Die Gesichter der Toten.

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Falk Hinrah

Die Gesichter der Toten.

Beitrag von Falk Hinrah »

Unruhig wälzte sich der Jarl des nunmehr mächtigsten Clans in seinen Fellen. Hatte er eben noch dass innige, sanfte und doch leidenschaftliche Liebesspiel mit seiner Frau erlebt, so brachte der nach Stunden der gemeinsamen Verausgabung einkehrende Schlaf doch keine Ruhe mit sich.

Alpträume plagten den blonden Hünen liessen ihn im Schlaf gequält aufstöhnen und sich hin und her werfen. Grade als das Gesicht eines kleinen Jungen sich mit anklagendem Blick auf ihn richtete wachte er auf.

Nach all den Wochen... all der Zeit die Vergangen war sandten die Geister ihm immer noch den selben Alp um ihn zu quälen. Ihn im Schlaf mit Träumen der Klage und der Grauens auf zu suchen. Einem Grauen dass er verursacht hatte.
Schon so oft hatte er versucht diesem Grauen zu entfliehen, hatte dem Waisenheim Hilfe versprochen die schon bald eingelöst werden würde, hatte angeboten die Mauer Berchgards mit Steinen des Clans zu befestigen, ja, er hatte sogar seinen eigenen Clan darunter seine Tochter in den Krieg geworfen um den Städtern gegen Orks, Untote und Rahal bei zu stehen. Hatte die Leben der Clanswölfe riskiert um eine unauslöschliche Blutschuld zu tilgen.

Langsam erhob er sich um Caillean nicht zu wecken, trat zum Fenster und beobachtete das Geschehen in der hölzernen Festung, dem Heim des Clan Hinrah, seines Clans. Grimwould war erfüllt von Leben, der Clan gedieh, ehrbare Städter und Tiefländer hatten sich den Reihen der Hinrah angeschlossen und verwuchsen mit ihnen zu einem untrennbaren Ganzen. Er sollte glücklich darüber sein... und in gewisser Weise war er es auch. Doch gleichzeitig nagte die Schuld an ihm, hatte er es verdient? Hatte er es verdient dass sein Clan gedieh während sie in ihrer blinden Wut Unschuldige erschlagen hatten?

Damals... er konnte sich erinnern als wäre es gestern... Isgar wurde ermordet gefunden. Am Nordpass... bei ihm lagen die Stücke einer zerbrochenen, varunesischen Rüstung. Einer Rüstung der königlichen Garde...

"Weisst du dir wen, dem du wenig vertraust,
Weil dich sein Sinn verdächtig dünkt,
Den magst du anlachen, und an dich halten:
Die Vergeltung gleiche der Gabe."

Dies waren die Worte Thrails und oh... wie sehr hatte die Vergeltung der Gabe geglichen... unschuldige, sinnlose Morde für einen sinnlosen Mord... des Nachts waren sie nach Berchgard gekommen, im Nebel maskiert und schwer bewaffnet.
Zahllose verloren ihr Leben. Niedergemeuchelt in der festen Überzeugung die Mörder Isgars zu strafen... noch immer suchten ihre Gesichter ihn auf, noch immer sah er den Sohn des Gardisten dem seine Klinge den Tod brachte vor sich, mit anklagendem Blick...
Es hatte nicht lange gedauert... kurz nach der Tat offenbarte die Dame im Wind ihnen die Wahrheit... Nicht Varuna war für Isgars Tod verantwortlich, sondern eine andere Macht. Nun da der Krieg gefochten war schien es klar... Rahal hatte als einziges einen Grund den Clan und Varuna zu entzweien. Doch noch einmal würden die Hinrah nicht im trüben fischen, sich nicht von ihrer Wut blenden lassen. Und das nächste Mal... das nächste Mal würden sie ihren Gegnern unmaskiert ins Gesicht sehen, die waren Mörder... und nur diese... sollten das Wolfsheulen hören und sehen wer ihnen den Tod brachte.

Eine Blutschuld.

Eine Blutschuld die noch immer nicht gesühnt, noch immer auf ihm lastete. Allem Widerspruch zum Trotz hatte er den Tod der Gardisten befohlen und dafür hatten die Ahnen ihn gestraft... seine Ehre war nicht verwirkt, aber die Anundi hatten sich von ihm abgewandt... die Anundi, die siegreichen Ahnen... die Clanskrieger.

Leer hing sein Blick auf dem geschäftigen Treiben im Hof. Der Rest des Clans sollte nicht darunter leiden... er jedoch... und auch Laila... waren von den Ahnen gestraft, mit Missachtung.
Was würde sein Vater zu ihm sagen wenn er in die grosse Halle käme, als einfacher Mann? Wie würden seine Grosseltern ihn betrachten wenn er sagte "Ich habe maskiert und ohne das Heulen Wolfs zu beschwören Männer niedergebracht die ich für schuldig hielt um der Blutrache genüge zu tun... doch sie waren unschuldig."
Seine Mutter hatte zu ihm gesagt er sei berufen, ein Kind des Windes, dessen Hebamme die Dame im Wind selbst war... ein Wolf unter einfachen Männern, ein Berserker unter einfachen Kriegern. Berufen dem Weg des Totem zu folgen und von Wolfs Macht durchdrungen eines Tages als Wolfskrieger seinen Weg zu gehen...

Doch das schien so fern... so unendlich fern... nahe lag nur eines... das Gesicht. Das Gesicht eines Jungen dessen Vater er getötet hatte in blinder Wut und heiliger Rache.


Ihn fröstelte. Langsam legte er seine Kleidung an und machte sich auf den Weg nach unten, in die Wohnstube... vielleicht würde der Met ihn vergessen machen was die Ahnen über ihren treuesten Sohn verhängt hatten.
Caillean Hinrah

Beitrag von Caillean Hinrah »

Wie so stets genoss sie Falks rauhe Zaertlichkeiten, seine draengende Sanfheit. Mit seiner Leidenschaft entfachte er die Ihre und ihre Glieder fuehlten sich danach ganz weich und schwach an.

Nur kurz waehrte ihr Schlummer. Falk hatte nur einmal davon gesprochen. Sie wusste hinter all der Froehlichkeit, steckte ein unsicherer Jarl, der hoffte noch lange genug zu leben, dass er suehnen konnte fuer seine Taten. Das Leben eines Kriegers war kurz, oft zu kurz. Und im stillen hofften sie beide lange Jahre des Friedens miteinander erleben zu koennen. Manchmal sprachen sie es laut aus. Ihre Traeume, was sie nach Gerimor brachte. Ihre Ziele, Hoffnungen. Das woran sie alle gemeinsam so hart arbeiteten. Grimwould war erst der Anfang.

Es war die Feste im Sturm fuer jene die dem Wind folgten.

Sie legte sich die Felle um die Schultern, sich nicht darum kuemmernd dass sie splitternackt darunter war, und folgte Falk nach einigen Minuten.

Der kalte Winterwind strich heulend um Grimwould herum und zauste wild an ihrem Haar, es aufbauschend als sie eintrat. So blieb sie stehen, nur ihre Silouette mochte er ausmachen. Das dicke Fell verzerrte ihre wahren Proportionen. Sie verharrte einen Moment schweigend, liess den Wind ein in die Stube, liess den Wind verliebt mit ihrem Haar spielen, Blattwerk und kuehle Luft hereinbringend.

Sie streckte die Hand nach ihm aus und fast als wuerde der Wind ihren Willen tun, umspielte er auch kurz Falk, bevor sie stumm weiter eintrat und der Wind erstarb urploetzlich.
Mit sanfter Hand und eindringlichem Blick nahm sie ihm den Met aus der Hand und schuettelte Laechelnd den Kopf. Stellte sich zwischen seine Beine, das Fell rutsche ihren Ruecken hinab, als sie seinen Kopf umschlang und an ihrem nackten Leib presste.

"Wenn du Ulfarr nicht zum naechsten Jarl erziehst, wer macht das dann? Wer sorgt fuer den Clan, auf dieselbe Weise wie du es tust? Kannst du mit guten Gewissen zu den Ahnen heimkehren, selbst wenn du wieder ein Wolfskrieger waerst?"

Sie streichelte seinen Kopf, ihr Bauch fing gerade erst anzuschwellen.

"Ich weiss, wir Lebenden muessen die Toten ihren Weg zu den Ahnen gehen lassen. Doch solltest du dich mehr um jene um dich herum kuemmern deren Herz noch schlaegt. Manchmal denke ich du denkst zu verkrampft von deinen Ahnen. Wuerde deine Mah dich geringer schaetzen? Wie kann sie nicht stolz auf dich sein, wenn sie sieht womit du kaempft in dir drin, jeden Tag aufs Neue, aufs Beste deine Leute beschuetzt und fuehrst? Fuer deine Kinder eine gute Zukunft aufbauen willst? Wie kann sie dich als einfachen Krieger ansehen, wenn du soviel mehr bist?"

Caillean erhebt sich langsam, und schlingt die Arme um seinen Nacken.
Gibt ihm einen zarten Kuss auf die Lippen
" Du bist noch nicht auf den Weg zu den Ahnen, Geliebter. Hoer auf dich zu benehmen als koenntest du nichts aendern! Met macht dich auch nicht wieder zu einem Wolfskrieger!"

Fast hasste sie sich fuer ihre Worte, aber sie mochte es noch nie leiden wenn Falk seine Sorgen in der Nacht am Feuer in Met ertrank anstatt irgendwie etwas zu aendern.
Er wusste sie liebte ihm, sie war fuer ihn da. Aber beim Met.. sie schuettelte den Kopf... da war fuer sie Schluss. Sie liess den Met bei ihm stehen. Mehr als einen Wink brauchte sie ihm eigentlich seit letzten Sommer nicht mehr geben diesbezueglich.

So ging sie wieder hinauf in die Felle. Wartete.. hoffte.. dass sie ihn erreicht hatte.. und er sie erneut mit seiner Waerme in den Schlaf einlullen wuerde.
Erinna Hinrah

Beitrag von Erinna Hinrah »

Sie hatte schon längst bemerkt das in ihrem Vater etwas vorging. Mit jedem Blick in seine unglaublich blauen Augen wusste sie es. Immer mal musterte sie ihn prüfend, sich jedoch nichts weiter anmerken lassen. Wenn ihr Vater den Wunsch hegte mit seiner Tochter zu reden, dann würde er es von sich aus wohl auch irgendwann tun.

Nichts mehr wusste sie von Berchgard, nichts mehr davon das sie die Zeit in Menek'ur verbracht hatte. Vielleicht war das auch gut so, vielleicht auch nicht. Nur jezt wünschte sie sich zu wissen was in in ihrem Vater vorging. Das es etwas Schlimmes sein musste das sah sie, hinter der Maske aus Jarl und Vater. Sie sah in seinen Augen etwas was sie nicht erklären konnte, aber sie kannte ihn gut genug um zu wissen, dass der Stolz doch gebrochen war in seinem stolzen Blick.

Leise seufzte sie innerlich und lauschte nach unten, wenn Falk von oben mitten in der Nacht in die Taverne ging. Er konnte noch so leise auftreten, das Holz verriet ihn und seinen Gang hätte sie unter tausenden erkannt. Sie kannte es von sich selber seit Seymours Tot, dass sie versuchte in den orangen Flammen Trost zu finden wenn sie schlecht geträumt hatte.
Falk Hinrah

Beitrag von Falk Hinrah »

Wie immer hatte Caillean Recht... das Met war kein Ausweg, vielmehr eine Sackgasse die er vor langer Zeit schon einmal begangen hatte. Den Rest des Horns kippte er in die Flamme, ein Opfer für die Geister die in Grimwould weilten.

Erneut trat er vor die Tür, atmete die kalte, feuchte Nachtluft ein. Schwer hing der Nebel wie jede Nacht über der Festung und wurde von den eisigen Nordwinden aus Fuachtero zu hartem, klingenscharfem Reif.
Langsam ging er die Treppe hinauf, blickte noch einmal über den nahen Nebelwald. Dort hielten sie Wacht... die Geister, die Jäger der Elfen, die Wölfe und die Bögen des Clans. Friede herrschte zu dieser späten Stunde, ein Friede wie sie ihn sich immer gewünscht hatten. Alles war im Einklang.

Das Volk der Edhil, noch immer gute Nachbarn und Freunde kümmerte sich um den Wald der beide Völker ernährte. Und auch die Clanswölfe waren nicht untätig. Mehrmals schon hatten sie Städter aus den uralten Wäldern gejagd die dort die Tiere aus Spass oder angeblich zur Übung töteten. Immer wieder konnte er aus der Ferne das schummrige Licht der Irrlichter und Waldgeister sehen die in den Tiefen des Waldes wachten. Fast meinte er das kleine Knarzen eines wandelnden Baumes zu hören der sich in einer Senke bewegte.

So lange hatten sie für diesen Einklang gekämpft... mit den Edhil verhandelt ebenso wie mit dem Königreich... endlich war diese Lichtung ihre eigene und das Leben lief wie sie es sich vorstellten.


Bis auf ihn und Laila... auf ihnen lagen noch immer die Schatten der Vergangenheit, eine Vergangenheit die niemals vergessen werden würde. Doch die Vergebung würden sie sich erarbeiten... weiterhin ihr Leben riskieren um den Ahnen ihre Ehrbarkeit zu beweisen. Auch die Ahnen waren einst Menschen, auch sie waren nicht perfekt... das war es doch was die tiefländische Lehre, den gesamten Ahnenglauben ausmachte. Die Vergangenen waren Menschen, hatten Fehler gemacht, unter ihnen gab es Wahnsinnige, Massenmörder, Selbstmörder, Diebe, Räuber, Ehrbare und Ehrlose. Ihre Legenden waren leuchtendes Vorbild und abschreckendes Beispiel zugleich.
Sie würden vergeben... früher oder später würden sich Falk und Laila beweisen. Sie vor den Elementen und er vor den Ahnen auf dass aus ihnen eines Tages eine mächtige Schamanin und ein stolzer Wolfskrieger würden.
Doch Vergebung kam selten von alleine, man musste sie sich verdienen, Taten allein waren nicht genug, Reue war es worauf es ankam. Reue für die Fehler der Vergangenheit die tief aus dem Herzen kam.

Schweren Herzens atmete er durch. Er bereute... er bereute zutiefst was passiert war und dies brachte ihn dazu alles zu tun, alles was notwendig war um Vergebung zu erlangen. Nicht von den Opfern, wie könnten diese Vergeben was er befohlen hatte? Nein, Vergebung musste aus ihm selbst kommen, ebenso wie Reue... doch war er bereit sich zu vergeben? Konnte er sich selbst vergeben was er getan hatte? War er es würdig das Schwert seines Vaters zu führen?

Er wusste es nicht... langsam senkte sich der Blick und die schweren Schritte trugen ihn zurück in seine Felle, dort legte er die Arme eng um Caillean, schmiegte seinen nackten Körper eng an ihren und küsste ihren Nacken.
Sie trug seinen Sohn in sich... wenn jemand ihn erschlagen hätte... unschuldig... würde sie dieser Person vergeben? Konnte es jemals Vergebung geben?

Er hoffte darauf... Vergessen würde sich niemals einstellen, zu oft hatte er in Berchgard an dem Grabmal der Gardisten gestanden und sich entschuldigt, bittere Tränen vergossen für die Männer die nun bei ihren eigenen Ahnen weilten. Ihre Gesichter würde niemals mehr von ihm los lassen, ihn sein Leben lang verfolgen in seinen Träumen. Doch vielleicht... vielleicht würden sie verstehen welches üble Spiel man mit ihm getrieben hatte, wie man den Tod seines Neffen dazu benutzt hatte seine Wut auf sie zu lenken. Verstehen dass auch er nur ein Bauer gewesen war, ein Bauer in einem Spiel das grössere Mächte spielten.

"Ich fürchte mich vor dem Schlaf." Hauchte er leise und drückte sich an Caillean. Blickte zum Fenster auf die dunklen Wolken die vor dem Nachthimmel entlang zogen.
Falk Hinrah

Beitrag von Falk Hinrah »

Der Tag verlief wie viele andere vor ihm.

Wie so viele andere.

Nichts störte den Frieden Grimwoulds, Eintracht und Ruhe... allen mochte es gelegen kommen, doch in ihm Schlug das Kriegerherz. Jeder Tag des Friedens, alle Ruhe und Zufriedenheit... es war nur ein Warten auf den nächsten Kampf, die endlose, träge Vorbereitung, die sich in die Unendlichlkeit streckenden Stunden vor dem Krieg.

Zermürbendes, langweiliges, Warten.

Er schämte sich für seine Gefühle, den tief in ihm verwurzelten Drang - nicht zu töten... wenn Töten erst zu einem Drang wurde war er ein Mann nicht länger ein Krieger, sondern ein Mörder - nein vielmehr köchtelte in ihm der Drang sich zu beweisen. Mit 28 Jahren war er trotz drei Kriegen und endlos vielen Scharmützeln die er erlebt hatte noch lange keiner der ruhigen Alten, kein müder Kämpfer der nur noch seine Scholle bestellen und mit seiner Frau durch die Felle rutschen wollte...

Gut, das mit der Frau und den Fellen lag ihm mindestens genauso im Blut. Aber noch immer hatte er sich nicht bewiesen, nicht vor den Ahnen und nicht vor sich selbst. Er wollte keinen Krieg, keinen Kampf. Er wollte Frieden... aber ebenso wollte er seinen Clan beschützen, mit dem Schwert in der Hand die die er liebte verteidigen.

Er nannte es den Berserker... den Drang zu kämpfen, sich zu beweisen, sich selbst und dem Clan zu beweisen dass er fähig war... doch wie sollte er der Welt zeigen dass niemand an ihm vorbei kam um seinem Clan zu Schaden wenn er nicht kämpfen konnte... wenn er nicht durch seine Klinge Angst unter seinen Feinden sääte dass die Angst selbst ausreichte um niemanden jemals wieder daran Zweifeln zu lassen dass es den Tod bedeutete sich mit seinem Clan an zulegen.
So sprach der Berserker, der dunkle Teil der tief verborgen in einer jeden wahren Kriegerseele schlummerte... die Varunesen versuchten ihn zu unterdrücken, zu bekämpfen ja, sogar zu leugnen für Temora... jene in denen er erwachte... nun, die gingen nach Rahal.

Manchmal träumte er... träumte vom Richtspruch der Ahnen die ihn vor einigen Jahren ins Leben zurück sandten und dies nur aus einem Grund taten. "In dir, junger Hinrah, sehen wir vielerlei Saat, dort gibt es den Heiligen und das Monster, den Beschützer und den Zerstörer, den Kriegsherrn und den Friedensherrscher, den Helden und den Feigling. Kehre zurück in die Welt die dich formt auf dass die Saat reifen und Früchte tragen soll. Dann werden wir sehen ob du das eine, oder das andere geworden bist."


War er bereits das Monster? Hatte er nicht den Berserker die Hand führen lassen durch die zehn Gardisten in Berchgard starben?
Doch ebenso war er der Vater, der Ehemann, der Beschützer... und er kannte niemanden dessen Beschützerinstinkte stärker ausgeprägt waren als seine eigenen. War nicht dass der Vorwand mit dem der Berserker versuchte ihn, den waren Falk zu verleiten? Kämpfen, Furcht und Schrecken in den Feinden säen um zu beschützen...

Oder war das alles vielleicht, Teil des grossen Gleichgewichts? Ordnung und Chaos, Schöpfung und Vergehen. Das alles musste es geben, ohne das eine konnte das andere nicht sein.

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Langsam drehte er sich in den Fellen, schaute in die wundervollen Augen Cailleans und lächte sie liebevoll an. Oft lagen sie schweigend nebeneinander, ebensooft redeten sie miteinander, immer aber genossen sie die traute Zweisamkeit.
Sie gab ihm soviel Halt, soviel Liebe und Zuneigung nur durch ihren Blick. Er wusste er liebte sie. Und sie liebte ihn. Für sie würde er es besiegen, es tief in seinem Inneren einkerkern. Denn der Drang, so mächtig er auch war, so kräftig der Berserker an seinen Fesseln rüttelte. Für sie konnte er ihn halten. Tief in sich bewahren, die Langeweile und das Warten aushalten... bis er ihn brauchen würde, den Wilden, den Barbaren, den unbezwingbaren Berserker.

Vielleicht, so dachte er sich, vielleicht war das ja der Kampf den die Ahnen von ihm forderten. Der Beweis seiner Ehre, seiner Bereitschaft UND seiner Eignung zu einem wahren Clanskrieger der den Weg Wolfs beschreiten wollte. War denn nicht auch Wolf Bestie und Beschützer in einem? Gnadenloser Krieger und Behüter seines Rudels?

Wenn es so wäre... die Ahnen würden ihm ein Zeichen geben, einen Beweis dass dies der richtige Weg war. Dass der Kampf in der Welt nichts bedeutete... und der Kampf in sich selbst alles.

Wieder blickte er sie an und musste sogar lächeln, ertrank in den Augen dieser Frau der er sein Leben gewidmet hatte. Wie weise waren doch diese Augen die ihn einfach stumm anblickten.
Sich näher zu ihr neigend schenkte er ihr einen sanften Kuss.
Caillean Hinrah

Beitrag von Caillean Hinrah »

Sie kannte Falks dunkelste Seite.

Den innerlichen Kampf den er mit sich focht. Erst war es der Kampf gegen ihre Ehe. Gegen ein goldenes Gefaengnis. Viel Wut und Zerstoerung hat es vor vielen Monaten ihnen gebracht. Und gleichzeitig, hatte es sie beide enger aneinander gebunden.

Sie waren beide im Einklang mit der Wahl der Herrin. Er gehoerte zu ihr. Sie gehoerte zu ihm. Simpel. Einfach, wenn man es in seiner Gaenze akzeptierte. Das zu lernen war hart gewesen. Sie beide waren durch schwere Pruefungen des Herzens und der Seele gegangen.

Jetzt. Wolf lebte im Jetzt. Wolfsein war einfacher.

Sie beneidete Falk nicht. Sie kannte jede Sehnsucht in seinen unbeschreiblich blauen Augen. Was ihn antrieb, was ihn bewegte. Es war nicht immer leicht fuer ihn da zu sein. Manchmal griff auch sie voellig daneben mit ihren Weisheiten.

Im Allgemeinen konnte sie ihn ablenken. Doch sie wusste, das was er den Berserker nannte... diese Gier nach Blut, Kampf, den Geruch von Angst, war sehr schwer niederzuzwingen.

Nein, sie beneidete ihren Krieger nicht. Sie wuerde warten. und wie schon einmal wuerde sie staerker sein als seine Gier nach Blut, nach Tod und dem Gefuehl wie das Genick einer Person in den Haenden zerbricht. Selbst ein Schwert war zu unpersoenlich wenn man morden wollte.

Manchmal verstand sie ihn, manchmal verwirrte er sie noch mehr. Aber sie wuerde warten.... warten....
Falk Hinrah

Beitrag von Falk Hinrah »

Die Wochen vergingen... Monde schon lag das berchgarder Massaker zurück... doch die Ahnen gaben kein Zeichen der Zufriedenheit oder des Zornes. Noch immer wartete er, saß seine Tage ab in diesem Gefängniss aus Schuld, Sühne und quälender Ungewissheit.

Müde sass Falk auf dem Dach der Festung, umspielt von den kalten Winden liess er den Schweiss der durch die harten Übungsstunden mit dem Zweihänder unter dem Leinenhemd lag mit dem Winde ziehen. Diese Stunden waren einige seiner Liebsten, der Körper verausgabt und der Geist geleert sass er im Schneidersitz dort und schärfte in langsamen Zügen seine gewaltige Waffe.

Wer die Tiefländer nicht näher kannte würde kaum glauben was Falk seit nunmehr vier Tagen jeden Abend tat... zu Meditieren schien gar nicht zu ihrer wilden, rauhen Schale zu passen. Doch Thrail hatte sein Volk die Wege der Natur gelehrt, die Weisheit der Gestirne, wann, wo und wie sich die Tore zur Geisterwelt öffneten. Er hatte sie gelehrt dass der Wille über den Körper triumphierte und dass der scharfe und ungebrochene Geist selbst den müdesten Krieger die Schlacht überleben ließ.

Doch ging es denn um die Schlacht? Ja... und nein. Je mehr er darüber nachdachte, desto klarer stand es vor seinem Geist.


Das erste Ziel des Weg des Schwert und der Axt ist die Einheit von Kämpfer und Waffe. Wenn Waffe und Kämpfer eins sind, wird selbst ein Grashalm in der Hand zum starken Schwert.

Das zweite Ziel des Weg des Schwert und der Axt ist, die Waffe aus der Hand zu legen. Da man die Waffe auch im Herzen trägt, kann man seine Feinde mit bloßen Händen besiegen.


Das höchste Ziel des Weg des Schwert und der Axt aber ist, sowohl auf die Waffe in der Hand als auch auf die im Herzen zu verzichten. Im Herzen sollte man das Wohl der Welt tragen. Und das bedeutet nicht zu töten, das bedeutet Frieden.


Langsam erhob er sich und schaute sich um, drehte sich und blickte auf den Hof der hölzernen Festung.

Frieden.


Seit der Schlacht um Varuna war Frieden eingekehrt. Rahal schien ihnen keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken und auch die Waffen des Clans blieben in den Scheiden so sie sich nicht verteidigen mussten. Vielleicht würde daraus ein Frieden mit Rahal erwachsen, der mit Varuna und Ered'Luin war längst erreicht. Auch Leanne, die Bürgermeisterin Bajards hatte angekündigt um ein Treffen zu ersuchen... Falk lächelte in der stillen Hoffnung auch mit Bajard einen vortrefflichen Frieden und Einklang zu finden.
Die Meditation hatte ihm geholfen den Berserker zum Schweigen zu bringen und Thrails Weg würde ihm weiterhin als Mittel dienen die ursprüngliche Kraft des Rasenden nurmehr zu nutzen... die Raserei zu reiten und nicht mehr geritten zu werden.
Er hatte seinen Kampf gewonnen. Den Kampf gegen sich selbst. Nun war es an der Zeit den Weg von Schwert und Axt zuende zu gehen. Die Waffen nicht zu benutzen und die Welt von der der Clan gemeinsam träumte zu erschaffen, eine Welt des Friedens und des Wohle aller.

Das war der Grund warum er und der Clan Bajard friedlich verlassen hatten. Das war der Grund warum er die Beleidigungen und Drohungen von Cordovan so gelassen hinnehmen konnte. Er hatte Frieden gefunden. In sich selbst, mit sich selbt. Das Massaker von Berchgard würde er niemals vergessen können, aber die Schuld war fort. Er wusste nun, dieser Fehler war ein Trittstein, ein Trittstein auf dem Weg zu einem besseren Clan, einem besseren Falk. Er hatte aus seinem Fehler gelernt.

Langsam scheidete er die gewaltige Waffe. Sie war schon längst scharf genug. Nun sollte sie in ihrer Scheide bleiben bis sie gebraucht würde um zu helfen, zu verteidigen, zu verbessern. Doch nicht mehr um zu zerstören oder Angst und Schrecken zu säen.



Ein sanftes, friedliches Lächeln legte sich auf das hellhäutige Gesicht, die unglaublich blauen Augen erstrahlten in weichem Glanz.
Zorn war ein Mittel, eine Hilfe den Schwertarm zu stärken. Doch würden Zorn oder Hass nie mehr der Weg sein. Um Frieden zu erreichen, bedurfte es anderer Wege.

Lange noch stand er dort, wie ein Fels in der Brandung. Um ihn herum tobten die Winde, goldenes Haar umwehte seinen Kopf und auch der schwere Umhang aus Wolfsfell flatterte, knallend wie ein Wimpel, zu seiner Linken. Die schwere Waffe in ihrer Scheide vor sich auf den Boden gestüzt in beiden Händen sanft ruhend. Lange Zeit - so hoffte er - würde er die Klinge ruhen lassen können und die Welt nun auf anderen Wegen ein wenig mehr zu dem machen was sie alle sich erträumten, einem friedlichen und besseren Ort.
Caillean Hinrah

Beitrag von Caillean Hinrah »

Etwas war anders an Falks Haltung. Die Schwangerschaft schaerfte ihre Sinne fuer ihre Umgebung. Fuer die Menschen die sie liebte und fuer die sie toeten wuerde. So wie Falk. Wie jedes Clansschwert. Jede Mutter.

Sie sah ihn von der Schmiede aus, als sie einige Ringe drehte fuer eine Kettenruestung. Wie er unbeweglich dem Wind sich entgegenstellte.

Was fuer ein Anblick. Wie zur Salzsaeure erstarrt. Doch der Blick jenseits Grimwoulds auf das Tal gerichtet. Das Schwert vor sich. Das Herz ging ihr auf. Fast meinte sie ein zufriedenes Summen im Wind zu hoeren, war jedoch zu fasziniert von ihrem Krieger, um es wirklich wahrzunehmen.

Sie legte ihr Werkzeug beiseite, huellte sich in ihren Umhang und ging hinauf, legte ihre winzige Hand in die Seine und lehnte den Kopf auf seinen Oberarm. Das Haar lose gebunden, umspielte sie beide.

Sie sah zu ihm auf und das Leuchten in seinen Augen liess sie strahlen.
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