Auf der Suche nach dem Weg
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Yora Wikrah
Auf der Suche nach dem Weg
Ankunft
Die See war rau in der letzten Nacht vor der Ankunft auf Lameriast und ließ den tief liegenden Dreimaster auf den Wellen tanzen wie eine kleine Nussschale in einem etwas aufgewühlten Bach.
Der Kapitän hatte darauf bestanden, dass ich mich mit einem Tau sicherte. Ich tat es zu seiner Beruhigung. Seine Nerven lagen blank, das konnte ich erkennen und hören, wenngleich ich ihn auch nur teilweise verstand. Die Handelssprache war mir zwar geläufig, aber ich beherrschte sie nur unzureichend, so dass es dann und wann zu kuriosen Missverständnissen kam. Komisch eher für die anderen, aber das kümmerte mich nicht. Ich wollte den kräftigen Wind im Gesicht spüren und die Gischt, die an der Schiffswand hoch peitschte.
Eine Stunde stand ich da, hielt mich an der Reling und an einem der Taue fest, die die Segel hielten.
Der Kapitän hatte die größten einholen lassen, damit dem Schiff kein Mastbruch drohte. Als der Sturm seiner Wege zog, die See sich wieder beruhigte und sich in der Ferne die ersten Sonnenstrahlen zeigten, ließ er die Segel voll hissen und Fahrt aufnehmen.
Noch war die Insel nur eine entfernte Linie am Horizont, kaum auszumachen, aber da. Mein Herz begann schneller zu schlagen.
Es sollte noch bis zum frühen Abend dauern, bis die kleinen Schlepper das Schiff in den Hafen der Insel zogen und bis zum Einbruch der Dunkelheit, bis ich das Schiff voller Ungeduld verlassen konnte. Die Verabschiedung verlief recht knapp, aber dennoch herzlich.
Ein Stück weit irrte ich an der Küste entlang, genoss den Wind und sah auf das Meer hinaus. Wohin ich mich wenden sollte, wusste ich nicht. Ich ließ mich einfach treiben, vom Wind, von dem Gefühl Boden unter den Füßen zu haben und von den kleinen Lichtern, die am entfernten Waldrand hier und da lustig aufblinkten – Glühwürmchen.
Eine kleine Windböe trieb mich schließlich von der Küste fort. Noch ein letzter Blick auf die Brandung, dann betrat ich den Wald. Zwischen den tanzenden leuchtenden Punkten hindurch, mich weiter vom Wind lenken lassend, lief ich weiter. Eine kleine Lampe diente mir als Lichtspender, denn mittlerweile war es derart finster, dass ich die Hand nicht vor Augen sehen konnte.
Wenn ich weniger von den Wölfen verstanden hätte, wäre mir auf meinem Weg durch das Unterholz vermutlich angst und bange geworden. So aber lächelte ich nur, als sie mir folgten und teilweise auch voran liefen. Ich hielt die Tiere für ein gutes Omen.
[img]http://www.nationalgeographic.de/thumbnails/lightbox/57/13/01/wolfsrudel-11357.jpg[/img]
Irgendwann erreichte ich ihn, den Ort, wohin der Wind und die Wölfe mich führten und betrachtete die dicken Holzbohlen, sah hinauf, betrachtet das schwere Gittertor, den Apfelbaum, der nah bei stand und in bester Blüte stand, das was ich vom Innenhof sehen konnte. Ein kurzes Zögern noch, ich wusste ja nicht, was mich hier erwartete, und ich zog an der Glockenschnur.
Die See war rau in der letzten Nacht vor der Ankunft auf Lameriast und ließ den tief liegenden Dreimaster auf den Wellen tanzen wie eine kleine Nussschale in einem etwas aufgewühlten Bach.
Der Kapitän hatte darauf bestanden, dass ich mich mit einem Tau sicherte. Ich tat es zu seiner Beruhigung. Seine Nerven lagen blank, das konnte ich erkennen und hören, wenngleich ich ihn auch nur teilweise verstand. Die Handelssprache war mir zwar geläufig, aber ich beherrschte sie nur unzureichend, so dass es dann und wann zu kuriosen Missverständnissen kam. Komisch eher für die anderen, aber das kümmerte mich nicht. Ich wollte den kräftigen Wind im Gesicht spüren und die Gischt, die an der Schiffswand hoch peitschte.
Eine Stunde stand ich da, hielt mich an der Reling und an einem der Taue fest, die die Segel hielten.
Der Kapitän hatte die größten einholen lassen, damit dem Schiff kein Mastbruch drohte. Als der Sturm seiner Wege zog, die See sich wieder beruhigte und sich in der Ferne die ersten Sonnenstrahlen zeigten, ließ er die Segel voll hissen und Fahrt aufnehmen.
Noch war die Insel nur eine entfernte Linie am Horizont, kaum auszumachen, aber da. Mein Herz begann schneller zu schlagen.
Es sollte noch bis zum frühen Abend dauern, bis die kleinen Schlepper das Schiff in den Hafen der Insel zogen und bis zum Einbruch der Dunkelheit, bis ich das Schiff voller Ungeduld verlassen konnte. Die Verabschiedung verlief recht knapp, aber dennoch herzlich.
Ein Stück weit irrte ich an der Küste entlang, genoss den Wind und sah auf das Meer hinaus. Wohin ich mich wenden sollte, wusste ich nicht. Ich ließ mich einfach treiben, vom Wind, von dem Gefühl Boden unter den Füßen zu haben und von den kleinen Lichtern, die am entfernten Waldrand hier und da lustig aufblinkten – Glühwürmchen.
Eine kleine Windböe trieb mich schließlich von der Küste fort. Noch ein letzter Blick auf die Brandung, dann betrat ich den Wald. Zwischen den tanzenden leuchtenden Punkten hindurch, mich weiter vom Wind lenken lassend, lief ich weiter. Eine kleine Lampe diente mir als Lichtspender, denn mittlerweile war es derart finster, dass ich die Hand nicht vor Augen sehen konnte.
Wenn ich weniger von den Wölfen verstanden hätte, wäre mir auf meinem Weg durch das Unterholz vermutlich angst und bange geworden. So aber lächelte ich nur, als sie mir folgten und teilweise auch voran liefen. Ich hielt die Tiere für ein gutes Omen.
[img]http://www.nationalgeographic.de/thumbnails/lightbox/57/13/01/wolfsrudel-11357.jpg[/img]
Irgendwann erreichte ich ihn, den Ort, wohin der Wind und die Wölfe mich führten und betrachtete die dicken Holzbohlen, sah hinauf, betrachtet das schwere Gittertor, den Apfelbaum, der nah bei stand und in bester Blüte stand, das was ich vom Innenhof sehen konnte. Ein kurzes Zögern noch, ich wusste ja nicht, was mich hier erwartete, und ich zog an der Glockenschnur.
Zuletzt geändert von Yora Wikrah am Sonntag 26. Juni 2011, 15:34, insgesamt 1-mal geändert.
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Yora Wikrah
Wulfgard
Der Kerl, der öffnete, war noch ein Stück größer, als ich, wirkte recht stattlich und freundlich. In einem war ich mir sofort sicher, als ich die Kleidung an ihm sah: Ich hatte einen Thyren vor mir. Mein Herz tat einen Satz, die Erleichterung spülte über mich hinweg, und eine leise Unsicherheit folgte direkt hinterher.
Er führte mich über den Platz, den ich neugierig in Augenschein nahm. Es war ein wenig wie „nach Hause“ kommen, aber andererseits auch nicht. Vieles erinnerte an daheim, vieles aber war auch genauso ganz anders. So erging es mir auch, als ich die große Halle betrat. Die, die ich zurückgelassen hatte, war dagegen überschaubar klein gewesen.
[img]http://www.nachbildungen.ch/inhalt/wikingerhaus_gross3.jpg[/img]
Beeindruckt von der Größe folgte ich der Aufforderung mich zu setzen erst verspätet. Ich lernte einige der Bewohner hier kennen, beantwortete die Fragen so gut ich vermochte und störte mich nicht weiter an deren überraschten Blicke, als ich gestand, dass ich meinen Weg noch suchte, und weder Hand noch Schwert war, noch irgendetwas anderes.
Was mein Herzenswunsch war, wussten die Ahnen und die Geister, aber ich war nicht so dreist es auszusprechen. Indes wurde ich indirekt darüber aufgeklärt, dass Wulfgard sich über irgendetwas freute, was sagte man mir aber nicht. Es war so wie daheim. Nur viel größer.
Und einige mit dem gleichen Clannamen sollte es auch geben. Vielleicht war jemand dabei, den ich kannte, sagten sie.
Die Herzlichkeit, die Neugier und das Willkommen taten gut. Eine Suche hatte damit geendet, eine andere begann für mich gerade erst. Es war ein gutes Gefühl. Und obschon ich erschöpft und müde war, begleitete ich Björn noch nach Adoran zum Handelshaus.
Alles in allem war ich noch gar nicht fähig alles zu erfassen. Zu viele Eindrücke an einem Abend, oder vielmehr in einer Nacht. Trotzdem fühlte ich mich bereits aufgenommen. Als ich mich oben im Handelshaus auf die Felle legte, eingewickelt in den Umhang, den ich bekommen hatte, fiel es mir nicht schwer einzuschlafen.
Zwar war das nicht das Weiberzimmer, aber was machte das schon in der ersten Nacht. Ich war viel zu erschöpft, um den Weg zurück nach Wulfgard noch anzutreten. Wichtig war doch nur, dass es warm und sicher war. Und das war es, zumindest empfand ich so.
Der Kerl, der öffnete, war noch ein Stück größer, als ich, wirkte recht stattlich und freundlich. In einem war ich mir sofort sicher, als ich die Kleidung an ihm sah: Ich hatte einen Thyren vor mir. Mein Herz tat einen Satz, die Erleichterung spülte über mich hinweg, und eine leise Unsicherheit folgte direkt hinterher.
Er führte mich über den Platz, den ich neugierig in Augenschein nahm. Es war ein wenig wie „nach Hause“ kommen, aber andererseits auch nicht. Vieles erinnerte an daheim, vieles aber war auch genauso ganz anders. So erging es mir auch, als ich die große Halle betrat. Die, die ich zurückgelassen hatte, war dagegen überschaubar klein gewesen.
[img]http://www.nachbildungen.ch/inhalt/wikingerhaus_gross3.jpg[/img]
Beeindruckt von der Größe folgte ich der Aufforderung mich zu setzen erst verspätet. Ich lernte einige der Bewohner hier kennen, beantwortete die Fragen so gut ich vermochte und störte mich nicht weiter an deren überraschten Blicke, als ich gestand, dass ich meinen Weg noch suchte, und weder Hand noch Schwert war, noch irgendetwas anderes.
Was mein Herzenswunsch war, wussten die Ahnen und die Geister, aber ich war nicht so dreist es auszusprechen. Indes wurde ich indirekt darüber aufgeklärt, dass Wulfgard sich über irgendetwas freute, was sagte man mir aber nicht. Es war so wie daheim. Nur viel größer.
Und einige mit dem gleichen Clannamen sollte es auch geben. Vielleicht war jemand dabei, den ich kannte, sagten sie.
Die Herzlichkeit, die Neugier und das Willkommen taten gut. Eine Suche hatte damit geendet, eine andere begann für mich gerade erst. Es war ein gutes Gefühl. Und obschon ich erschöpft und müde war, begleitete ich Björn noch nach Adoran zum Handelshaus.
Alles in allem war ich noch gar nicht fähig alles zu erfassen. Zu viele Eindrücke an einem Abend, oder vielmehr in einer Nacht. Trotzdem fühlte ich mich bereits aufgenommen. Als ich mich oben im Handelshaus auf die Felle legte, eingewickelt in den Umhang, den ich bekommen hatte, fiel es mir nicht schwer einzuschlafen.
Zwar war das nicht das Weiberzimmer, aber was machte das schon in der ersten Nacht. Ich war viel zu erschöpft, um den Weg zurück nach Wulfgard noch anzutreten. Wichtig war doch nur, dass es warm und sicher war. Und das war es, zumindest empfand ich so.
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Yora Wikrah
Der erste Schritt
Ich genoss die Rundführung durch das Land rund um Wulfgard. Das Wetter war zwar sehr ungemütlich gewesen, viel Regen – schon wieder, ich war doch schon auf der Rückreise von Adoran so nass geworden – aber es gab so viel zu sehen und zu entdecken, dass ich mich kaum satt sehen konnte.
Und zu allem hatte Lidwina etwas zu erzählen. Das war für mich allemal interessanter, als mich über zugenähte Ärmel zu unterhalten. Es war eben etwas für meine unbändige Neugier – und es gab hier noch so unendlich viel, was diese fütterte und befriedigte, sie neu entfachte und wieder mit Nahrung sättigte.
Es war spannend, neu, damit auch aufregend und ich konnte es kaum erwarten noch mehr zu sehen. Überwältigend war der letzte Ort, den sie mir zeigte. Danach wollte ich erst einmal nachdenken, denn was ich da erfahren hatte, wühlte mich zunehmend auf und ließ mir keine Ruhe.
Eine Weile lang war ich noch allein durch die Gegend geritten und hatte mir dieses und jenes noch einmal in Ruhe angesehen, und nutzte die Zeit, um über das Gesehene und Gehörte nachzudenken. Zu guter Letzt kehrte ich nach Wulfgard zurück und brachte Wölfchen trocken unter, gönnte ihm etwas Hafer für die treuen Dienste.
Leise stahl ich mich hernach ins Weiberzimmer, suchte mir wärmere und trockene Kleider aus der Truhe heraus, zog mich ebenso leise um und huschte wieder hinaus. Einmal mehr nahm ich meine Lampe mit und entzündet sie draußen, um niemanden zu wecken durch das Licht. So schnell wie ich zurückgekehrt war, verließ ich Wulfgard auch wieder und wandte mich gen Südosten und wanderte durch die stille Dunkelheit. Es regnete schon wieder. Dieses Mal kümmerte es mich aber nicht. Ich hatte mir einige Felle übergeworfen, ebenso die Fellmütze und zog sie an der Wolfsschnauze nur ein Stückchen nach vorn, fühlte mich dadurch gänzlich vor der Nässe geschützt.
Vor dem Eingang zum Hain zögerte ich. Nicht einmal wegen der wachenden Wölfe, die dahinter warteten, sondern weil ich nun wusste, welche Empfindungen über mich hereinbrechen würden. Es war keine unangenehme oder erschreckende Erfahrung gewesen. Vielmehr war es derart überwältigend, dass ich mich davon überfordert fühlte, und ich scheute mich davor, weil es so groß, so Ehrfurcht gebietend war.
Nach mehrmaligem Durchatmen gab ich mir einen Ruck und trat „ein“. Die Wölfe wichen zur Seite, ließen mich unbehelligt durch und die Empfindungen, die mich überspülten ließen mich nach wenigen Schritten schon wieder verharren. Wieder benötigte ich einige Zeit, um mich daran zu gewöhnen, bevor ich zielstrebig den Weg gen Quelle einschlug, an dieser vorbei ging zuerst zu den Kaltblütern.
[img]http://www.friesenpferde.com/Bilder/Tsjerk-1.JPG[/img]
Ich setzte mich etwas abseits ins Gras und begnügte mich damit die Tiere zu beobachten, ob nun beim Schlafen oder beim Grasen. Derweil dachte ich über das nach, was ich gehört hatte, was ich hier fühlen konnte, was das für meinen Weg bedeutete und was vielleicht auf mich zukam, obwohl ich nicht wirklich eine Vorstellung davon hatte.
War es tatsächlich so einfach?
War das wirklich mein Weg?
Ich genoss die Rundführung durch das Land rund um Wulfgard. Das Wetter war zwar sehr ungemütlich gewesen, viel Regen – schon wieder, ich war doch schon auf der Rückreise von Adoran so nass geworden – aber es gab so viel zu sehen und zu entdecken, dass ich mich kaum satt sehen konnte.
Und zu allem hatte Lidwina etwas zu erzählen. Das war für mich allemal interessanter, als mich über zugenähte Ärmel zu unterhalten. Es war eben etwas für meine unbändige Neugier – und es gab hier noch so unendlich viel, was diese fütterte und befriedigte, sie neu entfachte und wieder mit Nahrung sättigte.
Es war spannend, neu, damit auch aufregend und ich konnte es kaum erwarten noch mehr zu sehen. Überwältigend war der letzte Ort, den sie mir zeigte. Danach wollte ich erst einmal nachdenken, denn was ich da erfahren hatte, wühlte mich zunehmend auf und ließ mir keine Ruhe.
Eine Weile lang war ich noch allein durch die Gegend geritten und hatte mir dieses und jenes noch einmal in Ruhe angesehen, und nutzte die Zeit, um über das Gesehene und Gehörte nachzudenken. Zu guter Letzt kehrte ich nach Wulfgard zurück und brachte Wölfchen trocken unter, gönnte ihm etwas Hafer für die treuen Dienste.
Leise stahl ich mich hernach ins Weiberzimmer, suchte mir wärmere und trockene Kleider aus der Truhe heraus, zog mich ebenso leise um und huschte wieder hinaus. Einmal mehr nahm ich meine Lampe mit und entzündet sie draußen, um niemanden zu wecken durch das Licht. So schnell wie ich zurückgekehrt war, verließ ich Wulfgard auch wieder und wandte mich gen Südosten und wanderte durch die stille Dunkelheit. Es regnete schon wieder. Dieses Mal kümmerte es mich aber nicht. Ich hatte mir einige Felle übergeworfen, ebenso die Fellmütze und zog sie an der Wolfsschnauze nur ein Stückchen nach vorn, fühlte mich dadurch gänzlich vor der Nässe geschützt.
Vor dem Eingang zum Hain zögerte ich. Nicht einmal wegen der wachenden Wölfe, die dahinter warteten, sondern weil ich nun wusste, welche Empfindungen über mich hereinbrechen würden. Es war keine unangenehme oder erschreckende Erfahrung gewesen. Vielmehr war es derart überwältigend, dass ich mich davon überfordert fühlte, und ich scheute mich davor, weil es so groß, so Ehrfurcht gebietend war.
Nach mehrmaligem Durchatmen gab ich mir einen Ruck und trat „ein“. Die Wölfe wichen zur Seite, ließen mich unbehelligt durch und die Empfindungen, die mich überspülten ließen mich nach wenigen Schritten schon wieder verharren. Wieder benötigte ich einige Zeit, um mich daran zu gewöhnen, bevor ich zielstrebig den Weg gen Quelle einschlug, an dieser vorbei ging zuerst zu den Kaltblütern.
[img]http://www.friesenpferde.com/Bilder/Tsjerk-1.JPG[/img]
Ich setzte mich etwas abseits ins Gras und begnügte mich damit die Tiere zu beobachten, ob nun beim Schlafen oder beim Grasen. Derweil dachte ich über das nach, was ich gehört hatte, was ich hier fühlen konnte, was das für meinen Weg bedeutete und was vielleicht auf mich zukam, obwohl ich nicht wirklich eine Vorstellung davon hatte.
War es tatsächlich so einfach?
War das wirklich mein Weg?
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Yora Wikrah
Die Nacht
Dunkelheit umfing mich und trug mich fort.
Egal, wohin ich mich wandte, ich sah nichts als Schwärze. Von fern hörte ich das Rauschen der Schwingen und ein Krächzen. Ich war unsicher, und doch wusste ich irgendwie, was von mir erwartet wurde. Also lief ich los.
Sieh nicht zurück, lauf nur nach vorn.
Genau das tat ich, geradewegs auf Wolf zu. Die Dunkelheit wich, zeigte schwache Schemen und Konturen, und schließlich stand er vor mir, die Lefzen hochgezogen, riesengroß und bedrohlich. Ich knurrte. Er antwortete, und wenig später griff er an. Anstatt davonzulaufen, stellte ich mich dem, auch wenn die Angst fast übermächtig zu werden drohte.
[img]http://tanja-askani.de/daten/malerei_wolf_rabe.jpg[/img]
Ich hörte die Knochen brechen, spürte es sogar für einen Augenblick, dann setzte der Schock ein. Flucht war der Gedanke. Irgendwie riss ich mich los, und lief, hinkte und humpelte voran, gab es dann doch wieder auf und stellte mich erneut. Erst da ließ Wolf von mir ab, und sprach von Mut, den ich in Zukunft brauchen würde. Danach umfing mich wieder die Dunkelheit.
Ich humpelte weiter und verdrängte den Schmerz. Es dauerte nicht lange und in einiger Entfernung sah ich erneute Schemen, die sich zu Konturen zusammensetzten.
Bär, der sich auf die Hinterläufe stellte. Instinktiv machte ich mich klein.
Im Gegensatz zu Wolf kam er aber friedlich auf mich zu, hob nur eine Pranke. Nach kurzem Zögern legte ich meine Hand vertrauensvoll darauf. Wieder hörte und spürte ich die Knochen, wie sie knackten, als sie an die richtige Position gebracht wurden wie von Geisterhand. Heilung.
[img]http://www.planet-wissen.de/natur_technik/wildtiere/wildtiere_deutschland/img/intro_wildtiereid_baer_g.jpg[/img]
Er sprach von Vertrauen. Wir trennten uns voller Respekt füreinander. Das Rauschen der Schwingen begleitete mich auch jetzt weiter voran.
Der Jarl. Der Hirsch. Er sah mir entgegen, die Augen waren Vergangenheit und Zukunft. Er fragte, was ich von ihm mit auf den Weg bekommen würde. Gewiss hätte ich es wissen müssen. Wina hatte doch davon erzählt. Aber ich war viel zu aufgewühlt, viel zu durcheinander. Und entfernt hörte ich gelegentlich auch eine Stimme, die ich nicht zuzuordnen vermochte, oder war es eine Melodie, die mir irgendetwas flüstern wollte?
Ich war mir nicht sicher.
[img]http://daten.ws-mack.de/Freigabe/Pretty-Heaters/Kategorie-Eingabe/Bilder/Dateien/Kat17/120_F0.jpg[/img]
Hirsch sprach von der Gabe zu sehen und zu hören. Natürlich, der Jarl war der Seher.
Sie hatte es doch gesagt. Ob er mir das übel nahm? Nein, das tat er nicht. Auch wir trennten uns in vollem Respekt – und ich hatte das Gefühl im Einklang miteinander. Sonderbar.
Und dann zeigte Rabe mir die anderen Welten. Eine von Feuer, eine voll Wind, die nächste voller Erde, dann das Wasser.. die Tafel, Helheim, Anundraf. Völlig überfordert und überwältig blieb ich stehen, vergaß zu gehen. Rabe nahm mich in seine Obhut. Wina. Ich hörte die noch fremden Klänge wieder. Instinktiv musste ich folgen und kehrte in die Nacht zurück, den Welten den Rücken.
Dann wachte ich auf.
Dunkelheit umfing mich und trug mich fort.
Egal, wohin ich mich wandte, ich sah nichts als Schwärze. Von fern hörte ich das Rauschen der Schwingen und ein Krächzen. Ich war unsicher, und doch wusste ich irgendwie, was von mir erwartet wurde. Also lief ich los.
Sieh nicht zurück, lauf nur nach vorn.
Genau das tat ich, geradewegs auf Wolf zu. Die Dunkelheit wich, zeigte schwache Schemen und Konturen, und schließlich stand er vor mir, die Lefzen hochgezogen, riesengroß und bedrohlich. Ich knurrte. Er antwortete, und wenig später griff er an. Anstatt davonzulaufen, stellte ich mich dem, auch wenn die Angst fast übermächtig zu werden drohte.
[img]http://tanja-askani.de/daten/malerei_wolf_rabe.jpg[/img]
Ich hörte die Knochen brechen, spürte es sogar für einen Augenblick, dann setzte der Schock ein. Flucht war der Gedanke. Irgendwie riss ich mich los, und lief, hinkte und humpelte voran, gab es dann doch wieder auf und stellte mich erneut. Erst da ließ Wolf von mir ab, und sprach von Mut, den ich in Zukunft brauchen würde. Danach umfing mich wieder die Dunkelheit.
Ich humpelte weiter und verdrängte den Schmerz. Es dauerte nicht lange und in einiger Entfernung sah ich erneute Schemen, die sich zu Konturen zusammensetzten.
Bär, der sich auf die Hinterläufe stellte. Instinktiv machte ich mich klein.
Im Gegensatz zu Wolf kam er aber friedlich auf mich zu, hob nur eine Pranke. Nach kurzem Zögern legte ich meine Hand vertrauensvoll darauf. Wieder hörte und spürte ich die Knochen, wie sie knackten, als sie an die richtige Position gebracht wurden wie von Geisterhand. Heilung.
[img]http://www.planet-wissen.de/natur_technik/wildtiere/wildtiere_deutschland/img/intro_wildtiereid_baer_g.jpg[/img]
Er sprach von Vertrauen. Wir trennten uns voller Respekt füreinander. Das Rauschen der Schwingen begleitete mich auch jetzt weiter voran.
Der Jarl. Der Hirsch. Er sah mir entgegen, die Augen waren Vergangenheit und Zukunft. Er fragte, was ich von ihm mit auf den Weg bekommen würde. Gewiss hätte ich es wissen müssen. Wina hatte doch davon erzählt. Aber ich war viel zu aufgewühlt, viel zu durcheinander. Und entfernt hörte ich gelegentlich auch eine Stimme, die ich nicht zuzuordnen vermochte, oder war es eine Melodie, die mir irgendetwas flüstern wollte?
Ich war mir nicht sicher.
[img]http://daten.ws-mack.de/Freigabe/Pretty-Heaters/Kategorie-Eingabe/Bilder/Dateien/Kat17/120_F0.jpg[/img]
Hirsch sprach von der Gabe zu sehen und zu hören. Natürlich, der Jarl war der Seher.
Sie hatte es doch gesagt. Ob er mir das übel nahm? Nein, das tat er nicht. Auch wir trennten uns in vollem Respekt – und ich hatte das Gefühl im Einklang miteinander. Sonderbar.
Und dann zeigte Rabe mir die anderen Welten. Eine von Feuer, eine voll Wind, die nächste voller Erde, dann das Wasser.. die Tafel, Helheim, Anundraf. Völlig überfordert und überwältig blieb ich stehen, vergaß zu gehen. Rabe nahm mich in seine Obhut. Wina. Ich hörte die noch fremden Klänge wieder. Instinktiv musste ich folgen und kehrte in die Nacht zurück, den Welten den Rücken.
Dann wachte ich auf.
Zuletzt geändert von Yora Wikrah am Dienstag 24. Mai 2011, 12:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Yora Wikrah
Lernen, lernen und nochmals lernen
Mit den Geistern reden, das an sich war schon eine Herausforderung. Das war nämlich leichter gesagt, als getan! Nachdem ich Stunde um Stunde im Hain gesessen hatte, um mich zu sammeln, die Ruhe in mir zu finden, mich zu konzentrieren und dann zu lauschen, war mir vieles aufgefallen. Sehr vieles, das mir noch fremd war, einiges, was mich gänzlich aufwühlte und durcheinander brachte. Durcheinander genug, dass plötzlich doch nichts mehr zu hören war, außer die üblichen Geräusche des Hains eben.
Verzwickt. Also nochmal. Und nochmal. Noch einmal! Versuch um Versuch. Dann überkam mich eine andere Idee. Die Waldgeister! Wina hatte mir schließlich nicht gesagt, mit welchen Geistern ich mich befassen sollte. Warum also nicht die Waldgeister?
Manchmal blitzten sie zwischen den Bäumen am Hain auf, verschwanden wieder, waren da, fort, da und fort. Also stellte ich mich inmitten der Bäume und wartete, hielt Ausschau und begann irgendwann damit auf diese einzuplappern. Das Resultat daraus war nicht ohne, fand ich. Sie boten mir an, mich nach Adoran zu bringen und ich wurde neugierig. Sehr neugierig – vielleicht zu neugierig, denn als ich einwilligte, veränderte sich plötzlich alles. Das Lied, etwas bewegte sich darin, dehnte sich, wie ein etwas länger gezogener Ton in einem trotzdem harmonisch klingendem Stück, und ich bekam das Gefühl, dass meine Wahrnehmung mir Streiche spielte. Es war nicht lange so, nur in etwa so, als hätte ich einen Schritt von hier nach dort getan. Dort war allerdings ganz bestimmt nicht Adoran! Nicht mal ansatzweise! Diese kleinen gemeinen Schabernack treibenden Geister!
Eine Weile lang irrte ich ziemlich planlos umher, bis ich an ein umranktes grünes Holzhaus kam, wo eine junge Frau draußen an einem Kessel herumhantierte. Mein Glück war, dass sie mir und den meinen wohlgesonnen war. Es gab sogar Met! Ein Traum, wirklich! Und trotzdem verwünschte ich die Waldgeister im Stillen für ihren Streich. Was war mir das unangenehm! Vor allem, weil ich erst einmal den Weg erfragen musste nach Adoran, um überhaupt wieder nach Wulfgard zurückzufinden.
Aber meine Lehre zog ich daraus dennoch: Trau schau wem!
Einige Tage später saß ich auf meinen Fellen im Weiberzimmer, vor mir einige Schnipsel, auf denen Runen aufgemalt waren. Es galt eine Wahl zu treffen für irgend so eine Scheibe, die einem der Sumpfweiber wichtig war. So ganz hatte ich das nicht verstanden, aber das konnte ich auch noch am nächsten Tag erfragen. In der Halle war es so bunt zugegangen, weil die anderen aufbrechen wollten nach Varuna, dass ich dazu gar nicht mehr wirklich gekommen war. Ich wusste nur, dass es etwas ähnliches sein sollte, wie eine Opferschale. Wina hatte schon Recht, wie man mit einer Scheibe allerdings das Opferblut auffangen wollte, leuchtete auch mir nicht ein. Vielleicht sollte ich diese Maja mal fragen, wenn ich sie überhaupt mal treffen und kennenlernen sollte.
[img]http://www.wurzelfrau.de/blog/images/runenstaebe.jpg[/img]
Nun stand ich vor der Aufgabe die richtigen Runen auszusuchen. Gar nicht so einfach, zumal mir der Kopf von den ganzen Bedeutungen schwirrte, und ich wirklich sehr konzentriert nachdenken musste, um nichts zu übersehen und zu vergessen.
Ich fing an mit der Rune für die Erdverbundenheit und die Balance: Inguz.
Der Schnipsel wanderte auf die provisorische Scheibe aus Holz in dessen Mitte. Die, die verbindet eben. Und die Verbindung sollte in der Mitte liegen, dacht ich bei mir.
In den Osten legte ich die Rune Isa für Geduld und Ruhe, der Norden bekam nach längerem Überlegen die Rune Kenaz, für die Inspiration, Kreativität und Erleuchtung, der Westen wurde mit Berkana versehen, für Wachstum und Klarheit und in den Süden packte ich zu guter Letzt die Rune Nauthiz für die Verantwortung und die Selbsthingabe.
Immer wieder irrte mein Blick über die ganzen Schnipsel. Ich konnte mir ein Schnaufen nicht verkneifen darob. Es hätten noch so viele andere gut gepasst und ich war mir Anfangs überhaupt nicht sicher, ob ich die richtige Wahl getroffen hatte. Nicht nur allein deshalb, weil ich diese Maja überhaupt nicht kannte. Woher sollte ich denn wissen, was zu ihr passt? Und das sollte es doch, wenn es ein Ding war, das für sie gemacht sein sollte, oder etwa nicht? Aber es sollte auch zur Erde passen und ich hockte da und fragte mich, ob ich die Aufgabe überhaupt anständig gelöst hatte. Angestrengt rieb ich mit beiden Händen über mein Gesicht. Einmal mehr führte ich mir die Augen, wie ich die Erde selber sah.
Eigentlich fehlte die laute und grobe Seite der Erde im Ganzen. Aber es sollte ja auch helfen, und ich war mir nicht sicher, ob die Seite wirklich helfen würde. Ich legte alles sorgfältig zur Seite, räumte es zusammen und verließ die Kammer, um den Wind um meine Nase wehen zu lassen. Vielleicht flüsterte sie mir ja was ins Ohr, die Dame im Wind.
Dazu machte ich mir ehrliche Sorgen um die, die nach Varuna gegangen waren. Vielleicht hätte ich doch mitgehen sollen? Aber es gab auch hier noch so viel zu tun! Und eine große Hilfe wäre ich bestimmt noch nicht gewesen.
Nein, ich traf eine ganz andere Entscheidung. Ich ließ die Aufgabe erst einmal ruhen und ging in Richtung Hain. Ein paar Knochen würden sich dort bestimmt finden, die geeignet waren, daraus eigene Runen zu fertigen. Die wollten ohnehin erst einmal zusammengesammelt werden und vor allem sorgfältig ausgesucht sein. Steine wollte ich keine nehmen. Sicherlich wäre die Wahl auch nicht verkehrt gewesen, aber Knochen schienen mir besser, geeigneter, nur ein Gefühl, das ich nicht hätte begründen können.
Zur Ruhe käme ich derzeit ohnehin nicht, ganz im Gegenteil. Ich war unruhig, sehr unruhig und es war besser den Geist zu beschäftigen, als untätig herumzusitzen.
Mit den Geistern reden, das an sich war schon eine Herausforderung. Das war nämlich leichter gesagt, als getan! Nachdem ich Stunde um Stunde im Hain gesessen hatte, um mich zu sammeln, die Ruhe in mir zu finden, mich zu konzentrieren und dann zu lauschen, war mir vieles aufgefallen. Sehr vieles, das mir noch fremd war, einiges, was mich gänzlich aufwühlte und durcheinander brachte. Durcheinander genug, dass plötzlich doch nichts mehr zu hören war, außer die üblichen Geräusche des Hains eben.
Verzwickt. Also nochmal. Und nochmal. Noch einmal! Versuch um Versuch. Dann überkam mich eine andere Idee. Die Waldgeister! Wina hatte mir schließlich nicht gesagt, mit welchen Geistern ich mich befassen sollte. Warum also nicht die Waldgeister?
Manchmal blitzten sie zwischen den Bäumen am Hain auf, verschwanden wieder, waren da, fort, da und fort. Also stellte ich mich inmitten der Bäume und wartete, hielt Ausschau und begann irgendwann damit auf diese einzuplappern. Das Resultat daraus war nicht ohne, fand ich. Sie boten mir an, mich nach Adoran zu bringen und ich wurde neugierig. Sehr neugierig – vielleicht zu neugierig, denn als ich einwilligte, veränderte sich plötzlich alles. Das Lied, etwas bewegte sich darin, dehnte sich, wie ein etwas länger gezogener Ton in einem trotzdem harmonisch klingendem Stück, und ich bekam das Gefühl, dass meine Wahrnehmung mir Streiche spielte. Es war nicht lange so, nur in etwa so, als hätte ich einen Schritt von hier nach dort getan. Dort war allerdings ganz bestimmt nicht Adoran! Nicht mal ansatzweise! Diese kleinen gemeinen Schabernack treibenden Geister!
Eine Weile lang irrte ich ziemlich planlos umher, bis ich an ein umranktes grünes Holzhaus kam, wo eine junge Frau draußen an einem Kessel herumhantierte. Mein Glück war, dass sie mir und den meinen wohlgesonnen war. Es gab sogar Met! Ein Traum, wirklich! Und trotzdem verwünschte ich die Waldgeister im Stillen für ihren Streich. Was war mir das unangenehm! Vor allem, weil ich erst einmal den Weg erfragen musste nach Adoran, um überhaupt wieder nach Wulfgard zurückzufinden.
Aber meine Lehre zog ich daraus dennoch: Trau schau wem!
Einige Tage später saß ich auf meinen Fellen im Weiberzimmer, vor mir einige Schnipsel, auf denen Runen aufgemalt waren. Es galt eine Wahl zu treffen für irgend so eine Scheibe, die einem der Sumpfweiber wichtig war. So ganz hatte ich das nicht verstanden, aber das konnte ich auch noch am nächsten Tag erfragen. In der Halle war es so bunt zugegangen, weil die anderen aufbrechen wollten nach Varuna, dass ich dazu gar nicht mehr wirklich gekommen war. Ich wusste nur, dass es etwas ähnliches sein sollte, wie eine Opferschale. Wina hatte schon Recht, wie man mit einer Scheibe allerdings das Opferblut auffangen wollte, leuchtete auch mir nicht ein. Vielleicht sollte ich diese Maja mal fragen, wenn ich sie überhaupt mal treffen und kennenlernen sollte.
[img]http://www.wurzelfrau.de/blog/images/runenstaebe.jpg[/img]
Nun stand ich vor der Aufgabe die richtigen Runen auszusuchen. Gar nicht so einfach, zumal mir der Kopf von den ganzen Bedeutungen schwirrte, und ich wirklich sehr konzentriert nachdenken musste, um nichts zu übersehen und zu vergessen.
Ich fing an mit der Rune für die Erdverbundenheit und die Balance: Inguz.
Der Schnipsel wanderte auf die provisorische Scheibe aus Holz in dessen Mitte. Die, die verbindet eben. Und die Verbindung sollte in der Mitte liegen, dacht ich bei mir.
In den Osten legte ich die Rune Isa für Geduld und Ruhe, der Norden bekam nach längerem Überlegen die Rune Kenaz, für die Inspiration, Kreativität und Erleuchtung, der Westen wurde mit Berkana versehen, für Wachstum und Klarheit und in den Süden packte ich zu guter Letzt die Rune Nauthiz für die Verantwortung und die Selbsthingabe.
Immer wieder irrte mein Blick über die ganzen Schnipsel. Ich konnte mir ein Schnaufen nicht verkneifen darob. Es hätten noch so viele andere gut gepasst und ich war mir Anfangs überhaupt nicht sicher, ob ich die richtige Wahl getroffen hatte. Nicht nur allein deshalb, weil ich diese Maja überhaupt nicht kannte. Woher sollte ich denn wissen, was zu ihr passt? Und das sollte es doch, wenn es ein Ding war, das für sie gemacht sein sollte, oder etwa nicht? Aber es sollte auch zur Erde passen und ich hockte da und fragte mich, ob ich die Aufgabe überhaupt anständig gelöst hatte. Angestrengt rieb ich mit beiden Händen über mein Gesicht. Einmal mehr führte ich mir die Augen, wie ich die Erde selber sah.
Eigentlich fehlte die laute und grobe Seite der Erde im Ganzen. Aber es sollte ja auch helfen, und ich war mir nicht sicher, ob die Seite wirklich helfen würde. Ich legte alles sorgfältig zur Seite, räumte es zusammen und verließ die Kammer, um den Wind um meine Nase wehen zu lassen. Vielleicht flüsterte sie mir ja was ins Ohr, die Dame im Wind.
Dazu machte ich mir ehrliche Sorgen um die, die nach Varuna gegangen waren. Vielleicht hätte ich doch mitgehen sollen? Aber es gab auch hier noch so viel zu tun! Und eine große Hilfe wäre ich bestimmt noch nicht gewesen.
Nein, ich traf eine ganz andere Entscheidung. Ich ließ die Aufgabe erst einmal ruhen und ging in Richtung Hain. Ein paar Knochen würden sich dort bestimmt finden, die geeignet waren, daraus eigene Runen zu fertigen. Die wollten ohnehin erst einmal zusammengesammelt werden und vor allem sorgfältig ausgesucht sein. Steine wollte ich keine nehmen. Sicherlich wäre die Wahl auch nicht verkehrt gewesen, aber Knochen schienen mir besser, geeigneter, nur ein Gefühl, das ich nicht hätte begründen können.
Zur Ruhe käme ich derzeit ohnehin nicht, ganz im Gegenteil. Ich war unruhig, sehr unruhig und es war besser den Geist zu beschäftigen, als untätig herumzusitzen.
Zuletzt geändert von Yora Wikrah am Sonntag 26. Juni 2011, 15:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Yora Wikrah
Vom Alten im Berg und Wasserpfützen
Die Runen waren fast gut gewesen. Aber nur fast. Nauthiz hatten wir letztlich gegen Teiwaz ausgetauscht. Das war auch besser so! Da hatte ich doch glatt die Selbsthingabe in die falsche Rune gepackt! So was Dummes aber auch. Ich bekam also meine neuen Aufgaben zum Lernen und stöhnte innerlich auf. Natürlich wollte ich das alles lernen, aber es war so viel auf einmal!
Einerlei, wir hatten erst noch anderes zu tun, die Wina und ich. Wir gingen nach der Wahl des Materials nämlich zur Mine. Nicht, dass ich große Lust dazu verspürte in den Steinen herum zu bröckeln, um ein paar Erze zu finden, die Tugolf hinterher zu der Scheibe mit den Runen darin verarbeiten konnte, aber es war ja nichts zu machen. Schummeln durfte ich nicht, und ein bisschen was von Björns Vorräten abzwacken.
Also blieb nichts anderes als mich umzuziehen, die Spitzhacke zu nehmen, ein paar Krüge Met und Äpfel, unterwegs sammelte ich noch einige Kirschen ein und Wina und ich machten uns auf den Weg.
[img]http://images3.wikia.nocookie.net/__cb20071018061813/uncyclopedia/images/2/2c/Grotte.jpg[/img]
Nichts, aber wirklich gar nichts hatte mich darauf vorbereitet, was in der Mine geschehen sollte. Wina nicht, alles, was ich bis hierher gelernt hatte nicht, meine Vorahnung nicht, gar nichts! Ich hätt mir fast in die Hosen gepinkelt, so erschrak ich darinnen.
Nicht wegen der Höhle an sich. Die war dunkel, eng und gefiel mir überhaupt nicht. Aber erschreckend fand ich das nicht. Es war der Alte im Berg, der das geschafft hatte. Ich legte die Gaben aus, bat darum mir ein wenig Erz holen zu dürfen und dann passierte es: Der Berg, so schien es im ersten Moment, begann ein und auszuatmen, ganz langgezogen und irgendwie angestrengt. Vermutlich lag das aber eher daran, dass der Alte im Berg urgewaltig groß war. Denn ich sah, ja, was sah ich denn? Ich sah ihn, aber auch irgendwie nicht, so groß war er. Er fragte, wofür ich die Erze brauchte und diese Frage, das war ein mächtiges Rumpeln durch den ganzen Körper und genau dabei hätte ich fast gepinkelt vor Schreck.
Ich brauchte einige Momente, um mich zu sammeln, bevor ich die Erklärung dafür geben konnte, aber wenigstens stellte ich stolz fest, dass ich nicht stammelte wie ein dummes Ding, das nicht wusste, wovon es sprach. Es war ein gutes Gefühl die Zustimmung zu erhalten, es war gut zu wissen, dass es deshalb geschah, weil ich nicht aus Eigennutz gekommen war und es war gut zu wissen, dass es ein ausgewogenes Geben und Neben sein würde.
Der Alte im Berg nahm die Gaben an und ich machte mich an die Arbeit, den Bogen mit der Spitzhacke zu bearbeiten. Das Funkeln, das sich weiter hinten in der Höhle plötzlich zeigte, entging mir.
Was mir vorher aber nicht entgangen war, war der vorwitzige kleine Kobold, der sich die Kirschen einheimste, die der Alte im Berg nicht haben wollte. Wie war sein Name noch gleich? Bambelbi? Bambalu? Bambudeja? Ich gab es auf mir den Namen merken zu wollen. Irgendwie wollte er einfach nicht in meinem Kopf drin bleiben.
Ich spürte das Amüsement des Alten und als er Wina fragte, wie lang sie mich noch an der Nase herum führen wollte, dämmerte mir, dass ich nicht einmal hätte die Spitzhacke benutzen müssen. Das ärgerte mich ungemein und ich versprach ihr mal was zu kochen. Die Drohung, dass ich es so oft kochen müsste, bis es schmeckte, ließ mich aber von der Idee ganz schnell Abstand nehmen. Uh, lieber nicht. Dann hätte ich noch viel mehr zu tun und ich kam jetzt schon in Schwierigkeiten mit dem Putzen, Üben, Lernen und all dem.
Nur wenig später entdeckte ich das Funkeln und ging neugierig darauf zu, schob mit den Händen das Geröll zur Seite und fand Silbererze. Silber also! Ich nahm nur so viele Brocken, wie ich glaubte, dass sie benötigt würden. Die übrigen ließ ich zurück. Wieder war da das tiefe Empfinden von Wohlwollen.
Auch wenn hier ein wenig Schabernack mit mir getrieben worden war und ich mich fürchterlich erschreckt hatte, am Ende war ich sehr verstaubt und rundum zufrieden mit diesem kleinen Teilerfolg. Aber irgendwas sagte mir, dass das Schwierigste noch kommen sollte. Nicht unbedingt heute, aber sehr bald. Nämlich die Scheibe und sie fertigen und all das.
Dieses Mal trog meine Vorahnung mich auch nicht. Denn kaum, dass ich die Sachen fortgebracht hatte, zur Verwahrung in meine Kiste im Weiberzimmer, und zum Hain ging, um mich dort mit Wina zu treffen, fragte sie, ob ich dem Sumpfweib nicht helfen wollte, die Scheibe für sie fertig zu stellen. Ich hatte keinerlei Vorstellung davon, was ich da zu tun haben würde, aber ich willigte dennoch ein, stolz darauf, dass sie es mir sogar allein überlassen wollte (fast, Tugolf würde ja auch dabei sein und das Weib auch), wenn sie die Zeit dafür selber nicht fand. Zuvor aber war ihr noch wichtig, den Umgang mit den Geistern zu üben und mit den Klängen im Lied. Sie erklärte ein wenig was dazu und ich sollte danach versuchen den kleinen Pilz zu bewässern.
Einen Moment lang sah ich das kleine Gewächs nachdenklich an, schloss dann die Augen und begann. Wie hätte es anders sein können – und ich ahnte schon vorher, dass mir ein Missgeschick passieren würde: Nachdem ich mich erst nach einer Weile vorwagte, die Klänge drückte, schob und zog, ganz vorsichtig um ja nichts kaputt zu machen, gelang es mir auch sie zu lenken und zu führen, allerdings nicht mit dem Resultat, das ich an sich erreichen wollte, was mir einen tobenden kleinen Geist einbrachte, der auf seinem Pilz hockte und mich erbost anstarrte. Prächtig. Der Pilz, er stand nicht mehr so schön gerade gewachsen, wie vorher, sondern sehr windschief, weil er sich auf einem kleinen Erdhügelchen, der sich angehoben hatte, als hätte ein Maulwurf darunter herumgegraben.
Nervös versuchte ich mein Missgeschick wieder in Ordnung zu bringen und nach einigem Mühen und hin und her gelang es mir sogar. Beim zweiten Versuch dem Pilz etwas Wasser zu gönnen, gelang es mir schließlich. Dieses Mal war der richtige Klang für die Wassergeister auch viel besser zu finden, so fand ich. Dass Wina ein wenig nachhalf, das entging mir mal wieder zur Gänze.
Natürlich hatte ich damit wieder etwas zum Üben bekommen. Und das sollte ich allem anderen wohl vorziehen, wenn diese komische Scheibe gelingen sollte. Ich fragte mich noch immer, wie man eine Opferschale als Scheibe fertigen konnte. Was taugte das schon? Aber letztlich musste ich damit ja nicht zurechtkommen.
Bevor ich viel später, und nachdem ich das Weib auch endlich kennengelernt hatte, in die Felle huschte, lief ich noch einmal zum Hain und brachte dem kleinen armen Geist, den ich so sehr geärgert hatte, noch etwas zum Naschen, entschuldigte mich leise nochmal und kehrte erst dann zurück ins Weiberzimmer, wo ich mich hinsetzte, müde wie ich war, und wenigstens fünf der Runen rausfischte aus meinen Schnipseln und den Stein, meine erste Rune, legte ich mit dazu. Jera! Belohnung! Es war mir das größte Geschenk, neben Winas Vertrauen die Aufgabe bewältigen zu können, die ich heute erhalten hatte. Und ich war mächtig stolz darauf.
Behutsam strich ich über den Stein mit der eingeprägten Rune und zog die Linien langsam nach.
[img]http://www.walknut.net/images/product_images/info_images/100612.jpg[/img]
Belohnung
Fortschritt
Bewegung
Produktivität
Wechsel
Alle Eigenschaften hatten sich im heutigen Tag wiedergefunden. Keine andere Rune wäre treffender gewesen.
Die Runen waren fast gut gewesen. Aber nur fast. Nauthiz hatten wir letztlich gegen Teiwaz ausgetauscht. Das war auch besser so! Da hatte ich doch glatt die Selbsthingabe in die falsche Rune gepackt! So was Dummes aber auch. Ich bekam also meine neuen Aufgaben zum Lernen und stöhnte innerlich auf. Natürlich wollte ich das alles lernen, aber es war so viel auf einmal!
Einerlei, wir hatten erst noch anderes zu tun, die Wina und ich. Wir gingen nach der Wahl des Materials nämlich zur Mine. Nicht, dass ich große Lust dazu verspürte in den Steinen herum zu bröckeln, um ein paar Erze zu finden, die Tugolf hinterher zu der Scheibe mit den Runen darin verarbeiten konnte, aber es war ja nichts zu machen. Schummeln durfte ich nicht, und ein bisschen was von Björns Vorräten abzwacken.
Also blieb nichts anderes als mich umzuziehen, die Spitzhacke zu nehmen, ein paar Krüge Met und Äpfel, unterwegs sammelte ich noch einige Kirschen ein und Wina und ich machten uns auf den Weg.
[img]http://images3.wikia.nocookie.net/__cb20071018061813/uncyclopedia/images/2/2c/Grotte.jpg[/img]
Nichts, aber wirklich gar nichts hatte mich darauf vorbereitet, was in der Mine geschehen sollte. Wina nicht, alles, was ich bis hierher gelernt hatte nicht, meine Vorahnung nicht, gar nichts! Ich hätt mir fast in die Hosen gepinkelt, so erschrak ich darinnen.
Nicht wegen der Höhle an sich. Die war dunkel, eng und gefiel mir überhaupt nicht. Aber erschreckend fand ich das nicht. Es war der Alte im Berg, der das geschafft hatte. Ich legte die Gaben aus, bat darum mir ein wenig Erz holen zu dürfen und dann passierte es: Der Berg, so schien es im ersten Moment, begann ein und auszuatmen, ganz langgezogen und irgendwie angestrengt. Vermutlich lag das aber eher daran, dass der Alte im Berg urgewaltig groß war. Denn ich sah, ja, was sah ich denn? Ich sah ihn, aber auch irgendwie nicht, so groß war er. Er fragte, wofür ich die Erze brauchte und diese Frage, das war ein mächtiges Rumpeln durch den ganzen Körper und genau dabei hätte ich fast gepinkelt vor Schreck.
Ich brauchte einige Momente, um mich zu sammeln, bevor ich die Erklärung dafür geben konnte, aber wenigstens stellte ich stolz fest, dass ich nicht stammelte wie ein dummes Ding, das nicht wusste, wovon es sprach. Es war ein gutes Gefühl die Zustimmung zu erhalten, es war gut zu wissen, dass es deshalb geschah, weil ich nicht aus Eigennutz gekommen war und es war gut zu wissen, dass es ein ausgewogenes Geben und Neben sein würde.
Der Alte im Berg nahm die Gaben an und ich machte mich an die Arbeit, den Bogen mit der Spitzhacke zu bearbeiten. Das Funkeln, das sich weiter hinten in der Höhle plötzlich zeigte, entging mir.
Was mir vorher aber nicht entgangen war, war der vorwitzige kleine Kobold, der sich die Kirschen einheimste, die der Alte im Berg nicht haben wollte. Wie war sein Name noch gleich? Bambelbi? Bambalu? Bambudeja? Ich gab es auf mir den Namen merken zu wollen. Irgendwie wollte er einfach nicht in meinem Kopf drin bleiben.
Ich spürte das Amüsement des Alten und als er Wina fragte, wie lang sie mich noch an der Nase herum führen wollte, dämmerte mir, dass ich nicht einmal hätte die Spitzhacke benutzen müssen. Das ärgerte mich ungemein und ich versprach ihr mal was zu kochen. Die Drohung, dass ich es so oft kochen müsste, bis es schmeckte, ließ mich aber von der Idee ganz schnell Abstand nehmen. Uh, lieber nicht. Dann hätte ich noch viel mehr zu tun und ich kam jetzt schon in Schwierigkeiten mit dem Putzen, Üben, Lernen und all dem.
Nur wenig später entdeckte ich das Funkeln und ging neugierig darauf zu, schob mit den Händen das Geröll zur Seite und fand Silbererze. Silber also! Ich nahm nur so viele Brocken, wie ich glaubte, dass sie benötigt würden. Die übrigen ließ ich zurück. Wieder war da das tiefe Empfinden von Wohlwollen.
Auch wenn hier ein wenig Schabernack mit mir getrieben worden war und ich mich fürchterlich erschreckt hatte, am Ende war ich sehr verstaubt und rundum zufrieden mit diesem kleinen Teilerfolg. Aber irgendwas sagte mir, dass das Schwierigste noch kommen sollte. Nicht unbedingt heute, aber sehr bald. Nämlich die Scheibe und sie fertigen und all das.
Dieses Mal trog meine Vorahnung mich auch nicht. Denn kaum, dass ich die Sachen fortgebracht hatte, zur Verwahrung in meine Kiste im Weiberzimmer, und zum Hain ging, um mich dort mit Wina zu treffen, fragte sie, ob ich dem Sumpfweib nicht helfen wollte, die Scheibe für sie fertig zu stellen. Ich hatte keinerlei Vorstellung davon, was ich da zu tun haben würde, aber ich willigte dennoch ein, stolz darauf, dass sie es mir sogar allein überlassen wollte (fast, Tugolf würde ja auch dabei sein und das Weib auch), wenn sie die Zeit dafür selber nicht fand. Zuvor aber war ihr noch wichtig, den Umgang mit den Geistern zu üben und mit den Klängen im Lied. Sie erklärte ein wenig was dazu und ich sollte danach versuchen den kleinen Pilz zu bewässern.
Einen Moment lang sah ich das kleine Gewächs nachdenklich an, schloss dann die Augen und begann. Wie hätte es anders sein können – und ich ahnte schon vorher, dass mir ein Missgeschick passieren würde: Nachdem ich mich erst nach einer Weile vorwagte, die Klänge drückte, schob und zog, ganz vorsichtig um ja nichts kaputt zu machen, gelang es mir auch sie zu lenken und zu führen, allerdings nicht mit dem Resultat, das ich an sich erreichen wollte, was mir einen tobenden kleinen Geist einbrachte, der auf seinem Pilz hockte und mich erbost anstarrte. Prächtig. Der Pilz, er stand nicht mehr so schön gerade gewachsen, wie vorher, sondern sehr windschief, weil er sich auf einem kleinen Erdhügelchen, der sich angehoben hatte, als hätte ein Maulwurf darunter herumgegraben.
Nervös versuchte ich mein Missgeschick wieder in Ordnung zu bringen und nach einigem Mühen und hin und her gelang es mir sogar. Beim zweiten Versuch dem Pilz etwas Wasser zu gönnen, gelang es mir schließlich. Dieses Mal war der richtige Klang für die Wassergeister auch viel besser zu finden, so fand ich. Dass Wina ein wenig nachhalf, das entging mir mal wieder zur Gänze.
Natürlich hatte ich damit wieder etwas zum Üben bekommen. Und das sollte ich allem anderen wohl vorziehen, wenn diese komische Scheibe gelingen sollte. Ich fragte mich noch immer, wie man eine Opferschale als Scheibe fertigen konnte. Was taugte das schon? Aber letztlich musste ich damit ja nicht zurechtkommen.
Bevor ich viel später, und nachdem ich das Weib auch endlich kennengelernt hatte, in die Felle huschte, lief ich noch einmal zum Hain und brachte dem kleinen armen Geist, den ich so sehr geärgert hatte, noch etwas zum Naschen, entschuldigte mich leise nochmal und kehrte erst dann zurück ins Weiberzimmer, wo ich mich hinsetzte, müde wie ich war, und wenigstens fünf der Runen rausfischte aus meinen Schnipseln und den Stein, meine erste Rune, legte ich mit dazu. Jera! Belohnung! Es war mir das größte Geschenk, neben Winas Vertrauen die Aufgabe bewältigen zu können, die ich heute erhalten hatte. Und ich war mächtig stolz darauf.
Behutsam strich ich über den Stein mit der eingeprägten Rune und zog die Linien langsam nach.
[img]http://www.walknut.net/images/product_images/info_images/100612.jpg[/img]
Belohnung
Fortschritt
Bewegung
Produktivität
Wechsel
Alle Eigenschaften hatten sich im heutigen Tag wiedergefunden. Keine andere Rune wäre treffender gewesen.
Zuletzt geändert von Yora Wikrah am Sonntag 26. Juni 2011, 15:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Yora Wikrah
Im Einklang mit den Elementen
Wir waren zum Hain gegangen, saßen vor dem Runenfeuer im Gras und sprachen über die Elementarherren. Kerl, Weib, Kerl, Weib, immer zwei an der Zahl, stets entgegen gesetzt, wie zwei Seiten einer Medaille. Gut und böse – wobei: Wer konnte schon sagen, was gut und was böse war? Immerhin lag das ja im Auge des Betrachters.
Zerstreut, wie ich war, versuchte ich trotzdem alles so gut es ging aufzunehmen, zu behalten, mir zu merken. Ich stellte Fragen, wenn mir etwas auffiel, gab Bemerkungen, wenn ich glaubte, etwas zu wissen und so ging es in einem fort, bis ich den „Fehler“ beging zu fragen, in welcher Reihenfolge ich denn die Elemente anrufen müsste. Das würde ich wissen, wenn es so weit war, sagte sie. Und weil ich noch mal eine Dummheit beging, nämlich Unsicherheit zeigte, durfte ich es dann auch gleich mal ausprobieren zu ergründen.
Wir gingen also hinüber zu den Menhiren und ich versuchte meine allgemeine Zerstreuung zu verdrängen, mich zu konzentrieren und dem Lied zu öffnen. Noch immer war das faszinierend, noch immer überwältigend und später sollte ich mich fragen, ob es auch in Zukunft so bleiben würde.
Doch für den Augenblick war ich viel zu sehr auf das konzentriert, was ich wahrnahm, die verschiedenen Klänge, die sich zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügten, fast so wie gut gewählte Farben in einem angenehm zu betrachtenden Bild, oder in einem mal schneller und mal langsamer werdenden Lied, das es verstand einen völlig gefangen zu nehmen und mitzureißen, oder dazu einlud sich treiben zu lassen.
[img]http://www.himmlischehelfer.com/Media/Shop/vier_elemente_grusskarte.jpg[/img]
Es war wie ein Tanz auf den einzelnen Noten und Melodien, die sich zu einem großen und Ganzen zusammenfügten und ein Klang tat sich irgendwann deutlicher hervor für mich, der Erde zugetan. Ich verfolgte diesen und wandte mich wie von selbst gen Osten. Was ich sonst in der realen Welt tat, erfolgte nicht bewusst, so dass ich mich auch nicht daran erinnerte, nur, dass ich etwas getan hatte.
Auf Erde folgte Feuer, auf Feuer Wasser, auf Wasser Luft. Einen Klang nach dem anderen folgte ich, der Reihe nach. Der eine führte mich zum nächsten, oder auch wieder zurück zum Mittelpunkt des Ganzen und dann weiter, so genau konnte ich es gar nicht benennen, aber ich wusste, dass ich auf dem richtigen „Weg“ war. Immerhin!
Meine Unzulänglichkeiten, die ich danach bewies, als ich versuchen sollte etwas von dem Wasser in den Stein zu bannen, um dessen Kraft bei Bedarf wieder freizulassen, machte mich wütend. Aber der Umgang mit den Runen war mir bei weitem noch nicht so vertraut und wie man beides überein brachte, war mir ein Rätsel. Erst als Wina es mir zeigte, kam die sagenhafte Erleuchtung. Es sah so einfach aus bei ihr und es ärgerte mich maßlos, dass ich es nicht aus eigener Kraft geschafft hatte.
Immerhin hatte ich nun noch mehr zu lernen und wusste schon bald nicht mehr, wo mir der Kopf stand. Bald sprach ich bestimmt in Runen und Sigillen oder sah keine Gesichter vor mir, sondern nur noch Linien, Zeichnungen und anderes Zeugs!
Mir schwirrte der Kopf, als ich vorm Pennen noch einmal einige Runen durchging, ich schlief sogar darüber ein. Der Traum, der folgte, war für mich genauso wirr, wie ich mich fühlte und ließ mich zudem nicht los. Dabei wollte ich aufwachen, ich wusste es, dass ich es wollte!
Erst irgendwann im Morgengrauen schlug ich die Augen auf und fühlte mich völlig gerädert. Noch völlig verpennt drehte ich mich auf den Bauch und sah zu meiner Kiste. Ich brauchte eine ganze Weile, um zu begreifen, was ich sah. Da war nämlich nicht nur meine Kiste, sondern auch ein kleiner Geist, der da drauf rumhockte und mich anstierte. Irgendwas schien ihn ungemein zu erheitern.
Ein oder zwei Herzschläge nur sah ich ihn, dann war er in der Truhe verschwunden. Da kam aber Leben in meine müden Glieder und auch mein Verstand war plötzlich hellwach. Ich rappelte mich auf, krabbelte eilig zur Kiste und schlug den Deckel hoch.
„Ney! Komm raus aus meynen Sachen!“ blökte ich los, ungeachtet dessen, ob noch wer schlief. Und tatsächlich, meine Befürchtungen fand ich bestätigt. Alles durcheinander. Alles!
Wir waren zum Hain gegangen, saßen vor dem Runenfeuer im Gras und sprachen über die Elementarherren. Kerl, Weib, Kerl, Weib, immer zwei an der Zahl, stets entgegen gesetzt, wie zwei Seiten einer Medaille. Gut und böse – wobei: Wer konnte schon sagen, was gut und was böse war? Immerhin lag das ja im Auge des Betrachters.
Zerstreut, wie ich war, versuchte ich trotzdem alles so gut es ging aufzunehmen, zu behalten, mir zu merken. Ich stellte Fragen, wenn mir etwas auffiel, gab Bemerkungen, wenn ich glaubte, etwas zu wissen und so ging es in einem fort, bis ich den „Fehler“ beging zu fragen, in welcher Reihenfolge ich denn die Elemente anrufen müsste. Das würde ich wissen, wenn es so weit war, sagte sie. Und weil ich noch mal eine Dummheit beging, nämlich Unsicherheit zeigte, durfte ich es dann auch gleich mal ausprobieren zu ergründen.
Wir gingen also hinüber zu den Menhiren und ich versuchte meine allgemeine Zerstreuung zu verdrängen, mich zu konzentrieren und dem Lied zu öffnen. Noch immer war das faszinierend, noch immer überwältigend und später sollte ich mich fragen, ob es auch in Zukunft so bleiben würde.
Doch für den Augenblick war ich viel zu sehr auf das konzentriert, was ich wahrnahm, die verschiedenen Klänge, die sich zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügten, fast so wie gut gewählte Farben in einem angenehm zu betrachtenden Bild, oder in einem mal schneller und mal langsamer werdenden Lied, das es verstand einen völlig gefangen zu nehmen und mitzureißen, oder dazu einlud sich treiben zu lassen.
[img]http://www.himmlischehelfer.com/Media/Shop/vier_elemente_grusskarte.jpg[/img]
Es war wie ein Tanz auf den einzelnen Noten und Melodien, die sich zu einem großen und Ganzen zusammenfügten und ein Klang tat sich irgendwann deutlicher hervor für mich, der Erde zugetan. Ich verfolgte diesen und wandte mich wie von selbst gen Osten. Was ich sonst in der realen Welt tat, erfolgte nicht bewusst, so dass ich mich auch nicht daran erinnerte, nur, dass ich etwas getan hatte.
Auf Erde folgte Feuer, auf Feuer Wasser, auf Wasser Luft. Einen Klang nach dem anderen folgte ich, der Reihe nach. Der eine führte mich zum nächsten, oder auch wieder zurück zum Mittelpunkt des Ganzen und dann weiter, so genau konnte ich es gar nicht benennen, aber ich wusste, dass ich auf dem richtigen „Weg“ war. Immerhin!
Meine Unzulänglichkeiten, die ich danach bewies, als ich versuchen sollte etwas von dem Wasser in den Stein zu bannen, um dessen Kraft bei Bedarf wieder freizulassen, machte mich wütend. Aber der Umgang mit den Runen war mir bei weitem noch nicht so vertraut und wie man beides überein brachte, war mir ein Rätsel. Erst als Wina es mir zeigte, kam die sagenhafte Erleuchtung. Es sah so einfach aus bei ihr und es ärgerte mich maßlos, dass ich es nicht aus eigener Kraft geschafft hatte.
Immerhin hatte ich nun noch mehr zu lernen und wusste schon bald nicht mehr, wo mir der Kopf stand. Bald sprach ich bestimmt in Runen und Sigillen oder sah keine Gesichter vor mir, sondern nur noch Linien, Zeichnungen und anderes Zeugs!
Mir schwirrte der Kopf, als ich vorm Pennen noch einmal einige Runen durchging, ich schlief sogar darüber ein. Der Traum, der folgte, war für mich genauso wirr, wie ich mich fühlte und ließ mich zudem nicht los. Dabei wollte ich aufwachen, ich wusste es, dass ich es wollte!
Erst irgendwann im Morgengrauen schlug ich die Augen auf und fühlte mich völlig gerädert. Noch völlig verpennt drehte ich mich auf den Bauch und sah zu meiner Kiste. Ich brauchte eine ganze Weile, um zu begreifen, was ich sah. Da war nämlich nicht nur meine Kiste, sondern auch ein kleiner Geist, der da drauf rumhockte und mich anstierte. Irgendwas schien ihn ungemein zu erheitern.
Ein oder zwei Herzschläge nur sah ich ihn, dann war er in der Truhe verschwunden. Da kam aber Leben in meine müden Glieder und auch mein Verstand war plötzlich hellwach. Ich rappelte mich auf, krabbelte eilig zur Kiste und schlug den Deckel hoch.
„Ney! Komm raus aus meynen Sachen!“ blökte ich los, ungeachtet dessen, ob noch wer schlief. Und tatsächlich, meine Befürchtungen fand ich bestätigt. Alles durcheinander. Alles!
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Yora Wikrah
Der Welt entrückt
Am Ende des Tages ein Rabe im Baume saß,
er blickt über Felder und gefrorenes Gras.
Die Federn so schwarz wie die dunkelste Nacht
blickt er zu der Sonne die am Tag zu uns lacht.
Er grüßt sie zum Abschied bevor sie versinkt,
mit lauter Stimme sein Krächzen erklingt.
“Du roter Glutball, komm bald wieder…
schenk mir deine Wärme und schillernd Gefieder!”
Doch auch den Mond mit lautem Ruf er grüßt.
da sein silbern Licht ihm die Nacht versüßt.
“Oh silberne Murmel am Firmament…
schenk mir dein Licht, das kalt in mir brennt!”
So ist der Rabe und das vergiss nie,
ein Bote der Götter und ihrer Magie.
Denn immer wenn die Zeit der Wandlung kommt,
ein Rabe dir ins Dunkle folgt.
Ein Wesen des Tages, so schwarz wie die Nacht,
hat er den Menschen den Ausgleicht gebracht.
Drum schätze ihn hoch und fürchte ihn nicht,
so bringt er auch dich, vom Dunkel ins Licht
(Verfasser unbekannt)
Ich war so nervös! Ich wollte so gern, dass alles gelang, aber ich hatte noch keinen Schimmer, wie das eigentlich vor sich gehen sollte. Zwar wusste ich, was stellenweise zu tun war, aber weder wann der rechte Moment dafür war, noch in welcher Reihenfolge alles vor sich gehen würde und…
… kurz bevor es losging, musste ich feststellen, dass Tugolf noch gar nichts wusste. Also schnell erzählen, bevor Majalin eintraf! Auf seine Frage hin, ob ich auch noch Luft holte zwischendurch, konnte ich es mir nicht verkneifen genau das demonstrativ zu tun und ihn dann anzugrinsen.
Als Majalin endlich eintraf, fing ich ihr ein Huhn ein, damit sie auch etwas für die Wölfe dabei hatte. Sie selbst drehte dem Federvieh den Hals um, und wir machten uns auf den Weg zum Hain. Ich glaubte ja, dass unsere Nervosität sich auf die Tiere übertrug. Sie wirkten genauso angespannt - und ich war mir sicher, das lag nicht daran, dass Majalin keine Thyrin war. Das lag ganz bestimmt daran, dass wir alle so hibbelig waren wie Wasserflöhe.
Sie ließen uns unbehelligt passieren, bekamen auch ihre Leckereien – das Huhn und etwas Spanferkel.
Und, was wussten wir vom Schmieden? Eine ganze Menge, aber nicht das, was Tugolf hören wollte. Weil ich es leid war noch eine Lektion zu lernen, von der ich schon wusste – nämlich die Elemente und die Elementherren – wurde ich etwas nölig. Noch verständnisloser schaute ich aber wohl drein, als wir endlich die Elemente begrüßt hatten und erklärten, wie die Scheibe gestaltet sein sollte und wofür und alles drum herum, weil die Geister und Elemente das doch auch wissen mussten, und Tugolf sagte, es müsste auch ein Fluch angebracht werden, falls die Majalin sich gegen uns wenden täte. Kam für mich überhaupt nicht in Frage! Also weigerte ich mich strickt dagegen, aber die Geister hatten da ohnehin ihre eigenen Pläne und sorgten von sich aus dafür, dass sich eine sechste Rune über die ganzen übrigen fünf legte, am Ende der ganzen Gestaltung der Scheibe. Hagaraz.
Für die anderen fünf Runen fanden ein Eibengeist, ein Hirschgeist, ein kleiner Bärengeist und noch einige andere zur Scheibe, die ihre Kraft dazu gaben.
[img]http://www.fuchsbau.solana-nigra.de/bilder/fotos/sonstiges/baumgesicht.jpg[/img]
Ich wusste sehr genau, was die Rune Hagaraz bedeutete: Richtete sie sich jemals gegen das Gleichgewicht, würde die Scheibe zerspringen. Aber darum machte ich mir eigentlich keine Sorgen. Ich konnte sehr genau spüren, dass sie genauso wie wir dafür eintrat, also gab es dahingehend auch nichts zu befürchten.
Die Schaffung der Scheibe war faszinierend, unglaublich spannend und auch sehr anstrengend. So viele Geister halfen dabei mit! Und selbst der Alte im Berg tat seinen guten Teil dabei – was mich eigentlich nicht verwundern sollte, immerhin hatte die Scheibe ihre Verbindung zur Erde erhalten.
Als es vollbracht war, waren wir alle drei mehr als zufrieden und auch die Geister mussten es sein, denn sie jubelten begeistert. Die Erschöpfung war allgegenwärtig und ich hatte an sich nur noch das Bedürfnis zu schlafen. Aber daraus wurde noch nichts. Ein kleiner Geist schwirrte um mich herum, der keinerlei Konturen aufwies. Seltsam, fand ich. Aber trotzdem wunderte ich mich nicht sonderlich darüber, denn es gab noch so vieles, was ich noch nicht kannte, daher konnte das vor mir auch durchaus normal sein, nicht?
Das kleine Geschöpf zog und zerrte an meiner Robe herum, wollte dass ich folgte, also musste Tugolf Majalin allein nach vorn bringen. Ich verabschiedete mich und ging schließlich dem kleinen Geist nach. Zögernd näherte ich mich dem Weltentor. Eigentlich hatte mich Lidwina ja davor gewarnt hierher zu gehen und ich hielt mich bis heute daran, aber irgendwie wollte der kleine Geist unbedingt, dass ich hinging.
[img]http://www.fuchsbau.solana-nigra.de/bilder/fotos/sonstiges/stonehenge.jpg[/img]
Als ich knapp davor stand, schubste er mich sogar hinein und ich stolperte in ein flimmerndes weiches Licht hinein und sah mich verwirrt um. Es machte den Eindruck, als rückte die ganze Welt einmal zur Seite, nur ich blieb an Ort und Stelle stehen. Für einen Moment drehte sich mir der Magen um, dann aber war wieder alles gut. Soweit man von gut reden konnte, denn ich hatte keine Ahnung, wo ich mich befand. Schleier über Schleier, nur halb durchscheinend, legten sich um mich herum.
Ganz zaghaft und vorsichtig zog ich einen zurück, linste dahinter, neugierig wie ein kleines Mädchen, dass die Eltern bespitzelte, um das Geschenk für den Jahrestag herauszufinden. Der kleine Geist sprang plötzlich um mich herum, immer wieder die Gestalt wechselnd: Wolf, Hirsch, Bär, Rabe, Pferd, Schlange… Wolf, Hirsch, Bär… und so weiter.
Als der Hirsch wieder auftauchte, streckte ich meine Hand aus und stupste ihn leicht an, woraufhin der Geist inne hielt und die Konturen immer klarer und der Hirschgeist immer größer wurde.
Ich spürte die Bande, die gesponnen und geknüpft wurden, die Robe, die eine andere geworden war in der Zwischenzeit, ebenfalls von dem kleinen Geist angelegt, der nun so groß und als kräftiger prächtiger Hirsch vor mir stand und mich beäugte.
Glücksempfinden.
Ein Name. Sein Name. Mein Gefährte? Konnte man das so nennen? Mein Wegweiser, mein Hirsch.
[img]http://photocompetition.upclive.com/original/562377/weisser_hirsch/hirsch_gehege_steiermark.jpg[/img]
Am Ende des Tages ein Rabe im Baume saß,
er blickt über Felder und gefrorenes Gras.
Die Federn so schwarz wie die dunkelste Nacht
blickt er zu der Sonne die am Tag zu uns lacht.
Er grüßt sie zum Abschied bevor sie versinkt,
mit lauter Stimme sein Krächzen erklingt.
“Du roter Glutball, komm bald wieder…
schenk mir deine Wärme und schillernd Gefieder!”
Doch auch den Mond mit lautem Ruf er grüßt.
da sein silbern Licht ihm die Nacht versüßt.
“Oh silberne Murmel am Firmament…
schenk mir dein Licht, das kalt in mir brennt!”
So ist der Rabe und das vergiss nie,
ein Bote der Götter und ihrer Magie.
Denn immer wenn die Zeit der Wandlung kommt,
ein Rabe dir ins Dunkle folgt.
Ein Wesen des Tages, so schwarz wie die Nacht,
hat er den Menschen den Ausgleicht gebracht.
Drum schätze ihn hoch und fürchte ihn nicht,
so bringt er auch dich, vom Dunkel ins Licht
(Verfasser unbekannt)
Ich war so nervös! Ich wollte so gern, dass alles gelang, aber ich hatte noch keinen Schimmer, wie das eigentlich vor sich gehen sollte. Zwar wusste ich, was stellenweise zu tun war, aber weder wann der rechte Moment dafür war, noch in welcher Reihenfolge alles vor sich gehen würde und…
… kurz bevor es losging, musste ich feststellen, dass Tugolf noch gar nichts wusste. Also schnell erzählen, bevor Majalin eintraf! Auf seine Frage hin, ob ich auch noch Luft holte zwischendurch, konnte ich es mir nicht verkneifen genau das demonstrativ zu tun und ihn dann anzugrinsen.
Als Majalin endlich eintraf, fing ich ihr ein Huhn ein, damit sie auch etwas für die Wölfe dabei hatte. Sie selbst drehte dem Federvieh den Hals um, und wir machten uns auf den Weg zum Hain. Ich glaubte ja, dass unsere Nervosität sich auf die Tiere übertrug. Sie wirkten genauso angespannt - und ich war mir sicher, das lag nicht daran, dass Majalin keine Thyrin war. Das lag ganz bestimmt daran, dass wir alle so hibbelig waren wie Wasserflöhe.
Sie ließen uns unbehelligt passieren, bekamen auch ihre Leckereien – das Huhn und etwas Spanferkel.
Und, was wussten wir vom Schmieden? Eine ganze Menge, aber nicht das, was Tugolf hören wollte. Weil ich es leid war noch eine Lektion zu lernen, von der ich schon wusste – nämlich die Elemente und die Elementherren – wurde ich etwas nölig. Noch verständnisloser schaute ich aber wohl drein, als wir endlich die Elemente begrüßt hatten und erklärten, wie die Scheibe gestaltet sein sollte und wofür und alles drum herum, weil die Geister und Elemente das doch auch wissen mussten, und Tugolf sagte, es müsste auch ein Fluch angebracht werden, falls die Majalin sich gegen uns wenden täte. Kam für mich überhaupt nicht in Frage! Also weigerte ich mich strickt dagegen, aber die Geister hatten da ohnehin ihre eigenen Pläne und sorgten von sich aus dafür, dass sich eine sechste Rune über die ganzen übrigen fünf legte, am Ende der ganzen Gestaltung der Scheibe. Hagaraz.
Für die anderen fünf Runen fanden ein Eibengeist, ein Hirschgeist, ein kleiner Bärengeist und noch einige andere zur Scheibe, die ihre Kraft dazu gaben.
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Ich wusste sehr genau, was die Rune Hagaraz bedeutete: Richtete sie sich jemals gegen das Gleichgewicht, würde die Scheibe zerspringen. Aber darum machte ich mir eigentlich keine Sorgen. Ich konnte sehr genau spüren, dass sie genauso wie wir dafür eintrat, also gab es dahingehend auch nichts zu befürchten.
Die Schaffung der Scheibe war faszinierend, unglaublich spannend und auch sehr anstrengend. So viele Geister halfen dabei mit! Und selbst der Alte im Berg tat seinen guten Teil dabei – was mich eigentlich nicht verwundern sollte, immerhin hatte die Scheibe ihre Verbindung zur Erde erhalten.
Als es vollbracht war, waren wir alle drei mehr als zufrieden und auch die Geister mussten es sein, denn sie jubelten begeistert. Die Erschöpfung war allgegenwärtig und ich hatte an sich nur noch das Bedürfnis zu schlafen. Aber daraus wurde noch nichts. Ein kleiner Geist schwirrte um mich herum, der keinerlei Konturen aufwies. Seltsam, fand ich. Aber trotzdem wunderte ich mich nicht sonderlich darüber, denn es gab noch so vieles, was ich noch nicht kannte, daher konnte das vor mir auch durchaus normal sein, nicht?
Das kleine Geschöpf zog und zerrte an meiner Robe herum, wollte dass ich folgte, also musste Tugolf Majalin allein nach vorn bringen. Ich verabschiedete mich und ging schließlich dem kleinen Geist nach. Zögernd näherte ich mich dem Weltentor. Eigentlich hatte mich Lidwina ja davor gewarnt hierher zu gehen und ich hielt mich bis heute daran, aber irgendwie wollte der kleine Geist unbedingt, dass ich hinging.
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Als ich knapp davor stand, schubste er mich sogar hinein und ich stolperte in ein flimmerndes weiches Licht hinein und sah mich verwirrt um. Es machte den Eindruck, als rückte die ganze Welt einmal zur Seite, nur ich blieb an Ort und Stelle stehen. Für einen Moment drehte sich mir der Magen um, dann aber war wieder alles gut. Soweit man von gut reden konnte, denn ich hatte keine Ahnung, wo ich mich befand. Schleier über Schleier, nur halb durchscheinend, legten sich um mich herum.
Ganz zaghaft und vorsichtig zog ich einen zurück, linste dahinter, neugierig wie ein kleines Mädchen, dass die Eltern bespitzelte, um das Geschenk für den Jahrestag herauszufinden. Der kleine Geist sprang plötzlich um mich herum, immer wieder die Gestalt wechselnd: Wolf, Hirsch, Bär, Rabe, Pferd, Schlange… Wolf, Hirsch, Bär… und so weiter.
Als der Hirsch wieder auftauchte, streckte ich meine Hand aus und stupste ihn leicht an, woraufhin der Geist inne hielt und die Konturen immer klarer und der Hirschgeist immer größer wurde.
Ich spürte die Bande, die gesponnen und geknüpft wurden, die Robe, die eine andere geworden war in der Zwischenzeit, ebenfalls von dem kleinen Geist angelegt, der nun so groß und als kräftiger prächtiger Hirsch vor mir stand und mich beäugte.
Glücksempfinden.
Ein Name. Sein Name. Mein Gefährte? Konnte man das so nennen? Mein Wegweiser, mein Hirsch.
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Yora Wikrah
Dem Weiler zum Schutz
Es ging drunter und drüber.
Viele Sorgen, einiges an Wut, viele Gespräche. Einige sollten noch folgen, später.
Eines jedenfalls ergab sich an dem Tag noch: Wir waren um Hilfe gebeten worden, von dem Weiler, wo die Hanna lebte. Es ging wohl darum, dass die Untoten von Varuna ihre klapprigen Finger zu weit ausstreckten und die Bewohner arg belästigten. Also waren Lidwina, Adisla und ich losgegangen, um dort mal nach dem Rechten zu sehen. Auf den Gehöften selber fanden wir keine Klappergerüste.
Wir betrachteten die Schutzgräben, die gebuddelt worden waren. Schien so, als wollte der Weiler sich ebenso zur Wehr setzen. Anständig, fand ich. Aber noch nicht genug. Also fanden wir uns einige Zeit und gesammelter Knochen später wieder dort ein, mit noch zwei weiteren helfenden Händen, denn Majalin und Medren hatten zu uns gefunden. Medren war allein gekommen, vermutlich um auch nach dem Rechten zu schauen. Majalin holten Adisla und ich bei ihr zuhause ab.
Während Adisla auf die Umgebung achtete und Wache stand, zeigte ich den beiden die zwei Schutzrunen, die zu malen wir gedachten. Neben dem Graben war das bestimmt nicht verkehrt und sie würden eine geraume Weile halten, auch wenn sie regelmäßig erneuert werden mussten.
Die Masse, die wir zum Malen benutzten, bestand aus Blut und Knochen. Das Blut spendeten Tulena, Maja und Medren, die Knochen die Klappergerüste, die wir zuvor auseinander genommen hatten. Die Pampe verteilte ich auf drei Töpfchen, und während Tulena sich zu Adisla gesellte, begannen Medren, Maja und ich die Türen, Wände und Zäune mit den Runen zu versehen.
Ausbessern musste ich tatsächlich hinterher nicht viel, die beiden hatten ihre Sache wirklich gut gemacht, und nachdem die Runen durch die Mithilfe der Geister ihre Wirkung entfalteten, war die Arbeit hier getan. Ich brachte Majalin noch heim, da es ihr nicht so gut ging und ich mir einmal ansehen wollte, was es genau war, womit sie sich rumplagte.
Nachdem sie sich über etliches beklagte, ich ihr dazu riet, es mit denen zu klären, die es betraf, aber auch versprach mit jenen zu selbst noch mal zu sprechen, fand ich auch alsbald heraus, wo der Hase im Pfeffer lag und kehrte mit einem breiten Grinsen nach Wulfgard zurück.
Es verging ein wenig an Zeit, die ich nutzte, um zu lernen. Der Besuch der Städterin, die diese Hautbilder machte, war eine feine Abwechslung, auch wenn dieses Weib mich maßlos ärgerte. Erst konnte sie nicht grüßen, dann musste sie sich damit hervortun, wie schlau sie doch war – und mich hielt sie offenkundig für dumm. Stinkpilz!
Aber es war eine Abwechslung. Trotzdem wollte ich kein Bild von ihr, ich wusste nicht einmal, was für eines, selbst wenn… Außerdem würde ich das ohnehin lieber von Wina machen lassen, dann wäre es ein Hautbild der ganz besonderen Art. Diese Überlegung ließ mich ohnehin nicht mehr los, ich überlegte die ganze Zeit daran herum, was ich haben mochte, was es sein könnte.
Schließlich war es wieder soweit für den nächsten Unterricht. Wina prüfte mich wirklich, und einfach war das nicht mit dieser stinkpilzigen Augenbinde auf der Nase. Aber ich hatte geübt! Und nach ein wenig hin und her und prüfen, schauen, lauschen, fühlen und so weiter bekam ich auch heraus, was sie da für Elementargeister rief, um zu sehen, ob ich wirklich etwas gelernt hatte. Danach wies sie mich auf die Menhire hin, die in Wulfgard überall standen. Ich sollte sie finden, und sie sagte mir auch, in der Anderswelt seien sie besonders kräftig in ihrer Ausstrahlung. Ein Menhir für jedes Element.
[img]http://www.woenge.de/2011/826menhir.jpg[/img]
Ich zögerte einen Moment, bevor ich mich in jene Welt begab, zumindest was die Sicht der Dinge betraf – und ich betrat sie nicht allein. Karn half mir, schwebte stets um mich herum, und war mein Führer. Ich glaube, ohne den Hirsch hätte ich den Weg niemals gefunden, oder mich gnadenlos und hoffnungslos verlaufen.
Die Dankbarkeit für seine Hilfe war die ganze Zeit über in meinem Empfinden und ich war mir sicher, er konnte sie genauso spüren wie ich selbst. Jedenfalls führte er mich von einem langen Stein zum nächsten. Feuer, Erde, Wasser und Luft.
Auf den im Grunde kurzen Wegen dorthin ließ ich mich von der Anderswelt faszinieren, treiben und bemühte mich dennoch nicht zu vergessen, wohin ich eigentlich gehörte und wo sich mein Platz befand. Oh, es war ein wunderbares Abenteuer, ein ungestörtes und dennoch sehr besonderes Abenteuer.
Karn und ich fanden alle vier Menhire und ich gönnte mir einige Zeit sie zu betrachten. Das Feuer gefiel mir gut. Unbewusst strich ich mit der Hand über die warmen Steine der Esse. Leidenschaft, entfesselt und hitzig, eine der Urgewalten, lodernd und heiß. Kurzweilig war ich sogar versucht in die Hitze hinein zu greifen, ließ mich aber im nächsten Augenblick schon weiterziehen zum nächsten langen Stein.
Es war so vertraut, erinnerte mich an den Alten im Berg, die Schwere, die Kraft und die unendliche Geduld. Die Erde.
Auch beim nächsten Menhir verhielt ich, tauchte die Hand ins klare Quellwasser, das von dort hinabplätscherte. Reinigend, heilend, eine treibende Kraft, stets in Bewegung in den warmen Tagen, starr in den kalten. Umschmeichelnd, entspannend und sanft, aber auch bisweilen hart und stechend vor Kälte.
Danach ging es hoch hinauf, in die Halle hinein, weiter rauf, in den Turm. Der Turm, der Menhir, der Wind, zügellos und überall zugleich, spielerisch und tragend, Gedanken überschlagen sich und werden fortgetrieben, hergetrieben. Träume. Freiheit.
Ich verabschiedete mich von Karn und noch einmal ließ ich ihn meine Dankbarkeit für seine Führung spüren, bevor ich ins Hier und Jetzt zurückkehrte und mich im Turm neugierig umsah.
Unser Ort des Rückzugs, der der Schamanen. Niemand der Claner kam hier herauf, wenn er nicht eindeutig dazu aufgefordert wurde. Freiheit. Mir gefiel es den Himmel über mir zu haben, den Wind zu spüren, der an Haaren und Kleidern zerrte, die Knochen, die leise klapperten im Wind, die Totems, die einen anstarrten und der Pilz, der gleich einer neugierigen Betrachtung unterzogen wurde.
Oh, mir gefiel es hier oben. Schamanenturm. Nur den Namen des Kobolds hatte ich schon wieder vergessen. Wie könnte es auch anders sein?
Für einen Moment war da die stille Sehnsucht vom Weiberzimmer gleich hier oben hin zu ziehen, so gut gefiel es mir, auch wenn mir klar war, dass das niemals gebilligt werden würde. Aber so ganz allmählich fing ich mich an danach zu sehen, ein wenig mehr Ruhe für mich zu haben. Es kam immer mehr zu lernen dazu, und ich fand mich so oft abgelenkt davon, gerade im Weiberzimmer. Wirklich ruhig war es dort nur selten. Irgendwer rannte immer rein oder raus und selbst in der Nacht, wenn alles schlief, schnarchte entweder irgendwer so laut, dass die Balken sich bogen, oder es redete wer im Schlaf, die nächste trug einen regelrechten Kampf aus, und so weiter. Furchtbar. Auch wenn ich sie alle unglaublich gern hatte und sie in meinem Herzen mit mir trug, aber anstrengend waren sie dennoch, dieser Haufen von Weibern – von den Kerlen wollt ich mal lieber gar nicht erst sprechen, aber die störten mich beim Lernen wenigstens nicht.
Und dann war da noch… jemand. Ja, jemand. Ich mochte drauf wetten, dass ich noch mehr Probleme haben würde in Zukunft, in Ruhe zu lernen. Hatte sogar einen Namen dafür, auch wenn ich so tat, als bekäme ich davon gar nichts mit. Unglaublich schwer es so zu halten! Das machte mich derart nervös, dass ich mich kaum konzentrieren konnte – und es gefiel mir darüber hinaus überhaupt nicht, dieses… Interesse.
Ich wollte mich doch auf das besinnen, was ich zu lernen hatte! Da konnte ich mich doch nicht auch noch mit so was befassen! Soll mich doch der Alp holen! Außerdem war ich dafür noch gar nicht bereit! Wollte ich auch gar nicht sein! Oh da fiel mir ein, ich musste mir noch meinen ganz speziellen Unterricht einfordern bei Wina. Das ging so nicht weiter! Wenn doch mal wer kam und fragte, musste ich das doch wissen!
Und wo überhaupt hatte ich meine Pfanne hingeschmissen, um dem Kerl ordentlich eine zimmern zu können, wenn er auf dumme Ideen kam?
Es ging drunter und drüber.
Viele Sorgen, einiges an Wut, viele Gespräche. Einige sollten noch folgen, später.
Eines jedenfalls ergab sich an dem Tag noch: Wir waren um Hilfe gebeten worden, von dem Weiler, wo die Hanna lebte. Es ging wohl darum, dass die Untoten von Varuna ihre klapprigen Finger zu weit ausstreckten und die Bewohner arg belästigten. Also waren Lidwina, Adisla und ich losgegangen, um dort mal nach dem Rechten zu sehen. Auf den Gehöften selber fanden wir keine Klappergerüste.
Wir betrachteten die Schutzgräben, die gebuddelt worden waren. Schien so, als wollte der Weiler sich ebenso zur Wehr setzen. Anständig, fand ich. Aber noch nicht genug. Also fanden wir uns einige Zeit und gesammelter Knochen später wieder dort ein, mit noch zwei weiteren helfenden Händen, denn Majalin und Medren hatten zu uns gefunden. Medren war allein gekommen, vermutlich um auch nach dem Rechten zu schauen. Majalin holten Adisla und ich bei ihr zuhause ab.
Während Adisla auf die Umgebung achtete und Wache stand, zeigte ich den beiden die zwei Schutzrunen, die zu malen wir gedachten. Neben dem Graben war das bestimmt nicht verkehrt und sie würden eine geraume Weile halten, auch wenn sie regelmäßig erneuert werden mussten.
Die Masse, die wir zum Malen benutzten, bestand aus Blut und Knochen. Das Blut spendeten Tulena, Maja und Medren, die Knochen die Klappergerüste, die wir zuvor auseinander genommen hatten. Die Pampe verteilte ich auf drei Töpfchen, und während Tulena sich zu Adisla gesellte, begannen Medren, Maja und ich die Türen, Wände und Zäune mit den Runen zu versehen.
Ausbessern musste ich tatsächlich hinterher nicht viel, die beiden hatten ihre Sache wirklich gut gemacht, und nachdem die Runen durch die Mithilfe der Geister ihre Wirkung entfalteten, war die Arbeit hier getan. Ich brachte Majalin noch heim, da es ihr nicht so gut ging und ich mir einmal ansehen wollte, was es genau war, womit sie sich rumplagte.
Nachdem sie sich über etliches beklagte, ich ihr dazu riet, es mit denen zu klären, die es betraf, aber auch versprach mit jenen zu selbst noch mal zu sprechen, fand ich auch alsbald heraus, wo der Hase im Pfeffer lag und kehrte mit einem breiten Grinsen nach Wulfgard zurück.
Es verging ein wenig an Zeit, die ich nutzte, um zu lernen. Der Besuch der Städterin, die diese Hautbilder machte, war eine feine Abwechslung, auch wenn dieses Weib mich maßlos ärgerte. Erst konnte sie nicht grüßen, dann musste sie sich damit hervortun, wie schlau sie doch war – und mich hielt sie offenkundig für dumm. Stinkpilz!
Aber es war eine Abwechslung. Trotzdem wollte ich kein Bild von ihr, ich wusste nicht einmal, was für eines, selbst wenn… Außerdem würde ich das ohnehin lieber von Wina machen lassen, dann wäre es ein Hautbild der ganz besonderen Art. Diese Überlegung ließ mich ohnehin nicht mehr los, ich überlegte die ganze Zeit daran herum, was ich haben mochte, was es sein könnte.
Schließlich war es wieder soweit für den nächsten Unterricht. Wina prüfte mich wirklich, und einfach war das nicht mit dieser stinkpilzigen Augenbinde auf der Nase. Aber ich hatte geübt! Und nach ein wenig hin und her und prüfen, schauen, lauschen, fühlen und so weiter bekam ich auch heraus, was sie da für Elementargeister rief, um zu sehen, ob ich wirklich etwas gelernt hatte. Danach wies sie mich auf die Menhire hin, die in Wulfgard überall standen. Ich sollte sie finden, und sie sagte mir auch, in der Anderswelt seien sie besonders kräftig in ihrer Ausstrahlung. Ein Menhir für jedes Element.
[img]http://www.woenge.de/2011/826menhir.jpg[/img]
Ich zögerte einen Moment, bevor ich mich in jene Welt begab, zumindest was die Sicht der Dinge betraf – und ich betrat sie nicht allein. Karn half mir, schwebte stets um mich herum, und war mein Führer. Ich glaube, ohne den Hirsch hätte ich den Weg niemals gefunden, oder mich gnadenlos und hoffnungslos verlaufen.
Die Dankbarkeit für seine Hilfe war die ganze Zeit über in meinem Empfinden und ich war mir sicher, er konnte sie genauso spüren wie ich selbst. Jedenfalls führte er mich von einem langen Stein zum nächsten. Feuer, Erde, Wasser und Luft.
Auf den im Grunde kurzen Wegen dorthin ließ ich mich von der Anderswelt faszinieren, treiben und bemühte mich dennoch nicht zu vergessen, wohin ich eigentlich gehörte und wo sich mein Platz befand. Oh, es war ein wunderbares Abenteuer, ein ungestörtes und dennoch sehr besonderes Abenteuer.
Karn und ich fanden alle vier Menhire und ich gönnte mir einige Zeit sie zu betrachten. Das Feuer gefiel mir gut. Unbewusst strich ich mit der Hand über die warmen Steine der Esse. Leidenschaft, entfesselt und hitzig, eine der Urgewalten, lodernd und heiß. Kurzweilig war ich sogar versucht in die Hitze hinein zu greifen, ließ mich aber im nächsten Augenblick schon weiterziehen zum nächsten langen Stein.
Es war so vertraut, erinnerte mich an den Alten im Berg, die Schwere, die Kraft und die unendliche Geduld. Die Erde.
Auch beim nächsten Menhir verhielt ich, tauchte die Hand ins klare Quellwasser, das von dort hinabplätscherte. Reinigend, heilend, eine treibende Kraft, stets in Bewegung in den warmen Tagen, starr in den kalten. Umschmeichelnd, entspannend und sanft, aber auch bisweilen hart und stechend vor Kälte.
Danach ging es hoch hinauf, in die Halle hinein, weiter rauf, in den Turm. Der Turm, der Menhir, der Wind, zügellos und überall zugleich, spielerisch und tragend, Gedanken überschlagen sich und werden fortgetrieben, hergetrieben. Träume. Freiheit.
Ich verabschiedete mich von Karn und noch einmal ließ ich ihn meine Dankbarkeit für seine Führung spüren, bevor ich ins Hier und Jetzt zurückkehrte und mich im Turm neugierig umsah.
Unser Ort des Rückzugs, der der Schamanen. Niemand der Claner kam hier herauf, wenn er nicht eindeutig dazu aufgefordert wurde. Freiheit. Mir gefiel es den Himmel über mir zu haben, den Wind zu spüren, der an Haaren und Kleidern zerrte, die Knochen, die leise klapperten im Wind, die Totems, die einen anstarrten und der Pilz, der gleich einer neugierigen Betrachtung unterzogen wurde.
Oh, mir gefiel es hier oben. Schamanenturm. Nur den Namen des Kobolds hatte ich schon wieder vergessen. Wie könnte es auch anders sein?
Für einen Moment war da die stille Sehnsucht vom Weiberzimmer gleich hier oben hin zu ziehen, so gut gefiel es mir, auch wenn mir klar war, dass das niemals gebilligt werden würde. Aber so ganz allmählich fing ich mich an danach zu sehen, ein wenig mehr Ruhe für mich zu haben. Es kam immer mehr zu lernen dazu, und ich fand mich so oft abgelenkt davon, gerade im Weiberzimmer. Wirklich ruhig war es dort nur selten. Irgendwer rannte immer rein oder raus und selbst in der Nacht, wenn alles schlief, schnarchte entweder irgendwer so laut, dass die Balken sich bogen, oder es redete wer im Schlaf, die nächste trug einen regelrechten Kampf aus, und so weiter. Furchtbar. Auch wenn ich sie alle unglaublich gern hatte und sie in meinem Herzen mit mir trug, aber anstrengend waren sie dennoch, dieser Haufen von Weibern – von den Kerlen wollt ich mal lieber gar nicht erst sprechen, aber die störten mich beim Lernen wenigstens nicht.
Und dann war da noch… jemand. Ja, jemand. Ich mochte drauf wetten, dass ich noch mehr Probleme haben würde in Zukunft, in Ruhe zu lernen. Hatte sogar einen Namen dafür, auch wenn ich so tat, als bekäme ich davon gar nichts mit. Unglaublich schwer es so zu halten! Das machte mich derart nervös, dass ich mich kaum konzentrieren konnte – und es gefiel mir darüber hinaus überhaupt nicht, dieses… Interesse.
Ich wollte mich doch auf das besinnen, was ich zu lernen hatte! Da konnte ich mich doch nicht auch noch mit so was befassen! Soll mich doch der Alp holen! Außerdem war ich dafür noch gar nicht bereit! Wollte ich auch gar nicht sein! Oh da fiel mir ein, ich musste mir noch meinen ganz speziellen Unterricht einfordern bei Wina. Das ging so nicht weiter! Wenn doch mal wer kam und fragte, musste ich das doch wissen!
Und wo überhaupt hatte ich meine Pfanne hingeschmissen, um dem Kerl ordentlich eine zimmern zu können, wenn er auf dumme Ideen kam?
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Yora Wikrah
Wenn ich wirklich will…
… kann ich alles erreichen. Aufgabe bedeutet zu versagen.
Ich fühlte mich völlig erschöpft, ausgelaugt und leer. Das war in etwa so wie ein Trinkhorn, das wieder neu gefüllt gehörte. Natürlich hatte das seine Gründe. Ich war ein Risiko eingegangen, ein Wagnis, das mich auch alles hätte kosten können. Bei allem Ärger, den ich verspürte darüber, wie es überhaupt dazu gekommen war, stand für mich trotzdem außer Frage, dass ich es eingehen musste.
Die verletzte Schulter sollte heilen, wieder ins gerade Lot zurück, damit das Schwert ein Schwert bleiben konnte. Was nutzte dem Clan auch ein Schwert, das keines halten konnte, geschweige denn führen. Auch wenn mein Vertrauen in ihn gelitten hatte, musste es ja nicht heißen, dass das seine in meinem auch leiden sollte und musste.
Ich nahm ihn mit zur Quelle im Hain, ebenso Finn und wagte mich daran Bär zur Hilfe zu rufen.
[img]http://www.dawndarkmountain.com/Images/BLOCKPrints-4-4/BP-BearSpiritLG.jpg[/img]
Dass ich Angst hatte, verdrängte ich genauso wie ich es vorher schon getan hatte, als er mich fragte, ob ich es wagen würde. Ich wollte nicht warten bis Lidwina zurück war. Wenn Knochen falsch zusammenwuchsen, war meist nicht mehr viel zu retten. Das wusste ich von der alten Ahnenruferin, für die ich einstmals Kräuter gesammelt hatte. War das schon so lange her? Es kam mir vor wie eine Ewigkeit.
Alles, wirklich alles, was ich an Kraft hatte, alles, was Bär bereit war mir zuzugestehen für die Heilung der Brüche, warf ich in die Waagschale, richtete die Brüche, verband gerissenes Muskelfleisch, linderte die Entzündung, die sich gebildet hatte über Nacht. Er fieberte, aber damit musste er erst einmal leben. Er schrie, ob der Schmerzen, die ich zusätzlich bereitete, versuchte sich aufzubäumen, aber Finn hielt ihn gut fest. Während der ganzen Anrufung, der ganzen Prozedur, merkte ich spürbar, wie die Kräfte schwanden und vielleicht war allein die Tatsache, dass ich trotzdem weitermachte, nicht aufgab, der Grund dafür, dass es gelang, zumindest soweit, wie meine Fähigkeiten es zuließen. Er würde noch immer stillhalten müssen die nächsten ein oder zwei Wochen, aber die Schmerzen sollten erträglich sein, und Missbildungen ausbleiben, der Arm sollte später wieder genauso funktionieren, wie vorher.
Ich hatte mich gerade im Stillen bei Bär bedankt und er sich zurückgezogen, als mir die Sinne schwanden und ich mich in die beruhigende Umarmung der Ohnmacht fallen ließ. Nur sehr weit entfernt hörte ich noch: „Mach dye Türe zu!“
Tür? Aber weiter kam ich nicht mit meinen Gedanken.
Wie lange ich dort lag, wusste ich nicht. Das Zeitgefühl hatte ich gründlich verloren und ich fühlte mich sowieso noch reichlich benommen von dem winzigen Stück Pilz, den ich mir aus dem Turm gemopst hatte, um mir den Weg zu Bär zu erleichtern.
Die Wirkung hielt noch immer an, was ich allein beim Öffnen der Augen schon feststellte, so benommen, wie ich mich noch fühlte. Wir blieben noch eine kleine Weile bei der Quelle. Als wir dann den Rückweg doch antraten, merkte ich, wie schwach ich mich fühlte. Neben dem noch immer anhaltenden Rausch kam die Entkräftung dazu und ich lief muntere Schlangenlinien gen Wulfgard. Bestimmt wäre es besser gewesen noch im Hain zu bleiben, aber ich wollte zurück, ans Feuer, auf die Felle, die Beine ausstrecken und mich bestenfalls gar nicht mehr rühren. Die Menhire würden mir genauso helfen, bestimmt.
Dass die Kerle sich später auch noch meinten einen Spaß erlauben zu müssen, es wäre jemand verletzt und täte bluten, brachte mich wieder auf die Füße, wenn auch schwerfällig und langsam.
Als Lina und ich hinaus kamen, sah ich wie Roghvatr und Kanubio sich rangelten – soviel dazu, dass dieser Bock sich schonen sollte und sich auch daran hielt. Ein Versprechen taugte eben nur soviel, wie der Kerl, der in diesem drin steckte. Noch eine Enttäuschung mehr. Die wurde noch größer, als sich herausstellte, dass die Kerle uns nur auf den Arm nahmen.
Worüber sich diese Welpen wieder keine Gedanken machten, war die Tatsache, dass ich zum einen völlig am Ende mit meinen Kräften war, und zum anderen, dass ich womöglich das nächste Mal sitzen bleiben könnte, wenn sie wirklich nötig hatten, weil ich dachte, sie trieben ohnehin nur ihre dummen Späße mit mir.
Oh ich war wütend, und ich nahm das auch nicht mehr als Spaß hin. Die Kerle bekamen ihr Bad aus dem Wassereimer – ich danach dank Roghvatr ebenso. Dieses Mal allerdings lachte ich nicht, so wie ich es getan hatte, als Finn mich einige Zeit zuvor in den Teich geworfen hatte. Trollköpfe! Allesamt!
Anstatt sich darum zu kümmern, dass der Oberstinkpilz die Schulter still hielt und ich meine Ruhe bekam, nachdem ich mich so verausgabt hatte, mussten sie mich noch weiter anstrengen, Kindereien nachgehen, die üble Folgen haben konnten und hielten sich dabei noch für überaus triumphal in ihrem Ideenreichtum und dessen Umsetzung. Ich konnte das sehen, an diesen verdammten Funken, die aufstoben – und das in einer schieren Überzahl.
[img]http://www.dawndarkmountain.com/Images/BLOCKPrints-4-4/BP-Deer-MoonLG.jpg[/img]
Nicht ein Tag zur Erholung blieb mir, da geschah das Nächste. Aber ich konnte den Kerlen daraus keinen Vorwurf machen, glaubte ich. Wolf ging um. Jemand störte den Frieden des Landes und die Runen Winas sangen, sie sangen ohrenbetäubend laut für mich. Die Wölfe heulten, die Geister waren in Aufruhr und Wulfgard nicht mehr zu bremsen. Selbst die Menhire sangen, zwar noch leise, aber ich konnte sie deutlicher spüren, als üblich.
Mir blieb gar nichts anderes übrig, als sie und ihre Kraft anzuzapfen. Ich hatte mich bei weitem noch nicht wieder erholt von der Anstrengung der Heilung.
Ich kam gar nicht dazu viel zu nehmen, als mir Wulfgard schon Entwarnung gab, noch ganz aufgeregt von allem. Also ließ ich ab und beschloss nicht noch mehr zu nehmen. Das wenige, dass ich mir an Kraft erbeten hatte, war kaum der Rede wert und der Rest würde schon allein zurückkehren, bald, so hoffte ich.
Besorgt machte mich der Angriff indes schon, denn nicht viel später erfuhren wir, dass es die Blauhäute gewesen waren, die an der Brücke Einzug gehalten hatten. Aber Wolf vertrieb sie wohl erfolgreich, ebenso das Rudel und die Geister. Ich begann inständig zu hoffen, dass Wina bald zurückkehrte. Auch wenn ich es niemals offen zugeben würde, mich ebenso bemühte es nicht zu zeigen, ich begann mich über alle Maßen überfordert zu fühlen.
Eine kleine Willkommene Abwechslung war da hingegen die Städterin, die uns ein paar Neuigkeiten brachte und mir mit ihrer Einstellung zum Gleichgewicht der Natur eine angenehme Überraschung bereitete.
[img]http://www.dawndarkmountain.com/Images/BLOCKPrints-4-4/BP-WolfStarSongLG.jpg[/img]
… kann ich alles erreichen. Aufgabe bedeutet zu versagen.
Ich fühlte mich völlig erschöpft, ausgelaugt und leer. Das war in etwa so wie ein Trinkhorn, das wieder neu gefüllt gehörte. Natürlich hatte das seine Gründe. Ich war ein Risiko eingegangen, ein Wagnis, das mich auch alles hätte kosten können. Bei allem Ärger, den ich verspürte darüber, wie es überhaupt dazu gekommen war, stand für mich trotzdem außer Frage, dass ich es eingehen musste.
Die verletzte Schulter sollte heilen, wieder ins gerade Lot zurück, damit das Schwert ein Schwert bleiben konnte. Was nutzte dem Clan auch ein Schwert, das keines halten konnte, geschweige denn führen. Auch wenn mein Vertrauen in ihn gelitten hatte, musste es ja nicht heißen, dass das seine in meinem auch leiden sollte und musste.
Ich nahm ihn mit zur Quelle im Hain, ebenso Finn und wagte mich daran Bär zur Hilfe zu rufen.
[img]http://www.dawndarkmountain.com/Images/BLOCKPrints-4-4/BP-BearSpiritLG.jpg[/img]
Dass ich Angst hatte, verdrängte ich genauso wie ich es vorher schon getan hatte, als er mich fragte, ob ich es wagen würde. Ich wollte nicht warten bis Lidwina zurück war. Wenn Knochen falsch zusammenwuchsen, war meist nicht mehr viel zu retten. Das wusste ich von der alten Ahnenruferin, für die ich einstmals Kräuter gesammelt hatte. War das schon so lange her? Es kam mir vor wie eine Ewigkeit.
Alles, wirklich alles, was ich an Kraft hatte, alles, was Bär bereit war mir zuzugestehen für die Heilung der Brüche, warf ich in die Waagschale, richtete die Brüche, verband gerissenes Muskelfleisch, linderte die Entzündung, die sich gebildet hatte über Nacht. Er fieberte, aber damit musste er erst einmal leben. Er schrie, ob der Schmerzen, die ich zusätzlich bereitete, versuchte sich aufzubäumen, aber Finn hielt ihn gut fest. Während der ganzen Anrufung, der ganzen Prozedur, merkte ich spürbar, wie die Kräfte schwanden und vielleicht war allein die Tatsache, dass ich trotzdem weitermachte, nicht aufgab, der Grund dafür, dass es gelang, zumindest soweit, wie meine Fähigkeiten es zuließen. Er würde noch immer stillhalten müssen die nächsten ein oder zwei Wochen, aber die Schmerzen sollten erträglich sein, und Missbildungen ausbleiben, der Arm sollte später wieder genauso funktionieren, wie vorher.
Ich hatte mich gerade im Stillen bei Bär bedankt und er sich zurückgezogen, als mir die Sinne schwanden und ich mich in die beruhigende Umarmung der Ohnmacht fallen ließ. Nur sehr weit entfernt hörte ich noch: „Mach dye Türe zu!“
Tür? Aber weiter kam ich nicht mit meinen Gedanken.
Wie lange ich dort lag, wusste ich nicht. Das Zeitgefühl hatte ich gründlich verloren und ich fühlte mich sowieso noch reichlich benommen von dem winzigen Stück Pilz, den ich mir aus dem Turm gemopst hatte, um mir den Weg zu Bär zu erleichtern.
Die Wirkung hielt noch immer an, was ich allein beim Öffnen der Augen schon feststellte, so benommen, wie ich mich noch fühlte. Wir blieben noch eine kleine Weile bei der Quelle. Als wir dann den Rückweg doch antraten, merkte ich, wie schwach ich mich fühlte. Neben dem noch immer anhaltenden Rausch kam die Entkräftung dazu und ich lief muntere Schlangenlinien gen Wulfgard. Bestimmt wäre es besser gewesen noch im Hain zu bleiben, aber ich wollte zurück, ans Feuer, auf die Felle, die Beine ausstrecken und mich bestenfalls gar nicht mehr rühren. Die Menhire würden mir genauso helfen, bestimmt.
Dass die Kerle sich später auch noch meinten einen Spaß erlauben zu müssen, es wäre jemand verletzt und täte bluten, brachte mich wieder auf die Füße, wenn auch schwerfällig und langsam.
Als Lina und ich hinaus kamen, sah ich wie Roghvatr und Kanubio sich rangelten – soviel dazu, dass dieser Bock sich schonen sollte und sich auch daran hielt. Ein Versprechen taugte eben nur soviel, wie der Kerl, der in diesem drin steckte. Noch eine Enttäuschung mehr. Die wurde noch größer, als sich herausstellte, dass die Kerle uns nur auf den Arm nahmen.
Worüber sich diese Welpen wieder keine Gedanken machten, war die Tatsache, dass ich zum einen völlig am Ende mit meinen Kräften war, und zum anderen, dass ich womöglich das nächste Mal sitzen bleiben könnte, wenn sie wirklich nötig hatten, weil ich dachte, sie trieben ohnehin nur ihre dummen Späße mit mir.
Oh ich war wütend, und ich nahm das auch nicht mehr als Spaß hin. Die Kerle bekamen ihr Bad aus dem Wassereimer – ich danach dank Roghvatr ebenso. Dieses Mal allerdings lachte ich nicht, so wie ich es getan hatte, als Finn mich einige Zeit zuvor in den Teich geworfen hatte. Trollköpfe! Allesamt!
Anstatt sich darum zu kümmern, dass der Oberstinkpilz die Schulter still hielt und ich meine Ruhe bekam, nachdem ich mich so verausgabt hatte, mussten sie mich noch weiter anstrengen, Kindereien nachgehen, die üble Folgen haben konnten und hielten sich dabei noch für überaus triumphal in ihrem Ideenreichtum und dessen Umsetzung. Ich konnte das sehen, an diesen verdammten Funken, die aufstoben – und das in einer schieren Überzahl.
[img]http://www.dawndarkmountain.com/Images/BLOCKPrints-4-4/BP-Deer-MoonLG.jpg[/img]
Nicht ein Tag zur Erholung blieb mir, da geschah das Nächste. Aber ich konnte den Kerlen daraus keinen Vorwurf machen, glaubte ich. Wolf ging um. Jemand störte den Frieden des Landes und die Runen Winas sangen, sie sangen ohrenbetäubend laut für mich. Die Wölfe heulten, die Geister waren in Aufruhr und Wulfgard nicht mehr zu bremsen. Selbst die Menhire sangen, zwar noch leise, aber ich konnte sie deutlicher spüren, als üblich.
Mir blieb gar nichts anderes übrig, als sie und ihre Kraft anzuzapfen. Ich hatte mich bei weitem noch nicht wieder erholt von der Anstrengung der Heilung.
Ich kam gar nicht dazu viel zu nehmen, als mir Wulfgard schon Entwarnung gab, noch ganz aufgeregt von allem. Also ließ ich ab und beschloss nicht noch mehr zu nehmen. Das wenige, dass ich mir an Kraft erbeten hatte, war kaum der Rede wert und der Rest würde schon allein zurückkehren, bald, so hoffte ich.
Besorgt machte mich der Angriff indes schon, denn nicht viel später erfuhren wir, dass es die Blauhäute gewesen waren, die an der Brücke Einzug gehalten hatten. Aber Wolf vertrieb sie wohl erfolgreich, ebenso das Rudel und die Geister. Ich begann inständig zu hoffen, dass Wina bald zurückkehrte. Auch wenn ich es niemals offen zugeben würde, mich ebenso bemühte es nicht zu zeigen, ich begann mich über alle Maßen überfordert zu fühlen.
Eine kleine Willkommene Abwechslung war da hingegen die Städterin, die uns ein paar Neuigkeiten brachte und mir mit ihrer Einstellung zum Gleichgewicht der Natur eine angenehme Überraschung bereitete.
[img]http://www.dawndarkmountain.com/Images/BLOCKPrints-4-4/BP-WolfStarSongLG.jpg[/img]
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Yora Wikrah
Und weiter geht’s…
Es war auch dieses Mal ein Erlebnis. Dieses Mal für mich.
Stolz machte mich das Ganze. Außerdem erfüllte es mich mit Freude und dankbar war ich auch für die Hilfe, die ich dabei bekam, nicht nur allein von Tugolf, sondern auch von den Geistern. Das Stück war ein ganz Besonderes für mich, bestehend aus drei Teilen. Die Klinge aus rotschwarzem Obsidian, der Griff aus dem Horn des Hirschgeweihs und die Verbindung aus runenbestücktem Silber. Es war der gleiche Weg, den die Scheibe gegangen war. Auch mein Athame wurde in den Runenfeuern geboren.
Das Ritual war anstrengend gewesen, genauso wie das Erste, aber die Mühe hatte sich gelohnt. Ich hielt das wertvolle Stück in meinen Händen und konnte mich kaum daran satt sehen. Immer wieder strich ich behutsam mit den Fingern sanft über den Horngriff. Die Sigille aus den drei Runen lag im Schatten des Silbers. Auch hier war Hagalaz ein Teil davon, genauso wie Berkana. Die dritte Rune in der Sigille war Perth.
Bedächtig legte ich das Athame auf dem Tisch ab und erinnerte mich eine kleine Weile lang an das berauschend übermächtige Gefühl, als die Elementarherren sich unserem Vorhaben anschlossen, als die Geister bewohnten und unterstützten, ich erinnerte mich überdies an die angenehme Erschöpfung danach.
Meine Hand tastete nach der Holzschale, mit den drei Bildern von Rabe, den Knochen von Rabe, die feine anständige Arbeit des Ahnenbaumwächters. Mir gefiel sie sehr gut, jetzt galt es nur noch sie zu meiner Opferschale werden zu lassen, denn noch trug sie nur die Handschrift des Druiden, wenngleich auch nach meinen Vorstellungen gefertigt.
Ich stellte sie zunächst neben dem Athame auf dem Tisch ab, wandte mich ab und ging zu meiner Truhe hinüber, um daraus meine Robe hervorzuholen. Bevor ich sie anlegte, wusch ich mich gründlich, flocht die Haare neu auf und band das Lederband zum zusätzlichen Halt fest hinein.
Es war an der Zeit den Hain aufzusuchen und das zu meinem zu machen, was meins sein sollte. Ich würde dies allein tun und vielleicht konnte ich dort auch noch etwas anderes finden, was ich brauchte. Ich verstaute die Schale und das Athame in einem Leinenbeutel und machte mich auf den Weg. Wenig später betrat ich den Menhir-Kreis und setzte mich nahe dem Feuer in dessen Mitte hin, legte die Schale vor mich ab, während ich das Athame in der Hand behielt.
„Mey geb euch dyes als Zeychen meyner Ehrfurcht, habt Dank für eure Gaben, gebt myr Kraft und Heyl und haltet myr dye Treue, wye ych sey auch euch halten werde“, murmelte ich leise vor mich hin und schnitt mir mit der Klinge des Athames in den Finger, schrieb sodann mit Blut einige Sigillen spiralförmig in die Innenseite der Schale hinein.
[img]http://www.souvraya.de/Alabilder/holzsch.gif[/img]
(Mein Blut opfere ich den Geistern und Ahnen, um mein zu machen, was mein ist.)
Ich spürte ihre Anwesenheit, die der Geister, ihr Wohlwollen, wie sich diese besondere Schale mit mir verband und zu meiner wurde. Es war eine unbeschreibliche Sache im Grunde, es war an sich nur ein Gefühl, aber dabei auch sichere Gewissheit, so wie ich sie auch bei dem Athame hatte.
Ich blieb noch etwa eine Stunde dort sitzen, das Blut war mittlerweile getrocknet und die kleine Wunde an der Hand schon geschlossen, wenngleich auch sichtbar. Sie zog ein bisschen, aber das störte mich wenig. Die Sigillen sahen aus, als wären sie eingebrannt ins Holz, auch wenn dort nichts schwelte.
Mit einem Lächeln erhob ich mich, packte beide Utensilien – nachdem ich die Klinge des Athame gereinigt hatte – wieder ein und begann mich zwischen den Menhiren auf dem Boden umzusehen. Es galt kleine Brüder von ihnen zu finden. Vielleicht hatte ich hier Glück, ansonsten würde ich besondere Orte dafür aufsuchen müssen.
Nahe dem Meeresufer hinter dem Steinkreis wurde ich fündig. Wenigstens einen kleinen Bruder der großen Menhire fande ich. Den des Wassers. Eindeutig war er damit verbunden, allein schon, weil er mit dem Fuß mehr im Wasser gelegen hatte, als an Land.
Fehlten also nur noch drei. Ich säuberte den Stein sorgsam und schob ihn mit in den Leinenbeutel hinein.
Einen weitren Stein zog ich aus dem Feuer hinaus, aufgeladen mit dem Element, warm in meinen Händen, glühende Risse, heiß im Innern. Auch dieser wanderte in den Leinenbeutel, begleitet von einem Lächeln und einem gewisperten Dank.
Die fehlenden zwei würde ich ein andermal holen. Dazu wollte ich den Alten im Berg noch mal besuchen und die Dame im Wind, hoch auf dem Berg der die Mine umschloss.
Zunächst einmal aber wollte ich die Kostbarkeiten zurückschaffen nach Wulfgard, zufrieden mit dem, was ich geschafft hatte. Wie seit einigen Tagen stets, wenn ich den Weg zurücklegte, ging ich ihn mit halb geschlossenen Augen, den Blick ins Ungewisse gerichtet und lauschte auf die Bäume und ihre Klänge.
Ich suchte den einen Baum, jenen, der gewillt war mir einen Teil von sich zu schenken für meine Bodhran. Irgendwann würde ich ihn gewiss finden.
Es war auch dieses Mal ein Erlebnis. Dieses Mal für mich.
Stolz machte mich das Ganze. Außerdem erfüllte es mich mit Freude und dankbar war ich auch für die Hilfe, die ich dabei bekam, nicht nur allein von Tugolf, sondern auch von den Geistern. Das Stück war ein ganz Besonderes für mich, bestehend aus drei Teilen. Die Klinge aus rotschwarzem Obsidian, der Griff aus dem Horn des Hirschgeweihs und die Verbindung aus runenbestücktem Silber. Es war der gleiche Weg, den die Scheibe gegangen war. Auch mein Athame wurde in den Runenfeuern geboren.
Das Ritual war anstrengend gewesen, genauso wie das Erste, aber die Mühe hatte sich gelohnt. Ich hielt das wertvolle Stück in meinen Händen und konnte mich kaum daran satt sehen. Immer wieder strich ich behutsam mit den Fingern sanft über den Horngriff. Die Sigille aus den drei Runen lag im Schatten des Silbers. Auch hier war Hagalaz ein Teil davon, genauso wie Berkana. Die dritte Rune in der Sigille war Perth.
Bedächtig legte ich das Athame auf dem Tisch ab und erinnerte mich eine kleine Weile lang an das berauschend übermächtige Gefühl, als die Elementarherren sich unserem Vorhaben anschlossen, als die Geister bewohnten und unterstützten, ich erinnerte mich überdies an die angenehme Erschöpfung danach.
Meine Hand tastete nach der Holzschale, mit den drei Bildern von Rabe, den Knochen von Rabe, die feine anständige Arbeit des Ahnenbaumwächters. Mir gefiel sie sehr gut, jetzt galt es nur noch sie zu meiner Opferschale werden zu lassen, denn noch trug sie nur die Handschrift des Druiden, wenngleich auch nach meinen Vorstellungen gefertigt.
Ich stellte sie zunächst neben dem Athame auf dem Tisch ab, wandte mich ab und ging zu meiner Truhe hinüber, um daraus meine Robe hervorzuholen. Bevor ich sie anlegte, wusch ich mich gründlich, flocht die Haare neu auf und band das Lederband zum zusätzlichen Halt fest hinein.
Es war an der Zeit den Hain aufzusuchen und das zu meinem zu machen, was meins sein sollte. Ich würde dies allein tun und vielleicht konnte ich dort auch noch etwas anderes finden, was ich brauchte. Ich verstaute die Schale und das Athame in einem Leinenbeutel und machte mich auf den Weg. Wenig später betrat ich den Menhir-Kreis und setzte mich nahe dem Feuer in dessen Mitte hin, legte die Schale vor mich ab, während ich das Athame in der Hand behielt.
„Mey geb euch dyes als Zeychen meyner Ehrfurcht, habt Dank für eure Gaben, gebt myr Kraft und Heyl und haltet myr dye Treue, wye ych sey auch euch halten werde“, murmelte ich leise vor mich hin und schnitt mir mit der Klinge des Athames in den Finger, schrieb sodann mit Blut einige Sigillen spiralförmig in die Innenseite der Schale hinein.
[img]http://www.souvraya.de/Alabilder/holzsch.gif[/img]
(Mein Blut opfere ich den Geistern und Ahnen, um mein zu machen, was mein ist.)
Ich spürte ihre Anwesenheit, die der Geister, ihr Wohlwollen, wie sich diese besondere Schale mit mir verband und zu meiner wurde. Es war eine unbeschreibliche Sache im Grunde, es war an sich nur ein Gefühl, aber dabei auch sichere Gewissheit, so wie ich sie auch bei dem Athame hatte.
Ich blieb noch etwa eine Stunde dort sitzen, das Blut war mittlerweile getrocknet und die kleine Wunde an der Hand schon geschlossen, wenngleich auch sichtbar. Sie zog ein bisschen, aber das störte mich wenig. Die Sigillen sahen aus, als wären sie eingebrannt ins Holz, auch wenn dort nichts schwelte.
Mit einem Lächeln erhob ich mich, packte beide Utensilien – nachdem ich die Klinge des Athame gereinigt hatte – wieder ein und begann mich zwischen den Menhiren auf dem Boden umzusehen. Es galt kleine Brüder von ihnen zu finden. Vielleicht hatte ich hier Glück, ansonsten würde ich besondere Orte dafür aufsuchen müssen.
Nahe dem Meeresufer hinter dem Steinkreis wurde ich fündig. Wenigstens einen kleinen Bruder der großen Menhire fande ich. Den des Wassers. Eindeutig war er damit verbunden, allein schon, weil er mit dem Fuß mehr im Wasser gelegen hatte, als an Land.
Fehlten also nur noch drei. Ich säuberte den Stein sorgsam und schob ihn mit in den Leinenbeutel hinein.
Einen weitren Stein zog ich aus dem Feuer hinaus, aufgeladen mit dem Element, warm in meinen Händen, glühende Risse, heiß im Innern. Auch dieser wanderte in den Leinenbeutel, begleitet von einem Lächeln und einem gewisperten Dank.
Die fehlenden zwei würde ich ein andermal holen. Dazu wollte ich den Alten im Berg noch mal besuchen und die Dame im Wind, hoch auf dem Berg der die Mine umschloss.
Zunächst einmal aber wollte ich die Kostbarkeiten zurückschaffen nach Wulfgard, zufrieden mit dem, was ich geschafft hatte. Wie seit einigen Tagen stets, wenn ich den Weg zurücklegte, ging ich ihn mit halb geschlossenen Augen, den Blick ins Ungewisse gerichtet und lauschte auf die Bäume und ihre Klänge.
Ich suchte den einen Baum, jenen, der gewillt war mir einen Teil von sich zu schenken für meine Bodhran. Irgendwann würde ich ihn gewiss finden.
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Yora Wikrah
Der Tag begann wie so viele zuvor schon. Aufstehen, waschen, ankleiden, die Halle aufsuchen, für Ordnung sorgen. Diese Routine hatte etwas sehr Tröstliches an sich.
Es waren nun schon einige Tagen, vielleicht sogar schon zwei Wochen vergangen, als ich das Tor von Wulfgard durchschritten hatte und damit meine Rückkehr kundtat. Manche taten so, als wäre ich gar nicht erst weg gewesen. Eigentlich war es nur einer, der sich mir entgegen gestellt hatte und das wolfsübliche Gebaren an den Tag legte und erstmal knurrte und knötterte. Ein bisschen musste ich noch immer schmunzeln, als er glaubte, mich mit seiner Behauptung beeindrucken zu können, der Jarl der Hinrah zu sein.
Und wenn er es war? Wen interessierte das in Wulfgard? Hier waren wir ein Clan und von diesem war er zum einen nicht der Jarl, zum anderen: Eine Schamanin stand außerhalb der Hierarchie, auch das schien er vergessen zu haben.
Sicherlich gefiel ihm das nicht und mir war auch nicht entgangen, dass Calla versuchte ihm den Rücken zu stärken. Das wiederum kümmerte mich allerdings wenig. Ich konnte ihn dafür respektieren, dass er Einherjer war, aber für den Jarl? Nein.
Ich ärgerte mich noch immer darüber, dass ich meine Brüder nicht hatte finden können auf meiner Reise. Dass die Kerle mich damit aufzogen, ein Weib, das allein auf die Suche ging, könnte auch niemanden finden, kümmerte mich wenig. Ich nahm es als Zote hin, die es war, teilte dafür gerne auch welche aus.
So gingen die Tage hin, ich lebte mich schneller wieder ein, als ich es je für möglich gehalten hätte, und der Alltag hielt Einzug. Sehr viel half mir Svanhild dabei, aber auch die Kerle, die immer mal wieder auftauchten und sich sonst in allerlei befleißigten, das ihnen entsprach.
Und dann kam der Tag, den ich am liebsten gar nicht miterlebt hätte.
Die Wölfe waren den halben Tag über schon unruhig gewesen. Zu Anfang war es mir nicht aufgefallen. Doch gen Nachmittag war es so, dass es sich weder überhören, noch übersehen ließ. Selbst Wulfgard rumpelte und rumorte kräftig im Gebälk herum. Der Wind frischte auf und trug ein Flüstern mit sich, dass einem die Gänsehaut über den Rücken trieb.
Wie viele Anzeichen brauchte es, um zu erkennen, dass etwas nicht stimmte?
Das Rudel ist geschwächt. Sucht die, die verloren gingen und übergebt sie dem Feuer, das sie nach Anundraf bringt.
Es nutzte nichts, es zu leugnen, oder es sich schön zu reden. Das Flüstern, die Geister, oder die Ahnen, die Dame im Wind – vielleicht war es aber auch die Banshee, bei solch schlechten Nachrichten war es bestimmt die Banshee – führte uns nach Fuachtero, ins Eis, in die Höhle. Wir fanden sie dort, Kanubio und Widogard. Sie waren eingefroren, von einem Dämon bewacht, und mausetot.
Finn hatte sie zuerst entdeckt, wenn ich mich recht entsann. Im Eis. Eingefroren.
Ich kann nicht sagen, dass ich bewusst handelte, ich funktionierte mehr, als klar war, wer dort lag und was geschehen sein musste – zumindest vage. So wie die Dinge lagen würden wir beide erst beim nächsten Samhain fragen können, was ihren Weg hierher geführt und zu dem Verlust geführt hatte.
Ich rief einen kleinen Feuergeist, der das Eis lösen sollte, damit wir die beiden heimbringen konnten. Mit der Spurensuche hielten wir uns nicht lange auf. Allein, dass der Eisdämon sich so weit vorgewagt hatte, warnte davor zuviel Zeit hier zu verbringen.
Finn machte seine Sache hervorragend.
Das Jaulen hallte durch die Höhle, das Klagen um den Verlust.
Wir brachten die beiden nach Wulfgard, oder vielmehr zu jenem Platz, an dem sie die letzte Reise angehen würden. Bedächtig wurden die beiden Toten auf dem Schiff abgelegt. Die nächsten Tage würde es vorbereitet werden, Reisigbündel darauf verbracht werden, und alles nötige dafür getan werden, damit das Schiff gut brannte, sobald es nur weit genug in die Bucht hinaus getrieben war.
Ich selbst verabschiedete mich bedrückt von der kleinen Gruppe, die wir losgezogen waren, um die beiden heimzubringen, und ich zog mich in den Geisterturm zurück. Der rechte Moment wollte gewählt sein für diese Reise. Finn wollte es Lidwina erklären. Ich musste mir eingestehen, dass mich dieses Vorhaben seinerseits mächtig beeindruckte. Eigentlich hatte ich angenommen, dass man es mir überlassen würde, war immens froh, dass wenigstens dieser Kelch an mir hinüberging, ahnte ich doch, dass nicht die Ahnenruferin das letzte Geleit geben würde, sondern mir das überlassen blieb, zusammen mit den anderen Clanern.
Aswin sagte ich bescheid, auch dass er vielleicht besser erstmal vorsichtig sein sollte, was Lidwina anging und die schlechte Kunde besser durch das oberste Clansschwert überbringen lassen sollte.
So hockte ich nun schon eine Weile auf dem Turm, lauschte dem Wind, den Geistern und den fortwährenden Alltagsgeräuschen, an denen ich eine Weile lang keinen Anteil haben würde. Drei Tage Trauer waren ausgerufen. So schwankte ich eben jenem tiefen Gefühl des Verlustes und der Frage, wie es weiterging, und wann der rechte Moment der Reise gekommen sein sollte, um die beiden nach Anundraf zu geleiten.
Da saß ich nun, die Räucherschale von Majalin vor mir, ebenso die hölzerne Opferschale von dem Ahnenbaumwächter, das Athame, das Tugolf mit mir im Runenfeuer geschmiedet hatte und auch die Bodhran, die Widogard mit mir zusammen gebaut hatte, vor mir.
Mein Runenbeutel lag daneben. Ein lederner kleiner Beutel mit allen Runen, nebst einer blanken. Dazu die Rabenschwinge. Irgendwo in den Tiefen hatte ich sogar noch einen Traumknochen gefunden, aber den hielt ich an meiner Robe verwahrt, neben den Knochen, dem Horn, den Federn.
Die Räucherschale enthielt einige Kräuter, ebenso etwas von dem Pilz, den wir hier oben im Turm zogen. Sie schwelten langsam vor sich hin und der Rauch breitete sich gemächlich aus, manchmal wurde er vom Wind fortgerissen und begann von neuem durch den Raum zu ziehen.
Die Opferschale war mit etwas Blut aus meiner Hand gefüllt, das Athame lag daneben, an dessen Klinge noch einige Rückstände von dem Blut hafteten. Die Hand hielt ich geballt in meinem Schoß, wobei ich den Schmerz nicht spürte. Bestimmt war das dem benebelten Kraut geschuldet, das in der Schale vor sich hin schwelte.
Ich saß in der Mitte eines geviertelten Kreises, der von einigen Runenzeichen im Innern geziert wurde und griff geistesabwesend in den Beutel der Runen und unter leisem Singsang warf ich sie schließlich hoch, die Augen geschlossen.
Das leise Klackern von Holz, Stein und Knochen auf dem steinernen Boden des Turmes verriet mir, dass sie ihren Platz gefunden hatten in dem Kreidekreisgefüge.
Ja, alsbald war der Tag an dem es galt endgültig Abschied zu nehmen. Ein Blick alleine verriet es mir.
Vage wurde ich mir der Geräusche unten in dem Raum bewusst, von dem aus man in den Geisterturm gelangte. Erst da bemerkte ich das unterschwellige Brennen in meiner Hand von dem Schnitt, den ich mir selbst gesetzt hatte. Einige Augenblicke später fing mich der Rauch der Kräuter wieder ein und ich beugte mich erneut über die Runen. Sie erzählten mehr, als das, was ich sie hatte fragen wollen und ich war mir in dem Moment unsicher wie ich es zu verstehen hatte. Zweifellos, ich sollte Lidwina heraufholen und sie fragen. Aber noch wagte ich mich das nicht.
Es waren nun schon einige Tagen, vielleicht sogar schon zwei Wochen vergangen, als ich das Tor von Wulfgard durchschritten hatte und damit meine Rückkehr kundtat. Manche taten so, als wäre ich gar nicht erst weg gewesen. Eigentlich war es nur einer, der sich mir entgegen gestellt hatte und das wolfsübliche Gebaren an den Tag legte und erstmal knurrte und knötterte. Ein bisschen musste ich noch immer schmunzeln, als er glaubte, mich mit seiner Behauptung beeindrucken zu können, der Jarl der Hinrah zu sein.
Und wenn er es war? Wen interessierte das in Wulfgard? Hier waren wir ein Clan und von diesem war er zum einen nicht der Jarl, zum anderen: Eine Schamanin stand außerhalb der Hierarchie, auch das schien er vergessen zu haben.
Sicherlich gefiel ihm das nicht und mir war auch nicht entgangen, dass Calla versuchte ihm den Rücken zu stärken. Das wiederum kümmerte mich allerdings wenig. Ich konnte ihn dafür respektieren, dass er Einherjer war, aber für den Jarl? Nein.
Ich ärgerte mich noch immer darüber, dass ich meine Brüder nicht hatte finden können auf meiner Reise. Dass die Kerle mich damit aufzogen, ein Weib, das allein auf die Suche ging, könnte auch niemanden finden, kümmerte mich wenig. Ich nahm es als Zote hin, die es war, teilte dafür gerne auch welche aus.
So gingen die Tage hin, ich lebte mich schneller wieder ein, als ich es je für möglich gehalten hätte, und der Alltag hielt Einzug. Sehr viel half mir Svanhild dabei, aber auch die Kerle, die immer mal wieder auftauchten und sich sonst in allerlei befleißigten, das ihnen entsprach.
Und dann kam der Tag, den ich am liebsten gar nicht miterlebt hätte.
Die Wölfe waren den halben Tag über schon unruhig gewesen. Zu Anfang war es mir nicht aufgefallen. Doch gen Nachmittag war es so, dass es sich weder überhören, noch übersehen ließ. Selbst Wulfgard rumpelte und rumorte kräftig im Gebälk herum. Der Wind frischte auf und trug ein Flüstern mit sich, dass einem die Gänsehaut über den Rücken trieb.
Wie viele Anzeichen brauchte es, um zu erkennen, dass etwas nicht stimmte?
Das Rudel ist geschwächt. Sucht die, die verloren gingen und übergebt sie dem Feuer, das sie nach Anundraf bringt.
Es nutzte nichts, es zu leugnen, oder es sich schön zu reden. Das Flüstern, die Geister, oder die Ahnen, die Dame im Wind – vielleicht war es aber auch die Banshee, bei solch schlechten Nachrichten war es bestimmt die Banshee – führte uns nach Fuachtero, ins Eis, in die Höhle. Wir fanden sie dort, Kanubio und Widogard. Sie waren eingefroren, von einem Dämon bewacht, und mausetot.
Finn hatte sie zuerst entdeckt, wenn ich mich recht entsann. Im Eis. Eingefroren.
Ich kann nicht sagen, dass ich bewusst handelte, ich funktionierte mehr, als klar war, wer dort lag und was geschehen sein musste – zumindest vage. So wie die Dinge lagen würden wir beide erst beim nächsten Samhain fragen können, was ihren Weg hierher geführt und zu dem Verlust geführt hatte.
Ich rief einen kleinen Feuergeist, der das Eis lösen sollte, damit wir die beiden heimbringen konnten. Mit der Spurensuche hielten wir uns nicht lange auf. Allein, dass der Eisdämon sich so weit vorgewagt hatte, warnte davor zuviel Zeit hier zu verbringen.
Finn machte seine Sache hervorragend.
Das Jaulen hallte durch die Höhle, das Klagen um den Verlust.
Wir brachten die beiden nach Wulfgard, oder vielmehr zu jenem Platz, an dem sie die letzte Reise angehen würden. Bedächtig wurden die beiden Toten auf dem Schiff abgelegt. Die nächsten Tage würde es vorbereitet werden, Reisigbündel darauf verbracht werden, und alles nötige dafür getan werden, damit das Schiff gut brannte, sobald es nur weit genug in die Bucht hinaus getrieben war.
Ich selbst verabschiedete mich bedrückt von der kleinen Gruppe, die wir losgezogen waren, um die beiden heimzubringen, und ich zog mich in den Geisterturm zurück. Der rechte Moment wollte gewählt sein für diese Reise. Finn wollte es Lidwina erklären. Ich musste mir eingestehen, dass mich dieses Vorhaben seinerseits mächtig beeindruckte. Eigentlich hatte ich angenommen, dass man es mir überlassen würde, war immens froh, dass wenigstens dieser Kelch an mir hinüberging, ahnte ich doch, dass nicht die Ahnenruferin das letzte Geleit geben würde, sondern mir das überlassen blieb, zusammen mit den anderen Clanern.
Aswin sagte ich bescheid, auch dass er vielleicht besser erstmal vorsichtig sein sollte, was Lidwina anging und die schlechte Kunde besser durch das oberste Clansschwert überbringen lassen sollte.
So hockte ich nun schon eine Weile auf dem Turm, lauschte dem Wind, den Geistern und den fortwährenden Alltagsgeräuschen, an denen ich eine Weile lang keinen Anteil haben würde. Drei Tage Trauer waren ausgerufen. So schwankte ich eben jenem tiefen Gefühl des Verlustes und der Frage, wie es weiterging, und wann der rechte Moment der Reise gekommen sein sollte, um die beiden nach Anundraf zu geleiten.
Da saß ich nun, die Räucherschale von Majalin vor mir, ebenso die hölzerne Opferschale von dem Ahnenbaumwächter, das Athame, das Tugolf mit mir im Runenfeuer geschmiedet hatte und auch die Bodhran, die Widogard mit mir zusammen gebaut hatte, vor mir.
Mein Runenbeutel lag daneben. Ein lederner kleiner Beutel mit allen Runen, nebst einer blanken. Dazu die Rabenschwinge. Irgendwo in den Tiefen hatte ich sogar noch einen Traumknochen gefunden, aber den hielt ich an meiner Robe verwahrt, neben den Knochen, dem Horn, den Federn.
Die Räucherschale enthielt einige Kräuter, ebenso etwas von dem Pilz, den wir hier oben im Turm zogen. Sie schwelten langsam vor sich hin und der Rauch breitete sich gemächlich aus, manchmal wurde er vom Wind fortgerissen und begann von neuem durch den Raum zu ziehen.
Die Opferschale war mit etwas Blut aus meiner Hand gefüllt, das Athame lag daneben, an dessen Klinge noch einige Rückstände von dem Blut hafteten. Die Hand hielt ich geballt in meinem Schoß, wobei ich den Schmerz nicht spürte. Bestimmt war das dem benebelten Kraut geschuldet, das in der Schale vor sich hin schwelte.
Ich saß in der Mitte eines geviertelten Kreises, der von einigen Runenzeichen im Innern geziert wurde und griff geistesabwesend in den Beutel der Runen und unter leisem Singsang warf ich sie schließlich hoch, die Augen geschlossen.
Das leise Klackern von Holz, Stein und Knochen auf dem steinernen Boden des Turmes verriet mir, dass sie ihren Platz gefunden hatten in dem Kreidekreisgefüge.
Ja, alsbald war der Tag an dem es galt endgültig Abschied zu nehmen. Ein Blick alleine verriet es mir.
Vage wurde ich mir der Geräusche unten in dem Raum bewusst, von dem aus man in den Geisterturm gelangte. Erst da bemerkte ich das unterschwellige Brennen in meiner Hand von dem Schnitt, den ich mir selbst gesetzt hatte. Einige Augenblicke später fing mich der Rauch der Kräuter wieder ein und ich beugte mich erneut über die Runen. Sie erzählten mehr, als das, was ich sie hatte fragen wollen und ich war mir in dem Moment unsicher wie ich es zu verstehen hatte. Zweifellos, ich sollte Lidwina heraufholen und sie fragen. Aber noch wagte ich mich das nicht.