Angekommen in der Heimat

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Aremion

Angekommen in der Heimat

Beitrag von Aremion »

"Nicht in Hast verloren wird er endlos neu geboren,
Jeder Augenblick ein Freund, ich hatte davon geträumt:
Die Gunst zu erleben, nach nichts zu streben
Machte mich erneut zum Kinde wiegte stürmisch meine Sinne."


Vollkommene Ruhe. Nichts anderes als das Rauschen der Blätter über und das Plätschern des Flusses neben ihm. Im Schneidersitz und dick eingemummelt saß er auf einer Decke inmitten der Schneemassen um ihn herum. Stille. Etwas wunderbares. Vorsichtig schob Aremion den Schnee an seiner Seite etwas zur Seite um die gefrorene, schlafende Erde unter ihm zu berühren.Lange Zeit saß er so da, nur der Natur lauschend und dem sanften Klang des Liedes in der Erde. Manchmal fiel es ihm noch schwer es bewusst zu vernehmen, doch mit der Zeit kam die Übung. Er fühlte sich zu diesem Element hingezogen und konnte es leichter fassen als die anderen. Erst als die Kälte mit aller Macht durch seine Kleidung dran, erhob er sich und ging zum Gemeinschaftsraum, um sich dort aufzuwärmen. Nachdenklich wanderte er zwischen den kleinen Holzhäuschen hin und her, die Schilder und die Namen darauf betrachtend. Manchmal konnte man meinen, dass die Brüder Winterschlaf hielten, so still war es im Hain. Ein leichtes Schmunzeln bildete sich auf den Lippen des jungen Druiden. Er selbst hielt sich vornehmlich in seinen Haus auf, seine eigenen vier Wände. Auch wenn es sehr spärlich eingerichtet war und er in seinem Plan, einen Keller auszuheben nicht wirklich weiter kam, fühlte er sich wohl. Nicht nur aufgrund der eigenen Behausung, nein. Er hatte auch Freunde gefunden, die nun seine Brüder waren. Xardrias hatte ihn aufgelesen, als Aremion von einer Wölfin an die Grenzen des Hains geführt wurde. Er hatte dem Jüngeren alles gezeigt und ihm auch bei vielen Dingen geholfen. Auch die anderen Druiden waren immer sehr hilfsbereit gewesen und hatten ihn versorgt mit dem Nötigsten, was man für den Start in dieses neue Leben brauchte. Und im Verhältnis zu seinem früheren Leben war das Leben im Hain das reinste Paradies. Man setzte Vertrauen in ihn, ließ Aremion an Ritualen teilhaben und teilte das althergebrachte Wissen. Aufmerksam hatte der ahnungslose junge Mann den Worten der Älteren gelauscht und sich im Meditieren geübt, ebenso auch darin das Lied auf sich wirken zu lassen, es zu vernehmen. Dieser Schritt war schwer gewesen und hatte ihn viele Stunden und viel Kraft gekostet, doch es lohnte sich. Gerne würde er mehr erfahren, doch er war ein Schüler und musste warten. Doch hatte sich auch seine Geduld entwickelt und er konnte warten, solange wie es nötig war.

Im Gemeinschaftshaus angekommen spürte er nur langsam die Wärme, die von den Feuern ausging. Vorsichtig legte er seinen Mantel ab und wärmte sich die klammen Finger an den Flammen. Ein Tee würde mehr helfen, aber wusste Aremion nicht, wo Xardrias diesen versteckt hielt. Weit und breit war sein Bruder auch nicht zu sehen, sodass er ihn hätte fragen können. Ein bisschen heißes Wasser mit Zitrone würde wohl auch vorerst den Zweck erfüllen. Mit steifen Fingern hiefte der junge Druide den Kessel mit ein wenig Wasser auf den Herd und wartete geduldig ab, bis dieses zu kochen begann. Eine Zitrone über dem Wasser auspressend, verbreitete sich der Geruch. Tief atmete Aremion das Aroma ein und seufzte erleichtert auf, als er ein Teeglas, gefüllt mit der Flüssigkeit, in den Händen hielt. Langsam ging er auf die Fenster zu und sah hinaus. Überall war das Weiß des Schnees vertreten und erzeugte ein wunderbares Bild der Natur. Lächelnd verlor er sich in Träumereien. Dies hier war sein Zuhause, mehr als alles andere zuvor. Fortgehen wollte der junge Druide nicht mehr. Er wollte bleiben, für immer.

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Aremion

Beitrag von Aremion »

"Ein Buch geschrieben von der Zeit
liegt aufgeklappt vor deinerseits,
jedes Siegen, gebrochen durch den Wind,
der alles verweht, und Neues bringt."



Völlig erschöpft war er am Vortag ins Bett gefallen. Endlich hatte er seinen Keller fertig gestellt und auch die kleinen Vögelchen, die sich immer wieder in sein Haus verirrten, hatten sich nun wohl in ihren neuen Nestern eingelebt. Aremion war zufrieden mit sich selbst. Nun konnte er endlich auch alles so einrichten, dass es ihm auch gefiel. Im Keller wurden die neuen Regale, sowie sein ebenso neuer Arbeitstisch aufgestellt. Lange war der junge Druide umhergewandert, von Ort zu Ort, um die Sachen zusammen zu bekommen. Nun fanden endlich auch die Felle ihre eigentliche Bestimmung. Sorgfältig legte Aremion diese aus auf dem Boden. Weiße Felle als Viereck in die Mitte und dunkle Felle als Umrandung drumherum. Alles hatte seinen Platz und genau dort musste es auch sein. Einige Pflanzen verschönerten den Raum ebenso, doch sah alles noch etwas leer aus. Manches würde noch einer Veränderung bedürfen. Doch Veränderungen kosteten Geld, worauf er eigentlich keinen Wert legte. Geld war ihm nicht wichtig und es war ihm auch egal, dass er nur wenig davon besaß. Dennoch benötigte er manchmal mehr davon, ob nun für Reagenzien oder für die Einrichtung seines Hauses. Als der junge Druide an die Reagenzien dachte, seufzte er auf. Er sollte sich weiter schulen in der Kunst des Tränkebrauens.

Einiges hatte Aremion schleifen lassen in der letzten Zeit und es war an der Zeit die Arbeit wieder aufzunehmen. Seine vielen Ausflüge in den letzten Tagen hatten ihn da auch sehr abgelenkt. Vor allem machte er sich Gedanken um diese kleinen Kinder, die er vor zwei oder drei Tagen getroffen hatte. Niclas, Yuni und Esteban. Die drei Kleinen schienen auf der Suche zu sein nach jemandem namens Amanda. Eine Frau, die sich wohl um sie gekümmert hatte, bis sie wohl spurlos verschwunden war. Aremion wusste nicht, wo die Kinder schliefen, woher sie ihr Essen bekamen oder ähnliches. Immer wieder hielt er Ausschau nach ihnen, doch er traf immer nur Esteban an. Ein frecher und aufgeweckter Junge und der junge Druide musste sich des Öfteren ein Lachen verkneifen, bei den Ideen des Kindes. Als er ihn nach Yuni und Niclas fragte, war die Antwort beruhigend. Sie würden noch schlafen. Wo jedoch bekam Aremion nicht heraus. Nachdenklich war er nach Berchgard gereist, wo er die Kinder das erste Mal angetroffen hatte. Er hatte sich umgesehen und war dabei wohl etwas zu tief in die Mine geraten und im Reich der Zwerge gelandet. Die riesigen Pilze hatten ihn fasziniert, doch bevor er auch nur den Hauch einer Chance bekommen hatte diese genauer zu untersuchen, wurde er auch schon von einem aufgebrachten Vertreter des kleinen Volkes aufgehalten. Fasziniert hatte Aremion diesen betrachtet in seiner Dornenrüstung und musste sich allerlei anhören und gefallen lassen, ehe der Zwerg sich langsam abregte und normal mit ihm zu reden begann. Im Gespräch ergab sich, dass dieser Zwerg wohl die Frau namens Amanda kannte und gelinde gesagt keine gute Meinung von ihr hatte. Ebenso schien er auch Mitleid mit den drei Kindern zu haben, da er wohl selber einen Sohn hatte. In Gedanken machte sich Aremion eine Notiz, dass er die Kinder nochmal aufsuchen sollte um ihnen von dem Zwerg zu berichten und von dem, was er gesagt hatte. Vor allem die beiden Jungen würden davon wahrscheinlich begeistert sein.

Nun saß er wieder in seinem Haus und dachte über die vergangenen Tage nach. Wie gerne würde er den Kindern helfen nur wusste er nicht wie. Erstmal sollte er wohl herausfinden, wo sie schliefen und ob sie gut versorgt waren. Das war sein erstes Ziel. Danach musste er weiter sehen. Langsam ließ er den Blick schweifen, der auf drei Fässer fiel. Zum Wegwerfen zu schade und für den Eigengebrauch nutzlos. Sich am Kopf kratzend schrieb er einige Zettel, auf denen er diese anpries und machte sich auf den Weg diese auszuhängen an belebten und vielbesuchten Orten und in den Städten und Dörfern, immer wieder Ausschau haltend nach den Kindern. Er wollte ihnen helfen.


[img]http://www.pfarrei-welschnofen.com/database/data/upimages/HelfendeHaende.jpg[/img]
Aremion

Beitrag von Aremion »

"Schenk aus den Wein, in vino veritas,
der Geist sitzt immer ganz unten im Krug.
Trink nicht allein, stoß lieber mit mir an,
die Zeit mit Wein und Weib vergeht wie im Flug."



Kopfschmerzen. Das war das Erste was er wahrnehmen konnte an diesem Morgen. Blinzelnd öffnete er die Augen und die helle Sonne stach ihm in die Augen. Es war nicht die sanfte Morgensonne, sondern die helle und klare Mittagssonne. Er hatte wohl lange geschlafen. Kein Wunder. Er hatte was getrunken und war erst am frühen Morgen aus der Taverne hinaus gegangen. Es waren aufregende und erfahrungsreiche Stunden gewesen. Der Unterrichtsgang mit Medren hatte ihn einige Male an die Grenzen seiner Konzentration gebracht. Beim ersten Durchlauf des Labyrinths konnte er sich noch auf seine vertraute Erde und auf das ebenso vertraute Wasser verlassen. Sie sollten die Augen schließen und sich von den Elementen leiten lassen, sich an ihnen entlang arbeiten. Aremion hatte tief in sich hineingehorcht, hatte das Lied wahrgenommen und sich einen relativ einfachen Weg gesucht, die Aufgabe zu meistern. Der Punkt, wo die Elemente Erde und Wasser ganz dicht beieinander waren, ineinander über gingen, war der Punkt, wo Ufer und Wasser aufeinander trafen in der Wirklichkeit. Auf diesem schmalen Grat bewegte er sich relativ zielsicher durch den Irrgarten, auch wenn es viel Konzentration und Kraft forderte. Es war nicht immer einfach beides auseinander zu halten und herauszufinden, wo er hintreten konnte und wo nicht. Doch schlussendlich stand er wieder außerhalb des Labyrinths. Der zweite Durchgang war ungleich schwerer. Aufgabe war, sich nicht mehr an das gewohnte Element zu halten, sondern an eines, welches nicht so vertraut war. Für den jungen Druiden bedeutete dies, dass er sich auf den Wind verlassen musste. Jenes unstete und unruhige Element. Als er begann, sich auf dieses Element zu besinne, spürte er wie es überall an ihm zog und zerrte, wie es ihn vor und zurück drückte. Schwankend ging er einige Schritte vorwärts, nicht wissend, wie er sich mit diesen Gefühlen und Eindrücken sicher den Weg suchen sollte. Mehr als einmal trat er dabei ins Wasser oder war kurz davor. Es war einfach zu wild und zu unbändig für den jungen, erdverbundenen Druiden. Dementsprechend dauerte dieser Durchgang um einiges länger, als der vorherige. Die letzten Meter kroch Aremion nur noch auf allen Vieren, da es für ihn so am sichersten schien. Doch es war ein lehrreicher Abend gewesen. Ebenso war es ein schönes Gefühl gewesen mit so vielen Brüder unterwegs zu sein. Nicht oft sah man sie so auf einem Haufen.

Als er heimkam wälzte er sich eine Weile unruhig auf seinen Fellen hin und her. Es gelang ihm einfach nicht einzuschlafen, sodass er wieder aufstand und sein Weg ihn nach Bajard führte. Fast musste er laut auflachen, als er mal wieder auf Esteban traf, doch diesmal war der kleine Junge in Begleitung. Ein Mann namens Holm war bei ihm und ebenso eine Schneiderin mit dem Namen Serra. Neugierig betrachtete er die Person und kam mit ihnen ins Gespräch. Aremion erfuhr, dass Esteban nicht wie die beiden anderen Kinder war, kein Waisenkind. Ein Stück weit spürte er Erleichterung dabei. Blieben nur noch die beiden anderen, Niclas und Yuni. Ein weiterer Mann kam dazu, Roberto. Und mit ihm verlagerte sich die ganze Gesellschaft auf die Insel La Cabeza und in die Taverne. Den ganzen Abend über hatte er Serra neben sich gehabt. Mit mehr Wein intus wurde er mutiger, machte Andeutung und ließ wohl nichts anbrennen. Das bemerkte auch ein weiterer Gast namens Leandro. Aremion wurde mit einem Schmunzeln bedacht und erkannte irgendwann selber, dass er wohl bei der Dame keinen Blumentopf gewinnen konnte, solange der kleine Esteban im Raum war. Seufzend fügte er sich in sein Schicksal, versuchte noch eine Weile mit Serra zu schäkern, ehe sie dann ging. Vielleicht würde er sich einen Scherz erlauben und ihr einen kleinen Kaktus schicken, als Erinnerung an den Abend. Schließlich wusste er, wo sie arbeitete und für wen. Da dürfte es auch leicht sein ihr sowas zukommen zu lassen. Vielleicht würde sie sich ja an ihn erinnern.

[img]http://www.flairhotel-am-kamin.de/images/raeume/details/rotwein.jpg[/img]
Aremion

Beitrag von Aremion »

"Ich suche nach der reinen Liebe
wo kein zwang das Feuer schürt
ich suche nach der reinen Liebe
wo eine Seele die andere berührt"


Er sollte aufhören, die Abende in der Taverne zu verbringen. Ganz dringend. Das machte auf die Dauer nur Kopfschmerzen und verdächtige Erinnerungsfetzen, die durchaus peinlich sein konnten. Nur langsam öffnete Aremion seine Augen. Er lag in seinem Keller auf den Fellen. Wie war er hergekommen? Wer hatte ihn hier her gebracht? Mühsam richtete sich der junge Druide auf und kroch schon fast die Treppen hinauf in seinen Wohnbereich. Ihm war so schlecht, das pelzige Gefühl auf seiner Zunge war nicht sonderlich angenehm und die helle Mittagssonne brannte sich schmerzhaft durch seine Augen in den Kopf hinein. Langsam, fast schon im Schneckentempo, ging er zu dem Wasserkrug in der Küche und nahm einen vorsichtigen Schluck davon, ehe er sich auch etwas Wasser ins Gesicht spritzte. Vorsichtig setzte sich Aremion in den Küchenstuhl und atmete ein paar Mal tief ein und aus, um so das schummrige Gefühl in der Magengegend loszuwerden. Was war am Vorabend geschehen? Er war wie schon öfters in den letzten Tagen nach La Cabeza gefahren und in Robertos Taverne gegangen. Er hatte gehofft Serra wieder zu sehen um ihr die kleine Kaktusblüte zu geben, die er für sie gesucht hatte. Doch sie war nicht da gewesen. Im Laufe des Abends kam auch sein Bruder Xardrias in die Taverne und diverse Gestalten, mit denen Aremion nicht unbedingt nähere Bekanntschaft machen wollte. Einzig die Tatsache, dass er und Xardrias mit diesen Personen zusammen tranken, hielt diese wohl von weiteren unangenehmen Fragen ab. Wein, noch mehr Wein, ganz viel Wein. Rum. Apfelschnaps. Wieviel von jedem er hatte, wusste der junge Druide nicht mehr. Und Serra hatte sich den ganzen Abend nicht sehen lassen. Traurig darüber, ließ er etwas den Kopf hängen und somit blickte er auch etwas tiefer ins Glas. Er wusste nicht wie viel Uhr und wie er nach Bajard gekommen war, auf jeden Fall stand er auf einmal vor Verdania Zac und suchte den nicht vorhandenen Briefkasten von Serra. Er wusste nicht, wie er auf die gute Frau gewirkt hatte, so wie er sich auf seinen Stab gestützt hatte und wahrscheinlich 10 Schritt gegen den Wind nach Alkohol gerochen hatte. Aber wenn sie irgendwas gestört hat, dann hat sie sich darüber ausgeschwiegen. Auch die Kaktusblüte nahm sie an sich und wollte sie Serra bei nächster Gelegenheit geben. Auf einmal war sich Aremion sehr unsicher gewesen, ob er sich im nüchternen Zustand überhaupt getraut hätte Serra, dieser wunderschönen Frau, die Blüte zu geben. Aber nun hoffte er, dass Verdania das tun würde, worum er sie gebeten hatte. Vielleicht würde er damit ja zumindest ein Stück weiter kommen. Bis jetzt hatte der Druide öfters das Gefühl gehabt, einen Korb zu bekommen von ihr. Aber Roberto ermutigte ihn immer wieder nicht aufzugeben und sich ran zu halten, da bei ihrem Aussehen wohl ruckzuck einige Männer mehr hinter ihr her wären. Lange hatte er überlegt, was er tun konnte um sie ein bisschen für sich zu gewinnen und nach den Gesprächen über Kakteen in der Taverne war er auf die Kaktusblüte gekommen. Die Pflanze an sich hätte ihr wohl nicht gefallen, doch die Blüte war etwas Wunderschönes, so wie Serra selber auch. Nun hatte er also eine solche weitergegeben und saß nun in dem Wohnbereich seines Hauses. Sollte er am heutigen Abend noch einmal sehen, ob sie da war? Wie würde sie auf ihn reagieren, wenn sie die Blüte erhalten hatte? Aremion fürchtete sich vor diesem Moment. Doch er musste wissen, was sie dazu sagte. Mehr als ablehnend reagieren, konnte sie nicht. Und für den Fall hatte Roberto sicher genug Alkohol da, dass er dies zumindest für einen Moment vergessen konnte.

Ein lautes Klopfen ließt ihn zusammenzucken und vor Schmerz aufbrummen. Wer störte ihn um diese Uhrzeit? Langsam erhob er sich und öffnete die Tür, ehe er in das grinsende Gesicht von Xardrias sah. „Na, wieder nüchtern?“ Ein kurzes Brummen bekam der Bruder als Antwort, ehe dieser auch schon eintrat. Fast schon übervorsichtig vergewisserte sich Aremion, ob seine Erinnerungen vom letzten Abend so waren, wie er es sich gedacht hatte und die Erklärung aus Xardrias Sicht bestätige diese dann auch. Tief aufseufzend saß er da und rieb sich mit den Händen durchs Gesicht, ehe er von Xardrias an die frische Luft gezogen wurde zu einem kleinen Spaziergang, damit er wieder Farbe ins Gesicht bekam. Doch seine Gedanken waren weit entfernt bei einer jungen Frau aus Bajard.

[img]http://www.la-palma-fotoblog.de/wp-content/Kaktusbluete_bei_Las_Manchas.jpg[/img]
Aremion

Beitrag von Aremion »

"Ich habe meinen Engel
im Aufwind schweben sehn,
hoch über allen Wolken
und überirdisch schön."


Als Aremion an diesem Morgen auf den Fellen in seinem Keller erwachte, tat er das mit einem kleinen Glücksgefühl im Bauch. Er hatte sich endlich selbst getraut nach Bajard zu gehen und dort an die Tür der Herberge zu klopfen. Und als wäre es eine Fügung gewesen, war Serra dort, alleine. Innerlich aufgewühlt hatte er vor der jungen Frau gestanden, nicht recht wissend, wie er die Sache ansprechen und weiter angehen wollte. Er entschied sich erstmal für den geschäftlichen Weg, doch schmolz dieser Gedanke fast dahin bei dem Lächeln auf den Lippen der Schneiderin. In Gedanken ohrfeigte er sich und er versucht wieder klar zu werden. „Was kann ich für euch tun, Herr Aremion.“ Kopfschüttelnd korrigierte er sie. Er wollte nicht Herr Aremion genannt werden. Nur sein Name reichte. Alles andere war ihm zu förmlich. „Ich bräuchte einmal euer handwerkliches Können und zum anderen müsstet ihr mir nur eine kleine Frage beantworten.“ Er bestellte einige Kissen bei ihr, die er für seinen Wohnbereich nutzen wollte. Er wollte dort eine kleine Feuerstelle einrichten und die Kissen als Sitzgelegenheiten drumherum drapieren. Für seinen geplanten Schlafbereich im Keller hatte er bei der Schlüsselverlosung in Berchgard bereits eine Tasche mit lauter Kissen und Kerzen gewonnen. In Rot. Geschaffen wie für ein Bett. Das war der erste Gedanke, der ihm zu dem Zeitpunkt durch den Kopf geschossen war. Nur langsam kehrten seine Gedanken wieder ins Hier und Jetzt zurück und sein Blick ruhte auf Serra. Die Frage, die er ihr stellen wollte, war, ob sie den Kaktus erhalten habe. Ein sachtes Nicken und eine leichte Röte im Gesicht waren die Folge bei ihr. Aber auch der junge Druide selbst spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss. Die Blüte wäre wunderschön gewesen, meint die Schneiderin. „So wie du auch...“, sprach Aremion schneller, als er nachgedacht hatte und sah sie danach erst peinlich berührt an, ehe er den Blick gen Boden wendete. Das kam unerwartet, für sie und auch für ihn. Laut ihrer Aussage, schien sie selten Komplimente zu bekommen, was Aremion gar nicht glauben konnte. Doch war Serra auch überrumpelt, was nicht sein Ansinnen gewesen war und wofür er sich entschuldigte. Zu schnell!, schoss es ihm durch den Kopf. Doch ihre nächsten Worte machten ihn neugierig. Sie wollte sich einmal mit ihm treffen, wenn sie Feierabend hatte. Irgendwo an einem ruhigen Ort. Innerlich schrie der junge Druide freudig auf, äußerlich strahlte er wie ein kleines Honigkuchenpferdchen. „Sehr gerne.“ Fast im selben Atemzug öffnete sich wieder die Tür der Herberge und ein Mann trat ein, gefolgt von den Worten „Lasst euch nicht stören“. Peinlich berührt standen sich Serra und Aremion nun gegenüber und als der Mann nach einer Weile wieder ging, wollte auch Aremion sich verabschieden. Im Weggehen zog er einen kleinen Sternsaphir aus den Tiefen seiner Tasche und ließ diesen auf den Holzboden plumpsen. Ein hörbares Klackern verriet diese Tat, doch war er aus der Tür heraus, ehe Serra sich nach dem Geräusch umdrehte.

Nach einer Weile, als sein Kopf wieder einigermaßen klar war, entschloss er sich jagen zu gehen. Nichts konnte sein Gemüt wieder besser in seine angestammte Position bringen als das. Doch auf den damit verbundenen Ärger hätte er gerne verzichtet. Erst kam Aremion im Unheilsberg schon eine Gruppe entgegen, die sich schon dort ausgetobt hatte und dann, als er grade wieder Kräfte sammelte, kam ein weiterer Mann, der Aremion mehr durch sein arrogantes Gehabe vertrieb, als durch irgendwas sonst. Erst auf Lameriast wurde er fündig, doch dort störten ihn Mitglieder der Rahaler Wache, was er an ihren Wappenröcken erkennen konnte. Innerlich genervt sah er zu ihnen hin, doch sie wollten nur wissen, wo die zweite Mine auf der Insel sei. Als sie bemerkten, dass Aremion dies nicht wusste, verschwanden sie auch gleich wieder glücklicherweise. Diese Gesellen waren dem jungen Druiden alles andere als angenehm und er war lieber so weit von ihnen weg wie nur möglich. Recht erfolgreich kehrte er nach einiger Zeit in den Hain zurück. Lächelnd betrachtete er die blühenden Bäume und erntete sich direkt einige Pfirsiche und Äpfel ab. Ebenso auch die Trauben und einige Kräuter. Man konnte sowas ja immer gebrauchen. Doch immer wieder schweiften seine Gedanken ab und er dachte über den Abend nach. Bald würde er hoffentlich die Nachricht bekommen, dass die Kissen fertig seien. Dann konnte er zurück kehren und vielleicht könnten sie dann auch ihren ruhigen Abend irgendwo verbringen und miteinander reden.

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