Knappin und Gardistin - Leben im Licht Temoras

Antworten
Niowe Adela Aireth

Schlimmer kann es kaum kommen

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

9. Goldblatt 254

Das dachte ich nach der Begegnung mit den Letharen gestern. Was sie mich und meine Herrin, Temora alles genannt hatten, aber ich bin nicht gewichen. Im Reich weiche ich nicht! Das sagte mir mein Sturkopf und ich sprach es laut aus! Recht hatte er und ich stand da. Laufe, Mensch. Der Mensch, also ich stand weiter da und betrachtet diese Abgrund hässlichen Kreaturen Alatars. Nein vor dieser Dunkelheit und Boshaftigkeit weichen wir nicht, sagte mein Sturkopf. Und ich gehorchte ihm, und meinte nur komm mir nicht zu nahe Lethar.
Mir war klar, die beiden gehen auf mich los. Dann folgte eine Schimpftirade des einen Letharen, dabei fiel unter anderem das Wort Hure. Ich hätte fast gelacht, wäre es der Situation angemessen gewesen. Dieser Abschaum dessen was sie einst waren, Elfen, nannte mich das, was ich kaum bin. Wohl eine der wenigen im Reich, von denen man behaupten könnte, ihre Reinheit bewahrt zu haben. Nun gut, ich nahm es nicht übel sondern konzentrierte mich auf den Kampf mit dem Bewusstsein, wenn der eine Lethar liegen sollte, würde der andere eingreifen, sie sind heimtückische, verlogene Kreaturen Alatars. Damit rechne ich. Ich habe schließlich immer wieder das Buch über sie gelesen, indem sie beschrieben werden.
Der Kampf war gar nicht übel fand ich, ich hatte sehr viel gelernt, ohne Kettenhemd wäre der eine Lethar sicherlich zusammengebrochen. Heute fiel ich zu Boden und unwillkürlich umfasste meine Hand den Ankh meiner Familie. „in tiefster Dunkelheit, leuchtet Ihr Licht der Hoffnung“, so steht es graviert auf dem alten Ankh meiner Familie, den mehrere Generationen bereits vor mir trugen, und Ihr Licht half mir. Ich stand auf und die beiden Letharen waren spurlos verschwunden. Ich war kaum verwundet, einige Blessuren, mehr nicht.
Danach trat ich abermals den Dienst für Gardist Keran an, das hatte ich ihm versprochen, damit er einige Tage ausruhen konnte und seine Wunden heilen. Erstaunt war ich als er doch dann kam und an meiner Seite vor den Toren Berchgards Wache hielt.

Schlimmer kann es kaum kommen…..
Dachte ich als Hunfrid im Galopp an mir vorbei ritt gen Berchgard. Nur allzu bekannt mir. Nach mehrmaligem Vergehen wurde er von dem Gardisten Keran festgenommen. Eine Nacht in der Zelle wird seinen Hitzkopf abkühlen. Also brachte ich meinen Dienst zu Ende, sah noch im Regiment nach dem Rechten. Da sah ich Gardistin Weilnau und ich erinnerte mich an etwas, dass ich aufgeschrieben habe. Eine Begegnung mit ihr und dem Herrn Kaylem Valerian, so hieß er, verwickelt in einen anderen Fall, der mir damals zu denken gegeben hatte, sodass sie wie immer dies in einem Buch alles vermerkt hatte. In einem anderen Buch über das Fräulein Weilnau stand ihre Bemerkung, die mir damals einiges zum Nachdenken gegeben hatte, und ein ungutes Gefühl, was ihre Person betraf. Sie hatte damals nicht darauf reagiert, bewusst aber alles notiert.
Schnell mache ich mich davon, und will das Notierte auffrischen, als mein Sire mich auffordert ihn zu Erlaucht von Arganta zu begleiten. Die Edle ist auch da. Ich kann mir nicht helfen, der Anblick dieser Frau erweckt mein Mitgefühl. Sie hat es sicherlich nicht leicht. Der Graf ist wie immer. Mit Leichtigkeit während er dem vorzüglichen Tee der Edlen zuspricht, sprechen wir über den Vorfall in dieser vermaledeiten Taverne und klären ihn zu meinen Gunsten. Seine herzogliche Hoheit hatte damals schon recht, ich hätte auf ihn hören sollen und keinen Fuß dort hinein setzen. Aus Fehlern lernt man. Ich lerne schnell. Zurück zu dem Grafen, dieser Mann ist leicht zu beeinflussen, der Gedanke kommt mir als ich seinen Worten lausche. Nett ja, höflich ja und Etikette beherrscht er aber er hat nichts von dem festen Willen und der Stärke der Gräfin. Härte geht er wohl gerne aus dem Weg, so deuten mir seine Worte, wie er über diesen Hunfrid spricht. Wenn ich mir vorstelle, dass er anstelle unserer Gräfin in Adoran walten würde, wir wären verloren wohl. Temora behüte die Gräfin, sie ist einfach eine wunderbare Frau, von denen es kaum mehr welche im Adel gibt und der mein tiefster Respekt gehört.

Schlimmer kann es kaum kommen……..
Und ich habe es mit Leichtigkeit hingenommen, als der Mann dem mein Herz gehört, mir gestanden hat, dass er mein Buch, das nur für ihn gedacht war, hier im Rathaus liegen gelassen hat und jeder es wohl gelesen hat. Damit meine ich wirklich jeder, denn was sich in dem Rathaus abspielt, habe ich vorhin beim Grafen gesehen. Zum Glück war es ein harmloses Buch, welches ich für ihn geschrieben habe. Aber ich kann ihm nicht böse sein. Schon gar nicht, wenn er mich in die Arme nimmt und festhält und tief in meine Augen sieht. Eine der wenigen Augenblicke, die uns gegönnt waren, dank meinem Sire, der mich nach der Unterredung entlassen hatte. Zufällig haben wir uns im Rathaus getroffen, als ich eben gehen wollte. Kokett habe ich mein Spitzentuch mit meinen Initialen vor ihm fallen gelassen. Mal sehen, ob er darauf reagiert. Tat er, und ich war überglücklich als durch die Tür ins Freie trat. Während ich in seine Augen sehe und er mich behutsam wie immer küsst, ist alles Schlimme weit weg. Ich bin überglücklich und nach der Verabschiedung reite ich gen Residenz und falle nach einem Bericht an den Oberst in den Schlaf.

Schlimmer kann es kaum kommen….
Als ich den Rekruten Arlon Benjamin über seinen Halbbruder, wie sie heraus stellte befragen musste.
Er tat mir leid. Ich weiß was Familie bedeutet. Ich versuchte es so angenehm wie möglich zu machen, auch wenn es mich schmerzte seinen fragenden Blick zu sehen, auf den ich ihm keine Antwort geben durfte. Ich hatte einen Befehl, Befragung, das tat ich. Was sollte ihm denn sagen? Dein Bruder wird gesucht? Wahrscheinlich verurteilt? Und dann? Ich bin nicht derjenige, an dem er Fragen über seinen Bruder stellen darf, kann. Ich habe ihn an den Oberst verwiesen.

Unser Oberst ist für jeden da, sprecht mit ihm, er wird Euch!
Mehr kann und darf ich nicht für ihn tun. Es tut mir weh, er leidet und ich kann ihm in keinster Weise helfen. Der Rekrut ist ein guter Mann, er wird seinen Weg gehen, und ich hoffe, sich nicht brechen lassen. Temora stehe ich bei, denke ich als ich die Tür des Regiments hinter ihm schließe und meinen Bericht an den Oberst niederschreibe.


Das Schlimmste kam dann doch noch……
Er ist tot. Der Gefangene lebt nicht mehr. Nach seinem Urteil weigerte er sich, jenes anzunehmen, wehrte sich, wie ich es wohl nie erlebt hatte. Der Oberst und ich hatten viel Mühe ihn festzuhalten. Dann als sein Kopf in den Eimer mit Wasserlauge eintauchte, sein Urteil, was von der Gräfin ausgesprochen wurde, verstarb er kurz darauf.
Ich fand keinen Heiler, also habe ich mich bemüht sein Leben zu retten. Phiolen eingeflößt, seine Stirn mit einem kalten Tuch benetzt, und noch einiges. Er verstarb unter meinen Händen und ich habe ihn mit meinem Umhang zugedeckt, während willenlos meine Tränen geflossen sind. Er war ein Mensch und um jenen trauerte ich. Wie viele muss ich mit Umhängen zudecken, den starren Blick der Augen ertragen, die ich nie vergesse. Jeder einzelne bleibt mir in Erinnerung. Auch für ihn werde ich eine weiße Blüte auf meinen See bringen und trauern. Auf Befehl des Oberst habe ich eine Priester gesucht und gefunden. Diakon Aaron so sehr ich ihn mag, diesmal erfüllte mich sein Anblick mit Trauer nicht mit Freude. Nach dem Gebet vor dem Toten wurde ich entlassen von dem Oberst. Freizeit. Ich bin beschämt, traurig, verwirrt und weine den Weg hin zur Kirche, wo ich vor dem Altar niederknie und um das Leben trauere.
Es war nicht unrecht, er musste bestraft werden. Er sollte nicht sterben, das lag weder in der Absicht des Obersts noch in meiner. Er verstarb dennoch. Während ich hier nachdachte, kam Diakon Aaron vorbei, in seiner einfühlsamen Art, wusste er sogleich, dass ich nicht reden konnte.

Wir reden ein anderes Mal, Niowe? Ja, tun wir, Diakon Aaron!
Ich muss mich zusammen reißen, es war nicht meine Schuld aber ich fühle mich schuldig, dass ich ein Leben nicht retten konnte. Sicherlich ich bin kein Heiler, ich habe alles getan, was ich nur konnte. Wieso starb er? Fragend hebe ich den Blick gen Altar hoch und sehe unter den Tränen verschwommen das Licht der Kerzen, die mir immer Wärme und Zuversicht gespendet haben. Meinen Sire habe ich dann noch getroffen und von dem Vorfall erzählt. Ich habe, das was man mich gelehrt habe, getan. Äußerlich nicht das zu zeigen, was sich in meinem Innersten abspielte. Ernst war ich ja, gelächelt diesmal nicht und außer den geröteten Augen hat er wohl nichts bemerkt, mein Sire.
Ich habe mich auf den Markt in Menekur gefreut, aber ich bin nicht hingegangen und habe den Rat des Obersts angenommen und bin wie wild durch die Wälder galoppiert bis hin zu meinem See dann, wo ich verweilte um die weiße Blüte auf ihn schwimmen zu lassen. Lange habe ich ihr nachgeblickt und an jene unzähligen Blüten von früher gedacht, die ich hier für all die Toten damals dem See übergeben habe. Nun ist es eine weitere. Ich muss damit leben, das kann mir keiner abnehmen. Ich werde es tun, mein Vater hätte es getan, Micheil und Gillian. Ich frage mich, ob sie so wie ich gefühlt haben, mag sein, diese Antwort bleibt mir auf ewig verwehrt.
Niowe Adela Aireth

Ein Gespräch mit Herrn Arlon

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

11.Goldblatt 254

Ich habe Herr Arlon, so wie ich es zugesagt habe, in der Taverne zu Adoran, getroffen. Es ist mir nicht leicht gefallen, aber ich gehöre nicht zu den Menschen, die Schwierigkeiten vor sich hin schieben. Ich erledige es sogleich. Mir war klar, was da auf mich zukommen wird, aber ich hatte keine Angst davor.
Wieso sollte ich? Man hat mir beigebracht, nicht auf Gerüchte zu reagieren.
Herr Arlon sitzt schon da und ich bestelle noch meinen üblichen Tee nach einem freundlichen Gruß gen Wirt und ihn. Dann setzte ich mich und höre ihm zu.
Ich dachte schon, ich hätte Euch verpasst Fräulein Aireth, so spät wie ich kam.
Guten Abend Herr Arlon,
sagte ich, dann ging ich auf seine Worte ein, dass er wohl kaum zu spät wäre, und ich ein Mensch, der mit Geduld gesegnet ist. Nicht bei allem, das habe ich nicht erwähnt, aber das hat ihn auch nicht zu interessieren. Je unruhiger und ungeduldiger andere werden, umso ruhiger und geduldiger werde ich dann. Das ist eine Eigenheit, die nicht zwar nicht verstehe, aber in gewissem Masse zufrieden annehme, weil sie mir vieles leichter macht.
Während ich da auf meinen brennend heißen Tee blicke, den der gute Hamlin mir an den Tisch serviert hat, warte ich ab. Mir war bewusst, dass diese eher harmlos Einleitung von Herr Arlon, sogleich in die Tiefe der Angelegenheit, die er zu erfahren wünscht, tauchen wird.
Nur zu Herr Arlon, denke ich. Euer Zug nun, ich werde schweigen und abwarten.
Wie geht es Euch? Diese Frage habe ich nun seit dem gestrigen Tage mehrmals vernommen. Was antwortet man darauf? Es geht mir prächtig, während das Regiment in den Schmutz gezogen wird von Menschen, die keine Ahnung haben, sich auch nicht bemühen werden, den Hauch einer Erkenntnis zu gewinnen? Oder vielleicht sollte ich sagen, es geht mir vorzüglich, wie es jemanden nur gehen kann, wenn ein Mensch verstirbt, den man noch versucht hat zu helfen? Jede Antwort wäre die falsche, das ist mir bewusst und dennoch gebe ich eine, weil meine Familie mit dies beigebracht hat und weil ich jede Frage höflich beantworten würde.

Es geht mir entsprechend gut, Herr Arlon! Ich bedanke mich der Nachfrage. Mehr habe ich nicht gesagt, nun liegt es an seinem Ermessen, was genau ich damit meine. Auslegen wird er es sowieso nach seinem Gutdünken, das ist mir klar, auch ahne ich, dass dieses Gespräch die Runde machen wird. Herr Arlon wird darüber nicht schweigen, schon gar nicht seinem Bruder gegenüber, das vermute ich hier und jetzt.

Da bin ich ja erfreut, meinte er. Und ich bin erfreut, dass er es ist. Das harmlose Geplänkel ist vorbei, nun wird er Fragen stellen, denke ich. So war es auch.
Ich will nicht unhöflich wirken, aber ich habe Fragen.Das dachte ich mir bereits, Herr Arlon, antworte ich. So ich vermag, werde ich sie wahrheitsgetreu beantworten, wenn nicht, dann schweige ich.
Das verstehe und akzeptiere ich,
meint er sogleich. Gut, denn Ihr, Herr Alron, werdet es so hinnehmen müssen, wie es ist, denke ich, es steht Ihnen keineswegs zu, dies nicht zu akzeptieren.

Ich möchte gerne von Euch erfahren, wie es dazu kam, dass der Herr Helmgart verstarb. Gute Frage, wenn ich da wüsste? Er war ein Bär von einem Mann, hat sich gewehrt wie ein Berserker und ist dann einfach verstorben. Warum? Die Frage beschäftigt mich noch immer. Ich kenne die Antwort nicht. Kann man aus Sturheit sterben? Aus Dummheit?, denn das war er in meinen Augen. Jeder hätte die eher milde Strafe von Erlaucht von Dornwald mit Anstand und Würde angenommen. Er nicht. Was antwortet man da, um der Wahrheit zu entsprechen?
Herr Helmgart wehrte sich gegen das ausgesprochene Urteil Ihrer Erlaucht von Dornwald mit Gewalt. Er wollte es nicht annehmen! Das gab ich Herrn Arlon als Antwort. Es entspricht der Er getan, Herr Arlon? Ich nicht festgehalten? Ihn toben lassen und den Oberst angreifen lassen, und danach die Gräfin? Hätten er das zugelassen? Wenn die Antwort ja ist, dann ist er unwürdig dem Regiment zu dienen. All diese Gedanken gehen mir durch den Kopf, während ich bereits seine nächste Frage vernehme.

Ich hörte er starb dann, als er sich wehrte, durch einen Schlag am Hinterkopf. Ah, da haben wir das Gerücht! Nein, so starb er nicht, ganz gewiss nicht. Was mich noch immer verwundert ist, dass ein Mann seiner Statur überhaupt gestorben ist, aber das erwähne ich nicht.
Das verwundert mich nun Herr Arlon, mir war nicht bewusst, dass nebst Erlaucht von Dornwald, Oberst von Tannhoeh und meiner Person , sowie dem Gefangenen natürlich, noch andere Personen anwesend waren, die dies bezeugen könnten? Und offensichtlich nun genau sagen können, was zu seinem Tode führte. Das ist sehr interessant!
Ja, sehr interessant,
antwortet er dann. Ebenso wie die Ursache des Todes und der ungewollte Täter.
Doch ich vertraue Euch mehr als Gerüchten, Fräulein Aireth.

Wie nett!, denke ich. Und Ihr meint, ich nehme Euch das ab? Ihr solltet mich klüger einschätzen Herr Arlon. Es spricht gegen Euch, dass Ihr dies nicht tut. Schade. All das geht mir durch den Kopf, dann erst spreche ich.
Gut, dann gebe ich Euch einen Rat von Kamerad zu Kamerad haltet Euch aus Gerüchten heraus!, ich spreche ruhig und ernst jene Worte aus. Mir ist in den letzten Tagen das Lächeln vergangen, aber nicht die Hoffnung und ja die Gebete zu Temora stärken mich. Sie geben mir Kraft und Ruhe. Das Lächeln wird auch irgendwann einmal zurückkehren, dessen bin ich mir sicher.
Haltet unser Regiment, so wie es ist hoch, denn unser Oberst ist der Beste, den es je geben wird. Er ist besorgt um jeden, und ja auch um Gefangene und das Urteil von Erlaucht von Dornwald war mehr als gerecht. Andere hätten nie so ein mildes Urteil ausgesprochen, dessen seid versichert.
Wenn Ihr auf Gerüchte hören wollt,
Herr Alron, setze ich ernst fort, dann seid Ihr falsch im Regiment, denn eines Tages könnte es auch Gerüchte über Euch geben und dann gibt es uns Kameraden, die zu Euch stehen werden. Das solltet Ihr nie vergessen!
Worauf ich höre und vertraue ist wohl meine Sache Fräulein Aireth
!, antwortet er mir dann. Ja das ist es, denke ich, auch wenn er auf die falschen hört vielleicht, es ist sein Weg und nicht meiner.
Er ist dennoch ein guter Mann, denke ich und spreche es aus.
Lernt es rasch Euer Urteil über Menschen Euch selber zu bilden, Herr Arlon, oder Ihr werdet daran zerbrechen, wenn Ihr der Beurteilung anderer folgt. Das ist mein persönlicher Rat, Herr Arlon, sage ich ernst und leiser eher.
Er hat mir dann darauf geantwortet, dass er ist, wie er ist, und sich in erster Linie auf sich selber verlässt.
Das ist die falsche Einstellung im Regiment, habe ich ihm geantwortet. Wir verlassen uns aufeinander, ohne dieses Vertrauen, und dem Wissen, dass wir darauf bauen können, in jeder Schlacht, bei jedem Kampf, wären wir verloren. Nur Gemeinsam sind wir stark, alleine geht jeder unter. Denkt darüber nach, Herr Arlon, und dann entscheidet Euch, ob Ihr das Regiment verlassen wollt.
Danach haben wir uns verabschiedet. Meinen Tee habe ich nicht getrunken aber bezahlt. Ich mache mich auf gen Residenz. Mein Kopf ist leer, ich bin erschöpft und werde heute mich sehr früh zu Ruhe begeben.
Morgen ist ein neuer Tag, mit vielen Pflichten, die es gilt zu bewältigen.
Unter anderem werde ich dem Mann, den ich über alles liebe, offen und ehrlich schreiben, dass wir uns nie mehr wiedersehen können und dürfen. Er hat es nicht verdient meinethalben zu leiden. Sein Weg ist beschwerlich genug. Ich darf ihn nicht noch beschwerlicher machen und seinem Ruf schaden. Ich hätte auf Micheil hören sollen und mich niemals verlieben, denke ich. Und mit der Gewissheit, dass es keinen anderen Mann je mehr in meinem Leben geben wird, schlafe ich zutiefst traurig und erschöpft ein.
Niowe Adela Aireth

Die Thyren kommen

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

18.Goldblatt 254

Alles war vorbereitet. Ich habe sehr viel Wert darauf gelegt die richtigen Speisen zu wählen und vor allem die dazu passenden Getränke. Mir war klar, mein Sire hat keine Ahnung, was Thyren mögen. Aber ich habe sie. Enorme Mengen müssen es sein und vor allem schmackhafte Fleischgerichte. Ich bin tagelang der Köchin des Hauses im Ohr gelegen, was genau und wie vor allem es angerichtet gehört.
Da stehen sie nun die Platten belegt mit jungen saftigen, für meinen Geschmack viel zu fetten, gefüllten Ferkeln. Als wäre das Jungschwein nicht genug, füllen musste die gute Köchin es auch noch. Nach gut, Hauptsache es ist schmackhaft. Jedenfalls sehen sie verlockend aus. Knusprig, duftend in einer schmackhaften Soße ringsum, liegen sie auf den Platten. Dazu die Beilagen und jenes was ich für den Sire bestellt habe. Mageres Huhn mit Salaten. Was wir vermeiden wollen, ist dass mein Sire bei seiner Hochzeit aus allen Nähten platzt. Er war nicht recht zufrieden, als ich ihm das mitgeteilt habe, aber er hat es mehr oder weniger eingesehen, vermute ich. Jedenfalls hat er keinen Wirbel darum gemacht.
Es waren so viele Platten, dass ich sie nicht alle gleichzeitig servieren konnte. Ein Regiment hätte eine Woche genug zu essen gehabt, denke ich.
Nachtisch gibt es für den Sire keinen.
Das habe ich ihm schon angekündigt. Erbaut war er nicht sehr davon. Ich bin mir sicher, dass er diese wundervollen Torten, die ich inmitten von frischen Rosenblüten auf den Tellern drapiert hatte, heimlich sich angesehen hat. Wundervoll waren auch die kleinen Kuchenhäppchen mit Zuckerguss bedeckt und die Überraschung lag in der Mitte dann. Eine himmlische , auch zu fette Buttercreme aus Kirschen mit ganzen Stückchen der Frucht und die anderen mit Pfirsichen. Dazu gab es noch unzählige Schüsseln mit gefrorenen Früchten in sämtlichen Variationen. Wenigstens das war etwas Gesundes!
Krüge gefüllt mit Met und ja auch Whiskey. Mein Sire bekam einen spärlich gefüllten Becher mit bestem Rotwein und einen Krug mit frischem Wasser.
Ich habe nochmals das Besteck nachpoliert, auch wenn die Köchin mich dabei schief angesehen hat. Soll sie nur, was ich gar nicht mag ist fleckiges Besteck. Dann habe ich noch die Servietten überprüft. Gut die waren in Ordnung, blütenweiß. Alles war vorbereitet und perfekt. Die Teller aus bestem Porzellan lagen bereit, auch die kleinen für den Nachtisch samt winzigen Gabeln und Löffeln. Das beste Besteck meines Sires habe ich dafür ausgewählt.
Aufgeregt warte ich nun am Hafen auf meinem Streitross, um sie gen Rathaus zu eskortieren.
Ich mag die Thyren, sie sind ein raues, wildes Volk aber ehrlich. Das schätze ich ungemein. Eigentlich sind sie den Zwergen ihnen ähnlich, bis auf die Größe. Überhaupt das Clanschwert Finn, der ragt weit über mich hinaus. Vergleichbar mit einer starken Eiche, naja nicht so groß, aber der Vergleich mit der Eiche passt.
Mein Sire war schon im Saal als wir ankamen. Nach der allgemeinen Begrüßung, habe ich mich kurz zurückgezogen um die unzähligen Platten aufzutragen. Ich habe mich wohl ein wenig verschätzt. So viele waren es.
Das können sie unmöglich alles essen, denke ich. Falsch gedacht! Während mein Sire sein mageres Hühnchen, es war gefüllt, also so mager nun auch nicht, mit dem Besteck elegant zerlegt hat, griffen die Thyren ordentlich zu. Sie griffen mit den Händen nach allem was da auf den Platten lag. Das Besteck hätte ich mir sparen können, denke ich. Auch die Servietten. Gegessen wurde mit den Händen, wo sie sich abwischten dann, will ich gar nicht wissen. Jedenfalls scheint es gemundet zu haben. Es wurde gerülpst, ein Zeichen des Wohlbefindens bei den Thyren. Ich habe es schon fast vergessen, aber bei den Lauten rundum, ist es mir dann wieder eingefallen. Sie sind zufrieden! Das bedeutet das! Gut ich bin es nun auch. Fleischstücke liegen überall und ich befürchte das wird Stunden heute noch dauern, dass alles zu reinigen.
Der Nachtisch wurde dann auch mit Begeisterung aufgenommen. Clanschwert Finn hat sogar einen Finger in die wundervolle Himbeertorte gesteckt und ihn abgeschleckt.
Soll ich Euch ein Stück abschneiden?, habe ich ihn höflich gefragt. Natürlich habe ich die Torte gemeint.
Was willst du mir abschneiden? Also bei der Frage, war ich kurz sprachlos, dann wurde ich verlegen, was nicht oft passiert. Aber heute ja.
Ich meine die Torte, soll ich Euch davon ein Stück abschneiden? Anstelle einer Antwort hat er dann die einen dieser kleinen Kuchen, an denen ich eine Weile essen würde, auf einen Sitz verspeist.
Nicht schlecht, denke ich. Gleichzeitig habe ich Angst, dass er erstickt und bin bereit ihm kräftig auf den Rücken zu hauen, bei dem geringsten Anzeichen. Wie dieser Kuchen in seiner Gesamtheit in einen Mund passen kann, denke ich noch. Jeder andere wäre daran erstickt, aber zum Glück Finn nicht. Weg war er. Auch den Damen der Thyren scheint der Nachtisch geschmeckt zu haben. Sie haben richtig geschmatzt und die Küchlein und Torten gelobt. Ich bin richtig glücklich. Alles war zur Zufriedenheit der Gäste meines Sires. Leider wurde die Besprechung unterbrochen, mein Sire musste in dringender Angelegenheit vorzeitig abbrechen. Jetzt stehe ich da in dem Chaos, nachdem ich die Thyren gen Hafen zurück geleitet habe und putze seit Stunden schon. Dabei wird mir mulmig.
Also das ganze nochmal, denn mein Sire wird sicherlich die Besprechung weiter führen. Während ich mir überlege, was wir dann servieren werden, arbeite ich bis alles penibel sauber und wie zuvor aussieht.
Todmüde bin ich, und bereite mich seelisch darauf vor, abermals einen Saal putzen zu müssen.
Niowe Adela Aireth

Ein Konzept für das Regiment

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

20.Goldblatt 254

Ich habe nach der Greifenrunde an meinem Konzept für das Regiment geschrieben. Alles was mir wichtig war, all jenes, was ich einst vermisst hatte, sollte darin seinen Platz finden. Die Ausbildung wird anders verlaufen, so es beim Oberst Anklang findet. Ich lege Wert auf andere Dinge. Dinge, die meines achtens sehr wichtig sind und bisher kaum in Betracht gezogen wurden. Dabei habe ich nur eines vor Augen, Zusammenhalt, Gemeinschaft und Aufbau des gegenseitigen Vertrauens. Das Regiment als Einheit und nicht ein Spielplatz für Eitelkeiten und Willkür.
Mir ist klar, dass dies wohl eine der härtesten Schulungen überhaupt wird, aber sie wird jenen, die sie abschließen, helfen. Darauf kommt es mir an.
Todmüde bereits schreibe ich unzählige Seiten bis ich in den frühen Morgenstunden fertig bin und lasse es dem Oberst versiegelt überbringen.
Ich bin mir sicher, es wird keinen Anklang finden, es ist anders. Bei weitem zu viel anders, denke ich. Es sprengt einen festgesetzten Rahmen. Aber ist das nicht gut so? Müssen wir uns nicht täglich, den Gegebenheiten aufs Neue anpassen? Darauf reagieren? Ich will das fördern, zeigen, dass jeder in den Reihen des Regiments wichtig ist. Zum Denken anregen. Agieren innerhalb der Gesetze und nicht immer nur reagieren.
Wird es mir gelingen? Ich weiß es nicht. Ein Anfang wäre es. Ich will Wege, Möglichkeiten zeigen, ob sie angenommen werden, bleibt dahin gestellt.
Eines will ich damit sicherlich nicht bezwecken, aufzusteigen. Ich möchte einfach Leben bewahren. Nicht mehr tote Kameraden mit dem Umhang zudecken müssen und sie an den Beinen innerhalb von Mauern ziehen. Ich will mitdenkende Rekruten, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Die bereit sind Vorschläge einzubringen und die sich mit dem Alltag im Regiment verantwortungsvoll auseinander setzen. Ich breche damit mit festgefahrenen Strukturen, das ist mir klar.
Aber ist es das nicht wert, wenn man nur ein Leben eines Kameraden damit retten kann?
Mir ist bewusst, dass ich mit diesem Konzept den Neid anderer hervor rufe. Sie werden mich das spüren lassen, wie gehabt. Aber, was soll’s, damit kann ich leben. Ich bin die Tochter meines Vaters. Wie Wassertropfen an einem Felsen, wird jenes an mir abprallen.
Ich bin noch sehr jung, auch das ist mir bewusst. Aber zeit meines Lebens musste ich mich mit Krieg und Schlachten auseinandersetzen, damit leben und aufwachsen. Ich kenne nichts anderes. Viel Verzicht und Gehorsam meiner Familie gegenüber. Aber auch viel Liebe meines Bruders, der mir darüber hinweg half, dass ich keine Kindheit kannte, wie ich sie hier bei Eric sehe. Er darf spielen mit anderen Kindern zusammen sein. Das war mir verwehrt worden, dennoch bin ich dankbar dafür. Diesen Leben hat mich geprägt, mir verdeutlicht, dass mein Leben ein ständiger Kampf sein wird, bis zu meinem Tode. Ich habe gelernt, die spärliche Zeit zu nutzen. Langweile kannte und kenne ich nicht.
Ja, ich habe, trotz Warnung meines Bruders, gelernt zu lieben. Auch wenn, das muss ich gestehen, mir Micheils Worte immer noch gegenwärtig sind. Sie werden jedoch schwächer. Ich vertraue dem Mann, den ich liebe. In seiner Gegenwart darf ich so sein, wie ich bin, wie mich sonst keiner kennt, nicht einmal meine Freunde. Darf mich Dingen widmen, die wir beide schätzen. Poesie, Tanz und Musik. Kostbar und spärlich sind jene Augenblicke, wo wir ungezwungen reden und unsere Gedanken austauschen dürfen. Den Gedanken daran, ihn einst zu verlieren, verdränge ich. Ich frage mich, hat Vater dies auch getan? Wie ist er mit dem Tod meiner Mutter bei meiner Geburt umgegangen? Micheil hat nie darüber mit mir gesprochen. Ich habe keine Ahnung, wie sie war. Ich verweigere das Wort, Mutter, auszusprechen. Ich hatte nie eine. Ich hatte Vater und meine beiden Brüder und unzählige Waffengefährten und Krieger meiner Familie, die im ständigen Wechsel unsere Festung im Grenzland bewohnten. Ein anderes Leben, als ich hier führe.
Langsam erhebe ich mich von dem Schreibtisch meines Sire. Ich muss noch vieles erledigen, was er mir aufgetragen hat. Außerdem muss ich nebst unzähligen anderen Aufgaben meine Jagdhunde und noch vier Rösser, täglich bewegen. An manchen Tagen, denke ich, wie schaffe ich das alles? Es geht, dank dem, was mir Vater einst beigebracht hat, meine Bedürfnisse der Disziplin und dem Pflichtbewusstsein unterzuordnen.
Niowe Adela Aireth

Verlasse Stiefel vor einer Regimentstruhe

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

28.Goldblatt 254

Spät des Nachts kehre ich mitsamt Hunden und Streitross zurück nach Adoran. Der Klang der Hufe meines Streitrosses auf dem Stein, hallt in der Stille von den Wänden der Stadt unwirklich wider. Alles schläft nur der Regen peitscht mir ins Gesicht und an dem deutlich kühlen Wind, der durch die verlassenen Straßen fegt, kann ich den nahenden Winter spüren. Die Straßen sind leergefegt, die Bürger schlafen geborgen bereits. Nur ein Wahnsinniger, wie ich eben, kann um diese Zeit und bei dem Wetter noch wach sein.
In der Residenz meines Sires schläft auch jeder bis auf meinen Wachhund, der mich freudig begrüßt. Wenigstens einer, denke ich. Nach einigen Streicheleinheiten, die mein Wachhund mir mit seiner rauen Zunge, die mir sogleich mehrmals über da Gesicht fährt, zurück gibt, bringe ich meine beiden Jagdhunde hinauf in mein Zimmer. Lege noch Holz im Kamin nach und begebe mich gen Regimentskommandatur, um meinen Dienstplan für die nächsten Tage durch zu lesen. Bis auf die wachhabenden Gardisten ist keiner da. Kurz wechseln wir wie immer einige Worte, dann steige ich die Treppen hoch, und betrete den Dienstraum, wo wir unsere Rüstungen und Kleidung aufbewahren.
Während ich auf meine Truhe zugehe, stolpere ich über etwas. Mit einem Knall, der so ziemlich jeden im Regiment, aufgeweckt haben sollte, falle ich gen eine Truhe und kann mich im letzten Augenblick noch abfangen.
Verdammt, wer in aller Welt, lässt hier einfach etwas herum stehen? Während ich innerlich noch fluche blicke ich zu dem Gegenstand, der mich beinahe zu Fall gebracht hätte. Für den Hauch eines Augenblicks bin ich sprachlos, dann entsetzt und dann habe ich wieder dieses Bauchgefühl, das wie immer nichts Gutes bedeutet. Stiefel! Nicht irgendwelche Stiefel, es sind die von Raindri und stehen da vor seiner Truhe. Er hatte heute sowie gestern Dienst, so stand es im Dienstplan.

Nein, das kann nicht sein! Das tut er nie! Er ist unberechenbar, auf gewisse Art und Weise ein Rüpel, unhöflich, auch unzuverlässig, aber niemals unordentlich. Wo in aller Welt ist Raindri geblieben?
Das ist ein Zeichen. Aber wofür? Entführt? Niedergeschlagen? Wo ist er? Und wieso stehen seine Stiefel hier verlassen vor seiner Truhe herum?
Diese Gedanken und noch viel mehr irren durch meinen Kopf während ich starr noch immer diese Stiefel anblicke.

Ich überlege.
Also, sollte Raindri jemanden ins Regimentsgebäude gelassen haben, dann hatte das einen Grund.
Eine Falle vielleicht? Wollte man sich mit einer Lüge Zugang zum Gebäude verschaffen, um dann Raindri ahnungslos unschädlich zu machen und dann? Wieso haben die anderen Gardisten hier nicht reagiert?
Das hätten sie getan, wenn es ungewöhnliche Geräusche oder Hilferufe gegeben hätte. Also gab es die nicht! Das ist sicher!

Was ist dann passiert? Vor allem wer schafft es Raindri unschädlich zu machen und wie stellt er das wohl an?
Wollte Raindri sich umziehen, um diesem Fremden zu folgen, um zu helfen? War es eine Frau vielleicht?

Das würde bei Raindri Sinn ergeben. Bei Frauen wird er immer weich, da setzt sein Gehirn aus und er würde auf nichts mehr so richtig achten. Gut, also eine Frau! Was wollte sie von ihm? Hilfe? Ja, Raindri würde jedem verzweifelten Augenaufschlag eines weiblichen Wesens folgen. Sein Misstrauen wäre bei weiblicher Hilflosigkeit zunichte gemacht, so wie jeder klare Gedanke. Man lässt keinen Fremden in das Gebäude, schon gar nicht in unsere privaten Umkleideräumlichkeiten. Folglich muss es so in etwa sich abgespielt haben.
In Gedanken spiele ich das Szenario immer wieder durch. Hatte diese Frau, vielleicht eine Hilfe, die heimlich hinter ihr durch das offene Tor geschlüpft ist, beide sind Raindri dann gefolgt, während er die Frau versucht hat zu beschwichtigen. Sie sollte warten, während er sich umkleidet, was sie nicht getan hat. Er hat die Stiefel hingestellt, und den Umkleideraum verlassen.

Wieso? Hat sie gerufen?
Möglich ja. Aber was ist dann geschehen? Wie wurde er überwältigt? Warum? Von wem? Unzählige Fragen und ich weiß keine Antwort.
Ich weiß nicht einmal, wo er sich aufhalten könnte.
Wohin hat man ihn verschleppt? Lebt er überhaupt noch?
Ich bin erschöpft!
Was genau soll ich Morgen dem Oberst melden?
Hier stehen Raindris Stiefel, ja und ich bin darüber gestolpert und all das bedeutet, er wurde entführt? Ich sehe das Gesicht des Obersts vor mir, der mich anstarrt, mit viel Mühe sich beherrscht, mir kein Wort glaubt und wohl denkt, ich habe nun völlig den Verstand verloren. Da stehen Stiefel und sie spielt verrückt. Ich würde an seiner Stelle wohl auch so reagieren. Mein Sire genauso.
Also mit wem kann ich sprechen? Mehr erfahren? Genau genommen mit keinem. Keiner würde diese Angelegenheit ernst nehmen.
Was bedeuten schon einsame Stiefel, die im Ankleideraum im Weg stehen? Nichts oder?
Todmüde kehre ich zurück gen Residenz, entkleide mich und falle in einem Traum, der mir sämtliche Schreckensszenarien vorspielt in der Raindri sich eben befindet.
Niowe Adela Aireth

Ce la vie

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

15. Rabenmond 254

wie das Leben so spielt, bin ich gestern der Gräfin begegnet. Was nicht sonderlich außergewöhnlich ist, denn die Residenz meines Sires grenzt gleich an ihr Grundstück an. Was mit eher zu denken gegeben hat, waren ihre Worte. Worte, die zwar an mir abprallten wie der Sommerregen an Seerosenblättern, dennoch haben sie mir eine weitere Nuance ihrer Persönlichkeit gezeigt, die ich bereits kenne. Also auch nichts Außergewöhnliches. Alleine die Erwähnung meiner Kleiderfarbe, schien mir sehr unangebracht, aber ich nehme es so hin und werde jenes Rot, solange ich in Adoran verweile nicht mehr tragen, um ihren Unmut nicht zu erregen. Das liegt mir fern, denn ich mag sie auf eine eigenartige Art und Weise, die mit klarem Verstand nicht erklärbar ist. Aber dem ist so.
Natürlich habe ich das nicht in dem Gespräch mit der Gräfin erwähnt. Es wäre unangebracht gewesen und außerdem meine Angelegenheit, die eine Knappin gegenüber einer Gräfin nicht zu äußern hat. Zwar liebe ich diesen diesen dunklen Rotton sehr, denn er steht mir vorzüglich, wie Micheil zu Lebzeiten bereits bemerkt hatte. Was auch der Gräfin aufgefallen ist, und es sollte mir schmeicheln, wenn ich die Oberflächlichkeit besäße, dies zu tun. Ich nehme es hin, bin dankbar, mehr nicht. Ich werde mich hüten ein Wort darüber zu verlieren. Mag sein, dass ich, meinen Blauton in der Farbe des Sommerhimmels auch nicht mehr in Gegenwart der Gräfin in Betracht ziehen sollte, denn ich habe sehr wohl den Mantel, den sie getragen hat, in einer ähnlichen Farbe bemerkt. Es wäre nur unschicklich in ihrer Gegenwart dies zu tragen. Wie sehr ich in solchen Situationen Micheil vermisse, wurde mir gestern bei dem Gespräch klar. Ich habe dann geschickt dem Gespräch eine andere Wende gegeben und bin mir sicher, dass Erlaucht es bemerkt hat, aber meine Taktik beruhte auf der Tatsache, dass man dies nicht zu bemerken hat und vor allem niemals erwähnen würde. So war es auch. Ablenken und sich mit Disziplin und angemessener Höflichkeit zurücknehmen. Keinerlei Emotionen zeigen und schon gar nicht auf jene des Adels zu reagieren. Ich werde dem Hause meines Sires keine Schande bereiten, das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. Mein Verstand ist wachsam und klar, mein Mund spricht aber nur jenes aus, was dem Hochadel angemessen ist. Wie ich wirklich denke und fühle interessiert in diesen Momenten keinen. Anstand, Edelmut und vor allem Etikette, all das, was mir mein Sire beigebracht hat, sind gefragt. All das wird von einer Knappin seines Hauses auch vom Adel erwartet und all das bekommt er auch von mir. Im Laufe des Gesprächs mit der Gräfin, hat sich jenes bestätigt, was ich bereits mehrmals im Regiment beobachten durfte. Ich mag sie sehr, ja und ich kann nicht umhin zu sagen, ich schätze sie, dennoch verabscheue ich jene Züge der Machtgier, die sie immer mal mehr, mal weniger deutlich bei ihr hervor treten. Einen Zug, den ich für meinen Teil nicht sehr schätze. Das Spiel der Macht, noch dazu als Frau, ist gefährlich. Es ist leicht zu durchschauen, und darauf einzugehen. Aber immer bleibt die Frage dabei offen, wie lange lassen andere dies durchgehen? Zu Fall gebracht ist schnell jemand. Ich für meinen Teil, werde mich diesem Spiel des Adels nicht widmen. Ich habe mich den Tugenden meiner Herrin zu widmen und ich möchte meine Weiblichkeit und meinen Charme auch als Ritterin bewahren, denn ich bin und bleibe eine junge Frau. Auch wenn ich Kriegerin bin, es mein Handwerk ist und ich es täglich trainiere und erweitere, ich bleibe es.
Das sollst du in deinem zukünftigen Leben, niemals dein Wesen als Frau vergessen. Es gibt nichts Schlimmeres als Frauen, die meinen wie ein Mann handeln zu müssen, damit man sie in seiner der Welt anerkennt. Verleugne dich niemals, steht zu dem, was du bist!
Ich werde die Worte meines Vaters berücksichtigen. Zum Glück habe ich andere Werte im Leben und ich hoffe zutiefst, dass Temora jene für würdig erachtet. Ein Ritter, der nach Macht im Leben strebt ist kein Ritter. Die Tugenden, die meine Herrin vorgibt, jene gilt es anzustreben. Jeden Tag aufs Neue mit Demut, Anstand und Liebe. Nicht einfach sind jene Vorgaben, aber wie Diakon Aaron mir immer wieder ins Gewissen redet, mit Maß Niowe Adela. Alles mit Maß! Ich versuche seinen Rat zu befolgen die Balance in meinem Leben zu halten. Aus diesem Grunde werde ich mit Ende des Jahres das Regiment endgültig verlassen.
Nicht das Verschwinden des Gardisten Katuri trägt schuld daran, nicht die Vorgabe, dem Reich zu dienen, und zwar bestens und ohne Rücksicht auf eigenen Gram und Schmerz, nicht das ständige Machtspiel um die Kompetenzen im Regiment. Wie meinte die Gräfin zu mir gestern? Sie möchte keine Puppe haben, die zu allem ja und amen sagt.
Dies sind Worte des Hochadels. Im Grunde, wenn es, darum geht seine Meinung zu äußern, entsprechend der Wahrheit, wäre es äußerst unangemessen, peinlich und vermessen. Die Gräfin wäre die erste, die eine derartige Meinungsäußerung offiziell zwar nicht verurteilen aber sicherlich niemals vergessen würde, und später dann, in aller nach außen hin getragenen Maske der Höflichkeit handelt, so wie ihr es beliebt. So handelt der Hochadel, es wurde ihm von Geburt an in die Wiege gelegt. Also schweigt jeder oder gibt nichtssagende Schmeicheleien von sich im Sinne des Hochadels, zwar in anderen Worten, aber doch sind es jene, die vorgegeben werden. Niemand will es sich schließlich mit dem Adel verscherzen. Man schweigt, sonnt sich im Glanz des Hochadels und wartet ab, bis sich diese Angelegenheit von alleine erledigt hat, oder Personen zu Fall gebracht wurden. Das geschieht immer wieder und wird auch in Zukunft so sein. Das Spiel der Macht endet oftmals tödlich, dennoch findet es immer wieder begeisterte Mitspieler. Deutlich ist mir dies in den Sitzungen der Greifenrunde aufgefallen. Es ist einer der Vorteile eines Knappen ihnen beizuwohnen zu dürfen und Erfahrung zu sammeln, aber auch vieles unbemerkt zu beobachten. Kaum ist unsere hochgeschätzte Gräfin anwesend, werden Meinungen seitens der Ritter zurückgehalten, oder mit Schmeicheleien vorsichtig dargebracht, was in einer Runde ohne sie völlig anders ist. Besonders der Graf tut sich in ihrer Präsenz deutlich hervor. Ich kann nun ein wenig unseren Oberst verstehen, erkenne die Mängel im Regiment und kann nur ahnen wie schrecklich er, ein Krieger und Ritter des Reichs sich dabei fühlen muss. Entweder man dient dem Kornprinzen und dem Reich oder der Gräfin bzw. dem Grafen, beides geht nicht. Beides ist ein Ding der Unmöglichkeit als Ritter, der seinen Weg ernst nimmt. Der Oberst gehört dem Haushalt der Gräfin an, das macht alles noch viel schwieriger. Die Gräfin ist kein Ritter, kann daher auch in keinster Weise nachvollziehen, welch einen Balanceakt zwischen dem, was eigentlich seine Aufgabe wäre und dem, was man ihm anordnet, ein Ritter ihres Haushalts zu erfüllen hat. Ich kann mir vorstellen, dass dies seine Neutralität gegenüber Reichsangelegenheiten und auch dem Regiment gegenüber schwächt, es ihn beeinflusst. Die Gräfin ist eine wunderbare Frau, aber wenn es um ihre Macht und ihre Ziele geht, unbarmherzig und jeder der ihr dient, hat sich dem zu fügen.

Ich nicht. Ich habe damals vor dem Altar Temoras geschworen, Ihr, dem Kronprinz und dem Reich und meinem Sire zu dienen. Diesen Schwur halte ich und unter diesem Aspekt ist es meine Pflicht das Regiment zu verlassen. Natürlich werden mir Adoran und meine ehemaligen Kameraden weiterhin am Herzen liegen, aber ich gehe meinen Weg, so wie ich es Temora versprochen habe, und meine Versprechen halte ich. Unbeirrbar und aufrichtig mit Anstand, Würde und Mut dem dienen, dem ich geschworen habe, zu dienen.
Die Worte der Gräfin haben mich wach gerüttelt. Sei keine Puppe, die wenn mit der Peitsche geknallt wird, angekrochen kommt. Auch wenn ihre Worte mir gegenüber vermutlich nicht in diese Richtung tendiert haben, die ich einschlage. Morgen setze ich ein offizielles Schreiben auf und verkünde meinen Abschied aus dem Regiment.
Meine Rüstung, die ich eingebracht habe, schenke ich dem Regiment. Ich hoffe, es wird sich jemand von meiner Größe und Zierlichkeit finden, der sie einmal tragen kann und dem sie dient, wie sie einst mir gedient hat. Innerlich habe ich mich bereits distanziert, so sehr ich die Kameraden und den Oberst schätze und dies immer tun werde. Mein Konzept gehört dem Regiment. Ich möchte weder eine Belobigung noch Dank oder Erwähnung meines Namens in diesem Zusammenhang. Es war meine Pflicht dem Wunsch meines Obersts, der einem Befehl gleichzusetzen ist, zu entsprechen, und genau das habe ich getan. Sehr gerne. Die Lorbeeren kann ein anderer in Empfang nehmen. Mein sehnlichster Wunsch wäre, dass das Regiment einmal, in ferner Zukunft nur einem Herrn dient, einem, der die Struktur kennt, Befehle ausgibt und in Angelegenheiten die das Regiment betreffen alleiniger Ansprechpartner ist.
Mehrere Befehlshaber zerstören die innere Struktur des Regiments. Wie der Volksmund so schön sagt, zu viele Köche verderben den Brei. Das hatten wir des Öfteren bereits und auch die daraus resultierenden Niederlagen und Rückschläge.
Nach dem Ende meiner Knappenschaft werde ich Adoran verlassen, mir mit Erlaubnis meines Herzogs ein Zimmer in der Burg mieten und dort leben, bis ich mein eigenes Heim habe oder auch nicht. Vorab muss ich eine Angelegenheit, die mir am Herzen liegt, noch mit dem Mann, den ich liebe, klären.
Dies liegt alles noch in weiter Ferne. Das wichtige zuerst! Ich werde die Worte des Elfen beherzigen und nie vergessen.
Mein Ziel ist es eine Ritterin zu sein, die vor sich und Temora bestehen kann, hochgemut im Unglück, beständig all jenen gegenüber, die mir nahe sind, freigebig, tadellos im höfischen Geiste und ehrenfest in den Tugenden Temoras. An keinem ungerechten Streite teilhaben, keine unbilligen Dienste leisten, und für Unschuldige, wenn es Not tut, gerade zu stehen, im Kampf. Gehorsam meinem Kronprinzen und dem Herzog, meinem Lehensherr, gegenüber leisten, das Reich achten, kein ungerechtes Gut erwerben und ein unsträfliches Leben in Demut gegenüber Temora und Achtung vor den Menschen führen. All das will ich an der Seite meines zukünftigen Mannes erfüllen und an seiner Seite danach streben. Das macht in meinen Augen einen Ritter aus. War die Knappenschaft schon ein schwerer Weg, der mir so vieles versagte aber auch schenkte, was andere Menschen niemals akzeptieren würden, denn der Preis ist hoch, den man dafür zahlt. Für mich war er das wert, jeder Augenblick, jede Mühe, jeder Verzweiflung, jede Mahnung meines Ritters, jede einzelne Träne, die ich heimlich vergossen habe. Er war es wert, weil ich, nur ich, mit meinem Willen und der True zu meinem Sire diesen Weg eingeschlagen habe und ihn weiter gehen werde mit Stolz, gleichgültig welche Bürden und Schmerzen und heimliche Tränen , er noch bringen wird. Ich bin mir bewusst, dass die Ritterschaft um vieles noch schwerer sein wird. Aber ich werde meinen Weg mit einem Lächeln im Gesicht und mit Freude weiter beschreiten. Das ist mein Wille und so wird es auch sein, und dem Leitspruch meiner Familie folgend, wird Temoras Licht in tiefster Dunkelheit mir weiterhin Hoffnung geben und meinem Mut bewahren. Diesen Wunsch hege ich aus tiefstem Herzen.
Antworten