Mit Tränen in den Augen las Tariq den Brief den ihm der Schiffer übergeben hatte. Die Sonne, im Zenit, brannte unbarmherzig auf den jungen Menekaner nieder, doch schien er dies nicht wahrzunehmen.
Immer wieder kam eine Frage in seinem Kopf auf und verließ seine Lippen unbeantwortet.
„Warum bist du gegangen ohne dich zu verabschieden….warum?“
War ein anderer Mann der Grund? Nein, zu viele Tränen hatten beide vergossen, zu viel durch gestanden. Ihre Liebe war eine Oase des Glücks in der von Krieg zerfurchten Welt. Seine Brust zog sich zusammen als er den Brief weiter las.
Nie, so schwor er sich, würde er eine andere lieben, nie dieses wunderschöne Gesicht vergessen, dass er erblickt hatte nach seiner schweren Verwundung. Nie würde er ihre Liebe verraten und sich zu einer anderen ins Bett legen.
Doch warum hatte sie ihn nicht gebeten sie zu begleiten? Er wäre mit Freuden überall hin gegangen um nur bei ihr zu sein. Ein Knoten zog sich um seine Brust und sollte sich nie mehr lösen.
Wochen, Monaten vergingen und kein Lebenszeichen seiner Geliebten erreichte ihn. Die Speisen schmeckten nicht mehr, das Wasser löschte seinen Durst nicht und die Stadt, die er einst so sehr geliebt hatte, wurde für ihn zum Gefängnis.
Das erste Jahr verging, dann ein weiteres und noch eines bis schließlich sieben Jahren ins Land gezogen waren.
Tariq Masari, einst ein stolzer junger Kampfmagier, war zu einem Schatten seiner selbst verkommen. Er trat nicht mehr vor das Haus und vergrub sich in seiner Arbeit in sein Laboratorium. Er sprach selten ein Wort und seine Augen schienen ständig gerötet, so als würde er weinen, aber die letzten Tränen hatte er vor Jahren vergossen, er konnte nicht mehr weinen.
Obwohl gerade Mitte Zwanzig, hätte ein Fremder ihn für einen Greis gehalten. Sein Haar war frühzeitig ergraut, der Glanz in den einstmals so dunklen Augen verschwunden. Er war abgemagert, da er kaum noch aß und hatte sich vollkommen zurückgezogen.
So war es nicht verwunderlich das man ihn eines Tages Tod in seinem Bett fand. Seine Familie betrauerte seinen Tod, doch alle waren sich einig das sein Tod eine Erlösung für ihn war.
Noch lange sprach man in dem kleinen Stadtteil von Menek’Ur von dem Magier, der an gebrochenem Herzen starb…