Der verflixte Stab

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Richard Lohengrinn
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Der verflixte Stab

Beitrag von Richard Lohengrinn »

Eine gute Zeit war ins Land gezogen, als Alindra, auch bekannt als die Praeceptor Apex seiner Fakultät jene folgenschweren Worte sprach: "Von nun an dürft ihr an eurem Stab arbeiten...", oder so ähnlich. Im Grunde war es auch egal, Richard graute vor dem, in seinen Augen, unnötigen Aufwand, sogar von einer hochoffiziellen Weihe war die Rede, hätte er erst das Rohmaterial zusammengetragen. Und so schob er die Arbeit, in bekannter Manier, vor sich her, bis er einen Punkt erreicht hatte, an dem weiteres Aufschieben ihn noch in Teufels Küche gebracht hätte.

Viel lieber war ihm da schon sein Experiment an der humanoid verbogenen Rattenkreatur, die ihm damals ins Netz gegangen ist und in seinem Keller, hinter Gittern, ein trauriges Dasein fristete, aber es half nichts.

In seinem Garten wuchs zu dieser Zeit ein Haselstrauch, in voller Pracht.
Eben als er sich einfach eine Rute absägen wollte, die Praeceptor Apex, er achtete sie nach wie vor hoch, würd's schon fressen, durchschoss ihn ein Gedanke, der ihm so noch nicht gekommen war.
Sollte in dieser Aufgabe etwa ein tieferer Sinn verborgen sein? Möglicherweise eine Art zwischenmenschliches Protokoll bedient werden, das er nicht verstünde? Er wusste um seine Schwäche und wollte sie keiner hochpeinlichen Kommission offen legen.

Allzu lange musste er nicht grübeln, als sein weiteres Vorgehen auch schon feststand. Die an dem Rattenmenschen begonnene Sozialstudie würde er auf eine neue Ebene bringen, die ihm in weiterer Folge jene wichtigen Erkenntnisse bescheren sollte, welche er selbst vorraussichtlich nicht aus der Stabmacherei ziehen konnte.

Den ganzen Morgen verbrachte Richard im nahen Wäldchen vor Adoran, eben dort beim Badesee um für perfekte Laborbedingungen zu sorgen.
Da war ein Käuzchen, das mit seinem freundlichen Schu-hu (!) Richard aus dem Konzept brachte und als sein verspätetes Frühstück endete. Die lustige Entenfamilie, deren Schnattern unerträglich für das Gesamtbild waren und letzten Endes ein einsamer Wolf, der gefährlich nah am Ufer herumschlich und vom zornigen Richard in einem Regen aus Feuer und Blitz durch den halben Wald gehetzt wurde, der Wolf würde so schnell nicht wiederkommen.

Szenenwechsel: Berchgard Nachts

Durch Richards Gedanken spukte das junge Fräulein Ayla, Cupitor am Konzil, und eine freche Bratze, dass es Richard die Nackenhaare aufstellte. Temora hatte es gefügt, dass er Gleichmut bewahrte, ja ihr sogar den Termin mit Magister Inos abkaufte, wider besseren Wissens versteht sich, denn das Experiment durfte nicht gefährdet werden, durch unverhältnismässige Zornausbrüche schon gar nicht, dafür war später noch Zeit.
In der Wirklichkeit aber, hatte er fest mit ihr gerechnet und dass sie sich aus der Situation gewieselt hatte, seiner Sache einen gewissen Rückschlag erteilt.
Richard wäre aber nicht Lohengrinn, Musterstudent der alumenisch-königlichen Gesellschaft arkaner Künste, würde er nicht seinen ganz eigenen Weg aus diesem Schlamassel finden.

Wenn das Glück tatsächlich ein Rindvieh ist und sich seinesgleichen sucht, so war Richard ein Auerochse; vor dem Rathaus also, der Mond schien hell über der Ortschaft, wurde er einer kleinen Gesellschaft und zwei Personen im speziellen angesichtig.

Cupitor Keldric Vamon, dieser verstockte, jähzornige junge Mann, der das Herz wohl auf der Zunge trug, nebst dem einfältigen Schwätzer Arlon Benjamin. Der Wahrheit die Ehre zu geben, selbst ein Haufen Goldes, bedeckt mit feiner Schlagsahne und einer Kirsche obenan, wär ihm nicht halb so lieb gewesen, wie diese beiden Subjekte in greifbarer Nähe.
Richard wusste genau, diese Beiden würden keine Schwierigkeiten machen, er musste nur den Ball flach halten.

Mit kryptischen Worten, einer gewissen Priese Mystik war es ihm gelungen Keldric und Arlon für sich zu begeistern. Wie er ihnen aufgetragen hatte, sammelten sie eine Jause zusammen, sorgten für festes Schwuhwerk und waren alsbald abmarschbereit.

Sie hatten das Tor noch nicht verlassen, da stießen sie auf eine junge Bekannte des ungleichen Trios, die sich nahtlos, sehr zu Richards Gefallen, in den Tross einfügte: Die junge Akademiestudentin Eenja.

So zog die Truppe über nächtliche Straßen hin dem Badesee entgegen. Richards Fäden liefen immer weiter zusammen, eben an diesem Ort hatte er ja sein eigentliches Theater geplant.

Kurz kämpfte Richard mit sich, sollte er es wirklich dermaßen simpel halten? In Anbetracht seiner Probanden entschied er sich eindeutig dafür, und überhaupt, je einfacher je besser.

"Holz, bringt mir Holz, junger Cupitor", sprach Richard zu Celdric, als er sich selbst gerade eine Bockwurst genehmigte, einen berchgarder Pfefferbeisser. während auch die anderen sich mehr oder weniger an der Jause gütlich taten.
"Wählt ihr euch einen Begleiter?, fragte Richard schmatzend.
Natürlich schoß Keldric wie erwartet in den Wald, alleine, nur um wenige Momente später mit dem jämmerlichsten Ästlein aufzutauchen, den dieser Wald wohl zu bieten hatte.
Ein selbstgefälliges Grinsen wollte sich in Richards Gesicht stehlen, doch er kämpfte es runter.
Obwohl alles wie erwartet vonstatten ging, musste Richard sich bremsen Keldric den Stecken nicht um die Ohren zu schlagen, stattdessen hieß er ihn abermals in den Wald zu gehen und einen weiteren Stecken zu besorgen.

Einer kindliche Trotzreaktion Keldrics (kindlicher Trotz in Augen Richards), begegnete Richard mit einem obskuren Verwirrspielchen, sodass sich Keldric, wenn auch nicht sonderlich begeistert, so doch in eine Resignation getrieben, fügte und erneut im Wald verschwand, nur um wieder aus dem Geäst zu hüpfen und diesmal Arlon als Hilfe zu erbitten, seines Zeichens eine Art verkappter Holzfäller, in dieser Situation.
Denn es kam so, dass die Beiden einen halben abgeholzten Baum heranschafften, eine Weide, darunter recht brauchbare Stecken, das gab Richard gerne zu.

Keldric hielt ihm also einen der Stecken unter die Nase; "Diesen wähle ich!", so seine Rede. Das Motiv Keldrics war in diesem Fall der gerade Wuchs des Astes und offenbar eine besondere Stärke des Baumes, den er zu spüren glaubte, Richards war es nur recht.

Ein weiteres Mal wurde Keldric in den Wald gehetzt, diesmal stellte Richard ihm die junge Studentin Eenja an die Seite.
Nun jedoch erwuchs zum ersten Mal etwas wie wirkliches Interesse an der Situation, waren die ersten beiden Stufen des Experiments absolut voraussehbar für Richard gewesen, so brachte die Blindheit der jungen Studentin einen gewissen Pfeffer ins Spiel, salopp gesagt und Richard wurde nicht müde, eifrig Notizen zu malen.

Das Ergebnis dieser dritten Waldwanderung war nichts als erstaunlich. Denn Keldric schleppte ihm den Stab des blinden Mädchens an.
Keldrics Interpretation des Geschehens lauschte Richard dabei kaum, vielmehr lag seine Aufmerksamkeit ganz auf dem jungen Mädchen, das für diesen Laffen, arm genug wirkte sie ja, ihren scheinbar wertvollsten Besitz gab, im Sinne einer gewiss abstrusen Spekulation der Beiden über Richards Motive und das Wesen dieser Prüfung. Mitgleich gab sie so natürlich ihr Mittel zur würdigen Orientierung auf, sie würde, wenn im Stich gelassen, auf allen Vieren durch den Wald kriechen müssen, als kleines Zuckerl, in Richards Gepäck.

Nun war die letzte, entscheidende Phase angebrochen, er schnitzte aus dem Weidenast, dem langen, geraden, einen Spazierstock, es ging sich gerade aus. Mittels geschickter Manipulation band er einen kleinen Teil des Blindenstabs in diesen Weidenstock und band, ihn dünkte dieser Gedanke als recht komisch, den lächerlichen Ast, den Keldric zuerst gesammelt, oben dran.

Als das Werk getan war konfrontierte er Keldric, der bereits einen glasigen Ausdruck stiller Verehrung in den Augen hatte, als dieser die Ausformulierung des Stabes betrachtete, mit der Vernichtung dieses Meisterwerks schlechten Geschmacks.
Keldric knickte sofort ein und meinte es wäre ihm so gar nicht recht, den Stab zerstört zu sehen. Seiner Argumentation zufolge war dieser Stab aus drei Aspekten seines Wirkens geformt: Versagen durch Übermut, Erfolg durch Freundschaft I [stärkende Wirkung?], Erfolg durch Freundschaft II [Gewinn an Weisheit?].

Was Richard aber wirklich daran interessierte waren die ehrlichen Emotionen, die sich in Keldrics Gehabe spielten. Dieser schien dem seltsamen Stecken soetwas wie eine Persönlichkeit verliehen zu haben, ja, hatte ihn beinahe entsachlicht und zu einem treuen Freund gemacht und somit in seinem Sinn belebt.

Waren diese Gefühle bereits mit dem Sammeln der Einzelteile entstanden, der hochpersönlichen Wahl jener Gegenstäde und dem Setzen in ein ganzes. Waren es missverstandene Gefühle seinen Freunden gegenüber, fehlgeleitete Dankbarbar, projiziert in diesen Stock.
War es der Zauber des Abends, die Erinnerung an die sternenklare Nacht, des vollen Mondes, der sich im nahe Teich spiegelte; das Wissen an die Flüchtigkeit solcher Momente, das sich in diesem Augenblick in einer nostalgischen Wirklichkeit entfaltete... im Stecken (?).

Vielleicht lag in allem eine gewisse Wahrheit, er würde genauer darüber nachdenken müssen.
Für Richard war dieser Abend ein voller Erfolg, auch wenn er es Keldric nicht nachfühlen konnte, so gelang ihm doch ein Einblick in das Wesen dieser ihm selbst auferlegten Stabprüfung.

So gnädig gestimmt erlaubte Richard seinen Begleitern noch ein Weilchen im See zu tollen, während er selbst ein Feuerlein entzündete...
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Richard Lohengrinn
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Beitrag von Richard Lohengrinn »

Ein neuer Tag brach an, und für Richard war es eben der Tag, an dem er den nächsten Schritt gehen wollte.
Er grämte sich wahnsinnig, dass er nicht von Anfang an einen Stab bei einem Schreiner bestellt hatte, doch nun war es ohnehin einerlei.

Kurz überlegte er, ob er eine Eiche im Adelsviertel der Stadt fällen sollte, der Wirbel darum hätte ihn gewiss amüsiert, oder ein Obstbaum im Garten eines Kollegen, doch war ihm der Gedanke wieder so schnell schal, wie er gekommen war.

Richard fasste dann den Entschluss, dass, wenn er schon solch einen Aufriss drum machte, das Holz ruhig besonders sein dürfte und da er eben einen dicken Band an Legenden und Sagen durchgelesen hatte, war ihm die Entscheidung nicht weiter schwer, wohin er nun streben sollte.

Der Nebelwald nämlich beherbergt, und das ist kein Geheimnis, die größte Dichte an Sagenkreaturen und Geschichtengut dieser Welt, sodass er frohgemuts sein Ränzlein schnürte, dem Abenteuer und seinem Stab entgegen.
Er trommelte also seine Schutzbefohlene, ein junges Mädchen namens Leazra Irgendwas, ihren Konzilsstatus war ihm entfallen, heran und schleppte sie mit auf diese nächste Etappe, denn es galt ein Holz zu finden, das ihm genügte.

Der Nebelwald erstreckte sich in seinen Ausläufern bis an die Ansiedlung am Wegkreuz selbst. Ihm war nun nicht daran gelegen, tagelang durch einen Wald zu irren, drum beschränkte er seine Suche auf diese Ausläufer.
Leazra schien ihm ein wenig grantig, aber doch fügsam, was ihm natürlich sehr recht war, denn in Bälde würde sie gewiss noch grantiger werden.

Richard breitete eine Picknickdecke aus, es war eine lauschige Wiese nahe einer ehernen Ruine, ein anheimelndes Fleckchen Erde. Es gab Würste, frischen Fruchtsaft, Eier, duftendes Brot... Und für Leazra eine Axt.

"Fräulein Leazra, fälle diesen Baume, während ich mich stärke!", so oder so ähnlich, dürften seine Worte gefallen sein, während er sich bereits eine Stulle schmierte.
In botmäßiger Demut, Richard fand sie stand Leazra gut zu Gesicht, machte sich das junge Mädchen mit Feuereifer daran, den denkbar mächtigsten und ältesten Baum der Gegend zu fällen.

Im Schatten einer Linde schlummerte Richard satt und zufrieden ein, sein Schlaflied das gepeinigte Stöhnen und Ächzen des jungen Mädchens, das beständige Hacken der Axt, das Rascheln der Blätter.

---

Der Baum war gefällt und Richard ausgeschlafen.
Größte Mühe war nun notwendig den Baum zu zersägen, zu zerlegen und schließlich aus der Mitte des gewaltigen Baumes einen zarten Stab zu schnitzen, es kostete die Beiden den Rest des Tages.

Als sich schließlich die Nacht über das Land senkte zog das ungleiche Paar, mit einem lustigen Liedchen auf den Lippen zurück nach Adoran.
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Richard Lohengrinn
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Beitrag von Richard Lohengrinn »

Mittlerweile waren viele Monde über's Land gezogen.
Nachdem Richard sein Haus in Adoran sprengen und ein Erdloch im Stadtpark beziehen konnte, hatte er nun Zeit das Erlebte zu reflektieren.
Als er so in seinem moosbedeckten Erdloch lag und jenen simplen Stab neben sich ruhen sah, trugen ihn seine Erinnerungen an einen ganz bestimmten Punkt in seiner Vergangenheit.

- Lang war's her, als er und seine Kommilitonen Zeuge eines ganz speziellen Ereignisses geworden waren.
Im Zuge der damaligen Stabweihe entstand inmitten des Konzilgeländes eine Art Springbrunnen, scheinbar aus weißem Licht, der jedoch nicht etwa Licht (geschweige denn Wasser) spie, aber dafür graue Füchse, welche sich in geradezu gespenstischer Homogenität im Park verteilten.
Davon abgesehen, dass der Brunnen kryptisch blubberte, die Antwort der Stäbe (?) wäre bei den Elfen zu finden, war es Richard und dessen geschundenem Kollegen von Schwarzburg die Füchse wieder einzufangen.

Die Füchse wurden gehetzt und gemeinschaftlich ins Herrenhaus von Schwarzburg eingepfercht (bis dieses offenbar von der Obrigkeit wegs Steuerschuld zwangsgeräumt wurde).

[Hier nachzulesen -> http://forum.alathair.de/viewtopic.php?t=57351&highlight= <-]

Lediglich ein Fuchs entging seinen Häschern und sollte Gerüchten weise noch heute sein Unwesen im Park treiben.
So, oder so... Um in der Stab-, was nun gleichzeitig Elfensache war, irgendwie weiterzukommen, schleppte sich der gesamte Zug an die Ausläufer des Nebelwaldes, um dort auf ein Zeichen zu warten, sei es Lichtbrunnen, oder Himbeerdusche, doch nichts geschah.

Da Richard die Elfen mit ihren gigantischen Ohren sowieso zuwider waren, wusste er nicht, ob er sich freuen oder greinen sollte; die Stabsache jedoch konnte nur auf unbestimmte Zeit verschoben werden, zumal seine Kommilitonen feurig an die Gesellschaft Phanodain (oder so ähnlich) verwiesen.
Dieses Groß an Verwaltungsaufwand und das eifrige Gehabe seiner Umstände verhießen zumindest nichts Gutes.
Und wirklich, seit diesem Zeitpunkt, sah Richard keinen Elfen mehr. -

So grübelte Richard also in seinem Erdloch, als ein Gewitter über ihm hinwegzog, und seine gesamte Gewalt über Adoran ausschüttete.
Nach alter Bauernweisheit, die sich als fatal erweisen sollte, legte er sich flach in die schon gut mit Regenwasser gefüllte Grube.
Eben als er zu ertrinken drohte, geschah das Unvermeidliche. Der Blitz schlug ein.
Als Richard im wahrsten Sinne des Wortes gesotten wurde und er, das Glück ist ja bekanntlich ein Rindvieh, das sich seinesgleichen sucht, überlebt hatte, erkannte er, dass dieser Blitz vielmehr ein Geistesblitz gewesen war.
Was brauchte er Elfen und Lichter! Das einzige was er brauchte war dieser Fuchs, um seinen Stab zu weihen.

Richard verbrachte die nächsten Tage mit dem Ausheben von Fallgrüben, dem Platzieren von Stolperdrähten, Schlingfallen und ähnlichen Grausamkeiten um dem ollen Fenek Herr zu werden, im Sinne einer erzwungenen Domestizierung.
Es kam wie es kommen musste, nachdem aus diesen Tagen Wochen wurden und der wahnwitzige Plan allein von der Findigkeit des Fuchses stets vereitelt wurde, oft genug sah man Richard kreischend um das Konzil hetzen, ein Fuchs ihm wenige Meter voraus, siegte am Ende Beharrlichkeit vor Schläue.
An einem wolkenverhangenen Morgen saß der Fuchs ahnungslos auf einer Lichtung, als unvermittelt ein Schmetterlingsnetz über ihn gestülpt wurde.

Noch immer schien die Wirkung des Blitzschlags nicht verklungen, denn wie von einer höheren Macht geleitet, mag es Verblendung sein, brachte er das fuchsiane Netz ins Labor.
Dort angekommen begann er in einem Moment der Klarheit seine Optionen abzuwägen.
Sein erster Gedanke war, einen magischen Brodem aus diesem Boten Phanodains zu kochen, dessen Essenz zu extrahieren, mittelts alchemistischer Raffinesse auf den Stab zu stäuben und sich unweiglicherlich an getanem Werk zu erfreuen.
Indes das Magisterium wäre wohl nicht allzu zufrieden, und während er den Großteil des Kollegs nicht wirklich fürchtet, Magister Inos war zwar laut, aber mit eigenen Problemen beschäftigt, die Praeceptor Apex de Feruin weilte auf Kur, der Magister Llastobhar lebte in den Wolken, so war es doch eindeutig Magistra Weilnau, welche, so unbedarft sie auch schien, Richard den kalten Angstschweiß auf die Stirn zauberte.
Ja, sie wollte Richard wirklich nicht zum Feind haben!
Jedes Mal wenn er sich umdrehte, stand sie mit diesem wissenden Lächeln direkt hinter ihm.
Jedes Mal wenn er sich zu einem Nickerchen austreckte, wurde er von ihr rüde geweckt. (zugebenermaßen, ihr Büro besitzt das weichste Sofa...).
Und letztendlich war sie es, die noch jeden seiner Streiche zu vereiteln, oder den Schaden zu begrenzen wusste, was sie für ihn zum ernstzunehmensten Gegner am Konzil machte, so man es drauf anlegen wollte.

Er grübelte und grübelte, und der Fuchs starb in der Zwischenheit hunderte kleiner Angsttode, denn er war kein gewöhnlicher Fuchs, und so erkannte er in Richard einen Zeloten, der sein Schicksal von schierem Zufall abhängig machen würde.
So geschah es auch. Richard fixierte den Fuchs am Genick, und begann ihm das wunderbar glänzende Fell zu scheren. Es half kein Winseln und kein Winden.
Als Richard fertig war, verbrachte er den restlichen Tag damit aus dem Fell einen kleinen Spielzeugfuchs zu nähen und den Restlichen jenen ominös-arkanen Brodem herzustellen, der eigentlich dem Fuchs gegolten hätte, nun aber ohne Fuchs bereitet wurde.

Schließlich war der große Tag gekommen.
Richard versammelte sich und seinen unfreiwilligen Fan, den Fuchs, in der seltsamen Elemente-Kammer im Keller des Konzils. Mit im Gepäck, den brodelnden Kessel, das lustige selbstgenähte Felltierchen, das wie ein Fetisch an seinem Stab baumelte und schließlich ein ganzes Sammelsurium an Schriftstücken, die der fleissige Richard aus der Freien- und der Konzilsbibliothek entlehnt hatte.

Frei nach dem Motto: "Kein Helfen, von den Elfen.", war Richard selbst sein eigener Meister und er begann eifrig zu werkeln.
Mit einem Zerstäuber benetzte er den Stab, kritzelte seltsame Runen in das Holz, pisakte den armen Fuchs mit einer Binse, sobald dieser einzuschlafen drohte, um ja den Segen und die Aufmerksamkeit Phanodains zu haben, und intonierte die überlieferten Zeilen der alten Stäbe-Meister.

Neun Stunden später erschien Richard auf dem Vorplatz des Konzils, schwer auf einen, nun überaus reichhaltig verzierten, Stab gestützt und an der Leine ein nackter, müder Fuchs.
Zuletzt geändert von Richard Lohengrinn am Donnerstag 16. August 2012, 16:22, insgesamt 1-mal geändert.
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