Verfluchte Heulerei

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Tarja Thyrmon

Verfluchte Heulerei

Beitrag von Tarja Thyrmon »

Sie hatte es satt. Wozu wurden Arkorither denn erzogen? Garantiert nicht dazu, unpünktlich zu sein. Die fadenscheinigen Entschuldigungen ihrer Schüler hatte sie satt. Danielle hatte ihre Geduld vollkommen ausgereizt und ja, auch sie war es, weswegen sie sämtlichen Glauben an die Schüler verloren hatte. Sie waren weich, naiv und weinerisch. Nichts an Härte, nur ständige Nörgelei. Keinerlei Disziplin. Nur Schwächen. Sie hasste Schwächen und Schwächen würden härter bestraft werden denn je.

Dass es heute jedoch ein äußerst ungünstiger Tag war, die Elegida zu verärgern, das war der jungen Schülerin nicht bewusst. Leise klopfte es an die Türe. Tarja war gerade erst zurückgekommen von einem Ausflug und hatte sich noch nicht einmal ihres Mantels entledigt. "Herein.", die Tür sprang durch einen Eingriff ins Lied auf. Xandoria trat mit geduckter Haltung in den Raum. Wer war sie eigentlich? Tarja hatte sie sich noch nie wirklich betrachtet. Sie war nie aufgefallen zwischen all den Arkorithern. Unscheinbar. Im Grunde genommen war das ein sehr ausgeprägtes Potenzial, wenn man es richtig zu Nutzen wusste. Xandoria stammelte irgendeine Entschuldigung und Tarja wusste nicht einmal im Ansatz, worum es ging. Der Vortrag, den sie seit Wochen hätte halten sollen und für den am morgigen Tage ein Termin angesetzt war, ihn konnte sie nicht halten.

Es waren nur merkwürdige Erklärungen, die Tarja nicht verstand. Sie mochte es nicht, wenn man sie an der Nase herumführte und ihr so offensichtlich ins Gesicht log. Sie hatte große Lust, Xandoria ähnlich wie Danielle leiden zu lassen. Die Wut auf beide Schülerinnen war viel zu groß. Waren sie denn alle von guten Geistern verlassen oder weswegen reizten sie ihre Geduld immer noch weiter aus?

"Ich will frei sein, Elegida. Nicht gefangen, wie ich es hier bin.", entfleuchte es der Schülerin. Frei sein. Frei? Sie wusste es nicht zu schätzen, was es bedeutete, ihre Lehren am Orden der Arkorither genießen zu können. Eine Akademie, die sich so deutlich von anderen abhob? Tarja lachte verachtend. "Willst du mich reizen, Xandoria?", doch diese schüttelte heftigst ihren Kopf. "Nein, Elegida. Ich möchte nur nach meiner Freizeit bitten!"

Freiheit. "Ich kann dir deine Freiheit geben, wenn du so sehr darum bittest." Tarja lächelte daraufhin falsch. Und es dauerte nicht lang, ehe die Schülerin vor ihr auf dem Boden lag. Das Gift hatte sich in Windeseile in ihrem Körper verteilt und den Rest getan. Der leblose Körper lag inmitten ihres Raumes. Seufzend stieg sie darüber und zog die Kapuze in ihr Gesicht. Eine kurze Mitteilung an Isabella, ehe sie die Burg verließ. Der Raum würde gesäubert sein, ehe sie zurückkam. Und keiner würde erstmal vermuten, was in den Räumlichkeiten der Elegida tatsächlich passiert war. Wie die Höhle einer Schlange, man betritt sie - aber lebend kommt man nur sehr selten heraus.
Tarja Thyrmon

Beitrag von Tarja Thyrmon »

“Ich habe Euch enttäuscht, Elegida.“, mit gedehmütigtem Blick saß die Schülerin vor ihr, Tränen strömten aus ihren Augen und sie sah flehend zu ihr auf. Die Hände hatte sie bittend ineinander gefaltet und die Verzweiflung stand in ihren Augen. Tarja besah sich Caljina. Was war aus dieser Arkoritherin geworden? Was nur?

“Was hast du dir nur dabei gedacht, Caljina?“, sie mochte es nicht richtig glauben. Tarjas Blick trübte sich und ein Schleier legte sich vor die beissenden blauen Augen. “Ich hatte von dir nicht erwartet, dass du mich jemals so enttäuschen wirst. Genügend Zeit für die Fortbildung hattest du ja. Und du kommst mit keinerlei weiteren Informationen zurück?“
Die Schülerin presste die Lippen aufeinander. Allem Anschein nach lag es ihr fern, sie tatsächlich zu enttäuschen. “Ich bitte euch eingehendst um Verzeihung. Ich weiss, dass ihr immer an mich geglaubt habt, Elegida.“
Tarja lächelte daraufhin schwach. “Ach weisst du, Caljina. So viele haben mich in letzter Zeit enttäuscht. Da kommt es auf eine weitere schwache Schülerin auch nicht drauf an.“ Caljina presste die Lippen erneut aufeinander und versiegelte ihre Lippen. “Ich weiss nur nicht, was ich nun mit dir machen soll. Die letzte Enttäuschung hatte den Tod als Bestrafung. Ihr kennt die Regeln – alle.“
Caljina sah zu Tarja auf und schüttelte langsam den Kopf. “Elegida, ich mache wirklich alles, was ihr von mir verlangt. Nur bitte, gebt mir diese weitere Möglichkeit um zu beweisen, dass ich es wert bin.“
Tarja hasste dieses Bitten und Betteln. Sie konnte es absolut nicht ausstehen, wenn jemand kein Rückgrat hatte. Das verschlimmerte die Situation Niobaras natürlich gänzlich. “Hör auf zu jammern wie ein verlorenes, verweichlichtes Kind. Wo ist denn all deine Erziehung hin, die du hier genossen hast?“
Niobara schluckte und schwieg. Der Kopf wurde in Demut gesenkt. “Ich werde dir eine Möglichkeit einräumen, Niobara. Wenn du diese überstehst, dann ist dein Geist und dein Körper gewillt, in unseren Reihen zu bleiben.“ Mit den Worten verabschiedete sich Tarja und zog sich in ihre Kammer zurück.

Nachdenklich wandte sie den Blick zum Fenster und schaute hinaus auf die grüne Fläche, die sich vor dem Meer erstreckte. Die Äste wehten im Wind und erhaschten einen Moment länger ihre Aufmerksamkeit als geplant. Ihre Hände umschlossen den warmen Krug gefüllt mit Tee und sie nippte daran. Mentalmagie war etwas Großartiges. Sie liebte diesen Zweig der Magie. Man konnte einen Menschen alleine mit Gedanken vernichten, wenn er dagegen nicht immun war. Und genau das war auch Teil der Prüfung. Tag für Tag folgten Gedanken und Bilder im Kopf Niobaras, die sie verzweifeln ließen und in den Wahnsinn trieben. Ein starker Geist hätte dem widerstanden. Ein schwacher Geist würde genau diesen Bildern und Gedanken unterliegen. Den ersten Tag meisterte Niobara noch gut. Sie weigerte sich größtenteils, die Gedanken und Bilder zu glauben, die Tarja ihr einsetzte. Der zweite Tag jedoch ließ die Schülerin brechen. Sie fing an zu fiebern, hatte wirre Träume und konnte kaum noch gerade gehen. Aber Tarja ließ nicht locker. Sie musste sichergehen, dass Niobara es wert war.
Erst an Tag drei sah Tarja nach der Schülerin. Apathisch und zitternd lag die Schülerin im Eck. Der eiskalte Blick der Elegida traf ihr Gesicht. “Du hast mich maßlos enttäuscht, Niobara.“
Tarja senkte ihre Lider und ein markerschütternder Schrei durchzog die Ordensburg. Überall platzte die Haut der Schülerin auf. Die panischen Augen starrten Tarja an, ein unerbitterliches Flehen lag in ihnen. Aber sie würde den Kampf verlieren. Den Kampf gegen die Macht des Ordens.
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