Auch kleine Wirbelwinde werden einmal müde und so hatte sich Elira auf die Sitzbank der Kutsche gekuschelt, den Kopf auf dem Schenkel ihres Vaters und mit beide Händchen fest seine Hand festhaltend. Es hatte soviel zu entdecken gegeben, so viele Fragen die sie zu stellen hatte, und dabei wollte sie erst gar nicht auf die große Fahrt gehen; schließlich musste sie ihre Mutter und ihr Pony zurücklassen, zumindest nahm Arsen mit einem Schmunzeln an, dass diese Reihenfolge auch so stimmte. Aber ihre Neugier, die Aussicht ihren Papa ganz für sich alleine zu haben und ihre Tante Sienara wiederzusehen hatten dann doch den Ausschlag gegeben die Fahrt anzutreten. Nun waren sie auf der Rückfahrt und bald würde sie ihre Mama wiedersehen, die sie nun doch so sehr vermisste.
Sienara! Arsen blickte aus dem Fenster der Kutsche doch er nahm die Landschaft die vorbeizog nicht wahr, vielmehr hing er seinen Gedanken nach, jetzt wo Elira schlief. Er hatte seine Schwester schon vor einiger Zeit wiedergefunden und noch heute lief es wie Eisesskälte seinen Rücken hinunter wenn er an ihren Zustand dachte. Mehr als ein zitterndes, verwahrlostes Bündel Mensch war sie nicht gewesen, eigentlich war es einem Wunder gleichzusetzen dass er sie gefunden hatte und ein zweites Wunder war dass ihrem ungeborenem Kind nichts geschehen war. Er hatte seine Schwester in ein nahes Kloster ehrwürdiger Frauen gebracht, das er Kirchenleute nicht sonderlich mochte änderte nichts daran, dass diese Frauen sich hervorragend auf die Heilkunst verstanden. Bis heute wusste er nicht was mit sein geschehen war, doch bereits damals spürte er den dicken Schutzwall der sich in ihrem Inneren aufgetürmt hatten. Arsen wusste das so etwas immer dann geschah, wenn sich Geist und Seele vor einem unsagbaren Grauen schützen wollten, bei manchen Menschen ging es so weit das sie nie mehr in die Wirklichkeit zurück fanden. Lange war die Angst bei Selina und ihm da dies wäre auch bei Sienara der Fall, doch nun war ein Brief der ehrwürdigen Frauen gekommen sie würde sich erinnern und nach ihrer Familie fragen, besonders nach ihrer kleinen Nichte, hatte sie Elira doch schon immer ins Herz geschlossen. Und so hatte sich Arsen mit seiner Tochter auf die lange Reise gemacht.
Welch Stein war ihm vom Herzen gefallen als er seine Schwester wieder sah, sie war zwar noch sehr schwach aber ihr Geist war wieder bei ihr und sie erholte sich langsam. Doch was geschehen war blieb im Dunkeln, ja selbst als er vorsichtig in ihren Träumen forschte erfuhr er nichts weiter als dass kurz vor Bajard ein graues, schemenhaftes Etwas in ihr Leben eingedrungen war, danach gab es nur noch diese tiefschwarze Mauer, doch dahinter konnte man für einen winzigen Moment Grauen, Schmerz und grenzenlose Angst spüren. Vielleicht hätte er mit seiner Kenntnis über vergessene Tränke eine Lücke in die Mauer schlagen können, aber was er Sienara damit angetan hätte, er wollte es gar nicht erst herausfinden. So beließ er es dabei, mag sein das eines Tages die Wahrheit ans Licht kam. Wichtiger war nun dass sich seine kleine Schwester wieder erholte, aber ob das jemals geschah und ob sie jemals den Weg zurück nach Hause einschlagen würde, dass stand alleine in den Sternen. Arsen erfuhr noch das es dem Kind, das inzwischen geboren war gut ging und es gesund war. Er wuchs bei einer Amme auf, einer freundlichen, liebevollen Frau wie Arsen bei einem kurzen Besuch heraus fand. Ob es ein Junge oder ein Mädchen war wusste er nicht denn die Amme erfuhr nie von diesem Besuch, Schattenmeister haben nun mal ihre Eigenarten was ihre Vorstellung und Art von Besuchen angeht.
Mit einem Ruck hielt die Kutsche, was Arsen aus seinen Gedanken und Elira aus ihren Träumen holte. Ein kurzes Reiben der verschlafenen Äuglein dann ging der neugierige Blick schon aus dem Fenster. „Kuck mal, Papa, da steht die Mama. MAAAAAAMAAAAAAAAAAAA!“ Die Tür flog auf und da war er wieder der Wirbelwind, der strahlend auf Selina zu stürmte. Lachend folgte Arsen und nahm vom Kutscher das Gepäck entgegen, welches jener vom Dach herunter warf, dabei fiel ein Blick auf jenes Haus, in dem Sienara gedacht hatte ihr Glück zu finden. Nun war alles so anders gekommen.... Eine warme, zärtliche Hand legte sich in seine und ein liebevolles „Komm mit nach Hause Liebster!“ vertrieben jedoch schnell diese Gedanken. Er nahm Selina in den Arm und ging mit ihr zusammen dorthin, wo Elira ihrem Pony all die grossartigen Erlebnisse erzählte und nun zurück gerannt kam weil Mama musste das ja alles auch noch erfahren. 'Vielleicht stimmt die Reihenfolge doch nicht so ganz!' dachte Arsen belustigt bevor die kleine, glückliche Familie im Haus verschwand.
Die verlorene Schwester
- Arsen Talmar
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Gast
Beherzt drückte sie das kleine schlafende Kind an sich und huschte durch das finstere Bajard. Mit sicheren, eiligen Schritten durchquerte sie den Ort der sich in all der Zeit kaum verändert hatte. Sie hätte ihren Weg auch mit verschlossenen Augen finden können so vertraut war ihr jede Häuserecke an der sie kurz Halt machte um sich umzublicken. Fast musste sie lachen, nun hatte sie nach all der Zeit des Zweifels doch gelernt sich im Schatten zu bewegen ohne Aufmerksamkeit zu erringen. Müde stützte sie das Kind auf ihren anderen Arm und näherte sich dem Tor das ins Hinterland von Bajard führt. Mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze durchschritt sie das Tor um in den dahinter liegenden Wäldern wieder mit der Nacht zu verschmelzen. Aufatmend lehnte sie sich an einen Baum um vor Erleichterung tief Atem zu holen. Geschafft. Niemand hatte von ihr Notiz genommen. Nach einem liebevollen Blick auf das Kind in ihren Armen führte sie ihren Weg fort nach Norden. Bald müsste sie da sein, an dem Haus in dem sie einst so glücklich war. "Sentimentale Kuh", raunte sie leise in die Nacht. Sie wollte nur einmal einen Blick auf die alte Heimat werfen bevor sie ihren Weg nach Lameriast fortsetzte. Sie hoffte das Arsen und Selina noch immer dort leben würden. Und vor allem hoffte sie auf eine Zuflucht bei ihrer Familie und dem Stillschweigen über ihre Ankunft. Er musste es nicht wissen, wahrscheinlich hielt er sie für Tod und das war gut so. Vor Scham und Schuldgefühlen tief errötend hielt sie in ihren Schritten inne und schaute sich um. Nur schwaches Licht drang von jenseits der Fenster des Hauses nach draußen. Es sah verändert aus. Auch der Name auf dem Schild war ein anderer. Henrietta? Wer war Henrietta? Hatte auch er das Haus verlassen, oder war sie die neue Frau in seinem Leben? Mühsam gefasst murmelte sie ein leises "leb Wohl" um zurück zum Hafen zu laufen.
Leb Wohl... soviel hatte sie weder ihm noch ihrer Familie gegönnt, als sie davon lief. Hoch Schwanger, vor Angst und Zweifel zerfressen, nicht mehr bei Verstand, im wahrsten Sinne des Wortes. Angewidert von sich selbst ließ sie ihren Blick durch die schäbige Kabine des Schiffes schweifen, dass sie nach Lameriast bringen sollte. Kurz fragte sie sich ob es wohl dasselbe Schiff sei, auf dem sie einst ihr Ja-Wort gab. Wie um sich selbst zu beruhigen küsste sie dem schlafenden Kind die Stirn. Wann würde es die ersten Anzeichen zeigen? Gedankenverloren strich sie durch die dunklen Locken des Kindes, einem Kind das so viel Ähnlichkeit mit ihrem Vater hatte. Wahrscheinlich mehr als ihr lieb war. Wie gut konnte sie sich noch an das erste Mal erinnern, als sie es in den Armen hielt. Eine tiefe Zufriedenheit überkam sie in diesem Moment und eine grausame Klarheit darüber, was sie getan hatte. Es schien fast so als wenn sie mit der Geburt des Kindes wieder Herr über ihren Verstand wurde.
Fröstelnd zog sie ihren Umhang fester um sich und ihr Kind. In der Nacht der Geburt träumte sie das erste Mal seit Monaten wieder. Es war wie eine Offenbarung! Ohne ihre Träume war sie nicht mehr sie Selbst gewesen. Lief trostlos und wie losgelöst durchs Leben. Je weiter damals die Schwangerschaft vorrückte umso trüber wurden ihre Gedanken. Zuerst war sie nicht mehr fähig zu träumen, als nächstes verlor sie die Fähigkeit Magie zu wirken, danach erloschen ihre Gefühle außer der schon greifbaren Angst und kurz bevor sie davon lief hatte sie das Gefühl blind für alles und jeden zu werden der sie umgab. Fest eingehüllt in einem nicht zu durchdringenden Schatten war sie gefangen in ihren Gedanken und dem immer verrückteren Zwiegesprächen mit ihrem ungeborenen Kind. Die Traumtänzerin ohne Träume. Nicht mehr fähig zu sehen. Es brachte sie um den Verstand. Vor lauter unbestimmter Angst spielte sie einem Jeden etwas vor, alles sei in Ordnung. Misstrauisch und hinter jeder Ecke den Feind vermutend. Der ganze Wahnsinn uferte eines Nachts in ihrer Flucht aus. Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern wie sie es geschafft hatte soweit zu reisen und wie sie dem Klostervorsteher davon überzeugt hatte ihr Zuflucht zu geben. Aber er tat es. Sie war sich durchaus bewusst dass man sie nur für Verrückt halten konnte und wahrscheinlich nahm man sie nur auf um das Kind vor der Mutter zu beschützen indem man es ihr nahm. Erst später erfuhr sie, das Arsen sie auf ihrer Flucht gefunden hatte und sie in diesem Kloster unter brachte.
Aber die Geburt änderte alles. Auf einmal sah sie wieder klar, brachen all die verlorenen Gefühle und Träume über sie herein. Wie ein Schleier den man ihr von den Augen zog um wieder sehen zu können. So schön dieses neue Erwachen auch war...es öffnete ihr auch die Augen darüber was sie getan hatte. Sie hatte völlig grundlos alles was ihr lieb und teuer war verlassen. Erneut überkam sie die Scham und ein schmerzhaftes Schuldgefühl. Was hatte sie ihm angetan? Was hatte sie ihrer Familie angetan? War er bereits vor Sorge außer sich? Vor lauter peinlicher Berührung brachte sie es nicht über sich Heim zu kehren. Monate waren ins Land gezogen bis sie die schützenden Mauern des Klosters verließ um in einem nahe gelegenen Dorf ihre neue Heimat zu finden. Die gute Frau Tobbs. Sie hatte resolut beschlossen das Kloster sei nicht der passende Ort für eine junge Mutter und ihr Kind und nahm sie kurzerhand bei sich auf. Es war ein friedliches und sicheres Leben. Ihrem kleinen Mädchen fehlte es an nichts. Jeden Tag erfüllte das fröhliche Lachen des Kindes das große Haus und ein Jeder der dem kleinen Mädchen ins Gesicht sah war haltlos verloren in den fröhlichen Tiefen ihrer Augen.
Arsen und Selina besuchten sie einige Male in der neuen Heimat. Beide wollten sie zur Heimkehr bewegen, aber sie konnte nicht. Auch wenn ihre Angst damals unbegründet war musste sie sich doch eingestehen das ein Leben mit den Schatten immer eine Gefahr barg die sie ihrer Tochter ersparen wollte. Dann, vor gut einem Sonnenlauf, brachten die beiden Elira mit, ihre aufgeweckte Nichte. Sie baten darum das Kind für eine Weile bei ihr lassen zu können, da dringende Aufträge es nicht zuließen sie ungeschützt zu Hause zu lassen. Sie konnte nur vermuten von wem sie diesen Auftrag erhielten und wahrscheinlich ging es um Dinge die den Schatten betrafen. So genau wollte sie es gar nicht wissen. Die beiden Mädchen verstanden sich auf Anhieb gut und so verging die Zeit wie im Fluge.
Leise erhob sie sich vom Bett um die Kleine nicht zu wecken. Ruhelos schritt sie in der Kabine hin und her um vor einem verdreckten Spiegel halt zu machen. Vorsichtig wischte sie mit ihrem Ärmel über den Spiegel um ihr Gesicht zu betrachten. Älter war sie geworden, das naive fröhliche Leuchten in den Augen war einer tiefen Ruhe gewichen. Ja sie hatte sich verändert, war nach all der Zeit in sich gekehrt und hatte ihren Frieden mit der Vergangenheit gefunden. Sie würde nie wieder lieben, nie wieder Versprechungen geben die sie nicht halten konnte und nie wieder Bindungen eingehen die über die Familie hinaus gingen. Sie war nur aus einem Grund jetzt zurück gekommen... Arsen und Selina hatten sich bis heute nicht gemeldet und Eliras Fragen nach dem langen Ausbleiben der Eltern sorgten nun auch Sienara. Wenn sie allerdings gedacht hatte sie könne sich mit den beiden Mädchen aus der neuen Heimat verabschieden und die längst fällige Reise zurück nach Bajard unternehmen, so hatte sie die Rechnung ohne die gute Frau Tobbs gemacht. Abermals bewies die Witwe ihre Entschlossenheit, packte das Nötige (wobei man an diesem Punkt darüber streiten konnte, ob das halbe Mobiliar und sicher 20 Kisten mit Kleidung wirklich zu dem Nötigsten gehörten) und entschied mit den Worten: "Die Kinder und du brauchen jemanden der auf euch Acht gibt", das eine Reise ohne sie völlig undenkbar sei. Nun lag sie mit Elira in der Kabine nebenan in einem hoffentlich friedlichen Schlaf.
Mit einem Finger zeichnete sie die Linien ihres Gesichts im Spiegel nach. Nein, sie hatte sich nicht in allem geändert, so sehr sie sich das vielleicht auch wünschen würde. Noch immer war sie ein Schatten, vielleicht sogar stärker als früher. Und das brachte sie zu einem ebenso wichtigen Grund endlich Heim zu kehren. Sie musste wissen was damals mit ihr geschah, war es der Schatten unter ihrem Herzen der sie blind werden ließ? War das Heranwachsen des Kindes in ihrem Leib Schuld an dem was geschah? Hatte es das schwarze Blut in Aufruhr gebracht? Hatte ihre kleine Tochter Fähigkeiten die sie nicht verstand? Arsen war der Einzige der ihr helfen konnte. Und vielleicht er.. aber sie hoffte inständig das Arsen ihren Bitten nachgekommen war und ihm sagte sie sei Tod. Zumindest er sollte wieder glücklich werden.
Sie warf ihrem Spiegelbild eine alberne Fratze zu bevor sie sich umdrehte und zurück zum Bett ging. Leise seufzend legte sie sich eng an ihr schlafendes Kind um sie noch eine Weile zu betrachten. Dann schloss sie lächelnd die Augen um einen Blick in die kindlich, glücklichen Träume ihrer Tochter zu werfen. Morgen würden sie Lameriast erreichen und hoffentlich bald Klarheit haben.
Leb Wohl... soviel hatte sie weder ihm noch ihrer Familie gegönnt, als sie davon lief. Hoch Schwanger, vor Angst und Zweifel zerfressen, nicht mehr bei Verstand, im wahrsten Sinne des Wortes. Angewidert von sich selbst ließ sie ihren Blick durch die schäbige Kabine des Schiffes schweifen, dass sie nach Lameriast bringen sollte. Kurz fragte sie sich ob es wohl dasselbe Schiff sei, auf dem sie einst ihr Ja-Wort gab. Wie um sich selbst zu beruhigen küsste sie dem schlafenden Kind die Stirn. Wann würde es die ersten Anzeichen zeigen? Gedankenverloren strich sie durch die dunklen Locken des Kindes, einem Kind das so viel Ähnlichkeit mit ihrem Vater hatte. Wahrscheinlich mehr als ihr lieb war. Wie gut konnte sie sich noch an das erste Mal erinnern, als sie es in den Armen hielt. Eine tiefe Zufriedenheit überkam sie in diesem Moment und eine grausame Klarheit darüber, was sie getan hatte. Es schien fast so als wenn sie mit der Geburt des Kindes wieder Herr über ihren Verstand wurde.
Fröstelnd zog sie ihren Umhang fester um sich und ihr Kind. In der Nacht der Geburt träumte sie das erste Mal seit Monaten wieder. Es war wie eine Offenbarung! Ohne ihre Träume war sie nicht mehr sie Selbst gewesen. Lief trostlos und wie losgelöst durchs Leben. Je weiter damals die Schwangerschaft vorrückte umso trüber wurden ihre Gedanken. Zuerst war sie nicht mehr fähig zu träumen, als nächstes verlor sie die Fähigkeit Magie zu wirken, danach erloschen ihre Gefühle außer der schon greifbaren Angst und kurz bevor sie davon lief hatte sie das Gefühl blind für alles und jeden zu werden der sie umgab. Fest eingehüllt in einem nicht zu durchdringenden Schatten war sie gefangen in ihren Gedanken und dem immer verrückteren Zwiegesprächen mit ihrem ungeborenen Kind. Die Traumtänzerin ohne Träume. Nicht mehr fähig zu sehen. Es brachte sie um den Verstand. Vor lauter unbestimmter Angst spielte sie einem Jeden etwas vor, alles sei in Ordnung. Misstrauisch und hinter jeder Ecke den Feind vermutend. Der ganze Wahnsinn uferte eines Nachts in ihrer Flucht aus. Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern wie sie es geschafft hatte soweit zu reisen und wie sie dem Klostervorsteher davon überzeugt hatte ihr Zuflucht zu geben. Aber er tat es. Sie war sich durchaus bewusst dass man sie nur für Verrückt halten konnte und wahrscheinlich nahm man sie nur auf um das Kind vor der Mutter zu beschützen indem man es ihr nahm. Erst später erfuhr sie, das Arsen sie auf ihrer Flucht gefunden hatte und sie in diesem Kloster unter brachte.
Aber die Geburt änderte alles. Auf einmal sah sie wieder klar, brachen all die verlorenen Gefühle und Träume über sie herein. Wie ein Schleier den man ihr von den Augen zog um wieder sehen zu können. So schön dieses neue Erwachen auch war...es öffnete ihr auch die Augen darüber was sie getan hatte. Sie hatte völlig grundlos alles was ihr lieb und teuer war verlassen. Erneut überkam sie die Scham und ein schmerzhaftes Schuldgefühl. Was hatte sie ihm angetan? Was hatte sie ihrer Familie angetan? War er bereits vor Sorge außer sich? Vor lauter peinlicher Berührung brachte sie es nicht über sich Heim zu kehren. Monate waren ins Land gezogen bis sie die schützenden Mauern des Klosters verließ um in einem nahe gelegenen Dorf ihre neue Heimat zu finden. Die gute Frau Tobbs. Sie hatte resolut beschlossen das Kloster sei nicht der passende Ort für eine junge Mutter und ihr Kind und nahm sie kurzerhand bei sich auf. Es war ein friedliches und sicheres Leben. Ihrem kleinen Mädchen fehlte es an nichts. Jeden Tag erfüllte das fröhliche Lachen des Kindes das große Haus und ein Jeder der dem kleinen Mädchen ins Gesicht sah war haltlos verloren in den fröhlichen Tiefen ihrer Augen.
Arsen und Selina besuchten sie einige Male in der neuen Heimat. Beide wollten sie zur Heimkehr bewegen, aber sie konnte nicht. Auch wenn ihre Angst damals unbegründet war musste sie sich doch eingestehen das ein Leben mit den Schatten immer eine Gefahr barg die sie ihrer Tochter ersparen wollte. Dann, vor gut einem Sonnenlauf, brachten die beiden Elira mit, ihre aufgeweckte Nichte. Sie baten darum das Kind für eine Weile bei ihr lassen zu können, da dringende Aufträge es nicht zuließen sie ungeschützt zu Hause zu lassen. Sie konnte nur vermuten von wem sie diesen Auftrag erhielten und wahrscheinlich ging es um Dinge die den Schatten betrafen. So genau wollte sie es gar nicht wissen. Die beiden Mädchen verstanden sich auf Anhieb gut und so verging die Zeit wie im Fluge.
Leise erhob sie sich vom Bett um die Kleine nicht zu wecken. Ruhelos schritt sie in der Kabine hin und her um vor einem verdreckten Spiegel halt zu machen. Vorsichtig wischte sie mit ihrem Ärmel über den Spiegel um ihr Gesicht zu betrachten. Älter war sie geworden, das naive fröhliche Leuchten in den Augen war einer tiefen Ruhe gewichen. Ja sie hatte sich verändert, war nach all der Zeit in sich gekehrt und hatte ihren Frieden mit der Vergangenheit gefunden. Sie würde nie wieder lieben, nie wieder Versprechungen geben die sie nicht halten konnte und nie wieder Bindungen eingehen die über die Familie hinaus gingen. Sie war nur aus einem Grund jetzt zurück gekommen... Arsen und Selina hatten sich bis heute nicht gemeldet und Eliras Fragen nach dem langen Ausbleiben der Eltern sorgten nun auch Sienara. Wenn sie allerdings gedacht hatte sie könne sich mit den beiden Mädchen aus der neuen Heimat verabschieden und die längst fällige Reise zurück nach Bajard unternehmen, so hatte sie die Rechnung ohne die gute Frau Tobbs gemacht. Abermals bewies die Witwe ihre Entschlossenheit, packte das Nötige (wobei man an diesem Punkt darüber streiten konnte, ob das halbe Mobiliar und sicher 20 Kisten mit Kleidung wirklich zu dem Nötigsten gehörten) und entschied mit den Worten: "Die Kinder und du brauchen jemanden der auf euch Acht gibt", das eine Reise ohne sie völlig undenkbar sei. Nun lag sie mit Elira in der Kabine nebenan in einem hoffentlich friedlichen Schlaf.
Mit einem Finger zeichnete sie die Linien ihres Gesichts im Spiegel nach. Nein, sie hatte sich nicht in allem geändert, so sehr sie sich das vielleicht auch wünschen würde. Noch immer war sie ein Schatten, vielleicht sogar stärker als früher. Und das brachte sie zu einem ebenso wichtigen Grund endlich Heim zu kehren. Sie musste wissen was damals mit ihr geschah, war es der Schatten unter ihrem Herzen der sie blind werden ließ? War das Heranwachsen des Kindes in ihrem Leib Schuld an dem was geschah? Hatte es das schwarze Blut in Aufruhr gebracht? Hatte ihre kleine Tochter Fähigkeiten die sie nicht verstand? Arsen war der Einzige der ihr helfen konnte. Und vielleicht er.. aber sie hoffte inständig das Arsen ihren Bitten nachgekommen war und ihm sagte sie sei Tod. Zumindest er sollte wieder glücklich werden.
Sie warf ihrem Spiegelbild eine alberne Fratze zu bevor sie sich umdrehte und zurück zum Bett ging. Leise seufzend legte sie sich eng an ihr schlafendes Kind um sie noch eine Weile zu betrachten. Dann schloss sie lächelnd die Augen um einen Blick in die kindlich, glücklichen Träume ihrer Tochter zu werfen. Morgen würden sie Lameriast erreichen und hoffentlich bald Klarheit haben.
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Gast
Lameriast…schon am Hafen beschlich sie ein ungutes Gefühl. Sie konnte es nicht genau benennen, aber irgend etwas stimmte nicht auf dieser Insel. Das war nicht mehr der friedliche Ort an den sie sich erinnerte. Aus diesem Grund ließ sie die Kinder in der Obhut Frau Tobbs und machte sich alleine auf zur Akademie. Schon auf dem Weg dorthin fielen ihr die Veränderungen auf. Verwaiste Höfe, die gehetzten Blicke der wenigen Menschen, denen sie begegnete und das Fehlen von Sarahs Haus. Die kleine Sarah. Wo mochte sie jetzt sein? Hatte sie die Insel verlassen? Bei der Akademie angekommen, zumindest an dem Ort angekommen, an dem die Akademie hätte stehen sollen, wurde ihre bange Vorahnung bestätigt: es gab keine Akademie mehr. Was war geschehen? Warum hatte ihr Bruder nie etwas davon erzählt? Immer war sie davon ausgegangen alles würde in den üblichen Bahnen laufen. Er hatte doch zusammen mit Selina die Leitung gehabt.
Wütend ballt sie die Hände. Natürlich, er hat geschwiegen um sie nicht unnötig zu beunruhigen. Man wusste ja nie so genau was man der labilen Sienara zumuten kann. Ungehalten lief sie zurück, am Hafen vorbei und weiter nach Osten. Das nächste Ziel war des Bruders Haus. Der Weg zu dem einsamen Landstrich war nie ein ungefährlicher gewesen, aber diesmal war sie froh darüber. Immerhin gab ihr das die Gelegenheit ihrer Wut an einigen dümmlich dreinblickenden Wesen, die ihr den Weg verstellen wollten, Luft zu lassen. Zufrieden sah sie wie der Feind, in dichtem Feuer gewickelt, zu Boden ging und verendete. Sie hatte lange keine Magie gewirkt, tröstlich zu sehen dass sie dazu noch immer in der Lage war!
Zu sagen dass sie erschüttert war, als sie endlich an ihr Ziel gelangte, wäre noch untertrieben. Nichts, kein Haus, kein Arsen oder Selina, nicht einmal die alten Obstbäume waren noch an ihrem Platz. Niedergeschlagen ließ sie sich ins Gras sinken, direkt ans Ufer an dem das kleine Haus hätte stehen sollen. Was war nur geschehen? Lag hier der Grund warum Arsen sich so lange nicht mehr bei ihr gemeldet hatte? Hatte die kleine Elira ihre Eltern verloren? Aber nein, das hätte sie gespürt, oder etwa nicht? Konnte sie sich überhaupt noch auf ihr Gespür verlassen? Nach all den Jahren? Wie gelähmt blieb sie sitzen um übers Meer zu blicken. Sie hätte niemals fort bleiben dürfen. Hatte sie nicht immer gewusst die Gemeinschaft zu schwächen mit ihrer Abwesenheit? War sie am Ende Schuld wenn etwas Schreckliches passiert war? War der alte Dämon zurück gekehrt? War er nicht besiegt wie sie alle dachten?
Die Sonne stand schon tief am Horizont als sie sich aus ihren Gedanken riss. Sie musste zurück zu den Kindern. Zurück zu ihrer Tochter, die ihr schon den ganzen Tag zusätzliche Sorgen bereitet hatte. Die letzte Nacht, in den Träumen des kleinen Mädchens, sah sie Malachai. Aber wie konnte das angehen? Wieso wusste die kleine wie ihr Vater aussah? Und woher wusste sie, dass sie ihm so nahe waren? Sienara hatte das unbestimmte Gefühl etwas Wichtiges zu übersehen oder nicht zu wissen.
Durch die Eile getrieben legte sie den Weg zum Hafen in einem schnelleren Tempo zurück. Diesmal ging sie jeder Ablenkung aus dem Weg um bald bei den Kindern zu sein. Am Ziel angelangt verhielt sie in ihren Schritten um sich wachsam umzublicken. Dort stand ein Mann, vermummt und ganz in Schwarz gekleidet, wie als wenn er auf sie warten würde. Ein Lächeln stahl sich ihr ins Gesicht, nur für einen kurzen Moment. Nein, scheinbar war mit ihrem Gespür noch alles in Ordnung. Auch ohne sein Äußeres zu erkennen fühlte sie ihn. Und sie war sich sicher ihm erging es ebenso. Arsen!
„Na was ist Fremder, Angst an mir vorbei zu gehen?“
Wütend ballt sie die Hände. Natürlich, er hat geschwiegen um sie nicht unnötig zu beunruhigen. Man wusste ja nie so genau was man der labilen Sienara zumuten kann. Ungehalten lief sie zurück, am Hafen vorbei und weiter nach Osten. Das nächste Ziel war des Bruders Haus. Der Weg zu dem einsamen Landstrich war nie ein ungefährlicher gewesen, aber diesmal war sie froh darüber. Immerhin gab ihr das die Gelegenheit ihrer Wut an einigen dümmlich dreinblickenden Wesen, die ihr den Weg verstellen wollten, Luft zu lassen. Zufrieden sah sie wie der Feind, in dichtem Feuer gewickelt, zu Boden ging und verendete. Sie hatte lange keine Magie gewirkt, tröstlich zu sehen dass sie dazu noch immer in der Lage war!
Zu sagen dass sie erschüttert war, als sie endlich an ihr Ziel gelangte, wäre noch untertrieben. Nichts, kein Haus, kein Arsen oder Selina, nicht einmal die alten Obstbäume waren noch an ihrem Platz. Niedergeschlagen ließ sie sich ins Gras sinken, direkt ans Ufer an dem das kleine Haus hätte stehen sollen. Was war nur geschehen? Lag hier der Grund warum Arsen sich so lange nicht mehr bei ihr gemeldet hatte? Hatte die kleine Elira ihre Eltern verloren? Aber nein, das hätte sie gespürt, oder etwa nicht? Konnte sie sich überhaupt noch auf ihr Gespür verlassen? Nach all den Jahren? Wie gelähmt blieb sie sitzen um übers Meer zu blicken. Sie hätte niemals fort bleiben dürfen. Hatte sie nicht immer gewusst die Gemeinschaft zu schwächen mit ihrer Abwesenheit? War sie am Ende Schuld wenn etwas Schreckliches passiert war? War der alte Dämon zurück gekehrt? War er nicht besiegt wie sie alle dachten?
Die Sonne stand schon tief am Horizont als sie sich aus ihren Gedanken riss. Sie musste zurück zu den Kindern. Zurück zu ihrer Tochter, die ihr schon den ganzen Tag zusätzliche Sorgen bereitet hatte. Die letzte Nacht, in den Träumen des kleinen Mädchens, sah sie Malachai. Aber wie konnte das angehen? Wieso wusste die kleine wie ihr Vater aussah? Und woher wusste sie, dass sie ihm so nahe waren? Sienara hatte das unbestimmte Gefühl etwas Wichtiges zu übersehen oder nicht zu wissen.
Durch die Eile getrieben legte sie den Weg zum Hafen in einem schnelleren Tempo zurück. Diesmal ging sie jeder Ablenkung aus dem Weg um bald bei den Kindern zu sein. Am Ziel angelangt verhielt sie in ihren Schritten um sich wachsam umzublicken. Dort stand ein Mann, vermummt und ganz in Schwarz gekleidet, wie als wenn er auf sie warten würde. Ein Lächeln stahl sich ihr ins Gesicht, nur für einen kurzen Moment. Nein, scheinbar war mit ihrem Gespür noch alles in Ordnung. Auch ohne sein Äußeres zu erkennen fühlte sie ihn. Und sie war sich sicher ihm erging es ebenso. Arsen!
„Na was ist Fremder, Angst an mir vorbei zu gehen?“
- Arsen Talmar
- Beiträge: 24
- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:41
„Na was ist Fremder, Angst an mir vorbei zu gehen?“
Dieser eine Satz genügte um ihn für einen Augenblick aus der Fassung zu bringen. Nein, er brauchte nicht zu fühlen um zu wissen wer dort vor ihm stand, die kannte diese Gestalt nur zu gut, diese Haltung, dieses spürbare Grinsen in ihrer Stimme... Sienara! Sie war hier und mit ihr sicher auch die beiden Mädchen, nach denen er sich nun schnell umsah, sie aber nirgends entdecken konnte. Was in aller Welt Namen machte sie hier, hier auf Lameriast, wo er sie doch hunderte von Meilen entfernt wähnte...alles in seinem Kopf schien sich zu drehen und nur mühsam rief er sich zur Ordnung.
„Nein keine Angst nur sehr viel Überraschung.“
Seine Worte schienen die Spannung die deutlich spürbar in der Luft lag zu lösen und als er die Kapuze zurück schlug und seine Maske abnahm schien sie direkt auf ihn zuzufliegen und nur mit Mühe hielt er sich auf den Beinen als seine Schwester ihn umarmte. Für einen Augenblick stahl sich ein kleines Lächeln in die sonst erstarrt scheinenden Gesichtszüge dann wurden sie wieder zu einer Maske, während er sich um sah. Lameriast war nicht mehr so sicher wie früher und so beeilte er sich Sienara auf das wartende Schiff zu bringen und mit ihr zurück nach Bajard zu fahren.
Nun erst als er mit ihr den einigermaßen sicheren Boden Bajards betrat wich die von ihm gewohnte Wachsamkeit von ihm und er sackte etwas in sich zusammen. Er war einfach nur noch müde und erschöpft, die Sorgen um Selina und was nun werden würde hatten den letzten Rest seiner Kraft aufgebraucht, aber Sienara hatte ein Anrecht darauf zu erfahren was geschehen war. So zog er sie zu einem etwas abseits gelegenen kleinen Feuer, an dem sie es sich auf umgestürzten Bäumen einigermaßen bequem machten. Er wusste das er gefährlich Nahe an Malachai's Haus mit ihr war, noch viel näher an der Herberge in der Verdania und er sich sehr oft aufhielten, aber Malachai würde so oder so bald wissen das sie zurück war, gleich ob durch Informanten oder seinem Gespür für das Blut, das in ihren Adern floss und scheinbar wie ein Fluch wirkte.
Er schreckte aus seinen Grübeleien auf als er die forschenden, ja fast ängstlichen Blicke seiner Schwester auf sich liegen spürte und da war sie schon die befürchtete Frage, jene die wieder alles in ihm hochkommen lies und fast die Luft zum atmen nahm, die doch so einfache Frage was denn los sei und so begann er nach einem tiefen Atemzug leise und stockend mit der Erzählung dessen was geschehen war....
Dieser eine Satz genügte um ihn für einen Augenblick aus der Fassung zu bringen. Nein, er brauchte nicht zu fühlen um zu wissen wer dort vor ihm stand, die kannte diese Gestalt nur zu gut, diese Haltung, dieses spürbare Grinsen in ihrer Stimme... Sienara! Sie war hier und mit ihr sicher auch die beiden Mädchen, nach denen er sich nun schnell umsah, sie aber nirgends entdecken konnte. Was in aller Welt Namen machte sie hier, hier auf Lameriast, wo er sie doch hunderte von Meilen entfernt wähnte...alles in seinem Kopf schien sich zu drehen und nur mühsam rief er sich zur Ordnung.
„Nein keine Angst nur sehr viel Überraschung.“
Seine Worte schienen die Spannung die deutlich spürbar in der Luft lag zu lösen und als er die Kapuze zurück schlug und seine Maske abnahm schien sie direkt auf ihn zuzufliegen und nur mit Mühe hielt er sich auf den Beinen als seine Schwester ihn umarmte. Für einen Augenblick stahl sich ein kleines Lächeln in die sonst erstarrt scheinenden Gesichtszüge dann wurden sie wieder zu einer Maske, während er sich um sah. Lameriast war nicht mehr so sicher wie früher und so beeilte er sich Sienara auf das wartende Schiff zu bringen und mit ihr zurück nach Bajard zu fahren.
Nun erst als er mit ihr den einigermaßen sicheren Boden Bajards betrat wich die von ihm gewohnte Wachsamkeit von ihm und er sackte etwas in sich zusammen. Er war einfach nur noch müde und erschöpft, die Sorgen um Selina und was nun werden würde hatten den letzten Rest seiner Kraft aufgebraucht, aber Sienara hatte ein Anrecht darauf zu erfahren was geschehen war. So zog er sie zu einem etwas abseits gelegenen kleinen Feuer, an dem sie es sich auf umgestürzten Bäumen einigermaßen bequem machten. Er wusste das er gefährlich Nahe an Malachai's Haus mit ihr war, noch viel näher an der Herberge in der Verdania und er sich sehr oft aufhielten, aber Malachai würde so oder so bald wissen das sie zurück war, gleich ob durch Informanten oder seinem Gespür für das Blut, das in ihren Adern floss und scheinbar wie ein Fluch wirkte.
Er schreckte aus seinen Grübeleien auf als er die forschenden, ja fast ängstlichen Blicke seiner Schwester auf sich liegen spürte und da war sie schon die befürchtete Frage, jene die wieder alles in ihm hochkommen lies und fast die Luft zum atmen nahm, die doch so einfache Frage was denn los sei und so begann er nach einem tiefen Atemzug leise und stockend mit der Erzählung dessen was geschehen war....
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Gast
Fassungslos lauscht sie ihrem Bruder der ihr von den vergangenen Jahren erzählt. So vieles war geschehen und nichts war mehr wie vorher.
Selina verschollen bei einem Auftrag und eben erst zurück gekehrt. Verwundet und vom schwarzen Blut ergriffen. Arsen untröstlich und nicht mal dazu fähig seine Tochter zu sehen aus Angst auch er könne sich vergessen.
Die kleine Sarah, nun nicht mehr ganz so klein und Verlobt mit Hudgarr. Es fällt ihr schwer sich das überhaupt vorzustellen. Gab es den guten Perrin nicht mehr in ihrem Leben?
Die Akademie für immer geschlossen und damit ihre Hoffnung dahin, dort Obdach zu erlangen. Keines der ihr bekannten Häuser, zu denen sie früher Zugang hatte, gab es noch. Wenn sie nicht in einem der unterirdischen Zufluchtsorte der Schatten hausen wollte, undenkbar mit zwei Kindern, musste sie sich schnell eine neue Bleibe suchen. Schon der Gedanke an die trostlos dunklen Gänge der gut versteckten Anlagen ließ sie frösteln.
Und natürlich Malachai. Im Namen der Schatten geschieden und das schon vor Jahren. An dieser Stelle der Erzählung wählt der fürsorgliche Bruder seine Worte mit Bedacht und trotzdem schmerzen sie wie hunderte kleiner Messerstiche. Nichts lässt er aus, weder die Heirat mit Inara, ihrem und Maricks Tod noch die neue Frau in seinem Leben. Verdania. Auch diese würde er bald heiraten. Es war alles noch viel schlimmer als sie befürchtet hatte. Nicht das es eine neue Frau in seinem Leben gibt, damit hat sie gerechnet und ihm von Herzen gewünscht, aber das er tatsächlich in den vergangenen Jahren Frau und Kind an den Tod verloren hatte... das macht ihre Lüge umso grausamer. Niemals würde er ihr vergeben. Wie sollte er auch. Sie hatte genau gewusst wie er sich fühlen würde. Sie hatte es damals miterlebt als Inara zum ersten Mal verschwand. Sie hatte allerdings auch erlebt wie er sich für neue Dinge öffnen konnte, nachdem der Schmerz einmal vergangen war. Und genauso wollte sie es. Das er weiter lebt.
Die leise gesprochenen Worte des Bruders verlieren sich langsam in ihrem Kopf. Sie will nichts mehr hören. Sie hätte niemals zurückkehren sollen und schon gar nicht zu diesem schlecht gewählten Zeitpunkt. Das Letzte was sie jetzt sehen wollte war eine Hochzeit. Und es bedarf keiner großen Vorstellungskraft wer wohl der unerwünschte Gast auf so einem Fest wäre. Tröstlich also das sie mit Sicherheit keine Einladung erhalten wird. Das dazu aufgesetzte Lächeln müsste man ihr schon ins Gesicht meißeln um es nicht zu verlieren. Eine so gute Schauspielerin war sie nicht. Also wird sie sich noch eine Weile verbergen müssen um das traute Glück nicht zu stören.
Tröstend fühlt sie den Arm ihres Bruders um ihre Mitte, der sie langsam mit sich zieht. Sie würden zu Sarah gehen, irgendwo anfangen sich allem zu stellen. Nur nicht bei ihm.
Selina verschollen bei einem Auftrag und eben erst zurück gekehrt. Verwundet und vom schwarzen Blut ergriffen. Arsen untröstlich und nicht mal dazu fähig seine Tochter zu sehen aus Angst auch er könne sich vergessen.
Die kleine Sarah, nun nicht mehr ganz so klein und Verlobt mit Hudgarr. Es fällt ihr schwer sich das überhaupt vorzustellen. Gab es den guten Perrin nicht mehr in ihrem Leben?
Die Akademie für immer geschlossen und damit ihre Hoffnung dahin, dort Obdach zu erlangen. Keines der ihr bekannten Häuser, zu denen sie früher Zugang hatte, gab es noch. Wenn sie nicht in einem der unterirdischen Zufluchtsorte der Schatten hausen wollte, undenkbar mit zwei Kindern, musste sie sich schnell eine neue Bleibe suchen. Schon der Gedanke an die trostlos dunklen Gänge der gut versteckten Anlagen ließ sie frösteln.
Und natürlich Malachai. Im Namen der Schatten geschieden und das schon vor Jahren. An dieser Stelle der Erzählung wählt der fürsorgliche Bruder seine Worte mit Bedacht und trotzdem schmerzen sie wie hunderte kleiner Messerstiche. Nichts lässt er aus, weder die Heirat mit Inara, ihrem und Maricks Tod noch die neue Frau in seinem Leben. Verdania. Auch diese würde er bald heiraten. Es war alles noch viel schlimmer als sie befürchtet hatte. Nicht das es eine neue Frau in seinem Leben gibt, damit hat sie gerechnet und ihm von Herzen gewünscht, aber das er tatsächlich in den vergangenen Jahren Frau und Kind an den Tod verloren hatte... das macht ihre Lüge umso grausamer. Niemals würde er ihr vergeben. Wie sollte er auch. Sie hatte genau gewusst wie er sich fühlen würde. Sie hatte es damals miterlebt als Inara zum ersten Mal verschwand. Sie hatte allerdings auch erlebt wie er sich für neue Dinge öffnen konnte, nachdem der Schmerz einmal vergangen war. Und genauso wollte sie es. Das er weiter lebt.
Die leise gesprochenen Worte des Bruders verlieren sich langsam in ihrem Kopf. Sie will nichts mehr hören. Sie hätte niemals zurückkehren sollen und schon gar nicht zu diesem schlecht gewählten Zeitpunkt. Das Letzte was sie jetzt sehen wollte war eine Hochzeit. Und es bedarf keiner großen Vorstellungskraft wer wohl der unerwünschte Gast auf so einem Fest wäre. Tröstlich also das sie mit Sicherheit keine Einladung erhalten wird. Das dazu aufgesetzte Lächeln müsste man ihr schon ins Gesicht meißeln um es nicht zu verlieren. Eine so gute Schauspielerin war sie nicht. Also wird sie sich noch eine Weile verbergen müssen um das traute Glück nicht zu stören.
Tröstend fühlt sie den Arm ihres Bruders um ihre Mitte, der sie langsam mit sich zieht. Sie würden zu Sarah gehen, irgendwo anfangen sich allem zu stellen. Nur nicht bei ihm.
-
Gast
Sarah hatte ihr Auftauchen bewundernswert Gelassen gesehen und sie herzlich empfangen. Irgendwie hatte sie mit mehr Ärger, mit mehr Fragen und mit mehr Vorwürfen gerechnet. Immerhin war sie Malachais Schwester. Aber so war Sarah schon immer, nie erhielt man das was man erwartet. Sie war einfach eine freundliche, liebenswerte Person. Zu dritt hatte man sich bei einem Tee lange Unterhalten. Auch Sarah hatte viele Schicksalsschläge zu verkraften gehabt und genau deshalb war sie jetzt erneut auf dem Weg zu ihr. Sie wollte sich mit der ehemaligen Schwägerin über ihre Schwangerschaft unterhalten, ohne dass der Bruder zuhörte. Vielleicht war Sarah die Einzige die nachempfinden konnte was damals geschah. Auch sie war schwanger gewesen und die Möglichkeit bestand, dass sie ähnliches erlebte.
Schon am Tor zu dem hübschen Haus in Berchgard wusste sie welchen schlechten Zeitpunkt sie gewählt hatte. Man konnte sagen was man wollte, aber mit schlechten Zeitpunkten kannte sie sich aus wie kein anderer. In dem Haus war nicht nur Sarah, dafür war die Präsenz der Schatten zu stark. Sowas hatte sie zuletzt vor Jahren gespürt und es war nur zu klar wer sich in diesem Haus befand. Sie könnte sich umdrehen und verschwinden, ja das könnte sie. Aber was brachte ihr das ein? Wenn sie ihn spüren konnte dann hatte er sie wahrscheinlich schon wahrgenommen noch bevor sie durchs Tor von Berchgard trat. Nein, sie würde nicht wieder umdrehen und davon laufen. Sie hatte es ihrem Bruder versprochen. Nie wieder davon laufen. Das innere Zwiegespräch, über dessen Ausgang sie sich keineswegs sicher war, wurde je durch Sarah unterbrochen, die ihr die Tür öffnete. Damit war der Zeitpunkt zur erneuten Flucht vertan.
Schultern straffen, einmal tief Luft holen und lächeln. Einfach immer nur lächeln. So hatte sie es früher schon getan. Nicht zeigen wie man sich fühlt, was in einem umgeht. So trat sie also ins Haus, grüßte freundlich und ließ sich auf den Stuhl neben Arsen nieder. Zumindest war auch er da und würde ihr, nur durch seine Anwesenheit, beistehen.
Egal wie lange sie leben würde, niemals wird sie den Blick vergessen mit dem Mala sie angesehen hatte. Von Eiseskälte im Blick zu reden, wäre noch eine charmante Untertreibung gewesen. Und das kurze Gespräch, wenn man es denn so nennen wollte, hätte ihr Blut in Eis verwandeln müssen. Wahrscheinlich hielt nur die Hand ihres Bruders, die sie unterm Tisch gedrückt hielt, sie davon ab, auf der Stelle nach Fuachtero zu teleportieren. Von Gleichgültigkeit sprach er und stürmte im nächsten Moment aus dem Haus. Selbst durch die Wände konnte man seinen Zorn spüren. Und was tat sie? Sie lächelte, gab ihm noch mehr Grund sie zu hassen. Nein Moment, Hass wäre ja ein Gefühl gewesen… Gleichgültigkeit war es was ihr entgegen schlug. Ob sie denselben Eindruck bei ihm hinterlassen hatte? Würde Sarah den Schmerz spüren? Sie war ihrem Bruder aus dem Haus gefolgt und würde sicher versuchen ihn zu beruhigen. Ein guter Moment den Rückzug anzutreten!
„Ja, ich kann stolz auf mich sein.“ Sprach sie leise, mit einer gehörigen Portion Sarkasmus in der Stimme. „Ich habe auch für heute genug Elend gebracht, habe alle in Aufruhr versetzt, Schmerzen verteilt und versteckt, mich verstellt und nicht zuletzt.. gelächelt.“ Rumpelnd fuhr die Kutsche an und brachte sie zurück nach Bajard, ihrem neuen Leben entgegen. Vielleicht würde sie ihm eines Tages ja erzählen was wirklich passiert war.
„Willkommen zuhause Sienara!“
Schon am Tor zu dem hübschen Haus in Berchgard wusste sie welchen schlechten Zeitpunkt sie gewählt hatte. Man konnte sagen was man wollte, aber mit schlechten Zeitpunkten kannte sie sich aus wie kein anderer. In dem Haus war nicht nur Sarah, dafür war die Präsenz der Schatten zu stark. Sowas hatte sie zuletzt vor Jahren gespürt und es war nur zu klar wer sich in diesem Haus befand. Sie könnte sich umdrehen und verschwinden, ja das könnte sie. Aber was brachte ihr das ein? Wenn sie ihn spüren konnte dann hatte er sie wahrscheinlich schon wahrgenommen noch bevor sie durchs Tor von Berchgard trat. Nein, sie würde nicht wieder umdrehen und davon laufen. Sie hatte es ihrem Bruder versprochen. Nie wieder davon laufen. Das innere Zwiegespräch, über dessen Ausgang sie sich keineswegs sicher war, wurde je durch Sarah unterbrochen, die ihr die Tür öffnete. Damit war der Zeitpunkt zur erneuten Flucht vertan.
Schultern straffen, einmal tief Luft holen und lächeln. Einfach immer nur lächeln. So hatte sie es früher schon getan. Nicht zeigen wie man sich fühlt, was in einem umgeht. So trat sie also ins Haus, grüßte freundlich und ließ sich auf den Stuhl neben Arsen nieder. Zumindest war auch er da und würde ihr, nur durch seine Anwesenheit, beistehen.
Egal wie lange sie leben würde, niemals wird sie den Blick vergessen mit dem Mala sie angesehen hatte. Von Eiseskälte im Blick zu reden, wäre noch eine charmante Untertreibung gewesen. Und das kurze Gespräch, wenn man es denn so nennen wollte, hätte ihr Blut in Eis verwandeln müssen. Wahrscheinlich hielt nur die Hand ihres Bruders, die sie unterm Tisch gedrückt hielt, sie davon ab, auf der Stelle nach Fuachtero zu teleportieren. Von Gleichgültigkeit sprach er und stürmte im nächsten Moment aus dem Haus. Selbst durch die Wände konnte man seinen Zorn spüren. Und was tat sie? Sie lächelte, gab ihm noch mehr Grund sie zu hassen. Nein Moment, Hass wäre ja ein Gefühl gewesen… Gleichgültigkeit war es was ihr entgegen schlug. Ob sie denselben Eindruck bei ihm hinterlassen hatte? Würde Sarah den Schmerz spüren? Sie war ihrem Bruder aus dem Haus gefolgt und würde sicher versuchen ihn zu beruhigen. Ein guter Moment den Rückzug anzutreten!
„Ja, ich kann stolz auf mich sein.“ Sprach sie leise, mit einer gehörigen Portion Sarkasmus in der Stimme. „Ich habe auch für heute genug Elend gebracht, habe alle in Aufruhr versetzt, Schmerzen verteilt und versteckt, mich verstellt und nicht zuletzt.. gelächelt.“ Rumpelnd fuhr die Kutsche an und brachte sie zurück nach Bajard, ihrem neuen Leben entgegen. Vielleicht würde sie ihm eines Tages ja erzählen was wirklich passiert war.
„Willkommen zuhause Sienara!“