Majidah's (eigene) Welt ...

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Majidah Ifrey

Majidah's (eigene) Welt ...

Beitrag von Majidah Ifrey »

    • *Notiz eines Heilers aus ihrem Heimatdorf über die 6-jährige Majidah*
      • [...] Majidah lebt die meiste Zeit in einer anderen,
        eigenen Welt, als genügte sie sich selbst und legt keinen Wert auf
        Kontakte. Sie ist oft gefangen in stereotypen Beschäftigungen mit
        Gegenständen oder Bewegungsmustern, als würden sie sie beruhigen.
        Sie spricht wenig und es ist schwer Kontakt mit ihr aufzunehmen.
        [...]
      *Weitere Randbemerkungen sind an den Notizzettel angefügt, sie wurden im Laufe der Jahre ergänzt.*
      • [...]ewig fremd[...]

        [...]unnahbar[...]

        [...]egoistisch[...]

        [...]seltsam[...]

        [...]einsam[...]
      *In einer anderen Handschrift sind folgende Bemerkungen ergänzt:*
      • [...]
        ... vermeidet Blickkontakt ...
        ... verweigert Körperkontakt ...
        ... wirkt wie taub ...
        ... verweigert Veränderungen ...
        ... zeigt Wünsche durch Hinführen ...
        ... keine Angst vor normalen Gefahren ...
        ... spielt nicht mit anderen Kindern ...

        [...]

Majidahs Blick glitt über den Zettel und sie bemühte sich zu verstehen, was da stand. War sie das? Es wurde über sie aufgeschrieben, doch waren es Beschreibungen oder eine Liste mit Fragen? Bezog sich das ganz auf sie?
Ihr Blick ruhte ganz und gar auf den Zeilen aus blauer Tinte. 3 Personen hatten das geschrieben, das sah sie. Im Laufe vieler Jahre, doch warum? Hatte das mit ihrer Andersartigkeit zu tun? Sie hatte doch so sehr all die Floskeln geübt, damit sie nicht auffiel.

Tiefes Durchatmen

Hätte nicht ein anderer Zettel aus den Flammen gerettet werden können? Warum einer, der sie so nachdenklich stimmte. "Verweigert Veränderungen?" Diese Zeile sprang ihr wieder ins Auge. Nein, sie verweigerte sie nicht. Sie lebte sie doch ganz und gar. Neue Personen um sich herum, neue Stadt, neues Leben. Oder war sie doch noch die Alte? Abwehrend schüttelte sie ihren Kopf. Sie würde keine Antwort finden. Also wurde der Zettel zusammengefaltet und verschwand wieder in ihrer Tasche.

Tiefes Durchatmen

"Bin ich fremd...?"
Zuletzt geändert von Majidah Ifrey am Donnerstag 28. April 2011, 17:17, insgesamt 1-mal geändert.
Majidah Ifrey

Beitrag von Majidah Ifrey »

  • Schon wieder dieser Geruch. Schon wieder das Gefühl. Es roch angebrannt. Aber das konnte nicht sein, nicht schon wieder. Erschrocken fuhr die junge Menekanerin von ihrem improvisierten Lager während des Umzuges auf. Ein Albtraum? Ihr Blick irrte umher. Doch sie konnte kein Feuer sehen, doch nach ein paar Atemzügen war ihr klar, der Geruch war echt. Irgendetwas brannte. Panik kroch in ihr hoch, während sie weiter versuchte die Ursache des Geruches zu finden. Hier konnte eigentlich nichts brennen. Der Raum war aus Sandstein, und außer ihrer Schlafmatte und einem Kissen und… Erschrocken ruckte ihr Blick neben sich, wo sie ein paar kleine Sachen abgestellt hatte. Das Buch, in dem sie am Abend zuvor gelesen hatte, kokelt vor sich hin, als hätte es zu nah an einem Feuer gelegen. Der Buchrücken war schwarz und die Seiten schrumpften glimmend in sich zusammen. Es dauerte einige Sekunden bis sie sich gewahr wurde, dass das gar nicht sein konnte und dass es dennoch geschah. Das Buch war schon zum größten Teil verkohlt, als sie zum Wasserkrug griff und ihn über dem Buch entleerte. Nun lag nur noch der verbrannte Geruch im Zimmer. Die Ursache für das Feuer konnte Majidah nicht finden und das machte ihr mehr zu schaffen, als die Tatsache, dass es wieder einmal in ihrer Nähe gebrannt hatte.

    Erinnerungen und detaillierte Bilder des Unfalls in ihrem Elternhaus kamen ihr wieder in den Sinn. Sie erinnerte sich an die Geräusche – das Knacken der Balken. Sie erinnerte sich an den Geruch verschiedener verbrannter Sachen. Stoff riecht anders als Holz. Ihre Gedanken wirbelten bei all den Bildern und Eindrücken durcheinander. Es war, als wäre sie wieder inmitten der Flammen. Es dauerte, bis sie wieder einen klaren Gedanken hatte, und der war eindeutig. Sie musste raus, und ihre Gedanken im wahrsten Sinne des Wortes abkühlen.

    Also verließ sie in mitten der Nacht auf leisen Füßen das Familienhaus der Ifrey und ebenso leise und unbemerkt ließ sie auch die Stadtmauern hinter sich. In der Wüste begann sie zu rennen. Der Weg war nicht weit, aber die kühle Nacht half ihr, ihre Gedanken wieder zu beruhigen und ihren Herzschlag auf normal herunter kommen. Erst als sie vor der Quelle der Oase stand, hielt sie inne und verschnaufte. Sie konnte nichts hören – angenehm. Beruhigter als zuvor ließ sie sich in den Sand sinken und schaute gen Himmel. Die Nacht war klar und beim Anblick der vielen verschiedenen Sternenbilder sank Majidah wieder völlig in ihre eigene kleine Welt. Sie fühlte sich sicher und ruhig.

    So kam es auch, dass sie sich nicht auf den Rückweg machte… sondern in der Oase verharrte.
Majidah Ifrey

Beitrag von Majidah Ifrey »

Schwer atmend stand sie an der Wand ihres Zimmers. Sie war wütend auf sich und verwirrt über ihre Reaktionen. So sehr sie sich doch bemühte, sie schaffte es nicht so zu sein wie die anderen. Immer wieder brach ihre Natur durch. Ihre „Macke“, wie es ihre Eltern immer nannten. Die Macke, die sie verbergen sollte. Die Macke, weswegen sie als Kind kaum das Elternhaus verließ. Die Macke, die ihr ein schlechtes Verhältnis zu ihren Brüdern einbrachte. Sie zitterte leicht, als sie sich in den Gedanken weiter hinein steigerte. Es war eine einfache Aufgabe gewesen, jedes Kleinkind hätte das schaffen können, doch sie nicht. Es war wie eine bewegliche Mauer in ihrem Kopf und jedes Mal, wenn sie dagegen lief, hatte sie sich nicht mehr unter Kontrolle und machte was Unnormales. Aalim und Nazeeya sagten zwar, dass sie sich für nichts zu schämen habe und sie zeigte ihnen Gegenüber auch Verständnis. Doch wie bei vielen ihrer Aussagen dieser Art, war das Verständnis nur geheuchelt, unwahr, eingeübt um sich anzupassen. Sie verstand es nicht. Fehler zogen Konsequenzen nach sich. Das wusste sie. Warum hier nicht? Viele in der Stadt reagierten anders auf sie, als sie es gewohnt war. Sie war es gewohnt, dass man sie nicht beachtete, dass sie ruhig sein sollte und gehen, wenn ihre Macken zu nahmen. Es wurde hier etwas anderes von ihr erwartet und sie verstand nicht was.

Mit einem Seufzen ließ sie sich an der Wand hinab sinken. Es war ein Gefühl der Hilflosigkeit und Verzweiflung, dass sich in ihr breit machte und… noch ein anderes. Wie Feuer in ihrem Magen, die Ohren schienen zu rauschen. Sie kannte das Gefühl, aber sie wusste nicht, woher. Aber sie mochte es nicht. Vor ihrem geistigen Auge blitzten Bilder von Flammen auf, die sie auf Grund ihrer Lebendigkeit erschreckten. Mit einem Mal war sie wieder auf den Beinen. Angst vertrieb die anderen Gefühle, doch das Rauschen in ihren Ohren blieb. Sie musste hier raus. So schnell sie ihre Füße trugen, verließ sie wieder das Haus. Die Tür viel hinter ihr klappend ins Schloss, und sie machte sich nicht die Mühe sich ihre Sandalen noch anzuziehen. Zielsicher fand sie ihren Weg in die Oase. Noch immer verspürte sie das brennende Gefühl in der Magengegend, und erst als sie sich am Quellwasser nieder ließ und ihr Gesicht mit etwas Wasser benetzte, beruhigte sich das Brennen und Rauschen. Sie sog die Ruhe in der Oase auf wie ein trockener Schwamm das Wasser. Dieser Ort war besonders. Besonders genug um ihre wirbelnden Gedanken zu beruhigen und alle schlechten Empfindungen zu verbannen.

So verblieb sie die Nacht über wieder in der Oase. Die Kälte der Wüstennacht war hier auszuhalten. Es war als hätten die Pflanzen all die Wärme der Sonne gespeichert und würden sie nun langsam an ihren Gast abgeben. Am Morgen kehrte sie wieder zurück in das Familienhaus, in der Hoffnung, das niemand ihr Verschwinden bemerkte.
Majidah Ifrey

Beitrag von Majidah Ifrey »

Die letzten Tage, seit sie sich wieder frei bewegen durfte, nutzte sie auch völlig aus. Sie verließ in den frühen Morgenstunden das Haus um in den Tempel zum Beten zu gehen, und um ein wenig zu grübeln. Die restliche Zeit verbrachte sie entweder in der Stadt oder an ihrer Lieblingsstelle in der Oase, wobei sie aber darauf achtete den anderen Menekanern aus dem Weg zu gehen.

Sie hatte es gehasst im Haus festzusitzen, wo ihr jederzeit jemand begegnen konnte. Ihre gewünschte Ruhe und Abgeschiedenheit hatte sie nicht finden können - das holte sie nun ausgiebig nach.

Und wenn sie sonst wirklich kaum Gespür für anderen Menschen und den Umgang mit ihnen hatte, so konnte sie doch erstaunlich gut ausweichen und übersehen werden. So kam es, dass eine der Stadtwachen, die in der Oase ein paar frische Früchte für ein kleines Mahl holte, einfach an ihr vorbeilief, ohne die stille Natifah überhaupt zu bemerken.

Ein weiterer Grund für ihr Verhalten war auch ein wenig Angst, da sie einen Termin hat platzen lassen, über den gewiss nicht einfach hinweg gesehen wird. Feige, aber Mut gehörte wohl nicht zu ihrer scheuen Wesensart.

So wird sie auch weiterhin den anderen ausweichen, so es ihr möglich ist.

Zudem konnte sie hier niemanden unbeabsichtigt in Brand stecken oder anderen Unsinn treiben. Sie musste nur acht geben, dass sie die Insel nicht wieder verließ, oder ihre andere Seite durchbrach. In letzrer zeit gelang ihr das besser, beziehungsweise bekam sie von den Auswirkungen ihrer Wechsel nichts mit. Sie hatte nach wie vor Erinnerungslücken. Mal fehlten ein paar Stunden, mal fehlte ein ganzer Tag. Und alleine fühlte sie sich einfach sicherer.

So machte sie sich auch an diesem Tage wieder auf den Weg in die Oase und würde sicher erst am späten Abend heim kehren.
    Zuletzt geändert von Majidah Ifrey am Dienstag 15. Mai 2012, 13:39, insgesamt 1-mal geändert.
    Majidah Ifrey

    Beitrag von Majidah Ifrey »

    Sie sagte kein Wort. Zu niemanden. Es fiel auch gar nicht weiter auf. Stück für Stück reifte ihr Plan und sie sammelte alle Sachen die sie brauchte beisammen. Spät in der Nacht, als Ruhe im Hause der Ifrey eingekehrt war, nahm sie ihre Sachen und verließ auf leisen Sohlen das Haus. Einige Sachen, für die sie keine Verwendung hatte, hatte sie da gelassen. Auch ein Zettel mit ihrer peniblen Handschrift blieb im Haus liegen.

    • Möge Eluive euch auf euren weiteren Wegen begleiten.
      Nehmt mir mein Verschwinden nicht übel, sorgt euch nicht. Meine Brüder werden acht auf mich geben.

      Majidah
    Noch ein kurzer Abstecher in die Oase, wo sie sich mit frischem Obst eindeckte, dann führte ihr Weg sie weiter in die Nachtkalte Wüste, wo sie bald auf eine Karawane treffen würde, die sie mit nahm. [...]
    Majidah Ifrey

    Beitrag von Majidah Ifrey »

    Wieder machte sie sich vom Acker, wieder wurde ihr irgendwas zu viel und wieder sprach sie kein Wort mit den anderen über ihre Gedanke, Sorgen.
    Eines Morgens verließ sie das Haus, wie so häufig - und kam danach nicht wieder zurück.

    Es wird wohl einige Tage, oder gar Wochen dauern, bis sie ihr Weg zurück führen mag. Zumindest kann man zu diesem Schluss kommen, wenn man untersuchen sollte, was sie alles mitgenommen hat.
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