Focus, Fetisch, Gea

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Demoar Llastobhar

Focus, Fetisch, Gea

Beitrag von Demoar Llastobhar »

Ein weit geschlagener Bogen:
  • "Zuweilen ist es der Blick ins hellste Licht, der uns danach die tiefste Dunkelheit beschert."
    aus dem Tagebuch Demoar Llastobhars
Schlicht zu sagen, es hatten sich ein paar Dinge ereignet, seitdem er von seiner Reise zurückgekehrt war, wäre wohl eine milde Untertreibung gewesen.
Kaum hatte er eine der transzendenten Ebenen verlassen und seinen Fuss ins Diesseits begeben, schienen sich die Ereignisse schier zu überschlagen. Einen Grund mehr, dass Demoar sich seit Langem einen Moment gesehnt hatte, in Ruhe und Abgeschiedenheit darnieder zu sitzen und über die geschehenen Ereignisse etwas zu reflektieren.

Eigentlich war die Reise mit höchster Dringlichkeit angebrochen worden - eigentlich gebot die Sache selbst äußerste Eile. Viel zu groß war nach der Zerstörung Varunas die Gefahr, dass man sich in der neuen trügerischen Sicherheit Adorans ein warmes Nest bauen würde, um zu vergessen, was vorgefallen war, um die Sorgen und die Trauer dieser Tage hinter sich zu lassen und dann .. nachdem sich der Nebelrauch des Krieges gelegt hatte, eines Tages von einem gewaltigen Drachenwesen am Himmel auf den Harten Boden der Realität gezerrt zu werden:
Damals wie heute war Adoran keinen Deut besser gewappnet gegen die unvergleichliche Zerstörung, die den Mächten des Lichtreiches in Form dieses Drachen entgegen geschlagen war. Und dabei hatten die Versuche so viel versprechend begonnen. Die Völker der Lichteinigkeit hatten zusammengearbeitet, als seien sie von ihren Gottheiten höchstselbst darauf vereidigt worden. An allen Enden versuchte man, etwas über dieses Wesen in Erfahrung zu bringen, Schwachstellen ausfindig zu machen, Hinweise in Geschichtsbüchern zu erhaschen..
und doch würde jedweder Fortschritt mit einem Flügelschlag zunichte gemacht, mit einem Feuerodem brannte die Stadt, es starben hunderte tapferer Verteidiger und unschuldiger Bürger.. nur um wenig später auf ewig ein unheilvolles Dasein zu fristen.

All dieser Schrecken hatte bis heute nur die Linderung erfahren, die jedes Unheil durch den Schliff der Zeit erfährt. Demoars Befürchtung war lange keine blose Narretei mehr. Man würde Varuna wohl nicht vergessen, aber man hatte die drohende und unmittelbare Gefahr aus den Augen verloren. Jeden Tag hätte sich dieser Drache wieder in die Lüfte erheben können und eine weitere Stadt des Lichtreiches in Schutt und Asche verwandeln können.

Eben dies war der Grund für eine Reise, die ihren Ursprung in Eiligkeit gefunden hatte. Und aus einem dringlich einberufenen Konzil an der königlich-alumenischen Akademie der magischen Künste, das der Klärung der Ereignisse dienen sollte, wurden Wochen und Monate der Unterredung und Diskussion. Der Forschungen theoretisch, wie der praktischen Feldversuche. Immer wieder schlichen sich Ablenkungen ein und immer wieder geriet die Brisanz der Sache in das Hintertreffen.
Was also hätte sich nach all diesen Monaten an der Akademie noch besser anbieten können, als ein Abstecher nach Tiaresh? Eine Familienwiedersehen mit Una und Feoras.. und Mio und Lir. Und vielleicht waren auch Ayalis, Sorcha, Tarleed oder Leith bei ihnen. Seit viel zu langer Zeit hatte Demoar nichts mehr von seiner Familie gehört. Kein Brief, keine magischen Boten, die mühelos hätten große Distanzen überwinden können - keine einzige Nachricht. So also war der Schluss schnell gefasst, dass ein Schritt in die Transzendenz einerseits hätte mit einem Schritt hinaus nach Adoran enden können, oder aber mit einem Schritt in das Arbeitszimmer der Magierburg auf Tiaresh... und so sollte es kommen.

Die folgenden Monate sollten Demoar ein seit Langem verlorenes Gefühl der Zugehörigkeit und Nähe wiederbringen. Das Wiedersehen mit seinen Verwandten war herzlich und die Zeiten vergingen wie im Fluge. Nur die wenigen Unterredungen zwischen ihm und Feoras und Una, die sich mit Magie und den Unglücken um Varuna befassten, hielten Demoars Blick zumindest noch ein wenig auf das eigentliche Ziel gerichtet. Und so war zwar die Sache nicht vergessen... die Brisanz war aber schon angesichts der Länge, die seine Reise bisher gedauert hatte, vollends verwischt. Glücklicherweise waren es eben jene Alltagsgedanken, die sich nach einige Monaten des Lebens in Tiaresh einschlichen und Demoars Gedanken in die Ferne trieben. Eben jener Alltag war es gewesen, der eines Menschen Geist vom Hier und Jetzt emporhebt und ihn sich fragen lässt, was es sonst noch gibt - was sich dort draussen verbirgt, hinter dem was wir kennen und sehen. Und was dort verborgen war, wusste Demoar. Nicht dass er seinen Beweggrund vergessen hätte, er wusste noch immer weswegen er unterwegs gewesen war. Doch nun hatte er keinen Vorwand mehr, seine Rückreise weiter hinauszuzögern. Und mit jedem weiteren Tag, den er fernab von Adoran verbrachte, mehrte er seine Schuldgefühle, seine Reise nicht schon viel eher beendet zu haben. Und so fiel die Verabschiedung in Tiaresh sehr viel kürzer aus, als es seine Begrüssung gewesen war.

Auf seine Rückreise von Tiresh nahm er wenig Dinge mehr mit, als er hatte, als er dort angekommen war:
Ein Buch von Olbi dem Älteren.. und ein gedankenverlorenes Lächeln.
Demoar Llastobhar

Beitrag von Demoar Llastobhar »

Ein allabendliches "Lagerfeuer":
  • "Es reicht allein das Nichtstun, und wir werden alle vergehen."
    aus dem Tagebuch Demoar Llastobhars
Er war dieser Tage des Öfteren bei Tirell. Früher hatte er schon einmal eine Phase, in der wieder und wieder zu diesen Ruinen zurückkehrte und sich der Frage hingab, was damals wohl hier geschehen war. Natürlich war er als damaliger Scholar nicht zu einer Antwort gekommen - und wahrscheinlich würde es dieses Mal gleich sein, .. doch als er in der Taverna sass und an seiner lauwarmen Milch nippte, überkam ihn die unheilvolle Vorstellung, dass Tirell bereits das gleiche Schicksal ereilt war, was er fürchtete, dass es Varuna erst noch ereilen würde: Vergessenheit und Gleichgültigkeit. Er nippte an seiner Milch.

Hier war vor vielen Jahren etwas geschehen, das nie aufgeklärt worden war. Manche behaupteten, die Explosion sei ein Unfall gewesen, andere sagten, die Arkorither hätten ihre Finger im Spiel gehabt.. und alle anderen der schier zahllosen Erklärungsversuche wichen immer nur noch weiter von einem etwaigen Realitätsanspruch ab und ergaben sich schliesslich vollends wirrer Spinnerei. Gemein ist allerdings diesen beiden schrecklichen Begebenheiten gewesen, dass sie nie richtig aufgeklärt worden sind und dass sich auch schon niemand mehr für deren vollständige Aufklärung interessierte.. und dass man eine Wiederholung eben dieser Tatsache wegen nicht abwenden könnte. Und nachdem sich Demoar dieser Tage sowieso sehr oft in Gedanken über die Zerstörung Varunas ergang, war es doch nur treffend, sich auch gleich noch über die Apathie zu ärgern, mit der die Zerstörung Tirells Quittiert worden ist. Er nippte an seiner Milch.

Gerade als sich seine Gedanken wieder den Flammen zuwenden wollte, die scheinbar seit Jahren nagend am Stein der Tireller Mauern züngelten, ohne ihn jedoch bisher vollends in die Knie gezwungen zu haben, trat eine Gestalt durch den mit Hecken flankierten Eingang des Gasthofes. Er erkannte sie sofort, seine Züge erhellten sich und das Glas wurde achtlos beiseite gestellt. Er hatte Anoriell dieser Tage hier oft getroffen und sie hatten viele interessante Diskussionen führen können. Und so war es gekommen, dass er erfuhr, dass er, Phanodain sei dank, nicht der einzige gewesen war, der sich mit solcherlei Sorgen herumplagte. Er erfuhr von einer Gemeinschaft, die sich Zielen verschrieben hatte, die Demoar gerne für sich selbst postulierte. Die Bekämpfung der erstarkenden Dunklen Heerscharen Rahals, das Stirnbieten der Arkorither, die Verfolgung der Rabendiener. Aber ebenso die Analyse magischer Phänomene - so man denn die brennenden Ruinen Tirells als solche bezeichnen konnte. Wenn nicht Tirell, dann war doch zumindest das Drachenwesen, dessen Odem Varuna bis auf die Grundmauern niederbrannte und dessen Unheilige Präsenz Bekannte und Geliebte wieder in ein untotes Leben zurückriss, ein Phänomen ganz gleich welcher Natur, das aufzuklären in Demoars Augen höchste Priorität hatte. Er musste seine Gedanken von all diesem Groll und der Unruhe hinfort zwingen - denn in eben diesem Augenblick hatte Anoriell ihn mit sich gewunken. Heute sollte er in die Reihen der Erben aufgenommen werden. Und mit einer Vorfreude, die ihn das letzte Mal überkommen hatte, als er in den Rang eines Discipulus erhoben worden war, erhob er sich sprunghaft von der Bank und folgte der Elfe.
Demoar Llastobhar

Beitrag von Demoar Llastobhar »

Vermittels alten Wissens:
  • "Eine Sekunde zurückblicken und denken erspart oftmals zwei Sekunden nach vorne schaun und seufzen."
    aus dem Tagebuch Demoar Llastobhars
Sich an alter Tage Wissen zurück zu entsinnen, ist wahrlich schwer. Doch wenn es Wissen gewesen war, dass man sich mühseelig in Monate langer Analyse erarbeitet hatte, dann konnte auch das noch so älteste Wissen nicht so einfach dem Verfall durch die Zeit anheim fallen.
"Novize".. Demoar konnte sich eines Schmunzeln wahrlich nicht erwehren, als ihm als neues Mitglied der Erben dieser Rang verliehen worden war. Er also, als neuer Novize der Erben, hatte eine Aufgabe übertragen bekommen, die seine Würdigkeit um die Vollmitgliedschaft in den Reihen der Erben beweisen sollte. Und aufgrund seiner vergangenen Studien war etwas gewählt worden, was sowohl im Einklang mit den mittelfristigen Zielen der Gemeinschaft als auch mit Demoars Spezialgebieten stand. Es ward ihm also aufgefragen worden, ein Artefakt von bisher ungeahnten Ausmaßen zu erdenken. Allerlei kleine Artefakte, die er bisher geschaffen hatte, oder die weithin Verwendung fanden, würde dieses eine in den Schatten stellen. Selbst seine inzwischen sehr tiefen und gefestigten Kenntnisse in diesem relativ schwach beleuteten Teilgebiet der Magie würden durch diese Aufgabe auf eine harte Probe gestellt werden.
Sein Blick wanderte hinab zu der Kette, die er in der Hand hielt. Seit einigen Jahren hatte er nun das Custos Imaginis gefertigt. Sein erstes Artefakt sollte bis heute auch noch immer die Krönung seiner artefaktmagischen Bemühungen bleiben. Nicht dass er inzwischen nicht mächtigeres hätte zu Wege bringen können, er hatte bisher schlicht nur nie wieder solch einen Aufwand betrieben, um ein Stück magischer Materie zu formen. Er konnte sich heute noch wieder und wieder dabei ertappen, wie er in Gedanken verloren die ineinander greifenden Symbole der Unendlichkeit mit dem Finger nachfuhr und den warmen rötlichen Funken folgte, die unablässig durch das ansonsten lupenreine Silber schossen. Der Verschluss, der mittels Gedankenkraft seine Form gewann und sich öffnete, nur um beim Aneinanderführen der beiden Verschlussstücke abermals zu verschmelzen und sein Wesen dem Rest der Kette gleich der Unendlichkeit preiszugeben.
Er hatte diese Kette seit ihrer Herstellung zur Krönung seiner Veneficusprüfung immer wieder vom Hals genommen, um bei einem Glas warmer Milch ihre Glieder nach zu fahren und dabei seine Gedanken auf lange Reise zu schicken und mit der Lösung komplexer Problematiken zu betrauen. Und nun sollte dieses sein erstes Machwerk Grundlage werden für einen Fokus, der Magie kanalysiert und erhält.

"Lundor Kandras..." murmelte Demoar, als er einen der dicken alten Wälzer aus wuchtigen Bücherregal zerrte und ihn auf dem ächzenden Tisch fallen liess. Seine Werke hatten die Wege der Artefaktmagie geebnet und auch Demoar den Einblick in diese Thematik eröffnet. Über die Jahre hatte sich auf dem Schinken eine feste Kruste verdickten Staubes gebildet, die beim Aufprall nun abblätterte und den Tisch und die anderen Pergamente, die dort wahllos verstreut lagen, verdeckte. Daraufhin zog der Magier noch zwei weitere nicht minder umfachreiche Machwerke großer Geister aus dem Regal und verteilte sie auf dem massiven Eichentisch. Ein Glas warmer Milch zur Hand begann er die Lektüre...
Demoar Llastobhar

Beitrag von Demoar Llastobhar »

Von flammenden Vögeln und steinernen Köpfen:
  • "Man muss im Schatten großer Geister stehen, um den Willen zu entwickeln, über sie hinaus zu wachsen."
    aus dem Tagebuch Demoar Llastobhars
Die letzten Wochen waren nur einmal mehr im Fluge vergangen. Es hatte den Anschein, als hätte die letzte Flut ein Schiff in Adorans Hafen einlaufen lassen, das einen ganzen Bankettsaal des königlichen Hofes einverleibt und dann im Adoraner Hafen ergossen hatte. So zumindest fühlte es sich als, als man sich von jetzt auf gleich überall von "von"s und Edelmännern und Hochgeborenen umgeben fühlte.

Vielleicht war der Gedanke ja zynisch, dass es zumindest bald zwei weniger seien konnten: Immerhin waren zwei von ihnen im Begriff die unsäglich schwere Laufbahn eines Schülers der arkanen Künste anzutreten. Und ihre erste Aufgabe hatte direkt sein sollen, um Ihr Seelensiegel zu kämpfen. Für wahr, was ihm erzählt worden war - wie sich die Angelegenheit um den Feuervogel hatte zutragen sollen - das klang alles sehr fantastisch. Und doch.. das Mysterium des Seelensiegels und die Gaben und die Entscheidungsgewalten der Schöpfergöttin - sie waren mit unter einer der am sträflichsten vernachlässigten Bereiche der Magie. Obgleich das Gesamtgebilde in sich schon keine Ende kennen wollte, und jedem geneigten Forscher, der versuchte, tiefer einzudringen, um letztlich behaupten können, doch noch des Pudels Kern entdeckt zu haben, auf der nächsten entdeckten Ebene nur eine noch größere Anzahl von Türen und Möglichkeiten eröffnete, liess sich wohl mit Fug und Recht behaupten, dass das Seelensiegel ein Mysterium sondergleichen war.

Umso enttäuschender, dass nun zwei menschliche Seelen daran gebunden waren, dass man hier besonnen und zügig handelte. Ein weiterer eigenartiger Umstand: Das zeitweise Verlieren des Seelensiegels war noch nirgendwo dokumentiert worden. Die Fachkundigkeit der Magii am königlichen Hofe wollte sich doch gemeinhin damit erschöpfen, dass festgehalten worden war, dass eine jede Beobachtung, die zum Gegenstand hatte, dass einem magisch veranlagten Wesen auf die eine oder die andere Art sein Seelensiegel entrissen worden war, unweigerlich mit dessen sofortigen, qualvollen Tod einhergehen würde müssen.
Und hier nun hatte man nun, neben den beiden Adeligen, in Summe vier Gegenbeispiele - direkt eine Menge, die sich nicht mehr mit mangelnder statistischer Signifizanz hinweg diskutieren lassen würde. In jedemfall würde dieser Umstand ein schreiben an das königliche Collegaeum der Arkanen Künste wert sein.
Das diesem Schrieb vorbestimmte Pergament lag bereits bereit.

Zu allem Überfluss wollte diese schwierige Zeit nicht nur unerfahrene Adelige Magier nach Adoran locken, sondern auch gestande Magier mit anerkannten Magisterwürden. Wenngleich Demoar ihn noch beileibe nicht lange genug in Augenschein nehmen konnte, um seinen Wert zu bemessen, machte die Vorstellung ihm ein schwierig zu fassendes Unbehagen...

Mit einem Seufzen lies Demoar für einen Moment ab von diesem Gedanken und der Blick wanderte hinaus auf den spartanisch gefassten Balkon des Rektoriats. Dass er hier nun sass, war ein weiterer jener unglückseeliger Umstände, die in letzter Zeit sich zu häufige pflegten. Praeceptor Apex de Feruin war schon seit Monaten nicht mehr gesehen, keine Anzeichen über ihren Verbleib. Also hatte man sich zur Nachfolge in Form Demoars entschieden. Wie genau ihn Lilian nun letztlich zu dem Kopfnicken bewogen hatte, dieser Gedanke wollte ihm jedes Mal wieder entfleuchen. Hatte er die magischen Befähigungen dieser jungen Frau unterschätzt?
Es hatte letztlich keinen Wert, den momentanen Umstand zu bedauern. Es war nicht das erste Mal, dass Demoar mit der Leitung einer Akademie betraut worden war. Und so begann er, das Alltagsgeschäft durchzusehen und in sich in seinen freien Stunden den besonderen Aufgaben Aufmerksamkeit zu schenken. Zu eben jenen sollte die Anfertigung einer Büste Alindra de Feruins als Akademieleiterin für die Ahnengalerie genauso gehören wie die Korrespondenzen zur Academia Arcana bezüglich gemeinsamen magischen Austausches. Als er dieser Tage vor den steinernen Büsten der Gründerväter von Konvent und Konzil stand, hatte ihn direkt diese eigenartige Beklemmung erfasst, die ihn immer überkam, wenn er an die alten Zeiten zurückdachte. Die Gegenwart großer Geister wie der Arcomagii von Gryffenhorst und de Jagotin und Una natürlich. Hier standen ihre Köpfe in Reihe versehen mit ihren Errungenschaften und Titel. Und hier ermahnten sie ihn immer wieder daran, dass er sich würde messen lassen müssen, an Größen, die das Reich und die Magie selbst zu verändern im Stande gewesen waren. Und hier war auch der Platz und der Moment, in dem er für sich immer wieder den Mut fassen konnte, diese Herausforderung anzunehmen.

Es bedurfte noch eines kurzen Kopfnickens, ehe er den ersten Bogen Pergament heranzog, und die Feder kratzend das Papier berührte.
Demoar Llastobhar

Beitrag von Demoar Llastobhar »

Intermezzo: Ein Brief nach Übersee
Die förmliche Depesche war zusammengerollt, mit Wachs gesiegelt und dem Boten übergeben. Es würde sicher einige Zeit brauchen, bis dieses Schriftstück seinen Bestimmungsort erreichen würde, doch die Thematik musste dokumentiert werden.
Erst beim Bruch des Siegels würde sich folgender Inhalt offenbaren:



Konzil des Phönix'
Königlich Alumenische Gesellschaft der Arkanen Künste
28. Goldblatt 255

Unter den wachen Augen der Seherin,
im Streben nach dem Wissen und der Weisheit Phanodains,
und dem verehrten Kronprinzen zur Ehre,


Entsendet das Konzil des Phönix seine achtungsvollen Grüße an den alumenischen Magierkonvent. Nach meiner Abreise am Konvent vor einigen Wochenläufen trugen sich hier auf Gerimor vielerlei Ereignisse von verschiedenster politischer Tragweite zu.
Die wichtigste und meiner Ansicht nach bemerkenswerteste Begebenheit war aber nicht politischer sondern durch und durch magischer Natur. Ich sah es entsprechend als meine ureigenste Pflicht an, den Konvent und seine erlauchten Mitglieder unverzüglich in Kenntnis zu setzen.

Es trug sich auf Gerimor in Adoran, der Hauptstadt des Herzogtums Lichtenthal, zu, dass vier junge Magii ihrer Gabe beraubt worden sind. Obwohl dieses Unterfangen über die Maßen schwierig ist und bislang nur seltenst erfolgreich durchgeführt werden konnte, ist im Konvent allerdings bereits aktenkundig, dass dergleichen sehr wohl geschehen kann. Alle bisher protokollierten Begebenheiten endeten allerdings mit dem unweigerlichen und qualvollen Tod des Beraubten.
Indes waren die vier Personen, von denen mein Bericht handelt, alle bei klarem Bewusstsein und bester Gesundheit. Es handelt sich namentlich um:
  • Eluine Ahton
    Nathanael von Schwarzburg
    Nivra von Gravenmoor
    Snello Ganter

Ich lies mir berichten, wie sich der Raub ihrer Gabe zutrug. Es erschien wohl einem jeden der vier ein großer Feuervogel, der sie mit einer Aufgabe betraute und ihnen als Belohnung die Wiedererlangung ihrer Gabe in Aussicht stellte. Kurz darauf manifestierten sich vier schillernde Blüten vor dem Konzil des Phönix', die mit jedem verstrichenen Tag Blätter verloren.
Bisher stützen sich unsere Theorien weitgehend auf Vermutungen, wir können, was diese Angelegenheit betrifft, wenig mit Gewissheit sagen. Und doch, vermute ich, dass es diesem Wesen möglich gewesen sein muss, das Seelensiegel zu extrahieren und temporär zu manifestieren. Es bleibt anzunehmen, dass nach einer gewissen Zeit diese Manifestation in sich zusammen bricht und das Seelensiegel vergeht. Das würde dann aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem bisher in den Archiven protokollierten Tod des Trägers einhergehen. Das Konzil und seine Mitglieder bemühen sich nach bestem Wissen, den vier genannten Personen in dieser schwiergen Phase beizustehen und sie bei der Bewältigung ihrer Aufgaben zu unterstützen.
Da alle vier von ihnen bisher keinerlei magische Ausbildung genossen haben, fiel es ihnen nachvollziehbarerweise sehr schwer, das Ausmaß ihrer misslichen Lage zu erfassen. Selbst für die Magistri des Konzils ist es schwierig, die Lage korrekt einzuschätzen. Als ich gefragt worden bin, was es mit dem Seelensiegel auf sich habe und wie es sich zutragen könne, dass ein magisches Wesen ihnen dieses entreisst, wurde mir nur einmal mehr vor Augen geführt, wie sträflich dieser essenzielle Bereich der Magie bisher vernachlässigt worden ist. Aus diesem Grund schreibe ich dem Konvent und berichte über diesen Fall. Ich werde mich bemühen, alle relevanten Informationen zu sammeln und zu analysieren. Den Konvent werde ich dabei über aktuelle Informationen und Erkenntnisse unterrichten.

gez. Demoar Llastobhar
Praeceptor Apex des Konzils des Phönix'
Königlicher Hofmagus unter Ador I
Zuletzt geändert von Demoar Llastobhar am Sonntag 28. Oktober 2012, 16:56, insgesamt 1-mal geändert.
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