Knappin und Gardistin - Leben im Licht Temoras

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Niowe Adela Aireth

Einladung in den Nebelwald

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

9. Cirmiasum 254

So viel habe ich bereits über diese besonderen liebreizenden Wesen mit den zarten Spitzohren vernommen. Nur einmal war es mir vor langer Zeit vergönnt gewesen eines dieser Wesen zu sehen und ja mit ihm sogar zu sprechen. Dem König der Elfen. Blind war er doch von so überragender Größe und Faszination für mich. Kaum haben wir ein Wort gewechselt, er ist mir einfach gefolgt, dorthin wo ich ihm geleitet habe seinem Wunsch entsprechend. Er war keinesfalls und sicher und ist nicht gestolpert. Er hat mich verzaubert und lange noch nach jener für mich einschneidenden Begegnung dachte ich an ihn. Dann habe ich jenes Erlebnis vergessen und nun steht erneut ein Elf neben mir während ich da vor dem Grab stehe und es betrachte.
Ein Hochelf. Wie wundervoll er aussieht. Kein Mensch mag nur den Hauch der Schönheit dieser Wesen je erreichen. Und wie damals blicke ich fasziniert zu ihm auf und schweige ehrfürchtig, während er zu mir spricht. Er will, dass ich ihm folge und ich tue es ohne lange zu Überlegen. Mitten im Wald verbindet er mir die Augen und lässt mich das fühlen, was ich auch ohne ihn am See sehr oft getan habe, nur war mir nicht bis heute bewusst wieso.
Man muss ich auf das Wesentliche konzentrieren, und in vielen Situationen glaubt ihr Menschen schon eine Antwort zu haben, oder etwas ergründet zu haben, ihr habt aber den Kern der Dinge noch gar nicht erkannt, sagte er zu mir während ich da im Gras kniend mit den Händen es berührt. Ich lausche dem Gesang des Winds, versuche die Laute der Tiere des Waldes zu unterscheiden und rieche den Duft des Grases, während meine Hände sanft darüber streichen. Ich fühle mich glücklich dabei, auch wenn mein Bein durch das Knien schmerzt, aber es ist unwichtig geworden. Ich bin wichtig und alles um mich.
Leise habe ich dies alles in Worten zu ihm gesprochen, zaghaft, fast scheint es mir, als wäre es unrecht die Laute des Waldes zu stören, sie mit meinen Worten zu durchbrechen.
Mit einem Male wird es mir klar, was er meint. Das Wesentliche erkennen. Nicht die Aufgaben einer Knappin sind wichtig. Sondern der Mensch und alles rundum ist bei weitem wichtiger, also ich, ich bin es und mein Leben. Es ist nicht entscheidend, ob ich alles erledige oder alle Aufgaben erfülle, das können auch schlechte Knappen. Aufgaben sind nicht der Nabel der Welt. Es geht um meinen Weg. Es geht dabei um mich, ich bin der Kern. Ich bin eine blutjunge Frau, die weiß, was sie will. Die unbeirrbar ihren Weg kennt und geht. Die Temora vertraut und die hier vor diesem Elfen kniend, etwas unschätzbar Wertvolles gefunden hat. Die Reife, um das zu erkennen, was ihr wichtiger ist. Was kein anderer entscheiden kann, nur sie selber.
Ihr habt so viel Potential, aber die wenigsten von euch Menschen nutzen es, sagte er dann als er näher kam und ich aufgestanden bin.
Ich will es nutzen!, diese Worte formen meine Gedanken.
Ich möchte gerne von Euch so vieles noch wissen und erfahren, habe ich dann gesagt. Es ist mein Ernst. Ich will es, egal ob mein Sire damit einverstanden ist oder nicht. Er wird es gar nicht erfahren. Es ist wichtig für mich, ich will alles erfahren und lernen was nur möglich ist und das von den Besten, und die besten sind Elfen. Ihre Weisheit und ihre Geduld ja auch ihr Verständnis für Dinge, die uns Menschen fremd sind, all das will ich lernen und fühlen.
Bald werde ich beim Nebelwald sein, hauche ich während ich sein Tuch von den Augen löse und es ihm reiche.
Ich bin bereit!
Nur wer sich von diesen Tatsachen, die du nun gemacht hast, nicht verschließt, und stets bereit ist neue Erfahrungen zu machen, der kann einen Schritt machen, den nur wenige Menschen gemacht haben, haucht er mir leise zu. Das will ich mit all meinem Willen und meinem Wunsch Erfahrungen zu machen, und daraus zu lernen, so wie ich es jetzt getan habe. Dann berührt er mich, und etwas unsagbar Schönes erfüllt meinen Körper, ein unbeschreibliches Gefühl. Zum ersten Mal zucke ich nicht zurück, als er, der Fremde, der Elf, mich berührt. Ich halte still und lasse es geschehen.
Es wird dir auf deinem Weg helfen, vernehme ich seine Worte, dann entschwindet er und ich gehe zurück zum Strand, ohne zu hinken, ohne Fieber, nein ich laufe dann sogar so wohl und glücklich fühle ich mich.
Bald bin ich im Nebelwald, bei den Elfen, den besten, die mir so vieles beibringen werden, was ich noch brauchen kann. Ich fühle, dass es richtig ist, und danke am Abend noch in einem Gebet Temora für die Gnade, dass so ein Geschöpf meinen Weg gekreuzt hat und es abermals tun wird.
Niowe Adela Aireth

Eine Reise zu meinem Ich

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

10. Cirmiasum 254

Ich habe zu mir gefunden. Das, was ich bin habe ich gefestigt und mit Stolz jenes, was verborgen war ins Leben gerufen. Die Aufgaben meines Sires habe ich beinahe erfüllt und dennoch es bedeutet mir nicht mehr das, was es wohl vor der Abreise bedeutet hat. Ich bin mir sogar im Unklaren darüber, ob ich mit meinem Sire darüber sprechen möchte. Ich weiß es noch nicht, lasse es einfach, dann wenn es soweit ist, an mich heran treten. Das Wichtigste zuerst heute und morgen.
Das was ich über mich erfahren habe ist bei weitem wichtiger geworden. Ich bin anders, reifer und sicherer. Ich habe durch eine Berührung eines Elfen an meiner Schulter, mehr erkannt als ich es wohl je bisher in meiner Knappenzeit getan habe. Ich habe für mich das, was Bedeutung hat angenommen und stehe zu dem. Was sich auch in meinen Bewegungen, der Körperhaltung und ja sogar in dem Ausdruck meines Gesichts bemerkbar macht. Ich sehe im Wasser das Strahlen, welches von meinem Inneren heraus mich vollkommen zu erfüllen scheint. Meine Bewegungen sind harmonisch gleitend geworden, ein Ausdruck meiner inneren Ruhe, die nur jene Menschen haben, das ist mir nun bewusst, die mit sich in reinem sind. Dazu hat kein anderer beigetragen, das war ich alleine und darauf bin ich stolz. Ich fühle in mir eine Stärke, die jedem Hass und Neid und jeglicher Missgunst in dieser Welt begegnen kann, ohne davon berührt zu werden, weil es nicht zu mir gehört. Denn ich bin es nicht, die hasst, das tat ich nie und werde es niemals tun. Ich bin es nicht die von Neid zerfressen wird, aus welchem Grund auch immer. Ich bin nicht diejenige, die Missgunst in sich trägt, und damit das so wertvolle, wunderbare Leben sich selber und anderen vergiftet. Ich bin anders, war es immer, aber nun hat es für mich an Wertigkeit gewonnen. Einige Worte eines Elfen haben das bewirkt. Ich habe es schon immer gefühlt, aber nie sonderlich beachtet. Das war mein Fehler. Aber wie hat mein Herzog einst zu mir gesagt. Fehler machen wir alle, es gilt nur, daraus zu lernen. Ich habe rascher aus diesem einen Fehler gelernt als dies so mancher tun würde. Den meisten ist es nicht wichtig, sich selber zu formen, das überlassen sie anderen. Ja, ich gebe es offen zu, das habe ich auch getan. Habe meinen Sire als Vorbild genommen, strebte an zu sein wie er und habe das, was so wertvoll ist, weil einzigartig, mein Ich, dabei vergessen. Nun habe ich mich endgültig von ihm gelöst, wir sind so weit von einander entfernt wie diese Sternschnuppe an Himmel, die über den nächtlichen Himmel gleitet und mir zuzuwinken scheint. Dennoch trage ich auch einen Teil von dem was meinen Ritter ausmacht in mir, anders wohl, aber deshalb nicht schlechter. Ich habe vieles von meinem Sire angenommen, aber ich setze es für mich um, verändere es, weil ich es mir schuldig bin.
Ich bin glücklich mich in der Spiegelung des Teichs zu betrachten, was ich nie zuvor getan habe, aus Schmerz darüber es könnten mich Micheils Augen, die den meinen ähnlich waren, anblicken. Nun sehe ich mich. Es ist mein Gesicht das mir entgegen blickt, mein Lächeln, meine silberblauen Augen und mein nachtschwarzes Haar. Ich denke an meinen Bruder, aber in Liebe und nicht mehr in Trauer. Ich bin stolz und glücklich, dass ich an seiner Seite einen kurzen Lebensweg beschreiten durfte und er mich geleitet und geformt hat. Ich werde an mir weiter arbeiten ein Leben lang, Wissen mehren und nein für mich bedeutet es nicht Macht, wie für viele. Für mich bedeutet es Erfüllung, Bereicherung, Erkenntnis, Leben und Zufriedenheit. Ich verdanke Micheil sehr viel, das ist es worauf es ankommt, er hat mir den Weg mit seiner Liebe gewiesen, ich muss ihn nun alleine weiter gehen, mich verändern und lernen.
Ich bin gespannt, was mein Herzog zu meiner Veränderung sagen wird, oder Raindri, wenn er mich sieht oder Ira oder Alexander. Ich habe ihnen viel zu verdanken, denn sie sind mir nahe, so verschieden jeder einzelne von ihnen auch ist. Doch sie haben eines gemeinsam, sie sind völlig anders als die meisten Menschen und einzigartig wie ich. Dieses Band wird uns erhalten bleiben. Darauf können wir aufbauen und die Freundschaft wachsen lassen. Ein gutes Gefühl.
Mit diesen Gedanken knie ich vor dem ersten Schrein Temoras und entzünde eine Kerze. Aufopferung. Temora möge mir immer vor Augen halten für andere da zu sein. Nie zu zögern, mein Leben in dem Dienst der anderen zu stellen, mich dabei nicht zu unterwerfen, aber mit Liebe und meinem Herz bereit sein Opfer zu bringen.
Mit Maß, würde nun Diakon Aaron sagen, alles mit Maß Niowe Adela. Ich werde mich darum bemühen, Temora möge mir verzeihen und in ihrer Güte mich darauf hinweisen, wenn ich auf meinem Weg etwas übersehe oder nicht beachte, ich bin nur ein Mensch, wir machen Fehler. Nach einem stillen Gebet erhebe ich mich, die Kerze brennt. Ein warmes Licht, das hier und jetzt mein Herz berührt.
Auf dass ich mich niemals verliere auf meinem Weg!, denke ich und verlasse den Ort.
Niowe Adela Aireth

Drei weitere Schreine an einem Tag

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

11. Cirmiasum 254

Zu Fuß bin ich weiter zu dem zweiten Schrein. Er lag an einem Wasserlauf und sonderbarer Weise zwei Kissen vor dem Stein. Ich habe sie nicht benutzt, sondern ich knie daneben nieder auf dem harten Boden und entzünde meine Kerze. Im Licht der Flamme lasse ich meine Gedanken schweifen. Mitgefühl. Ich bin überzeugt davon, dass der Feind unser Mitgefühl verachtet. Es wird es als Schwäche bezeichnen. Aber es gehört viel mehr Stärke dazu, sich zu ihm zu bekennen und mitfühlend zu handeln. Wer an all dem Schönen dieser Welt teilhaben will, muss den Mut besitzen auch klein sein zu können. Damit meine ich nun nicht meine Körpergröße, sondern, dem was mich umgibt, Menschen, Blumen und Tiere, dem so nahe zu sein, wie ein Kind. Wenn man das begriffen hat, fühlt man auch mit anderen mit, man muss darüber nicht nachdenken. Es ist kein Almosen, sondern die Erkenntnis, die Liebe und Größe, jemanden die Hand zu reichen zu können. Einfach weil er sie braucht und man da ist. Das ist nicht viel, aber manchmal bedeutet es die Welt, das weiß ich nur zu gut.

Weiter ging es dann noch zu dem Schrein der Ehre. Auch dort kniete ich nieder und habe meine Kerze entzündet. Mich beschäftigt die Frage nun, soll ich die Entschuldigung des Hochedlen annehmen, obwohl er meine Ehre mit seinen für mich entsetzlich unkeuschen Worten befleckt hat? Was bedeutet Ehre, wenn man nicht vergeben kann?
Aber nur vergeben, wenn man dazu bereit ist, denke ich. Das bin ich mir schuldig. Damals war ich es nicht, das habe ich offen und ehrlich ausgesprochen. Jetzt bin ich es? Ja, ich nehme die Entschuldigung des Hochedlen an, und werde dies ihm mitteilen. Mehr nicht, denn mehr dazu gibt es nicht zu sagen. Was bedeuten schon Worte? Ich muss mich auf das Wesentliche konzentrieren. Ehre. Darüber habe ich mir schon Gedanken gemacht, Ehre ist ein schmaler Grad zwischen Unwissenheit, Unhöflichkeit, bewusster Beleidigung und Missachtung anderer, wenn man sie verletzt. Dazu kommt noch das Verhalten anderer Völker, deren Ehre oftmals anderes bedeutet. Für mich bedeutet Ehre einst meinem Herzog zu dienen. Ehre, was mich betrifft, dahingehend hat sie nun meine Einstellung geändert. Ich bin gefestigt werde ruhig und besonnen reagieren, mich nicht provozieren lassen und nicht hastig Entscheidungen treffen, was meine Ehre angeht, denn die kann mir keiner nehmen, nicht einmal die damals mich beschämenden Worte eines Hochedlen. Sie sind unbedeutend geworden, denn meine Ehre umhüllt mich, sie ist ein Teil von mir, das wurde mir bewusst auf dieser Reise. Sie ist sichtbar für jene, die ihre Augen öffnen können, unsichtbar für jene, die ihr ganzes Leben lang blind sein werden. Und diese gilt es zu bedauern, denn sie werden so vieles nicht erkennen und so vieles von Bedeutung wird ihnen verborgen bleiben.
Die Ehre anderer Menschen gilt es zu bewahren, so sie nicht stark genug sind, sich gegen Ungerechtigkeit und Schmach auflehnen zu können. Es ist mir bewusst, was der Adel anrichten kann, ich werde für jene egal ob reich oder arm im Reich da sein, zuhören und helfen, so sie Hilfe benötigen, dazu stehe ich.
Die Ehre im Krieg. Es gibt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine ehrenhafte Kriegsführung. Ob jene zweckführend ist, bleibt dahin gestellt. Denn im Krieg geht es darum eine Schlacht zu gewinnen, das wollen beide Seiten. Es gibt keine kontrollierenden Instanzen im Krieg und in erster Linie geht es um den Sieg. Wo Schlachten geschlagen werden wird getötet, was ja an sich bereits einem ehrenvollem Verhalten widerspricht. Jede Ehre beruht auf der Ethik des Individuums, je höher sie an Wertigkeit in seinem Leben vertreten ist, umso höher besteht die Chance, dass er sie auch im Krieg, als für sich moralisch vertretbar anwendet. Was aber nicht bedeutet, dass es eine Art von Kriegsführung gibt, die dem entspricht, was andere unter ehrenvoll verstehen. Krieg ist Krieg und Feind bleibt Feind. Wir wollen gewinnen, der Feind auch, es gibt keine Regeln.
All jene, die meinen, man müsse den Feind freundschaftlich begegnen, weil sie nett wären und Menschen, wie wir, ja das sind sie, aber sicherlich sind sie nicht nett, wenn sie uns gefangen nehmen, und unser Land überrollen. Viele begreifen leider nicht, worum es dabei geht. Schlachten sind brutal, aber sie müssen stattfinden, um all das Gute und Schöne, was wir für selbstverständlich erachten, im Reich zu bewahren. All jenen, die meinen es ginge ohne Krieg, weil Schlachten grausam sind, ja sind sie, und unnötig, nein sind sie leider nicht, sei gesagt, ohne diesen Krieg, in dem wir darum kämpfen, dass unsere heile Welt in Freiheit mit Tanz, lustigen Gesellschaftsabenden, Strandfesten, Blumen, und all jenem, was wir lieben und was das Reich ausmacht, unseren Wertigkeiten, die wir alle hier haben, und nicht zu vergessen Temoras Tugenden, nicht haltbar wäre. Ich hätte auch lieber Frieden, aber ich bin bereit für das zu kämpfen, was mir am Herzen liegt.

So viel zu Ehre, denke ich, während mich meine Schritte zum mache Nebelwald zum nächsten Schrein lenken. Überall fühle ich Leben und werde beobachtet. Ich habe meine Klinge samt Scheide abgelegt in einem Versteck vor dem Wald abgelegt. Ohne Waffen betrete ich diesen Wald und blicke während ich langsam lautlos, so empfinde ich es, durch den Wald staunend gehe, mich um. Erschöpft lehne ich mich an einen mächtigen Baum. Der Weg war weit. Die Erschöpfung war sogleich entschwunden, als der Baum unverständliche Worte gemurmelt hat und die Äste behutsam dabei mich berührten. Das muss einer dieser Wächter sein. Ja, davon habe ich gehört aber noch nie einen gesehen. Er war recht freundlich und ist dann, weiter geschwebt? Gegangen? Wie erklärt man die Fortbewegungsart eines Baumes? Gar nicht, denn üblicherweise gehen Bäume nicht und murmeln auch nicht und sie berühren dich nicht, so als wollten sie dich prüfen und fühlen, was für ein Mensch du wohl bist. Ich habe ihm noch lange nachgesehen, glücklich weil diese Berührung wunderschön war. Etwas besonderes für mich. Während ich da stehe und verzückt dem Baum nachblicke, werde ich von vielen Lichtwesen umrundet. Sie scheinen zu lachen, und es macht ihnen Freude mich zu verwirren. Behutsam strecke ich meine Hand aus, ich hoffe es setzt sich eines darauf. Was auch geschehen ist, blitzschnell und weg war es. Wie der zarte Kuss des Windes auf meiner Hand. Unbeschreiblich. Ich bin glücklich wie nie zuvor hier und entdecke einen wunderbaren See. Das nutze ich sogleich um zu baden. Nackt, denn es ist ja keiner da und Badesachen habe ich nicht bei mir.
Bäume schweigen. Tun sie nicht hier, das weiß ich nun, die Kunde da badet ein Mensch hat sich blitzschnell verbreitet, wie ist mir unbegreiflich. Jedenfalls waren auf einmal Scharen von Tieren, Lichtwesen und auch Baumwächter um den See. Elfen sicherlich auch genügend, aber die habe ich nicht erblickt. Der See ist nicht tief, und nach dem Bad bin ich rasch hinter einem Baum gesprungen, habe mich dort mit einem Tuch meinen Körper getrocknet. Das Haar nicht. Ich bin dann mit nassem Haar weiter durch diesen verzauberten Wald gezogen in Begleitung der Tiere und einiger Lichtwesen. Fast schien es mir, als wollten sie mir den Schrein weisen. Da ist er, bewacht von zwei Elfen. und ich knie nieder. Entzünde auch hier meine Kerze und falle fast vor Müdigkeit nun fast um. Tapferkeit. Ich kann nicht mehr denken. Das wichtigste zuerst. Ich spreche auch hier ein leises Gebet und erhebe mich um einen Schlafplatz zu suchen. Das Gemäuer von vorhin wäre geeignet. Dorthin gehe ich. Wickle mich in meine Decke und schlafe sogleich ein, ich habe nicht einmal bemerkt, wie verdammt hart dieser Stein ist, der sich in meinen Rücken bohrt.
Niowe Adela Aireth

Der Name Nebelwald gewinnt an Bedeutung

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12. Cirmiasum 254

Der Stein hatte seine Spuren auf meinem Rücken gelassen, der hat nur einen ziemlich großen blauen Fleck. Aber es stört mich nicht. Bedeckt ist er ja und keiner wird jenes bemerken. Ich habe dann an einer Flussmündung Fische gefangen und jene in dem wunderschönen Gemäuer beim Nebelwald gebraten.
Das ist eher nicht meine Stärke. Rauchwolken sind von dem verbrannten Fisch, der mehr Kohlestückchen nun glich, als etwas Essbarem, über den Nebelwald gezogen. Ich habe mich bei dem Anblick geschämt. Was werden wohl die Elfen denken, und die Baumgeister, nicht zu sprechen von den Lichtwesen. Es war eine entsetzliche schwarze Rauchwolke, die nach und nach den Wald wie ein dunkler Nebel umhüllt hat.
Rasch habe ich meine Sachen gepackt während die letzten verkohlten Fischstücke im letzten Aufflackern des Feuers noch glimmen. Mit den letzen Resten aus meinem Wasserschlauch habe ich das Feuer gelöscht, dann bin ich aufgebrochen. Soweit war alles in Ordnung, bis auf diese Rauchwand. Nach Essen ist mir nicht mehr und ich kehre für eine Weile dem Nebelwald den Rücken bis ich dahin zurück kehren werde, das habe ich vor.
Die letzten Schreine habe ich besucht, Geistlichkeit, Gerechtigkeit und nun knie ich hier vor dem letzten der sieben, zünde wie bei all den anderen meine Kerze an und bete.
Demut. Ich beuge mich vor Temora, ja in Demut, das fühle ich, weil ich mich vor ihrer Liebe und Güte, die ich in mir fühle, verneigen muss. Aber ich beuge mich nie mehr vor Schlägen. Bin ich deshalb nicht demütig genug? Nein, ich denke das ist richtig für mich. Ich bekenne mich dazu. Keiner wird je mehr die Hand gegen mich erheben. Das Schwert sei gewährt. Vielleicht hat damals Temora erwartet, dass ich demütig diesen Schlag von meinem Sire hätte einstecken sollen. Das kann ich nicht, denn ich habe Achtung vor mir und auch anderen Menschen. Vielleicht war dies im Sinne Temoras falsch. Für mich ist es richtig, denn ich habe erkannt, dass keiner das Recht hat, dies zu tun, egal ob Ritter oder Adel. Diese Erkenntnis war sehr aufschlussreich für mich. Ich werde und kann mich beugen vor jenen, die es wert sind, aber ich lasse mich niemals brechen.

Gerechtigkeit.
Ist es gerecht das Raindri noch immer Rekrut ist? Er der so vielen bereits das Leben gerettet hat, gekämpft wie kein anderer an meiner Seite gegen die unzähligen Angriffe? Er der das Kloster tagelang verteidigt hat damals? Ist es gerecht?
Nein, ist es nicht, höre ich mich sagen. Wieso duldest du das dann? Weil mein Freund es so will, es hat keine Bedeutung für ihn und für mich auch nicht.
Vielleicht ist es auch eine Prüfung? Wie wir Menschen damit umgehen? Können wir es? Sind nicht Taten wichtiger, als Worte? Wieso gelten sie dann bei Menschen so wenig? Jene, die mit Worten um sich werfen, oftmals trügerischen, sie, die Blender, scheinen die Oberhand zu gewinnen. Ist das gerecht?
Nein, ist es nicht.
Wirst du gerecht sein, Niowe Adela? Ich werde mich bemühen, Temora, höre ich meine Worte. Ich kann es nicht ehrlich beantworten. Denn, gerecht zu sein, ist sehr schwer.
Man, muss immer beide Seiten kennen.
Ja, und dann? Wie entscheide ich? Vielleicht täuschen beide Seiten, oder vielleicht sprechen beide Seiten die Wahrheit, nur ist es eine Wahrheit von ihrem Standpunkt aus. Wie entscheide ich dann? Entscheide ich gerecht, wenn ich meinem Gefühl vertraue? Vielleicht? Vielleicht auch nicht. Gerechtigkeit ist Wahrheit, Mut und die Überzeugung nach dem Besten zu streben. Nicht nur für sich, für andere auch. Wenn ich die Wahrheit nie aus den Augen verliere, werde ich gerecht sein. Das macht mir Mut.

Geistlichkeit.
Das ständige Bemühen, mich zu verbessern, meine Leben in den Dienst der Wahrheit, Liebe, dem Wissen zu stellen. Die Geistlichkeit ist das Gleichgewicht, sie vereint all das und formt es zu einem Ganzen. Mit mir im Einklang sein, danach strebe ich. Nie aufhören nach all dem, was ich von den Elfen und den Gedanken vor den Schreinen erkennen durfte. Das ist mein Weg, dem folge ich. Unbeirrbar mit meinem Willen. Mein Sire würde dazu nun Sturkopf sagen, mag sein. Ich weiß es besser, denn nur ich kenne mich nun.
Abermals bin ich erschöpft und nächtige an einem für mich sehr besonderen Ort. Hoch oben am Berg umgeben von Ranken und Bäumen, dem Himmel nahe, dort bleibe ich.
Während ich am Lagerfeuer sitze, die Decke eng um meinen Körper geschlungen, betrachte ich die Sterne. Ich habe die Aufgaben erledigt. Bin ich bereit zurück zukehren? Die Sterne geben mir keine Antwort, sie leuchten nur heller als sonst hier.
Das Wichtigste zuerst, höre ich die Worte im Rauschen der Bäume.
Gut, ich werde mich zur Ruhe begeben, hauche ich den Bäumen zu. Eng an die beiden Wölfe geschmiegt, die auf unerklärbare Weise nun hier sind, spüre ich die Wärme und denke an meine beiden Hunde, sie fehlen mir sehr.
Sonderbar, denke ich, woher sie wohl gekommen sind? Vorhin, als ich meine Sachen hier abgelegt hatte, um den Schrein unten am Berg aufzusuchen, waren sie noch nicht da. Sie machen mir keine Angst im Gegenteil ich freue mich richtig, dass sie bei mir sind.
Im Geheul der Wölfe, die abwechselnd, so scheint es mir, Wache halten, schlafe ich wohl behütet glücklich ein. Morgens habe ich dann meine Fleischstücke an sie verfüttert. Die Felle versteckt, damit ich
Jederzeit hier und im Nebelwald mein Lager aufbauen kann. Dann mache ich mich auf den Heimweg. Zuerst suche ich Ira und Eric, dann den Rest meiner Freunde.
Niowe Adela Aireth

Zarte Gefühle

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

14. Cirmiasum 254

Ich stehe noch eine geraume Weile auf dem Balkon meines Sires nachdem ich mich von ihm verabschiedet habe. Ja, wir nennen uns beim Vornamen, bereits vor meiner Abreise taten wir dies. Einfach so, ohne lange zu überlegen. Öffentlich sind wir eher förmlich bis auf heute. Etwas ist anders, ich fühle es. Jetzt wo ich an ihn denke klopft mein Herz wie wild. Jetzt, wo er nicht da ist, wo ich noch immer an das denke, was wir heute gemeinsam erlebt haben. Zuerst diese Schlacht, eine unter vielen, die noch kommen werden in Varuna an Seite des Herzogs. Wir haben diesmal nicht gesiegt? Und? Ich verstehe die Menschen nicht, wie leicht gläubig sie sind. Temora wäre nicht bei uns. Natürlich ist sie das, sie ist immer bei uns, wir müssen nur fest daran glauben.
Was bedeutet schon diese eine verlorene Schlacht? Nichts! Wir kämpfen weiter, um das, was für uns alle Bedeutung hat. Wie der Herzog bereits zu der Menge vor Adoran gesagt hat, als wir uns dort versammelt hatten, sie bluten. Er und ich haben das bemerkt. Eine Dienerin Kathoris wurde schwer getroffen. Weitere werden es tun. Sie sind verletzbar, auch wenn die Magie der unseren dort in Varuna keine Wirkung zeigte. Wir schaffen es, wenn wir es immer wieder versuchen. Einmal gelingt es. Ich glaube fest daran. Temoras Licht ist bei uns. Kämpfen müssen wir.
Er hat nur für mich ein Kleid ausgewählt in der Farbe meiner Augen. Es ist wundervoll. Perfekt schmiegt es sich an meinen zierlichen Körper, betont meine weiblichen Vorzüge dezent aber sehr wirksam. Wir haben beide nur kurz überlegt, ob dieses Geschenk angemessen wäre. Als ich das Glück in seinen Augen gesehen habe bei meinem Anblick und er wohl das Strahlen in den meinen, war es für uns beide beschlossene Sache, es ist angemessen und mein verzaubertes Lächeln hat ihm dies wohl bestätigt.
Für viele noch kommenden gemeinsame Tänze, meinte er leise.
Ja, da werde ich es tragen. Ich bin überglücklich. Nicht nur über das Kleid, sondern dass er es für mich erwählt hat.
Nach der Schlacht ist er einfach in den See gesprungen nachdem er sich seiner Rüstung erledigt hat. Nur in wattierten Unterkleidung. Ich habe es nicht getan, denn ich kann ja noch immer nicht schwimmen.
Vorsichtig bin ich nur in meinem viel zu weiten Waffenrock der mir über das Knie reicht in das seichte Wasser am Ufer meines Sees gestiegen. Wie wunderbar sah er aus. Das nasse Haar hatte er zurück gestrichen und seine Augen strahlten mich an. Auch wenn mir ein wenig Bange war, ich lächelt ihm zu.
Dann habe ich ihm erzählt, dass ich nicht schwimmen kann, den Grund weshalb ich früher Angst hatte im See so wie jetzt nur zu stehen, und wie mein Sire diese Angst mir genommen hat. Über so vieles sprachen wir, bis er mir seine Hand reichte, als ich ihm davon berichtet habe, wie ich mich an einen Baum auf meiner Reise gebunden habe, damit ich mich wieder aus dem Teich nach dem Bad heraus ziehen konnte.
Ich bin jetzt dein Baum, hauchte er mir zu und ich halte mich an seiner Hand fest. Eine starke, ruhige Hand an der ich Halt finde. Ich bin sogar untergetaucht mit Hilfe seiner Hand und habe gelacht als die Tropfen beim Auftauchen über mein Gesicht liefen. Dann hat er mich hoch gehoben und ist mit mir tiefer in den See hinein gegangen, dabei hat seine Hand behutsam meine nasse Strähne aus dem Gesicht zurück gestrichen. Behutsam tat er das, wie alles an ihm behutsam und sanft ist in meiner Gegenwart. Nichts ist aufdringlich, alles ist so zart und einfühlsam. Die Art wie er mich fest hält und mit mir spricht. Ich habe das Gefühl, wie er mich so hält und ich glücklich ringsum von Wasser umgeben bin, das mir nichts geschehen kann. Nicht einmal dann, wenn ein Sturm aufkommt, er wird mich immer fest halten.
Es ist ein Gefühl von Wärme und Vertrautheit, so als hätte ich etwas Kostbares entdeckt, was mir bisher verborgen war.
Ist das Liebe, frage ich mich während mein Herz noch immer klopft?
Müde und lege ich mich zum ersten Male nach langem in der Residenz meine Sires in mein Bett. Der kleine Welpe springt sogleich in meinen Arm und rollt sich zusammen. Ja, ich habe einen Namen für dich gefunden, hauche ich leise.
Heku, Sonnenschein in der alten Sprache meiner Heimat.
Während ich die Augen schließe, sehe ich noch einmal seinen Blick, der nur mir gilt. Fühle den Hauch seines Atems auf meinem Handrücken, als er zum Abschied wie immer einen Handkuss angedeutet hat. Dann schlafe ich mit einem glücklichen Lächeln trotz Herzklopfen auf meinen Lippen ein.
Niowe Adela Aireth

Der erste zaghafte Kuss

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

14. Cirmiasum 254

Der Tag begann eigentlich wunderbar. Ich habe die Augen wie immer im Morgengrauen geöffnet und
habe an ihn gedacht und musste lächeln. Dieses Lächeln blieb mir den ganzen Tag lang. Immer dann, wenn mir ein besonderes Wort, welches er ausgesprochen hatte, oder einfach nur eine Geste eingefallen ist.
Ich bin dann nach Lameriast aufgebrochen zusammen mit diesem besonderen Lächeln, welches einfach nicht weichen wollte und mich glücklich machte. Ich wollte wie ich es bereits auf meiner langen Reise getan habe, die Thyren besuchen und diesen besonderen Whiskey einkaufen für meinen Herzog.
Einige Male habe ich es bereits versucht jemanden dort anzutreffen, heute ist es mir endlich gelungen. Es war jemand da in Wulfgard. Wie viele es waren, habe ich erst dann gesehen, als ich den großen Raum mit dem Feuer in der Mitte betreten habe. Ein herrlicher Raum, und wunderbare beeindruckend große Menschen, also für mich, die ich eher klein bin. Ich hatte schon vergessen, wie groß sie eigentlich sind. Aber wunderschön eigentlich. Ich mag dieses Volk sehr. Zum Glück hatte ich meine Lederhose von Heikja an, die sie mir vor einiger Zeit geschneidert hat. Damit kam ich sogleich ins Gespräch und als ich dann noch einen der ihren erblickte, der in Varuna mitgeholfen hatte gestern bei der Schlacht, war ich schon fast wie zuhause. Zum Glück merke ich mir Menschen oder Thyren in dem Fall und bei der Größe ist er mir einfach aufgefallen, ein tapferer Krieger, Bernulf hieß er glaube ich. Bei den vielen Namen und vor allem langen Namen, kann es schon passieren, dass ich sie ein wenig durcheinander bringe, aber erkennen würde ich ihn sogleich in seiner Rüstung und an dem Gesicht.
Jedenfalls sah ich da auch Kanubio Bunjam, dann Finn Bunjam und Yora Wikrah, die mir sogleich ein Essentablett mit Köstlichkeiten, die mir für eine Woche reichen würden, in die Hände gedrückt samt einem Krug Thyrischen Frühlingsmet. Ich kam der Aufforderung aller sogleich nach und setzte mich auf die sogleich auf die Felle bei dem Feuer ein wenig abseits, weil das höflicher war. Schließlich gehörte ich ja nicht zu ihnen. Als Kanubio und auch die anderen mich sogleich aufforderten näher zu rücken, tat ich das rasch, samt Essen und dem, ob der schnellen Bewegung des Aufspringens und näher Rückens, ein wenig nun schwankenden Metkrug auf dem Tablett. Während ich den Fisch nach Thyrenart zu essen begann, die anderen aßen auch um mich herum. Du meine Güte, was die verdrücken können, war erstaunlich, fast so viel wie Balir. Als ich an ihn denken musste und Kunna wurde mir warm ums Herz. Ich muss die beiden mit Eric besuchen, sie fehlen mir. Viel Zeit ist wieder vergangen. Der Met passte zum Fisch irgendwie, auch wenn er mir noch immer ein wenig zu süß ist, zusammen mit dem Essen war er wunderbar. Einfach köstlich. In meiner Aufregung habe ich das köstliche Essen gar nicht erwähnt, denn mir ist Er eingefallen, wie aus heiterem Himmel wieder.
Würde ihm das hier auch schmecken?
Ich denke ja und die Thyren hätte er auch sogleich in sein Herz geschlossen. Er ist anders, und doch, jetzt, wo ich ihn nach und nach kennen lerne, bemerke ich die vielen Gemeinsamkeiten, die wir beide haben. Zusammen könnten wir die Welt ein wenig schöner und freundlicher machen, denke ich. Ich habe ja so viele Ideen noch in meinem Kopf und zusammen mit all unseren Freunden könnten wir all das schaffen. Erneut hat bei dem Gedanken an ihn mein Herz wie verrückt in meiner Brust gepocht. Zum Glück haben die Thyren das nicht mitbekommen. Das wäre mir peinlich gewesen.
Den Rest des Essens habe ich einfach in meine Ledertasche dann eingepackt als Überraschung für ihn. Ich bin dann mit meinem Anliegen, welches ein Geschenk von uns beiden für meinen Herzog sein sollte, heraus gerückt. Whiskey! Was sonst! Den besten gibt es nur hier.
Während Kanubio zu mir sagt :“ hau reyn weyb, was ich nach einiger Überlegung mit iss mal Frau für mich heimlich übersetzt habe, begannen sie sich vorzustellen. Essen konnte ich nichts mehr der Fisch reichte für heute. Also da war Calla, Tochter des Harcon und ein Kind der Talfur aus dem Blute derer des Hinrah.
Das merke ich mir nie, denke ich bei diesen elend langen Namen. Also Calla, ein wunderschöner Name, habe ich sogleich gesagt. Dann war da noch Lidwina Bunjam und alle waren von einer herzerfrischenden Gastfreundschaft, was andere sich zum Beispiel nehmen können. Warmherzig und ja auch rau aber ehrlich sind die Thyren. Ich mag sie und vor allem auch ihren Whiskey. Drauf kamen wir dann zu sprechen und ich habe den besten ausgewählt und sogleich bezahlt. Dann habe ich noch die Gelegenheit beim Schopf gepackt und für mich und Ira und den kleinen Eric ein Treffen vereinbart. Ich denke das wird Eric sehr freuen, da kann er mit den Welpen, so nennen sie ihre Kinder habe ich erfahren, spielen. Und ich kann diese Kultur und die Menschen, also Thyren, noch ein wenig besser kennen lernen. Ich freue mich schon riesig darauf. Eric muss ich es noch sagen, der weiß von nichts. Er wird staunen, denke ich! Dann schreiben wir einen Brief an Kanubio und melden uns an. Natürlich werden wir auch ein Gastgeschenk dann mitnehmen. Was genau das sein wird, überlege ich noch, am besten zusammen mit Eric. Nach einer herzlichen Verabschiedung von allen, wo wir und Stolz und Ehre gegenseitig gewünscht haben, das ist so Brauch!, bin ich von Wulfgard heimwärts geritten und dann mit dem Schiff zurück nach Adoran. Dort habe ich alles wie mit Alexander besprochen in eine Kiste als Geschenk für unseren Herzog verpackt und zum Glück habe ich ihn auch gesehen. Inzwischen kenne ich schon seine Wege durch Adoran und weiß blind, wo er zu finden ist, wenn er in der Stadt sich aufhält. Den besten Whiskey und noch dazu eine Sorte, die es nicht mehr gibt, also die letzte ihrer Art, habe ich eingepackt. Darauf bin ich richtig stolz. Nach der üblichen höflichen und angemessenen tiefen Verneigung habe ich die kleine Kiste mit den Kostbarkeiten dem Herzog von mir und Herrn Bernau mit den besten Wünschen überreicht.
Dabei habe ich ihn genau beobachtet, als er sie überrascht geöffnet hat. Ich liebe es Geschenke zu verteilen, das habe ich von Micheil, meinem Bruder. Immer hat er mich mit Geschenken überhäuft, wenn er von den Grenzland Schlachten zurück kehrte. Er hat nie darauf vergessen.

Ich habe doch gesagt Ihr sollt mir nicht so viel schenken!, sagte dann mein Herzog. Wenn er wüsste! Das ist erst der Anfang, mein Kopf steckt voller Überraschungen, aber das habe ich nicht ausgesprochen. Glücklich habe ich ihn einfach dabei beobachtet, wie er die Flaschen betrachtet hat. Sogleich hat er sich herzlich bei mir und Herrn Bernau dafür bedankt. Ich solle es ihm ausrichten, falls der Herzog ihm nicht doch noch begegnen würde.
Es war uns beiden eine große Freude dies zu tun, herzogliche Hoheit. Den Satz, ein edler Whiskey sollte im Haushalt nie ausgehen, habe ich zum Glück unterdrückt. Aus gutem Grund wohl! Sonst gibt er mir dann später noch den Beinamen Krathors Schwester.
Er möge Euch in ruhigen Stunden bekommen, herzogliche Hoheit, habe ich angefügt.
Auch in aufgeregter Stunde wird er dies tun, dabei hat mein Herzog mir zu gezwinkert und mir wurde heiß bei dem Gedanken, nicht weil ich mich angesprochen fühlte, das war es nicht. Ich musste dabei unwillkürlich an die Herzogin denken, seine Frau. Er meint doch nicht? Oder doch? Mag die Gemahlin meines Herzogs auch Whiskey? Schnell habe ich den Gedanken verworfen. Mich auf das Wesentliche konzentriert. Schon wollte er gehen, als er sich dann doch noch umdreht und beiläufig anmerkte
Es war mir gestern eine Ehre Euch an meiner Seite zu haben!
Und mir erst, herzogliche Hoheit,
habe ich strahlend erwidert, ich werde das niemals vergessen! Wieso kann ich meinen Mund nicht halten? Immer wieder, spreche ich frei von der Seele das aus, was wahr ist. Meinen Sire hat das zur Raserei gebracht, aber mein Herzog scheint das ruhig und gelassen aufzunehmen.
Es ist mutig als Knappe in die erste Reihe zu reiten!
Es ist meine Aufgabe Euch zu schützen, herzogliche Hoheit und ich tue es liebend gerne,
habe ich dann gesagt.
Was auch stimmt. Ich würde mein Leben für ihn geben, nicht weil es meine Pflicht ist, sondern weil ich so erzogen wurde, das, was nötig ist zu tun, und nicht lange darüber nachzudenken, ob es gefährlich ist oder mutig oder nicht. Unwichtig! Ich denke da, wie Raindri. Wir handeln, um jene zu schützen, die wir lieben.
Mein Herzog hat dann geschmunzelt und sich dazu nicht geäußert. Ich habe mich dann angemessen tief vor ihm verneigt und ihm noch einen schönen Abend gewünscht, wie er mir auch.

Dann bin ich rasch zu Raindris Haus geritten, wo ich das Buch mit den Geschichten für Eric in den Briefkasten geworfen habe. Das habe ich Eric versprochen. Jeden Tag eine Geschichte. Das bekommt er von mir. Ich liebe diesen kleinen Jungen, manchmal kommt es mir so vor, als hätte mir Temora einen jüngeren Bruder geschickt. Was er natürlich nicht ist, aber dem Gefühl nach, was ich für ihn empfinde schon.
Dort ist mir dann auch Ira begegnet und ich war glücklich sie zu sehen. Nach einer kurzen Unterhaltung kam dann er. An Iras Blicken habe ich bemerkt, so kam es mir vor jedenfalls, dass sie ihn sehr sehr mag. Ich darf den beiden nicht im Weg stehen, das würde ich nie tun. Ich mag Ira sehr und bei ihm bekomme ich ständig Herzklopfen. Vielleicht ist es besser so, wenn ich die beiden alleine lasse und alles vergessen. Rasch habe ich mich von ihnen verabschiedet, mit irgendeiner Ausrede, dann bin ich zu meinem See geritten.
Ich habe mich auf meine Insel zurück gezogen und war gerade so richtig in trauriger Stimmung.

Kaum begonnen und schon vorbei, dachte ich mir. Aber die beiden sind es wert und ich bin stark genug, um alles zu vergessen. Dachte ich, denn als ich ihn da stehen sah, wie aus dem Nichts, habe ich erneut mein Herz gefühlt. Ich weiß nicht, ob das sehr gesund ist auf Dauer diese rasenden Herzklopfen. Ich beginne mir langsam ehrlich Sorgen zu machen.
Er hat mir ein Gedicht am Ufer stehend vorgetragen. Wie wunderschön waren die Worte.

Der Menschen Seele gleicht dem Wasser...
Vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es
Und wieder nieder zur Erde muss,
ewig wechselnd
Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!


Dann kam er auf die Insel und wir haben gesprochen. Also zuerst ich. Ich wollte es klären. Ich will Ira nicht verletzen, sie bedeutet mir zu viel und er auch. Es kam dann alles anders. Er, mag Ira, aber nicht so, wie ich dachte. Als Freund eher. Er hat ein Geschenk für mich mitgebracht. Ein Buch! Wie wundervoll, dachte ich und drückte es behutsam an meine Brust. Dann hat er mir noch einiges über die Geschichte seiner Heimat Kelterburg eine Markgrafschaft erzählt, von dort stammt auch das sehr alte Lied, das er nur für mich in dem Buch aufgeschrieben hat. Glücklich habe ich das Lied gelesen, es ist wunderschön, dachte ich mir und mit strahlenden Augen habe ich ihn dann angesehen.
Was dann kam, damit hätte ich nicht einmal in meinen kühnsten Träumen gerechnet. Er musste zurück, denn es war spät geworden und mitten in den Worten unserer Verabschiedung haben sich seine dunklen Augen in den meinen verloren und mein Blick ruhte wie gebannt an dem seinen. Dann hat er sanft meine Wange berührt und sie gestreichelt. Und die Welt um mich herum, hörte mit einem Male auf zu existieren. Ich habe nur ihn und mich gefühlt und gesehen.

Du bist wunderschön!, hauchte er und seine wundervollen dunklen Augen strahlten mich an. In seinen Augen habe ich meine Schönheit, die sein Herz berührt hat, gesehen, wie in einem Spiegel. Ich habe mein Augen gesehen, die wir Sterne, rein und klar. Ich habe meinen zierlichen Körper, der meinem Sire ein Greul, weil viel zu dünn, er mag wohl rundliche Frauen. Das sei ihm vergönnt. Ich bin trotz meines zarten Körperbaus weiblich genug. Ja, ich bin wunderschön, dachte ich in diesem Augenblick, als seine Hand so zart und behutsam über meine Wange gestrichen ist. Wie der Kuss des Windes an einem Sonnentag.
Ich genieße jeden Augenblick mit dir, so kurz er auch sein mag, hörte ich ihn sagen. Ich auch und wie, wollte ich erwidern, aber mir fehlten zum ersten Male die Worte.
Jeden Moment, den wir uns nicht sehen, muss ich an dich denken, und jede dieser Sekunden ist eine Ewigkeit, denn in jeder fehlst du mir. Mein Herz raste nun so laut, dass er es hören muss und ich erröte bei dem Gedanken daran, und kann noch immer kein Wort erwidern, nur schrecklich glücklich bin ich. Meine Augen müssen ihn wohl angestrahlt haben, denn er hat erneut zart meine Wange gestreichelt.
Endlich kann ich sprechen.
Diese Worte hätten vor mir sein können, aber das wäre wohl nicht schicklich oder? Ich bin nun völlig verwirrt und glücklich und sehe nur gebannt in seine dunklen Augen, die funkeln, wie das warme Licht der Kerzen auf Temoras Altar.
Wäre es denn schicklich, wenn ich dich küssen würde?, haucht er sehr leise und sichtlich nun auch aufgeregt.
Ich habe noch nie……..also jemanden, dann versagt meine Stimme, denn zaghaft und langsam beugt er sich herab. Ich fühle seinen Atem auf meinem Gesicht und für einen kurzen Augenblick spüre ich seine Lippen, die meine sanft und zart und doch mit so viel Gefühl berühren, wie ich es noch nie erlebt hatte. Ich muss meine Augen schließen, es ist so unsagbar schön und kurz wie ein Traum aus dem ich nie wieder aufwachen möchte. Mein erster lieblicher Kuss. Dann habe ich sie geöffnet und ihn sprachlos und verwundert zugleich angesehen. War das nun ein Traum oder nicht? Aber seine strahlenden Augen haben mir anderes gedeutet. Es ist kein Traum, wir haben uns geküsst, und nur die Sterne und der Baum auf meiner Insel haben uns dabei zugesehen. Auch die Rehe und Hirsche wohl, die sich da, sonderbarer Weise am Ufer versammelt haben. Ich bin mir sicher, der ganze Wald weiß es nun.

Am liebsten würde ich für ewig auf dieser Insel mit dir verweilen, nur wir beide. Nur unsere Gedanken und keinerlei Sorgen. Aber das ist nicht der Weg für den wir beide uns entschieden haben.
Es ist ein guter Weg, den wir erwählt haben,
hauche ich leise. Ich folge ihm mit Freude.
Und er ist noch besser, wenn man ihn mit jemandem teilt,
meint der dann sehr leise sanft. Dann hat seine Hand zärtlich mein Haar berührt, und ich konnte seine Lippen an meiner Stirn fühlen, vorsichtig und zart war sein Kuss.
Du wirst mir jede Sekunde fehlen.
Du mir auch,
habe ich geantwortet. Es ist die Wahrheit. Dann haben wir uns verabschiedet nur unsere Blicke konnten sich nicht von einander lösen. Bei jedem Schritt, der ihn vor mir entfernte, haben wir uns angesehen, bis er dann in der Dunkelheit entschwunden ist.
Nach einer Weile bin ich heim geritten, verwirrt, glücklich und zugleich beschwingt, wie nie zuvor. Zum Glück war mein Sire weg. Das tat gut. Abermals habe ich mich mit klopfendem Herzen schlafen gelegt. Habe meine Lippen berührt mit der Fingerspitze, und an den Kuss gedacht dabei.
Amra hat sich über meinen Beinen geworfen, und der kleine Welpe in meinen Armen.
Noch immer fühle ich diesen wundervollen Hauch eines Kusses auf meinen Lippen, sehe seine dunklen Augen, die ihren Blick von den meinen nicht lösen können und vernehme die Worte, die das schönste und wundervollste sind, was ich je hier vernommen habe.
Niowe Adela Aireth

Eine Geschichte für Eric

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

16. Cirmiasum 254

Ich will mein Versprechen erfüllen. Für Eric er ist so ein tapferer kleiner Junge. Manchmal kommt es mir vor, als wäre ich seine große Schwester. Wie sich die die Geschichten des Lebens verschieben. In seinem Alter hatte ich meinen großen Bruder, Micheil. Er hat mich mit Liebe und Geduld und viel Verständnis einen wichtigen Teil meines Lebens begleitet. Jetzt ist Eric hier, sehr oft erkenne ich das kleine Mädchen, das ist einst war, in seinen Fragen und in seinen Reaktionen wieder. Während ich nachdenke, beginne ich zu schreiben.
Es wird eine lange Geschichte werden. Vielleicht gefällt sie Eric, vielleicht auch nicht, aber es ist wichtig, dass ich sie aufschreibe. Für mich. Meine Geschichte ist es.


Ancear und Annela – die Geschichte beginnt

Es war einmal eine kleine Prinzessin, nennen wir sie einfach Annela. Sie hat ihre Mutter nur einmal berührt, dem Augenblick ihrer Geburt. Ihr viel älterer Bruder hat ihr dies erzählt. Diese Berührung sollte ihre Leben verändern. Auch wenn die kleine Prinzessin es nicht wahr haben wollte. Etwas Einzigartiges war damals geschehen. Erst Jahre später, sollte sie darüber mehr erfahren, rein zufällig. Aber zurück zu der kleinen Prinzessin, sie war ungefähr so alt, wie du Eric, vielleicht ein wenig jünger sogar. Ihre Familie behütete sie wie einen Schatz. Nichts durfte sie alleine unternehmen. Niemals kam ein Kind auf Besuch, denn ihre Familie hatte Angst um sie. Die ständigen Grenzlandkriege hatten sie vorsichtig und auch hart gemacht. Sie spielte nie, aber in ihrer Fantasie erfand sie unzählige Spiele, die sie weit fort trugen, wo sie keiner bewachen konnte. Sie war oft einsam, wenn ihr Vater und Brüder wieder einmal unterwegs waren um in den üblichen Grenzkonflikten einzuschreiten. Von den hohen Mauern der Festung blickte sie ihnen oft nach. Es war die Aufgabe eines alten Freundes ihres Vaters, sie da fest zuhalten, bis all jene, die sie liebte, aus ihrem Blickfeld entschwunden waren. Drauf hatte ihr Vater bestanden. Sie musste lernen, Abschied zu nehmen, ohne Tränen. Aber das konnte die Kleine nicht, und immer wieder weinte sie sich an der Brust des alten Kampfkameraden ihres Vaters aus. Der nahm es so hin auch wenn es ihm das Herz brach. Er gehorchte dem Befehl auch wenn es ihn schmerzte das kleine für ihr Alter viel zu zarte von Weinkrämpfen geschüttelte Kind fest zuhalten, denn er wusste, wieso der Vater der kleinen Prinzessin das tat.
Sie wird es lernen, Winley, sie muss lernen mit Verlusten umzugehen, hatte er einmal zu ihm gesagt und sie versteckt hinter den schweren Vorhängen, in dem Arbeitszimmer ihres Vaters hatte es gehört.
Nie, nie, hat sie damals geschrien, und ist weinend aus ihren Versteck in die Arme ihres ältesten Bruders gelaufen, die sie aufgehoben und an sich gedrückt haben. Blind vor Tränen hat sie gegen seine Brust mit den beiden Fäusten gehämmert. Niemals, immer wieder geschrien.
Niemals, ist ein viel zu großes Wort für eine kleine Prinzessin, hat er ihr damals gesagt.
Prinzessinnen weinen nicht, Annela, sie tragen ihren Schmerz mit Würde. Dann hat er die Kleine auf den Boden gestellt und ist zu ihrem Vater in das Arbeitszimmer gegangen.
Wie?, hat sie ihm nachgerufen. Wie ertragen sie es? Aber sie bekam darauf keine Antwort.
Tage später hat ihr Bruder sie an der Hand genommen, und sie sind zusammen zu dem Reitstall gegangen. Wie glücklich war sie nun, die kleine Prinzessin. Sie liebte es auszureiten.
Wir reiten aus, ja? Glücklich blickte die Kleine zu ihrem älteren Bruder auf, der ihr leicht zunickte. Aber mit einem geheimnisvollen Lächeln auf den Lippen, welches sie kannte.
Ein Geschenk für mich? Vielleicht ein neuer Sattel oder neues Zaumzeug. Aufgeregt betrat sie an der Hand ihres Bruders den Stall.
Da stand er. Ihr neuer Hengst. Eine Züchtung des Grenzlands Avoch von den silbernen Seen. Groß war er und nachtschwarz glänzte sein Fell, wie das Haar der kleinen Prinzessin. Auf der Stirn hatte er einen weißen Fleck, der im Lichteinfall silbern schillerte und die Form einer Blüte hatte. Voller Anmut trägt er seinen stolz getragenen gebogenen Hals, das wallendes Haar und seine breite Brust waren perfekt. Die lange Mähne und der bis zum Boden fallende dichte Schweif und der üppige Kötenbehang deuten von seiner Reinrassigkeit und sind zugleich Zuchtmerkmal des Grenzlandes, welches überall in dem Heimatreich der kleinen Prinzessin geschätzt wurde. Schwarze Sterne wurden sie genannt, denn ihr Fell glänzte wie ein solcher, nur eben schwarz, treu waren sie bis zum Tod und das beste an Streitrössern, was man finden konnte. Ihre Natur war ruhig, ausgeglichen und treu ergeben dem, der sie besaß. Auch konnten sie weite Strecken hinter sich legen, ohne zu ermüden. Sie waren etwas Besonderes.
Staunend betrachtet die kleine Prinzessin sprachlos vor Begeisterung nun ihren neuen Hengst.
Er ist noch jung, meinte ihr Bruder.
Du musst ihn behutsam und sorgsam leiten, denn wird er der beste sein, denn er ist der edelste seiner Züchtung, ein König der Pferde.
Es war Liebe auf den ersten Blick. Vorsichtig streckte die kleine Prinzessin, die von klein auf mit Pferden aufgewachsen war, ihre zarte Kinderhand ohne Scheu nach dem Hengst aus. Sie hatte endlich einen Freund gefunden. Ruhig musterten die glänzenden schwarzen Augen in denen kleine Perlen funkelten die Hand, dann die Augen der Kleinen. Er sah in dem silberblauen Glanz dieser großen Kinderaugen Liebe, Vertrauen und Einsamkeit. Da kam er langsam näher und sie berührte die samtigen Nüstern, deren warmer Hauch über die Finger glitt. Ancaer hauchte ihm die kleine Prinzessin zu. Einen Namen, der er von jenem besonderen Tag an mit stolz für immer tragen würde. Die kleine Prinzessin mit den silberblauen Augen hatte sein Pferdeherz berührt, es schlug von diesem Tag an nur für sie. Er war bereit sie mit seinem Leben zu verteidigen, und er wusste, dass diese Bestimmung das Beste war, was ihm je hätte passieren können. Ancaer , dachte er, als sie ihm den Namen zu hauchte, ein guter Name. Darauf war er stolz.

[URL=http://imageshack.us/photo/my-images/42/nio11.gif/][img]http://img42.imageshack.us/img42/1063/nio11.th.gif[/img][/URL]
Zuletzt geändert von Niowe Adela Aireth am Sonntag 17. Juli 2011, 13:39, insgesamt 1-mal geändert.
Niowe Adela Aireth

Überfall und danach ein wundervoller Abend

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

17. Cirmiasum 254

Wie gerne hätte ich dieses Erlebnis Eric und auch Yette erspart, aber manches passiert eben.
Ich habe gemütlich in Raindris Bücher gelesen, während Eric mit seinem Besuch Yette Tee getrunken hat. Es war richtig gemütlich.
Gemütlich bis es klopfte und wir wohl noch mehr Besuch hier erwarten konnten. Was ja immer spannend ist. Also habe ich mein Buch beiseite gelegt bin aufgestanden, während Eric gen Tür eilte.
Bevor ich sagen konnte, schau mal durchs Fenster Eric, hat er den angeblichen Wachen von Adoran schon geöffnet.
Viel später ist mir dann eingefallen, die klopfen wohl kaum mit einem Schwertgriff an eine Tür. Der Rest lief rasch und irgendwie unwirklich ab.
Die Tür war auf. Ich rief, das sind keine Wachen bei dem Anblick! Es waren eher Räuber? Henker? Schergen aus Rahal? Ich hatte keine Ahnung nur Gutes bedeuteten die Minen und diese Axt und das Schwert des Mannes nicht, das war mir sogleich klar.
Also bin ich schnell zu Eric gesprungen, soweit mein Kleid das zuließ. Bevor Eric die Tür schließen konnte, ob meiner Warnung, bekam er einen mächtigen Schubs von dieser Sorine, so nannte sie der andere. Der hat sich dann mit seiner mächtigen Klinge drohend im Türrahmen aufgebaut
Was seid Ihr für Menschen, die Kindern etwas antun?, habe ich mich sagen gehör ich war nun richtig erbost, als ich das gesehen habe.
Zusammen mit Yette habe ich Eric dann aufgehoben und mich schützend vor ihn gestellt.
Nur Frauen und Kinder!, hat dieser Rudgar, den Namen haben wir später dann erfahren grinsend zu seiner Begleitung gesagt.
Jep, ………gute Beute, hat sie gemeint. Wobei das Jep mir bekannt hätte sein müssen, hat das nicht dieser Mann damals auf meiner Reise in Lameriast auch gesagt? Sonderbar, Zufälle gibt es!
Während ich meine Arme schützend um Eric gelegt habe, hat Yette „Raus da!“ geschrien. Verrückt, dachte ich, die wollen da gar nicht raus, die haben hier alles, was die wollen. Recht hatte ich, denn dieser Rudgar hat dreckig dann gelacht. Kein gutes Zeichen!
Die Kleine will spielen!
Ich darf wohl um einen angemessenen Ton bitten in diesem Haus,
sage ich. Wie wenn die das berühren würde, aber versucht habe ich es.
Es gibt wohl zwei Möglichkeiten, höre ich diese Sorine sagen, die freundliche oder unfreundlich, welche wollt ihr haben! Keine, hätte ich am liebsten gesagt, denn Eric war ziemlich verschreckt bereits, und Yette in einem undefinierbarem Zustand der Auflehnung, Angst und Ahnungslosigkeit.
Sieh mal Sorine, die Kleine will auch spielen, meinte Rudgar dann und lachte dabei. Ich konnte mir nur zu gut ausmalen, was er unter spielen sich vorstellt. Aber bevor das geschieht…
Danke nun haben wir uns ja vorgestellt!, sage ich als der Name fällt. Sorine.
Idiot, wieso nennst du mich beim Namen?, pfaucht Sorine nun Rudgar an. Oh je dachte ich, hätte ich nur meinen Mund gehalten. Nun wissen sie, dass wir den einen Namen kennen.
Yette hat versucht mit einem grimmigen Blick die beiden einzuschüchtern, wäre die Situation vor allem weil Eric da war, nicht so prekär gewesen, hätte ich gelacht. Wie wenn Blicke die beiden einschüchtern können!
Der kleine tapfere Eric hat dann noch angemerkt, dass man die beiden nicht eingeladen hätte.
Ich weiß, warum ich keine Kinder will, Rudgar, hat Sorine dann zu dem Mann gesagt. Prima nun wussten wir beide Namen! Zum Glück habe ich diesmal geschwiegen.
Auf die Stühle! Wir suchen die Goldbarren Lieferung! Welche Goldbarren Lieferung dachten wir drei nun wohl und haben uns verwirrt angesehen.
Dann haben wir uns gesetzt, während diese Sorine die Küche halb demoliert hat. Schubladen rausgeworfen, Körbe herab geschmissen und gesucht nach dem Gold.
Hier ist kein Gold!, hat Eric gesagt. Was sinnlos war, denn wenn die beiden sich was in den Kopf gesetzt haben, dann tun sie es auch. Das habe ich an den Blicken der beiden gesehen. Dann kam Sorine aus der Küche und fing an in den Bücherregalen zu stöbern.
Rudgar hat da drüben einen Bissen von dem Pfirsich, der am Tisch lag abgebissen und den Rest auf den Boden geworfen.
Inzwischen hat sich Sorine darüber mokiert, dass da Bücher in einem Bücherregal sind. Was sonst wohl?, dachte ich.
Yette ist dann aufgestanden und hat auf anraten von Eric das Holz, was da rum lag für den Kamin genommen. Ich bin aufgesprungen hab dann den Wachhund los gelassen während Yette auf Rudgar losging. Und zugleich habe ich den Rosenstock nach der Frau geworfen, damit sie vom Wachhund abgelenkt wird. Die Rosen mögen es mir verzeihen, dachte ich. Sie ist dann auch richtig geschwankt und hat dem Hund dann einen harten Tritt versetzt. Ich habe rasch das Fell, was vor dem Kamin lag weggezogen und es versucht ihr über den Kopf zu werfen. Dabei ist der Hund an mit vorbei geflogen. Eric ist geflüchtet zum Glück und will Hilfe holen.
Inzwischen hat Yette Rudgar mit dem Holzstück behandelt, das es nur krachte. Sie hat ihn voll erwischt, dachte ich. Während ich mich auf die nun im Fell eingewickelte Sorine stürzte und sie fest hielt mit beiden Armen. Sie hat nach Rudgar verzweifelt geschrien, aber ich habe nicht loslassen, sonst sind wir alle tot.
Ich sehe wie Rudgar sich bewegt, nach dem Hieb sein Schwert zu fassen versucht und schreie Yette zu
Schmeiß ihm den Kerzenleuchter auf den Kopf, Yette, jetzt! Bitte!
Nur einen Augenblick Unachtsamkeit und ich habe einen Tritt von den harten Stiefeln auf meinem Fuß der nur in leichten Lederschuhen steckte gespürt. Verdammt tat das weh, ich habe mir auf die Lippen gebissen, um sie ja weiterhin festhalten zu können. Rudgar liegt in seinem Blut, das sehe ich noch. Yette ist sicher nur erstarrt vor Schreck bei dem Blut. Sorine klebt noch an mir, und ich versuche sie von mir zu drücken, als sie sich den Kopf von dem Fell befreit. Gemeinsam landen wir im Bücherregal, dann stürmt sie auf mich los und gibt mir eine Kopfnuss, während Yette wie gelähmt vor dem blutenden regungslosen Körper steht.
Als Sorine nun mit wildem Blick und schwingender Axt auf Yette los geht, habe ich nichts Besseres im Sinn als mit Büchern nach ihr zu werfen. Eines nach dem anderen fliegt ihr um die Ohren, ständig muss sie sich ducken und der Schlag der Axt trifft somit Yette nicht. Was gut ist, sonst wäre sie bereits tot.
Als Eric mit den beiden Wachen ankommt, flüchtet Sorine mit den Wachen an den Fersen.
Ich vermute er ist tot, bei all dem Blut.
Schnell hol Hilfe Yette, einen Heiler, lauf in die Stadt,
habe ich ihr zugerufen. Was sie dann auch tat.
Ein kleiner Blutfluss blubberte aus seinem Mund, dann wurde die Atmung immer schwächer. Bis ich nichts mehr fühlte. Ich habe ihm die Augen zugedrückt und leise im Blut kniend für ihn gebetet. Ich nahm an, er ist tot.
Kilian kam dann mit Yette und zum Glück war dieser Mann nicht ganz tot. Es ging ihm aber erbärmlich. Nach der Behandlung hat Gardist Benadykt, einer der beiden Gardisten, die Sorine nach geeilt sind, ihn nach Adoran getragen. Sorine ist entkommen. Leider! Ich befürchte sie kehrt zurück um Rache zu nehmen.
Kilian war noch so nett und hat den armen winselnden Wachhund von Eric behandelt. Sein Bein geschient und ihm etwas gegen die Schmerzen eingeflößt. Erich ist bei ihm geblieben und hat sich rührend um ihn gekümmert.
Mit meinem zerrissenen, vollkommen mit Blut übersäten Kleid bin ich dann gen Residenz meines Sires gehinkt, mein Fuß war ein wenig von dem Tritt angeschwollen. Kilian hat mich begleitet. Aufrecht auch wenn ich erbärmlich ausgesehen haben muss. Mein Haar zerrauft von dem Gerangel und ein Ärmel eingerissen und voller Blut.
Zufällig war mein Sire da. In letzter Zeit sehen wir uns eigentlich nie. Aber nun, in diesem Zustand musste es wohl so sein. Ich wollte nur eines baden und mich umkleiden, was er zum Glück eingesehen hat.
Ich würde es schätzen Sire, wenn Ihr nun ruhig bleiben könntet, habe ich gesagt. Dann ihm von dem Kuss erzählt.
Als ich ihm den Namen nannte, stand er auf und lächelte, richtig glücklich sogar und hat tief aufgeatmet dabei.
Geht es Euch gut Sire?, habe ich nun besorgt nachgefragt.
Dann stand er vor mir und ich habe gesagt, wehe wenn ihr mich nun schlagt Sire, ich dulde das nicht mehr! Dann hat er sogar gelacht und beide Hände auf meine Schultern gelegt.
Ich bin nur beruhigt, Niowe!, sagte er.
Und ich erst und unsagbar glücklich, denn erneut klopft mein Herz als ich an diesen Mann denken muss.
Dann ist mein Sire gegangen und hat mir meinen Beutel mit den Steinen zugeworfen und sich bedankt.
Gut, dass er endlich das getan hat, was ich ihm geraten habe. Vielleicht findet er auch ein wenig zu sich wieder und lässt das Totenhaus hier neu aufleben. Ich wünsche es ihm.
Ich bin aber überglücklich, dass mein Sire mit meiner Wahl einverstanden ist.
Er ist ein wunderbarer Mann und trotz den Ereignissen des Tages, lächele ich, als ich an ihn, den einen, denke muss.
Ich habe ihn dann viel später noch getroffen. Es war bezaubernd und zum ersten Mal habe ich meinen Kopf an seine Schulter angelehnt und mich so richtig geborgen und glücklich in seinem Arm gefühlt, während wir über so vieles gesprochen haben. Langsam kommen wir uns immer näher mit jedem Wort mit jedem Blick und jedem zarten behutsamen Kuss.
Niowe Adela Aireth

Suche nach einem Gardisten Namens Benadykt

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

18. Cirmiasum 254

Der Tag verlief sehr harmonisch eigentlich. Ich habe mit meinem Sire ein sehr langes Gespräch geführt, was da in einer Art Kleiderschau endete.
Er muss sich ein wenig fröhlicher anziehen, wenn er um die Hochedle wirbt, sonst läuft die ihm noch bei diesem Varunagrau, so nannten ich es, davon. Mein Sire hat gelacht und war richtig glücklich. Darüber bin ich nun glücklich, denn ich kann ihn verstehen. Es ist wunderbar jemanden an seiner Seite zu haben.
Auch wenn ich ein wenig Angst davor habe, nicht vor diesem Mann, der in mein Leben getreten ist, sondern eher vor der Tatsache ihn wie alles was ich einst liebte, meine Familie, zu verlieren.

Du wirst nur leiden, wenn du liebst Adela, höre ich meinen Bruder sagen.
Ich will nicht, dass ihm je etwas geschieht, denke ich. Ich will es nicht! Meinem Sire habe ich darüber nichts gesagt in dem Augenblick, es hätte ihn nur an Dinge erinnert, die er nun langsam beginnt zu vergessen, dank dieser Frau. Nach einigen Variationen seiner Gewandung, waren wir beide zufrieden. Er weil ich ihm dabei geholfen habe, und ich weil er nun prächtig, elegant und mit mehr Farbe auch frischer aussah.
So kann er zu der Hochedlen gehen, denke ich zufrieden und lächle. Ich freue mich für ihn! Sehr sogar!
Dann haben wir über werben gesprochen, und natürlich kam wir dabei auf mich zu sprechen.
Also diese Frage ist sehr persönlich, Niowe, wenn du nicht antworten willst verstehe ich das.
Dazu müsste ich die Frage kennen, Sire,
um das zu entscheiden, habe ich geantwortet und sogleich gewusst, was er anspricht.
Also wie ernst ist es dem Herrn, Niowe, seit Tagen strahlst du nur so vor dich hin? Wie erklärt man Gefühle, dachte ich nun, wenn man einfach weiß mit einer unbeirrbaren Sicherheit, bei dem Mann will ich ewig bleiben, und umgekehrt auch, das hat er mir zugehaucht und ich habe es in jedem kostbaren Augenblicken, wo wir uns treffen konnten in seinen Augen gesehen. Diese wunderschönen dunklen Augen, die mich voller Glück angestrahlt haben.
Aber wir sind eben sehr jung. Alles ist neu. Vorsichtig tasten wir uns an jenes heran, was für andere Gewohnheit ist. Jeder Blick, jeder zarte sehr vorsichtige Kuss und jede Berührung der Hand , jedes Wort, ist neu für uns beide etwas, was wir beide nicht kannten bisher. Mein Sire ist ein alter Mann, was er immer wieder behauptet, er kennt sich dabei gut aus. Ich aber nicht!
Du bist mein Mündel Niowe, und…
Ich weiß, was er ansprechen will.
..das musst du ihm sagen, Niowe, wenn er vor mir steht, wirbt er um dich.
Er weiß Sire, dass Ihr mein Vormund seid. Ich kann ihm doch nicht zwingen Sire, das ist seine Entscheidung!

Ich würde niemals einen Menschen zu etwas zwingen, den ich liebe, denke ich, schon gar nicht ihn. Aber ich werde mit Sicherheit es beenden, auch wenn das Herz mir dabei bricht, aber das kenne ich ja bereits, ich kann damit umgehen, das hoffe ich jedenfalls.
Gut, dann warte ich einfach ab, Niowe, höre ich meinen Sire sagen. Wir haben dann noch über dies und das gesprochen und plötzlich sagt mein Sire
Ich halte auf dich große Stücke, Niowe, aber du musst zugeben, dass du zu dir nicht gerade schonend mit dir umgehst.
Du meine Güte, das hat mich nun ein wenig erschreckt, gezeigt habe ich es nicht. Das hat er noch nie gesagt! Große Stücke? Wieso jetzt? Habe ich etwas übersehen? Ich habe doch nichts Außergewöhnliches gesagt oder getan? Wieso sagt er das jetzt? Und ja das mit dem nicht schonen, weiß ich und ich habe mich mehrmals bei dem Heiler Kilian entschuldigt.
Ich wurde so erzogen, Sire um alles erdulden zu können einmal, was da noch kommen mag.
Hm und das ist etwas, was ich bei dir am meisten kritisiere, Niowe. Du mit voller Kraft und Stärke bist viel wichtiger und wertvoller, als eine halb auskurierte Niowe. Deshalb mache ich mir Sorgen, wenn du nach einer Verletzung, sofort wieder unterwegs bist.

Also Vater hätte das nie gesagt, denke ich. Er hat es hingenommen und mich behandelt wie immer. Aber ich weiß genau was mein Sire meint und ja ich habe mich entschuldigt und ich werde ein wenig behutsamer mit mir umgehen. Fehler macht eben jeder, daraus zu lernen ist wichtig, aber das tut nicht jeder. Ich habe daraus gelernt, die Reise war anstrengend und ich habe einiges an Gewicht abgenommen, was meinem Sire zum Glück entgangen ist.
Mein Sire hat dann noch mit mir über das Treffen im Orden gesprochen, und ich war entsetzt darüber. Zum Glück war Erlaucht von Dornwald anwesend, dacht ich, eine wunderbare starke Frau, die gleichfalls unbeirrbar ihren Weg geht.
Ich stelle mir eben das Donnerwetter von seiner herzoglichen Hoheit vor Sire, wäre er bei dem Treffen anwesend gewesen, habe ich nach der Schilderung geantwortet. Mein Sire hat gelacht, ich glaube er weiß genau, was ich damit meinte.
Dann hat er mir erzählt, dass er mit einem Priester betreffs Yette sprechen konnte. Ich bin erleichtert, man wird sich um sie kümmern und ihr in diesem entsetzlichen Schock beistehen. Das sind gute Nachrichten ich muss das sogleich Eric morgen sagen, damit er beruhigt ist. Dann einen Kauknochen für seinen Hund mitnehmen und mit ihm sprechen. Tapferer kleiner Mann, denke ich. Er hat schon so einiges durchgemacht. Dann fällt mir der Rabe in Adoran ein, und Eric und der Gardist Benadykt, der genau in dem Augenblick, als der Rabe davon geflogen ist, aufgetaucht ist. Genau! Den kenne ich doch!
Wir haben dann über den Überfall gesprochen mein Sire und ich und nachgefragt im Regiment, wo dieser Gardist und der Mann Rudgar geblieben ist. Beide sind das nicht aufgetaucht! Ich habe ein ungutes Gefühl nur, wo sind die beiden hin? Hat man den armen Gardisten entführt? Lebt er noch? Während wir die Wälder nach Spuren durchstreifen, lässt mich dieser Gedanke nicht mehr los! Ich muss Eric warnen und Yette! Sie sind beide in Gefahr! Wir haben nichts gefunden keine Spur, einfach nichts. Sie haben sich beide in Luft aufgelöst nur das vertrocknete Blut im Gras habe ich noch dem Sire gezeigt.

Ich bin nach dieser Suche zu meiner neuen Schneiderin geritten. Sie ist wirklich ausgezeichnet, vor allem hat sie ein unschätzbares Farbgefühl, was bei einem Menschen wie mir, sehr wichtig ist. Ich liebe Farben und meine Blumen in meinem Zimmer sprechen davon. Sie stehen nun alle in voller Blüte und sehen prachtvoll aus. Ich hatte sehr viel Spaß bei Alexa. Bunte Tücher hat sie mir über die Schulter geworfen und wir haben die Farben für die neue Kleidung sorgfältig abgestimmt. Ich bin richtig glücklich darüber und ich mag sie. Sie ist zwar viel älter als ich, aber schön und hat einen vortrefflichen Geschmack und viel Humor. Ich mag sie sehr. Ich werde sie meinem Sire empfehlen. Unbedingt!
Ich freue mich schon richtig auf die neuen Kleider, in wenigen Tagen werden sie fertig sein.

Ich habe dann noch ihn getroffen, was für ein schöner Abschluss eines eher ruhigen Tages.
In der Residenz meines Sires haben wir dann gesprochen, nachdem ich mich umgezogen habe. Als ich dann die Stufen herab geschwebt bin, ist er sogleich aufgesprungen und hat mich schweigend angesehen, doch sein Blick deutete mir an, wie umwerfend wohl ich ausgesehen haben muss.
Ich kenne kein Wort dafür! Wunderschön wäre zu wenig!, hat er leise sanft dann gesagt.
Wir, also ich habe dann das angesprochen, was zuvor Thema mit meinem Sire gewesen war. Hätte ich nur geschwiegen. Ich habe ihn verletzt, das habe ich gefühlt und auch gewusst in dem Augenblick, als ich es aussprach.
Etwas, was ich nie tun wollte, ist geschehen. Dennoch hat er mich gehalten und sanft meine Wange gestreichelt. Was für ein wunderbarer Mann ist er. Ich mache mir entsetzliche Vorwürfe, und doch, es musste ausgesprochen werden. Hätte ich die Wahrheit, jenem, der mein Herz berührt hat, verschweigen sollen? Das kann ich nicht! Ich zweifle nicht an ihm, niemals, aber ich muss meinen Weg gehen, auch wenn er heute schmerzvoll war, wohl für uns beide.
Er hat mich dann zum Abschied noch hoch gehoben und zart geküsst, und ich mir dabei geschworen, ich will dich nie wieder verletzen, was ich nicht ausgesprochen habe.
Später bin ich dann noch in die Kirche gegangen und habe all das was mir am Herzen liegt, Temora erzählt. Es war ein etwas anderes Gebet diesmal, aber befreiend und wunderschön hier kniend die Ruhe des Raums auf mich einwirken zu lassen.
Ich bin glücklich!, hauche ich.
Niowe Adela Aireth

Wie man den Ruf einer Dame als Ritter zunichte machte

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

21. Cirmiasum 254

Nie im Traum hätte ich gedacht, dass mein Ritter, das je machen würde. Aber er tat es und das im Beisein der Hochedlen, ich bin zutiefst verletzt.
Eigentlich begann es relativ harmlos, wie gewohnt musst ich meinen Sire bei der Kleidung zurate stehen, damit er sich angemessen seiner Dame präsentieren kann. Nachdem wir das in Ruhe erledigt hatten, sprach eine Dame vor, sie wollte als Hausangestellt in die Dienste meines Sires treten. Während dieser Befragung kam die Hochedle unerwartet auf Besuch.
Höflich bot ich ihr an im Kaminzimmer zu warten, während ich ihrem Wunsch entsprechen ein Glas süßen Weines auf einem Silbertablett vorbereitet habe, damit das ganze ein schönes Bild ergab, und dem Haus von Reensdorf entsprach, habe ich eine Rose aus einer Serviette gefaltet und sie neben das Weinglas gelegt. Hätte ich mir das lieber erspart. Dann habe ich es serviert und den Wein vor ihr in das Glas behutsam eingeschenkt. Inzwischen war mein Sire mit der Befragung der zukünftigen Hausangestellten fertig und gesellt sich zu uns in das Kaminzimmer.
Wie es aussieht hast du deine Berufung verfehlt, meinte mein Sire aus heiterem Himmel dann.
Noch dachte ich mir nichts Schlimmes dabei, aber es sollte noch besser kommen.
Du hättest dem alten Weinschenk gut als Partnerin zu Gesicht gestanden, meinte er dann.
Sowohl ich auch die Hochedle waren entsetzt. Er bezeichnet mich vor einer Hochedlen quasi als Schankmagd? Mit blieb die Luft weg, ich war zutiefst verletzt. Mit diesen Worten hatte er nicht nur meinen Ruf besudelt vor einer Adeligen, sondern mir auch das genommen, was ich am innigsten liebe……ihn. Ich darf nicht, wenn schon mein Ruf nun im Adel zunichte gemacht wurde, ihn da mit hineinziehen. Ich, die ihn ewig liebe, der mir alles bedeutet. Es wurde an diesem Abend zunichte gemacht. Ich habe dann meinen Sire aufgeschrieben, er möge ihm bitte nicht erhören, dass ich es nicht zulassen kann und werde, dass er um eine Schankmaid, wie mein Ritter mich bezeichnet hat, wirbt. Das kann ich seinem untadeligen Ruf nicht antun. Das bin ich ihm, auch wenn es mir das Herz bricht schuldig, weil ich ihn über alles liebe.
Die Hochedle hat noch gemeint, "Du kannst doch nicht eine angehenden Ritterin sagen, sie wäre eine gute Schankmaid geworden!“Dann bin davon gegangen. Ich konnte es nicht länger in diesem Haus, mit diesen Manieren, die man einer Dame entgegen bringt, ertragen. Nun weiß ich mit Gewissheit, wie mein Ritter von mir denkt. Mein Ruf ist dahin, der Name meiner Familie besudelt und meine einzige wahre Liebe, die ewig dauern sollte mit einem Schlag zunichte gemacht. Wunderbar, denke ich und weiß nicht, wie ich damit leben kann. Wäre ich Ritterin, hätte ich ihn zum Duell gefordert. So tief waren jene Worte in meinen Augen, unwürdig und unehrenhaft für einen Mann seinesgleichen einer Dame gegenüber. Aber ich bin keine Ritterin. Ich bin nur eine Dame, der er sichtlich alles sagen kann, ohne darüber nachdenken zu müssen. Das ist sein gutes Recht wird er behaupten, und ich bin mir nicht sicher, ob es das wirklich ist, denn meine Familie wusste sich zu benehmen. Niemals wäre derartiges über deren Lippen gekommen. Niemals.
Ich habe die ganze Nacht nun durch geweint. Ich liebe den Mann, der mein Herz gewonnen hat, und dennoch darf und kann ich ihn nicht mehr wiedersehen, um seinem untadligen Ruf nicht zu schaden. Ich hätte niemals in meinem Leben gedacht, dass dies einmal geschehen könnte.
Niowe Adela Aireth

Verzeihen können

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22. Cirmiasum 254

Ich habe das Schreiben meines Sirs gefunden gestern Abend noch und es hat mich zutiefst berührt. Er hat sich für sein Verhalten entschuldigt. Ergreifend waren die Worte. Er nennt sich einen senilen alten Mann, der auch Fehler macht. Machen wir doch alle, Sire, dachte ich bei den Zeilen. Auch wenn er mich zutiefst verletzt hat, ich kann nicht anders, als ihm zu verzeihen. Es ist geschehen und wir vergessen es am besten und lernen daraus. Ich werde nichts mehr Besonderes für seine Gäste mir erdenken, und er wird dann auch keinen Grund mehr haben, dass ihm dabei etwas Unbedachtes über die Lippen kommt.
Auch wenn er es nicht so gemeint hatte, was ich seinen Worten entnahm, die er mir dann am nächsten Tag ausgedrückt hat. Es hat sehr weh getan. Es liegt aber in der Natur der Frauen, verzeihen und dann vergessen zu können, denke ich.
Nach dem Training war mein Sire im Kaminzimmer. Höflich wie es ihm als Ritter gebührt, habe ich in begrüßt. Eigentlich war diese leidliche Angelegenheit für mich bereits erledigt, ich sah keinen Grund mehr darüber zu sprechen. Sein Brief hatte doch alles erklärt. Aber mein Sire ließ nicht locker.
Ich muss mir dir reden, Niowe. Ich wusste bereits weshalb, und wollte eigentlich diese Sache mit einem Scherz auflockern und beendet wissen.
Ach ja Sire, ich habe mich bei seiner herzoglichen Hoheit als Stallknecht beworben, ich dachte es wird Euch erfreuen Sire, da es ein wenig besser als eine Schankmaid wäre. Dann habe ich mit Mühe bei seinem Blick ein Lachen unterdrückt.
Ich hoffe die Bezahlung ist gut Sire, dabei habe ich lachen müssen. Ich dachte dies wäre genau ein Scherz im Sinne meines Sire, falsch diesmal.
Ich sehe es ist dir nicht viel daran gelegen, wenn sich jemand aufrichtig entschuldigen möchte, Niowe.
Doch Sire!
Es ist bereits erledigt, dachte ich mir, dank dem Brief.
Wartet bitte! Es geht mir nicht darum, sich zu entschuldigen Sire, sondern darum, wie sehr Ihr Menschen verletzt. Ich war weder wütend noch zornig aber sehr getroffen. Ich hoffe, Sire, Ihr tut dies nicht bei anderen Menschen.
Niowe Adela, ich bin vielleicht alt, vielleicht bäurisch, wenn du so willst, ich bin auch manchmal grob und ungerecht, das ist alle möglich, aber, wenn ich einen Fehler mache, dann stehe ich dazu.
Glaubst du es war der richtige Augenblick für einen Scherz, wenn jemand seine Aufrichtigkeit kund tun möchte?
Ja Sire, das denke ich, weil ich diese Angelegenheit auflockern wollte und weil ich Euch immer verzeihen werde, da Ihr mein Vormund seid und ich Euch achte. Vielleicht hat es mich auch aus diesem Grund so sehr verletzt, Sire, weil ich Euch achte.
Nun gut, dann jetzt, ohne auflockernden Scherze, Niowe.
Ich entschuldige mich bei dir, deine Würde als Dame und Knappin durch meine unachtsamen und unangemessenen Worte verletzt zu haben.
Ich habe Euch bereits verziehen Sire, und werde es immer wieder tun, kam meine Antwort sogleich.
Danke, Niowe Adela.
Wir haben noch über einiges gesprochen und auch über ihn. Dann habe ich mich zurückgezogen und ihn einige Zeilen geschrieben, die ich in seinen Postkasten geworfen habe. Ich weiß und das mit einer Sicherheit, die in mir ruht, dass ich ihn liebe, ewig, und ich genau aus diesem Grund, das Beste und reinste bin, was er je umwerben könnte.
Aber ist er das auch? Diese Frage beschäftigt mich unbewusst. Wenn ich die Dekadenz eines gewissen Adels betrachte, all jenes, was man mir mit Verachtung und ja auch Belustigung zuträgt, dann bin ich beschämt. Beschämt auch, weil meine Familie in ihrer Beständigkeit, was Werte und Würde angeht, all das nie in Betracht gezogen hatte. Vielleicht auch nie einen Gedanken daran verschwendet hat, dass dies je in solchen Kreisen möglich wäre, das mag sein. Ich werde niemals so sein, das bin ich vor allem mir, meiner Würde und Selbstachtung und auch meiner Familie schuldig. Ich weiß auch, dass, sollten sich jene Gerüchte, die mir betreffs ihm zugetragen wurden, je bewahrheiten, werde ich keinen Augenblick zögern, mich von ihm zu lösen. Auch wenn es schmerzen sollte, ich bin es mir wert.
Der wunderbarste Abschluss des Abends war das Gespräch dann meines Sire mit ihm, dem mein Herz gehört. Es hat lange gedauert und ich bin vor Nervosität auf und ab in meinem Zimmer gelaufen. Ich habe mir Sorgen gemacht, wie wird es verlaufen? Wird mein Sire auch all das in ihm sehen, was mich bezaubert hat. Wird er seine Reinheit und liebenswerten Wesenszüge in ihm erkennen, so wie ich es getan habe? All diese Fragen sind mir durch den Kopf gegangen und noch viele mehr dazu. Ich bin mir sicher, mein Sire wird es. Ich hoffe es, denn auf sein Urteil lege ich großen Wert.
Während meine Hunde ein wenig erstaunt zusammen gerollt auf ihren Decken mir nachgesehen haben, konnte ich mich kaum beruhigen. Ich habe Angst, ist er meine Liebe wert? Das Gute daran ist, dass ich noch sehr viel Zeit habe darüber nachzudenken, denn ich habe mir geschworen als Ritterin unberührt zu bleiben, bis zu jenem Tag meiner Hochzeit, sollte dies je einmal geschehen. Wer weiß, was die Zukunft noch bringen mag, ich bin sehr jung, ich habe alle Zeit dieser Welt und vor allem meine Würde.
Niowe Adela Aireth

Gedanken nach einem anstrengenden Tag einer Knappin

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26. Cirmiasum 254

Ich mache mich nun seit einiger Zeit ein wenig unsichtbar in der Residenz meines Sires. Aus Vorsicht eher. Wer weiß, was er mir noch so alles an den Kopf wirft, denke ich und ich will ihn nicht als meinen Vormund und Sire erneut in die Verlegenheit bringen, sich entschuldigen zu müssen. Ich bin heilfroh, dass sich nun diese Hochedle um ihn kümmert, das befreit mich sehr. Ich kann dem nachkommen, was ich für mich für wichtig erachte.
Meine Pflichten erledige ich im Morgengrauen, wenn mein Sire bereits wach ist, verlasse ich die Residenz und trainiere wie besessen. Einen anderen Ausdruck gibt es dafür nicht.
Warum das so ist? Die Frage bleibt mir selber unbeantwortet. Es ist eben so und da fällt mir ein, dass ich die nächste Stufe den Tjost an einer um die Achse schwingenden Puppe, an der einen Morgenstern befestigt wurde, trainieren muss. Das werde ich sogleich morgen angehen. Es wird sicherlich nicht sehr einfach werden, aber ich habe schon schlimmeres hinter mir.
Ich trage oft nun das Mieder der Schneiderin. Ich wirke darin noch zierlicher obwohl mein Körper nun perfekt durchtrainiert ist, bin ich in letzter Zeit noch schmäler geworden. Der Grund liegt bei der sehr anstrengenden Reise, die mich sehr gefordert hat, und nun der unzähligen Aufgaben, die ich mir auferlegt habe. Die Schnürrung, die ich sehr eng ziehe, tut noch ihr übriges dazu. Ein Umstand der mir ab und an die Luft zum Atmen nimmt. Aber es sieht einfach gut aus, finde ich, wenn man so eine sehr zierliche Taille hat, und der Rest dadurch sehr weiblich wirkt. Wenn es mir zu viel wird, dann reiße ich das Mieder von meinem Körper und lasse nur das feines Hemd darunter an. Ich bin nun eine junge Dame, das zeigt mir mein Spiegelbild, ob es an dem ersten Kuss, dem Glück, das ich fühle, wenn ich an den Blick seiner dunklen Augen denke, oder meinen Gefühlen für ihn liegen mag, dessen bin ich mir noch nicht sicher. Vielleicht alles zusammen.
Ihn habe ich schon einige Zeit nicht mehr gesehen, doch meine Gedanken verweilen bei ihm. Soweit dies bei meinem Tagesablauf überhaupt möglich ist. Wenn ich zur Ruhe komme, dann, ja dann denke ich an ihn und es ist ein warmes, wunderbares Gefühl, das ich dabei empfinde. Ich hätte niemals gedacht, dass ich je so empfinden könnte. Insgeheim habe ich noch Angst vor den Worten meines Bruders, die ich verdränge, aber sie sind immer da. Ich bin noch sehr jung, habe so vieles im Kopf, was ich noch machen will, und die Liebe ist doch etwas wunderbares, aber eine Bindung wäre jetzt in meiner Ausbildung undenkbar. Ich denke mein Sire hat ihm dies bei dem Gespräch sicherlich klar gemacht, wie ich ihn kenne. Da ist er sehr korrekt, mein Sire, und man kann sich auf ihn verlassen. Ich habe ja gesehen, was die Ehe aus meinem Sire gemacht hat. Nach dem Tod seiner Gemahlin war er wie Vater, hart und voller Trauer. Nun ist er beschwingt und völlig eingenommen von seiner neuen Liebe. Ich gönne es ihm, in seinem Alter braucht man das wohl, ein wenig zur Ruhe zukommen, und zusammen mit der Dame seiner Wahl den Alltag in der Residenz genießen. Das ist nichts für mich, ich will keinen Alltag, ich will Leben und Abenteuer und ja auch die Schlachten, wenn es sein muss. Das ist meine Bestimmung. Ich will mich freuen darauf, ihn, den ich liebe, nach einiger Zeit wiederzusehen. Es gibt dann so viel zu erzählen und man geht viel mehr aufeinander ein, wenn man nicht ständig zusammen ist. Angefangen von Komplimenten und kleine Geschenken, das liebe ich, muss ich gestehen. Es kann ruhig noch endlos lange so bleiben, denke ich.
Wie mir mein Bruder versichert hat, vergessen Männer im Alltag alles. Von Komplimenten und kleinen Aufmerksamkeiten angefangen bis hin zu Überraschungen, die das Leben schön machen. Er hat sicherlich recht damit, denke ich. Ein Mann, der das alles in der Ehe nicht vergisst, muss etwas ganz besonderes sein und wohl sehr selten. Ich werde all das in aller Ruhe betrachten können, denn zuerst wird wohl mein Sire heiraten. Auf die Hochzeit freue ich mich schon. Das wird meine erste sein, an der ich wohl teilnehmen darf, und zum Glück nicht als Braut, das hat noch viel Zeit. Ich bin schon sehr gespannt, wie dieses Ereignis ablaufen wird. Sicherlich wird mein Herzog auch daran teilnehmen.

Da fällt mir ein ich habe zufällig den Aushang des Sekretärs meines Herzogs gelesen, und er geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Das wäre etwas, es reizt mich ungemein. Auch die Tatsache, dann weit weg von der Residenz meines Sires zu arbeiten und dem Herzog zu dienen, was dann sowieso meine Pflicht als Ritterin einmal sein wird, das wäre wundervoll. So könnte ich mich an die Gegebenheiten bereits gewöhnen, denke ich. Es reizt mich sehr und ich muss mit meinem Sire darüber sprechen, ob es ihm genehm wäre. Sollte er dem zustimmen werde ich sogleich ein Schreiben an den Sekretär des Herzogs zwecks Terminvergabe aufsetzen. Eigentlich sehe ich darin kein Problem bei meinem Sire, ob ich nun Gardistin im Regiment oder Wachpersonal beim Herzog bin, ist gleichgültig. Der Sold wäre mir gleichgültig. Ich kann mich sehr gut selber versorgen. Aber es wäre eine interessante Aufgabe und man könnte noch einiges dazu lernen. Vor allem Taktik. Mein Sire ist mit anderem beschäftigt, was ich verstehe, aber ich könnte vielleicht in der herzoglichen Bibliothek einiges mir selber über Taktik erlernen. Das wäre sehr vorteilhaft und sicherlich nützlich. Daher wäre die Tatsache, mich um eine Anstellung zu bewerben, sehr vorteilhaft für mich. Also gleich morgen mit dem Sire darüber sprechen. Er wird sicherlich nichts dagegen einzuwenden haben, wobei so genau weiß man das bei ihm in letzter Zeit nicht. Irgendwie schwanken seine Stimmungen von Unverständnis bis hin zu neutral eher. Wir werden sehen, was morgen der Fall sein wird. Gefasst bin ich auf alles.

Raindri ist zurück von seiner Reise und charmant wie immer. Man merkt die Abwesenheit seiner Gemahlin sogleich. Ist sie da, wirkt er viel entspannter und ein wenig liebenswerter. Ich hoffe sie kehrt baldigst zurück, das würde ihm und seiner Umgebung gut tun. Seine Schwester, die ich kennenlernen durfte ich so ein Charmebolzen wie er. Irgendwie erinnert mich die Wahl ihrer Worte an eine Söldnerin, aber das ist sie wohl kaum. Sie ist eben eine echte Katuri. Wie mein Sire sagen würde, sie hat Haare auf den Zähnen, wie die Damen der Familie meines Sires. Ob da auch Schmeicheln hilft? Ich befürchte das Fräulein Katuri wird es nicht wohlwollend aufnehmen, also werde ich es lieber belassen. Ich bin schon gespannt auf das nächste Aufeinandertreffen. Mal sehen welche Taktik ich bei ihr anwenden werde. Genügend Variationen habe ich ja parat, dank der Ausbildung bei meinem Sire.
Niowe Adela Aireth

Vorbereitungen für Turniere

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

29. Cirmiasum 254

Wie habe ich heute meinen Sire insgeheim zu sämtlichen Balrons und retour gewünscht. Ja ich habe alleine diese Übung mit der sich drehende Puppe mit Schild und ich Wahnsinnige musste statt dem üblichen Sandsack ihr einen Morgenstern auf einen der ausgestreckten Arme montieren.
Dabei höre ich schon meinen Sire: „Niowe du musst möglichst schnell anreiten, kräftig zustoßen und schnell weg“. Das alles ist mir bewusst, aber so einfach ist das eben nicht.
Das Anreiten war nicht die Schwierigkeit, das schnell weg eher. Ich habe es kommen sehen, den Morgenstern der zum Glück auf meinen Schild prallte, den ich nach dieser Übung sogleich zu einem Schmied bringen kann, denn die Beulen sind bedenklich. Aber dann geschah etwas, womit mein Streitross und ich noch weniger gerechnet haben. Ich wurde durch den Aufprall aus dem Sattel gehoben und flog wie ein Blatt im Morgenwind davon. Dann lag ich im Gras wie ein toter Käfer auf meinen Rücken und wusste in diesem Augenblick nicht was genau ich nun am besten zuerst tun sollte, schreien, weil es weh tat oder doch lieber weinen. Ich habe beides unterlassen und meinen Arm zuerst geprüft. Nichts geprellt oder gebrochen zum Glück. Aber verdammt weh tat er. Ich werde sicherlich blaue Flecken davon tragen, was wiederum zur Folge hat, dass ich mein schönes Kleid für ihn nicht anziehen kann, denn es hat kurze Ärmel. Auch die ärmellose Weste kann ich vergessen. Die Rippen scheinen auch in Ordnung zu sein und mein Rücken tut auch ein wenig weh, das habe ich dem Sturz zu verdanken.
Soweit ist alles gut gegangen. Nur ein wenig schwindelig ist mir nun. Vielleicht von dem Schreck, denke ich oder beidem Schreck und Schmerz und da durch die Luft geflogen zu sein. Inzwischen kann ich schon einiges auf den Schild schreiben. Sie fliegt von Mauern herab und über ein Streitross in hohem Bogen. Beachtlich eigentlich.
Aber ein Gutes hatte der Mauersturz damals, welche Frau fällt schon vom Himmel herab zu den Füssen des Mannes, der sie liebt und sie ihn! Keine, nur ich. Eigentlich ist das sehr romantisch, aber nicht zum Nachahmen zu empfehlen. Aber, wie gesagt, das ist schon lange her. Während ich mich mühsam aufrichte, den Schild beiseite lege, atme ich dreimal tief durch. So leicht geben wir nicht auf. Als hätte es dies geahnt kommt mein Streitross zu mir und ich fühle den Hauch seines Atems als seine Nüstern meine Wange berühren.
Danke, sage ich leise. Wenigstens du spendest mir ein wenig Trost. Mein Sire wäre in Lachen ausgebrochen, wie ich ihn kenne. Es muss ja auch ziemlich lächerlich ausgesehen haben.
Tief einatmend habe ich mich erhoben, den Schild aufgenommen und bin auf mein Ross aufgestiegen.
Die nächste Runde beginnt.
Bei dieser drehenden Puppe zählt die Anzahl der Rotationen, in die man sie mit der schweren Lanze versetzt. Das habe ich im Kopf und erneut reite ich entschlossen auf sie zu. Von meinem Streitross wird ein hohes Maß an Balance verlangt, da die Aufprallwucht auf den Schild gewaltig ist. Aber das wissen wir beide bereits. Wie gewohnt bilden wir nun ein Team, um gemeinsam den Aufprall abzufangen.
Diesmal gelingt es sogar nur höre ich alle Glocken von Adoran singen so stark ist die Wucht. Benommen teilen wir uns beide einen Apfel. So schlecht waren wir nicht. Ich sitze noch im Sattel und auch meinem Streitross ist nichts passiert. Somit ein kleiner Erfolg.
Wir ändern die Taktik. Im Galopp reiten wir auf diese Puppe zu, ich stoße unter Aufbietung meiner ganzen Kraft mit der Lanze auf deren Schild und weg sind wir. Das war nicht übel. Die Puppe dreht sich mitsamt dem Morgenstern und wir beide, ja auch mein Streitross tat es, zumindest kam es mir vor, wir haben gegrinst. Das erste Mal haben wir gemeinsam das Ding besiegt. Sieht richtig gut aus, wie sie sich mehrmals im Kreis dreht. Gezählt habe ich es nicht. Wozu auch wir müssen das noch öfter üben.
Das wird schon, denke ich. Todmüde bin ich nun. Das war sehr anstrengend. Die Puppe lasse ich dort stehen, wo ich sie aufgebaut habe. Hierher kommt sowieso keiner und stehlen wird man so ein Ding sowieso nicht. Dann reite ich gen Residenz, um noch ein wenig Schlaf zu bekommen. Morgen muss ich wieder sehr zeitig aufstehen, um wieder einmal sämtliche Rüstungen und Schwerter zu pflegen. Es wird ein langer Tag werden.
Lächelnd blicke ich noch einmal gen Sterne und denke an ihn. Denkt er auch jetzt an mich, in diesem Augenblick? Er ist immer bei mir, in meinen Gedanken und das fühlt sich gut an.
Unter dem zärtlichen Blick seiner dunklen Augen, die mich während ich die meinen schließe, ansehen, bin ich ihm nahe, auch wenn er weit weg ist. Glücklich schlafe ich dann endlich ein.
Niowe Adela Aireth

Es begann mit einem Kuss...

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

31. Cirmiasum 254

und nun steht meine Welt Kopf. Wieder einmal. Ein zarter erster Kuss von dir hat mich völlig indeinen Bann gezogen. Es gibt nur dich, wird es immer geben. Ich bin da wie Vater, etwas was ich nie vermutet hätte, aber nun verstehe ich seine Trauer um den einzigen Menschen in seinem Leben, den er je geliebt hat. Meine Mutter. Seitdem ich liebe, fühle ich mich ihr nahe, auch wenn es mir nie vergönnt war sie je kennenzulernen. Bis auf diese eine Berührung, als ich auf die Welt kam.
Ich liebe dich, wie der Mond den See, in dem er sich spiegelt, und der ihn für diesen einen einzigartigen Augenblick festhalten will. Ich liebe dich, wie der Adler den Wind liebt, dem er sich anvertraut. Der ihn hält und hoch in die Lüfte hinauf trägt. Ich liebe dich, wie der Sturm die See, die er aufwühlt und aufpeitscht, damit riesige Wellen ihn berühren.

Es begann mit einem Kuss, der mich völlig verzaubert hat. Jeden Augenblick des Tages vermisse ich dich. Zähle die Sekunden bis wir einander wieder treffen dürfen.

Es begann mit einem Kuss, der uns die Zeit anhalten lässt. Es nur gibt nur dich und mich. Die wenigen Stunden gleichen der Ewigkeit, so erfüllt sind sie von Glück und dem Gefühl endlich jenen gefunden zu haben, der mich ergänzt. Ein Teil von mir ist.

Es begann mit einem Kuss und einem Traum aus dem ich nie mehr erwachen möchte. Worte so schön, wie ich nie vernommen habe, schenkst du mir in einem Buch gebunden. Worte, die uns beide stärker aneinander binden, als es je ein Augenblick der Leidenschaft könnte. Wir sind beide rein, was jenes betrifft und dennoch haben wir etwas Wertvolles in einander gefunden, was selten ist auf dieser Welt.
Eine Liebe, die auf Vertrauen und Achtung und Wahrheit ruht. Starke Pfeiler, die ein Leben lang halten.

Es begann mit einem Kuss. Seither können wir einander nicht mehr missen. Die wenige Zeit, die wir neben unseren unzähligen Aufgaben, miteinander verbringen dürfen, vergeht im Flug. So vieles wollen wir einander noch sagen und vergessen dann doch darauf, wenn unsere Blicke ineinander versinken und sich nicht lösen können.

Es begann mit einem Kuss, der etwas in uns erweckt hat, dass wir trotz unserer Jugend für immer festhalten wollen. Einer den anderen nie mehr missen will.
Tu meinem Herz nicht weh, es ist sehr zerbrechlich, habe ich dir leise zugehaucht.
Das werde ich niemals tun, hast du leise erwidert und mir einen sanften Kuss gegeben.
Ich werde dir auch niemals weh tun, habe ich nach dem Kuss, der so unendlich gefühlvoll und zärtlich war, dir zugeflüstert.

Es begann mit einem Kuss und seither hast du einen festen Platz in meinem Herzen. Du fühlst wie ich und ich wie du. Was kann es schöneres auf der Welt geben? In deinen Armen, die mich festhalten, fühle ich mich geborgen. Du bist meine Insel in den stürmischen Zeiten des Kriegs. Ich bin deine Insel, wo du zur Ruhe kommen darfst und so sein kannst, wie du bist.

Es begann mit einem Kuss, der mich veranlasst hat eine Kerze unserer Liebe in der Kirche auf dem kalten Stein zu entzünden. Sie brennt noch immer. Warm und hell. Gestern waren wir beide dort. Als wir niederknieten hat er eine Kerze neben meiner entzündet. Die Flammen der beiden haben sich umschlungen und brannten hell. Nichts kann uns trennen, das fühlen wir beide. Aussprechen muss es keiner, denn in den Augen des anderen steht es geschrieben. Deutlicher als es je Worte zu sagen vermögen. Das Licht der Kerzen hat sich in unseren Augen widerspiegelt, warm und klar.

Es begann mit einem Kuss damals. Während ich dich ansehe und meinen Blick nicht lösen kann voller Staunen, weil ich so vieles darin sehe. Deine Liebe und Zuneigung. Dieser Blick gilt nur mir. Es ist wieder spät geworden. Wir müssen uns trennen und doch fällt es uns schwer. Dein Strahlen in den dunklen Augen könnte ich noch stundenlang betrachten.
Ich hoffe dich in meinen Träumen wiederzusehen, hauche ich dir zu. Dein Lächeln zeigt mir an, dass es auch dein Wunsch war in diesem Augenblick. Zart berühren sich unsere Fingerspitzen und lösen sich dann voneinander.

Es begann mit einem Kuss, den ich um nichts mehr vermissen will. Er hat mir gezeigt was Liebe bedeutet. So überraschen er auch für uns beide war, er war das Siegel für unsere Liebe, die nach und nach erblüht. Sie wird stärker mit jedem Tag und jedem Traum, wo wir beisammen sein dürfen.

Es begann mit einem Kuss. Dafür bin ich dankbar und lächele als sich unsere Hände langsam lösen und ich gen Residenz schreite, dein Lächeln umhüllt mich, das wird es immer tun. Egal, wo ich verweile wird dich auch meines begleiten und dich stärken. Danke hauche ich dir noch einmal zu bevor ich die Tür hinter mit schließe und nehme deinen Blick mit, der bei mir sein wird, bis wir einander wieder begegnen.
Niowe Adela Aireth

Von Huren und anderen Greultaten

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

4. Ashatar 254

Ira. Ein Kapitel für sich. Alleine ihre Haltung drückt eine Wehmut aus, die diese Welt in Schmerzen versinken lässt.
Ein wenig hat sich das in meiner Gegenwart verändert, und ich bin glücklich darüber. Langsam taut sie auf. Lachen habe ich sie noch nie vernommen. Vielleicht gibt es Menschen, die das einfach nicht vermögen? aber warum? Diese Frage beschäftigt mich.
Ah ein intelligenter Mensch!, hörte ich sie sprechen und schon tapst sie auf mich zu und umarmt mich.
Wie so oft bei unseren Begegnungen, hat sie bei ihrer Umarmung mein Kleid beschmutzt. Ich denke nicht darüber nach was genau die Flecken sein könnten. Ein Sammelsurium aus Staub, Dreck, und sonstigem wohl. Es freut mich einfach, dass sie für ihre Person eine Herzlichkeit mir gegenüber zeigt, die für sie ein riesiger Schritt in Zwischenmenschlichen Beziehungen ist, und für mich noch mehr. Ich mag sie so, wie sie ist. Das hat sie offensichtlich begriffen. Gut so!
Wie schön dich zu sehen, Ira! Aber wie siehst du denn aus?Verwundert habe ich ihre Kleidung dann betrachtet.
Hat Raindri dir nicht mein Geschenk gegeben? Der kann was erleben, denke ich mir. Ich habe extra für Ira schöne Kleider schneidern lassen und er gibt sie ihr nicht.
Dann hat sie mich nach ihm gefragt, den Mann, den ich liebe. Ich habe ihr soweit, was mir dazu eingefallen ist, erzählt. Es tut gut, dass einer Frau mitteilen zu können. Wobei Ira muss ich erst dran gewöhnen, dass sie eine Frau ist. Ich glaube da liegt noch einiges an Arbeit vor mir.
Was mich eher verwundert ist, dass sie wie Herr Marcus die feste Meinung hat, ich wäre unfehlbar. Perfekt. Du meine Güte, sie hätte damals den Zorn und die Wut meines Sires erleben müssen, ich dachte schon er platzt sogleich. Der Tisch musste jedenfalls damals unter seiner Faust leiden.
Wieso wurdest du bestraft?
Ich habe es ihr erzählt. Das erste Mal, der Wurf meines Sires mitsamt Stuhl in Kettenhose in das Wasserbecken. Dabei wäre ich fast ertrunken.
Sie hat mich groß angesehen! Ich kann förmlich ihre Gedanken lesen. Was hast du getan, damit der Sire so reagiert? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr, es wird wohl etwas Unangemessenes gewesen sein, denke ich. Mein Sire ist gerecht! Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Wichtiger sind das jetzt und die Zukunft.
Wir sind Menschen Ira, jeder macht Fehler. Wichtiger ist daraus zu lernen, und sie zu vermeiden.
Hast du Lust einmal mit mir trainieren zu gehen Ira?

Sie hat gezögert.
Ich kenne mich mit Fallen aus. Und? Das ist doch vorzüglich! Meist bemerke ich Fallen zu spät, und nur mit Mühe und einem Satz zur Seite gelingt es mir, mich davor zu retten.
Ich kann Schlösser knacken, sagt sie dann leise vorsichtig! Jetzt bin ich richtig glücklich! Endlich gibt es jemanden, der mir all die verschlossenen Truhen öffnen kann, die mich noch in den Wahnsinn treiben, weil ich nicht weiß was darin ist. Wenn sie offen sind, dann sind sie mir eher fast schon gleichgültig.
Das ist ein großer Vorteil, Ira!
Ja, aber nicht ehrenhaft,
erwidert sie. Nichts, was Temora liebt.
Wie kommt sie nur auf diesen Schwachsinn. Wer weiß schon, was Temora liebt oder nicht.
Ich diene dem Reich, Ira, denkst du alles, was ich auf Befehl tue oder tun werde, wird Temora lieben?
Ich weiß es nicht, Niowe.
Eben und ich auch nicht. Am besten wir machen uns als Menschen keine Gedanken darüber was Temora lieben könnte oder nicht, denn das wird uns ewig ein Rätsel bleiben. Wir Menschen können nie ihre Gedanken oder Gefühle wissen.
Das ist auch gut so, finde ich. Ich kann mir in einer Schlacht wohl kaum Gedanken darüber machen, ob Temora das nun schätzen würde oder nicht, oder wer auch immer es vielleicht missbilligen würde. Ich handle einfach im Sinne des Reichs. Ich gebe Temora das, was Ihr gebührt, meine Liebe und meine Gebete und ja auch das, worüber ich nachdenke, ab und an. Aber mein Leben muss ich selber gestalten, es ist meines.
Ich habe noch sehr lange mit Ira im Haus dann geplaudert. Wahnsinn, was sie alles über Personen weiß.
Das schlimmste für mich war zu erfahren, dass einer im Orden mit einer Hure sich beschäftigt. Nennen wir es so einmal, wobei beschäftigen eigentlich der richtige Ausdruck für diese Angelegenheit ist. Ich kenne sie nicht, woher auch? Ich pflege nicht in solchen Häusern zu verkehren, wo jene sich aufhalten. Ehrlich gesagt will ich auch nicht viel darüber nachdenken, warum er das tut und wieso? Das ist seine Angelegenheit, aber schön langsam frage ich mich, sind alle im Orden so?
Ira muss wohl meine Gedanken gelesen haben, denn sie meinte: „Paladin Lefar ist nicht so!“ Puh, das hat mich nun erleichtert. Auch wenn ich ihn nicht persönlich kenne, aber ich habe bisher nur Gutes über ihn vernommen.
Ira hat mich dann gerades aus gefragt, wenn ich mit ihm, meiner Liebe, im Bett liegen werde. Inzwischen kenne ich bereits ihre Offenheit und meine Luft blieb nicht weg bei der Frage.
Erstens Ira, gilt es daran keinen Gedanken zu verschwenden, denn das wird erst in der Hochzeitsnacht geschehen. Zweitens, ist jene noch sehr sehr weit entfernt, da die Regeln der Werbung dann eingehalten werden müsse, wenn ich zur Ritterin geschlagen werde. Und das dauert alles in allem gesehen, noch sehr lange.
Drittens Ire, möchte ich meine Liebe auf Verständnis, Vertrauen und gegenseitige Unterstützung aufbauen, das ist wichtiger als Augenblicke einer Leidenschaft, die dann in der Ehe sowieso kommen.
Ja, wem sagst du das, Niowe.
Wie ein Häufchen Elend ist sie da in dem Sessel nun zusammen gesackt.
Das hat etwas mit Selbstachtung zu tun, Ira.
Ich war angetrunken, er mochte mich und ich ihn, Niowe und…
Im Rausch werden Kinder gezeugt, dachte ich mir, aber habe es nicht ausgesprochen, weil Ira ziemlich bedrückt nun war.
Hat er wenigsten ehrliche Absichten, Ira?
Nein, die hat er nicht!
Hm, was sagt man da am besten? Schäm dich? Nein, vergangenes ist vorbei, sie muss auf ihre Zukunft nun blicken.

Und wenn du unbedingt lachen willst Niowe, es war Luca!Vor Schreck bin ich beinahe vom Stuhl gefallen. Luca? Ira, die mit erstaunlich viel Wissen ausgerüstet ist, an dem Benehmen kann man ja noch feilen, sie lässt sich auf Luca ein? Das ist doch kein Mann!, dachte ich mir und leider ist es mir auch von den Lippen gerutscht.
Vorwürfe ist genau, das, was ich jetzt brauche, Niowe. Sie hat ja recht. Ich darf nicht urteilen. Aber ein wenig mehr Verstand hätte ich ihr zugetraut. Wenn ich da an den Herrn Narus denke, den sie sichtlich verehrt, da gibt es wesentliche Unterschiede, der war zwar ein wenig sonderbar, aber in seiner Art und seinem Auftreten ein Mann eben. Nun gut! Ich schweige, nehme es zur Kenntnis. Die Geschmäcker sind verschieden. Es hat an diesem Abend bis in die Morgenstunden gedauert, bis ich Ira soweit hatte, zu sich zu stehen, ein bisschen mehr Selbstachtung aufzubauen, und sich darüber im klaren zu werden, dass sie eine Frau ist, die sehr wohl klare Gedanken fassen kann, die tüchtig ist und mehr über Dinge Bescheid weiß, als so manch einer. Außerdem habe ich mir insgeheim vorgenommen, nach einem passenden, klugen und auch umsichtigen, ehrlichen Mann für sie Ausschau zu halten.
So schwer kann das doch nicht sein, einen für Ira zu finden oder?
Nach dieser Überlegung bin ich dann früh am Morgen Tod müde heim gen Residenz gewankt. Ich brauche nur meinen wenigen Schlaf, denn die Dinge erledigen sich nicht alleine. Mein Sire ist auf Reisen und alles bleibt an mir hängen, wie immer. Das stört mich nicht, wenn ich nur ein wenig Schlaf noch bekommen.
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