Ein neuer Sinn im Leben

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Philomena Besan

Ein neuer Sinn im Leben

Beitrag von Philomena Besan »

Langsam glitt der Brief aus der Hand der jungen Frau und fiel sanft zu Boden. Tod, gefallen im Kampf gegen die Ketzer im Namen des Einen, stand darin. Von ehrenhaftem Verhalten und Einzug in die heiligen Hallen war die Rede und das ihr seine letzten Gedanken gegolten hatten. Ausgerechnet Ihr! Sie trug die Schuld an seinem Tod. Ihre Eitelkeit, Hochmut und Kaltherzigkeit. Mit vor Scham vors Gesicht geschlagenen Händen sank sie auf die Knie. Was hatte sie getan?

Sie hatte ihn ohne mit der Wimper zu zucken in den Tod geschickt. Und warum? Weil sie sich für etwas Besseres hielt! Voller Ekel über sich selbst dachte sie an ihr letztes Zusammentreffen zurück. Was hatte sie sich doch über seine Liebesbekundung amüsiert. Er, ein einfacher Schreiner wollte sie zur Frau? Lachhaft. Immerhin war die Philomena Besan, Tochter eines wohlhabenden Händlers. An einen Schreiner wollte sie sich nun wirklich nicht geben. Ausgelacht hatte sie ihn und ihn mit den Worten fortgeschickt sie würde ihn erst dann heiraten, wenn er sich im Kampf für den Einen bewiesen hatte. Nie hätte sie gedacht dass er sich schon einige Tage danach den Kämpfern für die Schlacht anschließen würde. Er, der nie eine Waffe geführt hatte.

Mit welchem Recht hatte sie diesen jungen Mann, stets freundlich und fleißig in seinem Handwerk, so behandeln können? Wie kam sie überhaupt jemals auf den Gedanken sie könne mehr Wert sein? Was hatte sie denn vorzuweisen? Niemals ein Handwerk erlernt, niemals eine Waffe geführt. Die Besuche im Tempel fielen nur allzu oft der Abneigung gegen harte Kirchenbänke zum Opfer. Die meiste Zeit pflegte sie ihre Eitelkeit mit hübschen Kleidern und ging boshaftem Tratsch nach. Als jüngste Tochter hoffnungslos verzogen und verhätschelt. Sie würde für immer Seelenqualen leiden für das was sie war und tat.

Durch einen plötzlichen Entschluss geleitet eilte sie zum großen Kleiderschrank und riss ihn auf. Ein Kleid nach dem anderen wurde hervor gezerrt und fand den unrühmlichen Weg in die nächste Zimmerecke, bis sie fand was sie suchte. Einfaches Hemd und Hose. Wieso hatte sie auch gleich diese Kleidung im Schrank? Sie wusste es gar nicht mehr. Wahrscheinlich gehörten diese Sachen einem ihrer Brüder, die sie aus einem Streich heraus entwendet hatte. Eilig zog sie sich um und vermied wohlweislich den Blick in einen der Spiegel in ihrem Zimmer. Nach einigem überlegen fanden wenige persönliche Gegenstände den Weg in einen Beutel bevor sie diesen unter den Arm klemmte. Ein letzter Blick durch das vornehme Zimmer wurde geworfen und blieb am großen weichen Bett haften. Für einen Moment kamen ihr erhebliche Zweifel an der Durchführbarkeit ihres Plans. Konnte sie tatsächlich auf harten Böden schlafen? Kopfschüttelnd riss sie sich von diesem Gedanken los und eilte hinunter in die Stube des Vaters.

Was nun folgte war sicher das schwerste Gespräch ihres Lebens. Als dumme Närrin betitelt die wohl nicht mehr ganz bei Trost sei. Ausgelacht bei der Vorstelllung die lieblich kleine Philomena könnte auch nur ein Beil vom Boden heben, geschweige denn einen Baum damit treffen. Eher war anzunehmen dass sie sich damit ums Leben brachte. Es wurde gestritten, es wurde geschrien, Tränen flossen und Drohungen ausgestoßen doch am Ende bekam sie ihren Sinn, wie bisher immer in ihrem Leben. Die Eltern würden sie ziehen lassen, vorerst. Beschwingt von guten Vorsätzen marschierte sie zur Türe hinaus, gefolgt von einer händeringenden Mutter, einem zornigen Vater und sich vor Lachen kringelnden Brüdern. Sie konnte noch hören wie sie Wetten abschlossen wie lange sie wohl durchhalten würde. Bis zum Abendessen oder doch eher zum Mittag.

All dieses konnte sie nicht beirren. Sie würde ab sofort nur noch Philo sein, Lehrling der Schreinerkunst. Sie würde den Mann ersetzen den sie ums Leben brachte. Stets freundlich und vergnügt, fleißig und gottesfürchtig in ihrem Tun. Und hoffentlich dem All-Einen das wiedergeben, was sie ihm genommen hatte. Auch wenn sie dafür ihr ganzes Leben ändern musste.
Philomena Besan

Beitrag von Philomena Besan »

*Auszug aus dem Schriftverkehr mit ihren Eltern*

Des All-Einen Segen mit dir, lieber Vater

Ich weiß das du dir Sorgen machst, aber sei dir gewiss, mir ergeht es gut. Ich esse genügend, bin in Rahal freundlich empfange worden, habe nette Menschen in der Zunft getroffen und schlafe nicht mehr im Freien. Versprochen. Natürlich gibt es Tage an denen ich meine Hände nicht mehr erkenne, ich den Rücken nicht mehr strecken kann oder meine Füße sich anfühlen als sei ich höchst persönlich die Grenzen des ganzen Reichs abgeschritten. Aber du würdest dich wundern zu was ich mittlerweile fähig bin. Ich werde diesem Brief ein kleines Kistchen für deinen so geliebten Tabak mit senden. Eine meiner letzten Arbeiten und hübsch verziert.

Natürlich hast du dir ein anderes Leben für mich vorgestellt aber nichts wird mich davon abbringen diesen Weg bis zu Ende zu gehen. Daran werden auch die Tränen der lieben Mutter, die Euren letzten Brief zierten, nichts ändern. Ich finde erst dann meinen Seelenfrieden, wenn ich dem Einen mehr gab als ich genommen habe. Ich erwarte gar nicht das ihr mich versteht, ich erwarte nur das ihr es akzeptiert. Ich bin mittlerweile 22 Sonnen alt und weiß was ich tue.
Und nein, ihr dürft mich nicht besuchen und ihr werdet mir auch keine Münzen schicken. Ich will es ganz alleine durch Fleiß und Hingabe schaffen. So wie es sich für einen treuen Diener des Einen gehört.
Es wäre mir lieb wenn ihr euer nächstes Schreiben nicht mehr an die Zunft richtet. Sollte man mich dabei beobachten wie ich einen Brief erhalte, müsste ich ihn mir vorlesen lassen. Mir würde doch etwas schwer fallen den Inhalt eines solchen Schreibens zu erklären. Ich gebe an dieser Stelle gerne zu, dass es nicht sehr überlegt war zu behaupten, ich könne weder lesen noch schreiben.

Ich werde mich sehr bald wieder bei euch melden. Möge der Eine über euch wachen
In Liebe
Philomena
Philo


PS: Bitte versichere der Mutter nochmal eindringlich, das ich zwar die Betten anderer Leute baue, sie aber keineswegs auch benutze. Ihr dahin gehender Hinweis war doch mehr als peinlich und wird mich nicht dazu bewegen, mein Vorhaben aufzugeben.
Und sag meinem lieben Bruder Henry, sollte er mir noch einmal ein Kissen für die harten Tempelbänke schicken, werde ich ihn damit ersticken.
Mutter, ich werde weder Frederick noch jemand anderen heiraten. Also schick mir nicht wieder eines seiner albernen Gedichtchen mit. Die konnte ich schon damals nicht ertragen und das hat sich bis heute nicht geändert!
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