Er fehlte ihr so sehr.
Das Gegenstück, die bessere Hälfte, die andere Seite, ihr Zwilling. Zu viel war in den vergangenen Tagen passiert und das blasse, schmächtige Mädchen, welches sich wie ein ängstliches Kind gleich neben dem Fenster an die Wand drückte um nur einen mäßigen Blick in die Welt zu erhaschen, zog sich wie ein Einsiedlerkrebs mehr und mehr zurück in die Tiefen des Zimmers. Ruhe brauchte sie und davon nicht zu knapp. Ruhe und ein wenig Licht im Dunkeln. Anders konnte sie das beklemmende Etwas, welches ihr seit diesem Abend das Herz in der Brust sanft zerdrückte, nicht nennen.... pure Dunkelheit.
Dann war da eine weise Rose und ich sah nebelgraue Augen und plötzlich ein junger Mann, an dessen Hals ein Medaillon hing... dein Name wurde ausgesprochen und mehr... "Una und ICH"... es roch nach Wildrosen..."
Mehr hatte nicht gebraucht um etwas in ihrem Herzen und Kopfe zu zerbrechen. Sie fand sich wieder in einer hektischen Realitätsflucht, griff nach dem zu starken Rum, schrie und leugnete die Kraft des Baumes, welcher Cathal diese vermalledeite Vision beschert hatte. Es half nichts, das panische Sticheln in der Brust, einer glühenden Nadel gleich die wütete, ließ nicht nach.
Der Windstoß, welcher nur wenige Momente später durch das Fenster, von Stephen geöffnet um Frühlingsnachtluft in die Gaststube zu bringen, eine handvoll Rosenblätter mit sich brachte, gab ihr den Rest.
Fort, irgendwohin, niemand verstand sie, fort... wo war Viljo nur?
Leith starrte nur verwirrt auf die blutroten Blätter am Boden, Cathal murmelte etwas von wegen Zufall.
Zufall? Ja, sicher. Stephen hegte und pflegte seinen Garten draussen. Zufall, vielleicht hatte der ungestüme Lenzingswind diese Mitbringel einer blühenden Rose entrissen... genau.
Dieser Gedanke, ihre Familie und die freundlichen, doch ermahnend aufbauenden Worte Baygons hatten sie aus dem Zusammenbruch gerissen. Am Tage waren dann die schlimmsten Alpträume vergessen und der Morgen brachte immer wieder neues Durcheinander, in welches sie sich mit aller Macht zu werfen versuchte.
Der Unterricht kam ihr gelegen. Die Schüler waren so vielversprechend, engagiert und sie war kurz in ihrem Element. Nebenher arbeitete sie schriftlich die Punkte des Emirs nochmals auf einem frischen Schöpfbogen aus um sie dem Hochgelehrten zukommen zu lassen und zuletzt war da auch noch plötzlich Alleen... der Tag hatte so etwas wundersames Gutes mit sich gebracht.
Doch jetzt war es Nacht und auf dem Fensterbrett lagen die getrockneten Blätter, deren Anblick die Gestalt des Mädchens zum beben brachten.
Sie erinnerten sie nur zu deutlich an ihre selbstkonstruierte Lüge, denn im Lenzing blühten keine Rosen.......
Wildrosenduft... Kailen
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Cathal Llastobhar
Spät am Abend noch schritt er unruhig, wie ein Tier im Käfig, die Dielen seines Zimmers in Varuna auf und ab. Zwar hätte der Tag ihn viel körperliche Kraft kosten sollen, dennoch brannte der Tatendrang in ihm und mit dem Wissen nun die rechten Wege gefunden zu haben, wollte er einige Fragen am liebsten jetzt sofort lösen.
Una hatte alles verneint, Leith scheinbar nur unbefangen und plaudernd nachgefragt, doch sein Blick hatte sich etwas fiebrig unstet gewandelt. Wie würde Viljo darüber urteilen- über Cathals Vision am Baum des Lichtes? Sollte er auch nur annähernd ähnlich wie sein Vetter denken, so würde Viljo wütend aufbrausen. Sein Hass gegenüber ihm... Kailen... war sprühend.
Cathals Brauen verzogen sich und ein Schatten überzog sein junges Gesicht, als ihm einige Bilder der Vergangenheit bewusst wurden.
Stets hatte man ihn und Kailen verglichen, wo sie doch vom Alter her nur wenige Jahre auseinander und dennoch Onkel und Neffe waren.
Allein das feingeschnittene, ebene Gesicht. Die sanften Züge, welche beide wohl zu gutaussehenden jungen Männern machten, hielten den Vergleich nicht fern. Doch dann wurde es schwer, unglaublich schwer. Kailen selbst stellte für die Familie schon ein Buch mit sieben Siegeln dar.
Immer ein höhnendes, spöttisch und sarkastisches Lächeln entstellte seine Züge etwas und nahmen die milde Güte aus seinem Antlitz. Dafür jedoch funkelten die eisfarbenen Augen kalt und wachsam. Seine tiefe Stimme sprach Ironie, bittersüßen Spott und troff dann vor Hass.
Eoin, Onkel Cathals und Vater der Zwillinge, Bruder Kailens nahm diesen in Schutz, wenn er ihn auch wie einen unartigen Schuljungen zu rügen versuchte. Vielleicht hatte dies einmal gewirkt, jetzt jedoch war es zu spät um den erwachsenen, düsteren Mann zu formen. Ione, Cathals Mutter und Schwester des Tunichtgutes wurde stets traurig und schwach, wann immer sie mit ihm sprach... und was den Rest der Familie betraf. Nun, darüber war Cathal im Ungewissen.
Ebenso verstand er Unas Unbehagen, doch nicht ihre Angst. Es war ein alberner Spruch seitens Kailen gewesen- nur ausgesprochen um Viljo aufzuhetzen und das Mädchen zu erschrecken. Er konnte es nicht ernst gemeint haben, oder? Was war vorgefallen zwischen den dreien?
Heftig schüttelte er den Kopf und ballte dann die Hände zu Fäussten.
Wie dem auch sei, Eoin hatte Kailen damals vorerst aus seinem Hause geworfen und sie schienen sich erst letztes jahr versöhnt zu haben.
Rafaels Verdacht klang alarmierend in Cathals Hinterkopfe und schnell schob er ihn beiseite. Nichts war klar... nichts über Kailen... ausser, dass er ihm entgegentreten würde, wenn die Schritte des Onkels sich als verhängnisvoll herausstellen würden!
Una hatte alles verneint, Leith scheinbar nur unbefangen und plaudernd nachgefragt, doch sein Blick hatte sich etwas fiebrig unstet gewandelt. Wie würde Viljo darüber urteilen- über Cathals Vision am Baum des Lichtes? Sollte er auch nur annähernd ähnlich wie sein Vetter denken, so würde Viljo wütend aufbrausen. Sein Hass gegenüber ihm... Kailen... war sprühend.
Cathals Brauen verzogen sich und ein Schatten überzog sein junges Gesicht, als ihm einige Bilder der Vergangenheit bewusst wurden.
Stets hatte man ihn und Kailen verglichen, wo sie doch vom Alter her nur wenige Jahre auseinander und dennoch Onkel und Neffe waren.
Allein das feingeschnittene, ebene Gesicht. Die sanften Züge, welche beide wohl zu gutaussehenden jungen Männern machten, hielten den Vergleich nicht fern. Doch dann wurde es schwer, unglaublich schwer. Kailen selbst stellte für die Familie schon ein Buch mit sieben Siegeln dar.
Immer ein höhnendes, spöttisch und sarkastisches Lächeln entstellte seine Züge etwas und nahmen die milde Güte aus seinem Antlitz. Dafür jedoch funkelten die eisfarbenen Augen kalt und wachsam. Seine tiefe Stimme sprach Ironie, bittersüßen Spott und troff dann vor Hass.
Eoin, Onkel Cathals und Vater der Zwillinge, Bruder Kailens nahm diesen in Schutz, wenn er ihn auch wie einen unartigen Schuljungen zu rügen versuchte. Vielleicht hatte dies einmal gewirkt, jetzt jedoch war es zu spät um den erwachsenen, düsteren Mann zu formen. Ione, Cathals Mutter und Schwester des Tunichtgutes wurde stets traurig und schwach, wann immer sie mit ihm sprach... und was den Rest der Familie betraf. Nun, darüber war Cathal im Ungewissen.
Ebenso verstand er Unas Unbehagen, doch nicht ihre Angst. Es war ein alberner Spruch seitens Kailen gewesen- nur ausgesprochen um Viljo aufzuhetzen und das Mädchen zu erschrecken. Er konnte es nicht ernst gemeint haben, oder? Was war vorgefallen zwischen den dreien?
Heftig schüttelte er den Kopf und ballte dann die Hände zu Fäussten.
Wie dem auch sei, Eoin hatte Kailen damals vorerst aus seinem Hause geworfen und sie schienen sich erst letztes jahr versöhnt zu haben.
Rafaels Verdacht klang alarmierend in Cathals Hinterkopfe und schnell schob er ihn beiseite. Nichts war klar... nichts über Kailen... ausser, dass er ihm entgegentreten würde, wenn die Schritte des Onkels sich als verhängnisvoll herausstellen würden!
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Leith Llastobhar
Er saß auf einem Stuhl in der Herberge zu Varuna und starrte auf seine Füße.
Wieso nur hatte er es ihm gegeben? Immer öfter stieß diese Frage spitz wie ein Pfeil durch seinen Kopf und bohrte sich tief in seine Gedanken.
Es konnte nicht stimmen... nichts von dem was seine Verwandten sagten konnte stimmen. Kein böser Kailen, nicht im Traum. Woher denn auch?
Sein Onkel hatte ihn benutzt und letztendlich in diesem einen Moment, als er dort verlassen auf einem Stuhl in einer Herberge saß, wurde ihm klar, dass es nur eine Erklärung dafür geben konnte.
Er wollte diese Erklärung nicht wahrhaben. Wohl dutzende Male spielte er den Ablauf in seinem Kopf wieder. Immer und immer wieder dachte er an den Tag in der Höhle. Irgendetwas hatte ihn dazu bewegt dieses Ding mitzunehmen. Etwas ungreifbares.
Und die Worte Kailens hallten in seinem Ohr wieder: "Nimm es, und bring es mir"
Leith sah zum Fenster. Hatte Cathal etwas bemerkt? Hatte er sich verplappert? Was würde geschehen, wenn sie es herausfinden würden? Könnte er sie von seiner Unschuld überzeugen? Warum hatte Kailen ihn belogen? Wie sollte er sich verhalten, wenn Kailen noch einmal in seine Nähe kam?
Die Fragen stapelten sich zu Bergen und zerrten an seinem Verstand. Diese Rosenblätter... waren sie ein Zeichen?
Una und Cathal würden ihn vermutlich dafür hassen... so wie sie 'Ihn' hassten. So wie 'Ihn' Tuirean und Ginessa hassten. Vielleicht lagen sein Vater und seine Mutter doch nicht so falsch, als sie versuchten Leith von Kailen fern zu halten. Und was war mit ihren heimlichen Vermutungen?
Leith hoffte, dass sich alles zum Guten wenden würde. Er seufzte aus tiefstem Herzen, hob den Blick und stand auf.
Wieso nur hatte er es ihm gegeben? Immer öfter stieß diese Frage spitz wie ein Pfeil durch seinen Kopf und bohrte sich tief in seine Gedanken.
Es konnte nicht stimmen... nichts von dem was seine Verwandten sagten konnte stimmen. Kein böser Kailen, nicht im Traum. Woher denn auch?
Sein Onkel hatte ihn benutzt und letztendlich in diesem einen Moment, als er dort verlassen auf einem Stuhl in einer Herberge saß, wurde ihm klar, dass es nur eine Erklärung dafür geben konnte.
Er wollte diese Erklärung nicht wahrhaben. Wohl dutzende Male spielte er den Ablauf in seinem Kopf wieder. Immer und immer wieder dachte er an den Tag in der Höhle. Irgendetwas hatte ihn dazu bewegt dieses Ding mitzunehmen. Etwas ungreifbares.
Und die Worte Kailens hallten in seinem Ohr wieder: "Nimm es, und bring es mir"
Leith sah zum Fenster. Hatte Cathal etwas bemerkt? Hatte er sich verplappert? Was würde geschehen, wenn sie es herausfinden würden? Könnte er sie von seiner Unschuld überzeugen? Warum hatte Kailen ihn belogen? Wie sollte er sich verhalten, wenn Kailen noch einmal in seine Nähe kam?
Die Fragen stapelten sich zu Bergen und zerrten an seinem Verstand. Diese Rosenblätter... waren sie ein Zeichen?
Una und Cathal würden ihn vermutlich dafür hassen... so wie sie 'Ihn' hassten. So wie 'Ihn' Tuirean und Ginessa hassten. Vielleicht lagen sein Vater und seine Mutter doch nicht so falsch, als sie versuchten Leith von Kailen fern zu halten. Und was war mit ihren heimlichen Vermutungen?
Leith hoffte, dass sich alles zum Guten wenden würde. Er seufzte aus tiefstem Herzen, hob den Blick und stand auf.