Knappin und Gardistin - Leben im Licht Temoras

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Niowe Adela Aireth

Zweifel

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

13.Wechselwind 254

Ich fühle mich gut, eigentlich sehr gut. Aber und hier ist der der Punkt mein Sire traut mir nichts zu. Schonen, schonen und nochmals schonen. Ich bin das nicht gewohnt, verstehe es auch nicht. Wieso tut das mein Sire? Ich wage es nicht ihm diese Frage zu stellen, denn wenn er der Meinung ist, dass das das Beste für Niowe ist, dann besteht er darauf. So gut kenne ich ihn bereits. Daher unterlasse ich es darüber zu reden. Meinem Körper und Kopf geht es prächtig. Die Narbe unter meinem Haar ist verheilt, das fühle ich wenn ich über die Kruste, die sich da gebildet hat, mit den Finger streiche. Dennoch bin ich heute verzweifelt. Daran sollte sich bis zur Abendstunde nichts ändern, ständig kommt der Gedanke, dass ich meinem Sire nicht würdig bin, und dem Regiment schon gar nicht würdig genug. Auch mein Sire scheint sich insgeheim mit diesem Gedanken zu beschäftigen, denn er fordert mich nicht.

Du darfst wieder das Haus verlassen, Niowe, aber du überanstrengst dich nicht! Und trainieren wirst du nur leicht! Ich hätte heulen können bei den Worten, was ist das für ein Leben?
Wenn ich höre oder sehe, dass du sofort wieder loslegst, gibt es einen auf die Nuss, verstanden? Ja, ich habe verstanden. Er sieht in mir eine unfähige Frau, die geschont und in Felle eingewickelt werden muss, damit sie den Widrigkeiten der Welt widerstehen kann. Ich bin nicht würdig! Er sieht in mir keine aufrechte Streiterin Temoras und des Reichs. Bei einem Mann wäre er sicherlich nicht so zimperlich gewesen. Ich fühle mich nun elendig. Ein Zustand, der sich an diesem Tag noch verstärken sollte.
Wir machten uns also auf zu einem leichten Training. Die Spinnenkönigin, dieses Biest, kannte ich ja bereits und meine Aufgabe war sie zu bezwingen. Tat ich. Lustlos diesmal und mit einer Schlagabfolge, die mich gestern noch gefreut hätte, ja stolz gemacht, heute war es mir gleichgültig. Ich blickte auf den leblosen Körper herab und fühlte nichts. Weder Freude, noch Erleichterung, einfach nichts. Sonderbar, dachte ich kurz. Dann ging es weiter. Auch die Mumie, meine nächste Aufgabe, erschreckte mich nicht sonderlich. war Mein Wille sagte mir, bezwinge sie, was ich tat, ohne lang nachzudenken. Auch hier erhob sich in mir kein Glücksgefühl, du hast es geschafft, Niowe! Nein, es blieb aus. Sonderbar.

Es hat einen Grund, weshalb du dich noch schonen musst, Niowe. Die Heilmittel von Koras und der Heilerin lassen die Wunden schneller genesen, aber dein Körper braucht Zeit, um wieder zu Kräften zu kommen. Hätte er das zu einem Mann auch gesagt? Sicher nicht, davon bin ich überzeugt. Aber ich bin eben einen Frau, daher bedeuten diese Worte meines Sires für mich, du bist eben nur eine schwache Frau, Niowe, der man nichts zumuten kann, daher muss ich dein Ritter nun darauf achten, dass du in Ordnung und intakt bleibst. Ja nicht zu viele Narben, gut dass man die am Kopf unter dem Haar nicht sieht, weil das mindert den Wert am Heiratsmarkt. Aber keine Bange, du hast ja mich, um drauf zu achten. Daher habe ich dann folgendes erwidert, um sicher zu gehen, dass es so ist, wie ich denke.

Ach Sire man darf doch nicht so zimperlich sein….ich bin doch keine Lady! Ich bekomme sicherlich noch mehr Hiebe in meinem Leben.
Das wirst du aber werden, Niowe. Vorausgesetzt du kommst zur Einsicht!
Zu welcher Einsicht Sire?,
frage ich nach.
Zu der Einsicht, Niowe, dass dein Körper, dein höchstes Gut ist, und du ihn auch so behandeln solltest.
Das heißt ihn schonen, wenn er verletzt ist. Du ihn ernährst, wenn er Kraft braucht, und dir das durch Hunger mitgeteilt wird.
Ha, erwischt! Genau darum geht es ihm. Solange Niowe noch gut aussieht und man die Narben am Körper nicht sieht, ihr Gesicht nicht verunstalten ist, werden wir sie so bewahren. Damit irgendwer dann gefangen von ihrer äußeren Schönheit, um sie wirbt. Egal, wie schön oder wertvoll die Seele und der Geist sind, wichtig ist nur das Äußere bei ihr, der Rest hat keinen Wert. Ich fühle mich so entsetzlich nun, wie nie zuvor und kein Micheil ist da an dessen Schulter ich weinen könnte, der mich versteht. In meiner Verzweiflung sage ich nur: „Gut, Sire, ich werde daran denken“, und nehme es einfach so hin. Nur entsetzlich traurig bin ich dabei. Wieso kann ich in dem von Narben gezeichneten Gesicht der herzoglichen Hoheit, trotz fehlender Finger der einen Hand, das Schöne in ihm sehen, es würdigen und achten als das, was es ist. Ein Leben, das dem Kampf gewidmet ist, dem Schutz der Wehrlosen, den Menschen des Reichs, deren Leben man schützt, ohne auch nur einen Gedanken an das eigene zu verschwenden, egal ob Narben bleiben oder nicht. Meine Zweifel verstärken sich. Bin ich das, was der Sire von einem Knappen erwartet? Würde er einen Mann anders behandeln als mich? Würde er ihn nicht härter fordern? Strenger bestrafen? Zwingt mein Äußeres ihn dazu ihn milder zu stimmen? Ich will aber genauso behandelt werden wie jeder andere Knappe des männlichen Geschlechts. Ich will getreten werden, wenn der Sire es so wünscht, auch im Pferdetrog landen, wenn das sein Wille ist. Ich will doch nur ein ganz normaler Knappe, wie jeder andere sein und auch so behandelt werden.
Nach dem Training stießen wir in Bajard auf einen Letharen und einer Rabendienerin, deren Äußeres mir nur allzu bekannt ist. Nachdem der Sire noch etwas in Bajard erledigen musste, kamen wir zurück und bemerkten, dass ein Kampf im Gange war. Den Letharen habe ich genau betrachtet, noch nie bin ich bisher einem begegnet. Giftmischer! Alles aus meinem Buch, das ich über sie gelesen habe, fällt mir nun ein. Erstaunlich gut hat er gekämpft gegen die beiden Mannen der Wehr und dem Ordensritter. Wie gerne hätte ich ihnen geholfen, durfte es aber nicht, weil kein Befehl meines Sires kam. Ich sollte wohl nur den Kampf beobachten, obwohl alles in mir danach schrie, im Sinne meiner Herrin zu helfen. Nach dem Kampf hat sich mein Sire noch mit dem Hauptmann der Wehr unterhalten. Dunkel kann ich mich an ihn erinnern, denn nach meinem Sturz sind wir damals, also Herr Bernau, Diakon Aaron, der Sire und ich, ihm auf unserem Spaziergang begegnet. An das Gesicht konnte ich mich nun erinnern, den Namen nicht, aber den nannte nun er ja zum Glück. Halbherzig lauschte ich dem Gespräch der beiden. Ab und an warf ich eine Freundlichkeit ein, weil dem Hauptmann ja keinerlei Schuld, dass ich mich nun noch schrecklicher an diesem Tag fühlte, traf. Ich dachte es gäbe für dieses Gefühl keine Steigerung mehr, aber die gab es. Nach dem Gespräch ging es weiter nach Adoran. Als mein Sire dann ins Bett ging und ich mich wie gewohnt höflich verabschiedet habe, dachte ich noch lange auf dem Balkon nach. Nur Amra gab mir ein Gefühl der Wärme an diesem Tag, als sie einfach auf meinen Schoss sprang, und dort gekuschelt an mich, bis wir dann viel später mein Bett aufsuchten. Gleich Morgen würde ich mich bei Koras entschuldigen, das habe ich mir vorgenommen. Alles andere blieb in Schwebe, mein Tagesablauf, mein Training. Noch nie in meinem jungen Leben ist das bisher vorgekommen. Ich bin unwürdig, mit diesem Gedanken schlief ich dann irgendwann ein.
Zuletzt geändert von Niowe Adela Aireth am Donnerstag 14. April 2011, 12:40, insgesamt 1-mal geändert.
Niowe Adela Aireth

Gedanken über Minne

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

24.Wechselwind 254

Es gibt Tage, da würde ich es am liebsten vor ihn hintreten und gestehen, dass ich ihn liebe. Genau das ist verboten und auch dem Verhalten einer Dame unziemlich, das weiß ich nur zu genau. Ich bin ja noch seine Knappin und er, mein Ritter, mein Herr und Vormund. Ich werde mich ihm gegenüber immer korrekt verhalten, das gebietet mir mein Respekt und mein Achtung vor seiner Person.

Adel heiratet nur Adel, Niowe. Das gilt auch für dich und ich als dein Vormund habe darauf zu achten.
Keines seiner Worte würde ich je vergessen. Einmal kommt der Tag an dem ich dann Ritterin sein werde und von Adel und ich weiß jetzt schon wie ich mich entschieden habe. Unauffällig so dass mein Sire es ja nicht bemerkt, habe ich immer wieder Fragen gestellt.
Ist es mir gestattet Sire dann weiterhin in Eurem Haushalt zu wohnen, auch als Ritterin?
Ja, ist es, Niowe.

Diese Antwort hat mich an diesem Tage so glücklich gemacht, dass ich die Welt vor Freude umarmen hätte können. Tat ich aber nicht, weil eine ganze Welt ein wenig zu groß ist. Aber der nächst beste meiner Zwergenfreunde musste daran glauben, was jener mit Erstaunen, ob des unerwarteten Gefühlsausbruchs, einfach so hin nehmen musste. Ein Zustand, der bei Zwergen äußerst selten ist, und den sie dann einfach versuchen in ihrer gewohnten Art zu übergehen. Die einzige, die mich dann auch immer versucht hat zu umarmen, war Kunna, meine Freundin. Nicht einmal ihr darf ich meine Liebe anvertrauen, so schmerzlich das auch für mich ist. Es darf keiner wissen, nur mein Herz weiß es zu genau. An manchen Tagen tut es so weh meinen Ritter müde und abgespannt an seinem Schreibtisch sitzen zu sehen. In jenen Augenblicken tue ich dann das, was mir gestattet ist als Knappin. Ich stelle Fragen, versuche ihn ein wenig abzulenken und zu erheitern, und wenn ich es schaffe ihn zum Lachen zu bringen, darin aber ich nun eine Kreativität an den Tag gelenkt, die mich selber erstaunt, bin ich glücklich. Ich sehe ihn an während er lacht und lache mit ihm. In diesen Augenblicken wünsche ich mir nur eines, die Macht die Zeit ein wenig anzuhalten, damit jener kostbare Augenblick für mich noch ein wenig länger besteht.
Wochen danach habe ich meine zweite Frage gestellt. Ich habe viel Zeit verstreichen lassen, damit es ihm nicht auffällt. Er darf nicht den leisesten Hauch einer Ahnung habe, wie es in meinem Herzen aussieht.

Sire ist es mir dann nach meiner Knappenzeit gestattet Euch als Freund und Berater an meiner Seite zu wissen?Ja, hat er gesagt und noch vieles mehr, dass er stolz wäre, wenn er seiner ehemaligen Knappin zur Seite stehen dürfte, vorausgesetzt es wäre nicht ein Mann an meiner Seite, dem dann mein Vertrauen zusteht. Das Ja hat mir gereicht als Antwort auf den Rest, sprich zukünftiger Mann, bin ich eher aus Liebe zu ihm und weil ich ihm keinen Kummer oder noch mehr Sorgen bereiten wollte, nicht eingegangen, habe nur schweigend gefügig genickt. Ich kann ihm doch nicht sagen, dass bereits einer, nur der eine, der mein Sire ist, den Platz in meinem Herz eingenommen hat und zwar für immer und ewig. Egal was die Zukunft noch bringen wird, ich werde ihm treu zur Seite stehen, ohne Forderungen ohne Erwartungen und auch ohne je darauf hoffen zu dürfen, jenen Mann, den ich vom ersten Augenblick an, als ich mit ihm sprach, liebte, mein nennen zu dürfen. Ja, ich habe diesen Dickschädel, den er mir ab und an vorwirft. Genau diese Sturheit meines Bruders, meiner Familie, die unbeirrbar den Weg geht, den wir beschritten haben. Auch in der Liebe. Zum ersten Male habe ich etwas in mir erkannt, dass mich zur Tochter meines Vaters macht. Wie er nur die eine, einzige Liebe in seinem Leben hatte, gibt es auch für mich nur den einen, meinen Sire.
Später dann nach meiner Knappenzeit werde ich ihm nahe sein. Nicht aufdringlich, das ist nicht meine Art, aber immer da, wenn er jemanden braucht, der ihn zum Lachen bringt, der, so er mir vertraut, seine Sorgen aber auch die Freude teilen wird. Dazu sind Freunde da, auch wenn der eine zufällig den anderen liebt, was er aber niemals aus meinem Mund erfahren wird, ist kaum von Bedeutung.
Ich habe es schon verstanden! All die kleinen Hinweise, dass er zu alt wäre. So ein Schwachsinn! Alter ist für mich nicht entscheidend, immerhin ist er jünger als Micheil, sieht prächtig aus ist der wunderbarste Mensch auf dieser Welt und er ist vor allem stark, unbeugsam, diplomatisch, wortgewandt, kann aber auch schweigen, jene Art von Schweigen, die nicht unangenehm ist, es ist eher ein Schweigen bei dem ich mich wohl fühle und geborgen.

Ihr sollt mir nicht schmeicheln, Niowe! Wenn er wüsste! Ich würde, wenn ich dürfte, was ich ja nicht darf, so vieles sagen, was er in seiner Bescheidenheit und seiner edlen, aufrichtigen Art, niemals akzeptieren würde, darf und kann, denn er ist eben ein Ritter, wie man ihn sich nur wünschen kann. Das beste, was es in dem Land gibt, nebst dem Herzog natürlich. Also habe ich einfach nur gesagt, ich schmeichle nicht, somit war die Angelegenheit vom Tisch für ihn. Für mich nicht, denn ich bin ja, wie gesagt stur.
Der einzige Moment, wo ich ein wenig ratlos war, was sonst eigentlich nie der Fall ist, war die Besprechung meiner Aufgabe. Minne. Ich muss daran arbeiten und ihm dann mein Buch zur Durchsicht vorlegen.
Über Temora darf ich nicht scheiben, das wäre einfach gewesen. Über Amra, meine kleine Hündin soll ich, aber will ich eigentlich nicht schreiben, weil es nicht dem entsprechen würde, was ich über meinen Sire schreiben könnte. Wenn ich aber über meinen Ritter schreibe, dann besteht die Gefahr, nein sogar die Sicherheit, dass er aus den Zeilen heraus liest, wer genau damit gemeint sein könnte. Tut er das nicht, käme er vielleicht auf den Gedanken, dass mein Herz einem anderen gehört. Ich bin nun in einer richtigen Zwickmühle. Schreibe ich so, wie ich es mir vorstelle, verrate ich mit Sicherheit, dass es da jemanden gibt. Dann wird natürlich mein Sire bohren. Wer ist er? Wieso kenne ich ihn so gut? Wieso habe ich es ihm verheimlicht, und und und…… Das gibt nur Schwierigkeiten.
Ich male mir all seine Fragen bereits aus und mir wird übel. Also schreibe ich ein eher belangloses Minnelied über Amra, die ich sicherlich liebe, aber so wie man eben seine kleine Hündin liebt. Oder ich schreibe über einen wundervollen Mann, den es gibt, aber nicht so, wie mein Sire denken würde. All das bereitet mir nun Sorgen, über die ich so ich Zeit habe, nachdenke und je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr verzweifle ich. Ein Minnelied über ihn, meinen Sire, wäre wohl das Beste, was ich vollbringen könnte, aber auch genau das, was ich nicht tun sollte. Also bleiben wir bei Amra, oder doch nicht? Ich bin noch immer ratlos, aber ich muss mich entscheiden.
Niowe Adela Aireth

Einen Brief gilt es zu verfassen

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

04. Eluviar 254

Wie die Zeit vergeht, denke ich während ich da am Schreibtisch meines Sires sitze. Der Morgen tagt bereits und der Brief sollte fertig sein, wenn mein Sire aufwacht. Ich habe eines der schönen Pergamente vor mir liegen, und wippe mit der Feder in meiner Hand. Es ist nicht so, dass mir nichts einfallen würde, aber so viele Gedanken wandern in meinem Kopf umher.
Dieser neue Heiler in Adoran, Kilian, so ist sein Name, hat Herrn Inos und mir von dem schrecklichen Vorfall abermals in der unmittelbaren Umgebung von Bajard erzählt. Einer von vielen. Aber meine Aufgabe ist es nicht jetzt darüber nachzudenken. Ich habe gestern noch den Sire davon informiert und es sollte eigentlich erledigt sein hiermit. Ist es aber nicht. Der Kreis um mich herum, wird immer enger. Diese Kreaturen aus Rahal und diese menschlichen Bestien, anders kann man sie nicht bezeichnen, sind mit überraschender Geschwindigkeit in mein Leben getreten. Zuerst Letharen, dann Krieger und Ritter aus Rahal. Was ich vorher nie zuvor gesehen noch erlebt hatte, ist nun in mein Leben getreten. Grauen, Blut, die Folgen einer Folter und Unmenschlichkeit. Es ist anders, wenn man davon berichtet bekommt, und nun Teil dieses Kampfes ist. Vater hat mich wirklich gut vorbereitet mit seinen Berichten, die mir als Kind noch Angst verursacht haben, später dann nahm ich sie so hin als das, wofür sie gedacht waren, mich vorzubereiten auf mein Leben, das ich hier führe. Dennoch hasse ich den Feind nicht, er muss bekämpft werden und wenn es notwendig ist, jeden Tag aufs Neue, bis er sich in seine dunklen Löcher in Rahal verkriecht, um dort seine Wunden zu lecken. Das ist die Pflicht! Wir sind schließlich im Krieg. Das Grauen ist Teil des Kriegs hier und überall auf der Welt. Unschuldige werde immer wieder sterben, das nimmt der Krieg in Kauf, der mit Blut das Land bedecken wird, damit danach Neues wieder entsteht, erblüht um abermals zu verwelken um dann in der alltäglichen Ignoranz zu verblassen und in Vergessenheit zu geraten. Es wird sich niemals ändern, das habe ich begriffen. Ein ständiger Kampf der mein Leben beherrschen wird. Dennoch bin ich glücklich diesen Weg beschritten zu haben, glücklich weil die Herrin mir jeden Tag aufs Neue Hoffnung schenkt.
Genau das sollte ich erwähnen, denke ich und blicke auf mein noch unberührtes Pergament. Rasch gleitet meine Feder darüber. Worte formen sich zu Sätzen und beim ersten Licht der Sonne bin ich fertig.
Behutsam streue ich ein wenig Sand über das Pergament, damit die Feuchtigkeit der Tinte aufgenommen wird, dann blase ich ihn über den Schreibtisch hinweg. Sauber und in meiner besten Schrift liegt der Brief dann da, bereit für meinen Sire.
Rasch erhebe ich mich, denn es ist Zeit für das Morgengebet. Meine Wunden sind verheilt und ein neuer Tag beginnt.
Niowe Adela Aireth

Die hab Mut zu leben Erzählung

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

07. Eluviar 254

Nach dem gestrigen Abend, meiner 2.Greifenrunde an der ich teilnahm und der Einladung seiner herzoglichen Hoheit zu einem privatem Gespräch, welcher mein Sire und ich folgten , sitze ich nun da auf meinen Kissen halte Amra meine Hündin fest und denke nach über so vieles was sich an diesem Tage ereignet hat, da fällt mir die " Hab Mut Zu Leben" Erzählung ein, die mir Micheil als ich ein Kind noch war, eines Abends Tage nach der Hinrichtung zu deren Teilnahme mich Vater gezwungen hatte, erzählte.

Einst schwammen zwei Delfine im Meer. Der eine war glücklich und lachte mit jeder Welle um die Wette. Der andere Delfin zaghaft, er hatte Angst vor dem Leben im Meer, das so schrecklich groß und tief war, tauchte nur ab und zu unter und schwamm seine feste Route. Der Glückliche war stets guter Laune und hatte das Gefühl, dass ihm das ganze Meer gehöre. Der Zaghafte war schon mit seinem kleinen selbstbestimmten Freiraum zufrieden. Eines Nachts zog ein schwerer Sturm auf. Meterhohe Wellen zerrissen das harmonische Wellenspiel. Der glückliche Delfin hatte keine Angst und schwamm mutig gegen den Strom. Das zaghafte Tier aber war vor Angst wie gelähmt und wurde an Land gespült, wo es qualvoll verstarb.

Damals als Kind habe ich Tränen vergossen um den Delfin, der verloren war, heute begreife ich was mein Bruder mir damit sagen wollte. Wie seltsam es doch ist, dass mir immer öfter nun Worte und Erzählungen meines Bruders einfallen. Dinge, die ich tief in mir vergraben hatte, um sie zu vergessen, weil es für mich unerträglich war an sie zu denken. Jetzt hier in meinem Zimmer in der Residenz meines Sires empfinde ich tiefste Dankbarkeit und Liebe für die Gnade der Herrin mir Micheil zur Seite gestellt zu haben. Er verweilt nun bei der Herrin, aber die Herrin hat erneut einen wunderbaren Menschen, meinen Sire, mir zur Seite gestellt, der mich auf meinem Weg begleitet mit der nötigen Strenge und Nachsicht, beides in ihm harmonisch vereint wie sonst bei keinem. Er hat es zuwege gebracht den zaghaften Delfin in mir, der Angst hatte abermals zu ertrinken und aus dem Grund tiefe Gewässer mied, zu besiegen. Ich kann zwar immer noch nicht richtig schwimmen, aber ich weiß, dank ihm, das ich immer wieder auftauchen kann und werde, mich darüber freuen und lachen über die Tropfen die über mein Gesicht laufen und das beglückende Gefühl leicht wie eine Feder im Wasser zu schweben. Ich danke Euch, mein Sire, und auch dir Micheil, mein Bruder, hauche ich glücklich und voller Liebe zu den beiden in das Fell meiner Hündin.
Niowe Adela Aireth

Freunde, selten wie Diamanten, aber um einiges wertvoller

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

9. Eluviar 254


Wie gewohnt erledige ich heute wie sonst auch immer in penibler Reihenfolge meine Pflichten des Tages. Tee für meinen Sire! Das erledige ich immer gleich nach dem Aufstehen und dem morgendlichen Bad. Vorsichtig mit noch nassem Haar und barfuß, denn er hat Ohren wie ein Luchs, schleiche ich mich an sein Schlafgemach mit dem Tablett und der Teetasse darauf an, wo ich es lautlos vor der Tür abstelle, damit er es ja bemerkt. Bis er aufsteht ist der Tee kalt, aber beklagt hat er sich noch nie über den Kräutertee, also bekommt er ihn weiterhin jeden Morgen. Außerdem tut er ihm gut und obendrein macht Kräutertee am Morgen glücklich. Beides würde ich ihm niemals verwehren wollen, denn es liegt mir am Herzen, dass es ihm auch in den schwersten Zeiten, gut geht. Dann ist es Zeit für meinen Tee, den ich stehend einnehme und heißhungrig Fisch mit Kräutern dazu esse. In letzter Zeit habe ich einen Heißhunger entwickelt, der erstaunlich ist. Mein Körper ist nun in perfekt trainiertem Zustand, kein Gramm Fett aber von Muskeln geprägt, die meinen zierlichen Körperbau harmonisch formen. Jetzt hat mein Sire das, was er sich immer gewünscht habe, denke ich und verschlinge noch ein zusätzliches Fischstück.
Dabei fällt mir das wunderbare Festessen bei Kunna und Balir in Nilzadan ein. Wie schön war der Besuch! Wie befreiend unter Freunden zu sein, die immer mir zur Seite standen. Ein weiterer Freund scheint mein Leben zu betreten. Herr Kilian, ein Heiler. Ich habe ihn mitgenommen, damit er diese für mich so wichtige Wärme und Liebe der beiden spürt, die wie sonst kaum anderswo in diesem Land, da unter dem Berg, unter kaltem Gestein gedeiht. An seinen Blicken habe ich gesehen, wie begeistert er von Kunna und Balir war. Wie sehr ihm die beiden immer mehr ans Herz gewachsen sind.
Es tut so gut, wenn Kunna mich Steinchen nennt, nicht Gardistin oder Knappin oder Niowe. Es tut gut sie und Balir glücklich und wohlauf zu sehen, unverändert in inniger Freundschaft mit mir verbunden und es tut gut, was ich nie zuvor zugegeben hätte, einmal Adela zu sein, die junge Frau, die hier keine Pflichten erfüllen muss, die einfach nur unter Freunden sein darf. Mögen mir als Ritterin auch diese wertvollen und wichtigen Stunden in meinem Leben einst gegönnt sein, und möge Kunna nie aufhören mich Steinchen zu nennen!

Katuri! Ein weiterer Freund, das würde ich ihm nie sagen, denn dann würde zur Schau getragene Überheblichkeit noch weiter ansteigen. Was ich unbedingt vermeiden will! Er ist ein anderer Freund als Kunna und Balir. Bei weitem nicht herzlich zu nennen, was nur durch die nach außen getragene Gefühlskälte seiner Gemahlin noch übertroffen wird. Ich bin bei ihren Worten damals, als ich wie ihm versprochen, im Kloster nach ihrem Wohlbefinden mich erkundigt habe, zu Eis erstarrt. Was für mich ein eher unüblicher Zustand ist. So möchte ich niemals sein! Jene, die im Reich treu dem lichten Weg folgen, sollen meine Wärme und auch meine Fürsorge um ihr Wohlergehen fühlen. Ich will kein Eisblock sein, wie Katuris Gemahlin, vor dem jeder erstarrt, Temora möge das verhindern. Aber die beiden passen perfekt zueinander, finde ich. Katuri hat da jemanden an seiner Seite, der ihm so richtig zeigt, wo es lang geht und die Frostbeulen in ihrer Gegenwart, die er sicherlich auch manchmal erleiden wird, schaden ihm nicht. Das braucht er! Dennoch weiß ich tief in meinem Herzen, dass ich mich auf ihn verlassen kann, komme was da wolle. Es ist nur eine andere Art sich auf jemanden verlassen zu können. Er macht vielleicht im Regiment das was ich ihm sage, oder auch nicht, aber schlussendlich ist das Ergebnis immer zufrieden stellend, das habe ich viele Male bemerkt und keiner wird je ein Wort darüber aus meinem Mund erfahren, noch werde ich mich je darüber beklagen. Auf das Ergebnis im Kampf kommt es an, und dass wir bestehen und heil daraus zurückkehren. Ja, ich achte Katuri, so wie er ist, das gehört auch zu einer Freundschaft, den anderen nicht verändern zu wollen, auch wenn man manchmal schreien könnte innerlich! Beherrschung ist alles und Vertrauen noch mehr!
Da wäre noch Herr Kilian als Freund zu nennen, so wie er sich um mich gekümmert hat da unten bei dem Wyrm und dem Balron, vergesse ich niemals. Er ist ein sehr liebevoller, besorgter und bemühter Heiler. Wir können dankbar sein, dass er zu uns nach Adoran gefunden hat. Die Stadt wird um diesen Menschen nur bereichert!

Mein Sire! Mehr als ein Freund und doch mein Sire und Vormund. Ich werde ihm immer zur Seite stehen, als Freundin, denn mehr darf ich niemals erhoffen. Ich werde eine gute Freundin sein, ihn unterstützen mit meiner Zuneigung und Wärme in guten und schlechten Zeiten. Er wird und kann sich immer auf mich verlassen, gleichgültig was da noch kommen mag, das habe ich heimlich beschlossen. Ich werde versuchen sein Leben ein wenig zu erhellen und ihn weiterhin zum Lachen bringen.

Dann wäre da noch seine herzogliche Hoheit! Ich vergesse noch immer die Welt rundum wenn ich ihn erblicke, aber langsam wird es besser. Die Einladung zusammen mit meinem Sire, hat dazu viel beigetragen. Ich habe es sogar gewagt, dank dem Erdbeerwein, einige Worte einzuwerfen, worüber mein Sire und sogar seine herzogliche Hoheit gelacht haben. Wie schön ist es, ihn immer wieder so befreit fern von all den Sorgen sehen zu dürfen! Auch seine herzogliche Hoheit waren prachtvoll wie immer, und doch in diesem Rahmen anders. Meine Achtung und ja auch Zuneigung, anders wohl als jene, die ich für meinem Sire empfinde, wächst von Mal zu mal. Seine herzogliche Hoheit ist nicht nur ein wunderbarer Mensch, sondern auch eine Person, der man unbedingt vertrauen kann, und vor allem in meinem Falle respektiert und achtet. Nicht unähnlich meinem Sire!
Da fällt mir ein, ich sollte gleich seine Rüstung reinigen und polieren, auch wäre es von Vorteil dies bei seinem Schwert zu tun! Sicherheitshalber, da dies wohl Zeit in Anspruch nehmen wird, bereite ich einen Teller mit noch ein wenig Fisch darauf vor, damit alles bereit steht, wenn mein Hunger erneut anwächst. Man kann nie wissen, denke ich und eile aus der Küche, um diese und die vielen anderen Pflichten des Tages zu erfüllen.
Zuletzt geändert von Niowe Adela Aireth am Montag 9. Mai 2011, 13:57, insgesamt 1-mal geändert.
Niowe Adela Aireth

Ein Gespräch und vieles worüber ich nachdenke

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

28. Eluviar 254

Ein sonderbares Gespräch war das mit dem Sir Cedric von Mervis. So anders ist er und seine Ratschläge, die nehme ich nicht zu Herzen, weil er mich nicht kennt. Ich ihn auch nicht und von daher sind mir Ratschläge von fremden Personen gleichgültig. Ich habe Temora versprochen meinen Weg zu gehen, das tue ich. Auch auf die Frage hin, wie es mit meiner Ausbildung stünde, habe ich ehrlich geantwortet. Mäßig. Mäßig für mich, denn ich stelle bei weitem höhere Ansprüche an mich, als dies je einer tun würde. Meine Vorbilder sind seine herzogliche Hoheit und natürlich mein Sire, und so gesehen bin ich mäßig noch.
Sir Cedric ist so steif so fern von dem was Micheil war, so fern von dem was seine herzogliche Hoheit ist im privatem Rahmen und so fern von dem was mein Sire eigentlich ist, wenn wir unter uns sind. Fast tut er mir leid, er wirkt ein wenig traurig, das ist mir aufgefallen. Außerdem ist Sir Cedric verheiratet, was mir eigentlich gleichgültig ist, aber ich glaube mich zu entsinnen, seine Frau ist die Schwester meines Sires, und das ist übel, denn sämtliche Damen in seiner Familie haben Haare auf den Zähnen, so hat mir mein Sire einmal kund. Ich hoffe nur die Ehefrau von Sir Cedric nicht, wie der Rest der Familie meines Sires. Zum Glück für mich leben sie in Reensdorf also weit weg. Sollten sie uns dennoch eines Tages besuchen, dann werde ich einfach schmeicheln, so wie ich es im Laufe der Zeit an Seite meines Sires gelernt habe. Und wenn das nicht hilft, dann kann ich auch ungenißebar sein. Ein Umstand, der mir sehr leicht fällt, weil ich da Niowe in den Vordergrund treten lasse. Sie ist stark, kann alles ertragen und ist eher unbekümmert was Konfrontationen angeht. Sie berühren sie nicht, gleiten an ihr ab wie Wassertropfen an einem Spiegel.
Adela wäre da viel zu empfindlich. Aber Adela kennt keiner hier. Vielleicht Teile von ihr, das warmherzige, mitfühlende, aber nicht die Adela in ihrer Gesamtheit, wie sie es bei Micheil war, damals.
Aber zurück zu Sir Cedric, ich habe bemerkt, dass da etwas nicht stimmt, was genau weiß ich nicht, kann es nicht einmal ahnen. Ich hoffe nur, dass er zu meinem Sire so viel Vertrauen aufbringt, es ihm mitzuteilen. Eine Last sollte man mit Freunden teilen, und mein Sire ist sein Freund, dessen bin ich mir gewiss, und mit mir kann auch in Zukunft rechnen. Ich schätze Sir Cedric trotz aller Gerüchte, die man so hört, und die, naja davon will ich nichts eigentlich wissen, denn sie sind zum Glück seine Angelegenheit. In seinem Alter sollte man ein wenig vernünftiger sein, finde ich, mehr dazu will ich mir gegenüber nicht eingestehen, noch je darüber mit irgendjemand sprechen.
Es tut gut verlässliche Freunde an meiner Seite zu wissen. Sir Cedric wäre gut beraten, auch solche an seiner Seite zu haben. Ich bin
vorsichtiger geworden in letzter Zeit, ständig sprechen Menschen mich nun an, geben sich als Bekannte aus, sind es aber nicht. Darüber habe ich auch mit meinem Sire gesprochen. Ich ziehe mich zurück und gebe vor mir und auch dem Haus Reensdorf nichts Preis, an mir ist eine Mauer des Schweigens, was dies angeht, verloren gegangen. Ich kann das sehr gut und verbunden mit Schmeicheleine und Themenwechsel gelingt es immer. Nur jenen, die meine Freunde sind und mein Sire dürfen mich kennen, wie ich bin. Für den Rest der Welt bin ich einfach nur das, was man von einer Knappin des Hauses Reensdorf erwartet.
Über meine Gefühle spreche ich zu Temora heimlich oder an meinem See, wo ich einfach nur ich sein darf, Adela und NIowe vereint, dort hauche ich sie den Sternen zu und hoffe, dass mein Bruder sie vernimmt. Ich weiß er ist da irgendwo bei Temora und wie ich ihn kenne, wird er kein Auge von mir lassen.
Vater da oben sicherlich auch nicht, was mich ein wenig beunruhigt. Werde ich seinem strengem Urteil gerecht? Schaffe ich es, was mir zu Lebzeiten verwehrt blieb, ihn zu überzeugen, dass seine Tochter gar nicht so übel ist? Einmal nur könnte er stolz auf mich sein. Wie glücklich wäre ich darüber. Aber die Seerosen geben mir keine Antwort und die Sterne noch weniger. Damit muss ich leben!

Ich möchte wie ein Schmetterling sein, der im Licht dahin gaukelt sich einfach am Leben freut, und diese Freude anderen vermittelt. Diese anderen sind in meinem Herzen, mein Sire, auch seine herzogliche Hoheit, Raindri, Kunna und Balir und vielleicht einmal Sir Cedric und Alexander Bernau, der wird das bitter nötig haben, denke ich. Das Fehlen seines Charmes und sein manchmal unhöflich wirkende Umgang mit anderen, werden noch des Öfteren anecken. Bei Sir Cedric bin ich mir unsicher, auch wenn der es wie mein Sire schafft mich in einem Gespräch mehrmals zu verwirren, was ich nicht mag. Entweder drückt er sich für mich unverständlich aus oder ich. Jedenfalls eines ist klar wir sind beide stur, wobei mein Sturschädel, weil der Sire so schön immer sagt, Sir Cedris bei weitem noch übertrifft. So nett Sir Cedric auch ist, er ist viel zu steif, was sonderbar ist, denn seine herzogliche Hoheit ist im Vergleich zu ihm der reinste Jungbrunnen, unterhaltsam und unwiderstehlich, das finde ich. Ich könnte stundenlang mit meinem Sire ihm zuhören, und dass er für mich Erdbeerwein in seinem Keller hatte, ist noch ein weiterer Pluspunkt zugunsten seiner herzoglichen Hoheit. Das vergesse ich ihm nie.

Schon wieder so spät! Ruhig blicke ich zum Himmel auf, wo die ersten Strahlen der Morgensonne durch die Wolkendecke brechen. Ich sollte ein wenig ausschlafen, denn morgen will ich ein wenig Ordnung in den Haushalt meines Sires bringen. Dafür wird er mir den Kopf abreißen, aber stur wie ich bin, mache ich das einfach, denn ich habe es satt über uralte Kekse zu stolpern, die auf dem Teller bereits zu Stein geworden sind oder an jeder Ecke an einem Musikinstrument hängen zu bleiben. Ein frischer Wind in der Residenz tut gut!
Niowe Adela Aireth

Lektion Schmeicheln erfolgreich umgesetzt

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

3. Schwalbenkunft 254

Wie Wege ebenso so sind man trifft aufeinander in den sonderbarsten Augenblicken und Gegebenheiten. Eigentlich wollte ich nach Meister Thancred sehen nach meinem ausgiebigen und erfolgreichem Training, aber da stand die Edle de Winter vor mir. Ich konnte es deutlich fühlen und förmlich riechen, dass sie erwartet hat, dass ich mich unangemessen benehme. Nein, das tue ich nicht. Ich bin das dem Haus Reensdorf schuldig und als Ritterin einst, werde ich noch viele dieser Hürden nehmen müssen und das erfolgreich. Also habe ich das getan, was mein Sire mich gelehrt hat, geschmeichelt. Höflich habe ich angemessen leicht nur mein Haupt gen Edle geneigt und einen freundlichen Gruß ausgesprochen. Dann habe ich die Farbe ihres Kleids bewundert. Wenn man sonst keine Gesprächspunkte hat, dann bewundert man eben das Kleid. Nicht wirklich, denn dieser grünlichgelber Farbton macht ihre Haut noch älter, aber das sagt man nicht, sondern man ist gespielt begeistert, so wie ich es eben war. Die wahre Kunst liegt darin es dem anderen nicht fühlen oder spüren zu lassen. Die Schmeichelei muss echt wirken. Was sie offensichtlich auch tat, denn die Edle biss an und blieb stehen.
Die Farbe steht Euch Edle de Winter, höre ich wie meine Lippen es aussprechen. Ein guter Ton zu Eurem Haar!, dabei habe ich sogar gelächelt.
Nun ja wenn ich Streitrösser ausbilde und versorge wäre es fehl am Platze, meint sie dann.
Wie wahr, als wüsste ich das nicht. Keiner mit Verstand würde sein Streitross in einem rauschendem Kleid wohl ausbilden. Beinahe hätte ich gelacht nur innerlich habe ich es mir gestattet. Äußerlich muss ich ruhig bleiben, umsichtig und interessiert.

Dann bevorzuge ich Lederhosen und Blusen.
Ja, das kenne ich, denke ich. Ich habe das den ganzen Tag lang nach meinem Training getragen. Sogar dann, wenn ich als Belohnung am späten Abend meinen Kräutertee in einer der Tavernen Adorans eingenommen habe.
So wie ich wohl Edle de Winter, antworte ich artig.
Mein Sire hat mir das jedoch untersagt. Ich verschweige den Rest. Ich weiß sehr wohl weshalb mein Sire dies getan hat, wieso mein Bruder immer darauf bestand dass ich Kleider trage. Kleider unterstreichen meinen zierlichen Körper, meine Weiblichkeit und meine Anmut. Ich bewege mich in Kleidern anders, bin anders, bin Adela, die mein Bruder so sehr bewundert hat. Adela ist eine wunderschöne Frau, Niowe ignoriert diesen Teil. Sie ist Knappin und Gardistin mit Leib und Seele. Auch mein Haar trage ich wie damals zuhause. Lang und schwarz wie der nächtliche Himmel fließen sie nun über meinen Rücken herab. Jeden Morgen binde ich es kunstvoll zusammen. Ich habe sehr wohl die bewundernden Blicke der Männer bemerkt und auch die nun täglichen Komplimente wohlwollend angenommen, wie eine Dame es eben tun sollte. Aber sie sind mir gleichgültig, mein Herz schlägt nur für den einen, das wird es wohl für immer tun. Für diesen einen bin ich bereit mein Leben zu geben jetzt und immer. Ich gehe meinen Weg unbeirrbar und stur. Sturkopf, wie mein Sire anmerken würde. Darin hat er recht wohl, mich kann nichts von meinen Aufgaben und Pflichten abbringen. All das ist mir bewusst und es hat keinen anderen zu interessieren.

Mein Sire besteht darauf, dass ich nun Kleider trage, antworte ich schlicht, denn mehr darüber wird die Edle wohl kaum von mir erfahren.
Ich denke mir würde das niemand verbieten wollen, höre ich sie antworten. Wer wohl sollte das auch tun? Ihr geheimer Liebhaber? Wohl kaum, denn das Geheimnis wird von beiden gehütet und vor aller Öffentlichkeit verborgen, so denken sie. Aber auch die einfachen Bauern sind nicht dumm. Sie bemerken Dinge und sprechen darüber hinter vorgehaltener Hand. Wie dumm eigentlich Menschen sind, sie versuchen etwas mit aller Macht zu verbergen und können es dennoch nicht. Jede Geste, jeder Blick verrät sie, sogar das Schlachtross das des Nächtens bis hin zum frühen Morgen angebunden vor dem Gut steht. Aber darüber will ich mir eigentlich keine Gedanken machen. Jeder muss wissen, wie er mit seinem Leben umgeht. Auch die Edle und sie trägt wohl dieses Geheimnis schon viele Jahre mit sich. Bedauernswert und traurig eigentlich. Ich fühle Mitleid für sie, so sonderbar das nun klingen mag.
Meinem Sire steht es zu mir alles zu gebieten und ich hinterfrage es nicht, er ist mein Herr und Vormund Edle de Winter, antworte ich mit einem Lächeln. Sie nickt, hat wohl verstanden, was ich damit meine.
Ich glaube ich habe alleine 24 Kleider in den verschiedensten Farben, meint sie dann. Ich lächle. In ihrem Alter hat man wohl das. Was bedeuten schon 24 Kleider? Ich habe……..hm keine Ahnung ich zähle sie nicht und ich habe eine Präferenz was die Farbe meiner Kleider angeht. Sie müssen meine helle Haut, die wie das Licht der Sterne schimmert, unterstreichen und mein schwarzes Haar. Das hat mich Micheil gelehrt und auch die Farben schon als Kind ausgewählt. Ich habe sie beibehalten, denn ich liebe sie. Sie gehören zu mir. Ich stehe zu mir und dem was ich bin. Unwillkürlich muss ich an Erlaucht von Dornwald denken, sie würde wohl kaum die Zahl ihrer Kleider erwähnen. Das schickt sich nicht und ist einer Dame unwürdig. Außerdem wen interessiert es? Man hat gut auszusehen, elegant und anmutig darin zu wirken.
Wie sagte ein Herr zu meinem Sire damals vor seiner Abreise? Eure Knappin könnte einen Sack tragen, und dennoch wäre man bei ihrem Anblick entzückt. Ein schönes Kompliment finde ich und mein Sire hat es sichtlich mit Wohlwollen aufgenommen. Ich auch. Es hat mich bestätigt, dass ich es geschafft habe Adela in mir zurückzuholen und sie mit Niowe zu vereinen.
Nach einigen freundlichen Worten verabschiede ich mich dann. Genug für heute. Ich habe meine Pflicht getan. Was ich dann spät des Abends erfahren habe, erschüttert mich. Mein Informant, so nenne ich ihn, den keiner darf je seinen Namen erfahren, dann wäre er gewiss seines Lebens nicht mehr sicher, erzählte mir Dinge, die mich erschauern lassen. Gibt es denn außer meinem Sire keinen einzigen Ritter in diesem Land, der so ist, wie er sein sollte? Und wenn, ich jedenfalls werde niemals so sein. Mein Sire ist mein Vorbild und Vater und Micheil und ja mein anderer Bruder auch. Genauso werde ich einst als Ritterin sein. Die Menschen sollen Achtung vor dem was ich bin haben. Eine Ritterin zu sein, bedeutet sich auch dem angemessen zu benehmen und so zu leben.
Wie mein Bruder sagen würde, wir sind keine Bauern, wir verkörpern das Reich, an unseren Taten und Handlungen misst man uns, auch das Volk, denn es ist nicht blind. Edel, aufrichtig, makellos im Verhalten, freundlich und bereit jedem im Reich Gehör zu schenken und Vorbild sein, so will ich sein. Das ist mein Weg. Eine aufrechte Ritterin im Licht Temoras, die treu dem Kronprinz und dem Reich, nicht zu vergessen seiner herzoglichen Hoheit, dient. Ich habe in der Nacht bis in die Morgenstunden alles in einem Buch niedergeschrieben, es versiegelt und in einem Geheimfach verborgen.
Niowe Adela Aireth

Das Duell – eine weitere Lektion

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

4. Schwalbenkunft 254

Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr welche der unzähligen Lektionen diese es nun war. Mein Sire setzt in einem rasenden Tempo meine Ausbildung fort. Was sehr anstrengend ist, und viel Konzentration erfordert. Aber ehrlich gesagt ist das mir lieber, als meine Zeit mit Nichtstun zu verbringen. Ich wurde so erzogen meine Pflichten zu erfüllen, und ich bin mir gewiss, dass meine Familie vereint bei Temora, dies dort auch von mir erwartet und vielleicht sogar stolz auf mich ist, an diesem Ort.
Mein Sire versucht mich von meinen alltäglichen Pflichten ein wenig abzulenken. Ich verstehe es nicht, aber ich gehorche seinem Befehl und gehe weiterhin einmal die Woche angeln, was ich sehr mag. In Begleitung meiner Hündin ist es eine sehr willkommene Abwechslung auch wenn ich dann kaum einen Fisch fange, aber das stört weder mich noch Amra.
Ich habe während mein Sire in dringenden Geschäften unterwegs war, es geschafft seine Residenz zu verändern. Aus den dunklen Räumen, die mich eher an Grabkammern erinnert haben, strahlt nun Licht. Verborgene Lichtquellen habe ich in jedem Raum platziert, damit sie ja nicht von meinem Sire sogleich gefunden werden können. Duftende Blumen habe ich aufgestellt, sämtliches in meinen Augen unnützes Zeug in Truhen verbannt. Die alten Kekse habe ich auch aufgehoben, zur Sicherheit, falls mein Sire doch darauf Lust verspüren sollte, wobei er sich sicher daran seine Zähne ausbeißen wird. Jedenfalls habe ich zwei Tage lang daran gearbeitet, Kisten und Schänke verschoben, Tische umgedreht nur die alten Vorhänge in den Farben, die mir zutiefst unangenehm sind, die habe ich noch gelassen. Die Betonung liegt auf noch. Wenn mein Sire kommt werde ich ihm das auch noch einreden und ihn bitten diese schweren Stühle mit mir gemeinsam zu verschieben, sollte ich da noch einen Kopf haben. Mal sehen! Jedenfalls ich bin nun zufrieden. Die Residenz strahlt nun eine Luftigkeit und Freude aus, die der betörende Blumenduft noch verstärkt. Ich habe noch frische duftende Blütenblätter auf das Bett meines Sires gestreut. Amra hat mich dabei ein wenig sorgenvoll angesehen, aber ich tat es dennoch. Schließlich soll mein Sire bei seiner Rückkehr wohlig von Blütenduft umgeben einschlafen, wenn er schon meinen Kräutertee ignoriert, der ihm wirklich gut tun würde. Auch im Garten habe ich Laternen aufgehängt und sie sorgfältig unter rankenden Rosen verborgen, nur die eine Kerze, die ich auf dem Tisch aufstellen wollte, ist verschwunden. Irgendwo im Gras muss sie liegen. Gefunden habe ich sie leider nicht.
Ich bin nun zufrieden und kann mich dem Duell widmen. Eine Lektion die ich nochmals durchgehen sollte, damit mein Sire mit mir ein wenig zufrieden ist, wenn er zurück kehrt. Vielleicht übersieht er dann die Veränderungen in seiner Residenz.
In Gedanken gehe ich nun nochmals diesen Tag durch, präge mir das Gespräch so ein. Zeit genug habe ich nun, da mein Sire geschäftlich auf Reisen ist und die Residenz strahlt wie seine Rüstung und Schwerter und Schilde sind.

Ich stehe nun vor meinem Sire in einem meiner Kleider nach meinem Knicks. Das Tragen von Kleidern ist eine weitere seiner Anordnungen. Jeden Tag ein anderes und nur noch Kleider. Es ist ungewohnt für Niowe, die ihre schlichte Lederhose nun völlig in die Truhe verbannt hat. Adela ist es gewohnt Kleider zu tragen, das war immer Micheils Wunsch gewesen und wie hätte sie ihm je einen Wunsch abschlagen können.
In meinem Erstaunen den Sire so spät noch wach zu sehen entweicht mir dabei ein „Oh“, was nicht gerade einem höflichen Willkommensgruß gegenüber meinem Herrn entspricht.
Ich wusste nicht, dass Ihr hier seid Sire, hauche ich dann sogleich als Entschuldigung wohl.
So bin ich schon lange nicht beehrt worden, Niowe, aber auch dir ein fröhliches Oh!Ist das peinlich! Wie konnte mir dieses Wort nur von den Lippen entfliehen? Aber mein Sire lacht und die Sonne geht in jenem Augenblick auf, immer dann wenn er es tut und bin ich glücklich.

Na dann husch rüber zur Kirche, Niowe, sonst wird dein gutes Kleid noch schmuddelig!
Weshalb sollte ich um diese zeit in die Kirche gehen Sire?,
erwidere ich leise mit einer Verwirrtheit, die deutlich sichtbar ist.
Eurem Wunsch entsprechend Sire, trage ich nun jeden Tag ein anderes Kleid.
Ist das nicht dein Kirchenkleid, Niowe?
Nein, Sire, es hat nur die Farbe, die goldene, die ich so sehr mag
. Mein Sire, denke ich, er, der sonst einen Blick wie ein Falke hat, erkennt bei seiner Knappin nicht, dass es nicht ihr Kirchenkleid ist, denn das hat lange Ärmel. Das sieht man wieder, wie sehr mein Sire auf die Gewandung einer Frau achtet. Gar nicht! Ich könnte mich in dem goldenen Ton anmalen und nackt da stehen, er würde dennoch denken, es wäre mein Kirchenkleid. Natürlich würde ich das niemals tun, alleine bei dem Gedanken wird mir heiß. Wieso fällt mir so etwas unkeusches eigentlich nun ein? Noch ein wenig mehr verwirrt, wohl ob dieser Gedanken stehe ich vor ihm und bin so richtig sprachlos. Diesmal über mich.
Tut mir leid Euch enttäuschen zu müssen Sire, füge ich dann nachdem ich den Schock überwunden habe an.
Ich bin ganz und gar nicht enttäuscht Niowe, so bekomme ich dich ja mal zu Gesicht.
Aber Sire, ich bin doch immer hier, nun ja nicht wenn ich trainiere, oder meinen Dienst im Regiment versehe, oder einmal einen Kräutertee in einer der Tavernen Adorans zu mir nehmen, oder ausreite, oder auch angeln gehe oder einfach mit den Menschen hier spreche….. dann halte ich inne und muss grinsen.
Also eigentlich bin ich immer hier Sire! Das war die Überlegung einer Frau Sire, sage ich dann leise lachend. Ich kann es inzwischen sehr gut ihn mit einem Wortschwall zu überschütten, einfach damit vom Thema abzulenken, in diesem Fall das Kleid an mir.
Hm, Frauen, meint mein Sire nun ein wenig kryptisch.
Sind wie duftende Blumen Sire, man muss sie hegen und pflegen. Wie komme ich nur auf diesen Schwachsinn? Heute ist kein guter Tag. Zuerst stelle ich mich mit Farbe bemalt nackt vor ihm vor und nun vergleiche ich Frauen mit Blumen.
Hast du gerade etwas Besonderes vor, Niowe?Habe ich nicht natürlich nicht, wenn mein Sire da ist und ich sage zu meiner Bestürztheit, die mich nun völlig an mir zweifeln lässt:“ außer mein Kleid wechseln, nein Sire.“ Was in aller Welt ist mit mir los? Das hast du wieder gut gemacht, Niowe! Unter seinem nun prüfenden Blick erröte ich.
Das Kleid ist doch hübsch, Niowe, es darf anbehalten werden! Komm setzt dich!
Danke Sire,
murmle ich während meine Wangen sich noch ein wenig mehr röten und ich anmutig vor ihm Platz nehme.

Niowe, was weißt du eigentlich von Duellen?Mir stockt nun der Atem. Blitzartig gehen mir folgende Gedanken durch den Kopf bei dieser Frage, mit wem ich mich wohl duellieren müsste, keiner fällt mir ein, noch hat man mir den Fehdehandschuh zu Füssen geworfen. Gut! Mein Sire vielleicht, er will mich als Sekundant, weil er sich um eine Frau duellieren will. Oder nicht? Wobei eine Knappin als Sekundanten? Geht das? Eher nicht! Unter diesem Gedankenschwall antworte ich ihm und erzähle das, was ich weiß. Es ist nicht viel, denn in meiner Familie hat sich keiner duelliert. Oder doch und ich habe es nie erfahren.

Gut wie ich sehe, Niowe haben wir Bedarf!
Ja Sire? Haben wir das?
frage ich nun vorsichtig.
Ja, haben wir, Niowe!
Mit wem muss ich mich nun duellieren Sire und vor allem warum?
Mit niemandem, Niowe. Es bedarf der Aufklärung!
Ah, ich atme auf. Wir müssen uns nicht duellieren, mein Sire erklärt mir nur was ich alles über Duelle wissen muss.

Es gibt drei Arten von Duellen, Niowe. Die schwächste ist aufs erste Blut, man kämpft solange bis einer der beiden die erste sichtbare Wunde davon getragen hat. Die mittlere, und eher übliche Herausforderung ist, bis aufs zweite Blut, was bedeutet man kämpft bis einer der Kontrahenten bewusstlos wird oder aufgibt. Dann gibt es noch die Forderung aufs dritte Blut, die auf Leben und Tod. Die man eher selten ausspricht, da man selber ein hohes Risiko eingeht.
Kommen wir nun zu den Verhaltensweisen, Niowe!
Früher war es üblich, dass man einen Handschuh erst ins Gesicht, dann zu Füssen schmiss. Zufrieden nicke ich, Das ist mir bekannt, Sire!

Aber dafür nimmt man nicht den gepanzerten Handschuh, Niowe.

Auch das weiß ich, wobei es schade ist, denke ich in dem Augenblick. Mit dem gepanzerten Handschuh wäre vieles schon vorab erledigt. Man könnte dem Gegner damit vielleicht die Zähne ausschlagen, oder im schlimmsten Fall die Nase brechen. Wobei die Zähne ausschlagen wäre besser, dann käme keinerlei Beleidigung mehr aus seinem Mund und alles wäre somit bereinigt. Aber diese Gedankengänge spreche ich lieber nicht aus, sonder höre aufmerksam meinem Sire weiterhin zu.

Aber ins Gesicht schlagen ist nicht mehr üblich, eigentlich wirft man den Fehdehandschuh nur noch zu Füssen, Niowe. Gut, am besten dann packt man darin einen Stein ein, damit der Kontrahent auch die festen Absichten sogleich spürbar bemerkt, wenn beides auf seinem Fuß landet, überlege ich. Was man nicht tut, auch eigentlich als Knappin nicht einmal denken sollte, das ist mir bewusst. Ich frage mich, ob andere Knappen auch an solchen Unsinn, wie ich eben, je dachten. Mein Sire? Nein, der niemals. Ich bin überzeugt, dass er sogar im Schlaf und in seinen Träumen edel und ehrbar ist. Wie komme ich dann nur auf solche absurden Gedanken? Nachdenklich mustere ich meinen Sire und höre ihm aufmerksam zu.
Nimmt jener ihn auf, dann ist das Duell eine beschlossene Sache.
Was, wenn er ihn nicht aufhebt Sire?,
frage ich sogleich.
Wenn er ihn nicht aufhebt, Niowe, gesteht er Euch zu, dass du im Recht bist. Wunderbar, er darf mich beleidigen, ich werfe den Handschuh und er hebt ihn nicht auf und alles ist vergeben? Was soll das nun? Ich darf nicht einmal auf ein Duell dann bestehen! Er kommt davon, einfach so. Ja, gut er gibt sich mit dieser Geste geschlagen, aber das war es? Ist das gerecht?

Er kann dies ohne Worte der Entschuldigung tun; Sire? Es reicht nur, dass er den Handschuh nicht aufhebt?, hacke ich nach, weil es mir keine Ruhe lässt.
Wenn er dies auslässt, Niowe dann leidet sein Ansehen im Reich. Er wird weniger glaubhaft und verliert an Ehre! Ah doch! Also entschuldigen muss er sich dennoch, es sei denn er wäre kein Ehrenmann, die Worte meines Sires beruhigen mich. Und wenn er das nicht tun sollte, dann bekommt er das nächste Mal den gepanzerten Handschuh mitten ins Gesicht, überlege ich. Wer würde auf so ein unehrenhaftes Verhalten dann wohl noch Rücksicht nehmen? Man kann ja erschüttert dann anmerken, dass in der Schnelligkeit der gepanzerte Handschuh quasi von der Hand gerutscht wäre, oder man die beiden Handschuhe vertauscht hätte, oder den anderen nicht gefunden hätte, oder, oder. Plausible Begründungen gäbe es viele. Hauptsache man merkt dann an was für ein schreckliches Versehen einem da unterlaufen wäre!

Nach Annahme des Duells, Niowe, sprichst du kein Wort mehr mit dem Kontrahenten. Du wählst einen Sekundanten, er den seinen und jene regeln dann alles. Funktioniert das nicht, Niowe, dann wendet sich der Fordernde an die höhere Instanz also den Grafen oder Herzog und jener stellt dann einen Schiedsrichter, welcher den Ort, den Zeitpunkt oder die Waffe bestimmt.
Gut in Gedanken hätte ich schon meinen Sekundanten. Katuri, ehrbar und verlässlich und mein Freund und unparteiisch kann er auch sein, wenn er will. In diesem Falle wird er wollen müssen. Was aber auch möglich wäre, dass Katuri als Sekundant meinen Platz stellvertretend im Duell annimmt. Ich weiß nicht, ob ich das wollen würde. Jedenfalls beruhigend zu wissen auf wen ich mich immer verlassen könnte, auch im Falle eines Duells.

Habt Ihr Euch schon einmal duelliert Sire, habe ich dann gefragt. Und aus welchem Grund Sire, wenn ich das fragen darf?
Nun ja ich war ein wenig ungezügelt, als ich noch ein junger Ritter war.
Erstaunt habe ich ihn angesehen. Er und ungezügelt?
Also ungezügelt meine ich was die Zunge angeht, Niowe.
Das habe ich auch so verstanden Sire, was anderes käme mir nicht in den Sinn.
Und ich war sehr gut!
Zum Glück kann keiner Gedanken lesen, denn meine Gedanken sind sehr oft ungezügelt. Woran das liegen mag? So recht verstehe ich es nicht. Wenn ich bedenke, ich würde all meine Gedanken laut aussprechen, du liebe Zeit vor lauter Duelle, käme ich wohl kaum mehr zum trainieren. Aber zum Glück habe ich die Beherrschung und spreche es nicht aus. Oder Manieren. Wie auch immer man es nennen mag.
Hast du noch Fragen, Niowe? Klar, die habe ich immer.
Aus welchem Grund, wenn es nicht um die Ehre oder Beleidigungen geht, kann man sich noch duellieren Sire?
Hm, natürlich wenn zwei Männer um die gleiche Frau werben, und der Vormund sich nicht entscheiden mag.
Jetzt bin ich sprachlos. Wegen so einer Lappalie duellieren sich Männer? Unverständlich. Also ich würde das jedenfalls nie tun, wobei mir bleibt das ja erspart als Dame.
Aber nur aufs zweite Blut, Niowe. Schlimm genug! Ich würde nie wollen dass jemand sich um meinethalben duelliert.
Ein sinnloses Unterfangen Sire, denn entweder mag die Dame einen der Herrn oder nicht.
Die Dame hat keinen Einfluss darauf Niowe, wenn der Vater bzw. der Vormund sagt sie heiratet denjenigen, den er auswählt, dann tut sie es!
Hm ja das kenne ich nur zu gut.
Ach ja und nur die beiden Werber treten gegeneinander an ohne Sekundanten, Niowe.Wie schrecklich!
Im Adel ist eine Hochzeit Politik, Niowe! Ja das habe ich begriffen, schon lange und ich bin auch gewillt mich dieser Politik zu fügen, solange ich nur bei meinem Sire weiterhin in der Nähe wohnen darf. Einer muss ja auf ihn achten und ihn zum Lachen bringen. Und das bin ich!
Ich habe weder Ländereien Sire noch bin ich Bestandteil der Politik.
Hm wer weiß, Niowe. Genau das habe ich auch einmal gesagt. Ja anfangs, was hatte ich denn? Reensdorf ist ein kleines Dorf mit einer veralteten Ritterburg.
Seht Ihr Sire! Ihr habt wenigstens das, aber ich habe nichts.
Aber du bekommst doch deines erst zugewiesen Niowe
. Also dann doch Politik, denke ich. Man nimmt Niowe und erhält dann gleich, das was man ihr zugewiesen hat. Vielleicht sollte ich mir doch endlich die Haare wieder abschneiden. Männer mögen keine kurzen Haare. Ich ergebe mich den Argumenten meines Sires dann ohne weitere Fragen. Nur eines hoffe ich doch sehr, vielleicht wäre ein winzig kleiner See, der silbern schimmert, wie jene in dem Land wo ich geboren wurde und aufgewachsen bin, dabei. Vielleicht? Es wäre schön, denke ich.
Noch fragen, Niowe? Stumm schüttle ich meinen Kopf. Doch das fällt mir noch etwas ein.
Ist mir als Dame gestattet mich zu duellieren Sire?
Ja, ist es, Niowe. Lady Darna führte auch schon Duelle durch.
Gut zu wissen, da werde ich Freund Katuri darüber ausfragen. Wie und warum und überhaupt. Das merke ich mir vor.

Ich hoffe mein Sire kommt bald zurück! Er fehlt mir, auch wenn es mir an Abwechslung nicht fehlt auch das tägliche Training habe ich außerdem noch verstärkt. Dennoch er fehlt einfach in der Residenz, jeder Stuhl, jeder Tisch erinnert mich an ihn. Sehnsüchtig erwarten wir alle seine Rückkehr, sogar Amra ist unruhig geworden, sie scheint meinen Sire auch zu vermissen.
Niowe Adela Aireth

Adoran

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

5. Schwalbenkunft 254

Ich habe bis gestern nicht so richtig bemerkt, wie sehr ich diese Stadt liebe. Während ich zu Vermon bis in die frühen Morgenstunden gesprochen habe, wurde es mir so richtig bewusst. Meine Liebe zu dieser Stadt. Wie tief und wie sehr ich mit ihr verbunden bin. Vor längerer Zeit habe ich etwas über Adoran geschrieben, es meinem Sire gegeben. Nun fällt es mir ein, Wort für Wort während ich auf meinem Balkon stehe und eigentlich bereits schlafen sollte. Aber der Anblick ist immer wieder bezaubernd wenn die Sonne sich in den Scheiben spiegelt, Blütenduft, so als hätten die ersten Strahlen ihn aufgeweckt, in der Luft liegt. Die Stadt erwacht.
Leise spreche ich dann in den sanften Morgenwind die Worte aus, die nur ihr gelten, meiner Stadt, die ich liebe.



Adoran


Starke Mauern dich umgeben
in dir treibt das bunte Leben
Wellen sich gen Osten schmiegen
Muscheln dort am Strande liegen

Liegt‘s an dem Labyrinth von Gassen,
Die eng sich aneinander drücken,
dass ich nie kann von dir lassen
Adoran mit deinen Brücken
schwerelos und doch aus Stein
lassen sie mich weit entrücken
in dem Hier und jetzt und sein.

Schönste hier steh ich betroffen
Fensterläden sind weit offen
Schwebend rein die Glockenklänge
Sanft und lieblich wie Gesänge
hallen über Dächer weit
sei zu dem Gebet bereit

Berauschend schön bist du die eine,
nur auf dich blickt Sie, die Reine,
Tugendhafte, gnadenvolle
Streiterin des ewigen Lichts,
Hüterin des Gleichgewichts.
Zeit hält hier den Atem an
Beugt sich vor dir Adoran

Du hast mich im Sturm besiegt,
Kleiderrauschen, Kinderlachen
Dort ein Paar im Tanz sich wiegt
An den Ecken stehen Wachen
Unermüdlich in dem Streben
Zu bewahren in dir Leben.

Fahnen sich im Wind drehen
Lüfte hier vom Meer oft wehen
Salzig der Geschmack auf Lippen
Damen, die an ihrem Wein nur nippen
Adelshäuser geschmückt mit Gärten
Mienen, die sich ab und an verhärten
Prachtvoll ist die Vielfalt hier
Und in meinem Streben, Leben
Würd ich alles für dich geben,

Adoran ich gehör zu dir.

Stark ist hier der Bund der deinen
Zwischen Erd' und Meeresflut
in höchster Not sie sich vereinen,
mit Temoras Licht und Mut
Zeit hält hier den Atem an
verneigt sich vor dir Adoran
Niowe Adela Aireth

Wohlbehalten zurück und eine Schlacht im Kaminzimmer

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

6. Schwalbenkunft 254

Ahnungslos habe ich meinen Morgentee getrunken, dann verwelkte Blüten von dem Gebüsch, wie so schön mein Sire es zu nennen pflegt, gepflückt. Ich sage dazu wunderbare Blumen, deren Duft das ganze Haus nun erfüllt.
Da hörte ich und habe vor Schreck meine Teetasse samt Inhalt fallen lassen das gewohnte

Niowe.
Du meine Güte, ging es mir durch den Kopf mein Sire ist zurück und wohlbehalten auch noch und die Veränderungen hat er wohl entdeckt denn, dieses NIOWE bedeutet nichts Gutes. Aber damit habe ich ja bereits gerechnet. Wie es sich wohl ohne Kopf leben lässt, denke ich. Na ja den Kopflosen scheint es dabei gut zu gehen.
Rasch habe ich mich dem Kaminzimmer genähert. Natürlich gab es ein Donnerwetter. Wie sollte es auch sonst sein. Im Gegensatz zu meinem Sire habe ich die Laute seiner verstorbenen Frau bestens in Tüchern geborgen in einer Truhe verstaut. Das Holz hatte ich noch mit einem speziellen Öl behandelt, was bisher keiner getan hat, was ich an der dicken Staubschicht bemerkt hatte. Ich wollte ja nur die Laute so bewahren, wie es sich gehört. Da am Kamin nahe dem Feuer leidet das Instrument.
So wie erwartet habe ich das Donnerwetter wie ein Gewitter mit Blitzen und Regen über mich ergießen lassen.
Habe nur voller Entsetzen gemeint:“ Bei Temora Sire ist Alatar in Euch gefahren? So habe ich ihn noch nie erlebt.
Dann ist mein Sire aus dem Haus gestürmt, wie ein junger Ritter mit funkelnden Augen mit den Worten ich soll gefälligst alles da wieder hinstellen, wo es war. Irgendwie bekam ich bei diesem Anblick meines Sires Herzklopfen, keine Ahnung wieso, aber er sah richtig gut aus, so wütend. Hätte ich ihn nicht zu Weißglut eben gebracht, wäre ich vielleicht sogar verlegen geworden. Spazierengehen wollte er, dass ich nicht lache, er ist noch nie spazieren gegangen. Während dessen sollte ich alles an seinen Platz stellen, so wie es war. Aus Trotz habe ich zuerst die ekeligen uralten Kekse, so wie mein Sire es wollte, und den Rest von dem Kram wieder hingestellt. Ich bin nun unschuldig, wenn er sich die Zähne da ausbeißt und ich werde kein Wort des Mitgefühls in diesem Falle äußern. Bis auf Laute und Harfe habe ich alles so gerichtet, wie er es wollte, dann wurde ich zornig. Dem verstaubten Schokomann habe ich aus Wut nun den Finger in seinen Allerwertesten aus Schokolade gebohrt. Einiges von dieser gleichfalls uralten Schokolade ist dann ab gebröselt. Ich wundere, dass da noch keine Würmer ihn verspeisen, so alt ist das Ding bereits.

Mein Sire kam nach kurzer Zeit zurück während ich nun selber wutentbrannt meine Kissen und Amra darauf vorbereitet habe, dass wir in diesem Haus nicht mehr bleiben, wo man alte Keks und Schokomänner aufstellt. Ja auch das kann ich sein, selten aber doch. Um die Laute tat es mir leid, die wird da am Kamin kaputt werden bei der Hitze. Was solls ich habe meine Meinung dazu kund getan, mehr kann man nicht tun. Während ich Kunnas Geschenk die Kissen in meine Reisetasche geschleudert habe, vernahm ich die Schritte des Sire.
Wagt es ja nicht das Zimmer einer Dame zu betreten, Sire!, rufe ich beherrscht, schleudere aber eines meiner Kissen gen Bild.
So wird jetzt übergeschwappt?, meint er einfach da in meinem Zimmer stehend. Meine Anmerkung dazu hat er sichtlich ignoriert.
Was bedeutet Übergeschwappt? , frage ich nun ein wenig verwirrt aber höflich. Ich will doch schließlich wissen, was mein Sire da zu mir sagt.
Ob du alle beisammen hast oder nun völlig wirr bist, entgegnet er und ich bin nun baff. Das hat er noch nie gesagt.
Was meine Worte bedeuten?
Jawohl Sire?
Frag dich lieber eben, was das hier bedeuten soll? Vor allem dein Verhalten?
Ich bin ganz ruhig und bei Sinnen Sire,
spricht die Dame, Adela in dem Fall, aus mir, Niowe wäre bei weitem nicht mehr so ruhig gewesen, denn die kochte noch immer. Adela aber tat alles bereits leid, sie war die nachgiebigere, die sanfte, diejenige die nun auch beschämt war, ob des Verhaltens.
Die alten Kekse stehen auf ihrem Platz Sire!
Verdammt es geht nicht um die verflixten Kekse, Niowe.
Die Laute Sire ist ein kostbares Instrument man stellt sie nicht auf einen Kamin, dessen Hitze ihr schaden könnte. Man behandelt sie mit Würde. Das habe ich von meinem Bruder gelernt, der sie vorsichtig und behutsam mit den Musikinstrumenten umging.
Das lass meine Sorge sein, Niowe.

Jetzt spüre ich wie mir die Tränen aufsteigen und ich den Blick senke, ja aus trotz, keiner soll je meine Tränen sehen, schon gar nicht mein Sire!

Hm, dann frage nächstes Mal, Niowe!
Ihr seid ja nicht da gewesen Sire, bringe ich leise stockend hervor.
So du packst nun deine Tasche aus, Niowe, und wenn du ausgepackt hast, darfst du die alten Kekse wegwerfen, aber wenn etwas umgeräumt werden soll, dann frage das nächstes Mal.
Gut, mache ich, denke ich. Aber das eine Wohl hat er noch nicht bemerkt, also sage ich es lieber, schlimmer kann es ja nicht mehr werden.
Natürlich Sire, aber die Blütenblätter dürfen bleiben oder? Die auf Eurem Bett Sire! Es war heraus und ich erröte. Schrecklich, dass ich das immer tun muss.
Bei Temora was sollen Blütenblätter in meinem Bett, Niowe? , höre ich ihn. Die Stimme ist noch relativ ruhig, also anworte ich.
Ich habe gelüftet und das Bettzeug waschen lassen und Blütenblätter darüber gestreut, damit es nach Frühling duftet, Sire. Dann habe ich sicherheitshalber den Kopf gesenkt und die nächste Sturmwelle so erwartet.
Dafür soll ich nun im Gestrüpp schlafen, Niowe?
Wieso sagt er immer Gestrüpp zu Blumen? Ich verstehe das nicht.

Das sind Blütenblätter Sire, man schläft darauf wie auf einer duftenden Wolke, leicht und wohlig.
Begreift er das nicht? Ich bin ein wenig fassunglos nun.

Ah gut, Niowe und eines Morgens seid Ihr nicht im Haus, und es kommt Besuch und öffne die Tür verschlafen wie ein Blumenmann behangen mit so einem Gestrüpp im Haar? Da, er sagt schon wieder Gestrüpp! Während ich ihn nun anblicke, und mir das vorstelle, kommen Worte über meine Lippen, die mich ein wenig erschrecken.
Ahm, Blumen im Haar würden Euch stehen Sire!, habe ich völlig ernst gemeint.
Also auspacken, sonst zeige ich dir wie eine Dame etwas aufs Hinterteil bekommt, Niowe.
So rasch habe ich noch nie ausgepackt, alleine der Gedanke daran treibt mir dir Schamesröte ins Gesicht. Wenigstens hat mein Sire nicht mit dem Pferdetrog gedroht, sondern nur damit einer Dame etwas auf den Allerwertesten zu geben. Schrecklich!
Wagt dies ja nicht Sire, eine Dame schlägt man nicht! Das mit dem Hinterteil verschlucke ich, denn es ist peinlich.
Sonst, Niowe? DU meine Güte ist er heute widerspenstig mein Sire, so kenne ich ihn gar nicht.
Ein Ritter tut das nicht Sire. Er ist edel wie Ihr es seid! Gut dass ich eine Frau bin, die weiß wie man mit so etwas umgeht. Ich habe ihn doch tatsächlich bei seiner Ehre genommen! Kluges Mädchen, denke ich mir, während mein Sire mein Zimmer verlässt und die Treppen herab steigt. Nach dem Auspacken, was schnell voran ging. Ich habe ja
sicherheitshalber nur die Kissen eingepackt, bin ich gen Kaminzimmer in meinem Kleid getänzelt und konnte nicht umhin etwas höflich gen Sire anzumerken. Es lag mir förmlich auf den Lippen und gegrinst habe ich auch dabei.
Wünschen Sire zu den Keksen noch ein Gläschen Wein?
Wird die Knappin nun patzig?,
meinte er während ich fröhlich lache.
Nein Sire es geht mir wunderbar, auch wenn ich das Donnerwetter von Euch erwartet habe, eigentlich Schlimmeres noch.
Und wieso machst du so einen Schmarrn dann, Niowe?
Weil es schön ist mit Blumen und Licht zu leben, Sire!
Dabei habe ich geschluckt, denn die verborgenen Laternen überall verteilt, die hat er noch nicht bemerkt. Verflixt die habe ich vergessen zu erwähnen.

Ich wollte nur Eure Rückkehr verschönern Sire und dies ist misslungen!
Gehörig, Niowe!

Wir haben dann über dies und das gesprochen, dann ist mein Sire aufgestanden und hat einige von den alten Keksen genommen. Du liebe Zeit, der wird die doch nicht wirklich essen wollen, denke ich mir.
Während mir diese Gedanken durch den Kopf gehen, werde ich mit den Keksen beworfen. Sogleich gehe ich hinter den Stuhl in Deckung, denn sie sind verdammt hart und ziehe ihn nahe an mich heran, dann konnte ich nicht umhin nur mehr zu lachen.
Als mein Sire mich dann noch mit kandierten Kirschen beworfen hatte, diese klebrigen viel zu süßen Dinger mag ich gar nicht, konnte ich mich bereits kaum mehr vor Lachen in meiner Deckung halten.
Sire, die Dinger sind härter als Kanonenkugel auf einem Schiff!, bringe ich lachend hinter meinem Stuhl hervor.
Na egal, Niowe. Ich muss es ja nicht weg machen! Hat mein Sire dann gesagt, nachdem alles verschossen war.
Ich gehe nach altem Obst suchen, Niowe um weiter zu machen. Und weg war er in Richtung Küche.
Es gibt kein altes Obst Sire, ich hole täglich frisches!
Hm gut, Niowe frisches Obst tut aber mehr weh!
Was ist nur in ihn gefahren? Er wirkt nun wie der Knappe und ich wie ne Dame, die in ihrem Kleid versucht den Geschossen geschickt auszuweichen, dabei tut mir bereits mein Bauch vor Lachen weh.
Mein schönes Kleid Sire! , füge ich an und versuche Einhalt mit jenen Worten zu gebieten.
Das kaufen wir dann neu, Niowe, meint er und verschwindet abermals in der Küche. Was mich ein wenig in Unruhe versetzt hat, aber in der Zeit habe ich die Kekse und diese ekeligen kandierten Kirschen vom Boden aufgesammelt. Da steht er abermals im Kaminzimmer und wirft etwas mir zu. Sogleich lasse ich Keksstücke und Kirschen wieder fallen um das zu fangen. Gelingt mir nicht und die Knoblauchzehe fällt auf den Boden. Fassungslos habe ich ihn dann angesehen während mein Sire sich nun vor Lachen kaum halten kann und ich lache mit, weil es wunderschön ist, wenn er lacht.
So wenig Vertrauen, Niowe? Als würde ich dich mit rohen Eiern bewerfen!
Doch das würdet Ihr Sire,
antworte ich ehrlich und grinse dabei. Ich kenne ihn, er würde nicht einmal einen Augenblick nun zögern das zu tun.
Gut, dann gehe ich wirklich eines suchen, Niowe!
Das macht er doch nicht wirklich oder? ,
murmle ich leise, so dass mein Sire es nicht hören kann. Weg war er und ich habe diese Zeit genutzt um mich im Keller hinter einer Pflanze zu verstecken. Ich bin mir nun gar nicht mehr sicher, ob er das nicht wirklich tun würde.
Schließlich hat er mich gefunden und eine Pfirsich, kein rohes Ei nach mir geworfen. Den habe ich aufgefangen und gegessen und dabei so sehr gelacht, dass ich beinahe daran erstickt wäre.

Wie unsagbar schön es doch ist, meinen Sire so zu sehen und wie herrlich, dass er wohlbehalten zurück ist. Ich strahle vor Glück und bin rundum mit diesem Tag zufrieden.
Niowe Adela Aireth

Eine Muschel am Kopfkissen

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

9. Schwalbenkunft 254

Gehorsam wie ich war, befolgte ich jegliche Anordnung meines Sires. Heute war Angeln abermals an der Reihe. Es hatte den Zweck mich ruhiger werden zu lassen, so dachte sich mein Sire, ich weniger, denn ich fand mich gar nicht so zappelig. Ja, gut da war der Mauersturz und dann der Sturz die Stiegen herab in den Keller, wobei ich da zum Glück weich gelandet bin, aber das lag sicherlich nicht daran. Ich war die Ruhe selbst.
Als dann die Angelschnur plötzlich riss, war es aus mit meiner Ruhe und ich wurde zappelig, wie mein Sire es so schön nannte, rannte auf und ab und hatte keine Ahnung was ich nun machen sollte.
Barfuß wirbelte ich vor Wut auf mich den Sand auf. Dabei, wohl hatte sich der Wind ein wenig gedreht oder kam er schon immer aus der Richtung, jedenfalls landete eine gehörige Ladung Sand in meinen Augen. Also Und ich hatte nichts Besseres zu tun, als die Hände ruckartig anzuheben um den Sand aus den Augen zu reiben. Was sehr schlecht war, sowohl für die Augen, die nun mächtig tränten und auch für den Rock. Ich habe völlig auf die Angel in meiner Hand vergessen und sie hoch gerissen. Natürlich, wie sollte es anders sein, verfing sich der Hacken der Schnur in meinem Rock und an dem Ritsch erkannte ich, dass da nun etwas zerrissen war. Den Tränen nahe bin ich dann heimwärts in die Residenz barfuß geeilt. Habe mir die Augen ausgewaschen, bis das letzte Sandkorn entfernt war. Dann habe ich mir den Rock angesehen und nur geseufzt. Da konnte man nichts mehr machen, höchstens im Kamin verbrennen. Was ich dann auch tat, und entsetzt war wie hoch die Flammen auf einmal dort standen. Damit hatte ich nicht gerechnet, auch nicht mit den Rauchschwaden die sich wie ein Nebel über die Residenz legten.
Abermals war ich den Tränen nahe, heute war nicht mein Tag.
Ich habe dann doch noch die Angelschnur, nachdem ich ein wenig gelüftete hatte, damit dieser Nebel sich verflüchtigte, mir angesehen und diese wunderbare Muschel bemerkt, die sich darin verfangen hatte.
So etwas Schönes hatte ich nie zuvor gesehen. Sogleich kam mit der Gedanke dies meinem Sire als Geschenk zu machen. Wenn er schon das Gestrüpp also die Blütenblätter in seinem Bett nicht mag, dann vielleicht die besondere Muschel. Wie glücklich war ich nun. Genau, das war etwas vorüber er sich sicherlich freuen würde. Micheil hatte auch immer Muscheln geliebt und sie mir als Kind ans Ohr gehalten, damit ich den Gesang darin vernehmen konnte.

Heimlich habe ich sie auf sein Kissen gelegt, als Überraschung und bin dann in den Keller gegangen um zu baden und die Haare zu waschen. Danach wollte ich aufbrechen, um wie gewohnt zu trainieren.
Innerlich jubelte ich, und war richtig glücklich darüber, meinem Sire eine Freude bereitet zu haben. Diesmal war ich mir sehr sehr sicher, dass es das richtige war.
Zuletzt geändert von Niowe Adela Aireth am Freitag 10. Juni 2011, 15:35, insgesamt 1-mal geändert.
Niowe Adela Aireth

Alte Wunden brechen auf und Tränen mildern sie

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

10. Schwalbenkunft 254

Wie sehr hatte ich mich auf den Abend gefreut, als mein Sire mich losschickte, damit ich meinen Kräutertee einnehmen konnte.
Sogar die Muschel hatte der Sire aufbewahrt und wurde nicht einmal böse. Er meinte nur in mir ruhten zwei Naturkatastrophen. So schrecklich der Tag geendet hatte, so wundervoll sollte er nun ausklingen, dachte ich.

Gemütlich habe ich mich in den Garten zurück gezogen mein zartes Tuch eng um meine Schultern geschlungen. Als der Tee kam, begann ich zu träumen. Da stand Herr Vamon auf einmal vor mir. Ich habe mich gefreut, bis wir höfliche Worte austauschten und er mich nach meinem und ich ihn sogleich nach seinem Wohlbefinden befragte. Ein wenig entfernt stand er nun da, hielt sich seine Seite. Ich war besorgt. Und er erzählte sogleich von dem Zusammenstoß mit den Dienern Krathors. Was ein Fehler war, nicht seiner, aber ich konnte nun die Bilder in meinem Kopf nicht mehr zurück halten. Zuerst sah ich das Messer an meiner Kehle von dem Krathor Diener, dann den Angriff, die Schrei, sie flehten mich an zu helfen, ich war umzingelt. Nehmt ihre Seelen, hörte ich die Stimmen der Krathor Diener. ich wollte zu Hilfe eilen kämpft so gut ich damals konnte aber der Kreis schloss sich um mich, sie hatten mich umzingelt, dann wurde es dunkel vor meinen Augen. Lili die Heiler und Temora haben damals um mein Leben gekämpft. Ich wohl auch meinte Lili. Lange konnte ich mir den Tod dieser vielen unschuldigen Menschen nicht verzeihen, brachte weiße Blüten zu dem See für jede Seele eine. Immer wieder hörte ich die Hilferufe, sah ihre Gesichter.
Herr Jaques und Diakon Aaron haben mir damals gesagt ich würde sie nie vergessen, aber sie würden verblassen und der Schmerz auch. Sie hatten sich wohl geirrt, heute brach er erneut hervor. Nein, ich fühlte mich nicht schuldig, es war eher Verzweiflung und Trauer. Eine Trauer, die mich weg trieb von der Taverne. Ich habe einige belanglose Worte Herr Vamon zugeworfen, er sollte meine aufsteigenden Tränen nicht sehen. Sein Schmerz verschlimmerte alles noch mehr. Er würde es nicht verstehen, wie sollte er auch, denn ich konnte nicht darüber sprechen. Rasch lief ich durch Adoran und weinte. So wie ich es noch nie zuvor getan hatte. Damals habe ich nicht geweint, bin nur verzweifelt, fast daran zerbrochen und habe mir die Schuld gegeben. Jetzt weine ich, die Schuld trage ich nicht mehr, aber die Trauer.
An meinem Sire vorbei bin ich in mein Zimmer gestürmt, hinter mir die Tür zugeschlagen und dann Amra umarmt, sie festgehalten, um ihre Wärme, das Leben und die Liebe zu spüren während mein Körper unter den Tränen zitterte.
Behutsam hat mein Sire an den Bücherschrank geklopft.
Nein ich kann nicht, dachte ich. Nicht jetzt ich kann nicht.
Niowe?
Es geht nicht Sire,
habe ich dann leise gesprochen als ich meine Stimme ein wenig unter Kontrolle hatte.
Ich möchte alleine sein Sire, bitte.
Hat dir jemand etwas angetan, Niowe?
Nein Sire, ..Erinnerungen
, hauchte ich leise. Der gute Herr Vamon würde mir niemals etwas antun, dachte ich während meine Tränen nicht aufhören wollten zu versiegen. Zitternd habe ich mein Gesicht in Amras Fell versteckt, da habe ich die Wärme seiner Hand auf meiner Schulter gespürt. Ich Konnte mich nicht einmal schämen, ob der Tränen, die keiner je gesehen hatte, nur Micheil damals mein Bruder. Langsam unter der Berührung seiner Hand, mitfühlend war sie und voller Wärme, beruhigte ich mich.
Wann vergisst man Sire?
Nie Niowe Adela ……nie.
Er nannte mich bei meinem vollen Namen, was bisher keiner hier getan hatte. Als hätte ich die Antwort nicht gewusst. Nie.
Aber man lernt damit umzugehen, höre ich meinen Sire.
Dabei schossen mir erneut die Tränen in die Augen.
Wie geht das Sire? Wie?
Rede mit jemanden darüber; Niowe
Ich habe es doch versucht Sire…..immer wieder.
Einige Monde lang hatte ich damals die Alpträume erlebt es immer wieder und scheiterte jede Nacht daran.
Diakon Aaron meinte es wird leichter mit der Zeit Sire. Das dachte ich auch. Hatte alles verdrängt und gerade heute musste er erneut hervor brechen. Ich weine und verberge es nicht vor meinem Sire. Eigentlich sollte ich mich darüber schämen, aber ich tue es nicht.
Du wirst es irgend wann einmal in dir akzeptieren lernen, Niowe.
Akzeptieren……
hauche ich. Nein Akzeptieren will ich es nicht. Deshalb trainiere ich ja so hart. Eines Tages werde ich sie bezwingen und dann kann ich aufsehen und all den Gesichtern der Toten sagen, ich habe nicht umsonst überlebt damals.
Danke Sire, hauche ich dann und umfasse den alten Ankh meiner Familie der verborgen unter meiner Kleidung an der schlichten Kette um meinen Hals hängt.
Ich bin dafür und vor allem dafür da, dass es dir gut geht, Niowe, und du jemanden hast der in schweren Zeiten bei dir ist. Das konnte ich verstehen, denn ich würde für ihn auch immer da sein in schweren Zeiten, ihm ein Lächeln entlocken, nur jetzt gerade kann ich das nicht, aber Morgen dann, ganz sicher.
Jaques hat einst gemeint, man wird die Gesichter der Toten nie vergessen Sire………sie verblassen ein wenig. Aber vergessen wird man sie nie, keinen einzelnen Sire.
Nein, das tut man nicht, Niowe.
Ich weiß das auch nun Sire, aber ich dachte es würde dann nicht mehr so weh tun.
Das wird es immer, Niowe, besonders bei jenen, die man einst geliebt hat.

Dann vernahm ich die Klosterglocken aus weiter Ferne und ich fühlte Temoras Wärme oder war es der Arm meines Sires, den er fast beschützend um mich gelegt hatte. Jedenfalls ging es mir in diesem Augenblick viel besser. Behutsam hat er mir dann noch seinen Mantel um die Schultern gelegt und ist aufgestanden um etwas zu holen. Wie sehr ich ihn in diesem Augenblick liebte und zugelich dankbar dafür war, dass er einfach nur da war und mir half, wird er wohl nie erfahren.

Zurück kam er mit dem Wein und zwei Gläsern. Es war der wunderbare Erdbeerwein und während wir von dem Wein tranken, gedachten wir der Toten, die wir einst liebe durften und sie uns. Ich an meinen Vater und meine beiden Brüder und mein Sire an seine verstorbene Gemahlin. Danach machten wir noch einen Spaziergang durch Adoran und trafen Eric und Tjark und mein Kummer war verflogen.
Ich liebe die beiden Jungs und war überglücklich sie anzutreffen und auch Bjoern der sich dann dazu gesellte, weil Eric mit seiner Zwille mit einer Erbse eine der Wolfsstauten getroffen hat. Dankbar und glücklich habe ich mich von den beiden Jungs mit einem zarten Kuss auf die Wange verabschiedet. Eric schien es zu freuen, für Tjark war es wohl ungewohnt, aber ich bin mir sicher er wird sich daran gewöhnen nach und nach, wenn ich ihn meine Freude und Wärme darüber, dass es ihn gibt, so fühlen lasse. Er wird sich genauso an den zarten Kuss auf seiner Wange gewöhnen, wie ich es heute tat und zum ersten Mal meinen Tränen freien Lauf gelassen habe.
Als dann die Hochedle von Schwarzenburg noch ihren Hengst abholte, den ich eingefangen und versorgt hatte, war ich überglücklich so wie der Hengst, der froh war, seine Herrin zu sehen.
Das Leben geht weiter, dachte ich mir und dankte Temora in einem stillen Gebet dafür, dass sie mir so einen wunderbaren, warmherzigen Menschen wie meinen Sire zur Seite gestellt hat. Danach bin ich ruhig und sehr erschöpft eingeschlafen.
Niowe Adela Aireth

Tag der Erkenntnis

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

13. Schwalbenkunft 254


Wunderbar war das Fest der Thyren gewesen, ich habe mich prächtig amüsiert. Die Pfannenschwingende Frauen waren weniger nach meinem Geschmack, roh und unweiblich wirkten sie, aber es schien den Mitwirkenden Spaß zu machen, und das, so habe ich nach und nach erkannt, war wohl die Hauptsache. Brot und Spiele so hältst du das Volk bei Laune. Sie vergessen ihre Alltagssorgen dabei und werden von Nöten und Problemen abgelenkt. Unwillkürlich musste ich dabei an die Worte meines Bruders denken. Besonders genoss ich die Gesellschaft meines Freundes Katuri. Er war charmant wie nie zuvor. Eine Eigenschaft unter vielen, die ich bei ihm besonders schätzte. Und in dem knappen Hemd, welches sich über seinen muskulösen Oberkörper spannte, wirkte er heute irgendwie unwiderstehlich, aber das werde ich ihm nie sagen, sonst steigt es ihm zu Kopf, und das geht sehr leicht bei ihm.
Vergnügt kam ich dann nach dem Fest nach Hause und erzählte meinem Sire davon. Mitten im Gespräch fiel das Gartentor und wir beiden, also ich zuerst, sprangen auf um nach dem Besucher zu sehen, denn das dachten wir. Es sollte aber anders kommen.
Auf den Stufen lag ein Blatt, welches mit einem Stein beschwert worden war.
Lies vor, Niowe, sagte mein Sire und im Licht der offenen Tür las ich die Zeilen, die in einer entsetzlich krakeligen Schrift verfasst worden waren.
Ein offenes Tor ist keine Hürde für ein Messer in der Dunkelheit.
Mein Sire war sogleich besorgt und meinte ich müsse dies dem Oberst mitteilen. Ja sicher, das mache ich außerdem werde ich dem Gardisten, der ständig vor unserem Tor patrouilliert von Kamerad zu Kamerad gehörig die Leviten lesen. Darauf kann er sich gefasst machen!
Später dann, als ich wie gewohnt noch die Pferde versorgt hatte, bemerkte ich die Feder im Zaumzeug von meinem Streitross und ich wurde zornig. Zornig weil jemand es gewagt hatte mein Ross zu berühren, zornig weil mein bestens trainiertes Streitross nicht reagiert hatte und die Person sogleich unter den Hufen begraben hatte. Wobei ich konnte ihm das eigentlich nicht verübeln, mein Streitross war gewohnt jeden meiner Befehle zu befolgen, auch jenen jeden unter seinen Hufen zu begraben, sollte ich das Zeichen geben. Aber ich war ja nicht bei ihm gewesen, in diesem Fall. Andererseits hätte er niemals jemand an sich heran gelassen. Keinen außer mir, sogar mein Sire lässt die Finger von ihm, wenn ich nicht anwesend bin, und den kennt er. Mein Hengst gehorchte eben nur mir, und das war gut so und die Mühe hat sich bezahlt gemacht.
Gut wie es war… ich hatte nun mehrere Hinweise. Die Drohung galt mir und ja es machte mir keine Angst mehr, weil es um mich ging, nicht um meinen Sire. Das war das Wichtigste dabei! All jenes was man mir anerzogen hatte, erwachte. Der Wille die Person zu finden, die Härte und ja auch die Skrupellosigkeit und das Verlangen sie zu bestrafen, erstens weil sie mein Ross berührt hatte, zweitens ob des Drohschreibens und drittens weil sie es gewagt hatte, Adoran mit diesem Schmutz zu besudeln. Das größte Verbrechen in meinen Augen, und ginge es nach mir, dann würde ich die Strafe meines Vaters auswählen. Handabhacken, und zwar jene, die geschrieben und meinen Hengst berührt hatte. Aber es gibt Gesetze und denen habe ich mich zu beugen und werde es auch tun aber sicherlich für dieses Urteil plädieren.
Jedenfalls habe ich sogleich reagiert. Jemandem, dem ich unbedingt vertraue das Zeichen gezeigt und auch das Schreiben. Die Jagd beginnt, die Jägerin ist erwacht und auch all jene, die an ihrer Seite jetzt und in Zukunft stehen werden.

Was ich auch an diesem sonderbaren Abend erfahren habe, Liebe tut weh, so wie mein Bruder es mir gesagt hatte, und ich habe das, was ich meinem Sire geschenkt hatte verbrannt. Er hat das Zeichen nicht erkannt und wird es auch nie erkennen und ich?
Während ich die Flammen beobachte, die das Zeichen meiner Liebe verbrennen, denke ich an die warnenden Worte meines Bruders. Vergiss die Liebe, sie macht dich verletzbar, angreifbar und erpressbar. Ich vergesse sie, habe sie mit den letzten züngelnden Flammen nun von mir gestoßen. Diese Art von Liebe wird mich nie mehr berühren, das habe ich mir in jenem Augenblick geschworen und mein Sturkopf und meine Entschlossenheit haben dies bejaht. So wird es sein!
Niowe Adela Aireth

Geheimnisvolle Beschützer

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

14. Schwalbenkunft 254

Mitten unter dem täglichen Abendgebet , wie gewohnt kniete ich vor dem Altar, als ich eine Stimme vernahm. Sogleich erhob ich mich noch ein wenig gefangen von dem Gebet und der Ruhe die mir dieser Ort schenkte, und erblickte ein verhüllte Gestalt und genau in dem Augenblick wurde mir bewusst, dass es dich gleiche Person sein musste, die gestern diesen Zettel mit dem Stein darauf auf die Stufen der Residenz gelegt hatte. Es war mein Bauchgefühl wie immer welches sich meldete, und ich höre immer darauf, was natürlich schon einigen Spott nach sich gezogen hatte, weil, wie sollte es anders sein, ich es nicht erklären kann. Es ist einfach da und ich achte darauf und was noch wichtiger ist, ich höre darauf. Wie auch hier und in dem Augenblick.
Ich habe keine Angst, sollte sie aber haben, das dachte ich mir bei dem Anblick und lächelte.
"Sucht nicht weiter nach mir, wir immer wenn die Herrin ein NIckerchen hält, werden Augen über Euch wachen, Fräulein Aireth.
Er sagte noch andere Dinge, die mich in Erstaunen versetzten und nannte mir ein Zeichen, mit welchem ich Hilfe in Anspruch nehmen konnte. Diese Person war nur der Diener, jemand anderer hielt schützend und wachend seine Hand über mich. Ich gab mein Versprechen nicht mehr zu suchen, das ich auch halten werde.
Dann verschwand die Gestalt so, wie sie aufgetaucht war. Die Feder habe ich sorgfältig versteckt in meinem Geheimfach, keiner sollte sie je finden, auch mein Sire nicht und ich werde ihm sogleich darüber informieren, dass sich die Suche erledigt hat, das Tor aber in Zukunft verschlossen werden sollte des Nachts.
Wie sonderbar nun habe ich zwei geheime Gruppierungen, die bereit waren mich zu behüten.

Wie habe ich das verdient? Ich weiß es nicht, ich bin doch nur ein einfacher Mensch.

Wieso und weshalb habe ich für diese Menschen, die ich alle nicht kenne, so viel Bedeutung?

Wieso ich?

Ich verstehe es nicht, aber ich hoffe ihren Erwartungen gerecht zu werden, das wird mein Streben sein und einst werde ich deren Zeichen verborgen und unverständlich für den Blick anderer in meinem Wappen tragen. Als Dank und als Achtung und auch als Zeichen für jene.
Niowe Adela Aireth

Erkenntnisse einer Frau

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

14. Schwalbenkunft 254

Mit jedem Stein, den ich über das Wasser schleuderte, schwand die Erniedrigung, die ich gestern erlitten hatte. Ruhig und konzentriert übte ich und beobachte wie viel Male der Stein an der Wasseroberfläche aufschlug. Einmal, zweimal, dreimal. Es war verflixt das vierte Mal wollte und wollte nicht gelingen. Es musste mir einfach gelingen. Also übte ich weiter. Während ich übte ruhten meine Gedanken beim gestrigen Abend. Eigentlich hatte er harmlos begonnen. Wenn man die Tatsache als harmlos bezeichnet, dass mein Sire zwei Blumentöpfe in den Fluss geworfen hatte. Was ich genau gesehen habe, denn ich stand da am Balkon uns sah die Blumentöpfe nach dem laut platschendem Geräusch vorbei schwimmen. Es passte irgendwie zu meinem Sire, dass er nun das Gestrüpp, wie er die duftenden Blumen nannte, einfach entsorgte. Mir tat es weh, aber ich habe dazu nichts gesagt. Auch nicht auf sein unschuldiges, Oha reagierte ich nicht. Ich meinte nur als mein Sire diesen gespielt ertappten Blick aufsetzte: „es sind Eure Blumen Sire.
Dann habe ich mir die vom Regen klitschnasse Kleidung ausgezogen und meinen Körper trocken gerubbelt und bin in neue Kleidung geschlüpft.
Wie immer bin ich dann höflich in das Speisezimmer gegangen, habe wie gewohnt meinen nun ein wenig Gruß gen Sire verbunden mit der korrekten angemessen Verneigung geäußert. Ja gut ich war ein wenig distanziert, ich wollte mir keine Blöße geben, denn was auch immer ich gesagt hätte, er hätte es kaum zur Kenntnis genommen, wie immer. Also schweige ich.
Soll er alle Blumen ins Wasser werfen. Nur zu Sire! Es ist seine Residenz, ich bin da nur Gast. Ja eine Tatsache, die mir genau in diesem Augenblick bewusst wurde. Aber es sollte an diesem Abend
noch schlimmer kommen.
Ich möchte gerne diese Aufgabe in der Wildnis zu überleben, alleine bewältigen Sire. Ja das wäre mir lieber. Ein Mensch der Blumen nicht liebt, ist mir unheimlich. Wer weiß, was er da dem Wald noch antut?
Bäume umhacken vielleicht aus reiner Willkür, weil sie ihm nicht behagen? Mein Bruder hat immer gemeint, Menschen, die keine Blumen lieben, sind herzlos. Sie können das Schöne um sich nicht begreifen, werden das auch nie tun. Nun gut, ich akzeptiere das an meinem Sire, aber mit ihm zusammen in die Wildnis will ich nicht. Lieber kämpfe ich mich da alleine durch. Ich kann das, dass weiß ich sehr wohl. Ich brauche nicht jemanden an meiner Seite, der mir die Freude an der Schönheit nimmt, und vielleicht die Blumen achtlos auf einer Wiese zerstört. Das würde mir weh tun, so weh wie es tat, als die Blumentöpfe da im Fluss versunken sind. Was Trauer so alles aus manchen machen kann? Mein Vater trauerte auch um sein verstorbenes Weib, aber nie, niemals hätte er Blumen aus reiner Willkür weggeworfen, noch hätte er sie je Gestrüpp genannt!

Ich bat ihn einfach höflich dann die Suche nach dem Mann zu vergessen, um das Thema zu wechseln und ja, weil ich mit Sicherheit wusste, dass er zu meinem Schutz gekommen war. Die Feder, die in dem Geheimfach meiner Truhe ruhte, erwähnte ich gar nicht. War auch besser so, wie sich nachher heraus stellen sollte. Vielleicht hätte er mir noch die Truhe an den Kopf geworfen, was nicht gut ausgegangen wäre. Er weigerte sich, auf meine Bitte einzugehen und ich wurde zornig. Erhob mich um das Donnerwetter im Stehen über mich ergehen zu lassen. Dabei wurde meine Stimme immer ruhiger und ja auch kälter. Ich wollte ihn nicht noch mehr provozieren, sondern einfach ihn auf den Boden der Tatsachen herab holen. Ich war nicht in Gefahr!
Wie vom Balron gebissen begann er dann zu schreien, sprang auf, weil ich mich einfach weigerte darüber zu sprechen, warum, wieso, und was genau.
NIOWE ADELA AIRETH.
Du meine Güte der Sturm am See war harmlos nun dagegen, was er nun wohl kommen sollte. Ich befürchtete Schlimmes, aber sicherlich nicht das, was nun folgen sollte.
Du bist meine Knappin und ich, das betonte er schreiend, trage für dein Benehmen, deine Sicherheit, dein Wohlergehen die volle Verantwortung! DIE TRAGE ICH UND SONST NIEMAND! Wahnsinn, so viel Temperament hätte ich ihm nie zugetraut.

Und weshalb Sire Thelor von Reensdorf regt Ihr Euch nun so auf? Noch immer versuche ihn von da oben herab zu holen, um dann
vernünftig und ruhig vor allem mit ihm zu sprechen. Ich mag keine Schreierei. Ich bin das nicht gewohnt von meiner Familie. Wir haben niemals geschrienen, nur ich ab und an, aber das ist etwas völlig anderes.
Erneut fing er damit an, dass er wissen wolle, wer genau mich da schützen würde, und dass dies sein Recht wäre. War es nicht! Das war es auf keinen Fall! Ich mache Einwände.
Du unterbrichst mich schon wieder, Niowe Adela!
Solange niemand vor mich hintreten mag, gibt es für mich kein Vertrauen in dieser Angelegenheit. Ich bin dein Ritter, Niowe und auch dein Vormund als solcher trage ich noch mehr Verantwortung dich betreffend.
Ich habe dann jenes, was mir auf den Lippen gelegen hat, dass er wohl kaum seine Ehefrau schützen konnte und die Hausangestellte, die entführt wurde, auch nicht , ausgesprochen aber gedacht.
Jedenfalls konnte er froh sein, dass Menschen, sich um mich kümmern, wozu er sowieso nicht in der Lage wäre, aufgrund seiner Tätigkeit, seiner vielen Reisen und auch seiner Pflichten.
Mir reichte in diesem Augenblick sein Gebrüll, was ich in der Form noch nie aus dem Mund meines Ritters vernommen habe. Also sagte ich nur
Und Ihr seid auch Kronritter Sire.
Das war gar nicht gut. So schnell habe ich noch nie seine Faust gesehen, die gen Tisch krachend fuhr und beinahe wäre die Blumenvase, die nun heftig schwankte, herab gefallen.

Niowe, noch ein Wort und wir haben hier ein Donnerwetter! Als hätten wir das nicht schon, dachte ich.
Ich lasse mich auf keine Machenschaften mit zwielichtigen Gestalten ein, weder das Haus von Reensdorf noch meine Knappin, wenn jemand etwas vorzutragen hat, Niowe, dann kann er vor mich hin treten.
Wenn jemand sich um dich sorgt hat er sich bei MIR zu melden. Egal wer das ist, egal aus welchem Grund, wenn du nicht darüber reden magst gut ist das deines, aber wenn ich jene finde hole ich mir das, was ich wissen will, und mir ist es einerlei ob du das nun verstehst und einsiehst oder ob du nun Dickkopf spielen magst, solange ich nicht weis wer dahinter steckt und solange du darüber nicht redest sind wir mit dem Thema fertig und ich handel so wie ich es für richtig halte nicht so wie meine Knappin das mit irgend wem ohne mich bespricht.
Und solange ich nun sehe das Gefahr besteht, entscheide ich wie ich damit umgehe, und wenn du weiter so trotzig bist und den Sturrkopf spielst bleibst du halt im Haus, und nun kannst du dich entscheiden, ob du mir klaren Wein einschenkst, oder ob du nach oben gehst und dann wieder runterkommst wenn du bereit dazu bist!

So viel zu Offenheit und Vertrauen Sire......, meinte ich ruhig.
Ich packe!

Wie kann er es wagen mich einsperren zu wollen? Das hat noch keiner getan! Und von wegen Sturrkopf, wer ist nun der Sture von uns beiden? Ich sicherlich nicht! Also habe ich mich so würdig wie es ging umgedreht und bin nach den Worten die Stufen hoch gestiegen. Ich ging auf mein Zimmer und packte einiges in meine Tasche. Ich würde einfach ein paar Tage untertauchen bei Raindri und wenn mein
Sire sich beruhigt hat, wieder mein Zimmer betreten. Soll er doch seine Wut an anderen auslassen. Ich bin nun heilfroh, dass Temora mir sein wahres Gesicht gezeigt hat und so einen Menschen war ich bereit zu lieben! Wenn ich etwas gar nicht mag, dann ist es Schreierei. Man kann sich doch ruhig und gesittet ausdrücken. Während ich packe, steht er im Zimmer. Wutschnaubend wie ein Stier vor dem roten Tuch. Nun ja mein Kleid war rot, vielleicht lag es daran. Ehe ich mich versehen konnte, bekam ich eine Backpfeife, die sich gewaschen hatte. Sogleich ist meine Wange angeschwollen und meine feine, zarte Haut brannte. Als ich kurz einen Blick in den Spiegel warf, bemerkte ich die fünf Finger auf meiner Wange.
Ich dachte Ihr schlagt keine Dame, meinte ich dann nur noch.
Nun stand ich da in einem Gefühlmix, der aus Entsetzten, ob dieser Entwürdigenden Art, Sprachlosigkeit und ja es tat auch sehr weh. Mehr weh tat jedoch, dass mein Sire einem Menschen, der ihm nur Gutes bisher wollte und noch immer will und für ihn da sein will jetzt und in Zukunft ins Gesicht schlägt.
Wie konnte er nur so unmenschlich sein! Meine Familie hatte mir das nie angetan. Und ja ich würde auch niemals einem Menschen, der mir anvertraut wurde, ins Gesicht schlagen. Das Schrecklichste was man jemanden antun kann. Das Erniedrigens und Unwürdigste und ja unmenschlich war es auch.
Ich bin dann doch nicht gegangen, da ich Besuch bekam. Kilian. Er hat meine Wange bemerkt und Fragen gestellt.

Ich bin nur in etwas hinein gefallen, mein Versehen, sagte ich.
Über diese Schmach will ich nicht sprechen und keiner wird es je erfahren. Ich bin das dem Haus Regensdorf und meinem Ritter, auch wenn er es heute nicht verdient hat, schuldig. Nach der Salbe von Kilian ging es mir besser. Ich war wohl heute keine gute Gesellschaft aber das werde ich wieder gut machen, dachte ich und bin dann Schluss endlich schlafen gegangen, mit der Gewissheit, dass ich meinem Sire völlig gleichgültig bin, aber ich dennoch zu ihm stehen werde, weil ich doch noch die Hoffnung trage ihm das Gute in einem Menschen nahe zu bringen. Ich hoffe es!
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