[Q] Ein Zweihänder für den Heermeister

Antworten
Kelzon Tinen

[Q] Ein Zweihänder für den Heermeister

Beitrag von Kelzon Tinen »

Nach langen Nächten und endlosen Tagen des grübelns und des besinnens war er zurück gekehrt in die Grabkammer. Die Glaubensfindung hatte endlich ein Ende gefunden. So viele Fragen, aber nur wenige Antworten, doch mehr als er sich erhofft hatte. Es wurde Zeit wieder in das normale Leben eines Dieners zurück zu kehren und in seinem Namen die Seelen der Lebenden zu opfern. Doch kaum war er in der Gruft angekommen erwartete ihn schon die nächste Aufgabe. Er sollte dem Heerführer der untoten Armee einen verfluchten Zweihänder besorgen. Was er dazu brauchte war recht einfach. "Besorge einen Zweihänder und das Blut von Bürgern Adorans, Berchgards und Bajards!" waren die Worte seines Glaubensbruders Magnus.
Am nächsten Tag besorgte er sich den Zweihänder vom fähigsten Schmied ganz Gerimors, Amu Kanok. Ein Meisterwerk der Schmiedekunst wurde ihm überreicht und er zahlte einige Goldstücke dafür, aber für seinen Gott war ihm nichts zu teuer.
Die Besorgung des Blutes sollte schwieriger und aufwändiger werden. Da Kelzon sich nicht die Hände schmutzig machen wollte, beauftragte er zwei zwielichtige Gestalten. Eine Frau, komplett vermummt und sehr höflich, aber auch sehr gefährlich wie ihm schien. Sie sollte das Blut von Bürgern Bajards und Berchgards in zwei Phiolen abfüllen und würde dafür reichlich belohnt werden. Die letzte Phiole die er noch bei sich trug übergab er einem ungehobelten Rüpel, der die Höflichkeit wohl nie mit Löffeln essen wird und teuer war er zu allem überdruss auch noch. "Verdammtes gieriges Gesindel" fluchte Kelzon, als der Mann die Taverne zu Tirell verließ, aber was bedeute Gold schon für jemandend der dem Tod dient?

So ward es getan und das Ritual sollte sobald alle Zutaten beisammen waren in der Gruft beginnen. Ein Schwert sollte verflucht werden, aufdass der Heermeister der untoten Armee Krathors würdig in den Kampf ziehen könne.
Bequem legte sich Kelzon in seinen Sessel zurück und wartete auf das Ergebnis.
Sua Lorcryn

Beitrag von Sua Lorcryn »

Ich musste mir selbst zugestehen, dass die Rabendiener kein Gefühl für solche Dinge entwickeln konnten und es verlangte wenig Mühe, ihnen mehr Gold aus den Taschen zu ziehen als der geringen Summe einzuwilligen, die sie vorschlugen. Es bespaßte mich durchaus mit ihnen zu verhandeln, auch wenn es simple Aufträge waren, die sie hätten selbst erledigen können, nahm ich sie dennoch an. Gold stinkt für gewöhnlich nicht und auch wenn es einfache Aufträge waren, so rostete ich wenigstens nicht ein.

Fast schon jede Nacht sah man mit geschulten Augen die hüpfenden "Frösche" auf den Dächern Bajards und ich konnte mich an deren Anblick eine lange Zeit amüsieren. Vor allem wenn es Frischlinge waren, die die Distanz zum nächstbesten Haus nicht einschätzen konnten, stolperten und zwischen die Fischernetze oder in die Gärten der Bewohner herabfielen, wenn sie sich nicht im letzten Moment mit ihren Händen an der Dachrinne auffangen konnten.
Oft dachte ich mir, hätte ich ein Haus mit Holzdach und eine Pistole wie die Piraten, hätte ich schon beim ersten Poltern ein Loch in mein Dach geschossen, in der Hoffnung die Ruhestörer getroffen zu haben. Doch scheinen diese Dorfbewohner einen festen Schlaf zu haben, zu dämlich oder so betrunken zu sein, dass sie solche Geräusche gar nicht mehr wahrnehmen konnten.
Als stiller Beobachter, getarnt in den Farben der Nacht, hatte ich genügend Zeit Alles und Jeden einmal unter die Lupe zu nehmen, meine Zeit darin zu investieren Geduld zu üben und herauszufinden wann, wie und mit wem die Bürger ihren Feierabend antraten und sich in den Häusern verkrochen. Erst als das widerhallende Poltern der Hüpfer verklang, brach auch ich in den frühen Morgenstunden auf um etwas Schlaf zu finden, bevor die Bürger am nächsten Morgen wieder ihrer Arbeit nachgingen.




1. Schritt:
finde Mittel und Wege, deine Opfer unfähig zu machen...

... ohne bei deinem Tun bemerkt und entlarvt zu werden.
Ich suchte auf direkten Weg einen Alchemisten auf, der sich für mich bereits als meisterlicher Fachkundiger erwies und der meiner lügnerischen Zunge so viel Glauben schenkte, dass ich von ihm ein Fläschchen Betäubungsmittel erstehen konnte. Die Zutaten dieses Mittels verriet er mir natürlich nicht, es wäre auch zu einfach gewesen... Ich erfuhr lediglich, dass man den Inhalt der Flasche mit Vorsicht genießen sollte, da ein paar mehr der Tropfen zu einer Gedächtnislücke führen konnten. Ich dachte mir, dass es nicht passender kommen konnte, jedoch waren seine letzten Worte das I-Tüpfelchen meines Planes.




2. Schritt:
Kenne nicht nur deinen Feind...

... sondern auch dein Opfer.
Menschenblut musste her und zwar von zwei verschiedenen Personen. Ich bekam von dem Rabendiener zwei leere Phiolen, eine gnädige Geste von ihm, mit der Anweisung jene gefüllt beim nächsten Treffen mitzubringen. Einen Tag später, nachdem ich das Betäubungsmittel bei mir trug, wusste ich welche Opfer ich gewillt war zu überfallen und deren Blut zu stehlen:
In Bajard gab es einen alten Fischersmann, der auf dem Steg hinter der Bank angelte und erst bei Abenddämmerung sein Netz einholte. Er war mein erstes Opfer für diesen Auftrag, zumal gerade diese Ecke von ihm alleine "bewohnt" wurde und ich die Möglichkeit hatte, ihn an diesem unbewachten Ort zu überfallen. An der Schreinershütte hielt ich mich nahe der herumstehenden Fässer in Deckung, beobachtete ihn noch eine ganze Weile, ehe ich in seine Richtung aufbrach. Ich sah an den Häuserecken nach rechts und links, öffnete die Flasche und träufelte das Betäubungsmittel auf ein sauberes Tuch, dass ich griffbereit in der anderen Hand hielt. Meine Schritte waren durch meine Vorsicht beherrscht lautlos als ich mich dem auf dem Hocker sitzenden Fischersmann näherte, ihn von hinten grob umarmte und das feuchte Tuch willkür auf Mund und Nase presste. Seine Füße sanken ins Wasser, nachdem sein Körper in meinen Armen erschlaffte und ich ihm mühselig vom Hocker schob um seine vernarbten, rauhen Hände untersuchen zu können. Mit einem filigranen, scharfen Dolch zeichnete ich ihm einen tiefen Schnitt in den Handballen, griff nach der leeren Phiole und stahl ihm das hervorquillende Blut. Ich beugte mich vor zum Steg, als ich die von Blut verschmierte Phiole in den Tiefen meiner Robe verstaute, schnappte mir eine scharfkantige Muschel aus dem Netz und bettete sie neben seiner blutenden Hand auf den hölzernen Boden - wie ein Unfall und nicht wie ein Überfall sollte es aussehen, während ich mich aufrichtete und mit seeligruhigen Schritten aus dem Dorf verschwand.

Am nächsten Tag suchte ich zu später Abendstunde Berchgard auf. Hier jemanden zu finden und zu überwältigen, war weitaus schwieriger. Die Stadt war immerzu von Gardisten bewacht und es gab nur wenige Stellen, die unbewacht waren. Mir blieb nichts anderes übrig als mich den berchgardern Bürgern als eine vornehme, doch naive junge Frau in einem eleganten Kleid auszugeben. Mein Haar hatte ich mich vor Aufbruch in die Stadt noch in einem dunklen braun gefärbt, meine Wangen geschminkt und mich vor dem Spiegel um einen schüchternen Blick geübt - Etikette war mir bekannt, ebenso wie ich einen Grafen oder Ritter anzusprechen wusste.
Seit dem Angriffe der Rabendiener auf Berchgard war die Stadt reichlich belebt und wie ich beobachten konnte, versammelte sich die Bürgerschaft tagtäglich im hiesigen Rathaus.
Diesmal war ich im Begriff mich mit einem jungen Mann zu unterhalten, ein Schmiedlehrling, der Interesse an mir fand und durch meine gespielte Naivität und meinem Charme blind aus der Hand fraß. Er begleitete mich eines Abends zu meinem Pferd, welches ich in der unteren Ecke des Rathauses angebunden hatte und schilderte ihm mit Bedauern, dass es lahmen würde und ich vermutlich den langen Heimweg zurück laufen müsste. Er war zuvorkommend, bat mir seine Hilfe an, sich einmal die Hufeisen des Tieres anzusehen. Ich stand dicht hinter ihm und beobachtete ihn aufmerksam bei seinem Tun, als er sich zum Pferd hinab beugte und seinen Schmiedehammer vom Gurt löste. Nervosität ereilte mich, meine Hände zitterten und ich versuchte so unauffällig wie möglich das Tuch mit dem Betäubungsmittel hinter seinem Rücken zu benetzen. Hinzu kam noch, dass ich von ihm aufsehen musste und die Umgebung beobachten, ehe ich ihm das Tuch ins Gesicht drücken und ihn in meinen Armen hinter die Hauswand des Rathaus zerren konnte. Unglücklicherweise fiel ihm der schwere Hammer aus der Hand, traf nicht mich, sondern seinen rechten Fuß, sodass er hinter dem Tuch einmal gedämpft aufschrie, bevor er das Bewusstsein verlor.
Die Pferde wurden unruhig und ich wusste unter Herzrasen, dass ich mich beeilen musste. Ich zog ihm den Stiefel vom Fuß, beäugte seinen dicken blutunterlaufenen Zeh und löste indes die noch übrig gebliebene leere Phiole und meinen Dolch aus der Halterung, welchen ich am linken Oberschenkel verbarg und durch den feinen Unterrock zusätzlich kaschiert wurde. Diesmal musste ich nicht großartig nachhelfen, da der Zeh bereits so angeschwollen und knollig war, dass ein tiefer Piekser mit der Spitze des Dolches in Nähe der Nagelhaut ausreichte, um ihm ein paar Tropfen Blut zu entnehmen. Ich verrichtete meine Arbeit hastig, doch Dank meiner Übung präzise und ordentlich. Ich zog ihm rücksichtslos den Stiefel wieder an, sah ums Eck des Rathauses und als mir die Umgebung sicher schien, zerrte ich ihn zwischen Gebäude und Felswand hervor. Ich trapierte den armen Kerl vor den Pferden so, als wäre er seiner Tollpatschigkeit selbst zum Opfer gefallen, lehnte ihn leicht schräg an der Gebäudewand an und den Schmiedehammer zu seinen Füßen.
Ich sah mich erneut um, band mein Ross vom Pfosten los und schritt so gemächlich wie möglich aus dem westlichen Tor der Stadt hinaus. An diesem Abend hatte ich es eilig fort zu gelangen, zog mich auf den Rücken meines Pferdes hinauf und ritt im Galopp in die unendliche Dunkelheit hinaus.
Kelzon Tinen

Beitrag von Kelzon Tinen »

Blut aus Adoran:

http://forum.alathair.de/viewtopic.php?t=56959
Antworten