Vergeltung, über den Tod hinaus

Antworten
Benutzeravatar
Drakhon Sokarth
Beiträge: 612
Registriert: Donnerstag 13. März 2008, 03:43

Vergeltung, über den Tod hinaus

Beitrag von Drakhon Sokarth »

Die Vorbereitungen schritten mühsam aber stetig voran, Stunden verbrachte er in der Bibliotek, suchte nach bereits bestehenden Thesen, Abhandlungen und Ritualen. Es war eine mühsame, zeitraubende Arbeit, doch die Aussicht auf das was folgen könnte war es die den Rabendiener antrieb, viel zu lange schon ließ er sich treiben folgte lediglich den Deutungen der Zeichen seines Herren und ließ sich ohne eigene Ziele dahin treiben. Zu lange schon hatte diese Anteilslosigkeit sein Handeln bestimmt doch damit könnte es, sollte es bald vorbei sein der Weg dazu wird gerade geebnet.

Zahllose Kerzen erfüllen das Labor mit einem unsteten aber hellen Licht. Der kleine Schreibtisch war überladen mit losen Pergamenten, Büchern und Schriftrollen. Der Schädel des Attentäters, welchen er von der Lethra erhielt, ruhte, an dem noch anhaftenden Teil der Wirbelsäule eingespannt, auf einem Sockel.
Seine Präparation hatte bereits begonnen, die haare wurden behutsam geschoren ehe die haut selbst mit einer öligen Tinktur überzogen wurde in mehreren Schichten, über mehrere tage ließ er dieses Gemisch einziehen und verlieh der bereits dünnen pergamentartigen heut einen neue Dichte und Festigkeit. Diese war unabdingbar, für das was folgen sollte.
In aller Ruhe ließ er sich dann vor dem aufgebarten Schädel nieder, musterte ihn einen Moment und konnte sich doch eines Lächelns nicht erwehren. Die schlanken Finger greifen die Feder und tauchen sie in das kleine Fässchen in welchem er sein präpariertes Blut bereits vorgelegt hatte. In filigraner Arbeit begann er so die ersten der zahllosen Insignien auf dem Schädel aufzutragen von unten nach oben in einer möglichst geraden Linie wurden so über Stunden hinweg die feinen Linien der verschiedenen Symbole, Runen und Schriftzeichen aufgetragen.
Bannsprüche der verschiedensten Arten, werden so auf dem Schädel aufgetragen und schon beim niederschreiben der teils uralten Glyphen knistert die Luft. Kaum ein stück Haut bleibt am Ende unbeschrieben als auch Ruf-, Führungs- und Unterwerfungsflüche auf der Haut manifestiert werden.
Die mühseligste Arbeit sollte zum Schluss der Präparation kommen, als der letzte zauber, einzig nicht im Blut des Rabendieners sondern in dem des toten selbst auf dessen Lippen gebannt werden, weniger ein Zauber als mehr ein Befehl lassen die kleinen kaum erkennbaren Runen lediglich den einstigen Inhaber dieses Körpers auch wieder hinein versiegeln dieses, inzwischen unwirklich in der Kraft der zahlreichen Zauber pulsierende, Gefäß für unerwünschte Geste.

Die Zeit, die verging, konnte lediglich an der hohen Zahl der niedergebrannten Kerzenreste abgelesen werden, welche mehr als einmal ersetzt werden mussten, es waren Tage die er damit zu brachte den Schädel vollkommen zu präparieren doch die Arbeit sollte damit noch nicht abgeschlossen sein, es würde noch weitere Tage in Anspruch nehmen, bis das Ritual angemessen zugeschnitten und auch die letzten Vorkehrungen getroffen waren, und so fuhr die rastlose Gestalt fort…
Benutzeravatar
Albertus Kaemmerer
Beiträge: 724
Registriert: Sonntag 1. April 2012, 04:45

Beitrag von Albertus Kaemmerer »

*Schwer lastete die Bürde der Gedanken auf Albertus, als er die Worte murmelte die ihm den Weg zur altbekannten Heimat öffneten. Der Geruch von Moder und süßlicher Verwesung schwebte in dem Raume welchen er betrat, und er zog sie tief in seine Lungen und entließ jenen mit einem wohligen Seufzer.
Auch wenn ihm immer wieder die eignen Pläne ins Gedächtnis stiegen, ihn quälten sie doch endlich umzusetzen, galt es nun sich zu konzentrieren und sich auf ein anderes Belange zu fokussieren.

Jeder seiner Schritte hallte gedämpft umher, während er tiefer in die Gruft hinab stieg, begleitet vom Rascheln der Kettenglieder seiner Wehr. Ein Aberwitz war es doch wie still die Gruft und seine Mauern seien konnten, selbst von den Steinen kam kein Laut, obwohl jene doch so viel Schreie von Sterbenden in sich aufnehmen durften. Waren es nun seine Geräusche, die die Stille zerrissen.

Als er schließlich das Labor betrat hielt er inne, die Geräusche verstarben, und das aufkommende Schweigen legt sich wie Stahlkammern um Hals und Ohren. Für den Moment herrschte eine vollkommene Stille, perfekt um sich zu Konzentrieren. Ein tiefes wohliges aufseufzen entfuhr seinen fleischigen Lippen, zerfetzte regelrecht den gedankenschweren Moment und Albertus schlurft zum Tisch um sich endgültig dem gestellten Problem anzunehmen.
Dumpf prallte seine Umhängetasche auf dem Tresen auf, und seine wurstigen Finger lösten die Riemen, um sein Handwerkszeug zu Tage zu fördern. Ein ihm so lieb gewonnenes altes Buch zieht er hervor, und ein Seidentuch, welches ein Gefäß umhüllte, welches mit einem sehr kostbarem Inhalt gefüllt war.

Abgesehen von seinen Herren, Kra’thor und seinen Lehrmeistern, war dies Buch mit das Wichtigste für Albertus. Grauenhaftes, perverses und obskures Wissen, wie auch unaussprechliche Rituale, waren Seite für Seite in diesem Buch niedergeschrieben. Ein wahrhaftiger Schatz, den es enthielt nicht die Stärke von einem Diener, auch nicht von zweien, nein viel mehr war noch enthalten. Das Wissen von vier der Mächtigsten seiner Diener waren angesammelt in diesem Werke zuzüglich seiner eigenen Studien. So griff die Hand geschickt an den Einband und legte den Wälzer mittig vor ihm nieder. Der verhüllte Zeigefinger sucht am Rande den Zettel mit der Aufschrift „Rituale“, und als jener fündig geworden ist, fliegen die Seiten regelrecht auf.

Hastig wie ein schnüffelnder Bluthund wurden die Seiten durchstöbert um die passenden Zeilen zu erhaschen. Er musste das Ritual definitiv abändern, ein solches war ihm bisher unbekannt, aber der ehrenwerte Bruder Drakhon würde ebenfalls seinen Teil dazu beitragen und seinerseits Studien aufnehmen. Egal welche Stellung er unter seinen Brüdern einnehmen würde, stets würde er jenen helfen so gut er kann, denn dies würde Kra’thor wollen, und er war sein ehrfürchtigster Diener. Nachdem Albertus die Zeilen verinnerlicht hatte, schob er das Buch bei Seite und zog das Gefäß heran.

Das Tuch wurde entfernt und ausgebreitet, und das konservierte Herz herausgenommen, und auf jenes mit Sorgfalt abgelegt. Aus seinem Gürtel zückte er seinen diamantenen Dolch, sodass er jedwedes Fleisch, wie Butter mit einem heißen Messer durchschneiden vermochte. Doch war Vorsicht geboten, das Herz sollte nicht zu einer Speise verarbeitet werden, auch wenn dieser Gedanke ihm grotesker Weise zum blecken seiner Zähne brachte, nein es musste vorbereitet werden. Mit Daumen und Zeigefinger presste er das Stück Fleisch auf den Tisch, und wie ein wahnsinniger Professor vollführt er mit der Klinge aberwitzige Schwünge, doch aus diesem Wahn heraus entstanden Muster … Runen!

Diese Runen waren keine bloßen Worte, was sind denn Worte und Namen nur? Genau Sachen die der Wind verweht und überhört werden, aber Runen hatten eine viel größere Macht. Sie erfassten das Wesen der Dinge und brandmarkten selbst totes Fleisch, sodass das Herz als Wegweiser für die Seele des Verstorbenen dienen würde. Aussprechbar waren jene Runen nicht, doch sie spiegelten zum einen das Wesen des Toten wieder, dessen Tat vor seinem Tod, sowie auch der Zwang in das Herz zu zurückzufahren: „Ch’kh, Gz, Kw’qu“.

Sodann wurde das Herz gewendet um weitere Elemente hinzuzufügen. Das demütige Flehen an seinen Herren, die Kraft seiner, vollendetes Leben zu erschaffen und unwürdiges zu zerstören, wie auch das Kürzel des Ritualleiters: „Kri, Thor’Sh, DS“. In einer Selbstverständlichkeit legte Albertus das verzierte und vollendete Herz zurück in das Gefäß um es vor weiteren Verfall zu schützen. Er hoffte inständig, dass die Runen ihren Zweck erfüllten und Drakhon zufrieden stellen würden. Doch dies war nur eine Aufgabe die ihm gestellt wurde, daher räumte er das Gefäß eingebettet in das Seidentuch an den oberen Rand des Tisches um Platz zu schaffen. Sogleich eilten seine wurstigen Finger durch die Seiten, um zum Kapitel „Theorien“ zu kommen.

Ein langes Suchen war nicht erforderlich, denn er wusste noch wie ihm Neorith jene erzählte und er die Worte wie Ambrosia aufnahm. Die Erinnerung auffrischend, setzte er sich nun daran Drakhon einen Brief zu hinterlegen, welcher mit dem eingelegten Herz beschwert wurde. Auf dem Pergament wird folgendes zu lesen sein:*

" Kra’thor zu ehren, ehrenwerter Bruder Drakhon,
ein Teil der Aufgabe ist bewältigt. Das Herz, welches dieses Schreiben beschwert, zeugt davon. Doch es wird kein Leichtes werden die Seele ausfindig zu machen. Ein Opfer wird unseren Herren sicher gnädig stimmen, falls die Seele in seinem Reich eingekehrt ist.

Segen wie Fluch wäre dieser Umstand, wie wollt ihr es schaffen, dass die angedachte Seele auch die Wahrheit spricht, wenn man ihr nicht mehr mit der ewigen Verdammnis und Qualen von Kra’thors Reich drohen kann? Dies führt mich zu einer weiteren Überlegung. Denn wenn die Seele nicht in seinem Reich eingekehrt ist, in welchem Reich mag sie sein? Nun ein Spieler und Lebemann wäre sicher bei Horteras, durch sein Versagen vielleicht bei Getraris. Oder führt der Akt des Attentates ihn vielleicht sogar in die Ränge von Temora und Eluive?

Schließlich war das angedachte Opfer der Alka. Bestenfalls hat sich Alatar der Seele bemächtigt; warum ich zu diesem Gedanken komme? Der Mann starb in der „Heiligen Stadt“, über dieser sollte doch ihr Schutzpatron seine Hände halten. Daher wären beschwörende Worte des Alkas selbst sicher sehr hilfreich, falls letztere Annahme richtig sein mag. Das Herz sollte die Seele des Attentäter anziehen, und durch dessen Schädel vermag diese vielleicht Antwort geben. Für eine Unterredung stehe ich weiterhin zur Verfügung sofern ich Ort und Zeit weiß.

In Demut gegen über unseren Herren,

Albertus"
L´ysstzrr

Beitrag von L´ysstzrr »

„Wurden die Organe entnommen?“
„Nein, nichts. Der Biss eines Panthers hat ihn getötet. Niemand wollte ihn anfassen und beseitigen.“
„Ich werde den Kopf, das Herz und das Blut benötigen.“


Sie sah noch einen Moment lang zur Streckbank hinüber und auf den ausgenommen Körper des Attentäters. Sein Brustkorb war aufgerissen, das Herz ihm entnommen und der Kopf mühsam von seinem Halse abgetrennt. Die Haut nahm durch die vergangenen Tage einen kränklich blassen Teint an und sonderte einen abscheulich, verwesten Geruch ab.
Lange genug haben sie sich Zeit gelassen, doch sah Sie den Vorbereitungen mit Zuversicht entgegen, selbst wenn das Risiko bestand, dass Sie an dem Ritual scheitern könnte. Wichtig war Ihr, ob sie eine Antwort erhalten würden oder nicht, dass sie es überhaupt versucht hatten und nicht mit einer Gleichgültigkeit darüber hinweg sahen.
Nicht nur Sie, sondern auch der Alka wollte wissen, wer der Auftraggeber des Attentäters war. Er strafte die Lethra bereits genug, indem er Ihr den Dienst als Leibwache entzog. Sie durfte ihn nicht auffällig begleiten – zu riskant war es gewesen und die Ungeborenen zu wertvoll, als sie einer Gefahr auszusetzen und zu verlieren. Sie waren Fluch und Segen zugleich…

Was wäre Sie für eine Lethra gewesen, wenn Sie die Chance nicht ergriffen hätte? Sie trotzte nur so danach das Geheimnis zu lüften, dem Alka die Antwort zu geben und Drakhon Sokarth die Möglichkeit zu bieten ohne Auseinandersetzungen mit den Alatargläubigen Rahal zu betreten. Irgendwo besaß Sie in ihrem tiefsten Inneren ein Gefühl, dass Sie Drakhon und seinen Worten vertrauen konnte. Vielleicht lag es auch an seinem Willen, den er Ihr immer wieder bewies und ihren Worten folge leistete. Er war anders als seine Geschwister und schien zu wissen, wie man mit ihrem Volk umzugehen hatte. Höflich war er und an Respekt mangelte es ihm ebenso wenig.
Ein Leben in Rahal, akzeptiert als Bürger, mehr wollte dieser alte Mann nicht…

„Das Umständlichste… ist es, die Seele zu finden und durch den Schleier zu bringen, der uns von den Toten trennt – ein Akt der puren Gewalt. Ein Blutopfer wäre… hilfreich.“
„Etwas Bestimmtes?“
„Ein Sklave oder dergleichen genügt. Ich benötige dann also einen leeren Raum… gefliest wäre gut und einen Sockel für den Schädel in der Mitte.“
„Wir haben hier leider keine Räume, aber ich werde mich umsehen, was ich dafür finden kann.“
„Denkt an eine Halterung, in die man das Opfer einspannen kann."


Mit mehrmaligem Nicken wurden die Worte quittiert, die Lippen kurzzeitig gespitzt. Ihre dürren Finger fuhren ein paar Kreise über die blasse Haut des Toten und sie musste sich nun schnellstmöglich überlegen, woher sie einen Sklaven bekam.
Die Experimenttiere von ihrer Schwester wären wahrscheinlich leicht dafür zu begeistern, würden sie immerhin endgültig ihren Tod finden. Doch könnte ein solcher Sklave, ein Tier, nicht unbedingt von Nutzen sein und im schlimmsten Fall das Ritual zum scheitern bringen.

Ein abtrünnigen Menschen aus dem Donnerholm wäre womöglich die beste Wahl. Vielleicht könnte man ihn auch zu mehr missbrauchen? Nicht nur dieses eine Ritual, das die austretende Seele den Schleier zwischen den Welten öffnen kann.
Zuletzt geändert von L´ysstzrr am Dienstag 9. Oktober 2012, 21:35, insgesamt 1-mal geändert.
Antworten