Knappin und Gardistin - Leben im Licht Temoras
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Niowe Adela Aireth
Begegnung mit dem Herzog
6. Ashatar 254
Endlich bin ich erneut meinem Herzog begegnet. Es war an der Zeit, denn ich musste ihm, so wie ich es immer tun würde, die Wahrheit Kund tun, den Namen des Mannes nennen, der mich liebt so wie ich ihn.
Er war sichtlich erfreut, was mich mit Erleichterung erfüllte, denn er ist mir fast wie ein Vater ans Herz gewachsen. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihm begegne. Mag sein, dass er so eine Art Vater Figur für mich ist, da mein leiblicher Vater tot ist und mir fehlt. Gerade jetzt, wo ich ihm mit stolz den Mann, den ich liebe, so gerne vorgeführt hätte. Aber die Freude meines Herzogs über diese Neuigkeit hat alles wett gemacht. Er hat mir sogar ein Kompliment gemacht, ich wäre eine Weide für das restliche Auge eines alten Mannes. Ich weiß genau, dass er dies ehrlich meint, und ja ich habe mich richtig darüber gefreut. Das muss wohl an der Liebe liegen, die mich verändert hat, die mich zum strahlen bringt, wenn ich an ihn denke. Ja, diese Liebe hat mich verändert, nicht nur äußerlich auch in meinem ganzen Wesen. Das sprach ich auch so gegenüber meinem Herzog aus.
Das muss an der Liebe liegen, herzogliche Hoheit.
Eine gute Wahl, wem Ihr Euer Herz schenkt, hat der Herzog gemeint und ich war überglücklich. Er ist der beste. Ich habe ihm dann erzählt, dass meine Liebe und ich unsere Liebe auf Vertrauen aufbauen. Wir lassen uns Zeit, denn die Zeit wird kommen, wo wir keine zeit dafür haben werden, dieser Pfeiler der Liebe fest stehen muss. Das fühlen wir beide unbewusst, daher ist uns dies auch so wichtig. Wichtiger als alles andere zurzeit.
Eure Nachricht heute, macht so einiges Wett, meinte der dann und ich war glücklich darüber ihm mit meinem Geständnis eine Freude bereitet zu haben. Überglücklich! Unsere Liebe hat das Wohlwollen des Herzogs gefunden. Ich muss es dem Mann, den ich liebe erzählen. Er wird sicherlich auch überglücklich darüber sein, wie ich ihn kenne.
Ich habe meinem Herzog dann über meinen Vater erzählt. Während ich erzähle, berührt es mich sehr ihn nicht mehr unter den Lebenden zu wissen, er fehlt mir. Jetzt, wo ich die Liebe meines Lebens gefunden habe, noch mehr. Das sonderbare ist, er ist mir nun nahe, wie noch nie. Geliebt habe ich ihn immer, seine Nähe immer wieder gesucht, und oftmals daran verzweifelt, wenn sie immer weiter weg von mir zu rücken schien. Dank Micheil, meinen ältesten Bruder, habe ich Nähe und Liebe nicht vermissen müssen. Heute und jetzt verstehe ich Vater nur zu gut. Und ja wie der Herzog mir gegenüber erwähnt hat, er hat mich geliebt. Ich weiß das heute mit Gewissheit, als Kind habe ich es nicht verstanden, nicht einmal dann, als er den Befehl gab ich solle fliehen.
Und wenn Ihr mir eines glauben könnte Fräulein Aireth, Euer Vater haut euch geliebt, meinte der Herzog zu mir.
Ja heute weiß ich es, ich hätte nicht anders als er gehandelt, damals verstand ich es nicht. Wie gerne würde ihm im das sagen, es erklären. Es ist zu spät.
Wir sprachen dann über dies und das und er äußerte kurz den Wunsch einmal unbeschwert zu sein, ein einfacher Mensch. Ich kann ihn verstehen, aber diesen Wunsch leider nicht erfüllen.
Ihr könnt in meiner Gegenwart immer unbeschwert sein, herzogliche Hoheit. Meine Lippen werden darüber versiegelt bleiben, denn ich achte und liebe Euch und ich würde Euch zu Krathor selber folgen, wenn es sein muss, was ich nicht erhoffe, aber ich würde es einfach tun.
Die Worte einer Ritterin, meinte er dann.
Es sind die meinen, herzogliche Hoheit, und darauf bin ich stolz, habe ich erwidert und er hat gelächelt. Er hat ein schönes Lächeln wie Vater es hatte. So vieles an meinem Herzog erinnert mich an ihn, und doch ist auch so manches anders. Ich bin überglücklich dass mein Herzog bei bester Gesundheit ist. Das soll auch so bleiben, damit die Herzogin noch viel von ihrem Mann für eine lange Lebensspanne hat. Wie Vater liebt er auch nur diese eine Frau, die Herzogin, sein Leben lang. Und wie er und auch Vater werde ich ihn, dem meine Liebe gehört, für immer lieben und zu ihm stehen.
Ich werde sicherlich nicht zu meinen Vorfahren gehen wollen, Fräulein Aireth, bevor ich Euren Stammhalter gesehen habe, meinte der Herzog dann. Gut das zu wissen, dann müssen wir das mit dem Stammhalter nach der Hochzeit noch lange hinauszögern, damit mein Herzog noch lange bei uns weilt, dachte ich. Ich will ihn nicht verlieren, so wie Vater und meine Brüder. Er ist Teil meines Lebens geworden. Sein Verlust würde mich sehr treffen.
Nach dem langen Gespräch haben wir uns verabschiedet und ich habe in meinen Gedanken Temora gebeten über ihn zu wachen, so wie ich alles in meiner Macht tun werde, um den Herzog und all jene, die ihm an seinem Herz liegen, zu behüten.
Endlich bin ich erneut meinem Herzog begegnet. Es war an der Zeit, denn ich musste ihm, so wie ich es immer tun würde, die Wahrheit Kund tun, den Namen des Mannes nennen, der mich liebt so wie ich ihn.
Er war sichtlich erfreut, was mich mit Erleichterung erfüllte, denn er ist mir fast wie ein Vater ans Herz gewachsen. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihm begegne. Mag sein, dass er so eine Art Vater Figur für mich ist, da mein leiblicher Vater tot ist und mir fehlt. Gerade jetzt, wo ich ihm mit stolz den Mann, den ich liebe, so gerne vorgeführt hätte. Aber die Freude meines Herzogs über diese Neuigkeit hat alles wett gemacht. Er hat mir sogar ein Kompliment gemacht, ich wäre eine Weide für das restliche Auge eines alten Mannes. Ich weiß genau, dass er dies ehrlich meint, und ja ich habe mich richtig darüber gefreut. Das muss wohl an der Liebe liegen, die mich verändert hat, die mich zum strahlen bringt, wenn ich an ihn denke. Ja, diese Liebe hat mich verändert, nicht nur äußerlich auch in meinem ganzen Wesen. Das sprach ich auch so gegenüber meinem Herzog aus.
Das muss an der Liebe liegen, herzogliche Hoheit.
Eine gute Wahl, wem Ihr Euer Herz schenkt, hat der Herzog gemeint und ich war überglücklich. Er ist der beste. Ich habe ihm dann erzählt, dass meine Liebe und ich unsere Liebe auf Vertrauen aufbauen. Wir lassen uns Zeit, denn die Zeit wird kommen, wo wir keine zeit dafür haben werden, dieser Pfeiler der Liebe fest stehen muss. Das fühlen wir beide unbewusst, daher ist uns dies auch so wichtig. Wichtiger als alles andere zurzeit.
Eure Nachricht heute, macht so einiges Wett, meinte der dann und ich war glücklich darüber ihm mit meinem Geständnis eine Freude bereitet zu haben. Überglücklich! Unsere Liebe hat das Wohlwollen des Herzogs gefunden. Ich muss es dem Mann, den ich liebe erzählen. Er wird sicherlich auch überglücklich darüber sein, wie ich ihn kenne.
Ich habe meinem Herzog dann über meinen Vater erzählt. Während ich erzähle, berührt es mich sehr ihn nicht mehr unter den Lebenden zu wissen, er fehlt mir. Jetzt, wo ich die Liebe meines Lebens gefunden habe, noch mehr. Das sonderbare ist, er ist mir nun nahe, wie noch nie. Geliebt habe ich ihn immer, seine Nähe immer wieder gesucht, und oftmals daran verzweifelt, wenn sie immer weiter weg von mir zu rücken schien. Dank Micheil, meinen ältesten Bruder, habe ich Nähe und Liebe nicht vermissen müssen. Heute und jetzt verstehe ich Vater nur zu gut. Und ja wie der Herzog mir gegenüber erwähnt hat, er hat mich geliebt. Ich weiß das heute mit Gewissheit, als Kind habe ich es nicht verstanden, nicht einmal dann, als er den Befehl gab ich solle fliehen.
Und wenn Ihr mir eines glauben könnte Fräulein Aireth, Euer Vater haut euch geliebt, meinte der Herzog zu mir.
Ja heute weiß ich es, ich hätte nicht anders als er gehandelt, damals verstand ich es nicht. Wie gerne würde ihm im das sagen, es erklären. Es ist zu spät.
Wir sprachen dann über dies und das und er äußerte kurz den Wunsch einmal unbeschwert zu sein, ein einfacher Mensch. Ich kann ihn verstehen, aber diesen Wunsch leider nicht erfüllen.
Ihr könnt in meiner Gegenwart immer unbeschwert sein, herzogliche Hoheit. Meine Lippen werden darüber versiegelt bleiben, denn ich achte und liebe Euch und ich würde Euch zu Krathor selber folgen, wenn es sein muss, was ich nicht erhoffe, aber ich würde es einfach tun.
Die Worte einer Ritterin, meinte er dann.
Es sind die meinen, herzogliche Hoheit, und darauf bin ich stolz, habe ich erwidert und er hat gelächelt. Er hat ein schönes Lächeln wie Vater es hatte. So vieles an meinem Herzog erinnert mich an ihn, und doch ist auch so manches anders. Ich bin überglücklich dass mein Herzog bei bester Gesundheit ist. Das soll auch so bleiben, damit die Herzogin noch viel von ihrem Mann für eine lange Lebensspanne hat. Wie Vater liebt er auch nur diese eine Frau, die Herzogin, sein Leben lang. Und wie er und auch Vater werde ich ihn, dem meine Liebe gehört, für immer lieben und zu ihm stehen.
Ich werde sicherlich nicht zu meinen Vorfahren gehen wollen, Fräulein Aireth, bevor ich Euren Stammhalter gesehen habe, meinte der Herzog dann. Gut das zu wissen, dann müssen wir das mit dem Stammhalter nach der Hochzeit noch lange hinauszögern, damit mein Herzog noch lange bei uns weilt, dachte ich. Ich will ihn nicht verlieren, so wie Vater und meine Brüder. Er ist Teil meines Lebens geworden. Sein Verlust würde mich sehr treffen.
Nach dem langen Gespräch haben wir uns verabschiedet und ich habe in meinen Gedanken Temora gebeten über ihn zu wachen, so wie ich alles in meiner Macht tun werde, um den Herzog und all jene, die ihm an seinem Herz liegen, zu behüten.
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Niowe Adela Aireth
Umbau in der Residenz
12. Ashatar 254
Entsetzlich wie es im Haus aussieht. Die Handwerker haben richtig gewütet. Nichts ist so geblieben wie es war. Ich bin schon glücklich am Morgen meinen Tee auf meinem Balkon einnehmen zu können, wo der einzige Tisch des Hauses steht. Alle anderen Tische und Stühle wurden in einem Raum weggesperrt, damit sie bei den Umbauarbeiten nicht beschädigt werden. Es steht eigentlich nichts mehr im Haus, nur der Schreibtisch, aber der ist vollgeladen mit Papieren und Bücher von meinem Sire und mir. Auch die Küche wurde in alle Einzelteile zerlegt. Mein Sire wird umfallen, wenn er das alles sieht. Wenigstens steht noch ein Stuhl im Kaminzimmer, darauf kann sich wenigsten mein Sire dann fallen lassen, wenn er das alles sieht. Mein Bett gibt es auch nicht mehr, es wurde zerlegt. Nur meine Blumen stehen noch in meinem Zimmer und duften und gedeihen so als wäre nichts geschehen. Ich habe mir eine Matratze auf den Boden gelegt, darauf schlafen ich und meine Hunde, die wie gewohnt des Nachts zu mir kommen.
Die Hunde ins unruhig, wenigstens der kleine Welpe und Amra haben ihre Ruhe in meinem Zimmer.
Früh am Morgen nehme ich sie mit zum See, damit sie zusammen mit mir laufen. Das tut uns allen gut.
Danach setzte ich mein Training fort, während die Hunde schlafen.
Wie gewohnt setzte ich die alltäglichen Arbeit und Aufgaben einer Knappin fort. Ich lasse mich einfach nicht aus der Ruhe bringen. Rüstungen und Schwerter sind bestens gepflegt und strahlen vor Sauberkeit. Mein Sire wird froh darüber sein, wenn er von der Reise zurück kehrt. Ob er glücklich über die Arbeiten in der Residenz sein wird, bleibt unklar. Wir werden sehen.
Spät gen Abend bin ich dann nochmals zum Training aufgebrochen, dabei sind mir Leute des Ordens begegnet. Ich habe sie ein wenig beobachtet, blieb ihnen aber fern, damit sie ohne Störung ihr gemeinsames Trainig fortsetzen konnten. Kein einziges Wort sprachen sie. Sonderbar. Also wenn ich zusammen mit meinem Sire unterwegs bin, sprechen wir immer. Meist ich zwar, aber immerhin.
Vielleicht haben sie ein Schweigegelübte abgelegt? Ich bin mir da nicht im Klaren. Gerne hätte ich einige Worte mit der Schneiderin Alexa gewechselt, aber besser nicht hier, dachte ich. Kein günstiger Zeitpunkt und ein noch weniger geeigneter Ort dafür. Vielleicht wäre es den anderen des Ordens auch nicht recht gewesen. Also habe ich auch geschweigen und mich entfernt von der Gruppe. Ich komme gut alleine zurecht.
Nach dem Training bin ich dann nochmals mit den Hunden um den See gelaufen in der Abenddämmerung. Den Wachhund habe ich auch mitgenommen, damit er auch ein wenig Bewegung bekommt. SO sind wir zu viert um den See viele Male herum gelaufen. Hätte er uns jemand dabei beobachtet, er hätte es sicherlich Angst bekommen. Wie eine wilde Horde sind wir da herum gelaufen. Ein Mensch zusammen mit drei wilden Hunden, die voller Begeisterung bellten. In der Residenz habe ich sie dann noch mit einer Ration Fleisch und kaltem, frischen Wasser versorgt. Danach haben sich Amra zusammen mit dem Welpen in den Korb zurückgezogen und geschlafen. Der Wachhund verblieb wie gewohnt beim Eingang und hat die Tür bewacht.
Nachdem ich wie üblich die Laternen im Garten mit dem Span entzündet habe, begab ich mich auch dann zur Ruhe.
Morgen muss ich nach Ira sehen. Ich hoffe es ist alles in Ordnung mit ihr, Allerich und Raindri.
Entsetzlich wie es im Haus aussieht. Die Handwerker haben richtig gewütet. Nichts ist so geblieben wie es war. Ich bin schon glücklich am Morgen meinen Tee auf meinem Balkon einnehmen zu können, wo der einzige Tisch des Hauses steht. Alle anderen Tische und Stühle wurden in einem Raum weggesperrt, damit sie bei den Umbauarbeiten nicht beschädigt werden. Es steht eigentlich nichts mehr im Haus, nur der Schreibtisch, aber der ist vollgeladen mit Papieren und Bücher von meinem Sire und mir. Auch die Küche wurde in alle Einzelteile zerlegt. Mein Sire wird umfallen, wenn er das alles sieht. Wenigstens steht noch ein Stuhl im Kaminzimmer, darauf kann sich wenigsten mein Sire dann fallen lassen, wenn er das alles sieht. Mein Bett gibt es auch nicht mehr, es wurde zerlegt. Nur meine Blumen stehen noch in meinem Zimmer und duften und gedeihen so als wäre nichts geschehen. Ich habe mir eine Matratze auf den Boden gelegt, darauf schlafen ich und meine Hunde, die wie gewohnt des Nachts zu mir kommen.
Die Hunde ins unruhig, wenigstens der kleine Welpe und Amra haben ihre Ruhe in meinem Zimmer.
Früh am Morgen nehme ich sie mit zum See, damit sie zusammen mit mir laufen. Das tut uns allen gut.
Danach setzte ich mein Training fort, während die Hunde schlafen.
Wie gewohnt setzte ich die alltäglichen Arbeit und Aufgaben einer Knappin fort. Ich lasse mich einfach nicht aus der Ruhe bringen. Rüstungen und Schwerter sind bestens gepflegt und strahlen vor Sauberkeit. Mein Sire wird froh darüber sein, wenn er von der Reise zurück kehrt. Ob er glücklich über die Arbeiten in der Residenz sein wird, bleibt unklar. Wir werden sehen.
Spät gen Abend bin ich dann nochmals zum Training aufgebrochen, dabei sind mir Leute des Ordens begegnet. Ich habe sie ein wenig beobachtet, blieb ihnen aber fern, damit sie ohne Störung ihr gemeinsames Trainig fortsetzen konnten. Kein einziges Wort sprachen sie. Sonderbar. Also wenn ich zusammen mit meinem Sire unterwegs bin, sprechen wir immer. Meist ich zwar, aber immerhin.
Vielleicht haben sie ein Schweigegelübte abgelegt? Ich bin mir da nicht im Klaren. Gerne hätte ich einige Worte mit der Schneiderin Alexa gewechselt, aber besser nicht hier, dachte ich. Kein günstiger Zeitpunkt und ein noch weniger geeigneter Ort dafür. Vielleicht wäre es den anderen des Ordens auch nicht recht gewesen. Also habe ich auch geschweigen und mich entfernt von der Gruppe. Ich komme gut alleine zurecht.
Nach dem Training bin ich dann nochmals mit den Hunden um den See gelaufen in der Abenddämmerung. Den Wachhund habe ich auch mitgenommen, damit er auch ein wenig Bewegung bekommt. SO sind wir zu viert um den See viele Male herum gelaufen. Hätte er uns jemand dabei beobachtet, er hätte es sicherlich Angst bekommen. Wie eine wilde Horde sind wir da herum gelaufen. Ein Mensch zusammen mit drei wilden Hunden, die voller Begeisterung bellten. In der Residenz habe ich sie dann noch mit einer Ration Fleisch und kaltem, frischen Wasser versorgt. Danach haben sich Amra zusammen mit dem Welpen in den Korb zurückgezogen und geschlafen. Der Wachhund verblieb wie gewohnt beim Eingang und hat die Tür bewacht.
Nachdem ich wie üblich die Laternen im Garten mit dem Span entzündet habe, begab ich mich auch dann zur Ruhe.
Morgen muss ich nach Ira sehen. Ich hoffe es ist alles in Ordnung mit ihr, Allerich und Raindri.
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Niowe Adela Aireth
Mein Sire ist zurück
13. Ashatar 254
Ich war wirklich erstaunt meinen Sire da stehen zu sehen. Nicht direkt gut gelaunt und sonderbarer Weise noch ein wenig verwirrter als zuvor. Eigentlich dachte ich, er kommt entspannt von der Reise zurück. Vielleicht hat ihm der Zustand der Residenz einen Schock versetzt.
Willkommen zurück Sire, meinte ich, dabei habe ich ihn gemustert. Etwas stimmt nicht an ihm. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass er eine zeitlang weg war, und ich mich an ihn wieder gewöhnen muss.
Ich habe dann nur kurz erwähnt, dass sich das Haus in einem Zustand der gähnenden Leere befindet, was er wohl bemerkt hat, und die Hunde entsetzlich nervös waren.
Ja, eingerissen haben sie hier viel, meinte mein Sire nur. Viel? Das ist ein wenig zu schwach. Eine Wüste sieht einladender aus, als die Residenz meines Sires derzeit.
Um ihn ein wenig abzulenken habe ich ihn nach seiner Reise höflich gefragt.
Ich kann auf einem Schiff nicht entspannen, Niowe.
Sonderbar ich kann es. Sogar im Sturm halte ich es auf einem Schiff aus. Im Gegenteil der hohe Wellengang dann fasziniert mich.
Ein wenig Schonung wäre angebracht Sire! Was ich damit eigentlich meinte, war, ruht Euch aus Sire, Morgen ist auch noch ein Tag, da kann man einiges erledigen, wie Möbel aus dem Stauraum holen, die Küche instand setzen, und noch einiges mehr.
Sobald die Reise weiter geht als bis Menekur bin ich Seekrank, meinte mein Sire dann. Mein Sire tut mir leid. Ich war auf der Reise hierher in meine neue Heimat wochenlang auf einem Schiff, und es hat mich keineswegs gestört. Ich habe es richtig genossen. Das tat ich auch strahlend meinem Sire kund.
Ich will es mir besser nicht vorstellen, Niowe! Er ist heute seltsam in meinen Augen, ich weiß nicht woran es liegt, aber er wirkt überhaupt nicht locker und vergnügt wie früher. Ich habe dann noch das Thema mit dem Raben erwähnt, der mir leider entwischt ist. Den Gardisten habe ich oben an der Wehr die Leviten gelesen. Der Befehl des Obersts gilt noch immer, jeden Raben der zum Tor von Adoran herein flattert, töten. Das haben sie wohl vergessen! Jedenfalls heute nicht mehr, denn ich habe sie darauf aufmerksam gemacht. Berührt hat diese Schilderung meinen Sire nicht sonderlich.
Niowe, du wechselst so schnell das Thema, dass ich irgendwo zwischen Reise und Rabe stehen geblieben bin!
Ich versuche doch nur alles, was wichtig wäre, anzureißen Sire! Sonderbar, sonst konnte ich ihm diverses an einem Stück erzählen und er hat den Faden nicht verloren.
Verzeiht dem Ungestüm der Jugend, Sire, habe ich dann gesagt. Ich wollte ja nicht noch mehr zu seiner allgemeinen Verwirrung beitragen.
Ja, und du die Trägheit der Alten, Niowe.
Eine Laune hat mein Sire! Wenn das nur gutgeht. Ich frage mich wieso er ständig nun auf sein Alter hinweist? Mag sein, dass dies mit seiner Reise zusammen hängt? Vielleicht hat man ihn des Öfteren darauf hingewiesen? Wobei das kann ich mir nicht vorstellen eigentlich. Üblicherweise
schmeichelt man doch einem Ritter. Sehr sonderbar das alles!
Während mein Sire noch ein wenig zusammen mit der Dienerschaft das Mobiliar hin und her geschoben hat, habe ich mich angeboten mitzuhelfen. Was mein Sire entschieden abgelehnt hat.
Ihr solltet Euch ein wenig schonen, Sire, habe ich ein wenig beunruhigt eingebracht. Was er wohl dann auch vor hatte.
Nachdem hier, Niowe, werde ich mich zur Ruhe begeben.Mit den Worten:“Ich wünsche dann später Euch noch eine Angenehme Nachtruhe Sire!“, habe ich mich mit einer angemessenen Verneigung verabschiedet. Ich hoffe mein Sire kehrt bald in seinen alten Zustand zurück, sonst bin ich diejenige, die sehr verwirrt wäre.
Jedenfalls ist es wunderbar ihn wohlbehalten zurück zu haben, mit oder ohne Verwirrung, das ist gleichgültig. Hauptsache, er ist da und wohlauf!
Ich war wirklich erstaunt meinen Sire da stehen zu sehen. Nicht direkt gut gelaunt und sonderbarer Weise noch ein wenig verwirrter als zuvor. Eigentlich dachte ich, er kommt entspannt von der Reise zurück. Vielleicht hat ihm der Zustand der Residenz einen Schock versetzt.
Willkommen zurück Sire, meinte ich, dabei habe ich ihn gemustert. Etwas stimmt nicht an ihm. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass er eine zeitlang weg war, und ich mich an ihn wieder gewöhnen muss.
Ich habe dann nur kurz erwähnt, dass sich das Haus in einem Zustand der gähnenden Leere befindet, was er wohl bemerkt hat, und die Hunde entsetzlich nervös waren.
Ja, eingerissen haben sie hier viel, meinte mein Sire nur. Viel? Das ist ein wenig zu schwach. Eine Wüste sieht einladender aus, als die Residenz meines Sires derzeit.
Um ihn ein wenig abzulenken habe ich ihn nach seiner Reise höflich gefragt.
Ich kann auf einem Schiff nicht entspannen, Niowe.
Sonderbar ich kann es. Sogar im Sturm halte ich es auf einem Schiff aus. Im Gegenteil der hohe Wellengang dann fasziniert mich.
Ein wenig Schonung wäre angebracht Sire! Was ich damit eigentlich meinte, war, ruht Euch aus Sire, Morgen ist auch noch ein Tag, da kann man einiges erledigen, wie Möbel aus dem Stauraum holen, die Küche instand setzen, und noch einiges mehr.
Sobald die Reise weiter geht als bis Menekur bin ich Seekrank, meinte mein Sire dann. Mein Sire tut mir leid. Ich war auf der Reise hierher in meine neue Heimat wochenlang auf einem Schiff, und es hat mich keineswegs gestört. Ich habe es richtig genossen. Das tat ich auch strahlend meinem Sire kund.
Ich will es mir besser nicht vorstellen, Niowe! Er ist heute seltsam in meinen Augen, ich weiß nicht woran es liegt, aber er wirkt überhaupt nicht locker und vergnügt wie früher. Ich habe dann noch das Thema mit dem Raben erwähnt, der mir leider entwischt ist. Den Gardisten habe ich oben an der Wehr die Leviten gelesen. Der Befehl des Obersts gilt noch immer, jeden Raben der zum Tor von Adoran herein flattert, töten. Das haben sie wohl vergessen! Jedenfalls heute nicht mehr, denn ich habe sie darauf aufmerksam gemacht. Berührt hat diese Schilderung meinen Sire nicht sonderlich.
Niowe, du wechselst so schnell das Thema, dass ich irgendwo zwischen Reise und Rabe stehen geblieben bin!
Ich versuche doch nur alles, was wichtig wäre, anzureißen Sire! Sonderbar, sonst konnte ich ihm diverses an einem Stück erzählen und er hat den Faden nicht verloren.
Verzeiht dem Ungestüm der Jugend, Sire, habe ich dann gesagt. Ich wollte ja nicht noch mehr zu seiner allgemeinen Verwirrung beitragen.
Ja, und du die Trägheit der Alten, Niowe.
Eine Laune hat mein Sire! Wenn das nur gutgeht. Ich frage mich wieso er ständig nun auf sein Alter hinweist? Mag sein, dass dies mit seiner Reise zusammen hängt? Vielleicht hat man ihn des Öfteren darauf hingewiesen? Wobei das kann ich mir nicht vorstellen eigentlich. Üblicherweise
schmeichelt man doch einem Ritter. Sehr sonderbar das alles!
Während mein Sire noch ein wenig zusammen mit der Dienerschaft das Mobiliar hin und her geschoben hat, habe ich mich angeboten mitzuhelfen. Was mein Sire entschieden abgelehnt hat.
Ihr solltet Euch ein wenig schonen, Sire, habe ich ein wenig beunruhigt eingebracht. Was er wohl dann auch vor hatte.
Nachdem hier, Niowe, werde ich mich zur Ruhe begeben.Mit den Worten:“Ich wünsche dann später Euch noch eine Angenehme Nachtruhe Sire!“, habe ich mich mit einer angemessenen Verneigung verabschiedet. Ich hoffe mein Sire kehrt bald in seinen alten Zustand zurück, sonst bin ich diejenige, die sehr verwirrt wäre.
Jedenfalls ist es wunderbar ihn wohlbehalten zurück zu haben, mit oder ohne Verwirrung, das ist gleichgültig. Hauptsache, er ist da und wohlauf!
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Niowe Adela Aireth
Erkankt
17. Ashatar 254
Verdammt es geht mir übel. Inzwischen kenne ich die Anzeichen zur Genüge. Was mich am meisten ärgert, ist dass ich es bereits das zweite Male diese Woche hatte. Lungenpest. Zuerst wird mir übel, dann schwindelig, der Husten wird immer schlimmer und es wird mir schwarz vor Augen. Zum Glück habe ich genügend Medikamente und Heiltees. Was mich besonders aufgewühlt hat, ist dass er just in dem Augenblick kam, als es mir besonders schlecht ging. Ich habe mich um ein wenig auszurasten in Raindris Hängematte gelegt, weil die Brustschmerzen mir die Luft zum Atmen nahmen. Da stand er da. Er kennt inzwischen meine Vorlieben. Ich glaube er würde mich überall finden. Es tut gut seine Liebe zu spüren. Jedes mal aufs neue, wenn er mich ansieht und berührt, geht es mir gut. Wie hat der Herzog gesagt?
Ein aufrechter und ehrenhafter Mann! Das ist er und viel mehr noch. All das, was ich schätze und liebe, ist in ihm vereint.
Ich setze meinen Fuß in deine Spur,
dass im Abdruck wir uns finden!
Doch verschmelzen sie uns nur,
wenn im Wasser sie verschwinden
Gerade jetzt wäre ich ihm lieber nicht begegnet. Ich muss einen jämmerlichen Anblick dargeboten haben. Es scheint ihm nichts auszumachen, im Gegenteil trotz meiner Warnung mir noch fern zu bleiben, bis die Wirkung der Heiltränke einsetzt, hauchte er einfach einen Kuss auf meine Stirn. Er hat mein Geschenk gefunden und die Freude kann ich in dem Glanz seiner Augen erkennen. Es ist ein besonderes Geschenk, etwas, das einzigartig auf dieser Welt ist und nur für ihn gedacht und gemacht wurde. Ich denke er sogleich den Sinn dieses Geschenks begriffen. Etwas, was nur wir beide wissen und es wird unser Geheimnis bleiben.
Er hat mich dann wie immer zurück in die Residenz begleitet und mir das Versprechen abgenommen den Heiltrank nochmals einzunehmen und dann schlafen zu gehen. Während wir da beide standen und die Blicke voneinander nicht lösen konnten, ist mein Sire vorbeigestürmt. Unsere angemessene Begrüßung hat er kaum wahrgenommen, und uns nur:“ Guten Abend ihr zwei! zugeworfen und weg war er. Er wird immer sonderbarer, das fanden wir beide.
Er ist hektisch und verwirrt, meinte ich dann.
Das wird schon, Niowe.
Meinst du er hat diese Männerkrise, die in seinem Alter bei vielen in Erscheinung tritt? Besorgt habe ich ihn dabei angesehen.
Gibt es dagegen ein Heilmittel? An seinem Schmunzeln habe ich erkannt, nein das gibt es nicht.
Da hilft wohl nur abwarten, meinte er dann.
Gut dann warten wir ab. Sollte sich das aber verschlimmern, dann werde ich Ma0nahmen treffen, das ist gewiss. Ich werde jedenfalls genau das weitere Verhalten meines Sires in aller Stille beobachten. Ich habe dann mein Versprechen nach einer zärtlichen Verabschiedung von ihm gehalten, meinen Trank eingenommen, den Heiltee hinter her und bin schlafen gegangen. Morgen geht es mir sicherlich viel besser.
Verdammt es geht mir übel. Inzwischen kenne ich die Anzeichen zur Genüge. Was mich am meisten ärgert, ist dass ich es bereits das zweite Male diese Woche hatte. Lungenpest. Zuerst wird mir übel, dann schwindelig, der Husten wird immer schlimmer und es wird mir schwarz vor Augen. Zum Glück habe ich genügend Medikamente und Heiltees. Was mich besonders aufgewühlt hat, ist dass er just in dem Augenblick kam, als es mir besonders schlecht ging. Ich habe mich um ein wenig auszurasten in Raindris Hängematte gelegt, weil die Brustschmerzen mir die Luft zum Atmen nahmen. Da stand er da. Er kennt inzwischen meine Vorlieben. Ich glaube er würde mich überall finden. Es tut gut seine Liebe zu spüren. Jedes mal aufs neue, wenn er mich ansieht und berührt, geht es mir gut. Wie hat der Herzog gesagt?
Ein aufrechter und ehrenhafter Mann! Das ist er und viel mehr noch. All das, was ich schätze und liebe, ist in ihm vereint.
Ich setze meinen Fuß in deine Spur,
dass im Abdruck wir uns finden!
Doch verschmelzen sie uns nur,
wenn im Wasser sie verschwinden
Gerade jetzt wäre ich ihm lieber nicht begegnet. Ich muss einen jämmerlichen Anblick dargeboten haben. Es scheint ihm nichts auszumachen, im Gegenteil trotz meiner Warnung mir noch fern zu bleiben, bis die Wirkung der Heiltränke einsetzt, hauchte er einfach einen Kuss auf meine Stirn. Er hat mein Geschenk gefunden und die Freude kann ich in dem Glanz seiner Augen erkennen. Es ist ein besonderes Geschenk, etwas, das einzigartig auf dieser Welt ist und nur für ihn gedacht und gemacht wurde. Ich denke er sogleich den Sinn dieses Geschenks begriffen. Etwas, was nur wir beide wissen und es wird unser Geheimnis bleiben.
Er hat mich dann wie immer zurück in die Residenz begleitet und mir das Versprechen abgenommen den Heiltrank nochmals einzunehmen und dann schlafen zu gehen. Während wir da beide standen und die Blicke voneinander nicht lösen konnten, ist mein Sire vorbeigestürmt. Unsere angemessene Begrüßung hat er kaum wahrgenommen, und uns nur:“ Guten Abend ihr zwei! zugeworfen und weg war er. Er wird immer sonderbarer, das fanden wir beide.
Er ist hektisch und verwirrt, meinte ich dann.
Das wird schon, Niowe.
Meinst du er hat diese Männerkrise, die in seinem Alter bei vielen in Erscheinung tritt? Besorgt habe ich ihn dabei angesehen.
Gibt es dagegen ein Heilmittel? An seinem Schmunzeln habe ich erkannt, nein das gibt es nicht.
Da hilft wohl nur abwarten, meinte er dann.
Gut dann warten wir ab. Sollte sich das aber verschlimmern, dann werde ich Ma0nahmen treffen, das ist gewiss. Ich werde jedenfalls genau das weitere Verhalten meines Sires in aller Stille beobachten. Ich habe dann mein Versprechen nach einer zärtlichen Verabschiedung von ihm gehalten, meinen Trank eingenommen, den Heiltee hinter her und bin schlafen gegangen. Morgen geht es mir sicherlich viel besser.
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Niowe Adela Aireth
Mein Sire vergisst so vieles
21. Ashatar 254
Ich sitze da und betrachte meine Knappenrüstung. Wie vertraut ist sie mir geworden. Jede einzelne Kette erzählt eine Geschichte. Viele sind es im Lauf der Zeit geworden. Unzählige Qualen bedeuten sie aber auch Freude als es mit dem Training langsam voran ging. Nun sagt mein Sire ich kann meine Plattenrüstung tragen bis auf den Brustpanzer. Es widerstrebt mir. Ich bin Knappin und ich habe ihm einst geschworen diese Kette zu tragen. Es tut weh, dass er das vergessen hat. Aber ich nicht! Ich halte an diesem Schwur fest. Kette als Knappin es sei denn in Schlachten oder wenn ich dem Regiment diene, das sind die einzigen Ausnahmen, die er mir damals gestattet hat. Ich kann nicht anders. Schwüre sind für mich gültig. Ich habe ihn damals vor dem Altar Temoras in der Kirche ausgesprochen und halte mich daran. Wie wenig kennt mein Sire mich eigentlich, sonst hätte er das nie ausgesprochen. Meine Familie hat bis zu ihrem Tode den Schwur, den sie damals dem König meiner Heimat gegeben haben, besiegelt und gehalten. Sie haben das Grenzland meine Heimat bis zum Tode verteidigt. Wie sie einst, halte ich an meinem Schwur fest, den ich meinem Sire damals gegeben habe. Mein Sire würde es Sturheit nennen, ich hingegen nenne es Aufrichtigkeit und Standfestigkeit.
Ich möchte, dass du bis zu deinem Ritterschlag deine Rüstung ergänzt, Niowe. Diese Worte haben mich hart getroffen. Sie taten weh.
Was ist mit meinem Schwur Sire? , wollte ich sagen, tat es aber nicht.
Außer der Brustplatte möchte ich dass du alle Teile trägst! Ich kann nicht! Dabei laufen mir Tränen über die Wangen während meine Finger die Kette berühren. Es geht nicht! Ich werde weiterhin im Training das tragen, was ich damals kniend besiegelt habe. Nichts anderes! Egal was da auf mich zukommen mag in den Tiefen der Höhlen. Ich bin die Tochter meines Vaters.
Mein Herzog hat einmal angedeutet, dass er meinen Vater und meine Brüder gerne kennengelernt hätte. Leider kann ich diesem Wunsch nicht nachkommen. Sie sind tot.
Gesunde Wurzeln tragen einen gesunden Stamm, meinte er zu mir. Ich weiß genau was er damit andeuten wollte. Das ist auch der Grund weshalb ich meine Kettenrüstung weiterhin tragen werde als Knappin. Nichts anderes steht mir zu, auch wenn mein Sire anderer Meinung nun ist. Ich bin ihm nicht böse, seine Gedanken verweilen wohl bei seiner Verlobten, was auch richtig so ist. Endlich ist eine Frau ins sein Leben getreten. Die Hochedle wird sicherlich eine gute Stiefmutter von Marie Elisabeth sein. Mein Sire hat nun bald ein neues Eheweib und ich muss sein Heim verlassen.
Ich habe noch nicht mit dem Herzog darüber gesprochen, aber das werde ich noch tun. Er ist mein Lehnsherr und ich diene ihm. Eine meiner Aufgaben wird es sein ihm und all jene, die er liebt zu behüten. Das heißt ich werde in Zukunft in seiner Nähe leben, wo immer das sein mag. Bis zum Frühjahr habe ich Zeit mir eine neue Bleibe zu suchen, dann gedenkt mein Sire zu heiraten. Also habe ich noch genügend Zeit mit meinem Herzog darüber zu sprechen und seine Meinung dazu zu erfahren. Mein Sire meinte dann, dass ich mit dem Mann, den ich liebe auch darüber sprechen sollte. Wie bitte? Mein Sire hat mir einst klar gemacht, dass es in der Knappenzeit weder eine angemessene Werbung gar nicht zu sprechen von einer Verlobung gibt. Beides ist für mich undenkbar, und eigentlich hätte er es nicht erwähnen müssen. Jetzt will mein Sire, dass ich über meine Zukunftspläne mit jenem spreche, den ich liebe? Was soll das? Wir beide haben uns Reinheit bis zu dem Tage unserer Hochzeit geschworen, bis jene kommt, vergehen vielleicht Jahre. Wer weiß das schon! Wieso sollte ich da mit dem Mann, dem mein Herz gehört Zukunftspläne machen?
Nicht, dass er andere Ziele im Kopf dann hat, Niowe. Er wirbt nicht Sire, weil dies ihm untersagt ist derzeit und wir sind auch nicht verlobt, was aus dem gleichen Grund nicht sein darf.
Es gibt als Knappin nichts zu bereden, Sire.
Nun, welche Pläne man für die Zukunft hat schon, Niowe!
Wie gesagt Sire… Pläne darüber haben Knappen nicht zu bereden, es sein denn, es wären Schlachtpläne!, habe ich ernst in aller Deutlichkeit ausgesprochen. Mein Sire hat nur geschmunzelt, ich habe keine Ahnung weshalb.
Während ich meine Kettenrüstung noch betrachte, gehe ich in Gedanken mein Morgiges Training durch. Die Kriegsaxt. Ich werde mich nun langsam an sie gewöhnen. Mit dem Schwert bin ich nun bestens vertraut. Ich bin gespannt, wie ich morgen damit umgehen werde, natürlich in meiner Kettenrüstung. Was sonst!
Ich sitze da und betrachte meine Knappenrüstung. Wie vertraut ist sie mir geworden. Jede einzelne Kette erzählt eine Geschichte. Viele sind es im Lauf der Zeit geworden. Unzählige Qualen bedeuten sie aber auch Freude als es mit dem Training langsam voran ging. Nun sagt mein Sire ich kann meine Plattenrüstung tragen bis auf den Brustpanzer. Es widerstrebt mir. Ich bin Knappin und ich habe ihm einst geschworen diese Kette zu tragen. Es tut weh, dass er das vergessen hat. Aber ich nicht! Ich halte an diesem Schwur fest. Kette als Knappin es sei denn in Schlachten oder wenn ich dem Regiment diene, das sind die einzigen Ausnahmen, die er mir damals gestattet hat. Ich kann nicht anders. Schwüre sind für mich gültig. Ich habe ihn damals vor dem Altar Temoras in der Kirche ausgesprochen und halte mich daran. Wie wenig kennt mein Sire mich eigentlich, sonst hätte er das nie ausgesprochen. Meine Familie hat bis zu ihrem Tode den Schwur, den sie damals dem König meiner Heimat gegeben haben, besiegelt und gehalten. Sie haben das Grenzland meine Heimat bis zum Tode verteidigt. Wie sie einst, halte ich an meinem Schwur fest, den ich meinem Sire damals gegeben habe. Mein Sire würde es Sturheit nennen, ich hingegen nenne es Aufrichtigkeit und Standfestigkeit.
Ich möchte, dass du bis zu deinem Ritterschlag deine Rüstung ergänzt, Niowe. Diese Worte haben mich hart getroffen. Sie taten weh.
Was ist mit meinem Schwur Sire? , wollte ich sagen, tat es aber nicht.
Außer der Brustplatte möchte ich dass du alle Teile trägst! Ich kann nicht! Dabei laufen mir Tränen über die Wangen während meine Finger die Kette berühren. Es geht nicht! Ich werde weiterhin im Training das tragen, was ich damals kniend besiegelt habe. Nichts anderes! Egal was da auf mich zukommen mag in den Tiefen der Höhlen. Ich bin die Tochter meines Vaters.
Mein Herzog hat einmal angedeutet, dass er meinen Vater und meine Brüder gerne kennengelernt hätte. Leider kann ich diesem Wunsch nicht nachkommen. Sie sind tot.
Gesunde Wurzeln tragen einen gesunden Stamm, meinte er zu mir. Ich weiß genau was er damit andeuten wollte. Das ist auch der Grund weshalb ich meine Kettenrüstung weiterhin tragen werde als Knappin. Nichts anderes steht mir zu, auch wenn mein Sire anderer Meinung nun ist. Ich bin ihm nicht böse, seine Gedanken verweilen wohl bei seiner Verlobten, was auch richtig so ist. Endlich ist eine Frau ins sein Leben getreten. Die Hochedle wird sicherlich eine gute Stiefmutter von Marie Elisabeth sein. Mein Sire hat nun bald ein neues Eheweib und ich muss sein Heim verlassen.
Ich habe noch nicht mit dem Herzog darüber gesprochen, aber das werde ich noch tun. Er ist mein Lehnsherr und ich diene ihm. Eine meiner Aufgaben wird es sein ihm und all jene, die er liebt zu behüten. Das heißt ich werde in Zukunft in seiner Nähe leben, wo immer das sein mag. Bis zum Frühjahr habe ich Zeit mir eine neue Bleibe zu suchen, dann gedenkt mein Sire zu heiraten. Also habe ich noch genügend Zeit mit meinem Herzog darüber zu sprechen und seine Meinung dazu zu erfahren. Mein Sire meinte dann, dass ich mit dem Mann, den ich liebe auch darüber sprechen sollte. Wie bitte? Mein Sire hat mir einst klar gemacht, dass es in der Knappenzeit weder eine angemessene Werbung gar nicht zu sprechen von einer Verlobung gibt. Beides ist für mich undenkbar, und eigentlich hätte er es nicht erwähnen müssen. Jetzt will mein Sire, dass ich über meine Zukunftspläne mit jenem spreche, den ich liebe? Was soll das? Wir beide haben uns Reinheit bis zu dem Tage unserer Hochzeit geschworen, bis jene kommt, vergehen vielleicht Jahre. Wer weiß das schon! Wieso sollte ich da mit dem Mann, dem mein Herz gehört Zukunftspläne machen?
Nicht, dass er andere Ziele im Kopf dann hat, Niowe. Er wirbt nicht Sire, weil dies ihm untersagt ist derzeit und wir sind auch nicht verlobt, was aus dem gleichen Grund nicht sein darf.
Es gibt als Knappin nichts zu bereden, Sire.
Nun, welche Pläne man für die Zukunft hat schon, Niowe!
Wie gesagt Sire… Pläne darüber haben Knappen nicht zu bereden, es sein denn, es wären Schlachtpläne!, habe ich ernst in aller Deutlichkeit ausgesprochen. Mein Sire hat nur geschmunzelt, ich habe keine Ahnung weshalb.
Während ich meine Kettenrüstung noch betrachte, gehe ich in Gedanken mein Morgiges Training durch. Die Kriegsaxt. Ich werde mich nun langsam an sie gewöhnen. Mit dem Schwert bin ich nun bestens vertraut. Ich bin gespannt, wie ich morgen damit umgehen werde, natürlich in meiner Kettenrüstung. Was sonst!
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Niowe Adela Aireth
Die Trauer eines Freundes
29. Ashatar 254
Von Ferne sehe ich ihm schon da am Tor stehen. Mein Freund Raindri. Für einen kurzen Augenblick verharre ich regungslos. Ira ist bei ihm. Gut so. Ich beobachte ihn und es tut mir weh diese Traurigkeit an ihm zu erkennen, etwas was ich ihm nie sagen würde. Gut, dann heitern wir ihn ein wenig auf! Die einzige Art, die er versteht, und die ihn ablenkt, ist es ihm zu zeigen, wo es lang geht. Auch wenn das mir nun zuwider ist, aber ich tue es. Ich reite heran und mustere den Rekruten Katuri aufmerksam, wie ich es immer tue.
Bei Temora, Raindri, denke ich, du vermisst deine Frau so sehr wie ich Micheil vermisse. Ich verstehe dich nur zu gut.
Rekrut Katuri im Dienst wird nicht gesprochen!
Habe ich das wirklich gesagt? Ja, habe ich. Ich könnte weinen bei seinem Anblick, und von meinem Streitross herab springen und ihn umarmen und trösten, aber das hilft ihm nicht jetzt und hier. Ich weiß das von mir. Wir sind uns in gewisser Weise sehr ähnlich.
Stramm stehen, Katuri!, spreche ich ruhig weiter. Übergehe dabei Iras Frage kurz.
Sag mal Niowe, welchen Rang hast du?
Gardistin, füge ich ruhig an, während ich ihn weiterhin beobachte.
Du bist ranghöher als er? Ich fühle in jedem Wort, das Ira ausgesprochen hat, ihr Erstaunen. Ranghöher, als wenn das unter Freunden eine Bedeutung hat. Vor allem bei einem solchen Freund wie Raindri, der sowieso immer das macht, was er eben macht. Damit kann ich leben, weil es eben Raindri ist, einer der wenigen dem ich dem Rücken zukehren würde und mich auf ihn verlassen kann, so wie er sich auf mich verlassen kann, immer. Es gibt keine zwei Menschen in diesem Land die verschiedener sein könnten als er und ich. Ich, die zu Korrektheit und absolutem Gehorsam erzogen wurde, er dem all das nicht kümmert. Ich vermute innerlich lacht er sogar darüber, aber es muss Menschen, wie mich geben. Vater hat einmal zu Micheil etwas gesagt, was ich überhört habe, denn ab und an habe ich mich hinter den schweren Vorhängen in seinem Arbeitsraum versteckt, um ihm nahe zu sein, einfach seine Stimme zu hören. Also er sagte, du musst sie zu absolutem Gehorsam und Geradlinigkeit erziehen, denn das hilft ihr einmal in ihrem späteren Leben, auch wenn sie es jetzt und hier nie verstehen wird! Versprich mir das, Micheil! Ich muss mich auf dich verlassen können. Micheil hat es versprochen und gehalten. Auch wenn er sein Versprechen mit viel Liebe und Feingefühl eingelöst hat. Ich kann heute Vater verstehen. Selbst in Tagen, wo ich meine Familie schrecklich vermisse, und mich von allem und jedem zurück ziehe, selbst an diesen Tagen hilft es mir, zu wissen, dass ich dem Reich diene und gefälligst meinen Dienst zu verrichten habe, ohne Rücksicht darauf, wie es in mir aussieht. Aus diesem Grund steht mein Freund Raindri hier, und aus dem gleichen Grund habe ich vorhin diese Worte an ihn gerichtet. Ihn daran erinnert, wofür er sich zu leben lohnt. Es gibt noch andere Menschen, Ira und mich und viele andere. Dafür stehen wir hier an diesem Tor von Adoran und verrichten unseren Dienst.
Ich kann ihm so richtig Dampf machen, Ira, als Gardistin, meinte ich dann grinsend. Ein Scherz! Und ja Raindri grinst nun auch. Er hat mich verstanden. Ira ist noch immer ein wenig irritiert, ob der Tatsache, dass Raindri Rekrut ist und ich quasi über ihm stehe, also sitze am Streitross. Ich glaube selbst die gütige Herrin Temora könnte einem Raindri nicht davon überzeugen etwas zu tun, wenn sein Sturschädel meint es gäbe bei weitem wichtigeres nun zu tun. Während unseres Gesprächs hat Ira mit ihrem Spieß an dem ein gebratenes Etwas mit nacktem Schwanz aufgespießt worden war, hantiert.
Du meine Güte, Ira isst Raten, ging es mir durch den Kopf. Raten mit viel Knoblauch, denn der Duft drang bis zu mir auf der anderen Seite des Tors hinauf. Während sie und Raindir nun darüber diskutierten, was genau an diesem Spieß hing, Eichhörnchen oder Ratte, wurde mir ein wenig übel.
Es ist eindeutig eine Ratte, die haben einen nackten Schwanz, meinte Raindri dann. Ja, ich befürchte er hat nur allzu recht. Als dieser Disput seinen Höhepunkt erreicht hatte, kam die Gräfin vorbei. Erlaucht von Dornwald! Sie ist immer da, man kann sich auf sie verlassen. Nach einem höflichen Austausch von Informationen, hat Ira ihr „ich bin ein Kind jetzt“ Spiel begonnen. Erlaucht von Dornwald war so gnädig und hat mitgespielt. Sie ist eine wunderbare Frau. Ich weiß nicht wieso Ira das immer wieder tut. Mal spricht sie weise wie ein uralter Berg, wobei Berge nicht sprechen, aber wenn sie es tun würden, dann würden sie so wie Ira wohl reden, dann verfällt sie in ihr Kindchen gehabe, was mich immer noch ein wenig irritiert, auch wenn ich das nun kenne. Aber ich mag sie, egal wie sehr sie mich in Zukunft noch irritieren sollte, daran wird sich nichts ändern. Sie hat den Charme einer Messerklinge, die an meinem Hals sitzt, und bereit ist ihn zu durchtrennen. Aber genau das fasziniert mich an Ira. In ihrer Gegenwart muss ich nicht schmeicheln, nicht Höflichkeiten und Unwichtigkeiten bereden, ich kann klar und deutlich und vor allem ehrlich und offen das sagen, was mir am Herz liegt. Es tut gut, solche Freunde wie Raindri und Ira zu haben. Sie holen dich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
Das Leben besteht eben nicht im Krieg aus Höflichkeiten und Schmeicheleien, die kann man da getrost vergessen. Ich verstehe sehr wohl, was mein Herzog damals gemeint hatte. Aus genau diesem Grund habe ich ihm auch dann den Vorschlag unterbreitet, wenn wir alleine sind, kann er sein wie, er sein mag ohne Höflichkeit und Schmeichelei dazu bin ich dann auch für ihn da.
Ich habe an dem traurigen Blick erkannt wie sehr Raindri Erlaucht von Dornwald verehrt, und wieder in diese Traurigkeit verfallen ist, die ich ihm austreiben wollte. Also habe ich etwas getan, was wider meine Natur ist, was ich für keinen anderen außer meinem Herzog je tun würde, ich habe der Gräfin den Vorschlag unterbreitet, dass Raindri sie begleiten sollte. Ein Fauxpas, klar ich wusste es, aber was tut man nicht alles für Freunde, wenn sie traurig sind. Die Worte von Erlaucht von Dornwald , die nun kamen, wusste ich bereits.
Knappin, sich sagte bereits ich will nicht fort. Und wenn bin ich durchaus in der Lage mir eine Wache mitzunehmen. Danke für die Umsicht, aber es ist nicht nötig, mir jemanden an die Seite zu befehligen, solange ich selber einen Mund habe. Ich hätte darauf wetten sollen, dann hätte ich gewonnen. Genau so wie ich es erwartet habe, hat die Gräfin reagiert. Aber mir ging es diesmal nicht um Erlaucht von Dornwald, sondern um einen Freund, der sie gerne begleitet hätte, weil es ihn aufgemuntert hätte. Schade. Versucht habe ich es jedenfalls. Wir haben dann noch über dies und das gesprochen bis Raindri seinen Dienst beendet hat. Ich habe Ira das Versprechen abgenommen, ja gut auf ihn aufzupassen, was ich auch tun werde. In schlimmen Zeiten stehen Freunde zusammen, da gibt es nicht viel zu überlegen. Mit diesem Gedanken bin ich dann gen Residenz geritten.
Von Ferne sehe ich ihm schon da am Tor stehen. Mein Freund Raindri. Für einen kurzen Augenblick verharre ich regungslos. Ira ist bei ihm. Gut so. Ich beobachte ihn und es tut mir weh diese Traurigkeit an ihm zu erkennen, etwas was ich ihm nie sagen würde. Gut, dann heitern wir ihn ein wenig auf! Die einzige Art, die er versteht, und die ihn ablenkt, ist es ihm zu zeigen, wo es lang geht. Auch wenn das mir nun zuwider ist, aber ich tue es. Ich reite heran und mustere den Rekruten Katuri aufmerksam, wie ich es immer tue.
Bei Temora, Raindri, denke ich, du vermisst deine Frau so sehr wie ich Micheil vermisse. Ich verstehe dich nur zu gut.
Rekrut Katuri im Dienst wird nicht gesprochen!
Habe ich das wirklich gesagt? Ja, habe ich. Ich könnte weinen bei seinem Anblick, und von meinem Streitross herab springen und ihn umarmen und trösten, aber das hilft ihm nicht jetzt und hier. Ich weiß das von mir. Wir sind uns in gewisser Weise sehr ähnlich.
Stramm stehen, Katuri!, spreche ich ruhig weiter. Übergehe dabei Iras Frage kurz.
Sag mal Niowe, welchen Rang hast du?
Gardistin, füge ich ruhig an, während ich ihn weiterhin beobachte.
Du bist ranghöher als er? Ich fühle in jedem Wort, das Ira ausgesprochen hat, ihr Erstaunen. Ranghöher, als wenn das unter Freunden eine Bedeutung hat. Vor allem bei einem solchen Freund wie Raindri, der sowieso immer das macht, was er eben macht. Damit kann ich leben, weil es eben Raindri ist, einer der wenigen dem ich dem Rücken zukehren würde und mich auf ihn verlassen kann, so wie er sich auf mich verlassen kann, immer. Es gibt keine zwei Menschen in diesem Land die verschiedener sein könnten als er und ich. Ich, die zu Korrektheit und absolutem Gehorsam erzogen wurde, er dem all das nicht kümmert. Ich vermute innerlich lacht er sogar darüber, aber es muss Menschen, wie mich geben. Vater hat einmal zu Micheil etwas gesagt, was ich überhört habe, denn ab und an habe ich mich hinter den schweren Vorhängen in seinem Arbeitsraum versteckt, um ihm nahe zu sein, einfach seine Stimme zu hören. Also er sagte, du musst sie zu absolutem Gehorsam und Geradlinigkeit erziehen, denn das hilft ihr einmal in ihrem späteren Leben, auch wenn sie es jetzt und hier nie verstehen wird! Versprich mir das, Micheil! Ich muss mich auf dich verlassen können. Micheil hat es versprochen und gehalten. Auch wenn er sein Versprechen mit viel Liebe und Feingefühl eingelöst hat. Ich kann heute Vater verstehen. Selbst in Tagen, wo ich meine Familie schrecklich vermisse, und mich von allem und jedem zurück ziehe, selbst an diesen Tagen hilft es mir, zu wissen, dass ich dem Reich diene und gefälligst meinen Dienst zu verrichten habe, ohne Rücksicht darauf, wie es in mir aussieht. Aus diesem Grund steht mein Freund Raindri hier, und aus dem gleichen Grund habe ich vorhin diese Worte an ihn gerichtet. Ihn daran erinnert, wofür er sich zu leben lohnt. Es gibt noch andere Menschen, Ira und mich und viele andere. Dafür stehen wir hier an diesem Tor von Adoran und verrichten unseren Dienst.
Ich kann ihm so richtig Dampf machen, Ira, als Gardistin, meinte ich dann grinsend. Ein Scherz! Und ja Raindri grinst nun auch. Er hat mich verstanden. Ira ist noch immer ein wenig irritiert, ob der Tatsache, dass Raindri Rekrut ist und ich quasi über ihm stehe, also sitze am Streitross. Ich glaube selbst die gütige Herrin Temora könnte einem Raindri nicht davon überzeugen etwas zu tun, wenn sein Sturschädel meint es gäbe bei weitem wichtigeres nun zu tun. Während unseres Gesprächs hat Ira mit ihrem Spieß an dem ein gebratenes Etwas mit nacktem Schwanz aufgespießt worden war, hantiert.
Du meine Güte, Ira isst Raten, ging es mir durch den Kopf. Raten mit viel Knoblauch, denn der Duft drang bis zu mir auf der anderen Seite des Tors hinauf. Während sie und Raindir nun darüber diskutierten, was genau an diesem Spieß hing, Eichhörnchen oder Ratte, wurde mir ein wenig übel.
Es ist eindeutig eine Ratte, die haben einen nackten Schwanz, meinte Raindri dann. Ja, ich befürchte er hat nur allzu recht. Als dieser Disput seinen Höhepunkt erreicht hatte, kam die Gräfin vorbei. Erlaucht von Dornwald! Sie ist immer da, man kann sich auf sie verlassen. Nach einem höflichen Austausch von Informationen, hat Ira ihr „ich bin ein Kind jetzt“ Spiel begonnen. Erlaucht von Dornwald war so gnädig und hat mitgespielt. Sie ist eine wunderbare Frau. Ich weiß nicht wieso Ira das immer wieder tut. Mal spricht sie weise wie ein uralter Berg, wobei Berge nicht sprechen, aber wenn sie es tun würden, dann würden sie so wie Ira wohl reden, dann verfällt sie in ihr Kindchen gehabe, was mich immer noch ein wenig irritiert, auch wenn ich das nun kenne. Aber ich mag sie, egal wie sehr sie mich in Zukunft noch irritieren sollte, daran wird sich nichts ändern. Sie hat den Charme einer Messerklinge, die an meinem Hals sitzt, und bereit ist ihn zu durchtrennen. Aber genau das fasziniert mich an Ira. In ihrer Gegenwart muss ich nicht schmeicheln, nicht Höflichkeiten und Unwichtigkeiten bereden, ich kann klar und deutlich und vor allem ehrlich und offen das sagen, was mir am Herz liegt. Es tut gut, solche Freunde wie Raindri und Ira zu haben. Sie holen dich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
Das Leben besteht eben nicht im Krieg aus Höflichkeiten und Schmeicheleien, die kann man da getrost vergessen. Ich verstehe sehr wohl, was mein Herzog damals gemeint hatte. Aus genau diesem Grund habe ich ihm auch dann den Vorschlag unterbreitet, wenn wir alleine sind, kann er sein wie, er sein mag ohne Höflichkeit und Schmeichelei dazu bin ich dann auch für ihn da.
Ich habe an dem traurigen Blick erkannt wie sehr Raindri Erlaucht von Dornwald verehrt, und wieder in diese Traurigkeit verfallen ist, die ich ihm austreiben wollte. Also habe ich etwas getan, was wider meine Natur ist, was ich für keinen anderen außer meinem Herzog je tun würde, ich habe der Gräfin den Vorschlag unterbreitet, dass Raindri sie begleiten sollte. Ein Fauxpas, klar ich wusste es, aber was tut man nicht alles für Freunde, wenn sie traurig sind. Die Worte von Erlaucht von Dornwald , die nun kamen, wusste ich bereits.
Knappin, sich sagte bereits ich will nicht fort. Und wenn bin ich durchaus in der Lage mir eine Wache mitzunehmen. Danke für die Umsicht, aber es ist nicht nötig, mir jemanden an die Seite zu befehligen, solange ich selber einen Mund habe. Ich hätte darauf wetten sollen, dann hätte ich gewonnen. Genau so wie ich es erwartet habe, hat die Gräfin reagiert. Aber mir ging es diesmal nicht um Erlaucht von Dornwald, sondern um einen Freund, der sie gerne begleitet hätte, weil es ihn aufgemuntert hätte. Schade. Versucht habe ich es jedenfalls. Wir haben dann noch über dies und das gesprochen bis Raindri seinen Dienst beendet hat. Ich habe Ira das Versprechen abgenommen, ja gut auf ihn aufzupassen, was ich auch tun werde. In schlimmen Zeiten stehen Freunde zusammen, da gibt es nicht viel zu überlegen. Mit diesem Gedanken bin ich dann gen Residenz geritten.
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Niowe Adela Aireth
Wenn zwei Gardisten feiern…..
3. Searum 254
Ich habe im Laufe der Zeit festgestellt, dass eine sonderbare Gier die Menschen hier befällt. Sie sind gierig nach Reichtum, Macht, Liebe, Ansehen und noch so vielem mehr. Ich beobachte sie, wie Wesen aus einer anderen Welt. Ja, ich muss gestehen mit Neugier. Sie sind interessant und in ihrer Gier so berechenbar, was sie selber nicht bemerken. Auch wenn mir deren Gelüste fern sind, so trachte ich danach diese Eindrücke kennenzulernen. Sogar den Hass, und ja auch den habe ich bereits mehrmals deutlich in diesen Menschen erkannt. Vielleicht liegt es dran, dass ich als Kind alles hätte haben können, es mir aber nicht sonderlich wichtig war. Vielleicht auch liegt es daran, dass Micheil und Vater mir in ihrer Erziehung Werte vermittelt haben, die beständiger und deren Bedeutung in den Jahren bis jetzt hier reiften und an Wichtigkeit für mich stetig zugenommen haben. Nicht, dass ich mich über schöne Kleider nicht freue, nein daran liegt es nicht, aber sie nehmen keinen Stellenwert in meinem Leben ein, denn ich weiß aus Erfahrung meiner Kindheit, dass Kleidung nicht den Wert eines Menschen zeigt. Die einzige Ausnahme bei mir ist vielleicht ein ganz besonderer Schmuck. Auch wenn ich genügend davon habe, das Wertvollste für mich ist der alte Ankh meiner Familie, der mit unserem Leitspruch versehen wurde und den ich an einer unscheinbaren Kette unter meiner Kleidung auf meiner Haut trage. So habe ich ein Stück meiner Familie ständig bei mir. Mit jeder Bewegung fühle ich das Kreuz und denke für den Hauch eines Augenblick an jene, die in ihrer Liebe mir das Leben schenkten.
An lauen Abenden, wenn ich auf dem Balkon des Nachts alleine sitze, die Stadt bereits tief schläft, dann verweilen meine Gedanken bei ihnen. In Wehmut aber auch in Liebe und Dankbarkeit für all das, was sie mir auf meinem Weg mitgegeben haben und ich bin fest entschlossen all das und noch viel mehr meinen zukünftigen Kindern zu schenken, sollte ich je welche haben. Sie in Liebe mit dem Anker einer harten, aber ehrlichen und vor allem konsequenten Erziehung, zu begleiten, bis sie ihren Weg alleine gehen. Das ist ein schönes Gefühl Menschen auf ihrem Weg etwas mitgeben zu dürfen. Einiges werde ich anders tun, vieles aber nicht.
Während ich zusammen mit Raindri nun hier am Tor Wache schiebe, wie wir es so oft gemeinsam in harten Zeiten hier getan hatten, denke ich darüber nach. Genau genommen haben Raindri und ich im Prinzip die gleiche Einstellung, deshalb ist unsere Freundschaft auch nach den anfänglichen Streitereien gewachsen. Wir streiten nun nicht mehr. Ich habe zu akzeptieren gelernt, dass es Menschen, wie Raindri gibt, denen jegliches Bewusstsein von Pflicht und Disziplin fehlt, die aber da sind, wenn man sie braucht und das unter Einsatz ihres Lebens. Raindri hat es gelernt meine oftmalige Überkorrektheit einfach hin zunehmen. Er grinst zwar hin und wider, wenn ich den präzisen Ablauf was zu tun wäre und was nicht, erkläre, aber mehr nicht. Sein Grinsen wiederum zeigt mir an, hoppla Niowe, du kannst andere nicht mit den gleichen Maßstäben messen, die du dir stellst und die meine Familie einfach von mir erwartet hätte. Wir haben ab und an eine andere Meinung, wie jene zum Beispiel, was den Krieg angeht.
Man kann einen Krieg gewinnen, meinte Raindri gestern.
Ich bin der Meinung nein, man kann nicht. Denn was einen Krieg ausmacht, vom Feindbild angefangen bis zu jenen Aspekten, die den unseren völlig widerstreben, all das kann man nicht besiegen auch nicht in dem Feind mit dem Sieg auslöschen. Es wird immer da sein. Das verheerende an Siegen ist die Tatsache, dass man denkt, jetzt ist alles vorbei. Das ist es nicht. Es ist der Anfang von einem weiteren Krieg. Sicher kann man die Besiegten unter Kontrolle halten mit Streitkräften, aber nach Monden wird diese Kontrolle abgeschwächt werden, weil man sich sicher fühlt. So sind die meisten Menschen eben, sie tendieren zu vergessen dann, der einfachere Weg, was ein Fehler ist. Denn in jenem Vergessen wächst die Macht des Feindes erneut, reift all jenes stetig heran, unbemerkt und im Verborgenen. Es ist ein Trugschluss zu meinen, dass jene, die Verlieren in diesem Krieg aufgeben werden. Sie werden weiterhin an Alatar glauben, ihre Abscheulichkeiten gegenüber der Menschlichkeit fortsetzen, versuchen sich zu formieren und an Anhängern zu gewinnen. Wenn man es dann bemerkt, ist es meist zu spät. Dann gibt es den nächsten Krieg. So gesehen, gewinnt man nie. Rahal wird es in einer Form immer geben. Man gewinnt nur eine Schlacht, so denke ich. Aber um diese Argumente anzuführen hätte ich in einer besseren Verfassung sein müssen gestern.
Daher habe ich nur knapp gesagt, nein kann man nicht, Raindri! Damit war es abgetan.
Was für eine prächtige Feier hatten wir! Wir haben in Regimentsuniform dann das Haus im Westen von Adoran unter die Lupe genommen. Angeblich sollte da ein Fass mit einem uralten Rum sich befinden, was wir im Namen des Regiments in Beschlag nehmen wollten. Also wir, das sind Raindri und ich.
Gut wir haben das dann auch getan! Ira war ein wenig schockiert, als wir beide Schnurstraks mit einer Entschlossenheit von Regimentsgardisten das Haus gestürmt und ihr Fass umrundet haben. Natürlich muss man das Zeug, welches man beschlagnahmt auch kosten und jetzt war ein guter Moment dafür, denn wir wollten auf die Beförderung von Raindri anstoßen.
Laut haben Ira und ich mit Begeisterung einen Trunkspruch zu Ehren von Raindri ausgesprochen, dann sagte ich in meinem Wahn, weil ich das von Vaters Kriegern kannte, „mit Ex runter!“. Ich bin mir nicht sicher, ob Vater in diesem Augenblick stolz auf mich gewesen wäre, aber ich tat es, wie ein standhafter Gardist eben, aufrecht in voller Rüstung. Dieser uralte Rum hatte es mächtig in sich, jede Zelle meines Körpers brannte lichterloh und ich bekam kaum Luft. Zum Glück habe ich nun vergessen, dass mir kurz vor meinem Dienstantritt schwarz vor den Augen geworden war, und ich eine Weile brauchte bis die Schmerzen meiner Lunge weg waren und ich wieder sehen konnte. Jetzt brannte die Lunge so richtig! Ich hoffe nur, dass dieser Rum sich mit den Heiltränken verträgt, die ich genommen hatte kurz bevor mein Dienst begonnen hatte. Nach diesem Ex war es noch lange nicht vorbei, denn mir ist eingefallen, dass es noch mehr zum anstoßen gab. Sicherheitshalber um aufrecht stehen zu können habe ich mit einen Pfosten nahe dem Rum Fass ausgesucht und mich an diesem abgestützt. Iras Bemühungen ich sage alles dem Oberst, sind auf taube Ohren bei Raindri und mir gestoßen.
Nicht streiten, Ira, wir feiern und Schwupps hatten wir jeder nach dem Rum eine Flasche in der Hand.
Ich gehe nun und denunziere euch beide bei Friedolin, meinte Ira grinsend während ich auf die Flasche mit Met blickte. Raindri und ich haben auch gegrinst, denn wir beide wissen, das macht Ira niemals. SO verschieden wir drei auch sind, wir wissen, dass wir uns unbedingt aufeinander verlassen können. Das ist ein gutes Gefühl!
Den habe ich selber gemacht!, höre ich dann stolz Raindris Stimme. Natürlich haben wir dann erneut angestoßen. Das Selbstgebrannte von Raindri war heftig! Ohne die schwere Regimentsrüstung wäre ich niedergesackt, aber die hat mich tapfer noch aufrecht gen Pfosten gedrückt. Im Laufe des Abends haben wir dann noch unzählige Flaschen von einem Schnaps, einem anderen Gebräu was eher süßlich war, Met und einem Wolfsaugenwhiskey, der mit dann den Rest gab, und ich dank ihm dann in einem Zustand der Seligkeit war. Leider habe ich den Geschmack schon gar nicht wahr genommen, was ich heute bedauere. Gesehen habe ich trotz des Namens des Whiskeys um keinen Deut besser. Im Gegenteil!
Jedenfalls haben wir im Laufe des Abends auf seine herzogliche Hoheit angestoßen. Erlaucht von Dornwald nannten wir kühn bereits Mariella. Der Oberst wurde nur noch Friedo genannt, dabei hat Ira das O weit ausgedehnt, was den Oberst sicherlich in dieser Form nicht gefallen hätte, aber wir fanden es lustig. Zu guter Letzt habe ich auf Lady Adoran noch eine Flasche erhoben. Wie ich auf Lady kam, bleibt mir heute verborgen. Egal die alte Dame hat es verdient!
Zwischendurch habe ich mich von der gärenden Last in meinem Magen einmal in einem Eimer befreit, mein Gesicht in einer Wasserschüssel versenkt bis ich wieder so halbwegs aufrecht stehen konnte.
Wenigstens hat sie den Anstand es in dem Eimer zu tun, höre ich Raindri zu Ira sagen. Klar habe ich das, denn das Wasserbecken habe ich ja danach noch gebraucht. Auch in diesem Zustand tickt in mir eine unweigerliche Abfolge restlicher Disziplin, die mir sagt, das geht noch und das sicherlich nicht mehr. So irrational das auch ist, mir wurden Grenzen gesetzt, die ich nie sogar in meinem jetzigen Zustand, wo ich kaum noch debattieren, geschweige denn schwierigen Gedankengänge folgen könnte, überschreiten werde. Mein Vater und Micheil haben wirklich gute Arbeit geleistet.
Ich habe keine Ahnung, wie viele Flaschen wir an diesem Abend verdrückt haben, am frühen Morgen bin ich dann heimwärts gewankt. Habe dann vor dem Tor den Regiments Schützen noch ein fröhliches Lied vorgesungen, dessen Text ich heute nicht mehr weiß. Bin dann gen Residenz gewankt und dort kurz gegen die Eingangstür geknallt aus ich eine Stufe übersehen habe. Das hat den Wachhund aufgeweckt und er hat wie wild zu bellen begonnen. Mein Anblick hat ihn dann beruhigt. Ich bin noch eine Weile im Kaminzimmer gestanden, aus Angst mein Sire könnte durch den Trubel hier wach geworden sein. Was zum Glück nicht der Fall war. So leise als möglich bin ich dann die Stufen hoch gen Zimmer geschlichen, was in einer schweren Rüstung beinahe unmöglich ist. Mit Schwung habe ich dann meine Tür hinter mir zugeworfen und die Rüstung abgelegt. Mit meiner Unterkleidung aus dünnem leichten Leder, die ich immer unter der Rüstung trage, habe ich mich auf mein Bett geworfen und bin sogleich eingeschlafen.
Seit Stunden sitze ich hier und poliere meine Rüstung, damit sie wieder diensttauglich ist. Dabei brummt mir mein Kopf noch gehörig. Heute werde ich eher schweigsam sein, und kein unnützes Wort von mir geben, denke ich. Vor allem die nächsten Monde wie gewohnt keinen Tropfen Alkohol mehr anrühren. Die Feier gestern hatte es wirklich in sich.
Ich habe im Laufe der Zeit festgestellt, dass eine sonderbare Gier die Menschen hier befällt. Sie sind gierig nach Reichtum, Macht, Liebe, Ansehen und noch so vielem mehr. Ich beobachte sie, wie Wesen aus einer anderen Welt. Ja, ich muss gestehen mit Neugier. Sie sind interessant und in ihrer Gier so berechenbar, was sie selber nicht bemerken. Auch wenn mir deren Gelüste fern sind, so trachte ich danach diese Eindrücke kennenzulernen. Sogar den Hass, und ja auch den habe ich bereits mehrmals deutlich in diesen Menschen erkannt. Vielleicht liegt es dran, dass ich als Kind alles hätte haben können, es mir aber nicht sonderlich wichtig war. Vielleicht auch liegt es daran, dass Micheil und Vater mir in ihrer Erziehung Werte vermittelt haben, die beständiger und deren Bedeutung in den Jahren bis jetzt hier reiften und an Wichtigkeit für mich stetig zugenommen haben. Nicht, dass ich mich über schöne Kleider nicht freue, nein daran liegt es nicht, aber sie nehmen keinen Stellenwert in meinem Leben ein, denn ich weiß aus Erfahrung meiner Kindheit, dass Kleidung nicht den Wert eines Menschen zeigt. Die einzige Ausnahme bei mir ist vielleicht ein ganz besonderer Schmuck. Auch wenn ich genügend davon habe, das Wertvollste für mich ist der alte Ankh meiner Familie, der mit unserem Leitspruch versehen wurde und den ich an einer unscheinbaren Kette unter meiner Kleidung auf meiner Haut trage. So habe ich ein Stück meiner Familie ständig bei mir. Mit jeder Bewegung fühle ich das Kreuz und denke für den Hauch eines Augenblick an jene, die in ihrer Liebe mir das Leben schenkten.
An lauen Abenden, wenn ich auf dem Balkon des Nachts alleine sitze, die Stadt bereits tief schläft, dann verweilen meine Gedanken bei ihnen. In Wehmut aber auch in Liebe und Dankbarkeit für all das, was sie mir auf meinem Weg mitgegeben haben und ich bin fest entschlossen all das und noch viel mehr meinen zukünftigen Kindern zu schenken, sollte ich je welche haben. Sie in Liebe mit dem Anker einer harten, aber ehrlichen und vor allem konsequenten Erziehung, zu begleiten, bis sie ihren Weg alleine gehen. Das ist ein schönes Gefühl Menschen auf ihrem Weg etwas mitgeben zu dürfen. Einiges werde ich anders tun, vieles aber nicht.
Während ich zusammen mit Raindri nun hier am Tor Wache schiebe, wie wir es so oft gemeinsam in harten Zeiten hier getan hatten, denke ich darüber nach. Genau genommen haben Raindri und ich im Prinzip die gleiche Einstellung, deshalb ist unsere Freundschaft auch nach den anfänglichen Streitereien gewachsen. Wir streiten nun nicht mehr. Ich habe zu akzeptieren gelernt, dass es Menschen, wie Raindri gibt, denen jegliches Bewusstsein von Pflicht und Disziplin fehlt, die aber da sind, wenn man sie braucht und das unter Einsatz ihres Lebens. Raindri hat es gelernt meine oftmalige Überkorrektheit einfach hin zunehmen. Er grinst zwar hin und wider, wenn ich den präzisen Ablauf was zu tun wäre und was nicht, erkläre, aber mehr nicht. Sein Grinsen wiederum zeigt mir an, hoppla Niowe, du kannst andere nicht mit den gleichen Maßstäben messen, die du dir stellst und die meine Familie einfach von mir erwartet hätte. Wir haben ab und an eine andere Meinung, wie jene zum Beispiel, was den Krieg angeht.
Man kann einen Krieg gewinnen, meinte Raindri gestern.
Ich bin der Meinung nein, man kann nicht. Denn was einen Krieg ausmacht, vom Feindbild angefangen bis zu jenen Aspekten, die den unseren völlig widerstreben, all das kann man nicht besiegen auch nicht in dem Feind mit dem Sieg auslöschen. Es wird immer da sein. Das verheerende an Siegen ist die Tatsache, dass man denkt, jetzt ist alles vorbei. Das ist es nicht. Es ist der Anfang von einem weiteren Krieg. Sicher kann man die Besiegten unter Kontrolle halten mit Streitkräften, aber nach Monden wird diese Kontrolle abgeschwächt werden, weil man sich sicher fühlt. So sind die meisten Menschen eben, sie tendieren zu vergessen dann, der einfachere Weg, was ein Fehler ist. Denn in jenem Vergessen wächst die Macht des Feindes erneut, reift all jenes stetig heran, unbemerkt und im Verborgenen. Es ist ein Trugschluss zu meinen, dass jene, die Verlieren in diesem Krieg aufgeben werden. Sie werden weiterhin an Alatar glauben, ihre Abscheulichkeiten gegenüber der Menschlichkeit fortsetzen, versuchen sich zu formieren und an Anhängern zu gewinnen. Wenn man es dann bemerkt, ist es meist zu spät. Dann gibt es den nächsten Krieg. So gesehen, gewinnt man nie. Rahal wird es in einer Form immer geben. Man gewinnt nur eine Schlacht, so denke ich. Aber um diese Argumente anzuführen hätte ich in einer besseren Verfassung sein müssen gestern.
Daher habe ich nur knapp gesagt, nein kann man nicht, Raindri! Damit war es abgetan.
Was für eine prächtige Feier hatten wir! Wir haben in Regimentsuniform dann das Haus im Westen von Adoran unter die Lupe genommen. Angeblich sollte da ein Fass mit einem uralten Rum sich befinden, was wir im Namen des Regiments in Beschlag nehmen wollten. Also wir, das sind Raindri und ich.
Gut wir haben das dann auch getan! Ira war ein wenig schockiert, als wir beide Schnurstraks mit einer Entschlossenheit von Regimentsgardisten das Haus gestürmt und ihr Fass umrundet haben. Natürlich muss man das Zeug, welches man beschlagnahmt auch kosten und jetzt war ein guter Moment dafür, denn wir wollten auf die Beförderung von Raindri anstoßen.
Laut haben Ira und ich mit Begeisterung einen Trunkspruch zu Ehren von Raindri ausgesprochen, dann sagte ich in meinem Wahn, weil ich das von Vaters Kriegern kannte, „mit Ex runter!“. Ich bin mir nicht sicher, ob Vater in diesem Augenblick stolz auf mich gewesen wäre, aber ich tat es, wie ein standhafter Gardist eben, aufrecht in voller Rüstung. Dieser uralte Rum hatte es mächtig in sich, jede Zelle meines Körpers brannte lichterloh und ich bekam kaum Luft. Zum Glück habe ich nun vergessen, dass mir kurz vor meinem Dienstantritt schwarz vor den Augen geworden war, und ich eine Weile brauchte bis die Schmerzen meiner Lunge weg waren und ich wieder sehen konnte. Jetzt brannte die Lunge so richtig! Ich hoffe nur, dass dieser Rum sich mit den Heiltränken verträgt, die ich genommen hatte kurz bevor mein Dienst begonnen hatte. Nach diesem Ex war es noch lange nicht vorbei, denn mir ist eingefallen, dass es noch mehr zum anstoßen gab. Sicherheitshalber um aufrecht stehen zu können habe ich mit einen Pfosten nahe dem Rum Fass ausgesucht und mich an diesem abgestützt. Iras Bemühungen ich sage alles dem Oberst, sind auf taube Ohren bei Raindri und mir gestoßen.
Nicht streiten, Ira, wir feiern und Schwupps hatten wir jeder nach dem Rum eine Flasche in der Hand.
Ich gehe nun und denunziere euch beide bei Friedolin, meinte Ira grinsend während ich auf die Flasche mit Met blickte. Raindri und ich haben auch gegrinst, denn wir beide wissen, das macht Ira niemals. SO verschieden wir drei auch sind, wir wissen, dass wir uns unbedingt aufeinander verlassen können. Das ist ein gutes Gefühl!
Den habe ich selber gemacht!, höre ich dann stolz Raindris Stimme. Natürlich haben wir dann erneut angestoßen. Das Selbstgebrannte von Raindri war heftig! Ohne die schwere Regimentsrüstung wäre ich niedergesackt, aber die hat mich tapfer noch aufrecht gen Pfosten gedrückt. Im Laufe des Abends haben wir dann noch unzählige Flaschen von einem Schnaps, einem anderen Gebräu was eher süßlich war, Met und einem Wolfsaugenwhiskey, der mit dann den Rest gab, und ich dank ihm dann in einem Zustand der Seligkeit war. Leider habe ich den Geschmack schon gar nicht wahr genommen, was ich heute bedauere. Gesehen habe ich trotz des Namens des Whiskeys um keinen Deut besser. Im Gegenteil!
Jedenfalls haben wir im Laufe des Abends auf seine herzogliche Hoheit angestoßen. Erlaucht von Dornwald nannten wir kühn bereits Mariella. Der Oberst wurde nur noch Friedo genannt, dabei hat Ira das O weit ausgedehnt, was den Oberst sicherlich in dieser Form nicht gefallen hätte, aber wir fanden es lustig. Zu guter Letzt habe ich auf Lady Adoran noch eine Flasche erhoben. Wie ich auf Lady kam, bleibt mir heute verborgen. Egal die alte Dame hat es verdient!
Zwischendurch habe ich mich von der gärenden Last in meinem Magen einmal in einem Eimer befreit, mein Gesicht in einer Wasserschüssel versenkt bis ich wieder so halbwegs aufrecht stehen konnte.
Wenigstens hat sie den Anstand es in dem Eimer zu tun, höre ich Raindri zu Ira sagen. Klar habe ich das, denn das Wasserbecken habe ich ja danach noch gebraucht. Auch in diesem Zustand tickt in mir eine unweigerliche Abfolge restlicher Disziplin, die mir sagt, das geht noch und das sicherlich nicht mehr. So irrational das auch ist, mir wurden Grenzen gesetzt, die ich nie sogar in meinem jetzigen Zustand, wo ich kaum noch debattieren, geschweige denn schwierigen Gedankengänge folgen könnte, überschreiten werde. Mein Vater und Micheil haben wirklich gute Arbeit geleistet.
Ich habe keine Ahnung, wie viele Flaschen wir an diesem Abend verdrückt haben, am frühen Morgen bin ich dann heimwärts gewankt. Habe dann vor dem Tor den Regiments Schützen noch ein fröhliches Lied vorgesungen, dessen Text ich heute nicht mehr weiß. Bin dann gen Residenz gewankt und dort kurz gegen die Eingangstür geknallt aus ich eine Stufe übersehen habe. Das hat den Wachhund aufgeweckt und er hat wie wild zu bellen begonnen. Mein Anblick hat ihn dann beruhigt. Ich bin noch eine Weile im Kaminzimmer gestanden, aus Angst mein Sire könnte durch den Trubel hier wach geworden sein. Was zum Glück nicht der Fall war. So leise als möglich bin ich dann die Stufen hoch gen Zimmer geschlichen, was in einer schweren Rüstung beinahe unmöglich ist. Mit Schwung habe ich dann meine Tür hinter mir zugeworfen und die Rüstung abgelegt. Mit meiner Unterkleidung aus dünnem leichten Leder, die ich immer unter der Rüstung trage, habe ich mich auf mein Bett geworfen und bin sogleich eingeschlafen.
Seit Stunden sitze ich hier und poliere meine Rüstung, damit sie wieder diensttauglich ist. Dabei brummt mir mein Kopf noch gehörig. Heute werde ich eher schweigsam sein, und kein unnützes Wort von mir geben, denke ich. Vor allem die nächsten Monde wie gewohnt keinen Tropfen Alkohol mehr anrühren. Die Feier gestern hatte es wirklich in sich.
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Niowe Adela Aireth
Wenn man dem Schlachtruf folgt…..
10. Searum 254
Dann sollte man eigentlich genau wissen, wo man sich versammelt. Ich, eigentlich wir, mein Schlachtross und ich stehen da wie befohlen vor dem Kloster. Der Befehl lautete am Kloster sammeln. Am ist nicht im, also stehe ich am Kloster, sprich genau vor den Klosterpforten. Ein wenig verwundert bin ich schon, denn keine Menschenseele bis auf die Klosterwachen ist zu sehen. Noch habe ich nichts Böses geahnt, mein Schwert liegt griffbereit in meiner Rechten, der Schild schützend in der Linken. Bereit also.
Der Husten war erneut da, obwohl mir der Heiler noch gestern nach der zweiten Kontrolle versichert hat, ich wäre gesund. Seit Wochen nehme ich jegliches bittere Zeug, was man mir verschreibt, habe mich sogar in den Arm ritzen lassen, aber scheinbar hilft nichts. Wie ein Fluch liegt diese Krankheit über mir. Wobei es eigentlich keinen gibt, der mich hätte verfluchen können. Oder doch? Während ich kurz darüber sinne, vernehme ich sonderbare Geräusche vor mir und wie aus dem Nichts steht das Heer des Feindes mir Aug in Aug gegenüber.
Damit habe ich nicht gerechnet, denke ich und mache mich bereit. Auf der anderen Seite vernehme ich bereits das Wort „Angriff“. Gut dann sollen sie nur kommen. Einer ist da, wo die anderen sind, das bleibt mir verschlossen. Wobei da war noch dieser Barde, der zu allem Überfluss mir noch ständig ins Ohr singt und wie wild trommelt, während ich den Feind vor mir beobachte.
Wenn zuerst? Ich habe nur eine Gelegenheit, ein Heer kann ich nicht alleine besiegen, auch wenn der Barde sein möglichstes tut mir dies in seinem Gesang kund zu tun. Während mein Blick prüfend über die Reihen des Feindes gleitet, die wohl genauso verblüfft nun inne gehalten haben und mich anstarren. Ich kann deutlich fühlen was sie denken, da steht nur ein Streiter? Was soll das? Ein Hinterhalt?
Schön wäre ein Hinterhalt gewesen jetzt!, denke ich. Ich beobachte noch die Echsen mit deren Reitern, die mich immer wieder in Augenschein zu nehmen scheinen, mich umrunden, dann zurück zum Heer eilen, da höre ich eine wohlbekannte Stimme, die weit über die Klostermauern hin ertönt. Mein Sire!
Niowe bewege deinen Hintern rein! Guter Vorschlag Sire!, denke ich, während ich dem Befehl sogleich nachkomme und von meinem Streitross springe und durch das Tor eile, das mir eine freundliche Person wohl aufgehalten hat. Da bin ich nun aber nicht sehr glücklich! Das hier ist eine Mausefalle. Der Gedanke ist mir sogleich gekommen. Wäre ich der Feind ich würde es belagern, solange bis die Mauern niederbrechen und dann sind wir alle in den engen Klostergängen leichte Beute. Oder ich warte bis sie durch das Tor kommen, dann gebe ich meinen Schützen den Befehl und schieße sie der Reihe nach ab, denn so viele können nicht gleichzeitig durch das Tor. Der Rest wird dann im Nahkampf erledigt. Zum Glück dachte der Feind nicht wie ich! Das war unser Vorteil.
Der Feind vor dem Tor und wir hier drinnen nun, abwartend wie der Befehl lautet. Ich habe geschwiegen, wie es meine Pflicht ist, kein Wort kam über meine Lippen, nicht einmal dann, als die Schützen der Truppe nicht oben am Wehr standen und feuerten, sondern irgendwo im Kloster sich verteilt hatten. Endlich eine, die auf die Wehr steigt. Ich kenne sie, sie gehört dem Haushalt von Erlaucht von Dornwald an, es ist Fräulein Naudon. Mutig steigt sie da hinauf und wird von einem Bolzen getroffen und fällt die Stufen herab und reißt eine der Schützinnen mit, die da unten im Weg steht, anstatt mit ihrem Bogen da oben neben ihr die Pfeile abzufeuern. Aufmerksam beobachte ich alles, höre zu, mache mir ein Bild von dem, was hier geschieht. Ich bin zuversichtlich, denn endlich greifen wir an. Zu spät leider, der Feind ist mehr als bereit.
Ich lerne heute, sehr viel. Schützen gehören hinauf auf die Wehr dazu dieser sonderbare alte Mann der ADL, der von seinen Feuerwurfgeschossen vollauf begeistert ist. Den hätte ich da oben auch platziert. Soll er werfen, was immer er in seiner Leidenschaft für derartige Wurfgeschosse vermag, Hauptsache er trifft und das kann er wirklich.
Aber wie gesagt, eine kleine Knappin hat nichts zu melden, sie bekommen nur Schläge von diesem Reiter auf seinem schwarzen Ross und lehnt dann benommen an der Klosterwand bis die Kräfte wieder da sind und die ganze Meute von Rahalern gen Berchgard bereits aufgebrochen ist, wo die nächste Schlacht statt finden sollte.
Aber nicht für mich und den Oberst, genau in dem Augenblick, als wir durch das Westtor in Berchgard treten wollen, rasselte das schwere Tor herab. Zum Glück konnte ich noch beiseite springen, rühmlich wäre es wohl kaum gewesen von einem Tor erschlagen zu werden. Diesmal konnte ich mich nicht zurück halten, während die Schützen des Regiment am Wehr auf und ab gehen, noch immer keinen Befehl hatten zu feuern, tobte vor unserer Nase der Kampf, und ich schrieb hinauf zur Wehr
„Feuern, was das Zeug hält Gardisten“! Das taten sie auch. Im Regiment befolgen wir Befehle! Und die da oben waren die besten Schützen, die es nur gab, das wusste ich von Adoran, wo sie uns kräftig unterstützt haben damals bei den Angriffen der Wasserwesen.
Wie die Zeit vergeht!, denke ich. Das ist nun auch schon eine geraume Weile her. Durch die Gitterstäbe konnten wir beide, der Oberst und ich den Kampf verfolgen. Immer dann, wenn ein Feind uns zu nahe kam, haben wir durch die schweren Eisengitter zugestochen. Leider war das nicht oft der Fall! Nach kurzer Besprechung mit dem Oberst habe ich dann mit einem Schrei, der wohl weit über Berchgard zu vernehmen war, alles zusammen gerufen, was Beine und Arme hatte.
Sammeln beim Westtor! Zum Glück hatte ich da noch meine Stimme!
Das dunkle Heer ist abgezogen, nachdem es einen Teil des Tors verwüstet hat und auch die umliegenden Gehöfte in Brand gesetzt hat. Die Brände wurden dank Herrn Inos und seinen Helfern gelöscht. Das Torhaus habe ich auf Befehl meines Sires von der Wehr oben unter Wasser gesetzt bis es triefte. Der Feind hatte schon versucht es in Brand zu setzen. Was nicht gelang dank meiner Schlepperei von unzähligen Eimern mit Wasser.
Als ich dann von oben herab einen Blick auf das Schlachtfeld vor dem Tor geworfen habe, sehe ich doch da diesen Söldner in schwarz bekleidet, wie er Leichen fleddert. Sogleich, ohne lange zu überlegen, habe ich den Gardisten neben mir angehalten, ihm einige Bolzen in den Körper zu jagen. Meine Stimme hat inzwischen versagt und ich habe die Heilerin Yora, die auf der Wehr auftauchte, gebeten ihm zuzurufen, dass er das gefälligst unterlassen solle, diese Leichenfledderei. Was sie auch tat! Dieser Mann ließ nicht locker, begann uns zu schimpfen, von wegen die Schlacht wäre vorbei. Ja, ist sie, aber hier werden keine Leichen gefleddert, solange ich noch stehen kann! Yora und ich sind dann die Wehr herab gestürmt auf den Mann zu und leider war mein Sire da, der von dem, was der Mann zuvor getan hatte, nichts ahnte, und mit den Befehl gab zu schweigen. Tat ich auch. Yora nicht! Aber schließlich wurde auch ihr Einhalt geboten und dieser Kerl, dieser Söldner hat dann noch einen Eid geschworen dem Reich zu dienen. Das ich nicht lache! Wer würde das glauben? Diese Art von Mann schwört jedem, jeden auch nur möglichen Eid, wenn er daran was verdienen kann. Heute dem Reich, morgen Rahal. Leichenfledderern kann man nicht trauen und Söldnern schön gar nicht, denke ich und habe ihn grimmig beobachtet. Er kann jedem etwas vorgaukeln, nur mir nicht! Ich werde diesen Knaben genauestens beobachten, denn ich denke und vor allem ich fühle, wie immer mein Bauchgefühl, dass er uns nur auskundschaften will und Rahal weiterhin dient! Schwur hin oder her, dem Mann Markwart traue ich nicht über den Weg! Aber ich werde höflich sein, freundlich lächeln und mir meinen Teil denken und vor allem beobachten und handeln.
Später dann bin ich noch nach Wulfgard zusammen mit dem obersten Clanschwert Finn und der Heilerin Yora gezogen. Dort hat sie mir vorzügliches zu Essen angeboten und dabei irgendeinen Geist vertrieben. Oder nicht? Ich habe keine Ahnung aber ein gutes Gefühl. Wenn das nicht hilft, dann verzweifle ich wirklich! Inzwischen habe ich bereits Fieber, das fühle ich, weil an dem riesigen Feuer, wo ich auf Fellen sitze, wird mir kalt und mein Husten klingt schon wieder nicht gut, außerdem habe ich nun starke Kopfschmerzen. Nach dem Gespräch mit dem Syechgeyst, so nannte ihn Yora, hat er, so vermute ich, eingewilligt zu gehen, denn ich habe nichts verstanden, nur gesehen wie Yora an mir seitlich vorbei gesehen hat immer und etwas gemurmelt hat. Dann habe ich den Trank brav geschluckt, der wie immer, entsetzlich bitter war, aber ich beklage mich nicht, wenn nur endlich dieses dahinsiechen ein Ende hat!
Den Runenring habe ich dann auch über meinen Mittelfinger gestreift, damit er mich beschützt und stärkt. Der Sire sagt immer ich achte nicht auf meinen Körper. Tue ich, ich mache alles seit Wochen, dass ich dabei eher abnehme, als Gewicht anlege, wenn verwundert’s bei dem Krankheitsverlauf. Das Schlucken tut ja schließlich auch weh. Kaum denke ich, jetzt bin ich gesund, ist es wieder da. Aber diesmal bin ich zuversichtlich! Wenn der Geist, was auch immer das für ein Geist ist, freiwillig geht, der Heiltrank geschluckt wurde von mir und dann noch der Runenring an meinem Finger steckt, was kann man mehr noch machen? Ich muss endlich gesund werden! Mit der Botschaft der Thyren für meinen Sire, uns bei dem Kampf zu unterstützen, so man sie davon unterrichtet, bin ich dann wohlgemut gen Residenz aufgebrochen. Jetzt wird alles gut, denke ich und habe noch ein Dankesgebet in der Kirche vor dem Altar gesprochen. So erschöpft und geschwächt ich von all dem auch war, ich musste es einfach tun. Danach habe ich mir die wohlverdiente Bettruhe gegönnt.
Dann sollte man eigentlich genau wissen, wo man sich versammelt. Ich, eigentlich wir, mein Schlachtross und ich stehen da wie befohlen vor dem Kloster. Der Befehl lautete am Kloster sammeln. Am ist nicht im, also stehe ich am Kloster, sprich genau vor den Klosterpforten. Ein wenig verwundert bin ich schon, denn keine Menschenseele bis auf die Klosterwachen ist zu sehen. Noch habe ich nichts Böses geahnt, mein Schwert liegt griffbereit in meiner Rechten, der Schild schützend in der Linken. Bereit also.
Der Husten war erneut da, obwohl mir der Heiler noch gestern nach der zweiten Kontrolle versichert hat, ich wäre gesund. Seit Wochen nehme ich jegliches bittere Zeug, was man mir verschreibt, habe mich sogar in den Arm ritzen lassen, aber scheinbar hilft nichts. Wie ein Fluch liegt diese Krankheit über mir. Wobei es eigentlich keinen gibt, der mich hätte verfluchen können. Oder doch? Während ich kurz darüber sinne, vernehme ich sonderbare Geräusche vor mir und wie aus dem Nichts steht das Heer des Feindes mir Aug in Aug gegenüber.
Damit habe ich nicht gerechnet, denke ich und mache mich bereit. Auf der anderen Seite vernehme ich bereits das Wort „Angriff“. Gut dann sollen sie nur kommen. Einer ist da, wo die anderen sind, das bleibt mir verschlossen. Wobei da war noch dieser Barde, der zu allem Überfluss mir noch ständig ins Ohr singt und wie wild trommelt, während ich den Feind vor mir beobachte.
Wenn zuerst? Ich habe nur eine Gelegenheit, ein Heer kann ich nicht alleine besiegen, auch wenn der Barde sein möglichstes tut mir dies in seinem Gesang kund zu tun. Während mein Blick prüfend über die Reihen des Feindes gleitet, die wohl genauso verblüfft nun inne gehalten haben und mich anstarren. Ich kann deutlich fühlen was sie denken, da steht nur ein Streiter? Was soll das? Ein Hinterhalt?
Schön wäre ein Hinterhalt gewesen jetzt!, denke ich. Ich beobachte noch die Echsen mit deren Reitern, die mich immer wieder in Augenschein zu nehmen scheinen, mich umrunden, dann zurück zum Heer eilen, da höre ich eine wohlbekannte Stimme, die weit über die Klostermauern hin ertönt. Mein Sire!
Niowe bewege deinen Hintern rein! Guter Vorschlag Sire!, denke ich, während ich dem Befehl sogleich nachkomme und von meinem Streitross springe und durch das Tor eile, das mir eine freundliche Person wohl aufgehalten hat. Da bin ich nun aber nicht sehr glücklich! Das hier ist eine Mausefalle. Der Gedanke ist mir sogleich gekommen. Wäre ich der Feind ich würde es belagern, solange bis die Mauern niederbrechen und dann sind wir alle in den engen Klostergängen leichte Beute. Oder ich warte bis sie durch das Tor kommen, dann gebe ich meinen Schützen den Befehl und schieße sie der Reihe nach ab, denn so viele können nicht gleichzeitig durch das Tor. Der Rest wird dann im Nahkampf erledigt. Zum Glück dachte der Feind nicht wie ich! Das war unser Vorteil.
Der Feind vor dem Tor und wir hier drinnen nun, abwartend wie der Befehl lautet. Ich habe geschwiegen, wie es meine Pflicht ist, kein Wort kam über meine Lippen, nicht einmal dann, als die Schützen der Truppe nicht oben am Wehr standen und feuerten, sondern irgendwo im Kloster sich verteilt hatten. Endlich eine, die auf die Wehr steigt. Ich kenne sie, sie gehört dem Haushalt von Erlaucht von Dornwald an, es ist Fräulein Naudon. Mutig steigt sie da hinauf und wird von einem Bolzen getroffen und fällt die Stufen herab und reißt eine der Schützinnen mit, die da unten im Weg steht, anstatt mit ihrem Bogen da oben neben ihr die Pfeile abzufeuern. Aufmerksam beobachte ich alles, höre zu, mache mir ein Bild von dem, was hier geschieht. Ich bin zuversichtlich, denn endlich greifen wir an. Zu spät leider, der Feind ist mehr als bereit.
Ich lerne heute, sehr viel. Schützen gehören hinauf auf die Wehr dazu dieser sonderbare alte Mann der ADL, der von seinen Feuerwurfgeschossen vollauf begeistert ist. Den hätte ich da oben auch platziert. Soll er werfen, was immer er in seiner Leidenschaft für derartige Wurfgeschosse vermag, Hauptsache er trifft und das kann er wirklich.
Aber wie gesagt, eine kleine Knappin hat nichts zu melden, sie bekommen nur Schläge von diesem Reiter auf seinem schwarzen Ross und lehnt dann benommen an der Klosterwand bis die Kräfte wieder da sind und die ganze Meute von Rahalern gen Berchgard bereits aufgebrochen ist, wo die nächste Schlacht statt finden sollte.
Aber nicht für mich und den Oberst, genau in dem Augenblick, als wir durch das Westtor in Berchgard treten wollen, rasselte das schwere Tor herab. Zum Glück konnte ich noch beiseite springen, rühmlich wäre es wohl kaum gewesen von einem Tor erschlagen zu werden. Diesmal konnte ich mich nicht zurück halten, während die Schützen des Regiment am Wehr auf und ab gehen, noch immer keinen Befehl hatten zu feuern, tobte vor unserer Nase der Kampf, und ich schrieb hinauf zur Wehr
„Feuern, was das Zeug hält Gardisten“! Das taten sie auch. Im Regiment befolgen wir Befehle! Und die da oben waren die besten Schützen, die es nur gab, das wusste ich von Adoran, wo sie uns kräftig unterstützt haben damals bei den Angriffen der Wasserwesen.
Wie die Zeit vergeht!, denke ich. Das ist nun auch schon eine geraume Weile her. Durch die Gitterstäbe konnten wir beide, der Oberst und ich den Kampf verfolgen. Immer dann, wenn ein Feind uns zu nahe kam, haben wir durch die schweren Eisengitter zugestochen. Leider war das nicht oft der Fall! Nach kurzer Besprechung mit dem Oberst habe ich dann mit einem Schrei, der wohl weit über Berchgard zu vernehmen war, alles zusammen gerufen, was Beine und Arme hatte.
Sammeln beim Westtor! Zum Glück hatte ich da noch meine Stimme!
Das dunkle Heer ist abgezogen, nachdem es einen Teil des Tors verwüstet hat und auch die umliegenden Gehöfte in Brand gesetzt hat. Die Brände wurden dank Herrn Inos und seinen Helfern gelöscht. Das Torhaus habe ich auf Befehl meines Sires von der Wehr oben unter Wasser gesetzt bis es triefte. Der Feind hatte schon versucht es in Brand zu setzen. Was nicht gelang dank meiner Schlepperei von unzähligen Eimern mit Wasser.
Als ich dann von oben herab einen Blick auf das Schlachtfeld vor dem Tor geworfen habe, sehe ich doch da diesen Söldner in schwarz bekleidet, wie er Leichen fleddert. Sogleich, ohne lange zu überlegen, habe ich den Gardisten neben mir angehalten, ihm einige Bolzen in den Körper zu jagen. Meine Stimme hat inzwischen versagt und ich habe die Heilerin Yora, die auf der Wehr auftauchte, gebeten ihm zuzurufen, dass er das gefälligst unterlassen solle, diese Leichenfledderei. Was sie auch tat! Dieser Mann ließ nicht locker, begann uns zu schimpfen, von wegen die Schlacht wäre vorbei. Ja, ist sie, aber hier werden keine Leichen gefleddert, solange ich noch stehen kann! Yora und ich sind dann die Wehr herab gestürmt auf den Mann zu und leider war mein Sire da, der von dem, was der Mann zuvor getan hatte, nichts ahnte, und mit den Befehl gab zu schweigen. Tat ich auch. Yora nicht! Aber schließlich wurde auch ihr Einhalt geboten und dieser Kerl, dieser Söldner hat dann noch einen Eid geschworen dem Reich zu dienen. Das ich nicht lache! Wer würde das glauben? Diese Art von Mann schwört jedem, jeden auch nur möglichen Eid, wenn er daran was verdienen kann. Heute dem Reich, morgen Rahal. Leichenfledderern kann man nicht trauen und Söldnern schön gar nicht, denke ich und habe ihn grimmig beobachtet. Er kann jedem etwas vorgaukeln, nur mir nicht! Ich werde diesen Knaben genauestens beobachten, denn ich denke und vor allem ich fühle, wie immer mein Bauchgefühl, dass er uns nur auskundschaften will und Rahal weiterhin dient! Schwur hin oder her, dem Mann Markwart traue ich nicht über den Weg! Aber ich werde höflich sein, freundlich lächeln und mir meinen Teil denken und vor allem beobachten und handeln.
Später dann bin ich noch nach Wulfgard zusammen mit dem obersten Clanschwert Finn und der Heilerin Yora gezogen. Dort hat sie mir vorzügliches zu Essen angeboten und dabei irgendeinen Geist vertrieben. Oder nicht? Ich habe keine Ahnung aber ein gutes Gefühl. Wenn das nicht hilft, dann verzweifle ich wirklich! Inzwischen habe ich bereits Fieber, das fühle ich, weil an dem riesigen Feuer, wo ich auf Fellen sitze, wird mir kalt und mein Husten klingt schon wieder nicht gut, außerdem habe ich nun starke Kopfschmerzen. Nach dem Gespräch mit dem Syechgeyst, so nannte ihn Yora, hat er, so vermute ich, eingewilligt zu gehen, denn ich habe nichts verstanden, nur gesehen wie Yora an mir seitlich vorbei gesehen hat immer und etwas gemurmelt hat. Dann habe ich den Trank brav geschluckt, der wie immer, entsetzlich bitter war, aber ich beklage mich nicht, wenn nur endlich dieses dahinsiechen ein Ende hat!
Den Runenring habe ich dann auch über meinen Mittelfinger gestreift, damit er mich beschützt und stärkt. Der Sire sagt immer ich achte nicht auf meinen Körper. Tue ich, ich mache alles seit Wochen, dass ich dabei eher abnehme, als Gewicht anlege, wenn verwundert’s bei dem Krankheitsverlauf. Das Schlucken tut ja schließlich auch weh. Kaum denke ich, jetzt bin ich gesund, ist es wieder da. Aber diesmal bin ich zuversichtlich! Wenn der Geist, was auch immer das für ein Geist ist, freiwillig geht, der Heiltrank geschluckt wurde von mir und dann noch der Runenring an meinem Finger steckt, was kann man mehr noch machen? Ich muss endlich gesund werden! Mit der Botschaft der Thyren für meinen Sire, uns bei dem Kampf zu unterstützen, so man sie davon unterrichtet, bin ich dann wohlgemut gen Residenz aufgebrochen. Jetzt wird alles gut, denke ich und habe noch ein Dankesgebet in der Kirche vor dem Altar gesprochen. So erschöpft und geschwächt ich von all dem auch war, ich musste es einfach tun. Danach habe ich mir die wohlverdiente Bettruhe gegönnt.
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Arlon Benjamin
- Beiträge: 0
- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:41
Der selbe Tag aus der Sicht des jungen Rekruten...
Es begann herrlich. Nachdem er eine Dienerin Temora, bekannt unter den Namen Chaneya, getrofen hat und sich auf das bevorstehende Treffen vorbereitet hat, stand er nun im Berchgarder Bankhaus und führte eine interessante Unterhaltung mit dem Kronritter Rafael... Wie sehr hat er als Kind die Ritter verehrt und bei Geschichten seines Vaters immer aufgelächelt, als er von den Geschichten mutiger Freunde sprach, die ebenfalls den Status eines Ritters genossen. In diesem Moment kam ihm doch wieder der Wunsch hoch, auch mal Ritter zu werden, jedoch ist die Zeit dafür nicht reif, oder Arlon ist einfach zu faul und feige.
Nun stand er stramm im Kloster, vor ihm die Frau Erlaucht mit ihrem Ross, welche begann sich mit dem Sir Thelor herumzuzanken. Er musste sich eine Menge Gefühle unterdrücken, zum Beispiel war er recht schadenfroh und ahtte Mitleid mit dem Sire, welcher wohl im Schwitzkasten dieser jungen Lady hing. Breit grinsend stand er da und schaute hin und wieder auf zu Raindri. Ein enttäuschender und entmutigender Blick folgte, als es zur achten Stunde schlug und man nicht mal ein Dutzend Streiter zählte, wenigstens Gardistin Weilnau und Gardist Katuri, sowie Niowe hat er gesehen... Gesichter, die ihm vertraut sind. Der Oberst fehlte, zudem hat er Sir Rafael nicht gesehen. Entmutigend, war sein einziger Gedanke...
Man hörte die Trommeln, außerhalb der Mauern rief man "Feuer!" oder "Angriff!" und innerhalb stand man eng nebeneinander total planlos. Eine Farce folgte, als dann Sir Thelor den Angriff befiel. Unter einer der ersten Stürmer war Arlon. Konfus bei der Übermacht der Feinde, visierte er einen der Liedkundigen Letharen an, sein Hieb traf, jedoch zershcmetterte er die Knochen eines Sklettes und der Lethar blieb verschont. Ein zweiter Schlag folgte nicht, schon versengten mehrere Elementare seinen Rücken und ein Pfeil bohrte sich in das Fleisch seines linken Oberschenkels... Da lag er nun, alles verlief in Zeitluppe und er sah wie der hinterhältige Ansturm der Letharen vom Erfolg gekrönnt ist, doch Zeit darüber nachzudenken hatte der junge Mann nicht, schon musste er sich rasch erheben und die Klinge ergreifen, um dann einige Schläge abzuwehren und zurück zum Kloster zu humpeln...
Pfeilregen, Schläge auf die Tore, Feuerbälle... Es ist ein Wunder, dass die Rüstung des Regiments dem standhalten konnte! Eine schützende Mauer wurde von Weilnau aufgestellt, sofort suchte Arlon dahinter Schutz, jedoch konnte er sich nicht lange erholen, da fiel schon jemand getrofen die Treppen runter. Refelxartig stellt sich Arlon hinter die zweite Frau, die droht mitgerissen zu werden und unsanft stoppt er den Fall des Verletzten, jedoch gab es keine Zeit für eine Behandlung, schon wurde nach allen Kampfbereiten gerufen, um Berchgard zu verteidigen... Sein linkes Bein schmerzte, jedoch kann er nicht feige herumsitzen und unwissend die Füße still halten! Er ging natürlich mit...
Nächste Szene: Die Giiterstäbe unten, Sir Rafael schien davor überwältigt.. ihrgendwer ist da viel zu nervös gewesen und so kam er nicht mit rein.. Neben ihm steht Niowe. Sie schien recht fassungslos und die Wachen auf den Mauern und hinter den Mauer stehen verstreut und planlos umher. Was tun? Was tun? Arlon meinte fast brüllend zu Niowe, sie solle mal die Truppen zusammenrufen. Er hofte innerlich, sie sei ihm nicht sauer dafür, dass er sie da als Rekrut herumkommandiert... Doch es scheint als glaubte sie, er sei der Oberst. Egal, wenigstens hat sie gehandelt. Und so sammelten sich alle vor den Gittern und hielten die brennenden Kreaturen fern, da kam auch schon ein Gargoyle. Eine insgeheime Rettungsaktion? Naja gut mit einer Wunde war das eine Schwachsinnige Idee, aber der Sire war eh nicht da... Wieder in Berchgard angekommen, zeigte die Erschöpfung und Wunde ihre Wirkung... Arlon sah alles verschwommen und in einem Echo erklang es leise. Nicht schon wieder. Nicht jetzt! Sir Thelor bat ihm um etwas... Ihrgendwas mit Eimer Wasser, jedoch sah der Sire sofort, dass Arlon zu kippen drohte und stellt ihn sachte an einen der Wände ab, wo man dann endlich die Wunde des jungen Kriegers behandelte. Mit großen Augen schaute der Heiler zu Arlon udn sprach ihrgendwas von: "Es ist ein Wunder, dass du überhaupt noch stehen kannst, ja, dass du überhaupt noch lebst!" Aber da schlief Arlon schon ein und ihm war alles andere egal..
Es begann herrlich. Nachdem er eine Dienerin Temora, bekannt unter den Namen Chaneya, getrofen hat und sich auf das bevorstehende Treffen vorbereitet hat, stand er nun im Berchgarder Bankhaus und führte eine interessante Unterhaltung mit dem Kronritter Rafael... Wie sehr hat er als Kind die Ritter verehrt und bei Geschichten seines Vaters immer aufgelächelt, als er von den Geschichten mutiger Freunde sprach, die ebenfalls den Status eines Ritters genossen. In diesem Moment kam ihm doch wieder der Wunsch hoch, auch mal Ritter zu werden, jedoch ist die Zeit dafür nicht reif, oder Arlon ist einfach zu faul und feige.
Nun stand er stramm im Kloster, vor ihm die Frau Erlaucht mit ihrem Ross, welche begann sich mit dem Sir Thelor herumzuzanken. Er musste sich eine Menge Gefühle unterdrücken, zum Beispiel war er recht schadenfroh und ahtte Mitleid mit dem Sire, welcher wohl im Schwitzkasten dieser jungen Lady hing. Breit grinsend stand er da und schaute hin und wieder auf zu Raindri. Ein enttäuschender und entmutigender Blick folgte, als es zur achten Stunde schlug und man nicht mal ein Dutzend Streiter zählte, wenigstens Gardistin Weilnau und Gardist Katuri, sowie Niowe hat er gesehen... Gesichter, die ihm vertraut sind. Der Oberst fehlte, zudem hat er Sir Rafael nicht gesehen. Entmutigend, war sein einziger Gedanke...
Man hörte die Trommeln, außerhalb der Mauern rief man "Feuer!" oder "Angriff!" und innerhalb stand man eng nebeneinander total planlos. Eine Farce folgte, als dann Sir Thelor den Angriff befiel. Unter einer der ersten Stürmer war Arlon. Konfus bei der Übermacht der Feinde, visierte er einen der Liedkundigen Letharen an, sein Hieb traf, jedoch zershcmetterte er die Knochen eines Sklettes und der Lethar blieb verschont. Ein zweiter Schlag folgte nicht, schon versengten mehrere Elementare seinen Rücken und ein Pfeil bohrte sich in das Fleisch seines linken Oberschenkels... Da lag er nun, alles verlief in Zeitluppe und er sah wie der hinterhältige Ansturm der Letharen vom Erfolg gekrönnt ist, doch Zeit darüber nachzudenken hatte der junge Mann nicht, schon musste er sich rasch erheben und die Klinge ergreifen, um dann einige Schläge abzuwehren und zurück zum Kloster zu humpeln...
Pfeilregen, Schläge auf die Tore, Feuerbälle... Es ist ein Wunder, dass die Rüstung des Regiments dem standhalten konnte! Eine schützende Mauer wurde von Weilnau aufgestellt, sofort suchte Arlon dahinter Schutz, jedoch konnte er sich nicht lange erholen, da fiel schon jemand getrofen die Treppen runter. Refelxartig stellt sich Arlon hinter die zweite Frau, die droht mitgerissen zu werden und unsanft stoppt er den Fall des Verletzten, jedoch gab es keine Zeit für eine Behandlung, schon wurde nach allen Kampfbereiten gerufen, um Berchgard zu verteidigen... Sein linkes Bein schmerzte, jedoch kann er nicht feige herumsitzen und unwissend die Füße still halten! Er ging natürlich mit...
Nächste Szene: Die Giiterstäbe unten, Sir Rafael schien davor überwältigt.. ihrgendwer ist da viel zu nervös gewesen und so kam er nicht mit rein.. Neben ihm steht Niowe. Sie schien recht fassungslos und die Wachen auf den Mauern und hinter den Mauer stehen verstreut und planlos umher. Was tun? Was tun? Arlon meinte fast brüllend zu Niowe, sie solle mal die Truppen zusammenrufen. Er hofte innerlich, sie sei ihm nicht sauer dafür, dass er sie da als Rekrut herumkommandiert... Doch es scheint als glaubte sie, er sei der Oberst. Egal, wenigstens hat sie gehandelt. Und so sammelten sich alle vor den Gittern und hielten die brennenden Kreaturen fern, da kam auch schon ein Gargoyle. Eine insgeheime Rettungsaktion? Naja gut mit einer Wunde war das eine Schwachsinnige Idee, aber der Sire war eh nicht da... Wieder in Berchgard angekommen, zeigte die Erschöpfung und Wunde ihre Wirkung... Arlon sah alles verschwommen und in einem Echo erklang es leise. Nicht schon wieder. Nicht jetzt! Sir Thelor bat ihm um etwas... Ihrgendwas mit Eimer Wasser, jedoch sah der Sire sofort, dass Arlon zu kippen drohte und stellt ihn sachte an einen der Wände ab, wo man dann endlich die Wunde des jungen Kriegers behandelte. Mit großen Augen schaute der Heiler zu Arlon udn sprach ihrgendwas von: "Es ist ein Wunder, dass du überhaupt noch stehen kannst, ja, dass du überhaupt noch lebst!" Aber da schlief Arlon schon ein und ihm war alles andere egal..
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Niowe Adela Aireth
Das Leben fest im Griff haben
15. Searum 254
Ich sehe noch immer Iras Gesicht vor mir, als ich ihr von der Schlacht berichtet habe. Das Entsetzen während ich den Anblick der mir bot, einfach überspielt habe und lachte.
Du machst Sachen Niowe!
Was sie nicht wusste, was ich verschwiegen habe, war das Sonderbare über das ich nun nachdenke, es beschäftigt mich. Das warum! Ich hatte keine Angst alleine vor dem schwarzen Heer zu stehen. Ich habe das nicht erwähnt, denn es wäre unklug. Manche Dinge behält man für sich besser.
Wieso?, das frage ich mich jetzt hier alleine. Jeder andere hätte diese Angst gefühlt, was natürlich ist. Wieso ich nicht? Liegt es an meinem unbeirrbaren Glauben zu meiner Herrin?
Dabei fällt mir jenes ein, was ich der Ordensfrau im Handelshaus gesagt habe.
Glauben lebt man, man spricht nicht darüber, werte Dame. Ich kenne noch immer nicht ihren Namen, aber sie war sehr freundlich zu mir.
Liegt es an meinem festen Glauben zu Temora, dass ich keine Angst verspürt habe in diesem einen Augenblick? Auch ja, denke ich. Ich habe keine Angst vor das Angesicht meiner Herrin zu treten. Sie um Gnade zu bitten und um Vergebung all meiner Taten, die sich wohl in einem Leben eines jeden angesammelt haben. Aber das ist nicht alles, denke ich. Liegt es an meiner Erziehung, der Härte mit der Vater durchgegriffen hat? Auch ja, sicherlich. Aber, es muss noch eine weitere Begründung für mein Verhalten geben. Ich war rational, habe abgewogen und mir überlegt, wie ich diesem Heer alleine noch schaden könnte, mich und mein Leben so teuer als möglich zu verkaufen.
Dieses Fehlen einer Angst, macht mir nun Angst während ich in meinem Zimmer auf und ab gehe.
Ich weiß inzwischen, eher gesagt ich fühle es unter den Blicken der Menschen, was sie denken. Es wird inzwischen die Runde gemacht haben im Reich.
Da steht eine Verrückte auf ihrem Gaul alleine einem Heer gegenüber!
Solche Dinge geraten sehr schnell in den Umlauf, was mir bewusst ist. Aber Gerüchte sind gut, man kann sie weise für sich nutzen, das habe ich von Vater gelernt. Auch das Gerücht von der perfekten Knappin hat inzwischen die Runde gemacht. Ich sehe es an den Gesichtern der Menschen, die mich anblicken. Manche ehrlich, manche voller Neid und manche eher gleichgültig.
Hier kommt die perfekte Knappin, steht da geschrieben. Perfekt, das ich nicht lache. Nun oberflächlich betrachtet, mag es so scheinen. Ich gehorche Befehlen, funktioniere wie eine aufgezogene Uhr Tag täglich in Erfüllung sämtlicher Knappen pflichten. Was immer dazu gehört von Sattel- und Zaumzeug Pflege hin bis zur Rüstungspflege meines Sires und der meinigen und dem täglichen harten Trainigen weiterhin. Wobei meine Knappenrüstung, die Kette bei weitem mehr Zeit in Anspruch nimmt, was mich nicht stört. Arbeit lenkt ab von so vielem. Außerdem liebe ich gepflegte Rüstungen und Waffen, und ein weiterer Vorteil ist, Arbeit lenkt ab auch von der Liebe, die ich für diesen Mann, der in mein Leben getreten ist, empfinde. Die stetig von Tag zu Tag wächst, auch wenn unsere Pflichten uns kaum Zeit lassen einige Worte zu wechseln. Von dem unbedingten Vertrauen, dass ich zu ihm habe. Daran wird sich nie etwas ändern. Ich weiß Ira hat mir einiges erzählt aber ich habe sie beschwichtigt. Ira ist sehr besorgt um mich, ich hoffe, ich kann ihr eines Tages all die Fürsorge und die langsam wachsende Freundschaft für würdig erweisen. Ich weiß, dass jedem Adeligen sich dabei der Magen umdrehen wird. Aber das ist meine Sache. Meine alleine. Ich wähle Menschen, denen ich vertraue mit Bedacht aus. Mit Bedacht? Vor meinen Augen sehe ich genau, was andere denken, wie sie Ira sehen und was sie nicht sehen. Genau das, was sie nicht sehen, erkenne ich an Ira. Sie ist eine Festung, treu und ehrlich dem ergeben, dem sie ihr Herz öffnet. Egal was andere von ihr denken mögen, ich schätze sie und ich vertraue ihr, so sonderbar das für andere auch sein mag. Ira und ich haben etwas gefunden, was unser beiden wichtig ist. Sie wird immer so bleiben, wie sie ist, auch mir gegenüber. Das schätze ich, denn drauf beruht die Wahrheit einer Freundschaft. Ich habe sie einst gebeten, mir offen zu sagen, wenn ich mich verändere, so werde, wie jene, deren Verhalten ich beobachte und missbillige.
Ich frage mich nun, wird der Mann, den ich aufrichtig liebe sich auch einmal so verändern? Nein, niemals, denke ich. Er ist anders. Ist er das? Schließlich ist er ein Mann, der etwas in seinem Leben gesucht hat, was ihm Halt gibt. Ich hoffe, dass ich einst so sein kann, wie es wohl die Herzogin für seine herzogliche Hoheit ist, ein unerschüttbarer Halt in einem wilden, gnadenlosen Leben für ihn. Auch wenn ich das bei meinem Temperament ab und an bezweifle. Aber wer weiß schon, ob die Herzogin nicht auch temperamentvoll ist? Keiner außer einem und ich werde mich hüten ihn danach zu fragen. Mein Sire hat mir vor endlos langer Zeit angeraten fischen zu gehen einmal die Woche, um es zu zügeln. Wenn ich sage angeraten, meine ich befohlen. Ja, sicherlich fischen lenkt ab beruhigt für den Augenblick, aber mit Fischen kann man kein Temperament und den Drang zu Bewegung zügeln. Beides ist immer da. Man kann es in einen Käfig sperren, aber es wird immer wieder ausbrechen. Ich kenne mich nur zu gut.
Mein Vater hat einmal zu mir folgendes gesagt, als er mich beim Reiten beobachtet hat:
" Wichtig Adela ist es, dass du dich kennst, dich dann zügelst, wenn es von dir verlangt wird, wie du es vortrefflich bei einem Pferd vermagst, aber dich dabei nie vergisst, und wenn dir alles zu viel wird, dann breche aus, lasse Dampf ab alleine, und kehre zurück und tue deine Pflichten."
Ein guter Rat! Ich frage mich nun, hat er seinen Rat befolgt? Ist er ausgebrochen und wenn, wie? Ich werde das nie erfahren, dieses Geheimnis hat er in sein Grab genommen. Micheil ist ausgebrochen, noch heute vernehme ich die Schritte, die unruhig auf und ab des Nachts gegangen sind, rieche den unverkennbaren Duft seiner Pfeife. Als Kind bin ich oft vor der Tür vor seinem Zimmer des Nachts niedergekauert und habe dem stetigen Rhythmus seiner Schritte gelauscht. Oft die ganze Nacht hindurch, irgendwann bin ich dann vor seiner Tür einfach eingeschlafen. Dennoch habe ich es nie gewagt diese Barriere zu durchbrechen und anzuklopfen, so sehr ich ihn auch liebte und er mich. Etwas hielt mich davon ab. Heute weiß ich genau, was es war. Ich verstehe ihn nur zu gut. Ab und an erwische ich mich des Nachts in der Residenz meines Sires, dass ich auf und ab gehe, wie er. Nachdenke und meine Gedanken sortiere. Wir sind uns so nah, noch immer und ja es schmerzt noch immer das Wertvollste in meinem Leben verloren zu haben. Deshalb breche ich aus, jeden Tag aufs Neue. Laufe wie wild weiterhin als würde die schwarze Horde hinter meiner Seele her sein. Drehe Runde um Runde um meinen See jeden Morgen ganz zeitig. Jeder andere würde um diese morgendliche Stunde sich noch einmal in seinem Bett umdrehen. Ich nicht. Ich muss diese Bewegung haben, sie befreit, macht den Kopf klar für wichtige Dinge und die beiden Hunde samt Wachhund, den ich auch mitnehme, benötigen den Auslauf wie ich.
Mein Sire würde wahrscheinlich, wenn er es wüsste, dazu sagen, du bist verrückt Niowe Adela. Er benutzt nun beide Namen. Wie sonderbar, ich habe es bemerkt, aber nicht angesprochen. So vieles ist mir versagt nicht anzusprechen, was ich in meinem Tagebuch niederschreibe, denn hier ist es gestattet. Ein weiteres Ventil um Luft zu holen, mich von Altlast zu befreien und gelassen dem gegenüber zu treten, was auf mich zukommen mag.
Den Morgentee stelle ich noch immer vor seine Tür auf einem Tablett ab und gieße ihn im Laufe des Tages einfach weg. Ich weiß, er mag ihn nicht, aber ich habe das, als ich älter wurde für Vater und meine Brüder immer getan. Manche Dinge behält man, weil sie einem Sicherheit geben. Ich frage mich, ob der Mann, den ich liebe, dies auch gut heißen würde? Mag er überhaupt Tee? Ich bin mir nicht sicher, denn wir haben kaum Gelegenheit über derartige Kleinigkeiten zu sprechen. Kleinigkeiten, die aber wichtig sind für ein gemeinsames zukünftiges Leben. Ich weiß, dass meine herzogliche Hoheit Bier liebt. Tee auch? Ich bin mir nicht sicher, vielleicht ist er wie mein Sire und hasst ihn des Morgens. Auch jetzt stelle ich behutsam das Tablett mit der dampfenden Teetasse darauf vor seiner Tür ab. Schlicht ist es gehalten ohne jegliche Verzierung, auch wenn es mich reizt, einfach weil es ansprechender und geschmackvoller ist die blütenweiße Serviette, auf der die Tasse steht, mit einer Blume zu zieren. Nein, den Gefallen tue ich ihm nicht mehr. Er liebt das einfache, schlichte, und scheint keine Freude an derartigen Dingen zu haben, die Micheil und ich geschätzt haben. In diesem Punkt ist er wie Vater. Dennoch kann ich nicht umhin auf dem Tee ein zartes Kräuterblatt der Mischung schwimmen zu lassen. Es sieht einfach besser aus und erfrischt den Atem des Morgens noch dazu. Während ich mich lautlos dann entferne, um meine Runde um den See mitsamt den drei Hunden zu laufen, muss ich lachen. Er wird sicherlich über meine Sturheit den Kopf schütteln, wenn er den Tee sieht. Soll er, mein Sire! Er wird mich niemals davon abbringen. Es ist nicht Sturheit, sondern Respekt und Achtung vor ihm, wie ich es vor meiner Familie hatte. Genau aus diesem Grund, steht der dampfende Tee nun vor seiner Tür, wie jeden Morgen.
Ich sehe noch immer Iras Gesicht vor mir, als ich ihr von der Schlacht berichtet habe. Das Entsetzen während ich den Anblick der mir bot, einfach überspielt habe und lachte.
Du machst Sachen Niowe!
Was sie nicht wusste, was ich verschwiegen habe, war das Sonderbare über das ich nun nachdenke, es beschäftigt mich. Das warum! Ich hatte keine Angst alleine vor dem schwarzen Heer zu stehen. Ich habe das nicht erwähnt, denn es wäre unklug. Manche Dinge behält man für sich besser.
Wieso?, das frage ich mich jetzt hier alleine. Jeder andere hätte diese Angst gefühlt, was natürlich ist. Wieso ich nicht? Liegt es an meinem unbeirrbaren Glauben zu meiner Herrin?
Dabei fällt mir jenes ein, was ich der Ordensfrau im Handelshaus gesagt habe.
Glauben lebt man, man spricht nicht darüber, werte Dame. Ich kenne noch immer nicht ihren Namen, aber sie war sehr freundlich zu mir.
Liegt es an meinem festen Glauben zu Temora, dass ich keine Angst verspürt habe in diesem einen Augenblick? Auch ja, denke ich. Ich habe keine Angst vor das Angesicht meiner Herrin zu treten. Sie um Gnade zu bitten und um Vergebung all meiner Taten, die sich wohl in einem Leben eines jeden angesammelt haben. Aber das ist nicht alles, denke ich. Liegt es an meiner Erziehung, der Härte mit der Vater durchgegriffen hat? Auch ja, sicherlich. Aber, es muss noch eine weitere Begründung für mein Verhalten geben. Ich war rational, habe abgewogen und mir überlegt, wie ich diesem Heer alleine noch schaden könnte, mich und mein Leben so teuer als möglich zu verkaufen.
Dieses Fehlen einer Angst, macht mir nun Angst während ich in meinem Zimmer auf und ab gehe.
Ich weiß inzwischen, eher gesagt ich fühle es unter den Blicken der Menschen, was sie denken. Es wird inzwischen die Runde gemacht haben im Reich.
Da steht eine Verrückte auf ihrem Gaul alleine einem Heer gegenüber!
Solche Dinge geraten sehr schnell in den Umlauf, was mir bewusst ist. Aber Gerüchte sind gut, man kann sie weise für sich nutzen, das habe ich von Vater gelernt. Auch das Gerücht von der perfekten Knappin hat inzwischen die Runde gemacht. Ich sehe es an den Gesichtern der Menschen, die mich anblicken. Manche ehrlich, manche voller Neid und manche eher gleichgültig.
Hier kommt die perfekte Knappin, steht da geschrieben. Perfekt, das ich nicht lache. Nun oberflächlich betrachtet, mag es so scheinen. Ich gehorche Befehlen, funktioniere wie eine aufgezogene Uhr Tag täglich in Erfüllung sämtlicher Knappen pflichten. Was immer dazu gehört von Sattel- und Zaumzeug Pflege hin bis zur Rüstungspflege meines Sires und der meinigen und dem täglichen harten Trainigen weiterhin. Wobei meine Knappenrüstung, die Kette bei weitem mehr Zeit in Anspruch nimmt, was mich nicht stört. Arbeit lenkt ab von so vielem. Außerdem liebe ich gepflegte Rüstungen und Waffen, und ein weiterer Vorteil ist, Arbeit lenkt ab auch von der Liebe, die ich für diesen Mann, der in mein Leben getreten ist, empfinde. Die stetig von Tag zu Tag wächst, auch wenn unsere Pflichten uns kaum Zeit lassen einige Worte zu wechseln. Von dem unbedingten Vertrauen, dass ich zu ihm habe. Daran wird sich nie etwas ändern. Ich weiß Ira hat mir einiges erzählt aber ich habe sie beschwichtigt. Ira ist sehr besorgt um mich, ich hoffe, ich kann ihr eines Tages all die Fürsorge und die langsam wachsende Freundschaft für würdig erweisen. Ich weiß, dass jedem Adeligen sich dabei der Magen umdrehen wird. Aber das ist meine Sache. Meine alleine. Ich wähle Menschen, denen ich vertraue mit Bedacht aus. Mit Bedacht? Vor meinen Augen sehe ich genau, was andere denken, wie sie Ira sehen und was sie nicht sehen. Genau das, was sie nicht sehen, erkenne ich an Ira. Sie ist eine Festung, treu und ehrlich dem ergeben, dem sie ihr Herz öffnet. Egal was andere von ihr denken mögen, ich schätze sie und ich vertraue ihr, so sonderbar das für andere auch sein mag. Ira und ich haben etwas gefunden, was unser beiden wichtig ist. Sie wird immer so bleiben, wie sie ist, auch mir gegenüber. Das schätze ich, denn drauf beruht die Wahrheit einer Freundschaft. Ich habe sie einst gebeten, mir offen zu sagen, wenn ich mich verändere, so werde, wie jene, deren Verhalten ich beobachte und missbillige.
Ich frage mich nun, wird der Mann, den ich aufrichtig liebe sich auch einmal so verändern? Nein, niemals, denke ich. Er ist anders. Ist er das? Schließlich ist er ein Mann, der etwas in seinem Leben gesucht hat, was ihm Halt gibt. Ich hoffe, dass ich einst so sein kann, wie es wohl die Herzogin für seine herzogliche Hoheit ist, ein unerschüttbarer Halt in einem wilden, gnadenlosen Leben für ihn. Auch wenn ich das bei meinem Temperament ab und an bezweifle. Aber wer weiß schon, ob die Herzogin nicht auch temperamentvoll ist? Keiner außer einem und ich werde mich hüten ihn danach zu fragen. Mein Sire hat mir vor endlos langer Zeit angeraten fischen zu gehen einmal die Woche, um es zu zügeln. Wenn ich sage angeraten, meine ich befohlen. Ja, sicherlich fischen lenkt ab beruhigt für den Augenblick, aber mit Fischen kann man kein Temperament und den Drang zu Bewegung zügeln. Beides ist immer da. Man kann es in einen Käfig sperren, aber es wird immer wieder ausbrechen. Ich kenne mich nur zu gut.
Mein Vater hat einmal zu mir folgendes gesagt, als er mich beim Reiten beobachtet hat:
" Wichtig Adela ist es, dass du dich kennst, dich dann zügelst, wenn es von dir verlangt wird, wie du es vortrefflich bei einem Pferd vermagst, aber dich dabei nie vergisst, und wenn dir alles zu viel wird, dann breche aus, lasse Dampf ab alleine, und kehre zurück und tue deine Pflichten."
Ein guter Rat! Ich frage mich nun, hat er seinen Rat befolgt? Ist er ausgebrochen und wenn, wie? Ich werde das nie erfahren, dieses Geheimnis hat er in sein Grab genommen. Micheil ist ausgebrochen, noch heute vernehme ich die Schritte, die unruhig auf und ab des Nachts gegangen sind, rieche den unverkennbaren Duft seiner Pfeife. Als Kind bin ich oft vor der Tür vor seinem Zimmer des Nachts niedergekauert und habe dem stetigen Rhythmus seiner Schritte gelauscht. Oft die ganze Nacht hindurch, irgendwann bin ich dann vor seiner Tür einfach eingeschlafen. Dennoch habe ich es nie gewagt diese Barriere zu durchbrechen und anzuklopfen, so sehr ich ihn auch liebte und er mich. Etwas hielt mich davon ab. Heute weiß ich genau, was es war. Ich verstehe ihn nur zu gut. Ab und an erwische ich mich des Nachts in der Residenz meines Sires, dass ich auf und ab gehe, wie er. Nachdenke und meine Gedanken sortiere. Wir sind uns so nah, noch immer und ja es schmerzt noch immer das Wertvollste in meinem Leben verloren zu haben. Deshalb breche ich aus, jeden Tag aufs Neue. Laufe wie wild weiterhin als würde die schwarze Horde hinter meiner Seele her sein. Drehe Runde um Runde um meinen See jeden Morgen ganz zeitig. Jeder andere würde um diese morgendliche Stunde sich noch einmal in seinem Bett umdrehen. Ich nicht. Ich muss diese Bewegung haben, sie befreit, macht den Kopf klar für wichtige Dinge und die beiden Hunde samt Wachhund, den ich auch mitnehme, benötigen den Auslauf wie ich.
Mein Sire würde wahrscheinlich, wenn er es wüsste, dazu sagen, du bist verrückt Niowe Adela. Er benutzt nun beide Namen. Wie sonderbar, ich habe es bemerkt, aber nicht angesprochen. So vieles ist mir versagt nicht anzusprechen, was ich in meinem Tagebuch niederschreibe, denn hier ist es gestattet. Ein weiteres Ventil um Luft zu holen, mich von Altlast zu befreien und gelassen dem gegenüber zu treten, was auf mich zukommen mag.
Den Morgentee stelle ich noch immer vor seine Tür auf einem Tablett ab und gieße ihn im Laufe des Tages einfach weg. Ich weiß, er mag ihn nicht, aber ich habe das, als ich älter wurde für Vater und meine Brüder immer getan. Manche Dinge behält man, weil sie einem Sicherheit geben. Ich frage mich, ob der Mann, den ich liebe, dies auch gut heißen würde? Mag er überhaupt Tee? Ich bin mir nicht sicher, denn wir haben kaum Gelegenheit über derartige Kleinigkeiten zu sprechen. Kleinigkeiten, die aber wichtig sind für ein gemeinsames zukünftiges Leben. Ich weiß, dass meine herzogliche Hoheit Bier liebt. Tee auch? Ich bin mir nicht sicher, vielleicht ist er wie mein Sire und hasst ihn des Morgens. Auch jetzt stelle ich behutsam das Tablett mit der dampfenden Teetasse darauf vor seiner Tür ab. Schlicht ist es gehalten ohne jegliche Verzierung, auch wenn es mich reizt, einfach weil es ansprechender und geschmackvoller ist die blütenweiße Serviette, auf der die Tasse steht, mit einer Blume zu zieren. Nein, den Gefallen tue ich ihm nicht mehr. Er liebt das einfache, schlichte, und scheint keine Freude an derartigen Dingen zu haben, die Micheil und ich geschätzt haben. In diesem Punkt ist er wie Vater. Dennoch kann ich nicht umhin auf dem Tee ein zartes Kräuterblatt der Mischung schwimmen zu lassen. Es sieht einfach besser aus und erfrischt den Atem des Morgens noch dazu. Während ich mich lautlos dann entferne, um meine Runde um den See mitsamt den drei Hunden zu laufen, muss ich lachen. Er wird sicherlich über meine Sturheit den Kopf schütteln, wenn er den Tee sieht. Soll er, mein Sire! Er wird mich niemals davon abbringen. Es ist nicht Sturheit, sondern Respekt und Achtung vor ihm, wie ich es vor meiner Familie hatte. Genau aus diesem Grund, steht der dampfende Tee nun vor seiner Tür, wie jeden Morgen.
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Niowe Adela Aireth
Liebe inmitten von Kriegswirren
16. Searum 254
Mein Herz tat einen Luftsprung als ich ihn da sitzen gesehen habe. Ich habe meinen Kontrollritt durch das Reich beendet, bis hin zum Kloster bin ich geritten, habe wie immer im Regiment meinen Blick über die Umgebung streifen lassen eventueller Bedrohung für das Reich Ausschau gehalten. Nichts, alles schien ruhig zu sein. Die Wachen am Kloster waren in Alarmbereitschaft und haben aufmerksam jeden, der sich dem Kloster genähert hat in Augenschein genommen. Auch mich, was mich nicht störte. Ich habe mein Tuch kurz vom Gesicht gezogen und mich ihnen ausgewiesen, dann ritt ich weiter.
Versunken in Gedanken und so nachdenklich, wie ich ihn bisher nicht kannte, sitzt er da vor dem Rathaus. Ich habe mein Streitross angehalten und ihn einfach nur angesehen, den Mann, der mir sein Herz geschenkt hat und den ich liebe. Ich könnte stundenlang ihn so betrachten und dennoch habe ich Angst. Angst, dass jenes geschehen könnte, wovor mich Micheil immer wieder gewarnt hat. Es sitzt tief in mir, das ist mir bewusst. Jetzt aber, wo ich ihn sehe ist alles vergessen. Jegliche innere Warnung meines Bruders lasse ich außer Acht. Es gibt nur ihn und die Welt hält einfach still. Auch der Krieg. Ich springe von meinem Streitross herab und binde es an. Mein Tuch trage ich wie immer vor dem Gesicht aus Angst ich könnte diese Krankheit, die mich einige Wochen gequält hat, erneut bekommen, und anderen schaden. Yora, die wunderbare Heilerin der Thyren scheint es diesmal geschafft zu haben. Ich spüre seit Tagen nichts mehr und den Runenring trage ich weiterhin, wie versprochen auf meinem Mittelfinger, er soll diesen Geist abhalten erneut zurückzukehren, den sie gebannt hat.
Ich bin bestens gelaunt nun, weil er da ist. Wir haben kaum Zeit vor allem in diesem ständig aufflackernden Krieg. Aber nun ist er da und ich betrachte ihn. Er merkt noch immer nichts, so sehr ist er in seinen Gedanken versunken, dass ich es kaum wage näher zu kommen, ihn anzusprechen. Er wirkt sorgenvoll. Mir ist bewusst, dass ihm Berchgard am Herzen liegt. Oft haben wir darüber gesprochen. Er ist der beste Mann für diesen Posten, denn er hat nicht nur ein Herz, er ist aufrichtig und immer freundlich sobald jemand mit Sorgen an ihn heran tritt. Jetzt ist keiner da und er wirkt ein wenig verloren und das berührt mich. Rasch trete ich an ihn heran und habe Angst, dass mein Herz, das so laut klopft als wolle es jeden Augenblick zerspringen, mich verrät und er den Blick anhebt. Tut er aber nicht.
Überfall? , sage ich leise, weil mein Herz so laut schlägt, dass ich kaum sprechen kann nun. Er blickt auf und ich sehe in seine dunklen Augen, die mir so viel Wärme spenden und mich verunsichern. Ein Gefühl, das mir neu ist. So vieles ist mir neu, seitdem ich ihn kenne.
Ich scheine auch nirgendwo mehr sicher zu sein, vernehme ich seine Stimme dann.
Niemals seid Ihr vor mir sicher, seid dessen gewiss!, habe sich sogleich geantwortet. Ein wenig genervt war er nun und ich habe ihn besorgt, aufmerksam angesehen.
Naja ich bin auch selber schuld.
Ja, bist du wir haben Krieg, habe ich geantwortet und für einen kurzen Augenblick Temora gedankt, dass ich hier stehe und kein anderer, der ihm Übles antun wollte. Er erhebt sich und kommt auf mich zu.
Rechne immer damit auch hier, sage ich leise. Es ist mein Ernst ich habe Angst um ihn jetzt, wo mir bewusst wird, was alles passieren hätte können. Auch hier in Berchgard, oder gerade hier und jetzt.
Er hat nun meine Stimme erkannt mir das Tuch vom Gesicht herab gezogen und unter seinem Blick werden mit einem Male meine Knie weich. Wenn das Vater gesehen hätte, ich glaube er hätte den Schock seines Lebens bekommen. Seine Tochter und weiche Knie, unvorstellbar. Auch wenn er den Mann, den ich liebe akzeptiert hätte, das fühle ich. Anfangs mit einigen Schwierigkeiten und mehrmaligen Prüfungen, verständlicher Weise unter vier Augen, dann mit Micheil an seiner Seite, der wohl ein gutes Wort eingelegt hätte, aber später dann, hätte er ihn gemocht und als Teil der Familie betrachtet, dessen bin ich mir ganz sicher. Es tut weh mein Glück nicht mit meiner Familie teilen zu dürfen.
Wir haben dann über Berchgard gesprochen, während er mich behutsam in seinem Arm gehalten hat.
Selbst wenn Berchgard abgebrannt wäre, würde ich nicht hier stehen und weinen, natürlich würde es mich treffen, aber ich würde niemals aufgeben. Worte, die aus meinem Mund hätten stammen können. Wir sind uns so ähnlich in vielen Dingen, dass es mich verwirrt. So nahe war mir immer Micheil früher, nun ist ein anderer an seine Stelle getreten. Einer, der meinem Bruder gleichwertig ist, in allem. Er liebt Poesie wie ich, tanzt gerne, liebt Musik und er denkt so oft wie ich, und spricht Dinge aus, die ich gesagt hätte. Es ist beunruhigend und sehr verwirrend für mich. Er hat alle Eigenschaften, die ich schätze, fast meine ich, mich in einem Traum zu befinden und irgend wann erwache ich und die kalte Wirklichkeit holt mich ein. Sie kam auch dann, viel zu früh, so gerne hätte ich noch seinen Worten gelauscht mit ihm gelacht und einfach alles einmal vergessen. Er war mir nahe und so war der erste Schock leichter zu ertragen. Alarmglocken! Wir beiden haben gelauscht, versucht zu erraten, woher sie kamen. Nicht aus Berchgard, das war uns beiden klar. Adoran? Mein Herz hat kurz gestockt.
Lass es nicht Adoran sein bitte, denke ich. Es war auch nicht Adoran. Es kam eher aus der Richtung, wo Duestersee liegen muss. Aber wieso schlagen dort Alarmglocken? Ich verstehe es nicht. Wer in aller Welt würde angreifen dort? Wir sicherlich nicht? Wer sonst? Die Fragen bleiben unbeantwortet und die Alarmglocken hören auf zu schlagen. Ruhe kehrt ein.
Und inmitten dieser Ruhe küssen wir uns und erneut steht die Zeit still. Einen Augenblick zwar nur, aber dieser eine Augenblick ist für uns beide kostbar. Dieser eine Kuss wird für mich unvergesslich bleiben, so behutsam und zärtlich wie noch nie war er. Dann bin ich davon geritten und er ist seiner Arbeit nachgegangen. Ich habe dann in der Residenz meines Sires bis in die frühen Morgenstunden gearbeitet und bin erschöpft ins Bett gefallen. Ob Raindri die Botschaft bereits erhalten hat? Ich hoffe es.
Nach einem Gebet zu Temora bin ich eingeschlafen, schließlich muss der Sire bevor er aufsteht seinen Tee vor seinem Zimmer vorfinden, den ich wie immer dann wegschütte, weil er ihn nicht anrührt. Manche Dinge haben Bestand und das ist gut so.
Mein Herz tat einen Luftsprung als ich ihn da sitzen gesehen habe. Ich habe meinen Kontrollritt durch das Reich beendet, bis hin zum Kloster bin ich geritten, habe wie immer im Regiment meinen Blick über die Umgebung streifen lassen eventueller Bedrohung für das Reich Ausschau gehalten. Nichts, alles schien ruhig zu sein. Die Wachen am Kloster waren in Alarmbereitschaft und haben aufmerksam jeden, der sich dem Kloster genähert hat in Augenschein genommen. Auch mich, was mich nicht störte. Ich habe mein Tuch kurz vom Gesicht gezogen und mich ihnen ausgewiesen, dann ritt ich weiter.
Versunken in Gedanken und so nachdenklich, wie ich ihn bisher nicht kannte, sitzt er da vor dem Rathaus. Ich habe mein Streitross angehalten und ihn einfach nur angesehen, den Mann, der mir sein Herz geschenkt hat und den ich liebe. Ich könnte stundenlang ihn so betrachten und dennoch habe ich Angst. Angst, dass jenes geschehen könnte, wovor mich Micheil immer wieder gewarnt hat. Es sitzt tief in mir, das ist mir bewusst. Jetzt aber, wo ich ihn sehe ist alles vergessen. Jegliche innere Warnung meines Bruders lasse ich außer Acht. Es gibt nur ihn und die Welt hält einfach still. Auch der Krieg. Ich springe von meinem Streitross herab und binde es an. Mein Tuch trage ich wie immer vor dem Gesicht aus Angst ich könnte diese Krankheit, die mich einige Wochen gequält hat, erneut bekommen, und anderen schaden. Yora, die wunderbare Heilerin der Thyren scheint es diesmal geschafft zu haben. Ich spüre seit Tagen nichts mehr und den Runenring trage ich weiterhin, wie versprochen auf meinem Mittelfinger, er soll diesen Geist abhalten erneut zurückzukehren, den sie gebannt hat.
Ich bin bestens gelaunt nun, weil er da ist. Wir haben kaum Zeit vor allem in diesem ständig aufflackernden Krieg. Aber nun ist er da und ich betrachte ihn. Er merkt noch immer nichts, so sehr ist er in seinen Gedanken versunken, dass ich es kaum wage näher zu kommen, ihn anzusprechen. Er wirkt sorgenvoll. Mir ist bewusst, dass ihm Berchgard am Herzen liegt. Oft haben wir darüber gesprochen. Er ist der beste Mann für diesen Posten, denn er hat nicht nur ein Herz, er ist aufrichtig und immer freundlich sobald jemand mit Sorgen an ihn heran tritt. Jetzt ist keiner da und er wirkt ein wenig verloren und das berührt mich. Rasch trete ich an ihn heran und habe Angst, dass mein Herz, das so laut klopft als wolle es jeden Augenblick zerspringen, mich verrät und er den Blick anhebt. Tut er aber nicht.
Überfall? , sage ich leise, weil mein Herz so laut schlägt, dass ich kaum sprechen kann nun. Er blickt auf und ich sehe in seine dunklen Augen, die mir so viel Wärme spenden und mich verunsichern. Ein Gefühl, das mir neu ist. So vieles ist mir neu, seitdem ich ihn kenne.
Ich scheine auch nirgendwo mehr sicher zu sein, vernehme ich seine Stimme dann.
Niemals seid Ihr vor mir sicher, seid dessen gewiss!, habe sich sogleich geantwortet. Ein wenig genervt war er nun und ich habe ihn besorgt, aufmerksam angesehen.
Naja ich bin auch selber schuld.
Ja, bist du wir haben Krieg, habe ich geantwortet und für einen kurzen Augenblick Temora gedankt, dass ich hier stehe und kein anderer, der ihm Übles antun wollte. Er erhebt sich und kommt auf mich zu.
Rechne immer damit auch hier, sage ich leise. Es ist mein Ernst ich habe Angst um ihn jetzt, wo mir bewusst wird, was alles passieren hätte können. Auch hier in Berchgard, oder gerade hier und jetzt.
Er hat nun meine Stimme erkannt mir das Tuch vom Gesicht herab gezogen und unter seinem Blick werden mit einem Male meine Knie weich. Wenn das Vater gesehen hätte, ich glaube er hätte den Schock seines Lebens bekommen. Seine Tochter und weiche Knie, unvorstellbar. Auch wenn er den Mann, den ich liebe akzeptiert hätte, das fühle ich. Anfangs mit einigen Schwierigkeiten und mehrmaligen Prüfungen, verständlicher Weise unter vier Augen, dann mit Micheil an seiner Seite, der wohl ein gutes Wort eingelegt hätte, aber später dann, hätte er ihn gemocht und als Teil der Familie betrachtet, dessen bin ich mir ganz sicher. Es tut weh mein Glück nicht mit meiner Familie teilen zu dürfen.
Wir haben dann über Berchgard gesprochen, während er mich behutsam in seinem Arm gehalten hat.
Selbst wenn Berchgard abgebrannt wäre, würde ich nicht hier stehen und weinen, natürlich würde es mich treffen, aber ich würde niemals aufgeben. Worte, die aus meinem Mund hätten stammen können. Wir sind uns so ähnlich in vielen Dingen, dass es mich verwirrt. So nahe war mir immer Micheil früher, nun ist ein anderer an seine Stelle getreten. Einer, der meinem Bruder gleichwertig ist, in allem. Er liebt Poesie wie ich, tanzt gerne, liebt Musik und er denkt so oft wie ich, und spricht Dinge aus, die ich gesagt hätte. Es ist beunruhigend und sehr verwirrend für mich. Er hat alle Eigenschaften, die ich schätze, fast meine ich, mich in einem Traum zu befinden und irgend wann erwache ich und die kalte Wirklichkeit holt mich ein. Sie kam auch dann, viel zu früh, so gerne hätte ich noch seinen Worten gelauscht mit ihm gelacht und einfach alles einmal vergessen. Er war mir nahe und so war der erste Schock leichter zu ertragen. Alarmglocken! Wir beiden haben gelauscht, versucht zu erraten, woher sie kamen. Nicht aus Berchgard, das war uns beiden klar. Adoran? Mein Herz hat kurz gestockt.
Lass es nicht Adoran sein bitte, denke ich. Es war auch nicht Adoran. Es kam eher aus der Richtung, wo Duestersee liegen muss. Aber wieso schlagen dort Alarmglocken? Ich verstehe es nicht. Wer in aller Welt würde angreifen dort? Wir sicherlich nicht? Wer sonst? Die Fragen bleiben unbeantwortet und die Alarmglocken hören auf zu schlagen. Ruhe kehrt ein.
Und inmitten dieser Ruhe küssen wir uns und erneut steht die Zeit still. Einen Augenblick zwar nur, aber dieser eine Augenblick ist für uns beide kostbar. Dieser eine Kuss wird für mich unvergesslich bleiben, so behutsam und zärtlich wie noch nie war er. Dann bin ich davon geritten und er ist seiner Arbeit nachgegangen. Ich habe dann in der Residenz meines Sires bis in die frühen Morgenstunden gearbeitet und bin erschöpft ins Bett gefallen. Ob Raindri die Botschaft bereits erhalten hat? Ich hoffe es.
Nach einem Gebet zu Temora bin ich eingeschlafen, schließlich muss der Sire bevor er aufsteht seinen Tee vor seinem Zimmer vorfinden, den ich wie immer dann wegschütte, weil er ihn nicht anrührt. Manche Dinge haben Bestand und das ist gut so.
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Niowe Adela Aireth
Gedanken zu den Geschehnissen der letzten Tage
25. Searum 254
Ein Gefahrenpotenzial sind all jene, die sich willkürlich in die Strukturen des Regiments einmischen, ohne diese Strukturen zu kennen oder richtig zu nutzen.
Die Bedeutung dieser Worte geht mir seit der Besprechung im Regiment nicht mehr aus dem Kopf. Sie sind wahr und beunruhigend. Um nichts möchte ich mit ihm je tauschen, denn an dieser Situation wird sich nichts ändern. Auch wenn ich mir bereits Gedanken gemacht habe, wie man dies verändern könnte. Endlich hat einer es gewagt das auszusprechen, was mir schon lange durch den Sinn geht.
Wenn ich da an die unzähligen Angriffe auf Adoran denke, die wir, das Regiment erfolgreich zurückgeschlagen haben, und es waren bei weitem mehr Gegner als in Berchgard, verstehe ich den Oberst und seine Verzweiflung. Seit jener Besprechung sehe ich ihn mit anderen Augen. Ich weiß nun, dass er um jeden im Regiment besorgt ist. Das hätte ich nie gedacht. Ich habe ihn immer anders eingeschätzt. Unnahbar, gefühllos und hart. Wie Vater es eben war, und das war gut so. Ich weiß nicht, ob ich mit der anderen gefühlvollen Seite des Obersts umgehen kann. Ich will es eigentlich nicht. Für mich wird er das bleiben, was er immer war, Oberst von Tannhoeh, der Befehle ausgibt, die befolgt werden ohne Diskussion und wenn und aber. Darüber Nachdenken tue ich sowieso dann für mich alleine, mache mir Notizen in mein Büchlein in das ich so manches schon verewigt habe. Aber das sei gestattet, und das braucht keiner zu wissen.
Wir hatten bereits ein Debakel vor dem Kloster. Das lag nicht am Regiment. Fast hätten wir es in Berchgard auch gehabt, zum Glück waren die Untoten zu dumm in diesem geeigneten Augenblick, wo das gesamte Regiment wo anders hin beordert wurde, Berchgard zu überrollen. Das wäre ein leichtes gewesen. Mich hat man dazu beordert das schwere Eisentor hinauf zu kurbel und herabzulassen. Das hätte jeder tun können, der kein Gardist im Regiment ist.
Jetzt stellt sich mir die Frage, geht das noch lange gut? Wir hatten bereits die eine Niederlage, weitere werden folgen. Die Rabendiener sind nicht dumm. Ich kenne sie schon lange. Sie ziehen sich durch mein junges Leben, seit dem Tage als ich in Adoran angekommen bin. Dumm ist nur die Schar der Untoten, die sie befehligen, aber man sollte auch diese nie unterschätzen. Bei ihnen macht es die Menge aus, die zählt. Es sind ja genügend da. Mit Entsetzen habe ich in Varuna untote Gardisten des Regiments gesehen. Sie haben fast die gleiche Uniform getragen, wie wir. Mein Sire meint, sie hätten nur das Lager des Regiments in Varuna ausgeräumt und benutzen diese Uniformen, um uns zu täuschen und zu verwirren. Ist das wirklich so? Oder haben diese Rabendiener die Macht, Seelen, die Temora geweiht wurden, zu entreißen? Ist das möglich?
Es hat mir weh getan, diese untoten Gardisten vor Varuna, als ich als Späher dorthin ausgeschickt wurde, anzugreifen und deren Gebeine zu zerschlagen. Rechnen die Rabendiener damit? Missbrauchen sie unsere Gefühle toten Kameraden gegenüber, um uns zu verunsichern? Ist das deren neue Taktik?
Mein Sire hat das einfach abgetan. Für mich, die einst tote Gardisten in die Mauern Adorans schleppen musste, und sie dann mit deren Umhang bedeckt hat, ist es schlimm. Jeden toten Kameraden betrauere ich. So viele Gesichter sind es bereits, die mich hier am See ansehen.
Ja, ich habe meine Schuldgefühle, die ich damals hatte, mit Hilfe meines Sires abgelegt. Ich spreche nicht mehr darüber, aber ich denke an sie. Hier und jetzt und das wird immer so bleiben. All die Toten haben es verdient, dass einer ihrer gedenkt, sich daran erinnert, dass sie gelebt haben und nun bei Temora sind. Das bin ich ihnen und meiner Familie schuldig.
Seit drei Tagen haben wir einen Angriff nach dem anderen zuerst bei der Bibliothek, dann in Berchgard abgewehrt.
Wir haben junge Rekruten. Einer ist wie Raindri, nur Raindir ist ein alter Kempe, der bereits viele Schlachten geschlagen hat. Er weiß, was er tun muss. Weiß das der junge Rekrut auch? Ich bin mir da nicht sicher. Für ihn ist Raindri ein Vorbild. Ich hätte ihm davon abgeraten, aber das ist nicht meine Aufgabe. Raindri ist ein Vorbild, was das Kämpfen angeht, die Taktik ab und an, auch wenn er sich dabei manchmal irrt. Aber er ist sicherlich kein Vorbild wenn man von Disziplin und Ordnung spricht. Raindri, der Name bedeutet Chaos. So sehr ich ihn als Freund schätze, ich akzeptiere vieles nicht bei ihm und sein Chaos steckt andere an, die ihm voller Begeisterung einfach folgen ohne darüber nachzudenken, das weiß ich. Besonders jene, die zu ihm aufblicken, sind in Gefahr. Dazu gehöre ich nicht. Wir sind Freunde, ich, die ihm ständig in den Ohren liegt mit Dingen, die so nicht gehen und gehandhabt werden sollen, er der sich über meine Korrektheit und Disziplin lustig macht. Ich weiß das nur zu genau, ich sehe es an seinem Gesicht, wenn ich wieder einmal etwas an ihm bemängle, da bekommt es diesen „Typisch Niowe Adela Ausdruck“ und dann geht er einfach davon. Das macht mir rasend. Wieso kann er nicht einmal stehen bleiben und sagen „Du hast ja recht, aber ich will es so gerade nicht tun“! Ich könnte das zwar auch nicht akzeptieren, aber eine Antwort wäre noch immer besser, als sein Grinsen und das sich Umdrehen und Weggehen. Davon weiß keiner, schon gar nicht im Regiment, weil man das nicht so hinnehmen würde. Ich werde weiterhin schweigen, ihm unter vier Augen meine Meinung sagen, und er wird wohl weiterhin sich einfach davon machen. So ist eben Raindri. Das einzige Gute daran ist, dass ich mit Sicherheit weiß, er ist, wie Ira einmal so schön sagte „ zu dumm zum Sterben!“. Ganz so ist es nicht, Raindri ist nicht dumm, nur eine sturer Bock, der einfach seinen Willen durchsetzen will, vor allem bei Frauen, und sicherlich sich vor dem Tod einfach mal umdreht und davon geht, bloß weil er gerade dazu keine Lust hat. Bei mir kann er das vergessen, da beißt er auf Granit.
Wieso ich das so hin nehme? Weil er ein Freund ist, einer der seltenen Freunde auf die ich mich verlassen kann. Jedes Mal, wenn wir Seite an Seite kämpfen, weiß ich, da ist einer der hält dir den Rücken frei ohne dass du darüber viele Worte verlieren musst, und du ihm. Gemeinsam schaffen wir das. Er das Chaos, ich die Ordnung, so wird es wohl immer sein und bleiben und darüber werden wir bis an unser Lebensende weiter diskutieren. Also ich eher, und er wird nur schweigen, grinsen, und sich umdrehen und weggehen.
Ein Gefahrenpotenzial sind all jene, die sich willkürlich in die Strukturen des Regiments einmischen, ohne diese Strukturen zu kennen oder richtig zu nutzen.
Die Bedeutung dieser Worte geht mir seit der Besprechung im Regiment nicht mehr aus dem Kopf. Sie sind wahr und beunruhigend. Um nichts möchte ich mit ihm je tauschen, denn an dieser Situation wird sich nichts ändern. Auch wenn ich mir bereits Gedanken gemacht habe, wie man dies verändern könnte. Endlich hat einer es gewagt das auszusprechen, was mir schon lange durch den Sinn geht.
Wenn ich da an die unzähligen Angriffe auf Adoran denke, die wir, das Regiment erfolgreich zurückgeschlagen haben, und es waren bei weitem mehr Gegner als in Berchgard, verstehe ich den Oberst und seine Verzweiflung. Seit jener Besprechung sehe ich ihn mit anderen Augen. Ich weiß nun, dass er um jeden im Regiment besorgt ist. Das hätte ich nie gedacht. Ich habe ihn immer anders eingeschätzt. Unnahbar, gefühllos und hart. Wie Vater es eben war, und das war gut so. Ich weiß nicht, ob ich mit der anderen gefühlvollen Seite des Obersts umgehen kann. Ich will es eigentlich nicht. Für mich wird er das bleiben, was er immer war, Oberst von Tannhoeh, der Befehle ausgibt, die befolgt werden ohne Diskussion und wenn und aber. Darüber Nachdenken tue ich sowieso dann für mich alleine, mache mir Notizen in mein Büchlein in das ich so manches schon verewigt habe. Aber das sei gestattet, und das braucht keiner zu wissen.
Wir hatten bereits ein Debakel vor dem Kloster. Das lag nicht am Regiment. Fast hätten wir es in Berchgard auch gehabt, zum Glück waren die Untoten zu dumm in diesem geeigneten Augenblick, wo das gesamte Regiment wo anders hin beordert wurde, Berchgard zu überrollen. Das wäre ein leichtes gewesen. Mich hat man dazu beordert das schwere Eisentor hinauf zu kurbel und herabzulassen. Das hätte jeder tun können, der kein Gardist im Regiment ist.
Jetzt stellt sich mir die Frage, geht das noch lange gut? Wir hatten bereits die eine Niederlage, weitere werden folgen. Die Rabendiener sind nicht dumm. Ich kenne sie schon lange. Sie ziehen sich durch mein junges Leben, seit dem Tage als ich in Adoran angekommen bin. Dumm ist nur die Schar der Untoten, die sie befehligen, aber man sollte auch diese nie unterschätzen. Bei ihnen macht es die Menge aus, die zählt. Es sind ja genügend da. Mit Entsetzen habe ich in Varuna untote Gardisten des Regiments gesehen. Sie haben fast die gleiche Uniform getragen, wie wir. Mein Sire meint, sie hätten nur das Lager des Regiments in Varuna ausgeräumt und benutzen diese Uniformen, um uns zu täuschen und zu verwirren. Ist das wirklich so? Oder haben diese Rabendiener die Macht, Seelen, die Temora geweiht wurden, zu entreißen? Ist das möglich?
Es hat mir weh getan, diese untoten Gardisten vor Varuna, als ich als Späher dorthin ausgeschickt wurde, anzugreifen und deren Gebeine zu zerschlagen. Rechnen die Rabendiener damit? Missbrauchen sie unsere Gefühle toten Kameraden gegenüber, um uns zu verunsichern? Ist das deren neue Taktik?
Mein Sire hat das einfach abgetan. Für mich, die einst tote Gardisten in die Mauern Adorans schleppen musste, und sie dann mit deren Umhang bedeckt hat, ist es schlimm. Jeden toten Kameraden betrauere ich. So viele Gesichter sind es bereits, die mich hier am See ansehen.
Ja, ich habe meine Schuldgefühle, die ich damals hatte, mit Hilfe meines Sires abgelegt. Ich spreche nicht mehr darüber, aber ich denke an sie. Hier und jetzt und das wird immer so bleiben. All die Toten haben es verdient, dass einer ihrer gedenkt, sich daran erinnert, dass sie gelebt haben und nun bei Temora sind. Das bin ich ihnen und meiner Familie schuldig.
Seit drei Tagen haben wir einen Angriff nach dem anderen zuerst bei der Bibliothek, dann in Berchgard abgewehrt.
Wir haben junge Rekruten. Einer ist wie Raindri, nur Raindir ist ein alter Kempe, der bereits viele Schlachten geschlagen hat. Er weiß, was er tun muss. Weiß das der junge Rekrut auch? Ich bin mir da nicht sicher. Für ihn ist Raindri ein Vorbild. Ich hätte ihm davon abgeraten, aber das ist nicht meine Aufgabe. Raindri ist ein Vorbild, was das Kämpfen angeht, die Taktik ab und an, auch wenn er sich dabei manchmal irrt. Aber er ist sicherlich kein Vorbild wenn man von Disziplin und Ordnung spricht. Raindri, der Name bedeutet Chaos. So sehr ich ihn als Freund schätze, ich akzeptiere vieles nicht bei ihm und sein Chaos steckt andere an, die ihm voller Begeisterung einfach folgen ohne darüber nachzudenken, das weiß ich. Besonders jene, die zu ihm aufblicken, sind in Gefahr. Dazu gehöre ich nicht. Wir sind Freunde, ich, die ihm ständig in den Ohren liegt mit Dingen, die so nicht gehen und gehandhabt werden sollen, er der sich über meine Korrektheit und Disziplin lustig macht. Ich weiß das nur zu genau, ich sehe es an seinem Gesicht, wenn ich wieder einmal etwas an ihm bemängle, da bekommt es diesen „Typisch Niowe Adela Ausdruck“ und dann geht er einfach davon. Das macht mir rasend. Wieso kann er nicht einmal stehen bleiben und sagen „Du hast ja recht, aber ich will es so gerade nicht tun“! Ich könnte das zwar auch nicht akzeptieren, aber eine Antwort wäre noch immer besser, als sein Grinsen und das sich Umdrehen und Weggehen. Davon weiß keiner, schon gar nicht im Regiment, weil man das nicht so hinnehmen würde. Ich werde weiterhin schweigen, ihm unter vier Augen meine Meinung sagen, und er wird wohl weiterhin sich einfach davon machen. So ist eben Raindri. Das einzige Gute daran ist, dass ich mit Sicherheit weiß, er ist, wie Ira einmal so schön sagte „ zu dumm zum Sterben!“. Ganz so ist es nicht, Raindri ist nicht dumm, nur eine sturer Bock, der einfach seinen Willen durchsetzen will, vor allem bei Frauen, und sicherlich sich vor dem Tod einfach mal umdreht und davon geht, bloß weil er gerade dazu keine Lust hat. Bei mir kann er das vergessen, da beißt er auf Granit.
Wieso ich das so hin nehme? Weil er ein Freund ist, einer der seltenen Freunde auf die ich mich verlassen kann. Jedes Mal, wenn wir Seite an Seite kämpfen, weiß ich, da ist einer der hält dir den Rücken frei ohne dass du darüber viele Worte verlieren musst, und du ihm. Gemeinsam schaffen wir das. Er das Chaos, ich die Ordnung, so wird es wohl immer sein und bleiben und darüber werden wir bis an unser Lebensende weiter diskutieren. Also ich eher, und er wird nur schweigen, grinsen, und sich umdrehen und weggehen.
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Niowe Adela Aireth
Mein Weg
25. Searum 254
Während ich wie verrückt mir die Finger wund schreibe an einem Konzept, welches ich dem Oberst vorlegen will, spüre ich den unerträglichen Schmerz in meiner Brust. Micheil, denke ich und lege die Feder beiseite. Werde ich das mein ganzes Leben lang spüren? Ich dachte mit der Zeit wird es erträglich, man lernt damit umzugehen. Mein Sire konnte es, er ist glücklich. Vielleicht liegt es an mir, denke ich. Vielleicht auch an der Tatsache, dass es einfach anders ist eine Familie verloren zu haben. Vielleicht ist das etwas ganz anderes, etwas das man nicht ersetzen kann, weil es unersetzbar ist. Man kann es nicht einfach austauschen wie eine neue Frau, oder ein weiteres Schlachtross.
Mit jedem Atemzug, den ich tue, liebe ich den Mann, den mein Herz erwählt hat. Gleichzeitig wird mir bewusst, wie sehr ich jetzt, wo ich liebe, meine Familie gerne um mich hätte. Micheil, dem ich alles erzählen konnte, der diesem Mann auf gewisse Art ähnlich ist, und doch ganz anders. Wie schön wäre es Vater und Micheil und auch Gillian diesen Mann vorstellen zu können. Sie zu beobachten, wie sie sich kennenlernen, wie er langsam Teil meiner Familie wird. Vater, dich vermisse ich, so vieles was unausgesprochen blieb, ist verloren. Ja, ich vermisse auch deine Härte, den festen Willen, deine Beständigkeit und die oft rücksichtlose Wahrheit, die Teil meines Lebens waren, und worauf ich mich verlassen konnte. Säulen, die fest verankert waren im meinem Leben und es noch immer sind. Jeder Schritt, jede Tat, die ich setze, unterziehe ich einer Prüfung. Deiner Prüfung. Hätte es bestand gefunden unter deinen Augen? Manches sicherlich nicht, das ist mir bewusst. Aber in dem ich darüber nachdenke, lerne ich daraus. Das Schreiben, welches ich meinem Sire heimlich auf den Kamin gelegt habe, damit er es findet, du Vater hättest es gut geheißen. Darauf bin ich stolz, denn es war die Wahrheit, die ich da niedergeschrieben habe. Unbarmherzig mir gegenüber, aber richtig für mich. Es kostet Überwindung sich zu seinen Fehlern zu bekennen, schriftlich noch viel mehr, denn das Geschriebene kann man nicht einfach abtun. Deshalb, wohl aus diesem Grund habe ich diese Form gewählt.
Bei diesem Konzept nun bin ich mir unsicher. Will ich das wirklich? Ist das mein Weg? Sicherlich würde es vielen Rekruten im Regiment helfen, das ist mir bewusst, vielleicht sogar Leben retten, was mir am Herzen liegt, aber… Es geht dabei, um mich. Will ich mir das wirklich antun? Den Neid anderer noch mehr schüren? Nein, das will ich nicht. Das Regiment hat festgefahrene Strukturen, der Oberst will sie lösen uns Mut und vor allem die Verantwortung übergeben etwas zu ändern. Mir geht es dabei um die Kameraden. Ich will keine Karriere im Regiment machen. Ich habe andere Dinge vor. Ich wähle meinen Weg, nicht den der anderen.
Aber wozu hast du deinen Sire? Ich erstarre. Zum ersten Mal wird mir das so richtig bewusst. Mein Sire ist mein Vormund, also meine Familie. Etwas Ähnliches wie Vater, auch wenn die beiden in ihrer Art und Weise eher wie Tag und Nacht sind, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass er mein Sire und Vormund ist. Ich werde ihn einfach fragen.
Hättest du Vater gefragt? Nein, eher Micheil, ihn habe ich alles fragen können.
Eben! Wieso denkst du dann, dass du den Sire fragen könntest? Stimmt eigentlich, mein Sire ist wie Vater irgendwie. Nein, das geht nicht. Ich kann ihn nicht fragen, darf es nicht. Dieser Weg ist mir verschlossen.
Wen dann? Seine herzogliche Hoheit, der einzige, dem ich das anvertrauen würde, kommt mir in den Sinn. Wieso er? Weil er Vater ähnlich ist, mit der einzigen Ausnahme, dass ich mit dem Herzog über alles sprechen kann. Aber? Er ist der Herzog! Man belästigt nicht seine herzogliche Hoheit mit dererlei Nichtigkeiten. Das stimmt! Also werde ich es nicht tun.
Soll ich wirklich das Konzept vorlegen?
Ich bin mir unsicher, und wenn ich das bin, kommt mein Temperament zu Tage. Mit Schwung werfe ich das Konzept in das Feuer meines Kamins. Sehe zu wie die Flammen alles vernichten. Aber ich habe es im Kopf. Vielleicht tue ich es doch, vielleicht auch nicht. Ich sollte ins Kloster gehe, dort Ruhe finden. Nachdenken. Das würde mir gut tun. Die Einladung von Diakon Aaron steht noch. Jetzt wäre es an der Zeit sie anzunehmen. Einige Tage lang. Vor Temoras Baum knien und ihn auf mich wirken lassen. Nur Gebet verrichten und nachdenken. Es würde mir gut tun, das fühle ich.
Ich werde dieses Anliegen meinem Sire vortragen, mag sein, dass er damit einverstanden ist. Wir werden sehen, anderes hat nun Vorrang. Die Rüstungen und Waffen sehen nach den letzten Gefechten schrecklich aus. Ein Umstand, den ich nicht ertragen kann. Diese Arbeit zuerst, dann das andere
Während ich wie verrückt mir die Finger wund schreibe an einem Konzept, welches ich dem Oberst vorlegen will, spüre ich den unerträglichen Schmerz in meiner Brust. Micheil, denke ich und lege die Feder beiseite. Werde ich das mein ganzes Leben lang spüren? Ich dachte mit der Zeit wird es erträglich, man lernt damit umzugehen. Mein Sire konnte es, er ist glücklich. Vielleicht liegt es an mir, denke ich. Vielleicht auch an der Tatsache, dass es einfach anders ist eine Familie verloren zu haben. Vielleicht ist das etwas ganz anderes, etwas das man nicht ersetzen kann, weil es unersetzbar ist. Man kann es nicht einfach austauschen wie eine neue Frau, oder ein weiteres Schlachtross.
Mit jedem Atemzug, den ich tue, liebe ich den Mann, den mein Herz erwählt hat. Gleichzeitig wird mir bewusst, wie sehr ich jetzt, wo ich liebe, meine Familie gerne um mich hätte. Micheil, dem ich alles erzählen konnte, der diesem Mann auf gewisse Art ähnlich ist, und doch ganz anders. Wie schön wäre es Vater und Micheil und auch Gillian diesen Mann vorstellen zu können. Sie zu beobachten, wie sie sich kennenlernen, wie er langsam Teil meiner Familie wird. Vater, dich vermisse ich, so vieles was unausgesprochen blieb, ist verloren. Ja, ich vermisse auch deine Härte, den festen Willen, deine Beständigkeit und die oft rücksichtlose Wahrheit, die Teil meines Lebens waren, und worauf ich mich verlassen konnte. Säulen, die fest verankert waren im meinem Leben und es noch immer sind. Jeder Schritt, jede Tat, die ich setze, unterziehe ich einer Prüfung. Deiner Prüfung. Hätte es bestand gefunden unter deinen Augen? Manches sicherlich nicht, das ist mir bewusst. Aber in dem ich darüber nachdenke, lerne ich daraus. Das Schreiben, welches ich meinem Sire heimlich auf den Kamin gelegt habe, damit er es findet, du Vater hättest es gut geheißen. Darauf bin ich stolz, denn es war die Wahrheit, die ich da niedergeschrieben habe. Unbarmherzig mir gegenüber, aber richtig für mich. Es kostet Überwindung sich zu seinen Fehlern zu bekennen, schriftlich noch viel mehr, denn das Geschriebene kann man nicht einfach abtun. Deshalb, wohl aus diesem Grund habe ich diese Form gewählt.
Bei diesem Konzept nun bin ich mir unsicher. Will ich das wirklich? Ist das mein Weg? Sicherlich würde es vielen Rekruten im Regiment helfen, das ist mir bewusst, vielleicht sogar Leben retten, was mir am Herzen liegt, aber… Es geht dabei, um mich. Will ich mir das wirklich antun? Den Neid anderer noch mehr schüren? Nein, das will ich nicht. Das Regiment hat festgefahrene Strukturen, der Oberst will sie lösen uns Mut und vor allem die Verantwortung übergeben etwas zu ändern. Mir geht es dabei um die Kameraden. Ich will keine Karriere im Regiment machen. Ich habe andere Dinge vor. Ich wähle meinen Weg, nicht den der anderen.
Aber wozu hast du deinen Sire? Ich erstarre. Zum ersten Mal wird mir das so richtig bewusst. Mein Sire ist mein Vormund, also meine Familie. Etwas Ähnliches wie Vater, auch wenn die beiden in ihrer Art und Weise eher wie Tag und Nacht sind, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass er mein Sire und Vormund ist. Ich werde ihn einfach fragen.
Hättest du Vater gefragt? Nein, eher Micheil, ihn habe ich alles fragen können.
Eben! Wieso denkst du dann, dass du den Sire fragen könntest? Stimmt eigentlich, mein Sire ist wie Vater irgendwie. Nein, das geht nicht. Ich kann ihn nicht fragen, darf es nicht. Dieser Weg ist mir verschlossen.
Wen dann? Seine herzogliche Hoheit, der einzige, dem ich das anvertrauen würde, kommt mir in den Sinn. Wieso er? Weil er Vater ähnlich ist, mit der einzigen Ausnahme, dass ich mit dem Herzog über alles sprechen kann. Aber? Er ist der Herzog! Man belästigt nicht seine herzogliche Hoheit mit dererlei Nichtigkeiten. Das stimmt! Also werde ich es nicht tun.
Soll ich wirklich das Konzept vorlegen?
Ich bin mir unsicher, und wenn ich das bin, kommt mein Temperament zu Tage. Mit Schwung werfe ich das Konzept in das Feuer meines Kamins. Sehe zu wie die Flammen alles vernichten. Aber ich habe es im Kopf. Vielleicht tue ich es doch, vielleicht auch nicht. Ich sollte ins Kloster gehe, dort Ruhe finden. Nachdenken. Das würde mir gut tun. Die Einladung von Diakon Aaron steht noch. Jetzt wäre es an der Zeit sie anzunehmen. Einige Tage lang. Vor Temoras Baum knien und ihn auf mich wirken lassen. Nur Gebet verrichten und nachdenken. Es würde mir gut tun, das fühle ich.
Ich werde dieses Anliegen meinem Sire vortragen, mag sein, dass er damit einverstanden ist. Wir werden sehen, anderes hat nun Vorrang. Die Rüstungen und Waffen sehen nach den letzten Gefechten schrecklich aus. Ein Umstand, den ich nicht ertragen kann. Diese Arbeit zuerst, dann das andere
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Niowe Adela Aireth
Besuch beim Herzog
28. Searum 254
Meinem Bauchgefühl folgend habe ich Kassetten mit einer Variation von edlem Wein als Geschenk für meinen Sire und den Herzog besorgt. Nicht dass ich da eine Ahnung hatte, dass ich die beiden Überraschungen in wenigen Stunden los werden würde. Nein, ich dachte mir, verpacke sie noch schön. Mit einem Blumengebinde und einer Masche. Die Masche konnte ich noch rechtzeitig um die Geschenke wickeln und das mit puren Stress. Zum Glück haben meine Hände dabei nicht gezittert, denn mein Sire, geheimnisvoll wie immer, wartete vor den Tor Adorans und ich musste mit. Nur wohin? Zu seiner herzoglichen Hoheit, meinte er knapp und schon ritt ich im Galopp zur Residenz um erstens mich zu waschen, wie immer die Haare mit Rosenwasser ein wenig beträufeln und mich dann umzuziehen und natürlich die Geschenke zu verpacken.
Als wir vor der Burg des Herzogs ankamen, war ich sprachlos. Ein prachtvoller Anblick war das. Rundum säumte ein Wassergraben die mächtigen Mauern. Vor der Brücke über den Wassergraben standen Wachen in einem wunderbaren roten Waffenrock. Nachdem sie uns Einlass gewährten, ritten wir über die Brücke. Dabei dachte ich mir, was für ein schöner Farbton dieser Waffenrock hatte. So einen hätte ich auch gerne. Die mächtigen Eisentore wurden hoch gekurbelt und wir ritten in den weitläufigen Hof der Burg, inmitten dessen ein wundervoller Brunnen stand. Fast wie zuhause, dachte ich und mein Herz klopfte bei dem Gedanken. Fehlt nur noch, dass Vater hinter dem Brunnen hervortritt und zu mir spricht. Es war nicht Vater, aber mein Herzog. Wie gut er aussah inmitten seines Reichs! Nach dem Begrüssungsritual und meinem angemessenem tiefen Knicks in dem Kleid mit den hunderten Unterröcken, ein Geschenk meiner Liebe, passend dazu hatte ich noch meine feinen Spitzenhandschuhe in der gleichen Farbe angezogen. Mein Geschenk für den Herzog fand Gefallen.
Mein Vater hat immer gesagt, nimm immer bei jedem Besuch eine kleine Aufmerksamkeit mit. Das erfreut den Gastgeber und zeigt deine Wertschätzung ihm gegenüber. Ich habe seinen Rat, wie so oft auch nun befolgt und war überglücklich. Mein Sire hat mein Geschenk auch gewürdigt und versprochen den Wein bei entsprechender Gelegenheit zu verkosten. Mein Herzog wird das sicherlich auch tun, denke ich. Bei dem Rundgang durch die Burg war ich so glücklich wie lange nicht. Ich war zuhause. Zwar war die Burg meiner Familie klein im Vergleich aber von der Aufteilung der Räumlichkeiten, natürlich hatten wir bei weitem nicht so viele Räume, wie der Herzog, war alles so vertraut. Die Wehr, der Innenhof samt Brunnen und Stallungen. Ich war überglücklich. Nur bei einem gab es mir einen Stich, auch wenn der Herzog es mit einem Augenzwinkern angemerkt hatte. Ich bin doch nicht eifersüchtig oder? Nein, bei Temora ich habe doch meine Liebe gefunden. Aber dennoch will ich nicht das, was der Herzog scherzhalber angedeutet hat. Es tat mir irgendwie weh und auch wenn meine Wangen vor Verlegenheit sich kurz gerötet haben, nein ich will nicht einmal daran denken. Nach einer längeren Besprechung und Neuigkeiten die meinen Sire kurz nur die Sprache verschlagen haben, so überrascht war er. Ich nicht, muss ich gestehen, denn mein Sire wird dieses Amt vorzüglich ausführen. Was mich überrascht hat ist, dass ich in seinem Namen die Feder führen soll, jegliche Schriftstücke sollen nun in seinem Namen von mir verfasst werden, aber auch beantwortet. Eine ehrenvolle Aufgabe, die mich nun auch sprachlos gemacht hat. Aber wenn mein Herzog das wünscht, werde ich dieser Aufgabe natürlich mit bestem Wissen und Gewissen nachkommen, schließlich soll ich ja nun meinen Sire entlasten. Insgeheim habe ich mir gleich vorgenommen genügend Federkiele von bester Qualität zu besorgen und die beste Tinte in einigen Farbvariationen. Ach ja und das beste Pergament muss ich nun auch raschest kaufen. Eine zarte unaufdringliche Prägung auf dem Pergament mit Wappen und dem Namen meines Sires wäre auch zu überdenken. Schließlich wollen wir ja allen zeigen, von wem das Schreiben kommt, nämlich von meinem Sire, der nun eine ehrenvolle Aufgabe im Reich hat. Mit seiner gewohnten Diplomatie und seinem Geschick wird er auch diese schwierige Aufgabe bewältigen, und ich die Knappin und somit auch Schreiberling bin ja auch noch da. Das schaffen wir! Der Herzog setzt sein vollstes Vertrauen in uns. Ich bin nun schrecklich aufgeregt, ich hoffe meine Hand bleibt ruhig bei dem ersten Schreiben, das offiziell seinen Weg finden wird. Aber jetzt schon sich den Kopf darüber zu zerbrechen wäre sinnlos.
Handle und richte dein Augenmerk auf Dinge dann Adela, wenn sie verlangt werden, nicht vorher. Das nimmt dir unnötige Energie und Kraft, die du noch brauchen wirst. Mein Vater hat recht, ich werde in Ruhe alles besorgen und abwarten, und wie gewohnt alles auf mich diszipliniert zukommen lassen.
Meinem Bauchgefühl folgend habe ich Kassetten mit einer Variation von edlem Wein als Geschenk für meinen Sire und den Herzog besorgt. Nicht dass ich da eine Ahnung hatte, dass ich die beiden Überraschungen in wenigen Stunden los werden würde. Nein, ich dachte mir, verpacke sie noch schön. Mit einem Blumengebinde und einer Masche. Die Masche konnte ich noch rechtzeitig um die Geschenke wickeln und das mit puren Stress. Zum Glück haben meine Hände dabei nicht gezittert, denn mein Sire, geheimnisvoll wie immer, wartete vor den Tor Adorans und ich musste mit. Nur wohin? Zu seiner herzoglichen Hoheit, meinte er knapp und schon ritt ich im Galopp zur Residenz um erstens mich zu waschen, wie immer die Haare mit Rosenwasser ein wenig beträufeln und mich dann umzuziehen und natürlich die Geschenke zu verpacken.
Als wir vor der Burg des Herzogs ankamen, war ich sprachlos. Ein prachtvoller Anblick war das. Rundum säumte ein Wassergraben die mächtigen Mauern. Vor der Brücke über den Wassergraben standen Wachen in einem wunderbaren roten Waffenrock. Nachdem sie uns Einlass gewährten, ritten wir über die Brücke. Dabei dachte ich mir, was für ein schöner Farbton dieser Waffenrock hatte. So einen hätte ich auch gerne. Die mächtigen Eisentore wurden hoch gekurbelt und wir ritten in den weitläufigen Hof der Burg, inmitten dessen ein wundervoller Brunnen stand. Fast wie zuhause, dachte ich und mein Herz klopfte bei dem Gedanken. Fehlt nur noch, dass Vater hinter dem Brunnen hervortritt und zu mir spricht. Es war nicht Vater, aber mein Herzog. Wie gut er aussah inmitten seines Reichs! Nach dem Begrüssungsritual und meinem angemessenem tiefen Knicks in dem Kleid mit den hunderten Unterröcken, ein Geschenk meiner Liebe, passend dazu hatte ich noch meine feinen Spitzenhandschuhe in der gleichen Farbe angezogen. Mein Geschenk für den Herzog fand Gefallen.
Mein Vater hat immer gesagt, nimm immer bei jedem Besuch eine kleine Aufmerksamkeit mit. Das erfreut den Gastgeber und zeigt deine Wertschätzung ihm gegenüber. Ich habe seinen Rat, wie so oft auch nun befolgt und war überglücklich. Mein Sire hat mein Geschenk auch gewürdigt und versprochen den Wein bei entsprechender Gelegenheit zu verkosten. Mein Herzog wird das sicherlich auch tun, denke ich. Bei dem Rundgang durch die Burg war ich so glücklich wie lange nicht. Ich war zuhause. Zwar war die Burg meiner Familie klein im Vergleich aber von der Aufteilung der Räumlichkeiten, natürlich hatten wir bei weitem nicht so viele Räume, wie der Herzog, war alles so vertraut. Die Wehr, der Innenhof samt Brunnen und Stallungen. Ich war überglücklich. Nur bei einem gab es mir einen Stich, auch wenn der Herzog es mit einem Augenzwinkern angemerkt hatte. Ich bin doch nicht eifersüchtig oder? Nein, bei Temora ich habe doch meine Liebe gefunden. Aber dennoch will ich nicht das, was der Herzog scherzhalber angedeutet hat. Es tat mir irgendwie weh und auch wenn meine Wangen vor Verlegenheit sich kurz gerötet haben, nein ich will nicht einmal daran denken. Nach einer längeren Besprechung und Neuigkeiten die meinen Sire kurz nur die Sprache verschlagen haben, so überrascht war er. Ich nicht, muss ich gestehen, denn mein Sire wird dieses Amt vorzüglich ausführen. Was mich überrascht hat ist, dass ich in seinem Namen die Feder führen soll, jegliche Schriftstücke sollen nun in seinem Namen von mir verfasst werden, aber auch beantwortet. Eine ehrenvolle Aufgabe, die mich nun auch sprachlos gemacht hat. Aber wenn mein Herzog das wünscht, werde ich dieser Aufgabe natürlich mit bestem Wissen und Gewissen nachkommen, schließlich soll ich ja nun meinen Sire entlasten. Insgeheim habe ich mir gleich vorgenommen genügend Federkiele von bester Qualität zu besorgen und die beste Tinte in einigen Farbvariationen. Ach ja und das beste Pergament muss ich nun auch raschest kaufen. Eine zarte unaufdringliche Prägung auf dem Pergament mit Wappen und dem Namen meines Sires wäre auch zu überdenken. Schließlich wollen wir ja allen zeigen, von wem das Schreiben kommt, nämlich von meinem Sire, der nun eine ehrenvolle Aufgabe im Reich hat. Mit seiner gewohnten Diplomatie und seinem Geschick wird er auch diese schwierige Aufgabe bewältigen, und ich die Knappin und somit auch Schreiberling bin ja auch noch da. Das schaffen wir! Der Herzog setzt sein vollstes Vertrauen in uns. Ich bin nun schrecklich aufgeregt, ich hoffe meine Hand bleibt ruhig bei dem ersten Schreiben, das offiziell seinen Weg finden wird. Aber jetzt schon sich den Kopf darüber zu zerbrechen wäre sinnlos.
Handle und richte dein Augenmerk auf Dinge dann Adela, wenn sie verlangt werden, nicht vorher. Das nimmt dir unnötige Energie und Kraft, die du noch brauchen wirst. Mein Vater hat recht, ich werde in Ruhe alles besorgen und abwarten, und wie gewohnt alles auf mich diszipliniert zukommen lassen.
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Niowe Adela Aireth
Ein nicht alltäglicher Besuch
3. Goldblatt 254
Zum ersten Male musste ich jenes tun, worauf mein Vater damals bestanden hatte, eine Wunde vernähen.
Ich erinnere mich noch an den Tag, wo Micheil mir diese Nachricht überbracht hatte, und ich aufgelöst und laut schreiend davon gelaufen bin. Aber er hatte mich gefunden, denn ihm war jedes meiner Verstecke bekannt.
Du musst Adela! Es macht Sinn, einen Kameraden notdürftig in einer Schlacht vernähen und die Wunde reinigen und versorgen zu können, das kann ein Leben retten! Du musst es lernen, auch wenn ich zu Temora bete, dass du nie in deinem Leben je in Verlegenheit kommen solltest, dies je tun zu müssen.
Ich musste und ich tat es, wie alles was Vater mir befohlen hatte. Zwar war ich in Tränen aufgelöst, und das leise Schniefen unterbrach den guten Mann ab und an, aber ich hörte dem alten Heiler aufmerksam zu. Ja ich zwang mich sogar dazu diese Schriften mit den ekeligen Darstellungen von Wunden eines Kriegers zu betrachten und seine Erklärungen dazu anzunehmen.
Wie konnte Vater mir das antun? Ich bin kein Heiler!
Auch wenn Micheil in seiner Güte es mir zuvor und danach noch xmal erklärte, ich verstand nicht den Sinn damals. Noch Wochen danach war ich aufgebracht und den Tränen nahe, wenn mir die Bildnisse dieser Verletzungen vor Augen traten.
Jetzt danke ich Vater aus tiefem Herzen. Ich durfte Ira retten, sie hätte es bei dem Blutverlust nicht geschafft.
Frisch gebadet mit einem einfachen aber schönen hellen Kleid machte ich mich auf Raindri, Ira und Allerich zu besuchen. Nichts ahnend klopfte ich an die Tür und sah ein fremdes Gesicht aus dem Fenster mich anstarren. Du liebe Zeit, Räuber!, denke ich. Nicht schon wieder und ich wie zuvor umgerüstet und keine Waffe in der Nähe. Rasch habe ich mich umgeblickt und ein Stück Holz, eher ein Hölzchen, welches der Wind wohl vom Garten über den Zaun geweht hatte, aufgehoben. Besser als gar nichts, wobei mit diesem Hölzchen in der Hand, lacht mich wohl jede Fliege aus. Gleichgültig.
Die Tür öffnete sich und drohend halte ich dem Hochedlen von Schwarzburg, wie sich dann heraus stellte, das Stöckchen unter die Nase. Es hat ihn doch erschreckt, wobei ich mir unsicher bin, ob es das Stöckchen war oder die Art, wie ich in das Haus stürmte und ihn als Räuber beschimpfte. Jedenfalls hat er sich mir sogleich vorgestellt. Schon wieder ein Schwarzburg, dachte ich. Die bringen kein Glück! Zuerst der eine, wohl der älteste aus dem Geschlecht, dann die ein wenig nur jüngere Frau als ich es bin. Alyssa! Genau das war der Name, Ira hat sie dann in ihrem Schock als Flittchen beschimpft und ich ihr sogleich das Versprechen abgenommen, dies ja keinem je zu sagen, denn das würde ihr nur Schwierigkeiten bereiten. Versprochen hat sie es, aber nur unter der Voraussetzung, dass sie es weiterhin in meiner Gegenwart aussprechen dürfte. Gut, soll sie. Meine Ohren sind geduldig und ich werde mit Sicherheit davon keinem je Kund tun. Eigenheiten und sonderbare Begründungen von Freunden nimmt man einfach hin. Die hat jeder. Bloß weil ihre Schultern unbedeckt waren sie als Flittchen zu bezeichnen, finde ich übertrieben. Sonst stört derartiges Ira ja nie, also unbedeckte Schultern. Nun ja sei es, wie es sei. Nach dem Begrüssungsritual sehe ich Ira voller Blut. Sie muss genäht werden, sagt der Hochedle, als wäre es das Einfachste auf dieser Welt. Ich wollte schon antworten, warum tut Ihr es dann nicht?, habe es aber aus Höflichkeit unterlassen.
Unter dem Blick des Hochedlen von Schwarzburg tat ich einfach das, was getan werden musste.
Zum Glück hatte ich ja abermals ein sauberes Kleid an, wie immer, wenn Blut in Raindris Haus in Strömen floss. Das war ja nichts Neues. Und nein, ich ärgere mich jetzt nicht darüber, ich muss meine Gedanken nur an dieses eine richten.
Desinfizieren! Diese Worte des Heilers damals tauchten auf. Gut! Mache ich, aber womit? Da fiel mir das Rumfass in der Küche ein! Genau, der Gedanke daran kam wie gerufen! Sogleich eilte ich in die Küche während Ira von dem Hochedlen auf das weiße Bärenfell vor dem Kamin legte. Raindri, wird uns den Hals umdrehen, dachte ich kurz, und ich ihn in den Hintern treten, dreimal mindestens. WO genau war er wieder, wenn es in seinem Haus nur von Blut triefte? Ich könnte ihn…. Nein, dazu habe ich nun keine Zeit. Ruhig bleiben, Niowe! Auch wenn mir die Hände nun zittern bei dem Gedanken, was ich nun tun muss, als ich von dem Rumfass eine Ladung in eine Schüssel gab. Der Geruch des starken alten Rums nahm mir den Atem.
Ich habe mich dann neben Ira niedergekniet und meine Hände in den Rum getaucht. So, die sind nun auch desinfiziert, dann habe ich saubere mit Rum vollgetränkte Tücher gegen die Wunde gepresst, sie so gereinigt, während der Hochedle Ira mit aller Kraft ruhig stellte. Sie hat nicht einmal geschrien, nur gebrabbelt, wie immer, die tapfere kleine Frau, dachte ich.
Ich muss den Schei…..brabbelt sie…mitsamt Arm überleben. Wirst du Ira, ich tue alles was in meiner Macht steht. Temora stehe mir bei, denke ich und mein Herz schlägt rasend vor Aufregung in meiner Brust. Was ich mir nicht ansehen lasse. Die Erziehung meines Vaters wirkt. Ich handle auch wenn ich am liebsten schreien würde nun und weglaufen. Das tue ich nicht, nicht eine Aireth!
Es wird nun höllisch weh tun, Ira. Ich würde vorschlagen du fällst in Ohnmacht! Ich versuche tatsächlich noch zu scherzen, auch wenn mir danach nicht zumute ist.
Ira sieht mich an und sagt nur danke…… Ich muss unwillkürlich grinsen. Dann nehme ich die verbogene Nähnadel, die ich auch in der Küche samt Garn gefunden habe, tauche beides noch in den Rum, man kann nie wissen, wozu in diesem Haus das benutzt wurde, sicher ist sicher so ist sie jedenfalls auch desinfiziert mitsamt Garn, und beginne dann mein Werk. Es ist etwas anderes das an Aufzeichnungen zu sehen und gesagt zu bekommen, als selber in das Fleisch stechen zu müssen und zu nähen. Einen Preis wird meine Naht nicht gewinnen, wie auch? Ich bin weder Schneiderin noch Heiler und dies hier ist ein Notfall.
Eine grässliche Narbe wird wohl den Arm zieren! Das musste ich auch Ira in meinem Wahrheitswahn sagen. Ich hoffe sie hat es mitbekommen. Jedenfalls hat sie nur eines ihrer Hms hervor gebracht. Gut so! Hauptsache es ist vernäht und die Wunde geschlossen, denke ich, da kann man schon eine Narbe in Kauf nehmen Der Hochedle hat mir Mut gemacht, den Blick auf mich gerichtet, gab mir Kraft. Wieso gerate ich immer in so ein Schlamassel? Wieso nicht dieser Hochedle da, der keine Ahnung davon hat, was man tun sollte. Typisch Adeliger. Zusehen und keinen Finger rühren! Wobei er hat geholfen, sei nicht unfair! Stimmt ohne ihn wäre Ira wohl tot, denn er hat bei dem Überfall eingegriffen. Ich bin ihm zu Dank verpflichtet! Das werde ich ihm nie vergessen! Während all diese Gedanken durch meine Kopf wehen wie ein nicht endender Sturm, schütte ich abermals Rum über die vernähte Wunde, und verbinde sie dann mit sauberen Tüchern.
Tapferes Mädchen!, denke ich. Das Leben meint es nicht gut mit dir, aber nun bin ich da, Raindri zwar nicht, aber dem werde ich noch gehörig ins Gewissen reden, soll er nur kein Wort von dem mit Blut besudelten Fell und dem Raum der jetzt wie eine Rumhöhle stinkt, erwähnen. Kein Wort, weil er dann das Temperament einer Aireth so richtig kennenlernen wird.
Ich habe Ira dann noch ein Versprechen abgenommen, den Verband von einem Heiler wechseln zu lassen und die Wunde nochmals zu desinfizieren und mit einer Heilsalbe bestreichen zu lassen. Ich hoffe sie hält sich daran. Versprochen hat sie es und ihr Arm wird es ihr wohl wert sein, einen Heiler aufzusuchen. Inmitten Iras Gebrabbel habe ich vernommen, dass der Täter wohl der Bruder unseres Rekruten Benjamins wäre. Ich habe von diesem Kerl nichts Gutes bisher vernommen. Ich werde der Sache nachgehen. Keiner schlägt Menschen vor den Toren Adorans heimtückisch nieder! Nachdem sich der Hochedle dann verabschiedet hat, als alles vorbei war, schleppte ich die knochige Ira, zum Glück ist sie das, mühevoll in ihr Zimmer hoch. Habe sie vorsichtig auf ihr Fell gelegt und noch einen Krug mit frischem Wasser dazu.
Du hast versprochen einen Heiler aufzusuchen Ira, mit Wundbrand ist nicht zu scherzen, also tue das morgen gleich! Sie hat mich angesehen, als hätte ich zehn Dämonen auf sie gehetzt! Lass ich ja nicht von dem Blick erweichen, Niowe Adela, denke ich!
Du machst das oder du verlierst den Arm! Diese Drohung sollte helfen, und nicke zufrieden. Dann streichle ich noch über ihre Stirn und verlasse zum Umfallen erschöpft nun das Haus. Ich muss noch eine Meldung schreiben, denke ich. Das tue ich auch nach einem Bad und frischer Kleidung. Wenige Stunden Schlaf bleiben nach der Überbringung der beiden Meldungen ins Regiment. Die nutze ich und falle auf mein Bett und schlafe sogleich ein.
Zum ersten Male musste ich jenes tun, worauf mein Vater damals bestanden hatte, eine Wunde vernähen.
Ich erinnere mich noch an den Tag, wo Micheil mir diese Nachricht überbracht hatte, und ich aufgelöst und laut schreiend davon gelaufen bin. Aber er hatte mich gefunden, denn ihm war jedes meiner Verstecke bekannt.
Du musst Adela! Es macht Sinn, einen Kameraden notdürftig in einer Schlacht vernähen und die Wunde reinigen und versorgen zu können, das kann ein Leben retten! Du musst es lernen, auch wenn ich zu Temora bete, dass du nie in deinem Leben je in Verlegenheit kommen solltest, dies je tun zu müssen.
Ich musste und ich tat es, wie alles was Vater mir befohlen hatte. Zwar war ich in Tränen aufgelöst, und das leise Schniefen unterbrach den guten Mann ab und an, aber ich hörte dem alten Heiler aufmerksam zu. Ja ich zwang mich sogar dazu diese Schriften mit den ekeligen Darstellungen von Wunden eines Kriegers zu betrachten und seine Erklärungen dazu anzunehmen.
Wie konnte Vater mir das antun? Ich bin kein Heiler!
Auch wenn Micheil in seiner Güte es mir zuvor und danach noch xmal erklärte, ich verstand nicht den Sinn damals. Noch Wochen danach war ich aufgebracht und den Tränen nahe, wenn mir die Bildnisse dieser Verletzungen vor Augen traten.
Jetzt danke ich Vater aus tiefem Herzen. Ich durfte Ira retten, sie hätte es bei dem Blutverlust nicht geschafft.
Frisch gebadet mit einem einfachen aber schönen hellen Kleid machte ich mich auf Raindri, Ira und Allerich zu besuchen. Nichts ahnend klopfte ich an die Tür und sah ein fremdes Gesicht aus dem Fenster mich anstarren. Du liebe Zeit, Räuber!, denke ich. Nicht schon wieder und ich wie zuvor umgerüstet und keine Waffe in der Nähe. Rasch habe ich mich umgeblickt und ein Stück Holz, eher ein Hölzchen, welches der Wind wohl vom Garten über den Zaun geweht hatte, aufgehoben. Besser als gar nichts, wobei mit diesem Hölzchen in der Hand, lacht mich wohl jede Fliege aus. Gleichgültig.
Die Tür öffnete sich und drohend halte ich dem Hochedlen von Schwarzburg, wie sich dann heraus stellte, das Stöckchen unter die Nase. Es hat ihn doch erschreckt, wobei ich mir unsicher bin, ob es das Stöckchen war oder die Art, wie ich in das Haus stürmte und ihn als Räuber beschimpfte. Jedenfalls hat er sich mir sogleich vorgestellt. Schon wieder ein Schwarzburg, dachte ich. Die bringen kein Glück! Zuerst der eine, wohl der älteste aus dem Geschlecht, dann die ein wenig nur jüngere Frau als ich es bin. Alyssa! Genau das war der Name, Ira hat sie dann in ihrem Schock als Flittchen beschimpft und ich ihr sogleich das Versprechen abgenommen, dies ja keinem je zu sagen, denn das würde ihr nur Schwierigkeiten bereiten. Versprochen hat sie es, aber nur unter der Voraussetzung, dass sie es weiterhin in meiner Gegenwart aussprechen dürfte. Gut, soll sie. Meine Ohren sind geduldig und ich werde mit Sicherheit davon keinem je Kund tun. Eigenheiten und sonderbare Begründungen von Freunden nimmt man einfach hin. Die hat jeder. Bloß weil ihre Schultern unbedeckt waren sie als Flittchen zu bezeichnen, finde ich übertrieben. Sonst stört derartiges Ira ja nie, also unbedeckte Schultern. Nun ja sei es, wie es sei. Nach dem Begrüssungsritual sehe ich Ira voller Blut. Sie muss genäht werden, sagt der Hochedle, als wäre es das Einfachste auf dieser Welt. Ich wollte schon antworten, warum tut Ihr es dann nicht?, habe es aber aus Höflichkeit unterlassen.
Unter dem Blick des Hochedlen von Schwarzburg tat ich einfach das, was getan werden musste.
Zum Glück hatte ich ja abermals ein sauberes Kleid an, wie immer, wenn Blut in Raindris Haus in Strömen floss. Das war ja nichts Neues. Und nein, ich ärgere mich jetzt nicht darüber, ich muss meine Gedanken nur an dieses eine richten.
Desinfizieren! Diese Worte des Heilers damals tauchten auf. Gut! Mache ich, aber womit? Da fiel mir das Rumfass in der Küche ein! Genau, der Gedanke daran kam wie gerufen! Sogleich eilte ich in die Küche während Ira von dem Hochedlen auf das weiße Bärenfell vor dem Kamin legte. Raindri, wird uns den Hals umdrehen, dachte ich kurz, und ich ihn in den Hintern treten, dreimal mindestens. WO genau war er wieder, wenn es in seinem Haus nur von Blut triefte? Ich könnte ihn…. Nein, dazu habe ich nun keine Zeit. Ruhig bleiben, Niowe! Auch wenn mir die Hände nun zittern bei dem Gedanken, was ich nun tun muss, als ich von dem Rumfass eine Ladung in eine Schüssel gab. Der Geruch des starken alten Rums nahm mir den Atem.
Ich habe mich dann neben Ira niedergekniet und meine Hände in den Rum getaucht. So, die sind nun auch desinfiziert, dann habe ich saubere mit Rum vollgetränkte Tücher gegen die Wunde gepresst, sie so gereinigt, während der Hochedle Ira mit aller Kraft ruhig stellte. Sie hat nicht einmal geschrien, nur gebrabbelt, wie immer, die tapfere kleine Frau, dachte ich.
Ich muss den Schei…..brabbelt sie…mitsamt Arm überleben. Wirst du Ira, ich tue alles was in meiner Macht steht. Temora stehe mir bei, denke ich und mein Herz schlägt rasend vor Aufregung in meiner Brust. Was ich mir nicht ansehen lasse. Die Erziehung meines Vaters wirkt. Ich handle auch wenn ich am liebsten schreien würde nun und weglaufen. Das tue ich nicht, nicht eine Aireth!
Es wird nun höllisch weh tun, Ira. Ich würde vorschlagen du fällst in Ohnmacht! Ich versuche tatsächlich noch zu scherzen, auch wenn mir danach nicht zumute ist.
Ira sieht mich an und sagt nur danke…… Ich muss unwillkürlich grinsen. Dann nehme ich die verbogene Nähnadel, die ich auch in der Küche samt Garn gefunden habe, tauche beides noch in den Rum, man kann nie wissen, wozu in diesem Haus das benutzt wurde, sicher ist sicher so ist sie jedenfalls auch desinfiziert mitsamt Garn, und beginne dann mein Werk. Es ist etwas anderes das an Aufzeichnungen zu sehen und gesagt zu bekommen, als selber in das Fleisch stechen zu müssen und zu nähen. Einen Preis wird meine Naht nicht gewinnen, wie auch? Ich bin weder Schneiderin noch Heiler und dies hier ist ein Notfall.
Eine grässliche Narbe wird wohl den Arm zieren! Das musste ich auch Ira in meinem Wahrheitswahn sagen. Ich hoffe sie hat es mitbekommen. Jedenfalls hat sie nur eines ihrer Hms hervor gebracht. Gut so! Hauptsache es ist vernäht und die Wunde geschlossen, denke ich, da kann man schon eine Narbe in Kauf nehmen Der Hochedle hat mir Mut gemacht, den Blick auf mich gerichtet, gab mir Kraft. Wieso gerate ich immer in so ein Schlamassel? Wieso nicht dieser Hochedle da, der keine Ahnung davon hat, was man tun sollte. Typisch Adeliger. Zusehen und keinen Finger rühren! Wobei er hat geholfen, sei nicht unfair! Stimmt ohne ihn wäre Ira wohl tot, denn er hat bei dem Überfall eingegriffen. Ich bin ihm zu Dank verpflichtet! Das werde ich ihm nie vergessen! Während all diese Gedanken durch meine Kopf wehen wie ein nicht endender Sturm, schütte ich abermals Rum über die vernähte Wunde, und verbinde sie dann mit sauberen Tüchern.
Tapferes Mädchen!, denke ich. Das Leben meint es nicht gut mit dir, aber nun bin ich da, Raindri zwar nicht, aber dem werde ich noch gehörig ins Gewissen reden, soll er nur kein Wort von dem mit Blut besudelten Fell und dem Raum der jetzt wie eine Rumhöhle stinkt, erwähnen. Kein Wort, weil er dann das Temperament einer Aireth so richtig kennenlernen wird.
Ich habe Ira dann noch ein Versprechen abgenommen, den Verband von einem Heiler wechseln zu lassen und die Wunde nochmals zu desinfizieren und mit einer Heilsalbe bestreichen zu lassen. Ich hoffe sie hält sich daran. Versprochen hat sie es und ihr Arm wird es ihr wohl wert sein, einen Heiler aufzusuchen. Inmitten Iras Gebrabbel habe ich vernommen, dass der Täter wohl der Bruder unseres Rekruten Benjamins wäre. Ich habe von diesem Kerl nichts Gutes bisher vernommen. Ich werde der Sache nachgehen. Keiner schlägt Menschen vor den Toren Adorans heimtückisch nieder! Nachdem sich der Hochedle dann verabschiedet hat, als alles vorbei war, schleppte ich die knochige Ira, zum Glück ist sie das, mühevoll in ihr Zimmer hoch. Habe sie vorsichtig auf ihr Fell gelegt und noch einen Krug mit frischem Wasser dazu.
Du hast versprochen einen Heiler aufzusuchen Ira, mit Wundbrand ist nicht zu scherzen, also tue das morgen gleich! Sie hat mich angesehen, als hätte ich zehn Dämonen auf sie gehetzt! Lass ich ja nicht von dem Blick erweichen, Niowe Adela, denke ich!
Du machst das oder du verlierst den Arm! Diese Drohung sollte helfen, und nicke zufrieden. Dann streichle ich noch über ihre Stirn und verlasse zum Umfallen erschöpft nun das Haus. Ich muss noch eine Meldung schreiben, denke ich. Das tue ich auch nach einem Bad und frischer Kleidung. Wenige Stunden Schlaf bleiben nach der Überbringung der beiden Meldungen ins Regiment. Die nutze ich und falle auf mein Bett und schlafe sogleich ein.