Von unbeschreiblichen Schrecken und seelenlosen Kreaturen

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Aidarius
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Von unbeschreiblichen Schrecken und seelenlosen Kreaturen

Beitrag von Aidarius »

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-Pfad ohne Wiederkehr


Mit einem stummen Aufschrei erwachte Aidarius und blickte sichmit weit aufgerissenen Augen um. Er lag wie gewohnt in seinem Bett inmitten des ihm fast heimisch gewordenen Tavernenzimmers, dass er noch immer bewohnte. Sich noch ein wenig unter der kratzigen Pferdedecke hin und her windend, rieb er die Müdigkeit aus den Augen und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen.

Ein seltsamer Albtraum war es gewesen welcher ihn aus dem Schlaf gerissen hatte. Seltsam, verstörend und doch sehr klar. Die Bilder hatten sich in seinen Verstand gebrannt und fühlten sich fast so real an wie jede andere Erinnerung.

Er hatte davon geträumt dem sirenenhaften Lockruf, jener dunklen Stimme die ihn nun schon so lange unerbittlich heimsuchte, bis an einen vermoderten Bootssteg nahe des Dorfes gefolgt zu sein. An diesem angekommen musste er nicht allzu lange warten eher eine, in schwarze Lacken gehüllte Gestalt, wie von Geisterhand aus den Meeresnebeln erschien und sich bedrohlich vor ihm aufbaute. Dieser finstere Gesell hatte kaum noch etwas menschliches an sich haften. Seinen Kopf verhüllte eine große Kapuze unterhalb welcher statt eines Gesichts nur die reine Dunkelheit einem entgegen starte. Die Stimme dieses Wesens wiederum schien gar nicht von ihm selbst auszugehen, sie drang vielmehr von überallher direkt in den Kopf des Zuhörers und wurde von einem sich ewig hinziehenden Echo begleitet. Die Gestalt schwang drohend ihre Sense und streckte die knöchernen Finger nach Aidarius aus. Nachdem er seinen Namen preisgegeben hatte, benannte es sich als „Fährmann“ und erklärte es sei gekommen um ihn zu holen.

Wie so oft im Traum war Aidarius nur ein stiller Zuschauer im eigenen Körper, unfähig die eigenen Handlungen zu beeinflussen, führte ihn ein unsichtbares Etwas durch das Szenario und ihm blieb nichts anderes übrig als das Geschehen zu beobachten, mit Neugierde oder auch tierischer Furcht.

Er erinnerte sich nur noch wage an diese Reise, doch schließlich führte ihr Weg sie zu einer verlassene Ruine durch welche sie, tief unter die Erde, in ein unterirdisches Geheimversteck hinabstiegen. Dieses System aus Katakomben und natürlichen Höhlen stellte offenbar eine verborgene Tempelanlage dar und schien geradezu einem Schauermärchen entsprungen. Die Wände waren stellenweise bedeckt mit Staub, Ruß und Spinnenweben. Aus manchen der zahlreichen Räume drangen geisterhafte Laute und grusseliges Stöhnen. Einige Gänge und Kammern waren sogar komplett zerfallen und eingestürzt, verschüttet. Die stickige Luft durchzog der Gestank von Fäule und Verwesung.

Auf dem halben Weg nach Unten erblickte Aidarius eine weitere Figur im flackerten Schein der Wandfackeln. Eine Person von weniger dämonischem Auftreten und doch offenbar nicht von minder finsterem Charakter. Ein etwa 30 Jahre alter, dunkelhaariger Mann mit markanten Gesichtszügen und theatralisch wirkender Gestik. Sein Erscheinungsbild prägten die feinen, mit seltsamen Zeichen und
Symbolen verzierten, dunkelfarbenen Kleider auf seinem Leib. Offensichtlich eine Art ritueller Robentracht für religiöse Anlässe. Der Fährmann wechselte einige Worte und Gesten, die Aidarius zu vernehmen nicht im Stande war, mit dem Herren in der dunkel Robe und verschwand daraufhin in das selbe unheimliche Nichts aus dem er kam. Der Herr aber wandte sich nun Aidarius zu und begrüßte ihn nahezu freundlich, soweit das in solch einer Atmosphäre überhaupt möglich war. Er erklärte dass sein Name Magnus Siluvaine lautet und er sich dazu berufen fühlt die Auserwählten seines Gottes auf dem Pfad zur Erlösung zu geleiten. Aus irgendeinem Grund schien er gar der Meinung zu sein das dies auch auf Aidarius zutrifft, denn er nahm sich seiner an und bat, ihm hinunter zu folgen.

Und wieder schreitete Aidarius Schritt für Schritt voran, in seiner Trance gefangen, unfähig und gar Unwillens sich zu widersetzen. Jetzt begann Magnus damit ihr kleines, grauenvolles Stückchen Unterwelt zu enthüllen. Offenbar war es das traute Heim einer finsteren Bruderschaft, die hier ihre Zuflucht gefunden hatte. Zuvorkommend, freundlich und nicht ohne Stolz, führte er seinen willenlosen, stummen Begleiter von Raum zu Raum und wies ihn ein.

Zuerst die Forschungshalle, ein mit Büchern und Alchemistischer Ausrüstung vollgestopfter Raum, in dem sie wohl ihr Gift zusammenbrauten. Einige Lagerräume und Schlafgemächer zur freien Benutzung. Die Ratskammer, zugestellt mit steinernen Tischen und Stühlen, dort wird vermutlich Politik gemacht. Und selbstverständig das Herzstück, die Hauseigene Folterkammer. Ausgestattet mit allerlei Gerätschaften und Folterinstrumenten um jede nur erdenkliche, perverse Neigung eines jeden ausgewachsenen Sadisten zu befriedigen. Tod und Verderben, fast spürbar in der Luft, als wären die letzten gequellten Todesschreie der Opfer zusammen mit dem Staub an den schimmeligen Wänden haften geblieben.

Nach dieser nicht enden wollenden Hausführung waren sie nun endlich am zentralen Punkt der Anlage angekommen. Ein hallenartiger Raum, groß genug um eine ganze Schaar blutrünstiger Psychopathen zu beherbergen, mit einer hohen Felsdecke und gemauerten Steinwänden. Die spärliche Innenausstattung, bestehend aus einem Haufen gestapelter Schädel und einigen Grabsteinen, unterstrich die tödliche Atmosphäre des Raumes. Inmitten des Ganzen, befanden sich ein rituelles Pentagramm und ein verzierter Altar.

Die übrigen Mitglieder dieser grausigen Menschenfressersippe schienen gerade nicht zu Hause zu sein doch Magnus erklärte dies sei kein Hindernis und die „Weihe“ könnten sie auch zu zweit vollziehen. Er wies Aidarius an sich zum Pentagramm zu begeben und stieg selbst sogleich die Treppen der kleinen Plattform hoch auf welcher der Altar aufgestellt war. Nun konnte das Spektakel beginnen.

Mit fester, lauter und herrischer Stimme rezitierte der Diener der Unterwelt eine alte Litanei deren Abschrift er gerade in der linken Hand hielt, während er mit der Rechten einen großen, blutverschmierten Opferdolch ergriff. Immer wieder forderte er, von dem nun in der Mitte des Pentagramms knienden Aidarius seine Anteilnahme, indem er ihn anrief sich als Auserwählten zu bekennen und Teile des rituellen Textes nachzusprechen. Und Aidarius befolgte viel mehr aus Furcht, im Falle eines Fehlverhaltens in die Rolle des Opfertieres zu wechseln, als aus Neugierde stumm die Anweisungen und lies das groteske Schauspiel über sich ergehen.

Plötzlich stieg Magnus von der Altarplattform herab und nährte sich dem rituellen Siegel, den Dolch noch fester in Umklammerung haltend. Aidarius durchfuhr die blanke Angst gleich einer Schockwelle bei dem Anblick des nahenden Übels. Sein Blut gefror bei jedem Schritt mehr und mehr. Rührungslos, Fassungsloss, wie paralysiert stand er noch immer da, inmitten des Blutkreises auf seine Knie gestützt. Auch Magnus, der gerade erst seinen Monolog zu Ende gebracht hatte hielt einen Moment inne, dann hob er den Opferdolch hoch in die Höhe als wolle er diesen, der nicht vorhandenen, Zuschauermenge vorführen, sprach erneut einige Worte und forderte Aidarius auf die Hand auszustrecken.

Aidarius war zur Stein erstarrt, seine Hand gehorchte. Gleich einer Feder schlug sein Arm nach Oben aus und blieb im ausgestreckten Zustand verharren. Erst jetzt dünkte ihm allmählig was da gerade in Wirklichkeit vor sich ging. Er war in Begriff selbst auf Ewig an diese unheilige Brut gebunden und Teil dieser zu werden.

Ein letztes Mal forderte Magnus noch ein Bekenntnis von ihm, ein letztes Mal ließ man ihm die Möglichkeit als Rechtschaffener zu sterben, sich dieser Blasphemie zu verwehren. Aidarius hatte rufen, hatte schreien wollen, nicht um Temoras sondern um seiner selbst willen. Jedoch verstummte der Laut in einem leisen Stöhnen, so wie die eigenen Schreie und Rufe immer in Albträumen verstummen. Und seine Lippen brachten nur ein leises Wort des Einverständnisses heraus.

Mit einem gekonnten Ruck stieß Magnus den Dolch nur leicht in die Hand seines Opfers, mit einem weiteren zog er die Klinge auf eine Art und Weise heraus das er mit dieser auch die Finger streifte und diese aufschnitt. Beißender Schmerz durchzog Aidarius Hand und ran wie flüssiges Feuer durch den Arm hinab zur Brust. Wie gerne hätte sich nun seiner Angst ergeben, die Beine in die Hand genommen so schnell als möglich, doch bloß wohin? In dem Wirrwarr aus unterirdischen Gängen und Kammern hätte ihn sein Häscher rasch eingeholt. Und dann wäre seine Hand bei weitem nicht das einzige Körperteil jenes der spitze Dolch durchbohrt und aufgeschlitzt.

Das Ritual neigte sich wohl seinem Ende entgegen, Magnus lies endlich von ihm ab und Aidarius schlaffer Körper sackte zusammen, das er sich kaum noch auf allen Vieren hielt. Zumindest die Kontrolle über seine Hände wiedererlangt, drückte er die Rechte fest zu einer Faust zusammen wodurch er nur noch mehr Blut aus der Wunde quetschte, dass sich mittlerweile in einer kleinen Pfütze unter ihm sammelte. Als krönenden Abschluss des Spektakels hatte Aidarius die zweifelhafte Ehre seinen Namen mit dem frischen Blut schreiben. Auf den Boden inmitten des Pentagramms neben all die Anderen, bereits vorhandenen, jene er selbst erst jetzt bemerkte. So kroch er hin und her und schrieb einen Buchstaben nach dem anderen, währenden er mit dem Blutdurchtränkten Ärmel seiner Rechten die ganze Grütze wieder herum wischte. Und das Blut ran noch immer. Und der dunkle Diener der Unterwelt gab erneut einen nie enden wollenden Monolog von sich, die Litanei wieder in den Händen haltend. Und so drehte sich dieser Albtraum aus Blut und Schmerz, Worten und Buchstaben, Angst und Verwirrung bis…. Bis schließlich die erlösenden Worte „Erhebe dich nun als Bruder“ ihn aus der Starre rissen.

Mit einem unkoordinierten Ruck, wuchtete sich Aidarius aus seinem Bett. Der alte hölzerne Bettrahmen unter der Strohmatte, quietschte dabei nicht weniger als sein eigener Rücken. Er steckte sich noch einige Mal noch immer vor seinem Bett verharrend. Gähnte herzhaft und begann damit sich seinen Weg durch die überall auf dem Boden verteilte Habe und die Dunkelheit des Zimmers zu bahnen. Mittlerweile hat der Dunst des Weines und jener selbstgebrauten Mixturen, ohne die er einzuschlafen ohnehin schon längst nicht mehr im Stande war, insoweit nachgelassen dass er sich wieder halbwegs orientieren und klar denken konnte. Zurück blieben nur ein schmerzvoller Kater und ein flaues Gefühl im Magen.

Katakomben, Sensenmänner, Untote und Magnuse mit ihren Ritualen……… Aidarius lachte laut auf und faste sich sogleich an den Kopf weil dieser ihm davon noch mehr weh tat als ohnehin schon. Was für ein kranker Traum…. Kein Wunder das er von solchem Schabernack träumt. Innerlich rügte sich Aidarius wie oft zuvor, erneut seiner Schwäche für den Wein zum Opfer gefallen zu sein und gab sich wieder sein wertloses Wort damit aufzuhören.

Fährmann was ist das den bloß für ein Quatsch… wie kommt sein kranken, altes Hirn nur auf so etwas…. Dachte er selbstspöttisch als er endlich die Kerze auf seinem Nachttisch ertastet hatte und sich daran machte diese zu entzünden. Noch eine Weile stand er da und lachte und grinste vor sich hin eher die Flamme letztlich entfachte und der flackernde Schein ihm offenbarte, was vollends zu begreifen die letzten Reste seines Verstandes kosten würde. Erneut durchzog das Gefühl von unfassbarer Angst und Panik wie ein dumpfer Schlag seinen Körper. Mit weit aufgerissenen Augen erkannte er.

Ein blutdurchtränkter Verband, hing halbzerfetzt um seine rechte Hand.
Zuletzt geändert von Aidarius am Sonntag 13. November 2011, 00:12, insgesamt 1-mal geändert.
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