnete lieber seinem Blick. Inzwischen trug sie die 'Maske' jene ihr auferlegt worden war mit erschreckender Beständigkeit. Gespannte Schultern und eine viel zu gerade Haltung als auch einige, verräterische Gesten zeigten ihm jedoch sehr genau wie die Begebenheiten lagen.

>>Das Leben mag enden Natisha, die Liebe aber nicht. Deshalb sind es nicht wenige die ihrem Licht in Mutters Garten folgen. Du jedoch, meine Tochter, bist zu jung um ihren Garten zu schmücken. Für dich wird es ein Leben geben, nicht an seiner Seite aber im Gefallen Eluives und nahe deiner Familie. Mein Wunsch ist es, dass du lebst Levana, auch ohne Saajib<<

Deutlicher hätte er es nicht sagen können doch auch diesmal entglitt ihr die Maske nicht. Höflich und mit gesenktem Blick antwortete sie ihm mit weicher, dunkler Stimme.

>>Von Saajib wird immer etwas in meinem Herzen zurückbleiben. Etwas von seinen Träumen, seinen Hoffnungen, etwas von seinem Leben und alles von seiner Liebe. Die Erinnerung an ihn wärmt meine Seele wie Eluives strahlendes Auge ihre Kinder am Tage. Es waren viele gesegnete Jahre Vater. Du hast verhindert, dass ich ihm folge aber verlange nicht das ich nun ohne ihn mein Leben bestreite. Er wird immer einen Platz bei mir haben, hier...<<

Sie hatte sich mit der rechten Faust auf die linke Seite geschlagen, nahe ihres Herzens. Eine entschlossene Sicherheit in der Stimme und irgendetwas in ihrem Blick hatte selbst Faarjad bewegt nachzugeben. Er war an sie herangetreten hatte ihr die Stirn geküsst und die festen Arme um ihre zitternden Schultern gelegt. Noch nie war sie auf ihn so wütend gewesen, noch nie so empört und dennoch, die seltene Geste veranlasste sie sich einige Momente schwer gegen ihn zu lehnen. Eine bislang nicht gekannte Müdigkeit ergriff von ihr besitz und höflich gab sie ihm was er wollte.


>>Ich habe dich gehört Vater, ich werde gehen und dort leben. So Eluive will werde ich eines Tages an dein Feuer zurückkehren<<

>>Levana, du wirst einen neuen Pfad beschreiten, hier jedoch ruht derweil zu vieles was dich in der Vergangenheit hält und noch mehr was dein Lächeln schmälert. Du bist mir eine meiner liebsten Töchter, wunderschön, flink und in vielen Bereichen begabt. Doch die Qual jene dir dieser Ort bereitet spiegelt sich in deinen Augen wieder. Unser Haus ist groß und stark, unser Blut mächtig und wir sind zäh. Mach mich stolz meine Tochter und finde dein Lächeln wieder. Ich werde dir ein Jahr der Trauer im Kreis des Familienhauses in der goldenen Stadt gewähren, dann jedoch wirst du wie schon einmal deine Pflichten für die Familie erfüllen<<

So zärtlich seine Stimme zu Anfang der Worte war desto härter hätte der Schlag ihrer Bedeutung nicht sein können.
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