Tar'lyrrns kleine Geschichten...

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Tar´lyrrn

Tar'lyrrns kleine Geschichten...

Beitrag von Tar´lyrrn »

Als Letharf geboren


Blutverschmiert herausgezerrt aus dem aufgeschlitzen Leibe seiner Mutter, deren erbärmlichen, schmerzerfüllten Zornesschreie längst verstummt waren und nicht mehr in der Heilerhöhle wiederhallten. Der dunkle Lethrakörper leichenblass und von der blutigen Geburt ekelerregend verschmutzt.
Ein zerbrechliches, kleines, nachtblaues Wesen hält der Heiler an beiden Beinen in die Höhe, als wäre es bloß ein Stück Vieh, welches sich still mit seinem Schicksal abgefunden hat und jetzt nur noch darauf wartet in einen Kochtopf geworfen zu werden.
Die mandelförmigen, schimmelgrünen Augen des Heilers wanderen das Neugeborene neugierig auf und ab, musterten es, suchen nach Schwächen.

"Ich habe noch nie so einen mikrigen Jungen gesehen... aber er ist kein Krüppel und schreit auch nicht...vielleicht wächst er ja auch noch anständig..."

Die Worte des Heilers sind rau und nüchtern, nur leichter Spott perlt in der düsteren Stimme mit.

"Die Mutter war schwach.. sie war schon längst tot, bevor der Knabe auch nur ansatzweise draußen war. Ein Wunder, dass sie es zuvor schon einmal geschafft hat Kinder zu werfen."

Wieder hauchdünner Hohn in der Stimme des Heilers, während er das Kind dem Vater reicht, damit dieser es begutachten kann.

Dem Vater scheint der Spott aber egal zu sein, er erwidert nur staubtrocken, während er das Neugeborene mit zusammengekniffenen Augen kritisch betrachtet: "Hätte sie ein weiteres, unnützes Mädchen geworfen, hätte ich sie eh getötet."

Dann wird das besudelte Kind ohne einen weiteren Kommentar zu verschwenden hinaus gebracht. Es ist zwar mikriger und schwächer, als es sich für einen Letharfen gehört, aber es ist nicht entstellt und würde vermutlich überleben, hoffentlich eines Tages zu stattlicher Größe heranwachsen. Seinen Vater würde er in Zukunft wahrscheinlich nicht als solchen erkennen und er wäre ihm auch egal. Andere werden sich um seine Aufzucht kümmern, ein Lethrixor hat schließlich besseres zu tun...
Tar´lyrrn

Beitrag von Tar´lyrrn »

Die Weihe zum Lethrixor... so wurde damals sein Gesicht entstellt


Die Lethoryxae Ceylin'Tyrs wirkte etwas genervt, als hätte sie mindestens hundert Termine, die gerade ebenfalls ihre Anwesenheit erfordern würden. Dementsprechend geringschätzend sah sie über die Schulter zum angehenden Lethrixor und deutete ein knappes Nicken an, als dieser den Tempel betrat und sich demütig mit respektvoll geneigtem Haupt hinkniete.
Der Lethyr Syrr'ael, eines der mächtigsten Gefäße, die Alatar jemals geschaffen hatte, hob den Kopf etwas an und seinen rissigen, spröden Lippen entkam ein erwartungsvolles 'Ah...'. Die knochigen Finger des Lethyren hielten einen Stab umklammert und er bog den Rücken durch, einen Abglanz alter Majestät in seinen Leib legend.
Vorne am Altar, inmitten des Raumes stand der Heerführer des letharischen Volkes, Tar'lyrrns Lehrmeister, der Ala'thraxor Tluth'Xarlor. Dieser breitete seine Arme aus, begann zu sprechen:

"Anwesend sind ... der ehrenwerte Lethyr unseres Volkes Syrr'ael. Sowie die geweihte Lethoryxae Ceylin'Tyrs ... der angehende Lethrixor Tar'lyrrn...und meine Wenigkeit."

Tluth'Xarlors Lippen verzogen sich zu einem fahlen Lächeln, blickte kurz zu den Anwesenden und fuhr dann fort:

"Letharf Tar'lyrrn ... du wirst nun von meiner Hand die Weihe zum Lethrixor empfangen, einem hochwertigen Werkzeug der Vernichtung. Du wirst kein niederer Soldat mehr sein, sondern ein effizienter Diener der Kräfte der Zerstörung und des Verfalls, symbolisiert durch unseren Vater ... Alatar"

Wie ein kleiner Hauch umwehte die Anwesenden ein kuehler Wind als schleiche etwas um sie herum und zeugte davon, dass der Allmächtige selbst diesem Spektakel persönlich seine Aufmerksamkeit schenkte.

"Mit der mir verliehenen Macht durch Alatar selbst und dem Relikt seines Hasses auf die Schöpfung werde ich dir die Rune eines Lethrixors in dein Fleisch schneiden. Auf das du eines Tages den Weg zu einem Ala'thraxor beschreiten wirst. Die Rune eines Lethrixors ist immer einzigartig ... Ich entscheide mich für meine Giftklinge als ausführendes Werkzeug."

Die Feuer im Tempel flackerten stürmisch auf, während Tluth'Xarlor sprach und die giftgrüne, furchterregende Klinge von seiner Seite löste.
Der Magier und die Priesterin betrachteten mit starrer Mimik den Heerführer.
Der angehende Lethrixor kniete weiter bemüht ausdruckslos und wie vor Ehrfurcht erstarrt vor dem Altar, auch wenn das tiefe Einatmen, das Heben und Senken seiner Brust, die Aufregung in ihm verriet.
Der Ala'thraxor schloß die Augen, reckte seine mächtige Waffe in die Höhe und das düstere Fauchen von unsichtbaren Panthern begleitete seine nächsten Worte:

"Alatar ... Kraft der Vernichtung ... oberster Lehrmeister unseres Volkes...
Du wirst durch meine Klinge das Blut von Tar'lyrrn schmecken und spüren, ob er würdig ist ein Krieger deiner Armee zu werden.
Wir wollen nur jene, die bereit sind die ganze Welt in den Abgrund zu treten und freudig hinterher zu springen ... Wir legen keinen Wert auf die Existenz, wir wollen für Dich sterben.
Als die Erbfeinde der Weltenhure werden wir den Kampf für Alatar auf der Welt austragen!
Und Du Letharf, wirst diesem Ruf nun als vollwertiger Schlachtmeister folgen!"


Mit diesen Worten senkte der Lehrmeister die grausige Waffe mit der Spitze auf Tar'lyrrns Wange und die giftig funkelnde Klinge verharrte einen Moment über seinem Antlitz.
Der kniende Letharf rührte sich kein Stück, blieb wie eingemeißelt, wirkte wie eingefroren oder paralysiert und nur das Glänzen seiner blutroten Augen verriet, dass er überhaupt noch am Leben war.
Die Waffe strahlte die fühlbare Dissonanz Alatars aus und Tar'lyrrn konnte intensiv den giftigen Hauch des Mordwerkzeuges spüren.
Dann stieß Tluth'Xarlor ein dunkles, raubtierhaftes Knurren aus und die Spitze der Klinge begann sich in Tar'lyrrns Wange zu bohren.
Als die Klinge das Fleisch durchschnitt, glänzten die Augen Ceylin'Tyrs und mit der Zungenspitze fuhr sie sich an der Unterseite der Lippe entlang. Stumm das Schauspiel betrachtend.
Syrr'aels dürrer Körper spannte sich an und die Lippen verzogen sich zu einem lakonischen Grinsen, ließen zwei schmutzig-gelbe Zahnreihen aufblitzen.
Tar'lyrrns Augen verengten sich voller Zorn und Schmerz, aber er versuchte weiter reglos und still zu bleiben, ballte nur die feingliedrigen Finger zu Fäusten, sodass das Blut aus ihnen verschwand.
Während sich das ätzende Gift der Waffe in Tar'lyrrns Fleisch fraß murmelte der Ala'thraxor voller Genugtuung:

" Du wirst entstellt sein ... aber du bist der erste Lethrixor der mit dieser Waffe gezeichnet wird..."


Mit ruckartigen Bewegungen wurde Tar'lyrrn eine verzerrte, Lethrixor-Rune in das Fleisch geritzt - erst langsam, dann mit kundigen und doch brutalen Bewegungen der Klinge.
Und immer wieder ätzte das Gift der Waffe die umliegende Haut an.
Tar'lyrrn versuchte nach Aussen hin keine Schwäche, keine Regung zu zeigen, aber mit jedem Millimeter die sich die Klinge durch das Fleisch frass, zog die Kaelte in den Letharfen hinein. Hass begann in ihm aufzulodern, nicht blind, doch auf alles was da draussen gegen sie zu sein schien.

"Höre die Stimme des Vaters in dir ... spüre seinen Hass auf das Leben!
Gib dich ihm hin ... Lethrixor Tar'lyrrn!


Die Klinge rutschte weiter und schnitt die letzten Reste der Rune in die rechte Wange, dafür sorgend, dass Tar'lyrrn für immer gezeichnet sein würde.
Schmale, hasserfüllt glitzernde Augen, ein angespannter Körper und die noch immer geballten Fäuste zeugten von enorm viel Hass in dem frisch geweihten Lethrixor.
Aber ansonsten schien es einfach seine Art zu sein, nicht zu viel von sich preisgeben zu wollen, alle Emotionen bestmöglich zu verbergen... auch wenn sein Herz laut schlug und er am liebsten Amok gelaufen wäre.
Dann war das 'Kunstwerk' vollbracht, Tluth'Xarlor löste die Klinge von Tar'lyrrns Antlitz und seine dunklen Augen fuhren mit einem dünnen Lächeln über die verätzten Wundränder.
Danach hob er die Hand an, presste die gepanzerten Finger an Tar'lyrrns Kinn und drückte ihn wuchtig in die Höhe, damit die Klerikalen auch einen besseren Blick auf die Rune werfen konnten.
Ceylin'Tyrs neigte sich leicht vor und versuchte das Werk genauer in Augenschein zu nehmen. Kurz wirkte sie vielleicht unentschlossen, doch dann ließ sie ein zufriedenes Nicken erkennen.
Syrraels blickloses Starren suchte das Werk am Lethrixor zu erkunden und auch hier folgte ein zufriedenes, anerkennendes Nicken.

"Du hast dich bewiesen - mehrmals an meiner Seite und an der Seite Deiner Brüder und Schwestern. Du bist nun in der Lage selbst die Letharfen auszubilden.
Du wirst fortan mit Lethrixor Tar'lyrrn angesprochen werden!
Und jeder der Niederen wird Deine erbarmungslose Faust spüren!"
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