Müde sass Beletrian auf dem Bett. Die Schlafräume in der Adlerfestung waren einfach eingerichtet, ein Umstand, den er als angenehm empfand. Der Blick fiel kurz auf die achtlos in die Ecke gestellte Plattenrüstung. Seit dem Geplänkel am Kloster nahm er seine Wehr zum ersten mal wieder richtig wahr. Das meisterliche Zwergenwerk, geschaffen aus ihm unbekannten Materialien, hatte mehr als nur gelitten. Ob es nun die Dellen waren, von stumpfen Waffen herbeigeführt. Oder die vereinzelten, aufgebrochenen Stellen, von Hieben und Stichen stammend, oder einfach die abgerissenen Riemen und verbogenen Teile, als man ihm die Rüstung während er selbst nicht mehr dazu in der Lage war, vom Körper nahm.
Wie hatte er das überlebt? Der Zwergenschmied würde wohl lauter Fluchen als sonst schon, wenn er ihm die Rüstung zur Reparatur bringen würde. Konnte er das Metall den überhaupt wieder Ordnungsgemäss in Form bringen? Nunja, darüber wollte er sich nun wirklich keine Gedanken machen, nicht jetzt. Mühsam nahm er die Verbände ab, die neben einigen kleineren Schnittwunden und Blutergüssen seinen Oberkörper ziehrten. Die Tage waren gefühlt kürzer geworden, nachdem sie sich Wochen zuvor unendlich lange anfühlten. Endlich war der Tag gekommen, an dem er, ohne einen wütenden Akoluthen fürchten zu müssen, die Verbände abnehmen konnte und keine neuen Anlegen musste.
Er verspürte zwar immernoch einen gewissen Druck auf der Brust, besonders wenn er etwas tiefer einatmete, doch zumindest blieb das Husten aus. Seltsam Bleich war die freigelegte Haut, an vereinzelten Stellen bildeten die Nähte einen Kontrast dazu. Am schlimmsten war es an seinem rechten Unterarm. Als die Schiene erstmal entfernt war und er die Hand zur Faust ballen wollte, merkte er erstmals, wie Schwach er geworden war. Die stumpfen Schmerzen waren nichts verglichen zum Eingeständnis, dass er sich machen musste. Er war zwar nie ein sonderlich gut im Umgang mit dem Schwert, doch müsste er wohl erstmal wieder zu Kräften kommen, um seine Fähigkeiten überhaupt verbessern zu können. Den Beweis einholend, holte er das gescheidete Langschwert unter dem Bett hervor, zog es aus der Scheide und versuchte es aufrecht in der Hand zu halten. Einige Momente lang schaffte er es, ehe ein Zittern von der Hand aus seinen Arm heraufschlich und er das Schwert resignierend ablegen musste. Ein langer Weg stand bevor.
Er würde weiterhin viel Ruhe brauchen. Doch auch wenn er sich Gefühle wie Hass auf die Rahaler zu verbieten versuchte, in all den Stunden die er untätig im Lazarett liegend verbracht hatte, sich allerhöchstens darum bemühen musste, genügend Luft zu bekommen, hatte sich doch ein Wille in ihm gebildet. Nie wieder wollte er so schwach sein. Ächzend legte er sich hin und versuchte, Schlaf zu finden. Da war zwar noch etwas anderes, was ihm in letzter Zeit jeglichen inneren Frieden absprechen wollte, doch in dieser einen Nacht glänzte es durch Abwesenheit. Morgen stand ein neuer Anfang bevor.
Dem Krankenbett entstiegen
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Beletrian
Dem Krankenbett entstiegen
Zuletzt geändert von Beletrian am Mittwoch 11. April 2012, 02:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Beletrian
Einige male blinzelte er, reibte sich den Schlaf aus den Augen. Irgendetwas war hier ungewohnt. Langsam wurde der Blick klarer, der nur wenig bekannte Raum nahm Formen an, während er sich der ungewohnt angenehmen Schlafstätte gewahr wurde. Kein Wunder verpasste er den Dienst nie, wenn er in der Adlerfestung schlief, die Betten waren zwar keine Qual, doch er ruhte nie länger als notwendig in ihnen.
Die Erinnerungen an den vergangenen Abend und die folgende Nacht kehrten zurück, rauschten in einzelnen Bildern an seinem inneren Auge vorbei, wohlig lächelnd hätte ihn ein Beobachter vorgefunden. Doch da war noch etwas, unlängst hatte er festgestellt, dass er für einmal das Bett mit jemandem geteilt hatte. Nur ein halb von Laken und Haaren bedecktes Gesicht war zu sehen, welches an seiner Brust ruhte. Im innersten berührt atmete er etwas tiefer durch. Solche Momente waren selten, seit der Zeit im Kloster wusste er sie zu schätzen. Dieser eine Moment? Es würde wohl nicht der letzte bleiben, und doch, er war Einzigartig.
Behutsam strich er ihr das Haar etwas aus dem Gesicht und legte einen sanften Kuss auf die glatte Stirn. Heute hatte er Dienstfrei, hier würde er noch etwas bleiben.
Die Erinnerungen an den vergangenen Abend und die folgende Nacht kehrten zurück, rauschten in einzelnen Bildern an seinem inneren Auge vorbei, wohlig lächelnd hätte ihn ein Beobachter vorgefunden. Doch da war noch etwas, unlängst hatte er festgestellt, dass er für einmal das Bett mit jemandem geteilt hatte. Nur ein halb von Laken und Haaren bedecktes Gesicht war zu sehen, welches an seiner Brust ruhte. Im innersten berührt atmete er etwas tiefer durch. Solche Momente waren selten, seit der Zeit im Kloster wusste er sie zu schätzen. Dieser eine Moment? Es würde wohl nicht der letzte bleiben, und doch, er war Einzigartig.
Behutsam strich er ihr das Haar etwas aus dem Gesicht und legte einen sanften Kuss auf die glatte Stirn. Heute hatte er Dienstfrei, hier würde er noch etwas bleiben.