Unverhofft kommt oft

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Nachtwind

Unverhofft kommt oft

Beitrag von Nachtwind »

Hatte ich vor kurzem noch überlegt, ob ich mir einen Schüler suchen sollte, so stand er schon vor meiner Türe.
Es ging um ein Problem, das zu lösen war und im Grunde war sie mir zu wertvoll, um dabei zuzusehen, wie ein Leben sinnlos verschenkt wurde, weil einem Ritter der Furz quer saß und er in seiner Eitelkeit gekränkt worden war – selbstverschuldet im Grunde, davon war ich mehr als überzeugt. Wer sich der Hurerei hingab, musste sich nun mal nicht wundern einen Denkzettel zu erhalten.
Dumm waren war allenfalls, dass das Mädchen mal wieder unüberlegt gehandelt hatte, wie so oft. Nun stand sie da, sprach davon in der Tinte zu sitzen und das, woran ich vor kurzem noch überlegt hatte, nahm seinen Lauf.

Es folgte nach dem Gespräch mit ihr noch eines mit jemand anderem, zum gleichen Thema. Keine Entscheidung ohne Absprache.

Natürlich gab es Regeln. Natürlich würde es eine Zeit auf Probe geben. Dringend erforderlich für das Früchtchen, das vor meiner Türe gestanden hatte. Immerhin kannte ich sie mittlerweile gut genug, um zu wissen, was ich mir damit als Schülerin ins Haus holte.
So einiges daran bereitete mir eine diebische Freude. Anderes wiederum ließ mich vorsichtig sein. Sehr vorsichtig und sehr wachsam. Mir war klar, dass sie kein Stück hören würde, wenn es darum ging keinen Unsinn anzustellen. Genau das war das größte Problem.
Also galt der Leitsatz: Halte einen unruhigen Geist beschäftigt, damit keine Zeit blieb für Flausen.

Nun galt es ihr erst einmal mitzuteilen, dass das Vorhaben in Angriff genommen werden konnte. Die Regeln. Eine war hinzugekommen, von der sie noch nichts wusste. Aber das sollte sie schon bald erfahren. Die übrigen durfte sie dann getreulich selbst wiederholen. Besser sie lernte schnell sich einiges zu merken. Besser in diesem Fall für sie.
Womit wir anfingen, war für mich schon klar. Wir sorgten erst einmal dafür, dass der Erdboden sie verschluckte, wenn nötig. Und zwar so gründlich, dass niemand einen Fußtritt von ihr fand, der dem anderen glich.
Sich dorthin zu bewegen, wohin man wollte, war der Freiheit höchstes Gut. Eingesperrt war sie nunmehr lang genug gewesen. Eingeschränkt obendrein. Kein Wunder also, dass die Flausen wieder an die Oberfläche brachen und sie antrieben, damit sie überhaupt etwas zu tun fand, was der Seele einen gewissen Frieden gab.
Was sie bis heute nicht dazu gelernt hatte, war die Vorgehensweise so zu verfeinern, dass man sie nicht erwischte. Sollte sie das auch bei mir nicht lernen, war ohnehin Hopfen und Malz verloren.
Eines war gewiss: Einiges musste sie schnellstens lernen.
Dazu gehörte die Tatsache eine andere Person zu sein, nicht nur äußerlich, sondern auch von der Art zu gehen, zu reden, zu sprechen, bestenfalls sogar zu denken (zumindest streckenweise).

Eine Verkleidung war nur dann gut, wenn der Inhalt auch zum Äußeren passt.

[img]http://www.knippserundco.de/Galerie/Kirsten/harlekin01.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Nachtwind am Dienstag 14. Juni 2011, 19:33, insgesamt 1-mal geändert.
Talana Virr

Beitrag von Talana Virr »

*Fast um einen ganzen Felsen erleichtert fühlte sie sich, als sie ihn verlies.
Ihr war klar, dass nun nicht alles sofort besser werden würde, auch dass es unheimlich schwierig werden würde und ebenso, dass es einen Haufen Ärger geben würde.
Zuletzt war sie sich sogar sicher mindestens einmal wie angedroht von Rechts auf Links gedreht zu werden.
Dennoch besorgte sie sich einen kleinen Schatz bei einem Händler.
Es unterschied sich völlig von dem, das sie zuletzt in den Händen gehalten hatte.
Noch war der Einband gut erhalten, keine Eselsohren, keine Flecken, es war völlig rein.
Abgeschieden auf ihrem Bett schlug sie es mit einem dankbaren Lächeln auf, für das Buch war es die erste die Geschichte, die seine Seiten zieren würde – und für die junge Frau?
Vermutlich ein Neuanfang….*


Liebes Tagebuch,

da hab ich doch tatsächlich einen neuen Meister gefunden!
Ob man’s denn so nennen kann? Jetzt darf ich sie nur nicht durcheinander bringen! Aber der Neue unterscheidet sich doch sehr vom alten Meister.
Oh – und ein Bett werd ich wohl diesmal auch nicht bauen, glaub ich. Das Ziel der Lehre ist wohl dieses Mal ein Anderes.
Ich denke auch nicht, dass ich das mit wem feiern könnt. Oder doch?
Lieber nicht.

Zu Niemanden ein Wort. Herje… das sind eine ganze Menge Leute mit denen ich nicht sprechen darf!! Und wie gern red‘ ich?
Aber wenn ich eines weiß, dann dass er’s ernst meint. Und ich behalt gern drinnen, was drinnen gehört, sonst wär’s ja schon draußen!!

Ich muss die Finger still halten. Ich werd mich ganz feste drauf setzen! Noch nicht mal mehr ein Blütenblatt irgendwo, ich hab gefragt! Obwohl, ob er’s überhaupt merken würde? So ein kleines..
Nein, ich weiß noch wie er ist, wenn er wütend ist, dass sollt ich mir immer vor Augen halten! Ich werde auf meinen Fingern sitzen, so dass es schmerzt.

Aber erst einmal, bekommt er seine Bolzen, dafür brauch ich eine Weile und danach..?
Danach.. geh ich Blumen pflücken, natürlich nur für die Vase!

*Das Buch wird in einem kleinen Versteck verborgen, ehe sie recht eilig das Anwesen verlässt und auf den Wald zu steuert..*
Nachtwind

Beitrag von Nachtwind »

Vorbereitungen

Es gefiel ihr nicht.
Trotzdem sollte ich den Plan beibehalten. Nun gut. Tat ich.
Also begann ich Besorgungen zu machen, von denen die kleine neue Schülerin auch etwas haben sollte. Dinge, die sie mitnehmen konnte – zum Üben. Dinge, die ihr weiterhalfen, Dinge, die sie zu lernen hatte, Dinge, für die sie einen geeigneten unauffälligen Platz würde finden müssen. Kleine Herausforderungen für den Anfang, große auf Dauer.
Es war ja nicht so, dass es mit den ersten Kleinigkeiten aufhörte.
Heute war der erste Tag, der Tag, an dem sie noch mal die Regeln würde aufsagen dürfen, wo die letzte Regel an ihr Ohr finden würde – und hoffentlich auch in ihren Verstand. Ich musste mir überdies noch etwas überlegen, was für das Herz der Streiche geeignet war, damit sie was zu tun hatte, dass sie von allem ablenkte, ihr aber keine großen Probleme bereitete und sie damit so umfassend beschäftigt war, um gar nicht erst auf die Idee zu kommen, irgendwas anzustellen.

Es war im Grunde wie mit den kleinen Kindern. Bekamen sie keine Beschäftigung, fingen sie an sich ihre eigenen kleinen Gedanken zu machen und oftmals kam eine Menge Unfug dabei heraus.
So war das auch mit ihr. So und nicht anders. Aber ich hatte etwas gefunden. Es bedurfte nicht mal Utensilien, nur den eigenen Verstand. Oh, sie kannte die Regeln noch. Das stellten wir einige Stunden später fest. Ich war mit dem Ergebnis der Aufzählung sogar nahezu zufrieden. Eine Regel allerdings bekam sie noch erklärt. Die Erläuterung dazu übernahm allerdings nicht ich. Und die, die es tat, tat es sehr konsequent und ohne ein wenn und aber möglich werden zu lassen – und sie machte deutlich, was geschah, wenn irgendein Fehltritt folgte. Im Stillen fragte ich mich, ob die Warnung wirklich nur ihr galt, und nicht auch mir. Ein wenig erheiterte mich die ganze Situation schon, obwohl ich sie ernst nehmen sollte. Und es schmeichelte so ungemein!

Meine Schülerin hingegen nahm das Ganze arg mit und sie wirkte zunehmend nervöser. Das wiederum stimmte mich nachdenklich. Es würde also erforderlich sein, sie von dieser Nervosität wegzubringen. Die Frage war nur, wie ich das am besten bewerkstelligte. Sie durfte nervös sein, aber andere sollten es möglichst nicht merken.
Ja, da wartete einiges an Arbeit, nicht nur auf mich, auch auf sie.
Talana Virr

Beitrag von Talana Virr »

*Mit dem Rücken an die Wand gelehnt recht wirr anzusehen, sitzt die junge Frau in der Zelle und zerpflückt mit nachdenklicher Mine einen der Strohhalme. Sorgsam wird er in kleine Stücke zerkrümmelt..*

So ein Mist aber auch!
Ein blöder großer stinkender Misthaufen ist das, der bis zum Himmel hinauf duftet!

Ich hab mir wirklich Mühe gegeben und angestellt hab ich auch nichts mehr! Aber geträumt hab ich!
Aber ich muss ja auch an so vieles denken! Ich darf die Regeln nicht vergessen, keine davon und nieder geschrieben hab ich sie auch noch nicht ganz, ich kam ja nicht dazu! Es war so viel zu tun und so.. und dann soll ich mir noch mehr Gedanken machen und ich häng immer noch fest!

Aber .. jetzt hab ich ganz viel Zeit zum Nachdenken! Zum Gucken gibt es hier auch nichts Spannendes. Nur grauer Stein, immerhin ist er nicht mehr so düster Schwarz. Ob ich mich jetzt darüber freuen sollte? Wahrscheinlich nicht. Und wahrscheinlich brauch ich gar nicht mehr denken, wenn ich hier jemals wieder raus komme, werd ich auf Links gedreht!
Dabei wollt ich das gar nicht ausprobieren. Oder ich werd auf Links gedreht und gleichzeitig entlassen! Oder aber…

Ich sollt aufhören darüber nach zu denken! Das macht mich ganz kribbelig, Süßes haben sie hier auch nichts. Meine schönen Erdbeerschnitten! Alles fing an mit den blöden Erdbeerschnitten. Hätte ich mir noch was für unterwegs mitgenommen, dann wäre ich sicher nicht nochmal umgedreht und mitten in IHN gelaufen!
Nein, ich hätte meine Erdbeerschnitte in aller Ruhe verdrückt und mich nicht noch im dunklen hinaus gewagt.

Warum hab ich sie eigentlich nicht entsorgt? Warum hab ich sie überhaupt angehabt? Ich weiß es! Der blöde Regen war schuld! Ich kann es nicht leiden, wenn er einem den Nacken hinunter läuft. Vor allem wenn er eisig ist! Und davor hat sie immer gut geschützt, deshalb hatte ich die Robe so gern, nur wärmen tut sie nicht wirklich, wenn sie so an einem klebt, ist sie fürchterlich kalt.

Naja, regnen tut’s hier drinnen wohl nicht – glaub ich. Aber sonderlich warm ist es auch wieder nicht. Aber still und die Zeit wird einem Lang!
Nie wieder ess ich Erdbeerschnitten. Nie wieder! Die sind an allem Schuld!

Vielleicht wären alle nicht so fürchterlich bös, wenn ich mehr Süßes bei mir hätte. Ein wenig was Süßes für die Frau, die so unheimlich schlecht gelaunt war oder die Lethra. Die mögen sicher auch Süßes? Jeder mag Süßes! Und es bessert immer gleich die Laune, dann hätte sie vielleicht nicht daran gedacht mich am Hafen aufhängen zu wollen… Ganz gruselige Sachen sind ihr eingefallen, dabei hab ich ihr gar nichts getan! Überhaupt frag ich mich warum die nun alle wirklich so sauer sind.

Vielleicht war es einfach der Regen, der klaut mir auch hin und wieder die gute Laune. Ist ja auch fürchterlich, wenn er einem die ganze Zeit ins Gesicht tropft und den Rücken hinab läuft. Da kann man schon mal bös werden. Aber doch nicht auf mich! Und vor allem, ich glaub, heute hat es gar nicht geregnet und ich sitz hier immer noch.

Ob die mich vergessen haben? Gibt ja jetzt viel zu tun, alles muss wieder repariert werden und weg geräumt und .. Ich glaub, Verletzte gab es auch. Aber wer, hab ich nicht mehr mitbekommen. Ich war so unheimlich müde und mein Schädel brummt fürchterlich.

Aber es gibt noch Gerechtigkeit!
Ganz bestimmt!
Immerhin hat eine Erdbeere einen ganz fürchterlichen, grausamen, matschenden Tod erlitten!
Sie starb für alle Erdbeerschnitten auf ganz Gerimor! Wenn sie mich nicht geärgert hätten, wären sie der Cara bestimmt nicht aus der Hand geflutscht und dann hätten sie auch nicht so leiden müssen!

Hoffentlich wird’s mir nicht so wie der Erdbeere ergehen..

*.. leise Seufzend pustet sie den letzten Überrest, des grausem gestorbenen Halmes von ihren Knieen.*
Nachtwind

Beitrag von Nachtwind »

Erwischt

Egal, was du für einen Dreck anstellst, lass dich nicht erwischen! Der Mist, den du verzapfst, wird niemals so groß sein, wie die Strafe fürs Erwischen lassen, das sag ich dir!

Wo er Recht hatte, hatte er Recht, der alte Sack.
Zum ersten Mal kam ich in die Situation, da es sich anders herum verhielt. Nicht ich hatte mich erwischen lassen, aber meine dämliche Schülerin. Nun hockte sie da im Loch in Düstersee und durfte hoffen, ganz vielleicht mit heiler Haut hinaus zu kommen, allein dafür, dass die Düstersee unter Einsatz ihres Lebens verteidigt hatte. Vermutlich aber wohl eher nicht.

Und ich litt darob unter chronischer Unterbeschäftigung und hatte das Gefühl in der langen wartenden Schlange der Marktweiber und Bauern zu stehen, die in die große Stadt hinein wollten, um ihr Zeug zu verscherbeln, während die Wachen aber sagten: Hier kommt ihr nicht rein!
Eine Schülerin für die Schülerin, die nichts lernen konnte, weil die Lehrerin im Loch steckte, und die nichts lernen konnte, weil sie … ja, genau da saß. Vielleicht sollte ich sie mal besuchen und ihr schon mal einen Vorgeschmack auf das geben, was sie erwartete. Das hatte nur zwei Haken: Ich konnte den Schlüssel nicht nutzen, um hinein zu gelangen. Es musste der Rotschopf hingehen.
Der Kohlenkopf wäre verflixt unpassend und wenn das heraus käme, rollte womöglich mein Kopf. Kontrakte sollte man eben peinlichst genau einhalten.
Auch etwas, was die Schülerin der Schülerin schon lernen durfte:

Halte dich genau an deine Aufgabe, geh nie darüber hinaus und begib dich schon gar nicht noch tiefer in eine heikle Sache hinein, als du selber musst!

Tja, dafür hatte sie Prügel kassiert und auch eine Nacht im Loch gehockt. Vielleicht hätte sogar eine zweite noch zusätzlich gut getan als Lektion, aber nun, kehrten wir doch zurück zu meiner geschätzten erwischten Schülerin.
Ich musste mir nun überlegen, womit ich ihr selber noch einen hübschen Denkzettel verpassen konnte – wobei ich annahm, die Tatsache, dass sie unterrichten sollte, war schon Strafe genug (fragte sich nur, ob für sie oder ihre Schülerin). Bei näherer Überlegung musste ich einsehen: Nein, das würde mehr meine Strafe sein, als ihre. Oder eben der ihrer Schülerin. Aber immerhin schlug ich so zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Schülerin passte auf die Querulantin auf, würde mir vermutlich alles stecken, was sie anstellte (im besten Fall der Fälle) und lernte hoffentlich noch dabei. Ich konnte der Querulantin alles beibringen, was nötig war und dann – zum Dämon – sollte sie Mist bauen soviel sie wollte, solang sie sich nicht erwischen ließ!

Mein Beschluss stand fest. Ich sollte mal mit meinem Brötchengeber reden. Das Gör musste aus dem Loch heraus, sonst kam ich mit meiner Planung durcheinander und das gefiel mir gar nicht.
Zuletzt geändert von Nachtwind am Mittwoch 6. Juli 2011, 17:48, insgesamt 1-mal geändert.
Talana Virr

Beitrag von Talana Virr »

*Zielstrebig steuerte sie die Küche des Anwesens an.
Sie war sich sicher, hier war etwas, ganz bestimmt! Und sie brauchte es jetzt dringend nach diesem Tag, unbedingt.
Schon bald wurde sie Fündig, mit einem großen Stück Kuchen ließ sie sich auf dem Steinboden nieder...*


Endlich wieder daheim!

*Mit großer Freude wurde das Stück langsam aber sicher vernichtet. *

Endlich bin ich draußen, einen Wochenlauf der schwarzen Armee dienen in kleinen Dingen. Das bekomm ich hin, ganz bestimmt. Natürlich helf ich da gern! Solange ich nicht wieder diesem Letharen Vorkosten muss.

*Bei dem Gedanken wandert ein ganz besonders großes Kuchenstück in ihren Mund und mit einem Male scheint der jungen Frau das Schlucken schwer zu fallen.*

Seltsame Süßigkeiten hatte der, ob sie noch gut wären? Die waren von Anfang Mist! Das hätte ich mal sagen sollen. Ob gut oder schlecht, Mist waren sie ganz bestimmt und keinesfalls Süß! Aber das hatte ich mich nicht getraut. Immerhin sehe ich ihn jetzt wohl eine Weile häufiger und man muss ihn ja nicht gleich völlig verärgern, aber wenn’s rum ist, dann werd ich es ihm sagen, was für einen Mist er da isst! Ich wird ihm mal was Anständiges mitbringen! Damit er merkt was wirklich gut ist!

Und dann, dann darf ich es endlich tun! Ich werde es wundervoll machen, ich hab sogar schon darüber nachgedacht, welche Blumen da passen würden und wie viele man dort unterbringen kann! Es ist unglaublich viel Platz! Dort passt ein ganzes Feld hinein! Eine eigene riesige Blumenwiese, natürlich in den richtigen Farben, nur was der Tetre.. äh… Dingensda, was ihr gefällt eben, nur das! Sie wird unglaublich zufrieden sein, ganz bestimmt!
Und wenn sie damit fertig ist, dann darf sie vielleicht auch endlich den kleinen Tempel verschönern – nein, warum nicht gleich alle?!? Immerhin, wenn einer schön ist – vielleicht wollen die anderen dann auch?

*Sie streckt sich kurz um ein nach einem weiteren Stück des Kuchens zu angeln. *

Aber erst mal hab ich dafür keine Zeit, nein. Es gibt so viel zu tun! Und an vielem bin ich selbst schuld. Er war wirklich sauer, fürchterlich. Dabei hatte sie das doch alles nicht mit Absicht gemacht!
Eine Schülerin sollte sie bekommen! Nein, sie HATTE jetzt eine Schülerin. Ob man mit der wohl zusammen Blumen pflücken gehen könnte? Soll man der was beibringen? Immerhin teilt die ihren Süßkram nicht! Hah! Das werde ich ihr als erstes beibringen: Süßkram war zu teilen und vor allem mit mir. Das erste Stück ist immer für mich!

Und danach, danach kommt dann der erste Unterricht. Ich freu mich schon ihr das über die Arschritzen zu erklären! Mal sehen wie sie guckt, dabei weiß ich jetzt immer noch nicht wie eine Adelige Hinternritze aussieht, aber ich weiß man erkennt es auch vor allem da ran! Naja – nicht vor allem, aber zumindest mit!

Wie das so bei Letharen aus schaut hätte ich fast gewusst! Ich war gerade dabei der Sache auf dem Grund zu gehen, da muss er mich doch tatsächlich an den Haaren davon ziehen! Nun werd ich nie wissen, wie das so bei denen aus schaut. Weil in deren Gegenwart darf man gar nichts! Fürchterlich aufgeregt hat er sich. Grüßen mit dem Alleinen, nicht anfassen, keinesfalls berühren, am besten nicht atmen und niemals anstarren!
Dabei mögen sie so seltsame Süßigkeiten, aber ich werde mich hüten nochmal was zu sagen, ganze FÜNF! FÜNF Gedichte muss ich nun auswendig lernen. Sie sind fürchterlich lang! Nur weil ich, den Mund nochmal aufmachen wollt. Naja … ich hab ihn auch viermal nochmal auf gemacht, aber dann nicht mehr! Jetzt weiß ich’s: der Meister hat’s wohl nicht gern wenn man redet. Ganz schöner Mist.
Vermutlich kann ich bis zum Ende der Lehre jedes Gedicht auswendig, das jemals geschrieben wurde!
Vielleicht sollt ich im Vor raus lernen? Wenn ich Zeit hab, denk ich nochmal drüber nach!

*Mit klebrigen Fingern greift sie in ihrer Tasche und holt fünf recht zerknüllte Pergamente hervor, auf ein Jedes ist bis zum Ende mit schier unendlich vielen Zeilen gefüllt. Nach einem kurzen Moment des Anblickens wird das nächste Stück Kuchen ihr Opfer..*

Eineinhalb Wochen hab ich dafür. Gar nicht auszudenken, was er tut wenn ich das nicht schaff! Ich werde es mir immer laut vorsagen, jeden Tag, alle Fünf.

Aber darüber darf ich die anderen Aufgaben nicht vergessen! Ach und die Schülerin auch nicht glaub ich, herje, wie soll ich, dass denn nur alles schaffen? Ich müsst mich teilen!

Strafarbeit, dekorieren, Gedichte, Schülerin – Lehrstunde und … und… da war noch etwas, ich weiß es genau..! Nur… was verdammig noch eins…?

*Nach einem lauten Gähnen ist sie dann wohl auf dem Küchenboden eingeschlafen, um sie herum großzügig verteilt die letzten Reste des Kuchens…*
Nachtwind

Beitrag von Nachtwind »

Viel zu tun

Wer glaubte, dass ich mich in Untätigkeit langweilen konnte, irrte gewaltig.
Hier gab es Neuigkeiten, dort etwas zu erledigen, ein Ort weiter Leute zu befragen. Informationen mussten weitergebracht werden, andere wurden eingeholt, letztlich aber war nichts darüber in Erfahrung zu bringen, weshalb ich gerade allein war.
Frustriert war ich dennoch nicht, was vielleicht dem Umstand geschuldet war, dass ich plötzlich in Arbeit erstickte. Der Markt, die Belagerung, die Pläne, die Anfragen, die Antworten, ein Geläuf sondergleichen. Zwischendrin noch etwas hochnäsigen Zickenterror seitens der kleinen Nichte – mittlerweile ein kleiner Sport zur persönlichen Erheiterung. So groß das Vermissen war, so froh war ich trotzdem gerade allein zu sein und alles in Ruhe bewältigen zu können. Trotzdem war es an der Zeit ein Besuch abzustatten. Versprochen war versprochen.
Also tat ich es auch. Wenigstens für den Vormittag bis zum späten Nachmittag.

Faszinierend, was Langeweile bewirkte. Eroberungen, freundliche Hinweise auf gewährleisteten Schutz, den keiner brauchte oder wollte. Faszinierend, wie genau beide Parteien wussten, dass sie weder gebraucht noch erwünscht waren in ihrer Funktion, in der sie gedachten aufzutreten.
Fürs Kaff war’s traurig, aber ich hoffte inständig, sie schlugen sich gegenseitig derart die Schädel ein, dass ihnen dabei das wieder Aufstehen verging. Hölle, was ging mir diese Kriegstreiberei auf die Nerven, auch wenn sie gutes Gold einbrachte für jemanden, wie mich. So war es aber wohl überall auf der Welt und unter den Augen der Götter. Kriege wurden immer auf den Schultern Unschuldiger ausgetragen. Entweder man nutzte sie, um das gegnerische Reich aufzuscheuchen, oder ihr Dorf tatsächlich in ein Schlachtfeld zu verwandeln. Hier hieß es Bajard.
Die Dinge, die man vorschob, waren fadenscheinig und haltlos, es gab nicht einmal Forderungen! Aber man bot ja Schutz vor dem üblen anderen Reich. Dass sie sich beide nichts gaben, behielt ich lieber für mich. Zwischen dem Kräftemessen der Reiche zerrieb es das kleine Dorf und das kümmerte nicht wirklich jemanden. Das Dorf selbst war machtlos, so ungern es sich das auch eingestehen mochte. Selbst wenn sie die Hilfe bekamen, die sie sich suchen wollten, war es ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wer Ruhe haben wollte, verließ das Dorf, egal, wie sehr er daran hing. Dann konnten sich die „Mächtigen“ sich dort austoben, soviel sie wollten. Die, die fortzogen, sollten einfach eine neue Siedlung bilden. Irgendwo anders, wo Ruhe herrschte. Vielleicht nicht ganz so gut erreichbar, wie Bajard es war.
Ich konnte sie gut verstehen, ihren Wunsch sich für keine Seite entscheiden zu müssen oder gar zu wollen. Das war es auch, was mich einst zum Dorf getrieben hatte. Es war nur die Frage, welchen Preis sie bereit waren zu zahlen.
Ich hatte ein Angebot im Gepäck, wartete nur darauf, die Richtige oder den Richtigen anzutreffen. Letztlich aber war es nur ein leises Glimmen, eine kurze Atempause, aber besser als nichts. Zwei Optionen. Wobei zu vermuten stand, dass die eine ohnehin nicht in Frage kam. Die Ideen waren gut, aber aufwändig. Vor allem aber kosteten sie Zeit. Zumindest die eine davon.
Wenn es wenigstens gescheite Forderungen gäbe, dann könnte man darauf etwas aufbauen, aber so war nicht nur das Dorf haltlos und unsicher unterwegs, sondern auch der Gönner.

Ich brütete über einigen Notizen herum und lächelte fahl. Das Mädchen war nützlich. Es würde schon noch mehr zusammenkommen. Ein wenig mehr Übung vielleicht noch, auch wenn sie schon viel wusste. Was mir in Erinnerung rief, mit wem ich mich mal wieder befassen sollte.
Und ein vielleicht ein neues Glied in der Kette. Klug wäre, sie führte es so weiter. Je weiter verzweigt, desto besser, wenngleich auch größer die Gefahr wurde hintergangen zu werden. Wer allerdings Loyalitäten erwartete, musste entsprechend etwas vorweisen können.
Es blieb also abzuwarten, wie es sich entwickelte.
Einiges blieb wohl abzuwarten. Derweil ergänzte ich meine eigenen Vermerke und packte all das unter die lockere Bodenplatte im Keller, schob den Kübel darauf und war es zunächst mal zufrieden – halbwegs zumindest. Wenn ich es jemals zur Gänze sein sollte, wollte ich es mir rot vermerken.

Und wo war eigentlich meine Götter verdammte Schülerin?!
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