Erschöpft betrat Angelina das Haus.
Sie hatte sich beeilt und ihr Pferd angetrieben, um endlich wieder bei Rafael, ihrem Gatten sein zu können. Auch wenn die vergangenen Tage erfüllt waren mit der Sorge um die kranke Mutter, so sehnte sie sich dennoch nach ihrem Mann. Tari hatte sie bei seiner Großmutter gelassen, die sich zwar schon wieder recht gut erholt hatte, doch noch auf Hilfe angewiesen war. Der tapfere kleine Kerl würde für Feuerholz sorgen und der alten Heilerin zur Hand gehen.
Nur aus Gewohnheit schaute Angelina in ihren Postkasten und fand tatsächlich an sie gerichtete Schreiben vor.
Fast schwerfällig ließ sich die zierliche junge Frau auf einen Stuhl am Tisch sinken und öffnete zunächst das Schreiben mit dem Siegel des Grafen.
„Oh nein!“ kam es ihr gequält über die Lippen, nachdem sie es fast zu Ende gelesen hatte und mit fliegenden Fingern nahm sie nun das einfache Schreiben, das sich von Erinna geschrieben herausstellte.
Gehetzt sprang sie auf und ergriff ihre Arzneitasche, um fluchtartig das Haus zu verlassen.
Lebte er noch?
Die irrwitzigsten Vorstellungen geisterten Angelina durch den Kopf.
„Nur nicht sterben!.. Nicht noch einmal! Rafe.. ich bin gleich bei dir!“
Sie bemerkte kaum, wie sie im scharfen Galopp mit halsbrecherischem Tempo durch Varuna preschte. Gardisten riefen hinter ihr her, sie solle langsam in der Stadt reiten und zur Seite springende Leute schüttelten den Kopf oder drohten ihr gar mit der Faust hinterher.
Viel zu lange dauerte es ihr, bis endlich die Torwache auf ihr aufgeregtes Rufen hin das Tor zum Schloss öffnete und sie einließ.
Nur ein Gedanke beherrschte sie.
Sie durfte Rafael nicht auch noch verlieren.
Der hinterhältige Mord an ihrem Verlobten Kelan stand ihr wieder vor Augen… die Verzweiflung, in die sie damals gestürzt war, war zum Greifen nahe.
Von Sorge getrieben und die aufkeimende Verzweiflung bekämpfend, erklärte sie erneut mit aufgeregten Worten der Wache, dass sie zu ihrem Gatten, dem Ritter Rafael de Arganta, müsse.
Endlich stand sie in dem riesigen Schloss und sah sich um.
Durch den großen Saal… hatte die Wache gesagt.
„RAAAAFE!“
Sie rief aus Leibeskräften.
Dass sich das nicht geziemte, war ihr völlig egal. Sie wollte ihren Mann sehen.
Einen Vorhang nach dem anderen raffte sie beiseite und fand nur leere Betten in den Räumen vor. Doch dann hörte sie seine Stimme.
„Angie?“
„Hier bin ich.“
Für einen Moment war sie wie erstarrt.
Er lebte! Er konnte sprechen!...
Angelina riss sich zusammen und trat durch den Vorhang, hinter dem sie seine Stimme wahrgenommen hatte.
Unendliche Erleichterung trieb ihr fast die Tränen in die Augen.
Rafael hatte die Beine aus dem Bett geschwungen und sah ihr freudig entgegen. Langsam ging sie auf ihn zu, nahm jede Schramme, jeden Verband wahr. Aber vor allem seine strahlenden hellen Augen, aus denen so viel Erleichterung und Liebe sprachen….
Jäger am Ende der Wege
-
Darna von Hohenfels
"Gardist Coleman..." Darna seufzte, ehe sie etwas unter Druck gesetzt weitersprach: "Ja, natürlich kann das Bürger gefährden. Aber ich glaube, diesen Fall kann man mal auf sich beruhen lassen. Ich meine, wollt Ihr jetzt wirklich ausgerechnet Frau de Arganta ausgerechnet deswegen belangen?"
...
"Nein, natürlich muß das alles seine Ordnung haben. Aber dann tut mir bitte einen Gefallen: Ich zahle das Bußgeld und kümmer mich um den Rest, für Euch ist die Sache dann erledigt, ja?"
Das Tempo musste wirklich halsbrecherisch gewesen sein, so leicht regte sich ihr Kamerad vom Südtor über sowas nämlich nicht auf - es gab genug Irre, die meinten, daß sie ganz schnell zum Stall müssten.
Aber ehe Frau de Arganta jetzt wegen Reitens mit überhöhter Geschwindigkeit in einer geschlossenen Ortschaft ein Bußgeld bekam, nur weil sie rasch zu dem Mann wollte, für den sich Darna während dieser Tage persönlich in der Verantwortung sah, verschmerzte die Knappin lieber den Verlust von dem Beutel Talern und ließ die Angelegenheit auf sich beruhen.
Hoffentlich würde es Sir Rafael dann auch bald besser gehen - ihm jedesmal neue gewichtige Gründe vorzulegen, warum sie ihm nicht helfen würde, aus der Wäschekammer Kleidung zu stehlen und den noch angeschlagenen Ritter aus dem Schloß zu schmuggeln, zehrte nämlich langsam an den Nerven.
Da vermisste sie es glatt, ersatzweise lieber Leto zu striegeln. Und lieber sorgte sie für das Frühstück ihres Herrn, statt sich von einem schwerverletzten und womöglich im Fieber wirr redenden de Arganta etwas von Bäumen anzuhören. War ja furchtbar - ihr Herr setzte sich energisch für die Schonung der städtischen Blumenrabatte ein, und Sir Rafael predigte von Bäumen. Scheinbar musste ein guter Ritter irgendwie in eine Pflanzenart vernarrt sein? Etwas mysteriös kam ihr das schon vor.
Gardistin von Elbenau patrouillierte heute dann eben etwas ausführlicher in der Nähe des Schlosses, bis sie Wachende hätte und Knappin von Elbenau sich wieder um die rasche Genesung von Herrn de Arganta kümmerte, soweit sie dazu in der Lage war - daß ein Ritter einem anderen Ritter seinen Knappen auslieh, war ja schließlich nichts Ungewöhnliches.
Nur, daß sie momentan jeden Tag mindestens einmal komisch guckte, wenn ihr wegen irgendwas ein Baum bewusst auffiel, würde hoffentlich wieder aufhören.
"Was seht Ihr, wenn Ihr einen Baum seht, Knappin von Elbenau?"
"Einen Baum, Sir."
...
"Nein, natürlich muß das alles seine Ordnung haben. Aber dann tut mir bitte einen Gefallen: Ich zahle das Bußgeld und kümmer mich um den Rest, für Euch ist die Sache dann erledigt, ja?"
Das Tempo musste wirklich halsbrecherisch gewesen sein, so leicht regte sich ihr Kamerad vom Südtor über sowas nämlich nicht auf - es gab genug Irre, die meinten, daß sie ganz schnell zum Stall müssten.
Aber ehe Frau de Arganta jetzt wegen Reitens mit überhöhter Geschwindigkeit in einer geschlossenen Ortschaft ein Bußgeld bekam, nur weil sie rasch zu dem Mann wollte, für den sich Darna während dieser Tage persönlich in der Verantwortung sah, verschmerzte die Knappin lieber den Verlust von dem Beutel Talern und ließ die Angelegenheit auf sich beruhen.
Hoffentlich würde es Sir Rafael dann auch bald besser gehen - ihm jedesmal neue gewichtige Gründe vorzulegen, warum sie ihm nicht helfen würde, aus der Wäschekammer Kleidung zu stehlen und den noch angeschlagenen Ritter aus dem Schloß zu schmuggeln, zehrte nämlich langsam an den Nerven.
Da vermisste sie es glatt, ersatzweise lieber Leto zu striegeln. Und lieber sorgte sie für das Frühstück ihres Herrn, statt sich von einem schwerverletzten und womöglich im Fieber wirr redenden de Arganta etwas von Bäumen anzuhören. War ja furchtbar - ihr Herr setzte sich energisch für die Schonung der städtischen Blumenrabatte ein, und Sir Rafael predigte von Bäumen. Scheinbar musste ein guter Ritter irgendwie in eine Pflanzenart vernarrt sein? Etwas mysteriös kam ihr das schon vor.
Gardistin von Elbenau patrouillierte heute dann eben etwas ausführlicher in der Nähe des Schlosses, bis sie Wachende hätte und Knappin von Elbenau sich wieder um die rasche Genesung von Herrn de Arganta kümmerte, soweit sie dazu in der Lage war - daß ein Ritter einem anderen Ritter seinen Knappen auslieh, war ja schließlich nichts Ungewöhnliches.
Nur, daß sie momentan jeden Tag mindestens einmal komisch guckte, wenn ihr wegen irgendwas ein Baum bewusst auffiel, würde hoffentlich wieder aufhören.
"Was seht Ihr, wenn Ihr einen Baum seht, Knappin von Elbenau?"
"Einen Baum, Sir."
-
Rafael de Arganta
Unwillig lehnte er an der Rückseite des Bettes.
Rafael hasste nichts mehr als untätig irgendwo gefangen zu sein, und das Bett, der Raum hier war fast so... jedenfalls solange er seine Kleidung nicht hatte.
Jetzt wo Aradans Knappin nicht hier war, kamen die Gedanken wieder.
Angelina....
Vor Angst um sie zog sich sein Herz zusammen. Warum war sie nicht hier? Hatte sie der Kerl vor ihm erwischt, ihr etwas angetan?
Die Unruhe machte ihn schier verrückt und er ruckte hoch nur um aufstöhnend sich wieder zurück sinken zu lassen. Die Schmerz zuckte durch seine Schulter und wo sollte er hin? Mit einem Hüfttuch bedeckt durch das Schloss rennen?
Während er sich noch Gedanken darüber machte, hörte er wie jemand durch die Hallen lief, dann hörte er Angelinas Stimme. Eine Stimme die direkt aus seinen Träumen zu kommen schien und seinen Namen rief.
Sofort schwang er die Beine aus dem Bett und antwortete ihr.
Die Erleichterung ließ ihn schwindelig werden als sie gesund und wohlbehalten ihm entgegen eilte.
Besorgt kümmerte sie sich sofort um ihn, und seine Freude Erleichterung wandelte sich langsam in Erbitterung darüber das sie über Tage nicht da war, bei Patienten und nicht für ihn da war.
Nur kurz merkte er es an, fragte so sie gewesen war, und sie erklärte das es ihrer Mutter nicht gut ginge, sie aber einen Schreiben an ihn hinterlassen hatte.
Er wollte ihr gerade antworten, als der Graf bat hereintreten zu dürfen und so vertagten sie das Thema.
Rafael bedankte sich noch einmal bei Adrian für dessen Hilfe, und als Angelina ihn fragte ob sie Rafael mitnehmen könne, stimmte dieser zu.
Adrian ließ von einem Bediensteten Rafaels Kleidung holen die man gereinigt hatte, und wartete dann vor dem Vorhang bis Angelina ihrem Mann geholfen hatte sich an zu kleiden.
Erst dann trat er wieder ein und half Angelina, Rafael hinaus und auf das Pferd zu schaffen., um sich dann zu verabschieden.
Rafael war froh endlich nach Hause zu kommen.
Es war doch etwas anderes ob man zu Hause tatenlos rumsitzen musste oder wo anders.
Angelina begleitete ihn direkt hinauf um sich dort noch einmal seine Wunden an zu sehen, doch der Ärger stand noch immer unausgesprochen zwischen ihnen, bis Rafael es endlich aussprach.,
„Ich weiss ja das du deine Arbeit liebst, und ich will sie auch gar nicht verbieten, aber kannst du sie nicht ein wenig einschränken?“
Er hatte es endlich ausgesprochen. Das was ihn quälte.
Wenig Zeit zu haben und dann Angelina nur zu sehen wenn sie abends schlafen gingen, beide zu müde um noch groß miteinander zu reden.
Wie erwartet reagierte Angelina auch. „Du wusstest doch bevor du mich geheiratet hast, was ich bin, und wolltest es mir auch nie verbieten.“
Sie hatte recht... aber verstand sie denn nicht? Sie hatte immer mehr Arbeit bekommen, war fast jeden Tag außer Haus und auch er hatte mehr Aufgaben bekommen. Mehr Verantwortung, und er sehnte sich danach Heim zu kommen und sie vor zufinden. Alles hinter sich lassen zu können für den Moment um einfach sich von ihrem Anblick seiner Liebe zu ihr berauschen zu lassen.
Um einfach er selber sein zu können.
War es zuviel verlangt? Eigensinnig?
Aber er wollte doch nicht das sie ihre Arbeit aufgab. Vielleicht nur weniger Arbeitete oder auch ihre Patienten in dem Kleinen Haus behandelte. Einfach das sie da war.
Lange redeten, diskutierten sie miteinander, und es dauerte bis sie sich einigten.
Angelina wollte etwas weniger arbeiten, ohne jedoch Leute die der Hilfe bedurften zu vernachlässigen.
Gemeinsam hatten sie auf dem Bett gelegen, Angelina in seinem Arm doch erst jetzt entkleideten sie sich um unter die Decke zu schlüpfen.
Mit der Gewissheit morgens mit ihr im Arm auf wachen zu dürfen, war es ein pures Glücksgefühl mit ihr im Arm ein zu schlafen.
Doch sein noch geschwächter Körper forderte auch schnell seinen Tribut, so das er das Gefühl nicht lange auskosten konnte und schnell in einen tiefen, traumlosen Schlaf fiel.
Rafael hasste nichts mehr als untätig irgendwo gefangen zu sein, und das Bett, der Raum hier war fast so... jedenfalls solange er seine Kleidung nicht hatte.
Jetzt wo Aradans Knappin nicht hier war, kamen die Gedanken wieder.
Angelina....
Vor Angst um sie zog sich sein Herz zusammen. Warum war sie nicht hier? Hatte sie der Kerl vor ihm erwischt, ihr etwas angetan?
Die Unruhe machte ihn schier verrückt und er ruckte hoch nur um aufstöhnend sich wieder zurück sinken zu lassen. Die Schmerz zuckte durch seine Schulter und wo sollte er hin? Mit einem Hüfttuch bedeckt durch das Schloss rennen?
Während er sich noch Gedanken darüber machte, hörte er wie jemand durch die Hallen lief, dann hörte er Angelinas Stimme. Eine Stimme die direkt aus seinen Träumen zu kommen schien und seinen Namen rief.
Sofort schwang er die Beine aus dem Bett und antwortete ihr.
Die Erleichterung ließ ihn schwindelig werden als sie gesund und wohlbehalten ihm entgegen eilte.
Besorgt kümmerte sie sich sofort um ihn, und seine Freude Erleichterung wandelte sich langsam in Erbitterung darüber das sie über Tage nicht da war, bei Patienten und nicht für ihn da war.
Nur kurz merkte er es an, fragte so sie gewesen war, und sie erklärte das es ihrer Mutter nicht gut ginge, sie aber einen Schreiben an ihn hinterlassen hatte.
Er wollte ihr gerade antworten, als der Graf bat hereintreten zu dürfen und so vertagten sie das Thema.
Rafael bedankte sich noch einmal bei Adrian für dessen Hilfe, und als Angelina ihn fragte ob sie Rafael mitnehmen könne, stimmte dieser zu.
Adrian ließ von einem Bediensteten Rafaels Kleidung holen die man gereinigt hatte, und wartete dann vor dem Vorhang bis Angelina ihrem Mann geholfen hatte sich an zu kleiden.
Erst dann trat er wieder ein und half Angelina, Rafael hinaus und auf das Pferd zu schaffen., um sich dann zu verabschieden.
Rafael war froh endlich nach Hause zu kommen.
Es war doch etwas anderes ob man zu Hause tatenlos rumsitzen musste oder wo anders.
Angelina begleitete ihn direkt hinauf um sich dort noch einmal seine Wunden an zu sehen, doch der Ärger stand noch immer unausgesprochen zwischen ihnen, bis Rafael es endlich aussprach.,
„Ich weiss ja das du deine Arbeit liebst, und ich will sie auch gar nicht verbieten, aber kannst du sie nicht ein wenig einschränken?“
Er hatte es endlich ausgesprochen. Das was ihn quälte.
Wenig Zeit zu haben und dann Angelina nur zu sehen wenn sie abends schlafen gingen, beide zu müde um noch groß miteinander zu reden.
Wie erwartet reagierte Angelina auch. „Du wusstest doch bevor du mich geheiratet hast, was ich bin, und wolltest es mir auch nie verbieten.“
Sie hatte recht... aber verstand sie denn nicht? Sie hatte immer mehr Arbeit bekommen, war fast jeden Tag außer Haus und auch er hatte mehr Aufgaben bekommen. Mehr Verantwortung, und er sehnte sich danach Heim zu kommen und sie vor zufinden. Alles hinter sich lassen zu können für den Moment um einfach sich von ihrem Anblick seiner Liebe zu ihr berauschen zu lassen.
Um einfach er selber sein zu können.
War es zuviel verlangt? Eigensinnig?
Aber er wollte doch nicht das sie ihre Arbeit aufgab. Vielleicht nur weniger Arbeitete oder auch ihre Patienten in dem Kleinen Haus behandelte. Einfach das sie da war.
Lange redeten, diskutierten sie miteinander, und es dauerte bis sie sich einigten.
Angelina wollte etwas weniger arbeiten, ohne jedoch Leute die der Hilfe bedurften zu vernachlässigen.
Gemeinsam hatten sie auf dem Bett gelegen, Angelina in seinem Arm doch erst jetzt entkleideten sie sich um unter die Decke zu schlüpfen.
Mit der Gewissheit morgens mit ihr im Arm auf wachen zu dürfen, war es ein pures Glücksgefühl mit ihr im Arm ein zu schlafen.
Doch sein noch geschwächter Körper forderte auch schnell seinen Tribut, so das er das Gefühl nicht lange auskosten konnte und schnell in einen tiefen, traumlosen Schlaf fiel.