| Pechschwarzer Flügelschlag |
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Neliel Lelyn
| Pechschwarzer Flügelschlag |
Sekunden vergehen wie Stunden und es bedarf nur ein Flügelschlag, der die ganze Welt ins Wanken geraten lässt. Ein Flügelschlag pechschwarzer Federn, der in vielen Köpfen der Menschen Angst und Schrecken verbreitet. Der Bote des Todes, das Sinnbild des Schmerzes und der Unheilbringer. Es ist bekannt, dass ein Kuss eines Rabens die Pest auslöst, den Geist blendet und die Seele in Besitz nimmt.
Ihr war das schwarzgefiederte Tier gar nicht aufgefallen, als sie auf den Hof hinaus trat. Weswegen auch, ein Rabe war für sie nichts anderes als ein Rabe. Nichts weiter als eines der vielen Lebewesen dieser Welt. Sie schenkte den Tieren nicht wirklich viel Beachtung, auch, wenn sie selbst als Todes- und Pestbringer bekannt waren. Vielmehr lag ihre Aufmerksamkeit auf ihrer Tochter, der kleinen Ausbrecherkönigin, die sich wieder nach Hause zurück verirrt hatte. Was sollte da schon wichtiger sein?
Schon als kleines Kind hörte sie immer wieder die schlimmen Geschichten, die ihre Großmutter über Raben erzählt hatte. Sie lauerten einem auf, starrten einen an und in einem Moment der Unachtsamkeit stachen sie einem die Augen aus und klauten einem damit die Seele. Es ist ganz selbstverständlich, dass ein kleines Mädchen von solchen Erzählungen Albträume bekam.
Dass ihr die Tiere mittlerweile nichts mehr ausmachten, lag vielleicht daran, dass sie mit den meisten Tieren gut umgehen konnte. Weswegen sollten harmlose Vögel den Tod bringen? Sie waren pechschwarz wie die Nacht und ihr Krähen konnte furchterregend sein. Aber war das tatsächlich ein Grund, um sie zu fürchten?
Nein, absolut nicht. Allerdings beunruhigten sie die Worte Janus'. Sie solle aufpassen, denn es seien Gestaltenwandler. Spione und Kundschafter. Menschen, die ihr Äußeres in diese Gestalt pressten, um Nachforschungen anzustellen oder um Menschen zu beobachten. Sie sollte ein Auge auf diese Tiere haben. Es würde ihr mit Sicherheit gelingen, diese Wesen im Auge zu behalten. Aber ob sie sich von ihr vertrieben ließen? Das war wahrlich eine gute Frage. Sie würde vorsichtig sein, soviel war sicher.
Ihr war das schwarzgefiederte Tier gar nicht aufgefallen, als sie auf den Hof hinaus trat. Weswegen auch, ein Rabe war für sie nichts anderes als ein Rabe. Nichts weiter als eines der vielen Lebewesen dieser Welt. Sie schenkte den Tieren nicht wirklich viel Beachtung, auch, wenn sie selbst als Todes- und Pestbringer bekannt waren. Vielmehr lag ihre Aufmerksamkeit auf ihrer Tochter, der kleinen Ausbrecherkönigin, die sich wieder nach Hause zurück verirrt hatte. Was sollte da schon wichtiger sein?
Schon als kleines Kind hörte sie immer wieder die schlimmen Geschichten, die ihre Großmutter über Raben erzählt hatte. Sie lauerten einem auf, starrten einen an und in einem Moment der Unachtsamkeit stachen sie einem die Augen aus und klauten einem damit die Seele. Es ist ganz selbstverständlich, dass ein kleines Mädchen von solchen Erzählungen Albträume bekam.
Dass ihr die Tiere mittlerweile nichts mehr ausmachten, lag vielleicht daran, dass sie mit den meisten Tieren gut umgehen konnte. Weswegen sollten harmlose Vögel den Tod bringen? Sie waren pechschwarz wie die Nacht und ihr Krähen konnte furchterregend sein. Aber war das tatsächlich ein Grund, um sie zu fürchten?
Nein, absolut nicht. Allerdings beunruhigten sie die Worte Janus'. Sie solle aufpassen, denn es seien Gestaltenwandler. Spione und Kundschafter. Menschen, die ihr Äußeres in diese Gestalt pressten, um Nachforschungen anzustellen oder um Menschen zu beobachten. Sie sollte ein Auge auf diese Tiere haben. Es würde ihr mit Sicherheit gelingen, diese Wesen im Auge zu behalten. Aber ob sie sich von ihr vertrieben ließen? Das war wahrlich eine gute Frage. Sie würde vorsichtig sein, soviel war sicher.
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Neliel Lelyn
Während sie rannte und rannte begann ihre Lunge zu brennen. Sie sah nichts um sich herum. Gähnende Leere umhüllte sie und die schwarze Nacht war dunkler denn je. Sie stolperte, fing sich, rannte weiter und fiel wieder. Sie hörte sich selbst atmen und beobachtete sich selbst aus der Vogelperspektive.
Immer wieder hallte das Krähen in ihren Ohren und ließ sie verrückt werden, ließ sie panisch reagieren und unvernünftig handeln. Sie ließ zu, dass die Angst von ihr ergriff. Sie rannte weiter, obwohl ihre Beine sie nicht mehr tragen und ihre Lunge sie nicht mehr mit Luft versorgen konnte. Aber sie wollte nicht, dass er siegte. Sie wollte nicht, dass er sie einholte und ihr die Augen auspickte. Sie presste die Augen zusammen – es war vollkommen gleichgültig, denn sehen konnte sie eh nichts. Sie spürte das Kribbeln in ihren Armen, das lähmende Gefühl machte sich komplett in diesen breit. Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn und die Benommenheit machten es noch viel schwerer zu fliehen.
Sie stolperte.
Mit weit aufgerissenen Augen sah sie in die tiefe Nacht.
Sie sah nichts.
Nichts.
Es war, als wäre alles vor ihr schwarz.
Nichts regte sich.
Sie hörte nichts.
Sie spürte nichts.
Sie sah noch immer nichts.
Als der Flügelschlag direkt über ihr zu spüren war zuckte sie zusammen. Sie presste die Lippen aufeinander, um den panischen Laut zu unterdrücken. Die Augen panisch aufgerissen. Im Sturzflug stürzte der Rabe hinab, direkt auf ihre Augen zu.
Ihr Herz raste als sie die Augen aufschlug. Sie kniff die Augen kurz zusammen und tastete beiseite. Janus war bei ihr. Sie war wach. Sie hatte nur schlecht geträumt. Albträume, die sich wegen zuvieler Gedanken in ihre Traumwelt geschlichten hatten. Sie atmete tief durch und legte sich wieder hin. Im Flur flackerten die Kerzen und sie starrte an die Decke, zählte langsam bis zehn, um sich selbst wieder zu beruhigen. „Es war nur ein Traum...“, flüsterte sie leise und schmiegte sich an Janus, der automatisch seinen Arm um sie legte. Manchmal träumte man aber auch verrückte Sachen.
Immer wieder hallte das Krähen in ihren Ohren und ließ sie verrückt werden, ließ sie panisch reagieren und unvernünftig handeln. Sie ließ zu, dass die Angst von ihr ergriff. Sie rannte weiter, obwohl ihre Beine sie nicht mehr tragen und ihre Lunge sie nicht mehr mit Luft versorgen konnte. Aber sie wollte nicht, dass er siegte. Sie wollte nicht, dass er sie einholte und ihr die Augen auspickte. Sie presste die Augen zusammen – es war vollkommen gleichgültig, denn sehen konnte sie eh nichts. Sie spürte das Kribbeln in ihren Armen, das lähmende Gefühl machte sich komplett in diesen breit. Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn und die Benommenheit machten es noch viel schwerer zu fliehen.
Sie stolperte.
Mit weit aufgerissenen Augen sah sie in die tiefe Nacht.
Sie sah nichts.
Nichts.
Es war, als wäre alles vor ihr schwarz.
Nichts regte sich.
Sie hörte nichts.
Sie spürte nichts.
Sie sah noch immer nichts.
Als der Flügelschlag direkt über ihr zu spüren war zuckte sie zusammen. Sie presste die Lippen aufeinander, um den panischen Laut zu unterdrücken. Die Augen panisch aufgerissen. Im Sturzflug stürzte der Rabe hinab, direkt auf ihre Augen zu.
Ihr Herz raste als sie die Augen aufschlug. Sie kniff die Augen kurz zusammen und tastete beiseite. Janus war bei ihr. Sie war wach. Sie hatte nur schlecht geträumt. Albträume, die sich wegen zuvieler Gedanken in ihre Traumwelt geschlichten hatten. Sie atmete tief durch und legte sich wieder hin. Im Flur flackerten die Kerzen und sie starrte an die Decke, zählte langsam bis zehn, um sich selbst wieder zu beruhigen. „Es war nur ein Traum...“, flüsterte sie leise und schmiegte sich an Janus, der automatisch seinen Arm um sie legte. Manchmal träumte man aber auch verrückte Sachen.
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Lyseria Valthyr
Der Menschen Wille ist ihr Himmelreich und wird oft ihre Hölle.
[ Sprichwort ]
Tage zuvor stieß das Rabenweibchen auf das kleine Mädchen, vielleicht gerade einmal 3 oder 4 Jahre alt, die den Finger tief im Mund stecken hatte und ihre schwitzige Hand die eines älteren Mädchens drückte. Für die Mütter war dass womöglich einer der schönsten Anblicke dieses Abends, dennoch hatte sie einen ganz anderen Grund gefunden das Kind zu beäugen. Nicht weil die Seele noch so klar und mit Reinheit bestückt war, sondern ein völlig Anderer.
Sie konnte diesen Grund, ihre ansteigende Neugierde des Kindes wegen nicht deuten und so verharrte sie auf einem nahegelegenen Dach gegenüber Cedric's Anwesen, lauschte still dem Gespräch der Erwachsenen obwohl sie unlängst für Aufsehen sorgte. Sie fixierte kurz und mit wenig Interesse den gezückten Dolch des Ritters, regte sich kein Stückchen, auch wenn sie sich bewusst sein musste, das ihr jener gewiss um die Ohren fliegen könnte, würde sie eine Sekunde nicht auf sich achten. Doch ein weiterer Anflug von zunehmender Neugierde ließ das Augenmerk erneut zu dem Kind rücken, sie waren im Begriff aufzubrechen - die beiden Kinder, ein Knappe und eine Frau. Sie entschloss sich, sich auf gut Glück anzuschließen, verschmolz in der Dunkelheit des Firmaments und kreiste aufmerksam über den Köpfen der Aufbrechenden hinweg. Es musste einen guten Grund haben weshalb sie so neugierig wurde und das wollte die Rabendienerin auf biegen und brechen herausfinden, auch als die kleine Gruppierung an dem Gutshof anhielt.
Sie ließ sich auf dem Zaun des Vorgartens nieder und beäugte weiterhin das Diskussions-Szenario zwischen den Kleinen und den Erwachsenen, denn vor dem Gatter tobte bereits die Dame Lelyn und schnell, so wie die Diskussion begann, konnte man als Aussenstehender feststellen dass das kleine Mädchen ihre Tochter war, die das Rabenweibchen noch ebend so interessant fand.
Kurz kam in ihr der Gedanke auf das Mädchen zu entführen, zwar nicht um ihr weh zu tun, sondern herauszufinden was sie so nah an den Gutshof führte. Sie sah sich um, spähte zum Haus, zurück zu den Erwachsenen und Kindern und wieder auf die Acker. Die pechschwarzen Schwingen trugen sie seicht zwischen die Kräuter auf dem Acker herab und sie konnte wahrlich von Glück reden das sie dies auch just getan hatte. Sie statzte aufmerksam über den Acker, durchquerte vorsichtig die Kräuter um nicht erneut das Aufsehen der Menschen zu erregen.
Lyseria linste ruckartig zurück, als sie das Rascheln des Blätterwerks vernommen hatte, taxierte unmittelbar den Baum neben Neliel und war sich von einem Herzschlag auf den Anderen vollkommen sicher das Er es war - der Arcomagus. Er erdreistete sich allen ernstes als Adler in der Baumkrone zu hocken? Wut keimte in ihr auf, sie musste zurück an die erste Begegnung mit ihm denken, wie leicht er es doch hatte sie zu fangen, sie zu enttarnen und in den Dreck zu drücken. Wahrscheinlich hatte er sich längst in hohen Tönen spucken lächerlich geprahlt, dennoch war es ihr völlig gleich - die Rache stand bevor!
Die Disharmonie zerrte im Lied, als sie sich zurück auf den Zaun schwang um Janus zu verdeutlichen dass sie anwesend war. Sie wartete unruhig, mit den Krallen über das Holz kratzend, bis er sich aus der Baumkrone stieß und nicht weit von ihr, gar gegenüber ihr, auf dem Lattenzaun niedersank. Sie beäugten sich scharf, die Blicke kreuzten sich und er hüpfte allmählich näher - Lattenspitze für Lattenspitze, nur wo war das Rabenweibchen? Sie hatte sich unlängst in Richtung Firmament erhoben, lauerte wie eine Verhungerte in der Dunkelheit nach ihrer Beute und stürzte letztlich mit angezogenen Schwingen auf seinen Rücken zu. Er ließ sie nicht aus den Augen, war freilich nicht davon beeindruckt und reagierte mit einem herab hoppsen in den Acker. Er wich ihren spitzen Krallen gerade noch aus als er sich davor ducken konnte und erhob sich selbst als Gegenzug mit einem Flügelschlag herauf um ihr stattdessen in den Rücken zu fallen. Ein Spiel wie bei Katz und Maus, jedoch erreichte er sie nicht, sondern bekam erneut einen Angriff von ihr zu spüren. Sie war es doch schon oft gewohnt das man ihren Angriffen auswich oder sie gar abwehren konnte um unmittelbar danach einen Gegenangriff zu starten, nur diesmal nicht! Bisweilen war sie so weit kurzerhand die Gunst ihres Herrn zu erlangen, ihm den Schlag auf das kleine Adlerköpfchen zu verpassen um den seinen Angriff abzuwimmeln. Kopfschmerzen ereilten ihn kurzfristig die ihn wanken und zu Boden gingen ließen. Sie krächzte siegessicher, doch auch nach diesem Schmerz konnte sich der Arcomagus aufraffen und den Himmel zum wüten auffordern. Schwarze Wolken zogen über dem Gutshof auf, die wie einer Barriere gleich auch nur um diesen anzutreffen waren und züngelten ein wahres Schauspiel hervor - Blitze schossen aus ihnen heraus, fuhren zu Boden und spielten weiter ihren Zorn innerhalb der Wolken ab, bis es wieder von vorne begann.
Sie sah zu diesem Schauspiel zurück, hätte vor Amüsement lachen können, wäre sie verdammte Rabenkacke nicht in diesem kleinen Körper gefangen! Aber sie hatte genug sehen, diesmal war ihre Neugierde gestillt, alleinig aus dem Grund, dass er wohl die Frau und das Kind beschützen wollte.
Dein Wille wird die Hölle sein, Arcomagus...
...
Sie stürzte sich in die Baumkrone hinein um am anderen Ende wieder hinaus zu schießen. Wie von Wahn angetrieben krächzte das Rabenweibchen der fliehenden Frau hinterher, nahm es sich nicht, sie weiter und dichter in das Waldstückchen hinein zu verfolgen.
Neliel schrie zurück, zumindest in die Richtung aus der sie das Krächzen des Rabens vernehmen konnte, stolperte, wankte und fing sich durch einen etwas größeren Schritt wieder. Sie hatte großes Glück dass sie in diesem Moment wankte, denn die Krallen verfehlten nur knapp ihren Kopf und zogen nur flüchtig an ihren Locken die die Krallenspitzen erwischten.
Unverhofft danach kam der weitere Angriff auf sie, ehe Neliel die Lichtung auch nur ansatzweise erblicken konnte.
Das Rabenweibchen rauschte in windeseile an ihre rechte Schulter heran, krallte sich dort wie eine lästige Zecke fest und warf die junge Mutter zu Boden. Neliel schnaufte panisch, kniff die Augen zu, denn die Situation ergriff sie wie ihr neuerlicher Albtraum den sie hatte - und ihre Augen wollte sie nun wirklich nicht verlieren. Aber was wollte sie mit den Augen? Für ihre eigenen Augenhöhlen? Nein, dass hatte sie gewiss nicht vor. Ihr die Augen zu entreissen wäre zu auffällig gewesen auch wenn dieser Gedanke die Rabendienerin flüchtig belustigte, stemmte sie daraufhin gnadenlos die linke Kralle auf Neliel's Kopf. Sie spürte die Krallen an ihrer Kopfhaut kratzen, die von einem gewissenhaften Nachdruck profitierte, welcher nicht minder vermitteln sollte das sie es nicht wagen solle sich zu rühren. Und tatsächlich! Dies tat Sie wahrhaftig nicht, so wie Sie unter Angst stand.
Der obsidianfarbene Schnabel versank in den dunklen Locken der Frau, grub sich wild vom Oberkopf an bis zu ihrem Nacken hinab durch ihr Haar, zwirbelte die verhassten Knoten und schließlich an der empfindlichsten Stelle packte der Schnabel zu. Direkt in Neliel's Nacken zupfte sie sich vereinzelte Strähnen um sie ihr mit einem ruckartigen zurückziehen des Rabenkopfes zu entreissen. Zeitgleich schoss ihr ein geisterhafter Schlag auf den Hinterkopf herab, der dazu diente, sie bewusstlos zu schlagen und nicht bei Entnehmen ihrer Haare aufschreien zu lassen. Der Schlag zeigte Wirkung. Die Bäuerin wurde bewusstlos und bekam nichts dergleichen mit...
Die Wandlung in ihre wahre Gestalt setzte ein, kurz nachdem sie Neliel die Strähne entriss und steckte jene tief und sicher in den weiten Ärmel ihrer Rabenroben. Sie atmete tief ein und aus, einerseits um die Furcht in vollen Züge in die Lunge hinab zu drücken, die die Frau von sich ausströmte und andererseits weil sie bisher noch nicht entdeckt wurden.
Sie griff ihr unter die Achseln um den bewusstlosen Körper etwas anzuheben und sie ferner des Waldweges zwischen West-Gerimor und Adoran zu tragen. Lyseria schleppte sie noch tiefer in das Waldstück hinein, bettete sie zurück zwischen duftenden Blumen, weiches vermoostes Gras und nahe eines Baumstammes. Sie sank von der Hocke aus auf ein Knie, schloss die knochige Hand um ihre rechte Schulter um die zugefügten Kralleneinstiche zu verschließen und überließ ihren bewusstlosen Körper der freien Natur, die Neliel so sehr zu lieben schien.
An den Angriff konnte sie sich nicht mehr erinnern, weder an die Schmerzen, noch dass das Rabenweibchen auf ihr saß und versucht hatte ihr eine Strähne zu entreissen. Die Erinnerung eines widerhallenden Krächzens jedoch wird ihr bleiben...
"Richte deinem Gatten schöne Grüße von mir aus...", hauchte sie.
Dein Wille wird die Hölle sein, Arcomagus...
[ Sprichwort ]
Tage zuvor stieß das Rabenweibchen auf das kleine Mädchen, vielleicht gerade einmal 3 oder 4 Jahre alt, die den Finger tief im Mund stecken hatte und ihre schwitzige Hand die eines älteren Mädchens drückte. Für die Mütter war dass womöglich einer der schönsten Anblicke dieses Abends, dennoch hatte sie einen ganz anderen Grund gefunden das Kind zu beäugen. Nicht weil die Seele noch so klar und mit Reinheit bestückt war, sondern ein völlig Anderer.
Sie konnte diesen Grund, ihre ansteigende Neugierde des Kindes wegen nicht deuten und so verharrte sie auf einem nahegelegenen Dach gegenüber Cedric's Anwesen, lauschte still dem Gespräch der Erwachsenen obwohl sie unlängst für Aufsehen sorgte. Sie fixierte kurz und mit wenig Interesse den gezückten Dolch des Ritters, regte sich kein Stückchen, auch wenn sie sich bewusst sein musste, das ihr jener gewiss um die Ohren fliegen könnte, würde sie eine Sekunde nicht auf sich achten. Doch ein weiterer Anflug von zunehmender Neugierde ließ das Augenmerk erneut zu dem Kind rücken, sie waren im Begriff aufzubrechen - die beiden Kinder, ein Knappe und eine Frau. Sie entschloss sich, sich auf gut Glück anzuschließen, verschmolz in der Dunkelheit des Firmaments und kreiste aufmerksam über den Köpfen der Aufbrechenden hinweg. Es musste einen guten Grund haben weshalb sie so neugierig wurde und das wollte die Rabendienerin auf biegen und brechen herausfinden, auch als die kleine Gruppierung an dem Gutshof anhielt.
Sie ließ sich auf dem Zaun des Vorgartens nieder und beäugte weiterhin das Diskussions-Szenario zwischen den Kleinen und den Erwachsenen, denn vor dem Gatter tobte bereits die Dame Lelyn und schnell, so wie die Diskussion begann, konnte man als Aussenstehender feststellen dass das kleine Mädchen ihre Tochter war, die das Rabenweibchen noch ebend so interessant fand.
Kurz kam in ihr der Gedanke auf das Mädchen zu entführen, zwar nicht um ihr weh zu tun, sondern herauszufinden was sie so nah an den Gutshof führte. Sie sah sich um, spähte zum Haus, zurück zu den Erwachsenen und Kindern und wieder auf die Acker. Die pechschwarzen Schwingen trugen sie seicht zwischen die Kräuter auf dem Acker herab und sie konnte wahrlich von Glück reden das sie dies auch just getan hatte. Sie statzte aufmerksam über den Acker, durchquerte vorsichtig die Kräuter um nicht erneut das Aufsehen der Menschen zu erregen.
Lyseria linste ruckartig zurück, als sie das Rascheln des Blätterwerks vernommen hatte, taxierte unmittelbar den Baum neben Neliel und war sich von einem Herzschlag auf den Anderen vollkommen sicher das Er es war - der Arcomagus. Er erdreistete sich allen ernstes als Adler in der Baumkrone zu hocken? Wut keimte in ihr auf, sie musste zurück an die erste Begegnung mit ihm denken, wie leicht er es doch hatte sie zu fangen, sie zu enttarnen und in den Dreck zu drücken. Wahrscheinlich hatte er sich längst in hohen Tönen spucken lächerlich geprahlt, dennoch war es ihr völlig gleich - die Rache stand bevor!
Die Disharmonie zerrte im Lied, als sie sich zurück auf den Zaun schwang um Janus zu verdeutlichen dass sie anwesend war. Sie wartete unruhig, mit den Krallen über das Holz kratzend, bis er sich aus der Baumkrone stieß und nicht weit von ihr, gar gegenüber ihr, auf dem Lattenzaun niedersank. Sie beäugten sich scharf, die Blicke kreuzten sich und er hüpfte allmählich näher - Lattenspitze für Lattenspitze, nur wo war das Rabenweibchen? Sie hatte sich unlängst in Richtung Firmament erhoben, lauerte wie eine Verhungerte in der Dunkelheit nach ihrer Beute und stürzte letztlich mit angezogenen Schwingen auf seinen Rücken zu. Er ließ sie nicht aus den Augen, war freilich nicht davon beeindruckt und reagierte mit einem herab hoppsen in den Acker. Er wich ihren spitzen Krallen gerade noch aus als er sich davor ducken konnte und erhob sich selbst als Gegenzug mit einem Flügelschlag herauf um ihr stattdessen in den Rücken zu fallen. Ein Spiel wie bei Katz und Maus, jedoch erreichte er sie nicht, sondern bekam erneut einen Angriff von ihr zu spüren. Sie war es doch schon oft gewohnt das man ihren Angriffen auswich oder sie gar abwehren konnte um unmittelbar danach einen Gegenangriff zu starten, nur diesmal nicht! Bisweilen war sie so weit kurzerhand die Gunst ihres Herrn zu erlangen, ihm den Schlag auf das kleine Adlerköpfchen zu verpassen um den seinen Angriff abzuwimmeln. Kopfschmerzen ereilten ihn kurzfristig die ihn wanken und zu Boden gingen ließen. Sie krächzte siegessicher, doch auch nach diesem Schmerz konnte sich der Arcomagus aufraffen und den Himmel zum wüten auffordern. Schwarze Wolken zogen über dem Gutshof auf, die wie einer Barriere gleich auch nur um diesen anzutreffen waren und züngelten ein wahres Schauspiel hervor - Blitze schossen aus ihnen heraus, fuhren zu Boden und spielten weiter ihren Zorn innerhalb der Wolken ab, bis es wieder von vorne begann.
Sie sah zu diesem Schauspiel zurück, hätte vor Amüsement lachen können, wäre sie verdammte Rabenkacke nicht in diesem kleinen Körper gefangen! Aber sie hatte genug sehen, diesmal war ihre Neugierde gestillt, alleinig aus dem Grund, dass er wohl die Frau und das Kind beschützen wollte.
Dein Wille wird die Hölle sein, Arcomagus...
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Sie stürzte sich in die Baumkrone hinein um am anderen Ende wieder hinaus zu schießen. Wie von Wahn angetrieben krächzte das Rabenweibchen der fliehenden Frau hinterher, nahm es sich nicht, sie weiter und dichter in das Waldstückchen hinein zu verfolgen.
Neliel schrie zurück, zumindest in die Richtung aus der sie das Krächzen des Rabens vernehmen konnte, stolperte, wankte und fing sich durch einen etwas größeren Schritt wieder. Sie hatte großes Glück dass sie in diesem Moment wankte, denn die Krallen verfehlten nur knapp ihren Kopf und zogen nur flüchtig an ihren Locken die die Krallenspitzen erwischten.
Unverhofft danach kam der weitere Angriff auf sie, ehe Neliel die Lichtung auch nur ansatzweise erblicken konnte.
Das Rabenweibchen rauschte in windeseile an ihre rechte Schulter heran, krallte sich dort wie eine lästige Zecke fest und warf die junge Mutter zu Boden. Neliel schnaufte panisch, kniff die Augen zu, denn die Situation ergriff sie wie ihr neuerlicher Albtraum den sie hatte - und ihre Augen wollte sie nun wirklich nicht verlieren. Aber was wollte sie mit den Augen? Für ihre eigenen Augenhöhlen? Nein, dass hatte sie gewiss nicht vor. Ihr die Augen zu entreissen wäre zu auffällig gewesen auch wenn dieser Gedanke die Rabendienerin flüchtig belustigte, stemmte sie daraufhin gnadenlos die linke Kralle auf Neliel's Kopf. Sie spürte die Krallen an ihrer Kopfhaut kratzen, die von einem gewissenhaften Nachdruck profitierte, welcher nicht minder vermitteln sollte das sie es nicht wagen solle sich zu rühren. Und tatsächlich! Dies tat Sie wahrhaftig nicht, so wie Sie unter Angst stand.
Der obsidianfarbene Schnabel versank in den dunklen Locken der Frau, grub sich wild vom Oberkopf an bis zu ihrem Nacken hinab durch ihr Haar, zwirbelte die verhassten Knoten und schließlich an der empfindlichsten Stelle packte der Schnabel zu. Direkt in Neliel's Nacken zupfte sie sich vereinzelte Strähnen um sie ihr mit einem ruckartigen zurückziehen des Rabenkopfes zu entreissen. Zeitgleich schoss ihr ein geisterhafter Schlag auf den Hinterkopf herab, der dazu diente, sie bewusstlos zu schlagen und nicht bei Entnehmen ihrer Haare aufschreien zu lassen. Der Schlag zeigte Wirkung. Die Bäuerin wurde bewusstlos und bekam nichts dergleichen mit...
Die Wandlung in ihre wahre Gestalt setzte ein, kurz nachdem sie Neliel die Strähne entriss und steckte jene tief und sicher in den weiten Ärmel ihrer Rabenroben. Sie atmete tief ein und aus, einerseits um die Furcht in vollen Züge in die Lunge hinab zu drücken, die die Frau von sich ausströmte und andererseits weil sie bisher noch nicht entdeckt wurden.
Sie griff ihr unter die Achseln um den bewusstlosen Körper etwas anzuheben und sie ferner des Waldweges zwischen West-Gerimor und Adoran zu tragen. Lyseria schleppte sie noch tiefer in das Waldstück hinein, bettete sie zurück zwischen duftenden Blumen, weiches vermoostes Gras und nahe eines Baumstammes. Sie sank von der Hocke aus auf ein Knie, schloss die knochige Hand um ihre rechte Schulter um die zugefügten Kralleneinstiche zu verschließen und überließ ihren bewusstlosen Körper der freien Natur, die Neliel so sehr zu lieben schien.
An den Angriff konnte sie sich nicht mehr erinnern, weder an die Schmerzen, noch dass das Rabenweibchen auf ihr saß und versucht hatte ihr eine Strähne zu entreissen. Die Erinnerung eines widerhallenden Krächzens jedoch wird ihr bleiben...
"Richte deinem Gatten schöne Grüße von mir aus...", hauchte sie.
Dein Wille wird die Hölle sein, Arcomagus...
Zuletzt geändert von Lyseria Valthyr am Sonntag 10. April 2011, 23:40, insgesamt 5-mal geändert.
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Neliel Lelyn
Sie spürte die panische Angst und das Adrenalin, welches durch ihre Adern gepumpt wurde. Die Hetzjagd durch den Wald setzte ihr zu, ihre Lunge schmerzte und sie hatte tatsächlich panische Angst. Ob es jetzt an den Erzählungen ihrer Großmutter lag oder daran, dass Janus ihr eingetrichtert hatte, dass sie sich vor jedem Raben hüten und sich vor allem von ihnen fernhalten sollte. Sie hörte die Worte auch jetzt wieder in ihren Gedanken, bis sie von dem drohenden Krächzen des Rabens zerfetzt wurden.
Sie stolperte immer wieder, weil sie den Raben im Auge behalten wollte. Äste schlugen ihr ins Gesicht, aber auch das war gerade das geringste Problem Neliels. Sie wollte weg, sie wollte nach Hause. In die sicheren vier Wände. Sie stürzte.
Sie konnte die Erde des Bodens riechen, als sie von dem Raben hinabgedrückt wurde. Sie hatte die Warnung verstanden, dass sie sich nicht bewegen sollte. Sie rührte sich nicht, stattdessen versuchte sie, die Panik zu unterdrücken. Sie spürte das Schaben der Kralle an ihrem Kopf und zuckte bei jeder einzelner Haarsträhne, die ihr ausgerissen wurde. Noch bevor sie das „Bitte nicht“ in ihrem Kopf weiterspinnen konnte, wurde sie durch den mentalen Schlag bewusstlos.
Als sie sich regte, blinzelte die Sonne auf ihre Nasenspitze und kitzelte jene. Der süßliche Duft von den Blumen stieg in ihre Nase und ließen ihre Augen aufschlagen. Sie lag inmitten einer Waldlichtung. An und für sich wäre es ein schönes Bild gewesen, wären da nicht diese Kopfschmerzen. Sie fühlte sich, als hätte sie eine halbe Ewigkeit geschlafen. Ihr Kopf und all ihre Glieder waren schwer. Sie sah ihr Kleid und die Erinnerungen kamen langsam wieder. Vor irgendetwas war sie geflohen. Aber sie konnte es nicht genau lokalisieren, was genau es war. Wovor hatte sie Angst gehabt? Sie erhob sich langsam und ignorierte die Schmerzen in ihren Gliedern. Sie begann nach Hause zu rennen. Sie war so sehr in Gedanken, noch so sehr in ihre Angst verstrickt, dass sie sogar an Janus vorbeirannte. Natürlich hielt er sie auf und fragte besorgt, was passiert war. Untersuchte sie ausgiebig, um Wunden und Verletzungen zu finden. Aber er fand nichts. Alle Wunden, alle Verletzungen, die ihr zugefügt wurden, waren verheilt und die Erinnerung aus ihrem Kopf gelöscht. Auf die Frage hin, was passiert war, konnte sie ihm keine Antwort geben. Sie war geflohen, soviel wusste sie. Sie hatte sich erschreckt, das wusste sie auch noch. Aber noch war ihr nicht bewusst, dass sie vor ihr weggelaufen war. Vor einer Frau, die ihr Gatte genauestens kennen sollte. Neliel versuchte sich zu konzentrieren, aber es fiel ihr schwer. Er nickte nur, wohl war er froh, dass ihr nicht mehr passiert war, und trug sie nach Hause. Dass es ihr gut ging, war die Hauptsache. Und das tat es nach dem erholsamen Bad tatsächlich. Sie hatte Glück im Unglück gehabt.
Sie stolperte immer wieder, weil sie den Raben im Auge behalten wollte. Äste schlugen ihr ins Gesicht, aber auch das war gerade das geringste Problem Neliels. Sie wollte weg, sie wollte nach Hause. In die sicheren vier Wände. Sie stürzte.
Sie konnte die Erde des Bodens riechen, als sie von dem Raben hinabgedrückt wurde. Sie hatte die Warnung verstanden, dass sie sich nicht bewegen sollte. Sie rührte sich nicht, stattdessen versuchte sie, die Panik zu unterdrücken. Sie spürte das Schaben der Kralle an ihrem Kopf und zuckte bei jeder einzelner Haarsträhne, die ihr ausgerissen wurde. Noch bevor sie das „Bitte nicht“ in ihrem Kopf weiterspinnen konnte, wurde sie durch den mentalen Schlag bewusstlos.
Als sie sich regte, blinzelte die Sonne auf ihre Nasenspitze und kitzelte jene. Der süßliche Duft von den Blumen stieg in ihre Nase und ließen ihre Augen aufschlagen. Sie lag inmitten einer Waldlichtung. An und für sich wäre es ein schönes Bild gewesen, wären da nicht diese Kopfschmerzen. Sie fühlte sich, als hätte sie eine halbe Ewigkeit geschlafen. Ihr Kopf und all ihre Glieder waren schwer. Sie sah ihr Kleid und die Erinnerungen kamen langsam wieder. Vor irgendetwas war sie geflohen. Aber sie konnte es nicht genau lokalisieren, was genau es war. Wovor hatte sie Angst gehabt? Sie erhob sich langsam und ignorierte die Schmerzen in ihren Gliedern. Sie begann nach Hause zu rennen. Sie war so sehr in Gedanken, noch so sehr in ihre Angst verstrickt, dass sie sogar an Janus vorbeirannte. Natürlich hielt er sie auf und fragte besorgt, was passiert war. Untersuchte sie ausgiebig, um Wunden und Verletzungen zu finden. Aber er fand nichts. Alle Wunden, alle Verletzungen, die ihr zugefügt wurden, waren verheilt und die Erinnerung aus ihrem Kopf gelöscht. Auf die Frage hin, was passiert war, konnte sie ihm keine Antwort geben. Sie war geflohen, soviel wusste sie. Sie hatte sich erschreckt, das wusste sie auch noch. Aber noch war ihr nicht bewusst, dass sie vor ihr weggelaufen war. Vor einer Frau, die ihr Gatte genauestens kennen sollte. Neliel versuchte sich zu konzentrieren, aber es fiel ihr schwer. Er nickte nur, wohl war er froh, dass ihr nicht mehr passiert war, und trug sie nach Hause. Dass es ihr gut ging, war die Hauptsache. Und das tat es nach dem erholsamen Bad tatsächlich. Sie hatte Glück im Unglück gehabt.
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Lyseria Valthyr
Stunde um Stunde.. Nacht um Nacht saß Lyseria in ihrem Kämmerchen auf ihrem Bett, grübelte, schnaufte wütend und fluchte. Irgendetwas musste ihr doch einfallen um diese Frau für sich und ihr Experiment zu gewinnen. Tausend Dinge fielen ihr ein die sie durchaus belustigen konnten, ihr ein Schmunzeln auf die blassen Lippen zauberten und wiederrum durch ein aufbrausendes Gefluche zerstört wurden. Sie waren zu simpel, so einfach zusammen gewürfelt und geschmückt. Es musste einzigartig sein, etwas explizit Neues und einen Wumms dahinter haben – etwas, dass völlig den Verstand Anderer überstieg! Es musste meisterlich sein, dass wollte Lyseria schon immer und vielleicht sogar, konnte dieses Experiment weitergeführt werden. Nicht nur an Neliel Lelyn, sondern auch an anderen Menschen, an Verzweifelten, an Wahnsinnigen oder sogar an kluge Menschen, nur das sie nicht im geringsten darauf kämen, was sie übernommen.. nein, was sie beseelt hatte.
Sie fragte Serra um Rat, ließ sich einige Tipps von ihr aufbinden, aber es war nicht dass was sie hätte glücklich machen oder hätte erfreuen können. Ihre Idee war zwar gut, aber für Lyseria nicht interessant genug, denn es war vorhersehbar dass Serra's Parasit bald schon scheitern würde. Warum also auch, sollte sie nun einen Parasit, erschaffen mit vollkommen anderen Eigenschaften, wenn Andere fast am Ziel angelangt und rausgefunden haben, wie er zu bekämpfen sei?
Sie lockerte ihren Schneidersitz auf, indem die Beine vom Bett rutschten und ihre Füße auf dem Boden an Halt gewannen. Ächzend erhob sie sich aus ihrer geknickten, gefrusteten Haltung heraus, drehte sich nur leicht in Richtung der Truhe die neben ihrem Bettkasten stand. Einige Herzschläge stand sie davor und war sich unsicher, ob sie die Truhe öffnen sollte. Zu viele Erinnerungen an die Vergangenheit, an ihr ehemaliges familiäres Leben das sie vor der Dienerschaft führte. Ein Leben mit Vater und Mutter voller Glück und Liebe, ohne Hass, ohne Schmerzen und Einsamkeit.
Es durchstieß ihre pulsierenden Adern mit Gift, als sie an die Zeit zurück dachte, drückte ihren zierlichen Kehlkopf durch ein schweres Schlucken herab und nahm letztendlich doch allen Mut zusammen die Truhe zu öffnen. Der Truhendeckel quietsche und klappte mit einem dumpfen Schlag gegen die kahle Mauer der Kammer. Ihr Atem stockte, als sie einen tiefen Zug des frischen Duftes in ihre Lunge herab drückte der dem Inhalt entwich. Es waren ihre sauberen Kleider darin eingebettet, die nach Lavendel und anderen Blumenextrakten rochen, ihre kleinen, nach Ebenholz riechenden Gemälde auf die sie als kleines Mädchen mit ihren Eltern aufgemalt war und unzählig verschiedene Blüten die in einem Buch gepresst waren.
Lyseria ging auf ihr rechtes Knie nieder, beugte sich mit dem Oberkörper nach vorne und vergrub ihre beiden Hände in den Inhalt. Sie kramte von einer Ecke der Truhe in die Andere, wühlte geduldig von unten wieder herauf und begann dies erneut in der Mitte. In der Truhe herrschte jahrelang Ordnung. Alles war an seinem rechten Platz, nachdem sie sich ihre Augen entriss und nach längerem Suchen fand sie Sie endlich; ihre Puppe.
Sie umfasste den weichen Körper und zog sie ohne jegliche Scheu hervor. Sie hob sie bis zu ihrem Antlitz empor, als hatte sie diese Puppe noch immer vor Augen... vor ihrem geistigen Auge. Der Kopf war kahl und ohne Hals, der Bauch schmal, die Beine ohne Füße, die Arme händelos und das Gesicht mit zwei Knöpfen bestickt. Sie sah wie ein schlichtes Stoffpüppchen aus, welche mit dünnen Strohhalmen und Wolle gefüttert war und konnte weder Lachen, noch konnte sie alleine auf dem Tisch sitzen - sie war zum kuscheln und spielen da.
„Spielst du mit mir...“, hauchte sie.
Der lockere Kopf der Puppe regte sich durch Lyseria's Finger und wippte ein kräftiges Nicken.
Die Idee war da, so urplötzlich, als habe sie schon vor einiger Zeit an Sie gedacht, brannte sich in ihren Kopf und wollte nicht mehr in Vergessenheit geraten.
„Es ist mir eine Freude Dich kennen zu lernen, Neliel. Ich bin Lyseria, deine liebenswerte Freundin und fühle mich geehrt mit Dir spielen zu dürfen.“, kicherte sie und nickte.
Sie erhob sich fröhlich auf die Füße, klappte den Truhendeckel kraftvoll zu und setzte sich mit der neuen Freundin auf ihr Bett zurück. Kindlich spielend saß sie dort, in der einen Hand die Puppe und in der Anderen die dunkle Haarsträhne ihres Opfers.
„Wünscht Du dir Haare?“, begann sie erneut im Plauderton mit der Puppe zu sprechen.
„Ich kann Dir welches schenken“
„Willst du ein Kleid?“, kicherte sie abermals.
„Nein, ich bin nicht seit meiner Geburt an blind...“, murrte sie.
„... aber ich werde mir Mühe geben Dir ein schönes Kleid zu nähen!“
Sie legte Haarsträhne und „Puppe Neliel“ neben sich auf das Kopfkissen, fischte aus ihrer Gürteltasche Nadel und Faden und friemelte mit Murren und Knurren den Faden ein. Er war robust, etwas dicker als die normalen Fäden die man zum Nähen nutzte, hatte den gewissen Halt und das Zerren ihrer Augenlider immer zufriedenstellend standgehalten.
Die Nadel klemmte sie sich kurz zwischen die Lippen als der Faden mühselig durch gefädelt war, kramte aus einem Rucksack, welcher am Ende ihres Bettes auf dem Boden stand, verschiedene Stofffetzen hervor. Welche Farben sie trugen wusste sie nicht, dennoch gelang es ihr eines Nachts in das ruhige Haus der Bäuerin Frau Lelyn als Rabe einzubrechen und dort die Kommode zu durchstöbern. Sie wurde nach etlichen Kleidern fündig, kratzte, zerrte und pickte sich die Stofffetzen zurecht, ehe sie wieder verschwand, ohne eine Spur auf den ersten Blick zu hinterlassen.
Als sie den Stoff feste in den Händen hielt, griff sie zurück zur Puppe und bettete beides in ihren Schoß.
Die Nadel nahm sie aus ihrem Mund, grabschte nach dem ersten Stofffetzen und begann ihn an den Leib der Puppe zu nähen – grob, krumm und oft stach sie zu tief hinein. Dies tat sie ebenso mit den anderen Fetzen von Neliel's Kleidern bis der schmale Körper der Puppe vollends bestickt war.
Sie zupfte prüfend an den Teilen ob sie auch halten würden und mit einem stillen Nicken bestätigte sie sich selbst zufrieden. Als sie fast fertig war, tastete sie nach den Haarsträhnen die sie Neliel vor einigen Tagen entrissen hatte und piekste das ganze Bündel Haar Fadenschlaufe für Fadenschlaufe in den Kopf hinein. Ein paar verlor sie, fielen zu Boden, doch dass bekümmerte die Dienerin nur recht wenig, sie war endlich nach etwa 3 Stunden Nähen fertig, streichelte und liebkoste ihr neues Püppchen.
„Und, gefällst Du dir?“, grinste sie frech.
„Also ich bin mit meiner Arbeit zufrieden.“
[img]http://img708.imageshack.us/img708/4383/puppeu.jpg[/img]
Nichts hatte sie zu bemängeln, schließlich war es nur eine schlichte Puppe die dazu diente die Frau des Arcomagus Janus Aethra verrückt zu machen. Sie, ihn und die kleine Tochter in den Wahn zu treiben und Neliel an ihre Grenzen stoßen zu lassen... nichtsweiter – oder doch?
Sie drückte ihre Handfläche auf den Bauch der Puppe, verfiel in eine Art Trance und begann eben jene anzutesten. Sie konzentrierte sich auf das Echthaar, die sie dem Opfer aus dem Nacken riss, versuchte eine Verbindung zu ihr aufzubauen um ihr in diesem Moment vollkommen nah zu sein. Ihre Stirn legte sich vor Anstrengung in tiefe Falten, die schmalen blassen Lippen bebten und formten die verschwörerischen Worte leise.
„Ich denk' mit deinem Kopf,
Ich kriech' in deinen Leib,
Ich bin dein schlimmster Traum für eine Weile.
Du bist so schwach und klein,
Mein Fluch kann tödlich sein.
Ich verfluch' Dich, such' Dich heim,
Dring' in Dich ein, weil ich Dich hasse,
Bis ich wieder von Dir lasse,
Bin ich dein Fluch...“
[ Auszug aus: Subway to Sally – Voodoo ]
„Bin ich dein Fluch.“, hauchte sie zart ein zweites Mal.
Sie sah sich auf einem riesigen Acker vor dem Gutshof. Ihre Tochter kicherte fröhlich, sprang zwischen den Kräutern hin und her und half ihr beim Ernten. Die Stimme der Mutter war so klar und deutlich, als würde Lyseria selbst zu dem Kind sprechen und mit ihm lachen.
Sie war wie die Pest in ihren Kopf gekrochen, konnte für diesen Augenblick durch Neliel's Augen sehen und war sich fortan bewusst, dass sie es Mithilfe ihrer Macht schaffte, welche sie durch ihren Herrn und Meister erlangt hatte, in Neliel's Körper einzudringen. Auch wenn es nur ein, zwei Herzschläge kurz war, hatte sie doch recht erfolgreich ihren Willen unter Beweis gestellt.
Erneut strich sie mit der Hand über die Puppe, als sie wieder aus der Trance zurückkehrte, schmunzelte vergnügt und raunte leise zu ihr herab:
„Bald schon werde ich Dich besuchen, liebe Neliel, um zu lauschen, wie Du auf mich reagieren wirst...“.
Sie fragte Serra um Rat, ließ sich einige Tipps von ihr aufbinden, aber es war nicht dass was sie hätte glücklich machen oder hätte erfreuen können. Ihre Idee war zwar gut, aber für Lyseria nicht interessant genug, denn es war vorhersehbar dass Serra's Parasit bald schon scheitern würde. Warum also auch, sollte sie nun einen Parasit, erschaffen mit vollkommen anderen Eigenschaften, wenn Andere fast am Ziel angelangt und rausgefunden haben, wie er zu bekämpfen sei?
Sie lockerte ihren Schneidersitz auf, indem die Beine vom Bett rutschten und ihre Füße auf dem Boden an Halt gewannen. Ächzend erhob sie sich aus ihrer geknickten, gefrusteten Haltung heraus, drehte sich nur leicht in Richtung der Truhe die neben ihrem Bettkasten stand. Einige Herzschläge stand sie davor und war sich unsicher, ob sie die Truhe öffnen sollte. Zu viele Erinnerungen an die Vergangenheit, an ihr ehemaliges familiäres Leben das sie vor der Dienerschaft führte. Ein Leben mit Vater und Mutter voller Glück und Liebe, ohne Hass, ohne Schmerzen und Einsamkeit.
Es durchstieß ihre pulsierenden Adern mit Gift, als sie an die Zeit zurück dachte, drückte ihren zierlichen Kehlkopf durch ein schweres Schlucken herab und nahm letztendlich doch allen Mut zusammen die Truhe zu öffnen. Der Truhendeckel quietsche und klappte mit einem dumpfen Schlag gegen die kahle Mauer der Kammer. Ihr Atem stockte, als sie einen tiefen Zug des frischen Duftes in ihre Lunge herab drückte der dem Inhalt entwich. Es waren ihre sauberen Kleider darin eingebettet, die nach Lavendel und anderen Blumenextrakten rochen, ihre kleinen, nach Ebenholz riechenden Gemälde auf die sie als kleines Mädchen mit ihren Eltern aufgemalt war und unzählig verschiedene Blüten die in einem Buch gepresst waren.
Lyseria ging auf ihr rechtes Knie nieder, beugte sich mit dem Oberkörper nach vorne und vergrub ihre beiden Hände in den Inhalt. Sie kramte von einer Ecke der Truhe in die Andere, wühlte geduldig von unten wieder herauf und begann dies erneut in der Mitte. In der Truhe herrschte jahrelang Ordnung. Alles war an seinem rechten Platz, nachdem sie sich ihre Augen entriss und nach längerem Suchen fand sie Sie endlich; ihre Puppe.
Sie umfasste den weichen Körper und zog sie ohne jegliche Scheu hervor. Sie hob sie bis zu ihrem Antlitz empor, als hatte sie diese Puppe noch immer vor Augen... vor ihrem geistigen Auge. Der Kopf war kahl und ohne Hals, der Bauch schmal, die Beine ohne Füße, die Arme händelos und das Gesicht mit zwei Knöpfen bestickt. Sie sah wie ein schlichtes Stoffpüppchen aus, welche mit dünnen Strohhalmen und Wolle gefüttert war und konnte weder Lachen, noch konnte sie alleine auf dem Tisch sitzen - sie war zum kuscheln und spielen da.
„Spielst du mit mir...“, hauchte sie.
Der lockere Kopf der Puppe regte sich durch Lyseria's Finger und wippte ein kräftiges Nicken.
Die Idee war da, so urplötzlich, als habe sie schon vor einiger Zeit an Sie gedacht, brannte sich in ihren Kopf und wollte nicht mehr in Vergessenheit geraten.
„Es ist mir eine Freude Dich kennen zu lernen, Neliel. Ich bin Lyseria, deine liebenswerte Freundin und fühle mich geehrt mit Dir spielen zu dürfen.“, kicherte sie und nickte.
Sie erhob sich fröhlich auf die Füße, klappte den Truhendeckel kraftvoll zu und setzte sich mit der neuen Freundin auf ihr Bett zurück. Kindlich spielend saß sie dort, in der einen Hand die Puppe und in der Anderen die dunkle Haarsträhne ihres Opfers.
„Wünscht Du dir Haare?“, begann sie erneut im Plauderton mit der Puppe zu sprechen.
„Ich kann Dir welches schenken“
„Willst du ein Kleid?“, kicherte sie abermals.
„Nein, ich bin nicht seit meiner Geburt an blind...“, murrte sie.
„... aber ich werde mir Mühe geben Dir ein schönes Kleid zu nähen!“
Sie legte Haarsträhne und „Puppe Neliel“ neben sich auf das Kopfkissen, fischte aus ihrer Gürteltasche Nadel und Faden und friemelte mit Murren und Knurren den Faden ein. Er war robust, etwas dicker als die normalen Fäden die man zum Nähen nutzte, hatte den gewissen Halt und das Zerren ihrer Augenlider immer zufriedenstellend standgehalten.
Die Nadel klemmte sie sich kurz zwischen die Lippen als der Faden mühselig durch gefädelt war, kramte aus einem Rucksack, welcher am Ende ihres Bettes auf dem Boden stand, verschiedene Stofffetzen hervor. Welche Farben sie trugen wusste sie nicht, dennoch gelang es ihr eines Nachts in das ruhige Haus der Bäuerin Frau Lelyn als Rabe einzubrechen und dort die Kommode zu durchstöbern. Sie wurde nach etlichen Kleidern fündig, kratzte, zerrte und pickte sich die Stofffetzen zurecht, ehe sie wieder verschwand, ohne eine Spur auf den ersten Blick zu hinterlassen.
Als sie den Stoff feste in den Händen hielt, griff sie zurück zur Puppe und bettete beides in ihren Schoß.
Die Nadel nahm sie aus ihrem Mund, grabschte nach dem ersten Stofffetzen und begann ihn an den Leib der Puppe zu nähen – grob, krumm und oft stach sie zu tief hinein. Dies tat sie ebenso mit den anderen Fetzen von Neliel's Kleidern bis der schmale Körper der Puppe vollends bestickt war.
Sie zupfte prüfend an den Teilen ob sie auch halten würden und mit einem stillen Nicken bestätigte sie sich selbst zufrieden. Als sie fast fertig war, tastete sie nach den Haarsträhnen die sie Neliel vor einigen Tagen entrissen hatte und piekste das ganze Bündel Haar Fadenschlaufe für Fadenschlaufe in den Kopf hinein. Ein paar verlor sie, fielen zu Boden, doch dass bekümmerte die Dienerin nur recht wenig, sie war endlich nach etwa 3 Stunden Nähen fertig, streichelte und liebkoste ihr neues Püppchen.
„Und, gefällst Du dir?“, grinste sie frech.
„Also ich bin mit meiner Arbeit zufrieden.“
[img]http://img708.imageshack.us/img708/4383/puppeu.jpg[/img]
Nichts hatte sie zu bemängeln, schließlich war es nur eine schlichte Puppe die dazu diente die Frau des Arcomagus Janus Aethra verrückt zu machen. Sie, ihn und die kleine Tochter in den Wahn zu treiben und Neliel an ihre Grenzen stoßen zu lassen... nichtsweiter – oder doch?
Sie drückte ihre Handfläche auf den Bauch der Puppe, verfiel in eine Art Trance und begann eben jene anzutesten. Sie konzentrierte sich auf das Echthaar, die sie dem Opfer aus dem Nacken riss, versuchte eine Verbindung zu ihr aufzubauen um ihr in diesem Moment vollkommen nah zu sein. Ihre Stirn legte sich vor Anstrengung in tiefe Falten, die schmalen blassen Lippen bebten und formten die verschwörerischen Worte leise.
„Ich denk' mit deinem Kopf,
Ich kriech' in deinen Leib,
Ich bin dein schlimmster Traum für eine Weile.
Du bist so schwach und klein,
Mein Fluch kann tödlich sein.
Ich verfluch' Dich, such' Dich heim,
Dring' in Dich ein, weil ich Dich hasse,
Bis ich wieder von Dir lasse,
Bin ich dein Fluch...“
[ Auszug aus: Subway to Sally – Voodoo ]
„Bin ich dein Fluch.“, hauchte sie zart ein zweites Mal.
Sie sah sich auf einem riesigen Acker vor dem Gutshof. Ihre Tochter kicherte fröhlich, sprang zwischen den Kräutern hin und her und half ihr beim Ernten. Die Stimme der Mutter war so klar und deutlich, als würde Lyseria selbst zu dem Kind sprechen und mit ihm lachen.
Sie war wie die Pest in ihren Kopf gekrochen, konnte für diesen Augenblick durch Neliel's Augen sehen und war sich fortan bewusst, dass sie es Mithilfe ihrer Macht schaffte, welche sie durch ihren Herrn und Meister erlangt hatte, in Neliel's Körper einzudringen. Auch wenn es nur ein, zwei Herzschläge kurz war, hatte sie doch recht erfolgreich ihren Willen unter Beweis gestellt.
Erneut strich sie mit der Hand über die Puppe, als sie wieder aus der Trance zurückkehrte, schmunzelte vergnügt und raunte leise zu ihr herab:
„Bald schon werde ich Dich besuchen, liebe Neliel, um zu lauschen, wie Du auf mich reagieren wirst...“.
Zuletzt geändert von Lyseria Valthyr am Samstag 16. April 2011, 20:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Neliel Lelyn
Strahlender Sonnenschein umgab den Hof. Man sah die junge Bäuerin die frischen Früchte abtragen und das Feld bestellen. Eine idyllische Situation. Manch einer wäre glücklich über ein solches Leben gewesen. Ein eigenes Gestüt, ein daran anknüpfendes Gehöft, einen Mann, der einen über alles liebt und eine Tochter, entstanden aus reinster und aufrichtigster Liebe. Aber in jeder schönen Geschichte kommt irgendwann einmal die tragische, düstere Wendung. Es ist nicht nur das Glück, welches einem entgegengebracht wird. Und die Hoffnung, die Wünsche, dass es so anhält. Es ist auch Neid, Hass und Zerstörung derer, die so etwas nie erlebt haben oder nicht mehr erleben dürfen.
Neliel stand für einen Moment neben sich, ehe sie durch das Lachen ihrer Tochter aus der Trance gerissen wurde. Sie blinzelte ein paar Mal und sah sich um. Irgendwas fühlte sich komisch an, aber vermutlich waren das nur Einbildungen. Schnell kam das Lächeln auf Neliels Züge zurück und sie sammelte die restliche Ernte ein, die Nilaihah zurückgelassen hatte. Nachdem alles eingesammelt war, ging sie zurück ins Haus und verschloss die Türe hinter sich. Der heutige Tag war ein merkwürdiger Tag. Sie fühlte sich schlapp und müde, als würde sie krank werden. Umso ratsamer war es, sich schnell in die Küche zu begeben, um einen Kräutertee aufzusetzen. Sie führte die Fingerspitzen an ihre Schläfen und ließ diese kurz kreisen. Es wurde Zeit, dass sie endlich wieder einmal genügend Zeit hatte, um sich auszuruhen. Sie drehte sich um, nahm einen Becher aus dem Regal und goss etwas Tee in diesen. Anschließend roch sie verstohlen an dem Krug und sog den Duft der Kräuter tief ein. Allein der Dampf belebte ihren Geist. Sie legte ihre Lippen an den Lippenrand und nahm einen großen Schluck. Dann stellte sie den Becher auf die Ablage zurück und ging in Richtung Bett. Die Müdigkeit, die sie gerade überkam, war kaum auszuhalten. Und es würde ihr sicherlich nicht schaden, die Augen für einen Moment zu schließen.
...
An ihren Händen klebte Blut. Sehr viel Blut. Sie rannte durch die angrenzenden Wälder. In ihrem Kopf herrschte absolute Stille, die Zweige rissen an ihrer Kleidung, als wären sie ein lästiger Begleiter, der sofort entfernt werden musste, zerrissen ihre Kleidung. Ihre Lunge schmerzte und jeder Atemzug brannte. Sie spürte jeden einzelnen Nadelstich. Ihr Verstand begann sich aufzulösen.
Sie kam an der Lichtung an, auf welcher sie letztens aufgewacht war und ließ sich in das reifbesetzte Gras gleiten. Ihre blutige Hand wanderte zitternd zu ihrem Gesicht, Tränen liefen über ihre Wangen. Langsam nahm sie ihre Hand wieder von ihren Zügen. Der goldene, glänzende Ehering inmitten der blutverschmierten Hände gab ein merkwürdiges Bild ab.
Er war tot und nichts konnte genau das ungeschehen machen. Sie sah in den Himmel, der schläfrig in der warmen Frühlingssonne lag. Ihr Körper zitterte weiterhin. Sie hatte keinerlei Erinnerungsvermögen. Was war passiert? Sie blickte sich um, schlängelte sich weiter durch und tiefer in die Wälder um zu einem nahegelegenen See zu kommen. Sie tauchte ihre Hände in das kalte Nass. Ein Schauer lief ihr über den Rücken und sie starrte auf die Wasseroberfläche, in welchem sich ihr Gesicht spiegelte. Noch nie in ihrem Leben hatte sie so etwas gesehen. Ihre Augen schlossen sich ganz automatisch, ehe sich die Bilder wieder in ihrem Kopf abspielten. Sie verlor die Kontrolle über ihre Züge, ein Lächeln bildete sich auf ihren Zügen. Ganz gegensätzlich zu ihren Gedanken, die sie ekeln ließen. Sie öffnete die Augen panisch, als sich die Bilder Stück für Stück vor ihren Augen abgespielt hatten. Sie schüttelte den Kopf. Sie konnte es sich nicht erklären, wer zu einer solchen Tat fähig sein konnte. Sie wunderte sich, warum sie nichts mitbekommen hatte. Hatte doch gerade sie ienen leichten Schlaf und wurde bei jedem kläglichen Laut auf ihrem Hof wach.
Ihr Blick glitt an ihrer Kleidung hinab. Die Ärmel ihres Hemdes waren blutdurchtränkt und irgendetwas alarmierte sie, dass sie es ausziehen musste. „Spuren verwischen...“, hörte sie es in ihren Gedanken. „Tu es..“. Sie runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. Spuren verwischen? Dennoch ging alles recht mechanisch. Sie zog sich das Hemd über den Kopf und warf es in den See. Sie rubbelte das klebrig-verkrustete Blut aus ihrem weißen Baumwollhemd. Immer und immer wieder tauchte sie es in das kühle Nass. Das Wasser färbte sich um das Hemd herum rot, ganz gleich, ob es nur die Ärmel waren, die blutverschmiert gewesen waren. Aber Neliel ignorierte das viele Blut. Sie wollte nur ihr Hemd sauber bekommen. Ob es die pure Einbildung gewesen war oder ob tatsächlich soviel Blut aus ihrem Hemd gewaschen wurde, konnte sie gar nicht wirklich sagen.
Der Weg führte sie langsam zurück zum Hof. Sie wollte eigentlich gar nicht zurückkehren. Nicht zurück an den Ort des Grauens. Wider aller Erwartungen spürte sie ein Lachen in sich aufkeimen. Sie merkte, dass unter ihrer erzwungenen ruhigen Oberfläche die Hysterie lauerte und schluckte das Lachen einfach hinab. Wenn sie erst einmal damit angefangen hatte, würde es ihr vermutlich sehr schwer fallen, damit wieder aufzuhören. Sie betrat das Gelände des Hofes und ein kurzer Schauer lief ihr über den Rücken. Was zum Henker war hier passiert? Sie versuchte sich an irgendetwas zu erinnern, aber ihre Erinnerungen waren leer. Sie wusste nicht einmal mehr, wie sie in die Wälder gekommen war. Es war alles wie weggeblasen. Es war, als wäre sie einfach dort aufgewacht.
Langsam bewegte sie sich zu dem kleinen, überdachten Vorsprung hin. Sie musste sich zusammenreißen. Sie wusste, was auf sie wartete. Ein tiefer Atemzug, dann beugte sie sich hinab. Sie sah die panischen Augen des Katers. Warum musste es auch ausgerechnet der Kater ihrer Tochter sein? Was hatte sich dieses bestialische Tier dabei gedacht? Neliel presste ihre Hand auf ihre Lippen, um das Würgegeräusch zu unterdrücken. Urmel musste Höllenqualen durchstanden und tiefste Schmerzen erlitten haben. Es war kein Schema gewesen, wie das Tier vorgegangen war. Die Gedärme und Innereien quillten aus dem aufgerissenen Körper, während dem hinteren Drittel des Tieres sämtliches Fell fehlte. Neliel presste die Augen zusammen. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, was passiert sein musste. Schnell öffnete sie die hölzerne Kiste und hob den Kadaver an, um ihn dort zu verstauen. Nilaihah durfte keinesfalls sehen, was mit Urmel geschehen war. Davongelaufen, so sollte die Geschichte lauten. Sobald sie Janus gezeigt hatte, was mit Urmel geschehen war, würde sie ihn wegschaffen.
Neliel stand für einen Moment neben sich, ehe sie durch das Lachen ihrer Tochter aus der Trance gerissen wurde. Sie blinzelte ein paar Mal und sah sich um. Irgendwas fühlte sich komisch an, aber vermutlich waren das nur Einbildungen. Schnell kam das Lächeln auf Neliels Züge zurück und sie sammelte die restliche Ernte ein, die Nilaihah zurückgelassen hatte. Nachdem alles eingesammelt war, ging sie zurück ins Haus und verschloss die Türe hinter sich. Der heutige Tag war ein merkwürdiger Tag. Sie fühlte sich schlapp und müde, als würde sie krank werden. Umso ratsamer war es, sich schnell in die Küche zu begeben, um einen Kräutertee aufzusetzen. Sie führte die Fingerspitzen an ihre Schläfen und ließ diese kurz kreisen. Es wurde Zeit, dass sie endlich wieder einmal genügend Zeit hatte, um sich auszuruhen. Sie drehte sich um, nahm einen Becher aus dem Regal und goss etwas Tee in diesen. Anschließend roch sie verstohlen an dem Krug und sog den Duft der Kräuter tief ein. Allein der Dampf belebte ihren Geist. Sie legte ihre Lippen an den Lippenrand und nahm einen großen Schluck. Dann stellte sie den Becher auf die Ablage zurück und ging in Richtung Bett. Die Müdigkeit, die sie gerade überkam, war kaum auszuhalten. Und es würde ihr sicherlich nicht schaden, die Augen für einen Moment zu schließen.
...
An ihren Händen klebte Blut. Sehr viel Blut. Sie rannte durch die angrenzenden Wälder. In ihrem Kopf herrschte absolute Stille, die Zweige rissen an ihrer Kleidung, als wären sie ein lästiger Begleiter, der sofort entfernt werden musste, zerrissen ihre Kleidung. Ihre Lunge schmerzte und jeder Atemzug brannte. Sie spürte jeden einzelnen Nadelstich. Ihr Verstand begann sich aufzulösen.
Sie kam an der Lichtung an, auf welcher sie letztens aufgewacht war und ließ sich in das reifbesetzte Gras gleiten. Ihre blutige Hand wanderte zitternd zu ihrem Gesicht, Tränen liefen über ihre Wangen. Langsam nahm sie ihre Hand wieder von ihren Zügen. Der goldene, glänzende Ehering inmitten der blutverschmierten Hände gab ein merkwürdiges Bild ab.
Er war tot und nichts konnte genau das ungeschehen machen. Sie sah in den Himmel, der schläfrig in der warmen Frühlingssonne lag. Ihr Körper zitterte weiterhin. Sie hatte keinerlei Erinnerungsvermögen. Was war passiert? Sie blickte sich um, schlängelte sich weiter durch und tiefer in die Wälder um zu einem nahegelegenen See zu kommen. Sie tauchte ihre Hände in das kalte Nass. Ein Schauer lief ihr über den Rücken und sie starrte auf die Wasseroberfläche, in welchem sich ihr Gesicht spiegelte. Noch nie in ihrem Leben hatte sie so etwas gesehen. Ihre Augen schlossen sich ganz automatisch, ehe sich die Bilder wieder in ihrem Kopf abspielten. Sie verlor die Kontrolle über ihre Züge, ein Lächeln bildete sich auf ihren Zügen. Ganz gegensätzlich zu ihren Gedanken, die sie ekeln ließen. Sie öffnete die Augen panisch, als sich die Bilder Stück für Stück vor ihren Augen abgespielt hatten. Sie schüttelte den Kopf. Sie konnte es sich nicht erklären, wer zu einer solchen Tat fähig sein konnte. Sie wunderte sich, warum sie nichts mitbekommen hatte. Hatte doch gerade sie ienen leichten Schlaf und wurde bei jedem kläglichen Laut auf ihrem Hof wach.
Ihr Blick glitt an ihrer Kleidung hinab. Die Ärmel ihres Hemdes waren blutdurchtränkt und irgendetwas alarmierte sie, dass sie es ausziehen musste. „Spuren verwischen...“, hörte sie es in ihren Gedanken. „Tu es..“. Sie runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. Spuren verwischen? Dennoch ging alles recht mechanisch. Sie zog sich das Hemd über den Kopf und warf es in den See. Sie rubbelte das klebrig-verkrustete Blut aus ihrem weißen Baumwollhemd. Immer und immer wieder tauchte sie es in das kühle Nass. Das Wasser färbte sich um das Hemd herum rot, ganz gleich, ob es nur die Ärmel waren, die blutverschmiert gewesen waren. Aber Neliel ignorierte das viele Blut. Sie wollte nur ihr Hemd sauber bekommen. Ob es die pure Einbildung gewesen war oder ob tatsächlich soviel Blut aus ihrem Hemd gewaschen wurde, konnte sie gar nicht wirklich sagen.
Der Weg führte sie langsam zurück zum Hof. Sie wollte eigentlich gar nicht zurückkehren. Nicht zurück an den Ort des Grauens. Wider aller Erwartungen spürte sie ein Lachen in sich aufkeimen. Sie merkte, dass unter ihrer erzwungenen ruhigen Oberfläche die Hysterie lauerte und schluckte das Lachen einfach hinab. Wenn sie erst einmal damit angefangen hatte, würde es ihr vermutlich sehr schwer fallen, damit wieder aufzuhören. Sie betrat das Gelände des Hofes und ein kurzer Schauer lief ihr über den Rücken. Was zum Henker war hier passiert? Sie versuchte sich an irgendetwas zu erinnern, aber ihre Erinnerungen waren leer. Sie wusste nicht einmal mehr, wie sie in die Wälder gekommen war. Es war alles wie weggeblasen. Es war, als wäre sie einfach dort aufgewacht.
Langsam bewegte sie sich zu dem kleinen, überdachten Vorsprung hin. Sie musste sich zusammenreißen. Sie wusste, was auf sie wartete. Ein tiefer Atemzug, dann beugte sie sich hinab. Sie sah die panischen Augen des Katers. Warum musste es auch ausgerechnet der Kater ihrer Tochter sein? Was hatte sich dieses bestialische Tier dabei gedacht? Neliel presste ihre Hand auf ihre Lippen, um das Würgegeräusch zu unterdrücken. Urmel musste Höllenqualen durchstanden und tiefste Schmerzen erlitten haben. Es war kein Schema gewesen, wie das Tier vorgegangen war. Die Gedärme und Innereien quillten aus dem aufgerissenen Körper, während dem hinteren Drittel des Tieres sämtliches Fell fehlte. Neliel presste die Augen zusammen. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, was passiert sein musste. Schnell öffnete sie die hölzerne Kiste und hob den Kadaver an, um ihn dort zu verstauen. Nilaihah durfte keinesfalls sehen, was mit Urmel geschehen war. Davongelaufen, so sollte die Geschichte lauten. Sobald sie Janus gezeigt hatte, was mit Urmel geschehen war, würde sie ihn wegschaffen.
-
Neliel Lelyn
Sie flüchtete sich in seine Arme. Der einzige Ort, an dem sie sicher schien. Sie hörte seinen Pulsschlag, das Schlagen seines Herzens. Dieser Ort war sicher. Nirgendwo sonst. Sie war inmitten des Hofes zum Stehen gekommen und es fühlte sich an, als würden ihre Füße gleich den Halt verlieren, wenn sie sich nicht setzte. Aber da war er. Wie immer. Genau dann zur Stelle, wenn sie ihn brauchte.„Nel?“, sie hörte die Stimme entfernt und blickte auch zu ihm empor, aber sie konnte nicht wirklich reagieren. Ein kurzer, kläglicher Laut kam über ihre Lippen. Er schloss sie in ihre Arme. „Was ist passiert? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.“
Sie wünschte, es wäre nur ein Geist gewesen. Aber das, was sie gesehen hatte, war so viel schlimmer. Sie konnte nicht wirklich ein Wort darüber verlieren. Stattdessen zog sie ihn zu der Truhe, in dem sie zuvor Urmel hineingelegt hatte. Er öffnete die Truhe einen Spalt. Neliel verschloss die Augen vor den grauenvollen Taten und konzentrierte sich auf irgendetwas anderes. „Wer war das?“, als wenn sie das wusste. Glaubte er tatsächlich, dass sie es ihm nicht gesagt hätte, wenn sie es wusste? Sie konnte sich ja nicht einmal an irgendetwas erinnern. „Und du hast nichts gesehen und gehört?“, sie schüttelte den Kopf daraufhin. Sie konnte sich nicht erinnern. Es war, als würde ein Stück in ihren Gedanken fehlen. Erst war sie auf dem Feld, und dann war sie irgendwo in einem Waldstück. Panisch, als hätte sie Angst, bei irgendetwas erwischt zu werden.
„Warte, Nila sollte es nicht sehen müssen..“
Er tat gut daran, den Kater tief unterhalb der Erde zu vergraben. Neliel wollte weinen, sie hatte das Gefühl, als würde irgendwas in ihr ausbrechen wollen. Aber sie konnte nicht. Es fühlte sich an, als wären ihre Tränensäcke gänzlich geleert worden. Keine einzige Träne rollte über ihre Wange hinweg. Anschließend führte er sie zurück ins Haus. Sie zog sich um, während er sich daran versuchte, Tee zu kochen. Barfuß und mit langsamen Schritten ging sie ebenfalls in den angrenzenden Raum. Für einen kurzen Moment blieb sie im Türrahmen stehen und sah ihn an. Warum wollte man ihr Glück immer zerstören?„Komm zu mir, Liebes.“, er rückte ihr den Stuhl zurecht und sie ging zu ihm, setzte sich zu ihm. Er bat sie erneut darum, ihr alles zu erzählen, woran sie sich erinnerte. Und das tat sie. Aber mehr brachte sie auch nicht zusammen. Er versprach ihr, in der nächsten Zeit mehr auf den Hof zu achten. Sie wollte, dass er bei ihr blieb. Aber das war nicht möglich. Das wusste sie selbst, aber sie hatte die Hoffnung, dass es nicht doch eine Möglichkeit gab. Er versprach ihr, dass er nur das Nötigste außerhalb tun würde und dann schnell wieder zum Hof zurückkehren würde. „Ich werde besser auf euch aufpassen, bis ich sicher bin, dass euch hier nichts passieren kann.“
Sie fragte sich, wie jemand ein Tier auf so grauenvolle Art und Weise zurichten konnten. Janus drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und streichelte ihr durch die Haare. „Es gibt Wesen, denen dies schlichte Freude bereitet..“, aber Neliel konnte das nicht verstehen. Sie würde ihren Tieren nie etwas antun können. Niemals. „Du sagtest vorhin bereits, dass du von meinen Verschwrungstheorien nicht viel hälst.. und vielleicht hast du Recht.. aber das ist die Art schlechter Scherz, die sich die Raben erlauben würden. Und sie könnten es heimlich und schnell tun.. ohne dass du es gemerkt hast.“, die Worte drangen an ihr Ohr. Aber was würde es den Raben bringen, einfach ohne weiteres ihre Tiere zu töten? Aber Janus hatte eine ganz einfache, stimmige Antwort darauf.
„Nel, um dich zu quälen... und um mich zu quälen.“
Nachdem die Unterhaltung sich gen Ende neigte wurde Neliel doch müde. Janus wollte warten, bis sie eingeschlafen war, ehe er aufbrechen und sich im Umland umsehen wollte. Sie wollte nicht, dass er ging, aber sie hatte es aufgegeben, Widerworte zu geben oder ihn zu bitten. Sie legte sich ins Bett und deckte sich zu. Er kam zu ihr unter die Decke, breitete die Arme aus und sie schmiegte sich an ihn. Sie presste sich an ihn und umklammerte ihn mit Armen und Beinen. So konnte er nicht mehr gehen und sie schlief ein. Es war ein unruhiger, leichter Schlaf, der sich dann zu einem Tiefschlaf entwickelte.
In der Nacht jedoch wurde sie wieder unruhig. Sie träumte. Immer wieder hallten in ihrem Träumen leise Worte in ihren Gedanken. Als wäre sie weit fort von dieser Welt, in einem Gebilde geformt aus Nebel gefangen. „Spielst du mit mir...“
Sie wälzte sich hin und her, während sich Schweißperlen auf ihrer Stirn bildeten. Sie hatte sich aus den Armen Janus' gewunden, die Bettdecke war letztlich auch bis ans Bettende gerutscht.
„Bald schon werde ich dich besuchen“, hörte sie das leise Flüstern und schreckte mit einem panischen Schrei aus dem Schlaf. Ihr Herz raste und es dauerte nicht lange, da war sie wieder in der Welt. Vergessen war die Welt, die reale Welt der Träume.
Sie wünschte, es wäre nur ein Geist gewesen. Aber das, was sie gesehen hatte, war so viel schlimmer. Sie konnte nicht wirklich ein Wort darüber verlieren. Stattdessen zog sie ihn zu der Truhe, in dem sie zuvor Urmel hineingelegt hatte. Er öffnete die Truhe einen Spalt. Neliel verschloss die Augen vor den grauenvollen Taten und konzentrierte sich auf irgendetwas anderes. „Wer war das?“, als wenn sie das wusste. Glaubte er tatsächlich, dass sie es ihm nicht gesagt hätte, wenn sie es wusste? Sie konnte sich ja nicht einmal an irgendetwas erinnern. „Und du hast nichts gesehen und gehört?“, sie schüttelte den Kopf daraufhin. Sie konnte sich nicht erinnern. Es war, als würde ein Stück in ihren Gedanken fehlen. Erst war sie auf dem Feld, und dann war sie irgendwo in einem Waldstück. Panisch, als hätte sie Angst, bei irgendetwas erwischt zu werden.
„Warte, Nila sollte es nicht sehen müssen..“
Er tat gut daran, den Kater tief unterhalb der Erde zu vergraben. Neliel wollte weinen, sie hatte das Gefühl, als würde irgendwas in ihr ausbrechen wollen. Aber sie konnte nicht. Es fühlte sich an, als wären ihre Tränensäcke gänzlich geleert worden. Keine einzige Träne rollte über ihre Wange hinweg. Anschließend führte er sie zurück ins Haus. Sie zog sich um, während er sich daran versuchte, Tee zu kochen. Barfuß und mit langsamen Schritten ging sie ebenfalls in den angrenzenden Raum. Für einen kurzen Moment blieb sie im Türrahmen stehen und sah ihn an. Warum wollte man ihr Glück immer zerstören?„Komm zu mir, Liebes.“, er rückte ihr den Stuhl zurecht und sie ging zu ihm, setzte sich zu ihm. Er bat sie erneut darum, ihr alles zu erzählen, woran sie sich erinnerte. Und das tat sie. Aber mehr brachte sie auch nicht zusammen. Er versprach ihr, in der nächsten Zeit mehr auf den Hof zu achten. Sie wollte, dass er bei ihr blieb. Aber das war nicht möglich. Das wusste sie selbst, aber sie hatte die Hoffnung, dass es nicht doch eine Möglichkeit gab. Er versprach ihr, dass er nur das Nötigste außerhalb tun würde und dann schnell wieder zum Hof zurückkehren würde. „Ich werde besser auf euch aufpassen, bis ich sicher bin, dass euch hier nichts passieren kann.“
Sie fragte sich, wie jemand ein Tier auf so grauenvolle Art und Weise zurichten konnten. Janus drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und streichelte ihr durch die Haare. „Es gibt Wesen, denen dies schlichte Freude bereitet..“, aber Neliel konnte das nicht verstehen. Sie würde ihren Tieren nie etwas antun können. Niemals. „Du sagtest vorhin bereits, dass du von meinen Verschwrungstheorien nicht viel hälst.. und vielleicht hast du Recht.. aber das ist die Art schlechter Scherz, die sich die Raben erlauben würden. Und sie könnten es heimlich und schnell tun.. ohne dass du es gemerkt hast.“, die Worte drangen an ihr Ohr. Aber was würde es den Raben bringen, einfach ohne weiteres ihre Tiere zu töten? Aber Janus hatte eine ganz einfache, stimmige Antwort darauf.
„Nel, um dich zu quälen... und um mich zu quälen.“
Nachdem die Unterhaltung sich gen Ende neigte wurde Neliel doch müde. Janus wollte warten, bis sie eingeschlafen war, ehe er aufbrechen und sich im Umland umsehen wollte. Sie wollte nicht, dass er ging, aber sie hatte es aufgegeben, Widerworte zu geben oder ihn zu bitten. Sie legte sich ins Bett und deckte sich zu. Er kam zu ihr unter die Decke, breitete die Arme aus und sie schmiegte sich an ihn. Sie presste sich an ihn und umklammerte ihn mit Armen und Beinen. So konnte er nicht mehr gehen und sie schlief ein. Es war ein unruhiger, leichter Schlaf, der sich dann zu einem Tiefschlaf entwickelte.
In der Nacht jedoch wurde sie wieder unruhig. Sie träumte. Immer wieder hallten in ihrem Träumen leise Worte in ihren Gedanken. Als wäre sie weit fort von dieser Welt, in einem Gebilde geformt aus Nebel gefangen. „Spielst du mit mir...“
Sie wälzte sich hin und her, während sich Schweißperlen auf ihrer Stirn bildeten. Sie hatte sich aus den Armen Janus' gewunden, die Bettdecke war letztlich auch bis ans Bettende gerutscht.
„Bald schon werde ich dich besuchen“, hörte sie das leise Flüstern und schreckte mit einem panischen Schrei aus dem Schlaf. Ihr Herz raste und es dauerte nicht lange, da war sie wieder in der Welt. Vergessen war die Welt, die reale Welt der Träume.
-
Nilaihah Lelyn
"Weggelaufen?" Fragte Nila mit grossen Kinderaugen. Ihre Mutter nickte sacht und war zu ihr heruntergebeugt gewesen als sie ihr die Sache so sanft wie möglich beizubringen versucht hatte. "Urmel läuft doch nicht weg, das macht der Urmel nicht, der hat mich doch liep!". Sie schüttelte den Kopf und wollte es nicht wahrhaben. Ihr über alle geliebter Kater sollte fort sein? Der Kater mit dem sie soviele Stunden mit Spielen verbracht hatte.. dem sie vergnügt hinterherrannte und mit ihm "fangen" spielte, ihn versuchte zu baden, ihn am Fell zupfte und knuddelte.
Grosse dicke Tränen kullerten aus ihren Augen. Die Mutter nahm sie fest in ihre Arme und versuchte sie zu trösten, doch dies war ein furchtbarer Stich in ihr kleines Herz. "A..aber der Urmel kommt doch wieder oder?" Fragte sie unter Tränen. "Vielleicht mein Schatz, vielleicht kommt er wieder." Sagte sie beruhigend und strich der Kleinen über die dunklen Haare. Etwas Hoffnung kehrte zurück und langsam konnte sie sich wieder ein bischen beruhigen.
Den Abend verbrachte sie damit den Kater zu suchen, nach ihm zu rufen und Ausschau zu halten. Sogar mit einer kleinen Milchkanne lockte sie ihn, da er doch so gern Milch trank.
Doch Urmel kehrte nicht wieder...so sehr sie sich auch bemühte. Auch in den folgenden Tagen hoffte sie das er einfach auf Hof marschierte und sich an seinem Lieblingsort nahe der Treppe niederlassen würde.
Doch er kam einfach nicht wieder.......
Grosse dicke Tränen kullerten aus ihren Augen. Die Mutter nahm sie fest in ihre Arme und versuchte sie zu trösten, doch dies war ein furchtbarer Stich in ihr kleines Herz. "A..aber der Urmel kommt doch wieder oder?" Fragte sie unter Tränen. "Vielleicht mein Schatz, vielleicht kommt er wieder." Sagte sie beruhigend und strich der Kleinen über die dunklen Haare. Etwas Hoffnung kehrte zurück und langsam konnte sie sich wieder ein bischen beruhigen.
Den Abend verbrachte sie damit den Kater zu suchen, nach ihm zu rufen und Ausschau zu halten. Sogar mit einer kleinen Milchkanne lockte sie ihn, da er doch so gern Milch trank.
Doch Urmel kehrte nicht wieder...so sehr sie sich auch bemühte. Auch in den folgenden Tagen hoffte sie das er einfach auf Hof marschierte und sich an seinem Lieblingsort nahe der Treppe niederlassen würde.
Doch er kam einfach nicht wieder.......
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Neliel Lelyn
Für den späten Nachmittag hatte sie sich viel vorgenommen. Immerhin musste der Mustang noch zugeritten werden und es war bekanntlich schwierig, diese sturen und temperamentvollen Tiere zu zähmen. Aber nichts Unmögliches.
Sie streichelte das Tier, während es ruhig da stand und besah es sich zunächst. Es war wirklich ein schönes Tier. Majestätisch würde es sogar besser treffen. Sie redete ihm zunächst gut zu, bevor sie sich daran machte, den Sattel auf den Rücken des Pferdes zu legen. Sie sah, wie er die Muskeln der Vorderläufe anspannte und redete ihm gleich wieder gut zu. Aber der Mustang ließ sie gewähren. Sie beugte sich hinab, griff nach dem Sattelgurt und legte ihn leicht in die Schlaufe. Ein schnauben erfolgte. „Das wird jetzt beim ersten mal bisschen unangenehm...“, sprach sie, während sie den Sattelgurt enger zog. Der Mustang tänzelte ein wenig beiseite, jedoch hielt sie die Zügel in Windeseile fest und flüsterte wieder leise auf ihn ein. Er beruhigte sich. Der Sattelgurt wurde enger gezogen und sie besah sich ihr Werk. Ein gesattelter, ruhiger Mustang. Den ersten Schritt hatte sie erfolgreich hinter sich gebracht.
Als sie sich in den Sattel empor gezogen hatte, wurde der Mustang wieder unruhig. Sie zog die Zügel an. Er tänzelte einmal um seine eigene Achse. „Na komm, ganz ruhig. Es tut dir keiner was...“, sprach sie und tätschelte ihm den Hals. Sie saß im Sattel und er hatte sie nicht abgeworfen. Langsam trotteten beide nun über den Hof. Als sie zum Stillstand kamen, drückte sie sich in dem Sattel empor, um ihn kurz mit ein wenig mehr Gewicht zu belasten. Als sie den leisen Stimmen gewahr wurde, ließ sie sich in den Sattel zurücksinken. Es fühlte sich an, als würde sie weit weg gezogen. Ihre Haltung wurde starr, war nicht mehr so geschmeidig, wie sie zuvor war. Der Mustang wurde unruhig. Er spürte die andere Präsenz, das Böse. Zunächst tänzelte er, bis er sie letztendlich vom Rücken warf. Neliel landete weniger sanft im Gras, was die Verbindung zu ihrer Spielmacherin unterbrechen ließ. Der Mustang trabte ans andere Ende des Hofes.
Sie rappelte sich auf und näherte sich dem Mustang erneut und nahm die Zügel wieder in die Hand, um ihn mit sich zu ziehen. Sie seufzte leise. Eine langsame Drehung und sie sah dem Mustang wieder entgegen. Zunächst streichelte sie ihm kurz über die Nüstern, dann taumelte sie aus dem Nichts ein Stück zurück. Ich zieh die Fäden und du tanzt, tanzt, tanzt...
In Neliels Kopf dröhnte es. Du tanzt, tanzt, tanzt..., wisperte die leise, hysterische Stimme. Sie hob ihren Blick an und sah dem Mustang in die Augen.
„Du wirst mir jetzt folgen. Und nicht einen Mucks machen. Du.. wirst.. mir.. folgen.“, ihre Stimme war hart, fordernd. Frei von jeglichem Einfühlungsvermögen und fast schon ein wenig blechern. In ihren Augen lag keinerlei positive Emotion mehr. Stattdessen sah sie ihm kaltherzig entgegen. Der Mustang hielt ihrem Blick stand, wurde jedoch wieder unruhig. Fast, als würde er wissen, dass er recht bald zur Schlachtbank geführt werden würde. Er riss sich abermals los und bäumte sich auf, um die Marionette von sich fernzuhalten. Neliel landete ein zweites Mal unsanft auf dem Boden. Sie rang nach Luft, die ihr für einen Moment fehlte und war erleichtert, als diese wieder in ihre Lungen strömte. Sie führte ihre Hand an den Hinterkopf und rappelte sich dann langsam auf.
Der Blick Neliels lag weiterhin auf den Mustang, der gerade schnaubend und wütend auf sie zugerannt war. Sie hatte nicht bemerkt, dass Janus seine Gestalt gewandelt hatte und hinter ihr stand. „Was tust du da, Nel...?“, sie wirbelte herum. „Erschreck mich doch nicht so.“, entgegnete sie daraufhin. „Seit wann gehst du so mit deinen Tieren um, dass sie solch eine Angst vor dir haben?“, sein Blick ging an ihr vorbei zum Mustang, dann wieder zurück zu ihr. Neliel verstand jedoch nicht, was er meinte und runzelte die Stirn. Wie konnte er es wagen, ihr so etwas zu unterstellen? Sie, die selbst einem Regenwurm helfen würde, wenn er verletzt war, sollte also ihre Tiere quälen? Was bildete sich dieser arrogante Schnösel eigentlich ein? „Seit wann... bitte was?“, sie sah zu ihrem Mustang zurück, dann wieder zu ihm. „Ich hab ihn versucht an den Sattel zu gewöhnen, damit man ihn reiten kann. Sagmal was denkst du eigentlich von mir? Du weißt, dass ich meinen Tieren nie etwas tun würde.“ Er nickte langsam, nachdenklich. „Aber aus irgendeinem Grund hatte er gerade panische Angst vor dir. Zwei mal. Und beide Male hat er dich zu Boden geworfen.
Sie runzelte die Stirn erneut. Sie hatte keine Ahnung, wovon er sprach. Er presste die Lippen zusammen und trat auf sie zu. Sie wich jedoch zurück und sah ihm misstrauisch entgegen. „Ich habe dich gerade beobachtet, Nel. Und gesehen, dass dich das Pferd von seinem Rücken geworfen hat, um vor dir zu fliehen. Und dich einmal umgestoßen hat. Hätte ich nicht eingegriffen, wäre er auch noch auf dich losgegangen. Wie erklärst du dir das?“
Wie sie sich das erklärte? Sie hatte keinerlei Ahnung, wovon er sprach. Ihr Mund öffnete sich, sie wollte etwas darauf entgegnen. Aber sie blieb still. „Nel..“ er sah sie eindringlich an. „Wenn du das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, dann musst du mir das sagen. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, du wolltest gerade einen Mustang zur Schlachtbank führen.“
Sie wusste nicht, wovon er sprach und schüttelte nur fassungslos ihren Kopf auf seine Worte hin. „Du erinnerst dich nicht daran, zweimal auf den Boden geworfen worden zu sein?“
Sie wich ein weiteres Stück zurück. „Du versuchst mir doch gerade etwas einzureden. - Ohja, das tut er. Was soll das? Was willst du damit bezwecken?“
„Nel...“, er machte eine längere Pause, wieder betrachtet er sie eindringlicher. „Du weißt doch, dass ich meinen Tieren niemals etwas antun könnte. Warum sagst du so etwas?“
„Beantworte mir bitte nur die Frage: Erinnerst du dich daran, dass du gerade von deinem Pferd zu Boden gestoßen wurdest?“
Sie sah zu dem Pferd zurück und die Verzweiflung zeichnete sich in ihrem Blick ab. Sie hatte keinerlei Ahnung, wovon er sprach. Warum tat er das? Warum versuchte er ihr so grauenvolle Dinge einzureden? Er seufzfte jedoch, seine Züge wurden wieder weicher. „Bitte, Nel. Hab keine Furcht und vertraue mir. Du weißt, dass ich zu dir gehöre und dir niemals etwas antun würde.“, er streckte ihr die Hand entgegen – auffordernd und darbietend. Er tanzt nicht mit dir, mein Kind. Er will nur mit dir spielen... Sie sah ihm weiterhin misstrauisch entgegen, die Stirn in tiefe Furchen gelegt.
Warum sagte er denn sowas? „Lass uns hinein gehen, dann erkläre ich es dir, ja?“
Sie wusch sich die Hände und trocknete sie ab. „Tut mir leid, wenn ich dir Angst bereite.“, hörte sie ihn sprechen. Sie legte das Tuch beiseite und wendete sich zu ihm. „Du bereitest mir keine Angst.“, entgegnete sie daraufhin.
„Es ... Was ich sah, wirkte nur ein wenig fremd auf mich.“
Sie runzelte wieder die Stirn. Immerhin hatte sie nach wie vor keinerlei Ahnung, wovon er sprach. „Setzen wir uns.. und finden gemeinsam heraus, was uns beide so irritiert hat.“ Sie nahm auf einem der Stühle neben ihm Platz. Er sorgte sich darüber, ob ihr irgendetwas weh tat. Aber sie konnte keinerlei Schmerz verspüren.
Nachdem er ihr über magischem Wege all die Dinge gezeigt hatte, die er gesehen hatte, verstand sie. Aber sie konnte sich nicht daran erinnern. Ihre Augen blieben verschlossen, die Farbe ist aus ihrem Gesicht gewichen. Sie hörte ihn nur ganz entfernt etwas sagen. „Es kann kein Zufall mehr sein, dass du dich nicht erinnerst. Irgendetwas – oder irgendjemand... ist dort. Aber ich verspreche dir, dass ich dich beschützen werde.“, er zog sie in seine Arme und sie fügte sich wie eine Marionette. Sie zitterte, als hätte sie gerade eine eisige Wüste nur im Hemd durchschritten. „Ich bleibe bei dir.. und solange ich bei dir bin, wird dir nichts mehr geschehen.“
„Warum kann ich mich an all das nicht erinnern?“, flüsterte sie leise, mit gebrochener Stimme. „Weil es nicht du bist. Und weil, wer immer dafür verantwortlich ist, mit deinen Erinnerungen gespielt wird. Sei unbesorgt. Ich weiß nun, was ich zu tun habe.“, er drückte ihr einen sanften Kuss ins Haar. Wie sollte sie denn unbesorgt bleiben? Manchmal war er wirklich urkomisch.
„Es gibt nur eines, was du im Augenblick tun kannst. Bei mir zu bleiben. Und darauf vertrauen, dass ich diesen schlechten Traum beende. Sei stark – und hab vertrauen.“
- „Du hast selbst gesagt, du kannst nicht immer hier sein.“
„Irgendwas beeinflusst deinen Geist.. bis ich dem ein Ende gesetzt habe werde ich nicht von deiner Seite weichen. Nichts ist wichtiger als du es bist.“
- „Du hast eine Akademie zu leiten. Ich sperre mich für diese Zeit einfach irgendwo hier ein.“
„Die Akademie wird ohne mich auskommen müssen oder wir gehen gemeinsam dorthin. Für den Augenblick gibt es jedoch etwas wichtigeres zu tun. Der menschliche Geist ist im Schlaf am angreifbarsten.. und im Schlaf kann ich dir nicht helfen. Deswegen sorgen wir nun erst einmal dafür, dass dir im Schlaf nichts geschehen kann.“
Sie gingen zurück ins Schlafzimmer und er bereitete alles vor. Er räumte das komplette Bett leer, um das Ritual abzuhalten.
Die Waschschüssel wurde entleert und fand ihren Platz wieder auf dem Tisch. Er zog einen Dolch aus seiner Tasche und gab ihn ihr. „Ich benötige etwas von dir hierfür...“, sie wusste, was er meinte. Blut, Blut. - Ja, er will mich von dir fernhalten. - Er bekommt sein Blut. Aber er wird dafür bezahlen, so leichtsinnig zu sein. Er sprach von außen weiter auf sie ein. Erklärte ihr, wofür die Weihe gut war. Es würde sie tatsächlich schützen.
Sie sah wieder zögerlich zu dem Dolch. „Du weisst, dass ich dich das nicht bitten würde, wenn es nicht wichtig wäre.“ Sie nickte daraufhin und presste die Lippen aufeinander. Sie senkte den Blick auf ihre freie linke Hand und auf den Dolch. Diesen umklammerte sie mit der Rechten, ihn in einer Faust haltend. An der Handfläche angesetzt, war sie bereit dazu, sich eine Wunde zuzufügen. Dann geschah es in Sekundenbruchteilen, dass sie wieder dieses benommene Gefühl verspürte. Etwas drang penetrant in ihren Geist ein, die Stimmen wurden lauter. Stich zu, stich zu. Er will uns trennen, das können wir nicht zulassen.
Sie riss die Linke empor und rammte sich den Dolch mit voller Wucht in den Oberschenkel. Die Augen weiteten sich schmerzerfüllt. Die Benommenheit war genau in diesem Moment wieder aus ihrem Körper getreten. Immerhin hatte sie ihre Aufgabe erfüllt und musste ihr dunkles Geheimnis hüten. „Nicht doch!“, Janus hastete ihr entgegen, um ihre Hand von dem Dolch zu trennen. Es kostete ihn Kraft, ihre verkrampfte Hand von dem Dolch wegzuschaffen. „Was tust d...“, doch er stockte nach Vollendung der Frage und blickte ihr tief in die Augen. In Windeseile versuchte er, sich auf ihren Geist einzustimmen um nach etwas zu suchen, nach dem Auslöser, dem Parasit für all das zu suchen. Aber er fand nichts. Neliel funktionierte. Die Fäden der Marionette waren gespannt und im nächsten Moment wieder in sich zusammengefallen. Diese eine Millisekunde war er zu spät daran, um den Verursacher ausfindig zu machen. Er schnaubte verächtlich und griff nach der Waschschüssel, um das Blut ihrer Wunde aufzufangen. Neliel war betäubt vom Schmerz, der sich in ihrem Bein ausbreitete. „Tut mir leid...“, flüsterte er und versorgte erst dann ihre Wunde. Er zog den Dolch aus ihrer Wunde, was sie aufschreien ließ. Danach träufelte er eine Tinktur darauf und verband die Wunde. „Es tut mir leid.. Wir haben es gleich geschafft. Dann kann dir nichts mehr passieren. Halte noch ein wenig durch.“
Als das Ritual vollzogen war, der Bannkreis gesprochen wurde, zog er sie sanft empor und schob sie auf das Bett, um sie dort zu betten. „Nun können wir zumindest sicher schlafen, es wird dir im Schlaf nichts mehr passieren können.“
Sie nickte und schmiegte sich an ihn. Worte hatte sie gerade keine übrig. Der Schmerz in ihrem Oberschenkel, die Verzweiflung über den Tag heute – all das saß zu tief in ihren Knochen. Aber es war die erste Nacht, in der sie nicht wieder heimgesucht wurde. Sie schlief tief und fest.
Sie streichelte das Tier, während es ruhig da stand und besah es sich zunächst. Es war wirklich ein schönes Tier. Majestätisch würde es sogar besser treffen. Sie redete ihm zunächst gut zu, bevor sie sich daran machte, den Sattel auf den Rücken des Pferdes zu legen. Sie sah, wie er die Muskeln der Vorderläufe anspannte und redete ihm gleich wieder gut zu. Aber der Mustang ließ sie gewähren. Sie beugte sich hinab, griff nach dem Sattelgurt und legte ihn leicht in die Schlaufe. Ein schnauben erfolgte. „Das wird jetzt beim ersten mal bisschen unangenehm...“, sprach sie, während sie den Sattelgurt enger zog. Der Mustang tänzelte ein wenig beiseite, jedoch hielt sie die Zügel in Windeseile fest und flüsterte wieder leise auf ihn ein. Er beruhigte sich. Der Sattelgurt wurde enger gezogen und sie besah sich ihr Werk. Ein gesattelter, ruhiger Mustang. Den ersten Schritt hatte sie erfolgreich hinter sich gebracht.
Als sie sich in den Sattel empor gezogen hatte, wurde der Mustang wieder unruhig. Sie zog die Zügel an. Er tänzelte einmal um seine eigene Achse. „Na komm, ganz ruhig. Es tut dir keiner was...“, sprach sie und tätschelte ihm den Hals. Sie saß im Sattel und er hatte sie nicht abgeworfen. Langsam trotteten beide nun über den Hof. Als sie zum Stillstand kamen, drückte sie sich in dem Sattel empor, um ihn kurz mit ein wenig mehr Gewicht zu belasten. Als sie den leisen Stimmen gewahr wurde, ließ sie sich in den Sattel zurücksinken. Es fühlte sich an, als würde sie weit weg gezogen. Ihre Haltung wurde starr, war nicht mehr so geschmeidig, wie sie zuvor war. Der Mustang wurde unruhig. Er spürte die andere Präsenz, das Böse. Zunächst tänzelte er, bis er sie letztendlich vom Rücken warf. Neliel landete weniger sanft im Gras, was die Verbindung zu ihrer Spielmacherin unterbrechen ließ. Der Mustang trabte ans andere Ende des Hofes.
Sie rappelte sich auf und näherte sich dem Mustang erneut und nahm die Zügel wieder in die Hand, um ihn mit sich zu ziehen. Sie seufzte leise. Eine langsame Drehung und sie sah dem Mustang wieder entgegen. Zunächst streichelte sie ihm kurz über die Nüstern, dann taumelte sie aus dem Nichts ein Stück zurück. Ich zieh die Fäden und du tanzt, tanzt, tanzt...
In Neliels Kopf dröhnte es. Du tanzt, tanzt, tanzt..., wisperte die leise, hysterische Stimme. Sie hob ihren Blick an und sah dem Mustang in die Augen.
„Du wirst mir jetzt folgen. Und nicht einen Mucks machen. Du.. wirst.. mir.. folgen.“, ihre Stimme war hart, fordernd. Frei von jeglichem Einfühlungsvermögen und fast schon ein wenig blechern. In ihren Augen lag keinerlei positive Emotion mehr. Stattdessen sah sie ihm kaltherzig entgegen. Der Mustang hielt ihrem Blick stand, wurde jedoch wieder unruhig. Fast, als würde er wissen, dass er recht bald zur Schlachtbank geführt werden würde. Er riss sich abermals los und bäumte sich auf, um die Marionette von sich fernzuhalten. Neliel landete ein zweites Mal unsanft auf dem Boden. Sie rang nach Luft, die ihr für einen Moment fehlte und war erleichtert, als diese wieder in ihre Lungen strömte. Sie führte ihre Hand an den Hinterkopf und rappelte sich dann langsam auf.
Der Blick Neliels lag weiterhin auf den Mustang, der gerade schnaubend und wütend auf sie zugerannt war. Sie hatte nicht bemerkt, dass Janus seine Gestalt gewandelt hatte und hinter ihr stand. „Was tust du da, Nel...?“, sie wirbelte herum. „Erschreck mich doch nicht so.“, entgegnete sie daraufhin. „Seit wann gehst du so mit deinen Tieren um, dass sie solch eine Angst vor dir haben?“, sein Blick ging an ihr vorbei zum Mustang, dann wieder zurück zu ihr. Neliel verstand jedoch nicht, was er meinte und runzelte die Stirn. Wie konnte er es wagen, ihr so etwas zu unterstellen? Sie, die selbst einem Regenwurm helfen würde, wenn er verletzt war, sollte also ihre Tiere quälen? Was bildete sich dieser arrogante Schnösel eigentlich ein? „Seit wann... bitte was?“, sie sah zu ihrem Mustang zurück, dann wieder zu ihm. „Ich hab ihn versucht an den Sattel zu gewöhnen, damit man ihn reiten kann. Sagmal was denkst du eigentlich von mir? Du weißt, dass ich meinen Tieren nie etwas tun würde.“ Er nickte langsam, nachdenklich. „Aber aus irgendeinem Grund hatte er gerade panische Angst vor dir. Zwei mal. Und beide Male hat er dich zu Boden geworfen.
Sie runzelte die Stirn erneut. Sie hatte keine Ahnung, wovon er sprach. Er presste die Lippen zusammen und trat auf sie zu. Sie wich jedoch zurück und sah ihm misstrauisch entgegen. „Ich habe dich gerade beobachtet, Nel. Und gesehen, dass dich das Pferd von seinem Rücken geworfen hat, um vor dir zu fliehen. Und dich einmal umgestoßen hat. Hätte ich nicht eingegriffen, wäre er auch noch auf dich losgegangen. Wie erklärst du dir das?“
Wie sie sich das erklärte? Sie hatte keinerlei Ahnung, wovon er sprach. Ihr Mund öffnete sich, sie wollte etwas darauf entgegnen. Aber sie blieb still. „Nel..“ er sah sie eindringlich an. „Wenn du das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, dann musst du mir das sagen. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, du wolltest gerade einen Mustang zur Schlachtbank führen.“
Sie wusste nicht, wovon er sprach und schüttelte nur fassungslos ihren Kopf auf seine Worte hin. „Du erinnerst dich nicht daran, zweimal auf den Boden geworfen worden zu sein?“
Sie wich ein weiteres Stück zurück. „Du versuchst mir doch gerade etwas einzureden. - Ohja, das tut er. Was soll das? Was willst du damit bezwecken?“
„Nel...“, er machte eine längere Pause, wieder betrachtet er sie eindringlicher. „Du weißt doch, dass ich meinen Tieren niemals etwas antun könnte. Warum sagst du so etwas?“
„Beantworte mir bitte nur die Frage: Erinnerst du dich daran, dass du gerade von deinem Pferd zu Boden gestoßen wurdest?“
Sie sah zu dem Pferd zurück und die Verzweiflung zeichnete sich in ihrem Blick ab. Sie hatte keinerlei Ahnung, wovon er sprach. Warum tat er das? Warum versuchte er ihr so grauenvolle Dinge einzureden? Er seufzfte jedoch, seine Züge wurden wieder weicher. „Bitte, Nel. Hab keine Furcht und vertraue mir. Du weißt, dass ich zu dir gehöre und dir niemals etwas antun würde.“, er streckte ihr die Hand entgegen – auffordernd und darbietend. Er tanzt nicht mit dir, mein Kind. Er will nur mit dir spielen... Sie sah ihm weiterhin misstrauisch entgegen, die Stirn in tiefe Furchen gelegt.
Warum sagte er denn sowas? „Lass uns hinein gehen, dann erkläre ich es dir, ja?“
Sie wusch sich die Hände und trocknete sie ab. „Tut mir leid, wenn ich dir Angst bereite.“, hörte sie ihn sprechen. Sie legte das Tuch beiseite und wendete sich zu ihm. „Du bereitest mir keine Angst.“, entgegnete sie daraufhin.
„Es ... Was ich sah, wirkte nur ein wenig fremd auf mich.“
Sie runzelte wieder die Stirn. Immerhin hatte sie nach wie vor keinerlei Ahnung, wovon er sprach. „Setzen wir uns.. und finden gemeinsam heraus, was uns beide so irritiert hat.“ Sie nahm auf einem der Stühle neben ihm Platz. Er sorgte sich darüber, ob ihr irgendetwas weh tat. Aber sie konnte keinerlei Schmerz verspüren.
Nachdem er ihr über magischem Wege all die Dinge gezeigt hatte, die er gesehen hatte, verstand sie. Aber sie konnte sich nicht daran erinnern. Ihre Augen blieben verschlossen, die Farbe ist aus ihrem Gesicht gewichen. Sie hörte ihn nur ganz entfernt etwas sagen. „Es kann kein Zufall mehr sein, dass du dich nicht erinnerst. Irgendetwas – oder irgendjemand... ist dort. Aber ich verspreche dir, dass ich dich beschützen werde.“, er zog sie in seine Arme und sie fügte sich wie eine Marionette. Sie zitterte, als hätte sie gerade eine eisige Wüste nur im Hemd durchschritten. „Ich bleibe bei dir.. und solange ich bei dir bin, wird dir nichts mehr geschehen.“
„Warum kann ich mich an all das nicht erinnern?“, flüsterte sie leise, mit gebrochener Stimme. „Weil es nicht du bist. Und weil, wer immer dafür verantwortlich ist, mit deinen Erinnerungen gespielt wird. Sei unbesorgt. Ich weiß nun, was ich zu tun habe.“, er drückte ihr einen sanften Kuss ins Haar. Wie sollte sie denn unbesorgt bleiben? Manchmal war er wirklich urkomisch.
„Es gibt nur eines, was du im Augenblick tun kannst. Bei mir zu bleiben. Und darauf vertrauen, dass ich diesen schlechten Traum beende. Sei stark – und hab vertrauen.“
- „Du hast selbst gesagt, du kannst nicht immer hier sein.“
„Irgendwas beeinflusst deinen Geist.. bis ich dem ein Ende gesetzt habe werde ich nicht von deiner Seite weichen. Nichts ist wichtiger als du es bist.“
- „Du hast eine Akademie zu leiten. Ich sperre mich für diese Zeit einfach irgendwo hier ein.“
„Die Akademie wird ohne mich auskommen müssen oder wir gehen gemeinsam dorthin. Für den Augenblick gibt es jedoch etwas wichtigeres zu tun. Der menschliche Geist ist im Schlaf am angreifbarsten.. und im Schlaf kann ich dir nicht helfen. Deswegen sorgen wir nun erst einmal dafür, dass dir im Schlaf nichts geschehen kann.“
Sie gingen zurück ins Schlafzimmer und er bereitete alles vor. Er räumte das komplette Bett leer, um das Ritual abzuhalten.
Die Waschschüssel wurde entleert und fand ihren Platz wieder auf dem Tisch. Er zog einen Dolch aus seiner Tasche und gab ihn ihr. „Ich benötige etwas von dir hierfür...“, sie wusste, was er meinte. Blut, Blut. - Ja, er will mich von dir fernhalten. - Er bekommt sein Blut. Aber er wird dafür bezahlen, so leichtsinnig zu sein. Er sprach von außen weiter auf sie ein. Erklärte ihr, wofür die Weihe gut war. Es würde sie tatsächlich schützen.
Sie sah wieder zögerlich zu dem Dolch. „Du weisst, dass ich dich das nicht bitten würde, wenn es nicht wichtig wäre.“ Sie nickte daraufhin und presste die Lippen aufeinander. Sie senkte den Blick auf ihre freie linke Hand und auf den Dolch. Diesen umklammerte sie mit der Rechten, ihn in einer Faust haltend. An der Handfläche angesetzt, war sie bereit dazu, sich eine Wunde zuzufügen. Dann geschah es in Sekundenbruchteilen, dass sie wieder dieses benommene Gefühl verspürte. Etwas drang penetrant in ihren Geist ein, die Stimmen wurden lauter. Stich zu, stich zu. Er will uns trennen, das können wir nicht zulassen.
Sie riss die Linke empor und rammte sich den Dolch mit voller Wucht in den Oberschenkel. Die Augen weiteten sich schmerzerfüllt. Die Benommenheit war genau in diesem Moment wieder aus ihrem Körper getreten. Immerhin hatte sie ihre Aufgabe erfüllt und musste ihr dunkles Geheimnis hüten. „Nicht doch!“, Janus hastete ihr entgegen, um ihre Hand von dem Dolch zu trennen. Es kostete ihn Kraft, ihre verkrampfte Hand von dem Dolch wegzuschaffen. „Was tust d...“, doch er stockte nach Vollendung der Frage und blickte ihr tief in die Augen. In Windeseile versuchte er, sich auf ihren Geist einzustimmen um nach etwas zu suchen, nach dem Auslöser, dem Parasit für all das zu suchen. Aber er fand nichts. Neliel funktionierte. Die Fäden der Marionette waren gespannt und im nächsten Moment wieder in sich zusammengefallen. Diese eine Millisekunde war er zu spät daran, um den Verursacher ausfindig zu machen. Er schnaubte verächtlich und griff nach der Waschschüssel, um das Blut ihrer Wunde aufzufangen. Neliel war betäubt vom Schmerz, der sich in ihrem Bein ausbreitete. „Tut mir leid...“, flüsterte er und versorgte erst dann ihre Wunde. Er zog den Dolch aus ihrer Wunde, was sie aufschreien ließ. Danach träufelte er eine Tinktur darauf und verband die Wunde. „Es tut mir leid.. Wir haben es gleich geschafft. Dann kann dir nichts mehr passieren. Halte noch ein wenig durch.“
Als das Ritual vollzogen war, der Bannkreis gesprochen wurde, zog er sie sanft empor und schob sie auf das Bett, um sie dort zu betten. „Nun können wir zumindest sicher schlafen, es wird dir im Schlaf nichts mehr passieren können.“
Sie nickte und schmiegte sich an ihn. Worte hatte sie gerade keine übrig. Der Schmerz in ihrem Oberschenkel, die Verzweiflung über den Tag heute – all das saß zu tief in ihren Knochen. Aber es war die erste Nacht, in der sie nicht wieder heimgesucht wurde. Sie schlief tief und fest.
-
Janus Aethra
Reglos lag er dort, ruhig und tief atmend, die Augen geschlossen. Doch auch, wenn es den Anschein erwecken könnte, schlief er nicht – obwohl sein Körper in einem Zustand vollster Entspannung war, wagte er es doch nicht, auch seinem Geist die nötige Ruhe zu gönnen. Seine Gedanken waren in stetiger Regung und vollzogen die Geschehnisse dieses und der letzten Tage Schritt für Schritt nach. Er war auf der Suche nach Hinweisen, die ihm entgangen waren, Merkmale, die ihn schon vorher hätten Verdacht schöpfen lassen sollen. Und Janus fand, wonach er suchte – und der Fund ließ das bedrängende Gefühl in ihm aufkeimen, versagt zu haben.
In regelmäßigen Abständen riss ihn das ruhige, gleichmäßige Geräusch aus nächster Nähe aus seiner Gedankenwelt. Es war der sanfte Atem Neliels, der ihm versicherte, dass sie tatsächlich schlief. Anders als die Tage zuvor, in denen sie sich unruhig hin und her wälzte. Vorsichtig regte er sich – selbst das Drehen seines Kopfes ließ ihn befürchten, das wundersame, schlafende Geschöpf an seiner Seite aus dem nun umso wertvolleren Schlaf zu reißen. Und so sank sein Haupt nur sehr langsam auf die Seite, um Neliel aus nur halb geöffneten Augen anzublicken. Ihr Anblick wirkte friedfertig, etwas, das ihm in den letzten Tagen nur wenig vergönnt war, und etwas, das ihm zumindest ein wenig innere Ruhe zu geben vermochte. Behutsam glitt er mit der Rückseite seiner Finger über ihre Wange, bevor er wieder in Reglosigkeit verfiel und die Augen zufallen ließ. Er sehnte sich nach dem Frieden und Glück, das er bei ihr empfand, doch war diese kurze Berührung alles, was er sich im Augenblick zugestand. Es war allein an ihm .. und irgendjemand würde schon sehr bald merken, welche Ausmaße 'allein an ihm' annehmen kann. So glitten seine Gedanken zurück, analysierten und studierten all die vielen, kleinen Anzeichen, die ihn auf die richtige Fährte hätten führen müssen – um eigene Fäden zu spinnen...
Das erste Anzeichen...
Neliel eilte an ihm vorrüber, als er in Richtung des Hofes schlenderte. Dass sie ihn beim Vorrüberziehen nicht erkannte, war nur der erste Hinweis auf ihre Verwirrung. Ihre Kleidung war teilweise zerfetzt, der Stoff wie ihr Haar voller Dreck, Moos und kleinen Ästchen. Er rief sie, eilte ihr nach, doch erst, als er seine Arme um sie schloss, merkte er, in welchem Zustand sie sich tatsächlich befand. Verwirrung, Schock – und wie sich herausstellte Erinnerungslücken. Sie sei gestürzt, doch warum war keine Verletzung zu sehen, die solch eine Lücke rechtfertigen würde?
Als sie sich wenig später daran erinnerte, von einem Raben aufgeschreckt worden zu sein, drängte sich in ihm eine unheilvolle Vorahnung auf. Doch wollte er zu diesem Zeitpunkt noch keine voreiligen Schlüsse ziehen und seine Familie nicht beunruhigen.
Das zweite Anzeichen...
Es begann in der darauf folgenden Nacht und wiederholte sich in den sich anschließenden Nächten . Neliels Schlaf wurde unruhig, das zahllose Drehen und Wälzen blieb Janus nicht verborgen. Das Gefühl, das Misstrauen, dass etwas im Gange war, begann längst unangenehm in ihm zu bohren. Und doch wollte er zunächst noch beobachten und wachsam sein. Er wollte hoffen, dass sie lediglich mit den ersten Anzeichen einer Grippe zu kämpfen hatte. Diese Hoffnung beruhigte ihn ein wenig, doch konnte er es sich nicht erlauben, allein daran festzuhalten. Ihr unruhiger, verkrampfter Schlaf erinnerte Janus daran, dass es seine Aufgabe war, sie zu beschützen – und er würde sie erfüllen.
Das dritte Anzeichen...
Janus war gerade heimgekehrt, als er seine Gattin auf dem Hof vorfand – völlig starr und reglos. Erst, nachdem er sich ihr behutsam näherte und um sie herum trat, erkannte er die Leichenblässe und den angsterfüllten, panischen Gesichtsausdruck. Als Neliel ihm den geschundenen Leib Urmels zeigte, verstand er den Grund dafür. Ein kurzer Anflug von Angst aber auch Wut keimte bei dem Anblick in Janus auf. Jemand hatte Leid, dass er doch mit aller Macht versuchte von seiner Familie fernzuhalten, über die Grenzen des Hofes gebracht. Und der blutige, aufgeschlitzte Katzenkadaver lenkte seine Gedanken erneut in die eine Richtung …. Raben.
… ein leises, doch umso verächtlicheres Schnauben entwich Janus bei dieser Erinnerung. Verächtlich, dass die Raben es wagten, den Frieden seines Heims zu stören – doch vor allem verächtlich über sich selbst, dass er nicht richtig hingesehen hatte. Er hätte in diesem Moment wissen müssen, dass auch ein Diener Kra'thors nicht naiv genug war, persönlich in einen Konflikt mit einem Arcomagus zu treten, auch, wenn er ihnen derartigen Leichtsinn gerne zusprach.
Er hätte sehen müssen, dass die Gefahr nicht von außen über die Schwelle des Hofes kam...sondern bereits im Inneren war.
Nach dem heutigen Tage war das Bild klarer. Er hatte Neliel heimlich beobachtet, in der Hoffnung, der Schänder der unschuldigen, kleinen Katze würde sich ein weiteres Mal auf dem Hof zeigen. Und Janus sah ihn, doch hatte der Angreifer eine andere Gestalt, als er es bis dahin erwartet hatte. Er verfluchte sich, dass er nicht schon zuvor gesehen hatte... er war zu blind gewesen, zu fixiert auf ein anderes Ziel. Doch würde dies der einzige Fehler sein, den er dem Raben zugesteht. Nicht nur Janus hatte versagt, denn es würde dabei bleiben... und der Rabe hatte diesen einen Fehler nicht genutzt, um ihn in die Knie zu zwingen. Sie, Janus, Neliel und Nilaihah, waren noch am Leben und in Sicherheit vor seinem Einfluss. Es wäre nur noch eine Frage der Zeit, bis Janus sein eigenes Netz vollendete, um den Raben darin einzufangen.
Die Erinnerung an den heutigen Tag, an dem er nicht nur gesehen, sondern für den Bruchteil einer Sekunde auch gespürt hatte, wodurch dieses Leid in seiner Familie hervorgerufen wurde – er spürte, dass sich in dieser Erinnerung noch mehr befand, Wissen, dass er für sich nutzen konnte. Doch übermannte schließlich auch ihn die Müdigkeit - die Bilder der Erinnerungen verblassten und das letzte was er spürte war Neliels Arm, der sich im Schlaf sanft um ihn herum legte... bevor auch er die Realität verließ.
In regelmäßigen Abständen riss ihn das ruhige, gleichmäßige Geräusch aus nächster Nähe aus seiner Gedankenwelt. Es war der sanfte Atem Neliels, der ihm versicherte, dass sie tatsächlich schlief. Anders als die Tage zuvor, in denen sie sich unruhig hin und her wälzte. Vorsichtig regte er sich – selbst das Drehen seines Kopfes ließ ihn befürchten, das wundersame, schlafende Geschöpf an seiner Seite aus dem nun umso wertvolleren Schlaf zu reißen. Und so sank sein Haupt nur sehr langsam auf die Seite, um Neliel aus nur halb geöffneten Augen anzublicken. Ihr Anblick wirkte friedfertig, etwas, das ihm in den letzten Tagen nur wenig vergönnt war, und etwas, das ihm zumindest ein wenig innere Ruhe zu geben vermochte. Behutsam glitt er mit der Rückseite seiner Finger über ihre Wange, bevor er wieder in Reglosigkeit verfiel und die Augen zufallen ließ. Er sehnte sich nach dem Frieden und Glück, das er bei ihr empfand, doch war diese kurze Berührung alles, was er sich im Augenblick zugestand. Es war allein an ihm .. und irgendjemand würde schon sehr bald merken, welche Ausmaße 'allein an ihm' annehmen kann. So glitten seine Gedanken zurück, analysierten und studierten all die vielen, kleinen Anzeichen, die ihn auf die richtige Fährte hätten führen müssen – um eigene Fäden zu spinnen...
Das erste Anzeichen...
Neliel eilte an ihm vorrüber, als er in Richtung des Hofes schlenderte. Dass sie ihn beim Vorrüberziehen nicht erkannte, war nur der erste Hinweis auf ihre Verwirrung. Ihre Kleidung war teilweise zerfetzt, der Stoff wie ihr Haar voller Dreck, Moos und kleinen Ästchen. Er rief sie, eilte ihr nach, doch erst, als er seine Arme um sie schloss, merkte er, in welchem Zustand sie sich tatsächlich befand. Verwirrung, Schock – und wie sich herausstellte Erinnerungslücken. Sie sei gestürzt, doch warum war keine Verletzung zu sehen, die solch eine Lücke rechtfertigen würde?
Als sie sich wenig später daran erinnerte, von einem Raben aufgeschreckt worden zu sein, drängte sich in ihm eine unheilvolle Vorahnung auf. Doch wollte er zu diesem Zeitpunkt noch keine voreiligen Schlüsse ziehen und seine Familie nicht beunruhigen.
Das zweite Anzeichen...
Es begann in der darauf folgenden Nacht und wiederholte sich in den sich anschließenden Nächten . Neliels Schlaf wurde unruhig, das zahllose Drehen und Wälzen blieb Janus nicht verborgen. Das Gefühl, das Misstrauen, dass etwas im Gange war, begann längst unangenehm in ihm zu bohren. Und doch wollte er zunächst noch beobachten und wachsam sein. Er wollte hoffen, dass sie lediglich mit den ersten Anzeichen einer Grippe zu kämpfen hatte. Diese Hoffnung beruhigte ihn ein wenig, doch konnte er es sich nicht erlauben, allein daran festzuhalten. Ihr unruhiger, verkrampfter Schlaf erinnerte Janus daran, dass es seine Aufgabe war, sie zu beschützen – und er würde sie erfüllen.
Das dritte Anzeichen...
Janus war gerade heimgekehrt, als er seine Gattin auf dem Hof vorfand – völlig starr und reglos. Erst, nachdem er sich ihr behutsam näherte und um sie herum trat, erkannte er die Leichenblässe und den angsterfüllten, panischen Gesichtsausdruck. Als Neliel ihm den geschundenen Leib Urmels zeigte, verstand er den Grund dafür. Ein kurzer Anflug von Angst aber auch Wut keimte bei dem Anblick in Janus auf. Jemand hatte Leid, dass er doch mit aller Macht versuchte von seiner Familie fernzuhalten, über die Grenzen des Hofes gebracht. Und der blutige, aufgeschlitzte Katzenkadaver lenkte seine Gedanken erneut in die eine Richtung …. Raben.
… ein leises, doch umso verächtlicheres Schnauben entwich Janus bei dieser Erinnerung. Verächtlich, dass die Raben es wagten, den Frieden seines Heims zu stören – doch vor allem verächtlich über sich selbst, dass er nicht richtig hingesehen hatte. Er hätte in diesem Moment wissen müssen, dass auch ein Diener Kra'thors nicht naiv genug war, persönlich in einen Konflikt mit einem Arcomagus zu treten, auch, wenn er ihnen derartigen Leichtsinn gerne zusprach.
Er hätte sehen müssen, dass die Gefahr nicht von außen über die Schwelle des Hofes kam...sondern bereits im Inneren war.
Nach dem heutigen Tage war das Bild klarer. Er hatte Neliel heimlich beobachtet, in der Hoffnung, der Schänder der unschuldigen, kleinen Katze würde sich ein weiteres Mal auf dem Hof zeigen. Und Janus sah ihn, doch hatte der Angreifer eine andere Gestalt, als er es bis dahin erwartet hatte. Er verfluchte sich, dass er nicht schon zuvor gesehen hatte... er war zu blind gewesen, zu fixiert auf ein anderes Ziel. Doch würde dies der einzige Fehler sein, den er dem Raben zugesteht. Nicht nur Janus hatte versagt, denn es würde dabei bleiben... und der Rabe hatte diesen einen Fehler nicht genutzt, um ihn in die Knie zu zwingen. Sie, Janus, Neliel und Nilaihah, waren noch am Leben und in Sicherheit vor seinem Einfluss. Es wäre nur noch eine Frage der Zeit, bis Janus sein eigenes Netz vollendete, um den Raben darin einzufangen.
Die Erinnerung an den heutigen Tag, an dem er nicht nur gesehen, sondern für den Bruchteil einer Sekunde auch gespürt hatte, wodurch dieses Leid in seiner Familie hervorgerufen wurde – er spürte, dass sich in dieser Erinnerung noch mehr befand, Wissen, dass er für sich nutzen konnte. Doch übermannte schließlich auch ihn die Müdigkeit - die Bilder der Erinnerungen verblassten und das letzte was er spürte war Neliels Arm, der sich im Schlaf sanft um ihn herum legte... bevor auch er die Realität verließ.
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Neliel Lelyn
Diese Nacht konnte sie nicht von einem wohltuenden, jedoch aber von einem tiefgreifenden Schlaf sprechen. Sie spürte die Lippen von Janus auf ihren, hörte seine Worte, aber viel wiedergeben konnte sie nicht. Der Schmerz der verwundeten Schulter und der gebrochenen Knochen war zu stark. Aber schon bald versetzte Janus sie in einen tiefen Schlaf, damit er sich um ihre Verletzungen kümmern konnte.
Und dabei war doch alles ihre Schuld gewesen...
Sie war wach geworden und ohne groß darüber nachzudenken, gab sie sich dem Drang nach Durst hin. Sie stand in der Küche, starrte durch das Fenster und trat dann hinaus auf den Balkon. Im Nachhinein gesehen war das die größte Dummheit, die sie machen konnte. Aber sie war sich nicht einmal darüber im Klaren, ob sie tatsächlich aus eigenem Willen heraus gehandelt hatte. Dank der Kette von Janus war es ihr ein leichtes, selbst in der Dunkelheit etwas erkennen zu können. Und so blieb ihr der Lethar und sein hässliches Reittier nicht verborgen. Sie hielt den Becher weiterhin in ihrer Hand und starrte hinaus in die tiefe Nacht. Janus war fort gewesen und sie hoffte, dass er alsbald zurückkehren würde. Und so geschah es auch. Sie wusste nicht, ob er ständig unterbewusst bei ihr war und bemerkte, dass auf dem Hof etwas nicht stimmte oder ob es purer Zufall war, dass er genau jetzt wieder heimkehrte. Sie hoffte auf erstes, denn er hatte versprochen, immer auf sie aufzupassen.
Janus handelte schnell. Er ging auf den Zaun zu und als wäre er darüber gehüpft manifestierte sich sein Körper außerhalb, direkt vor dem Letharen. Er drohte ihm, ihn zu töten würde er nicht gehen. Doch der Lethar ließ sich davon nicht beirren, löste einen Bolzen, legte ihn in die Armbrust und schoss. Er war nicht so lebensmüde, um auf Janus zu schießen, nein. Sein Ziel war ein anderes: Neliel, die am Geländer des Balkons stand. Und er traf. Wenngleich es auch nur eine leichte Verletzung war, die Wunde brannte und ließ sie zurückweichen, taumeln, über die Bank zurückfallen. Währenddessen war Janus weiterhin damit beschäftigt den Lethar in Zaum zu halten. Neliels Geist war mittlerweile keinerlei Herausforderung mehr für Lyseria. Trotz ihrer Übungen zuvor mit Janus, ihren Geist zu versperren, war jener durch die Schmerzen weit geöffnet und anfällig. Die Rabendienerin konnte mit Neliel spielen, wie sie wollte.
Neliel hörte die Stimmen, hörte die Worte. Irgendetwas kämpfte in ihr dagegen, aber sie ergab sich. Sie ergab sich den Worten und Lyseria konnte die Fäden der Marionette wieder bewegen. Sie fing an, die Worte, die unterbewussten Worte über Janus zu glauben. Er wolle sie töten, er wolle den wunderschönen Letharen vor sich töten. Er war nicht der, für den sie ihn gehalten hatte. Neliel packte die Wut. Trotz des Streifschusses rappelte sie sich auf und ging hinab. Sie musste ihn aufhalten, irgendwie. Barfuß stapfte sie durch das von Reif besetzte Gras, ging durch das Gartentor und marschierte auf Janus zu. Sie hielt nur für einen kurzen Moment inne, als er zu ihr sprach, sie solle zurückbleiben. Aber dieser Narr hatte ihr nichts zu befehlen. Er, der gerade alles zerstörte. Und so rannte sie los. Ihr Plan: Ein Angriff.
… doch dieser wurde von ihm gestoppt, indem er sie mit dem Stab zu Boden warf. Für einen Moment war jegliche Besessenheit aus ihrem Geist verschwunden, aber Lyseria schien nicht locker zu lassen. „Ich bin deine Freundin, ich will dir nichts Böses..“
Recht bald war klar, dass Janus alles mittels Magie verteidigen würde. Neliel sah den Dämon, der über sie gebeugt war und mit seinen großen Händen und den Krallen nach ihr greifen wollte. Zunächst wehrte sie sich dagegen mit Händen und Füßen, schrie dem Monster entgegen, er solle sie in Ruhe lassen. Aber dann schaffte der Dämon es doch, sie zu greifen. Im nächsten Moment flog sie in hohem Bogen durch die Luft, über den Zaun auf den Boden. Lyseria hatte die Konzentration Janus' gestört und beeinflusst, die Kontrolle über den Dämon lag zeitweise nicht mehr bei ihm. Der Aufprall war schmerzhaft. Sie hörte das Geräusch von brechender Knochen und den unsagbaren Schmerz, der sich in ihren Rippen rasch über den ganzen Körper verteilte. Ihre Handgelenke fühlten sich an, als wären sie zertrümmert. Der Schmerz schwächte sie weiterhin. Betäubte sie. „Er stahl sich fort zu dieser Ritterin. Leah ist ihr Name.. kennst du sie?“
Neliel schluckte, sie war bei Sinnen. „Nein!“, schrie sie, als sie versuchte, sich gegen den erneuten Versuch der Manipulation zu verwehren. Zu schwach war sie, zu schwach war ihr Geist. Die kleine Barriere war schnell durchbrochen. Sie rappelte sich trotz der Schmerzen wieder auf, heldenhaft. Und trat erneut in die Schlacht zurück. Wieder war ihr Mann das Ziel, der sich nun an ihrer Freundin vergriffen hatte. Er solle sie in Ruhe lassen, rief sie ihm entgegen und schritt ohne große Angst oder Furcht durch das Loch in ihrem Zaun an der scharfzähnigen Reitechse vorbei. Sie hörte Klingen aufeinander schlagen, spürte, wie sie wieder im Gras landete, nachdem die Reitechse sie umgerannt hatte. Lyseria war geschwächt durch den Angriff Janus', dessen Klinge benetzt mit ihrem Blut war. Neliel spürte die Schmerzen, die sie tatsächlich hatte. Jedwege Benebelung ihres Geistes war verschwunden und sie schluchzte, leise. Schmerzerfüllt. Sie konnte sich nicht mehr bewegen, fühlte sich, als würde Beton sie an den Boden fesseln. Sie hörte Janus und den Letharen, zeitweilig auch noch die zischelnde Stimme, die sie sonst nur aus ihren Gedanken kannte. Und irgendwann wurde es ruhig. „Nel..“, sie hörte seine Stimme. Und spürte, wie er sie hoch hob. Sie zog die Luft zwischen den Zähnen ein, als würde das etwas nützen, um den Schmerz zu verringern. Wie ein Schluck Wasser in der Kurve hing sie in seinen Armen, geplagt von den Schmerzen. „Es wird alles wieder gut.“, sprach er und streichelte ihre Wange. „Es wird alles wieder gut...“
… aber so fühlte es sich nicht einmal entfernt an.
Und dabei war doch alles ihre Schuld gewesen...
Sie war wach geworden und ohne groß darüber nachzudenken, gab sie sich dem Drang nach Durst hin. Sie stand in der Küche, starrte durch das Fenster und trat dann hinaus auf den Balkon. Im Nachhinein gesehen war das die größte Dummheit, die sie machen konnte. Aber sie war sich nicht einmal darüber im Klaren, ob sie tatsächlich aus eigenem Willen heraus gehandelt hatte. Dank der Kette von Janus war es ihr ein leichtes, selbst in der Dunkelheit etwas erkennen zu können. Und so blieb ihr der Lethar und sein hässliches Reittier nicht verborgen. Sie hielt den Becher weiterhin in ihrer Hand und starrte hinaus in die tiefe Nacht. Janus war fort gewesen und sie hoffte, dass er alsbald zurückkehren würde. Und so geschah es auch. Sie wusste nicht, ob er ständig unterbewusst bei ihr war und bemerkte, dass auf dem Hof etwas nicht stimmte oder ob es purer Zufall war, dass er genau jetzt wieder heimkehrte. Sie hoffte auf erstes, denn er hatte versprochen, immer auf sie aufzupassen.
Janus handelte schnell. Er ging auf den Zaun zu und als wäre er darüber gehüpft manifestierte sich sein Körper außerhalb, direkt vor dem Letharen. Er drohte ihm, ihn zu töten würde er nicht gehen. Doch der Lethar ließ sich davon nicht beirren, löste einen Bolzen, legte ihn in die Armbrust und schoss. Er war nicht so lebensmüde, um auf Janus zu schießen, nein. Sein Ziel war ein anderes: Neliel, die am Geländer des Balkons stand. Und er traf. Wenngleich es auch nur eine leichte Verletzung war, die Wunde brannte und ließ sie zurückweichen, taumeln, über die Bank zurückfallen. Währenddessen war Janus weiterhin damit beschäftigt den Lethar in Zaum zu halten. Neliels Geist war mittlerweile keinerlei Herausforderung mehr für Lyseria. Trotz ihrer Übungen zuvor mit Janus, ihren Geist zu versperren, war jener durch die Schmerzen weit geöffnet und anfällig. Die Rabendienerin konnte mit Neliel spielen, wie sie wollte.
Neliel hörte die Stimmen, hörte die Worte. Irgendetwas kämpfte in ihr dagegen, aber sie ergab sich. Sie ergab sich den Worten und Lyseria konnte die Fäden der Marionette wieder bewegen. Sie fing an, die Worte, die unterbewussten Worte über Janus zu glauben. Er wolle sie töten, er wolle den wunderschönen Letharen vor sich töten. Er war nicht der, für den sie ihn gehalten hatte. Neliel packte die Wut. Trotz des Streifschusses rappelte sie sich auf und ging hinab. Sie musste ihn aufhalten, irgendwie. Barfuß stapfte sie durch das von Reif besetzte Gras, ging durch das Gartentor und marschierte auf Janus zu. Sie hielt nur für einen kurzen Moment inne, als er zu ihr sprach, sie solle zurückbleiben. Aber dieser Narr hatte ihr nichts zu befehlen. Er, der gerade alles zerstörte. Und so rannte sie los. Ihr Plan: Ein Angriff.
… doch dieser wurde von ihm gestoppt, indem er sie mit dem Stab zu Boden warf. Für einen Moment war jegliche Besessenheit aus ihrem Geist verschwunden, aber Lyseria schien nicht locker zu lassen. „Ich bin deine Freundin, ich will dir nichts Böses..“
Recht bald war klar, dass Janus alles mittels Magie verteidigen würde. Neliel sah den Dämon, der über sie gebeugt war und mit seinen großen Händen und den Krallen nach ihr greifen wollte. Zunächst wehrte sie sich dagegen mit Händen und Füßen, schrie dem Monster entgegen, er solle sie in Ruhe lassen. Aber dann schaffte der Dämon es doch, sie zu greifen. Im nächsten Moment flog sie in hohem Bogen durch die Luft, über den Zaun auf den Boden. Lyseria hatte die Konzentration Janus' gestört und beeinflusst, die Kontrolle über den Dämon lag zeitweise nicht mehr bei ihm. Der Aufprall war schmerzhaft. Sie hörte das Geräusch von brechender Knochen und den unsagbaren Schmerz, der sich in ihren Rippen rasch über den ganzen Körper verteilte. Ihre Handgelenke fühlten sich an, als wären sie zertrümmert. Der Schmerz schwächte sie weiterhin. Betäubte sie. „Er stahl sich fort zu dieser Ritterin. Leah ist ihr Name.. kennst du sie?“
Neliel schluckte, sie war bei Sinnen. „Nein!“, schrie sie, als sie versuchte, sich gegen den erneuten Versuch der Manipulation zu verwehren. Zu schwach war sie, zu schwach war ihr Geist. Die kleine Barriere war schnell durchbrochen. Sie rappelte sich trotz der Schmerzen wieder auf, heldenhaft. Und trat erneut in die Schlacht zurück. Wieder war ihr Mann das Ziel, der sich nun an ihrer Freundin vergriffen hatte. Er solle sie in Ruhe lassen, rief sie ihm entgegen und schritt ohne große Angst oder Furcht durch das Loch in ihrem Zaun an der scharfzähnigen Reitechse vorbei. Sie hörte Klingen aufeinander schlagen, spürte, wie sie wieder im Gras landete, nachdem die Reitechse sie umgerannt hatte. Lyseria war geschwächt durch den Angriff Janus', dessen Klinge benetzt mit ihrem Blut war. Neliel spürte die Schmerzen, die sie tatsächlich hatte. Jedwege Benebelung ihres Geistes war verschwunden und sie schluchzte, leise. Schmerzerfüllt. Sie konnte sich nicht mehr bewegen, fühlte sich, als würde Beton sie an den Boden fesseln. Sie hörte Janus und den Letharen, zeitweilig auch noch die zischelnde Stimme, die sie sonst nur aus ihren Gedanken kannte. Und irgendwann wurde es ruhig. „Nel..“, sie hörte seine Stimme. Und spürte, wie er sie hoch hob. Sie zog die Luft zwischen den Zähnen ein, als würde das etwas nützen, um den Schmerz zu verringern. Wie ein Schluck Wasser in der Kurve hing sie in seinen Armen, geplagt von den Schmerzen. „Es wird alles wieder gut.“, sprach er und streichelte ihre Wange. „Es wird alles wieder gut...“
… aber so fühlte es sich nicht einmal entfernt an.
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Lyseria Valthyr
Ein bitterer Kampf ...
Es war kinderleicht sie auf der Stelle zu töten, jedoch wollte sie sich selbst nicht so schnell den Spaß nehmen lassen. Nein, nicht an diesem wunderschönen Frühlingstag der so viel Glück mit sich brachte.
Janus war nicht anwesend, so konnten ihre herbeigerufenen Diener das Gartentor zum Gutshof zerbrechen und Lyseria Einlass gewähren. Wie angewurzelt stand Neliel auf ihrem Acker als sich die gewappnete Dienerin Krat'hors näherte, schrie nicht, auch wenn sie voller Furcht am ganzen Leib zitterte. Ihre Tochter hatte unlängst den Krach bemerkt und rannte dem Szenario entgegen und hielt abrupt inne, als die Mutter nach ihr rief stehen zu bleiben. Sie ließ sich die Unachtsamkeit von Neliel nicht nehmen, nicht einmal ihre Diener, denen sie zuvor noch befahl sie zu ergreifen. Der Zombie verpasste ihr mit der faulenden Hand eine Ohrfeige, riss ihren Kopf zur Seite und setzte erneut an sie zu würgen.
Kurz darauf, ehe Lyseria einen Schritt näher an sie heranwagen konnte, stieß sich Janus als Adler aus der Baumkrone heraus. Er warnte sie drohend keinen Schritt näher an seine Frau zu tätigen, aber was war mit dem Kind? Die Diener hielten die Frau letztendlich nur noch im Zaum, sodass sie nicht von der Stelle flüchten konnte, während Lyseria bereits mit kleineren Schritten eilig in die Richtung des Mädchens lief, sich mit einem Sprung abstieß und mit geschärften Rapier voraus auf sie stürzte. Doch der Angriff schlug fehl, denn Janus hatte rötliche Ranken unter ihren Füßen heraufbeschworen, die ihre Glieder lähmten und sie vorneüber stolpern ließen. Der grasige Boden fing ihren ungeschickten Fall zwar ab, jedoch verlor sie in diesem Flug ihren Rapier. Sie griff nach dem dünnen Bein des Mädchens, hielt sich wie eine Zecke an ihr fest und zeigte zuerst keinerlei Widerstand. Erst als sich die Ranken vollends über ihren Körper schlangen, rutschten die betäubten knochigen Finger schmerzhaft an dem Bein des Mädchens herab, kratzten sie und hinterließen tiefe Wunden. Nilaihah schrie ob der Schmerzen, fing an bitterlich zu weinen und lenkte somit die Aufmerksamkeit ihres Vater auf sich. Es war der Moment aus dem sie sich aus den Ranken befreien konnte, schüttelte die restliche Magie von sich ab, die nun schwächer war als zuvor, und hievte dem heulenden Mädchen rücksichtlos den Schild, den sie an sich trug, in die Richtung der sie zu Fall brachte und ihr das Bewusstsein nahm – furchtbarer Klang in den Ohren, wenn diese Bälge so schrien!
Janus Stab brachte Lyseria endgültig zurück auf den Boden, nachdem er wuchtig nach ihr ausholte, sie rückwärts auf den Rücken fiel und ihr diesen auf die Brust presste.
„Du hättest dich niemals zeigen sollen.. Rabe.“, knirschte er hinter seinen Zähnen hervor.
Lyseria grinste frech über seine Worte – was wäre eine Dienerin die sich ihren Opfern nicht offenbaren würde? Sie wehrte sich indem sich die Rabenrobe wie ein tiefschwarzer Schleier von ihr löste, an dem Schaft des Stabes hinauf schlängelte, blutrot wurde und ihn feste, wie zwei weitere Hände, festhielt. Diesmal aber war der Magus schlau genug und griff über das Lied auf ihren Geist ein, es geschah eine geistige Umklammerung die sie spüren konnte und währenddessen ihre Kehle zuschnürte. Seine Stimme drang flüsternd durch ihren Kopf, konnte sie beeinflussen indem sie Höllenqualen durchlitt – es waren grässliche Schmerzen die in ihrem Gehirn gepflanzt wurden. Von Kopfschmerzen konnte man nicht einmal reden, so qualvoll waren sie.
Sie versuchte immerhin panisch nach ihrer Halskrause zu grabschten, wollte sie auffummeln um an Sauerstoff zu gelangen, jedoch gelang es ihr nicht. Er hatte ihr eine unsichtbare Schlinge um den Hals gelegt, die immer fester zuschnürte, je mehr sie versuchte sich zu befreien und nach Luft röchelte und jappste. Dennoch war es ihr stetiger Wille nicht zu sterben, sie erlangte erneut an Kraft, die ihr Herr ihr zukommen ließ und wehrte sich gegen die Beeinflussung in ihrem Kopf, zumindest tat die Robe dies, die sich weiter aufmachte an dem Schaft herauf zu züngeln. An Janus Händen angelangt vergruben sich die rötlichen Fäden in seinen Adern, wirkten vom Schmerz her wie tödliches Gift das den Magus veranlasste zurück zu stolpern und die Konzentration auf Lyseria zu verlieren.
Sein Stab verpuffte als seine Hände von ihn abließen, sowie auch die geisterhaften Fäden sich bündelten und als Ganzes, als ihre Robe zurückkehrten. Wie eine zweite Haut saß die Robe an Lyseria's Leib, der schwer angriffen schien. Ihr Kopf dröhnte vor qualvollen Schmerzen und es war absehbar dass sie das Bewusstsein verlor – und dies wurde sie auch.
3... 2.. 1..
Janus beobachtete die bewusstlose Dienerin, ehe sie durch ein Fläschchen, deren Inhalt er auf sie herabgoss, in Brand geriet. Der schwefelartige Geruch biss in ihrer Nase, sowie auch der brennende Schmerz an ihrem Leib sie in das Hier und Jetzt zurückkehren ließ, aufschrie vor Schmerzen und reflexartig über den ganzen Acker und deren gepflanzten Kräuter rollte.
Nach diesen Stunden des Kampfes waren ihre heraufbeschworenen Anhängsel unlängst zu Staub zerfallen und Neliel bereits an ihrer bewusstlosen Tochter angelangt. Doch selbst sie schrie vor Schmerzen auf, als die Flammen sie erreichten. Fraglich wie dass geschehen konnte, zumindest für Janus: völlig perplex stand er da, als die Flammen an seiner Frau nagten, löschte sie mit einem Eingriff im Lied, jedoch durch das Winden und umherollen der Dienerin fing die Puppe am Arm Feuer und darauffolgend der Arm seiner Frau. Die Puppe war beseelt, fügte man ihr Schaden zu, so übertrug er sich auf die selbe Art und Weise auf seinem Opfer.
Die menschliche Fackel Lyseria suchte einen Ausweg den Flammen selbst zu entkommen, doch das tat sie nur, sobald Janus die Flammen an seiner Frau ersticken ließ. Lyseria war erschöpft und erkannte trotz der Schmerzen die Gelegenheit die sich vor ihr offenbarte; sie konnte flüchten, da er nun vollkommen auf seine Frau und deren Schmerzen fixiert war.
Sie nutzte ihre letzte Kraft um als Rabengeschöpf davon zu fliegen, obgleich was sie bei ihnen am Hof vergaß... sie würde schon bald wieder kommen um sich das zu holen, was ihr gehörte.
… und seine Folgen
Erschöpft ließ sich Lyseria in ihrer Kammer auf dem Bett niedersinken. Sie konnte weder klar denken, noch sich großartig ob der Schmerzen bewegen. Große Stellen an ihrem Körper waren hohen Grades durch die klebrig, schwefelartige Mixtur verbrannt worden. Die Nerven zuckten ungehalten, die schmalen Lippen bebten und die angenähten Augenlider flatterten nervös...
„Sshhh...“, entwich es aus ihrem dünnen Mundspalt.
Sie versuchte es auf die eigene Weise – den Schmerz ignorieren. Immer wieder flüsterte sie sich in ihrer Einsamkeit selbst beruhigende Worte zu, jedoch half es nicht. Es war schwer zu deuten was der Magus mit seinem Eingriff angerichtet hatte. Für sie fühlte es sich an, als hätte man ihr ein Messer durch die Schädelwand gerammt, aber es war weitaus mehr – kein schneller Tod, wie es mit dem Messer gewesen wäre, sondern ein Blutgerinnsel durch den qualvollen Eingriff auf ihren Geist und ebenso ihr Wille, der Widerstand ihm entgegen zu wirken, trug zusätzlich dazu bei. Nur dass, ein kleiner Kratzer in ihrem Gehirn, gab ihr den Rest.
Die Schmerzen ließen sie ungehindert Aufstöhnen...
„Bis meine Seele uns scheidet...“, dann kehrte Stille ein. Nichts war mehr in der Kammer zu hören. Kein Stöhnen, kein Schnaufen... sie verlor erneut das Bewusstsein und erlag wenige Stunden später ihren Schmerzen.
... eine Frage der Zeit wann ihre Geschwister sie finden würden...
... ob sie Sie überhaupt finden wollen...
... der Verwesungsgeruch ihres Körpers würde wahrscheinlich nicht einmal nach Jahren auffallen, so penetrant wie es bereits in der Grabkammer Tag für Tag roch...
Es war kinderleicht sie auf der Stelle zu töten, jedoch wollte sie sich selbst nicht so schnell den Spaß nehmen lassen. Nein, nicht an diesem wunderschönen Frühlingstag der so viel Glück mit sich brachte.
Janus war nicht anwesend, so konnten ihre herbeigerufenen Diener das Gartentor zum Gutshof zerbrechen und Lyseria Einlass gewähren. Wie angewurzelt stand Neliel auf ihrem Acker als sich die gewappnete Dienerin Krat'hors näherte, schrie nicht, auch wenn sie voller Furcht am ganzen Leib zitterte. Ihre Tochter hatte unlängst den Krach bemerkt und rannte dem Szenario entgegen und hielt abrupt inne, als die Mutter nach ihr rief stehen zu bleiben. Sie ließ sich die Unachtsamkeit von Neliel nicht nehmen, nicht einmal ihre Diener, denen sie zuvor noch befahl sie zu ergreifen. Der Zombie verpasste ihr mit der faulenden Hand eine Ohrfeige, riss ihren Kopf zur Seite und setzte erneut an sie zu würgen.
Kurz darauf, ehe Lyseria einen Schritt näher an sie heranwagen konnte, stieß sich Janus als Adler aus der Baumkrone heraus. Er warnte sie drohend keinen Schritt näher an seine Frau zu tätigen, aber was war mit dem Kind? Die Diener hielten die Frau letztendlich nur noch im Zaum, sodass sie nicht von der Stelle flüchten konnte, während Lyseria bereits mit kleineren Schritten eilig in die Richtung des Mädchens lief, sich mit einem Sprung abstieß und mit geschärften Rapier voraus auf sie stürzte. Doch der Angriff schlug fehl, denn Janus hatte rötliche Ranken unter ihren Füßen heraufbeschworen, die ihre Glieder lähmten und sie vorneüber stolpern ließen. Der grasige Boden fing ihren ungeschickten Fall zwar ab, jedoch verlor sie in diesem Flug ihren Rapier. Sie griff nach dem dünnen Bein des Mädchens, hielt sich wie eine Zecke an ihr fest und zeigte zuerst keinerlei Widerstand. Erst als sich die Ranken vollends über ihren Körper schlangen, rutschten die betäubten knochigen Finger schmerzhaft an dem Bein des Mädchens herab, kratzten sie und hinterließen tiefe Wunden. Nilaihah schrie ob der Schmerzen, fing an bitterlich zu weinen und lenkte somit die Aufmerksamkeit ihres Vater auf sich. Es war der Moment aus dem sie sich aus den Ranken befreien konnte, schüttelte die restliche Magie von sich ab, die nun schwächer war als zuvor, und hievte dem heulenden Mädchen rücksichtlos den Schild, den sie an sich trug, in die Richtung der sie zu Fall brachte und ihr das Bewusstsein nahm – furchtbarer Klang in den Ohren, wenn diese Bälge so schrien!
Janus Stab brachte Lyseria endgültig zurück auf den Boden, nachdem er wuchtig nach ihr ausholte, sie rückwärts auf den Rücken fiel und ihr diesen auf die Brust presste.
„Du hättest dich niemals zeigen sollen.. Rabe.“, knirschte er hinter seinen Zähnen hervor.
Lyseria grinste frech über seine Worte – was wäre eine Dienerin die sich ihren Opfern nicht offenbaren würde? Sie wehrte sich indem sich die Rabenrobe wie ein tiefschwarzer Schleier von ihr löste, an dem Schaft des Stabes hinauf schlängelte, blutrot wurde und ihn feste, wie zwei weitere Hände, festhielt. Diesmal aber war der Magus schlau genug und griff über das Lied auf ihren Geist ein, es geschah eine geistige Umklammerung die sie spüren konnte und währenddessen ihre Kehle zuschnürte. Seine Stimme drang flüsternd durch ihren Kopf, konnte sie beeinflussen indem sie Höllenqualen durchlitt – es waren grässliche Schmerzen die in ihrem Gehirn gepflanzt wurden. Von Kopfschmerzen konnte man nicht einmal reden, so qualvoll waren sie.
Sie versuchte immerhin panisch nach ihrer Halskrause zu grabschten, wollte sie auffummeln um an Sauerstoff zu gelangen, jedoch gelang es ihr nicht. Er hatte ihr eine unsichtbare Schlinge um den Hals gelegt, die immer fester zuschnürte, je mehr sie versuchte sich zu befreien und nach Luft röchelte und jappste. Dennoch war es ihr stetiger Wille nicht zu sterben, sie erlangte erneut an Kraft, die ihr Herr ihr zukommen ließ und wehrte sich gegen die Beeinflussung in ihrem Kopf, zumindest tat die Robe dies, die sich weiter aufmachte an dem Schaft herauf zu züngeln. An Janus Händen angelangt vergruben sich die rötlichen Fäden in seinen Adern, wirkten vom Schmerz her wie tödliches Gift das den Magus veranlasste zurück zu stolpern und die Konzentration auf Lyseria zu verlieren.
Sein Stab verpuffte als seine Hände von ihn abließen, sowie auch die geisterhaften Fäden sich bündelten und als Ganzes, als ihre Robe zurückkehrten. Wie eine zweite Haut saß die Robe an Lyseria's Leib, der schwer angriffen schien. Ihr Kopf dröhnte vor qualvollen Schmerzen und es war absehbar dass sie das Bewusstsein verlor – und dies wurde sie auch.
3... 2.. 1..
Janus beobachtete die bewusstlose Dienerin, ehe sie durch ein Fläschchen, deren Inhalt er auf sie herabgoss, in Brand geriet. Der schwefelartige Geruch biss in ihrer Nase, sowie auch der brennende Schmerz an ihrem Leib sie in das Hier und Jetzt zurückkehren ließ, aufschrie vor Schmerzen und reflexartig über den ganzen Acker und deren gepflanzten Kräuter rollte.
Nach diesen Stunden des Kampfes waren ihre heraufbeschworenen Anhängsel unlängst zu Staub zerfallen und Neliel bereits an ihrer bewusstlosen Tochter angelangt. Doch selbst sie schrie vor Schmerzen auf, als die Flammen sie erreichten. Fraglich wie dass geschehen konnte, zumindest für Janus: völlig perplex stand er da, als die Flammen an seiner Frau nagten, löschte sie mit einem Eingriff im Lied, jedoch durch das Winden und umherollen der Dienerin fing die Puppe am Arm Feuer und darauffolgend der Arm seiner Frau. Die Puppe war beseelt, fügte man ihr Schaden zu, so übertrug er sich auf die selbe Art und Weise auf seinem Opfer.
Die menschliche Fackel Lyseria suchte einen Ausweg den Flammen selbst zu entkommen, doch das tat sie nur, sobald Janus die Flammen an seiner Frau ersticken ließ. Lyseria war erschöpft und erkannte trotz der Schmerzen die Gelegenheit die sich vor ihr offenbarte; sie konnte flüchten, da er nun vollkommen auf seine Frau und deren Schmerzen fixiert war.
Sie nutzte ihre letzte Kraft um als Rabengeschöpf davon zu fliegen, obgleich was sie bei ihnen am Hof vergaß... sie würde schon bald wieder kommen um sich das zu holen, was ihr gehörte.
… und seine Folgen
Erschöpft ließ sich Lyseria in ihrer Kammer auf dem Bett niedersinken. Sie konnte weder klar denken, noch sich großartig ob der Schmerzen bewegen. Große Stellen an ihrem Körper waren hohen Grades durch die klebrig, schwefelartige Mixtur verbrannt worden. Die Nerven zuckten ungehalten, die schmalen Lippen bebten und die angenähten Augenlider flatterten nervös...
„Sshhh...“, entwich es aus ihrem dünnen Mundspalt.
Sie versuchte es auf die eigene Weise – den Schmerz ignorieren. Immer wieder flüsterte sie sich in ihrer Einsamkeit selbst beruhigende Worte zu, jedoch half es nicht. Es war schwer zu deuten was der Magus mit seinem Eingriff angerichtet hatte. Für sie fühlte es sich an, als hätte man ihr ein Messer durch die Schädelwand gerammt, aber es war weitaus mehr – kein schneller Tod, wie es mit dem Messer gewesen wäre, sondern ein Blutgerinnsel durch den qualvollen Eingriff auf ihren Geist und ebenso ihr Wille, der Widerstand ihm entgegen zu wirken, trug zusätzlich dazu bei. Nur dass, ein kleiner Kratzer in ihrem Gehirn, gab ihr den Rest.
Die Schmerzen ließen sie ungehindert Aufstöhnen...
„Bis meine Seele uns scheidet...“, dann kehrte Stille ein. Nichts war mehr in der Kammer zu hören. Kein Stöhnen, kein Schnaufen... sie verlor erneut das Bewusstsein und erlag wenige Stunden später ihren Schmerzen.
... eine Frage der Zeit wann ihre Geschwister sie finden würden...
... ob sie Sie überhaupt finden wollen...
... der Verwesungsgeruch ihres Körpers würde wahrscheinlich nicht einmal nach Jahren auffallen, so penetrant wie es bereits in der Grabkammer Tag für Tag roch...
-
Anveena Midame
Mit einem lauten knarzen öffnete sich die schwere Eisentür in den Raum hinein. Das Licht hinter der an der Türe stehenden Person liessen eine Sillhouette um sie legen, als wirke es, der Schwarze Mann selber streite nun hinein.
Ein leises seufzen, als die Gestalt näher trat und langsam sich neben das Bett kniete, die Kaputze abziehend und die Maske vom Munde weichen lassen.
"Lyseria....dumme, kleine Lyseria", entwich es Anveena, als Sie ruhig auf den Leichnahm starrte. "Warum hast du nicht auf mich gehört. Warum musstest du nur mit dem Kopf durch die Wand rennen."
Langsam glitten ihre Arme unter den leblosen Körper und mit einem Ruck des eigenen Körpers hinauf, erhebte sich dieser und verweilte in den Armen der Dienerin.
Sie hätte Untote beschwören können, ihre seelenlosen Diener, die diese Arbeit für Sie tun würde. Doch Sie wollte es nicht.
Ein ungewöhnlicher Zug jener Frau, die doch unter den Dienern weniger für ihre Macht, als mehr für ihre erbarmungslose Kälte und Gleichgültigkeit bekannt war.
Langsam ging Sie durch die Bibliothek, die Treppen hinab am Käfig vorbei, wo wenige, noch lebende Gefangene wimmerten und jammerten, hinaus in den großen Ritualraum mit dem blutigen Pentagram am Boden.
Der Blick starr geradeaus, bestieg Sie die 3 Stufen zum Altar und legte den Leichnahm Lyserias auf diesen ab.
Erst, als ihre Hände sich vom Gewicht befreiten, blickte Sie hinab.
Entstellt wirkte ihr Körper, mit einem mächtigen Fluch belegt. Ihr tot war kein friedlicher, nein, sie kämpfte innerlich...wielange, wussten nur die Götter.
Abermals ein seufzen.
"Du hast versagt Schwester...und Krathor duldet kein Versagen."
Sie schloss kurz die Augen, innerlich hämmerten ihr Gedanken durch den Kopf. Hatte Lyseria versagt? Oder hatte doch eher Anveena versagt. Das Säumnis erkannt, dass Lyseria sich auf dünnes Eis begebte.
Sie senkt leicht den Kopf.
Andere Diener waren ihr stetig egal. Sie beobachtete mit einem Schmunzeln ihr Versagen, ergötzte sich am gewissen, ihre Seele fährt in den Schlund Krathors. Doch bei Lyseria war es anders. Sie war eine Dienerin....nein....sie war ihre Schülerin. Und als Meister hat sie kläglich versagt.
Ja, das erste mal vielleicht in ihrem Leben, erkannte Anveena ihre Schuld an einer Misere. Sie redete sich nichts schön, beruhte sich nicht darauf, dass jeder seines Schicksals eigener Schmied war.
Leicht schüttelte Sie den Kopf, als ihre knochrigen, blutroten Finger sich in den Marmortisch bohrten.
Dann blickte sie in das Seelenfeuer vor ihr. Ein seichtes nicken. Ehe sie ihre Hand in jenes Feuer steckte und began, ein Gebet zu sprechen.
"Richter des Rabens. Schicksalswächter aller Diener. Trete vor mir, dessen Worte Gesetze bilden. Zeige dich in deiner Gestalt und höre mich an. Empfange, was ich zu sagen habe und erfülle meinen Wunsch, den ich mir verdient habe. Unter den Augen des einen wahren Gottes, Krathor, bin ich es nun, der sich das Recht heraus nimmt und die Bedingung stellt, die für diese tote Dienerin geltend gemacht werden sollen."
Langsam began ein Wind sich zu bilden in den Katakomben der Diener. Rauch und Nebel stieg aus den Steinritzen der Bodenplatten hervor und verhüllten die Sicht der Anwesenden. Ein leises klackern ist zu vernehmen, was lauter zu einem Poltern wird, während die Haare Anveenas vor ihrem Gesicht tänzelten.
Langsam dreht Sie sich um, erst nur schemenhaft, dann deutlicher im Nebel ist eine große Gestalt zu erkennen, in dessen einen Hand eine größere Sense ruht, in der anderen eine blutrotleuchtende Fackel. In zerwetzten Leinen gehüllt, tief in Schwarz und mit einer Kaputze bedeckt, die dort, wo das Gesicht stehen sollte, nur ewige Leere zeigten, trat der Richter hervor.
Seine Anwesenheit raubte Anveena förmlich die Luft, die Kälte des Todes liess ihren Atem erfrieren.
"Was willst du Dienerin, dass du es wagst, mich herzuholen. Spreche deine Worte, doch überlege deine Wortwahl. Ich bin der Richter Krathors. Ich entscheide, wohin deine Seele wandern wird."
Anveena atmete einmal tief ein. Nicht ihre erste Begegnung, doch jedesmal, wenn Sie auf den Richter traf, liess es ihr Herz still stehen. Und nie vermochte Sie es, ihn alleine zu rufen, noch weniger, wenn Sie nun anfing, Forderungen zu stellen.
"Die Seele Lyserias soll ihren gerechten Platz an Krathors Seite finden. Sie soll nicht in seinem Schlunde landen wie die Seelen aller Ketzer, die wir ihm opfern."
Bemüht, die Stimme ruhig zu halten, blickt Sie in die tiefschwarze Leere.
"Die Dienerin hat versagt. Das Versagen entbindet Sie ihrer Privilegien. Sie ist nicht besser als jeder Ketzer. Du kennst das Gesetz Dienerin."
"Ich kenne das Gesetz. Doch Sie hat nicht versagt. Ich habe versagt. Und dadurch fehlt dem Rabengott eine Dienerin."
Der Richter schwieg. Er war sich seiner Schäfchen bewusst. Er kannte die treuen Diener seines Meisters sehr gut.
"Du, dessen Selbstsüchtigkeit ihresgleichen sucht, gestehst dir Schuld ein?"
"Ja das tue ich. Und ich werde nicht zulassen, dass die Seele des Mädchens auf ewig im Schlunde Krathors verweilt."
"Dann sprich, was bietest du mir an."
Anveena atmet abermals einmal tief ein. Jetzt war der Moment gekommen. Alles, wofür Sie lebte, alles, was ihr einst so wichtig war, würde nun in die Vergangenheit treten. All ihr Handeln für Unwichtig und Nichtig erklären.
"Lyseria soll meinen, durch mich verdienten Platze an der Seite des wahren einen Gottes kriegen. Ich fordere die mir versprochene Schuld ein, dass meine Aufgabe als Dienerin Krathors beendet seie und jegliches Handeln meinerseits nur sein Wohlwollen darbietet. All die Seelen, die ich ihm erbrachte, als das Leid, dass ich für seinen Namen verteilte und all die Schlachten, die ich für ihn kämpfte, sollen hiermit aus meinen Taten genommen werden und der Platz, der für mich bereitstand, mit der Seele Lyserias gefüllt."
Es war gesprochen. Alles, was Anveena je im Namen Krathors tat, alles, was Sie nutzen musste, um die Sicherheit in der Ewigkeit des Jenseits zu erlangen, war fort.
Der Richter stand ruhig da. Dann ein seichtes Kopfnicken.
"Sei dir bewusst Dienerin. Solltest du nun sterben, wird deine Seele in seinen Schlund wandern. Du hast deine Rechte für den Tot verloren. Du hast im jetzigen Zustand nichts erbracht für den Rabengott und er wird keine Rücksicht auf dich nehmen."
Wieder einmal tief einatmend. Anveena wusste, was Sie tat. Es nun aber entgültig zu hören, schnürrte ihr Herz zu. Sie war nicht weiter, als irgendein Neuling. All die vielen Menschen, die Sie tötete, um seine Gunst zu erlangen, starben nun für jemand anderes. All die Jahre, die Sie lebte und schuftete, waren vorbei. Sie müsste von vorne beginnen, alles wiederholen und noch weniger Rücksicht auf das Leben nehmen, denn die Zeit entwich ihr.
"Ich nehme dein Angebot an.", sprach der Richter, ehe sich der Wind in einen Sturm verwandelte, der Nebel sich verdichtete und sich ein kleiner Tornado bildete, in dessen Auge sich der Altar mit Lyserias Leichnahm und Anveena befanden.
Hände griffen aus dem lodernden Feuer, die Schreie vieler Verdammter hallten durch den Raum und man ergriff Lyserias Körper und zogen ihn hinein.
Anveena blickte tief ins Feuer, dem Leichnahm hinterher und es mag Einbildung gewesen sein, glaubte Sie aber, für den Bruchteil einer Sekunde, Lyseria´s Seele erblickt zu haben, rein von den Wunden, mit offenen Augen und einem sachten Lächeln, ehe Schlagartig ein Lichtblitz den Raum erhellte und danach alles wieder ruhig war.
Kein Nebel...
Kein Wind...
Kein Richter...
Kein Leichnahm...
Ein leises seufzen, als die Gestalt näher trat und langsam sich neben das Bett kniete, die Kaputze abziehend und die Maske vom Munde weichen lassen.
"Lyseria....dumme, kleine Lyseria", entwich es Anveena, als Sie ruhig auf den Leichnahm starrte. "Warum hast du nicht auf mich gehört. Warum musstest du nur mit dem Kopf durch die Wand rennen."
Langsam glitten ihre Arme unter den leblosen Körper und mit einem Ruck des eigenen Körpers hinauf, erhebte sich dieser und verweilte in den Armen der Dienerin.
Sie hätte Untote beschwören können, ihre seelenlosen Diener, die diese Arbeit für Sie tun würde. Doch Sie wollte es nicht.
Ein ungewöhnlicher Zug jener Frau, die doch unter den Dienern weniger für ihre Macht, als mehr für ihre erbarmungslose Kälte und Gleichgültigkeit bekannt war.
Langsam ging Sie durch die Bibliothek, die Treppen hinab am Käfig vorbei, wo wenige, noch lebende Gefangene wimmerten und jammerten, hinaus in den großen Ritualraum mit dem blutigen Pentagram am Boden.
Der Blick starr geradeaus, bestieg Sie die 3 Stufen zum Altar und legte den Leichnahm Lyserias auf diesen ab.
Erst, als ihre Hände sich vom Gewicht befreiten, blickte Sie hinab.
Entstellt wirkte ihr Körper, mit einem mächtigen Fluch belegt. Ihr tot war kein friedlicher, nein, sie kämpfte innerlich...wielange, wussten nur die Götter.
Abermals ein seufzen.
"Du hast versagt Schwester...und Krathor duldet kein Versagen."
Sie schloss kurz die Augen, innerlich hämmerten ihr Gedanken durch den Kopf. Hatte Lyseria versagt? Oder hatte doch eher Anveena versagt. Das Säumnis erkannt, dass Lyseria sich auf dünnes Eis begebte.
Sie senkt leicht den Kopf.
Andere Diener waren ihr stetig egal. Sie beobachtete mit einem Schmunzeln ihr Versagen, ergötzte sich am gewissen, ihre Seele fährt in den Schlund Krathors. Doch bei Lyseria war es anders. Sie war eine Dienerin....nein....sie war ihre Schülerin. Und als Meister hat sie kläglich versagt.
Ja, das erste mal vielleicht in ihrem Leben, erkannte Anveena ihre Schuld an einer Misere. Sie redete sich nichts schön, beruhte sich nicht darauf, dass jeder seines Schicksals eigener Schmied war.
Leicht schüttelte Sie den Kopf, als ihre knochrigen, blutroten Finger sich in den Marmortisch bohrten.
Dann blickte sie in das Seelenfeuer vor ihr. Ein seichtes nicken. Ehe sie ihre Hand in jenes Feuer steckte und began, ein Gebet zu sprechen.
"Richter des Rabens. Schicksalswächter aller Diener. Trete vor mir, dessen Worte Gesetze bilden. Zeige dich in deiner Gestalt und höre mich an. Empfange, was ich zu sagen habe und erfülle meinen Wunsch, den ich mir verdient habe. Unter den Augen des einen wahren Gottes, Krathor, bin ich es nun, der sich das Recht heraus nimmt und die Bedingung stellt, die für diese tote Dienerin geltend gemacht werden sollen."
Langsam began ein Wind sich zu bilden in den Katakomben der Diener. Rauch und Nebel stieg aus den Steinritzen der Bodenplatten hervor und verhüllten die Sicht der Anwesenden. Ein leises klackern ist zu vernehmen, was lauter zu einem Poltern wird, während die Haare Anveenas vor ihrem Gesicht tänzelten.
Langsam dreht Sie sich um, erst nur schemenhaft, dann deutlicher im Nebel ist eine große Gestalt zu erkennen, in dessen einen Hand eine größere Sense ruht, in der anderen eine blutrotleuchtende Fackel. In zerwetzten Leinen gehüllt, tief in Schwarz und mit einer Kaputze bedeckt, die dort, wo das Gesicht stehen sollte, nur ewige Leere zeigten, trat der Richter hervor.
Seine Anwesenheit raubte Anveena förmlich die Luft, die Kälte des Todes liess ihren Atem erfrieren.
"Was willst du Dienerin, dass du es wagst, mich herzuholen. Spreche deine Worte, doch überlege deine Wortwahl. Ich bin der Richter Krathors. Ich entscheide, wohin deine Seele wandern wird."
Anveena atmete einmal tief ein. Nicht ihre erste Begegnung, doch jedesmal, wenn Sie auf den Richter traf, liess es ihr Herz still stehen. Und nie vermochte Sie es, ihn alleine zu rufen, noch weniger, wenn Sie nun anfing, Forderungen zu stellen.
"Die Seele Lyserias soll ihren gerechten Platz an Krathors Seite finden. Sie soll nicht in seinem Schlunde landen wie die Seelen aller Ketzer, die wir ihm opfern."
Bemüht, die Stimme ruhig zu halten, blickt Sie in die tiefschwarze Leere.
"Die Dienerin hat versagt. Das Versagen entbindet Sie ihrer Privilegien. Sie ist nicht besser als jeder Ketzer. Du kennst das Gesetz Dienerin."
"Ich kenne das Gesetz. Doch Sie hat nicht versagt. Ich habe versagt. Und dadurch fehlt dem Rabengott eine Dienerin."
Der Richter schwieg. Er war sich seiner Schäfchen bewusst. Er kannte die treuen Diener seines Meisters sehr gut.
"Du, dessen Selbstsüchtigkeit ihresgleichen sucht, gestehst dir Schuld ein?"
"Ja das tue ich. Und ich werde nicht zulassen, dass die Seele des Mädchens auf ewig im Schlunde Krathors verweilt."
"Dann sprich, was bietest du mir an."
Anveena atmet abermals einmal tief ein. Jetzt war der Moment gekommen. Alles, wofür Sie lebte, alles, was ihr einst so wichtig war, würde nun in die Vergangenheit treten. All ihr Handeln für Unwichtig und Nichtig erklären.
"Lyseria soll meinen, durch mich verdienten Platze an der Seite des wahren einen Gottes kriegen. Ich fordere die mir versprochene Schuld ein, dass meine Aufgabe als Dienerin Krathors beendet seie und jegliches Handeln meinerseits nur sein Wohlwollen darbietet. All die Seelen, die ich ihm erbrachte, als das Leid, dass ich für seinen Namen verteilte und all die Schlachten, die ich für ihn kämpfte, sollen hiermit aus meinen Taten genommen werden und der Platz, der für mich bereitstand, mit der Seele Lyserias gefüllt."
Es war gesprochen. Alles, was Anveena je im Namen Krathors tat, alles, was Sie nutzen musste, um die Sicherheit in der Ewigkeit des Jenseits zu erlangen, war fort.
Der Richter stand ruhig da. Dann ein seichtes Kopfnicken.
"Sei dir bewusst Dienerin. Solltest du nun sterben, wird deine Seele in seinen Schlund wandern. Du hast deine Rechte für den Tot verloren. Du hast im jetzigen Zustand nichts erbracht für den Rabengott und er wird keine Rücksicht auf dich nehmen."
Wieder einmal tief einatmend. Anveena wusste, was Sie tat. Es nun aber entgültig zu hören, schnürrte ihr Herz zu. Sie war nicht weiter, als irgendein Neuling. All die vielen Menschen, die Sie tötete, um seine Gunst zu erlangen, starben nun für jemand anderes. All die Jahre, die Sie lebte und schuftete, waren vorbei. Sie müsste von vorne beginnen, alles wiederholen und noch weniger Rücksicht auf das Leben nehmen, denn die Zeit entwich ihr.
"Ich nehme dein Angebot an.", sprach der Richter, ehe sich der Wind in einen Sturm verwandelte, der Nebel sich verdichtete und sich ein kleiner Tornado bildete, in dessen Auge sich der Altar mit Lyserias Leichnahm und Anveena befanden.
Hände griffen aus dem lodernden Feuer, die Schreie vieler Verdammter hallten durch den Raum und man ergriff Lyserias Körper und zogen ihn hinein.
Anveena blickte tief ins Feuer, dem Leichnahm hinterher und es mag Einbildung gewesen sein, glaubte Sie aber, für den Bruchteil einer Sekunde, Lyseria´s Seele erblickt zu haben, rein von den Wunden, mit offenen Augen und einem sachten Lächeln, ehe Schlagartig ein Lichtblitz den Raum erhellte und danach alles wieder ruhig war.
Kein Nebel...
Kein Wind...
Kein Richter...
Kein Leichnahm...
Zuletzt geändert von Anveena Midame am Mittwoch 4. Mai 2011, 13:30, insgesamt 1-mal geändert.