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Nachtwind

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Beitrag von Nachtwind »

Wenn nichts so läuft, wie erhofft

Tja, dann war der Tag ziemlich versaut, vielleicht auch der Abend, je nach Blickwinkel.
Der gestrige Abend war so einer gewesen. Wären es andere Begleitumstände gewesen, die zu dem mehr oder minder beschaulich-beschwipsten Zusammensein in diesem verdammten Bordell geführt hätte, wäre es bestimmt ein erheiternder Abend gewesen. Für ich war es zunehmend anstrengend, immerhin tischte ich eine Geschichte auf über Herkunft, Beschaulichkeiten, Arbeit, sonstiges, die weder mir entsprach, noch annähernd das traf, was ich tatsächlich tat. Je weiter weg, desto besser. Das bedeutete allerdings auch, dass ich aufpassen musste, höllisch aufpassen musste, mir nicht selbst zu widersprechen.
Ein Alptraum.
In einer anderen Situation, mit einem anderen Hintergrund, hätte ich das Mädchen sogar vielleicht sympathisch gefunden – das allererste Mal, seit ich sie überhaupt kannte. Die Unkosten, die ich hatte, musste ich auch wieder reinbringen irgendwie. Vielleicht indem ich dieses elendige Kraut Nerys andrehte und… die Idee erwärmte mir wirklich das Herz, die sich da anbahnte, aber trotzdem schob ich sie zunächst mal auf Seite. Ich musste mich an dem Abend wirklich konzentrieren – und Götter verflucht noch eins, fiel es mir schwer den spröden Langweiler zu mimen, der für nichts interessant genug war.
Vielleicht war ich nicht langweilig genug, oder sie einsam genug, mich brachte es jedenfalls in arge Nöte zwischenzeitlich. Es hatte so viel Schnaps gegeben, dass sie schon mehr in der Ecke lag, als saß, das Kraut, dass sie zum Rauchen hervorgeholt hatte, tat sein übriges dazu und ich verwünschte es, denn ich bekam die Wirkung davon genauso zu spüren.
Zu anderer Zeit, in einer anderen Situation, hätte ich gewiss nicht soviel zu fluchen gehabt darüber, auch wenn ich das Zeug nicht selbst rauchte. Ich wurde auch böse daran erinnert warum nicht. Der erste Zug, den mir dieses Früchtchen aufschwatzte – der Langweiler musste doch wenigstens zwischendrin beweisen, dass er auch anders konnte – war die Hölle. Ich hatte das Gefühl mir drehte sich alles auf Links in dem Moment und ich hustete mir die Lunge aus dem Leib.

Und, was hatte mir das alles eingebracht? Umstände, die ich schon wusste. Sonst nichts. Vermaledeite vergeudete Zeit! Kein Wort von dem, was ich gehofft hatte zu erfahren. Vielleicht war meine Vermutung doch die Falsche, aber so schnell wollte ich nicht aufgeben. Das wiederum bedeutete, mich auf einen weiteren Abend mit dem Früchtchen einlassen zu müssen. Noch mehr Schnaps und Rauschkraut, wie ich vermutete. Welch rosige Aussichten. Prinzipiell, würde es mein Gewissen zulassen, gab es noch einen Weg mehr herauszubekommen, aber den würde ich ums Verrecken nicht gehen. Allein die Vorstellung schuf Bilder in meinem Kopf, die ich nicht sehen wollte.
Ein Alptraum!
Wieso nur konnte ich mir den Gedanken nur nicht verkneifen, dass die Einsamkeit vermutlich nicht von ungefähr kam? Im nächsten Moment schob ich meine Gehässigkeiten beiseite und hockte eher auf dem Balkon herum und starrte die zum Himmel hinauf, der sich allmählich rötlich färbte und den nächsten Tag ankündigte. Es war klirrend kalt, aber das spürte ich kaum, so dick eingepackt, wie ich hier saß.

Das Fräulein war ohnehin nicht das Einzige, was mir Kopfzerbrechen bereitete. Das, was in der Siedlung vor sich ging, war ebenso beunruhigend wie dazu angetan meine Nerven blanker werden zu lassen. Oh, da fiel mir ein, ich sollte mir noch etwas dazu anhören. Also drückte ich mich ächzend von der Bank hoch und ging leise wieder hinein. Ein flüchtiger Blick gen Bett und zum Grund dessen, warum mich die Huren in dem Bordell nicht interessierten (neben einigen anderen Gründen obendrein, die aber belangloser für mich waren), dann suchte ich mir den Weg in die Küche. Auf dem Weg dorthin legte ich die dicken Wintersachen ab und warf sie achtlos auf die Ablage, bevor ich mich daran machte ein Frühstück herzurichten.
Nachtwind

Beitrag von Nachtwind »

Spiel mit mir ein Spiel

Das Ganze war eine einzige Farce.
Es war mir einfach unmöglich auch nur eins der gesprochenen Worte zu glauben, die wir alle zu hören bekamen, die wir da standen. Unbegreiflich, wie sehr der Ahad darauf einging und allem Glauben zu schenken schien. So sehr, dass es fast schon schmerzlich klar sein musste, dass er entweder völlig naiv war oder aber nur ein Spielchen spielte mit den beiden Aasvögeln.
Ich begnügte mich damit leise vor sich hinzuwettern und den lästigen Gaul davon abzuhalten meinen Mantelärmel zu fressen. Das alles war nichts als ein elendes Spiel, in dem garantiert nicht wir auf der Siegerseite standen im Augenblick. Normalerweise erachtete ich solcherlei als Herausforderung, in diesem Fall empfand ich es als ermüdend. Vielleicht war das dem Umstand geschuldet, dass ich in der Sache mit dem Weibsbild nicht weiterkam.
War wohl an der Zeit, ein zweites Zusammentreffen zu ermöglichen.

Nichts desto trotz kehrte meine Aufmerksamkeit zwangsläufig wieder auf die Geschehnisse vor meiner Nase zurück. Zu den Aasgeiern gesellte sich irgendwann die Magierin, wobei sie bedeutend Abstand hielt, bis die ersten beiden den Rückzug antraten.
Die Zeit, die die Magierin mit den beiden Ahads im Gespräch verbrachte, drinnen im Saal, nutzte ich dafür jemand anderem Arbeit aufzuhalsen, für die ich keine Zeit mehr fand – Schriftverkehr. Wenn ich irgendwann einmal herausfand, wie ich mich vierteilen konnte, dann vielleicht wieder. Darüber lesen und die Post im Auge behalten, die rein und raus ging, musste reichen fürs erste.
Wir waren beide gerade auf dem Weg hinaus – und ich dachte noch, ich könnte mich vor den ewig langen Gesprächen über die Aasgeier drücken – als wir in den Saal gerufen wurden. Sie wirkte überrascht, ich nicht sonderlich. Ich war eher verwundert darüber, dass ich nicht direkt mitgeschleift worden war. Die Eröffnung, die uns dort erwartete, nachdem auch die Schirmherrin hinzugekommen war, brachte mich indes zum Schmunzeln. Meine kleine Rivalin schob die getroffene Entscheidung indes mir zu. Schön wäre es gewesen, wenn ich mir das auf die Fahne hätte schreiben können. Bedauerlicherweise war dem nicht so. Eine gewisse Schadenfreude konnte ich mir dennoch nicht verkneifen. Es versüßte den Abend, ganz im Gegensatz zu den Planungen, die erörtert wurden.

Ködern…
Um noch mehr Opfer zu haben? Machte das eine weniger aus, als die andern beiden? In meinen Augen kein Stück. Diese Idee sorgte für einen gehörigen Brechreiz bei mir. Bajard. Kam gar nicht in Frage. Mir schien es fast, als wäre diese Frau nur darauf aus, irgendwen leiden zu sehen. Ihr musste doch bewusst sein, dass dieser Bastard sich nicht einmal zeigen musste, um seine Taten zu begehen, auch wenn er es die beiden Male, wo er sich betätigte, getan hatte. Irrwitzig und unsinnig. Genauso sinnvoll wie die Gespräche mit den Aasfressern an und für sich. Es blieb eher abzuwarten, was das andere Vorhaben, das Zusammenrufen der Bürger und Gäste, einbrachte. Vermutlich genauso wenig.
Es war wie ein Stochern in einem Haufen voller Mist und zwar nach einer kleinen Nähnadel. Einerlei, ich hatte dafür gesorgt, außen vor zu bleiben und wollte mich ohnehin wieder um das andere Problem kümmern, fernab der Aasfresser. Ich war überzeugt davon, dass die, die sich damit beschäftigten, es gewiss hinbekamen eine Lösung für das Problem zu finden. Mich brauchten sie dabei nicht. Beitragen konnte ich sowieso nicht viel.

Was mich am meisten störte, war die Tatsache keinen anständigen Plan zu haben. Viel wollte mir allerdings dazu auch nicht einfallen. Für Notlösungen sicherlich, aber nicht dafür, rauszukriegen, was ich wissen wollte…
Nachtwind

Beitrag von Nachtwind »

Brot und Spiele für das Reich

Faszinierend.
Dass ich einen so guten Langweiler abgeben konnte, war mir vorher gar nicht bewusst gewesen.

Wie lange hast du dafür gebraucht, um das zu lernen?

Seit meinem sechsten Lebensjahr. Es war nicht einmal gelogen. Ich wusste, was ich wissen wollte, ich nutzte, was ich nutzen wollte. Auch hielt ich mich an die getroffene Abmachung. Fraglich, ob das Stück es auch tat, aber das würde sich zeigen. Sie hatte jedenfalls einen guten Grund das zu tun, wenn sie nicht wollte, dass ihr Leben verwirkt war. Sie wusste, ich ebenfalls, die anderen nicht.
Die Spiele waren eröffnet.

Dass er den gleichen Gedankengang hatte, sollte mich eigentlich nicht wundern. Ein Opfer musste her. Ich hätte es nur nicht offen ausgesprochen, sondern eben getan, was mir nur noch übrig blieb. Natürlich wollte er das wahre Opfer haben, wenn es ginge, aber zuviel Zeit verlieren, lag ihm in diesem Fall offenbar auch nicht. Also musste es schnell gehen.
Ärgerlich. Ich hätte gern mehr Zeit gehabt, um die Lücken zu schließen, die noch offen standen diesbezüglich. Aber vielleicht half mir ja ein Wunder. Wenn nicht, dann wurde es eben vollbracht aus eigener Hand. Es würde sich schon finden. Es fand sich immer etwas.
Ein billiges Schmuckstück, das ich in meiner Hand hielt, zum Beispiel. Es sollte nicht so schwer sein, einen Namen in Erfahrung zu bringen, jemanden zu finden, der... entbehrlich war.

Also begann ich damit Tag um Tag den Gefangenen das Essen zu bringen und mich mit ihnen zu unterhalten über irgendwelchen nutzlosen oberflächlichen Mist, der ihnen die Zeit verkürzte. Ich hielt mich allerdings nie länger als eine halbe Stunde dort auf, gönnte den beiden Ganoven aber den ein oder anderen Leckerbissen. Vertrauen war käuflich bei solch armen Gesellen, wobei „arm“ im Auge des Betrachters lag.
Ziel: eine Woche, maximal zu vergeuden, um herauszufinden, was ich wissen wollte. Gab es ein Liebchen, nach dem kein Hahn krähen würde? Noch aber war es zu früh diese Frage zu stellen. Eigentlich hatte ich angenommen mein Gewissen würde mir Probleme bereiten mittlerweile, aber das tat es dieses Mal nicht. Noch nicht jedenfalls.

Nebenbei hatte ich noch ganz andere Sorgen, selbsteingebrockte Sorgen vor allem. Vielleicht sollte ich mir schon einmal irgend etwas überlegen, wie ich mich bei diesem Früchtchen bedanken würde, denn dass Jucken zwischen den Schulterblättern, sagte mir ganz klar – da kam garantiert noch irgend ein Unsinn.
Ich verzog schmerzlich das Gesicht in Anbetracht dessen, was dieser Unsinn noch alles auslösen würde – und ich war mir sicher, er würde es auslösen – und machte mich daran das Silber der Kette matter aussehen zu lassen. Gebraucht, alt, abgenutzter. Das Kleinod sah noch aus, als käme es gerade erst vom Juwelier. Allzu sehr wollte ich es damit aber noch nicht treiben. Erst musste die Gravur noch gesetzt werden.
Nachtwind

Beitrag von Nachtwind »

Und so wart das Opfer gefunden

Keine schöne Aufgabe. Aber eine, die zu erledigen war.
Die nächste Mahlzeit für die beiden Gefangenen brachte ich erneut zu ihnen in die Zelle. Mittlerweile wusste ich um die kleine brünette Chantal, die im Hafen von Rahal arbeitete und gegen gutes Geld die Beine breit machte. Ich verabscheute Huren, vielleicht war das meiner Vergangenheit geschuldet. Für mich hatte sie nichts verdient, was auch nur wie bare Münze aussah, auch wenn diese Weiber bisweilen nützlich waren.
Tja, wen sollte es schon stören – eine mehr oder weniger. Das mittlerweile fertig gestellte Kleinod, eine kleine einfache Kette, ihr Name hineingraviert, so bearbeitet, dass sie alt und schmuddlig aussah und nicht neu und hochwertig.
Das Essen war versetzt mit Schlafmittel, bei beiden, auch wenn es nur einen betraf, aber die Gefahr, dass der andere es seinem Kumpel erzählte, war zu groß, bei aller Schmiererei der Welt. Davon abgesehen würden die zwei vermutlich ebenso drauf gehen, wie die kleine Hure vom Hafen.

Es war nicht so, dass es mich nicht berührte, als ich dem einen die Kette in die Hand schob, nachdem das Schlafmittel seine Wirkung entfaltet hatte. Im Grunde taten diese armen Schweine mir leid. Wegen dem Luder waren sie in diese mehr als bescheidene Lage geraten und mussten nun ihre Köpfe herhalten. Genauso wie das Weib von dem einen. Drei für eine. Eine Rechnung, die hoffentlich aufging und nicht umsonst so teuer war. Vielleicht sollte ich das dem Schätzchen stecken beizeiten. Vielleicht sogar dem ganzen alumenischen Reich? Was ein Fest, diese Idee! Aber darüber wollte ich später nachdenken.

Nachdem das Beweisstück platziert war, sammelte ich die Schalen auf und verließ die Zellen, kehrte dem Raum und den Gefangenen den Rücken und nickte Staffan letztlich zu, als ich das Rathausgebäude verließ. Er fragte nicht mehr, warum ich Schüssel herein und heraus trug. Das hatte er zu Anfang getan, mittlerweile nahm er es in aller Gelassenheit hin. Er vergewisserte sich, dass die zwei noch lebten, dann kehrte er zurück auf seinen Posten. Warum die zwei schnarchten, wie die Säufer, kümmerte ihn nicht.

Und ich machte mich daran eine Nachricht für Morgon und die Ahads zu hinterlegen:

Ich würde es begrüßen möglichst bald ein weiteres Verhör mit den beiden
Männern führen zu können, die in unserem Kerker versauern.


Dylan
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