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Sheza Caleanis

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Beitrag von Sheza Caleanis »

[img]http://i2.photobucket.com/albums/y45/VitaniTheReal/kerker.png[/img]

Die hallenden Schritte verklangen und in der pechschwarzen Finsternis des Kerkers kehrte bald wieder Stille ein.
Totenstille, nicht einmal vom leisesten Windhauch durchbrochen. Nicht einmal vom Gekreisch der Ratten, die diesen Ort wie jedes gewöhnliche Lebewesen mieden, oder aber vermutlich nicht einmal von seiner Existenz wussten.
Innerhalb dieser schweigenden Dunkelheit kauerte, was von einer jungen Frau übrig geblieben war. Zitterndes Fleisch, weiß und fahl. Das bleiche Haar kurzgeschnitten, die Wangenknochen einem Totenschädel gleich hervortretend.
Anfangs, als man sie hierher gebracht hatte, waren die stählernen Fesseln an den Hand- und Fußgelenken noch eng gewesen, hatten ihr die empfindliche Haut aufgerieben. Seit Wochen jedoch rasselten sie nur noch nutzlos an den mageren Knochen.
Wenn sie gewollt hätte, hätte sie sie vermutlich mit ein wenig Mühe abstreifen können.
Doch dazu gab es keinen Grund.

Es hatte seine Zeit gedauert, bis die Frau jede Hoffnung, jeden Gedanken an Flucht aufgegeben und sich in ihr Schicksal gefügt hatte.
Anfangs hatte sie geschrien, ganz wie es ihren Instinkten entsprach.
Um Hilfe, um den Beistand der Götter, um ein Wunder.
Später hatte sie nur noch geschrien, wenn Skalpelle ihre Haut durchschnitten, Blut abgezapft wurde und ewig anhaltende Schmerzen ihren Verstand zu zerreissen drohten.
Sie wusste nicht, was und warum es mit ihr geschah. Sie wusste auch nicht, wer ihre Peiniger waren und was sie mit ihren Qualen bezweckten.
Sie wusste nur, dass ihr Leben sich mit einem Mal in eine grausame Farce verwandelt hatte, deren Ausgang unweigerlich mit einem schmerzhaften und unerträglich langsamen Tod einhergehen musste.
Die Tage flossen ineinander, wurden zu Wochen und Monden.
Manchmal war sie lange Zeit allein, ohne, dass die schwere Gittertür geöffnet wurde. In dieser Zeit hing sie anfangs Erinnerungen nach, später versuchte sie krampfhaft, sie zu vergessen.
Diener des Seelenfressers, Blauhäute, Arkorither, es spielte keine Rolle.
Sie würde die Sonne und jeden, der unter ihr wandelte, nie wieder sehen.
Vielleicht befand sie sich noch immer in den Katakomben, dort, wo man sie gefasst hatte. Vielleicht hatte man sie auch ganz woanders hingebracht...
Sheza wusste es nicht, doch es sollten drei Monde vergehen. Drei Monde in Einsamkeit, Hunger, Angst und Ungewissheit. Drei Monde, in denen niemand ein Lebenszeichen von ihr erfahren würde.

Und dann sollte die Wendung kommen.
Sie ahnte es nicht, als man ihren dürren Körper zurück in die Zelle schleifte. Sie spürte den Schmerz kaum noch, er war allgegenwärtig und nichts besonders Grausames mehr. Etwas, an das sie sich gewöhnt hatte, ebenso wie an den quälenden Hunger.
So ließ man sie in der Dunkelheit zurück - die Tür wurde geschlossen, ohne dass man sich die Mühe gemacht hätte, der Frau die zu groß gewordenen Fesseln wieder anzulegen.
Ein paar Herzschläge lang blieb es still, ganz so, wie sie es gewohnt war.
Dann mischten sich erste, ungewohnte Geräusche in die Finsternis.
Schritte - doch keine, die von weichen Lederstiefeln getragen wurden, sondern hallend und hart.
Ihr Herzschlag setzte einen Moment lang aus und holte sie das erste Mal nach langer Zeit zurück in die Wirklichkeit.
Was hatte das zu bedeuten?
Endlich das Ende, nach welchem sie sich inzwischen beinahe sehnte? Eine Umquartierung? Brachte man andere wie sie hierher?
Den Schritten folgten bald Stimmen - nicht wispernd und kratzig, wie die, die manchmal ertönten, wenn man sie aus der Zelle holte.
Nein, es waren laute Stimmen, aufgebracht und zornig.
Sheza konnte vier unterscheiden, allesamt männlich.
Sie kamen näher, doch noch immer konnte die Weißhaarige sich kein Bild von dem Ort machen, an welchem sie festsaß.
Und dann ging plötzlich alles ganz schnell.
Eine Tür wurde aufgestoßen, nicht weit von ihrer Zelle entfernt.
Schreie ertönten, Klingen wurden blank gezogen und ein grelles Licht breitete sich aus, welches sie augenblicklich blendete.
Das erste Licht nach drei Monden!
Panisch kauerte Sheza sich in die Ecke der Kammer, die dürren Hände vor das Gesicht gepresst. Ein Kampf entbrannte inmitten des Ganges vor ihr - mehrere Eingriffe ins Lied geschahen, einige so, wie sie es kannte, andere auf scheußlich misstönende Art und Weise, die ihr Kopfschmerz bereiteten. Schreie gellten durch das feuchte Mauerwerk, Klingen prallten aufeinander und in all diesem Chaos schlich sich der erste Hoffnungsschimmer seit langem in das Herz der jungen Frau. Ihre Chance, vielleicht ihre Letzte.
Sie versuchte aufzustehen, sich an den kalten Mauern hochzuziehen, doch keines ihrer Glieder schien ihr gehorchen zu wollen.
Das Kampfgeschrei verstummte, wich leisen Schmerzenslauten, Keuchen und Schnaufen.
Unter Shezas geschlossenen Lidern breitete sich ein rötlicher Lichtschein aus und kurz darauf vernahm sie eine heisere Stimme.

"Bei Temora....Seht euch das an...."


Die Tür wurde geöffnet, Arme hoben sie hoch und trugen sie den langen Weg durch die Katakomben. Sie hatte es geahnt.
Drei Monde war sie kaum eine halbe Tagesreise zu Fuß entfernt gewesen von denen, die sie liebte. Von der, die sie liebte.
Es war zum Totlachen. Ein Alptraum, drei Monde lang, der ihrer Meinung nach schlimmer nicht hätte werden können, und nun, da er vorüberging, schon beinahe banal.
Sie öffnete die Augen nicht. Das helle Licht der Fackel schien in ihrem Kopf zu explodieren. Sie verließ sich auf die Arme, die sie trugen, auf die Stimmen, die auf sie einredeten, sie trösteten, sie daran erinnerten, dass alles Schlimme vorbei war und alles Gute wieder beginnen konnte.
Jetzt erst gestattete Sheza sich die Gedanken an jene, die sie unfreiwillig zurückgelassen hatte. An das Konzil. An ihre Freunde. Vorallem an ihre Eule...
Sie wusste nicht, wie sie das, was geschehen war, erklären sollte.
Sie wusste nicht einmal, ob man nach dieser Zeit noch auf sie wartete.
Die Silberhaarige zwang sich, die Gedanken erst einmal zur Seite zu schieben. Obwohl sie nichts sah, spürte sie die mitleidigen Blicke auf sich, als die Gruppe sich Schritt für Schritt den Weg zurück ans Tageslicht bahnte. Wie sah sie aus?
Was hatte man ihr tatsächlich angetan? War sie überhaupt noch an einem Stück?
Wirre Gedanken und das dringende Bedürfnis, drei Monde voller Qualen hinauszuschreien, zu lachen, zu weinen.
Obwohl ihre Retter unentwegt redeten, miteinander, mit ihr, konnte sie sich später, als man sie einem Heiler übergab, an keines der Worte erinnern.
Irgendwo zwischen Bajard und Adoran fiel sie in traumlosen Schlaf...
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