Anney, Königin der (kleinen) Diebe

Sanna Emilia Kolmar

Beitrag von Sanna Emilia Kolmar »

Von der Stille

Egal in welchen Räumen ich bin, ganz gleich wo ich mich gerade aufhalten und meine Zeit verbringen mag, sie ist um mich herum: die Stille...
Schleichend folgt sie mir auf Schritt und Tritt, dabei ist es ganz gleich wie schnell oder langsam ich mich bewege - sie holt mich eben doch irgendwann ein und füllt meine Umgebung: die Stille...
Sie schweigt mich an und erdrückt die anderen Geräusche, welche mir Trost und Aufheiterung sind, wenn alles andere von ihr aufgesogen wurde. Ich höre sie dann schlucken: die Stille...

Zuletzt hat sie es fertig gebracht, dass sie in all jenen Räumen, Hallen, Häusern und Hüttchen wohnt, die ich einst meine Heimat, meine Zufluchten oder einfach nur Zuhause genannt habe.

In meinem Hüttchen fällt mir eh das Dach auf den Kopf und wenn nicht all das Viehzeug wäre, welches wenigstens ab und an für Rummel und Geräusche neben meiner eigenen Atmung sorgt, wäre ich dort drin in all der Stille erstickt. Doch drückt sie sich dort zwengend hinein und begräbt das Leben, dass selbst die Tiere sie spüren und nur noch selten so unbefangen Laute von sich geben. Nur noch selten halte ich es länger als einen Tag oder zwei dort aus - doch wohin dann?

Die meisten jener, die ich bisher in solchen Fällen dann "heimgesucht" habe, kamen auf die glorreiche Idee den Großteil der Schwalbenkunft ganz woanders zu verbringen und mir bleibt nur sehnsüchtig an ihren Häusern und Unterschlüpfen vorbeizumarschieren. Oh, natürlich habe ich dann wahlweise einen Schlüssel dazu oder wüsste schon wie ich ansonsten hineinkommen sollte - aber was bringt es mir? Ein weiteres totes Haus und wo wir schon bei tot sind...

Ihre endlose Macht hat die Stille auch in den Räumen unserer Gemeinschaft bewiesen und dort all das ehemalige Lachen vertrieben. Wie eine Gruft liegt der Keller da, weil die angenehme Ruhe dort zur Grabesstille mutiert ist und ich habe meinen Augen nicht trauen wollen, als ich dann doch unseren kleinen Schneiderlehrling dort habe sitzen sehen. Schade nur, dass sie ein Kind der Stille ist und mit dieser meist recht gut auskommt, da sie selber lieber lauscht statt redet. Wieder keine Chance auf eine wahre Kommunikation, menschliches Miteinander... Mit-einander... mit... wem?

Vermalledeite Stille!
Sie macht sich ebenso zufrieden in den vier Wänden, welche mir und ihm Heim sind, lang. Dort ist sie besonders gierig und legt sich auf jeden Gegenstand wie dicker Staub. Sie schafft es, dass ich das Gefühl habe, jeder Raum wäre mindestens zehnmal so groß und leer, wie die spartanische Einrichtung es einen sonst glauben mag. Ach, pfeif auf die Einrichtung und hätte er nur einen Stuhl pro Zimmer gehabt, wäre es auch gleich, denn wenn er da ist waren sie so... kahl? Kalt?

Aber er ist nicht da, niemand ist da, außer der Stille, welche mich schleichend umkreist und mir die Luft nimmt. Ich merke wie ich kleiner werde und in all der Stille zu versinken oder zu ertrinken drohe.
Drecknocheins! Ich muss raus, egal wohin!
Antworten