Lux tenebram vincit – Das Licht vertreibt die Dunkelheit

Geschichten eurer Charaktere
Julian Ruyven Lavern

Beitrag von Julian Ruyven Lavern »

Gegeben am 18. Schwalbenkunft 255

Die ausgebreiteten Schwingen der Lichtbringerin zum Schutz
geliebte Schwester,

ich weiß, ich melde mich spät bei dir. Zu entschuldigen vermag ich es allenfalls damit, dass es hier sehr viel zu tun gibt, was mich dergestalt in Beschlag nimmt, dass ich kaum zu schreiben komme. Selbst die Einträge in mein Tagebuch leiden darunter und ich habe noch viel nachzutragen.

Euer Brief hat mich erreicht und ich muss gestehen, es erfüllt mich mit Bestürzung. Sobald ich kann, will ich heimkommen, um Euch beizustehen, doch zurzeit sieht es eher so aus, als müsste das noch warten, da ich hier noch unabkömmlich bin.
Sollte es Euch allzu viel werden, könnt Ihr gewiss eine Weile hier unterkommen, sofern Ihr möchtet, auch wenn das nur eine vorübergehende Lösung sein kann. Ihr wisst, genauso wie ich, dass unsere hohen Eltern unsere Unterstützung, wie auch unseren Beistand brauchen, so gut wie wir es vermögen. Vielleicht kann Euch seine Gnaden zur Seite stehen. Ich werde dir einen weiteren Brief an ihn beilegen, den du in diesem Falle an ihn weitergeben kannst.
Er kennt uns lange genug, um sicherlich die rechten Worte für unseren hohen Vater und unsere hohe Mutter zu finden.
Über eines seid aber gewiss: Ich schließe Euch alle, auch unseren Bruder, in meine Gebete mit ein, und hoffe, dass die schweren Zeiten alsbald überwunden sind.

So will ich aber nicht nur die trüben Gedanken näheren, sondern erzählen, was mir hier widerfahren ist – und letztlich ist es nicht nur Schlechtes, sondern auch viel Gutes. Dazu gehört wohl eine gewisse Freundschaft zu diversen Kindern dieser Gegend, die von Albträumen geplagt wurden, die schon ins hier und jetzt übergriffen und nicht nur die Kleinsten unser uns in Angst und Schrecken versetzten. Die Gefahr ist allerdings nun gebannt. Damit auch Ihr es in unserer Heimat weiter tragen könnt, und diese Sache niemals wieder in Vergessenheit gerät, werdet Ihr sicherlich auch das beigelegte Büchlein gefunden haben, das ich zu diesem Zweck schrieb. Es ist eine Zusammenfassung der Ereignisse und eignet sich bestimmt, etwas abgewandelt vielleicht, für eine gute Geschichte am Kamin im Kreise dieser oder jener Familie. Ihr könnt auch getrost behaupten, dass diese Erzählung der Wahrheit entspricht, denn genau so verhält es sich, auch wenn es unglaublich in den Ohren klingen muss.

Nach dem obigen Erlebnis folgte für mich noch ein weiteres.
Ich kann Euch versichern, kleine Schwester, ich bin mir mehr als sicher den richtigen Weg für mich eingeschlagen zu haben. Kein Zweifel. Ich bin
Ihrem Avatar begegnet. Ich hörte Ihre Stimme – ich glaube es zumindest (vielleicht wünsche ich es mir auch nur und verwechsle diese mit der Stimme ihres Sendboten). Das war jener Moment, in dem ich meine zweite Weihe erhielt. Ich kann noch immer nicht in Worte fassen, was ich in dem Augenblick empfand. Es war unbeschreiblich… groß. So viel größer, als ich je sein werde. In diesem Moment ist mir klar geworden, wer an den Göttern zweifelt, der sieht die Welt nicht mit offenen Augen, sondern verweigert sich ihr, denen die darin leben und allem, was mit Eluives erstem Wirken seinen Anfang genommen hat.

Gewiss ist nicht alles gut, gewiss findet sich nicht überall die Harmonie, die sich ein jeder von uns eigentlich wünscht, ob nun insgeheim oder auch ganz offen, aber es ist. Es ist genauso wirklich, wie die Götter und ihr Wirken.
Ich wünschte mir wirklich, ich könnte dieses Gefühl mit Euch und unserem Bruder teilen, und sei es nur ein Quäntchen davon.

Auch gebe ich nun Unterricht an all jene, die ihn erhalten möchten. Begonnen habe ich mit dem ritterlichen Kodex. So wie die Dinge liegen, kommt es wohl gut bei jenen an, die diesem beiwohnen. Ich lerne selbst stets noch etwas dazu hierbei.
Unter anderem, dass auch Erwachsene die Neigung junger Schüler haben, die im Unterricht tuscheln, essen oder dazwischenplappern, anstatt der guten Sitte zu folgen und jedermann zunächst aussprechen zu lassen, bevor sie selbst den Mund aufmachen.
Ja, ich weiß, was Ihr nun sagt: Ich sollte nicht nur das Negative an dem sehen, was mir präsentiert wurde. Das tue ich nicht, soviel sei versichert. Ich habe auch viel über die verschiedenen Ansichten und Auffassungen der Anwesenden gelernt, was die ritterlichen Tugenden anbelangt. Selbiges gilt auch für ihre Herangehensweise an jene. Es entstehen während des Unterrichts durchaus sehr interessante Diskussionen, wo einige versuchen ihre Meinung, ihre Ansicht dazu zu vertreten. Ich hoffe alsbald mehr davon zu hören und zu sehen, wenn die nächste Einheit angesetzt wird.

Was bleibt ansonsten zu sagen:
Ich vermisse Euch, unsere Familie. Gelegentlich fehlt mir der Austausch im Kreise der meinen sehr, auch wenn ich hier Menschen und Elfen kennen gelernt habe (und auch irgendwie als Familie bezeichnen möchte), die mir einen gesunden Ausgleich dafür schaffen, und das obschon ich sie nicht wirklich oft zu Gesicht bekomme.
Solltet Ihr irgendwann einmal nach Gerimor finden, werde ich sie Euch alle vorstellen. Ich bin mir sicher, Ihr würdet Euch gerade mit den beiden Waldelfen hervorragend verstehen. Mein Rat an dieser Stelle wäre es, zumindest einen Sack voll Erdbeeren dabei zu tragen.
Wo man mit Speck Mäuse fängt, fängt man mit Erdbeeren Shala.
Und bring mir bitte Bonbons mit. Ihr wisst schon, jene Veilchenpastillen und Minzplättchen, die es beim Quarter immer gab. Ich möchte wetten, er vergibt sie den Kindern noch immer für ein Kupferstück.

Einstweilen aber bleibt mir nur noch zu wünschen, dass alles in die rechten Bahnen zurückfindet, die unserer Familie stets vorbestimmt waren. Bitte richte meine besten Wünsche und Grüße aus. Ermahne sie ruhig in meinem Namen, sich zusammenzunehmen und ihre Tochter nicht zu vergessen.

Meine Abendgebete für Euch.


Julian R. Lavern, Diakon

Noch einmal ließ er den Blick über die Zeilen schweifen, las auch noch mal den beigefügten Brief für seine Gnaden Gerold. Auch das Buch wurde fein säuberlich beigepackt und alles in Öltuch eingeschlagen. Darum wickelte er ein weiteres Pergamente, verschloss es sorgsam mit Wachs und siegelte es kurzerhand. Eine Schnur wickelte er zudem darum, damit es auch ja hielt.

„So, mein kleiner Freund. Ich werde mal zum Hafen und das Päckchen in die Heimat schicken“, murmelte er leise zu dem Eichhörnchen, das sich zum wiederholten Male am heiligen Baum eingefunden hatte und gerade an einer Haselnuss herumknabberte, die er dem Tierchen überlassen hatte.

Aufmerksam musterten ihn zwei dunkle Knopfaugen, wobei sich der Nager aufrichtete und auf die Hinterläufe stellte. Für einen kurzen Moment huschte das altbekannte verhaltene Lächeln über seine Züge, dann wandte er sich ab und schritt zum Tor hinüber – gefolgt vom kleinen Freund, bis dieser ihn einholte und einfach die Robe erklomm.
Etwas überrascht blieb er stehen und sah das Eichhörnchen an, steckte ihm noch eine kleine Nuss zu und dachte, es würde sich wieder davon machen.
Aber nein, so sollte es wohl nicht werden. Es schickte sich offenkundig an ihn begleiten zu wollen…
Julian Ruyven Lavern

Beitrag von Julian Ruyven Lavern »

Gegeben am 17. Cirmiasum 255

Ich werde zunehmend nachlässig mit meinen Einträgen. Es ist wohl ein Zeichen dafür, dass es viel zu tun gibt und wenig Zeit für eigene Wünsche und Freiräume.

Ich wurde jüngst gefragt, woher ich die Kraft dafür nähme, und ob ich auch mal an mich dächte bei dem Ganzen. Meine Antwort war einfach wie logisch im Grunde. Die Lichtbringerin gibt mir Kraft, sie ist es auch, die mich zum Weitermachen anhält. Nein, ich denke selten bis gar nicht an mich. Zumindest dann nicht, wenn ich alle Hände voll zu tun habe. Das aber begreiflich zu machen und darüber hinaus, dass es für mich genau so wie es ist und war, richtig ist, scheint fast ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Es beruhigt die Menschen keineswegs, wenn gesagt wird, dass es einem gut geht oder der Weg, der eingeschlagen wurde, genauso gegangen werden möchte.
Hier muss ich zugeben, dass ich vermutlich genauso reagiere, wie die Fragende, wenn die Rollen vertauscht sind. Bislang ist mir das gar nicht so bewusst gewesen.

Das allerdings ist eher noch der beschauliche Teil in einem ganzen Berg von Aufgaben, Anstrengungen und ähnlichem.

Da wäre zum einen der Wassergraben vor Berchgard, dann der Friedhof, der mittlerweile ebenfalls heimgesucht wird von Untoten und dämonischen Kreaturen. Da wäre Windwarden, der noch zum Regiment verbracht werden muss, in der Hoffnung, dass es ohne Schwierigkeiten vonstatten geht und er wenigstens dahingehend Wort hält. Nicht, dass ich ihm sehr weit traue, aber den Versuch musste ich unternehmen, damit er genesen kann. Dass das Regiment sich auf mein Wort einließ, erleichterte mich zum einen, ließ mich andererseits aber innerlich auch aufseufzen. Ich legte mein Wort in die Waagschale für einen Mann, der durchaus bekannt dafür war, wenig auf Ehre und Demut oder gar Gerechtigkeit zu geben.
Dass das Bauchschmerzen verursacht, muss ich wohl kaum erwähnen, letztlich aber handelte ich in erster Linie im Ansinnen der Frauen, ebenso im Gedenken an die Nerven der Regimentler, denn die Frauen waren schon sehr aufgebracht gewesen.

Ich weiß, ich sollte mir kein Urteil erlauben, verzeih Herrin im Licht, aber ich bin nur ein Mensch und wir urteilen doch so dann und wann über andere, ob nun bewusst oder unbewusst. Ich fürchte, ich kann mich hier nicht zu irgendeiner Ausnahme ernennen, die ich nicht bin.

Mir will nicht einleuchten, wie dieser Mann es schafft, sich als derartiges Unschuldslamm auszugeben, obwohl bekannt ist, dass er aus dem Westen kommt, obschon bekannt ist, dass er sehr streitsüchtig ist in vielerlei Hinsicht, obwohl er es mit der Höflichkeit nicht hat, die Kunden vergrault mit seiner Art, beleidigend und angreifend ist, anmaßend obendrein und es an jeder Form von Respekt mangeln lässt. Tatsächlich hat er es sogar erneut auf der Trauerfeier bewiesen durch seine ganze Haltung.
Es fällt mir unendlich schwer ruhig zu bleiben, die Häme zu übergehen, es fiel mir unglaublich schwer ihn am Leben zu erhalten und ihm Heilung zu gewähren. Ich schätze, ich sollte beichten gehen.

Seine Verlobte scheint zu ihm zu passen wie ein Deckel auf einen Topf. Zwar besitzt sie noch ein Quäntchen mehr Respekt, aber auch nicht überragend mehr. Das, was ich ihr als positiv zuschreiben muss, ist wohl, dass sie Wort hält.
Allerdings verliert sie darüber hinaus sehr schnell Nerven und Kopf, lässt sich zu groben Leichtsinn verleiten und ist schnell mit der Hand dabei. Es steht hier gewiss noch ein Gespräch aus, aber ich bin nicht bereit es alsbald zu führen. Soll sie noch Zeit haben über das, was sie getan hat, nachzudenken. Gelegentlich wirkt das weitaus besser, als die Möglichkeit zu geben, eine Entschuldigung direkt anzubringen. Oftmals wird es dann doch nur allzu gern und allzu schnell wieder vergessen.

Was sie auch ganz offensichtlich vergaß, ist ihr Platz im Weltengefüge. An Demut fehlt es ihr genauso wie dem Kerl. Was ihre Taten anging, so verhielt es sich hier eher so, dass es Wut war, von der sie sich in den Leichtsinn treiben ließ. Mit Tapferkeit oder Mut hatte das nichts zu tun.
Mein Fehler zu glauben, dass ein Gebet sie wieder einfangen könnte und verhindern würde, dass solcherlei Handlungen folgten. Ich frage mich noch immer, wie ich den Haufen Verrückter – verzeih Herrin – daran hätte hindern können loszugehen. Sie waren schlimmer als Kinder. Soweit ich meinem hohen Vater und meiner hohen Mutter glauben darf, muss man Kinder manchmal laufen lassen, damit sie sich auf die Nase legen, um daraus zu lernen. Ich hege den Verdacht, diese Kinder lernen nichts dazu. Ja, ich sollte dringend beichten gehen.

Eines noch, was mich mit ein klein wenig Erheiterung erfüllt in all den schlechten Neuigkeiten: Fräulein Arlin scheint begonnen zu haben sich für Kleider zu interessieren. Ich finde das äußerst denkwürdig und erwähnenswert!


Julian R. Lavern
Julian Ruyven Lavern

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Klosteralltag

Die Sonne war noch nicht über den Horizont gekrochen, als ich mich von der Pritsche hochdrückte und mir verschlafen übers Gesicht rieb. Müde verließ ich die Kammer, nachdem ich mir eine einfache grobe Leinenrobe übergeworfen hatte und schlurfte den Kreuzgang hinunter zur Wasserzisterne. Der Eimer platschte ins Wasser und einige kräftige Züge später stellte ich ihn auf die Steinumrandung ab, hob ihn dann hoch und goss mir die Hälfte des eiskalten Wassers über den Kopf. Mit dem Rest an Wasser wusch ich mich gründlich, die Robe dafür ablegend. Auch wenn es warm war, überzog wenig später eine Gänsehaut meine Arme und den Oberkörper. Ohne mich abzutrocknen schlüpfte ich in die Leinenrobe hinein, stellte den Eimer beiseite und kehrte zunächst in die Kammer zurück. Dort suchte ich mir eine einfache, mittlerweile schon zerschlissene Hose aus der Truhe heraus und tauschte sie gegen die etwas bessere aus, legte die Leinenrobe auf Seite und tauschte diese gegen ein Leinenhemd. Festes Schuhwerk folgte und ich machte mich auf den Weg in den Tempel in der Mitte zur Morgenandacht, die Priestergewandung schlicht über die Arbeitskleidung werfend dafür.

Das Gebet zog sich über eine Stunde hin und als ich aus der Kirche heraustrat, zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen. Rasch wurde im Speisesaal ein karges Frühstück abgehalten. Brot, etwas Hartkäse und Wasser. Danach ging es aufs Feld. Zwischen Steckrüben und Kürbissen, die heranwuchsen, mit dem Unkraut zwischen den Fingern und dem Eimer neben mir, kniete ich da, während die Sonne langsam an Kraft gewann. Meine Gedanken schweiften zu den Menschen, die jeden Tag ihre Felder ebenso bewirtschafteten, die tagtäglich die gleiche Arbeit verrichteten, wie wir hier im Kloster und zog die Mundwinkel etwas hoch. Ja, es war eine schwere Arbeit, aber auch eine gute. Viel frische Luft, Wind und Wetter, einerlei ob es regnete oder die Sonne schien, irgendwas gab es draußen am Feld immer zu tun. Hier und da ließen sich einige Früchte schon ernten, oder neues Aussähen für den Herbst. Ich erinnerte mich gut, als ich hierher kam. Am Anfang fiel es schwer mit den anderen mitzuhalten, die Arbeit zu verrichten, stetig auf den Knien, gebündelten Weizen schleppen, schwere Körbe voller Kürbisse und anderem Gemüse tragen, putzen, sortieren, einlagern, das Feld und Beet Winterfest machen. Ich hatte ständig Muskelkater, ich lernte, dass der Körper mehr Muskeln hatte, als ich vorher auch nur ahnte. Mittlerweile fiel es mir leichter. Nicht immer, aber meistens. Wenn die Felder soweit wieder alle Pflege erhalten hatten, ging es weiter zu den Blumenbeeten, um dort ebenfalls das Unkraut herauszuziehen. Allein die Heilkräuter wurden stehen gelassen oder gelegentlich auch umgepflanzt. Was gebraucht wurde, vergeudete niemand hier. Mir gefiel die Arbeit, sie tat gut, zeigte an jedem Abend wieder anhand der zufriedenen Erschöpfung, was man geleistet hatte und man konnte sie auch sehen, immer wenn man an den Feldern vorbeikam, an den Beeten und alles in voller Kraft blühte, wuchs und gedieh. Bis zum Nachmittag hielt ich mich in Beeten und Feld auf, allein unterbrochen von einem leichten Mittagsmahl in Form von Suppe und Brot. Danach wusch ich mich erneut, wechselte die Kleider und sammelte die Schmutzwäsche zusammen und ging zum Waschplatz im Kloster, um diese zu reinigen. Waschbrett, Seife, Laugenwasser, klares Wasser, Hängeleine. Auch das nahm noch zwei gute Stunden in Anspruch. Im Grunde war es einer der ruhigeren Tage. Niemand läutete, was selten genug vorkam. Nach getaner Arbeit ging ich hinüber ins Lager, um die Bestände zu prüfen, einzusortieren, kontrollieren, protokollieren. Auch die Spendenkasse gehörte dazu. Es war eine elende Rechnerei, aber auch dem konnte ich etwas Gutes abgewinnen. Ich hatte in der Zeit meine Ruhe, konnte ohne Zeitdruck vor mich hin arbeiten und entspannte dabei sogar.

Am späten Nachmittag setzte ich mich schließlich unter den heiligen Baum, mein Tagebuch in der Hand, ebenso einen Kohlestift und machte den nächsten Eintrag. Dieser war nur sehr kurz gehalten.

26. Cirmasum 255

Es ist mal wieder an der Zeit zumindest eine kleine Randnotiz zu setzen. Zu mehr wird die Zeit heute nicht reichen. Allenfalls eine halbe Stunde habe ich noch, bevor ich mich auf den Weg ins Glaubenshaus machen werde, um dort noch alle Vorräte zu kontrollieren, aufzustocken und zu notieren. Vielleicht finden auch einige Menschen zum Gespräch, wobei ich das in der derzeitigen Situation fast schon bezweifeln möchte.

Ich führte kürzlich das noch ausstehende Gespräch mit dem Fräulein. Als Erfolg würde ich das nicht bewerten wollen. Um ehrlich zu sein: Mir ist nicht entgangen, wie sie abblockte, nichts annahm von dem, was ich sagte, nicht mal bereit war sich die andere Seite zu betrachten, offen und frei heraus, sondern nur an ihrer eigenen Weltansicht und ihrer Meinung festhielt, ohne irgendwas anderes auch nur annähernd zuzulassen. Das Lächeln am Ende des Gespräches, das ?In Ordnung? waren auch nichts anderes als Beschönigungen und die eigentliche Aussage dahinter war: Lasst mich in Ruhe, Ihr habt sowieso keine Ahnung, wie es den einfachen Leuten geht und wie es in ihnen aussieht, was Ihr ihnen antut und Ihr nutzt Eure Macht aus. Ich frage mich indes noch immer, von welcher Macht sie wohl spricht, was mich anbelangt, denn ich besitze keine, noch will ich es. Ich kenne harte Arbeit genauso wie sie, und gehe ihr jeden Tag nach, arbeite noch darüber hinaus, während andere ihre Forke schon in die Ecke gestellt haben, oder die Sense. Sie wird vermutlich nie verstehen, dass jeder seine Pflichten und Verantwortungen zu tragen hat, jeder seine Lasten und Päckchen hat, mit denen er zurecht kommen muss, und es darüber hinaus noch Menschen gibt, die sich derer annehmen, die einfachen Gemüts sind, keine Kämpfer, keine Krieger, sondern solche, die des Schutzes bedürfen. Vielleicht sollte ich ihr eine Ausgabe aller Tugenden geben, aber ich glaube, selbst das wird zu gar nichts führen, außer, dass sie sich in ihrer beschränkten Weltansicht festbeißt. Ich schwanke zwischen Belustigung und Mitleid, wenn ich bedenke, dass gerade sie von sich behauptet über den Tellerrand hinwegzusehen und es mit keinem Fingerbreit tut, es nicht einmal bemerkt und es auch nicht annimmt, wenn man sie darauf hinweist. Besserwisserei führt ganz gewiss nicht dazu etwas zu lernen. Nun, immerhin kann ich für mich verbuchen etwas dazu gelernt zu haben. Ja, mag sein, dass mit mehr Nähe zu den Leuten mehr zu erreichen ist. Aber auch das gilt nicht für alle Stände und alle Ämter. Für mich ganz gewiss, ich bin auch darum bemüht ? auf meine Art. Dafür gehört es sicherlich auch den nötigen Respekt zu erwarten und selbst zu geben, und sei es nur, dass der sich in Anrede und Ansprache widerspiegelt. Was sich daran gestoßen wird, ist für mich ein wahres Wunder. Es scheint fast, als hätte jeder zweite keine Erziehung genossen, keine Ahnung von gesundem Respekt, gesunder Akzeptanz zu den Wünschen anderer, sowie keine Ahnung von der nötigen Toleranz dahingehend. Es scheint ungemein schwer zu sein Ihr und Euch oder Euer Gnaden zu sagen..

Zumeist wird es damit verbunden, dass man seine Macht ausspielen wolle. Es hat hingegen mit Macht gar nichts zu tun. Die besitze ich nicht, werde ich nie besitzen und wenn nur insoweit, wie die Menschen mir vertrauen ? was für mich nur umso schwerer ist, da ich sie niemals zu Ungunsten anderer ausnutzen möchte. Diese Macht indes trägt ein jeder von uns inne. Einer wie der andere und keiner ist da anders als der andere. Und was Regiment und Adel betraf, so musste man zu letzteren sagen, dass sie von Temora selbst bestellt wurden, um jene inne zu haben und die Schutzbefohlenen zu lenken und hüten, aus Chaos Ordnung zu schaffen und das Regiment war ihr verlängerter Arm, so wie es sein sollte.

Es mag sein, dass die Berchgarder die laschere Führung zu schätzen wussten, die sie durch den volksnahen Grafen erfuhren, es sei ihnen auch nicht zu verdenken, aber es ist mehr als bedauerlich, dass sie darüber vergessen, dass auch Berchgard zum Reich gehört, dessen Regeln und Gesetzen sie sich unterworfen haben, als sie sich dort angesiedelt haben und diesen Ort als ihre Heimstatt wählten. Mit einem Lächeln, einem Winken und hinter vorgehaltener Hand zu hetzen und zur Revolte aufzurufen, singt ein anderes Lied und wird ihnen mehr Leid als Freude bereiten, wie ich fürchte. Aber auch da wird gutes Zureden wohl nicht viel fruchten ? auch wenn ich es versuchen möchte. Das Problem wird sein den Schmierfink zu finden, die Rädelsführer. Mir werden sie sich kaum anvertrauen, schätze ich. Aber eine Idee habe ich dahingehend. Ich möchte nicht blind und taub sein gegenüber dem, was sich dort tut. Ein Ratgeber wäre nicht verkehrt. Nicht zwingend ich, vielleicht ja jemand anders, aber einer wäre sicher gut.


J. R. Lavern

Ich klappte das Büchlein zu und erhob mich. Einen Moment sah ich zu, wie sich das Gras langsam wieder anfing aufzurichten, um dann gen Kammer zu streben und das Tagebuch in der Truhe zu verstauen.

Es war an der Zeit nach den Kranken zu sehen im Lazarett und danach den Weg zum Glaubenshaus aufzunehmen.
Julian Ruyven Lavern

Beitrag von Julian Ruyven Lavern »

Gegeben am 13. Ashatar 255

Es ist vollbracht. Der Friedhof in Berchgard hat seinen Frieden wieder. Ich bin aufrichtig dankbar für die Hilfe, die die Geweihten dabei erhalten haben seitens der Klosterwache, der Ordensmitglieder und durch Herrn Saldorian, der so freundlich war sein Schwert ebenfalls zur Unterstützung anzubieten.
Zwar hätte ich mir gewiss gewünscht, dass Hochwürden von Anfang an dabei gewesen wäre, aber es war mir schon Erleichterung genug, als er etwas verspätet eintraf, auch wenn ich in dem Moment keine Zeit hatte es entsprechend auszudrücken.
Was uns dort erwartet hatte, damit war kaum zu rechnen gewesen, und andererseits wiederum doch. Die Albträume waren nicht dort, sie fehlten in der Aufreihung dessen, was uns entgegenschlug an wandelnden Knochen und Verwesung. Es war schwer zu ertragen, vor allem dann, wenn einem vor Augen stand, dass dies alles einmal gute Bürger und Menschen gewesen sein mussten.
Seine Gnaden Ardan und Fräulein Arlin blieben dort, um die Ordnung nach Reinigung und Weihe wieder herzustellen auf dem Friedhof, während der Orden mit mir zusammen zum Kloster zurückkehrte, ebenso auch unsere weitere Hilfe, Herr Saldorian, und saßen dort noch eine Weile lang zusammen.

Ich glaube, für alle Einzelheiten bin ich zu müde, zu erschöpft, zumal sich seither wieder einiges zugetragen hat, dass mich an so einigem zweifeln lässt. Nein, nicht an meinem Glauben. Jenen bemühe ich mich nach wie vor zu festigen.
Aber selbst zum Zweifeln bleibt kaum Zeit. Nachdem der Friedhof gereinigt ist, und ich dennoch sicher gehen möchte, dass die ermordeten Frauen nicht wieder unter uns wandeln, habe ich zwei von ihnen schon vor einiger Zeit, die in Obhut von Regiment und Kloster waren, zum Krematorium in Adoran verbringen lassen. Der neue Totengräber versprach sich darum zu kümmern, sie sorgsam einzuäschern und in einer Urne zu verwahren bis zum Tag der Bestattung.

Es bleibt mir noch ein Brief zu verfassen, und selbiges Verfahren mit der dritten Toten zu bitten, damit die Beerdigung und Gedenkfeier alsbald stattfinden kann. Mit einschließen soll es den Abschied des Grafen, nicht nur allein deshalb, weil er der Sohn des Herzogs und der Neffe ihrer Eminenz, sondern auch deshalb, um vielleicht dem aufgewühlten und erhitztem Gemüt der einfachen Leute zu verdeutlichen, dass im Tode alle gleich sind und den letzten Gang vor die Lichtbringerin antreten.
Vielleicht half es auch zu sehen, dass ein Vater ein Vater war, egal, welchen Standes.

Oh, und noch etwas sollte ich vielleicht mit einbringen. Die derzeitigen Unruhen bereiten mir doch einige Sorgen. Anstatt, dass es weniger wird, steigert es sich ins unermessliche. Jede einzelne Kleinigkeit scheint gerade zu genügen, um es nicht nur erneut zu entfachen, sondern auch noch zu einer wahren Explosion zu bringen – und das in meinen Augen bar jeder Vernunft und gänzlich unnötig. Es ist nicht das erste Mal, dass mir bewusst wird, dass an den meisten Stellen nur gestänkert wird, um des Stänkerns Willen. Was mir aber zunehmend auffällt, ist, dass es immer schlimmer wird und jede Einsicht dazu fehlt, dass es sich diese Situation für alle nicht verbessert, solange weiter mit Aufmüpfigkeit reagiert wird, anstatt mit Vernunft und Verstand.

Was mich noch viel mehr besorgt, ist die Tatsache, dass ich mich am gestrigen Abend auch nicht unbedingt von meinem Verstand habe leiten lassen, sondern durchaus ziemlich ärgerlich geworden bin und meinem Unmut dergestalt Luft gemacht habe, dass ich mich später selbst elend fühlte davon.
Ich fürchte auch, dass es nichts dazu beigetragen hat, die Situation zu verbessern. Da kam ein Kalure, den ich tatsächlich wertschätzen konnte und in zwei Abenden schaffte er es tatsächlich diesen Eindruck von sich völlig zu ruinieren. So rasant… und bei aller Mühe, die ich mir gab, nicht vorschnell zu urteilen, ich kann es hier nicht mehr verhindern.
Offensichtlich verhält es sich so, dass die anderen es nicht anders sehen, mit Ausnahme von Sandrox. Nicht, dass es mich großartig wundert. Nein, mich zu wundern, das schaffe ich kaum noch, egal, um was es geht. Es ist alles in allem einfach nur ernüchternd, enttäuschend und traurig – und nicht zu vergessen: Das Meiste davon ist so unnötig und wäre vermeidbar gewesen, wenn man nur ein wenig den Verstand gebraucht hätte. Dies gilt für die Zwerge, für das Bergdorf, für.. ich glaube, die Liste ist derzeit unendlich lang.
Erschöpfend und ermüdend. Und wäre dies nicht der beste Zeitpunkt, um den Glauben weiter zu tragen und ins Gedächtnis zu rufen, ich kann versichern, am liebsten bliebe ich innerhalb dieser Mauern und ginge einfach nur der Gartenpflege, der Feldpflege, den Studien und Gebeten nach.
Eine geraume Weile der stillen Einkehr.
Sollte die Welt einmal wieder den Atem anhalten, bevor das nächste Grollen über den Horizont näher heranzieht, werde ich diese Zeit nutzen, um genau das zu tun.
Doch bis dahin…

Ich werde nunmehr einen Brief aufsetzen, damit Gedenkfeier und Beerdigung alsbald stattfinden können.


Julian R. Lavern
Julian Ruyven Lavern

Beitrag von Julian Ruyven Lavern »

Gegeben am 03. Searum 255

Temora, gib mir Kraft.

Andere in Trauer zu sehen, egal, wer es ist, ist schwerer, als den eigenen Schmerz ob des Verlustes zu tragen. Am schlimmsten ist es den des Mädchens mitzuerleben. Dennoch hatte es auch sein Gutes. Sie hat ihre Stimme wieder gefunden und spricht. Kein elfischer Zauber, keine elfische Heilkunst, es war und ist dem Grafen wohl geschuldet, dass sie wieder spricht und ich hoffe inständig, Temora lässt es ihn in ihrer Güte wissen.
„Julian“ war das erste Wort, das sie zu mir sagte. Ganz gewiss schätze ich solche Vertrautheit nicht sonderlich, aber hier muss ich zugeben, war es doch etwas ganz Besonderes. Danach sollten noch einige Worte mehr folgen, auch wenn mir durchaus auffiel, dass sie oft auch auf solche verzichtete und wieder in ihre Gesten verfiel.
Ich bin mir nicht sicher, ob sie nicht sogar möchte, dass ich darüber schweige. Als ich seine Gnaden Ardan wenig später darauf hinwies, wirkte sie nicht begeistert davon. Also werde ich es in Zukunft ihr überlassen, ob sie etwas äußern möchte oder nicht.

Ich glaube, die Frage, ob sie an der Gedenkmesse teilhaben und etwas beitragen möchte, war richtig und gut angebracht. Da ich schon weiß, was sie in etwa wohl sagen wird, bin ich gespannt auf die Reaktion der Menschen, die hinkommen werden. Ich gestehe, dass ich ein klein wenig Politik habe mit hineinfließen lassen in das Ganze. Nyome weiß darum. Offenbar nimmt sie es mir nicht übel. Letztlich wird es sich hierbei auch um den Wunsch und Willen des Grafen handeln. Ich muss zugeben, sie kannte ihn sehr gut und hat offenbar auch sehr offene Worte für ihn gefunden zu Lebzeiten.
Kindern verzeiht man derartiges. Und dieses musste viel zu schnell erwachsen werden. Das stelle ich auch jetzt wieder fest.

Es ist im Übrigen erstaunlich, wie sehr man auf die Klangfarbe eines Menschen achtet, den man stumm kennen gelernt hat. Sie hat einen Akzent, den ich in dieser Gegend noch nicht gehört habe. Wenn es die Zeit zulässt, werde ich sie bestimmt noch fragen, wo die Insel liegt, die sie nannte. Vielleicht kommt auch irgendwann die Gelegenheit über das zu sprechen, was ihre Träume im Dunkeln hält. Eines ist gewiss, das Mädchen braucht jemanden, mit dem sie über all das sprechen kann, was geschehen ist.
Ob es jedoch gut ist, sie dazu zu drängen, weiß ich nicht. Vielleicht ganz behutsam darauf hinarbeiten, sie dorthin lenken. Zwar wäre es sicher eine Aufgabe eines Geweihten sich darum zu bemühen, immerhin geht es um ihr Seelenheil, aber nicht immer sind wir trotzdem die Richtigen dafür.
Ich denke da an Shala. Das Kind hat einen sehr engen Bezug zu der Lindil aufgebaut. Wer sollte ihr das auch verdenken? Shala hat selbst genug von einem Kind an sich, auch wenn sie dies im Grunde meist nur dann zeigt, wenn auch Raum dafür da ist.
Es wundert mich also nicht, dass ein junges Mädchen gerade die Nähe zu jemandem sucht, der ihr gar nicht unähnlich ist, zumal sie miteinander wunderbar auch Streiche aushecken können und dergleichen mehr. Es ist ähnlich wie eine große Freundin oder Schwester, der Unterschied im Alter fällt nur bedingt auf bei den beiden, wenn sie gerade ihren Flausen nachgehen.
Ganz so sehr komme ich nicht aus mir heraus. Vielleicht liegt es daran, dass ich auch als Kind eher ernst gewesen bin. Ich bin mir sogar sehr sicher, wenn seine Gnaden Ardan sich ein wenig mehr mit dem Mädchen befassen würde, hängt sie recht rasch an ihm, wie an einem großen Bruder.

Mit jedem Tag, der vergeht, stelle ich fest, ich sollte versuchen den Weg zu finden, der zwischen seiner Gnaden und Hochwürden liegt. Ich glaube, dieser Mittelweg ist genau der, den es braucht. Aber einfach ist es nicht. Auch das bedeutet für mich schon sehr aus mir herauszukommen, Schritte voran zu gehen, die mit einem Schlag ins Gesicht enden können, was mich wiederum zögern lässt.
Dabei sollte ich nicht so hadern, immerhin gibt es auch jene kostbaren Momente, di e es dreimal Wert sind, es zu wagen.

Die Zeiten sind weiß die Herrin nicht leicht. So viele entgleiten uns dieser Tage und ich fürchte, es werden alsbald noch mehr werden, wenn der Westen nach Osten rückt. Dass es da die ersten Bewegungen geben soll, ist bereits sogar ins Kloster vorgedrungen.
Ich mache mir Sorgen, wie lange es hier wohl noch sicher ist, habe Sorge um unseren heiligen und vom Licht gesegneten Baum, um jene, die hier Zuflucht suchten und fanden, um alles, was dazu gehört. Mit Hinblick auf das Mädchen, frage ich mich, wo in dieser Welt der Nachwuchs noch sicher aufwachsen kann, wo eine unbeschwerte Kindheit erleben, wo das alles hinführen soll, und wünsche mir eine Patentlösung, damit der immerwährende Krieg endlich ein Ende findet.

Wie kann eine Gottheit Hass und Zorn nur groß schreiben, wie kann ein Geistlicher so etwas predigen, wie kann so etwas zur vollendeten Zufriedenheit führen, wenn derartige Gefühle und Kräfte die Seele aufzehren?
Wie kann jemandem Tod und Verderben gefallen, Seuche und Pest? Es ist mir unbegreiflich.
Und dann stehe ich da, und frage mich – und frage die Herrin – sind wir wirklich so viel besser, die wir ebenso den Tod jenen bringen, die wir als unrettbar erachten? Vielleicht sind sie ebenfalls Eltern und hinterlassen ihre Kinder.

Ich weiß, es ist nicht an mir zu verzagen, das will und werde ich nicht. Aber wer bin ich, dass ich mich gegen solcherlei Fragen wehren kann? Darauf Antworten zu finden ist ungemein schwer. Bisweilen habe ich keine. Ich sollte aber welche haben, wenn ich gefragt werde.
Allein das zeigt mir, welch weiten Weg ich noch vor mir habe, und wie klein die Schritte sind, die ich gehe. Aber auch hier will und werde ich nicht aufgeben, nicht hadern, nicht zweifeln. Ich werde trauern, ich werde mich freuen, ich werde all das tun, wozu ein Mensch im Stande ist, der voraussieht und nicht zurück. Und vielleicht gelingt es mir davon auch anderen etwas zu vermitteln.
Alsbald, so habe ich schon beschlossen, will ich die Einladungen annehmen, die mir gegenüber ausgesprochen wurden. Zu lange sollte ich nicht mehr zögern. Es ist ein Anfang, wenn auch stellenweise ein unbequemer Gang.
Doch zu allererst werde ich zweien den letzten Weg bereiten, zusammen mit einem jungen bezaubernden und äußerst klugen Geschöpf. Ich will ehrlich sein, ich bin gespannt sie weiter aufwachsen zu sehen und erfreue mich daran dabei sein zu dürfen und ihre weiteren Schritte zu beobachten. Wehe dem Mann, der ihr irgendwann einmal begegnet, wenn sie alt genug ist, um auf andere Weise interessant zu sein, als es ein kleines Mädchen ist. Ich bin mir sicher, dieser darf sich äußerst warm anziehen – und zugleich wohl auch glücklich schätzen.
Möge Temora geben, dass sie ihren weiteren Weg in Sicherheit beschreiten kann.


Julian R. Lavern
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