Tod eines alten Hauptmannes [Blut für Blut]

Gray Darinor

Tod eines alten Hauptmannes [Blut für Blut]

Beitrag von Gray Darinor »

Müde kam Gray nach Hause.
Es war noch früh am Tage und er hoffte das Marian noch da war und nicht schon zum Irmenlind aufgebrochen war um Milch zu holen.
Er freute sich schon auf ihr gemeinsames Kind, und für einen Moment geriet er ins Schwärmen.
Sie waren jetzt schon eine richtige Familie. Er mit Marian und selbst sein Vater, war ein wenig ... zahmer geworden.
Täglich trainierten sie miteinander, doch Rouven vermochte er noch lange nicht das Wasser zu reichen. Schon gar nicht seit er Angriffe die von Rechts kamen kaum früh genug erkennen konnte.
Rouven trainierte ihn genau auf diese Schwäche und er lernte Tag für Tag dazu.

Als das Haus in Sichtweite kam runzelte Gray die Stirn.
Das Gartentor stand weit offen.
Es war doch sonst keiner so fahrlässig dies zu vergessen. Viele Wilde Tiere streichten in dieser Gegend umher.
Er versetzte sein Pferd in einen ruhigen Galopp, trieb es dann jedoch an als er sah das etwas dunkles am Tor lag ... ein Körper ... leblos.
Marian! Schoss es ihm sofort angstvoll durch den Kopf, doch als er näher kam, erkannte er das es sein Vater war.
Noch vom Pferd springend brüllte er nach Marian. Aber das Haus blieb ruhig.

Rouven lag in einer Blutlache, im Garten war das Blumenbeet verwüstet, das Tor hing schief in den Angeln und um die Sitzgruppe herum waren die Stühle umgestoßen.
Es hatte eindeutig ein Kampf stattgefunden.
Rouvens Schwert... das, das Gray ihm einst geschenkt hatte, lag unweit von ihm und mit Tränen in den Augen drehte er seinen Vater auf den Rücken.
Zu kurz war die Zeit ... die er ihn wirklich hatte kennen lernen können.
Aber man konnte verlorene Jahre nie wieder aufholen.
Rouvens Lippen waren blau, das Gesicht Totenstarr.
Wie hatte ihn nur jemand in einem einfachen Kampf besiegen können.

Blind vor Tränen übersah Gray den kleinen Nadelförmigen Pfeil der in dem Körper Rouvens steckte, getränkt mit Gift, er sah nicht den kleinen Fetzen Stoff, wohl herausgerissen aus dem Umhang der noch in den Scharnieren des Tores steckte.
Einzigst seine nächste Sorge trieb ihn.
Marian ... Marian und sein ungeborenes Kind.

Gehetzt von seiner Furcht rannte er ins Haus, brüllte aus Leibeskräften nach ihr, doch sie schien nicht da zu sein ... nicht da oder ...
Er dachte den Gedanken nicht einmal zu Ende. Nein, er wollte an das Gute denken und daran glauben das sie bei Irmenlind war.
Wie betäubt so kam er sich vor, trat er wieder hinaus zu dem Toten Körper seines Vaters.
Schmerz in ihm und Sorge ließen ihn fast taumeln.
Erst jetzt bemerkte er das Pergament das in dessen Hemd steckte.
Hineingesteckt wie der Lohn bei einem Freudenmädchen.

Er hockte sich neben ihn, Schloss ihm die Augen, und nahm das Pergament mit zitternden Händen an sich. „Es tut mir leid Vater. Es tut mir so leid.“ Murmelte er und wischte sich über die Augen.
Erst jetzt konnte er das Pergament auseinander falten und lesen.


Blut für Blut
Dies war erst der Anfang. Der erste der büßen musste für das was getan wurde.
Er der dabei war, er der Verursacher war.
Die Garde SEIN Leben wie das Seine... doch ist keiner wie der Andere.
Die Garde und alle die Schuldig sind, werden den Lohn erhalten der ihnen zusteht.

ICH


Gray ließ den Brief sinken.
Er war zu verwirrt als das er mit diesen Worten viel anfangen konnte.
Er breitete seinen Umhang über den Körper seines Vaters aus, dann schwang er sich auf sein Pferd, und preschte zurück nach Varuna. Um der Garde bescheid zu geben, um Marian zu suchen.
Marian Darinor

Beitrag von Marian Darinor »

Marian hatte sich mit einem Schwätzchen bei Irmenlind länger aufgehalten, als sie eigentlich beabsichtigt hatte. Aber sie hatte es genossen, mit der derben, aber herzlichen Frau über ihre Schwangerschaft zu sprechen, die inzwischen auch jeder an ihrem leicht gewölbten Leib erkennen konnte.
Leise vor sich hinsummend ging sie durch das ruhige Varuna. Die Vögel zwitscherten munter in den Gärten und hier und da begegnete sie auch schon geschäftigen Handwerkern. Doch im Grunde war die Stadt noch recht verschlafen.
Auf das Frühstück mit der frischen Milch freute sie sich schon.
Rouven und Gray würden sich über warme Eierkuchen freuen. Sie nahm sich vor, gleich welche zu backen, wenn sie zuhause angekommen wäre.

Als sie die Schlucht verließ, sah sie schon von ferne einen Reiter heranpreschen. Erst beim zweiten Hinsehen erkannte sie ihren Mann. Gray hielt sein Pferd so abrupt an, dass es erst kurz stieg, bevor es schnaubend stehen blieb. Mit einem Satz und finsterer Mine stand er auch schon vor ihr und fasste sie bei den Schultern.
Es musste etwas passiert sein, das war Marian sofort klar.
Ruckartig zog Gray sie an sich und drückte sie so heftig an seine Brust, dass es sie schmerzte.
„Gray! Was ist passiert?“ fragte sie gepresst. Doch er brauchte einen Moment, bevor er überhaupt sprechen konnte.
„Marian.. geht’s Dir gut?“ Er schob sie ein wenig von sich und musterte sie von oben bis unten. Verwirrt nickte sie. „Ja.. sicher.“
„Vater… Marian.. er ist tot!“ brach es aus Gray heraus.
Entsetzen packte sie.
„Aber… warum?“
Sie schrie fast. Konnte nicht glauben, was sie hörte.
War ihr Schwiegervater doch in der Frühe schon auf gewesen. Sie hatte in seinem kleinen Haus Licht gesehen.
Gray schlang seine Arme wieder um seine Frau, die krampfhaft die Milchkanne festhielt und ihn nur fassungslos anstarrte.
„Er ist ermordet worden… es hat im Garten einen Kampf gegeben. Ich muss weiter, Marian. Die Garde muss informiert werden. Komm.. begleite mich. Ich will nicht, dass Du jetzt allein nach hause gehst.“ Er sprach leise und eindringlich auf sie ein und sie nickte nur.

Wie betäubt ging sie neben ihm her, den Weg zurück in die Stadt.
Rouven ist tot, ging es ihr immer wieder durch den Kopf. Doch wirklich fassen konnte sie es nicht.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Rouven Alestra... selbst Darna hatte ihn selber nicht mehr kennengelernt, dabei war sie von den Vieren, die direkt mit Leutnant Darinor zum Tatort beordert wurden, die Dienstälteste.
Die Lage und auch die Stimmung waren mehr als angespannt. Schon ein kurzer Blick auf die von Leutnant Darinor mitgebrachte Nachricht des Täters machten deutlich, daß schon der Tod des ehemaligen Hauptmanns ein schrecklicher Verlust war, aber nicht der letzte Mord bleiben sollte.

So wurde entschieden, Frau Darinor vorerst in der Sicherheit des varunischen Kastells zu belassen, bis der Tatort untersucht und man mit ihrem Mann zurück wäre. Ohnehin galt es, die Ärmste zu beruhigen - insgeheim war Darna dankbar dafür, daß sie das nicht gerade machen musste, sie hätte schwer Worte gefunden.
Was sollten all dieser Schrecken und die Greueltaten der letzten Zeit? Erst der Brandstifter, dann der Anschlag auf Sir de Arganta, jetzt das...
Die Miene so ernst und düster wie üblich, offenbarte nur der Blick der Gardistin Nachdenklichkeit und Betroffenheit.
Zusammen mit den Gardisten Adrenalon, Pherodan und Kadettin Morgentau trafen die fünf Vertreter der Garde beim Haus des Leutnants ein, wo sie bereits an der Wegkreuzung ein etwas verwirrter Mann auf das Chaos vor der Heimstatt aufmerksam machen wollte - doch es wurde recht schnell offensichtlich, daß die Uniformierten bereits davon wussten und die Garde sich darum kümmerte. Eine Weile wollte der Herr noch "unauffällig" herumlungernd Neuigkeiten erhaschen; ein Plan, der seitens der Gardisten ruhig, doch unmißverständlich vereitelt wurde.

Während Darna die ersten Blicke auf dieses Chaos warf, und sich fragte, ob jemand von der Garde mehr vom Spurenlesen verstand, als Fußabdrücke nur zu verursachen - wie sie selber zum Beispiel - stellte einer ihrer Kameraden bereits die ersten Fragen an Gray.

"Die Blumen sind völlig zertreten", fuhr es Darna widersinnigerweise durch die Gedanken. Mit kritischem Blick registrierte sie mehrere der Details aus der Umgebung, die ihrem inzwischen durch die Lagerführung weiter geschultem Sinn für Ordnung ins Auge sprangen.
An der Sitzgruppe waren mehrere Stühle umgekippt, und sie versuchte anhand der Lage der Möbel zu deuten, ob mehrere zuvor am Tisch sitzende Personen diese beim Aufspringen nur ein wenig zurückgeworfen hatten oder ob sie durch einen chaotischen Kampfverlauf durch die Gegend getreten oder geworfen sein mochten.
Das Gartentor sollte weit offen gestanden haben, auch wenn es inzwischen womöglich bewegt wurde - Darna trat näher an den Durchgang und prüfte, ob der Riegel gewaltsam aufgerissen wurde, was vermutlich einiges an Kraft erfordern musste, oder ob er einfach nur hektisch weit geöffnet worden war.

Was mochte anhand solcher Dinge noch erkennbar geschehen sein? Hatte der ehemalige Hauptmann den Täter erst in den Garten gelassen, womöglich sogar mit ihm oder ihr am Tisch gesessen, oder war jemand in den Garten eingedrungen und es war dort zum Kampf gekommen?
Mit steinernem Gesichtsausdruck zog die Gardistin vorsichtig ein Stückchen Stoff von einem der teils scharfkantigen Scharniere am Gartentor, rieben den Fetzen leicht zwischen den Fingern: fester Stoff, dicht gewebt - und auf einer Seite eingewachst. Wenn es nicht besondere Körperkleidung gegen das Wetter war, handelte es sich wahrscheinlich um ein Stück von einem Umhang.

Ihr Blick fiel auf die Leiche. Darinors Umhang lag nun neben dem steifen Leichnam. Gerade hörte sie auf das Nachfragen ihres Kameraden, daß der Leutnant den Körper umgedreht hatte. "Die Haltung hätte sonst auch nicht gepasst", stellte sie innerlich erschreckend nüchtern fest.
Irgendwie schaffte sie es aber nicht, den Toten direkt längere Zeit anzublicken und von Zeit zu Zeit musste sie blinzeln, um sich darüber wieder gewahr zu werden, daß das gefundene Stück Stoff in ihrer Hand nicht rot-gelb war wie das, was sie unter ihren eigenen Habseligkeiten verwahrte.
Aber der gefundene Fetzen stammte offensichtlich weder von Darinors, noch von Alestras Kleidung - da blieb nicht viel außer dem Täter übrig.

Während jemand anders nachschaute, ob sich am oder im Haus noch weitere Hinweise finden ließen, trat Darna langsam zu Gray. "Herr Leutnant, dürfte ich das Papier nochmal sehen?", bat sie höflich.
Eine ganze Weile schien sie nur auf den Zettel zu starren, las die Zeilen wieder und wieder.
"Nur gefaltet, wie eine schlichte Zwischennotiz, kein 'offizielles Schreiben'.
Eine Blutschuld, schwer genug, um aus Sicht des Mörders mehrfachen Tod zu rechtfertigen.
Rouven Alestra war offenbar anwesend und initiierend bei dem, was gerächt werden soll, wenn er der 'Verursacher' sein soll."

Den nächsten Satz überflog sie mehrfach, doch schien er verwirrend genug, um hintenangestellt zu werden.
"'Die Garde und alle, die schuldig sind...' Hm. Auf jeden Fall soll mehr passieren, ich fürchte, weitere Morde - aber will dieser Wahnsinnige die ganze Garde und noch weitere Menschen niederstrecken? Wenn dem so sein soll, klingt das nach ziemlicher Verzweiflung - sowas plant doch wohl niemand ernsthaft, der noch Weiteres mit seinem Leben vorhat. Eher nach Jemandem, der nichts mehr zu verlieren hat, nur noch sich selbst...
'ICH' - das scheint ihm ziemlich wichtig zu sein, daß er das groß schreiben muß?
'Die Garde SEIN Leben wie das Seine...' - Häh?"

Diesen Satz des Briefes verstand sie am wenigsten.
"Das klingt nach einem Vergleich? Entweder, die Garde war tatsächlich Rouvens Leben, dann könnte der Täter ihn ziemlich gut gekannt haben, oder der Täter ist ziemlich oberflächlich mit seiner Ansicht. Das passt dann aber eigentlich nicht mit der Unterscheidung einzelner Menschen im Teil direkt danach."
Nochmal fraß ihr Blick sich über den Satz, tiefer furchte sie die Stirn.
"Oder soll das 'SEIN' Leben wie das Meine' heißen, hat er sich verschrieben? Hm. Nein, auf solche Vermutungen sollte man sich wohl nicht versteifen, sonst hat man gar nichts mehr sicher vorliegen und zweifelt alles an, das führt auch zu nichts."
Darna ließ das Schreiben sinken, sah grübelnd auf einen unwichtigen Fleck. Sie schloß aus einem vagen Verdacht nicht aus, daß sich hier jemand mit dem Hauptmann verglich, der selber Gardist gewesen war, aber sich selber für anders als ihn hielt. Aber es gab leider auch sehr viele andere Möglichkeiten, wie die beiden miteinander in Zusammenhang stehen mochten.

Sie sah sich nochmal um. "Es war doch nur ein Täter, nicht? Das Schreiben ist zwar an niemanden persönlich adressiert, scheint also eher eine Art allgemeine Ankündigung und Warnung zu sein, aber es sieht nach etwas sehr Persönlichem aus."
Sie hob eine Braue. Jeder, den Rouven Alestra mal verhaftet oder anderweitig dienstlich 'geschädigt' hatte, mochte die Garde in Rachsucht verantwortlich machen können, aber diesen Verdächtigenkreis galt es, weiter einzugrenzen, und zwar zügig.
"Das wird eine Menge Aktengewälze", seufzte sie innerlich. Alte Gerichtsurteile, Verhaftungsberichte, alles aus der Zeit des ehemaligen Hauptmannes.

Wieder fiel ihr Blick auf den vergifteten Körper, und mitleidig wie mißbilligend verzog sie das Gesicht, kaum hörbar flüsternd: "Was für Bestien können Menschen bloß werden, heilige Güte..."

Später würden sie ihre gesammelten Beobachtungen zusammentragen und ordnen müssen, am besten, wenn alle zurück im Kastell waren. Darna widerstrebte der Gedanke, das Ehepaar Darinor wieder hierher zurückzuschicken. Es musste einstweilen doch erstmal einen sichereren Ort geben, und wenn es erstmal nur für diese Nacht wäre.
Andrey von Greifenbach

Beitrag von Andrey von Greifenbach »

Als sie am Tatort ankamen, runzelte er ob des Chaos ersteinmal bedenklich die Stirn.

Besonders rücksichtsvoll oder unauffällig hat sich die Tat wohl nicht abgespielt...

Überflüssiger Sarkasmus.
Er registrierte nur am Rande, wie sein Kollege mit dem Leutnant konversierte.
Er brauchte Fakten, etwas, was man in der Hand halten konnte und anhand dessen man etwaige Rückschlüsse ziehen konnte. Da war zum einen dieser...Ja... Was eigentlich? Man konnte es eigentlich nur als Wisch bezeichen. Erste Verdachtsmomente bezogen sich auf das nähere Umfeld der Garde reverse varunesischen Adels.
Die Drohung weiterer Verbrechen ist offensichtlich....Aber woher? "Die Garde und alle die schuldig sind..." Man müsste erst einmal wissen welcher Schuld man uns bezichtigte. Es müssen intensive Befragungen durchgeführt werden. Auch wenn der Gedanke fast anmassend ist, wir müssen jeden Kollegen bis auf seine privatesten Angelegenheiten durchleuchten, zumindest die Dienstältesten.
Eins steht fest: Blinder Hass treibt diesen Wahnsinnigen. Und irgendjemand ausser der unglückliche Rouven Alestra muss etwas wissen, woher sonst diese scheinbar ziellose Personifizierung der Garde als Sündiger?

Diese Gedanken schossen ihm durch den Kopf, als er, neben Darna stehend, seinen Blick, einen Ersteindruck gewinnend, wie in unzähligen Übunseinheiten und Dienststunden fast zur Perfektion getrieben über das dargebotene Chaos schweifen liess. Schliesslich fiel dieser zurück auf den Leichnam Alestras. Darna betrachtete ihn, nur kurz, und er spürte, dass ihr dies schon recht unangenehm war. Als sie ihren Blick abwendete, nickte er unmerklich, und nahm ihr gewissermassen diese Notwendigkeit ab.

Die Leiche wurde bereits bewegt. Keiner konnte erwarten, dass der Leutnant im Moment des Schreckens analytisch und logisch denken und handeln würde, wie es erforderlich gewesen wäre.
Es ging nicht anders.
"Kadettin Morgentau, kommt einmal her, und bitte bringt den Leutnant mit!"
Als er schliesslich die Schritte hinter ihm vernahm, er hob er sich sachte und drehte sich um. In der glitzernden Sonne des nahenden Frühlings musste er seine Hand über die Augen halten, um die beiden überhaupt ansatzweise zu erkennen, und er war bald froh, die Züge Grays nicht genauer erkennen zu können.
Bei Temora, was muss dieser Mann durchmachen? Und ich hab nichts besseres zu tun, als ihn noch mit Fragen zu quälen?.....
Er wischte diesen Gedanken förmlich weg. Es ging hier wahrscheinlich um so viel mehr, als das sie Wichtiges der Rücksicht wegen irrelevierten.
"Leutnant Darinor, es tut mir leid, aber es wäre gut, wenn wir wüssten, wie ihr...wie Rouven Alestra darniederliegend ward, als ihr ihn auffandet. Vielleicht lassen sich daraus Rückschlüsse auf den Tathergang ziehen."
IDIOT!...Was machst du nur?

Gray Darinor nickte nur...und beschrieb schliesslich mit leiser, jedoch fester Stimme die Position des Leichnams.
Er bedankte sich mit einem Krächzen in der Stimme und wandte seinen Blick ab. Das musste reichen. Er bedeutete Kadettin Morgentau, ihm zu helfen, und zusammen drehten sie den leblosen Körper herum.

Sofort fiel ihm diese kleine Unebenheit im Stoff der Tunika auf. Im Bereich der Niere war ein kleines Loch zu sehen, etwas erhoben im Gegensatz zum Rest des Stoffes.
Er nickte Kadettin Morgentau dankend zu, und wandte sich wieder dem Loch zu. Mit spitzen Fingern zog er es auseinander, und....seine rechte Augenbraue hob sich sichtbar. Er betrachtete den Leichnam nocheinmal flüchtig, und führte seine Finger durch ebenjenes Loch. Konzentriert friemelte er dort scheinbar ziellos herum..Hielt dann inne..Und zog etwas kleines, spitzes mit einem Ruck hervor.

Ein Pfeil! Bei Temora...wie hinterhältig...
Das kann nur bedeuten, dass das Blut das des Angreifers sein muss.

Den Pfeil in seiner linken Hand liegend und betrachtend, rieb er sich lange seinen spärlichen Bart, ein Zeichen seiner Konzentration.
Alestra muss den Angreifer mit dem Schwert in die Flucht geschlagen haben...Dieser jedoch muss noch Gelegenheit gehabt haben, ihm diesen Pfeil zu verpassen..
In diesem Moment kam Darna zu ihm und zeigte ihm den Fetzen Stoff. Ein Ausruf der Überraschung entfuhr ihm, und er zeigte ihr den Pfeil.
Er teilte ihr auch seinen Verdacht mit, welcher durch ebenjenen Fetzen Stoff untermauert wurde...Der Umhang als Opfer einer überhasteten Flucht.

Es würde sich zeigen, da war er sich sicher. Ob so oder anders, das "Wie" war nur Mittel zum Zweck. Sie würden wohl bald das weitere Vorgehen besprechen und das bisherige Material analysieren.

Sie würden ihn finden...Gewiss.
Marian Darinor

Beitrag von Marian Darinor »

Nach dem ersten Schrecken und einer Nacht im Schlafsaal des neuen Gardekastells wurde der Wunsch, wieder in ihr Haus zurückzukehren, immer größer.
Sie war für die Fürsorge, die ihr hier zuteil wurde dankbar, doch die damit verbundene Aufmerksamkeit war ihr eher lästig.
Marian war schließlich selbst einmal Gardistin gewesen und bevor sie schwanger wurde hatte sie sich vehement gegen die Vorstellung gewehrt, ihren Dienst jemals aufzugeben.
Ein Lächeln huschte bei der Erinnerung an die vielen und langen Streitgespräche mit ihrem Mann über ihr Gesicht. Seit sie verheiratet waren, hatte er immer wieder mal sanft, mal fordernd, versucht, sie davon zu überzeugen, dass der Dienst in der Garde zu gefährlich war und sie ihn quittieren sollte.
Erst das neue Leben, das nun in ihr wuchs, hatte sie zu der Einsicht gebracht, dass er wohl Recht haben möge. Sie hatte sich also vor Monaten beurlauben lassen und war ganz und gar in der Sorge um das Wohl ihrer Familie aufgegangen.
Rouven war zu ihnen gezogen.
Der alte Brummbär hatte sie offenbar ins Herz beschlossen und so fiel es ihr nicht schwer, ihn nicht mehr als ihren Hauptmann sondern als ihren Schwiegervater zu sehen. Sie hatte ihn in dieser Zeit wirklich lieb gewonnen.

Doch nun saß sie hier fest, obwohl es doch für die Beisetzung noch so viel vorzubereiten gab.
Wenn es möglich wäre, würde sie mit der Heiligkeit sprechen und sie bitten, ob sie bei der Waschung und dem Betten im Sarg helfen durfte.
Schließlich hatte sie ja schon etliche Leichen gesehen, wenn auch nicht viele, um die sie von Herzen getrauert hatte. Aber für Rouven wollte sie diesen letzten Liebesdienst gern tun. Es war immerhin das Letzte, was sie überhaupt noch für ihn tun konnte.

Nur flüchtig streiften ihre Gedanken die Hinrichtung auf dem Friedhof vor langer Zeit.
Dort beizuwohnen, den Kopf des Verurteilten vom Körper getrennt zu sehen, war ihr sehr schwer gefallen. Sie hatte damals Übelkeit verspürt… aber keine echte Trauer.

Marian strich sich über ihren leicht gewölbten Leib, als sie die Bewegungen ihres Kindes spürte. Ein wehmütiges Lächeln glitt über ihr Gesicht. Rouven hatte sich so sehr auf sein Enkelkind gefreut. Aber so war das Leben. Das eine ging… das andere kam.

Marian erhob sich von dem Bett, das man ihr zugewiesen hatte. Sie wollte hier nicht länger untätig herumsitzen und ihren Gedanken nachhängen. Sie musste etwas tun, musste sich bewegen.
Sie würde schon jemanden finden, dem sie Bescheid sagen konnte, dass sie heimgehen wollte.
Vielleicht war ja sogar Gray da und er könnte ihr sagen, ob man schon eine Spur des Mörders hätte.
Andrey von Greifenbach

Beitrag von Andrey von Greifenbach »

Als sich der Kastellhof langsam leerte, lehnte er sich ersteinmal leise seufzend gegen die Mauer. Die Augen halb geschlossen, die Hände flach auf den Stein gelegt, die Beine übereinandergeschlagen.

Was ein Tag...Khaliz ist weg. Krenor ist neuer Hauptmann, und der gebeutelte Darinor befördert zum Oberstleutnant.
Heute war die Abschiedszeremonie gewesen, Khaliz wurde von der Königin an ihre Seite berufen.
Mit Parade und Spalier wurde die Zeremonie abgerundet, und der Stolz der ganzen Mannschaft war in diesem einem Moment allumfassend und raumfüllend. Er wuste in diesem Moment, das dies sein Zuhause war und wohl auch bleiben würde, bis zu bitteren Ende.
Keine Zeit.
Das Leben geht weiter, und so auch die Arbeit.

Er hatte nun im Zuge der Untersuchungen von Oberstleutnant Darinor den Auftrag bekommen, jene beiden Botschaften, welche am Todesort des Alestra und in der Brandnacht am Anwesen der Gryffenhorsts gefunden worden waren, von einem Experten untersuchen zu lassen. Sollte das Schriftbild das Gleiche sein, waren sie definitiv einen Schritt weiter. Der Täter muss in diesem Falle logischerweise der Gleiche gewesen sein.
Kennt man den Täter, kann man das Opferfeld einschränken.

Mit einem Ruck stiess er sich von der Wand ab.
Du hast Dienstschluss.
Egal.
Umso früher, desto besser. Wir dürfen keine Zeit verlieren...

Er stieg in die Kutsche, lehnte sich aus dem Fenster, rief dem Kutscher zu:"Kutscher, nach Tirell! Aber flott, wenn ich bitten darf!"
Der Kutscher nahm seine Worte wohl schon fast zu ernst. Er wurde dermassen durchgeschüttelt, man hätte Angst um sein Leben bekommen können.
Als sie dann schliesslich bei Tirell angekommen waren, wäre er beim Ausstieg fast hingefallen, aus dem Gefühl heraus, die Bodenwellen ausgleichen zu müssen.
Es musste einen grotesken Anblick bieten. Ein Blick in das unterschwellig amüsierte Gesicht des Kutschers gab ihm die Bestätigung.
"Kutscher, wartet bitte hier. In einer halben Stund` schätzungsweis` bin ich wieder hier." Er drückte dem Mann einige Münzen in die Hand...(mehr als erforderlich gewesen wären, das würde von der Gardekasse abgezwackt werden)...und stapfte auf das grosse Tor der Akademie zu.

Vor langer Zeit, als er gerade mit dem Schiff diese Landen erreichte, war er einmal dort drinnen gewesen.
Er zuckte mit den Schultern. Wahrscheinlich würde sich keiner mehr erinnern.
Er hämmerte dreimal langsam mit der Faust gegen das Tor. Sogleich waren Schritte zu vernehmen, und etwas später ging ein Fügel des schweren Tores wie von Geisterhand bewegt auf.
Ein Herr stand vor ihm, eingekleidet in eine dunkelrote Robe, verziert mit güldenen Ornamenten, der Bart gepflegt, die Harre offen den Rücken herabwallend, und blickte ihn fragend an.
"Temora und Reich zur Ehr, der Herr. Mein Name ist Adrenalon, Gardist der königlichen Garde zu Varuna. Im Zuge intensiver Ermittlungen im Zusammenhang mehrerer schwerwiegender Verbrechen, welche sich in letzter Zeit aufgebahrten, suchen wir euren Rat."
Mit der Tür ins Haus fallen, das ist nicht gerade geschickt
Zu spät. Der Mann nickte jedoch nur, ging einen Schritt beiseite und deutete mit einer schwungvollen Bewegung ins innere der Akadmie. Adrenalon neigte dankend seinen Kopf, und ging gemessenen Schrittes am Mann vorbei in die grosse Halle.
Nachdem sich das Tor wie von Geisterhand auch wieder geschlossen hatte, deutete der Mann auf eine Sitzecke, wo sich Adrenalon sogleich niederliess. Der Mann tat es ihm gleich.
"Worum geht es denn, guter Mann?" In recht groben Zügen erklärte er ihm den Sachverhalt. Es musste ja nicht jeder mit den Einzelheiten betraut werden, umso kleiner der Kreis der Eingeweihten, desto höher die Erfolgschance. Er reichte ihm währenddessen die beiden Schriftstücke und endete mit dem Satz "Wir würden von euch nur gerne in Erfahrung bringen, ob jene Schriftstücke vom gleichen Verfasser stammen. Dies würde zur Aufklärung in deutlichster Weise beitragen."
Sogleich nahm der Mann die Schriftstücke zur Hand, betrachtete sie mit konzentrierter Miene. Immer wieder blickte er von Schriftstück zu Schriftstück, mal dieses, mal jenes Wort scheinbar Buchstabe für Buchstabe auseinanderrupfend.
Adrenalon sass fast genau ebenjene halbe Stunde da, ohne ein Wort zu sprechen. Sein Gegenüber schien so konzentriert, er hätte Angst gehabt, ihn aus der Bahn zu werfen.

Gerade als er begann. sich -wirklich- zu langweilen, stiess der Mann ein fast gerufenes "Ahhh ja!" aus und blickte ihn fast strahlend an.
"Ich kann euch versichern, guter Mann, dass diese beiden Schriftstücke vom gleichen Schreiberling stammen!"
Dann ist es also Tatsache...der gleiche Täter! Na, wenn das nichts ist!
So schoss es ihm durch den Kopf ... Nach aussen hin jedoch verneigte er sich höflich vor dem Magier, bedankte sich für die Hilfe und versicherte schon im Loslaufen die Hilfe der Garde, sollte die Akademie in Schwierigkeiten stecken.
Seine Hast war unübersehbar, und der Magier war so freundlich, ihn nicht aufzuhalten mit etwaigen Fragen etc. Stattdessen öffnete sich das Tor wieder ohne sichtbare Einwirkung, und er hastete die Treppen hinunter Richtung Strasse.
Als er an der Biegung ankam, wo der Kutscher samt Kutsche hätte stehen sollen, fluchte er ungehemmt und recht laut los.
Natürlich kann man sich auf diese Bauerntölpel nicht verlassen! Eine Frechheit! Wenn ich den in die Finger bekomm, kanner was erleben!

So machte er sich auf Schusters Rappen auf den langen Weg gen Varuna, um seinen Kollegen die soeben erhaltenen Informationen mitzuteilen... [/i]
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

"Und du bist sicher, daß du gefahrlos da hoch kommst?"
"Jo, Frau Gardistin, det kann ich, macht's Euch mal keene Sorgen!"
Der junge Dachdeckerlehrling kletterte flink die Leiter hoch, während sein Meister unten neben Darna blieb und mit ihr wartete, ob der Junge etwas finden würde.
Als auf dem teils schlimm verkohltem Dach eine schmale Gestalt herumturnte, blieb ein Wachgardist auf der Stadtmauer stehen und sah kritisch zur Villa derer von Gryffenhorst herüber, entdeckte dann die Kameradin neben dem Haus, die ihre Hand hob, ihm bedeutend, daß alles in Ordnung wäre.
Beide Hochgeboren waren gerade nicht da, doch Darna wollte nicht noch mehr Zeit vertun und das Tageslicht nutzen. Ein Splittern und Knacken ertönte, sie sah hoch. "Glaub, ich hab was!", rief der Bengel herunter und kam wieder zu ihnen, eine abgebrochene Schindel und einen seltsamen Gegenstand in der Hand. "Da!"

Sie musste ein wenig genauer nachsehen, was er meinte, obwohl sie ihn eigentlich auf genau so etwas angesetzt hatte: eine Öllache, die in der Nacht nicht Feuer gefangen hatte, sondern ins Holz eingezogen war. Nur eine unregelmäßige Fläche, die farblich etwas anders war als der Rest. Der alte Dachdecker konnte es besser beurteilen, was an der Schindel gewachst war, und was nicht zur normalen Bearbeitung gehörte. Er rieb ein paar weiche, brüchige Späne zwischen den Fingern, roch daran. "Jo, dett is Lampenöl, da wett ich druff!"
Und das andere war der Rest einer Fackel... "Lag in einer Rille zwischen den Schindeln, alles verbrannt da", erklärte der Junge.
"Ich danke Euch vielmals. Hier der versprochene Lohn."
"Für die Garde doch immer, Frau Gardistin, war uns eene Freude!", versicherte der Dachdecker eifrig, und Darna nickte dankend.

Lampenöl. Der Täter musste in der Nacht das Öl auf dem Dach verteilt und es dann mit einer hochgeworfenen Fackel angezündet haben.
Adrenalon hatte am frühen Nachmittag die Information gebracht, daß die Schriften auf den beiden Nachrichten auch für den geübten Blick eines Magiers gleich aussahen, und es war schlecht anzunehmen, daß man es jetzt nicht nur mit einem Mord, sondern auch mit einem Schriftfälscher zu tun hatte.
Auf jeden Fall hatten sie es also auch mit jemandem zu tun, der nicht magisch befähigt war, aber sich im Mindesten auf den raschen Umgang mit Gift verstand, kein herausragender Kämpfer war - dies alles ergab sich aus dem Tod des alten, aber im Kampf noch sehr fähigen Hauptmannes.

Sie musste noch mit Rika reden, was sie vor dem Brand erlebt hatte, ob vielleicht jemand sogar dagewesen war, der dadurch wissen konnte, daß sie zur Zeit des Brandes geschlafen hatte. Aradan hatte ausdrücklich darum gebeten, daß sie sich der Freiin annahm, da sie sich mit dem nötigen höfischen Benehmen am sichersten auskannte. Es sollte auch kein Problem darstellen, unaufdringlich den Kontakt zur Edlen zu suchen, Teile von Darnas Rüstung müssten sich durch die Geschehnisse beim Brand noch in der Villa befinden, sie hatte die geliehenen Sachen noch und... in gewissem Maße hatte die edle Lady Darnas persönliches Interesse geweckt. Noch immer hatte sie diese Wandlung vor dem geistigen Auge, wie die zierliche Frau, mit den Nerven eigentlich am Ende, ihre Haltung gestrafft hatte und aus dem Haus geschritten war, eine Würde offenbarend, die meistens nur edlem Blute zu eigen war. Eine Lady, vom Scheitel bis zur Sohle, keine noch so großen und unpassend sitzenden Kleider hatten darüber hinwegtäuschen können.
Wenn sie emotional dazu in der Lage war, konnte die als fähig bekannte Heilerin vielleicht den Pfeil untersuchen - die Wunden, dem Anschein nach normale Schwertwunden, die aber keine ernsthaften Verletzungen dargestellt hatten, waren nichts gewesen, was einer eingehenderen Untersuchung wert schien, so hatten sie dem Toten seine Ruhe gelassen.


...*Stunden später*...
Das durfte doch nicht wahr sein! Müde gleichwohl wie wütend hieb Darna mit der Faust auf den Tisch, und mit einem unbeeindruckten Rascheln und Knistern rollte ein kleiner Stapel Schriftrollen auf den Boden.
Sie hatte schon triumphieren wollen, weil sie durch die Geschehnisse sich ziemlich sicher war, die Altakten nur nach einer Sache durchforsten zu können:
Urteile des Richters Calor von Gryffenhorst, und zwar von Geldstrafen, die existenzgefährdend waren, bis hin zu Todesstrafen. Und solche Urteile waren schlicht selten. Die ganzen neueren Prozeßakten konnte sie ignorieren. Und dann machte ihr dieser verfluchte Krieg mit Rahals Truppen einen Strich durch die Rechnung: es war fast alles vernichtet worden.
Seufzend sammelte sie die ganzen Papierberge auf dem Tisch ein und begann, sie zurück in die Regale zu räumen. Sollte sie jetzt froh darüber sein, daß ihr jetzt keine Buchstaben mehr vor den Augen verschwimmen und sie vielleicht mal nicht mit Kopfschmerzen einschlafen würde?
"Es wäre unter Garantie ein Hinweis dabeigewesen, verflixte Kiste!"

Sie ließ Leonora und Adrenalon eine Nachricht über die weiteren Informationen und die Sackgasse mit den Altakten da, vermerkte zusätzlich: "Wäre sinnvoll, die Darinors selber also nach harten Urteilen aus der Zeit zu fragen. Vielleicht können sie sich selber noch an solche erinnern. Ich werde Hauptmann Krenor dazu fragen und ein Gespräch mit Frau von Gryffenhorst suchen - ich hoffe, der Giftpfeil ist noch untersuchbar?
Darna"
Michael Deliza

Beitrag von Michael Deliza »

Marian ... die Schlampe weswegen dies alles Geschehen war war nicht da gewesen...
Welch Glück für sie, doch lange würde sie ihm nicht entkommen.
Stattdessen hatte er den alten Mann getroffen, der ebenso auf seiner Liste stand wie andere Namen.
Ihn zu überwältigen stellte sich jedoch schwerer dar als gedacht.
Hatte ihm sein Bruder doch bisher nur von dessen lauten Mundwerk erzählt so doch nichts davon das der alte Mann auch verstand mit dem Schwert um zu gehen.
Einzigst ein kurzer Rückzug das ändern seiner Waffen, hatte ihn am Ende Glück beschert den Sieg davon zu tragen.
Er war wahrlich kein Schwertkämpfer, bestimmt nicht. Das hatte er immer seinem Bruder überlassen, auf den er sich hatte immer verlassen können. Immer bis... bis sie ihn umbrachten.

Nur weil er die Wahrheit sagte. Weil er seine Meinung vertrat ...
Sie würden alle... Alle dafür büßen.
Fanatisch blitzten seine Augen auf.
Er würde ihnen schon zeigen was es hieß sich mit ihnen ein zu lassen.
Rouven Alestra... sein erstes Opfer ... auch wenn es diese Marian hatte sein sollen. Aber aufgeschoben war ja nicht aufgehoben.
Sie war verantwortlich dafür gewesen, sie würde noch ebenso leiden.

Als nächstes stand der Richter auf seinem Zettel, Calor von Gryffenhorst. Doch wie kam man einem Magier bei.
Irgendwie traute er sich nicht ganz an den Mann heran, er war ihm unheimlich.
So hatte er einen anderen Plan gefasst. Er sollte so leiden wie er gelitten hatte.
Mit stoischer Ruhe beobachtete er das Haus der Gryffenhorsts, wartete bis der Magier eines Abends zu später Stunde dieses dann verließ.
Leise und in der stille der Nacht begann er das Mitgebrachte Öl aus zu packen.
Zum Glück lag das Haus abgelegen, doch er wollte sich nicht auf das Glück verlassen.
Schnell und präzise arbeitete er. Verbarrikadierte die Tür und warf kleine Säcklein mit Öl auf das Dach, bevor er Fackeln entzündete, diese ebenso auf den Dachfirst warf und dann das Öl drum herum anzündete.

Lange vermochte er sich nicht an dem Feuer zu erfreuen, dann suchte er schon schnell das Weite! Man wusste ja nie wer kommen würde, und er hatte nicht vor sich ertappen zu lassen.
Andrey von Greifenbach

Beitrag von Andrey von Greifenbach »

Darna und er hatten die schriftliche Verfügung.

Es musste schnell gehandelt werden, und so machte er sich gleich an die Arbeit und durchritt das Kastell von Raum zu Raum, alle Kollegen anweisend, sich in 5 Minuten im Kastellhof zu sammeln.

Als er schliesslich dort ankam, waren sie alle versammelt. Gut. Umso schneller konnte Sicherheit gewährleistet werden.


"Temora und Reich zur Ehr, Kollegen und Kolleginnen!." Er rief die Worte laut über den Hof und über die Köpfe der Anwesenden hinweg, recht laut, um sich auch der ganzen erforderlichen Aufmerksamkeit gewiss sein zu können. Die Verfügung des Hauptmannes hochhaltend, sprach er weiter: "Laut Verfügung des Hauptmannes sind ab dem jetzigen Zeitpunkte folgende Änderungen vorzunehmen.

1.: Der tägliche Dienst wird um eine halbe Dienstzeit verlängert, auch des Nachts!

2.: Dienst ist nur noch zu Zweit abzuhalten!

3.: Es ist nun verschärft auf unbekannte oder anderweitig auffällige Subjekte zu achten! Gesucht wird vor allem ein Manne, etwa 1 Fuss 70 Spannen gross, mit langem braunen Haar, das letzte Mal gesichtet in einer ungefärbten Robe, mit Kaputze.

4.: Gardistin Darna von Elbenau und meine Person haben vom Hauptmann die Genehmiging zur Einteilung spezifischen Wachdienstes erteilt bekommen. Es geht um das Anwesen des Oberleutnants Gray Darinor und jenes des Richters von Gryffenhorst. Sie und/oder ich haben dafür zu sorgen, dass rund um die Uhr Wachen an jenen Anwesen postiert sind!



Er blickte in eine Reihe offener Münder und irritierter Mienen. Sofort begann das Gemurmel. Er zuckte sacht mit den Schultern, schritt in den Vorflur zum Büro und hängte die Verfügung dort sichtbar auf, für alle, welche sich gerade wohl auf Patroullie befanden mochten. Und als einige Kollegen ebenjenen betraten, setzte er die Verfügung des Hauptmannes in die Tat um und kommandierte sie zum Wachdienst an den beiden Anwesen ab. Wie sie sich aufteilten, war ihnen überlassen, jedoch war nun definitiv für die Sicherheit auf den beiden Grundstücken gesorgt. Rika von Gryffenhorst und Marian Darinor konnten wohl nun etwas ruhiger schlafen, troz verschärfter Verdachtsmomente.

Es wurde Zeit. Wer auch immer hinter der ganzen Sache steckte, er sollte es so schwierig wie möglich haben.

Hinweise hatten sie ja nun einige mehr....
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Als sie spät in der Nacht die Gartenpforte aufschloß, fiel ihr Blick über die Rasenflächen und sie seufzte unwillkürlich. Ja, vermutlich hatte Leonora Recht, daß man "mehr" daraus machen konnte, aber sie hatten wirklich anderes derzeit zu tun.

Schon wieder ein haarsträubender Tag zuende. Sie ersehnte mehr und mehr den Moment, wo sie den Täter endlich fassen würden, gleichzeitig hatte sie fast Angst davor, danach regelrecht in ein Loch der vorigen Alltagsroutine zu fallen.
Sie benahm sich ja jetzt schon bei einigen Dingen seltsam - nach dem Brand verspürte sie keinerlei Unbehagen, wenn Leonora sie duzte, wenn sie Adrenalon duzte; gütiger Himmel, gewissermaßen waren sie miteinander durch's Feuer gegangen, im wahrsten Sinne des Wortes. Unter ihnen war es jetzt ein wenig anders, und mit Befremden hatte sie wahrgenommen, daß Adrenalon mehr an die Dienstvorschrift gemahnte als sie - dabei war sie doch eigentlich die Paragraphenreiterin.
Und Adrenalons entsetzter Blick, als sie bekundete, daß sie einen Schluck Wein nach dem Ganzen vertragen könne... nein, natürlich nicht im Dienst. Sie hatte erst danach registriert, daß sie noch den blauen Umhang trug, dabei hätte sie bereits vor vier Stunden Feierabend gehabt.
Aber es war nicht mal zu dem Schluck Wein gekommen, denn just in dem Augenblick kehrte der Hauptmann in sein Büro zurück...

Leonora war zu dieser Stunde bereits todmüde ins Bett gefallen, und so berichteten Adrenalon und sie von all dem, was sich heute zugetragen hatte:

Ein stotternder Herr namens Sallagar war zum Kastell gekommen und hatte furchtsam eine Nachricht überbracht, die er von einem Unbekannten bei der Kutsche vor Varuna erhalten hatte. Der Fremde hatte ihm gedroht, solle er sie nicht überbringen, wenn doch, hätte er beim Kastell eine Belohnung zu erwarten.
Und so hatten Leonora und sie Herrn Sallagar mit einigen Mühen ins Kastell gebeten und halbwegs erfolgreich versucht, alle möglichen weiteren Details aus dem Mann herauszuholen. Innerlich schüttelte sich Darna noch bei dem Gedanken daran, daß der Mann unwahrscheinlich hartnäckig eine Verabredung mit ihr wollte, der sie schließlich mit gemischten Gefühlen zugesagt hatte - aber wenn er sich eben für die Garde interessierte und weitere Informationen über den Dienst und so erfahren wollte...
Noch immer fragte sie sich, warum er nicht Leonora darum gebeten hatte, sie hielt sich selber eher für einen wenig geselligen Redepartner. Und vor allem fragte sie sich, ob sie sich verhört hatte, als er sich mit "Bis dann, Schöne" verabschiedete?

Nun, wie dem auch immer sein mochte - Leonora schien während des Gespräches der Verdacht gekommen zu sein, daß es sich bei Sallagar dreisterweise um den Täter selber handeln könne, der sich einen schlechten Scherz erlaube, und hatte ihn den Empfang der Belohnung quittieren lassen. Dabei stellte sich heraus, daß der Mann nicht mal schreiben und lesen konnte. Zudem sah Darna ihn danach noch auf dem Markt, wo er sich auch seelenruhig verhielt. Der Verdacht schien haltlos, stattdessen konzentrierten sie sich auf das überbrachte Schreiben.
Darin wurde gefordert, daß bis zum Mittag des 27.Eisbruch sämtliche weiblichen Gardisten öffentlich verkündet aus dem Dienst entlassen werden sollte. Zudem bekundete der Schreiber offen, daß der Anschlag auf die Villa von Gryffenhorst der Freiin gegolten hatte, um Calor die Schwester zu nehmen.
Daß Rika allerdings überlebt hatte, war wohl kein Geheimnis - die Edle war also auch weiterhin ernsthaft in Gefahr.

Der Groll richtete sich dem Schreiben nach gegen weibliche Mitglieder der Garde... mit einigem Rumfragen unter Kollegen wurde recht schnell bekannt, daß zu Zeiten des Richters Calor von Gryffenhorst auch Marian Darinor, die Frau des neuen Oberst-Leutnant, in der Garde gewesen war.
Hatte der erste Mord nur bedingt Alestra als Ziel gehabt?

Sallagar hatte einige Angaben zur Erscheinung des Täters machen können: 1 Schritt 70 soll er etwa groß gewesen sein, und unter der Kapuze einer ungefärbten Robe hätten lange braune Haare hervorgelugt. Unter der Robe hatte sich hellgraue Lederkleidung befunden, eine dunkle Stimme, nicht näher beschreibbar.
Es war nicht viel, aber immerhin etwas.

Es sollte allerdings auch nicht das letzte Ereignis dieses Tages sein.
Der Markt war noch nicht einmal ganz vorüber, als die Bäuerin Emma Uhlenhoff völlig wütend und aufgelöst ins Kastell kam und die Garde beschuldigte, Diebe zu sein - und ihr ganzes Gezeter auf Darna entlud, die ernsthaft Mühe hatte, ruhig und sachlich zu bleiben und auch hier Genaueres als nur das offensichtliche (oder hier: laut hörbare) zu erfahren:
Ein Mann hatte bei der Bäuerin vorgegeben, ein Pferd kaufen zu wollen, hatte sich mit dem Tier dann aber abgesetzt, als Frau Uhlenhoff noch einmal kurz in den Stall ging. Ganz offensichtlich musste es ja ein Gardist gewesen sein, weil er über Lederkleidung einen Umhang und die Schärpe der Garde trug - in dem alten tintenblau, das schon seit Khaliz nicht mehr Teil der Uniform war...
Darna zeigte ihr die Rangabzeichen an ihrer Schärpe. "Erinnern Sie sich bitte genau - was waren die Unterschiede zu diesem Abzeichen?"
Keine. Die alten Uniforminsignien eines Gardisten?
Und weitere Teile einer Beschreibung, die kaum anderes als den Schluß zuließen, daß es sich um den Mann von der Kutsche handeln musste: etwa 1,70 groß, braune Augen, der Rest des Gesichtes maskiert, die Haare unter einer Kapuze verborgen, aber eine dunkle Stimme.

Wenig später kam ein Junge namens Max zum Kastell und brachte Sachen, die er beim Spielen neben dem Uhlenhoffhof gefunden hatte - einen tintenblauen Umhang und eine ebensolche Gardistenschärpe.
Nachdem Darna sich und ihren Magen davon erholt hatte, daß der Bengel ihr stolz seine gesammelten Würmer für die Hühner gezeigt und ihr danach einen Keks angeboten hatte, den er aus der gleichen Hosentasche nahm, sammelte die Gardistin die Sachen alle zusammen und forschte im Rüst- und Versorgungsbereich, in dem sie glücklicherweise alle nötigen Kontakte hatte, nach, ob aus den alten Zeiten offiziell Uniformsachen, gerade Dienstschärpen, als vermisst gegolten hatten - die Antwort war ein ausreichend sicher scheinendes Nein.

Es schien alles bis auf das letzte, entscheidende Puzzleteil vorhanden zu sein. Alles bezog sich auf die Zeit der alten Garde, wo Rouven Alestra Hauptmann und Calor von Gryffenhorst Richter gewesen waren - und Marian Darinor Gardistin.
Es stand nun zu vermuten, daß es damals einen Fall gegeben haben musste, der eng mit der Garde verknüpft war, womöglich sogar so eng, daß ein Gardist von Calor zum Tode verurteilt worden war und sie es hier mit dem rächenden Bruder zu tun hatten?
Dies war zumindest das, was Darna am ehesten schlüssig erschien.
Im mindesten war der Täter der Bruder von Jemandem, für dessen Tod die Garde mit Marian und der Richter verantwortlich gemacht werden konnten. Viele konnten das nicht sein, doch es fehlten die entscheidenden Personen, die darüber Auskunft geben konnten:
Calor von Gryffenhorst und das Ehepaar Darinor.

Leonora und Darna gingen zu der Villa Gryffenhorst, doch dort schien gerade niemand zu sein. Danach machten noch Adrenalon und Darna sich auf den langen Weg zum Haus der Darinors, doch auch dort war gerade niemand.
Bei beiden blieb ihnen nicht mehr übrig, als daß Darna Nachrichten in den Briefkästen hinterließ:
"26.Eisbruch 249
Haben weitere Hinweise erhalten, die den Verdacht dringen nahelegen, daß das Leben von Frau Marian Darinor (/ihrer Hochgeboren Rika von Gryffenhorst) durch den Täter bedroht ist. Wir bitten dringend darum, daß Frau Darinor (Lady von Gryffenhorst) umgehendst in Sicherheit gebracht wird, bitte setzen Sie sich alsbald wie möglich mit uns in Verbindung.
Der Täter dürfte ein naher Verwandter eines durch Richter Calor von Gryffenhorst zum Tode verurteilten - womöglich selber Gardemitglied gewesen - sein.
Gez. für Gard. Adrenalon, Morgentau, von Elbenau"

Für mehr war nicht Zeit. Doch noch in der gleichen Nacht bezogen auch die neu abkommandierten Wachen ihre Posten. Hoffentlich gelang es, dem Mörder einen Strich durch die Rechnung und ihn endlich bald dingfest zu machen...
Marian Darinor

Beitrag von Marian Darinor »

Marian schnappte sich schwungvoll die bereit gestellte Milchkanne vom Tisch und verließ ihr Haus.
Gray hatte ihr am Abend zuvor gesagt, dass sie nicht allein in die Stadt oder zu den Bauernhöfen gehen solle, weil der Verdacht bestand, dass Rouven’s Mörder es auch auf sie abgesehen haben könnte. Sie hatte nach einiger Diskussion zugestimmt, dass sie sich daran halten würde, auch wenn sie es eigentlich nicht einsehen konnte. Sie war nun schon seit Monaten nicht mehr in der Garde und sie hatte sich immer korrekt verhalten. Ungerechtigkeiten hatte sie sich gegenüber den Bürgern nie zu Schulden kommen lassen.
Aber sie verstand ihren Mann, er wollte sie beschützen und sie wollte ihm nicht unbedingt widersprechen, zumal er schon in der Frühe wieder fort musste.
Der Abend war voller Zärtlichkeiten ausgeklungen.

Als sie das Gartentor erreichte, trat ein Gardist näher und grüßte sie freundlich.
Er stellte sich mit Namen Adrenalon vor und auf seine Frage hin, was er für sie tun könne, hob Marian ihre Milchkanne an und bedachte ihn mit einem kleinen Lächeln. Er verstand sofort und erklärte ihr, dass er sie überall hin begleiten würde.
Marian fand das ein wenig übertrieben… aber gut, sie hatte ihrem Gray versprochen, auf sich aufpassen zu lassen und nahm die Begleitung deshalb gern an.
Der stattliche Gardist ging auf dem Weg durch die Stadt immer kurz hinter ihr und sie unterhielt sich mit ihm. Erzählte, dass sie zu Emma’s Hof wolle und sprach mit ihm über dies und das.
Als sie das Südtor Varuns’s verlassen hatten und Marian den Uhlenhofschen Hof schon sehen konnte, preschte ein Reiter auf sie zu. Marian sah ihn auf sich zukommen, doch da es der gleiche Reiter war, der zuvor schon an ihnen mit einem kurzen Gruß vorbei geritten war, reagierte sie zu spät. Damit hatte sie nicht gerechnet…
Sie bekam einen mächtigen Stoß vor die Brust, die Milchkanne flog ihr im hohen Bogen aus der Hand und sie strauchelte… schlug hart auf den Boden des Weges. Instinktiv hatte sie sich sofort zusammengerollt, mit ihren Armen ihren Leib geschützt, während sie gellend aufschrie: „NEEEIIIN!“
Der Kerl hatte sie doch einfach über den Haufen geritten!
Sie hörte den Gardisten brüllen… und dann wieder den Hufschlag näher kommen.
„Er will mich töten!“ schoss es Marian durch den Sinn und sie zog den Kopf ein. „Mein Kind… nicht mein Kind!“
Doch der Reiter kam nicht wieder so nahe… Adenalon hatte sich zunächst über sie gebeugt, sich dann aber schützend und angriffsbereit vor sie gestellt.
„ES IST ALLEINE DEINE SCHULD!!! DAFÜR WIRST DU BÜSSEN WEIB!“ brüllte der maskierte Reiter, traute sich aber offensichtlich nicht mehr näher an Marian heran.
Mit den Worten: „Ich kriege dich schon!“ spornte er sein Pferd an und verschwand aus Marians Sichtfeld. Der Gardist beugte sich wieder besorgt zu der werdenden Mutter und half ihr auf die Beine zu kommen. Auf seine Fragen nach Verletzungen wiegelte sie ab.
„Nein.. es ist ja nichts geschehen.. es ist nur der Schreck.“
Doch viel schlimmer als die blauen Flecken, die sie sich sicher zugezogen hatte, war, dass sie nun zugeben musste, dass wirklich für sie Gefahr bestand und dass doch tatsächlich ihr jemand nach dem Leben trachtete.
Den Schmutz von ihrem Kleid klopfend rang sie um Fassung.
Im Gesicht des jungen Gardisten spiegelten sich Wut und Schuldbewusstsein, was er auch zum Ausdruck brachte. Doch das ließ Marian nicht gelten. Sie war heilfroh, dass er bei ihr gewesen war… sie hätte sonst wohl gegen das Pferd mit dem Reiter keine Chance gehabt.
Zum Heiler wollte sie auch nicht, wie Adenalon dringend riet, sie wollte nur nach hause.
Ihr fehlte ja nichts… oder fast nichts.
Das leichte Ziehen in ihrem Unterleib würde bestimmt wieder nachlassen und die Schmerzen im Bein waren nicht so wichtig. Sie hatte schon ganz andere Schmerzen ertragen.

Marian biss die Zähne zusammen und ließ sich von Adrenalon wieder zurück durch die Stadt geleiten. Dass sie von einem Mann angesprochen wurden, der sich stotternd erkundigte, wo er ein Pferd kaufen könne, ärgerte sie zunächst. Doch als sie ihn genauer betrachtete, kam er ihr bekannt vor. Der Gardist und auch sie empfahlen ihm verschiedene Bauernhöfe und setzten ihren Weg fort.
Woher kannte sie ihn nur?... Marian überlegte krampfhaft, doch sie konnte sich nicht erinnern, jemals einen Stotterer gekannt zu haben.

Als sie endlich die Haustür hinter sich schloss, riss sie sich ihren Umhang herunter und ließ ihn einfach fallen. Schweren Schrittes erklomm sie die Treppe zur Schlafkammer und streifte nur die Schuhe ab, um sich dann auf ihr Bett sinken zu lassen.
Sie wünschte sich ihren Mann herbei. Sie brauchte ihn so sehr. Jetzt sollte er bei ihr sein!
Das Ziehen in ihrem Leib hatte auf dem ganzen Weg nicht nachgelassen und ihre Angst nahm zu.
Andrey von Greifenbach

Beitrag von Andrey von Greifenbach »

Niedergeschlagen, ja bald verzweifelt sass er in der Bibliothek des Kastells, die Miene ausdruckslos und starr, den Kopf auf den Händen aufgestützt.

Versagt....Du hast auf der ganzen Linie versagt. Was machst du eigentlich hier? Kannst noch nicht einmal eine Frau beim Milchholen begleiten. Wie soll man da für die Sicherheit einer ganzen Stadt sorgen???
Marian Darinor hatte keine Milch mehr, und er war daran, sie zu begleiten und abzusichern, wie es beschlossen wurde.
Nach einem kleinen Gespräch machten sie sich bereits auf den Weg. Er achtete darauf, immer einige Schritte hinter ihr zu bleiben. Nicht jeder musste gleich bemerken, dass Frau Darinor einen persönlichen Begleitschutz hatte. Es wird immer schnell gemunkelt, und gerade jetzt wäre es unpässlich, würde man den Oberstleutnant einen persönlichen Nutzen aus der Garde vorwerfen.

Sie hatten die Stadtmauern gerade erst hinter sich gelassen, da war es passiert.

Im Nachhinein fragte er sich, was allen Ernstes in seinen Kopf passiert sein müsse, dass er die Situation nicht hatte vorher erkennen können.
Da reitet der glatt vorher noch dreisterweise an uns vorbei...Der grüsst noch kackfrech...Und ich nicke noch idiotisch zurück. VERDAMMT!!! Wahrlich, schlimmer ging es wirklich nicht mehr...
Er würde sich vor Gray dafür stellen müssen. Marian klagte über ein Ziehen im Unterleib..Bei Temora, wenn dem Kind was passiert ist...
Mal abgesehen von der Tatsache, dass er vielleicht verantwortlich für den Tod eines Ungeborenen war, war sein Leben verpfuscht, sollte es soweit kommen.

Dann kam noch hinzu, dass sie einem Mann über den Weg gelaufen sind, welcher ebenfalls auf die Täterbeschreibung passte. Er stotterte. Der Reiter stotterte nicht, aber die Kleidung, welche er trug, soviel konnte er erkennen, hate die gleiche Farbe wie der Stoffetzen am Todesort des Alestra. Die Kleidung des Stotterers war ungefärbt...Das hatten sie doch auch schon einmal gehört...Marian merkte an, das Gefühl zu haben, ihn irgendwoher zu kennen. Immernoch benommen vom Überfall, hatte er dies zuerst garnicht registriert. Als er reichlich verspätet nachfragte, konnte sie ihm nicht sagen, woher...Und dann kam noch die Forderung, welche sie erhalten hatten, dazu.

Zviele Dinge, die auf einmal in seinem Kopf herumspukten. Er konnte in seiner momentanen Lage keinen klaren Gedanken fassen...
Und nun musste er auch noch die Befragung Calors durchführen...Zuviel.

Bei Temora....Was mache ich bloss?

Er fühlte sich alleine. Ganz alleine.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

"Habt Ihr mehr als ein vages Gefühl, Herrn Sallagar für verdächtig zu halten, Gardistin?", fragte Hauptmann Krenor sie forschend. Er hatte ihren Blick bemerkt, den Umstand, daß sie Sallagar unten warten ließ, die Spur eines merkwürdigen Tonfalls, da´ß sie noch etwas dienstliches mit ihm besprechen wolle, daß sie ihre Lautstärke in seinem Büro unwillkürlich dämpfte.

Vage Gefühle... hatte sie mehr als das?
"Ich muß sagen, zuerst war er Gardistin Morgentau gestern suspekt, weil er bei einigen Aussagen zögerte und sie den Eindruck hatte, er würde den Täter verteidigen - ich konnte das nicht recht teilen. Vor allem, als sie ihn ein Schriftstück unterschreiben lassen wollte und er die Feder dabei mit links hielt.
Doch im Nachhinein, zusammen mit anderen Kleinigkeiten, kommt es mir seltsam vor, daß er vorher so lange auf das Pergament sah - wozu, wenn er nicht lesen kann?
Und selbst jemand, der des Lesens und Schreibens nicht mächtig ist, würde dann die Feder doch nicht in die schlechte Hand nehmen."

"Ist denn links seine schlechte Hand?", hakte der Hauptmann nach. Darna grübelte. Sie hatte nicht wirklich darauf geachtet, aber sie wusste, daß es ihr auffiel, wenn jemand die linke Hand benutzte, weil das ein Umdenken im Kampf zur Folge hatte. Sie dachte weiter nach.
"Er hatte mir einen Apfel geben wollen...", murmelte sie und imitierte die Bewegungen, die sie an ihm gesehen hatte. "Rechts", meinte sie bestimmt. "Er hat ihn mit rechts aus der Tasche genommen und ihn mir angeboten."
"Prüft es - werft ihm unerwartet einen Apfel zu oder dergleichen."
"Jawohl, Herr Hauptmann."
Sie dachte kurz nach und fuhr fort:
"Dann erfuhr er vorhin, daß ich Knappin bin. Und ich weiß nicht, ob es an der Kürze der Worte lag, aber drei oder vier Worte lang stotterte er nicht."
Aradan lehnte sich vor. "Ihr meint, das könnte vergetäuscht sein?"
"Ich bin mir nicht sicher, Herr Hauptmann, aber es kam mir komisch vor."

Sie besprachen all dies noch einige Momente, bis Aradan seine ausdrücklichen Bedenken äußerte, daß er Darna in Gefahr wähnte und sie warnte. "Wir wissen nicht, mit was für einem kranken Geist wir es hier zu tun haben, und auch Ihr seid ein weiblicher Gardist."
"Leonora", fuhr es ihr entsetzt durch den Sinn, doch nur langsam sickerte das Begreifen durch, daß Sallagar sich aus - ihr ohnehin - unerfindlichen Gründen bislang deutlich mehr für sie interessiert hatte, als für die ansehnlichere Kollegin Morgentau.
Ihr sollte jemand ans Leben wollen, nicht aus persönlicher Feindschaft heraus, sondern aus... völlig... durch Rache in den Wahnsinn getriebene Gedanken? Die Willkürlichkeit, der sie damit ausgeliefert war, jagte ihr einen entsetzlich kalten Schauer über den ganzen Leib, und sie war blass geworden.
"Jawohl, Herr Hauptmann", antwortete sie tonlos.

Sie warnte Leonora, eindringlich, noch am gleichen Abend. Und sobald sie Adrenalon antraf, teilte sie die Lage auch ihm mit.
Am liebsten hätte sie Sallagar einfach im Kastell eingebuchtet, aber sie hatten nichts gegen ihn in der Hand. Vielleicht war alles auch nur ein gewaltiger Irrtum. Aber wenn nicht...
war jedes Mal, wenn er ihre Nähe suchte, ein Spiel mit dem Feuer.
Andrey von Greifenbach

Beitrag von Andrey von Greifenbach »

Egal was ist...was wir...dich kriege ich noch!

Der erste Gedanke, den er bewusst fabrizierte, als er schweissgebadet erwachte und sich aus seiner Koje erhob..

Eine Frau war da, in ihrer Begleitung ein kleines Kind. Ein Kind im Kastell...Das darf doch nicht wahr sein...
Natürlich liess er sich nicht anmerken, was er von dieser Tatsache hielt, dafür war er auch viel zu viel mit anderen Sachen beschäftigt. Im Nebenraum wurde der neue Kadett von Darna eingekleidet. Ein Schütze, wie er selber sagte.
Ein Schütze... Na das wurde ja mal Zeit... Das dieser Schütze sich seine Bögen seinen eigenen Worten nach selber zusammenschnitzte, war auch nicht gerade dazu geeignet, seine Stimmung zu heben, auch wenn er in jenem Moment recht flachsig erscheinen musste.
Desweiteren hatte Darna ein Gespräch mit einem gewissen Sallagar...jener wollte wohl der Garde beitreten.


Das Gespräch mit den von Gryffenhorsts stand an. Temora sei Dank hatte sich Gardistin Morgentau kurzfristig dazu entschlossen, ihn zu begleiten.
Sie erwies sich in dieser Hinsicht als Kollegin mit gutem Gespür für das Wesentliche. Auch wenn der Hauptteil des Gespräches bei ihm lag, so kamen oftmals wichtige Dinge zutage, weil sie nachhakte.


Desweiteren konnte er sich zumindest für einen kurzen Moment von seinen düsteren Gedanken lösen, denn die lockere Art seiner Kollegin war auf Dauer unmöglich zu ignorieren, und steckte an.

Insgesamt war dieses Gespräch mit den Gryffenhorsts ein voller Erfolg. Calor von Gryffenhorst berichtete auf entsprechende Anfragen hin von einem länger zurückliegenden Fall...ein gewisser Rodolofo wurde von ihm damals zum Tode verurteilt, die Anklagepunkte waren unter anderem Beleidigung der Krone und Entführung, wobei sich zu ihrer Überraschung der Entführte als niemand anderes denn Rouven Alestra entpuppte. ausserdem muss dieser Rodolofo Frau Marian Darinor damals aufs Übelste angepöbelt haben...
Wenn das alles ein Zufall sein soll, so möge Alatar sich meiner bemächtigen und mich in die ewige Verdammnis schicken! Alestra....Marian...Die Forderung des Täters...das gleiche Schriftbild wie damals jenes des Rodolofo...Unmöglich, ein Irrtum ausgeschlossen!

Der einzige, der damals eine Art Beziehung zum Verurteilten pflegte, war niemand geringeres als der Ritter Quarius de Lore.
Dies an sich empfand zumindest er bis zu jenem Zeitpunkt nicht als verwunderlich, stand doch im Raume, Rodolofo wäre geistig benebelt. gewesen... Ein Ritter hätte bei seiner Ehre vielleicht etwas anderes gutgehiessen, jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach kein Todesurteil.
Eine entscheidene Frage jedoch von Gardistin Morgentau...Eine Ungeheuerlichkeit...


Ritter Quarius de Lore hatte um Rika von Gryffenhorsts Hand angehalten, und das nicht nur einmal.


Grundgütiger... Das passt doch wie die Faust aufs Auge! Der Ritter verschmäht von seiner Angebetenen...Damals, Rodolofo Marian angepöbelt..Die Forderung, alle weiblichen Gardisten sofort zu entlassen...
Rouven Alestra als Schlüssel zur Ergreifung, Marian und Calor als Ergreifer und ausführendes Element!


Seine Kollegin kam zu Ähnlichen Ergebnissen.
Offensichtlich war der Zorn Calors bei jenen Offenbarungen geworden... Er wollte raus. Natürlich würde alles unter dem Mantel der Verschwiegenheit und Vertraulichkeit behandelt werden, aber sie wussten, wo sie weiter anzusetzen hatten.

Man sagt, der erste Gedanke des Tages prägt dessen Verlauf.
Nun, vielleicht war da ja was dran...
Andrey von Greifenbach

Beitrag von Andrey von Greifenbach »

Die Briefe waren verfasst, Antwort würde abgewartet werden.


Gardistin Morgentau und Gardist Talan sassen im Arbeitszimmer und spielten Karten.
Er kam gerade vom Dienst... Vom regulären, bezahlten, einfachen Strassendienst. Leute auf der Strasse sehen, die würzige Luft aus den grafschaftlichen Wäldern atmen, das rege Treiben in den Gassen. Das hatte er gebraucht. Abstand.

Die Wirkung hielt nur von kurzer Dauer. Als er den Arbeitsraum betrat, riss ihn die Wirklichkeit zurück.
Er hatte mit Leonora geredet... Seine Schuldgefühle, die ihn plagten... Talan sass daneben und hatte keinen blassen Schimmer.

Was ihn nachdenklich stimmte, war die ablehnende Haltung Leonoras. "Du stinkst vor Selbstmitleid! Meinst du, du hättest es verhindern können? Nur der Tatsache, dass du überhaupt da warst, hat Marian Darinor Ihr Leben zu verdanken! Hör auf, dich im Selbstmitleid zu Baden, und konzentriere dich auf das Wesentliche! Es gilt, einen Mörder zu fassen, Gefühlsduseleien sind absolut unangebracht!"
Sie strafte ihn sogar kurzzeitig mit Ignoranz. Vielleicht war es das, vielleicht ihre ganz und gar nicht sanft gewählten Worte, die ihn dazu bewegten, objektiv an die Sache heranzugehen.
Vielleicht hat Leonora ja recht... Es hätte schlimmeres passieren können... aber Kampfausbildung, wo war das Ergebnis... viel zu schnell, keine Chance..

Weder waren seine Schuldgefühle verpufft, noch konnte er sich mit seinem Versagen abfinden. Aber die Worte Leonoras halfen ihm, das war zu spüren. und so war er auch empfänglicher für die Fakten, die er mitgeteilt bekam:

Sallagar schob sich immer weiter in unseren engeren Verdachtskreis... zuviel Interesse an der Garde im generellen, und an Darna im speziellen.
Seine Art, die Feder zu halten, wo er doch nicht schreiben konnte...Angeblich. Und wer stotterte, der tat dies für gewöhnlich immer, nicht phasenweise.
All dies passte in sein Bild eines Mannes, welcher sie nach einer Kaufmöglichkeit für ein Pferd befragte. Welcher aber gleichzeitig Ähnlichkeit mit einem ganz Speziellen Reiter hatte...

Keine voreiligen Schlüsse!!!; ein Gespräch mit Quarius de Lore, das Gleiche mit Marian... dieser Sallagar...

Sie waren ganz dicht dran. Nun wurde es wirklich brisant..Ermittlung im Inoffoiziellen... man könnte auch sagen im Illegalen...
Verdeckt...Unerkannt...Strafbar. Das waren Methoden, mit welchen sie nun wohl näher in Kontakt kommen müssten als ihnen lieb war. Nur für Vertrauenswürdige.


Nah dran. Und es fehlt nicht mehr viel. Es muss funktionieren.

Dass er nebenbei viel Unterstützung bekam mit seinem eigenen Problem, wurde ihm erst langsam, sickernd bewusst... Keiner sah die Dinge, so wie er sie wahrnahm.

Und das machte es wahrlich einfacher.
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