Sag mir, wie weit ist weg?
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Neliel Lelyn
Aus dem Leben einer Mutter: Wie erfülle ich einen fast unerfüllbaren Wunsch?
„Was möchtest du denn zum Geburtstag mein Schatz?“, aufmerksam sah sie zu ihrer Tochter und wartete gespannt auf ihre Antwort. Doch sie schwieg.
„Möchtest du neue Kleider? Oder soll die Mama dir eine große Katze schenken?“
Nilaihah schüttelte den Kopf und seufzte. „Ich will nur eines, Mama...“
„Ja, was denn mein Schatz?“
„Ich will das Papa für immer hier ist!“ und das kleine Mädchen legte den üblichen schmollenden Blick an den Tag.
„Aber du weißt doch.. Papa hat ganz viel zu tun.“
Der Blick wandelte sich zu einem trotzigen Blick. Neliel sah sich hilflos um. „Was hältst du denn davon, wenn wir zu Oma und Opa fahren?“ Doch ihre Tochter schüttelte den Kopf. Sie wollte ihren Papa für immer bei sich haben – aber das war derzeit unmöglich. Schulungen, Fortbildungen und Forschungen hielten ihn fern von seiner Familie.
„Wie wäre es mit einer ganz großen Feier, nur für dich?“
- „Nein! Ich will das Papa wieder da ist! Wenigstens zu meinem Geburtstag!“
Neliel resignierte. Nicht einmal das konnte sie ihrer Tochter versprechen. „Dann müssen wir schauen, ob die gute Fee dir diesen Wunsch erfüllt. Du weißt ja, du musst den Wunsch auf ein Pergament schreiben und unter dein Kopfkissen legen... nur dann wird den Traum vielleicht erfüllt.“
Neliel hoffte für sich und ihre Tochter, dass Janus wenigstens an diesem Tag nach Hause kommen konnte. Der vierte Geburtstag seiner Tochter musste ihm doch Anlass dazu geben, seine Forschungen außer Acht zu lassen. Sie erwischte sich selbst dabei, wie sie innerlich anfing zu beten und zu flehen. Sie wollte an diesem Tag nicht in enttäuschte Kinderaugen blicken.
„Was möchtest du denn zum Geburtstag mein Schatz?“, aufmerksam sah sie zu ihrer Tochter und wartete gespannt auf ihre Antwort. Doch sie schwieg.
„Möchtest du neue Kleider? Oder soll die Mama dir eine große Katze schenken?“
Nilaihah schüttelte den Kopf und seufzte. „Ich will nur eines, Mama...“
„Ja, was denn mein Schatz?“
„Ich will das Papa für immer hier ist!“ und das kleine Mädchen legte den üblichen schmollenden Blick an den Tag.
„Aber du weißt doch.. Papa hat ganz viel zu tun.“
Der Blick wandelte sich zu einem trotzigen Blick. Neliel sah sich hilflos um. „Was hältst du denn davon, wenn wir zu Oma und Opa fahren?“ Doch ihre Tochter schüttelte den Kopf. Sie wollte ihren Papa für immer bei sich haben – aber das war derzeit unmöglich. Schulungen, Fortbildungen und Forschungen hielten ihn fern von seiner Familie.
„Wie wäre es mit einer ganz großen Feier, nur für dich?“
- „Nein! Ich will das Papa wieder da ist! Wenigstens zu meinem Geburtstag!“
Neliel resignierte. Nicht einmal das konnte sie ihrer Tochter versprechen. „Dann müssen wir schauen, ob die gute Fee dir diesen Wunsch erfüllt. Du weißt ja, du musst den Wunsch auf ein Pergament schreiben und unter dein Kopfkissen legen... nur dann wird den Traum vielleicht erfüllt.“
Neliel hoffte für sich und ihre Tochter, dass Janus wenigstens an diesem Tag nach Hause kommen konnte. Der vierte Geburtstag seiner Tochter musste ihm doch Anlass dazu geben, seine Forschungen außer Acht zu lassen. Sie erwischte sich selbst dabei, wie sie innerlich anfing zu beten und zu flehen. Sie wollte an diesem Tag nicht in enttäuschte Kinderaugen blicken.
Zuletzt geändert von Neliel Lelyn am Sonntag 14. November 2010, 19:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Neliel Lelyn
Aus dem Leben einer Mutter: Der vierte Geburtstag und viele Tränen
Die ganze Nacht hatte sie kein Auge zugetan. Immerhin war es der Geburtstag ihrer Tochter und sie wollte ihr etwas Besonderes schenken. Es hatte lange gedauert, bis sie das Amulett in ihren Finger hielt und sie lächelte. Nilaihah würde sich darüber mit Sicherheit freuen. Es schimmerte in einem zarten Blau, wenn die Sonne darauf fiel, sogar in einem sanften grün. Es würde bestimmt zu großen Kinderaugen führen.
Neliel begann, den Kuchen zu backen. Immer darauf bedacht, dass sie nicht allzu viel Lärm machte und die Kleine aus ihrem Schlaf riss. Vor ein paar Stunden erst hatte sie ihr die Geschichte des Trolles und der kleinen Fee erzählt. Eine Geschichte, die sie immer und immer wieder hören wollte. Feiner Geruch von frischem Teig und Erdbeeren zersetzte die Luft im Haus. Während der Kuchen im Ofen vor sich hinbacken sollte, ging Neliel hinaus, um Efeu zu suchen. Auch eine Sonnenblume schnitt sie ab, um sie auf den Tisch zu stellen. Die kleine Schatztruhe mit dem Amulett stellte sie in die Mitte auf den Tisch neben das kleine Stofftier, welches Nilaihah ebenfalls zum Geburtstag bekommen sollte. Auch die Geschenke ihrer Eltern fanden sich auf dem Tisch ein. Viele Kleidungsstücke, eine Pergamentrolle mit Worten ihrer Eltern sowie einen Ring, der zu dem Amulett passen sollte. So konnte sich Nilaihah fühlen wie eine kleine Prinzessin. Neliel verteilte die Blätter auf dem Tisch und trat in das Gästezimmer. Niando versprach, dass er am Morgen nach Hause kommen würde, damit Nilaihah wenigstens ihren Onkel an ihrer Seite hatte. Die Gardinen wurden zur Seite geschoben und sie sah in die Ferne. Sie beobachtete die Wege und die Schatten, aber sie konnte nichts erkennen.
Es war nun etwa schon ein halber Mondlauf, als er zuletzt hier gewesen war. Die Hoffnung schwand von Stunde zu Stunde, dass er am heutigen Tag tatsächlich noch nach Hause kommen würde. Aber anstatt ihren Tränen, ihrer Sehnsucht freien Lauf zu lassen musste sie stark sein und ihre Tochter aufheitern. Ihr einen schönen Geburtstag vorgaukeln und ihr versprechen, dass Papa bald wieder da war. Wo auch immer er war, sie war sich sicher, dass er wenigstens an seine beiden Frauen dachte. Für den Moment blieb ihr also nichts weiter, als zu hoffen. Sie strich sich die beiden angesammelten Tränen aus den Augenwinkeln und verschloss das Fenster wieder, um die stürmische Nacht zu versperren.
Bald würde die Sonne aufgehen und der Kuchen war so gut wie fertig. Der Zuckerguss musste noch trocknen, der Tisch war vorbereitet und Neliel konnte zumindest noch eine Stunde ihre Augen schließen. Es war eine kurze Nacht für sie, aber sie war rechtzeitig wieder wach, um ihre Tochter zu wecken. Schnell trugen ihre Füße sie in den Keller ins eigentliche Schlafzimmer, in welchem Nilaihah heute genächtigt hatte. Neliel drückte ihrer Tochter einen sanften Kuss auf die Stirn. „Guten Morgen, Geburtstagskind. Alles Liebe zum Wiegenfest.“, flüsterte sie leise in Nilaihahs Ohr.
Nilaihah schlug die Augen auf und blinzelte verschlafen. „Hab ich schon genug geschlafen?“
Neliel lächelte und nickte. Ihre Tochter zog sich nicht einmal an, sondern stürmte im Nachthemd empor, wo sie empfangen wurde von dem süßlichen Geruch des Kuchens, einem Tisch voller Geschenke und einem Onkel, der mit offenen Armen auf sie wartete. Die leuchtenden Kinderaugen strahlten durch den Raum, sie ließ sich knuddeln und drücken, beglückwünschen und begeistern – vorerst. Es hatte nicht allzu lange gedauert – vielmehr war es kurz nachdem sie alle ihre Geschenke betrachtet hatte – da schwand das glückliche Gesicht und Tränen stauten sich auf, die nur allzu schnell über das Gesicht strömten. „Aber ich hab mir doch ganz fest gewünscht, dass Papa da ist!“ Neliel sah hilflos zu ihrem Bruder, der nur mit den Schultern zuckte. „Aber Papa denkt bestimmt ganz fest an dich...!“ versuchte Neliel ihre Tochter zu beruhigen. Doch egal, was sie sagte: Es half nichts. Die Tränen liefen und liefen. So sehr, dass weder Tochter noch Mutter bemerkten, wie die Türe aufging. „Na das nenne ich mal eine Begrüßung...“. Das Lächeln auf den Zügen von Janus breitete sich weiter aus, als er in die überraschten Gesichter der beiden Damen sah. Nilaihah riss sich aus den Armen ihrer Mutter und rannte auf ihren Vater zu. Neliel erhob sich langsam aus den Knien und wartete geduldig, auch wenn ihre Sehnsucht sie für einen Moment fast schon egoistisch werden ließ. Aber mit einem Kind musste man schnell lernen zu teilen. Schnell waren all die Tränen vergessen, als Nilaihah von Janus in die Arme genommen und herumgewirbelt wurde. „Mein Papa ist daaa!“ - Neliel lächelte und einige Tränen sammelten sich wieder in ihren Augenwinkeln. Diesmal waren es jedoch Tränen vor Glück.
Nachdem Nilaihah eingeschlafen war saßen Janus und Neliel auf der Bank im Freien. „Es verändert sich derzeit sehr viel hier.. ständig bebt die Erde und es treten Wesen aus dem Wasser. Ich habe Angst...“, flüsterte sie leise und bettete ihre Schläfe an seiner Schulter. Er streichelte ihr sanft über den Rücken. „Hab keine Angst, euch wird nichts passieren.“ und er hob ihr Kinn mit der Fingerspitze an, um ihr einen Kuss auf die Lippen zu drücken. Sie seufzte innerlich und genoss diesen Moment, denn dieser konnte für lange Zeit der letzte Kuss gewesen sein. „Wann wirst du für immer hier bleiben?“ Hoffnungsvoll sah sie zu ihm empor. Sie hatte Angst vor der Antwort und irgendwie dennoch Hoffnung. Hoffnung, dass die Antwort sie zufrieden stellen würde. Er nahm sie in den Arm, drückte sie fest an sich und sog ihren Geruch tief ein. Es schien ihm schwer zu fallen, eine Antwort zu geben. „Ich weiß es nicht, ich kann es dir nicht sagen mein Engel.“ Sie seufzte und presste die Lippen zusammen. Wann hatte das endlich ein Ende? Wann konnten sie eine normale, glückliche Familie sein? Sie wollte sich gar nicht von ihm lösen und presste sich weiterhin an ihn. „Mach es uns nicht schwerer, als es eh schon ist.“ Sie nickte stumm und ließ los. Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und gab ihr einen erneuten Kuss. „Wir warten hier auf dich...“ flüsterte sie leise. Er lächelte und nickte. „Das sind meine beiden Frauen. Gib Nilaihah morgen nochmal einen Kuss von mir.“ Sie standen beide auf und gingen zum Hoftor. „Ich komme bald wieder.“ versprach er und drückte sie nochmals an sich. „Und ich werde da sein.“ Ihre Stimme zitterte, sie konnte sich die Tränen nicht mehr verkneifen. Es war jedes Mal wieder so schlimm, wenn der Mann, den sie so sehr liebte, wieder von ihr ging. Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem verheulten Gesicht und wandte sich ab. „Ich liebe dich, Janus.“ flüsterte sie in den Wind, als er verschwunden war. Und die Antwort darauf bekam sie in ihren Gedanken. „Ich liebe dich auch. Und sei nicht allzu traurig, ich komme wieder...“
Die ganze Nacht hatte sie kein Auge zugetan. Immerhin war es der Geburtstag ihrer Tochter und sie wollte ihr etwas Besonderes schenken. Es hatte lange gedauert, bis sie das Amulett in ihren Finger hielt und sie lächelte. Nilaihah würde sich darüber mit Sicherheit freuen. Es schimmerte in einem zarten Blau, wenn die Sonne darauf fiel, sogar in einem sanften grün. Es würde bestimmt zu großen Kinderaugen führen.
Neliel begann, den Kuchen zu backen. Immer darauf bedacht, dass sie nicht allzu viel Lärm machte und die Kleine aus ihrem Schlaf riss. Vor ein paar Stunden erst hatte sie ihr die Geschichte des Trolles und der kleinen Fee erzählt. Eine Geschichte, die sie immer und immer wieder hören wollte. Feiner Geruch von frischem Teig und Erdbeeren zersetzte die Luft im Haus. Während der Kuchen im Ofen vor sich hinbacken sollte, ging Neliel hinaus, um Efeu zu suchen. Auch eine Sonnenblume schnitt sie ab, um sie auf den Tisch zu stellen. Die kleine Schatztruhe mit dem Amulett stellte sie in die Mitte auf den Tisch neben das kleine Stofftier, welches Nilaihah ebenfalls zum Geburtstag bekommen sollte. Auch die Geschenke ihrer Eltern fanden sich auf dem Tisch ein. Viele Kleidungsstücke, eine Pergamentrolle mit Worten ihrer Eltern sowie einen Ring, der zu dem Amulett passen sollte. So konnte sich Nilaihah fühlen wie eine kleine Prinzessin. Neliel verteilte die Blätter auf dem Tisch und trat in das Gästezimmer. Niando versprach, dass er am Morgen nach Hause kommen würde, damit Nilaihah wenigstens ihren Onkel an ihrer Seite hatte. Die Gardinen wurden zur Seite geschoben und sie sah in die Ferne. Sie beobachtete die Wege und die Schatten, aber sie konnte nichts erkennen.
Es war nun etwa schon ein halber Mondlauf, als er zuletzt hier gewesen war. Die Hoffnung schwand von Stunde zu Stunde, dass er am heutigen Tag tatsächlich noch nach Hause kommen würde. Aber anstatt ihren Tränen, ihrer Sehnsucht freien Lauf zu lassen musste sie stark sein und ihre Tochter aufheitern. Ihr einen schönen Geburtstag vorgaukeln und ihr versprechen, dass Papa bald wieder da war. Wo auch immer er war, sie war sich sicher, dass er wenigstens an seine beiden Frauen dachte. Für den Moment blieb ihr also nichts weiter, als zu hoffen. Sie strich sich die beiden angesammelten Tränen aus den Augenwinkeln und verschloss das Fenster wieder, um die stürmische Nacht zu versperren.
Bald würde die Sonne aufgehen und der Kuchen war so gut wie fertig. Der Zuckerguss musste noch trocknen, der Tisch war vorbereitet und Neliel konnte zumindest noch eine Stunde ihre Augen schließen. Es war eine kurze Nacht für sie, aber sie war rechtzeitig wieder wach, um ihre Tochter zu wecken. Schnell trugen ihre Füße sie in den Keller ins eigentliche Schlafzimmer, in welchem Nilaihah heute genächtigt hatte. Neliel drückte ihrer Tochter einen sanften Kuss auf die Stirn. „Guten Morgen, Geburtstagskind. Alles Liebe zum Wiegenfest.“, flüsterte sie leise in Nilaihahs Ohr.
Nilaihah schlug die Augen auf und blinzelte verschlafen. „Hab ich schon genug geschlafen?“
Neliel lächelte und nickte. Ihre Tochter zog sich nicht einmal an, sondern stürmte im Nachthemd empor, wo sie empfangen wurde von dem süßlichen Geruch des Kuchens, einem Tisch voller Geschenke und einem Onkel, der mit offenen Armen auf sie wartete. Die leuchtenden Kinderaugen strahlten durch den Raum, sie ließ sich knuddeln und drücken, beglückwünschen und begeistern – vorerst. Es hatte nicht allzu lange gedauert – vielmehr war es kurz nachdem sie alle ihre Geschenke betrachtet hatte – da schwand das glückliche Gesicht und Tränen stauten sich auf, die nur allzu schnell über das Gesicht strömten. „Aber ich hab mir doch ganz fest gewünscht, dass Papa da ist!“ Neliel sah hilflos zu ihrem Bruder, der nur mit den Schultern zuckte. „Aber Papa denkt bestimmt ganz fest an dich...!“ versuchte Neliel ihre Tochter zu beruhigen. Doch egal, was sie sagte: Es half nichts. Die Tränen liefen und liefen. So sehr, dass weder Tochter noch Mutter bemerkten, wie die Türe aufging. „Na das nenne ich mal eine Begrüßung...“. Das Lächeln auf den Zügen von Janus breitete sich weiter aus, als er in die überraschten Gesichter der beiden Damen sah. Nilaihah riss sich aus den Armen ihrer Mutter und rannte auf ihren Vater zu. Neliel erhob sich langsam aus den Knien und wartete geduldig, auch wenn ihre Sehnsucht sie für einen Moment fast schon egoistisch werden ließ. Aber mit einem Kind musste man schnell lernen zu teilen. Schnell waren all die Tränen vergessen, als Nilaihah von Janus in die Arme genommen und herumgewirbelt wurde. „Mein Papa ist daaa!“ - Neliel lächelte und einige Tränen sammelten sich wieder in ihren Augenwinkeln. Diesmal waren es jedoch Tränen vor Glück.
Nachdem Nilaihah eingeschlafen war saßen Janus und Neliel auf der Bank im Freien. „Es verändert sich derzeit sehr viel hier.. ständig bebt die Erde und es treten Wesen aus dem Wasser. Ich habe Angst...“, flüsterte sie leise und bettete ihre Schläfe an seiner Schulter. Er streichelte ihr sanft über den Rücken. „Hab keine Angst, euch wird nichts passieren.“ und er hob ihr Kinn mit der Fingerspitze an, um ihr einen Kuss auf die Lippen zu drücken. Sie seufzte innerlich und genoss diesen Moment, denn dieser konnte für lange Zeit der letzte Kuss gewesen sein. „Wann wirst du für immer hier bleiben?“ Hoffnungsvoll sah sie zu ihm empor. Sie hatte Angst vor der Antwort und irgendwie dennoch Hoffnung. Hoffnung, dass die Antwort sie zufrieden stellen würde. Er nahm sie in den Arm, drückte sie fest an sich und sog ihren Geruch tief ein. Es schien ihm schwer zu fallen, eine Antwort zu geben. „Ich weiß es nicht, ich kann es dir nicht sagen mein Engel.“ Sie seufzte und presste die Lippen zusammen. Wann hatte das endlich ein Ende? Wann konnten sie eine normale, glückliche Familie sein? Sie wollte sich gar nicht von ihm lösen und presste sich weiterhin an ihn. „Mach es uns nicht schwerer, als es eh schon ist.“ Sie nickte stumm und ließ los. Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und gab ihr einen erneuten Kuss. „Wir warten hier auf dich...“ flüsterte sie leise. Er lächelte und nickte. „Das sind meine beiden Frauen. Gib Nilaihah morgen nochmal einen Kuss von mir.“ Sie standen beide auf und gingen zum Hoftor. „Ich komme bald wieder.“ versprach er und drückte sie nochmals an sich. „Und ich werde da sein.“ Ihre Stimme zitterte, sie konnte sich die Tränen nicht mehr verkneifen. Es war jedes Mal wieder so schlimm, wenn der Mann, den sie so sehr liebte, wieder von ihr ging. Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem verheulten Gesicht und wandte sich ab. „Ich liebe dich, Janus.“ flüsterte sie in den Wind, als er verschwunden war. Und die Antwort darauf bekam sie in ihren Gedanken. „Ich liebe dich auch. Und sei nicht allzu traurig, ich komme wieder...“
Zuletzt geändert von Neliel Lelyn am Mittwoch 16. März 2011, 18:39, insgesamt 3-mal geändert.
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Neliel Lelyn
Aus dem Leben einer Mutter: Allein sein
Nächtens treff ich dich im Traum -
Blumenwiesen tanzen Reigen.
Nur dein Atem streift mich sanft
wenn wir durch die Welten treiben
Mein Lied im Wind umspielt diese Welt
Erreicht es dich? Spürst du, was es erzählt?
[ Schandmaul – Mein Lied ]
Die dunkelbraunen Locken fielen über ihre Schultern hinab und wurden von dem Wind überall um sie herum verteilt. Der Frühling hatte sich wieder ins Land geschlichen und mit dem kommenden Frühling hatte sie sich dazu entschlossen, die alten Segel abzureißen und ein neues Leben auf Gerimor zu beginnen. Es war sowohl für sie wie auch für Nilaihah besser, Lameriast Lebewohl zu sagen. Kaum ein Mensch lebte mehr dort und wirklichen Schutz hatte sie nicht. Und ohne Janus fühlte sie sich fremd dort.
Es hatte mehrere Mondläufe angedauert, bis sie ihr neues Heim beziehen konnte. Ein sanftes Lächeln überkam ihre Lippen, als sie sich das Haus besah. Handwerker gingen ein und aus, schlugen die letzten Nägel ins Haus und errichteten die letzten Möbelstücke. Ja, tatsächlich war sie stolz auf das Haus, welches nun vor ihr stand. Die Blüten und Blumen, die auf dem Hof erblühten und die Pferde, die in den Stallungen hausten. Sie lächelte, als ihre Eltern sie in den Arm nahmen und sie beglückwünschten zu dem, was sie erreicht hatte. Und dennoch war sie irgendwie nicht glücklich. Denn er fehlte ihr: Janus. Sie wusste zwar, dass es nicht mehr lange dauern konnte, ehe er wieder einmal an ihrer Seite war, aber sie hatte es satt, jedes Mal wieder an einen Abschied denken zu müssen. Die Gedanken waren immer da. Und auch, wenn der Ring an ihrer Hand ihr Herz erwärmte – sie sehnte sich nach ihrem Mann und nach dem Vater ihrer Tochter.
Zu allem Übel bat auch Nilaihah darum, mit ihren Eltern mitzufahren. Wie hätte sie ihrer Tochter etwas abschlagen können, wenn diese sie mit großen, dunkelblauen Augen ansah? Neliel lächelte und gab ihre Zustimmung. Sie durfte ein paar Wochen mit zu den Großeltern fahren und ihre Onkel und Tanten nerven. Während Nilaihah fortrannte und schnell ihre Sachen zusammenpackte erhob sich Neliel wieder. Die Einsamkeit um sie herum ließ sie erstarren, erfrieren und sie stellte ernüchternd fest, dass all das sie ohne ihre Familie nicht glücklich machen konnte. „Möchtest du nicht auch mit uns mitkommen? Damit du wenigstens unter Menschen bist, mein Schatz.“ Aber Neliel verneinte. Sie wollte hier sein, falls er wiederkommen würde. „Aber du kannst jederzeit zu uns kommen, wenn dir danach ist.“ Neliel lächelte. Das waren eben ihre Eltern. Herzensgut und liebevoll.
Nachdem sie Nilaihah und ihre Eltern zum Hafen begleitet und verabschiedet hatte trat sie den Heimweg an. Es war ein unangenehmes Gefühl für sie zu wissen, dass nun niemand außer all ihren Tieren auf sie warten würde, wenn sie nach Hause kam. Der Weg von Berchgard bis zu ihrem Hof zog sich dank ihren Gedanken sehr lang hin. War es wirklich das, was sie von ihrem Leben erwartet hatte? Sie seufzte und versuchte sich die Tränen zu verkneifen. Sie spürte die Sehnsucht noch stärker aufkeimen als sonst und sie wünschte sich in diesem Moment, dass ihr Janus wieder bei ihr war. Aber sie wusste selbst, dass das Leben nicht immer nach Plan verlief.
Nun hatte sie auf ihrem Heimweg fast mit allem gerechnet, jedoch nicht, dass sich während ihres Fortgangs Besuch angekündigt hatte. Zuerst konnte sie gar nicht erkennen, wer sich vor ihrem Hoftor befand. Lange, schwarze Haare, zierliche Gestalt. Weiblich, das war ihre erste Vermutung und als sich die Gestalt umdrehte und ihr entgegenlächelte, legte sich ein überraschter Gesichtsausdruck auf die Züge Neliels. Mit Nyel hatte sie nicht gerechnet. Ihre große Schwester. Nachdem sie sich eine Weile unterhalten hatten, zeigte Neliel ihr noch den Hof und auch das Gästezimmer.
Zumindest war es beruhigend, nun nicht mehr alleine auf dem Hof zu sein. Nyel würde immerhin eine Weile bei ihr bleiben und sie war auch herzlich Willkommen. Immerhin war der Hof groß genug für alle. So vergingen einige Tage, die sie fast immer gleich verbrachte. Sie stand auf, machte ihre Arbeit, kümmerte sich um die Tiere und zeigte Nyel, was wann wie zu erledigen war.
Und als wäre diese Überraschung nicht schon unvorhersehbar und groß genug gewesen, nein. Der Abend war schon vorangeschritten und sie sammelte die restliche Ernte vom Feld ein, als sie aus den Augenwinkeln heraus die Bewegung vernahm. Nichts, was sie hätte groß stören sollen, denn Bewegung war auf ihrem Hof normal. Erst, als sie die Stimme hörte, sah sie auf. Sie fühlte sich wie in einem Traum, die Hoffnung auf diesen Moment hatte sie schon seit geraumer Zeit aufgegeben. War er es wirklich? Oder war sie nun vollkommen verrückt geworden? Aber er stand da. Vor dem Tor. Und kam nicht hinein. Sie war gedanklich für einen Moment tatsächlich überfordert, ehe sie sich dann leise ermahnte und zu ihm stürmte. Sie wollte ihn spüren, ihn umarmen. Ihm nahe sein. Seine Lippen brannten auf den ihren, als er sie küsste und sie seufzte wohlig. Sie wünschte, dass dieser Moment nie aufhören würde.
Es war ein so wundervolles Gefühl, nach wie vor dieses Kribbeln in ihrem Bauch zu haben, allein wenn sie ihn ansah. Wenn sie zu ihm aufsah und sich schwach und gebrechlich fühlte und auf einmal all ihre Sorgen weg waren, nur, weil er die ansah und in ihrer Nähe war. Sie fühlte sich wieder komplett und vollkommen. Sie wollte gar nicht dran denken, wann er wieder gehen würde. Es war viel wichtiger, dass er hier war. Bei ihr. Und sie ihn küssen konnte, ihn festhalten konnte. Nach der leidenschaftlichen Begrüßung ließ er seinen Blick kurz über den Hof schweifen und fragte anschließend nach seiner Tochter. Neliel seufzte. Denn Nilaihah war nach wie vor bei Neliels Eltern. Hätte sie das gewusst, hätte sie Neliel nicht mitgehen lassen. „Sie wird es mir nicht verzeihen, wenn ich ihr sage, dass du da warst und sie dich nicht sehen konnte.“ Neliel wurde in diesem Moment wieder traurig. Denn sie war fest davon überzeugt, dass der nächste Abschied schon bald kommen würde.
„Ich bleibe.“ Ihre Gehirnwindungen ratterten. Er blieb? Ja, das war schön. Aber wie lange?
„Ich fahre nicht wieder fort.“ Ihre Gehirnwindungen ratterten weiter. Er wollte nicht mehr fort? Konnte das wirklich wahr sein? Oder war es nur ein blöder Traum. Aber er blieb tatsächlich. Er wollte tatsächlich bei ihr bleiben und keine weitere Reise mehr antreten. Sie lächelte zuerst zögerlich, dann immer kräftiger. Und fiel ihm dann um den Hals. Sie konnte gar nicht beschreiben, was in ihr vorging. Sie war einfach nur glücklich. Glücklich, dass sie ihren Liebsten so schnell nicht wieder gehen lassen musste.
Nächtens treff ich dich im Traum -
Blumenwiesen tanzen Reigen.
Nur dein Atem streift mich sanft
wenn wir durch die Welten treiben
Mein Lied im Wind umspielt diese Welt
Erreicht es dich? Spürst du, was es erzählt?
[ Schandmaul – Mein Lied ]
Die dunkelbraunen Locken fielen über ihre Schultern hinab und wurden von dem Wind überall um sie herum verteilt. Der Frühling hatte sich wieder ins Land geschlichen und mit dem kommenden Frühling hatte sie sich dazu entschlossen, die alten Segel abzureißen und ein neues Leben auf Gerimor zu beginnen. Es war sowohl für sie wie auch für Nilaihah besser, Lameriast Lebewohl zu sagen. Kaum ein Mensch lebte mehr dort und wirklichen Schutz hatte sie nicht. Und ohne Janus fühlte sie sich fremd dort.
Es hatte mehrere Mondläufe angedauert, bis sie ihr neues Heim beziehen konnte. Ein sanftes Lächeln überkam ihre Lippen, als sie sich das Haus besah. Handwerker gingen ein und aus, schlugen die letzten Nägel ins Haus und errichteten die letzten Möbelstücke. Ja, tatsächlich war sie stolz auf das Haus, welches nun vor ihr stand. Die Blüten und Blumen, die auf dem Hof erblühten und die Pferde, die in den Stallungen hausten. Sie lächelte, als ihre Eltern sie in den Arm nahmen und sie beglückwünschten zu dem, was sie erreicht hatte. Und dennoch war sie irgendwie nicht glücklich. Denn er fehlte ihr: Janus. Sie wusste zwar, dass es nicht mehr lange dauern konnte, ehe er wieder einmal an ihrer Seite war, aber sie hatte es satt, jedes Mal wieder an einen Abschied denken zu müssen. Die Gedanken waren immer da. Und auch, wenn der Ring an ihrer Hand ihr Herz erwärmte – sie sehnte sich nach ihrem Mann und nach dem Vater ihrer Tochter.
Zu allem Übel bat auch Nilaihah darum, mit ihren Eltern mitzufahren. Wie hätte sie ihrer Tochter etwas abschlagen können, wenn diese sie mit großen, dunkelblauen Augen ansah? Neliel lächelte und gab ihre Zustimmung. Sie durfte ein paar Wochen mit zu den Großeltern fahren und ihre Onkel und Tanten nerven. Während Nilaihah fortrannte und schnell ihre Sachen zusammenpackte erhob sich Neliel wieder. Die Einsamkeit um sie herum ließ sie erstarren, erfrieren und sie stellte ernüchternd fest, dass all das sie ohne ihre Familie nicht glücklich machen konnte. „Möchtest du nicht auch mit uns mitkommen? Damit du wenigstens unter Menschen bist, mein Schatz.“ Aber Neliel verneinte. Sie wollte hier sein, falls er wiederkommen würde. „Aber du kannst jederzeit zu uns kommen, wenn dir danach ist.“ Neliel lächelte. Das waren eben ihre Eltern. Herzensgut und liebevoll.
Nachdem sie Nilaihah und ihre Eltern zum Hafen begleitet und verabschiedet hatte trat sie den Heimweg an. Es war ein unangenehmes Gefühl für sie zu wissen, dass nun niemand außer all ihren Tieren auf sie warten würde, wenn sie nach Hause kam. Der Weg von Berchgard bis zu ihrem Hof zog sich dank ihren Gedanken sehr lang hin. War es wirklich das, was sie von ihrem Leben erwartet hatte? Sie seufzte und versuchte sich die Tränen zu verkneifen. Sie spürte die Sehnsucht noch stärker aufkeimen als sonst und sie wünschte sich in diesem Moment, dass ihr Janus wieder bei ihr war. Aber sie wusste selbst, dass das Leben nicht immer nach Plan verlief.
Nun hatte sie auf ihrem Heimweg fast mit allem gerechnet, jedoch nicht, dass sich während ihres Fortgangs Besuch angekündigt hatte. Zuerst konnte sie gar nicht erkennen, wer sich vor ihrem Hoftor befand. Lange, schwarze Haare, zierliche Gestalt. Weiblich, das war ihre erste Vermutung und als sich die Gestalt umdrehte und ihr entgegenlächelte, legte sich ein überraschter Gesichtsausdruck auf die Züge Neliels. Mit Nyel hatte sie nicht gerechnet. Ihre große Schwester. Nachdem sie sich eine Weile unterhalten hatten, zeigte Neliel ihr noch den Hof und auch das Gästezimmer.
Zumindest war es beruhigend, nun nicht mehr alleine auf dem Hof zu sein. Nyel würde immerhin eine Weile bei ihr bleiben und sie war auch herzlich Willkommen. Immerhin war der Hof groß genug für alle. So vergingen einige Tage, die sie fast immer gleich verbrachte. Sie stand auf, machte ihre Arbeit, kümmerte sich um die Tiere und zeigte Nyel, was wann wie zu erledigen war.
Und als wäre diese Überraschung nicht schon unvorhersehbar und groß genug gewesen, nein. Der Abend war schon vorangeschritten und sie sammelte die restliche Ernte vom Feld ein, als sie aus den Augenwinkeln heraus die Bewegung vernahm. Nichts, was sie hätte groß stören sollen, denn Bewegung war auf ihrem Hof normal. Erst, als sie die Stimme hörte, sah sie auf. Sie fühlte sich wie in einem Traum, die Hoffnung auf diesen Moment hatte sie schon seit geraumer Zeit aufgegeben. War er es wirklich? Oder war sie nun vollkommen verrückt geworden? Aber er stand da. Vor dem Tor. Und kam nicht hinein. Sie war gedanklich für einen Moment tatsächlich überfordert, ehe sie sich dann leise ermahnte und zu ihm stürmte. Sie wollte ihn spüren, ihn umarmen. Ihm nahe sein. Seine Lippen brannten auf den ihren, als er sie küsste und sie seufzte wohlig. Sie wünschte, dass dieser Moment nie aufhören würde.
Es war ein so wundervolles Gefühl, nach wie vor dieses Kribbeln in ihrem Bauch zu haben, allein wenn sie ihn ansah. Wenn sie zu ihm aufsah und sich schwach und gebrechlich fühlte und auf einmal all ihre Sorgen weg waren, nur, weil er die ansah und in ihrer Nähe war. Sie fühlte sich wieder komplett und vollkommen. Sie wollte gar nicht dran denken, wann er wieder gehen würde. Es war viel wichtiger, dass er hier war. Bei ihr. Und sie ihn küssen konnte, ihn festhalten konnte. Nach der leidenschaftlichen Begrüßung ließ er seinen Blick kurz über den Hof schweifen und fragte anschließend nach seiner Tochter. Neliel seufzte. Denn Nilaihah war nach wie vor bei Neliels Eltern. Hätte sie das gewusst, hätte sie Neliel nicht mitgehen lassen. „Sie wird es mir nicht verzeihen, wenn ich ihr sage, dass du da warst und sie dich nicht sehen konnte.“ Neliel wurde in diesem Moment wieder traurig. Denn sie war fest davon überzeugt, dass der nächste Abschied schon bald kommen würde.
„Ich bleibe.“ Ihre Gehirnwindungen ratterten. Er blieb? Ja, das war schön. Aber wie lange?
„Ich fahre nicht wieder fort.“ Ihre Gehirnwindungen ratterten weiter. Er wollte nicht mehr fort? Konnte das wirklich wahr sein? Oder war es nur ein blöder Traum. Aber er blieb tatsächlich. Er wollte tatsächlich bei ihr bleiben und keine weitere Reise mehr antreten. Sie lächelte zuerst zögerlich, dann immer kräftiger. Und fiel ihm dann um den Hals. Sie konnte gar nicht beschreiben, was in ihr vorging. Sie war einfach nur glücklich. Glücklich, dass sie ihren Liebsten so schnell nicht wieder gehen lassen musste.
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Neliel Lelyn
Aus dem Leben einer Mutter: An manchen Tagen ists verflucht …
There's a place I used to go
There's a world I used to know
There was a light and it was you
Every word I say is true
I say
Every day I will wait 'till you're mine again
I will die every day 'till you're mine again
There's no words to explain no beginning and no end
I will dream, I will pray, you'll be mine again
[ Black Lab – Mine again ]
Ich griff in den Beutel mit den Samen. Es war nicht verwunderlich, dass sich meine Augen empor rollten, ich meine Hände an einem Tuch abwischte und mir ein wenig Gold nahm, um nach Bajard zu fahren. Und damit hatte all das Unheil überhaupt erst begonnen.
Ich wusste, dass ich vorsichtig sein musste, aber die feuerspuckenden Fliegen waren dieses eine Mal schneller als ich. Ich hatte zwar Glück im Unglück, dass mich nur ein kleiner Feuerfunke erwischt hatte, aber mein Hemd fing trotzdem an der Elle Feuer und ließ die Haut darunter verbrennen. Ein ekelhafter Geruch, der sich in meiner Nase breitmachte. Und ein sehr schmerzhaftes Gefühl.
Meine Wege trieben mich dennoch weiter nach Bajard durch den Tumult an Menschen, der sich dort versammelt hatte. Eine blonde, junge Dame hielt mich auf halbem Wege auf, ob ich dem Herold nicht einen Wunsch erfüllen wollte. Nur einen Kuss oder einen Abend in der Taverne in Bajard. Ich musste schmunzeln, aber ich konnte ihm diesen Wunsch nicht erfüllen, denn da gab es ein Problem.
Und genau dieses Problem stand schon lange hinter mir und hatte das Gespräch belauscht. Aus diesem Grund legte er auch seinen Arm um mich, was mich zum weiteren Schmunzeln bringen ließ. Kaum zu glauben, dass er es immer wieder vorzüglich verstand, der kompletten Welt mitzuteilen, dass ich ihm gehörte. Nicht, dass mich das stören würde. Ganz im Gegenteil.
Da sowohl ihm wie auch mir die vielen Menschen Unbehagen entlockten, wandten wir uns ab und gingen zur Bank. Ich wollte ihn nach seiner Bitte hin begleiten. Natürlich blieb ihm meine Wunde nicht verborgen und nachdem er ein paar Dinge in seiner Banktruhe verstaut hatte, besah er sich jene. Der Stoff meines Hemdes hatte sich mit der verkokelten Haut vermengt. Zwar war es nicht sonderlich großflächig, aber es schmerzte dennoch. Er wollte es sich zuhause ansehen und den Besuch in der Akademie aufschieben. Natürlich musste ich ihm widersprechen, denn seine Arbeit an der Akademie war wichtiger. Aber er ließ sich davon nicht abbringen. Immerhin wollte er verhindern, dass ich meine Wunde mit Pferdesalbe und Pflanzengift behandelte.
Zuhause angekommen steuerten wir auf das Badezimmer zu. Er nahm seinen Gürtel ab und ich sah zum ersten Mal bewusst auf diesen und entdeckte die vielen Phiolen, die daran befestigt waren. Für diesen Moment vergaß ich kurz den ziehenden und brennenden Schmerz in meinem Arm und war nur überrascht. Er bereitete einige Bandagen vor und bat mich, meinen Arm freizumachen. Ich konnte es mir nicht verkneifen, ihn zu fragen, ob ich mich komplett entkleiden sollte. Und es bewirkte genau das, was ich erhoffte. Er schmunzelte daraufhin und arbeitete dann jedoch unbeirrt weiter. Ich zog mir mein Hemd über den Kopf, was mir weitere Schmerzen bereitete und setzte mich auf die Treppenstufe, wie er mir befohlen hatte. Er warnte mich noch vor, dass es etwas schmerzen konnte. Aber die Schmerzen, die meinen Körper dann tatsächlich durchzogen, waren viel, viel schlimmer.
Nicht, dass mich meine Verletzung davon abgehalten hätte, mich seinen brennenden Küssen und seinen Berührungen hinzugeben. Aber viel Zeit blieb uns nicht für diesen Moment alleine. Janus hatte sich wieder dazu verpflichten lassen, mehr Verantwortung an der Akademie zu übernehmen. Und Pflichten mussten eingehalten werden. Selbst, wenn ich nicht wollte, dass er ging. Da half auch jegliches Flehen, Bitten und Quengeln nichts. Ich sah ihm nach, als er durch die Zimmer des Badezimmers ging und zog mich wieder an. Mein Weg führte mich danach ins Schlafzimmer vor den Spiegel, um meine Haare wieder zu richten. Auch, wenn ich meinen Arm schonen musste, die Arbeit auf dem Hof würde sich nicht alleine tun.
„Komm, wir müssen hier raus. Es ist unendlich warm und das kann unseren Tod bedeuten in einem Holzhaus.“
Ich sah ihn an. Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss waren all meine Tiere. Ich öffnete die Gatter und ließ sie zumindest aus den Ställen auf den Hof. Da waren sie anfangs sicher, sollte etwas passieren. Bei jeder Bewegung lief mir der Schweiß über die Wangen und ich bekam vor lauter unangenehmer Hitze fast keine Luft mehr. Aber Janus bestand darauf, dass sie nach Berchgard gehen sollten. Schritt für Schritt schwitzte ich mehr, die Haare hingen mir in Strähnen ins Gesicht. Der Schweiß brannte auf meiner Wunde und zerrte so weiter an meiner Kraft.
Wir hatten gerade die Tore Berchgards passiert und waren am Handwerkshaus zu Gerimor angekommen, als sich die Müdigkeit in meine Glieder schlich. Auf einmal wurde alles so schwer. Ich wünschte mir genau in diesem Moment nichts sehnlicher als ein Bett zum schlafen. Einfach hinlegen. „Du musst wach bleiben, Nel“, hörte ich seine Stimme. Ich nickte schwach und versuchte mich auf den Beinen zu halten. Ich sah aus der Entfernung flammende Wesen durch die Städte rennen. Aber Zeit für Panik oder Angst war keine. Ich war mehr damit beschäftigt, mich irgendwie wach zu halten. Ein Zustand, den ich nicht lange ertragen konnte. Alles drehte sich, mein Körper drohte zu dehydrieren und ich hatte neben dem Bett den sehnlichsten Wunsch, einen ganzen See auszutrinken. Das kühle Nass in meinem Gesicht hielt mich zwar wach, aber es war nicht von langer Dauer. „Sie wollen den Vulkangeist zum einschlafen bringen“, hörte ich. Aber umsetzen konnte ich den Gedanken nicht wirklich. Die einzige Frage, die in meinem Kopf schlummerte, war, warum der Vulkangeist schlafen durfte und ich nicht.
Es war von einem Lidschlag auf den nächsten, als alles auf einmal aufgehört hatte. Die unerträgliche Hitze ging zurück, es wurde kühler. Und alle wurden auf einmal wieder beweglicher. Keine Muskelschwäche mehr und ich konnte endlich wieder tief und fest atmen, ohne Angst haben zu müssen, die Luft in Staubwolken einzuatmen. Janus sah mich an und ich wusste, was ich seinem Blick entnehmen konnte. Wir konnten nach Hause gehen und der Spuk hatte endlich ein Ende. Und es war an der Zeit, dass ich die Rückkehr Nilaihahs vorbereitete. Jetzt war alles wieder in Ordnung und wir mussten keine Angst mehr haben, dass ihr irgendetwas passieren würde. Ich konnte mich richtig auf ihre Rückkehr freuen.
There's a place I used to go
There's a world I used to know
There was a light and it was you
Every word I say is true
I say
Every day I will wait 'till you're mine again
I will die every day 'till you're mine again
There's no words to explain no beginning and no end
I will dream, I will pray, you'll be mine again
[ Black Lab – Mine again ]
Ich griff in den Beutel mit den Samen. Es war nicht verwunderlich, dass sich meine Augen empor rollten, ich meine Hände an einem Tuch abwischte und mir ein wenig Gold nahm, um nach Bajard zu fahren. Und damit hatte all das Unheil überhaupt erst begonnen.
Ich wusste, dass ich vorsichtig sein musste, aber die feuerspuckenden Fliegen waren dieses eine Mal schneller als ich. Ich hatte zwar Glück im Unglück, dass mich nur ein kleiner Feuerfunke erwischt hatte, aber mein Hemd fing trotzdem an der Elle Feuer und ließ die Haut darunter verbrennen. Ein ekelhafter Geruch, der sich in meiner Nase breitmachte. Und ein sehr schmerzhaftes Gefühl.
Meine Wege trieben mich dennoch weiter nach Bajard durch den Tumult an Menschen, der sich dort versammelt hatte. Eine blonde, junge Dame hielt mich auf halbem Wege auf, ob ich dem Herold nicht einen Wunsch erfüllen wollte. Nur einen Kuss oder einen Abend in der Taverne in Bajard. Ich musste schmunzeln, aber ich konnte ihm diesen Wunsch nicht erfüllen, denn da gab es ein Problem.
Und genau dieses Problem stand schon lange hinter mir und hatte das Gespräch belauscht. Aus diesem Grund legte er auch seinen Arm um mich, was mich zum weiteren Schmunzeln bringen ließ. Kaum zu glauben, dass er es immer wieder vorzüglich verstand, der kompletten Welt mitzuteilen, dass ich ihm gehörte. Nicht, dass mich das stören würde. Ganz im Gegenteil.
Da sowohl ihm wie auch mir die vielen Menschen Unbehagen entlockten, wandten wir uns ab und gingen zur Bank. Ich wollte ihn nach seiner Bitte hin begleiten. Natürlich blieb ihm meine Wunde nicht verborgen und nachdem er ein paar Dinge in seiner Banktruhe verstaut hatte, besah er sich jene. Der Stoff meines Hemdes hatte sich mit der verkokelten Haut vermengt. Zwar war es nicht sonderlich großflächig, aber es schmerzte dennoch. Er wollte es sich zuhause ansehen und den Besuch in der Akademie aufschieben. Natürlich musste ich ihm widersprechen, denn seine Arbeit an der Akademie war wichtiger. Aber er ließ sich davon nicht abbringen. Immerhin wollte er verhindern, dass ich meine Wunde mit Pferdesalbe und Pflanzengift behandelte.
Zuhause angekommen steuerten wir auf das Badezimmer zu. Er nahm seinen Gürtel ab und ich sah zum ersten Mal bewusst auf diesen und entdeckte die vielen Phiolen, die daran befestigt waren. Für diesen Moment vergaß ich kurz den ziehenden und brennenden Schmerz in meinem Arm und war nur überrascht. Er bereitete einige Bandagen vor und bat mich, meinen Arm freizumachen. Ich konnte es mir nicht verkneifen, ihn zu fragen, ob ich mich komplett entkleiden sollte. Und es bewirkte genau das, was ich erhoffte. Er schmunzelte daraufhin und arbeitete dann jedoch unbeirrt weiter. Ich zog mir mein Hemd über den Kopf, was mir weitere Schmerzen bereitete und setzte mich auf die Treppenstufe, wie er mir befohlen hatte. Er warnte mich noch vor, dass es etwas schmerzen konnte. Aber die Schmerzen, die meinen Körper dann tatsächlich durchzogen, waren viel, viel schlimmer.
Nicht, dass mich meine Verletzung davon abgehalten hätte, mich seinen brennenden Küssen und seinen Berührungen hinzugeben. Aber viel Zeit blieb uns nicht für diesen Moment alleine. Janus hatte sich wieder dazu verpflichten lassen, mehr Verantwortung an der Akademie zu übernehmen. Und Pflichten mussten eingehalten werden. Selbst, wenn ich nicht wollte, dass er ging. Da half auch jegliches Flehen, Bitten und Quengeln nichts. Ich sah ihm nach, als er durch die Zimmer des Badezimmers ging und zog mich wieder an. Mein Weg führte mich danach ins Schlafzimmer vor den Spiegel, um meine Haare wieder zu richten. Auch, wenn ich meinen Arm schonen musste, die Arbeit auf dem Hof würde sich nicht alleine tun.
„Komm, wir müssen hier raus. Es ist unendlich warm und das kann unseren Tod bedeuten in einem Holzhaus.“
Ich sah ihn an. Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss waren all meine Tiere. Ich öffnete die Gatter und ließ sie zumindest aus den Ställen auf den Hof. Da waren sie anfangs sicher, sollte etwas passieren. Bei jeder Bewegung lief mir der Schweiß über die Wangen und ich bekam vor lauter unangenehmer Hitze fast keine Luft mehr. Aber Janus bestand darauf, dass sie nach Berchgard gehen sollten. Schritt für Schritt schwitzte ich mehr, die Haare hingen mir in Strähnen ins Gesicht. Der Schweiß brannte auf meiner Wunde und zerrte so weiter an meiner Kraft.
Wir hatten gerade die Tore Berchgards passiert und waren am Handwerkshaus zu Gerimor angekommen, als sich die Müdigkeit in meine Glieder schlich. Auf einmal wurde alles so schwer. Ich wünschte mir genau in diesem Moment nichts sehnlicher als ein Bett zum schlafen. Einfach hinlegen. „Du musst wach bleiben, Nel“, hörte ich seine Stimme. Ich nickte schwach und versuchte mich auf den Beinen zu halten. Ich sah aus der Entfernung flammende Wesen durch die Städte rennen. Aber Zeit für Panik oder Angst war keine. Ich war mehr damit beschäftigt, mich irgendwie wach zu halten. Ein Zustand, den ich nicht lange ertragen konnte. Alles drehte sich, mein Körper drohte zu dehydrieren und ich hatte neben dem Bett den sehnlichsten Wunsch, einen ganzen See auszutrinken. Das kühle Nass in meinem Gesicht hielt mich zwar wach, aber es war nicht von langer Dauer. „Sie wollen den Vulkangeist zum einschlafen bringen“, hörte ich. Aber umsetzen konnte ich den Gedanken nicht wirklich. Die einzige Frage, die in meinem Kopf schlummerte, war, warum der Vulkangeist schlafen durfte und ich nicht.
Es war von einem Lidschlag auf den nächsten, als alles auf einmal aufgehört hatte. Die unerträgliche Hitze ging zurück, es wurde kühler. Und alle wurden auf einmal wieder beweglicher. Keine Muskelschwäche mehr und ich konnte endlich wieder tief und fest atmen, ohne Angst haben zu müssen, die Luft in Staubwolken einzuatmen. Janus sah mich an und ich wusste, was ich seinem Blick entnehmen konnte. Wir konnten nach Hause gehen und der Spuk hatte endlich ein Ende. Und es war an der Zeit, dass ich die Rückkehr Nilaihahs vorbereitete. Jetzt war alles wieder in Ordnung und wir mussten keine Angst mehr haben, dass ihr irgendetwas passieren würde. Ich konnte mich richtig auf ihre Rückkehr freuen.
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Neliel Lelyn
Ist das alles gut genug?
Ich hab geglaubt, dass ich es ändern kann
kein Weg sei mir zu lang
Ich hab geglaubt, es gäb kein Ziel,
das ich nicht erreichen kann
Ich hab geglaubt, dass Leben sei mein Spiel
Doch auf dem Weg zu meinem Ziel
musste ich lernen, dass auch ich verlieren kann
[ Saltatio Mortis – Nichts bleibt mehr ]
Wir waren zuhause angekommen und die Erschöpfung stand uns ins Gesicht geschrieben. Ich zog die verschwitzte Kleidung aus und legte sie auf den Haufen, der längst hätte gewaschen werden sollen. Mein Körper kühlte in dem Nass ab und ich fühlte mich gleich viel wohler.
In der Zeit, wenn er weg war, hatte ich viele Möglichkeiten gehabt, um über mich selbst nachzudenken. Ich war eine einfache Bäuerin ohne herausragenden Eigenschaften oder Fähigkeiten. Es war selbst für mich manchmal unverständlich, warum er bei mir war. Die Hochzeit bei meinen Eltern hatte uns noch enger zusammengeschweißt und ich wurde mir ein weiteres Mal deutlich bewusst, was es bedeuten würde, wenn es kein „Wir“ mehr geben würde.
Aber was mich während all der Zeit, in der ich allein war, beschäftigte, war die Frage, ob ich jemals gut genug für ihn war. Umgeben von Gleichgesinnten wäre es für ihn ein leichtes, eine Frau an seiner Seite zu haben, die ihm mehr geben konnte, als ich es tat. Ich fühlte mich, als würde mich innerlich irgendetwas zerfressen, wenn sich solche Gedanken in meinen Kopf schlichen. Ich wollte die Verzweiflung nicht mehr spüren, die sich immer wieder in meinem Magen festsetzte.
[img]http://www7.pic-upload.de/18.03.11/iiczc7ysgij1.jpg[/img]
Ich hatte also keine andere Wahl, als mich mit meinen Gedanken anzufreunden und mit ihnen allein klarzukommen. Seine Rückkehr war so überraschend für mich, dass ich meine Reaktion selbst nicht einordnen konnte. Als ich hörte, dass er bei mir bleiben würde, fiel eine große Last von meinen Schultern und doch wuchs die Angst vor all dem, was zusätzlich noch kommen würde. Ich war hin- und hergerissen von allem. Natürlich freute ich mich darauf, dass ich neben ihm einschlafen und auch wieder aufwachen konnte. Ich freute mich darauf, dass er jeden Abend wieder nach Hause kam. Ich war froh darüber, dass es keinen weiteren Abschied mehr gab. Aber irgendetwas in mir hinterließ mir ein mulmiges Gefühl. Ich zweifelte. Nicht an ihm, nicht an seiner Liebe. Sondern an mir selbst. Aus irgend einem Grund heraus loderte in mir diese kleine Flamme, die mich wahnsinnig machen wollte. Die mir einreden wollte, ich sei tatsächlich nicht gut genug für ihn. Ich konnte ihn nur in Schwierigkeiten bringen, weil ich mich ständig selbst in Gefahr brachte. Ich konnte ihm nicht das geben, was ich ihm vielleicht hätte geben sollen. Was er von mir erwartete. Oder waren es schlichtweg meine Gedanken, die mich verrückt machten? Ich schauderte. Und was, wenn es tatsächlich so war? Ich schüttelte den Kopf, um meine Gedanken zu vertreiben.
Ich wollte die Zeit, die ich mit ihm hatte, so gut wie möglich genießen. Es war wohl wahr, dass wir längst über die Phase des Verliebtseins hinaus waren. Aber manchmal vermisste ich genau das. Es war nicht so, dass ich nicht auch heute noch Schmetterlinge im Bauch hatte, wenn ich ihm gegenüberstand oder ein Feuerwerk in mir explodierte, wenn er mich küsste. Aber wenn man frisch verliebt ist, klebt man einfach aneinander. Man will nicht ohne den Anderen sein. Man möchte seine Luft atmen, seine Gedanken teilen. Und eine Ehe brachte gerade das Gegenteil. Man sah sich eh jeden Tag, lebte zusammen und die Kleinigkeiten wurden vernachlässigt. Ich kann mich schon gar nicht mehr wirklich daran erinnern, wann wir das letzte Mal gemeinsam außerhalb Essen waren. Oder auf den Bänken im Freien saßen und einfach nur die Sterne beobachteten und beieinander waren. Manchmal kam es mir so vor, als hätten wir uns aneinander sattgesehen. Ich spürte mein Herz unter der Brust rasen. Ich konnte es nicht leiden, wenn er weg war. Und ich nicht genau wusste, wo er war. Und wann er wieder kam. Ich drehte meine Kette in der Hand. Eine Kette, die er mir geschenkt hatte. Wohl wahr, mit Geschenken geizte er nicht. Und auch nicht mit seiner Liebe. Was war dann der Punkt, der mich gerade zum verzweifeln zwang? Ich musste nicht lange darüber nachdenken, um mir bewusst zu werden, dass ich selbst mein größter Feind war. Mein größtes Problem. Normalerweise würde ich mich nun zu ihm setzen und mit ihm reden. Abgesehen, dass er schlief, war mir mulmig zumute, wenn ich auch nur im Ansatz an das Gespräch dachte. Er würde mich niemals ernst nehmen und meine Sorgen belächeln. Er würde mir sagen, dass es purer Schwachsinn war, was sich in meinem Kopf abspielte. Und dann war alles wieder gut. Ich besah mich im Spiegel. Hüftlange, gelockte Haare. In einem dunklen Braun. Dazu die grünbraunenAugen, die mehr grün waren und nur der innere Kern ins Bräunliche überging. Blasse Haut, die vom Winter und der Kälte gezeichnet waren. Ein flacher Bauch. Ich drehte mich beiseite. Ja, durchaus. Ein flacher Bauch, obwohl ich eine Tochter auf die Welt gebracht hatte. Brüste? Ja, auch diese waren vorhanden. Mittlerweile nach der Schwangerschaft ein wenig mehr als zuvor. Aber weniger konnte es ja auch nicht werden. Meine Hüften waren breiter geworden, aber vielleicht bildete ich mir das auch nur ein. Ich seufzte abermals.
Vielleicht sollte ich doch mit ihm reden. Dass seine Nähe mir fehlte, dass ich mich gerade nicht gut fühlte und ich glaubte, nicht gut genug für ihn zu sein. Im nächsten Moment belächelte ich meinen eigenen Gedankengang jedoch. „Du bist töricht, Neliel“, und ich drehte mich um, um mich wieder anzuziehen. Ich war unzufrieden mit mir und meinem Dasein. Ich konnte nie mitreden, wenn er anfing von der Magie zu sprechen. Ich fühlte mich in seiner Anwesenheit klein. Und dumm. Ich wusste nichts über das, was ihm so wichtig war. Oder nur ganz wenig. Wie sollte eine einfach gestrickte Landwirtin auch mehr davon verstehen als das, was nötig war zu verstehen, um mit einem Magier liiert zu sein? Natürlich, ich könnte mich jetzt krampfhaft darauf konzentrieren, um all das zu lernen. Aber ohne die gewisse Gabe würde mir das so viel bringen wie ein Eimer ohne Wasser für mein Feld. Nämlich rein gar nichts. Ich hatte mich zumindest schon damit angefreundet, dass ich meinen Umgang mit Waffen tatsächlich schulen wollte. Natürlich wusste ich auch, dass Janus davon nicht begeistert war. Zum Einen konnte ich damit mein hübsches Gesicht verstümmeln, zum anderen konnte mir natürlich auch weitaus mehr passieren. Und da er mich leider kannte, wusste er auch, dass ich durchaus sehr tollpatschig war.
Ich ging ins Kinderzimmer. Das Bett von Nilaihah war leer. Ich vermisste sie sehr, aber ich wusste auch, dass ich nicht mehr lange auf sie warten musste. Ich hatte meinen Eltern längst den Brief geschrieben, dass sie Nilaihah zu mir zurückbringen sollten. Ich ging weiter ins Schlafzimmer. Janus lag schlafend auf dem Bett. Ich setzte mich neben ihn und beobachtete. Er schlief sehr ruhig und es war immer angenehm, neben ihm zu schlafen. Mir war das Glück vergonnt, dass er kein schnarchender, laut atmender Mann war. Ich strich ihm mit den Fingerspitzen eine Haarsträhne aus dem Gesicht, um dieses genauer sehen zu können. Seine feinen, aber dennoch markanten Züge machten ihn zu dem, was er war: Einzigartig. Und wunderschön. Ich liebte es, ihn einfach anzusehen. Sanft streichelte ich mit dem Daumen über seine Wange und legte mich zu ihm. Es war spät und auch ich musste irgendwann einmal schlafen. Und so schloss ich die Augen und konnte für diesen Moment seine Nähe genießen.
Ich hab geglaubt, dass ich es ändern kann
kein Weg sei mir zu lang
Ich hab geglaubt, es gäb kein Ziel,
das ich nicht erreichen kann
Ich hab geglaubt, dass Leben sei mein Spiel
Doch auf dem Weg zu meinem Ziel
musste ich lernen, dass auch ich verlieren kann
[ Saltatio Mortis – Nichts bleibt mehr ]
Wir waren zuhause angekommen und die Erschöpfung stand uns ins Gesicht geschrieben. Ich zog die verschwitzte Kleidung aus und legte sie auf den Haufen, der längst hätte gewaschen werden sollen. Mein Körper kühlte in dem Nass ab und ich fühlte mich gleich viel wohler.
In der Zeit, wenn er weg war, hatte ich viele Möglichkeiten gehabt, um über mich selbst nachzudenken. Ich war eine einfache Bäuerin ohne herausragenden Eigenschaften oder Fähigkeiten. Es war selbst für mich manchmal unverständlich, warum er bei mir war. Die Hochzeit bei meinen Eltern hatte uns noch enger zusammengeschweißt und ich wurde mir ein weiteres Mal deutlich bewusst, was es bedeuten würde, wenn es kein „Wir“ mehr geben würde.
Aber was mich während all der Zeit, in der ich allein war, beschäftigte, war die Frage, ob ich jemals gut genug für ihn war. Umgeben von Gleichgesinnten wäre es für ihn ein leichtes, eine Frau an seiner Seite zu haben, die ihm mehr geben konnte, als ich es tat. Ich fühlte mich, als würde mich innerlich irgendetwas zerfressen, wenn sich solche Gedanken in meinen Kopf schlichen. Ich wollte die Verzweiflung nicht mehr spüren, die sich immer wieder in meinem Magen festsetzte.
[img]http://www7.pic-upload.de/18.03.11/iiczc7ysgij1.jpg[/img]
Ich hatte also keine andere Wahl, als mich mit meinen Gedanken anzufreunden und mit ihnen allein klarzukommen. Seine Rückkehr war so überraschend für mich, dass ich meine Reaktion selbst nicht einordnen konnte. Als ich hörte, dass er bei mir bleiben würde, fiel eine große Last von meinen Schultern und doch wuchs die Angst vor all dem, was zusätzlich noch kommen würde. Ich war hin- und hergerissen von allem. Natürlich freute ich mich darauf, dass ich neben ihm einschlafen und auch wieder aufwachen konnte. Ich freute mich darauf, dass er jeden Abend wieder nach Hause kam. Ich war froh darüber, dass es keinen weiteren Abschied mehr gab. Aber irgendetwas in mir hinterließ mir ein mulmiges Gefühl. Ich zweifelte. Nicht an ihm, nicht an seiner Liebe. Sondern an mir selbst. Aus irgend einem Grund heraus loderte in mir diese kleine Flamme, die mich wahnsinnig machen wollte. Die mir einreden wollte, ich sei tatsächlich nicht gut genug für ihn. Ich konnte ihn nur in Schwierigkeiten bringen, weil ich mich ständig selbst in Gefahr brachte. Ich konnte ihm nicht das geben, was ich ihm vielleicht hätte geben sollen. Was er von mir erwartete. Oder waren es schlichtweg meine Gedanken, die mich verrückt machten? Ich schauderte. Und was, wenn es tatsächlich so war? Ich schüttelte den Kopf, um meine Gedanken zu vertreiben.
Ich wollte die Zeit, die ich mit ihm hatte, so gut wie möglich genießen. Es war wohl wahr, dass wir längst über die Phase des Verliebtseins hinaus waren. Aber manchmal vermisste ich genau das. Es war nicht so, dass ich nicht auch heute noch Schmetterlinge im Bauch hatte, wenn ich ihm gegenüberstand oder ein Feuerwerk in mir explodierte, wenn er mich küsste. Aber wenn man frisch verliebt ist, klebt man einfach aneinander. Man will nicht ohne den Anderen sein. Man möchte seine Luft atmen, seine Gedanken teilen. Und eine Ehe brachte gerade das Gegenteil. Man sah sich eh jeden Tag, lebte zusammen und die Kleinigkeiten wurden vernachlässigt. Ich kann mich schon gar nicht mehr wirklich daran erinnern, wann wir das letzte Mal gemeinsam außerhalb Essen waren. Oder auf den Bänken im Freien saßen und einfach nur die Sterne beobachteten und beieinander waren. Manchmal kam es mir so vor, als hätten wir uns aneinander sattgesehen. Ich spürte mein Herz unter der Brust rasen. Ich konnte es nicht leiden, wenn er weg war. Und ich nicht genau wusste, wo er war. Und wann er wieder kam. Ich drehte meine Kette in der Hand. Eine Kette, die er mir geschenkt hatte. Wohl wahr, mit Geschenken geizte er nicht. Und auch nicht mit seiner Liebe. Was war dann der Punkt, der mich gerade zum verzweifeln zwang? Ich musste nicht lange darüber nachdenken, um mir bewusst zu werden, dass ich selbst mein größter Feind war. Mein größtes Problem. Normalerweise würde ich mich nun zu ihm setzen und mit ihm reden. Abgesehen, dass er schlief, war mir mulmig zumute, wenn ich auch nur im Ansatz an das Gespräch dachte. Er würde mich niemals ernst nehmen und meine Sorgen belächeln. Er würde mir sagen, dass es purer Schwachsinn war, was sich in meinem Kopf abspielte. Und dann war alles wieder gut. Ich besah mich im Spiegel. Hüftlange, gelockte Haare. In einem dunklen Braun. Dazu die grünbraunenAugen, die mehr grün waren und nur der innere Kern ins Bräunliche überging. Blasse Haut, die vom Winter und der Kälte gezeichnet waren. Ein flacher Bauch. Ich drehte mich beiseite. Ja, durchaus. Ein flacher Bauch, obwohl ich eine Tochter auf die Welt gebracht hatte. Brüste? Ja, auch diese waren vorhanden. Mittlerweile nach der Schwangerschaft ein wenig mehr als zuvor. Aber weniger konnte es ja auch nicht werden. Meine Hüften waren breiter geworden, aber vielleicht bildete ich mir das auch nur ein. Ich seufzte abermals.
Vielleicht sollte ich doch mit ihm reden. Dass seine Nähe mir fehlte, dass ich mich gerade nicht gut fühlte und ich glaubte, nicht gut genug für ihn zu sein. Im nächsten Moment belächelte ich meinen eigenen Gedankengang jedoch. „Du bist töricht, Neliel“, und ich drehte mich um, um mich wieder anzuziehen. Ich war unzufrieden mit mir und meinem Dasein. Ich konnte nie mitreden, wenn er anfing von der Magie zu sprechen. Ich fühlte mich in seiner Anwesenheit klein. Und dumm. Ich wusste nichts über das, was ihm so wichtig war. Oder nur ganz wenig. Wie sollte eine einfach gestrickte Landwirtin auch mehr davon verstehen als das, was nötig war zu verstehen, um mit einem Magier liiert zu sein? Natürlich, ich könnte mich jetzt krampfhaft darauf konzentrieren, um all das zu lernen. Aber ohne die gewisse Gabe würde mir das so viel bringen wie ein Eimer ohne Wasser für mein Feld. Nämlich rein gar nichts. Ich hatte mich zumindest schon damit angefreundet, dass ich meinen Umgang mit Waffen tatsächlich schulen wollte. Natürlich wusste ich auch, dass Janus davon nicht begeistert war. Zum Einen konnte ich damit mein hübsches Gesicht verstümmeln, zum anderen konnte mir natürlich auch weitaus mehr passieren. Und da er mich leider kannte, wusste er auch, dass ich durchaus sehr tollpatschig war.
Ich ging ins Kinderzimmer. Das Bett von Nilaihah war leer. Ich vermisste sie sehr, aber ich wusste auch, dass ich nicht mehr lange auf sie warten musste. Ich hatte meinen Eltern längst den Brief geschrieben, dass sie Nilaihah zu mir zurückbringen sollten. Ich ging weiter ins Schlafzimmer. Janus lag schlafend auf dem Bett. Ich setzte mich neben ihn und beobachtete. Er schlief sehr ruhig und es war immer angenehm, neben ihm zu schlafen. Mir war das Glück vergonnt, dass er kein schnarchender, laut atmender Mann war. Ich strich ihm mit den Fingerspitzen eine Haarsträhne aus dem Gesicht, um dieses genauer sehen zu können. Seine feinen, aber dennoch markanten Züge machten ihn zu dem, was er war: Einzigartig. Und wunderschön. Ich liebte es, ihn einfach anzusehen. Sanft streichelte ich mit dem Daumen über seine Wange und legte mich zu ihm. Es war spät und auch ich musste irgendwann einmal schlafen. Und so schloss ich die Augen und konnte für diesen Moment seine Nähe genießen.
Zuletzt geändert von Neliel Lelyn am Freitag 18. März 2011, 20:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Neliel Lelyn
Vielleicht hätte sie einfach mal auf ihren Mann hören sollen. Aber Neliel wusste es selbstverständlich immer besser als alle anderen. Und jetzt musste sie die Strafe für ihre Unachtsamkeit tragen. Wie oft hatte er ihr gesagt, dass sie nicht so naiv sein sollte? Wie oft hatte er sie davor gewarnt, dass irgendwann jemand wissen würde, mit wem sie verheiratet war? Und ganz gleich, ob sie keinerlei Probleme mit Rahal bisher gehabt hatte, darauf würden sie keine Rücksicht mehr nehmen. Denn wer würde sich schon die Möglichkeit entgehen lassen, Janus Aethra, dem Leiter der Akademie Arcana, Schaden zuzufügen? Und es war ja bekanntlich so, dass der Schaden von geliebten Personen die größte Wunde hinterließ. Und dabei wollte sie ihm nur einen Gefallen tun und ein paar Kräuter und Reagenzien besorgen. Dieser Kerl, den sie traf, er machte auch einen sehr netten Eindruck. Niemals im Leben hätte sie damit gerechnet, dass er ihr in irgendeiner Weise weh tun würde.
Aber auch hier wurde sie eines Besseren belehrt. Natürlich hatte sie wieder aus dem Nähkästchen geplaudert, weil sie einfach nicht nachgedacht hatte. Und genau das wurde ihr zum Verhängnis. Er bot ihr Hilfe an und wollte sie zum Alchemisten führen. Aber angekommen war sie dort nie. Die Straßen waren abgelegen und keinerlei Wachposten schienen dort vorbeizukommen. Die Wege wurden enger und dunkler und Neliel bekam es mit der Angst zu tun, war Nahe dran, umzukehren. Das hätte sie vermutlich auch, hätten nicht ihre Beine versagt. Auf einmal wurden sie schwer wie Blei. Sie konnte sich nicht mehr bewegen und sackte unsanft auf den Boden. Durch ihre Schulter zog sich ein stechender Schmerz, aber dieser Schmerz war gering im Vergleich zu dem, den sie unmittelbar danach verspürte. Der Fremde zog einen Dolch aus seinem Stiefelschaft und hob sie am Kragen an, um sie gegen die Wand zu schleudern. Welche Wahl hatte sie? Sollte sie nach Hilfe rufen? Würde tatsächlich jemand helfen? Nein, sie würde es ertragen. Und hoffen, dass sie es überlebte.
Sie spürte die kalte Klinge des Dolches in ihren Rippen. Der Schmerz breitete sich in ihrem ganzen Unterleib aus und sie roch das Blut, wie es warm aus der Wunde quoll. Sie zitterte, weil ihr Körper dem Schmerz nachgab. Der Fremde sagte etwas davon, dass sie aufpassen sollte, wem sie was erzählte und dann zog er sie hinfort. Sie kannte diese Art und Weise zu reisen. Er hatte also ähnliche Fähigkeiten wie Janus. Sie wusste nicht, wohin er sie brachte.
Die Gegend kam ihr bekannt vor und sie wusste auch sehr schnell, wo sie sich tatsächlich befand. Es waren nur noch wenige Schritte bis zur Akademie. Sie wusste, Janus war heute dort gewesen. Und sie hoffte, dass er noch immer dort war. Ein Schüler Janus’ erklärte ihr jedoch, er habe die Akademie verlassen. Neliel verzweifelte innerlich. Die Wunde hatte zwar aufgehört zu bluten, aber sie hatte einiges an Blut verloren. Kaylem wollte sie zum Kloster bringen, zu einem Heiler. Aber Neliel verneinte. Sie wollte nur zu ihrem Mann, nur zu ihm. Er wusste, was zu tun war. „Vielleicht ist er zuhause...“
Berchgard war weit und Kaylem bat ihr an, wenigstens einen Trank gegen die Schmerzen zu holen. Sie nickte. Dann würde sie es sicherlich bis nach Berchgard schaffen. Im selben Moment jedoch, als er in seiner Tasche zu suchen begann, tauchte Janus auf. Er reagierte schnell, war in Windeseile bei ihr. Sie hörte nur ihren Namen, die vertraute Stimme und sie wusste, dass alles gut werden würde. Sie versuchte zu erklären, aber er verbat ihr das Sprechen. Vermutlich zurecht. Jede Anstrengung wäre zu dem Zeitpunkt zu viel für sie gewesen. Er wollte sie nur schnellstmöglich nach Hause bringen ...
Aber auch hier wurde sie eines Besseren belehrt. Natürlich hatte sie wieder aus dem Nähkästchen geplaudert, weil sie einfach nicht nachgedacht hatte. Und genau das wurde ihr zum Verhängnis. Er bot ihr Hilfe an und wollte sie zum Alchemisten führen. Aber angekommen war sie dort nie. Die Straßen waren abgelegen und keinerlei Wachposten schienen dort vorbeizukommen. Die Wege wurden enger und dunkler und Neliel bekam es mit der Angst zu tun, war Nahe dran, umzukehren. Das hätte sie vermutlich auch, hätten nicht ihre Beine versagt. Auf einmal wurden sie schwer wie Blei. Sie konnte sich nicht mehr bewegen und sackte unsanft auf den Boden. Durch ihre Schulter zog sich ein stechender Schmerz, aber dieser Schmerz war gering im Vergleich zu dem, den sie unmittelbar danach verspürte. Der Fremde zog einen Dolch aus seinem Stiefelschaft und hob sie am Kragen an, um sie gegen die Wand zu schleudern. Welche Wahl hatte sie? Sollte sie nach Hilfe rufen? Würde tatsächlich jemand helfen? Nein, sie würde es ertragen. Und hoffen, dass sie es überlebte.
Sie spürte die kalte Klinge des Dolches in ihren Rippen. Der Schmerz breitete sich in ihrem ganzen Unterleib aus und sie roch das Blut, wie es warm aus der Wunde quoll. Sie zitterte, weil ihr Körper dem Schmerz nachgab. Der Fremde sagte etwas davon, dass sie aufpassen sollte, wem sie was erzählte und dann zog er sie hinfort. Sie kannte diese Art und Weise zu reisen. Er hatte also ähnliche Fähigkeiten wie Janus. Sie wusste nicht, wohin er sie brachte.
Die Gegend kam ihr bekannt vor und sie wusste auch sehr schnell, wo sie sich tatsächlich befand. Es waren nur noch wenige Schritte bis zur Akademie. Sie wusste, Janus war heute dort gewesen. Und sie hoffte, dass er noch immer dort war. Ein Schüler Janus’ erklärte ihr jedoch, er habe die Akademie verlassen. Neliel verzweifelte innerlich. Die Wunde hatte zwar aufgehört zu bluten, aber sie hatte einiges an Blut verloren. Kaylem wollte sie zum Kloster bringen, zu einem Heiler. Aber Neliel verneinte. Sie wollte nur zu ihrem Mann, nur zu ihm. Er wusste, was zu tun war. „Vielleicht ist er zuhause...“
Berchgard war weit und Kaylem bat ihr an, wenigstens einen Trank gegen die Schmerzen zu holen. Sie nickte. Dann würde sie es sicherlich bis nach Berchgard schaffen. Im selben Moment jedoch, als er in seiner Tasche zu suchen begann, tauchte Janus auf. Er reagierte schnell, war in Windeseile bei ihr. Sie hörte nur ihren Namen, die vertraute Stimme und sie wusste, dass alles gut werden würde. Sie versuchte zu erklären, aber er verbat ihr das Sprechen. Vermutlich zurecht. Jede Anstrengung wäre zu dem Zeitpunkt zu viel für sie gewesen. Er wollte sie nur schnellstmöglich nach Hause bringen ...
Zuletzt geändert von Neliel Lelyn am Freitag 1. April 2011, 12:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Neliel Lelyn
Über zwanzig Stunden hatte sie geschlafen. Die Flüssigkeit, die Janus ihr eingeflöst hatte, ließ sie müde werden und so sehnte sie sich nach sehr viel Schlaf. Als sie wach wurde spürte sie das Brennen der Wunde an ihrem Bauch. Es fühlte sich komisch an, wenn man so hilflos war.
Sie wusste in etwa, was auf sie zukommen würde. Sie sah die vorwurfsvollen Blicke vor sich und sie hatte bis jetzt keine Ahnung, wie sie ihre Dummheit hätte entschuldigen sollen. Sie hatte den Bogen überspannt und sie hatte dazugelernt. Sie musste. Gerade hatte sie sich die Hände und das Gesicht gewaschen, als Janus nach Hause kam. Sie hatte nicht von ihm erwartet, dass er überhaupt wiederkam. "Du sollst doch nicht aufstehen..", entgegnete er, als er sie stehend antraf. Sie wäre gern weiterhin im Bett liegen geblieben, hätte nicht langsam ihr Rücken angefangen zu schmerzen. So gingen sie auf den Balkon, damit sie wenigstens ein wenig Bewegung bekam.
Nachdem er sie gefragt hatte, was passiert war und wie der Fremde in Rahal an die Information gelangen konnte und Neliel ihm alles erzählt hatte, dass es nur ihre Schuld war, durfte sie wieder zu Bett gehen. Sie wusste im Moment nicht, was schlimmer für sie war. Der ziehende Schmerz, der ihr durch ihre Wunde zugefügt wurde. Oder der Kummer ihres Herzens, weil genau das eingetreten war, wovor sie immer Angst hatte: Distanz zwischen Janus und ihr.
Sie presste die Lippen aufeinander und drehte sich nach dem Kuss auf die Stirn herum, um zu schlafen. Sie würde das nie wieder gutmachen können.. und im Moment wünschte sie sich einfach nur, dass sie gar nicht wieder aufwachen würde. Denn Janus zu verlieren, das wäre das Schlimmste, was ihr hätte passieren können. Und das nur durch ihre eigene Naivität. Sie würde diese Kälte nicht überstehen.
[img]http://4.bp.blogspot.com/_GKC3JsrsDmw/TPtY3X7Ri0I/AAAAAAAAAk0/7PXSuybNV_I/s1600/Tear.jpg[/img]
Als das leise Schluchzen langsam versiegte und auch die letzten Tränen auf ihrem Gesicht getrocknet waren, schlief auch Neliel langsam ein. Sie lag noch mehrere Stunden nach dem Fortgang Janus' wach, bis sie von der Müdigkeit und Kraftlosigkeit ihres Körpers übermannt wurde.
Sie wusste in etwa, was auf sie zukommen würde. Sie sah die vorwurfsvollen Blicke vor sich und sie hatte bis jetzt keine Ahnung, wie sie ihre Dummheit hätte entschuldigen sollen. Sie hatte den Bogen überspannt und sie hatte dazugelernt. Sie musste. Gerade hatte sie sich die Hände und das Gesicht gewaschen, als Janus nach Hause kam. Sie hatte nicht von ihm erwartet, dass er überhaupt wiederkam. "Du sollst doch nicht aufstehen..", entgegnete er, als er sie stehend antraf. Sie wäre gern weiterhin im Bett liegen geblieben, hätte nicht langsam ihr Rücken angefangen zu schmerzen. So gingen sie auf den Balkon, damit sie wenigstens ein wenig Bewegung bekam.
Nachdem er sie gefragt hatte, was passiert war und wie der Fremde in Rahal an die Information gelangen konnte und Neliel ihm alles erzählt hatte, dass es nur ihre Schuld war, durfte sie wieder zu Bett gehen. Sie wusste im Moment nicht, was schlimmer für sie war. Der ziehende Schmerz, der ihr durch ihre Wunde zugefügt wurde. Oder der Kummer ihres Herzens, weil genau das eingetreten war, wovor sie immer Angst hatte: Distanz zwischen Janus und ihr.
Sie presste die Lippen aufeinander und drehte sich nach dem Kuss auf die Stirn herum, um zu schlafen. Sie würde das nie wieder gutmachen können.. und im Moment wünschte sie sich einfach nur, dass sie gar nicht wieder aufwachen würde. Denn Janus zu verlieren, das wäre das Schlimmste, was ihr hätte passieren können. Und das nur durch ihre eigene Naivität. Sie würde diese Kälte nicht überstehen.
[img]http://4.bp.blogspot.com/_GKC3JsrsDmw/TPtY3X7Ri0I/AAAAAAAAAk0/7PXSuybNV_I/s1600/Tear.jpg[/img]
Als das leise Schluchzen langsam versiegte und auch die letzten Tränen auf ihrem Gesicht getrocknet waren, schlief auch Neliel langsam ein. Sie lag noch mehrere Stunden nach dem Fortgang Janus' wach, bis sie von der Müdigkeit und Kraftlosigkeit ihres Körpers übermannt wurde.
Zuletzt geändert von Neliel Lelyn am Freitag 1. April 2011, 12:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Neliel Lelyn
Die Nacht verlief unruhig und sie wurde immer wieder wach. Ihre Wunde sowie ihre Gedanken ließen sie immer wieder aus dem Schlaf schrecken. Dass sie wieder einschlafen konnte, lag letztendlich nur daran, dass Janus doch noch zu ihr ins Bett gefunden hatte. Sie hatte ihn des Nachts lange betrachtet, wie er da lag und schlief. Nicht einmal der Schlaf und das Reich der Träume konnten ihn entspannen lassen. Seine Züge waren auch in diesem Moment angespannt und voller Sorge. Sorge, die sie ihm regelmäßig bereitete. Nur, weil sie einfach nicht hören wollte. Sie strich ihm eine der Haarsträhnen aus dem Gesicht und berührte mit den Fingerspitzen sanft seine Wange. Sie konnte es nicht einschätzen, ob er wirklich schlief oder ob er nur keine Lust hatte, sich weiter mit ihr zu unterhalten und sich schlafend stellte. Sein regelmäßiger Atem deutete jedoch auf Ersteres hin. Seufzend drehte sie sich wieder auf den Rücken und sah zur Decke. Hatte sie es nun tatsächlich geschafft, all ihr Glück zu zerstören, welches sie sich aufgebaut hatte? Und spielte sie jetzt tatsächlich mit dem Gedanken, vor all dem wegzulaufen? Sie kannte sich selbst gut genug. Früher hätte sie all ihre Sachen gepackt und wäre fortgegangen. Weil sie die Angst und Ungewissheit nicht ausgehalten hätte, etwas vielleicht verlieren zu können. Dann hatte sie lieber gleich die Gewissheit. Aber jetzt? Jetzt hing so viel mehr dran. Würde sie jetzt gehen, würde es vermutlich kein zurück mehr geben. Sie schloss die Augen und versuchte, noch ein wenig Schlaf zu finden.
Als sie wach wurde, war das Bett neben ihr leer. Wieder ein Moment, bei dem sie nicht abschätzen konnte, was schmerzhafter war. Dass er nicht hier war oder das die Wunde tatsächlich noch immer schmerzte, auch wenn sie verheilte. Die nackten Füße schlichen sich über das knarrende Holz und trugen sie zuerst ins Badezimmer. Dort konnte sie ihren Verband wechseln und die Wunde waschen. Auch, wenn das Reinigen der Wunde erneut weh tat, ihre Gedanken hingen bei ihrer Familie. Nilaihah würde vermutlich längst wieder im Garten herumsaußen und sobald sie sehen würde, dass Neliel wach war, würden die Fragen wieder losgehen. Sie hasste es, ihrer Tochter einen Wunsch abzuschlagen. Aber derzeit musste es wohl so sein. Sie presste die Lippen aufeinander und stand wieder auf, um den Flur entlang zu laufen. Schnell war sie nicht, aber mit Geduld und Spucke kam auch sie an ihr Ziel. Durch die Vorhänge hindurch blickte sie über den Garten. Ein trauriges Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als sie sowohl Mann und Tochter im Garten sah. Wie gerne würde sie nun zu beiden hinausgehen? Aber sie wusste, dass es die ausgelassene Laune ihres Mannes nur dämpfen würde. Und so ließ sie beide weiterspielen und beobachtete sie, lauschte, hörte das Kinderlachen. Es fühlte sich für Neliel an, als wäre sie gerade nicht in dieser Welt. Sie zerstörte sich selbst durch all ihre Zweifel, durch die Situation, die sie umgab. So hatte sie sich noch nie gefühlt. Sie war stets voller Lebensfreude und Elan. Aber der wurde ihr vermutlich mit herausgeschnitten. Sie spürte Trauer, tiefe Trauer und Traurigkeit. Ihre Welt war in diesem Moment nicht mehr die bunte „Nelielwelt“, in der alles gut war. Ihre Welt lag in Trümmern. Und sie selbst hatte ihre eigene, glückliche Welt zerstört.
Sie ging hinaus auf den Balkon, um wenigstens ein wenig der Frühlingssonne zu erwischen. Regenwetter wäre ihr bei diesem Gemütszustand deutlich lieber gewesen. Aber dann hätte sie sich direkt mit Janus auseinandersetzen müssen und das wollte sie nicht. Nicht jetzt. Denn es tat ihr so sehr weh, wie kalt er zu ihr war. Sie hatte die Hoffnung, dass es seine Art war, damit umzugehen, dass er sie beinahe hätte verlieren können. Aber vielmehr war es die Angst, dass er für immer so bleiben würde, weil sie einen fatalen Fehler gemacht hatte. Sie riss eine Seite aus dem Buch und versuchte, ihre Worte an ihn in Worte zu fassen. Sie versuchte, eine ehrliche Entschuldigung auf das Papier zu bringen, versuchte, ihre Reue in Worte zu fassen. Wieder und wieder riss sie eine Seite aus dem Buch und begann von vorn. Aber ihr fehlten die Worte für ihre Dummheit. Immer wieder blickte sie aus der Hängematte heraus zu den Beiden. Es war, als würde sie selbst neben sich stehen, sie konnte bei dem Bild ihrer glücklichen Familie nicht lächeln. Für sie war es derzeit die größte Lüge überhaupt, denn glücklich fühlte sich anders an. Sie wusste nicht einmal, ob er bemerkt hatte, dass sie auf dem Balkon saß. Wahrscheinlich hatte er selbst ihre Strukturen ausgeblendet, nur, um keine schlechte Laune zu kriegen. Sie starrte noch eine Weile zu beiden, um dann einen erneuten Versuch zu wagen, der abermals zum scheitern verurteilt war. Seufztend legte sie das zerfledderte Buch beiseite und stand wieder auf, um ins Haus zu gehen. Am Fenster blieb sie nochmal kurz stehen und sah nochmal zu Janus. Er sah mitgenommen aus und trotz des Lächelns auf seinen Zügen, des Lachens mit Nilaihah stimmte etwas nicht. „Ich liebe dich mehr als alles auf der Welt...“, flüsterte sie und presste die Lippen aufeinander, während stumme Tränen über ihre Wangen rollten. Sie hatte versagt. Und alles zerstört.
Als sie wach wurde, war das Bett neben ihr leer. Wieder ein Moment, bei dem sie nicht abschätzen konnte, was schmerzhafter war. Dass er nicht hier war oder das die Wunde tatsächlich noch immer schmerzte, auch wenn sie verheilte. Die nackten Füße schlichen sich über das knarrende Holz und trugen sie zuerst ins Badezimmer. Dort konnte sie ihren Verband wechseln und die Wunde waschen. Auch, wenn das Reinigen der Wunde erneut weh tat, ihre Gedanken hingen bei ihrer Familie. Nilaihah würde vermutlich längst wieder im Garten herumsaußen und sobald sie sehen würde, dass Neliel wach war, würden die Fragen wieder losgehen. Sie hasste es, ihrer Tochter einen Wunsch abzuschlagen. Aber derzeit musste es wohl so sein. Sie presste die Lippen aufeinander und stand wieder auf, um den Flur entlang zu laufen. Schnell war sie nicht, aber mit Geduld und Spucke kam auch sie an ihr Ziel. Durch die Vorhänge hindurch blickte sie über den Garten. Ein trauriges Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als sie sowohl Mann und Tochter im Garten sah. Wie gerne würde sie nun zu beiden hinausgehen? Aber sie wusste, dass es die ausgelassene Laune ihres Mannes nur dämpfen würde. Und so ließ sie beide weiterspielen und beobachtete sie, lauschte, hörte das Kinderlachen. Es fühlte sich für Neliel an, als wäre sie gerade nicht in dieser Welt. Sie zerstörte sich selbst durch all ihre Zweifel, durch die Situation, die sie umgab. So hatte sie sich noch nie gefühlt. Sie war stets voller Lebensfreude und Elan. Aber der wurde ihr vermutlich mit herausgeschnitten. Sie spürte Trauer, tiefe Trauer und Traurigkeit. Ihre Welt war in diesem Moment nicht mehr die bunte „Nelielwelt“, in der alles gut war. Ihre Welt lag in Trümmern. Und sie selbst hatte ihre eigene, glückliche Welt zerstört.
Sie ging hinaus auf den Balkon, um wenigstens ein wenig der Frühlingssonne zu erwischen. Regenwetter wäre ihr bei diesem Gemütszustand deutlich lieber gewesen. Aber dann hätte sie sich direkt mit Janus auseinandersetzen müssen und das wollte sie nicht. Nicht jetzt. Denn es tat ihr so sehr weh, wie kalt er zu ihr war. Sie hatte die Hoffnung, dass es seine Art war, damit umzugehen, dass er sie beinahe hätte verlieren können. Aber vielmehr war es die Angst, dass er für immer so bleiben würde, weil sie einen fatalen Fehler gemacht hatte. Sie riss eine Seite aus dem Buch und versuchte, ihre Worte an ihn in Worte zu fassen. Sie versuchte, eine ehrliche Entschuldigung auf das Papier zu bringen, versuchte, ihre Reue in Worte zu fassen. Wieder und wieder riss sie eine Seite aus dem Buch und begann von vorn. Aber ihr fehlten die Worte für ihre Dummheit. Immer wieder blickte sie aus der Hängematte heraus zu den Beiden. Es war, als würde sie selbst neben sich stehen, sie konnte bei dem Bild ihrer glücklichen Familie nicht lächeln. Für sie war es derzeit die größte Lüge überhaupt, denn glücklich fühlte sich anders an. Sie wusste nicht einmal, ob er bemerkt hatte, dass sie auf dem Balkon saß. Wahrscheinlich hatte er selbst ihre Strukturen ausgeblendet, nur, um keine schlechte Laune zu kriegen. Sie starrte noch eine Weile zu beiden, um dann einen erneuten Versuch zu wagen, der abermals zum scheitern verurteilt war. Seufztend legte sie das zerfledderte Buch beiseite und stand wieder auf, um ins Haus zu gehen. Am Fenster blieb sie nochmal kurz stehen und sah nochmal zu Janus. Er sah mitgenommen aus und trotz des Lächelns auf seinen Zügen, des Lachens mit Nilaihah stimmte etwas nicht. „Ich liebe dich mehr als alles auf der Welt...“, flüsterte sie und presste die Lippen aufeinander, während stumme Tränen über ihre Wangen rollten. Sie hatte versagt. Und alles zerstört.
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Neliel Lelyn
[img]http://www7.pic-upload.de/02.04.11/hler16urkpjt.jpg[/img]
Wenn man sich das Treiben des Frühlings betrachtete, so sah man die Vögel, die sich im Horizont erstreckten, ihre Kreise ziehen und sich auf den blühenden Baumkronen niederließen, um die ersten Sonnenstrahlen zu genießen. Die Tiere hatten den Weg zurück in den Wald gefunden und ließen die Welt wieder in ihrem Zauber erblühen. Der Duft von frischem Rasen, herangereiften Früchten und sommerlichen Sonnenstrahlen verteilte sich in der Luft und lockte nicht nur die Tiere aus ihren Verstecken. Auch die Menschen zeigten sich wieder mehr in der freien Natur. Der Frühling hatte sie alle mit seiner Rückkehr in den Bann gezogen. Und genauso war es auch mit der Liebe. Sie erblühte und selbst, wenn es Zeiten gab, in denen der Sturm drohte alles zu zerstören, war sie dann fest und tiefgehend genug, wenn auch dieses Unwetter gemeinsam überstanden wurde.
Neliel hatte diese Nacht gut geschlafen. Im Vergleich zur letzten Nacht sogar nahezu perfekt. Manchmal war es nahezu ein Vergnügen, sich zuerst ein wenig zu streiten, um sich dann ausgiebig zu versöhnen. Und das am besten über mehrere Stunden hinweg. Allein für diese Gedanken zuckten ihre Mundwinkel empor, als sie vor dem Spiegel stand und ihre Haare bändigte. Im Vergleich zum gestrigen Morgen sah sie heute aus wie das blühende Leben. Und so fühlte sie sich auch. Sie war beflügelt, belebt und tatsächlich wieder glücklich. Angefangen damit, dass sie sich mit Janus ausgesprochen hatte und er ihr mehr als nur einmal gesagt hatte, dass er sie von ganzem Herzen liebte und es nichts gab, was sie trennen würde, ging der Abend einfach nur schön weiter. Die Schmerzen drängten sich in den Hintergrund und die Nähe zu ihm war so ausfüllend und befriedigend, dass sie sich leise Tränen in seinen Armen einfach nicht verkneifen konnte. Aber mit einem sanften Kuss, noch sanfteren Worten und einem herzergreifenden Lächeln waren alle ihre Sorgen wie fortgeblasen. Manchmal musste eine gewisse Härte sein, damit man aus seinen Fehlern lernt. Es war kein Zeichen von verblassender Liebe, auch kein Anflug von irgendwelcher Distanz. Es war einzig und allein zu ihrem Schutz und zu seinem. Sie verstand, dass es auch ihm Schmerzen bereitet hatte, alleine wieder die Angst verspüren zu müssen, dass der Mensch, den er in seinem Leben am meisten liebte, nur ganz knapp dem Tod entkommen war. Er schaffte es, sie mit seinen Worten zu beruhigen und sie damit wieder glücklich zu machen.
Aber nicht nur das: Nicht nur einmal hatte sie den Gedanken daran gehegt, dass sie auch in der Öffentlichkeit vermehrt als Ehepaar auftraten. Natürlich hatte sie Verständnis dafür gehabt, dass er es nicht jedem auf die Nase binden wollte. Aber es machte eine Frau einfach glücklich, wenn der Mann an ihrer Seite zu ihr stand und seine Begleitung auch als seine Frau vorstellte. Sie übte sich in Geduld und auch, wenn es mehr ein Zufall war, dass sie inmitten einem guten halben Dutzend Magiern stand, war sie glücklich über den Zustand, dass er sie mitgenommen hatte und auf das Gelände der Akademie einlud. Der eigentliche Plan war ein Einfacher gewesen: Sie wollte Kaylem zum Dank einen Korb gefüllt mit frischen Früchten, Säften, Wein und Kuchen überreichen. Das Kennenlernen weiterer Anhänger der Arcana kam in dem Plan beider nicht vor. Und sie war anfangs tatsächlich überfordert mit der Person. Es war eine Weile her, als sie zuletzt unter so vielen Menschen war. Die junge Magierin, Sophie, wenn sie sich recht erinnerte, machte einen recht schüchternen und nervösen Eindruck. Erst recht, nachdem Janus seine strengen Worte an sie gerichtet hatte. Einer der drei männlichen Anwesenden schien sich Neliel genauer zu betrachten, selbst, nachdem sie von Janus als seine Frau vorgestellt wurde. Der weitere Anwesende neben Kaylem schien ein neuer Schüler gewesen zu sein. Neliel konnte sich kein wirkliches Bild über ihn machen. Er wirkte wissbegierig, aber schien sich seiner neuen Aufgabe noch nicht wirklich gewachsen. Und Kaylem? Mit ihm sprach Neliel etwas länger. Immerhin hatte sie es ihm zu verdanken, dass sie überhaupt noch hier stand. Wäre er nicht gewesen, hätte die Wunde sie vermutlich irgendwo dahingerafft. Und er schien tatsächlich nett zu sein und im Vergleich zum Rest trug er ein Lächeln auf den Lippen. Das allein machte ihn sympathisch. Sie fühlte sich irgendwie wohl hier, jedoch wusste sie auch, woran das lag. Ein kurzer Blick zu Janus bestätigte ihr Gefühl und sie atmete tief durch. Die Last, die von ihrer Schulter gefallen war, war riesig.
Jeden Tag sah aus dem Fenster, jedes Jahr nur das gleiche Bild.
All die Zeit wusste ich es nicht, wie blind ich immer war.
Jetzt und hier funkeln all die Sterne, jetzt und hier fang ich an zu sehen.
Es ist wahr nun wird mir klar, hier fühl ich mich zu Haus
Aus dem kurzen Aufenthalt wurde also ein längerer. Von der Rüge gegenüber Sophie bis hin zum ersten Kennenlernen von Janus und Yaral über die Fragen, die die Schüler stellten und einen kleinen Ausflug in die Welt der Sigillenmagie – es war alles mit dabei. Man hätte vermutlich glauben können, dass Neliel sich währenddessen furchtbar gelangweilt hätte. Aber es war ganz gegenteilig. Sie versuchte seinen Worten zu folgen und zumindest die Theorie darüber zu verstehen. Dass es Runen gab, die verschiedene Formen hatten und auf verschiedene Art und Weisen wirkten. Dass sie den Körper schützen konnten, wenn sie, wie in Janus' Fall, auf der Robe eingezeichnet waren. An und für sich klang die Materie gar nicht so schwer, aber es war auch nur ein geringer Teil von dem, was ihren Mann wirklich umgab. Würde sie ein Résumé über den Abend ziehen, so würde darin sicherlich die Wörter: Zusammenhalt, Zugehörigkeit und Zuversicht fallen. Selbstverständlich nur neben all den weiteren liebevollen Worten, die sie unentwegt für ihren Mann übrig hatte. Nach den Gesprächen zogen sie sich langsam zurück und gingen nach Hause. Neliel selbst war überrascht darüber, dass er gegenüber seinen Schülern so anders war. Er war eine Respektperson (nicht, dass sie ihn nicht auch respektieren würde) und die Schüler waren größtenteils ehrfürchtig. Die Strenge hatte sie selbst nur einmal erfahren und das auf einer anderen Art und Weise. Aber wenn sie ehrlich war, sie war begeistert davon. Denn so war schonmal sicher, dass es keine weitere Frau wagen würde, sich ihm an den Hals zu werfen. Nicht, dass er auch nur im Ansatz daran dachte, darauf einzugehen, aber sicher ist sicher.
Und wenn man bedachte, dass Janus, bevor er Neliel kannte, selbst schon liiert war und für Neliel alles hinter sich gelassen hatte, um sein Leben mit ihr neu zu beginnen, so könnte man doch meinen, dass er das wieder tun könnte. Er könnte wieder einen neuen Lebensabschnitt beginnen, in dem sie keine Rolle mehr spielte. Also, was unterschied sein Leben mit Neliel mit seinem vorherigen Leben? Da war zum einen die Hochzeit, zum anderen das gemeinsame, wunderschöne und liebevolle kleine Mädchen, dass aus ihrer Liebe entstanden war – ihre Tochter Nilaihah. Und neben all dem war natürlich diese ungewöhnliche, unbändige und beständige Liebe zueinander, die zwei Paare verspürten, die von Anfang an füreinander bestimmt waren. Und allein das waren die Gründe, weswegen Janus und Neliel ihre Wege nicht und nie mehr einzeln beschreiten würden. Denn Liebende, die sich aus tiefsten Herzen liebten, gehörten zusammen. Ganz gleich, was vorher war. Die Vergangenheit hatte keine Bedeutung mehr, wenn die Gegenwart das Schönste war, was hatte passieren können.
Endlich sehe ich das Licht und die Schatten ziehn vorüber.
Endlich sehe ich das Licht und die Dunkelheit vergeht.
Es ist warm und traumhaft schön und die Welt hat sich verändert.
Tief in mir, kenn ich die Bedeutung und was ich seh bist du.
Es war keine Zeit mehr, um nur noch an sich zu denken. Keine Zeit mehr, um Egoismus walten zu lassen und es bestand kein Grund mehr, zu zweifeln.
Neliel lächelte, als sie neben ihm ins Laken sank. Ihre Haut brannte von seinen Fingerspitzen, den Berührungen, den Küssen. Man sollte meinen, nach der Hochzeit war es vorbei mit der Leidenschaft. Darüber konnte Neliel nur lächeln. Wohl wahr, sie hatte sich den besten Mann an Land gezogen. Und sie wusste nicht einmal mehr wie. Es war einfach so passiert. Aber manchmal war es eben wirklich so, dass die beiden Menschen, die tatsächlich zusammen gehörten und so lange herumgeirrt waren, durch das Schicksal zusammenfanden.
Jeden Tag war ich nur für mich da, jedes Jahr lief ich nur im Kreis
All die Zeit war die Welt ein Spielplatz, für das Kind in mir
Er ist hier strahlend wie die Sterne.
Er ist hier und die Zeit bleibt stehn.
Es ist wahr nun wird mir klar, hier fühl ich mich zu Haus.
[aus Disneys Rapunzel]
Wenn man sich das Treiben des Frühlings betrachtete, so sah man die Vögel, die sich im Horizont erstreckten, ihre Kreise ziehen und sich auf den blühenden Baumkronen niederließen, um die ersten Sonnenstrahlen zu genießen. Die Tiere hatten den Weg zurück in den Wald gefunden und ließen die Welt wieder in ihrem Zauber erblühen. Der Duft von frischem Rasen, herangereiften Früchten und sommerlichen Sonnenstrahlen verteilte sich in der Luft und lockte nicht nur die Tiere aus ihren Verstecken. Auch die Menschen zeigten sich wieder mehr in der freien Natur. Der Frühling hatte sie alle mit seiner Rückkehr in den Bann gezogen. Und genauso war es auch mit der Liebe. Sie erblühte und selbst, wenn es Zeiten gab, in denen der Sturm drohte alles zu zerstören, war sie dann fest und tiefgehend genug, wenn auch dieses Unwetter gemeinsam überstanden wurde.
Neliel hatte diese Nacht gut geschlafen. Im Vergleich zur letzten Nacht sogar nahezu perfekt. Manchmal war es nahezu ein Vergnügen, sich zuerst ein wenig zu streiten, um sich dann ausgiebig zu versöhnen. Und das am besten über mehrere Stunden hinweg. Allein für diese Gedanken zuckten ihre Mundwinkel empor, als sie vor dem Spiegel stand und ihre Haare bändigte. Im Vergleich zum gestrigen Morgen sah sie heute aus wie das blühende Leben. Und so fühlte sie sich auch. Sie war beflügelt, belebt und tatsächlich wieder glücklich. Angefangen damit, dass sie sich mit Janus ausgesprochen hatte und er ihr mehr als nur einmal gesagt hatte, dass er sie von ganzem Herzen liebte und es nichts gab, was sie trennen würde, ging der Abend einfach nur schön weiter. Die Schmerzen drängten sich in den Hintergrund und die Nähe zu ihm war so ausfüllend und befriedigend, dass sie sich leise Tränen in seinen Armen einfach nicht verkneifen konnte. Aber mit einem sanften Kuss, noch sanfteren Worten und einem herzergreifenden Lächeln waren alle ihre Sorgen wie fortgeblasen. Manchmal musste eine gewisse Härte sein, damit man aus seinen Fehlern lernt. Es war kein Zeichen von verblassender Liebe, auch kein Anflug von irgendwelcher Distanz. Es war einzig und allein zu ihrem Schutz und zu seinem. Sie verstand, dass es auch ihm Schmerzen bereitet hatte, alleine wieder die Angst verspüren zu müssen, dass der Mensch, den er in seinem Leben am meisten liebte, nur ganz knapp dem Tod entkommen war. Er schaffte es, sie mit seinen Worten zu beruhigen und sie damit wieder glücklich zu machen.
Aber nicht nur das: Nicht nur einmal hatte sie den Gedanken daran gehegt, dass sie auch in der Öffentlichkeit vermehrt als Ehepaar auftraten. Natürlich hatte sie Verständnis dafür gehabt, dass er es nicht jedem auf die Nase binden wollte. Aber es machte eine Frau einfach glücklich, wenn der Mann an ihrer Seite zu ihr stand und seine Begleitung auch als seine Frau vorstellte. Sie übte sich in Geduld und auch, wenn es mehr ein Zufall war, dass sie inmitten einem guten halben Dutzend Magiern stand, war sie glücklich über den Zustand, dass er sie mitgenommen hatte und auf das Gelände der Akademie einlud. Der eigentliche Plan war ein Einfacher gewesen: Sie wollte Kaylem zum Dank einen Korb gefüllt mit frischen Früchten, Säften, Wein und Kuchen überreichen. Das Kennenlernen weiterer Anhänger der Arcana kam in dem Plan beider nicht vor. Und sie war anfangs tatsächlich überfordert mit der Person. Es war eine Weile her, als sie zuletzt unter so vielen Menschen war. Die junge Magierin, Sophie, wenn sie sich recht erinnerte, machte einen recht schüchternen und nervösen Eindruck. Erst recht, nachdem Janus seine strengen Worte an sie gerichtet hatte. Einer der drei männlichen Anwesenden schien sich Neliel genauer zu betrachten, selbst, nachdem sie von Janus als seine Frau vorgestellt wurde. Der weitere Anwesende neben Kaylem schien ein neuer Schüler gewesen zu sein. Neliel konnte sich kein wirkliches Bild über ihn machen. Er wirkte wissbegierig, aber schien sich seiner neuen Aufgabe noch nicht wirklich gewachsen. Und Kaylem? Mit ihm sprach Neliel etwas länger. Immerhin hatte sie es ihm zu verdanken, dass sie überhaupt noch hier stand. Wäre er nicht gewesen, hätte die Wunde sie vermutlich irgendwo dahingerafft. Und er schien tatsächlich nett zu sein und im Vergleich zum Rest trug er ein Lächeln auf den Lippen. Das allein machte ihn sympathisch. Sie fühlte sich irgendwie wohl hier, jedoch wusste sie auch, woran das lag. Ein kurzer Blick zu Janus bestätigte ihr Gefühl und sie atmete tief durch. Die Last, die von ihrer Schulter gefallen war, war riesig.
Jeden Tag sah aus dem Fenster, jedes Jahr nur das gleiche Bild.
All die Zeit wusste ich es nicht, wie blind ich immer war.
Jetzt und hier funkeln all die Sterne, jetzt und hier fang ich an zu sehen.
Es ist wahr nun wird mir klar, hier fühl ich mich zu Haus
Aus dem kurzen Aufenthalt wurde also ein längerer. Von der Rüge gegenüber Sophie bis hin zum ersten Kennenlernen von Janus und Yaral über die Fragen, die die Schüler stellten und einen kleinen Ausflug in die Welt der Sigillenmagie – es war alles mit dabei. Man hätte vermutlich glauben können, dass Neliel sich währenddessen furchtbar gelangweilt hätte. Aber es war ganz gegenteilig. Sie versuchte seinen Worten zu folgen und zumindest die Theorie darüber zu verstehen. Dass es Runen gab, die verschiedene Formen hatten und auf verschiedene Art und Weisen wirkten. Dass sie den Körper schützen konnten, wenn sie, wie in Janus' Fall, auf der Robe eingezeichnet waren. An und für sich klang die Materie gar nicht so schwer, aber es war auch nur ein geringer Teil von dem, was ihren Mann wirklich umgab. Würde sie ein Résumé über den Abend ziehen, so würde darin sicherlich die Wörter: Zusammenhalt, Zugehörigkeit und Zuversicht fallen. Selbstverständlich nur neben all den weiteren liebevollen Worten, die sie unentwegt für ihren Mann übrig hatte. Nach den Gesprächen zogen sie sich langsam zurück und gingen nach Hause. Neliel selbst war überrascht darüber, dass er gegenüber seinen Schülern so anders war. Er war eine Respektperson (nicht, dass sie ihn nicht auch respektieren würde) und die Schüler waren größtenteils ehrfürchtig. Die Strenge hatte sie selbst nur einmal erfahren und das auf einer anderen Art und Weise. Aber wenn sie ehrlich war, sie war begeistert davon. Denn so war schonmal sicher, dass es keine weitere Frau wagen würde, sich ihm an den Hals zu werfen. Nicht, dass er auch nur im Ansatz daran dachte, darauf einzugehen, aber sicher ist sicher.
Und wenn man bedachte, dass Janus, bevor er Neliel kannte, selbst schon liiert war und für Neliel alles hinter sich gelassen hatte, um sein Leben mit ihr neu zu beginnen, so könnte man doch meinen, dass er das wieder tun könnte. Er könnte wieder einen neuen Lebensabschnitt beginnen, in dem sie keine Rolle mehr spielte. Also, was unterschied sein Leben mit Neliel mit seinem vorherigen Leben? Da war zum einen die Hochzeit, zum anderen das gemeinsame, wunderschöne und liebevolle kleine Mädchen, dass aus ihrer Liebe entstanden war – ihre Tochter Nilaihah. Und neben all dem war natürlich diese ungewöhnliche, unbändige und beständige Liebe zueinander, die zwei Paare verspürten, die von Anfang an füreinander bestimmt waren. Und allein das waren die Gründe, weswegen Janus und Neliel ihre Wege nicht und nie mehr einzeln beschreiten würden. Denn Liebende, die sich aus tiefsten Herzen liebten, gehörten zusammen. Ganz gleich, was vorher war. Die Vergangenheit hatte keine Bedeutung mehr, wenn die Gegenwart das Schönste war, was hatte passieren können.
Endlich sehe ich das Licht und die Schatten ziehn vorüber.
Endlich sehe ich das Licht und die Dunkelheit vergeht.
Es ist warm und traumhaft schön und die Welt hat sich verändert.
Tief in mir, kenn ich die Bedeutung und was ich seh bist du.
Es war keine Zeit mehr, um nur noch an sich zu denken. Keine Zeit mehr, um Egoismus walten zu lassen und es bestand kein Grund mehr, zu zweifeln.
Neliel lächelte, als sie neben ihm ins Laken sank. Ihre Haut brannte von seinen Fingerspitzen, den Berührungen, den Küssen. Man sollte meinen, nach der Hochzeit war es vorbei mit der Leidenschaft. Darüber konnte Neliel nur lächeln. Wohl wahr, sie hatte sich den besten Mann an Land gezogen. Und sie wusste nicht einmal mehr wie. Es war einfach so passiert. Aber manchmal war es eben wirklich so, dass die beiden Menschen, die tatsächlich zusammen gehörten und so lange herumgeirrt waren, durch das Schicksal zusammenfanden.
Jeden Tag war ich nur für mich da, jedes Jahr lief ich nur im Kreis
All die Zeit war die Welt ein Spielplatz, für das Kind in mir
Er ist hier strahlend wie die Sterne.
Er ist hier und die Zeit bleibt stehn.
Es ist wahr nun wird mir klar, hier fühl ich mich zu Haus.
[aus Disneys Rapunzel]
Zuletzt geändert von Neliel Lelyn am Samstag 2. April 2011, 21:03, insgesamt 2-mal geändert.
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Neliel Lelyn
Zerreißprobe
Sie stapfte wütend durch die kühle Nacht. Was glaubte er eigentlich, wer er war? Ihr Mustang trottete hinter ihr her, während sie leise schimpfend mit Tränen auf den Wangen weiterlief. Glaubte er wirklich, er würde genau damit weiterkommen? Er hatte ihr von seinem Vorhaben erzählt, auch, dass es eine gewisse Gefahr für alle Beteiligten erforderte. Und er setzte seine Gesundheit, sein Leben und seine Familie also lieber aufs Spiel, als sich einmal herauszuhalten?
Er selbst hatte doch noch gepredigt, dass sie jetzt nicht mehr leichtsinnig sein dürfte. Denn sie hatte Familie. Einen Mann und ein Kind, die ohne Frau und Mutter recht verloren wären. Und er? Hatte er tatsächlich weiterhin absolute Narrenfreiheit? Sie akzeptierte, dass er die Leitung der Arcana wieder übernommen hatte. Sie akzeptierte, dass er sich in den Kampf mit Giganten warf. Sie akzeptierte, dass er sich Tag für Tag unbewusst der Gefahr aussetzte, einem Feind zu begegnen. Sie konnten schließlich überall sein. Aber das? Das überstieg ihre Geduld und den Rahmen ihrer Akzeptanz.
Ihr tat es leid um die Frau, die mit diesem Fluch belegt war. Aber in erster Linie ging es hier um ihre Familie. Um das, was sie sich alles aufgebaut hatten und was er damit alles aufs Spiel setzen konnte. Wenn es auch nur im Ansatz so sein könnte, dass er sein Leben dafür lassen musste oder schwere Beeinträchtigungen davon ziehen würde, dann würde sie sich quer stellen. Sie verstand tatsächlich sehr viel und war die Letzte, die ihm irgendwelche Steine in den Weg legte. Aber sie war tatsächlich am Ende.
Nicht, dass sie nur wütend war darüber, dass er mal wieder im Alleingang entschieden hatte, dass er sein Leben für das Leben fremder Frauen in Gefahr brachte, nein. Sie hatte vorrangig Angst um ihn, ihre Familie und vor dem, was passieren würde. Zusätzlich war sie überfordert mit der Situation, sich damit auseinandersetzen zu müssen, dass etwas schief gehen könnte. Ihr wurde schlecht bei dem Gedanken daran, dass ihm tatsächlich etwas geschehen könnte. Kra'thor war nicht zu unterschätzen und das wusste sie. Wenn sie etwas wusste, dann das. Die Diener Kra'thors waren schlimm genug – was sich wieder einmal bewiesen hatte.
Sie stapfte weiter. Die Wut übermannte jeglichen Arten der Gefühle gemeinsam mit der Verzweiflung. Sie hatte ihm Argumente genannt, weswegen er es lassen sollte. Aber es war so wie immer. Auf sie hören? Wozu? Man konnte ihre Situation mit Rahal und seine Situation nicht vergleichen. Das sah sie jedoch ganz anders. Natürlich konnte man es verkneifen. Sie hatte gewusst, zumindest unbewusst, dass etwas passieren konnte. Und er wusste es ebenso. Nur der Grund, weswegen sie sich an den gefährlichen Orten aufhielten war ein unterschiedlicher. Aber es war ihm egal, absolut gleichgültig. Er blieb bei seiner Meinung, entkräftete ihre Worte und nahm weder ihre Gefühle noch ihre Sorgen ernst. Mit leichtfertigen Worten wollte er sie in Sicherheit wiegen, aber Neliel war nicht dumm. Vielleicht war es tatsächlich nicht so schlimm, wie sie es sich in ihren Gedanken ausmalte. Aber es ging längst nicht nur darum. Sie war verletzt, zutiefst verletzt, dass er sie nicht ernst nahm und es ging letztendlich mitunter um das Prinzip. Er hatte sie gebeten, Rahal nie wieder zu betreten, denn er wolle sich nicht sorgen. Sie hatte vor ein paar Tagen zugestimmt. Ihr naives Denkmuster abgelegt, um einen Schritt in eine erwachsenere Welt zu machen. Ihr wurde bewusst, dass sie eben nicht mehr alleine auf der Welt war und Rücksichtnahme zugunsten des liebsten Menschen eine Tugend war, mit der man sich doch auch auseinandersetzen musste. Aber sie lernte schnell – ihm und ihrer Tochter zuliebe. Ja, es ging lange nicht mehr nur nach ihr.
Aber das war ein Punkt, den Janus nicht verstehen wollte. Er vermittelte ihr das Gefühl, dass seine Prinzipien wichtiger waren, als seine Familie. Frau und Kind waren zuhause, machten sich Sorgen, dass Mann und Vater nicht wieder zurückkehrten, aber ihm war es gänzlich egal. Neliel redete, sprach auf ihn ein, wurde hysterisch. Und die Angst gepaart mit der Wut trieb sie soweit, dass sie es nicht mehr aushielt. Die Sachen gepackt und mitgenommen ging sie weg. Sie wollte nicht mehr die kleine, naive Neliel sein, die alles mit sich machen ließ. Sie wusste auch, dass sie gerade einen großen Preis bezahlen würde. Einen Preis, der sie tief in ihrem Herzen unglücklich machen würde. Aber würde sie bleiben, wäre sie auch nicht glücklicher. Sie fühlte sich verletzt, hintergangen, unverstanden und unterbuttert. Sie fühlte sich bestätigt darin, dass er sie für dumm und naiv hielt, indem er jegliches ihrer Argumente umdichtete oder entkräftete. Sie wusste, dass der Schritt, den sie jetzt ging, vermutlich der letzte war. Es würde sie innerlich zerreissen ohne diesen Menschen zu sein. Ohne ihre Tochter zu sein. Natürlich war auch sie egoistisch, genau in dem Moment, als sie das Haus nach ihm verlassen hatte. Nilaihah lag im Bett, konnte jeder Zeit wach werden, aber Neliel hielt es nicht mehr aus. Janus hatte sie zutiefst verletzt. Sie hätte niemals im Leben gedacht, dass ihm Menschen, die er nicht einmal wirklich kannte, so viel wichtiger waren als sie selbst.
Natürlich hatte auch sie ihre Fehler. Vielleicht hatte auch sie hier und da im Gespräch die falsche Wortwahl verwendet und vielleicht hätte auch sie ihm nicht gleich sagen müssen, dass sie gehen würde, wenn er so handeln würde, wie geplant. Aber aus der Verzweiflung heraus ihn zu verlieren, flüchtete sie. Sie war wieder die da, diese Angst. Und diesmal konnte ihr Verstand nicht standhalten. Sie wusste, dass ihr Weg nur zu ihren Eltern führen würde. Auch, wenn sie stattdessen noch in den Wäldern herumstapfte und nach einer Lösung suchte. Er wollte am nächsten Tag noch einmal mit ihr reden. Die Gemüter waren überhitzt und er war fort. Der nächste Tag würde bald beginnen. Die Nacht war schon lange vorangeschritten und die Morgendämmerung dürfte bald einsetzen. Nicht einen Lidschlag hatte Neliel mit schlafen verbracht. Sie fühlte sich, als hätte eine Horde Pferde sie überrannt. Dazu dieser quälende Schmerz und die Angst, dass ihre Welt dieses Mal nicht wieder so schnell heile gemacht werden konnte. Sie dachte an Nilaihah und presste die Lippen zusammen. Sie wusste, wie sehr sie gelitten hatte, als Janus fort war. Und nun war sie es, die gegangen war. Aber sollte sich Neliel tatsächlich dazu entscheiden, Janus zurückzulassen, so würde Nilaihah immer bei ihr willkommen sein. Tränen perlten erneut von ihrem Kinn ab und sie schlug mit der Faust gegen einen der Bäume. Warum hatte alles nur so laufen müssen? Sie hatte gewusst, auf was sie sich einließ. Aber warum konnte er nicht einmal vernünftig sein? Wo er doch ständig an ihre Vernunft appellierte?
Sie stapfte wütend durch die kühle Nacht. Was glaubte er eigentlich, wer er war? Ihr Mustang trottete hinter ihr her, während sie leise schimpfend mit Tränen auf den Wangen weiterlief. Glaubte er wirklich, er würde genau damit weiterkommen? Er hatte ihr von seinem Vorhaben erzählt, auch, dass es eine gewisse Gefahr für alle Beteiligten erforderte. Und er setzte seine Gesundheit, sein Leben und seine Familie also lieber aufs Spiel, als sich einmal herauszuhalten?
Er selbst hatte doch noch gepredigt, dass sie jetzt nicht mehr leichtsinnig sein dürfte. Denn sie hatte Familie. Einen Mann und ein Kind, die ohne Frau und Mutter recht verloren wären. Und er? Hatte er tatsächlich weiterhin absolute Narrenfreiheit? Sie akzeptierte, dass er die Leitung der Arcana wieder übernommen hatte. Sie akzeptierte, dass er sich in den Kampf mit Giganten warf. Sie akzeptierte, dass er sich Tag für Tag unbewusst der Gefahr aussetzte, einem Feind zu begegnen. Sie konnten schließlich überall sein. Aber das? Das überstieg ihre Geduld und den Rahmen ihrer Akzeptanz.
Ihr tat es leid um die Frau, die mit diesem Fluch belegt war. Aber in erster Linie ging es hier um ihre Familie. Um das, was sie sich alles aufgebaut hatten und was er damit alles aufs Spiel setzen konnte. Wenn es auch nur im Ansatz so sein könnte, dass er sein Leben dafür lassen musste oder schwere Beeinträchtigungen davon ziehen würde, dann würde sie sich quer stellen. Sie verstand tatsächlich sehr viel und war die Letzte, die ihm irgendwelche Steine in den Weg legte. Aber sie war tatsächlich am Ende.
Nicht, dass sie nur wütend war darüber, dass er mal wieder im Alleingang entschieden hatte, dass er sein Leben für das Leben fremder Frauen in Gefahr brachte, nein. Sie hatte vorrangig Angst um ihn, ihre Familie und vor dem, was passieren würde. Zusätzlich war sie überfordert mit der Situation, sich damit auseinandersetzen zu müssen, dass etwas schief gehen könnte. Ihr wurde schlecht bei dem Gedanken daran, dass ihm tatsächlich etwas geschehen könnte. Kra'thor war nicht zu unterschätzen und das wusste sie. Wenn sie etwas wusste, dann das. Die Diener Kra'thors waren schlimm genug – was sich wieder einmal bewiesen hatte.
Sie stapfte weiter. Die Wut übermannte jeglichen Arten der Gefühle gemeinsam mit der Verzweiflung. Sie hatte ihm Argumente genannt, weswegen er es lassen sollte. Aber es war so wie immer. Auf sie hören? Wozu? Man konnte ihre Situation mit Rahal und seine Situation nicht vergleichen. Das sah sie jedoch ganz anders. Natürlich konnte man es verkneifen. Sie hatte gewusst, zumindest unbewusst, dass etwas passieren konnte. Und er wusste es ebenso. Nur der Grund, weswegen sie sich an den gefährlichen Orten aufhielten war ein unterschiedlicher. Aber es war ihm egal, absolut gleichgültig. Er blieb bei seiner Meinung, entkräftete ihre Worte und nahm weder ihre Gefühle noch ihre Sorgen ernst. Mit leichtfertigen Worten wollte er sie in Sicherheit wiegen, aber Neliel war nicht dumm. Vielleicht war es tatsächlich nicht so schlimm, wie sie es sich in ihren Gedanken ausmalte. Aber es ging längst nicht nur darum. Sie war verletzt, zutiefst verletzt, dass er sie nicht ernst nahm und es ging letztendlich mitunter um das Prinzip. Er hatte sie gebeten, Rahal nie wieder zu betreten, denn er wolle sich nicht sorgen. Sie hatte vor ein paar Tagen zugestimmt. Ihr naives Denkmuster abgelegt, um einen Schritt in eine erwachsenere Welt zu machen. Ihr wurde bewusst, dass sie eben nicht mehr alleine auf der Welt war und Rücksichtnahme zugunsten des liebsten Menschen eine Tugend war, mit der man sich doch auch auseinandersetzen musste. Aber sie lernte schnell – ihm und ihrer Tochter zuliebe. Ja, es ging lange nicht mehr nur nach ihr.
Aber das war ein Punkt, den Janus nicht verstehen wollte. Er vermittelte ihr das Gefühl, dass seine Prinzipien wichtiger waren, als seine Familie. Frau und Kind waren zuhause, machten sich Sorgen, dass Mann und Vater nicht wieder zurückkehrten, aber ihm war es gänzlich egal. Neliel redete, sprach auf ihn ein, wurde hysterisch. Und die Angst gepaart mit der Wut trieb sie soweit, dass sie es nicht mehr aushielt. Die Sachen gepackt und mitgenommen ging sie weg. Sie wollte nicht mehr die kleine, naive Neliel sein, die alles mit sich machen ließ. Sie wusste auch, dass sie gerade einen großen Preis bezahlen würde. Einen Preis, der sie tief in ihrem Herzen unglücklich machen würde. Aber würde sie bleiben, wäre sie auch nicht glücklicher. Sie fühlte sich verletzt, hintergangen, unverstanden und unterbuttert. Sie fühlte sich bestätigt darin, dass er sie für dumm und naiv hielt, indem er jegliches ihrer Argumente umdichtete oder entkräftete. Sie wusste, dass der Schritt, den sie jetzt ging, vermutlich der letzte war. Es würde sie innerlich zerreissen ohne diesen Menschen zu sein. Ohne ihre Tochter zu sein. Natürlich war auch sie egoistisch, genau in dem Moment, als sie das Haus nach ihm verlassen hatte. Nilaihah lag im Bett, konnte jeder Zeit wach werden, aber Neliel hielt es nicht mehr aus. Janus hatte sie zutiefst verletzt. Sie hätte niemals im Leben gedacht, dass ihm Menschen, die er nicht einmal wirklich kannte, so viel wichtiger waren als sie selbst.
Natürlich hatte auch sie ihre Fehler. Vielleicht hatte auch sie hier und da im Gespräch die falsche Wortwahl verwendet und vielleicht hätte auch sie ihm nicht gleich sagen müssen, dass sie gehen würde, wenn er so handeln würde, wie geplant. Aber aus der Verzweiflung heraus ihn zu verlieren, flüchtete sie. Sie war wieder die da, diese Angst. Und diesmal konnte ihr Verstand nicht standhalten. Sie wusste, dass ihr Weg nur zu ihren Eltern führen würde. Auch, wenn sie stattdessen noch in den Wäldern herumstapfte und nach einer Lösung suchte. Er wollte am nächsten Tag noch einmal mit ihr reden. Die Gemüter waren überhitzt und er war fort. Der nächste Tag würde bald beginnen. Die Nacht war schon lange vorangeschritten und die Morgendämmerung dürfte bald einsetzen. Nicht einen Lidschlag hatte Neliel mit schlafen verbracht. Sie fühlte sich, als hätte eine Horde Pferde sie überrannt. Dazu dieser quälende Schmerz und die Angst, dass ihre Welt dieses Mal nicht wieder so schnell heile gemacht werden konnte. Sie dachte an Nilaihah und presste die Lippen zusammen. Sie wusste, wie sehr sie gelitten hatte, als Janus fort war. Und nun war sie es, die gegangen war. Aber sollte sich Neliel tatsächlich dazu entscheiden, Janus zurückzulassen, so würde Nilaihah immer bei ihr willkommen sein. Tränen perlten erneut von ihrem Kinn ab und sie schlug mit der Faust gegen einen der Bäume. Warum hatte alles nur so laufen müssen? Sie hatte gewusst, auf was sie sich einließ. Aber warum konnte er nicht einmal vernünftig sein? Wo er doch ständig an ihre Vernunft appellierte?
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Nilaihah Lelyn
Schreie hallten durch das Haus, Worte die wütend und vorwurfsvoll wechselseitig ausgetauscht wurden. Nilaihah sass still auf ihrem Bett, lauschte, sah hinaus, presste die kleinen Fingerchen in die Decke des Bettes. Warum mochten sich Mama und Papa nicht mehr? Wieso stritten sie sich? Fragte sie bei sich und verstand nicht was geschah. Es tat ihr weh. Ihr Papa war oft nicht zu Hause gewesen, sie hatte sich teilweise daran gewöhnt, sich fast völlig auf die Mutter fixiert. Und dann war der Papa plötzlich wieder heimgekommen, war geblieben, war nicht mehr weggegangen. Und jetzt schrien sie sich an. Nilaihah kullerte eine Träne die Wange herunter und sie drückte sich in die äusserste Ecke ihres Bettes...lauschte. Würde Papa wieder weggehen? Nach einer Weile wurde es still. Dann dann rasche Schritte, eine Tür knallte. Dann wieder Stille. Was war nun geschehen? Wer war da gegangen? Sie traute sich nicht hinaus, traute sich nicht zu schauen ob Mama oder Papa noch im Haus waren, wollte die Wahrheit nicht wissen. Sie kuschelte sich noch tiefer ins Bett hinein und weinte. Die Stille war schrecklich und zerriss sie fast. Sie hatte sie beide doch lieb, sie brauchte beide. Sie wollte nicht das sie stritten oder wieder der Papa wegging. Mama war immer bei ihr geblieben, sie würde nicht weggehen....würde sie nicht, das lag ausserhalb der Vorstellungswelt Nilaihahs. Irgendwann schlief sie ein, in einen unruhigen aber tiefen Schlaf.