Feuer
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Calor von Gryffenhorst
Feuer
Die Flammen waren gebannt.
Eine einigermaßen kreative Idee war es schon gewesen, ausgerechnet sein Haus anzuzünden. Das Haus eines Erzmagiers, der dem Feuer gebot wie andere Leute ihrem Hund.
Während des Bannzaubers hatte Calor nur Augen für die Flammen und Ohren für das Lied Eluives, indem sich die prasselnden Töne der Feuersbrunst abbildeten.
Nach dem Bannzauber herrschte aufgeregtes Stimmengewirr, Menschen eilten hin und her. Erst später bemerkte der Erzmagier, mit Hilfe eines Gardisten, daß auch seine Schwester anwesend war. Seine Schwester. Anwesend. Im Nachtgewand. Aus dem Haus geholt. Eingeschlossen im Feuer, wäre nicht die Garde gekommen, hätte nicht der Bruder den Dachstuhl gelöscht ...
Feuer.
Die Flammen waren gebannt.
In die Kugel des Erzmagierstabes.
Hatte er ursprünglich vorgehabt, die gespeicherten Flammen in die See vor Bajard zu jagen, wußte er nun ein besseres Ziel.
Wer immer das getan hatte, wer immer die Barrikade angezündet hatte - dieser jemand würde nun von der Garde gesucht werden. Der Erzmagier war sich gewiss, daß man nur die besten Leute mit dieser Suche betrauen würde.
Sollte sich die Brandstifterkreatur zeigen, so würde sie vergehen. Eine Menge Flammen konnten an einem Dachfirst nagen, ihn langsam verspeisen. Genausogut konnten sie diesem nichtswürdigen Wurm das Fleisch von den Knochen nagen ... nein, nein es würde nicht schnell gehen, kein Drachenodem und alles aus ... nein ... Glut ...
Rika in Gefahr. Ein zwartes, graues Mäuslein. Das er manchmal beneidete - in letzter Zeit weniger, gestand er sich mit einem feinen Lächeln in Gedanken an eine andere Frau ein. Dieses liebevolle, schüchterne Tierchen, die Maus von Gryffenhorst, die hatte nun wahrhaft einer ausräuchern, umbringen wollen ... diese kleine Frau, an der so viel hing - das Herz des Erzmagiers zum Beispiel, der sich väterlich verbunden fühlte obschon er nur der Bruder war und sein würde ... was, wenn Rika nicht mehr wäre?
In die Stille der Nacht flüsterte er seinen Fluch. "Du Ausgeburt der Dämlichkeit hast meine Schwester in Gefahr gebracht ... was Du mit mir vor hast ist egal, aber dafür brennst Du ..."
Die Flammen waren gebannt - und bereit, wieder entfesselt zu werden.
Eine einigermaßen kreative Idee war es schon gewesen, ausgerechnet sein Haus anzuzünden. Das Haus eines Erzmagiers, der dem Feuer gebot wie andere Leute ihrem Hund.
Während des Bannzaubers hatte Calor nur Augen für die Flammen und Ohren für das Lied Eluives, indem sich die prasselnden Töne der Feuersbrunst abbildeten.
Nach dem Bannzauber herrschte aufgeregtes Stimmengewirr, Menschen eilten hin und her. Erst später bemerkte der Erzmagier, mit Hilfe eines Gardisten, daß auch seine Schwester anwesend war. Seine Schwester. Anwesend. Im Nachtgewand. Aus dem Haus geholt. Eingeschlossen im Feuer, wäre nicht die Garde gekommen, hätte nicht der Bruder den Dachstuhl gelöscht ...
Feuer.
Die Flammen waren gebannt.
In die Kugel des Erzmagierstabes.
Hatte er ursprünglich vorgehabt, die gespeicherten Flammen in die See vor Bajard zu jagen, wußte er nun ein besseres Ziel.
Wer immer das getan hatte, wer immer die Barrikade angezündet hatte - dieser jemand würde nun von der Garde gesucht werden. Der Erzmagier war sich gewiss, daß man nur die besten Leute mit dieser Suche betrauen würde.
Sollte sich die Brandstifterkreatur zeigen, so würde sie vergehen. Eine Menge Flammen konnten an einem Dachfirst nagen, ihn langsam verspeisen. Genausogut konnten sie diesem nichtswürdigen Wurm das Fleisch von den Knochen nagen ... nein, nein es würde nicht schnell gehen, kein Drachenodem und alles aus ... nein ... Glut ...
Rika in Gefahr. Ein zwartes, graues Mäuslein. Das er manchmal beneidete - in letzter Zeit weniger, gestand er sich mit einem feinen Lächeln in Gedanken an eine andere Frau ein. Dieses liebevolle, schüchterne Tierchen, die Maus von Gryffenhorst, die hatte nun wahrhaft einer ausräuchern, umbringen wollen ... diese kleine Frau, an der so viel hing - das Herz des Erzmagiers zum Beispiel, der sich väterlich verbunden fühlte obschon er nur der Bruder war und sein würde ... was, wenn Rika nicht mehr wäre?
In die Stille der Nacht flüsterte er seinen Fluch. "Du Ausgeburt der Dämlichkeit hast meine Schwester in Gefahr gebracht ... was Du mit mir vor hast ist egal, aber dafür brennst Du ..."
Die Flammen waren gebannt - und bereit, wieder entfesselt zu werden.
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Rika von Gryffenhorst
Einige Zeit später, vielleicht eine Stunde, vielleicht mehr, stand Rika wieder vor den Toren der Residenz von Gryffenhorst. Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Sie wußte nur, daß sie nun dieses dunkle, nach Qualm und Rauch riechende Haus betreten würde. Das Haus, in dem ihr Bruder verweilte - ihr Bruder, nach dessen Nähe, dessen Wärme und Schutz sie sich so schmerzhaft sehnte. Keiner ihrer Lieben war hier. Raphael nicht - aber Bajard war weit entfernt, sie machte ihm keinen Vorwurf. Ihr Bruder jedoch auch nicht - der mit ihr auf der Treppe gesessen hatte, der sie gesehen hatte und der dennoch so unendlich fern war. Darna hatte ihr versprochen, daß er nachkommen würde - es wunderte Rika nicht, daß er nicht kam. Dennoch saß dieser Stich wieder so unendlich tief und schmerzte sie mehr, als sie es sich eingestehen wollte. Sie war allein - schlimmer, sie war einsam. Und diesen Abend stand das Gespenst wieder allzu deutlich vor ihr.
Sie schluckte hart und trat dann endlich ein. Langsam durchquerte sie die Halle, die rußverschmierten Wände schienen sie wie Fratzen anzustarren. Hatte die Treppe schon immer so laut geknarrt, wenn man sie hinaufstieg? Es war nicht zu überhören - ob Calor ihr jetzt vielleicht entgegen kam? Nun würde er sich keine Blöße mehr vor all den besorgten und hilfsbereiten Menschen geben...
Doch nichts. So laut das Feuer vorhin in ihren Ohren geprasselt hatte, so still war es jetzt im Haus. Hart biß sie sich auf die Unterlippe und schluckte mühsam die wieder aufsteigenden Tränen hinunter, als sie mit der Hand zärtlich und liebevoll über das massive Holz von Calors Zimmertür strich. Still rannen ihr die Tränen über die Wangen, hinterließen helle Spuren im noch immer leicht rußgeschwärzten Gesicht, als sie sich schleppenden Schrittes ihrer eigenen Kammer zuwandte.
Erneut drang ihr Rauchgeruch entgegen. Überall zogen sich Rußspuren über die Wände, die Ecke ihres Frisiertisches war leicht angebrannt. Rasch öffnete sie die Fenster, um die kalte, frische Winterluft hereinzulassen. Doch dann sank sie weinend auf ihr Bett, umschlang ihr Kissen und drückte es gegen den kalten Stein der Einsamkeit, der schwer in ihrer Magengrube lag. Notdürftig eingehüllt in die viel zu große Kleidung Darnas weinte sie sich in den Schlaf.
Eisig strich die Nachtluft durch ihr Zimmer und über die kleine, zerbrechliche Person hinweg...
Sie schluckte hart und trat dann endlich ein. Langsam durchquerte sie die Halle, die rußverschmierten Wände schienen sie wie Fratzen anzustarren. Hatte die Treppe schon immer so laut geknarrt, wenn man sie hinaufstieg? Es war nicht zu überhören - ob Calor ihr jetzt vielleicht entgegen kam? Nun würde er sich keine Blöße mehr vor all den besorgten und hilfsbereiten Menschen geben...
Doch nichts. So laut das Feuer vorhin in ihren Ohren geprasselt hatte, so still war es jetzt im Haus. Hart biß sie sich auf die Unterlippe und schluckte mühsam die wieder aufsteigenden Tränen hinunter, als sie mit der Hand zärtlich und liebevoll über das massive Holz von Calors Zimmertür strich. Still rannen ihr die Tränen über die Wangen, hinterließen helle Spuren im noch immer leicht rußgeschwärzten Gesicht, als sie sich schleppenden Schrittes ihrer eigenen Kammer zuwandte.
Erneut drang ihr Rauchgeruch entgegen. Überall zogen sich Rußspuren über die Wände, die Ecke ihres Frisiertisches war leicht angebrannt. Rasch öffnete sie die Fenster, um die kalte, frische Winterluft hereinzulassen. Doch dann sank sie weinend auf ihr Bett, umschlang ihr Kissen und drückte es gegen den kalten Stein der Einsamkeit, der schwer in ihrer Magengrube lag. Notdürftig eingehüllt in die viel zu große Kleidung Darnas weinte sie sich in den Schlaf.
Eisig strich die Nachtluft durch ihr Zimmer und über die kleine, zerbrechliche Person hinweg...
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Darna von Hohenfels
Prüfend hob sie ihre Nase, sah sich irritiert um. "Hat die Garde eine neue Küche?"
Leonora und Adrenalon sahen sie verwundert an. "Wieso?"
"Es riecht verbrannt."
Doch es war kein Essen, das wurde klar, als sie nach draußen gingen - wie verbranntes Essen roch, wusste Darna, dafür hatte sie oft genug welches produziert.
"ALARM! FEUER!"
Sie brüllte es aus Leibeskräften, Leute kamen angelaufen. Ihre beiden Kameraden begannen, direkt beim Haus zu helfen, Trümmer vor der Tür wegzuräumen, während Darna zum nahen Haus ihres Ritters rannte - sie brauchten doch Kübel, Eimer, alles was sie schnell finden konnte...
Im Haus nebenan war ein Teich, die naheliegendste sinnvolle Wasserstelle, und so würde Kamerad Vondran es sicher verschmerzen können, daß Darna mit dem ruppigen Auseinanderziehens des Heckengestrüpps dieses etwas demolierte.
Bei der Villa Gryffenhorst angekommen, sah sie auf die kleine Ansammlung von Menschen, und mit Erschrecken wurde ihr klar, daß das so mit einer Löschkette nichts werden konnte, wie es einmal beim gräflichen Schloß funktionierte, als der Hühnerstall gebrannt hatte.
"Ehe du hier Ordnung reingebracht hast..."
Schwierigkeiten bei der Tür, wenigstens ein Beil hatte man organisieren können. Adrenalon und Leonora waren irgendwo da vorne in dem Rauch. Sie stellte die gefüllten Eimer ab und tränkte ihren Umhang mit Wasser -sie würde ihn im Ernstfall brauchen. "Wieso wollen sie überhaupt in diese Flammenhölle?"
Das nächste Entsetzen - da drin war noch jemand!
Hastig glitten ihre Blicke hin und her. An der Tür sammelte es sich, aber dort war auch der meiste Widerstand.
"Gibt es einen anderen Eingang?" Niemand antwortete ihr, oder sie bekam es nicht einmal mit. Im Geiste überflog sie den Aufbau des Hauses, sie war doch erst am Mittag hier noch Patrouille gegangen...
"Balkon. Das Haus hat hier rechts einen Balkon."
Darna kletterte über den niedrigen Gartenzaun, und tatsächlich stand auf dem Balkon, von dicken Rauchschwaden umgeben, eine zierliche Gestalt, an der erschrocken der Blick der Gardistin hin. Unten eine Balustrade, Geländer... "Ich brauch hier Hilfe!", rief sie, während sie hastig begann, ihre Rüstung abzuschnallen und die Teile achtlos auf den Boden fallen ließ - sie käme da sicher hoch, aber nicht gerüstet.
Adrenalon tauchte hinter ihr auf, sah hoch, nickte nur rasch und stellte sich unten vor den Balkon, hielt die Hände für eine Räuberleiter zusammen.
Sie holten sie gemeinsam raus. Das zitternde und hustende Bündel Mensch in den nassen Umhang gewickelt, dirigierte Darna Frau von Gryffenhorst hinter den Menschen her, die über die Haustür nun doch einen Weg durch das Gebäude gefunden hatten und damit melden konnten, daß es noch einen sichereren Weg raus gab, als irgendwie mit der Edlen hinunterklettern zu müssen.
Draußen sank sie zusammen. Adrenalon gab ihr einen weiteren Umhang, trocken. Sie brauchte Wärme, Ruhe, ihr Bruder war angekommen und hatte irgendwelche sehr beeindruckende Dinge mit den Flammen getan, sie irgendwie zu sich gerufen - was Darna kein Stück verstand und eigentlich auch weit weniger interessierte als der Zustand der Lady.
"Das Haus meines Herrn ist nicht weit, fühlt Euch bitte eingeladen."
Sie konnte sich nicht um alles kümmern, aber es war auch nicht notwendig. Mehrere Leute waren um Frau von Gryffenhorst bemüht, ein Herr namens Cyrion hatte auch die einfallsreiche Idee, die Edle selber zu fragen, was sie bei einem Schockzustand verordnen würde, was die Heilerin tatsächlich wie im Schlaf beantwortete.
Hinter ihr unterhielt sich Leonora mit dem Freiherrn - irgendwas war wohl gefunden worden, Darna bekam es nur halb mit, doch offensichtlich übernahm die Kadettin die dienstlicheren Angelegenheiten der Sache, Adrenalon hatte Blick auf beides, half mal hier, mal da, wo gerade Not am Mann war.
Er fragte sie auch, ob ihr eine Person in hellbrauner Kleidung aufgefallen war, die erst anwesend und nun verschwunden war. Nein... Darna hatte sie flüchtig registriert, ja, doch ihre ganze Sorge hatte der Situation gegolten, so war sie dankbar darum, daß sich hier eine gute Zusammenarbeit der Gardeangehörigen zu offenbaren schien. Leonora würde dem mit Sicherheit eher nachgehen.
Alliestra war mit unter den Helfern gewesen, noch eine weitere Frau, und Darna versäumte es nicht, allen Anwesenden offenen Dank auszusprechen, auch wenn sie just in diesem Moment nichts weiter tun konnte.
Sie begleitet die edle Lady zum Haus ihres Herrn, Herr Cyrion kam mit, und Darna vertraute schlicht auf ihr Gefühl, daß er einen umsorgenden und damit ehrbaren Eindruck machte, als sie ihn mit hereinließ.
Doch wo blieb der Freiherr?
Als Darna die Edle in dem Sessel sitzen sah, die Beine eng an den Körper gezogen, mit nackten Füssen, nur notdürftig bekleidet und spürbar die Nähe ihres Bruders vermissend, furchte Darna düster die Stirn und ging in den Garten, wo ihr Kamerad gerade noch stand.
"Adrenalon? Tut mir bitte einen Gefallen: Wenn das unter Entführung fällt, nehme ich das auf mich, aber schafft Herrn von Gryffenhorst hierher."
Das konnte doch nicht wahr sein - Er wusste, was geschehen war, und blieb eher beim Haus für... sie grummelte. Magische Untersuchungen. Es musste wohl wichtig sein, sie wünschte es dem Freiherrn zumindest, sonst wäre das hier eine Ungeheuerlichkeit. Sie hatte ihr Versprechen, daß er käme, vorschnell gegeben - das Eine, was sie wünschte, das andere, was machbar war.
Als Rika ging, in geliehenen Sachen, mit den schmalen Füßen in den Stiefeln der etwas größeren und kräftigeren Gardistin wie in Wassereimern stehend, sah Darna ihr nachdenklich hinterher - die Heilerin ging wie eine Königin, hatte nach irgendeiner Kraft in sich gegriffen, die auch Darna jedesmal benutzte. Dienst war Dienst...
Es war nach den Erlebnissen heute ein unendlich gutes Gefühl, sich doch nicht allein und als etwas Fremdartiges zu sehen.
"Was habt Ihr schon davon, wenn Ihr anderen immer gebt, bis Ihr selber nichts mehr habt?"
"Ich erhalte, indem ich gebe, Herr Falkenau..."
Doch als alle weg waren, ließ sie die Schultern sinken, und die Erschöpfung nach diesem irrsinnig anstrengen Tag brach auf sie hernieder wie ein Deichbruch, gegen den sie sich bislang gestemmt hatte.
Sie ging nach oben und stellte die blauen Diensstiefel vor den Vorhang, der ihr Bett vom Rest des Raumes abtrennte. Sie guckte auf die Sachen.
"Deine Privatsachen sind im Kastell. Die anderen hat Frau von Gryffenhorst. Aber diese Sachen jetzt sind doch völlig veräuchert... hoffentlich riecht es nicht durch den ganzen Raum.
Du musst also noch zum Kastell. Vermutlich musst du dich eigentlich auch noch waschen."
Sie saß auf dem Bett und atmete träge durch.
"Gut, also gleich nochmal los, nur kurz ausruhen..."
Es war so ziemlich der letzte klare Gedanke, den sie zusammenbekam.
Leonora und Adrenalon sahen sie verwundert an. "Wieso?"
"Es riecht verbrannt."
Doch es war kein Essen, das wurde klar, als sie nach draußen gingen - wie verbranntes Essen roch, wusste Darna, dafür hatte sie oft genug welches produziert.
"ALARM! FEUER!"
Sie brüllte es aus Leibeskräften, Leute kamen angelaufen. Ihre beiden Kameraden begannen, direkt beim Haus zu helfen, Trümmer vor der Tür wegzuräumen, während Darna zum nahen Haus ihres Ritters rannte - sie brauchten doch Kübel, Eimer, alles was sie schnell finden konnte...
Im Haus nebenan war ein Teich, die naheliegendste sinnvolle Wasserstelle, und so würde Kamerad Vondran es sicher verschmerzen können, daß Darna mit dem ruppigen Auseinanderziehens des Heckengestrüpps dieses etwas demolierte.
Bei der Villa Gryffenhorst angekommen, sah sie auf die kleine Ansammlung von Menschen, und mit Erschrecken wurde ihr klar, daß das so mit einer Löschkette nichts werden konnte, wie es einmal beim gräflichen Schloß funktionierte, als der Hühnerstall gebrannt hatte.
"Ehe du hier Ordnung reingebracht hast..."
Schwierigkeiten bei der Tür, wenigstens ein Beil hatte man organisieren können. Adrenalon und Leonora waren irgendwo da vorne in dem Rauch. Sie stellte die gefüllten Eimer ab und tränkte ihren Umhang mit Wasser -sie würde ihn im Ernstfall brauchen. "Wieso wollen sie überhaupt in diese Flammenhölle?"
Das nächste Entsetzen - da drin war noch jemand!
Hastig glitten ihre Blicke hin und her. An der Tür sammelte es sich, aber dort war auch der meiste Widerstand.
"Gibt es einen anderen Eingang?" Niemand antwortete ihr, oder sie bekam es nicht einmal mit. Im Geiste überflog sie den Aufbau des Hauses, sie war doch erst am Mittag hier noch Patrouille gegangen...
"Balkon. Das Haus hat hier rechts einen Balkon."
Darna kletterte über den niedrigen Gartenzaun, und tatsächlich stand auf dem Balkon, von dicken Rauchschwaden umgeben, eine zierliche Gestalt, an der erschrocken der Blick der Gardistin hin. Unten eine Balustrade, Geländer... "Ich brauch hier Hilfe!", rief sie, während sie hastig begann, ihre Rüstung abzuschnallen und die Teile achtlos auf den Boden fallen ließ - sie käme da sicher hoch, aber nicht gerüstet.
Adrenalon tauchte hinter ihr auf, sah hoch, nickte nur rasch und stellte sich unten vor den Balkon, hielt die Hände für eine Räuberleiter zusammen.
Sie holten sie gemeinsam raus. Das zitternde und hustende Bündel Mensch in den nassen Umhang gewickelt, dirigierte Darna Frau von Gryffenhorst hinter den Menschen her, die über die Haustür nun doch einen Weg durch das Gebäude gefunden hatten und damit melden konnten, daß es noch einen sichereren Weg raus gab, als irgendwie mit der Edlen hinunterklettern zu müssen.
Draußen sank sie zusammen. Adrenalon gab ihr einen weiteren Umhang, trocken. Sie brauchte Wärme, Ruhe, ihr Bruder war angekommen und hatte irgendwelche sehr beeindruckende Dinge mit den Flammen getan, sie irgendwie zu sich gerufen - was Darna kein Stück verstand und eigentlich auch weit weniger interessierte als der Zustand der Lady.
"Das Haus meines Herrn ist nicht weit, fühlt Euch bitte eingeladen."
Sie konnte sich nicht um alles kümmern, aber es war auch nicht notwendig. Mehrere Leute waren um Frau von Gryffenhorst bemüht, ein Herr namens Cyrion hatte auch die einfallsreiche Idee, die Edle selber zu fragen, was sie bei einem Schockzustand verordnen würde, was die Heilerin tatsächlich wie im Schlaf beantwortete.
Hinter ihr unterhielt sich Leonora mit dem Freiherrn - irgendwas war wohl gefunden worden, Darna bekam es nur halb mit, doch offensichtlich übernahm die Kadettin die dienstlicheren Angelegenheiten der Sache, Adrenalon hatte Blick auf beides, half mal hier, mal da, wo gerade Not am Mann war.
Er fragte sie auch, ob ihr eine Person in hellbrauner Kleidung aufgefallen war, die erst anwesend und nun verschwunden war. Nein... Darna hatte sie flüchtig registriert, ja, doch ihre ganze Sorge hatte der Situation gegolten, so war sie dankbar darum, daß sich hier eine gute Zusammenarbeit der Gardeangehörigen zu offenbaren schien. Leonora würde dem mit Sicherheit eher nachgehen.
Alliestra war mit unter den Helfern gewesen, noch eine weitere Frau, und Darna versäumte es nicht, allen Anwesenden offenen Dank auszusprechen, auch wenn sie just in diesem Moment nichts weiter tun konnte.
Sie begleitet die edle Lady zum Haus ihres Herrn, Herr Cyrion kam mit, und Darna vertraute schlicht auf ihr Gefühl, daß er einen umsorgenden und damit ehrbaren Eindruck machte, als sie ihn mit hereinließ.
Doch wo blieb der Freiherr?
Als Darna die Edle in dem Sessel sitzen sah, die Beine eng an den Körper gezogen, mit nackten Füssen, nur notdürftig bekleidet und spürbar die Nähe ihres Bruders vermissend, furchte Darna düster die Stirn und ging in den Garten, wo ihr Kamerad gerade noch stand.
"Adrenalon? Tut mir bitte einen Gefallen: Wenn das unter Entführung fällt, nehme ich das auf mich, aber schafft Herrn von Gryffenhorst hierher."
Das konnte doch nicht wahr sein - Er wusste, was geschehen war, und blieb eher beim Haus für... sie grummelte. Magische Untersuchungen. Es musste wohl wichtig sein, sie wünschte es dem Freiherrn zumindest, sonst wäre das hier eine Ungeheuerlichkeit. Sie hatte ihr Versprechen, daß er käme, vorschnell gegeben - das Eine, was sie wünschte, das andere, was machbar war.
Als Rika ging, in geliehenen Sachen, mit den schmalen Füßen in den Stiefeln der etwas größeren und kräftigeren Gardistin wie in Wassereimern stehend, sah Darna ihr nachdenklich hinterher - die Heilerin ging wie eine Königin, hatte nach irgendeiner Kraft in sich gegriffen, die auch Darna jedesmal benutzte. Dienst war Dienst...
Es war nach den Erlebnissen heute ein unendlich gutes Gefühl, sich doch nicht allein und als etwas Fremdartiges zu sehen.
"Was habt Ihr schon davon, wenn Ihr anderen immer gebt, bis Ihr selber nichts mehr habt?"
"Ich erhalte, indem ich gebe, Herr Falkenau..."
Doch als alle weg waren, ließ sie die Schultern sinken, und die Erschöpfung nach diesem irrsinnig anstrengen Tag brach auf sie hernieder wie ein Deichbruch, gegen den sie sich bislang gestemmt hatte.
Sie ging nach oben und stellte die blauen Diensstiefel vor den Vorhang, der ihr Bett vom Rest des Raumes abtrennte. Sie guckte auf die Sachen.
"Deine Privatsachen sind im Kastell. Die anderen hat Frau von Gryffenhorst. Aber diese Sachen jetzt sind doch völlig veräuchert... hoffentlich riecht es nicht durch den ganzen Raum.
Du musst also noch zum Kastell. Vermutlich musst du dich eigentlich auch noch waschen."
Sie saß auf dem Bett und atmete träge durch.
"Gut, also gleich nochmal los, nur kurz ausruhen..."
Es war so ziemlich der letzte klare Gedanke, den sie zusammenbekam.
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Livial N´antes
Sie stand am Tor Varunas und wusste sie durfte eigentlich nicht die Stadt passieren, doch als sie den Rauch sah und ihre Brandnarben anfingen heftigst zu brennen, konnte sie nicht anders so rannte sie leichtfueßig gen der Stelle mit dem Rauch.
Ansonsten schien noch niemand da gewesen zu sein und so lief sie um das Haus herum um sich den Ueberblick zu verschaffen.Das Dach brannte gänzlich lichterloh.
Da kamen auch schon die Gardisten angerannt und sogleich wurde sie misstrauisch beäugt.
Nun es war irgendwie klar das wieder sie fuer alles die schuld in schuhe geschoben bekam.
trotzdem versuchte sie mit größter Muehe mitzuhelfen und schaffte es sogar mit dem Beil das schloss an der Tuer zu entfernen und die Tuer brach sogleich auf und eine Rauchwolke umhuellte sie.
Sogleich stolperte sie hustend in die Räumlichkeiten nur auf dem Weg zu einer treppe.Der Rauch schien sich tief in ihrer kehle festzusetzen und so hustete sie beinahe die ganze Zeit.
Oben angekommen versuchte sie durch die russgeschwärzten Fenster den Frauen klarzumachen das die Tuer unten nun offen ist und gleichzeitig ging sie wieder nach unten stolperte aus dem Haus und an dem Magier vorbei.
Die ganzen brandmale an ihrem Koerper schmerzten fast unnatuerlich und sie blickte nun wieder zu denm Magier und fast gebannt von seiner Feuerwand blieb sie solange bis alle diese flammen in seinen Stab gezogen wurden.Erst dann wusste sie das die Gefahr gebannt war und das es fuer sie nicht mehr noetig war noch laenger hier zu verweilen,
noch kurz blickte sie auf die menschenmenge und auf das Haus ehe sie in den Schatten der Gassen verschwand und außerhalb Varunas in einem Wald dann vor schmerzen zusammenbrach.
Ansonsten schien noch niemand da gewesen zu sein und so lief sie um das Haus herum um sich den Ueberblick zu verschaffen.Das Dach brannte gänzlich lichterloh.
Da kamen auch schon die Gardisten angerannt und sogleich wurde sie misstrauisch beäugt.
Nun es war irgendwie klar das wieder sie fuer alles die schuld in schuhe geschoben bekam.
trotzdem versuchte sie mit größter Muehe mitzuhelfen und schaffte es sogar mit dem Beil das schloss an der Tuer zu entfernen und die Tuer brach sogleich auf und eine Rauchwolke umhuellte sie.
Sogleich stolperte sie hustend in die Räumlichkeiten nur auf dem Weg zu einer treppe.Der Rauch schien sich tief in ihrer kehle festzusetzen und so hustete sie beinahe die ganze Zeit.
Oben angekommen versuchte sie durch die russgeschwärzten Fenster den Frauen klarzumachen das die Tuer unten nun offen ist und gleichzeitig ging sie wieder nach unten stolperte aus dem Haus und an dem Magier vorbei.
Die ganzen brandmale an ihrem Koerper schmerzten fast unnatuerlich und sie blickte nun wieder zu denm Magier und fast gebannt von seiner Feuerwand blieb sie solange bis alle diese flammen in seinen Stab gezogen wurden.Erst dann wusste sie das die Gefahr gebannt war und das es fuer sie nicht mehr noetig war noch laenger hier zu verweilen,
noch kurz blickte sie auf die menschenmenge und auf das Haus ehe sie in den Schatten der Gassen verschwand und außerhalb Varunas in einem Wald dann vor schmerzen zusammenbrach.
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Cyrion Sha´Ar
Die Nacht war klar, Sterne am Firmament zu Hunderten... Wieder eine Nacht, die er gerne mit Solveigh hier oben in seinem Turm verbracht hatte. Doch Solveigh war im anderem Haus des Gutes, schlief, erschöpft vom Tageswerk den Schlaf der Gerechten. Sein Blick wanderte vom Meer, welches so weit oben in luftiger Höhe in Sichtweite war in noch weitere Ferne. Die Lichter von Rahal waren nun zumeist verloschen. Es war spät. Nur wenige würden nun umgehen. Und doch sah er klar und deutlich die Lichter bei den Türmen von Rahal.
Schade, das die Fackeln nicht heller brannten. Schade, das die ganze Stadt nicht brannte und die Nacht zum Tag machte. Er konnte sich diesen bissigen Gedanken nicht verbeissen. Die Rahaler hatten sein Mädchen ausgepeitscht... Er würde ihnen nie verzeihen. Angewidert wandte er sich um. Doch dann hielt er inne. Ein helles Licht in Varuna. Rotes Glühen an einem Ende der Stadt. >Feuer!< In Varuna brannte es! Kaum entdeckt stürzte er die Leiter und dann die Treppe herunter. Dem Pferd die Trense gebend, hielt er sich nicht mit dem Sattel auf. Sogleich sprang er Casca auf dem Rücken und preschte davon, Varuna entgegen...
Am nächsten Tag.
Immer noch färbte Russ ab und an seine Finger dunkler, wenn er sich durch das Haar strich. Sein Umhang roch nach Rauch. Ebenso wie das Haus diesen brenzlichen Geruch ausströhmte, als er vor ihm stand.
Der Abend gestern war hektisch gewesen... Sie hatten die Tür einschlagen müssen. Irgendjemand hatte ihm ein beil in die Hand gedrückt. wer das gewesen war - er hatte keine ahnung, aber er würde noch eine Anzeige aufgeben. Er konnte da Beil schlecht einfach behalten...
Jetzt wo er Zeit hatte zu denken, nicht zu reagieren, kam ihm in den Sinn, das sie viel Zeit gespart hätten, wenn sie einfach die Fenster eingeschlagen hätten. Aber solche Gedanken kamen immer zu spät.
Was hatten die anderen getan, während er und später auch jemand anders, die Tür bearbeitet hatten? Er wusste es nicht genau.
Schreie waren da gewesen. Leute, die Befehle schrien, die ihm nur halb im Bewusstsein geblieben waren. Andere, die die Feuer an der Tür löschten. Wasser, das ihn nassspritzte, während es auch die Feuer löschte. Feuer... der ganze Dachstuhl brannte! Und Rufe aus dem Haus! Irgendwer war tatsächlich dort drinnen!
Cyrion erinnerte sich, während sein Blick in das innere des Hauses fiel. Nun konnte er klar sehen. Gestern abend konnte er es nicht. Rauch war überall gewesen, dicker schwarzer Rauch, der ihnen entgegengequollen kam, als sie die Tür entlich öffnen konnten. Leute, die sich in dem Haus auskannten, waren hineingelaufen, wussten ihren Weg. Er war ihnen hinterher gelaufen, blind in dem Rauch. Seine Augen hatten getränt - er hatte kaum etwas sehen können, Rauch hatte in seine Lungen gebissen. Dicht am Boden war der Rauch nie so stark. Dort war die Luft besser, man konnte auch besser sehen. Er hatte sich dichter am Boden gehalten.
Oben war es noch schlimmer gewesen. Hier hatte er sich nur am Gehör orientieren können . Leute in seiner Nähe. Nein... waren ebenfalls Rettende, nicht zu errettende. Er war ihnen gefolgt auf den Balkon. Noch mehr Leute! Sie versuchten sie über den Balkon zu schaffen. Sie die im Haus eingesperrt gewesen war. >Nachthemd...< ging ihm durch den Sinn - sie war aus dem Schlaf gerissen worden. Irgendjemand rief die anderen zur Räsong, brachte den chaotischen Haufen dazu, die Treppen zu benutzen, die Tür unten war ja jetzt offen. Alle rannten wieder runter.
Rika war ihr Name. Rika von Gryffenhorst. Eine hochwohlgeborene Dame. Und eine geschockte Dame dazu. Dort hatte sie gesessen, ungewusst dessen, das die kaum mehr als ein Nachthemd und eine Decke getragen hatte. Kaum redend. Sie war noch in einer Welt mit Rauch und Feuer gewesen. Auf Anfragen hatte sie kaum reagiert. Er hatte ihr den Russ vom Gesicht und Armen gerieben. Als er ihr Gesicht - nun mehr sauberer gesehen hatte, hatte er sie erkannt. Naturlich... die Heilerin. Doch so hatte er sie nie gesehen. So... verstört. Er musste sie zum nachdenken bringen, sie beschäftigen, während um sie herum die Leute allerei Dinge taten, aber nur wenige kümmerten sich um die verstörte junge Frau. Doch ihr plötzlich starr werdender Blick hatte ihn aufmerken lassen. Feuer! Lodernde helle Flammen direkt beim Gartentor! Und jemand stand inmitten des Feuers! Erst hatte er zum Wassereimer greifen wollen, doch etwas an diesem Bild hatte ihn innehalten lassen. Etwas das störte. Der Mann hatte nicht geschrien, hatte nicht gezappelt und sich auf der Erde gerollt, wie jemand, der versuchte, seine kleidung zu löschen. Er war ganz ruhig und intoinierte seltsam anmutende Spruche! Ein Magier! Ein Feuertänzer! Die Flammen hatten sich vor ihm verneigt, sich ihm gefügt und waren dann alsbald verschwunden... wohin? Er wusste es nicht genau. die letzten Flammen waren an seinem Stab erstorben. Rasch war sein Blick zum Dachstuhl gegangen. Die Flammen waren fort.
Er hatte sich wieder an Rika gewendet, deren Blick an dem Mann gerade zu klebte. Dann hatte sie wieder weg geguckt, sich wieder in sich selbst zurück gezogen. Was machte man mit jemanden der im Schock war? Er wusste es... sie sicher auch. Und so befragte er sie, was man mit einer Schockierten Person machte. Gute Fragen, die ihren Geist beschäftigt hielten, obwohl sie so daneben war, das sie nicht mal auf den Gedanken kam, das er mit 'Person' sie meinte. Immer wieder schaute sie zu dem Feuertänzer rüber, der neben ihr war und die Leute ausfragte. Ihr Bruder, wie er vernahm. Sah er nicht, das seine Schwester Hilfe brauchte? Das sie verzweifelt _seine_ Hilfe brauchte? Nein.. er hatte nicht mal gemerkt, das sie neben ihm sass... Cyrion presste die Lippen zusammen. Grob nachlässig, Cyrion's Meinung nach. Wieder hielt er Rikas Gedanken beschäftigt, doch schweifte sie immer wieder zu ihrem Bruder ab. Dieser forderte Antworten, gab Befehle... Dinge die auch ein anderer fähiger Mann hätte tun können. Jemand liess diesen Mann, Calor wohl sein Name, wissen, das sein Schwester hier war. Hatte er einen Blick für sie übrig gehabt? Cyrion wusste es nicht. Calor hatte sich ereifert, das jemand seine Schwester angriff... Besser es wäre gewesen, er hätte sich gleich um sie gekümmert. Ereifern brachte keine Heilung. Fürsorge schon.
Er begleitete Rika zu einem Nachbarn.. Eine Frau namens Darna liess sie ein, doch war es nicht ihr Haus, wie er bald feststellte. Tee und Decken wurden Rika gebracht. Klein und zierlich hatte sie ausgesehen, verletzlich in ihre Decken gehüllt. Als sie anfing zu reden, als sie begann sich klar zu werden, was hätte passieren können, hatte er mit ihr geredet. Hatte versucht sie zu beruhigen. Gern hätte er sie in den Arm genommen, ihr ganzes Sein schrie sichtbar danach... aber es war nicht er, dessen Sicherheit sie ersehnte. Und dazu kam, das er nur ein einfacher Krieger war... Es stand ihm nicht zu. Andere kamen... berichteten immer wieder, das ihr Bruder sicher gleich käme. Aber er kam nicht. Wo blieb er? So Zornerfüllt war jener Calor gewesen... Sein Stolz angegriffen, das es jemand wagte, _seine_ Schwester anzugreifen... Mehr als wäre sie ein Ding, ein Besitz, als ein lebendes Wesen. War ihm Stolz und Rache soviel wichtiger, das er völlig übersah, nein, das es ihm sogar gleichgülitig schien, das seine Schwester ihn brauchte? Cyrion konnte das nicht verstehen. Und noch weniger gutheissen... Würde er Calor begegnen, würde er ihm ein paar Worte sagen, ob er nun ein Adliger war oder nicht. Es gab Dinge, die hatten Vorrang. Es gab Dinge, die man nicht tat.
In dem Haus hatte Cyrion nicht gefunden, was er an Kräutern suchte. Er kannte nicht viele, aber kannte er wohl jene, die man in einem akuten Notfall benutzen konnte. Teil seiner Ausbildung... Heilung für Verletzungen, Heilung für Brandwunden, Heilung für Hysterie und Schock. All diese Dinge, die plötzlich aufkommen konnten, wenn man im Krieg war, in einen Kampf geriet oder eben Nöte wie ein plötzliches Feuer aufkamen. Sowas lernte man, wo er herkam, lernte man in der Ausbildung als Leibwächter. Inbesondere wenn der zu bewachende Leib der einer Frau war. Rika wollte in ihr Haus zurück, welches gewiss noch qualmte. Er und noch jemand begleitete sie. Er mochte sie nicht allein lassen. Er hatte versprochen sich um sie zu kümmern, doch wurde ihm zugesagt, das Wächter vor den Toren sein würden. Sie war in guten Händen. Sie war beschützt... doch der, nach dessen Schutz sie sich sehnte, er war nicht gekommen. Ihr Bruder hatte sie nach Cyrions ermessen in Stich gelassen. Nicht als das Feuer loderte, aber seines Wissens nach hatte Calor nicht mal gewusst, das seine Schwester in dem Feuer war. Eingenommen von der Faszination des Feuers... eingenommen von Rachsucht und gekränktem Stolz. Was war das für ein Mann, fragte sich Cyrion... Hier stand er nun vor dem Haus, welches immer noch nach Rauch roch. War Rika immer noch dadrinn? War ihr Bruder doch noch zu ihr gekommen? Er hoffte es für sie. Familie war wichtig. Familie war alles.
Er hoffte, das Calor das auch wusste.
Schade, das die Fackeln nicht heller brannten. Schade, das die ganze Stadt nicht brannte und die Nacht zum Tag machte. Er konnte sich diesen bissigen Gedanken nicht verbeissen. Die Rahaler hatten sein Mädchen ausgepeitscht... Er würde ihnen nie verzeihen. Angewidert wandte er sich um. Doch dann hielt er inne. Ein helles Licht in Varuna. Rotes Glühen an einem Ende der Stadt. >Feuer!< In Varuna brannte es! Kaum entdeckt stürzte er die Leiter und dann die Treppe herunter. Dem Pferd die Trense gebend, hielt er sich nicht mit dem Sattel auf. Sogleich sprang er Casca auf dem Rücken und preschte davon, Varuna entgegen...
Am nächsten Tag.
Immer noch färbte Russ ab und an seine Finger dunkler, wenn er sich durch das Haar strich. Sein Umhang roch nach Rauch. Ebenso wie das Haus diesen brenzlichen Geruch ausströhmte, als er vor ihm stand.
Der Abend gestern war hektisch gewesen... Sie hatten die Tür einschlagen müssen. Irgendjemand hatte ihm ein beil in die Hand gedrückt. wer das gewesen war - er hatte keine ahnung, aber er würde noch eine Anzeige aufgeben. Er konnte da Beil schlecht einfach behalten...
Jetzt wo er Zeit hatte zu denken, nicht zu reagieren, kam ihm in den Sinn, das sie viel Zeit gespart hätten, wenn sie einfach die Fenster eingeschlagen hätten. Aber solche Gedanken kamen immer zu spät.
Was hatten die anderen getan, während er und später auch jemand anders, die Tür bearbeitet hatten? Er wusste es nicht genau.
Schreie waren da gewesen. Leute, die Befehle schrien, die ihm nur halb im Bewusstsein geblieben waren. Andere, die die Feuer an der Tür löschten. Wasser, das ihn nassspritzte, während es auch die Feuer löschte. Feuer... der ganze Dachstuhl brannte! Und Rufe aus dem Haus! Irgendwer war tatsächlich dort drinnen!
Cyrion erinnerte sich, während sein Blick in das innere des Hauses fiel. Nun konnte er klar sehen. Gestern abend konnte er es nicht. Rauch war überall gewesen, dicker schwarzer Rauch, der ihnen entgegengequollen kam, als sie die Tür entlich öffnen konnten. Leute, die sich in dem Haus auskannten, waren hineingelaufen, wussten ihren Weg. Er war ihnen hinterher gelaufen, blind in dem Rauch. Seine Augen hatten getränt - er hatte kaum etwas sehen können, Rauch hatte in seine Lungen gebissen. Dicht am Boden war der Rauch nie so stark. Dort war die Luft besser, man konnte auch besser sehen. Er hatte sich dichter am Boden gehalten.
Oben war es noch schlimmer gewesen. Hier hatte er sich nur am Gehör orientieren können . Leute in seiner Nähe. Nein... waren ebenfalls Rettende, nicht zu errettende. Er war ihnen gefolgt auf den Balkon. Noch mehr Leute! Sie versuchten sie über den Balkon zu schaffen. Sie die im Haus eingesperrt gewesen war. >Nachthemd...< ging ihm durch den Sinn - sie war aus dem Schlaf gerissen worden. Irgendjemand rief die anderen zur Räsong, brachte den chaotischen Haufen dazu, die Treppen zu benutzen, die Tür unten war ja jetzt offen. Alle rannten wieder runter.
Rika war ihr Name. Rika von Gryffenhorst. Eine hochwohlgeborene Dame. Und eine geschockte Dame dazu. Dort hatte sie gesessen, ungewusst dessen, das die kaum mehr als ein Nachthemd und eine Decke getragen hatte. Kaum redend. Sie war noch in einer Welt mit Rauch und Feuer gewesen. Auf Anfragen hatte sie kaum reagiert. Er hatte ihr den Russ vom Gesicht und Armen gerieben. Als er ihr Gesicht - nun mehr sauberer gesehen hatte, hatte er sie erkannt. Naturlich... die Heilerin. Doch so hatte er sie nie gesehen. So... verstört. Er musste sie zum nachdenken bringen, sie beschäftigen, während um sie herum die Leute allerei Dinge taten, aber nur wenige kümmerten sich um die verstörte junge Frau. Doch ihr plötzlich starr werdender Blick hatte ihn aufmerken lassen. Feuer! Lodernde helle Flammen direkt beim Gartentor! Und jemand stand inmitten des Feuers! Erst hatte er zum Wassereimer greifen wollen, doch etwas an diesem Bild hatte ihn innehalten lassen. Etwas das störte. Der Mann hatte nicht geschrien, hatte nicht gezappelt und sich auf der Erde gerollt, wie jemand, der versuchte, seine kleidung zu löschen. Er war ganz ruhig und intoinierte seltsam anmutende Spruche! Ein Magier! Ein Feuertänzer! Die Flammen hatten sich vor ihm verneigt, sich ihm gefügt und waren dann alsbald verschwunden... wohin? Er wusste es nicht genau. die letzten Flammen waren an seinem Stab erstorben. Rasch war sein Blick zum Dachstuhl gegangen. Die Flammen waren fort.
Er hatte sich wieder an Rika gewendet, deren Blick an dem Mann gerade zu klebte. Dann hatte sie wieder weg geguckt, sich wieder in sich selbst zurück gezogen. Was machte man mit jemanden der im Schock war? Er wusste es... sie sicher auch. Und so befragte er sie, was man mit einer Schockierten Person machte. Gute Fragen, die ihren Geist beschäftigt hielten, obwohl sie so daneben war, das sie nicht mal auf den Gedanken kam, das er mit 'Person' sie meinte. Immer wieder schaute sie zu dem Feuertänzer rüber, der neben ihr war und die Leute ausfragte. Ihr Bruder, wie er vernahm. Sah er nicht, das seine Schwester Hilfe brauchte? Das sie verzweifelt _seine_ Hilfe brauchte? Nein.. er hatte nicht mal gemerkt, das sie neben ihm sass... Cyrion presste die Lippen zusammen. Grob nachlässig, Cyrion's Meinung nach. Wieder hielt er Rikas Gedanken beschäftigt, doch schweifte sie immer wieder zu ihrem Bruder ab. Dieser forderte Antworten, gab Befehle... Dinge die auch ein anderer fähiger Mann hätte tun können. Jemand liess diesen Mann, Calor wohl sein Name, wissen, das sein Schwester hier war. Hatte er einen Blick für sie übrig gehabt? Cyrion wusste es nicht. Calor hatte sich ereifert, das jemand seine Schwester angriff... Besser es wäre gewesen, er hätte sich gleich um sie gekümmert. Ereifern brachte keine Heilung. Fürsorge schon.
Er begleitete Rika zu einem Nachbarn.. Eine Frau namens Darna liess sie ein, doch war es nicht ihr Haus, wie er bald feststellte. Tee und Decken wurden Rika gebracht. Klein und zierlich hatte sie ausgesehen, verletzlich in ihre Decken gehüllt. Als sie anfing zu reden, als sie begann sich klar zu werden, was hätte passieren können, hatte er mit ihr geredet. Hatte versucht sie zu beruhigen. Gern hätte er sie in den Arm genommen, ihr ganzes Sein schrie sichtbar danach... aber es war nicht er, dessen Sicherheit sie ersehnte. Und dazu kam, das er nur ein einfacher Krieger war... Es stand ihm nicht zu. Andere kamen... berichteten immer wieder, das ihr Bruder sicher gleich käme. Aber er kam nicht. Wo blieb er? So Zornerfüllt war jener Calor gewesen... Sein Stolz angegriffen, das es jemand wagte, _seine_ Schwester anzugreifen... Mehr als wäre sie ein Ding, ein Besitz, als ein lebendes Wesen. War ihm Stolz und Rache soviel wichtiger, das er völlig übersah, nein, das es ihm sogar gleichgülitig schien, das seine Schwester ihn brauchte? Cyrion konnte das nicht verstehen. Und noch weniger gutheissen... Würde er Calor begegnen, würde er ihm ein paar Worte sagen, ob er nun ein Adliger war oder nicht. Es gab Dinge, die hatten Vorrang. Es gab Dinge, die man nicht tat.
In dem Haus hatte Cyrion nicht gefunden, was er an Kräutern suchte. Er kannte nicht viele, aber kannte er wohl jene, die man in einem akuten Notfall benutzen konnte. Teil seiner Ausbildung... Heilung für Verletzungen, Heilung für Brandwunden, Heilung für Hysterie und Schock. All diese Dinge, die plötzlich aufkommen konnten, wenn man im Krieg war, in einen Kampf geriet oder eben Nöte wie ein plötzliches Feuer aufkamen. Sowas lernte man, wo er herkam, lernte man in der Ausbildung als Leibwächter. Inbesondere wenn der zu bewachende Leib der einer Frau war. Rika wollte in ihr Haus zurück, welches gewiss noch qualmte. Er und noch jemand begleitete sie. Er mochte sie nicht allein lassen. Er hatte versprochen sich um sie zu kümmern, doch wurde ihm zugesagt, das Wächter vor den Toren sein würden. Sie war in guten Händen. Sie war beschützt... doch der, nach dessen Schutz sie sich sehnte, er war nicht gekommen. Ihr Bruder hatte sie nach Cyrions ermessen in Stich gelassen. Nicht als das Feuer loderte, aber seines Wissens nach hatte Calor nicht mal gewusst, das seine Schwester in dem Feuer war. Eingenommen von der Faszination des Feuers... eingenommen von Rachsucht und gekränktem Stolz. Was war das für ein Mann, fragte sich Cyrion... Hier stand er nun vor dem Haus, welches immer noch nach Rauch roch. War Rika immer noch dadrinn? War ihr Bruder doch noch zu ihr gekommen? Er hoffte es für sie. Familie war wichtig. Familie war alles.
Er hoffte, das Calor das auch wusste.
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Andrey von Greifenbach
Den Mann, der in jener Nacht den Kastellhof betrat, hätten wohl die wenigsten, die ihn kannten, als den stolzen, unbeirrbaren Gardisten Adrenalon erkannt.
Die "Prachtrüstung" war zerbeult und verrußt.Unbrauchbar. Sein Dienstumhang war verbrannt, der seiner Ausgehuniform zu Schutze Rikas zurückgeblieben. Seine Mütze war nur noch ein verkohltes, schwarzes Etwas auf seinen vollkommen verunstalteten Haaren, und von einem sauberen Gesicht konnte erst garnicht die Rede sein.
Wäre jenes nicht ebenso rußbedeckt gewesen wie seine Rüstung, hätte man wohl dicke, schwarze Augenränder wahrgenommen. Er schleuderte das Etwas auf seinem Kopf davon, und trottete knirschend und knarzend in den Zellentrakt, um nach dem Gefangenen zu schauen, von dem er gehört hatte. Einen der beiden Kadetten, welche dort anwesend waren und wohl gerade ihren Wachdienst über Nacht antreten wollten, beorderte er direkt zum Hause Gryffenhorst. Man kann ja nie wissen.
Bevor er die Zelle untersuchte, ging er in den Vorratsraum und holte sich einen Krug von Wasser. Er hatte Durst. Es war schliesslich warm gewesen, mitten in der Nacht am Hause Gryffenhorst.
Sehr lustig.
Wieder ein Verbrechen...nun in akuter Nähe. Diese Notiz, die Calor mir gab..."Du verlierst was ich verlor." Es muss einen Zusammenhang geben. Erst Alestra, dann die von Gryffenhorsts. Diesmal konnten wir es glücklicherweise verhindern...
Du gehst jetzt nach dem Gefangenen schauen und dann ab in die Kiste. Nach einer Runde Schlaf sieht alles ganz anders aus. Morgen werden wir uns beraten..Anhaltspunkt um Anhaltspunkt, bevor wieder etwas schreckliches passiert.
So gewillt, schritt er gen Zelle 3. Wen er dort erkannte, mochte er kaum zu erfassen. Letast, sein ehemaliger Gefährte und Freund. Lange hatten sie sich nicht gesehen, waren ihre Wege auseinandergedriftet.
Sie unterhielten sich lange. Adrenalon war schliesslich vor Erschöpfung so ausgelaugt, dass er es kaum bis in sein Quartier schaffte. Jedoch würde er wohl nie das Bild vergessen, was er in jener Zelle 3 gesehen hatte. Einen heruntergekommenen Letast, einst Ehrenvoll und Prinzipientreu, jemand, der ihm geholfen hatte, obwohl er selbst gerade erst auf Gerimor heimisch geworden war, nach seinen Worten zu schliessen zum Alkoholiker und Frauenheld verkommen.
Was ist mit dieser Welt nur los? Sind wir denn alle verdammt?
Die "Prachtrüstung" war zerbeult und verrußt.Unbrauchbar. Sein Dienstumhang war verbrannt, der seiner Ausgehuniform zu Schutze Rikas zurückgeblieben. Seine Mütze war nur noch ein verkohltes, schwarzes Etwas auf seinen vollkommen verunstalteten Haaren, und von einem sauberen Gesicht konnte erst garnicht die Rede sein.
Wäre jenes nicht ebenso rußbedeckt gewesen wie seine Rüstung, hätte man wohl dicke, schwarze Augenränder wahrgenommen. Er schleuderte das Etwas auf seinem Kopf davon, und trottete knirschend und knarzend in den Zellentrakt, um nach dem Gefangenen zu schauen, von dem er gehört hatte. Einen der beiden Kadetten, welche dort anwesend waren und wohl gerade ihren Wachdienst über Nacht antreten wollten, beorderte er direkt zum Hause Gryffenhorst. Man kann ja nie wissen.
Bevor er die Zelle untersuchte, ging er in den Vorratsraum und holte sich einen Krug von Wasser. Er hatte Durst. Es war schliesslich warm gewesen, mitten in der Nacht am Hause Gryffenhorst.
Sehr lustig.
Wieder ein Verbrechen...nun in akuter Nähe. Diese Notiz, die Calor mir gab..."Du verlierst was ich verlor." Es muss einen Zusammenhang geben. Erst Alestra, dann die von Gryffenhorsts. Diesmal konnten wir es glücklicherweise verhindern...
Du gehst jetzt nach dem Gefangenen schauen und dann ab in die Kiste. Nach einer Runde Schlaf sieht alles ganz anders aus. Morgen werden wir uns beraten..Anhaltspunkt um Anhaltspunkt, bevor wieder etwas schreckliches passiert.
So gewillt, schritt er gen Zelle 3. Wen er dort erkannte, mochte er kaum zu erfassen. Letast, sein ehemaliger Gefährte und Freund. Lange hatten sie sich nicht gesehen, waren ihre Wege auseinandergedriftet.
Sie unterhielten sich lange. Adrenalon war schliesslich vor Erschöpfung so ausgelaugt, dass er es kaum bis in sein Quartier schaffte. Jedoch würde er wohl nie das Bild vergessen, was er in jener Zelle 3 gesehen hatte. Einen heruntergekommenen Letast, einst Ehrenvoll und Prinzipientreu, jemand, der ihm geholfen hatte, obwohl er selbst gerade erst auf Gerimor heimisch geworden war, nach seinen Worten zu schliessen zum Alkoholiker und Frauenheld verkommen.
Was ist mit dieser Welt nur los? Sind wir denn alle verdammt?
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Darna von Hohenfels
(weitere Ermittlungen zum Fall unter [url=http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=7297]"Tod eines alten Hauptmannes"[/url])
Ein kleiner Zwitschervogel, hübsch anzuschauen in seinem goldenen Zuhause, was andere Käfig nannten, niedlich, verletzlich, Etwas, das dauernd beschützt werden musste, nicht wahr?
Eine wahrlich edle Dame, ihre Hochgeboren von Gryffenhorst, doch nachdem ihr Käfig übel zerbeult worden war, hatte sie in dem Sessel eines fremden Hauses gesessen, eine Tasse Tee in den Händen und hatte durch wenige Gesten und Blicke in jedem Herz, das zu Mitleid befähigt war, den Beschützerinstinkt geweckt.
Nachdenklich ruhte Darnas Blick auf dem Papier, das von feinen Blattgoldverschnörkelungen geziert wurde, doch eher beiläufig fand die Tinte in sauberen Schwüngen ihren zugewiesenen Platz. Die Gedanken weilten, soweit es die Aufmerksamkeit für das Schreiben erlaubte, in anderen Zeiten und bei anderen Bildern:
Bei einer Dame, die mit einer Heilertasche in der Hand in das Schloß geschritten kam, mit sanfter Bestimmtheit unaufhaltsam. Ein Mensch, dem es sonst selbst oblag, zu schützen, war auf ihr Wirken angewiesen gewesen, ihre Größe hatte sich dort offenbart, wo der Ritter, selber darniederliegend, machtlos war.
Darnas Blick ruhte auf dem Bild einer zierlichen Person in geliehenen Kleidern, einer ungewohnten Hose, zu großen Stiefeln... doch in den Momenten, wo sie sich straffte, unangenehmen Tatsachen ins Auge sah, sich einem versehrten Heim und der Einsamkeit darin stellte, war sie über ihre äußere Erscheinung hinausgewachsen, hatte Größe dort bewiesen, wo andere gebeugten Hauptes nach Hause getrottet wären.
"Adel kommt von edel", das war der persönliche Wahlspruch ihres Vaters gewesen, und er bewies sich auf andere Weise ein weiteres Mal - Rika von Gryffenhorst war adelig, und es war in solchen Momenten so offensichtlich gewesen wie der Vollmond bei Nacht.
So sollten die Zeilen des Gedichtes, das Darna gerade niederschrieb, nicht allein der Trost und die Ermahnung sein, die sie selber stets darin fand, sondern sie spiegelten verwirklicht einen Teil dieser Frau, deren Nähe sie ein weiteres Mal nicht nur suchen musste, sondern suchen wollte.
Der Bote überbrachte so am Morgen an der beschädigten Villa derer von Gryffenhorst einen Brief, der zwei Papiere enthielt und gab sie für die Lady von Gryffenhorst ab.
Das erste Papier war ein sauberer, aber schlichter Brief, gesiegelt mit einem Wappen, oben ein Hirsch, unten ein liegendes Schwert, und enthielt folgende Zeilen:
"Temora mit Euch, hohe Herrin!
Ich hoffe außerordentlich, daß der Schrecken der vergangenen Tage Euch nicht zu sehr zusetzte, sondern daß Ihr wieder Ruhe und Wohlgefälligkeiten in Stund' und Heim finden konntet. Da Holz und Stein sich leicht reparieren lassen sollten, fände es mein größtes Bedauern, wenn die Schandtat tiefere Wunden hinterlassen haben sollte.
Seid versichert, daß die betreffenden Mitglieder der Garde, darunter auch meine Person, alles daran setzen, den Schuldigen ausfindig zu machen und ihn zum Zwecke gerechter Bestrafung zu ergreifen.
Wie bereits bekundet, bedarf die Rückgabe der geliehenen Dinge an besagtem Abend keiner Eile, doch so es auch Euer Interesse findet, meine Kameraden und mich bei unseren Untersuchungen zu unterstützen, würde ich Euch angesichts beider Angelegenheiten um ein Treffen bitten, wenn es Eure Zeit in Bälde zulässt.
Ein dienstlicher Rahmen ist nicht vonnöten - so Ihr mir die Vertraulichkeit gestatten wollt, ist mir durch den Schrecken der Nacht und das Opfer, das er in Euch fand, Euer Wohlergehen persönlich am Herzen gelegen, auch wenn die innere Stärke, die Ihr zuletzt an den Tag legtet, mich zuversichtlich sein lässt, daß ein solches Unheil Euch nicht nachhaltig anzufechten vermag.
So seien auch die beiliegenden Verse als Geschenk zum Zeitvertreib anzusehen, solltet Ihr es noch nicht kennen; spende es Trost und gleichwohl die Gewißheit, daß der Sinn der Worte in Eurer Person bereits Verankerung fand.
Es verbleibt mit allem Respekt vor Euer Hochgeboren,
Darna von Elbenau"
Das zweite Blatt ist auf goldverziertem Pergament eine Abschrift eines Gedichtes, bei dem die Knappin sich merklich darum bemüht hat, eine verschnörkeltere Schönschrift zu benutzen:
Es mag sein
Es mag sein, daß alles fällt,
daß die Burgen dieser Welt
um dich her in Trümmer brechen.
Halte du den Glauben fest -
Temora dich nicht fallen lässt:
Sie hält ihr Versprechen.
Es mag sein, daß Trug und List
eine Weile Meister ist;
wie's Schicksal will, sind seine Gaben.
Rechte nicht um Mein und Dein;
manches Glück ist auf den Schein;
laß es Weile haben.
Es mag sein, daß Frevel siegt,
wo der Fromme niederliegt;
doch nach jedem Unterliegen
wirst du den Gerechten sehn
lebend aus dem Feuer gehn,
neue Kräfte kriegen.
Es mag sein, die Welt ist alt;
Missetat und Mißgestalt
sind in ihr gemeine Plagen.
Schau dir's an und stehe fest;
nur wer sich nicht schrecken lässt,
darf die Krone tragen.
Es mag sein, so soll es sein!
Faß ein Herz und gib dich drein;
Angst und Sorge wird's nicht wenden.
Streite, du gewinnst den Streit!
Deine Zeit und alle Zeit
stehn in Eluives Händen.
- Algamir von Ladovar -
(abgewandelt "Es mag sein" von Rudolf Alexander Schröder)
Ein kleiner Zwitschervogel, hübsch anzuschauen in seinem goldenen Zuhause, was andere Käfig nannten, niedlich, verletzlich, Etwas, das dauernd beschützt werden musste, nicht wahr?
Eine wahrlich edle Dame, ihre Hochgeboren von Gryffenhorst, doch nachdem ihr Käfig übel zerbeult worden war, hatte sie in dem Sessel eines fremden Hauses gesessen, eine Tasse Tee in den Händen und hatte durch wenige Gesten und Blicke in jedem Herz, das zu Mitleid befähigt war, den Beschützerinstinkt geweckt.
Nachdenklich ruhte Darnas Blick auf dem Papier, das von feinen Blattgoldverschnörkelungen geziert wurde, doch eher beiläufig fand die Tinte in sauberen Schwüngen ihren zugewiesenen Platz. Die Gedanken weilten, soweit es die Aufmerksamkeit für das Schreiben erlaubte, in anderen Zeiten und bei anderen Bildern:
Bei einer Dame, die mit einer Heilertasche in der Hand in das Schloß geschritten kam, mit sanfter Bestimmtheit unaufhaltsam. Ein Mensch, dem es sonst selbst oblag, zu schützen, war auf ihr Wirken angewiesen gewesen, ihre Größe hatte sich dort offenbart, wo der Ritter, selber darniederliegend, machtlos war.
Darnas Blick ruhte auf dem Bild einer zierlichen Person in geliehenen Kleidern, einer ungewohnten Hose, zu großen Stiefeln... doch in den Momenten, wo sie sich straffte, unangenehmen Tatsachen ins Auge sah, sich einem versehrten Heim und der Einsamkeit darin stellte, war sie über ihre äußere Erscheinung hinausgewachsen, hatte Größe dort bewiesen, wo andere gebeugten Hauptes nach Hause getrottet wären.
"Adel kommt von edel", das war der persönliche Wahlspruch ihres Vaters gewesen, und er bewies sich auf andere Weise ein weiteres Mal - Rika von Gryffenhorst war adelig, und es war in solchen Momenten so offensichtlich gewesen wie der Vollmond bei Nacht.
So sollten die Zeilen des Gedichtes, das Darna gerade niederschrieb, nicht allein der Trost und die Ermahnung sein, die sie selber stets darin fand, sondern sie spiegelten verwirklicht einen Teil dieser Frau, deren Nähe sie ein weiteres Mal nicht nur suchen musste, sondern suchen wollte.
Der Bote überbrachte so am Morgen an der beschädigten Villa derer von Gryffenhorst einen Brief, der zwei Papiere enthielt und gab sie für die Lady von Gryffenhorst ab.
Das erste Papier war ein sauberer, aber schlichter Brief, gesiegelt mit einem Wappen, oben ein Hirsch, unten ein liegendes Schwert, und enthielt folgende Zeilen:
"Temora mit Euch, hohe Herrin!
Ich hoffe außerordentlich, daß der Schrecken der vergangenen Tage Euch nicht zu sehr zusetzte, sondern daß Ihr wieder Ruhe und Wohlgefälligkeiten in Stund' und Heim finden konntet. Da Holz und Stein sich leicht reparieren lassen sollten, fände es mein größtes Bedauern, wenn die Schandtat tiefere Wunden hinterlassen haben sollte.
Seid versichert, daß die betreffenden Mitglieder der Garde, darunter auch meine Person, alles daran setzen, den Schuldigen ausfindig zu machen und ihn zum Zwecke gerechter Bestrafung zu ergreifen.
Wie bereits bekundet, bedarf die Rückgabe der geliehenen Dinge an besagtem Abend keiner Eile, doch so es auch Euer Interesse findet, meine Kameraden und mich bei unseren Untersuchungen zu unterstützen, würde ich Euch angesichts beider Angelegenheiten um ein Treffen bitten, wenn es Eure Zeit in Bälde zulässt.
Ein dienstlicher Rahmen ist nicht vonnöten - so Ihr mir die Vertraulichkeit gestatten wollt, ist mir durch den Schrecken der Nacht und das Opfer, das er in Euch fand, Euer Wohlergehen persönlich am Herzen gelegen, auch wenn die innere Stärke, die Ihr zuletzt an den Tag legtet, mich zuversichtlich sein lässt, daß ein solches Unheil Euch nicht nachhaltig anzufechten vermag.
So seien auch die beiliegenden Verse als Geschenk zum Zeitvertreib anzusehen, solltet Ihr es noch nicht kennen; spende es Trost und gleichwohl die Gewißheit, daß der Sinn der Worte in Eurer Person bereits Verankerung fand.
Es verbleibt mit allem Respekt vor Euer Hochgeboren,
Darna von Elbenau"
Das zweite Blatt ist auf goldverziertem Pergament eine Abschrift eines Gedichtes, bei dem die Knappin sich merklich darum bemüht hat, eine verschnörkeltere Schönschrift zu benutzen:
Es mag sein
Es mag sein, daß alles fällt,
daß die Burgen dieser Welt
um dich her in Trümmer brechen.
Halte du den Glauben fest -
Temora dich nicht fallen lässt:
Sie hält ihr Versprechen.
Es mag sein, daß Trug und List
eine Weile Meister ist;
wie's Schicksal will, sind seine Gaben.
Rechte nicht um Mein und Dein;
manches Glück ist auf den Schein;
laß es Weile haben.
Es mag sein, daß Frevel siegt,
wo der Fromme niederliegt;
doch nach jedem Unterliegen
wirst du den Gerechten sehn
lebend aus dem Feuer gehn,
neue Kräfte kriegen.
Es mag sein, die Welt ist alt;
Missetat und Mißgestalt
sind in ihr gemeine Plagen.
Schau dir's an und stehe fest;
nur wer sich nicht schrecken lässt,
darf die Krone tragen.
Es mag sein, so soll es sein!
Faß ein Herz und gib dich drein;
Angst und Sorge wird's nicht wenden.
Streite, du gewinnst den Streit!
Deine Zeit und alle Zeit
stehn in Eluives Händen.
- Algamir von Ladovar -
(abgewandelt "Es mag sein" von Rudolf Alexander Schröder)
-
Rika von Gryffenhorst
Als Rika am nächsten Morgen erwachte, lag sie wie erwartet noch immer in ihrem Bett - doch war sie irgendwann des nachts führsorglich bis zum Kinn zugedeckt worden...
Ein Weilchen noch lag sie reglos eingehüllt in die Wärme ihres Bettes und atmete die frische, kalte Luft, die durch die noch immer offenen Fenster hereinströmte, dann schlug sie entschieden die Bettdecke zurück. Es half nichts, was geschehen war, war geschehen, nun galt es, das Ausmaß des Schadens festzustellen und sich an die Wiederherstellung zu machen. Entschieden schloß sie das Fenster und sperrte den kalten Wind aus. Dabei bemerkte sie, daß sie noch immer die geliehene Kleidung der Gardistin trug. Darna von Elbenau mußte ihr Name gewesen sein - und mit der Gewißheit des Namens standen auch die Geschehnisse des letzten Abends wieder deutlich vor ihrem inneren Auge. Sie ließ sich gegen das Fenster sinken und schloß die Augen. Ob sie Calor wohl heute sehen würde? Sie hoffte und sehnte es - und sie fürchtete sich davor.
Zwei Stunden später kümmerte sich gerade der Hausdiener persönlich um all die Habseligkeiten Darnas, die in der Residenz von Gryffenhorst noch verblieben waren, während Rika selbst, frisch gewaschen, frisiert und angekleidet, die Treppe hinunter schritt. Noch immer hing Rauchgeruch in der Luft und die Wände waren teilweise schwarz von Ruß, doch machte sich bereits eine Dienerheerschar emsig daran, zu putzen, aufzuräumen und alle möglichen Dinge zu tun, die sonst noch so zu tun waren. Georg Bärenringer war ein Juwel von Hausdiener - kaum den ganzen Umfang des Schadens erfaßt, hatte er schon sämtliche dienstbare Geister Varunas aufgetrieben und angestellt, um die Residenz seiner Herrschaft so schnell als möglich wieder in ein bewohnbares Heim zu verwandeln. Rika vermerkte sich im Geiste, dem guten Alten zu gestatten, eine Flasche des teuren Whiskey aus dem Keller mitzunehmen.
Keller! Eluive hilf, der Keller! Starr vor Schreck hielt Rika auf der Treppe inne. Wenn nur der Keller nicht betroffen war und damit ihr Labor. Nicht auszudenken, wenn die unzähligen Kräuter, womöglich gar die filigrane alchemistische Apparatur Schaden genommen hätte! Die restlichen Stufen nahm Rika im Laufschritt, gerade noch rechtzeitig zog eines der Dienstmädchen seinen Wassereimer aus dem Weg, bevor es der Freiin erstaunt nachstarrte.
Mit fliegenden Füßen nahm Rika die Kellertreppe - und atmete, nein schluchzte fast erleichtert auf. Dem steinernen Keller war nichts geschehen, soweit war das Feuer nicht vorgedrungen und ihr Heiligtum war unversehrt. Liebevoll strich sie über die zerbrechlichen Glasröhrchen, sah dann erleichtert zur Decke auf, unter der sich unzählige Schnüre mit allerlei Blättern, ganzen Pflanzen und Pilzhüten spannten, dann ließ sie sich auf dem Hocker vor ihrem Labortisch nieder, drehte gedankenverloren eine leere Phiole in den Händen.
Ein Brandanschlag, soviel war am gestrigen Abend noch in ihren gelähmten Geist vorgedrungen. Aber warum? Ein Brief war gefunden worden, doch hatte sie keine Ahnung, was darin stand. Düster blickte sie ins Leere, während der geschulte Geist der Adligen Fakten bedachte, Vermutungen sortierte und sich schließlich verschiedene eigene Theorien zurecht legte. Unschön, alles sehr unschön....
Das Räuspern Georgs brachte sie wieder schlagartig zurück ins Hier und Jetzt und verwirrt sah sie zu ihm auf, bis ihr der Brief auffiel, den er ihr auf einem Silbertablett reichte. Post? Für sie?
Als sie Brief sowie Gedicht gelesen hatte, ließ sie die Pergamente auf ihren Schoß sinken und preßte einen Moment die Lippen zusammen, um das Zittern ihres Kinns zu unterbinden. Noch einmal las sie die letzte Strophe des Gedichts und wischte sich dann rasch mit dem Ärmel über die Augen.
Wenig später saß Rika oben in ihrem Zimmer am Schreibpult und verfaßte eine Antwort.
"Temora und die Mutter der Göttin mit Euch Frau von Elbenau!
Ich danke Euch für Eure Zeilen sowie auch die Abschrift der Zeilen von Meister von Ladovar, möchte jedoch auch nicht versäumen, mich für die Umstände, die ich Euch und der Garde am gestrigen Abend verursacht habe, aufrichtig zu entschuldigen.
Selbstverständlich bin ich sehr an der Aufklärung dieses Falles interessiert und gern bereit, die Garde dabei zu unterstützen - genauso, wie ich es auch sonst jederzeit in meiner Funktion als Ärztin und Apothekerin zu tun bereit bin. Ein privater Rahmen kommt mir dabei sehr gelegen und so gewähre ich Euch gern einen Besuch in der Residenz von Gryffenhorst.
Die Göttin mit Euch
Rika Lukina Freiin von Gryffenhorst zu Ridmannsfluren und Wetterbruch"
Darunter prangt das Familienwappen, das eine auf blau zentrierte graue Spitze zeigt, darüber ein in seinem Nest stehender Greif mit ausgebreiteten Flügeln.
Ein Weilchen noch lag sie reglos eingehüllt in die Wärme ihres Bettes und atmete die frische, kalte Luft, die durch die noch immer offenen Fenster hereinströmte, dann schlug sie entschieden die Bettdecke zurück. Es half nichts, was geschehen war, war geschehen, nun galt es, das Ausmaß des Schadens festzustellen und sich an die Wiederherstellung zu machen. Entschieden schloß sie das Fenster und sperrte den kalten Wind aus. Dabei bemerkte sie, daß sie noch immer die geliehene Kleidung der Gardistin trug. Darna von Elbenau mußte ihr Name gewesen sein - und mit der Gewißheit des Namens standen auch die Geschehnisse des letzten Abends wieder deutlich vor ihrem inneren Auge. Sie ließ sich gegen das Fenster sinken und schloß die Augen. Ob sie Calor wohl heute sehen würde? Sie hoffte und sehnte es - und sie fürchtete sich davor.
Zwei Stunden später kümmerte sich gerade der Hausdiener persönlich um all die Habseligkeiten Darnas, die in der Residenz von Gryffenhorst noch verblieben waren, während Rika selbst, frisch gewaschen, frisiert und angekleidet, die Treppe hinunter schritt. Noch immer hing Rauchgeruch in der Luft und die Wände waren teilweise schwarz von Ruß, doch machte sich bereits eine Dienerheerschar emsig daran, zu putzen, aufzuräumen und alle möglichen Dinge zu tun, die sonst noch so zu tun waren. Georg Bärenringer war ein Juwel von Hausdiener - kaum den ganzen Umfang des Schadens erfaßt, hatte er schon sämtliche dienstbare Geister Varunas aufgetrieben und angestellt, um die Residenz seiner Herrschaft so schnell als möglich wieder in ein bewohnbares Heim zu verwandeln. Rika vermerkte sich im Geiste, dem guten Alten zu gestatten, eine Flasche des teuren Whiskey aus dem Keller mitzunehmen.
Keller! Eluive hilf, der Keller! Starr vor Schreck hielt Rika auf der Treppe inne. Wenn nur der Keller nicht betroffen war und damit ihr Labor. Nicht auszudenken, wenn die unzähligen Kräuter, womöglich gar die filigrane alchemistische Apparatur Schaden genommen hätte! Die restlichen Stufen nahm Rika im Laufschritt, gerade noch rechtzeitig zog eines der Dienstmädchen seinen Wassereimer aus dem Weg, bevor es der Freiin erstaunt nachstarrte.
Mit fliegenden Füßen nahm Rika die Kellertreppe - und atmete, nein schluchzte fast erleichtert auf. Dem steinernen Keller war nichts geschehen, soweit war das Feuer nicht vorgedrungen und ihr Heiligtum war unversehrt. Liebevoll strich sie über die zerbrechlichen Glasröhrchen, sah dann erleichtert zur Decke auf, unter der sich unzählige Schnüre mit allerlei Blättern, ganzen Pflanzen und Pilzhüten spannten, dann ließ sie sich auf dem Hocker vor ihrem Labortisch nieder, drehte gedankenverloren eine leere Phiole in den Händen.
Ein Brandanschlag, soviel war am gestrigen Abend noch in ihren gelähmten Geist vorgedrungen. Aber warum? Ein Brief war gefunden worden, doch hatte sie keine Ahnung, was darin stand. Düster blickte sie ins Leere, während der geschulte Geist der Adligen Fakten bedachte, Vermutungen sortierte und sich schließlich verschiedene eigene Theorien zurecht legte. Unschön, alles sehr unschön....
Das Räuspern Georgs brachte sie wieder schlagartig zurück ins Hier und Jetzt und verwirrt sah sie zu ihm auf, bis ihr der Brief auffiel, den er ihr auf einem Silbertablett reichte. Post? Für sie?
Als sie Brief sowie Gedicht gelesen hatte, ließ sie die Pergamente auf ihren Schoß sinken und preßte einen Moment die Lippen zusammen, um das Zittern ihres Kinns zu unterbinden. Noch einmal las sie die letzte Strophe des Gedichts und wischte sich dann rasch mit dem Ärmel über die Augen.
Wenig später saß Rika oben in ihrem Zimmer am Schreibpult und verfaßte eine Antwort.
"Temora und die Mutter der Göttin mit Euch Frau von Elbenau!
Ich danke Euch für Eure Zeilen sowie auch die Abschrift der Zeilen von Meister von Ladovar, möchte jedoch auch nicht versäumen, mich für die Umstände, die ich Euch und der Garde am gestrigen Abend verursacht habe, aufrichtig zu entschuldigen.
Selbstverständlich bin ich sehr an der Aufklärung dieses Falles interessiert und gern bereit, die Garde dabei zu unterstützen - genauso, wie ich es auch sonst jederzeit in meiner Funktion als Ärztin und Apothekerin zu tun bereit bin. Ein privater Rahmen kommt mir dabei sehr gelegen und so gewähre ich Euch gern einen Besuch in der Residenz von Gryffenhorst.
Die Göttin mit Euch
Rika Lukina Freiin von Gryffenhorst zu Ridmannsfluren und Wetterbruch"
Darunter prangt das Familienwappen, das eine auf blau zentrierte graue Spitze zeigt, darüber ein in seinem Nest stehender Greif mit ausgebreiteten Flügeln.