Die Bestie im Mann

Geschichten eurer Charaktere
Antworten
Darkan Amon
Beiträge: 92
Registriert: Dienstag 9. November 2010, 04:39

Die Bestie im Mann

Beitrag von Darkan Amon »

Er kniete über der Leiche des erschlagenen Wegelagerers, ohne Gefühlsregung wurden seine Taschen geleert, die Finger offenbar die eines
geübten Plünderers. Selbst das Maul des Toten wurde aufgestemmt, und ein dort sichtbarer Goldzahn wurde mit dumpfen Knacken herausgebrochen. Der Tote würde ihn schon nichtmehr brauchen. "Ich habe nichts zu verlieren, also gib mir dein Gold!", das waren die Worte des Straßenräubers als er seiner Ansichtig wurde. Nun, jetzt hatte er wirklich nichtsmehr zu verlieren. Mit einem amüsierten lächeln erhob er sich, und der Leiche wurde ein grober Tritt verpasst. Nochmals knirschte es laut, als eine Rippe zu Bruch ging, und der Leichnam durch den Tritt von der Straße herab in den Graben gerollt wurde. Das Töten war ihm immer leicht gefallen, vermutlich ein Teil seiner Erziehung. Wer mit dem Tod anderer aufwächst, verliert den Respekt vor fremden Leben. Oder war es doch nicht so einfach zu erklären? Manch einer würde ihn wohl als blutgierig bezeichnen, andere als Wahnsinnig. Vermutlich stimmte ein bisschen von jedem...

War er immer so? Nein. Er konnte höflich, freundlich und zurückhaltend sein. Doch Wut oder Kampf brachten ihn schnell an eine Grenze, und trugen ihn fließend über diese hinweg. Sein Vater sagte einst, er sei geboren als sein Erbe. Und als sein Erbe war sowohl Aufgabe als auch Bürde klar. Die Aufgabe war der Kampf, die Bürde war Wahnsinn. Wirklich nur eine Bürde? Er bezeichnete es mitlerweile als Fluch und Segen gleichzeitig. Die schäumende Wut machte ihn stärker, sie brachte
sein Blut derart zum kochen das selbst Schmerz ihn nur schwerlich stoppen konnte. Und er ließ sich durch nichtsmehr ablenken, wenn die Wut erstmal groß genug war. Nichteinmal Cara konnte ihn abhalten, seinen als Bruder angesehenen Verwandten niederzuschlagen.

Was war der Tod anderer für ihn? Nun, solange sie ihn nicht berührten, sah er es eher wie eine Mischung aus Freizeitvertreib und Geschäft an.
Waren es Personen die ihm nahestanden war ihr Tod zumeist Grund dafür, wieder anderen nachzujagen. Mit einer Ausnahme: Cara... Seltsam, diese Frau veränderte ihn nicht komplett, sondern lediglich auf sie bezogen änderte sich etwas. Ihren Tod oder ihr Leid würde er zu verhindern wissen, eine ungewohnte Aufgabe für den Krieger. Für gewöhnlich war er niemand der schützte, sondern jemand der zerstörte.

Zerstören

Einige Jahre mochte es her sein, in einem unbedeutenden Konflikt zweier wohlhabender Großbauern. Jede Seite hatte einige Söldner angeheuert, denen es egal war um was es eigentlich ging. Das Versprechen auf Bezahlung sowie die Aussicht auf Beute reichten aus, um die Hunde des Krieges herbeizutreiben, und sie dazu zu bringen einander
umzubringen. Auf einer der Seiten stand ein junger Söldner. Der einfache Söldner Darkan Amon. Bereit zu töten und zu verletzen und zu plündern...
Der Kampf dauerte lange, beide Seiten verausgabten sich. Auf Sturm folgte Gegensturm. Erst nach vielen Stunden des Blutvergießens zog sich die andere Seite zurück, und ließ den Hof ihres Auftraggebers ungeschützt zurück. Nun fielen die Hunde also über diesen und die Menschen her, die noch dort verblieben waren. Darkan selbst erschlug drei unbewaffnete Knechte. Warum? Nun, er wusste es nicht recht. Warum auch nicht? Der Hof wurde geplündert, die Frauen verschleppt, die Männer erschlagen. Am Ende wallten Flammen aus dem Dachstuhl der Scheunen und der Wohnhäuser. Ihr Auftraggeber würde zufrieden sein.
Darkan war gut beladen. Er hatte einige Münzen, Kerzenständer sowie ausreichend Nahrung erbeutet. Sie hatten mehrere Schweine geschlachtet, und nun war ein jeder mit dicken Stücken Fleisch versorgt. Weitere Kameraden hatten Bier und Schnapps erbeutet. Es würde ein Fest geben, eindeutig! Ein Fest um die heutige Tat zu feiern. Für den Aussenstehenden mochte es morbide wirken. Für die Söldner alltag...

Die Leichen auf dem Schlachtfeld, Freund wie Feind, waren längst halbnackt und ihrer Wertgegenstände beraubt. Die Krähen würden sich freuen, und die Reste gäben immernoch ein Festmahl für die Würmer ab! Es gab keine Ehre, keine Freundschaft unter seinesgleichen...

Und heute? Soldat war er. Er hatte Kameraden. Er konnte sich gut damit abfinden, nun nichtmehr in einer Truppe zu dienen, in der sich jeder selbst der Näheste war. Es konnte auch zerstörerisch auf alles wirken, dass musste er am Ende seiner Söldnerzeit schmerzhaft lernen, durch ein Schwert tief in den Eingeweiden. Hier stand man einander bei... Doch der Rest? Kampf, Plünderung des Feindes und Erschlagen der Widerständler würde für ihn gleichbleiben. Und wer ihm entgegentrat, würde früher oder später in jedem Fall sein Schwert zu spüren bekommen, egal wer oder was er war. Er war schließlich geduldig. Doch zunächst galt es, gewisse Ziele zu erreichen. Düstersee brauchte einen Wachzug, und für diesen trainierte er sich. So war letztlich auch der Tote Wegelagerer nicht mehr gewesen als eine Übung. Ein Leben nehmen, um zu üben und sich zu bereichern... Daran war doch nichts ungewöhnlich, oder?
Antworten