Wieder ist es ein kalter Frühwinterabend in der Siedlung zu Düstersee, als Laina die Pergamentrolle des Postjungen an sich nimmt.
„Ein Schreiben der ehrenwerten Ritterin Swynedd; an mich!?“, entgegnet sie dem Burschen mit ungläubiger Miene, und reißt dem schüchternen jungen Mann die Nachricht regelrecht aus der Hand. Dieser weicht mit einem scheuen Lächeln zurück, empfängt zugleich den Befehl der Waffenmeisterin, er möge doch warten, bis sie ein Antwortschreiben verfasst habe. Groß werden die Augen des Botenjungen, als er sich erhofft, ins warme Häuschen der alatarischen Gardistin treten zu dürfen, ehe diese ihm jedoch kurzerhand die Türe vor die Nase zuschlägt:
„Warte hier, Botenjunge!“
So muss er sich, im Kalten stehend, gedulden, bis sie nach einer guten Weile, mit einem erlösenden Schreiben in der Hand, wieder zurückkehrt.
Seinen Zorn zur Ehre, verehrte Ritterin Swynedd,
es ist mir eine Freude, Euer Schreiben in den Händen zu halten, und doch möchte ich mich zunächst für meine Abwesenheit entschuldigen. Die spärliche Zeit, die ich im Lande habe verbringen dürfen, diente ich der Garde der hiesigen Siedlung – Düstersee. Des Öfteren musste ich, mit meinem Bruder, meine Heimat aufsuchen, forderte man dort ebenso meinen Dienst – doch Näheres sei gerne mit Euch unter vier Augen besprochen.
In der Regel wird mir täglich, ab der achten Abendstunde, der Feierabend, respektive Dienstschluss, gegönnt. So würde ich spontan den Termin des 30. Rabenmonds, zur 20. Stunde, vorschlagen; das wäre der kommende Mittwoch.
Lasst es mich wissen, sofern Euch jenes Datum nicht zusagt – wie erwähnt stehe ich Euch täglich, aber der 20. Stunde, zur Verfügung.
Es wird mir eine Ehre sein, Euch nach all' der langen Zeit, wiederzusehen, ehrenwerte Ritterin. So möge der Herr seine schützende Pranke über Euch halten.
„Hier, überbring' ihr das Schreiben so rasch wie möglich. Und wehe, du verlierst es!“, befiehlt die blonde Kämpferin dem armselig anmutenden Botenjungen – wie er da friert – ehe sich dieser, unter einem leisen Schnauben, auf den besagten Weg zu Anastasia macht:
„Sehr wohl, Gardistin Celeste!“
Immerhin stimmt ihn ein großzügiges Trinkgeld versöhnlich.