„FEUER!“ - es brannte. Die Flammen reckten sich lodernd, alles verzehrend in Richtung Himmel während von hastiger Hand Eimer um Eimer, gefüllt mit Wasser zur nächsten gereicht wurde. Die kleine Ortschaft war wach,fast jeder hetzte durch die vom flackernden Feuer erhellte Dunkelheit, versuchend seinen Beitrag zu leisten. Fast jeder. Am Rande des ganzen, gerade knapp außer Reichweite der lodernden Hitze, welche die Helfer immer mehr zurückdrängte, stand ein Mädchen, fast schon eine Frau, und starrte mit großen, weit aufgerissenen Augen in die vernichtenden Flammen und rieb sich nur schwach den Dreck und den Ruß aus dem Gesicht welcher sie bald vollends bedeckte. An ihr hetzten Fortwährend die Leute vorbei, das modrige Brackwasser aus dem Dorfteich schöpfen, das sonst nur ein plagende Brutstätte für die Mücken war. Sie stand still, blickte fortwährend in den Wall aus Flammen während die Dorfbewohner zunehmend aufgaben und die mit gepanschtem Schlamm gefüllten Eimer lieber über die Strohdächer der nahen Hütten schütteten.
Dabei hatte der Tag völlig anders begonnen.
"Meine Güte, das junge Fräulein ist mal wieder so nützlich wie ein Sack schimmelnder Kartoffeln!" gewichtig nickte die etwas fülligere Küchendame und stemmte murrend die recht massiven Arme in die Seite, gab ihrer Hilfsmagd mit einem weiteren Nicken zu verstehen das sie nochmals den Weg nach oben auf sich nehmen sollte um nachzusehen ob sich der Hausfeind Nummer eins des Küchenpersonals schon bequemt hatte aufzustehen. Mit raschen Schritten huschte das junge Küchenmädchen die Treppen hinauf und klopfte sachte an der Tür. „Fräulein, man erwartet euch schon zum essen!“ - „Ich komm ja gleich“, kam es etwas herrisch und mit nöligem Unterton hinter der Tür hervor und tatsächlich, hörte man hinter der Tür ein leises Ächtzen, gefolgt von einigen raschen Schritten bevor sich nach einer halben Ewigkeit die Tür öffnete und ein junge Frau mit roten Haaren in einem edlen Kleid zu erkennen gab.
Es versprach ein wirklich angenehmer Tag zu werden. Zwar wartete am Mittag ihr Lehrer mit den Rechenkünsten auf und noch ein wenig später wurde sie in Sittlichkeit belehrt. Eine der grausamsten Beschäftigungen die sie zuweilen ertragen musste. Stillsitzen, knicksen, nicht schlürfen, alles ihrer Mutter zuliebe die sie doch so gern wohlerzogen sah. Sie hatte vor aus ihrer Tochter eine Dame zu machen, eine Dame von Welt. Was die Welt mit dem Dorf zu tun hatte in dem sie lebte und über das ihr Vater faktisch gebot, wurde ihr dabei nicht so recht klar, aber Widerspruch schickte sich einer Dame von Welt noch viel weniger als es das Schlürfen getan hätte. So lies sie das alltägliche Märtyrium über sich ergehen und rettete sich mit einem Gedanken durch den Tag.
Argumentation. Ihr liebster Zeitvertreib, ganz neben dem Lesen, Schreiben und Zeichnen. Hierfür hatte sie einen ganz besonderen Platz. Ein Weidenhain auf einem Hügel in Sichtweite ihres Elternhauses das die kleine Siedlung überragte. Hier saß sie lässig an einen Baum gelehnt und betrachtete ehrfurchtsvoll ihren Lehrer. Sein Name war Matjuk, er arbeitete bei ihrem Vater als Gutsverwalter und hatte in ihr irgendwann die Vorliebe für das Lesen und die Rhetorik entdeckt. Stunden verbrachte sie hier mit ihm, lesend, lachend, streitend. Nichts für eine Dame von Welt, wie ihre Mutter fortwährend immerzu, mit einer an Demenz grenzenden, Penetranz zu sagten und einer Gebetsmühle gleich zu wiederholen pflegte. „Bücher .. Bücher .. die bringen dir auch keinen reichen Mann! Verbring deine Zeit lieber mit etwas anständigem, fang doch mal an zu sticken Kind! Das ist eine sehr erbauliche Tätigkeit!“ - Ira, so hieß das junge Fräulein, hasste es. Was hatte sie davon ein Deckchen mit einem Muster zu verunstalten.
„Ja Mutter“ - kam es mit einer reichlich entnervten Stimme von der anderen Seite des Speisetisches. Wäre die direkte Sicht auf ihre Tochter nicht von einem riesigen Pokal voller Obst versperrt gewesen der zusammen mit den anderen Speisen und Tafelaccesoirs dafür sorgte das sich der Tisch unter der Last durchbog, so hätte sie noch gesehen wie sie beim sprechen ihre Augen verdrehte. Wieder einmal war die Dame des Hauses dabei zu belehren. Bei ihrem Mann hatte sie es schon fast aufgegeben, er saß am Tisch und studierte die Berichte des Tages, aber bei ihrer Tochter würde sie nicht versagen. Langsam erhob die ältere Frau wieder betont ruhig die Stimme und setzt nun ein leichtes Lächeln auf das dank der überdimensionierten Obstschale mehr sich selbst galt als ihrer Tochter. „Du wirst bald heiraten.“ - „Ja Mut.. WAS?“ Mit einem reichlich wenig Damenhaften Satz war sie auf den Beinen und hatte den Tisch zur Hälfte umrundet und stand vor ihren Eltern.
Der Streit hatte heftig getobt, zuerst versuchte es ihre Mutter mit unerschütterlicher milder Autorität, stieß aber zunehmend auf Widerstand. Irgendwann hatten sich beide in der Lautstärke immer mehr gesteigert, das Küchenpersonal stand wie erstarrt gaffend an der Tür zum Esszimmer als die Tochter der Familie polternd die Tür aufstieß und durch den schmalen Flur auf ihr Zimmer zurannte und die Tür zuknallte. Als die massive Eichentür mit einem lauten Knarzen des Holzes in das Schloss fiel erzitterte sachte die Wand. Ein Kerzen samt versilbertem Halter rutschte etwas zur Seite, kippte langsam zur Seite und machte sich auf den kurzen Weg zum Boden. Ira verfolgte fast gebannt ihren Fall. Sie fiel wie in Zeitlupe, langsam, sich etwas im Fall drehend, mit dem brennenden Docht nach unten. Sie stand da und starrte, wagte es nicht sich zu regen während sie einmal schnaufend ausatmete. - Die Kerze erreichte den Boden und damit den Teppich aus Wolle. Er entzündete sich Schlagartig und die Flammen die gerade noch etwas Licht ins Dunkel des kleinen Zimmers gebracht hatten, das nur aus Stoffen, Wandbehängen und Papieranhäufungen sowie Kissenstapeln zu bestehen schien, war hell erleuchtet ...
Als der Regen einsetzte und nach einer Ewigkeit das Feuer endlich zum erlöschen brachte stand sie noch immer in der Dunkelheit und sah sich um. Sie war allein.
Nützlich wie ein Sack schimmelnder Kartoffeln
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Ira Lisarias
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Ira Lisarias
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Kerker hatten etwas unangenehmes an sich. Was genau? Das zu beschreiben würde etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Kälte, Kargheit, der Geruch von Feuchtigkeit der einem dauerhaft in die Nase stieg. Das schwere grobe Metall welches die Freiheit einschränkte. Und vermutlich noch einige dutzend Dinge mehr. Drei Kerker hatte sie schon von innen gesehen und irgendwie war es mit der unangenehmste. Nicht das die anderen wirklich etwas an sich hatten was man als angenehm bezeichnen könnte, es war auch nicht die Art oder der Ort. Es war die Ungewissheit.
Wieder hallten ihr die Worte des Mannes durch den Kopf der sich für ihre unangenehme Unterbringung verantwortlich zeigte. Arenvir. - „Vielleicht wirst du ja nach ein paar Tagen im Kerker einsichtiger.“
Quälende Ungewissheit, was wusste er wirklich, war er wirklich so bösartig oder war das alles nur Fassade? Und wieder überschlugen sich ihre Gedanken. Wozu war er fähig? Kannte er Grenzen? Und wenn ja, wo waren diese? Ebenso fragte sie sich immer wieder wer von ihrer Anwesenheit hier wusste. Würde man sie je wieder ansehen? Oder durfte sie nach ihrer Freilassung wieder nach Adoran? Auf eine seltsame Art und Weise hatte sie hier doch Personen getroffen und kennen gelernt die ihr sympathisch waren.
Die scheppernde Bewegung der Wache riss sie aus ihren Gedanken und wieder ging der große Mann schnaufend vor ihrem Kerker auf und ab spähte durch die Gitter und murrte ungehalten. Vermutlich war sie der Grund warum er hier war und nicht daheim bei seiner Familie. Familie, so etwas fehlte ihr völlig, oder jemand bei dem sie Rückhalt fand. Ihr Blick huschte durch die Zelle und verlor sich verträumt an der Wand aus groben Stein. Rückhalt ... aber wer würde einer so nutzlosen Kreatur wie ihr geben?
Wieder hallten ihr die Worte des Mannes durch den Kopf der sich für ihre unangenehme Unterbringung verantwortlich zeigte. Arenvir. - „Vielleicht wirst du ja nach ein paar Tagen im Kerker einsichtiger.“
Quälende Ungewissheit, was wusste er wirklich, war er wirklich so bösartig oder war das alles nur Fassade? Und wieder überschlugen sich ihre Gedanken. Wozu war er fähig? Kannte er Grenzen? Und wenn ja, wo waren diese? Ebenso fragte sie sich immer wieder wer von ihrer Anwesenheit hier wusste. Würde man sie je wieder ansehen? Oder durfte sie nach ihrer Freilassung wieder nach Adoran? Auf eine seltsame Art und Weise hatte sie hier doch Personen getroffen und kennen gelernt die ihr sympathisch waren.
Die scheppernde Bewegung der Wache riss sie aus ihren Gedanken und wieder ging der große Mann schnaufend vor ihrem Kerker auf und ab spähte durch die Gitter und murrte ungehalten. Vermutlich war sie der Grund warum er hier war und nicht daheim bei seiner Familie. Familie, so etwas fehlte ihr völlig, oder jemand bei dem sie Rückhalt fand. Ihr Blick huschte durch die Zelle und verlor sich verträumt an der Wand aus groben Stein. Rückhalt ... aber wer würde einer so nutzlosen Kreatur wie ihr geben?
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Ira Lisarias
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- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
800 Münzen. In Worten: Achthundert. - Schuld oder Geschenk? Sie wusste es nicht. Er war gegangen, hatte sie vergessen, entschwand durch die Tür noch bevor sie sich daran erinnerte und etwas sagen konnte. Roland war sein Name gewesen, hatte er gesagt. Roland, ein seltsamer Name, ein seltsamer Kerl, irgendwie halt. Tief atmete sie ein, spürte den Wind um die Nase den sie so sehr liebte und blickte ins Wasser vor sich. Leise schwappten die Wellen gegen die Bohlen unter ihr. Die Wellen waren sehr flach und eine leichte Brise trug den Geruch des Meeres, des Salzes und den Geruch der Feuchtigkeit heran. Sie mochte das Meer, sie mochte den Geruch der See und doch konnte sie nicht schwimmen. So schön wie tödlich.
800 Münzen - was wenn er Zinsen wollte. Grübelnd starrte sie auf die Wasseroberfläche und verfolgte mit den Augen einige Wellen die auf sie zukamen und unter ihr auf dem Steg verschwanden. Grübelnd begann sie zu rechnen. Das Treffen war 2 Tage her. 2 Prozent je Tag - so viel würde sie nehmen - das wären dann nun 832 Münzen. 32 Mehr als erhalten. Der Blick schweifte auf ihre Hände hinab. "Zweiunddreißig in 2 Tagen ..." brabbelte sie leise vor sich hin. Leicht glitt sie in die Hocke hinab. Zweiunddreißig - durch pures Nichtstun und warten. Was wäre wenn sie noch länger warten würde? Nach 10 Tagen?
Sie hockte da, zückte ihren Kohlestift und kritzelte auf den Holzbohlen des Steges. Kratzend und schabend, den Kohlestift mit der Faust geführt, schob sie ihn über das ungleichmäßige Holz. Zuweilen starrte sie auf die Zahlen, kaute sich auf der Unterlippe rum, grummelte leise, wischte mit der Fußsohle einige Ziffern weg um sie zu korrigieren. "Ein fünfzigstel von .... plus .... mit einem Vielfachen von ...." Grummelnd und murrend rutschte sie hin und her. 10 Tage - 956 Münzen. "Uhrmmmm" - entfeuchte es ihr. Aber was nun wenn sie krank werden würde? Was wenn sie ihn ewig nicht sah, oder ihn erst in einigen Jahren wieder traf?
Stunden vergingen..., die Sonne stand knapp über dem Horizont als Ira aufblickte und mit der Kohleverschmierten Hand ihr Gesicht schwarz rieb. 2000 Tage und sie würde dem Ominösen Roland 124.403.711.968.923.000.000 Münzen schulden. Ihr erschien diese Zahl aber als sehr unpraktisch, daher hatte sie es in Rohgoldklumpen umgerechnet, eine Zahl die noch immer einschüchternd wirkte. 46.214.342.962.565.500. In Worten:
Sie musste diesen Roland finden .....
800 Münzen - was wenn er Zinsen wollte. Grübelnd starrte sie auf die Wasseroberfläche und verfolgte mit den Augen einige Wellen die auf sie zukamen und unter ihr auf dem Steg verschwanden. Grübelnd begann sie zu rechnen. Das Treffen war 2 Tage her. 2 Prozent je Tag - so viel würde sie nehmen - das wären dann nun 832 Münzen. 32 Mehr als erhalten. Der Blick schweifte auf ihre Hände hinab. "Zweiunddreißig in 2 Tagen ..." brabbelte sie leise vor sich hin. Leicht glitt sie in die Hocke hinab. Zweiunddreißig - durch pures Nichtstun und warten. Was wäre wenn sie noch länger warten würde? Nach 10 Tagen?
Sie hockte da, zückte ihren Kohlestift und kritzelte auf den Holzbohlen des Steges. Kratzend und schabend, den Kohlestift mit der Faust geführt, schob sie ihn über das ungleichmäßige Holz. Zuweilen starrte sie auf die Zahlen, kaute sich auf der Unterlippe rum, grummelte leise, wischte mit der Fußsohle einige Ziffern weg um sie zu korrigieren. "Ein fünfzigstel von .... plus .... mit einem Vielfachen von ...." Grummelnd und murrend rutschte sie hin und her. 10 Tage - 956 Münzen. "Uhrmmmm" - entfeuchte es ihr. Aber was nun wenn sie krank werden würde? Was wenn sie ihn ewig nicht sah, oder ihn erst in einigen Jahren wieder traf?
Stunden vergingen..., die Sonne stand knapp über dem Horizont als Ira aufblickte und mit der Kohleverschmierten Hand ihr Gesicht schwarz rieb. 2000 Tage und sie würde dem Ominösen Roland 124.403.711.968.923.000.000 Münzen schulden. Ihr erschien diese Zahl aber als sehr unpraktisch, daher hatte sie es in Rohgoldklumpen umgerechnet, eine Zahl die noch immer einschüchternd wirkte. 46.214.342.962.565.500. In Worten:
- Sechsundvierzigbilliardenzweihundertvierzehnbillionendreihundertzweiundvierzigmilliarden- neunhundertzweiundsechzigmillionenfünfhundertsechsundfünfzigtausendfünfhundert.
Sie musste diesen Roland finden .....