Fata viam invenient

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Alexander van Bernau
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Fata viam invenient

Beitrag von Alexander van Bernau »

Der Mensch ist ein leidendes Wesen, daran besteht kein Zweifel.
Niedergedrückt und beschädigt sind manchmal Antrieb und Lebensfreude; Die Gestimmtheit,
Menschen sind herabgestimmt, voller ängstlicher Unruhe und voller Selbstzweifel.

Was bin ich wert?
Was ist das wert, was ich tue, was ich bin?


Das sind die Fragen, die man sich allenthalben stellt.
Melancholie nennt man das. Ein seelischer Zustand von Schwermut oder Traurigkeit.
In diesem Zusand erinnere ich mich oft an ein Gedicht, das ich einmal auf meinen Reisen aufschnappte:


Ich saz ûf eime steine
und dahte bein mit beine,
dar ûf satzte ich den ellenbogen;
ich hete in mîne hant gesmogen
mîn kinne und ein mîn wange.
Dô dâhte ich mir vil ange,
wie man zer werlte solte leben:
Deheinen rât kond ich gegeben,
wie man driu dinc erwurbe,
der keinez niht verdurbe.
Diu zwei sind êre und varnde guot,
daz dicke ein ander schaden tuot;
das dritte ist temoras hulde,
der zweier übergulde.
Die wolte ich gerne in einen schrîn.
Jâ leider, des enmac niht sîn,
daz guot und werltlîch êre
und temoras hulde mêre
zesamen in ein herze komen.
Stîge unde wege sint in benomen:
untriuwe ist in der sâze,
gewalt vert ûf der strâze,
fride unde reht sint sêre wunt.
Diu driu enhabent geleites niht, diu zwei enwerden ê gesunt.



Und auch wenn es nur ein lyrisches Werk ist, so ruht doch viel Warheit in ihm.

Wer wäre ich, mich frei von Selbstzweifeln zu wägen? Und wie könnte ich mich denn nun nicht selbst hinterfragen?
Aber kann das nicht auch auf irgendeine Art und Weise positiv sein?


Der Weg zur Selbstfindung beginnt mit dem Fragen.
Man muss doch zunächst eine Bestandsaufnahme machen und sich fragen, wer man ist, was in seinem Leben gut,
was schlecht läuft und was man alles hat.
Denn nur wer weiß, wo er steht, kann auch herausfinden, wie es weitergehen soll.
Der zweite Schritt besteht wohl darin, sich von falschen Vorbildern und Leitfiguren zu befreien.
Stück für Stück wird man dadurch zu der Person, die man gerne sein möchte.

So wie es scheint, muss ich noch vieles ändern, damit ich der sein kann, der ich noch nicht zu sein vermag.
Es schmerzt so unglaublich, ihr nicht die Freude geschenkt zu haben, die sie verdient hätte. Ich habe sie enttäuscht;
Und mich selber damit auch.
Gefangen in meinen eigenen Gedanken.
Ich habe mein Bestes gegeben, ihnen zu entkommen.
Ich weiß, es war nicht viel.
Ich war unfähig das zu fühlen, was ich hätte fühlen sollen.
Ich weiss nicht, ob sie mir das jemals verzeihen wird.
Ich habe Angst davor, dass sie mir das nie verzeihen kann.
Niowe Adela Aireth

Melancholie

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

22. Rabenmond 254

Die Relation von Wellenbrechungen und Spiegelungen in trostlosen Zeiten könnte man fast mit einem Menschenleben vergleichen. Seit Stunden sitze ich hier an diesem See, meinem Lieblingsplatz, und betrachte dieses Schauspiel. Meine Hunde und mein Streitross sind bei mir. Fast fluchtartig haben wir die Residenz verlassen, um ein wenig zur Ruhe zu kommen.
Um diese Zeit habe ich das letzte Lebenszeichen meiner Familie erhalten. Es schmerzt so sehr, als wäre es erst gestern gewesen. In apokalyptischen Alptraumbildern versucht mein Geist diese letzten Tage meiner Familie zu erfassen. Eine Unmöglichkeit, da ich ja weit weg von ihnen zur Zeit ihres Todes war. Doch in meiner Verbundenheit fühle ich es, jeden Schlag des Feindes, der sie niederstreckte, jede Wunde
bis hin zur Erlösung, dem Tod.
Ab diesem Tag meines Ritterschlags hat nur eine Winzigkeit gefehlt, auch wenn alles mehr als perfekt und wunderbar war, die Hand meines Vaters auf meiner Schulter zu spüren. Eine Geste seiner Achtung, die er mir erwiesen hätte. Und in Micheils silberblauen Augen, die hell leuchten, wie die meinen, hätte ich „Das hast du gut gemacht, Schwester, wir sind alle stolz auf dich“, erkannt. Ich bin glücklich und dankbar, dass mein Sire an meiner Seite stand, nicht nur als Ritter sondern auch als Vormund. Ja, er hat damals diese schwere Bürde übernommen. Keine leichte Zusage war es aus seinem Mund. Es war seine Verantwortung, sein Edelmut mir auch als Vormund zur Seite zu stehen. Damals kannte er mich nicht, und ich rechne ihm diese Zusage hoch an. Ich werde dies immer tun. Wir beide haben einen langen Abschnitt des gemeinsamen Wegs hinter uns gebracht, nun liegt ein neuer vor mir aber auch vor meinem Sire.

Meine Aufgabe ist es nun ihm, dem Mann, den ich liebe, Mut zuzusprechen und Hoffnung zu geben. Ich habe den Widerspruch in seinem Herzen erkannt, die Freude über meinen Ritterschlag, getrübt von seiner Hoffnung, die er dachte, sie wäre zunichte gemacht worden. Ich habe versucht ihm zuzusprechen, ihm in seiner Trostlosigkeit beizustehen, die ich bisher nie an ihm bemerkt hatte. Mein Glück war in diesem Augenblick nebensächlich. Ich habe ihm das Wertvollste, das ich in meinem Besitz habe, den alten Familienankh meiner Familie gegeben. Eine Leihgabe, was er so auch ausgesprochen hat und ja, sich darüber gefreut. Temoras Licht der Hoffnung möge sein Herz nun erhellen. Der alte Ankh mit der Gravur ihm stetig daran erinnern, dass Sie bei uns ist, in Not aber auch in höchstem Glück. Ich wünsche mir so sehr, dass er dies, wenn trübe Gedanken sich seiner bemächtigen, erkennt, und er abermals voller Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft blickt. Ich werde ihm jedenfalls zur Seite stehen, auch in diesen schweren Tagen, es werden wieder fröhlichere kommen, dessen bin ich mir gewiss. So gewiss wie, dass ich ihm alles verzeihen würde und werde, denn er ist es mehr als wert. So gewiss, wie ich nun die Kälte des sich langsamen nahenden Winters fühle hier am See, und meine Hunde zu mir rufe. Frohgemut und mit einem etwas, ob der Kälte gefrorenen Lächeln auf den Lippen, eilen wir zurück zur Residenz.
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Alexander van Bernau
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Registriert: Dienstag 1. Juli 2008, 04:42

Beitrag von Alexander van Bernau »

Ein Mensch würde nie dazu kommen, etwas zu tun, wenn er stets warten würde, bis er es so gut kann, dass niemand mehr einen Fehler entdecken könnte.

Aber manche Menschen denken das würde bedeuten stur weiterzumachen, bis man es schafft.
Tut es im Grunde auch.
Nur sollte man dabei intelligent vorgehen.
Wenn man vor einem soliden Mauerwerk steht und immer wieder dagegen anrennt, obwohl man mit jedem Versuch weniger Kraft und mehr Wunden hat, dann macht man etwas falsch.

Das ist nicht mit Durchhaltevermögen gemeint. Wenn man sagt: “Mach weiter, bis du am Ziel ankommst”, meint man damit nicht, dass man ständig dasselbe versuchen sollen ohne seinen Ansatz zu verändern. Mit dem Weitermachen ist nicht stures Wiederholen der bisherigen Handlungen gemeint, denn diese haben offensichtlich nicht ans Ziel geführt.
Es geht vielmehr darum kreativ zu sein und sich zu überlegen welche anderen Möglichkeiten es gibt, die große Mauer vor sich zu überwinden. Eine Idee wäre um sie herumzugehen, oder sich eine Leiter zu besorgen, oder aber jemanden zu finden, der einem eine Räuberleiter macht, damit man darüber klettern kann. Wenn man weiter stur dagegen anrennt, wird es nicht besser. Man verschwendet nur Zeit, falls man seinen Plan nicht anpasst.

Hartnäckigkeit bedeutet nicht ständig die Dinge zu wiederholen, die man bisher versucht hat, sondern offen für Neues zu sein und nach neuen Möglichkeiten Ausschau zu halten um das Hindernis zu überwinden. Wahres Durchhaltevermögen heißt sich zu überlegen, was schiefgelaufen ist, eine neue Strategie zu entwickeln und sich durch frühere Mißerfolge nicht von deren Umsetzung abbringen zu lassen.


Es ist im Grunde in wenigen Worten zu erklären:

“Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel.”
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