Saphiria warf sich schluchzend auf ein großes Kissen im Schlafraum und versuchte sich zu fangen. Letharen als schützenswertes Leben darzustellen, wie konnte sie das nur wirklich so meinen? Sie wischte sich eine Trähne weg. Wenigstens hatte Solveigh sie nicht weinen gesehen. Mit einem leisen räuspern gewann sie wieder Fassung. So hatte sie sich das erste Zusammentreffen mit den Schwestern nicht vorgestellt, erst die seltsame Erfahrung mit der Puppe und dann das.
Den ganzen Vormittag über war das Haus leer gewesen, sie hatte zunächst ihre Kleidung gewaschen und zum trocknen in die Bäume gehängt und sich aus der Gemeinschaftskiste einige Wechselsachen genommen. Im Garten hatte sie einige Früchte geerntet und zu den Vorräten des Hauses gelegt. Die kleine Katze, die hinter dem Haus wartete, blickte ihr dabei mit großen Augen zu. "Du scheinst auf jemanden zu warten, sicherlich auf eine der Schwestern." Sprach sie leise zu dem Tier und blickte ihr nicht direkt in die Augen. Sie wusste, dass Katzen dies nicht schätzten. Das Tier strahlte trotz seiner kleinen Gestalt etwas majestätisches aus und intuitiv fühlte Saphiria, dass es ein enges Band geben musste zwischen der kleinen Katze und einer menschlichen Seele.
Saphiria betrachtete den Garten genauer, die vielen Kräuter und Pilze überwältigten sie nahezu. vereinzelt nur entdeckte sie etwas bekanntes, und viele der Kräuter hatte sie noch nie in einer solchen Größe und Pracht gesehen. Oh, wie fieberte sie dem Unterricht entgegen bei dem Vivianne ihr einen Teil ihres Wissens zuteil werden lassen würde.
Bei dem Gedanken an Vivianne wurde ihr leicht und warm ums Herz. Noch nie war sie mit einer solchen Wärme auf und angenommen worden, seitdem ihre Mutter tod war.
Sie legte sich zur Mittagszeit auf die Wiese und liess die Gedanken kommen und gehen.
Nach einiger Zeit, wurde ihr gewahr, dass die Zeit vorangeschritten war, ohne dass auch nur ein Gedanke oder ein Gefühl in ihr haften geblieben war.
Sie sprang auf und ergriff ihren Stab. Eilig lief sie hinaus zu der Trainingspuppe, die ihr Vivianne gestern gezeigt hatte. Ryana hatte sie gewarnt, diese Puppe währe heimtückisch. Saphira beäugte sie mißtrauisch: Schlaff und harmlos hing der wohl mit Stroh gefüllte in menschliche Form genähte Stoffsack an dem knorrigen Balken und wankte ganz leicht im rauhen Seewind hin und her. Ein leises knarren ging von der Befestigung der Puppe am Balken aus und lies das gesamte Konstrukt einmal mehr ungefährlich erscheinen. Genau genommen gewann Saphiria die Zuversicht, das ganze unheilige Ding mit einem Schlag umhauen zu können. Sie zögerte nicht lange, griff beherzt den Stab und schlug so kraftvoll wie es ihr möglich war darauf ein. Die Puppe gab nach, schwank ein klein wenig stärker hin und her und knarrte dazu im Takt. Saphiria schlug abermals zu, woraufhin die Puppe ein so seltsames knarren von sich gab, dass man meinen könnte sie würde lachen. Saphiria fühlte sich angespornt noch härter auf die Puppe einzuschlagen. Das Lachen wurde hämischer und stachelte in ihr den ihr ureigenen leicht entfachbaren Zorn auf das dämliche alte Ding an. Wie in Trance schlug Saphiria weiter auf die Puppe ein, sie vergaß Zeit und Raum, bis sie schliesslich eine Stimme ganz nahe neben sich vernahm. Nein, eigentlich waren es mehrere Stimmen. Sie verharrte und blickte erstaunt um sich.
Drei Frauen, darunter Ryana standen in ihrer unmittelbaren Nähe und blickten sie verständnislos an. Offenbar standen sie dort schon eine ganze Weile und sie hatte sie nicht bemerkt.
Saphiria wusste nicht ob man sah, dass sie errötete, jedoch schämte sie sich ein wenig, dass man sie so außer sich ertappt hatte. Sie brachte kaum eine Begrüßung heraus.
Ryana und eine weitere der Frauen entfernten sich und Saphiria musste sich erstmal einen Moment setzen. Sie lernte Vidala kennen und ihr viel nichts besseres ein, als diese in einen Winkel ihrer lebhaften Gedankenweilt blicken zu lassen und ihr einige Kleinigkeiten zu erzählen, die ihr so in den Sinn kamen. In einiger Entfernung sprachen die anderen beiden Frauen miteinander.
Schliesslich kamen diese auf sie zu und Saphiria stellte sich Solveigh vor. Sie sah ihr an, dass eine Sorge sie quälte, denn das hübsche ebenmäßige Gesicht der rotblonden Frau war angespannt und sie blickte traurig.
Saphiria hatte nicht im Sinn ihr ihre Gedanken und Probleme zu entlocken und doch entfachte sich schnell ein Streitgespräch zwischen ihr und Solveigh. Saphiria ergriff die Fetzen des Problems, die Solveigh preisgab und versuchte dazu einige Gedankenanstöße zu geben. Schnell jedoch schien es als fühlte sich Solveigh dadurch angegriffen und verletzt und Saphiria spührte, dass es nichts brachte ohne Kenntnis der genauen Sachverhalte noch etwas zur Lösung beizutragen. Einiges was Solveigh sagte jedoch, machte sie zornig. "Was denkt sie sich, wer sie ist, sich anzumaßen einen Blick auf die gesamte Erde werfen zu können?" dachte sie und spührte wie ihre Wangen vor Hitze zu glühen begannen. Sie erinnerte sich an das stets philosophierende Gerede des Elfen neulich im Wald, der sich ebenfalls so wichtig vorkam und meinte alle belehren zu müssen. Sie redete gegen alles an was Solveigh vorbrachte und merkte wie sie immer mehr in Rage geriet.
Solveigh begann sich von ihr abzuwenden und ignorierte ihre Bemerkungen, doch das hielt Saphiria nicht davon ab ihrem Unmut Luft zu machen. Zu heiß wallte das Blut in ihr und zu wichtig war es ihr ihre Worte auszusprechen. Schliesslich spitzte sich der Streit zu und als Ryanna begann für Saphiria Partei zu ergreifen,fühlte sie, dass sie gehen musste undzwar sofort. Sie wollte nicht, dass Ryanna und Solveigh sich nun auch noch stritten, und so lief sie eilig außer Sichtweite. Kaum war sie allein, brach es aus ihr heraus und die Trähnen liefen ihr übers Gesicht.