Der Wolf und seine Beute

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Erinya Erlias

Der Wolf und seine Beute

Beitrag von Erinya Erlias »

Gemächlich schlenderte sie, die Hände in den Robenärmel der jeweils anderen Seite gesteckt, durch die Gassen von Bajard. Sicherlich war sie noch sehr zittrig auf den Beinen, doch die Lust nach Abenteuern, der Reiz des Unbekannten. Es war mächtiger als der Selbstschutz. Selbst als der Mann in der Taverne ihr vorwarf, sie habe Angst vor ihm.... Sie solle sich beweisen. Sie und Angst? Mit einem auffordernden Schnauben deutete sie ihm, mit ihr zu kommen.

Erst als sie mit ihm alleine durch den Wald schritt, jegliche Anzeichen von Zivilisation verschwunden, drehte sie sich um „Und das soll alles gewesen sein?“. „Ihr habt noch immer keine Angst... Solltet ihr aber haben....“ sprach der Unbekannte mit ernster Mine. Auf was hatte sie sich hier wieder eingelassen. Gerade einmal konnte sie sich selbst auf den Beinen halten, wie sollte sie sich dann gegen, einen ihr körperlich haushoch überlegenen, Mann erwehren....

Wie es allerdings immer ihre Art war, versuchte sie ihn mit Worten zu verletzen. Ihre spitze Zunge hatte ihr zwar auch immer mehr Probleme eingebracht, denn geholfen, doch schaffte sie es so, den Mann soweit vom Thema abzulenken, dass er das Thema „Kampf“ wieder auf sich beließ.

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Die Türe hinter sich geschlossen, lehnte sie sich gegen das Holz des Bankhauses. „Wir werden uns schon wiedersehen.... „ schrie der Mann, doch keineswegs in Rage, eher wie ein Bulle, der so seine Paarungsbereitschaft demonstrieren wollte.

Mit einem lauten Seufzen drehte sie sich um, und da stand er.... Aldred. Sichtlich peinlich war ihr, dass er jene Situation mitbekam.... Doch mit einem lächeln schritt sie auf ihn zu, und erst als er sie wieder in seinen Händen hielt, war die Welt wieder für sie in Ordnung.

Dann dieser Abend.... sein erhitzter Körper auf ihrem... So nah wie er ihr nur sein konnte....

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Mit einem lächeln nippte sie an ihrem Wein in der Taverne zu Bajard. Alleine.... Konnte oder wollte sie ihn jetzt nicht bei sich haben? Er war zärtlich, er war ihr verfallen, wie sie ihm und doch trieb sie immer wieder die Abenteuerlust in fremde Gefilde. Der Reiz von anderen begehrt zu werden, und doch wünschte sie sich nur in seine Arme. Von anderen umworben zu werden, und doch wollte sie nur seine Lippen auf ihrer Haut spüren. Warum andere Männer wie Spielzeug benutzen, und doch solch eine Angst davor, Aldred könnte das gleiche mit ihr machen....

Doch warum zu lange über etwas nachdenken, dass noch so dünn ist wie eine Seifenblase, die jeden Augenblick zerplatzen könnte. War sie wirklich jener Wirbelsturm, wie ihr letzter „Bekannter“ gesagt hat, den niemand zähmen könnte? Der über das Land fegte, alles in seinen Bann zog und dann doch nur Scherben hinterließ? Wollte sie das? War sie endlich bereit sich zu ändern? Konnte sie sich ändern?
Aldred Ravenor

Beitrag von Aldred Ravenor »

Erinya....... langsam ließ er sich ihren Namen auf der Zunge zergehen......ein ums andere Mal flüsterte er ihn leise vor sich hin. Gestern Abend schienen all seine Träume wahr geworden zu sein.....

Was mit einem Lächeln begann, war schnell zu einem Sturm der Leidenschaft herangewachsen......... wogte in ihnen beiden, schlug turmhohe Wellen.....
Ja, die Leidenschaft spielte regelrecht mit ihren Körpern, ihren Seelen und als er wieder bei Sinnen war, atmete Alred den Duft ihrer samtweichen Haut, strich ihr sanft über den Rücken und seufzte wohlig, bevor er Erinya mit beiden Armen umschlang und die Augen schloß.

Seine Hände hatten nicht nur einmal eine Narbe oder verschorfte Wunde gespürt und als er sie fest im Arm hielt, wurde ihm wieder bewusst, wie schwach seine Liebste noch war......... wie hager ihre Gestalt und er fragte sich, was sie wohl für Entbehrungen hinter sich hatte........ nie hatte sie davon gesprochen, nie hatte er nachgehakt. Nur im Hier und Jetzt hatten sie gelebt, viel zu schnell war alles gegangen, wie ein Sommergewitter war die Liebe über die beiden hereingebrochen.........was wusste er überhaupt von ihr?

Doch schon bald hatte ihn die Realität wieder eingeholt. Ein dringender Termin in der Akademie......... seufzend hatte er sich erhoben und sich kaum getraut ihr in die Augen zu schauen, vor Angst, was er dort finden könnte. Den ganzen Weg hatte er in Gedanken versunken zurückgelegt und noch immer den lieblichen Duft ihrer verschwitzten Haut in der Nase gehabt.
Auch in der Akademie war er nicht bei der Sache und als er diesen Abend endlich im Bett lag, konnte er lange nicht einschlafen und seine Gedanken kreisten..........
Aldred Ravenor

Beitrag von Aldred Ravenor »

Ratsmitglied, Magister und dann noch Bajard....... niemand sonst schien sich recht zu kümmern um dieses kleine Dorf, seine Heimat, die ihm sehr am Herzen lag. Nun, von Leanne wusste er, dass sie sich Gedanken machte, wie es weitergehen sollte........ und dieser Goldheilung......hm, aber ihm traute er nicht so recht. Aldred meinte, bei dem Mann etwas Verschlagenes im Blick gesehen zu haben.

Und doch....... das alles kostete ihn zuviel Kraft...... zuviel Zeit.......... Zeit, die er mit Erinya verbringen wollte....
Wieder musste er an die Wunden und Narben an ihrem Körper denken...... hatte sie auch welche an der Seele?....und wie dürr sie war. Jede einzelne Rippe hatte er erkennen können. Während er sich um Tirell und Bajard kümmerte, vernachlässigte er diejenige, die ihm das Liebste auf der Welt war. Wer brauchte ihn denn wohl dringender? Und was wollte ER eigentlich?

Lange hatte er letzte Nacht mit sich gehadert. Doch mit einem Mal, hatte er sie wieder vor sich gesehen........ nein, es war keine Magie gewesen....... und wenn doch, dann ganz anderer Art als er sie in Tirell lehrte......
Und als er Erinya vor seinem inneren Auge sah, ihren liebevollen und doch feurigen Blick, ihr unbändiges, wildes Haar....... er konnte fast ihre Lippen schmecken.......... da...... in dem Moment war es ganz einfach....... und Aldred traf eine Entscheidung.
Erinya Erlias

Beitrag von Erinya Erlias »

Die Nacht hatte sich noch immer über das kleine Dorf ausgebreitet. Nur der Mond schien schwach in das Zimmer. Bedeckt nur mit einem dünnen Leinentuch, stand sie am Fenster, genoss den Ausblick auf den Hafen und das Rauschen des Meeres.

Nur war sie hier... in seinem Zimmer... in seinem Bett... Normalerweise, nach so einer Nacht, sobald ihr Begleiter schlief, zog sie sich an und verschwand in der Dunkelheit. Sie gab ihr Geborgenheit, das Gefühl der Sicherheit. Viel zu früh kam immer der ernüchternde Morgen, der Zauber jeder Nacht verflogen und alles schien wieder grau und trostlos. Doch diesmal... Sie hatte am vorangegangenen Abend einen Schritt gewagt, den sie bisher immer gescheut hatte. Ja sie öffnete sich Aldred das erste Mal. Gab ihre verwundbarsten Stellen preis.

Immer wieder schwirrten ihre Gedanken zu dem was er sagte „Nein ich habe ihr nicht nur den einen Platz gezeigt. HUNDERTE“ wieder zuckte sie zusammen, als hätte man ihr ins Gesicht geschlagen. Seine Worte trafen sie mehr als sonst irgendetwas auf dieser Welt. Doch dann... dieses leise „Ich liebe dich doch“ schien alle Wunden zu heilen. Vertrauen.... sie wusste nicht recht, was sie damit anfangen sollte, kannte sie doch nur das Vertrauen in sich und seine Waffen. Doch.... sie musste ihm vertrauen. So unwillig und neu dieses Gefühl auch war. Vertrauen darauf, dass er zu ihr zurückkam, Vertrauen darauf, dass er ihr bestimmt sagen würde, wenn er denn eine andere Frau....

Was hatte er nur mit ihr angestellt, dass sie so bereitwillig zustimmte hier bei ihm zu wohnen, sein Bett zu teilen, seine Zeit zu teilen... War das der erste Schritt der Zähmung dieser jähzornigen und aufbrausenden Natur? Nicht nur seine Leidenschaft hatte sie in seinen Bann gezogen, diese Wärme... diese Liebe?

Langsam drehte sie sich um, und setzte sich auf das Bett. Ihre Fingerspitzen glitten sanft über seine Brust. So friedlich lag er da... Und fast hatte sie sich nicht getraut sich wieder neben ihn zu legen, unter die Decke zu kriechen und nur noch seine nackte Haut auf der ihren zu spüren...
Aldred Ravenor

Beitrag von Aldred Ravenor »

Erschöpft schlenderte er mit Erinya im Arm durch die Gassen Bajards auf das Gasthaus zu. In Gedanken ging er den heutigen Tag noch mal durch und konnte innerlich nur den Kopf schütteln. Die Bürgerversammlung war doch recht gut verlaufen, und hatte er diese auch etwas müde, so doch auch voller Vorfreude verlassen.
Und dann das..... dieser Streit..... so ausgeglichen er sonst war, diese Frau schaffte es immer wieder, ihn an die Grenzen zu treiben und tief hatten ihr Misstrauen, ihre Wut und vor allem ihre Worte in sein Herz geschnitten. Diese Frau, der er alles geben würde, die ihn vom ersten Augenblick in ihren Bann gezogen hatte..... und arge Zweifel regten sich.....

Aldred hatte es doch immerhin schon ein Stück weit gebracht im Leben. Das gab ihm Vertrauen in sein eigenes Wesen, seine Fähigkeiten, seinen Verstand. Er hatte Macht und Einfluss. Er hatte eine Ruhe und innere Kraft entwickelt und doch konnte er nicht leugnen, dass Erinya ihn heute abend so mühelos aus der Fassung und fast auch noch um den Verstand gebracht hatte, dass er sich einige Fragen stellen musste....

Hatte er die Kraft, dieser Frau Vertrauen und Wärme...... Liebe zu lehren? Hatte er die Geduld? Wie viele Wutausbrüche, Vorwürfe und wie viel Misstrauen würde noch folgen? Wie lange würde er es ertragen können? Oder würde er scheitern....... untergehen....... zerbrechen? Würde er diese Frau überleben?

Was hatte er für eine Wahl? Ließ er ziehen, würde sein Herz brechen........ hielt er sie fest....... würde er brechen..... oder sollte es doch ein gutes Ende finden? Sein Verstand zweifelte, seine Gefühle sprachen da eine ganz andere Sprache..... und als Aldred diese Nacht seine Arme um sie legte, kam die Gewissheit, dass er Erinya nicht so einfach gehen lassen würde..........

......das Risiko musste er eingehen
Erinya Erlias

Beitrag von Erinya Erlias »

Wohlig seufzte sie und kuschelte sich noch stärker in seine Arme. Konnte das Leben wirklich so schön sein... Selbst jene Unruhe, die sie ständig in ihr brodelte schien für jenen Abend, jene Nacht verflogen. Einen zauberhaften Ausflug hatten sie gemacht, als wäre nie ein Streit zwischen ihnen gewesen, als wären sie ein ganz normales Paar. Hatten sich nicht nur durch die Gräser gewälzt und sich ihren Gefühlen, ihrer Leidenschaft hingegeben, sondern auch... und das zum ersten Mal richtig... geredet...

Sie wusste jetzt im nachhinein nicht mehr warum oder wieso sie ihm so bereitwillig von ihrer Mutter erzählte. Und auch hatte sie keine Scheu, als er ihre Füße massierte, er könnte ihre Wunden sehen. Er stellte keine Fragen, er zeigte nur Interesse für ihr Leben. Interesse für sie... Interesse an ihrer Vergangenheit....

Und das Gefühl nach so einem Ausflug nicht in die kalten und einsamen Wälder zu müssen, sondern mit ihrem Liebsten in das gemeinsame Zimmer zurück zu kehren... Es machte sie... glücklich... zufrieden... ruhig...

War es das, von dem ihre Mutter immer gesprochen hatte? Die Liebe heilt alle Wunden? Wenn man liebt, dann nicht nur halb oder dreiviertel. Wenn man liebt, dann ganz. Mit jedem Haar, mit allen seinen Sinnen, mit allem was man hat. Man stellt keine Fragen, wo sein Liebster ist, was er tut... Erzählt er es dir, dann ist es ihm wichtig. Verschweigt er es dir, dann nur um dich zu schonen.

Langsam schloss sie die Augen, fühlte seine warme Haut auf ihrer, seine Arme um ihre Schultern, wie er sie festhielt. Und sie wusste.... Nichts konnte geschehen, wenn er bei ihr war. Er würde sie nicht im Stich lassen und sie.... Sie würde ihm vertrauen... Versuchen ihr Temperament unter Kontrolle zu bringen und lieben....
Aldred Ravenor

Beitrag von Aldred Ravenor »

Dieser Abend war so ganz anders verlaufen, als alle anderen zuvor........ nicht nur war er voller Harmonie und ohne Streit gewesen.......wieder hatte sie ihn auf sein Zimmer begleitet.... doch da war noch etwas gewesen........ etwas, dass ihm Hoffnung gab, ihm viel mehr bedeutete...

Die Erbsen waren es gewesen....... er liebte sie geradezu, hatten sie doch den Weg geebnet... Erinya hatte angefangen zu erzählen, und so hatte er dagesessen, sie einfach nur warm angesehen und ab und an eine leise Frage gestellt, um seine Liebste ja nicht zu drängen, nicht zu stören, sondern zu ermutigen, sich ihm anzuvertrauen.
Verwundert hatte er wahrgenommen, dass einige Erinnerungen sie kaum zu bewegen schienen. Dass Ihre Mutter durchgebrannt war und sie zurückgelassen hatte..... kaum eine Regung hatte er in ihrem Gesicht, ihren Augen ablesen können. Aldred mahnte sich, vorsichtig und geduldig vorzugehen, glich sie so sehr dem jungen Rehkitz im Walde, das bei einer schnellen Bewegung davonspringen würde.......und doch....... langsam, aber stetig entstand ein Band zwischen ihnen und seine Bedenken, die er gehabt hatte, waren zwar noch nicht ausgeräumt, zogen sich aber ein Stück weit zurück, waren ein wenig abgeschwächt worden.

Heute hatte er gesehen wie verletzlich sie war und würde sie es auch nicht gerne hören wollen, so wusste er doch, dass sie ihn brauchte, seine Hilfe, sein Vertrauen, seine Liebe. Und all das würde er ihr geben.
Die Momente dazwischen, wenn er sich mal keine Gedanken um sie machte, keine Pläne schmiedete und sich ihr einfach nur voll und ganz widmen konnte, diese genoss er umso mehr und ganz besonders. Wenn es einfach nur hieß ´er und sie’.....´Du und ich’.... leise murmelte er vor sich hin. Ihre Blicke, die sich trafen, mit ihr zu lachen, sie vor sich zu sehen, sie zu riechen, zu fühlen, zu schmecken, ihren Atem neben sich zu hören, sie zu lieben....... die Frau, die nicht nur sein Leben, sondern auch seine Träume beherrschte mit allen Sinnen wahrzunehmen und zu genießen.

Aldred fröstelte, als er früh am Morgen das Bett verließ, wo seine kleine Wildkatze lag, lauschte ihren regelmäßigen Atemzügen und betrachtete sie einen Moment, bevor er die Decke über ihre nackte Schulter zog und sich dann ankleidete.

Wenn sie erwacht, wird sie folgende Notiz auf dem dunkel gemaserten Nachttisch finden.

Meine Wildrose,

wenn Du das hier liest, heißt das, ich bin noch nicht wieder zurück. Dreh Dich um und schlaf weiter. Oder lass Dir einen Kakao ans Bett bringen. Ich habe eine Magd angewiesen, in Rufweite zu bleiben, und einer anderen aufgetragen, all Deine Kleider zu waschen, so dass diese bis morgen früh wieder trocken sein sollten.
Ich bin bald zurück und vermisse Dich schon jetzt, da ich diese Zeilen verfasse.

In Liebe,
Aldred
Erinya Erlias

Beitrag von Erinya Erlias »

Die Nacht war schon weit voran geschritten und Aldred lag neben ihr und tief waren seine Atemzüge. Ihr Kopf auf seiner Brust gebettet, fuhr sie langsam mit dem Zeigefinger von seiner Stirn, über seine Nase, den Hals entlang. Es kam ihr alles wie ein Traum vor. Sie war hier bei ihm, in ihrem gemeinsamen Zimmer. Er liebte sie, er küsste sie und gab ihr all das, was sie früher so schmerzlich vermisst hatte. Und er machte ihr ein Geschenk. Eine Stute... er gab ein Wesen in ihre Obhut. Sollte das ein Test sein? Sie!! hatte Verantwortung für ein Leben. Es war teilweise für Erinya schon Gräuel genug nicht zu wissen, ob denn bei ihren leidenschaftlichen Nächten etwas passiert war oder nicht.

Was wäre wenn? Sie genoss doch so sehr das Leben zu zweit und doch war ihr die Beziehung zu Aldred noch irgendwie unklar. Sie waren zusammen, sie lachten, sie alberten und jeder genoss die Anwesenheit des Anderen. Doch was wäre wenn... Würde er dann immer noch zu ihr stehen? Wollte sie das überhaupt? Es war doch viel zu früh. So schnell der Gedanke aufkam, so schnell schob sie ihn auch wieder beiseite. Für sie zählte nur hier zu sein... mit ihm.

Unruhig wetzte sie dann hin und her und infolge dessen schlug er etwas benommen die Augen auf. Doch noch ehe er etwas sagen konnte legte sie ihre Lippen auf die seinen, krabbelte träge auf ihn, genoss seine warme Haut auf der ihren. Und wieder diese Ungewissheit.... doch schien das in jenem Moment zweitrangig. Jetzt zählte nur ihn zu fühlen, zu schmecken, zu riechen....
Aldred Ravenor

Beitrag von Aldred Ravenor »

Tief in Gedanken versunken ließ er sich von Erinya in die Kutsche ziehen. Und auch als er ihr durch den Wald folgte, schien er nicht bei der Sache und blieb manchmal ein Stück weit zurück, so dass der Magier sich immer wieder beeilen musste, um zu seiner Liebsten aufzuschließen. Als die beiden dann an dem kleinen Bach saßen, die Füße im kalten, klaren Wasser, starrte er auf das träge Dahinplätschern und grübelte weiter.
„Beschäftigt Dich das so sehr?“ fragte sie ihn leise....... energisch schüttelte er den Kopf, ihre Frage verneinend, doch genauso, um den Kopf endlich freizubekommen. Im nächsten Moment blitzte der Schalk in seinen Augen auf und die nassen, kühlen Spritzer, die ihr Ziel fanden, waren erst der Anfang......

Geschlagen! Er hatte sie geschlagen....... und wie Aldred an den Narben auf ihren Fußsohlen sehen konnte, hatte er nicht nur seine Hände benutzt. Wieder kochte die Wut in ihm hoch...... aber er blieb ruhig und ließ sie erzählen. Es schien Ihr so gut zu tun.
Eine ganze Weile redeten sie und er spürte etwas heranwachsen, wie es das letzte mal auch gewesen war. Die Bande wurden stärker. Sie redeten über ihren Vater, sich selbst, sogar..... Kinder..... überrascht blickte er auf, waren eigene Kinder doch etwas, das tief in seinem Kopf vergraben war. Nur flüchtig hatte er bisher daran gedacht.... und doch..... mit dieser Frau....... so ganz abwegig schien ihm der Gedanke nicht.

Spät am Abend war es, als sie wieder in Bajard eintrafen, um dort dann gleich den Bauernhof aufzusuchen. Schon seit geraumer Zeit war Erinya darauf aus, dort einige Dinge zu erstehen. Ihre Beziehung schien ihm doch gefestigt genug, um Leanne gegenüber zu treten. Schließlich hatte er mit Leanne schon wieder sinnvoll diskutieren können, seit dem Vorfall in Varuna. Und der Entscheidung.

Was ihn allerdings erwartete, übertraf seine Befürchtungen bei weitem. Leanne war freundlich wie nie......machte ihm schöne Augen .... zweideutige Andeutungen... und Erinya......sie war auch nicht besser.....es schien ihr regelrecht Spaß zu machen..... „jetzt steigt er mit mir ins Bett“, hörte er sie noch sagen und verzweifelt wandte er den Blick gen Himmel.
Frauen! Lächeln süß wie Zucker und tauschen Worte wie Dolche......seine Verlegenheit wandelte sich in Wut....... wie konnte man sich nur so kindisch benehmen......... eine nicht besser als die andere......... und beide herrschte er an, doch sie lächelten nur umso strahlender.
Ihm wurde es zuviel und so verließ er dieses Scheingefecht mit einer widerlichen Laune, suchte sich einen Platz vorm Wirtshaus und öffnete eine Flasche Wein, die er erst schnell und dann langsamer zu leeren begann.
Grummelnd saß er an dem langen Tisch und eigentlich wollte er ja seine Ruhe haben........ doch als der Fremde herantrat, konnte er ihn schlecht wegschicken, war doch sonst weit und breit kein Gast zu sehen. Und wie sich herausstellte, war ihm ein wenig männliche Gesellschaft gar nicht so unwillkommen......

Von einem Augenblick auf den anderen stand sie schon wieder neben ihm, freundlich der Ton, lieblich das Lächeln und war er auch sauer auf Erinya, so mochte er doch nicht wirklich mit ihr streiten und lud sie statt dessen – wenn auch nicht grade freundlich – ein, sich doch zu setzen. Und was tat diese Frau?! Nase hoch, umgedreht und lässt ihn sitzen!!
Schon wieder brodelte es in ihm....... was erwartete sie denn?! Handkuss und Blumen?! Pralinen! Komplimente, wie gut sie sich denn im Zaum gehalten hatte?! Ha!

Noch eine Weile blieb er an dem Tisch sitzen, unterhielt sich ein wenig mit... ach Ornjald hieß er, richtig....... und begoss seine schlechte Laune mit Schnaps. Doch schon bald wurde er müde und auf seinen Stab gestützt, machte Aldred sich auf den Weg in das Gasthaus.

Knarrend öffnete er seine....... ihre Zimmertür und waren seine Sinne auch vernebelt, so hörte er doch ihren ruhigen, gleichmäßigen Atem. Er trat an das Bett heran, und als er Erinya im bleichen Mondlicht liegen sah, zusammengerollt wie Kind im Mutterleib, da seufzte er tief, zog sich etwas unbeholfen aus und legte sich neben sie, bemüht, seine Gefährtin nicht zu wecken. Wie wohl der morgige Tag beginnen würde, fragte er sich. Dann war er eingeschlafen.......
Erinya Erlias

Beitrag von Erinya Erlias »

Sein Gesicht war einfach zu herrlich. Sowohl Leanne, als auch Erinya konnten es sich nicht verkneifen und schmierten sich eine Stichelei nach der anderen um den Kopf. Doch immer mit einem süßen Lächeln auf den Lippen. Erst als Aldred geflüchtet war, blickten sie ihm beide nach und begannen zu lachen.

Schon wahr, sie waren einst Konkurrentinnen gewesen, doch bis zu seiner Entscheidung hatte er sich mit beiden getroffen, da schien ihnen jener Streich wohl bekommen. „Es tut mir leid, ich freu mich, dass ihr das Amt erworben habt“ sprach Erinya und wischte sich eine Lachträne weg. „Es ist nie etwas passiert zwischen uns“ antwortete ihr Leanne. Ein wenig plauderten die beiden noch, bis Erinya ihr versprach mit Aldred und einem guten Schluck Wein einmal auf Besuch zu kommen.

Zu Beginn war sie noch erheitert, als sie ihren Liebsten an der Taverne sah, doch als er sich den Wein ein ums andere mal reinschüttete und er sie dann auch noch notgedrungen fragen musste, ob sie sich setzen will, machte sie auf der Stelle kehrt. „Bleib doch wo der Pfeffer wächst“ schnaubte sie und rauschte davon.

Selbst als er sich mit einer Fahne in der Nacht neben sie legte, versuchte sie ruhig zu bleiben und kein Wort zu sagen, doch stand sie schon in den frühen Morgenstunden auf, um endlich wieder auf die Jagd zu gehen. Die Wunde war inzwischen so gut verheilt, dass sie endlich wieder ihr Schwert und ihr Schild heben konnte.

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Sorgfältig wusch sie sich mit einem nassen Stofffetzen das getrocknete Blut und den Schmutz von den Händen, ehe sie in ihr Kleid schlüpfte und langsam zum Markt schlenderte. Vielleicht hatte auch er sich endlich beruhigt und sie konnten gemeinsam den Tag so ausklingen lassen, wie sie es vor der Begegnung mit Leanne eigentlich vorgehabt haben.

Konnte sie doch nicht anders und ständig kreisten ihre Gedanken um ihn.... ihren Liebsten...der Mensch, der ihr am nächsten stand... der Mensch, für den sie ihr Leben geben würde.... der Mensch... der Mann... ihr Mann?
Aldred Ravenor

Beitrag von Aldred Ravenor »

Schnell war die Anspannung verflogen. Alles schien wie immer zu sein. Sie neckten sich, scherzten und genossen es, Arm in Arm über den Marktplatz zu schlendern. Mal hier stehen bleiben, mal dort. Mal Kleider, mal was Süßes.
Als wäre es schon immer so gewesen und das Natürlichste auf der Welt verbrachten sie den halben Tag miteinander. Kein Stück hatte sie sich gewehrt, kein Aufstand, kein übermäßiger Stolz, als er seine Geldkatze zückte, um zu zahlen, was sie beide erstanden hatten. Aldred vergaß die Zeit und viel zu schnell schien sie doch vergangen als Erinya sprach: „Ich muss jetzt leider gehen, aber wir sehen uns doch später zu Hause oder?“

Und weg war sie. Zu Hause....... hatte sie das wirklich gesagt? Ein wohliger Schauer durchfuhr ihn. Zu Hause. Leise wiederholte er die zwei kleinen Worte. Und es gefiel ihm. Es gefiel ihm sehr.
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